ChatGPT & Midjourney – Was macht 2023 mit Blogs und Büchern?

Herzlich willkommen im Neuen Jahr!

Wir begehen heute den 1. Januar 2023, ein mythologisch mächtiges Datum. Denn der heutige Tag, der achte Tag nach Weihnachten, gilt als der Tag der Brit Mila von Jesus, also seiner Beschneidung und Namensgebung (vgl. Lukas 2, 21). Einen großartigen, wichtigen Artikel zu dieser jüdisch-christlichen Beziehung schrieb Rabbiner Jehoschua Ahrens dazu in der Jüdische Allgemeine vom 01.12.2022.

Der Monat Januar verweist wiederum auf den römischen Gott Janus, Gottheit des Gestern und des Morgen, der oft mit zwei, manchmal gar vier Gesichtern dargestellt wird.

Zehra und ich hatten ein wundervolles Silvester mit befreundeten Familien, auf dem ich u.a. erfuhr, dass die richtige Ableitung von “Guter Rutsch und Hals- und Beinbruch” aus “Guter Rosch und Hazlacha Uwracha” bereits im Radio gelaufen war. Was will man(n) mehr?

Wir Blumes bei der Verabschiedung von 2022, u.a. des Jahres unserer Silbernen Hochzeit mit Interview bei Alpha & Omega. Foto: Zehra Blume

2023 der 1000te Blogpost & das vorerst letzte Sachbuch?

Für mich hat das anbrechende Jahr 2023 aber auch persönlich eine große Bedeutung. Denn – inshallah – wird dieser Blog “Natur des Glaubens” in diesem Jahr die Schwelle von 1000 (!) Blogposts und 40.000 Kommentaren erreichen! Derzeit stehen wir schon bei 992 Blogposts und 38.902 Kommentaren, davon 7.561 von mir. Als mich Lars Fischer vom benachbarten fischblog Ende 2007 mit einem ersten Gastpost zu den scilogs von Spektrum der Wissenschaft einlud, hätte ich nicht für möglich gehalten würde, wie groß, spannend und auch freudvoll das Ehrenamt als Wissenschaftsblogger sein würde. Unter anderem habe ich dadurch unfassbar viel gelernt, viele neue Bekanntschaften und Freundschaften gemacht und zahllose Anfragen und Anregungen erhalten.

Entsprechend finden sich Hinweise auf das Bloggen auch in allen Büchern meiner Religions-Trilogie: In “Islam in der Krise” (2017), “Warum der Antisemitismus uns alle bedroht” (2019) und “Rückzug oder Kreuzzug?” (2021). Mir ist dabei klar: Dass sie alle bis heute nachgefragt und gelesen werden, also “wirken”, verdanke ich auch vielen Leserinnen und Lesern von “Natur des Glaubens”! Vielen Dank allen Bücherfreunden!

Für 2023 hoffe ich nun, mit einem letzten Band zu Medien & Weltanschauungen die Sachbuch-Reihe abschließen zu können. Dies, obwohl sich gerade auch der Twitter-Rechtsprozess machtvoll in meinen Terminkalender geschoben hat und in diesem Jahr am Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt weitergehen wird. Denn danach möchte ich das Sachbuch-Schreiben neben dem sehr fordernden Beruf einige Jahre pausieren und mir endlich Zeit für einen Jugendtraum nehmen – eine Fantasy-Groschenroman-Reihe.

Doch auch dazu stellen sich mir – und vielleicht nicht nur mir – einige Fragen.

Was bedeutet Schreiben und Fantasie nach ChatGPT und Midjourney noch?

In den Weihnachtsfeiertagen 2022 nahm ich mir die Zeit, ein wenig mit den KI-Algorithmen von ChatGPT und Midjourney zu spielen – und war mehr als beeindruckt.

So spuckte das Chat-Programm etwa zu Themen der Medienethik einige Antworten aus, die mir in studentischen Seminararbeiten durchaus positiv aufgefallen wären. Wahrscheinlich ist mein Januar-2023-Blockseminar am KIT Karlsruhe über “Die Macht der Namen” das letzte sein, an dem ich keine mit einem Chatcomputer erstellten Texte präsentiert bekomme. Die Lernkurven nicht nur der Software, sondern auch der jungen Menschen sind viel zu schnell, als dass damit nicht zu rechnen. Und ich möchte mit meinen Studierenden beraten, was dies für die Zukunft der universitären Lehre bedeuten kann, ja muss. Sollten wir KI-Chatprogramme ablehnen, gar verbieten – oder sie als nützliche Tools auch im Kontext von Wissenschaft aufgreifen? Ich tendiere klar zu Letzterem, zumal auch die Herablassung einiger Akademiker:innen gegenüber Wikipedia dessen dynamische Entwicklung und den Niedergang der klassischen Lexika nicht aufhalten konnte.

