Verschwörungsfragen 15 – Ein Unterrichtsmodul für die Klassen 7 bis 12 zu Verschwörungsmythen

Auf vielfachen Wunsch von Lehrerinnen und Lehrern hier eine Podcast-Folge zu Verschwörungsmythen-Workshops, die ich an Schulen in Baden-Württemberg, aber testweise auch in Schleswig-Holstein und Sachsen anbieten konnte. Inklusive einer kleinen Anfangs-Reflexion zum Menschen- und Bildungsbegriff in Platonismus, bei Cicero und im Judentum.

Die Podcast-Folge ist wie immer bei podigee abrufbar, außerdem bei Spotitfy, Deezer, iTunes und YouTube.

Und hier wieder das Dokument als Text-pdf sowie nachfolgend als Fließtext:

Diese Podcast-Folge entstand aufgrund einiger Nachfragen von Lehrerinnen und Lehrern, die das Thema „Verschwörungsmythen“gerne im Unterricht behandeln wollten. Einen selbst entwickelten und an vielen Schulen und SchulartenausprobiertenWorkshop für die Klassen 7 bis 12 möchte ich Ihnen also hiermit mitsamt kostenlos verfügbarem Material vorstellen.

Denn in meiner Tätigkeit als Beauftragter gegen Antisemitismus in Baden-Württemberg und als Vater von drei Kindern habe ich die Schulen ebenfalls zu einem Arbeitsschwerpunkt gemacht und immer wieder Vorträge und Workshops gehalten. Zum Vergleich und Lernen habe ich bewusst auch einmal je eine Schule in Schleswig-Holstein und in Sachsen besucht, dort ebenfalls mit Schülerinnen und Schülern, Lehrenden und Eltern gearbeitet.

Aber erst durch Hans Blumenberg habe ich eine Ahnung dafür bekommen, „warum“ mir das Lehren an Schulen, an Universitäten und derzeit am KIT Karlsruhe so große Freude macht: Im schmalen, tiefen Reclam-Band „Wirklichkeiten in denen wir leben“ behauptete der Philosoph mutig – und ich meine heute: zu Recht – dass sich die gesamte Debatte über den Menschen auf eine einzige Alternative herunterbrechen ließe, Zitat: „der Mensch als armes oder als reiches Wesen.“

So habe Plato behauptet, dass die Rhetorik – die Redekunst – den armen Menschen unmöglich zur Wahrheit führen könne. Cicero habe dagegen den reichen Menschen gesehen, der sich durch gemeinsame Beratungen der Wahrheit tatsächlich annähernkönne.

Ich spitze Blumenberg zu: Nach Plato werde jedes Kind mit begrenzten Fähigkeiten geboren und die Herrschaft solle nur einer Kaste erleuchteter Männer zustehen. Für Platoniker ist der arme Mensch ein Gefangener seines Körpers und einer bösen Welt, der nur die Eingeweihten, die Gnostiker, die Erwachten entfliehen können. Gegenüber dem uranfänglichen Sein ist jedes Werden in der Zeit ein Niedergang. Noch Martin Heidegger wird darüber zum Antisemiten werden.

Bei Cicero dagegen wachsen Menschen im Dialog miteinander und eröffnen sich die Möglichkeiten der Republik, des Parlamentarismus, der Wissenschaft. Für Demokratinnen eröffnet sich in jedem Kind der Ausblick auf ungeahnte Potentiale und eine Zukunft voller Möglichkeiten. In Rede und Gespräch können Menschen über sich hinauswachsen, aus der Geschichte und Beobachtung lernen und gemeinsam an Erkenntnis reicher werden. Wo aber stünden das Judentum und der Semitismus in dieser Gegenüberstellung?

Die Antwort bietet der wohl mächtigste, meistzitierte und doch kaum verstandene Satz, den die Menschheit je aufgeschrieben hat. Er steht im 1. Mose 1, 27: „Da erschuf Gott den Mensch in seinem Ebenbilde, in dem Ebenbilde erschuf er ihn, männlich und weiblich erschuf er sie.“

Hier ist das Kind – und zwar unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe, Volks-oder Religionszugehörigkeit – wahrlich mehr als reich. Es ist im Ebenbild des Höchsten selbst geschaffen und von geradezu unermesslichem Potential: Im Werden kann es zum höchsten Sein aufstreben. Deswegen lehnte das frühe Judentum im Gegensatz zu den meisten Kulturen der Antike den Kindesmord ab und prägte über Maimonides und den deutschsprachigen Christen Meister Eckhart den Begriff der „Bildung“ selbst.

Schem –Sem– gilt in der jüdischen Auslegung als der Begründer der ersten Schule mit Alphabetschrift, in der alle Menschen lernen durften. Eltern und Gemeinden wurden verpflichtet, vor allem für die Bildung der Kinder Sorge zu tragen, sich aber auch selbst ein Leben lang weiter zu bilden. Dass vor über 2000 Jahren der 12jährige Jesus als Sohn eines Zimmermanns so gut Lesen und Schreiben konnte, dass er mit den Schriftgelehrten im Tempel von Jerusalem tagelang nerden konnte, das zeichnete Israel aus.

Im Babylonischen Talmud (Schabbat 119b) wird sogar formuliert, die Welt bestünde „nur um des Hauches der Schulkinder willen“. Und: „Jede Stadt, in der keine Schulkinder sind, wird zerstört.“

Was für eine Ansage vor fast 2000 Jahren! Die Qualität des Schulsystems entscheide über die Zukunft jeder Stadt und jeder Gesellschaft! Ich stimme dem zu. Falls auch Sie also der Meinung sind, dass jedes Menschenkind Lesen und Schreiben lernen und auch darüber hinaus die Chance auf eine gute Bildung erwerben sollte; dass echte Bildung auch den Charakter und Körper entwickelt und also mehr ist als nur Titelsammlung zum Gelderwerb; dass Bildung der Einzelnen, der Gesellschaftund letztlich der Menschheit diene; dann stehen Sie damit in bester, semitischer Tradition. Damit wird auch klar, warum andere antike Kulturen das Judentum als die erste Religion des Alphabetes mit einer Mischung aus Verblüffung und Neid betrachteten, die schließlich in Verschwörungsmythen und den bis heute eskalierenden Antisemitismus überging.

Was bedeutet das aber nun für die Unterrichtung von Jugendlichen zu Verschwörungsmythen? In platonischer Tradition wären die armen Kinder in heftigen Worten vor dem drohenden Bösen zu warnen, das hinter jeder Ecke lauere und sie an die falsche Welt binden wolle. Doch in demokratischer und semitischer Tradition wären Jugendliche als Mit-Entdecker zu achten, die selbst schon viel Wissen in sich tragen.

In diesem Sinne beginne ich den Workshop damit, dass ich die Pyramide einer US-Dollarnote an die Wandwerfe und die Schülerinnen und Schüler frage, was sie dort sehen. Immer und ausnahmslos und quer durch alle Schularten habe ich erlebt, dass sofort Begriffe wie „Verschwörer“, „Freimaurer“ und „Illuminati“ fielen und die Schülerinnen und Schüler sofort fasziniert waren. Denn Verschwörungsmythen sind Teil ihrer alltäglichen Kultur und ein Bereich, über den sie in der Schule kaum sprechen durften. Nun also sammeln wir all die Mythen und Erzählungen rund um den US-Dollar.

In einer kurzen Auflösung danach erzähle ich von der Entstehung der Freimaurerlogen aus den Kirchbauhütten in Großbritannien. Da die Einwanderer in die Amerikas aus den verschiedenstenNationen kamen, hatten sie anfangs keine gemeinsame Kirche, wenig gemeinsame Mythen und keine gemeinsame Identität. Die aus dem Boden schießenden Freimaurerlogen wurden daher zu Brutstätten der Rebellion gegen die europäischen Kronen und schließlich der US-Unabhängigkeitsbewegung.

Die Gründerväter – Frauen hatten noch kaum Mitsprache – wählten also bewusst masonische und römische Symbole für die neu entstandenen USA, um sich an keine einzelne Nationalkultur oder gar Staatskirche Europas zu binden. Auch die häufige Zahlensymbolik der 13 verweist hier nicht auf okkulte Geheimnisse, sondern schlicht darauf, dass beim Gründungsakt 13 US-Staaten bestanden. Und in Europa wurden auch wegen des Erfolges der US-Republik demokratischeund revolutionäre Bewegungen beflügelt.

Entsprechend schnell verbreitete sich der Mythos von einer Weltverschwörung von Juden und Freimaurern – heute sagt man „Zionisten und Illuminaten“ – die alle Nationen und Kirchen unterwandern und auflösen wollten. Nun frage ich die Schülerinnen und Schüler nach weiteren Verschwörungsmythen, die sie kennen – und lerne dabei auch jedes Mal neue und aktuelle selbst.

Meist kommen wir schnell auch auf das Judentum zu sprechen – und auf die enorme Rolle der Alphabete und Bildung. Wir entdecken, dass auch die christliche Bibel, der islamische Koran und die Schriften der Bahai in Alphabetschriften gehalten sind und aus gemeinsamen, semitischen Wurzeln entstanden. Wir diskutieren, wie sich das für Menschen anfühlt, die tatsächlich glauben, dass die Rothschilds auch Hitler gelenkt hätten, dass Flugzeuge Chemtrails versprühen, die Queen, Hillary Clinton und Angela Merkel außerirdische Echsenwesen wären, die Mondlandung gar nicht stattgefunden habe oder hinter allen Religionen der Teufel stecke.

