Verschwörungsfragen 46 – Über Impfungen und Erwählung im Judentum

Für den 16. Januar 2022 hatte die Israelitische Religionsgemeinschaft Württembergs (IRGW) in Stuttgart zur wunderbaren Aktion “Booschtern ond B’such” (hochdeutsch: Boostern und Besuch) eingeladen. Hier der Tweet eines Ferngespräch-Fan-Paares, das die Chance zu Recht ergriff, eine Impfung gegen das Covid19-Virus mit einer Impfung gegen den Hass zu verbinden.

Tweet von @PuddingParadoxon vom 16.01.2022, mfG. Screenshot: Michael Blume 

Da ich diese Impf-Aktion der jüdischen Landesgemeinde über meine offiziellen Accounts als Beauftragter gegen Antisemitismus beworben hatte, gab es eine Vielzahl freundlicher und weniger freundlicher Anfragen zum Thema “Impfung und Erwählung im Judentum”. Also haben wir dazu eine Podcast-Folge produziert, die diese Fragen aufgreift und für wirklich Interessierte auch beantwortet.

Wie immer findet sich auch Verschwörungsfragen-Folge 46 auf podigee und allen gängigen Podcast-Portalen.

Und hier auch wie immer der Podcastfolge-Text als pdf-Dokument und als Fließtext:

Als mich das Podcast-Team von Sprich:Stuttgart bat, mich an einem besonderen Ort zum Gespräch treffen zu können, schlug ich den kleinen, urigen Bücherraum im Eingangsbereich der Synagoge Stuttgart vor. Dort hatten mein Freund Murat und ich vor einem Vierteljahrhundert den damaligen Vorstandsvorsitzenden Meinhard Mordechai Tenné getroffen, der sich riesig freute, dass sich endlich auch junge Christen und Muslime für den Dialog zu interessieren begannen.

Erst als wir bereits einiges zusammen auf die Beine gestellt hatten, erzählte uns Meinhard, dass er mit seinem Vater nur knapp den Nazis entkommen war, die seine Mutter und Schwester aber zu fassen bekamen und ermordeten. Meinhard war es kostbar gewesen, dass wir uns nicht aus Schuldgefühlen im Dialog und Kampf gegen Vorurteile engagierten, sondern aus ehrlichem Interesse. Und weder von ihm noch anderen jüdischen Freundinnen und Freunden habe ich in all den Jahren Versuche erlebt, mir ein Schuldgefühl einzureden. Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass heute eigentlich nur noch jene über einen angeblichen „Schuldkult“ klagen, die selbst noch in den Kategorien von Antisemitismus und „Blutschuld“ denken. Meinhard sah uns junge Menschen nicht als „schuldig“ und ging wie viele Holocaust-Überlebende auch an Schulen, um die nächste und übernächste Generation von Deutschen mit und ohne Migrationsgeschichte gegen den Judenhass zu impfen.

Impfen. Da ist es, dieses so emotional beladene Wort. Schon als Ende des 18. Jahrhunderts die erste Pockenimpfung entwickelt wurde und Bayern um 1807 die erste gesetzliche Impfpflicht eingeführt hatte, gab es dagegen Ängste, Widerstände und auch antisemitische Verschwörungsmythen. Schon die mörderischen Pestpogrome etwa des 14. Jahrhunderts waren gerade auch im nördlichen Alpenraum mit Vorwürfen wie „Brunnenvergifter“ vorangetrieben, ganze Gemeinden wie Würzburg vernichtet worden.

Umso mehr habe ich mich darüber gefreut, dass die Israelitische Religionsgemeinschaft Württembergs mit der gerade wiedergewählten Vorstandssprecherin Prof.in Barbara Traub und dem Stuttgarter Rabbiner Pushkin an der Spitze im Januar 22 eine klare und mutige Aktion veranstalteten: Bei „Booschter ond B’such“ wartete ein kleines Impfteam des Stuttgarter Klinikums auf Impfwillige, für die es dann auch eine Synagogenführung durch den Rabbiner gab. Das Angebot richtete sich ausdrücklich nicht nur an jüdische, sondern auch an nichtjüdische Interessierte. Auf dem Twitter-Account @PuddingParadoxon können Sie einen Tweet dazu vom 16. Januar mit dem Bild eines frischgeimpften Pärchens sehen, das stilecht in „Ferngespräch“-T-Shirts die Chance genutzt hatte, das Gemeindezentrum zu besuchen. Und im Online-Angebot der „Jüdischen Allgemeinen“ finden Sie auch einen eindrucksvollen Bericht von Brigitte Jähnigen dazu.

Nachdem ich diese „Booschter ond B’such“-Aktion aber über den offiziellen Twitter-Account meines Amtes empfohlen hatte, gingen auch einige Anfragen dazu bei mir ein, die ich heute beantworten möchte.

Einige wollten wissen, warum es Jüdinnen und Juden trotz früherer Angriffe so mit dem Impfen haben. Professor Sucharit Bhadki hatte Israel ja sogar mit antisemitischer Gleichsetzung von Demokratie und NS-Staat vorgeworfen, „ihr eigenes Land in etwas verwandelt“ zu haben, „was noch schlimmer ist, als Deutschland war.“ Zitat: „Das ist das Schlimme an den Juden. Sie lernen gut. Es gibt kein Volk, das besser lernt als sie. Aber sie haben das Böse jetzt gelernt – und umgesetzt. Deshalb ist Israel jetzt living hell – die lebende Hölle.“ -Zitat Ende –

Andere Fragende wollten wissen, warum die Gemeinde einen betont schwäbischen Titel geschrieben und warum das Wort „Mitzvah“ bei einer Impfspritze abgebildet war. Sei die Mitzvah / Mitzwa nicht so etwas wie „eine jüdische Konfirmation“?

Und warum heiße die jüdische Gemeinde eigentlich „Israelitische“ Religionsgemeinschaft – und wende sich mit dieser Aktion auch an Nichtjuden? Glaubten Jüdinnen und Juden denn nicht, sie wären „das einzige von G’tt erwählte Volk?“

Diese und weitere Fragen möchte ich in dieser Podcast-Folge beantworten.

Also: Ja, es gibt im Judentum eine starke, pro-medizinische Tradition. Das Judentum war die erste Religion in Alphabetschrift, in der bald jedes Kind lesen und schreiben lernen sollte. Sogar der Begriff der „Bildung“ selbst entstammt dem ersten Buch Mose, in dem es heißt, der Mensch sei „im Bilde G’ttes“ geschaffen worden.

Daraus ergibt sich auch eine hohe Pflicht, Menschenleben zu schützen: Nichtjüdische ebenso wie jüdische. Schon die frühe Bibeldeutung des Talmud diskutiert das mehrfach und kommt zu dem Ergebnis, dass das Retten oder das Auslöschen eines Menschenlebens wie die Rettung oder Auslöschung der ganzen Welt zu zählen sei. Deswegen haben Rabbiner auch die Todesstrafe immer wieder bekämpft – selbst dort, wo sie im biblischen Urtext geboten erschien.

Und deswegen finden Sie auch Ansagen, dass schon die Verletzung der Menschenwürde etwa durch Folter oder Armut eigentlich einer G’tteslästerung gleichkomme. Wenn Rabbi Jehoschua – Jesus – in der christlichen Überlieferung also sagt, dass derjenige G’tt gedient habe, der dem geringsten Menschen etwa auch in Krankheit oder Haft beigestanden sei, dann ist das nicht erst christliche Zutat, sondern schon gut jüdisch. Und Sie können auch nachschauen, dass in besagter Rede vom Weltgericht von einer Unterscheidung zwischen Völkern und Religionen überhaupt nicht die Rede ist.

Entsprechend dieser Verbindung von Alphabet-Bildung und religiösem Ethos aus der Thora gab und gibt es tatsächlich besonders viele Jüdinnen und Juden in medizinischen Berufen. Der im heutigen Ägypten lehrende Maimonides schrieb nicht nur bis heute bedeutende Bücher, sondern amtierte auch als Arzt, auch für führende Muslime. Dass immer die Gefahr der antijüdischen Anklagen bestand, dass auch noch der sowjetische Gewaltherrscher Stalin am Lebensende eine angebliche „jüdische Ärzteverschwörung“ erfand, konnte am starken, medizinischen Ethos nichts ändern.