Was aber bedeutet dies wiederum für Blogs und Bücher? Hat das menschliche Schreiben, das ich so gerne leiste, angesichts der KI-Produktionen überhaupt noch einen Sinn? Wer wird etwa Blog- oder Buchtexte zum “Guten Rutsch” noch ansteuern, wenn jeder Chatcomputer die judendeutsche Sprachgeschichte auf Abruf bereitstellt? Oder wird es sogar umgekehrt sein: WEIL Chatprogramme auf öffentlich verfügbare Texte zurückgreifen, werden inhaltsreiche Posts und Diskussionen über die Künstlichen Intelligenzen noch wirkungsvoller?

Tief beeindruckt hat mich so auch der Vierfach-Vorschlag von Midjourney, als ich ihm wenige Schlüsselbegriffe zu meinem aktuellen Weltanschauung-Sachbuch verriet. Die grafische Ausgestaltung von zwei der vier Entwürfe empfand ich als so stark, dass sie in meine Konzeptionen rückwirken – also beeinflussen, was ich schreibe. Und ich glaube, dass solche Wechselwirkungen zwischen KI-generierten Bildern und wissenschaftlichem Schreiben nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel sein werden.

Mein aktuelles Buchprojekt handelt von der spannungsreichen Rolle von Medien in der Weltanschauung von Bergen, Süßwasser und also Leben. Die beiden linken dieser vier Midjourney-Entwürfe dazu haben mich tief bewegt. Grafik: Michael Blume mit Midjourney

Ich starte also nachdenklich, gespannt, vor allem aber neugierig und hoffnungsfroh ins neue Jahr 2023. Und würde mich freuen, wenn Sie mich auch weiterhin ein Stück des Weges lesend und kommentierend begleiten würden.

Ihnen Dank und ein frohes, neues Jahr!

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Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) u.v.m. Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren als „teilnehmender Beobachter“, um Digitalisierung zu erforschen, Religionswissenschaft leichter zugänglich und niedrigschwelliger diskutierbar zu machen.

18 Kommentare

  1. Zitat aus obigem Beitrag: Denn – inshallah – wird dieser Blog “Natur des Glaubens” in diesem Jahr die Schwelle von 1000 (!) Blogposts und 40.000 Kommentaren erreichen!
    Martin Luther soll in seinem Leben 3000 Schriften aufgesetzt haben. Viele davon waren Flugblätter. Der Artikel Luther, der Mediengigant legt nahe, dass Luthers Erfolg zu einem wichtigen Teil auf seiner gewaltigen Produktion von Schriften beruhte. Hier ein Abschnitt daraus:

    1520, auf dem Höhepunkt von Luthers publizistischem Schaffen, kam in ganz Deutschland eine halbe Million seiner Schriften auf den Markt – ein gewaltiger Erfolg angesichts der Tatsache, dass zu dieser Zeit dort nur höchstens 1,3 Millionen Menschen lesen konnten. Luthers meistverkaufte Flugschrift „An den christlichen Adel deutscher Nation“ wurde in ihrem Erscheinungsjahr 1520 fünfzehn Mal aufgelegt, bei bis zu 4000 Exemplaren pro Auflage, die oft innerhalb weniger Tage ausverkauft waren.

    Zu dieser Zeit war Luther bereits so berühmt geworden, dass er nur noch seine Initialen M.L. oder M.L.A., für „Martin Luther, Augustiner“, auf die Titelseiten seiner Schriften zu drucken brauchte. Er war in kürzester Zeit ein Star geworden, seine Lehre und seine Person ein Medienereignis.

    Nun, vielleicht lässt sich das auch heute noch wiederholen. Das nämlich mit eigenen Schriften den Diskurs zu beherrschen.

