Antisemitismus im Netz – Vorträge von Sascha Lobo & mir

Nach einem überaus intensiven und lehrreichen Blockseminar in Medienethik am KIT Karlsruhe mit großartigen Studierenden endete die Woche mit einer Tagung zu “Medien und Antisemitismus” bei der Schwäbischen Zeitung in Ravensburg. Sowohl in den internen Beratungen wie auch im öffentlichen Veranstaltungsteil wurden meine Erwartungen dabei weit übertroffen – Sebastian Heinrich berichtete.

Von Ravensburg auf Twitter – Online-Tagging der Tagung durch Yasemin El-Menouar. Screenshot: Michael Blume

In meinem einführenden Vortrag stellte ich einige Grundgedanken aus “Warum der Antisemitismus uns alle bedroht” (ab März bei Patmos) vor: Demnach ist “Sem” nicht als Gründer einer “Rasse” oder von Sprachen zu verstehen, sondern als mythologischer Begründer des ersten Lehrhauses, in dem in Alphabetschrift Religion, Recht und Zukunft gelehrt wurde. Entsprechend äußert sich der Antisemitismus als Set von Gegenmythen, die seit der Antike immer wieder neu aufgeworfen und vor allem durch “neue Medien” (wie Buchdruck, elektronische und nun eben digitale Medien) befeuert werden.

Mein Eröffnungsvortrag zu “Medien und Antisemitismus”

Sascha Lobo, der diesen Vortrag aus Wertschätzung und auch biografischer Verbundenheit mit dem Thema “Antisemitismus” kostenlos gab, formulierte packende Beobachtungen zu den Untiefen der digitalen Tribalisierung – bis hin zum Neomythos der “Menstruationsverschwörung der Fleischindustrie” und dem Beitrag von Facebook am Genozid gegen die Rohinya in Myanmar. Eine sehens- und hörenswerte Stunde!

Sascha Lobo über digitalen Tribalismus und Verschwörungswahn im Netz

Tja, und dann flog ich doch noch auf! Dem bei Papierblatt.de engagierten Timo Roller gelang ein Schnappschuss, der zweifelsfrei beweist, für wen ich “wirklich” arbeite!

Timo Roller überführte mich mit DIESEM Foto! Mit freundlicher Genehmigung 😉

Michael Blume

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft und promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Buchautor, Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger und christlich-islamischer Familienvater. Zuletzt erschienen "Islam in der Krise" (2017) und "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019). Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt... Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren wöchentlich, um Religionswissenschaft zugänglich und diskutierbar zu machen.

7 Kommentare

  1. Kleine Klugausscheideranmerkung: Ein lineares Geschichtsbild – daß die Geschichte ein Anfang und ein Ziel habe – tritt mit dem Perser Zarathustra auf. Von ihm haben das die Juden und mit ihnen die anderen „Abrahamiten“ ererbt.

    • @Alubehüteter

      Klar, auch die Noahgeschichte hat im Gilgamesch-Epos ihre Vorläufer (um im sog. „Klugscheissermodus“ zu antworten 😉 ) und monotheistische Mythen finden wir auch schon bei Pharao Echnaton. Der Punkt ist jedoch, dass Monotheismus, lineare Zeit, Noah, Sieben-Tage-Woche u.v.m. von früh-hebräischen Schriftgelehrten (im Mythos „Shem“, Name) aufgegriffen und alphabetisiert wurden. Deswegen wurden diese (später „abrahamitisch“ genannten) Religionen auch global dominant und haben auch Sie, ich und nahezu alle Religions-Nerds ihre Informationen über Zarathustra, Babylon, Ägypten usw. aus Büchern in Alphabetschriften erhalten. „Sem“ has been decisive, because: The Medium is the Message. 🙂

  2. Hiess es früher ggf noch man solle das Schweigen von Marcel Duchamps nicht überbewerten sollte man heutzutage dennoch Geschwätzigkeiten eines Sascha Lobo ebensowenig überschätzen.

    Gleichwie eine interessant wirkende engerführung.

    ich bleibe gespannt: darauf wäre ich nun nicht garnicht gekommen: Michael Blume & Sascha Lobo GmbH und Co KG

    But?
    Why not?

    Schaun mer mal

  3. ich hab nix gegen Sascha Lobo, wohl indes behalte ich mir Vorbehalte zur Marke Sascha Lobo als Marketinginstrument vor.

  4. anders gesagt:
    Wenn Schwätzer schwätzen, mag das deren Angelegenheit sein.

    Wenn man sich indes bereit zu wirken scheint sich von Schwätzern shanghaien zu lassen für null Euronen und „für die gute Sache“
    dann ggf könnte das etwas anders aussehen imao.

  5. Bei aller tiefsinniger Analyse und Betrachtung bleibt doch augenscheinlich, dass Menschen in 1. und 2. Klasse eingeteilt werden. In Europa waren die Underdogs die Juden, in den USA sind es die Farbigen.
    Es besteht die begründetet Hoffnung, dass die Vorurteile durch den Tourismus und durch das Internet abgebaut und vielleicht irgendwann ganz überwunden werden.

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