Manche Schülerinnen und Schüler haben zu diesen Themen ein erstaunlich tiefes Wissen und wirken geradezu erleichtert, es auch einmal diskutieren zu können. Dass Mythen spannend sind und es darauf ankommt, gute, lebensbejahende von schlechten, bedrückenden Mythen zu unterscheiden, kann jetzt gemeinsam entdeckt werden.

Wenn die Zeit dann überhaupt noch reicht, bitte ich die Schülerinnen und Schüler, Papier und Stift bereit zu legen. Denn sie sollen alle Verschwörungsmythen aufschreiben, die sie im Lied „Ich sehe was, was Du nicht siehst“ der bayerischen Kabarettistin Lisa Fitz entdecken. Wir hören das Lied einmal im Ganzen an – und dann einmal zum Mitschreiben.

Von George Soros, den Rothschilds und Rockefellers über Freimaurer und Echsenmenschen bis hin zum vermeintlichen Tod Gottes und der Weltherrschaft des Teufels finden die Schülerinnen und Schüler nun zahlreiche Verschwörungssymbole – und staunen darüber, was auch gebildete Erwachsene so alles glauben. Zugleich hören und erleben sie, in welche Abgründe ein solcher abgeschlossener Verschwörungsglaube, eine solche Verschwörungsideologie auch im bürgerlichen Gewand führt.

Abschließend können wir dann über die Rolle von Musik sprechen – und auch hier werden es die Schülerinnen und Schüler sein, die Ihnen über Kollegah, Xavier Naidoo und derzeit angesagte Songs und Trends erzählen können. Nicht selten wird bedauert, wenn die zweite Stunde dann schon rum ist.

Denn wir sprechen hier über Wissen, dass sehr viele Jugendliche längst in sich tragen, das sie beschäftigt und über das sie gerne auch mal reden und nachdenken wollen. Sie haben Filme gesehen, Musikstücke gehört und Gespräche geführt, in denen die vermeintliche, jüdisch-geheimbündlerische Weltverschwörung ausgebreitet worden ist. Und sie haben sich gefragt, wie viel daran wahr ist.

Indem wir die Faszination dieser Verschwörungsmythen nicht leugnen, sondern aufgreifen und dieFakten wie auch Psychologie dahinter entdecken, stärken wir die Jugendlichen darin, mit diesen Erzählungen umzugehen. Einige Lehrerinnen und Lehrer haben mir berichtet, dass aus den Fragen dieser Doppelstunde weitere Einheiten beispielsweise zur Geschichte der USA, von Israel oder der Türkei entstanden sind; dass im Physikunterricht die Bilder der Mondlandung analysiert wurden und in Reli der Hexen-und Dämonenglauben des 15. bis 18. Jahrhunderts.

Viele Jugendliche entdecken selbst, welches Wissen sie brauchen, um sich nicht mehr von Verschwörungsschwurblern manipulieren zu lassen.Wenn Sie eine solche Doppelstunde einmal abhalten wollen, darf ich Ihnen zwei kostenlose Ressourcen dazu anbieten. So finden Sie auf der Homepage des Kultusministeriums Baden-Württemberg die Materialsammlung „Jugendliche im Fokus salafistischer Propaganda, Teilband 2.2“, darin auch Einführungsartikel zur Fälschung der sogenannten „Protokolle der Weisen von Zion“, zu Freimaurern und der US-Dollarnote.

Auf meinem Wissenschaftsblog „Natur des Glaubens“ habe ich außerdem mit freundlicher Genehmigung der Herausgeber Thomas Köhler und Christian Mertens meinen Artikel „Der Reiz von Verschwörungsmythen“ aus dem Jahrbuch für politische Beratung 2017/18 eingestellt.

Hier finden Sie auch eine Analyse des Verschwörungsliedes von Lisa Fitz. Die Ausführungen zur Psychologie des Verschwörungsglaubens stützen sich vor allem auf Rob Brotherton, „Suspicious Minds“. Inzwischen liegt zudem auf Deutsch „Warum der Antisemitismus uns alle bedroht“ vor.

Als Lehrerin und Lehrer aus Baden-Württemberg steht Ihnen – Stand Sommer 2020 – im Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung die Expertin Sybille Hoffmann gerne für Fragen zur Verfügung. Von Seiten der Landeszentrale für politische Bildung organisiert Felix Steinbrenner dazu hochwertige Webinare. Wenn Sie selbst oder Angehörige von Verschwörungsmythen betroffen sind, stehen Ihnen Beraterinnen und Berater des Kompetenzzentrums Ofek bei der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland gerne digital und telefonisch zur Verfügung.

Wir sind dabei, entsprechende Beratungsstellen auch vor Ort in Baden-Württemberg aufzubauen. Ängste, schlecht verdauter Platonismus, Verschwörungsmythen und Antisemitismus gehören leider noch immer zur Realität unserer Gesellschaft und auch unserer Schulen. Aber ich möchte zum Abschluss doch sagen, dass ich aus den Veranstaltungen und Workshops auch immer wieder neue Hoffnung mitnehme. Es gibt so viele großartige, wissbegierige, junge Menschen, die Bildung als die Chance begreifen, die sie für das ganze Leben ist. Sie werden sehr vieles sehr viel besser machen als die Generationen vor uns und auch als wir. Sie sind Mitentdecker und Gestalter einer Welt und Zukunft, die Plato nicht für möglich gehalten hätte und die selbst die Träume von Cicero übertrifft.

Vielen Dank für Ihr Interesse.

Bitte bleiben Sie gesund.

Quellen:

Blume, Michael (2019): Warum der Antisemitismus uns alle bedroht. Wie neue Medien alter Verschwörungsmythen befeuern. Patmos

Blumenberg, Hans (2020): Wirklichkeiten, in denen wir leben. Reclam

Brotherton, Rob (2015): Suspicious Minds. Why We Believe Conspiracy Theories. Bloomsbury

Landeszentrale für politische Bildung und Kultusministerium Baden-Württemberg: Wahrnehmen – Benennen – Handeln Für Lehrkräfte und Schulleitungen. Handreichung zum Umgang mit Antisemitismus an Schulen, online unter: https://www.lpb-bw.de/publikation3469

Kultusministerium Baden-Württemberg und Landeszentrale für politische Bildung: Jugendliche im Fokus salafistischer Propaganda. Unterrichtsmaterialien 2.2, online unter: https://km-bw.de/site/pbs-bw-new/get/documents/KULTUS.Dachmandant/KULTUS/KM-Homepage/Publikationen%202018/2018-05-02-Salafismus-Band2.2_SCREEN.pdf

Bundeszentrale für politische Bildung: Themenblätter im Unterricht (Nr. 93). Antisemitismus, online unter: https://www.bpb.de/shop/lernen/themenblaetter/126535/antisemitismus

Amadeu-Antonio-Stiftung: „Man wird ja wohl Israel noch kritisieren dürfen…?!“ Pädagogische Handreichung zum Umgang mit Israelbezogenem Antisemitismus, online unter: https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/publikationen/man-wird-ja-wohl-israel-noch-kritisieren-duerfen/

Blume, Michael (2018): Der Reiz von Verschwörungsmythen. Eine politische Analyse. In: Köhler, Thomas & Mertens, Christian: Politische Beratung 2017/2018. Zeit und Geist in Mitteleuropa. edition mezzogiorno, S. 90 – 99. Online unter: https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/files/Reiz_Verschw%C3%B6rungsmythen_Lisa_Fitz.pdf  

Michael Blume

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft und promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Buchautor, Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger und christlich-islamischer Familienvater. Zuletzt erschienen "Islam in der Krise" (2017) und "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019). Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt... Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren wöchentlich, um Religionswissenschaft zugänglich und diskutierbar zu machen.

69 Kommentare

  1. Eigentlich ist es doch viel einfacher, Jugendlichen (ebenso wie Erwachsenen) verschwörungstypische Argumentationsmuster beizubringen.
    Denn die (germanistische) Wissenschaft hat das relativ einfach und nahezu sonnenklar auf den Punkt gebracht:

    Die These, dass etwas, das physikalisch oder naturwissenschaftlich unmöglich ist, deswegen nicht wahr sein könne, sei ein geradezu idealtypisches Beispiel für verschwörungstheoretisches Denken.

    Sie glauben mir nicht? Hören sie nach im folgend verlinkten DLF- Beitrag von heute morgen. (Wer keine Geduld für den ganzen Beitrag hat, etwa ab Minute 04:40)
    Als kleine Denksportaufgabe wäre noch die Frage geeignet, ob nicht noch weitere Beispiele für messerscharfe logische Konsistenz und tiefschürfende erkenntnistheoretische oder wissenschaftstheoretische Erkenntnisperlen im Beitrag des germanistischen Wissenschaftlers zu finden sind.

    Heute morgen in der DLF- Sendung “Information und Musik” :

    https://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2020/05/21/sprache_in_verschwoerungstheorien_interview_david_roemer_dlf_20200521_0713_730203ba.mp3

    https://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2020/05/21/sprache_in_verschwoerungstheorien_interview_david_roemer_dlf_20200521_0713_730203ba.mp3

    • Vielen Dank für den sehr schönen und interessanten Fund, @little Louis!