So ist auch der heutige Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland sowie Vizepräsident des World Jewish Congress Josef Schuster Facharzt für innere Medizin und weiterhin als Notarzt tätig. Er ist außerdem Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Würzburg.

Und, nein, das bedeutet selbstverständlich nicht, dass alle Jüdinnen und Juden der Wissenschaft vertrauen, von Medizin beseelt sind und das Impfen toll finden würde. Israel hat tatsächlich ein besonders gutes Gesundheitssystem mit übrigens auch vielen israelisch-arabischen Mitarbeitenden auf allen Ebenen. Das antijüdische und antiisraelische Geraune von Sucharit Bhakdi war also nicht nur niederträchtig, sondern auch sachlich falsch.

Aber ja, auch in Israel gab es verschwörungs-mythologische Demonstrationen und insbesondere unter Älteren in den jüdischen Gemeinden gibt es weltweit durchaus auch Ängste und Gerüchte über Impfstoffe. Auch deswegen war die Aktion in der Synagoge Stuttgart ein so wichtiges Zeichen nach Außen – und nach Innen.

Gegenüber den jüdischen Gemeinden gab es in der deutschen Geschichte viele Bezeichnungen wie Hebräer, Deutsche mosaischen Bekenntnisses und Israeliten. Als solche wurden sie im 19. Jahrhundert zuerst in Baden und dann auch Württemberg als öffentlich-rechtliche Religionsgemeinschaften anerkannt, weswegen die beiden IRGen unseres Landes als Körperschaften öffentlichen Rechts diesen ihnen damals verliehenen Namen bis heute stolz und zu Recht tragen. Israelitisch ist dabei nahe, aber nicht gleichbedeutend mit israelisch.

Ebenso nütze ich die Chance, einmal darauf hinzuweisen, dass der gutgemeinte Ausdruck „Menschen jüdischen Glaubens“ das Selbstverständnis vieler Jüdinnen und Juden nicht trifft. Im Judentum kommt es mehr auf die richtigen Taten als auf das Bejahen bestimmter Dogmen an; fachsprachlich spricht man daher oft auch von „Orthopraxie – korrektes Handeln – statt Orthodoxie – korrektes Glauben“. Niemand verliert sein oder ihr Judesein durch Glaubenszweifel und es ist jüdischen Menschen auch nicht zwingend vorgeschrieben, Mitglied einer Religionsgemeinschaft zu werden. Auch hier ist es hilfreich, christliche Vorstellungen über Taufe, Glaubensbekenntnisse und Kirchenmitgliedschaften nicht vorschnell auf andere Religionen zu übertragen.

Eine Mitzwa bezeichnet im Judentum eine Gebotserfüllung, eine gute Tat. Und ich nehme an, dass die Anfrage zur vermeintlichen „jüdischen Konfirmation“ mit dem tatsächlich vergleichbaren Initiationsritual der Bar Mitzwa für Jungen und der Bat Mizwa für Mädchen zu tun hat. Damit ist jedoch nicht gemeint, dass jemand durch eine Mitzwa Mitglied einer jüdischen Gemeinde würde. Vielmehr werden die Heranwachsenden, die bereits jüdisch sind und entsprechende Lehrstunden absolviert haben, zum ersten Mal in der jüdischen Gemeinde bei ihrem Namen zur Lesung aus der Thora gerufen. Sie zeigen damit, dass sie die Schrift gelernt haben und nun bereit sind, Verantwortung für ihre Taten zu übernehmen – und damit eine Tochter oder ein Sohn der Gebotserfüllung zu werden.

Bei vielen Bar und Bat Mizwa-Feiern sind auch nichtjüdische Verwandte und Freunde dabei; meine Familie und ich waren auch bereits mehrfach eingeladen. Ebenso können auch Nichtjuden gewürdigt werden. So ehrte zum Beispiel der große Gelehrte Martin Buber auf seiner Bar Mizwa-Feier vom 8. Februar 1891 den Liberalen Friedrich Schiller. Tatsächlich war Schiller im jungen, aschkenasischen Judentum des 19. Jahrhunderts so beliebt, dass Antisemiten prompt vermuteten, er müsse ein heimlicher Jude gewesen sein!

Buber sprach noch Judendeutsch, dass erst im 20. Jahrhundert nach dem Englischen Yiddish genannt wurde. Jiddisch ist Judendeutsch, ist eine Variante der deutschen Sprache, die im nördlichen Alpenraum zwischen Schwaben, Böhmen und Österreich entstand. Zu den sprachlichen Gemeinsamkeiten gehört zum Beispiel die Verkleinerungsform -le wie im schwäbischen Häusle, im jiddischen Mammele oder im Wiener Beisl. Ja, während in der jüdischen Bibelauslegung den Noahsöhnen Schem das hebräisch-aramäische Alphabet und Japheth das griechische Alphabet zugeschrieben wurde, wurde der Enkel des Japheth, Aschkenas, mit der deutschen Sprache verbunden.

Deutschland wurde aus der jüdischen Tradition heraus also als Gesellschaft mit gemeinsamer Sprache gewürdigt, Jahrhunderte bevor es ein deutschsprachiger Nationalstaat wurde! Dass die jüdische Gemeinde also auf Schwäbisch zu Boostern und Besuch einlud, verweist auf die gemeinsame, tiefe Liebe zur Vielfalt der deutschen Sprache „ond isch ganz schwäbisch korrekt!“.

Gemeinsam mit immer mehr Mistreiterinnen und Mitstreitern wie Volker Beck kämpfe ich daher dafür, dass eines Tages unser Bundestag das Judendeutsche wieder als deutsche Sprache anerkennen und damit auch die Diskriminierung von Jüdinnen und Juden aus der ehemaligen Sowjetunion gegenüber Spätaussiedlern aus den gleichen Regionen beenden möge. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie dieses Anliegen bei Ihrem oder Ihrer Abgeordneten unterstützen könnten.

Und so lehrt das religiöse Judentum, dass es tatsächlich von G’tt zur Pflege der Thora und also zur Alphabet-Bildung erwählt worden sei; doch ist diese Erwählung nicht ausgrenzend gedacht. Schon im bereits erwähnten Talmud finden wir die Lehre des Noah-Bundes, nach der auch nichtjüdische Menschen „Anteil an der kommenden Welt“ haben können, wenn sie den Bund des Regenbogens achten. Und zu diesem gehört, voila, zuallererst der Schutz des menschlichen Lebens – durch die Achtung von Medizin, durch Einsatz, durch Friedensarbeit und auch durch einen Rechtsstaat.

Auch die nichtjüdische Ärztin, die also entlang ihrer gesetzlichen Pflichten engagiert aufklärt und impft, erfüllt damit g’ttliches Gebot, leistet eine Mizwa – und zwar auch dann, wenn sie nicht zum mosaischen Bund, sondern zum allgemein-menschlichen noachidischen Bund zählt.

In all den Jahrzehnten, in denen ich mit jüdischen Freundinnen und Freunden intensiv und vertrauensvoll zusammenarbeiten konnte, ist es daher nie vorgekommen, dass mich jemand ernsthaft zum Judentum bekehren wollte. Denn nach der jüdischen Tradition können auch Nichtjuden Anteil an der kommenden Welt haben. Es ist aus jüdischer Sicht okay, religiös verschieden zu sein, solange die gemeinsamen Grundlagen stimmen.

Rabbi Lord Jonathan Sacks, seligen Angedenkens, betonte sogar, dass im Judentum nicht nur allgemeiner Respekt, sondern sogar eigene Segensformeln für nichtjüdische Gelehrte und Ärzte entwickelt worden waren.

Gerne können Sie auch einen Blick beispielsweise in die Erklärung „Den Willen unseres Vaters im Himmel tun“ werfen, in der orthodoxe Rabbiner erklären, dass auch in anderen Religionen und ganz konkret im Christentum g’ttlicher Wille wahrgenommen werden kann. Rabbi Jehoschua / Jesus habe den g’ttlichen Willen erfüllt, wonach Völker auf der ganzen Welt die Thora und damit auch den Noahbund kennenlernen sollten.

Die g’ttliche Erwählung des Judentums bedeutet also nicht, dass es keine nichtjüdischen, auch religiösen Wege mit und zu G’tt gebe. Ganz ehrlich: So viel respektvoller Monismus begegnet einem im vergleichenden Studium der Religionen nicht oft. Die Behauptung, Jüdinnen und Juden würden nur sich selbst für g’ttlich auserwählt halten und alle anderen Menschen verachten, ist sachlich falsch und menschlich unanständig.

