Verschwörungsfragen 20 – Jemand muss doch Schuld sein! Die Sozialpsychologie der Pandemie

In der 20. Folge des Podcasts “Verschwörungsfragen” geht es um die psychologischen Reaktionen auf eine Pandemie. Ich rezensiere dazu ein Buch, das auf Englisch wenige Wochen vor dem Ausbruch von Covid19 erschien und inzwischen auch auf Deutsch vorliegt.

Die Podcast-Folge ist wie immer über podigee, sowie über Spotify, Deezer, iTunes und YouTube abrufbar.

Das Textdokument der Verschwörungsfragen Folge 20 zur Sozialpsychologie der Pandemie findet sich als pdf hier.

Und als Fließtext wie immer auch hier:

In mehreren Interviews wurde ich zuletzt gefragt, woher ich denn so früh gewusst habe, dass es mit Covid19 eine Eskalation des Antisemitismus samt Verschwörungsmythen gegen Ärzte und Impfungen geben würde.

Mit irgendwelchen prophetischen Fähigkeiten oder einem Hang zum Dauerpessimismus hat das nichts zu tun. Wie andere Wissensfächer auch gewinnt die Religionswissenschaft ihr Wissen aus der Geschichte, die sich niemals wiederholt, aber immer wieder reimt. Und weil Juden seit der Antike überdurchschnittlich alphabetisiert, häufiger gelehrt und auch häufiger Ärzte waren, wurden sie in guten Zeiten als Heiler geschätzt und aufgesucht; und in Zeiten von Pandemien der Verschwörung und Bereicherung beschuldigt und angegriffen.

So ist zum Beispiel auch der ehrenamtliche Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, im Hauptberuf Arzt sowie Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Würzburg. Diese war bereits 1348 in Folge eines sogenannten „Pestpogroms“ vernichtet worden. Dass sich auch 2020 wieder Verschwörungsgläubige finden würden, die Juden wie George Soros oder die Rothschilds wegen Covid19 beschuldigen, überraschte daher keinen von uns.

Damit wird aber hoffentlich auch deutlich, warum ich einerseits vor Eskalationen des Antisemitismus warne und sicherlich auch oft nerve, andererseits aber auch voller Hoffnung bin: Ja, es schwärmen weiterhin Antisemiten und Rassistinnen durchs Netz, die ihren Hass gegen das Judentum und den Staat Israel versprühen. Und ja, es gibt auch weiterhin Gewalt und Anschläge, von denen jeder Einzelne einer zu viel ist.

Zugleich dürfen wir uns aber auch glücklich schätzen, dass heute antijüdische Pogrome in Deutschland undenkbar geworden sind und sich große Mehrheiten in Politik, Kirchen und Medien nicht mehr gegen, sondern für das Miteinander der Religionen und Weltanschauungen einsetzen. Immer noch droht die vor allem digitale Radikalisierung Einzelner oder kleiner Gruppen; aber unsere Demokratie und unser Rechtsstaat entwickeln sich insgesamt zum Besseren. In den Worten von Rami Suliman, des Vorsitzenden der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden, Zitat: „Es stimmt, Michael, dass der Antisemitismus wieder aufgeflammt ist. Aber diesmal sind wir nicht alleine.“ – Zitat Ende –

Und Wissenschaft, Politik und Bildung können, so meine ich, noch eine Menge mehr für das Miteinander tun. Wenn wir doch schon wissen, dass mit jeder Pandemie, mit jeder Wirtschaftskrise und daher sicher auch mit der beginnenden Klimakrise Verschwörungsmythen aufflackern, dann können wir uns doch schon im Voraus damit befassen und unsere demokratischen Gesellschaften stärken, resilienter machen.

Genau dafür wirbt Steven Taylor in seinem bemerkenswerten Buch „Die Pandemie als psychologische Herausforderung. Ansätze für ein psychosoziales Krisenmanagement.“

Das Buch erschien im Oktober 2019 – vor dem ersten Bekanntwerden von Covid19 in Wuhan – auf Englisch unter dem Titel „The Psychology of Pandemics. Preparing for the Next Global Outbreak of Infectious Disease.” bei Cambridge Scholar Publishings. Dank dem Psychosozial-Verlag liegt nun eine deutsche Ausgabe vor.

Und diese hat es in sich. In zwölf überaus dichten Kapiteln werden die bisherigen Verläufe von Pandemien sowie die psychologischen Studien und Diskussionen dazu vorgestellt.

Welche körperlichen, emotionalen und gruppendynamischen Prozesse treten bei lebensgefährlichen Viruserkrankungen auf? Wie werden Gegenmaßnahmen von Hygienevorschriften über „Social Distancing“ bis hin zu Impfungen von Betroffenen aufgefasst, wann kommt es zu Ablehnung oder Zustimmung? Mit welchen Mustern treten Verschwörungsmythen auf und wann werden sie gefährlich? Wann verhalten sich Menschen vernünftig und wann neigen sie zur Verleugnung der Gefahr, zur Jagd nach vermeintlichen Wundermitteln und auch zu Übergriffen bis hin zu Unruhen?

Zu den zentralen Befunden von Taylor gehört, dass es „den“ Menschen nicht gibt, sondern eine sehr große Vielfalt. So reagieren Menschen je nach ihren persönlichen Charaktereigenschaften, aber auch nach Bildung, Alter, Geschlecht und gefühlter Betroffenheit sehr unterschiedlich.

Menschen mit einer geringeren „Unsicherheitstoleranz“ suchen schnelle Erklärungen und greifen daher lieber zu falschen Feindbildern, als sich mit den länger unsicheren Erkenntnissen seriöser Wissenschaftlerinnen zufrieden zu geben. Menschen, die zur Selbstbeobachtung – zum „Monitoring“ – neigen, reagieren stärker auf Warnungen. Das ist gut für die Durchsetzung sinnvoller Regeln, kann aber auch zu gefühlten Krankheitssymptomen, Panik und Hamsterkäufen sowie zur Suche nach Wundermitteln führen.

Andere Menschen neigen stärker zum „Blunting“, zur Abwehr von Überreizen. Auch das kann eine emotional kluge Strategie sein, um zum Beispiel nicht auf ständiges Krisengeschrei in Sachen Geld oder Migration herein zu fallen – im Extremfall aber auch zur Verleugnung führen. Dann werden Medienberichte über Pandemien als übertrieben abgewertet oder ignoriert. Maßnahmen zur Eindämmung eines Virus erscheinen dann eher als unnötige oder gar verschwörerische Manipulationen. Schnell stehen dann Ärzte, Journalistinnen, Wissenschaftler, Politikerinnen unter Verdacht, sich doch „nur wichtigmachen“ oder „nur bereichern“ zu wollen.

Eine dritte, sehr interessante psychologische Reaktion ist die Reaktanz. Taylor definiert sie nach Brehm, Rosenberg & Siegel als – Zitat – „motivationale Reaktion auf Regeln, Regulierungen oder Überzeugungsversuche, die so wahrgenommen werden, dass sie die eigene Autonomie und Wahlfreiheit bedrohen.“ – Zitat Ende (S. 128) –

Im Schwäbischen würde man das als Widerstand „grad zum Bosse“ beschreiben, mit der sich Menschen gegen vermeintliche Alternativlosigkeiten auflehnen. Auffällig ist, dass gerade auch Männer mit Reaktanz auf Aussagen von Frauen reagieren. Man(n) denke nur an die Wut, die schon Margaret Thatcher mit der Aussage „There is no alternative“ auf sich zog. Diese Ansage und die Widerstände dagegen gingen als TINA-Argument in die Geschichte der Rhetorik ein.  

Deutlich wird also, dass es „die“ perfekte Kommunikationsstragie gar nicht geben kann: Wer mit Angstbildern arbeitet, erreicht die Monitoring-Geneigten und verärgert die Blunting-Geneigten. Wer mehrere wissenschaftliche Stimmen zu Wort kommen lässt, verwirrt Unsicherheitsintolerante und verstärkt ihre Sehnsucht nach klaren Antworten. Wer dagegen nur eine wissenschaftliche Position zu Wort kommen lässt, löst Reaktanz aus.

Ich bin beeindruckt, dass die Befunde Taylors nicht nur das Aufleben des libertären Antisemitismus und von Querfront-Demonstrationen erklären kann, sondern auch von psychologischen Krisen und Ausbrüchen von Gruppengewalt.

Dass Juden, Medizinerinnen, Geheimdienste wie der CIA und jeweils andere Länder und ethnische Gruppen der Pandemie-Verschwörung bezichtigt werden zeigt sich wieder mal als null-originell, sondern als wiederkehrendes Muster bei praktisch jeder Pandemie, als psychologisch und mythologisch fixiert.