      Dass die Berufung der Verschwörungsschwurbler auf naturwissenschaftliche Gesetze natürlich rein rhetorisch war und ist, haben Sie sicherlich verstanden. Früher beriefen sie sich auf die Religion, dann auf die Philosophie, nun eben auf Naturgesetze – jeweils also auf die vermeintlich höchste Autorität. Tatsächlich aber bleibt faktisch falsches Geschwurbel selbstverständlich Geschwurbel.

      Die Bedeutung der Sprache in der Konstruktion von Verschwörungsmythen und Verschwörungsideologien war ja auch hier auf dem Blog & Podcast bereits Thema:
      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsfragen-folge-3-die-macht-der-sprache-und-verschwoerungsmythen-vs-verschwoerungstheorien/

      Es würde mich ja noch immer freuen, wenn Sie aus dem Verschwörungsdenken sprachlich und gedanklich herausfinden würden. Diese Hoffnung auch für Sie werde ich bis zuletzt nicht aufgeben… 🙂

  2. Zu dieser Diskussion noch möchte ich noch eine kleine Anmerkung machen, da hier die Naturwissenschaften erwähnt werden.

    Gerade beim 9/11 Attentat werden naturwissenschaftliche Einwände gebracht, um die These, daß die Gebäude durch einen Brand einstürzten. Als Beispiel nenne ich den Einwand, daß Stahl doch erst bei 1500 Grad schmilzt, aber die Brenntemperatur von Kerosin niedriger ist. Dies stimmt, aber es sollte doch auch bekannt sein, daß Stahl wie Eisen bei höheren Temperaturen unter dem Schmelzpunkt weich werden und daher die Festigkeit des Stahlgerüstes nicht mehr gegeben ist.

    Gruß
    Rudi Knoth

    • So ist es, @Rudi Knoth. Von “Truthern” wurden und werden naturwissenschaftliche Argumente so verfremdet, dass sie als vermeintliche Begründung von Verschwörungsmythen herangezogen werden konnten.

      Ich denke aber, @little Louis hat es leider tatsächlich falsch verstanden bzw. falsch verstehen wollen. Zumindest tobt und schimpft und schwurbelt er ja inzwischen wieder… 😉

    • @Rudi Knoth

      Ins WTC 7 ist aber kein Flugzeug geflogen. Also gab es dort auch kein Kerosin. Wussten Sie überhaupt, dass bei 9/11 drei Gebäude eingestürzt sind?

  3. Aus einem Text eines auch hier bekannten Autors:

    “……. Denn wer jedes Grundvertrauen in das Funktionieren guter Ordnungen verloren hat, kann in Dialog und Kompromissen, in rechtsstaatlichen Regeln und auch in positiver Religiosität, in Kultur, Wissenschaft und Wahlen kaum mehr sinnvolle Tätigkeiten erkennen……” (Zitatende)

    Wer das rein emotionale (oder auch “vorurteilsbedingte bzw. auf reinem kritikfreien “Glauben” beruhende) “Grundvertrauen in das Funktionieren guter Ordnungen” als den Wesenskern von demokratischem Denken darstellt, kann unmöglich ein Demokrat sein. Allenfalls eine Art neofeudal- machtelitenverehrender Elitokrat.

    Das müsste eigentlich schon jedem Teilnehmer eines Erstsemester -Seminars in einem Politologie-, Gemeinschaftskunde- Philosophie – Soziologie -oder Historiker- Studium nach wenigen Minuten klar werden.
    Zumindest ICH hätte den Autor solcher Zeilen in den 1970er Jahren wegen mangelnder Verwurzelung in den “Freiheitlich- demokratischen Grundwerten”
    NICHT zum staatsdienst in BW zugelassen.
    Denn das Zitierte besagt letztendlich , dass der Autor jeden, der die staatliche Exekutive etwas mehr als in unwichtigeren Kleinigkeiten kritisiert oder die Sinnhaftigkeit von Religion in Frage stellt ein Gegner der Demokratie sei, der gleichzeitig auch rechtsstaatliche Regeln und auch Kultur, Wissenschaft und Wahlen ablehnen würde.
    Ein mehr an (Verschleierungs-) Demagogie ist m. E. fast kaum mehr möglich.

    • Danke für Ihre kleine Einführung in libertären Antisemitismus, @little Louis.

      Denn selbstverständlich besagen obige Zeilen gerade nicht, dass keine Kritik geübt oder alles klasse gefunden werden solle – sondern nur, dass es ein “Grundvertrauen in das Funktionieren guter Ordnungen” brauche – also in die Möglichkeit, dass Dialog, Demokratie, Rechtsstaat, Wissenschaft usw. tatsächlich funktionieren können.

      Wenn man dieses Grundvertrauen verliert bzw. nie aufbauen konnte, dann landet man – wie Sie – im Dualismus, Verschwörungsglauben und schließlich Antisemitismus.

      Und das bedauere ich wirklich – auch für Sie selbst…

  4. Sehr geehrter Herr Blume,
    bereits gestern hatte ich vor, meine Wertachtung für Ihren Einsatz an wissensdurstige
    Schüler zu äußern, wollte aber dann doch nicht bei den Kommentaren den Anfang machen.
    Nicht alle Schüler werden es Ihnen danken, weil vielfach schon vorprogrammiert wurde.
    In der Regel geschieht dies, wie Sie es ja wiederholt feststellen müssen, durch Vorbilder,
    die selbst so geprägt wurden.
    Bei den von mir besuchten Blogs – auch unter @wi_bue2 – u. a. bei Lopez – gehen,
    sobald das Wort Schöpfer oder Gott genannt wird, die Jalousien runter, bedauerlich.
    Vielleicht wäre es angebracht, bei den Schülerseminaren auch mal auf Wahrheiten
    In der Bibel aufmerksam zu machen? Dort geht es nicht um Mythen, Erzählungen usw.,
    sondern u. a. auch sehr eindrucksvoll um wichtige, vom Geist Gottes inspirierte,
    prophetische Vorhersagen für die heutige Zeit, z. Bsp.: einen großen Abfall vom
    Glauben an einen Schöpfer-Gott.
    Bezeichnend dafür ist der massiv um sich greifende Atheismus, verbunden mit dem
    Erstarken von Hass, Antisemitismus, Korruption, falsche Lehren, Verschwörungstheorien,
    militärische Aufrüstung bis zum Stehkragen – weltweit.
    Alle diese Erscheinungen deuten auf eine Art bevorstehende, umgekehrte Himmelfahrt des
    Gottes-Sohnes “JESUS CHRISTUS“ – in Ihrem vorherigen Beitrag beleidigend P a t r i a r c h
    genannt.
    Lassen Sie sich nicht beirren, werter Herr Blume, auch wenn die Feinde Gottes toben.
    M. f. G. W. Bülten

    • Bezeichnend dafür ist der massiv um sich greifende Atheismus, verbunden mit dem Erstarken von Hass, Antisemitismus, Korruption, falsche Lehren, Verschwörungstheorien,
      militärische Aufrüstung bis zum Stehkragen – weltweit.

      Der Antisemitismus ist ein Kind des christlichen Antijudaismus .. das sollte man nicht vergessen.

      Atheismus hat noch niemanden getötet, religöse Verblendung dagen schon.

      • Ach, gähn, @einer: Ist Ihnen das Wiederholen oller Kammellen nicht irgendwann langweilig?

        Ich würde jetzt auf die Millionen Opfer des religionsfeindlichen, stalinistischen und maoistischen Terrors verweisen. Sie würden daraufhin betonen, dass aus Atheismus gar nichts Folge und Stalinismus sowie Maoismus doch auch eine „Art Religionen“ gewesen seien. Ich würde daraufhin darauf verweisen, dass der Theismus ebenso offen sei und dem Atheismus ja erst die Substanz verleihe…

        Da steckt doch nun wirklich keine neue Erkenntnis mehr drinnen. Ich würde vorschlagen, Sie gönnen uns mal wieder eine Pause, bis sich Ihr Grimm über Was-auch-immer gelegt hat und wir wieder konstruktiv diskutieren können.

        Ihnen alles Gute, bitte bleiben Sie gesund. 🌷🌍

    • einen großen Abfall vom Glauben an einen Schöpfer-Gott

      Es war ja viel darüber nachgedacht worden, was passieren würde, wenn eine Gesellschaft mehrheitlich und in ihrem Selbstverständnis nicht mehr auf dem Fundament steht eines Glaubens an Gott. „Wenn Gott tot ist, dann ist alles erlaubt“, wurde gewarnt.

      Ich sehe das nicht eingetroffen. Monogame Ehe und Familie etwa sind auch nach der „Pille“ von den meisten Menschen erstrebtes Leitmodell. Man mag sich in jungen Jahren „austoben“, die meisten landen doch in einer längerfristigen Partnerschaft. Und die anderen, warum auch nicht? Die Gesellschaft ist nicht krimineller, verwahrloster geworden, tatsächlich gehen Straftaten erheblich zurück. Ich neige dazu, dem Kriminologen Christian Pfeiffer Recht zu geben, der einen erheblichen Anteil daran darin sieht, daß Prügelstrafe bei Kindern heute verpönt ist.

      Eine gesellschaftliche Notwendigkeit, Religionen wieder zu fördern und zu stärken, sehe ich nicht.