Und, nein, ich behaupte auch hierbei nicht, dass alle Jüdinnen und Juden nichtjüdische Ärztinnen achten würden. Ich habe auch selbst durchaus erlebt, dass manche ein massives Problem mit Nichtjuden, mit Deutschen, mit Muslimen, mit religiös gemischten Ehen usw. haben. Extremisten gibt es in jeder Gesellschaft und der israelische Minister Matan Kahana, ein orthodoxer Jude und ehemaliger Kampfpilot, braucht derzeit Polizeischutz, weil er die Konversionsregeln und rabbinischen Zuständigkeiten in Israel neu ordnen will.

Wir haben den Antisemitismus nicht überwunden, wenn wir glauben, dass alle Jüdinnen und Juden bessere Menschen wären. Sondern wir haben ihn dann überwunden, wenn wir erfassen, dass niemand – und also auch keine Jüdin und kein Israeli – ein besserer Mensch sein muss, um als Mensch respektiert zu werden.

Dass es Intoleranz und Rassismus auch in Israel gibt, bedeutet nicht, dass das Judentum oder die israelische Demokratie insgesamt intolerant und rassistisch wären. Viele Jüdinnen und Israelis haben zum Beispiel dem Land Baden-Württemberg, meinem Team und auch mir als Leiter für das Sonderkontingent für schutzbedürftige Frauen und Kinder aus Kurdistan-Irak ausdrücklich gedankt, weil sie die Rettung von ezidischen Frauen und Kindern für humanistisch oder auch für religiös geboten hielten. Und zur Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem mit der Erinnerung an die Massenmorde gehört auch ein Ehrenwald, in dem ausdrücklich auch deutschen und konkret baden-württembergischen „Gerechten unter den Völkern“ gedacht wird, die Menschen vor den nationalsozialistischen Morden gerettet haben.

Wenn wir also Deutschland oder Italien, das Christentum oder den Islam, den Humanismus oder den Sozialismus nicht nur von den Extremen her definieren wollen, dann bitte ich, dass wir die gleiche Fairness auch gegenüber Israel und dem Judentum an den Tag legen. Es ist eine tiefe, über lange Zeit und gegen vielerlei auch antisemitische Feindschaften gewachsene Tradition, die besser zu verstehen sich auch deshalb lohnt, weil auch Christentum und Islam, Deutschland und Italien, der Humanismus und Liberalismus über die Alphabete und Sprachen sowie über unzählige Inhalte mit jüdischen Wurzeln verbunden sind. Wir verstehen auch unsere eigene, nichtjüdische Identität besser, wenn wir wenigstens Grundkenntnisse über das Judentum erwerben konnten.

Nutzen wir also doch die Chance, hin und wieder auch eine Synagoge zu besuchen. Nicht, weil alle Jüdinnen und Juden religiös wären oder weil alle Menschen religiös sein müssten – sondern weil das Alphabet und die Thora, vor allem aber das Zusammenleben Teil unserer gemeinsamen Kultur und Vergangenheit wie auch unserer gemeinsamen Zukunft sind. Ich bin persönlich sehr dankbar, dass trotz der unfassbaren Verbrechen des NS-Regimes heute solche Begegnungen in Deutschland und Europa wieder und neu möglich sind. Dass wir in 2021 an 1700 Jahre jüdisches Leben nördlich der Alpen erinnern konnten und dass 2022 mitten in Stuttgart Juden und Nichtjuden in einer Synagoge gemeinsam geimpft werden ist in meinen Augen eben auch ein besonders wertvoller Triumph des Lebens über den Tod. „Boostern und Besuch“ ist auf vielen Ebenen eine grandiose Idee gewesen.

In offenen, jüdischen Gemeinden wird man immer wieder auch Impfkampagnen finden – selten gegen Viren, aber immer wieder gegen den Hass. Denn das menschliche Leben – jedes menschliche Leben – zu schützen, das ist unsere höchste und gemeinsame Mitzwa als Juden und Nichtjuden, als Kinder Noahs, als Menschen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Gerne wünsche ich Ihnen körperlich wie auch geistig: Bitte bleiben Sie gesund!

 

Quellen:

Jähnigen, Britta (2022): Nach dem Impfen in die Synagoge. Jüdische Allgemeine vom 20.01.2022, online unter:

https://www.juedische-allgemeine.de/unsere-woche/nach-dem-impfen-in-die-synagoge/

Brandes, Sabine (2022): Giur – Streit um Konversionen. Jüdische Allgemeine vom 13.01.2022, online unter:

https://www.juedische-allgemeine.de/israel/streit-um-konversionen/

Blume, Michael (2019): Warum der Antisemitismus uns alle bedroht. Wie neue Medien alte Verschwörungsmythen befeuern. Patmos

Ahrens, Jehoschua, Blickle, Karl-Hermann et al. (2017): Hin zu einer Partnerschaft zwischen Juden und Christen. Die Erklärung orthodoxer Rabbiner zum Christentum. Metropol

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) u.v.m. Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren als „teilnehmender Beobachter“, um Digitalisierung zu erforschen, Religionswissenschaft leichter zugänglich und niedrigschwelliger diskutierbar zu machen.

26 Kommentare

  1. Ebenso nütze ich die Chance, einmal darauf hinzuweisen, dass der gutgemeinte Ausdruck „Menschen jüdischen Glaubens“ das Selbstverständnis vieler Jüdinnen und Juden nicht trifft. Im Judentum kommt es mehr auf die richtigen Taten als auf das Bejahen bestimmter Dogmen an; fachsprachlich spricht man daher oft auch von „Orthopraxie – korrektes Handeln – statt Orthodoxie – korrektes Glauben“. Niemand verliert sein oder ihr Judesein durch Glaubenszweifel und es ist jüdischen Menschen auch nicht zwingend vorgeschrieben, Mitglied einer Religionsgemeinschaft zu werden. Auch hier ist es hilfreich, christliche Vorstellungen über Taufe, Glaubensbekenntnisse und Kirchenmitgliedschaften nicht vorschnell auf andere Religionen zu übertragen.

    Einspruch. Selbstverständlich ist der Glaube essenziell für das Judentum wie für jede Religion. Die jüdische Religion ist kein Verfassungspatriotismus, wo es reicht, sich an die Gebote zu halten, selbst wenn man, extremes Gedankenexperiment, Atheist wäre. Das gilt nicht einmal für die Nichtjuden,.die sich an die noahidischen Gebote halten.

    Maimonides:

    Wer die sieben Gebote übernimmt und gewillt ist, sie zu tun,
    der gehört zu den Frommen der Weltvölker
    und hat Anteil an der kommenden Welt;
    dies gilt für jenen, der sie übernimmt und tut, weil Gott in der Tora so geboten und durch unseren Lehrer Mose bekannt gemacht hat, dass die Nachkommen Noahs auf diese Gebote verpflichtet wurden.
    Wenn jemand sie hingegen aufgrund der Überzeugung durch den eigenen Verstand tut,
    ist er kein ger toschav und kein Frommer der Weltvölker
    und keiner ihrer Weisen.

    Das ändert sich erst nach dem Holocaust. Heute werden auch „Gerechte unter den Völkern“ als solche bezeichnet, die keinen wie immer gearteten Glauben besaßen.

    (Ganz ähnlich übrigens im Zweiten Vatikanischen Konzil. Nach deren Lehre kann unter Umständen sogar ein Atheist “in den Himmel kommen”.)

    Quelle und Kontext:
    http://www.juedisches-recht.de/anf_noah_gebote.php

    • Komischer „Einspruch“ mit Verweis auf historische Entwicklungen gegenüber einem weiteren Text, der doch genau die Lebendigkeit von Traditionen und Dialog betont…

      Hätten Sie z.B. die erst wenige Jahre junge Erklärung „Den Willen unseres Vaters…“ angeschaut, so hätten Sie entdeckt, dass auf der von Ihnen zitierten Maimonides-Stelle positiv aufgebaut hat: „Weil“ das Christentum den (japhetitisch übersetzten) Text der Thora bewahrt hat, bekräftigt es auch den Noachidischen Bund…

      Naja, immerhin haben Sie sich mit der Materie befasst – das freut mich! 😊🙌

      • Die Formulierung “jüdischen Glaubens” wurde m.W. durch Ignaz Bubis populär gemacht, um den häufig rassistisch konnotierten Begriff “jüdischer Abstammung” abzulösen. Aber er wird oft falsch benutzt.
        Wäre, wenn man auch Nichtreligiöse mit einschließen möchte, “in jüdischer Tradition stehend” passend?