So sprach man in Deutschland von der „Spanischen Grippe“, wogegen in anderen Ländern von deutschstämmigen Krankenschwestern geraunt wurde, die das Virus gezielt verbreiten würden.

Wichtig ist jedoch, dass Staat und Zivilgesellschaft früh und entschieden auf solche Verschwörungsmythen reagieren und Verschwörungsschwurbler und Rassistinnen auch mit akademischen Titeln als die Deppen entlarven, die sie sind. Weil ich gerade von einem Hörer zu den Grenzen der Redefreiheit gefragt wurde: Auch Taylors Befunde sprechen klar dafür, Beleidigungen, Drohungen oder sogar Gewaltaufrufe sowie den betrügerischen Verkauf vermeintlicher „Wundermittel“ schneller und entschiedener strafrechlich zu verfolgen, darüber hinaus aber niemandem zu verbieten, sich auch im Netz und auf Demonstrationen nach Kräften zu blamieren.

Schwurbler bedienen psychologische Bedürfnisse und erlauben vernünftigen Mehrheiten zugleich doch, die Unterschiede zwischen seriösen Wahrheitssuchern und dualistischen Feindbild-Verkündern wahrzunehmen und zu diskutieren.

In diesem Sinne erfüllt also auch zum Beispiel Stefan Homburg eine kommunikative Funktion.

Zwei Aspekte sah Taylor in der großartigen Prognose freilich nicht kommen. Dies war 1. die schnelle Verbreitung von Podcasts, über die heute viel mehr Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch schnell und niedrigschwellig zu erreichen sind. Die negativen Wirkungen von digitalen Netzwerken wie Facebook und Telegram werden so zunehmend durch eine Vielzahl verschiedener Stimmen ausgeglichen, die Menschen dazu einladen, am wissenschaftlichen Prozess hörend, lesend und auch diskutierend teilzuhaben.

2. Konnte sich Taylor nicht vorstellen, dass auch demokratisch gewählte Regierungschefs wie Donald Trump in den USA, Jair Bolsonaro in Brasilien oder Narendra Modi in Indien das Vertrauen in Wissenschaft, Medizin, seriöse Medien und föderale Strukturen angreifen würden.

Die Rolle von Bildungs- und Mediensystemen und auch der Größe von Demokratien scheint mir eine große Rolle bei der Frage zu spielen, wie leicht es Verschwörungsschwurbler auch heute noch haben, staatliche, wissenschaftliche und medizinische Akteure als vermeintliche Superverschwörer anzugreifen.

Darüber sollten wir auch in der Europäischen Union und in Deutschland als einem Bundesstaat mittlerer bis gehobener Größe noch nachdenken und sprechen. Auch auf diesem Podcast werden wir das tun.

Was mich schließlich vollends für Taylors Studie eingenommen hat, sind hervorragende und bewegende Beispiele wie jene von Mary Mallon, die Anfang des 20. Jahrhunderts als „Typhus-Mary“ bekannt wurde. Denn die Köchin war eine Superspreaderin, die zwar selbst keine Symptome entwickelte, aber immer wieder Menschen ansteckte, für die sie kochte.

Sie wurde schließlich identifiziert und in ein Krankenhaus eingewiesen, weigerte sich aber beharrlich, sich als krank wahrzunehmen. Nach mehreren Jahren und sogar Gerichtsurteilen wurde Mary Mallon schließlich unter der Auflage freigelassen, nicht mehr als Köchin zu arbeiten. Doch nach kurzer Zeit tat sie genau das unter verändertem Namen wieder, steckte weitere Menschen an und wurde schließlich für den Rest ihres Lebens in Zwangsquarantäne eingesperrt.

Es war und ist leicht, über Mary Mallon den Kopf zu schütteln, bis wir uns bewusst machen, was es psychologisch bedeutet, sich selbst als krank und als Ursache für viele Krankheits- und Todesfälle anzunehmen. Hinzu kommt, dass die USA auch damals kaum einen funktionierenden Sozialstaat besaßen und Mary Mallon also kaum eine Chance hatte, ohne ihren Beruf über die Runden zu kommen. Wären Sie stark genug gewesen, sich nicht einzureden, dass alles ganz anders wäre? Wäre ich es? Oder stellt nicht letztlich jede Krise und gerade auch jede Pandemie nicht nur Fragen an uns selbst, sondern auch an die Weise, wie wir uns als Gesellschaft und Staat miteinander und füreinander organisieren? So sehr es einem oberflächlichen Individualismus und einem Marktfundamentalismus auch widersprechen mag, die Befunde sind eindeutig: Ein funktionierender Sozialstaat schützt uns Menschen auch vor uns selbst.  

Und so komme ich am Schluss zum überraschenden Ergebnis, dass die Sozialpsychologie insgesamt und Taylors Studie im Besonderen nicht nur für Behörden, Wissenschaftlerinnen und Medienprofis von Interesse sind – sondern eigentlich auch für uns als Bürgerinnen und Bürger, als Eltern, Freunde und Berufstätige, als Tier- und Industrieschützer, als wissenschaftlich, philosophisch und religiös Interessierte. „Verschwörungsfragen“ betreffen eben nicht nur die Psyche „anderer“, sondern aller Menschen, weil sie ein naheliegender Weg sind, mit Unsicherheiten umzugehen. Und mit dem Klimawandel haben wir Jahrzehnte von Krisen und Umwälzungen vor uns, die keiner und keine von uns alleine bestehen wird.

Ein kalter, vermeintlich alternativloser Rationalismus, der nicht auch unsere menschliche Psychologie, unsere jeweiligen Gefühle, Ängste und Hoffnungen, Schwächen und Stärken in den Blick nimmt, wird uns nicht weiterbringen.

In einer kommenden Ausgabe möchte ich darüber gerne mit Professorin Barbara Traub sprechen, die nicht nur Vorstand der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs ist, sondern auch als Psychotherapeutin arbeitet.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Bitte bleiben Sie gesund.

Quellen:

Taylor, Steven (2020): Die Pandemie als psychologische Herausforderung. Ansätze für ein psychosoziales Krisenmanagement. Psychosozial-Verlag

Michael Blume

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) & "Verschwörungsmythen". Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren wöchentlich, um Religionswissenschaft zugänglich und diskutierbar zu machen.

55 Kommentare

  1. Ein kalter, vermeintlich alternativloser Rationalismus, der nicht auch unsere menschliche Psychologie, unsere jeweiligen Gefühle, Ängste und Hoffnungen, Schwächen und Stärken in den Blick nimmt, wird uns nicht weiterbringen.

    Ja, sie sagen es.
    Aber es klingt leider wie Heuchellei, angesichts der Wirklichkeiten.

    • Oh, das tut mir Leid zu lesen. Ich denke, wir sind in diesen Fragen noch nicht wirklich gut, aber auch nicht bei Null. Und ich versuche auch via Podcast & Blog lebensnah und gefühlsecht zu kommunizieren – wozu gehört, Ihnen Gesangs- und Tanzeinlagen meinerseits zu ersparen… 😉

      Aber ganz ernsthaft: Wo würden Sie sich Verbesserungen wünschen? Was könnten Staat, Medien, Wissenschaften aus Ihrer Sicht noch deutlich besser machen?

      Ihnen Dank für Ihr Interesse und Mit-Diskutieren!

  2. Randthema, aber: Vorsichtig, Herr Blume, es.gibt immer eine Alternative. Erst Recht in dieser neuen Situation, wo auch Wissenschaft im Nebel stochert. Gut, Trump ist ein Idiot, aber Schweden und Großbritannien waren von ebensoguten Epidemologen anders beraten als wir. Johnson hat dann gesehen, daß er den Kurs der Durchseuchung kurzfristig nicht würde durchhalten können, da die Infektions- und Todesraten kurzfristig in die Höhe schnellen und das britische Gesundheitssystem überlasten würden. Schweden – Nun, abgerechnet wird am Schluss. Nächstes Jahr um diese Zeit werden wir sehen, wie hoch die Übersterblichkeit in Schweden ist, im Vergleich.

    Wenn man sich den Verlauf der Spanischen Grippe ansieht: Die Große Krise kommt ja erst noch, im Winter. Wenn der Virus nach der Ferienzeit breit gestreut hat und Heinsberg und Gütersloh nicht mehr Einzelereignisse, sondern überall sind.

    Zumal die psychosozialen Folgekosten noch gar nicht absehbar sind. Familienväter, die auf einmal mit Kurzarbeit oder gar arbeitslos zuhause sitzen mit Kindern, die den Schutzraum Schule nicht mehr aufsuchen können.