    • Wir haben in einem anderem Thread ausführlich einen Brandbrief tieffrommer (rechts-)katholischer Bischöfe diskutiert. Religion schützt nicht davor, von Verschwörungsmythen infiziert zu werden, so wie Unglaube per se nicht dafür anfälliger macht, sein Heil in Ersatzreligionen zu finden. In einem gemeinsamen Video zeigen sich Xavier Naidoo und Eva Hermann als fromme, bibelfeste Christen, die die angeblichen Bösartigkeiten der #pizzagate-Verschwörer als Zeichen der Endzeit deuten.

      Ich selber übrigens glaube an Gott.

  5. Wer nach der letzjährigen Stellungnahme von Lisa Fitz diese Autorin ohne Hinweis auf ihre Stellungnahme immer noch bzw. immer wieder als teufelsanbeterische Antisemitin darstellt (oder sie geschickt in die Nähe solch eingebildeter oder tatsächlicher Auffassungen rückt) , kann nur ein Demagoge sein.
    Ich kann rotgrünen oder olivgrün- christdemokratischen Auftraggebern in der Stuttgarter Landesregierung nur raten, zur eigenen Schadensabwendung mal ein Auge darauf zu werfen, was hier im Namen von (angeblicher) Toleranz und (angeblicher) jüdisch- christlicher Humanität in einigen Texten von Regierungsbeauftragten (Blogbetreibern) so öffentlich angerichtet wird .

    Siehe:

    https://www.lisa-fitz.de/statement-1-antisemitimus-zum-offenen-brief-des-lbga/

    • Mich beeindruckt weder Ihr Geschwurbel, @little Louis, noch die sogenannte “Stellungnahme” von Lisa Fitz. Ich sehe mich in meiner Einschätzung vielmehr weiter bestätigt, die ich bereits 2018 in “Der Reiz von Verschwörungsmythen” (siehe oben) veröffentlicht habe. Und es wird auch Ihnen nicht gelingen, mich einzuschüchtern.

      Denn die Wahrheit wird man ja wohl noch sagen dürfen. Und nicht nur Antisemiten haben Meinungsfreiheit. Ich finde, wir Demokratinnen und Demokraten haben dem Verschwörungsgeraune viel zu viel und viel zu lange Raum gegeben. Autoritär gestrickte Persönlichkeiten wie Sie verachten doch Kuschelpädagogik und Gutmenschentum ausdrücklich. Also gut…

      Ich sehe was, was jeder sehen sollte. 🙂

      • Geht´s nicht noch ein bisschen primitiver? “Geschwurbel” , Herr Dr. , ist ja ein ausgesprochen wissenschaftliches Argument. Dass man Sie nicht einschüchtern kann, ist klar. Denn um sich einschüchtern zu lassen, muss man denken und fühlen. Wer aber bar jeder Vernunft ist, bei dem helfen auch Argumente nicht. Und da wir schon dran sind: Es ist immer einfacher zu hetzen als zu argumentieren. Herztlichen Glückwunsch, Herr Dokrtor.

        • Ja, lieber @Hans Buschmann – inzwischen hat ja fast jede Wissenschaftlerin und jeder Wissenschaftler in der Öffentlichkeit das Problem mit Leuten, die sich mit halb-verständlichem Geschwurbel profilieren wollen. Antwortet man, dann wertet man diese Personen auf. Antwortet man nicht, dann jammern diese über “Arroganz”, “Zensur” usw.

          Ich denke, hier hilft nur klare Ansage und Abgrenzung. Wer zum Beispiel die Unterschiede zwischen dem überholten Begriff “Verschwörungstheoretiker” und “Verschwörungsmythos” nicht einmal versteht bzw. verstehen will, wird über Geschwurbel nicht herauskommen. Hier dazu eine Podcast-Folge:
          https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsfragen-folge-3-die-macht-der-sprache-und-verschwoerungsmythen-vs-verschwoerungstheorien/

          Und Einzelseminare kann und will keine Person des öffentlichen Lebens leisten, auch wenn andere das noch so sehr “einfordern”. Ich denke, da sollten wir alle realistisch sein bzw. werden.

    • Wenn Frau Fitz von Soros spricht als einen Mega-Influencer, dann ist das so lächerlich, daß mir im konkreten Fall schon fast egal ist, ob sie selber persönlich Antisemitin ist, oder nur antisemitischen Märchen aufsitzt und sie weiterverbreitet. Die Quandts und Pierchs und Bertelsmanns sind viel wichtiger.

  6. @Michael Blume 21.05. 14:09

    „Denn selbstverständlich besagen obige Zeilen gerade nicht, dass keine Kritik geübt oder alles klasse gefunden werden solle – sondern nur, dass es ein “Grundvertrauen in das Funktionieren guter Ordnungen” brauche – also in die Möglichkeit, dass Dialog, Demokratie, Rechtsstaat, Wissenschaft usw. tatsächlich funktionieren können.“

    Hier würde ich aber die Betonung auf „Möglichkeit“ und „können“ legen. Gerade die Demokratie soll es ja auch ermöglichen, eine Regierung abzuwählen, deren Wirken eben nicht im Sinne der Wähler funktioniert.

    Jetzt muss man aber gerade bei populistisch auftretenden Parteien nochmal ganz vorsichtig sein, ob die denn wirklich was für „den kleinen Mann“ machen wollen, oder ob sie den nur als Mittel zum Zweck missbrauchen, um ihn dann hinterher erst recht in die Pfanne zu hauen.

    So hat zum Beispiel nach der russischen Revolution die neue Führung die Revolutionäre der ersten Stunde recht bald ins Gulag geschickt, nachdem die Macht gesichert war. Wohl wissend, dass autoritätsrenitente Persönlichkeiten auf die Dauer jede etablierte Macht angreifen werden, auch die, die sie selbst erst ermöglicht haben.

    Ich finde darüber hinaus ein Grundvertrauen in im wesentlichen positive Geisteswelten mindestens genauso wichtig. Sofern man selber nicht an üblen Dinge arbeitet, sollte es klar sein, das man ganz persönlich im Leben von Seiten der Geisteswelt überwiegend gut behandelt wird. Und wenn man an wirklich guten Dingen arbeitet, kann man auch damit rechnen, spürbar dabei unterstützt zu werden.

    Grundsätzlich ist ein „Grundvertrauen in das Funktionieren guter Ordnungen” aber doch etwas ganz anderes als ein Grundvertrauen in Geisteswelten, würde ich sagen. Auch üble Personen mit übler Agenda können an die Macht kommen, und riesige Schäden verursachen, auch wenn sie einstmals demokratisch gewählt worden sind. Solche lokalen Katastrophen ändern aber nichts an der Qualität der eher kosmischen Geisteswelten.

    • Die Gewaltenteilung ist auch genau dafür da, um negative Ausreißer unter Gewählten einzuhegen. Auch deswegen hängt ein funktionierender Rechtsstaat weniger von den „Geisteswelten“ Einzelner ab als jedes autoritäre System.

      • Das sehen wir ja im internationalen Vergleich. Großbritannien und die USA haben altehrwürdige Rechtssysteme, die den Herren Johnson und Trump immer wieder Grenzen setzen. In Ungarn ist dies immer weniger, in der Türkei beinahe gar nicht mehr der Fall.

  7. Ich finde es prima, dass sie ihre Arbeit für Lehrer aufbereiten, so dass man sich in der Schule dem Problem der Verschwörungsmythen annehmen kann.

  8. Ich fand eine willkommene Abwechslung, zu lesen, wie hier doch beinahe auf akademischen Niveau verhandelte Themen ganz praktisch und ganz einfach im Schulalltag relevant werden. Vielleicht wäre ein dauerhafter Link auf diesem Blog nützlich für Lehrer, die später mal hier hin finden?

  9. @ W. Bülten
    21.05.2020, 17:00 Uhr

    Wertachtung für Ihren Einsatz an wissensdurstige Schüler

    Schließe mich an.

  10. Alubehüteter,
    zwischen einem Verschwörungsmythos und einer Religion ist viel Raum für Gedanken.
    Ihr Gedanke, “Eine gesellschaftliche Notwendigkeit, Religionen wieder zu fördern und zu stärken, sehe ich nicht.” , der ist voreilig, weil die Entwicklung in Richtung Sonntag als Arbeitstag geht, wo die Geschäfte geöffnet haben dürfen und wo die christliche Religion nur noch als kulturelles Überbleibsel der Geschichte gesehen wird.

    Um beim Thema “Verschwörungsmythen” zu bleiben, die christliche Religion ist ein Bollwerk gegen Verschwörungsmythen.

    • Um beim Thema “Verschwörungsmythen” zu bleiben, die christliche Religion ist ein Bollwerk gegen Verschwörungsmythen.

      Wissen das auch Xavier Naidoo und Eva Hermann? Hat das schon jemand Kardinal Müller mitgeteilt? Und der war Chef der für die Reinhaltung der wahren Lehre zuständigen Behörde. Dennoch warnt er vor einer Coronadiktatur, die die Diktaturen des vorigen Jahrhunderts noch übertreffen werde, und vor Tracking-Apps, die längst abgesagt worden sind.

    • die christliche Religion ist ein Bollwerk gegen Verschwörungsmythen.

      Nein das ist sie sicher leider nicht.