        • Ja, @Thomas S. – das wäre besser. Wobei wir natürlich z.B. im Christentum und in der „Bildung“ alle auch in jüdischen Traditionen stehen. Warum nicht einfach Jude & Jüdin bzw. jüdischer Herkunft?

  2. “…..Niemand verliert sein oder ihr Judesein durch Glaubenszweifel und es ist jüdischen Menschen auch nicht zwingend vorgeschrieben, Mitglied einer Religionsgemeinschaft zu werden…..” (Zitaende aus dem Text von M. Blume)

    Na ja. Dann “definieren” Sie mal, was ein Jude ohne jüdischen Glauben ist und wie ein solcher zustande kommt.

    Was also ist ein (essentieller) “Jude an sich” ?

    Ist es etwa so , wie mit “israelitische Gemeinde” : Zwar israelitisch aber doch nicht so ganz ? (-:

    • Es ist genauso wie z.B. auch im Hinduismus, @little louis: Es gab und gibt sogar ausdrücklich atheistisch-hinduistische Traditionen – mit dem Atheismus endet nicht die Zugehörigkeit zum Hinduismus. „Kulturmuslime“ gibt es ja ebenso wie zunehmend „Kulturchristen“.

      Die Vorstellung einer exklusiven Glaubens(!)Gemeinschaft entfaltete sich vor allem im Christentum. Auch wenn man(n) dies toll findet – was ich bei Ihnen eher nicht vermute – sollte man(n) es nicht auf alle Religionen erweitern. Die meisten werden einfach qua Geburt tradiert.

  3. “….. Denn nach der jüdischen Tradition können auch Nichtjuden Anteil an der kommenden Welt haben. Es ist aus jüdischer Sicht okay, religiös verschieden zu sein, solange die gemeinsamen Grundlagen stimmen…..”
    (Zitatende)

    Warum wird hier eine Selbstverständlichkeit als etwas Besonderes oder als eine originär jüdische Einstellung oder “Eigenschaft” dargestellt?

    Das klingt nach verkapptem jüdischem “Essentialismus” , der gar nicht weit von “kulturellem” wenn nicht gar biologischem Rassismus entfernt ist.
    Gibt es wirklich in keinen anderen Bevölkerungsgruppen Menschen die mitmenschlich oder pazifistisch (oder beides) eingestellt sind?

    • Weil, lieber @little louis, die jüdische Tradition gerade auch des Noahbundes sehr alt ist & ihr zudem genau das Gegenteil vorgeworfen wurde und wird. Auch wenn Sie sich ungerne an deutsch-europäische Geschichte noch des letzten Jahrhunderts erinnern lassen: „Selbstverständlich“ war und ist Akzeptanz von Vielfalt gerade nicht. Das merkt man ja auch an einigen üblen Formulierungen Ihrerseits…

  4. Howdy, lieber Herr Dr. Michael Blume,

    sehr nett geschrieben, Dr. Webbaer hatte viel mit Juden zu tun, ist hier [1] – selbstverständlich : bestmöglich ohne “philosemitisch” zu werden – a bisserl fasziniert, mag auch einige Ihrer dankenswerterweise im Text bereit gestellten Aussagen, bspw. so :

    Ebenso nütze ich die Chance, einmal darauf hinzuweisen, dass der gutgemeinte Ausdruck „Menschen jüdischen Glaubens“ das Selbstverständnis vieler Jüdinnen und Juden nicht trifft. [2]

    … und so :

    Wir haben den Antisemitismus nicht überwunden, wenn wir glauben, dass alle Jüdinnen und Juden bessere Menschen wären. Sondern wir haben ihn dann überwunden, wenn wir erfassen, dass niemand – und also auch keine Jüdin und kein Israeli – ein besserer Mensch sein muss, um als Mensch respektiert zu werden.

    Beim Impfen weiß Ihr Langzeit-Kommentatorenfreund nicht so recht, wenn mal hier geschaut wird :

    -> https://www.juedische-allgemeine.de/israel/israels-ultraorthodoxe-zoegern-mit-dem-impfen/

    Mit freundlichen Grüßen und weiterhin viel Erfolg
    Dr. Webbaer

    [1]
    Insbesondere Künstler und Wissenschaftler, äh, jüdischen Glaubens, nein, vielleicht deutlich besser : jüdischer Herkunft meinend.

    [2]
    ‘Jude’ ist ein Ethnonym, das also die Herkunft meint, nicht die religiöse Anschauung, nicht die politische und auch nicht die individuelle Befindlichkeit.
    (Wie genau mit zum (religiösen) Judentum Konvertierten, vielleicht auch so mit so vorgegangenen Deutschen, umzugehen ist, umgegangen werden könnte, weiß Dr. Webbaer nicht, ist ja kein Rabbi.
    Das Judentum missioniert “an sich” (sog. Füllwörter liegen vor) nicht.)

  5. Ich würde gerne den ganzen Artikel von Herrn Blume kritisieren bzw. widerlegen, fange aber erst einmal mit dem Talmud & der unten zitierten Behauptung von Herrn Blume an.

    Daraus ergibt sich auch eine hohe Pflicht, Menschenleben zu schützen: Nichtjüdische ebenso wie jüdische. Schon die frühe Bibeldeutung des Talmud diskutiert das mehrfach und kommt zu dem Ergebnis, dass das Retten oder das Auslöschen eines Menschenlebens wie die Rettung oder Auslöschung der ganzen Welt zu zählen sei. Deswegen haben Rabbiner auch die Todesstrafe immer wieder bekämpft – selbst dort, wo sie im biblischen Urtext geboten erschien.

    And Rabbi Yohanan says: A gentile who engages in Torah study is liable to receive the death penalty; as it is stated: “Moses commanded us a law [torah], an inheritance of the congregation of Jacob” (Deuteronomy 33:4), indicating that it is an inheritance for us, and not for them.

    …the punishment of a gentile who studies Torah is like that of one who engages in intercourse with a betrothed young woman, which is execution by stoning.

    Rabbi Hanina says: A gentile who struck a Jew is liable to receive the death penalty, as it is stated when Moses saw an Egyptian striking a Hebrew: “And he turned this way and that way, and when he saw that there was no man, he struck the Egyptian and hid him in the sand” (Exodus 2:12).

    And Reish Lakish says: A gentile who observed Shabbat is liable to receive the death penalty, as it is stated: “And day and night shall not cease” (Genesis 8:23), which literally means: And day and night they shall not rest. This is interpreted homiletically to mean that the descendants of Noah may not take a day of rest. And the Master said (57a) that their prohibition is their death penalty, i.e., the punishment for any prohibition with regard to descendants of Noah is execution. Ravina says: If a descendant of Noah observes a day of rest on any day of the week, even one not set aside for religious worship, e.g., on a Monday, he is liable.

    It is stated in that book of Aggadot that the Sages said in the name of Rabbi Yishmael: A descendant of Noah is executed even for killing fetuses. The Gemara asks: What is the reason for the opinion of Rabbi Yishmael? The Gemara answers: It is derived from that which is written: “One who sheds the blood of a person, by a person [ba’adam] his blood shall be shed” (Genesis 9:6). The word ba’adam literally means: In a person, and is interpreted homiletically: What is a person that is in a person? You must say: This is a fetus that is in its mother’s womb. Accordingly, a descendant of Noah is liable for killing a fetus.

    The students asked Rav Sheshet: With regard to a gentile who engages in intercourse with an animal, what is the halakha? Must the animal be killed? The Gemara elaborates: Do we need two reasons to kill the animal, namely that it caused a calamity and that it caused shame, and therefore here the animal is not killed, as while there is a calamity, as it caused a person to sin and be executed, there is no shame, as the Jewish court is not responsible for the shame of a gentile? Or perhaps one reason is enough, and an animal is killed because of the calamity it caused even if there is no shame?