    Was die Weltwirtschaft angeht, wissen wir bislang nur, daß sie angeschlagen ist wie seit 100 Jahren nicht mehr.

    Wir raten nur. Wir sind vernünftig beraten. Aber andere sind es auch. Was in dieser Situation das Richtige ist, das werden wir erst im Rückblick sehen.

    Und die Frage nach der Alternativlosigkeit stellt sich erst Recht bei dem wirtschaftlichen Umbau, wie ihn Thatcher gefahren ist. Kohl ist einen anderen, mir scheint, erfolgreicheren Weg gefahren, die industrielle Produktion grundlegend umzustrukturieren, aber nicht einfach auszulagern und vorwiegend auf Finanzdienstleistungen zu setzen.

    • Ja, @Alubehüteter – es gibt auch innerhalb des offenen, wissenschaftlichen Konsenses immer Alternativen. Man(n) könnte sogar darauf ankommen, dass gerade dort in den offenen Fragen, den Wahrnehmungen und Werten die eigentlich spannenden Alternativen zu finden sind! 🤓📚✊

      Mir ist jetzt nicht ganz klar, warum Sie meinen, mich zur „Vorsicht“ ggü. vermeintlicher Alternativlosigkeit aufrufen zu müssen… 🤷‍♂️🌈

      • @Michael Blume 03.07.2020, 11:50 Uhr

        Auffällig ist, dass gerade auch Männer mit Reaktanz auf Aussagen von Frauen reagieren. Man(n) denke nur an die Wut, die schon Margaret Thatcher mit der Aussage „There is no alternative“ auf sich zog. Diese Ansage und die Widerstände dagegen gingen als TINA-Argument in die Geschichte der Rhetorik ein.

        Diese Stelle fiel mir auch auf. Ihr Text erweckt den Eindruck, als sei das Geschlecht von Frau Thatscher der Grund für die Proteste und nicht die von ihr in Kauf genommenen sozialen Verwerfungen ihrer “alternativlosen Politik”.

        Gruß
        Rudi Knoth

        • Nun, @Rudi Knoth – davon hatte ich freilich gar nichts geschrieben. Frau Dr. Merkel wird ja ebenso maskulinistisch angegriffen – trotz einer deutlich sozialeren Politik. Auch das spricht m.E. für Reaktanz als häufiges (nicht aber ausschließliches) Motiv.

          • Mich wundert, dass ein Hayek-Schueler das Wieselwort “sozial” als Argument benutzt. 😉

            Wir verdanken den Amerikanern eine große Bereicherung der Sprache durch den bezeichnenden Ausdruck weasel-word. So wie das kleine Raubtier, das auch wir Wiesel nennen, angeblich aus einem Ei allen Inhalt heraussaugen kann, ohne daß man dies nachher der leeren Schale anmerkt, so sind die Wiesel-Wörter jene, die, wenn man sie einem Wort hinzufügt, dieses Wort jedes Inhalts und jeder Bedeutung berauben. Ich glaube, das Wiesel-Wort par excellence ist das Wort sozial. Was es eigentlich heißt, weiß niemand. Wahr ist nur, daß eine soziale Marktwirtschaft keine Marktwirtschaft, ein sozialer Rechtsstaat kein Rechtsstaat, ein soziales Gewissen kein Gewissen, soziale Gerechtigkeit keine Gerechtigkeit – und ich fürchte auch, soziale Demokratie keine Demokratie ist.

            (Hayek, Die verhängnisvolle Anmaßung, 1988)

          • Das ist einfach, @Lars: Ich bin Schüler vieler Denkerinnen & Denker und lerne von ihnen, ohne eine einzelne Person zu verabsolutieren. Auf der sozialen Seite wäre zum Beispiel Jeanne Hersch zu nennen, die ich fast noch interessanter finde als Hannah Arendt.

            Für mein neues Buch – das Ende diesen Monats erscheint – habe ich intensiv Martin Heidegger gelesen (mit einem Gruß an @Alubehüteter), sowie Stangneth und Blumenberg. Derzeit wandere ich mit Carol J. Adams (großartig: „Object Lessons – Burger“! 🍔) und Karl Popper.

            Was lesen Sie derzeit? 🤓📚

          • Im Moment bin ich besessen mit dem Klavier und hab weniger gelesen als sonst (ausser Musiktheorie). Aber ich hab noch einige zum Lesen auf dem Schreibtisch.

            Agentterrorist von Yuecel
            Arabische Clans von Ghadban
            Der Gallische Krieg von Caesar (in rechtsesoterischen Kreisen gehen zur Zeit die Theorien um, dass Caesar und andere Roemer gar nicht existiert haben und deren Schriften erst im Mittelalter verfasst wurden, sehr wirres Zeug)
            When Genius Failed von Lowenstein
            Natural History of Religion von Hume

        • Danke @Rudi Knoth, auf genau diese Textstelle habe ich mich beziehen wollen (hätte ich besser mal gemacht 😑).

          Wenn es schon zur Covid-19-Politik Alternativen gibt, z.B. auch weitaus radikalere Shutdowns wie in Wuhan, dann erst Recht zur alternativlosen Politik Merkels. Von links etwa Yannis Varoufakis. Im übrigen denke ich, daß das „Ich sehe der zur von mir betriebenen Politik keine Alternative“ bzgl. Hartz IV des Herrn Schröder massiver die SPD beschädigt hat als das TINA der Frau Thatcher oder das alternativlos der Frau Merkel die jeweils ihrigen.

    • … es gibt immer eine Alternative.

      Vorsicht, lieber Alubehüteter,

      es ist nicht hilfreich, behaupteter Alternativlosigkeit so pauschale Aussagen
      entgegenzustellen. Zum Beispiel ist die Lösung x = 2 der Gleichung x + 5 = 7
      alternativlos, weil andere falsch sind.

      Daß Margaret Thatcher zuviel Hayek gelesen und (dadurch?) vielen Bürgern
      ihres Landes schwer geschadet hat, steht auf einem anderen Blatt.

      Bleiben Sie gesund oder werden Sie immun, was Ihnen lieber ist!

      Sven

      • Mit dem Wissenschaftlichen Sozialismus ist wohl endgültig ein wunderbarer Menschheitstraum ausgeträumt, der uns in der Philosophie spätestens begleitet seit den Zeiten Platons: Der Traum, das menschliche Miteinander lasse sich präzise und wissenschaftlich ebenso durchdringen und schließlich regulieren wie die Naturgesetze.

        Wir schreiben das Engelsjahr, also mit Engels: Ein utopischer Sozialismus ermittelt in Diskussionen, Philosophien und Romanen und letztendlich bestimmt, wie eine ideale, ausgewogene, gerechte Gesellschaft aussehen müßte; vielleicht finden sich sogar schwerreiche Philanthropen, die das in Musterkolonien auszuprobieren finanzieren. Und ein Wissenschaftlicher Sozialismus, eine im wesentlichen mit hegelscher Philosophie durchdrungene Ökonomie und Soziologie, nimmt dann eine Standortbestimmung vor nebst Analyse, wie wir da hin gekommen sind, also welche Tendenzen uns bis hierher geführt haben, um so auszumachen zu können, wie wir nun am effizientesten hin kommen zum Himmel auf Erden. Wobei die Praxis natürlich immer wieder die Theorie korrigieren wird, wie umgekehrt die Theorie Leitstern für die Praxis bleibt. Grundlegende umstürzende Erkenntnis für Marx und Engels aus der Praxis der Pariser Commune etwa war, daß die Verstaatlichung der Produktionsmittel und der Banken keineswegs notwendige Zwischenetappe sei, wie noch im Kommunistischen Manifest proklamiert, sondern mit der siegreichen Revolution beginnt unmittelbar das Absterben des Staates.

        Am Ende steht dann eine Partei, die immer Recht hat, weil sie Wissenschaft ist nebst einer „Hauptverwaltung Ewige Wahrheiten“, wie Robert Havemann sie so treffend wie spöttisch benannt hat.