      Man denke nur an die “deutschen Christen” im 3. Reich.
      Auch haben “die Christen” bzw. die Kirchen selten Probleme mit Regierungen, die ihre Macht auf Verschwörungsmythen begründeten, zusammenzuarbeiten.
      (z.B. Hitler, Franco, Pavelic uvw.)
      Auch heute kann man des öfteren sehr bemerkenswerte Pakte mit Christen sehen, z.B. orthodoxe Christen mit Putin u.a. gegen homosexuelle Menschen etc.

  11. @Alubehüteter
    22.05.2020, 15:43 Uhr und zu:

    “……Die Quandts und Pierchs und Bertelsmanns sind viel wichtiger….” (Zitatende)

    Nun erhebt sich halt die “Gretchenfrage”, weshalb Kritik (aus den bekannten Gründen) bezüglich Pierch, Bertelsmann usw. dann KEINE “spinnerte Aluhut- Verschwörungstheorie” sein soll, was man der Soros- Kritik ja schon schablonenhaft unterstellt.

    • Ich finde das beinahe selbsterklärend. Andi Scheuer ist ja wohl wandelnder Lobbyist der Automobilindustrie. Wie VW in Deutschland rausgekommen ist aus ihrem selbstangerichteten Dieselgate, spottet ja wohl jeder Beschreibung. Mit Springer/Bertelsmann ist Frau Merkel eine Symbiose eingegangen: Volle Rückendeckung im Flüchtlingsherbst 2015, der so gegen RTL und BILD nie hätte laufen können. Im Gegenzug war Deniz Yücel sogar schon vor seiner Verhaftung Chefsache der Kanzlerin, und in Brüssel hat sich die Regierung zu 100% hinter Springers dussliges Leistungsschutzgesetz samt Uploadfilter und allem drum und dran gestellt. Wohlwissend, daß man damit eine ganze Generation verliert, die der YouTuber. (Gut, mit einem Rezo war dann nicht zu rechnen.)

      Aber welchen Einfluß haben hierzulande dagegen Soros’ Pro Asyl-Truppen?

      Soros hat im Herbst 2015 einen sehr vernünftigen Offenen Brief geschrieben zur Flüchtlingsfrage. Mir scheint, daß man sich die Zahl einer Obergrenze von 200.000 Flüchtlinge im Jahr, die Deutschland würde verkraften können (aktuell sind es um die 170.000), aus diesem Brief zueigen gemacht hat. Aber weniger wegen starken Flüchtlingslobby-Pressure-Groups, sondern ob der sanften Gewalt des besseren Argumentes. Bis zu 200.000 im Jahr sind einfach für unser Gemeinwesen verkraftbar.

      Übrigens soll sich George Soros dem Vernehmen nach sehr betrübt zeigen ob der jüngsten Entwicklungen auf dem Markt der Verschwörungsmythen. Nicht nur, daß er nie der reichste Mann der Welt war. Jetzt macht ihm Bill Gates auch noch den Status als Oberverschwörer streitig.

  12. Alubehüteter,
    Wer glaubt im Besitz der Wahrheit zu sein, der merkt nicht, dass er selbst Teil der Verschwörungsmythen sein kann.
    Das ist schon eine Krux mit der Wahrheit. Deshalb braucht es Toleranz zu Andersdenkenden, damit der richtige Weg gefunden werden kann.

    Was X.N. angeht, da weiß ich auch nicht , was ich denken soll.

    • Deshalb braucht es Toleranz zu Andersdenkenden

      Problematisch wird die ganze Angelegenheit, wenn Menschen nicht mehr einfach nur andere Meinungen haben, sondern andere vermeintliche Tatsachen. Wir können in der Covid-Debatte diskutieren, ob die Lockerungen zu schnell kommen, oder im Gegenteil nicht schnell genug, ob die Nebenschäden nicht gravierender sind als das Virus selbst. Viele Kinder müssen in den letzten Wochen die Hölle erlebt haben. Wenn aber jemand sagt, es gibt kein Covid, oder das ist jedenfalls auch nicht schlimmer als eine Grippe, obwohl die Chinesen das anders sehen, obwohl Putin das anders sieht, obwohl Erdogan jetzt zum Zuckerfest eine totale Ausgangssperre verhängt hat, dann ist eine Diskussion nicht mehr möglich. Einem Kind, das glaubt, nicht mehr gesehen zu werden, weil es sich die Augen zuhält, muß ich erklären, daß dem nicht so ist.

      Ich kann die Frage stellen, ob Bill Gates ausgerechnet ein Mann ist, dem man vertrauen kann. Aber ihm zu unterstellen, er habe den Virus irgendwie in die Welt gesetzt, um die Menschheit zu dezimieren auf fünfhundert Millionen, oder um alle chippen zu lassen, ist schon sehr verwegen.

      Natürlich. Wir sind ein freies Land. Naidoo, Janich, Hildmann können jeden Blech verzapfen, den sie wollen. Vielleicht nicht mehr auf allen Plattformen, allen Kanälen. Das ist auch wichtig, daß man Aussenseiterpositionen als solche markiert. Aber sie können und dürfen sie haben. Das ist anders als in China, wo der Arzt, der als erster Covid-19 zu einem großen Problem erklärt hatte, erst einmal weggesperrt wurde, weil er verunsichere, aufhetze.

      • Klar verkünden Religionen und Weltanschauungen einen Anspruch auf Wahrheit, @einer. Die Frage ist, ob sie behaupten, diese zu “besitzen”. Das unterscheidet dann eine aufgeklärte von einer fundamentalistischen Christin ebenso wie einen Sozialdemokraten von einem dogmatischen Marxisten oder eine Liberale von einer libertären Antisemitin.

        Habe diesen erkenntnistheoretisch feinen, aber entscheidenden Unterschied neulich in einem Interview so zu erläutern versucht:
        “Idealerweise gelingt es uns, das miteinander in Einklang zu bringen: religiös zu sein, aber zu wissen, was Religion ist. Dann kann ich Religion und Wissenschaft gleichermaßen respektieren. Wenn ich das aber verwechsele, dann wird es wild.”
        https://www.juedische-allgemeine.de/politik/verschwoerungsglaube-fuehrt-zu-scheinsicherheit/

        • Dem kann ich nur zustimmen, allerdings sind es doch gerade Religionen, die mit sehr viel Absolutheitsanspruch kommen.

          Man denke nur an die Lehre der kath. Kirche z.B., da wird gleich mit dem Ausschluss und damit der Hölle gedroht … ohne das es sich hier offensichtlich um eine Fundamentalisten Sekte handelt. (siehe Katechismus usw.)

          Auch in den evang. Gemeinden hier weiß “man” immer sehr genau, was ER will und was nicht. (ok – hier ist man auch schon eher evangelikal)

          Und dabei kommt es fast immer und täglich zu Formen der Diffamierung anders- denkender, glaubender etc.

          Mir kommt ihre Sicht auf die Religionen da ein wenig zu unkritisch vor.
          Gerade mit einer (dualistischen) Begründung durch Gott kann man sehr viel Böses anstellen. Da muss man nicht einmal Wissenschaft faken oder dergleichen, sondern sucht sich ein paar passende Verse und gut ist.

          • Klar, @einer – wir könnten jetzt auch wieder die Millionen Opfer dogmatischer Marxismen bemühen. Warum blenden Sie deren Exzesse zum Beispiel in der Sowjetunion und in China aus?

            M.E. finden sich in jeder Weltreligion und jeder Weltanschauung Licht und Schatten, letztlich sogar in jedem Menschen. Sehr viele werfen z.B. der evangelischen Kirche Liberalität und „Gutmenschentum“ vor, andere wie Sie fokussieren sich dagegen auf den fundamentalistischen Rand. So what?

            Mit Pauschalurteilen in die eine oder andere Richtung kann ich daher sehr wenig anfangen.

          • Man denke nur an die Lehre der kath. Kirche z.B., da wird gleich mit dem Ausschluss und damit der Hölle gedroht … ohne das es sich hier offensichtlich um eine Fundamentalisten Sekte handelt.

            Da sind Sie nicht auf dem neusten Stand. Das galt bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil 1962-65. Bis dahin galt “Außerhalb der (katholischen) Kirche ist kein Heil”.

            Seitdem gilt: Zwar sei nur die Katholische Kirche im alleinigen Besitz der ganzen Wahrheit, sofern man sie überhaupt nur erlangen kann auf Erden. Also das ganze Programm; Dreieiniger Gott, Priesteramt, Papsttum, Beichte usw.

            Andere Menschen haben aber genügend Gnade und Wahrheit, um dennoch ebenfalls in den Himmel zu kommen. Alllen voran die orthodoxen Mitbrüder, denen es eigentlich nur mangelt an der Anerkennung des Primat des Papstes, der Rest scheint Verhandlungssache. Die Protestanten haben zwar kein sakramentales Priestertum und sind darum nicht “Kirche im eigentlichen Sinne”, wie einmal scharf formuliert wurde. Glauben aber doch an den dreieinigen Gott. Die Juden glauben immerhin überhaupt an den einen, den selben Gott wie wir, sind “unsere älteren Brüder im Glauben”, und hoffen auf die Ankunft des Messias, die freilich in unserem Wissen eine Wiederkunft ist. Die Muslime halten darüber hinaus die Jungfrau Maria in besonderen Ehren, was sie sogar vor den Protestanten auszeichnet. So gehen sie einige weitere Religionen durch und kommen zu dem Schluß, daß sogar Atheisten in den Himmel kommen könnten, wenn sie der Stimme ihres Gewissens folgen und versuchen, anständig zu leben.