    • Danke, @Martin Holzherr. Allerdings wäre die heutige Entsprechung zum Buchdruck des 15. & 16. Jahrhuderts doch eher das (Musik-)Video? Influencerinnen oder z.B. Rezo erreichen doch täglich viel mehr Menschen als alle von uns Buchautor:innen zusammen. Das Buch wird seine Bedeutung für sich Bildende wohl behalten, aber als führende Medien- und Kulturtechnik sehe ich „Schriften“ eher schwinden. Oder? 💁‍♂️🤔📚🎶🌈

      • Zitat Michael Blume: „ als führende Medien- und Kulturtechnik sehe ich „Schriften“ eher schwinden. Oder?„
        Wenn sie irgendwann ein eigenes Buch selbst mittels Prompten verfilmt, jedenfalls animiert haben, denken sie vielleicht anders darüber.

        Man spricht von Prompt Programming als zukünftiger Schnittstelle zu KI-Apps, ja sogar zu allen digitalen Diensten. Prompt Programming ist aber sehr nah am gewöhnlichen Schreiben.

        Ich könnte mir vorstellen, dass sie ihre Bücher in Zukunft bereits so formulieren, damit sie sich besser zur Animation/Verfilmung per Prompt Programming eignen.
        In Zukunft könnten sie „Leser“ haben, die ihr Buch nur von der Animation, dem per Prompt Programming erstellten Film, kennen und die ihnen dann vielleicht mitteilen, sie hätten die und die Schauspielerin (oder auch nur Vorleserin) durch eine andere ersetzt – mittels nachträglichem Prompt-Programming, wie es von ihnen, Herr Blume, autorisiert worden sei.

        • Wow, Danke, @Martin Holzherr – das „Prompten“ kannte ich noch nicht! Und wenn Sie Recht haben, wären also zukünftige Bücher immer auch Drehbücher…

          Ein faszinierender Gedanke, fürwahr! ☺️📚🙌

  2. KI in der Literatur.
    Gibt es ja schon im Internet. Es reicht eine Textzeile einzugeben und schon erscheint das Angebot für das Buch aus der sie stammt.
    Ob es das gibt weiß ich nicht, ich vermute mal , ja.
    Schüleraufsätze zu bestimmten Motiven, z.B. die Weihnachtsgeschichte.
    Dann wäre es ein Leichtes so einen Aufsatz auszugeben , wenn der gewünschte Suchbegriff darin vorkommt. Mit Intelligenz hat das nichts zu tun, es wird nur schon Geschriebenes ausgegeben.

    Was die KI braucht, sie braucht das Handlungsmotiv. Das mit Inhalt zu füllen, dafür gibt es genug Vorlagen.

    Das Schwierigste wird ein zeitnaher smalltalk sein, bei der die KI zuerst analysieren muss, wen hat sie da vor sich .
    Auf jeden Fall , die Zukunft wird spannend.
    Nachtrag: Die Beispiele bei der Weihnachtssgeschichte des Chatprogramms fand ich “fade” . Das wird so kommen wie bei der Musik. mp3 hat die Tonqualität bei der Musikwiedergabe gesenkt und fast niemand hat es beklagt.
    Jetzt werden die Romane von einer KI zumindest teilweise geschrieben werden und fast niemand wird sich beklagen.

    • Danke, @lioninoil. Tatsächlich hatte ich ja gerade zur Entwicklung des Rap gebloggt, wogegen die sog. („klassenbewusste“) Klassik immer stärker auf staatliche Subventionen angewiesen ist. Ich denke schon, dass Medialisierung durch Vergünstigungen tendenziell egalisierend wirkt.

  3. Es könnte auch zu einem hype der Literatur kommen. Es genügt ein smartphone mit chatgpt und jeder fühlt sich berufen eine Kurzgeschichte über die sozialen Medien zu verbreiten.
    In jedem Menschen steckt ein Autor.

    • Ja. @lionoil – das wäre die Werkzeugthese, die Chatprogramme ähnlich wie Papier, Druckerpresse und Schreibmaschine als Erleichterung und Verbilligung definiert, die letztlich zur Demokratisierung führe. Ich tendiere auch zu diesem Thesenbündel, zumal sich Vintage-Autorinnen wiederum davon abgrenzen können. Neue Medien haben das Schreiben verändert und verbreitet, aber gerade nicht beendet.