        Eigentlich zieht dieses Motiv die Geschichte der Philosophie durchgängig durch. Und dies, obwohl schon Platons Schüler Aristoteles unterschieden hat, das Wissen der Metaphysik sei dem Erkenntnisorgan der Weisheit zugänglich, die Klugheit aber sei zuständig für die Politik. (Lateinisch sapientia/prudentia, griechisch sophia/phronesis)

        Seit Ende des vergangenen Weltkrieges nun brüten kluge Philosophen verschiedenster Richtungen herum, und mit schon sehr schönen Ergebnissen, warum Aristoteles dann doch am Ende Recht behalten hat. Und warum die Philosophie das so lange nicht sehen wollte. Es zeigt sich: Es gibt immer eine Alternative. Auch wenn das die letzten Marxisten, oft Trotzkisten, nicht wahrhaben wollten, die die Thinktanks dominierten, die Reagen, Thatcher und Schröder maßgeblich berieten und sich dem Neoliberalismus zurechneten. Ihre These: Kapitalismus ist nun mal siegreich, weil sie der Natur des Menschen, der dem Menschen ein Wolf ist, am Gemäßesten ist; eine List der Vernunft, die die unsichtbare Hand des Amrktes lenkt, sorgt aber dafür, daß, wenn jeder nur an sich denkt, am Ende an alle gedacht sein wird; Globalisierung ist dabei unvermeidlich und hat ihre Quasinaturgesetze, mir fallen gerade ein: Zunehmende globale Vernetzung, darum Konkurrenz der Billiglohnländer zu den Industrieländern; Absenkung der Sozialstandarts; Deregulierung und Enstaatlichung wo immer möglich; Outsourcing. Die linke Globalisierungskritik wurde so mißverstanden und diffamiert als Globalisierungsgegner: Sozialromantiker, die vergangenen Errungenschaften.naträulen; die Globalisierung aber nimmt ihren Lauf, da.hält sie weder Ochs noch Esel auf, und wer sich dem nicht anpasst, weil er an Vergangenem festhalten will, der hat eh schon verloren; Sieger ist, wer sich an die Spitze dieser gesellschaftlichen Dynamik stellt, auch wenn das kurzfristig erst einmal schmerzhaften Veränderungen führt. Heute wissen wir: Die wirklichen Maschinenstürmer, Globalisierungsgegner, das sind die Anti-Globalisten. Eine andere Welt ist möglich: Aber nicht so. Das ist die „antikapitalistische Sehnsucht“ eines Georg Strasser.

        ————

        Aber das hatten wir dann ja doch angenommen: Der Bereich der ehemaligen Metaphysik wenigstens, also der heutigen Naturwissenschaften, der ist doch zuverlässig, und der ist eindeutig; anders könnten doch Menschen nicht zum Mond fliegen und Handies nicht funktionieren. Und in einer Krise wie der jetzigen, die nun mal von der Grundlage her epidemologisch analysierbar ist, da sollte man sich doch informell verabreden können, einen Christian Drosten zum Interims-Krisen-Imperator mit eingeschränktem Geschäftsbereich abrufbar einzubestellen: Der sagt uns, was zu tun ist, und die Politiker winken das dann durch.

        • Wenn die Vorschaufunktion einfriert, häufen sich nicht nur die Tippfehler. Die Trotzkisten in den Thinktanks sind natürlich ehemalige. Konvertiten. Aber man sehe sich deren Lebensläufe an, vielsprechend.

          Ein Gerhard Schröder hat ja auch im Grunde sein Handwerk als marxistischer Juso-Vorsitzender beibehalten, nur hat er sich den Sozialismus abgeschrieben und glaubt nun, die Republik der Dynamik des sich globalisierenden Kapitalismus anpassen zu sollen. Mag sein, uns wird es künftig nicht mehr so gut gehen wie in der Vergangenheit (was aber auch zu tun hat mit internationaler Angleichung; Schwellenländern wie der Türkei oder Indien geht es dafür besser), uns geht es aber noch bestmöglich, und wenn wir uns aber nicht anpassen, wird es uns noch wesentlich übler ergehen.

          Natürlich. Die Altersvorsorge mußte reformiert werden. Aber es gab durchaus Alternativen dazu, es so zu tun, wie die Schröder-Regierung es tat.

        • Aktuell nun haben wir ein spannendes Beispiel, wie Wissenschaft, Politik und Journalismus miteinander öffentlich kommunizieren, hier auf Twitter.

          Vorgeschichte: Der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG kommt zu dem Schluß, daß die vorbehaltlose Positionierung hinter der Flüchtlingspolitik Angela Merkels 2015/16 moralisch zwar womöglich ehrenwert, betriebswirtschaftlich aber mit Sicherheit verheerend gewesen sei. In ohnehin schwierigen Zeiten würde man sich das ein weiteres Mal wohl nicht leisten können. Und er implementiert in diesem Sinne Julian Reichelt als Chefredakteur der BILD. Dieser schießt folgerichtig auch eine Kampagne gegen die Corona-Politik der Kanzlerin (worüber sich Friede Springer sehr unglücklich geäußert haben soll, dem Vernehmen nach).

          Höhepunkt: Der unsägliche Der Kanzlerinnenflüsterer Christian Rasputin Drosten ist Schuld und hat auch noch Stuß gelabert–Titel. Fraglich sei, wie lange Drosten schon wisse, daß er die Schulschließung zu veranlassen keine wissenschaftliche Basis für habe. Kollegen hätten ihn jedenfalls schon sehr früh darauf hingewiesen in den entsprechenden Fachpublikationsforen. (Natürlich gab man, wie in der Branche üblich, Drosten immerhin die Gelegenheit, Stellung zu nehmen.)

          DER SPIEGEL hat daraufhin die Bildzeitung sachgerecht zerstört, indem er einfach mal die angeführten Wissenschaftler antelefonierte, wie sie ihre Publikationen gemeint hätten, wie sie in der wissenschaftlichen Community zu verstehen seien (wo es intern gerne auch mal rauhbeinig zugehen darf, ich kenne das auch aus der Informatik: Wenn da einer Stuß programmiert, dann darf das auch Stuß genannt werden, und der betreffende tut gut daran, das zuzugeben; Schwammdrüber und vergessen) (das gegebene Wort in der Informatik ist nicht „Stuß“, sondern ein Wort, das Ausscheidungsprodukte männlicher Rinder bezeichnet, das nur am Rande), und was sie denn dazu sagten, wie sie von der BILD als Kronzeugen angeführt würden.

          Und nun wird es interessant. DER SPIEGEL hat sich dann folgerichtig interessiert dafür, wie es denn nun wirklich war mit den Kindergärten, dem Herrn Drosten und den Politikern. Und darüber eine meisterhafte Titelgeschichte geschrieben. Können sie noch. Die Fakten zumindest werden nicht bestritten. Nachzulesen hier.

          Herr Drosten aber nahm sich verdiente zwei Wochen Urlaub. Und hatte gleich endlich einmal nichts besseres zu tun, als sich Frust von der Seele zu twittern.

          Und dann kam er zur besagten SPIEGEL-Geschichte. Die Fakten stimmen. Der Vorgang aber sei ein ganz anderer gewesen und hier sehr verzerrt wiedergegeben. Der SPIEGEL allerdings beruft sich auf mindestens zwei Quellen, eine davon ist ein nicht näher genannter Ministerpräsident. Genügt insofern journalistischen Standarts, ist also nicht zu bemängeln. (Man mekrt: So lesen Wissenschaftler Journalismus. Stimmen die Fakten? Ist die Auswertung handwerklich in Ordnung, genügt das den Standarts?) Woraufhin Drosten die verschwörungshypothetische Frage stellt, wie unabhängig voneinander diese Quellen denn wirklich gewesen wären. Diese Frage nach ein Verschwörung (Verabredung zu einer gemeinsamen verzerrten Wiedergabe) freilich könne DER SPIEGEL nicht beantworten.

          Der antwortet aber doch. Sie haben FÜNF Quellen.

          Ganz offensichtlich hat Drosten ein vollkommen andere Wahrnehmung dessen, was er hat rüberbringen wollen, als das, was dann bei einem schlichten Gemüt herübergekommen ist wie bei meinem Ministerpräsidenten. Wie? Der Drosten hat doch gestern noch was ganz – Etwas ganz anderes hat er gesagt, gestern noch, etwas ganz Anderes! Diesen Virologen kann man ja auch nicht trauen! Die ändern ja auch ihre Meinung von Tag zu Tag! Die können ja einem auch nicht sagen, was Sache ist, haben und halten keine Linie! Dann müssen wir Politiker eben aus dem Bauch heraus entscheiden, was wir für richtig halten, wenn wir uns auf die Expertisen unserer Fachleute nicht verlassen können!

          (Ähnlich Christian Lindner: Diese Virologen sollte man alle einsperren in ein Konklave und warten, bis da weißer Rauch aufsteigt und sie dann alle endlich herauskommen mit nur einer Meinung!)

          PS: AfD und Klientel? Braucht man ohnehin nicht fragen. Die haben schon ihr neues Deutschland schafft sich ab!