            Das alles natürlich, weil Jesus Christus auch für diese am Kreuz gestorben sei.

            Und natürlich sei es einfacher, sich in der Welt zu orientieren, wenn man eben die volle Wahrheit kennt, anstatt sie mühselig zu suchen – Und dabei zu irren.

  13. Alubehüteter
    22.05.2020, 15:37 Uhr
    Zitat:
    Ich selber übrigens glaube an Gott.
    = = =
    Das hört man selten “Alubehüteter“ und dafür bin ich dankbar.
    Frage: Reicht das,
    denn in der Bibel heißt es: Jakobus 2, 19:
    Du glaubst, dass nur einer Gott ist? Du tust recht daran; die Teufel glauben es auch
    und zittern.
    Fakt ist: Diese Typen gibt es tatsächlich, werden auch Dämonen genannt – gefallene
    Engel, Untertanen Lucifers, unsichtbare Geistwesen – die darauf dressiert sind,
    auf die Psyche von Menschen, die sich für das Böse entschieden haben, einen
    negativen Einfluss auszuüben.
    Dem Sohn Gottes “JESUS CHRISTUS“ geht es zusätzlich um eine persönliche Nachfolge
    mit dem Hinweis: Niemand kommt zum Vater, denn durch mich.
    Die Folge: Ewige Gemeinschaft mit dem, dessen Abbild der Mensch ist.
    Das war nur eine allgemeine Ausführung.
    Eine gute Nacht, gewünscht von W. Bülten

    • @Blume – diese Sichtweise eine Gläubigen mit Dämonen etc. würde ich eindeutig in die Fundi Ecke packen.

      Ist dieses Verständnis von Christentum kein Verschwörungsmythos?

    • Dem Sohn Gottes “JESUS CHRISTUS“ geht es zusätzlich um eine persönliche Nachfolge mit dem Hinweis: Niemand kommt zum Vater, denn durch mich.

      Ich habe mich immer wieder beschäftigt mit Jesus. Vorläufig mache ich mir die Formel zu eigen: Ich bin ein freischaffender Monotheist. Mit ganz besonderer Achtung zwar für Jesus; er scheint mir die finale Wahrheit zu verkörpern, nämlich das der vornehmste Wesenszug Gottes die Barmherzigkeit ist. (Barmherzigkeit als der hermeneutische Schlüssel zu Gott.) Eine Beziehung zu und mit Jesus als dem Herrn und Heiland meines Lebens, wie Sie die wohl leben, vermag ich nicht zu haben.

      • Alubehüteter
        Zitat:
        Eine Beziehung zu und mit Jesus als dem Herrn und Heiland meines Lebens, wie Sie die wohl leben, vermag ich nicht zu haben.
        = = =
        Das war nicht immer so “Alubehüteter“, aber mir geht es in meinem Alter ähnlich, wie es
        Ihr Name zum Ausdruck bringt:
        Ein von Alueim (Elohim – Drei-Einigkeit) Behüteter – ist doch super und das unverdient.
        Möglicherweise geht es Ihnen ähnlich, ohne zu wissen, woher das kommt.
        Jesus Christus ist das menschgewordene Wort Gottes, die dritte Person Gottes und
        opfert sich freiwillig für Seine verwahrlosten Geschöpfe. Als 2. Adam (Mensch und
        Gottessohn) ist Er Mittler zwischen der Drei-Einigkeit und uns Menschen. Das verpflichtet doch zu Dank!
        Sein Anliegen lesen Sie im Johannes-Evangelium, Kap. 17 (Das hohepriesterliche Gebet).
        Bleiben auch Sie ein von Alueim Behüteter.
        M. f. G. W. Bülten

  14. “Da erschuf Gott den Mensch in seinem Ebenbilde, in dem Ebenbilde erschuf er ihn, männlich und weiblich erschuf er sie.”

    Ein wirklich gutes Beispiel für eine krude Verschwörungstherie. Das das Quatsch ist sieht man schon allein an den Transgender und Quer-Leuten, die eben nicht männlich oder weiblich sind.

    • Inwiefern schließt das “und” denn eine Kombination von Eigenschaften aus, @Peter Müller? Versuchen Sie doch einmal auch die Bibel nicht nur feindselig und fundamentalistisch zu lesen. Und grüßen Sie dazu gerne auch Ihre Partei, die AfD. 🙂

    • Das sehe ich auch als fundamentalistische Lesart. Da wird mit Fragen des 21. Jahrhunderts an einen Text herangegangen, die sich dem überhaupt nicht stellen. Das Buch Genesis will kein historischer Tatsachenbericht sein. Das so zu lesen: also ist das alles Quatsch mit den vielen Geschlechtern, oder: Wir wissen heute, daß es viel mehr gibt als nur Mann und Frau, also steht da Unsinn, ist beides dem Text nicht angemessen.

  15. Als allgemeine Randbemerkung: Wer vor allem an persönlicher Macht interessiert ist, der wird den Semitismus, wie er in dieser Reihe mit seiner Verpflichtung zur Bildung erläutert wird, nicht unterstützen wollen. Das lässt sich illustrieren durch den Aphorismus:
    “Sprach der König zum Priester: Halte du sie dumm, ich halte sie arm.”
    So gefunden unter https://www.aphorismen.de/zitat/50628
    Auch wenn es im Bildungswesen in Deutschland noch viel zu verbessern gibt, haben wir diese Situation zum Glück überwunden. Hoffe ich.

    • Dem stimme ich zu, @Harald Andersen. Habe gerade mal wieder in “Mein Kampf” gelesen, wie Adolf Hitler Bildung verstehen wollte. Ob ich das einmal im Podcast mit dem Bildungsbegriff des Semitismus kontrastieren soll?

      • Eine Gegenüberstellung der Bildungsbegriffe des Judentums mit denen von Hitler bzw. aus der Nazi-Zeit? Das klingt sehr interessant. Ich kenne nur Einzelpunkte und eher persönliche Sichten / Erfahrungen aus gelegentlichen Erzählungen von Leuten, die damals zur Schule gegangen sind.

  16. Als spezielle Randbemerkung: Ich habe mir das Lied „Ich sehe was, was Du nicht siehst“ von Lisa Fitz angehört und Ihre Anmerkungen dazu in diesem Beitrag und in Ihrer verlinkten Textanalyse „Der Reiz von Verschwörungsmythen“ angesehen. Ich kann verstehen, dass Sie dieses Lied als Anschauungs- bzw. Anhörungsmaterial verwenden. Allerdings finde ich, dass Sie Ihre Empfangsantennen bzgl. Verschwörungshinweisen sehr empfindlich eingestellt haben; beim Stichwort „Kaltblüter“ aus meiner Sicht zu empfindlich:

    Sie schreiben:
    „Im Begriff der ›Kaltblüter‹ klingt zudem die Vorstellung von gestaltwandelnden Reptilienwesen an, …“

    Für mich klingt da eher die Vorstellung vom kaltblütigen Verhalten von Kapitalgesellschaften an, ganz unabhängig davon, ob man sie als Investoren und Sanierer sieht oder als „Heuschrecken“.
    Mmh, Heuschrecken und Reptilien gehören zu den wechselwarmen Tieren und Kaltblüter sind kräftige (Arbeits-) Pferde.

    • Nun ja, @Harald Andresen – Lisa Fitz wird die Alien-Deutung sicher nicht bestätigen. Da sie aber ja auch Teufel und “Drachenreiter” auftreten lässt, halte ich die Reptiloiden-Deutung für wahrscheinlicher. Vom einschlägigen Verschwörungsmythen-Publizisten Holger Kalweit gibt es sogar ein eigenes “Werk” dazu: “Kaltblut. Reptiloide Geschichtskneter verbiegen die Indianer Nordamerikas”

      Ja, es ist unterirdisch…

      • Wie sehen sie die Drachen oder Monster in der Bibel?
        Man denke auch nur an Satan vermutlich in Schlangengestalt in der Genesis.

        Ist das etwas Anderes? Warum?

        • Wie Sie ja eigentlich wissen: Mythen werden immer ausgelegt, @einer. Vgl. Blumenberg „Arbeit am Mythos“. Und gerade auch im rabbinischen und später kabbalistischen und noch später aufgeklärten Judentum finden Sie konsequent monistische Lesarten. (Wenn Sie sich denn bereit fänden, auch mal jüdische Autoren wie z.B. Jonathan Sacks zu lesen.)

          • D.h. der Text ist quasi immer “unschuldig”, es liegt nur an dem Leser, was er sich dabei denkt oder aus dem Text macht?
            Der Zwecke der Autoren oder der geschichtliche Kontext ist unerheblich?

            Ich hätte jetzt gedacht, dass man in der Bibel u.U. einen der Ursprünge für viele Reptilienverschwörungen finden könnte.

            Es ging mir hier auch explizit um die christliche Lesart, weniger um die jüdische, die neigt schon immer deutlich weniger zu einem wort-wörtlichem Verständnis der bibleischen Texte.

            ps.: jüdische Autoren wie z.B. Israel Finkelstein lese ich durchaus. Warum nicht?