    Zitiert von sefaria.org

    Zusammenfassung:
    Als Nichtjude einen Juden schlagen = Todesstrafe
    Einen Tag als Nichtjude freinehmen = Todesstrafe
    Den Talmud als Nichtjude lesen = Todesstrafe
    Schwangerschaftsabbruch bei Nichtjuden = Todesstrafe
    Ein Nichtjude welcher Sex mit einem Tier hatte = Todesstrafe für Mensch & Tier

    • Nein, @Mark Schelling – Sie begehen hier einen uralten, antijüdischen Trick, indem Sie nur maximal negative Stellen zusammenstückeln, statt die Diskussion und Gegenstimmen. Denn wie ich es ja auch mehrfach erklärt habe: Die jüdische Bibelauslegung auch schon des Talmud entfaltet sich im oft heftigen Diskurs mit oft extrem unterschiedlichen Positionen.

      Übrigens gibt es den Talmud auch längst auf Deutsch unter talmud.de. Aber klar: Auf Englisch sind zusammengestückelte Hass-Postings bereits schneller verfügbar…

      Kommen Sie runter vom Antisemitismus, werden Sie fair…

      • Ist das nicht interessant? Anstatt schockiert über diesen Hass gegen Nichtjuden zu sein unterstellen Sie mir irgendeine „uralte Trickserei“ sowie ein „Zusammenstückeln“ von Zitaten aus dem Talmud und ein angebliches Auslassen von ominösen Gegenstimmen welche sich wohl für die Nichtjuden ausgesprochen haben sollen?

        Nun, ich habe diese Gegenstimmen nicht gefunden, aber vielleicht liefern Sie diese noch nach? So wie Sie diese vermeintlichen Gegenstimmen uns bisher vorenthalten, so haben Sie auch keinen Beweis bezüglich ihrer Unterstellung erbracht, inwiefern ich denn irgendetwas „zusammengestückelt“ haben soll.

        Talmud.de benutzt übrigens selbst sefaria.org. Aber immerhin bin ich auf eine Übersetzung gestoßen von einem gewissen Herrn Lazarus Goldschmidt. Hat sogar meinen Lieblingsvers inklusive Diskussion übersetzt! Dabei geht es um die Vergewaltigung eines Kleinkindes und die Rabbiner diskutieren darüber, wann die Vergewaltigung okay wäre, bzw. wie alt das Kleinkind sein müsste…
        Aber mir fehlt wahrscheinlich noch die Impfung mit Antisemitox um dies zu übersehen oder irgendeinen tieferen Sinn darin zu sehen. Ich zitiere Herrn Goldschmidts Übersetzung also:

        Raba erwiderte: Er meint es wie folgt: Wenn ein Erwachsener einer Minderjährigen beigewohnt hat, so ist dies nichts, denn unter diesem Alter ist es ebenso, als wenn man mit dem Finger gegen das Auge kommt, wenn aber ein Minderjähriger einer Erwachsenen beigewohnt hat, so hat er sie zur Verletzten gemacht, und hinsichtlich der Verletzten besteht ein Streit zwischen R. Meír und den Rabbanan.

        Allerdings scheint dort einiges an Details zu fehlen. Hier der Vers von sefaria auf englisch:

        Rava said that this is what the mishna is saying: An adult man who engaged in intercourse with a minor girl less than three years old has done nothing, as intercourse with a girl less than three years old is tantamount to poking a finger into the eye. In the case of an eye, after a tear falls from it another tear forms to replace it. Similarly, the ruptured hymen of the girl younger than three is restored. And a young boy who engaged in intercourse with an adult woman renders her as one whose hymen was ruptured by wood. And with regard to the case of a woman whose hymen was ruptured by wood itself, there is a dispute between Rabbi Meir and the Rabbis. Rabbi Meir maintains that her marriage contract is two hundred dinars, and the Rabbis maintain that it is one hundred dinars.

        Einig sind sich die Rabbiner dass es kein Problem ist ein Kleinkind zu schänden. Vergreift sich eine erwachsene Frau an einem Jungen, so verliert die Frau an Wert. Nur bei dem genauen Betrag sind sich die Rabbiner uneinig gewesen.

        Ich lehne den Abrahamismus und somit alle drei abrahamischen Todeskulte (Judentum, Islam, Christentum) in der Tat entschieden ab. Erklären Sie mir doch warum ich zwischen der Relativierung von Pädophilie, Genozid, Kannibalismus, Rassismus, Suprematismus, Inzest, Nekrophilie uvm. nach irgendwelchen positiven Krümeln darin suchen soll? Gehen Sie so bei Hitler vor?

        Sie können ja mal Einspruch bei Focus Online einlegen wenn der Armin Fuhrer wieder etwas über den Führer weiß… Bezeichnen Sie ihn doch einfach als Antideutschen der sich nur irgendetwas herausgepickt hat im egalitären Schriftstück das Mein Kampf heißt. Sagen Sie ihm er soll runter von seinem Antigentilismus kommen und fair werden. Werden Sie für ein paar Tage zum Antigentilismusbeauftragten (warum haben wir so etwas eigentlich nicht?).

        Vielleicht wäre es einfach klüger die Wahrheit zu bedienen und die Machwerke nicht umzudeuten um eine Diskussion nicht von Anfang an verloren zu haben um dann nur noch Antisemit, Rassist o.Ä. blöken zu können.

        • Genau darum geht es Ihnen, @Mark Schelling – Sie wollen uninformierte Menschen mit angeblichem, jüdischen „Hass auf Nichtjuden“ konfrontieren und „schockieren“, indem Sie einseitig und verzerrend nur bestimmte Stellen aus den Diskussionen reißen. Und Sie glaubten ernsthaft, darauf fiele ein Religionswissenschaftler herein?

          Letztlich zeigen Sie nur, wieviel Hass in den entsprechenden Foren sich sammelt, indem der Talmud nur einseitig antijüdisch abgesucht, jedes Verstehen aber verweigert wird.

          Ihnen ist sogar entgangen, dass der Begründer von Talmud.de hier interviewt wurde:
          https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/den-talmud-auf-deutsch-online-bringen-interview-mit-chaijm-guski-von-talmud-de/

          Ihre eigentliche Intention – die Errichtung eines antijüdischen, antichristlichen & antimuslimischen Feindbildes bis hin zur unvermeidlichen NS-Gleichsetzung – bricht ja dann hier auch durch:

          „ Ich lehne den Abrahamismus und somit alle drei abrahamischen Todeskulte (Judentum, Islam, Christentum) in der Tat entschieden ab. Erklären Sie mir doch warum ich zwischen der Relativierung von Pädophilie, Genozid, Kannibalismus, Rassismus, Suprematismus, Inzest, Nekrophilie uvm. nach irgendwelchen positiven Krümeln darin suchen soll? Gehen Sie so bei Hitler vor?“

          Dabei müsste Ihnen – wenn Sie noch monistisch-fair wahrnehmen könnten – der Unterschied zwischen Extrempositionen in Jahrtausende-alten, von Juden selbst transparent gemachten Diskursen zu tatsächlich staatlich organisierten Massenmorden im letzten Jahrhundert auffallen. Aber Sie meinen eben, den Nationalsozialismus und Ihre Identitätserzählung entlasten zu können, indem Sie die historische Entwicklung einfach negieren.

          Warum sollte ich da „Antisemitismus blöken“ müssen? Es reicht doch, dass ich Ihren niederträchtigen Kommentar freischalte & beantworte. So kann sich jede/r selbst davon überzeugen, wie gefährlich der antijüdische & antireligiöse Dualismus auch heute noch ist – und warum Bildung und Aufklärung auch über das Judentum und den Talmud so unverzichtbar sind, um Radikalisierungen zukünftig zu vermeiden. Umso motivierter werde ich genau damit fortfahren. ✊🖖

  6. Herr Blume,
    es gibt offensichtlich Holocaust-Überlebende, die Ihre beschriebene Impf-Aktion selbst als weiteren Bestandteil eines (neuen) Holocaust bewerten…siehe den offenen Brief »We for humanity« vom 25.August 2021 oder wie interpretieren Sie deren Aussagen?