      • @ Mechaniker
        05.07.2020, 14:08 Uhr

        Bleiben Sie gesund oder werden Sie immun, was Ihnen lieber ist!

        Lieber Sven,

        Als (noch) starker Raucher und also mutmaßlicher Risikopatient habe ich es nicht so mit Corona-Parties und halte lieber durch, bis ich gechippt,.ääääh, geimpft werde.

        Aber Ihnen, wie’s beliebt, kommen Sie gut durch durch diese Zeiten! 🙂

    • Sollte hierauf antworten:

      Michael Blume
      04.07.2020, 00:21 Uhr

      Wen genau meinen Sie mit „Aliens“, die „sich selbst vernichten“, @NHL-Opfer? 🤔 🛸 🤷‍♂️

  3. Zur Glaubensliturgie:
    Herr, ich bin nicht würdig, daß Du eingehst unter mein Dach.
    Aber sag nur ein Wort
    Dann wird meine Seele gesund

  4. @Überreaktion ist auch ein Problem

    Interessant die Einteilung in Reaktionstypen: „geringe Unsicherheitstoleranz“, „Monitoring“, „Blunting“ und „Reaktanz“. Hier geht es in erster Linie um die Akzeptanz der staatlichen Corona-Gegenmaßnahmen. Angesichts der derzeitigen Infektionszahlen in Deutschland scheint mir dies allerdings eher umgekehrt: Die Panik scheint mir hier im Moment der eigentliche Hauptschaden zu sein, die Panik der Menschen wie auch die Panik der beratenden Institutionen und die Panik des Gesetzgebers.

    In der Psychiatrie in Herten haben die eine ganze Station frei gemacht für Coronainfizierte Patienten, die steht aber leer, weil es keine Infizierten gibt. Gleichzeitig wollen Patienten stationär aufgenommen werden, werden aber abgewimmelt. Wenn sie sich absichtlich infizieren würden, hätten sie vielleicht bessere Chancen aufgenommen zu werden, aber keiner kennt einen, der infiziert ist und auch noch aktuell infektiös ist.

    Das erfreulich geringe Niveau der täglichen Neuinfektionen hat auch eine Kehrseite: so kommen wir bei der „Durchseuchung“ der Bevölkerung natürlich auch nicht vorwärts.

    Anfänglich hieß es, wir müssen die Infektionskurve flach halten, dass die Intensivstationen nicht überlastet werden. Das ist längst Vergangenheit, man versucht offenbar, die Infektionszahlen so gering wie irgend möglich zu halten. Warum? Das kann nur Sinn machen, wenn wir einen Impfstoff bekommen, der auch mindestens zu 70% vor einer Infektion schützt. Angesichts des kaum übersehbaren Sommereffekts, der in Mitteleuropa die aktuell niedrigen Infektionsraten möglich macht, bekommen wir vermutlich im nächsten Winter eine richtige 2. Infektionswelle, gegen die auch ein vollständiger Lockdown nicht viel hilft. Es sieht nicht so aus, das bis dahin ein Impfstoff in hinreichender Menge zur Verfügung steht.

    Je mehr Durchseuchung, desto weniger gravierend wird auch die nächste Wintersaison.

    Die Panik der Mediziner ist die Angst vor überfüllten Notaufnahmen und Triage, vor 72 Stunden-Dauerschichten und dem Verlust von einem großen Teil ihrer besten Kunden, den betagten Hochrisiko-Patienten. Die Panik der Menschen vor neuen Lebensgefahren ist immer erheblich, gewohnte Lebensgefahren werden ausgeblendet und verdrängt und wirken kaum. Aber was neu ist, und den konkreten Tod vor Augen führt, und dann auch noch täglich in allen Schlagzeilen die Medien dominiert, das schlägt voll durch und macht richtig Angst. Und die Panik der Politik, hier für eine eventuelle Verschärfung der Pandemie verantwortlich gemacht zu werden, die ist auch nachvollziehbar.

    Zusätzlich macht sich die Politik immer Sorgen, ob die Menschen auch mitmachen und gehorchen. Das ist ihr Kerngeschäft. Und gut dastehen will man ja auch gerne, nicht nur im Sinne der nächsten Wahl. Und was sollen sie machen: selbst wenn sie längst alle Gegenmaßnahmen aufgehoben hätten, schon kurz nachdem der erste Lockdown mit wieder abnehmenden Neuinfektionen zusammentraf, würden die Menschen sowieso kaum weniger vorsichtig sein, und trotzdem mit der jetzt zu beobachteten Konsumzurückhaltung reagieren. Das hat die Regierung überhaupt nicht in der Hand, wenn sich kaum einer mehr traut, in den Urlaub zu fliegen. Die wirtschaftlichen Schäden sind also kaum abwendbar.

    Die Panik, die nur zum Verschieben des Problems in die Zukunft führt, ist offenbar resistent. Aber je länger das alles dauert, desto größer sind hinterher die wirtschaftlichen Schäden. Nebenbei gut für das Klima, aber ich mach mir dennoch Sorgen.

  5. Es ist eine bekannte Reaktion, dass Menschen in Krisenzeiten gerne nach einem Sündenbock suchen an dem sie sich austoben können ohne größere Sanktionen befürchten zu müssen. Wenn ich so Deine Posts über den Erfindungsreichtum diverser Verschwörungsschwurbler lese, dann kommt es mir manchmal wie ein Spiel vor, das inszeniert wird, weil das, worum es eigentlich geht, ausgespart bleiben soll. Sicher glauben etliche Mitläufer an die Verschwörungsmythen, die so durch das Netz geistern. Den Intelligenteren dürfte jedoch nicht verborgen bleiben, dass diese Pseudodiskurse nicht den Kern der Sache treffen, sondern höchstens dazu dienen eine wie auch immer geartete moralische Überlegenheit zu demonstrieren. Vor letzterem sind allerdings auch die „Guten“ nicht gefeit, da auch sie sich oft davor scheuen das Offensichtliche, wie beispielsweise soziale Missstände, anzuprangern. Stattdessen verliert man sich in Wortgefechten, wo bestimmt werden soll, wer was über wen und warum sagen darf. Dabei könnte man die dafür aufgewendete Energie durchaus sinnvoller nutzen, indem man sich gegebenenfalls Konzepte für ein besseres Miteinander überlegt.

    Anstatt mitzuhelfen Covid-19 zu bekämpfen sucht man nach Sündenböcken, um sie für den Ausbruch der Krankheit verantwortlich zu machen. Neben den Asiaten stehen neuerlich wieder die Juden im Fokus, da diese ihre Machtpositionen in der Politik sowie im Finanz- und Gesundheitswesen dazu benutzen würden, das Virus zu verbreiten. Eine Ärzteverschwörung erfand bereits Josef Stalin und lies viele hochrangige Kremlärzte jüdischer Herkunft verhaften, weil sie angeblich Verschwörer, Spione und Mörder seinen, die später im einem Schauprozess hingerichtet werden sollten. Dazu kam es aber nicht mehr, weil sich der Gesundheitszustand Stalins im Jahre 1953 rapide verschlechterte. Nach einem opulenten Abendessen mit Parteigenossen war er allein im Wohnzimmer seiner Datscha, dort erlitt er in der Nacht vom 28. Februar auf den 1. März einen Schlaganfall. Da er für seine Wutausbrüche gefürchtet war störte ihn niemand, als er sich nicht meldete. Erst am späten Abend trauten sich die Angestellten ins Zimmer und fanden ihn in seinen Exkrementen liegend, halbtot und gelähmt vor. Es hieß später zwar, es seinen Ärzte herangezogen worden, aber die besten von ihnen saßen im Gefängnis und konnten ihm nicht helfen. Kurz nach Stalins Tod am 5. März wurden die Anschuldigungen gegen die jüdischen Mediziner fallengelassen. Die neue Führung gab zu, dass die Vorwürfe eine Erfindung von Stalin und seinen Gefolgsleuten gewesen seien.

  6. Sehr geehrter Herr Blume,
    zu Ihrem Artikel:
    “Verschwörungsfragen 20 – Jemand muss doch Schuld sein!
    Die Sozialpsychologie der Pandemie“
    (Corona),
    las ich unlängst ein mutmachendes Gedicht
    von Ruth Halstenberg
    Überschrift:
    Krone des Todes oder des Lebens

    Corona ist in aller Munde,
    versetzt der Welt ‘ne tiefe Wunde.
    Coronavirus hier und da,
    von Asien bis Amerika.

    Ein Feind, so klein und unsichtbar –
    erst spät sah man seine Gefahr.
    Er schleicht umher bei Tag und Nacht
    und hat die Welt in seiner Macht.