  4. Die Midjourney-Entwürfe zu Michael Blumes Buchprojekt demonstrieren in meinen Augen vor allem etwas: Menschen lassen sich gerne helfen und benützen gerne alle möglichen Werkzeuge, wenn dadurch etwas Besseres herauskommt.

    Prognose: Krimis, Essays, Abhandlungen und vieles mehr werden in Zukunft unter anderem mit Hilfe von KI-Programmen erstellt und diese Werke werden dadurch in einigen Fällen besser, dann nämlich wenn die menschlichen Autorinnen sehr viel eigenen Aufwand einsetzen um ein herausragendes Endprodukt zu erhalten. Allerdings bedeutet das auch: Die Ansprüche werden steigen, das Publikum erwartet in Zukunft mehr, denn was die Maschine von sich aus schon schafft, das wird dann quasi den Null-Level der Erwartungen bilden.

    Ausblick: Früher waren Mensch und Technologie zwei verschiedene Welten. In Zukunft könnten sie mehr und mehr verschmelzen. Und das zum Guten, denn wenn Menschen mit Technik auf der selben Ebene verkehren können wie mit Menschen (indem sie beispielsweise miteinander sprechen), dann wird Technologie mehr Menschen mehr bringen. Sie wird mehr Wünsche erfüllen und mehr Projekte ermöglichen. Barrieren fallen.

  5. Herr Blume,
    es gibt für unsere Breiten nur zwei interessante kalendarische Ereignisse, basierend auf Erde-Sonne-Bewegungen, die Sommer- und die Wintersonnenwende…

    Da stellt sich – rational-analytisch betrachtet – diesbezüglich u.a. folgende Frage:

    Was anderes als ein Entstehungsmythos soll Religion denn sein? Wären Sie ein “Wissenschaftler” so müssten Sie fokussiert auf Folgendes hinweisen…
    Die Geschichte Jesu, seine Geburt, sein Leben, seine Taten und auch seine Auferstehung waren in der Welt der Antike nichts Einmaliges. Die Menschen im Römischen Reich, außerhalb der großen Metropolen, waren größtenteils kaum gebildet. Sie waren unkritisch und in ihrem entbehrungsreichen Leben beseelt von der Hoffnung auf eindrucksvolle Wunder. Die Sehnsucht danach war in der religiösen Landschaft jener Zeit allgegenwärtig. Immer wieder sollen Heilige, aber auch Nicht-Heilige Kranke geheilt, Tote zum Leben erweckt, Nahrung vermehrt, Wetter und Elemente beeinflusst und Dämonen besiegt haben. Das gilt für Herakles, Dionysos, Buddha, Pythagoras und Apollonios genauso wie für Jesus. Die Mythen eines Attis, Adonis, Dionysus, Herakles weisen, trotz unterschiedlicher Einzelheiten, im Kern das gleiche Grundmuster auf wie die Überlieferung über Tod und Auferstehung Jesu.

    Klage- und Auferstehungsfeiern für Adonis, Attis und andere Kultgottheiten waren über den ganzen Mittelmeerraum verbreitet und fanden teilweise zu derselben Zeit statt wie Karwoche und Ostern. Das Christentum hat den Grundgedanken des sterbenden und auferstehenden Mysteriengottes mit dem des auf die Erde kommenden und wieder zum Himmel fahrenden gnostischen Erlösers kombiniert und daraus einen eigenen Mythos geschaffen. Der war ursprünglich noch ohne zeitliche Fixierung. Erst gegen Mitte des 2. Jahrhundert entstanden daraus die heutigen Evangelien. Darin wird Jesus als geschichtliche Person unter Pontius Pilatus dargestellt. Zugleich wurden dabei die kirchlichen Auseinandersetzungen des 2. Jahrhunderts in die vermeintlichen Anfänge im ersten Jahrhundert zurückprojiziert. Die Weichen für diese ganze Entwicklung wurden in Rom gestellt. Die ersten Evangelien wurden als Gleichnisse und nicht als Geschichte verfasst…