    Textauszug (übersetzt)
    …“Wir, die Überlebenden der Gräueltaten, die während des Zweiten Weltkriegs an der Menschheit begangen wurden, fühlen uns verpflichtet, unserem Gewissen zu folgen und diesen Brief zu schreiben. Es ist für uns offensichtlich, dass sich vor unseren Augen ein weiterer Holocaust größeren Ausmaßes abspielt. Die Mehrheit der Weltbevölkerung begreift noch nicht, was vor sich geht, denn das Ausmaß eines organisierten Verbrechens wie dieses liegt jenseits ihres Erfahrungshorizonts. Wir aber wissen es. Wir erinnern uns an den Namen Josef Mengele. Einige von uns haben persönliche Erinnerungen. Wir erleben ein Déjà-vu, das so entsetzlich ist, dass wir uns erheben, um unsere armen Mitmenschen zu schützen. Zu den bedrohten Unschuldigen gehören jetzt auch Kinder und sogar Säuglinge.“…

    Textauszug
    …”We, the survivors of the atrocities committed against humanity during the Second World War, feel bound to follow our conscience and write this letter. It is obvious to us that another holocaust of greater magnitude is taking place before our eyes. The majority of the world’s populace do not yet realize what is happening, for magnitude of an organized crime such as this is beyond their scope of experience. We, however, know. We remember the name Josef Mengele. Some of us have personal memories. We experience a déjà vu that is so horrifying that we rise to shield our poor fellow humans. The threatened innocents now include children, and even infants.“…

    Webseite der Protagonisten »We for humanity«

    • Ja, @Dirk Freyling – und inwiefern soll das nun irgendwen überraschen? Haben Sie die o.g. Folge nicht gelesen / gehört oder nicht verstanden?

      Hier noch einmal für Sie eine der Passagen:

      „ Und, nein, das bedeutet selbstverständlich nicht, dass alle Jüdinnen und Juden der Wissenschaft vertrauen, von Medizin beseelt sind und das Impfen toll finden würde. Israel hat tatsächlich ein besonders gutes Gesundheitssystem mit übrigens auch vielen israelisch-arabischen Mitarbeitenden auf allen Ebenen. Das antijüdische und antiisraelische Geraune von Sucharit Bhakdi war also nicht nur niederträchtig, sondern auch sachlich falsch.“

      So schwer zu verstehen?

      Wenn die Menschen eine grundsätzlich vergleichbare Psychologie besitzen, wäre es absurd, Einzelnen einer Menschengruppe komplette Immunität gegen Ängste und Dualismus zu unterstellen… Das gegen das Judentum insgesamt zu missbrauchen ist… durchsichtig.

      Be fair & check your prejudices.

    • Genau darum geht es Ihnen, @Mark Schelling – Sie wollen uninformierte Menschen mit angeblichem, jüdischen „Hass auf Nichtjuden“ konfrontieren und „schockieren“, indem Sie einseitig und verzerrend nur bestimmte Stellen aus den Diskussionen reißen. Und Sie glaubten ernsthaft, darauf fiele ein Religionswissenschaftler herein?

      Nun klingen Sie aber wie ein sogenannter Verschwörungstheoretiker. Dass ich einen “Religionswissenschaftler”, welcher Ausreden und Lügen bezüglich des Talmuds verbreitet nicht mit Fakten zur Vernunft bringen kann, das war mir schon im Vorfeld klar. Sie können ja weiterhin Ihre Kristallkugel konsultieren bezüglich meiner Agenda, aber ich versichere Ihnen, Sie haben mir bereits reichlich das geliefert was ich wollte. Sollten Sie mich jetzt noch zensieren würden Sie der ganzen Sache aber noch den letzten Schliff verleihen.

      Davon abgesehen haben Sie bloß wieder Unterstellungen ins Feld geführt und meinen, meine vermeintlich bösartigen Absichten und Tricks durchschaut zu haben. Interessant wie schnell Sie sich ein Bild anhand von zwei Kommentaren machen, irgendwie ein bisschen radikal, oder? Wo ich denn nun etwas verzerrt oder ausgelassen haben soll, das wollen Sie wohl weiterhin für sich behalten.

      Letztlich zeigen Sie nur, wieviel Hass in den entsprechenden Foren sich sammelt, indem der Talmud nur einseitig antijüdisch abgesucht, jedes Verstehen aber verweigert wird.

      Personen wie Sie bleiben diesen Foren natürlich fern, sind es ja nicht die bekannten Echokammern in denen Sie oder andere Lügner wie wild zensieren können. Ich würde wahrscheinlich sogar etwas springen lassen wenn Sie sich in ein Forum dieser bösen Antisemiten wagen würden um diese davon zu überzeugen, dass der Talmud überhaupt nichts böses gegen Nichtjuden beinhaltet oder derlei Scherze. Auch wenn ich mir sicher bin dass so etwas nicht stattfinden wird, allein die Vorstellung stimmt mich schon sehr fröhlich und zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht.

      Bezeichnen Sie eigentlich alle Menschen als hasserfüllt die ein Problem mit Kindervergewaltigung haben? Sie als Vater stört auch dieser Teil des Talmuds offenbar nicht, haben Sie ihn doch einfach unerwähnt gelassen. Käme eine Gruppe Rabbiner heute zusammen um über die Vergewaltigung eines Ihrer Kinder zu philosophieren, würden Sie dann auch zuerst nach der tieferen Bedeutung suchen und andere als Antisemiten bezeichnen die für den Schutz Ihrer Kinder einstehen sollten?

      Ihnen ist sogar entgangen, dass der Begründer von Talmud.de hier interviewt wurde:
      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/den-talmud-auf-deutsch-online-bringen-interview-mit-chaijm-guski-von-talmud-de/

      Inwiefern soll das relevant sein?

      Ihre eigentliche Intention – die Errichtung eines antijüdischen, antichristlichen & antimuslimischen Feindbildes bis hin zur unvermeidlichen NS-Gleichsetzung – bricht ja dann hier auch durch:

      Freudscher Versprecher Ihrerseits, sehen Sie doch das antiabrahamische Feindbild in mir. Sie meinten sicherlich, dass ich ein abrahamisches Feindbild erzeugen möchte. Da der Abrahamismus allerdings diese Aufgabe schon von selbst übernimmt, da er intolerant gegenüber anderen Glaubensarten ist und diese durch Terror nahezu ausgelöscht hat (siehe Christianisierung etc.), sehe ich mich bestenfalls als jemand der daran erinnern möchte. Scheinbar muss man die Goyim tatsächlich häufig an Gewisse Verbrechen erinnern, wie sonst könnte man heute wieder von “christlichen Werten” sprechen?

      Welche christlichen Werte sind denn gemeint? Wenn ich mich recht entsinne waren es die Christen die Kinder lebendig auf dem Scheiterhaufen verbrannt haben. Kinderschutz scheint also offenbar kein christlicher Wert zu sein, im Gegenteil. Den christlich kirchlichen Pädophilenring zu zerschlagen scheint auch nicht das Interesse von Christen zu wecken. Hat sich also gar nicht so viel getan seit der Renaissance. Jetzt verbrennen Christen zwar keine Kinder mehr bei lebendigem Leib, aber dafür lassen sie diese massenweise von Priestern vergewaltigen. Alle paar Jahre können sich diese vermeintlichen Gutmenschen dann schwer empören – für ein paar Minuten jedenfalls. Sind ja nicht alle Christen deshalb schlecht, aber alle Antisemiten schon, nicht wahr?

      Mit der angeblichen NS-Gleichsetzung haben Sie sich an einem Strohmann-Argument versucht. Ich erwähnte Hitler in einem einfach zu verstehenden Kontext, um Ihnen bzw. den Lesern Ihre Heuchelei aufzuzeigen. Daraufhin benutzten Sie das um zu behaupten, dass ich das Judentum mit dem NS gleichsetzen würde, obwohl ich überhaupt nichts derartiges geschrieben habe. Weiter unten soll ich dann plötzlich aber den NS entlasten wollen. Wie soll das zusammenpassen? Ich habe bereits offen und mit Stolz verkündet, dass ich ein gewaltiges Problem mit dem Abrahamismus habe. Wenn ich also den NS als etwas Positives ansehen sollte, warum würde ich ihn dann mit dem Abrahamismus auf eine Stufe stellen wollen?

      Wie dem auch sei, nichts von alledem findet man in meiner Aussage, diese entsprang bloß ihrer Fantasie, da Sie mit keinen schlagkräftigen Argumenten auftrumpfen können.