    Sein Name macht ihm alle Ehre, *
    denn niemand kommt ihm in die Quere.
    Selbst Herrscher liegen ihm zu Füßen.
    Was er will, tun sie, weil sie‘s müssen.

    Die Krone leuchtet rot und schön,
    im Mikroskop kann man sie seh‘n.
    Doch wehe dem, den sie befällt,
    dem nützt nicht Stand noch Ruhm noch Geld.

    Die Krone, die uns hier bedroht,
    sie bringt der Menschheit Angst und Tod.
    Und was sie noch im Schlepptau hat,
    sagt uns nicht mal der Weisen Rat.

    Es gab noch eine Todeskron‘,
    die trug Jesus, der Gottessohn.
    Auch sie war rot: von seinem Blut
    geflochten unter Spott und Wut

    aus Dornen, die den Kopf zerstachen.
    Umringt von der Soldaten Lachen
    trug er sie als der wahre König.
    Seid Tod bedeutete nicht wenig . . .

    . . . denn alles gab er für mich hin,
    weil er mich liebt, so wie ich bin.
    Ich war weit weg von seinem Reich.
    Er kam und machte sich mir gleich,

    legte die Königswürde ab
    und opferte sich bis zum Grab.
    Am Kreuz bezahlte er die Sünde,
    dass ich Freiheit und Frieden finde.

    Doch Tod und Grab hielten ihn nicht:
    Er kam zurück ins helle Licht.
    Die Auferstehung feiern wir
    auch hinter der verschloss’nen Tür.

    Wir blieben dieses Jahr zu Haus,
    doch Ostern fiel deshalb nicht aus.
    Jesus besiegte Tod und Teufel,
    erhob sich über allen Zweifel

    und stieg hinauf zu Gottes Thron.
    Als König trägt er jetzt die Kron‘.
    die seine Herrschaft widerspiegelt.
    Wer an ihn glaubt, dem wir besiegelt,

    als Königskind sein Reich zu erben,
    die Krone des Lebens zu erwerben
    und ewig mal bei ihm zu sein.
    Ist das denn nicht ein Grund zum Freu’n?

    *) Corona = lat. Krone
    M. f. G.

    • Vielen Dank, @W. Bülten.

      Es freut mich, dass Sie auch im Hinblick auf die Covid-19-Pandemie sowohl in der Wissenschaft wie besonders auch in Ihrem Glauben Halt finden.

      Erst letzte Woche gab ich dem christlichen Pro-Medienmagazin ein Interview zur Frage von positivem Gottvertrauen versus dem QAnon-Verschwörungsglauben, den hier in den Kommentaren beispielsweise @Susanne propagiert.

      Hier das Interview:
      https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2020/06/26/qanon-explosive-mischung-aus-trump-apokalypse-und-xavier-naidoo/

      Ihnen Dank für Ihr Interesse und weiterhin alles Gute! 🌷🙏✅

      • Herzlichen Dank Herr Blume für die netten Emojis.
        Dem beigefügten Link bin ich gefolgt – ein interessantes Gespräch!
        Zitat:
        Im Kern geht es dabei um Seelsorge. Deshalb sehe ich da eine große Verantwortung für die Kirchen und Religionsgemeinschaften. Es wäre schlecht, wenn der Staat die Seelsorge übernehmen müsste. Letztlich geht es um die Frage: Habe ich Gottvertrauen, habe ich Vertrauen zu anderen Menschen? Oder lasse ich mir einreden, die Welt stünde am Abgrund und ich kann mich nur noch einem Führer anvertrauen. Deswegen ist meine Bitte, dass gerade die christlichen Gemeinden jetzt für die Menschen da sind und ihnen Gott- und Selbstvertrauen vermitteln. Wenn ich das Evangelium richtig verstehe, ist es keine Botschaft der Panik und des Hasses, sondern eine Botschaft der Hoffnung und der Liebe.
        = = =
        Dazu meine Eindrücke:
        a) M. E. haben die etablierten Kirchen bei der Vermittlung von wichtigen, biblischen Aussagen
        ziemlich versagt.
        b) Die unbedingt notwendige Seelsorge wird größtenteils den Psychologen überlassen.
        c) Wenn man genau hinschaut, steht die Welt wirklich vor einem Abgrund.
        d) Aus diesem Grund existiert bereits der Ruf nach dem starken Mann.
        e) Wirklich christliche Gemeinden könnten noch Vertrauen zu Gott vermitteln.
        f) Sie haben das Evangelium richtig verstanden, ein Gottes-Geschenk!

        zu a)
        Bezeichnend sind die jährlich zunehmenden Kirchenaustritte.
        zu b)
        Diese Berufsgruppe doktert vorwiegend an äußeren Symptomen, größtenteils ergebnislos.
        zu c)
        – z. Bsp.: Der Hass auf Israel, seit 1948 (nach ca. 1 900 Jahren) wieder ein eigener Staat – ein Wunder.
        – Zustände, wie sie Jesus Christus im Matthäus-Evangelium, Kap. 24 vorausgesagt hat.
        – Hinzu kommt die Entwicklung der EU zu einem endzeitlichen 10 – Staatenbund (sh. Prophet Daniel).
        zu d)
        Derartige Bemühungen empfinden viele Bürger als eine Bedrohung, bzw. Verschwörung.
        zu e)
        Gemeinde als Institution bringt nichts, gesucht werden Vorbilder, besonders von Jugendlichen.
        zu f)
        Nicht zu vergessen: Adel verpflichtet!

        So sehe ich diesen Vers für mich persönlich:
        . . . denn alles gab er für mich hin,
        weil er mich liebt, so wie ich bin.
        Ich war weit weg von seinem Reich.
        Er kam und machte sich mir gleich,

        Außerdem habe ich nicht das Bedürfnis, ständig in der Vergangenheit rum zu graben, bzw.
        mich von den negativen Entwicklungen einschüchtern zu lassen. Andererseits ist es eine
        Aufforderung zur Wachsamkeit, so wie Sie es auch betonen.
        Mit dem folgenden Artikel versuche ich, den Blick nach vorne zu richten:
        http://www.4-e-inigkeit.info/4-einigkeit/4-e-08-.htm
        Ist das denn nicht ein Grund zum Freu’n?

        Ihnen und Ihrer Familie “Alles Gute“, wünscht W. Bülten.

        • die jährlich zunehmenden Kirchenaustritte

          Da wird meines Erachtens viel zu viel hineingeheimnist.

          Tatsächlich bluten auch die Volksparteien aus und die Gewerkschaften. Mit noch nicht anzusehenden Folgen für die gesellschaftliche Kommunikation. Aber Menschen engagieren, binden sich offensichtlich nicht mehr länger in Vereinen, Gemeinden, Parteien. Bilden auch keine Milieus mehr. Den Ruhrgebiets-Malocher mit Schrebergarten, Taubenschlag und Gewerkschaftsmitgliedschaft gibt es genau so wenig mehr wie den Rheinischen Katholizismus.

          Was nicht bedeutet, daß Menschen gar nicht mehr bereit wären, sich zu engagieren: Die vielen Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe oder FridaysForFuture zeigen das. Aber bitteschön nur punktuell, aus gegebenem Anlaß, für einen überschaubaren Zeitraum.

  7. Spannend. Könntest du die kommunikative Rolle von Stefan Homburg näher erklären oder wurde er schon mal irgendwo gesondert erwähnt? Er ist ja einer meiner Lieblingsfeinde und gelegentlich trieze ich die Uni Hannover, ob sie das so stehen lassen will (aber er geht wohl eh demnächst in Frührente).

    Hab das Buch gleich mal bestellt. Es ist schon merkwürdig, wie unterschiedlich die Menschen reagieren. Wir hatten das auch in unserem Winzblog ein bisschen begleitet und ich hab da irgendwann mal geschrieben, dass man es einfacher auf der Gefühlsebene als der rationalen Ebene verstehen kann, weil ein Virus so abstrakt ist. Man braucht ja erstmal den Transfer zur konkreten Gefahr und dann noch zum konkreten Handeln.

    Und mit globaler Pandemie hat hier ja niemand Erfahrungen, es gibt also keine Routine die greift anders als zb bei einem Großbrand oder meinetwegen einen Unfall im Atomkraftwerk.

    Und diesen Prozess, unsichtbare aber konkrete Gefahr kriegen viele nicht hin, was man nicht sieht, lässt sich auch leicht verdrängen. Das hat ja zu ganz merkwürdigen Problemen geführt. In Schleswig-Holstein mussten sie mitten im größten Chaos erstmal die ganzen angereisten Corona-Urlauber wieder nach Hause schicken (sowas steht ja in keinem Handbuch) oder die großen Anti-Hygiene-Demos in Stuttgart.