          • Ja, @einer – Texte werden erst durch Lektüre und Auslegung „lebendig“. So lehrt das rabbinische Judentum das Miteinander von schriftlicher und mündlicher Thora. Und, klar, wenn Sie nur einseitig lesen, nehmen Sie auch nur einseitig wahr. Ich versuche daher bewusst, immer wieder (und keinesfalls unkritisch) den Reichtum und die Vielfalt der religiösen wie auch weltanschaulichen Traditionen zu erschließen.

  17. Einer,
    über das Wesen einer Religion……
    Sie legen den Finger auf die Wunde, Religion, die Zugehörigkeit zu einer Religion wird von vielen Menschen als Abgrenzung verwendet. Die eigene Religion ist richtig und gut, jede Abweichung ist schlecht und muss verfolgt werden.
    Der Dreißigjährige Krieg zwischen den Protestanten und den Katholiken hat etwa 4 Millionnen Tote gefordert und auch heute noch betrachtet die römisch-katholische Kirche den Protestantismus nicht als Kirche. Das Wort „katholisch“ bedeutet übrigens „allumfassend“.
    Daran wird der Alleinvertretungsanspruch offenkundig.

    Gegenüber der jüdischen Religion ist das Verhältnis noch widersprüchlicher. Einerseits ist das alte Testament ein Teil des christlichen Glaubens, andererseits werden die Juden ausgegrenzt, weil sie Jesus nur als Propheten sehen. Und die Islamisten, werden die noch als Gläubige wahrgenommen ?

    Was lernen wir daraus ? Man muss unterscheiden zwischen dem Sinn eines Textes und dem Wortlaut eines Textes. Was fordert meine Religion von mir und wie steht es mit der Wertschätzung der anderen Religion ? Tipp: Lesen Sie mal von Lessing die Ringparabel. Die ist heute so aktuell wie vor 250 Jahren.

    • @H.Wied danke genauso meinte ich das auch.

      Was fordert meine Religion von mir und wie steht es mit der Wertschätzung der anderen Religion ?

      Kann eine Religion tolerant gegenüber einer anderen sein, wenn sie einen Alleinvertretungsanspruch hat?
      Oder ist das eher dem Zeitgeist geschuldet?

  18. einer,
    die mangelnde Wertschätzung ist der Unreife geschuldet. Die Entwicklung der Menscheit steht erst am Anfang. Kulturell gesehen befinden wir uns noch im Kleinkindalter. Die Menschen verhalten sich wie Kleinkinder. Uneinsichtig und trotzig.
    In weiteren 1000 Jahren wird das Verhältnis gegenüber den Religionen ein völlig anderes sein.

  19. @Michael Blume 26.05. 08:03

    „Klar verkünden Religionen und Weltanschauungen einen Anspruch auf Wahrheit, @einer. Die Frage ist, ob sie behaupten, diese zu “besitzen”.“

    So ganz verstehe ich den Unterschicht zwischen Wahrheit beanspruchen und Wahrheit besitzen jetzt aber nicht.

    Ich würde an einen vernünftigen Mythos eher den Anspruch haben, dass er wenigstens wahr sein könnte, auch wenn ich jetzt nicht wissen kann, ob dem so ist. Und wenn ich mehrere Mythen zur Auswahl habe, die alle gleich nicht unmöglich aber auch gleich unsicher sind, dann würde ich den bevorzugen, mit dem ich konkret besser leben kann.

    “Idealerweise gelingt es uns, das miteinander in Einklang zu bringen: religiös zu sein, aber zu wissen, was Religion ist.“

    Das ist eine richtig gute Idee, meine ich auch. Aber die Religion, die gerade den Glauben selbst zum oberstem Prinzip macht, ist doch hier von Grund auf richtig problematisch. Nicht nur die Bibel gilt als Autorität, nein, auch der richtige Glauben selbst gilt als das wichtigste Faktum im Leben des Menschen. Das verträgt sich nur mit ganz viel Biegen mit einer toleranten Einstellung zu anderen Religionen und Weltdeutungen, finde ich.

    Das Christentum erscheint in historischer Zeit als grundsätzlich vollkommen intolerant und gewalttätig missionierend. Das passt auch viel besser ins Konzept von Gottes geschriebenen Wortes und vom Glauben als dem wichtigstem Faktum. Die moderneren Auslegungen sind womöglich reiner Opportunismus, um als Religion von Gestern von aufgeklärten Menschen nicht ganz verworfen zu werden.

    Hier scheint ein Anspruch ganz zentral zu sein: „Du – musst – das – Glauben.“

    Ich glaube es aber nicht. Dagegen kommt mir Hoffnung dann wiederum sehr entgegen. Vor allem die Hoffnung auf kein Leben nach dem Tod, ich will mich viel lieber wieder im kosmischem Geist auflösen, wo ich auch hergekommen bin. Was soll ich denn in der jenseitigen Ewigkeit die ganze Zeit machen? Das ist ja grauenhaft.

    Ein Mythos, von dem mir klar ist, dass er nicht stimmen kann, den kann ich nicht glauben, das geht einfach mit meinem Kopf nicht, der macht sowas einfach nicht mit.

    • Tatsächlich halte ich das für sehr zentral, @Tobias Jeckenburger – vielleicht sogar für den grundlegenden Unterschied zwischen einem aufgeklärten und intoleranten Glauben. In einem Interview für die “Jüdische Allgemeine” (u.a.) habe ich das einmal so formuliert: “Wir müssen uns klarmachen, dass wir von der Evolution her nicht auf Wissenschaft gepolt sind. Die müssen wir erst einmal lernen. Idealerweise gelingt es uns, das miteinander in Einklang zu bringen: religiös zu sein, aber zu wissen, was Religion ist. Dann kann ich Religion und Wissenschaft gleichermaßen respektieren. Wenn ich das aber verwechsele, dann wird es wild.”
      https://www.juedische-allgemeine.de/politik/verschwoerungsglaube-fuehrt-zu-scheinsicherheit/

      Hier habe ich das Thema bereits einmal 2014 launig und erkenntnistheoretisch thematisiert:
      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/agnostischer-a-theist-und-gesinnung/

      So ist mir – und Millionen aufgeklärten Gläubigen der verschiedensten Religionen – beispielsweise völlig klar, dass die Schöpfungsmythen nicht als naturwissenschaftliche Berichte zu lesen sind – wer das tut, landet in einer wissenschaftsfeindlichen Variante des Kreationismus.

      Wenn Interesse bestünde, würde ich darauf gerne einmal aktuell und tiefer eingehen. Was meinen Sie?

      • Wenn Interesse bestünde, würde ich darauf gerne einmal aktuell und tiefer eingehen. Was meinen Sie?

        Sehr gerne.

        Die Unterscheidung zwischen aufgeklärten und intoleranten Christen wirkt ein wenig wie “Kein wahrer Schotte”, finde ich.

        Das Problem bei den religiösen Mythen ist, dass diese mehr als genug Anlass zu Gewalt geben. Wenn man eine Religion vollständig demystifiziert (wie Bultmann z.B.), was bleibt dann noch?

        Welchen Wert hat ein geopferter Gottessohn, wenn es weder ein Gottessohn noch ein reales Opfer war? Wird damit nicht der Kern des Christentums ausgelöscht?

        In der Kirche muß ich mir jedenfalls regelmässig anhören, dass “Jesus für uns gestorben ist”, er “unsere Sünden von uns genommen hat” etc.
        Davon dass das nur symbolisch gemeint wäre und natürlich so nie passiert ist, spricht da niemand.

  20. Allgemein:
    Zitat 1 Herr Blume – siehe Artikel oben:
    Die Antwort bietet der wohl mächtigste, meistzitierte und doch kaum verstandene Satz,
    den die Menschheit je aufgeschrieben hat. Er steht im 1. Mose 1, 27: „Da erschuf Gott den
    Mensch in seinem Ebenbilde, in dem Ebenbilde erschuf er ihn, männlich und weiblich
    erschuf er sie.“

    Zitat 2:
    Michael Blume
    27.05.2020, 16:32 Uhr
    So ist mir – und Millionen aufgeklärten Gläubigen der verschiedensten Religionen –
    beispielsweise völlig klar, dass die Schöpfungsmythen nicht als naturwissenschaftliche
    Berichte zu lesen sind – wer das tut, landet in einer wissenschaftsfeindlichen Variante des
    Kreationismus.
    = = =
    Da fehlt mir die Logik, wieso fällt dann Zitat 1 nicht auch unter Mythen?
    Darwin ist doch da einer ganz anderen Meinung!
    Den Kreationisten kann ich auch nicht folgen.
    Meine Feststellung:
    Der Schöpfungsbericht beschreibt die Entwicklung in vielen Dingen besser als die
    Wissenschaft und in anderen Vorgängen bestätigt sie die Wissenschaft durch grobe
    Umschreibung. Vieles geschieht eben aufgrund einer Offenbarung durch den Geist Gottes!

    Beide, Darwin und die Kreationisten aber auch Wissenschaftler, Philosophen und
    Theologen werden mich lynchen wollen, wenn sie diesen Artikel lesen:
    http://www.4-e-inigkeit.info/Ursprung.htm
    Allerseits viel vergnügen, W. Bülten

    • Exakt mein Problem mit einem “aufgeklärtem” Verständnis von heiligen Schriften.

      Entweder der gesamte Text ist Mythos oder eben nicht.