      Dabei müsste Ihnen – wenn Sie noch monistisch-fair wahrnehmen könnten – der Unterschied zwischen Extrempositionen in Jahrtausende-alten, von Juden selbst transparent gemachten Diskursen zu tatsächlich staatlich organisierten Massenmorden im letzten Jahrhundert auffallen. Aber Sie meinen eben, den Nationalsozialismus und Ihre Identitätserzählung entlasten zu können, indem Sie die historische Entwicklung einfach negieren.

      Ob es Juden waren die den Talmud für Nichtjuden transparent gemacht haben wage ich zu bezweifeln, möchte es aber auch nicht ausschließen. Das ist nun erstmal wieder nur eine unbelegte Behauptung von Ihnen. Den Vers mit der Todesstrafe für Nichtjuden welche den Talmud lesen habe ich ja bereits zitiert. Vielleicht lief eben nicht alles nach dem Plan wie sich die Macher des Talmuds ihn sich vorgestellt haben? Aber wie man ja sieht hilft auch die Fähigkeit des Lesens nicht zwingend weiter wenn man ein Leugner ist.

      Auf den unteren Teil Ihrer gescheiterten Strohmann-Argumentation bin ich ja bereits eingegangen. Was Sie mit meiner „Identitätserzählung“ meinen erschließt sich mir leider ebenso wenig wie die von Ihnen beklagte Negierung der historischen Entwicklung, daher kann ich darauf nicht eingehen.

      Warum sollte ich da „Antisemitismus blöken“ müssen?

      Entschuldigung, aber Sie haben mich doch bereits aufgefordert von meinem angeblichen Antisemitismus herunter zu kommen.

      Es reicht doch, dass ich Ihren niederträchtigen Kommentar freischalte & beantworte.

      Mir war nicht bewusst, dass die Autoren hier die Zensurgewalt innehaben. Von mir erhalten Sie aber keinen Zuspruch bloß weil Sie mir bisher nicht virtuell die Zunge herausgenommen haben. Ich tendiere aber stark zu der Annahme, dass es bald so weit sein wird, wahrscheinlich schon mit diesem Kommentar.

      Ansonsten würde es vielleicht reichen, würden sie die Debatte denn gewinnen. Bisher konnten Sie allerdings nur mit Unterstellungen aufwarten, während ich auf der anderen Seite unverfälscht Texte zitiert habe und ich Sie mehrfach aufgefordert habe Ihre Unterstellungen doch zu beweisen.

      So kann sich jede/r selbst davon überzeugen, wie gefährlich der antijüdische & antireligiöse Dualismus auch heute noch ist

      Ich fand unsere Religionen bzw. unsere Glaubensarten eigentlich ganz gut bevor die Christen diese vernichtet und Europa und damit auch sich selbst ins dunkle Zeitalter geschickt haben. Bloß weil ich gegen Abrahamismus bin heißt das doch nicht dass ich deshalb alle Religionen oder jeden Glauben verurteile. Meine Ansprüche sind da auch nicht übertrieben hoch. Keine Relativierung von Kinderschänderei wäre aber z.B. einer dieser Ansprüche. Genau das ist aber der Fall in allen drei abrahamischen Todeskulten, neben den ganzen anderen Abartigkeiten.

      Inwiefern meine offene Ablehnung gegenüber dem Abrahamismus gefährlich ist weiß ich nicht. Außerdem kommt es ja darauf an für wen oder was. Wenn es nur gefährlich für den Abrahamismus an sich ist, dann hoffe ich natürlich dass Sie recht haben mögen. Wenn sich letztendlich Menschen die Köpfe einschlagen weil sie mit der Wahrheit nicht umgehen können und die Abrahamisten die “Ungläubigen” wieder umbringen wollen, dann ist das tragisch, aber nicht die Schuld von Verkündern der Wahrheit. Ich werde sicher zur Besonnenheit aufrufen, aber ich werde auch daran erinnern und davor warnen was die Abrahamisten mit Andersgläubigen gemacht haben.

      und warum Bildung und Aufklärung auch über das Judentum und den Talmud so unverzichtbar sind, um Radikalisierungen zukünftig zu vermeiden.

      Lügen zu verbreiten ist da sicherlich nicht das geeignete Mittel dafür.

      Umso motivierter werde ich genau damit fortfahren.

      Dafür werden Sie als Shabbos Goy ja auch über Steuerraub durch das Regime finanziert. Sicherlich auch ein Faktor der Sie motiviert. Ich hingegen gehe gegen Nestbeschmutzer vor auch ohne einen einzigen Cent zu erhalten.

      • Wow, @Mark Schelling – libertärer Antisemitismus fast in Reinform! Das wird viele Leserinnen und Leser dieses Blogs interessieren!

        Wissenschaftlich gesehen machen diese Verschwörungsmythen selbstverständlich null Sinn: In der biokulturellen Evolution hätten sich weder Religionen noch Staatsformen durchsetzen können, die nur geschadet hätten. Nicht zufällig gehört Religionsfreiheit zum Kernbereich demokratischer Staatlichkeit.

        Aber lassen Sie uns gerne lesen, welche jüdisch-christlich-islamische Weltverschwörung die (Ihrer Meinung nach) böse Republik hervorgebracht hat! Lassen Sie mich raten: Die Rothschilds!

        Kommen Sie, lassen Sie es raus, damit wir zukünftige Generationen noch besser über Dualismus aufklären und davor beschützen können.

  7. @Noahchidischer Bund

    Es dürfte klar sein, dass es keine Sintflut gab, und damit auch keinen Noah. Als Geschichte aber nett, dass hier alle Menschen ihre Freiheit haben dürfen, und kein Gott dem entgegen steht. Wenn überhaupt was interessant ist, dann ist das wenn wir vernünftig miteinander umgehen, was dann auch den Göttern gefällt.

    Aber das sind auch moderne, eher humanistische Ansichten.

    Überhaupt hat es Vorteile und Nachteile, dass mit der Thora erstmals „Gottes Wort“ schriftlich fixiert wurde. Natürlich kann man dieses immer wieder neu auslegen, aber klar dürfte sein, dass mit der Niederschrift die Konservierung der Lehre gefördert wurde.

    Ich persönlich habe die Bibel als Kind schon abgelehnt, eben weil sie sich als Gottes Wort ausgibt. Das fand ich schon immer unplausibel. Wieso hat man die 10 Gebote auf Steintafeln vom Berg geholt, wo doch die ganze Bibel von Gott verfasst sein soll. Es dürfte klar sein, dass Gott definitiv nicht der Verfasser der Bibel war.

    Wenn wir die Bibel auslegen, dann praktischerweise aus der Perspektive von Biologie, Psychologie und Soziologie, und dann gucken, was wir hier finden, und befinden können. Das geht aber auch ohne Bibelvorlage, und nennt sich dann Humanismus.

    Was die Integration von persönlicher Spiritualität angeht, da kommt dann allerdings auch der Humanismus an Grenzen. Und doch ist mir die Bibel immer noch eher unangenehm. Da ist mir Fernöstliches irgendwie näher. Aber auch beim Thema Spiritualität meine ich, dass man auch diese Frage ganz neu und jenseits von allen Traditionen angehen kann. Ich probiere es jedenfalls einfach mal.

  8. @Michael 13.02. 14:01

    „Wissenschaftlich gesehen machen diese Verschwörungsmythen selbstverständlich null Sinn: In der biokulturellen Evolution hätten sich weder Religionen noch Staatsformen durchsetzen können, die nur geschadet hätten. Nicht zufällig gehört Religionsfreiheit zum Kernbereich demokratischer Staatlichkeit.“

    Immerhin hat das Monotheismus gewisse Vorzüge. Nicht mehr den Göttern zu opfern, um Vorteile zu ergattern, und sich stattdessen darum zu kümmern, miteinander vernünftig umzugehen, weil eben dieses dem Gott dann gefällt, ist doch ein entscheidender Fortschritt.

    Aber, was da teilweise so draus geworden ist, ist wohl doch recht gruselig. Den Glauben dann im Sinne der (zahlenden) Mitgliedschaft zum Obergrundsatz zu machen, ist ja nun keine Nebensache gewesen, und auch immer noch nicht ganz aus der Welt. Dazu gehört es auch, Andersgläubige zu verfolgen, sofern man ihnen habhaft wird. Die Religionsfreiheit ist deswegen eben inzwischen Gesetz geworden, und dieses Unwesen denn nun doch eher Vergangenheit. Die Zeugen Jehovas stehen ab und zu mal vor der Tür, aber wenn man die wieder weg schickt, gehen die auch wieder.