    So gut das funktioniert, ich glaube bei uns ist es ein Problem, dass wir durch den Föderalismus keine einheitliche Linie hatten. Merkel, Söder und Tschentschner verkünden zb den Shutdown oder Maskenpflicht und direkt danach tritt Laschet auf und beginnt eine Öffnungsdiskussionsorgie und dieses Hin und Her haben wir sehr kontinuierlich bis heute durchgezogen und die Medien mit ihrer Besessenheit von Sommerurlaub und Bundesliga haben da auch nicht wirklich weitergeholfen.

    Im Einzelnen finde ich das auch durchaus verständlich, aber es sorgt schon dafür, dass sich so unterschiedliche Ebenen bilden und sich das auch verfestigt, Homburg oder Hildmann haben ja nicht nur “eine andere Meinung” die haben sich total radikalisiert. Obwohl der eigentliche Grund, der extreme Shutdown ja gar nicht mehr existiert. Das halte ich schon für eine gefährliche Entwicklung.

    • Liebe Ariane,

      vielen Dank für Deinen Kommentar!

      Zu Deiner Frage zu Homburg, Hildmann & Co.: Nach meinem Erachten droht zunächst die Aufmerksamkeitsfalle. So erreichen Menschen mit abseitigen, teilweise auch extremen Beiträgen eine viel höhere Bekanntheit als Tausende Vernünftigere.

      Immerhin aber kann die Auseinandersetzung mit solchen auch die eigene, inhaltliche Position schärfen – wie Du es mit „einer meiner Lieblingsfeinde“ selbst angedeutet hast. In diesem Sinne können z.B. auch destruktive Schwurbler eine „kommunikative Funktion“ erfüllen und Reflexionen über Diskursregeln & gesichertes Wissen anregen.

      Für mich persönlich war da zum Beispiel der Antisemit und führende Philosoph Martin Heidegger (Freiburg) lehrreich. Lange habe ich mich gegen die Befassung mit ihm gewehrt und hätte ihn am Liebsten dem Vergessen überlassen. Doch auch durch die Hartnäckigkeit von @Alubehüteter habe ich ihn gerade auch im Hinblick auf seinen Verfall in Platonismus und Verschwörungsglauben neu entdeckt und in meinem neuen Buch „Verschwörungsmythen“ entsprechend vorgestellt.

      Fazit: Wenn uns auch durch das Internet schon ständig extreme Stimmen präsentiert werden, so sollten wir die Chancen nutzen, durch diese wissenschaftlich & philosophisch zu lernen.

      Herzliche Grüße!

      • Vielen Dank für die Antwort!

        Ja, das stimmt, ich kannte Attila Hildmann vorher auch nicht und mittlerweile sind ja recht viele auf diesen Verschwörungszug aufgesprungen.

        Von Homburg habe ich schon durch meine Niedersachsen-Timeline erfahren und es gab auch einen NDR-Bericht. Da finde ich es eben auch noch bedenklicher, weil das eben kein Privatmann, sondern ein Professor an einer Universität ist, die sich auch nur etwas halbherzig distanziert hat. Und wir leider in einer Realität leben, wo jemandem der Professor (für Wirtschaft) ist, automatisch mehr Autorität in Sachen Pandemie zugetraut wird.

        Das diskreditiert ja auch noch das ganze “Hört auf die Wissenschafts-Experten” – Argument.

        • Hildmann ist inzwischen bei Jan van Helsing angekommen. Aliens, unterirdische Schambalas, Neuschwabenland, das ganze Programm. Ich sage mal vorsichtig: Das ist nicht mehrheitsfähig.

          Bhakti hat das neue „Deutschland schafft sich ab!“ hingelegt. SPIEGEL-Bestsellerliste Platz 1. Das halte ich gesamtgesellschaftlich für viel gefährlicher.

  8. Die prozentuale Gesamt-Sterblichkeit ist (auch ohne Corona-Maßnahmen) in diesem Jahr nicht höher als sonst. Die Corona-Maßnahmen stiften mehr Schaden als Nutzen. Ökologisches Verhalten ist wichtig. Mehr dazu auf meiner Internetseite (bitte auf meinen Nick-Namen klicken).

    • Ja, die bislang insgesamt erfolgreichere Pandemie-Bekämpfung in Deutschland hat einen deutlichen Anstieg der Sterblichkeit verhindert, im Gegensatz z.B. aktuell zu den USA.

      Wie wäre aus Ihrer – theosophischen – Perspektive denn der richtige Umgang mit Pandemien zu gestalten?

      • @ W. Bülten
        04.07.2020, 23:36 Uhr

        *) Corona = lat. Krone

        -> Hm, wie seltsam. Überall sonst wird Corona erklärt, weil es aussieht, wie eine Sonnen-Corona. Inwiefern wäre das eigendlich fakenews, wenn der Name sonst Lateinisch eine andere Bedeutung hat? Wo doch das Lateinische ideel sehr grundlegend für die Abendlandkultur ist.

        Aber ach, sie ist nicht grundlegend, sondern “begleitet” dieses Abandland nur, um Metabedeutung zu stiften. Oder eine zweite Ebene der “Herrschaft” zu etablieren. So wars doch Luthers Vorwurf an die lateinische Bibel, oder?

    • Die prozentuale Gesamt-Sterblichkeit ist (auch ohne Corona-Maßnahmen) in diesem Jahr nicht höher als sonst.

      Großbritannien hat mehr Covid-19-Erkrankte als die übrige EU zusammen.

  9. @ Michael Blume
    An Corona sterben nur Menschen, die bereits geschwächt sind. Deswegen ist es wichtig, gesundheitsbewusst zu leben. Und es ist wichtig, berufliche Belastungen zu reduzieren, z. B. durch Teilzeitarbeit. Zudem ist die Beschäftigung mit christlicher Esoterik hilfreich.

    • Lieben Dank, @christ343. Wenn Sie doch also erkennen, dass Covid19 die Gesundheit von Menschen bedroht – wären dann nicht – auch aus christlicher Perspektive – Rücksichtnahme und Selbsteinschränkung geboten?

      Und würden Sie die Theosophie zum Bereich der „christlichen Esoterik“ zählen? 🤔

      • @ Michael Blume
        Ich sehe nicht ein, dass ich eine Maske tragen soll, weil ein anderer sich durch Alkoholkonsum geschwächt hat, so dass für ihn Corona gefährlich ist. Für mich ist Corona nicht gefährlich.
        Schauen Sie doch mal im Wikipedia-Lexikon nach. Es gibt die anglo-indische Theosophie von Blavatsky. Aber es gibt auch eine christliche Theosophie bzw. Esoterik, z. B. diejenige Jakob Böhmes.

        • Ich sehe nicht ein, dass ich eine Maske tragen soll, weil ein anderer sich durch Alkoholkonsum geschwächt hat, so dass für ihn Corona gefährlich ist. Für mich ist Corona nicht gefährlich.

          Meine Mutter nähert sich der 80. Wenn Sie sich ihr ohne Maske nähern wollten, verstehe ich nicht, was an Ihrer Theosophie den Beinamen „christlich“ verdient.

    • An Corona sterben nur Menschen, die bereits geschwächt sind.

      Die Anzahl an nicht vorbelasteten Toten ist gering, aber alles andere all Null.
      Daher ist diese Aussage falsch.
      Es sind nachweislich auch schon junge und ansonsten gesunde Menschen an Corona gestorben.

      • Corona setzt sich zuerst einmal im Rachen fest und wird dort bekämpft. Dort löst es wenig bis gar keine Symptome aus.

        Die Frage ist, ob die Viren übergreifen können auf die Lunge (und von dort aus auf andere Organe). Dafür ist zum einem entscheidend, wie widerstandsfähig die Lunge ist, ob sie geschwächt ist von Alter, Vorerkrankungen. Zum anderem aber, mit wie vielen Viren einer infiziert ist. 103jährige haben Covid-19 überlebt. Aber junge, gesunde, sportlich fitte Skifahrer aus Ischgl kommen heute keine Treppe mehr hoch ohne erhebliche Atemnot. Auch Christ343 kann an Corona sterben.

  10. @ Alubehüteter
    04.07.2020, 03:49 Uhr

    Im übrigen denke ich, daß das „Ich sehe der zur von mir betriebenen Politik keine Alternative“ bzgl. Hartz IV des Herrn Schröder massiver die SPD beschädigt hat als das TINA der Frau Thatcher oder das alternativlos der Frau Merkel die jeweils ihrigen.