    Erst im Jahr 353 erklärte die Kirche den 25. Dezember zum Geburtstag Jesu. Diesem Beschluss gingen jahrzehntelange Diskussionen voraus. Im Jahr 200 hatte Clemens von Alexandrien noch den 17. November für das Geburtsdatum gehalten, andere tendierten zum 20. Mai oder 19. April. Die religionspolitisch kluge Wahl des 25. Dezember setzte sich schließlich durch. An diesem Tag feierten nämlich die Römer nach alter Tradition die Wintersonnenwende, bei welcher der Sonnengott Mithras aus einem Felsen geboren und von Hirten beschenkt wurde. In unterirdischen Kultstätten feierten die Menschen den Mythos von der Geburt der Sonne. Bei Tagesanbruch traten sie hinaus in die Morgendämmerung, wobei sie als Symbol des wiedergeborenen Sonnengottes oft die Statue eines Kindes bei sich trugen und jubelten: “Der große König, der Wohltäter ist geboren.” Genauso frohlocken die Engel bei Lukas (Lk 2,11): “Heute wurde euch der Heiland geboren.” Man wollte mit der Festlegung gerade dieses Geburtsdatums den damals noch sehr populären Mithras (römische Gottheit, die eine mythologische Personifizierung der Sonne darstellte) aus dem Bewusstsein des Volkes verdrängen. Die mit staatlicher Macht neu bekehrten Heidenchristen sollten den alten Götterglauben endgültig ablegen und trotzdem ein Gefühl religiöser Vertrautheit mitnehmen.

    • Ok, Boomer. 🤣

      Ein Einführungsseminar der Religionswissenschaft hätten Sie mit so einer Mischung aus Standardwissen und verwegener Deutung ggf. noch beeindrucken können. Leider fehlt aber z.B. die evolutionäre Perspektive jedoch noch komplett. Trauen Sie sich gerne, hier auch als kurzer Film:

      https://youtu.be/Iy9J9ddelVw

      Geduldige Grüße 🖖

      • Bevor unnötig Mißverständnisse aufkommen, Spiritualität ist für den analytisch denkenden, von kulturreligiösen Indoktrinationen befreiten Selbst-Denker kein “Problem”. Denn die Kernfrage, woher “wir” kommen und wohin „wir“ gehen, ist berechtigt.

        Metaphysische sowie religiöse Betrachtungen können sicherlich eine große Strahlkraft besitzen und emotional attraktiv sein. Die grundsätzliche Problematik im Rahmen ergebnisoffener, erkenntnisorientierter Fragen ist die stets verbleibende Beliebigkeit.

        Monotheistische organisierte Religionen sind inhärent mit dem Element des Feindbildes verbunden. Das sind insbesondere Anders- und Ungläubige, die es zu vernichten gilt. So steht es diesbezüglich in der von Menschen geschriebenen Bibel. Auch wenn die »„heiligen“ Schriften des Islams« von »Anders-Gläubigen« geschrieben wurden, wird dort das Gleiche gefordert.
        Für den Abfall vom islamischen Glauben sieht der Islam die Todesstrafe vor. Dabei können sich islamische Herrscher sowohl auf den Koran als auch auf die Hadith berufen.
        Beispiel: „Und wenn sie sich abwenden, dann greift sie und tötet sie, wo immer ihr sie findet“ (Koran, Sure 4 Vers 89)

        Religiöse Ideologien dulden grundsätzlich (in letzter Konsequenz) keine Parallelität, Symbiose oder Nichtgläubige. Beispiele: In Saudi Arabien kann sogar der Besitz einer Bibel hart bestraft werden. Um Bibeln zu finden, durchsucht die Religionspolizei auch Privatwohnungen. Wir verdrängen, dass ein Schiit im sunnitischen Kairo niemals eine schiitische Moschee bauen dürfte. Und ein Sunnit dürfte niemals im schiitischen Teheran eine Moschee bauen. Einen iranischen Koran darf man nicht nach Saudi-Arabien einführen und einen ägyptischen Koran nicht in den Iran. Man könnte diese Beispiele fortsetzen.