    Es gibt auch einen Arbeitskreis der Abrahamsreligionen hier in Dortmund, von dem ich mich einerseits ausgegrenzt fühle. Allerdings, sollen die mal machen, ein Riesenfortschritt ist es wohl doch: Die Überwindung der Vereinsgrenzen ist in jedem Falle zu begrüßen. Zumal ein hier zu beobachtender Monismus letztlich nicht anders kann, sich auf das ganze menschliche Glaubensspektrum auszuweiten.

    Das macht mir dann doch Hoffnung. Dem Anderen ständig nur die Versäumnisse vorhergehender Generationen vorzuhalten, das macht nirgendswo Sinn in einem vernünftigen Diskurs.

  9. @Michael 13.02. 19:01

    Mehr Kinder bei Gläubigen ist eine Korrelation, die nicht eindeutig eine Kausalkette sein muss. Wenn der Wohlstand steigt, gibt es weniger Kinder, und es gibt weniger Religiosität.

    Das eine liegt daran, dass Frauen Bildung erlangen, und die Möglichkeit haben, lukrativen und interessanten Tätigkeiten nachzugehen. So gibt es wirkliche Alternativen zum Hausfrauendasein. Als die Frauen noch nicht diese Berufsperspektiven hatten, haben sie schon aus purer Langeweile noch das eine oder andere Kind mehr bekommen.

    Gleichzeitig steigt in Zeiten der Not auch die Neigung, sich göttliche Hilfe zu beschaffen. Ist alles so satt und gut geregelt wie heutzutage in D, hat man weniger Anlass zu beten.

    Was bleibt sind radikalreligiös Orientierte, die von der Kanzel aus zu massivem Kinderreichtum aufgefordert werden, oder in denen die Hausfrauenrolle noch hoch gehalten wird. Auch in den reichen Nahoststaaten können Frauen zwar studieren, enden aber mit der Heirat meistens doch als Hausfrau.

    Es mag aber noch ein gewisser Faktor übrigbleiben, der religiöse Menschen tatsächlich zu mehr Fortpflanzung bewegt. Wenn dann die Neigung zum Übernatürlichen evolutionsmäßig langfristig selektiert wird, dann wird dies in der Tat auch damit immer wieder den Kirchen Zulauf bescheren. Das müssen aber nicht die alten Kirchen sein.

    Eine alternative Erklärung wäre aber auch, dass wenn wir tatsächlich im Leben viel mit geistigen Wirklichkeiten zu tun haben, dass dann Religiosität als mehr Realismus wirkt. Wer näher an der Wirklichkeit dran ist, hat doch klare Vorteile. Und was ist, wenn Gott auch noch selbst die religiösen Menschen fördert, und auch auf diesem Weg für mehr Kindersegen bei den Richtigen sorgt?

    So oder so, was die Evolution oder auch die Götter mit uns machen, muss nicht das sein, was wir selber wollen und dann auch gezielt umsetzen. Soviel praktische Freiheit haben wir ja wirklich. So können wir einerseits dafür sorgen, die Rahmenbedingungen für mehr Kinderreichtum zu schaffen, und wir können auch damit noch eine Generation warten, und es begrüßen, wenn die Weltbevölkerung nicht mehr wächst und tatsächlich bald zurückgeht. Immerhin wollen wir nachhaltig leben, und die Natur dieses wunderbaren Planeten erhalten, und das geht mit 5 Milliarden Menschen sehr viel einfacher als mit 8 oder 9 Milliarden Exemplaren.

    Ich persönlich fände es entsprechend aktuell dringlicher, dass auch in Afrika wohlstandsmäßig Verhältnisse herrschen, die dort das Bevölkerungswachstum beenden, als dass wir hier wieder normal Kinder bekommen.

    Der Anerkennung gesicherter wissenschaftlicher Erkenntnisse und einem grundsätzlichen Monismus jedenfalls steht eine Neigung zum Übernatürlichem nicht entgegen. Die wissenschaftliche Methode erfasst einerseits geistige Bereiche nur recht schlecht, und andererseits ist ein Monismus eher eine Einstellung, die das Leben einfacher macht und auch einfacher gedeihen lässt, und nicht von mehr oder weniger Übernatur abhängig.

    • Danke, @Tobias Jeckenburger.

      Zur Frage demografischer Korrelation & Kausalität gibt es auch hier auf dem Blog bereits viele Daten & Diskussionen. Der Einfachheit halber beschränke ich mich jetzt mal auf den Hinweis zu evangelischen Pfarr- und jüdischen Rabbinerfamilien, die hohe Bildung und Kinderreichtum über Generationen hinweg verknüpft haben:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/bildung-religiositaet-kinderreichtum-das-beispiel/

      Tatsächlich lässt sich auch die deutsche Geschichte – von Universitätsstatistiken bis hin zur ersten Bundeskanzlerin, einer promovierten Physikerin – gar nicht ohne diese Hintergründe verstehen. Aber so viel Geschichtswissen möchte ich gar nicht voraussetzen – mir reicht, wenn grundlegende Erkenntnisse nicht mehr dualistisch-antireligiös geleugnet werden. (Was ich Ihnen nicht vorhalte, Ihrem Vor-Kommentator jedoch schon.)

  10. @Michael 14.02. 18:24

    „Der Einfachheit halber beschränke ich mich jetzt mal auf den Hinweis zu evangelischen Pfarr- und jüdischen Rabbinerfamilien, die hohe Bildung und Kinderreichtum über Generationen hinweg verknüpft haben:“

    Ich habe bisher eigentlich gedacht, dass Kindermangel vor allem eine Folge des Wohlstands ist, und Religiosität ein eher kleinerer Faktor dabei ist.

    Zum Wohlstand gehört einmal die Gleichberechtigung, wodurch es einen Konflikt zwischen Karriere von Frauen und Kindern geben kann. Und zum Wohlstand gehört eine Altersversorgung, die wirkt, indem man keine Kinder mehr zur Alterssicherung braucht. Dies jetzt insbesondere, wenn es um das Thema Überbevölkerung in armen Ländern geht. Hier ist es glaube ich sogar Konsens, dass man dieses Problem jetzt eben mit Wohlstand lösen könnte.

    Sollte hier neben dem Wohlstand vor allem aber ein Rückgang der Religiosität die eigentliche Ursache des in wohlhabenden Ländern grassierenden Kindermangels sein, fände ich dies sehr überraschend. Entsprechend wäre das wohl auch maßgeblich, wenn man denn nach Wegen suchen würde, wie wir wieder mehr Kinder bekommen können.

    Ich hatte hier gedacht, dass einmal weniger Qualifizierte und Alleinerziehende vor allem deutlich mehr Kindergeld brauchen, und höher Qualifizierte vor allem gute und unkomplizierte Kinderbetreuung brauchen, sowie mehr Rücksicht von Seiten des Arbeitgebers. So meine ich, könnten wir auf wieder 2,0 Kinder pro Frau kommen.

    Sollte die Religiosität die Hauptrolle spielen, und ein einsetzender Wohlstand dann erst über den Umweg der Säkularisierung wirken, dann hätten wir eine ganz andere Situation. Dann hätten wir keine andere Wahl, als für mehr Religiosität zu sorgen. Oder einfach noch eine Weile warten, bis sich die jetzt kinderreicheren religiösen Menschen gegenüber den säkularen Ungläubigen wieder von selber durchsetzen.

    Ich weiß nicht recht, ich tippe mal eher auf halbe-halbe. Aber auf keinen Fall brauchen wir mehr Weltbevölkerung. Ob man bei uns nach inzwischen erfolgter Schrumpfung mal gegensteuern sollte, oder lieber erst in 25 oder 50 Jahren, das scheint mir eine schwierige Frage zu sein, da bin ich mir unschlüssig.

    • Ja, @Tobias Jeckenburger – Säkularisierung, Individualisierung & Geburtenrückgang wirken nicht gegeneinander, sondern verstärken sich gegenseitig. Das ist also kein Entweder-Oder, sondern ein Sowohl-als-Auch. Mit enormen – auch sehr erfreulichen! – Langzeit-Folgen.

Schreibe einen Kommentar