      ODER man müsste Kriterien nennen (können) wonach man jeden einzelnen Vers oder Abschnitt entsprechend bewerten kann.

      Sonst macht man nur Rosinenpickerei.

      • Das glaube ich sofort, @einer – der Hang zur wortwörtlichen Lesart verbindet Religionskritik und religiösen Fundamentalismus.

        M.E. sind “heilige Texte” qua Funktion IMMER Mythos – unabhängig davon, ob sie sich auch auf reale Geschichte beziehen. Deswegen werden “heilige Texte” auch immer erst und ausschließlich durch Auslegung lebendig und wirksam. In Gottesdiensten aller semitischen Religionen stehen Lesung und Predigt nicht zufällig zueinander.

  21. @Michael Blume 26.05. 16:32 Mythen und Wissenschaft

    „Idealerweise gelingt es uns, das miteinander in Einklang zu bringen: religiös zu sein, aber zu wissen, was Religion ist. Dann kann ich Religion und Wissenschaft gleichermaßen respektieren.“

    Genau das ist richtig wichtig.

    Im Laufe der Aufklärung und im weiteren Fortschritt der Wissenschaft sind immer mehr Mythen durch besseres Wissen ersetzt worden. Die Komplettpakete der verschiedensten Religionen sind dann jeweils für sich davon betroffen, und im Prinzip schrumpfen die einzelnen Vereine immer weiter auf das zusammen, was an Mythos übrigbleibt.

    Damit man dann nicht doch zuwenig im verbliebenen Komplettpaket anzubieten hat, würde ich vorschlagen, dass man sich doch gleich bei den Mythen der anderen Religionen auch bedient. So finde ich z.B. auch Laotse hochinteressant, weil die Texte, die auf ihn zurückgehen, wesentlich komprimierter als z.B. die Bibel sind.

    Also ich lese solche religiösen Texte so, dass ich viele einzelne kleinen Mythen gleich abhake, als inzwischen von der Wissenschaft überholt. Was an Mythen bleibt, was von der Wissenschaft dann doch nicht widerlegt werden kann, das ist jetzt aber umso wertvoller, finde ich.

    Wenn ich z.B. die Idee des Einen Gottes so interpretiere, dass hier die gesamte Geisteswelt eben durchgängig von einer einzigen Organisation gestaltet ist, dass hier keine Streitigkeiten und Kriege herrschen, dann finde ich dieses gleich in mehren Religionen wieder.

    Und dass überhaupt keine Geisteswelten existieren, das wird zwar von manchen Zeitgenossen so gesehen, aber die Wissenschaft ist keineswegs so weit gekommen, dass man diese wirklich ausschließen kann. Die ganze Disziplin der Physik sucht ganz gezielt nur nach Regelmäßigkeiten im Sinne einer klaren mathematischen Formulierbarkeit, und kann genau deswegen zum Thema z.Z. nichts beitragen. Hier ist also ganz klar Platz für Mythen, die zwar nicht selbst erwiesen sind wie die wissenschaftliche Erkenntnisse, aber sich doch in einem Raum des Möglichen bewegen.

    Und das finde ich ganz wichtig. Mit Mythen, die wirklich gar nicht wirklich sein können, kann ich nichts anfangen, egal wie schön sie sein mögen.

    Und den materialistisch geprägten Wissenschaftlern lasse ich auch gerne ihre eigen Mythen, wozu auch gehört, dass der Rest der Welt, der noch nicht erforscht ist, sich irgendwann genauso in klaren mathematischen Formeln fassen lässt, wie das, was man bisher erfolgreich untersucht hat. Auch wenn ich hier an ganz andere Sachen glaube.

    • Sie gehen im Kern von einem erkenntnistheoretischen Monismus und also Nullsummenspiel aus, @Tobias Jeckenburger: Die Wissenschaft verdrängt den Mythos. Früher sprach man vom “Lückenfüller-Gott”, dem immer kleiner werdenden “God of the Gaps”, vgl. hier als Rap-Song:
      https://youtu.be/btpczTQ-wP0

      M.E. haut diese Grundannahme jedoch empirisch nicht hin – schon demografisch nicht. Wissenschaft stiftet funktionierende Erklärungen, aber aus sich selbst heraus noch nicht Sinn und Gemeinschaft. Daher plädiere ich für einen erkenntnistheoretischen Pluralismus, der Mythos, Musik, Kunst, Literatur als eigenständige Erfahrungsbereiche neben Wissenschaft ernst nimmt:
      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-empirische-beweislast-der-antitheisten/

      Was meinen Sie dazu?

  22. Tobias Jeckenburger,
    Glaube, Mythos, Sinngehalt,
    Vor einigen Jahren gab es einen Cartoon über den Papst und alle Oberhäupter der anderen Religionen.
    Die liefen einträchtig einem Wagen hinterher , indem sich eine Taube befand.
    Passt doch irgendwie vor dem Pfingstfest !

  23. @Michael Blume 29.05. 10:16 Mythen und Wissenschaft

    „Die Wissenschaft verdrängt den Mythos.“

    Ich bin auch für einen erkenntnistheoretischen Pluralismus. Sinn und Gemeinschaft macht ohne wirkliche Geisteswelten eben wenig Sinn, das ist doch gerade meine Kritik an den Wissenschaften, wenn diese ihren Geltungsbereich überschreiten. Wenn sie nicht nur sagen, sie kennen das nicht, sondern wenn die Wissenschaft sagt, die Geisteswelten gibt es nicht.

    Deswegen finde ich ja auch, dass Religion eben kein Auslaufmodell ist. Ich meine nur, dass man die alten Komplettpakete nicht unbedingt braucht. Auch, weil die Wissenschaft einen erheblichen Teil der ehemals auch welterklärend gemeinten Lehren ersetzt hat. Diese Welterklärung gehört ja auch zu den Komplettpaketen dazu, deshalb meine ich ja, dass wir diese Pakete auch aufschnüren können.

    So haben wir ja auch heutzutage viele Filme, und auch Romane, die sich mit dem Leben auf Basis von lebendigen Fantasiegeschichten auseinandersetzten.

    Mit Ihrem demografischem Argument habe ich aber ein logisches Problem: Mag ja sein, dass Gläubige mehr Kinder bekommen, und auch dass Menschen, die keine personifizierten Gottheiten anbeten, auf die Dauer immer wieder aussterben. Das wäre für mich aber ganz und gar kein Argument gläubig zu werden, und auch nicht, nur deswegen den Glauben bei Anderen zu fördern. Das ist für mich aber ein Argument dafür, dass man das Kinderkriegen von Staatswegen eben entsprechend fördern sollte.

    Letztlich ist es die Konsequenz daraus, dass Frauen Karriere machen dürfen, dass die das dann auch tun. Dies führt zu dem zu beobachtenden Geburtenmangel, der dann wiederum u.a. zum Verschwörungsmythos der Umvolkung führen kann.

    Man müsste hier mindestens 500 Euro im Monat für jedes Kind springen lassen, dann könnten qualifizierte Frauen schon während des Studium ihre Kinder bekommen. Und wenn man dann auch noch Kitas vor Ort in den Universitäten hätte und Frauen mit Kindern etwas langsamer studieren dürften, wäre das vermutlich für manche eine Option. Dann müsste keine Frau Angst davor haben, dass ihre Beziehung in die Brüche geht und sie deswegen mitsamt ihrer Kinder in der Armut landet. Finanzieren könnte man das gerne mit spürbaren und effektiven Erbschaftssteuern. Letztlich nützt das Erben wenig, die meisten Erbschaften kommen erst, wenn die Kinder längst aus dem Haus sind, und man die Erbschaft gar nicht mehr braucht.

    Dass das alte Modell mit dem Mann, der viel Geld verdient und der Frau, die den Haushalt macht und die Kinder erzieht, dasjenige ist, dass zu mehr Kindern führt, hängt doch auch damit zusammen, dass man die Alleinerziehenden und ihre Kinder von Staats wegen viel zu wenig unterstützt. Ich glaube nicht, dass das nur an der Religiösität liegt, das Familien mit der klassischen Rollenverteilung mehr Nachwuchs haben. Ich meine, dass das vor allem an der schwierigen Vereinbarkeit von Kindern und Karriere bei den Frauen liegt.

    Wenn hier kein solventer Mann zur Seite steht, oder die Beziehung zu ihm auch nur etwas unsicher ist, werden Kinder schnell zum Armutsrisiko. Hier bleibt der Frau dann nichts anderes übrig, als sich erstmal selbst beruflich zu etablieren, und danach erst Kinder zu bekommen. Ist die Frau erstmal 30, 35 oder 40, dann ist es öfter schon zu spät für 2 oder 3 Kinder, auch weil nicht immer der passende Mann zur Verfügung steht.

    Das hat doch wenig direkt mir Religion zu tun.

    • Lieber @Tobias Jeckenburger,

      ja, selbstverständlich ist Demografie kein Argument “für” die Wahrheit von Religion. Sie ist jedoch ein Argument dafür, dass man die Potentiale und Wirkungen von Religiosität empirisch nicht ignorieren darf – gerade auch nicht aus der Perspektive von Wissenschaft.

      Ich vermute (und fürchte), in diese Differenzierungen werden erst die Debatten der Zukunft gelangen. Aber es freut mich, dass Sie schon so engagiert am Thema dran sind. 🙂

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