        Da Religionen auf postulierte, immaterielle “Größen und Initiatoren”, wie der so genannte Gott, Götter, … basieren, erübrigt sich die Existenzfrage. Der zeitgenössische Existenzbeweis bleibt aus. Eine «Gottesnachweisvorrichtung» existiert nicht, noch sonst eine physikalische Realität suggeriert «Gott». Wir haben schon lange keinen Gott mehr gesehen. Menschen dachten sich vor mehreren tausend Jahren schlicht je nach Epoche und kulturell-gesellschaftlichen Umfeld “passende” Götter aus. Der Zusammenhang zwischen der Macht der Gottesverkünder und der Glaubensinszenierung ist evident. Daraus ergibt sich u.a. die Macht der Verkünder und die Belohnung des ewig “Romantischen” für den Gläubigen. Somit verklärt der Gläubige sein Erwachsenensein. Der von Erwachsenen konstruierte, auf Kinder projizierte, ritualisierte, suggerierte Glaube an beispielsweise Weihnachtsmann und Osterhase muss(te) “gehen”, der Gottesglaube darf auch im Alter bleiben. Hier werden tiefliegende Existenzängste und die (verdrängte) Gewissheit des Todes mit “Glaubensmodellen” sediert.

        Zur Erinnerung, im 4. und 5. Jahrhundert wurden in Europa nahezu alle Bücher von Autoren, die keine Christen waren, vernichtet, meist verbrannt und gingen für immer verloren. Bis ins frühe 19. Jahrhundert war die Literatur wie auch die Kunst und die Musik in den Händen der Kirche, folglich konnte man als Künstler nicht erfolgreich sein, ohne sich mit der Kirche zu arrangieren. Die Feinde des christlichen Gedanken-Monopols wurden entsprechend „katalogisiert“. Siehe das Verzeichnis der von der katholischen Kirche verbotenen Bücher: Index Librorum Prohibitorum (kurz Index Romanus), es umfasste etwa 6000 Werke von Autoren, wie Pascal, Bacon, Descartes, Kant, Copernicus, Galileo, Diderot, D’Alembert, Comte, Defoe, Balzac, Flaubert, Hugo, Heine, Zola, Maeterlinck, Sartre, Simone de Beauvoir,… die von der Kirche als antichristlich eingestuft und bis 1965 von der Kirche offiziell geführt und ergänzt wurden.

        Während wir technologisch im 21. Jahrhundert stehen, sind religiöse Weltbilder noch von Jahrtausende alten Legenden geprägt. Diese Kombination von höchstem technischen Know-how und naivstem Kinderglauben ist fatal. Wir verhalten uns wie Fünfjährige, denen die Verantwortung über einen Jumbojet übertragen wurde. Eines der bedrückendsten Probleme der Gegenwart besteht darin, dass sich religiöse Fundamentalisten jeder Couleur in aller Selbstverständlichkeit der Früchte der Aufklärung (Meinungsfreiheit, Rechtsstaatlichkeit, Wissenschaft, Technologie) bedienen, um auf diese Weise zu verhindern, dass die Prinzipien der Aufklärung auf den Geltungsbereich ihrer eigenen Weltanschauung angewandt werden.

        • Lieber Herr Freyling,

          ja, Freund-Feind-Dualismus ist immer auch eine Gefahr erfolgreicher Religionen – weswegen etwa das Judentum die Lehre vom noachidischen Bund und das Christentum die Ökumene entwickelt hat. Antireligiöse Diktaturen wie in der Sowjetunion, China oder Nordkorea führten dagegen in Abgründe.

          Es ist kein Zufall, dass ein plumper Reduktionismus weder Menschenrechte begründen noch die Anthropodizee beantworten kann. Und so geht die Evolution weiter, Tag für Tag…

          https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-empirische-beweislast-der-antitheisten/

          Ich wünsche Ihnen also den Mut, ehrlich wissenschaftlich, dialogisch und monistisch auch mal eigene Annahmen zu hinterfragen.

          Mit freundlichen Grüßen!

  6. Dirk Freyling
    04.01.2023, 13:10 Uhr

    Das gilt für Herakles, Dionysos, Buddha, Pythagoras und Apollonios genauso wie für Jesus.

    Pythagoras kenne ich allerdings nur im Zusammenhang mit Geometrie. Sind sie sicher, dass der in diese Aufzählung passt?

  7. ChatGPT als Symbol für fortschreitende KI sollte man praktischer einsetzen.
    Gerade sind Unsere Kommunalverwaltungen mit der Digitalisierung beauftragt, die sie zeitnah nicht lösen sollen. Die ganze Republik flucht über ELSTER, die den Bürger und auch die Verwaltungen überfordert.
    Also, es muss jetzt mal praktisch gedacht werden, die KI könnte doch alle Formulare richtig ausfüllen. Nur so mal angedacht zum Jahresbeginn.

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