    -> Und dann waren da noch Sarrazin und nun Wodarg. Gabs da noch welche?
    Aber natürlich hat Merkels Alternsativlosigkeits-Imperativ schweren Schaden verursacht. Das Problem war nur, das die Alternativen zu Merkel nicht existierten.

    So könnte es eben auch angesichts Thatcher gewesen sein. Und das ergibt eine neue Szenerie, wenn Personen alternativlos sind, und dann Alternativlosigkeit in die Welt bringen. Und beides waren Frauen.
    Die Frage wäre, ob Männer das je hätten in der Zeit und Situation zu Merkel und Thatcher so demonstrieren können, ohne daraufhin einen Aufstand auszulösen.

    Schröder hat es eigendlich gemacht und ist damit durchgekommen (Agenda 2010). Aber… vielleicht gab es einen entscheidenen Unterschied zwischen den Bedingungen Merkels und Schröders.
    Und ich meine eben nicht, das Merkel eine Frau ist un dman ihr all das nicht gönnen würde, sondern, das Merkel eine Frau ist, die das so Deuten kann (Marktkonforme Demokratie).
    Anders gesehen ist die Frage, ob demokratische Politik unter den Bedingungen der Zeit überhaupt noch stattfinden kann, ohne sie zwingend als zynisch zu bezeichnen.

    Und auch dann macht es Sinn, eine Frau als verantwortliche für die “Richtlinienkompetenz” hinzustellen. Denn Männer haben ein Problem, wenn das Patriarchat instabil ist…wenn sie nicht uneingeschränkt darin verankert sind.

    Frauen nicht. Frauen sind ein gutes Stück mehr unantastbarer. Weswegen auch Vorwurf schnell aufs Geschlecht kommt, weil einfach trotz logisch schlüssiger Sachlage die Gegenargumentation gegen eine Frau in gewisser Weise unmöglich ist.
    Theoretisch müsste das jedem Ehemann gut bekannt sein.
    Oder eben jeden Modeindustrie Arbeitenden, der es mal mit Modells zu tun hatte, die ihrem Diven- oder Zicken-Potential freien lauf lassen.

    “There is no argumend”…(wirksam)

    Und das hat seinen Grund.

    Also kann/wird man (auch Frau) jedem Mann/Schröder mehr und länger nachtragend sein, als Merkel und Thatcher.

    Wenn man so wollte, dann liesse sich dieses Ungleichgewicht sogar in den Genen der Geschlechter ablesen: Die Weiblichen Haplogruppen sind viel mehr in der Breite entwickelt, als bei den Männern, bei denen die Abstammungslinien länger sind, als breit. Was deuten lässt, das der Evolutionsdruck der Männer größer ist, als der der Frauen.

    Eine Genderpolitik müsste sich vielleicht daran orientieren, wenn sie “Gleichstellung” zielsetzt?

    Aber schon an der gefühlten “Unangemessenheit” dieses Szenarios kann man erkennen, wie ungleich hier gewertet wird. Und wieso sich die “Alternativlosigkeiten” besser von Frauen vertreten lassen, als von Männern – in bestimmten Phasen der Zivilisation.

    Schon in England war die “Königin” die “Alternative” zum König, der auf der Insel nicht (mehr) funktionierte, wie auf dem europäischen Festland (wo er ja inzwischen auch nicht mehr funktioniert).

    • Witzig: mit Frauen wird also innerhalb der Politik besonders soft und nachsichtig umgegangen (sie sind ja schließlich das “schwache Geschlecht”); es wird weniger gewagt, ihnen zu widersprechen; sie genießen besondere Privilegien…. Echt zum Totlachen🤣, wenn es nicht so traurig wäre. Das Gegenteil ist der Fall: Den Vertreterinnen des “ach so schutzbedürftigen Geschlechts” wird jedweder Schutz verweigert, indem sie nachweislich sogar aus dem Polizeiumfeld wiederholt und ungestraft von selbsternannten “SS-Obersturmführern” oder einfach nur gefrusteten rechtsradikal-impotenten Incel-Typen mit “Abschlachten” und ähnlich martialischen Freundlichkeiten bedroht werden. Und dies nur, weil sie sich – sei es als Künstlerin oder Politikerin oder in sonstigem beruflichen, gesellschaftlichen oder familiären Kontext – gegen Rassismus und für eine gerechtere Gesellschaft engagieren, oder einfach nur, weil sie starke und selbstbewusste Frauen sind.
      Gleichzeitig muss man sich trotz umgekehrter Tendenz – auch in den Kommentaren zu diesem Podcast – das Mimimi von AfD-und Trump-affinen Verschwörungsschwurblern, die sich nicht entblöden, auch noch unter femininen Nicknames zu firmieren, anhören, wir seien auf dem besten Weg zu einer “grün- linksversifften sozialistischen Gesellschaftsordnung”… .
      Solche “Frauen” freut es natürlich, wenn sich ihre Partei gegen die Geschlechterquotierung in Parlamenten gerichtlich durchsetzt – gegen einen Standard der Gleichberechtigung, der in anderen Ländern (z.B. Frankreich und Spanien) längst selbstverständlich ist. Quo vadis, Deutschland🤔?

      • Naja, wer redet denn von AFD-Typen oder irgendwelchen gescheiterten Nerds (Incels), die immerzu dazwischen blöken, wie schlecht die Welt doch ist.

        Und überhaupt: Das du diese Szenerie genauso aussprechen darfst und niemand kritisiert dich dafür (in der offiziellen Welt), das hinter jedem Gescheitertem eben ein Schicksal steht, das man nicht erleiden wollte, und es daher unpassend ist, das so radikal zu verurteilen, ist doch Anzeichen dafür, das Frauen ein Stück weit “unantastbarer” sind, als Männer, die man für eine solche Radikalität recht schnell zurecht weisst.

        Denn einjeder ist sich dann auch schnell darüber bewusst, das jeder Scheiternde eben eine Chance für Nachzügler sein kann. Was meint: Der Platz des Scheiternden wird frei. Für alle anderen Grund zum Jubeln. Was man aber nicht öffentlich tut, so wie du es abschätzig raushaust.

        Siue wissen aber auch, das solche querschlagenden Zwischenrufe in der allgemeinen Öffentlichkeit keine positive Resonanz finden, was die vergleichbarkeit unmöglich macht. Denn es geht bei meiner Szenierung darum, wie politische Führungspersonalien von der Öffentlichkeit anerkannt werden. Und nicht darum, wer am lautesten Brüllt…wenn die Brüllerei auch nur in Form von brutaler Rhetorik daherkommt und daher gefühlt “laut” ist.

        Also, kein hinreichender Vergleich möglich. Und daher den Kern meiner Aussage nicht getroffen.
        Im Rahmen diplomatischer, gemäßigter Verhältnisse kann man als Frau zuweilen halt unantastbarer sein, als Männer. Das hat nicht viel mit dem Eindruck von “Schutzbedürftigkeit” zu tun oder dem “schwachen” Geschlecht.
        Das hat mehr mit der in der Theologie erklärten “Mutter Gottes” zu tun, die eine besondere Rolle hat und daher eine ganz andere Souveränität besitzt, als nur ein Mann unter vielen.

        Auch in der Natur gilt der Mann nichts, wenn er nicht alle anderen wegbeissen kann. Theologie und Natur sind in dieser Sache gar nicht weit voneinander entfernt.

        Wenn das alles zum Todlachen für sie ist, dann haben sie eben nicht die Vorraussetzungen dazu, diese Szenerie so zu sehen, wie es eine souveräne Frau könnte. ich fühlte mich mein Leben lang auch nicht gerade “privilegiert” in der Hinsicht, souverän zu sein. Die Gleichstellungsideen sind ja auch nur ideel vorhanden, aber nur schlecht umsetzbar, weil wir eben nicht gleich sind. Und … wenn ichs genau betrachte ( so im Rückblick) hätte ich das, was es wirklich bedeutet, auch nie gewollt. Weil es nicht erstrebenswert ist, sich selbst aufzugeben, um “gleich” zu sein.

        Aber um mir da zu folgen, brauchen sie allerhand Einblicke, die ich gehabt habe und immernoch betrauer, sie zu haben. Esotheriker und weltlich gesinnte sprechen da dann von “Erleuchtung” oder Erweckung. Ganz ähnlich (oder gleich) der theologischen Erleuchtung durch über den Menschen kommenden heiligen Geist.
        Was praktisch das “Gleichmachen” bedeutet.

        Und wie aufschlußreich, wie sie weibliche Fake-Nicknames erwähnen. Finden sie das anmaßend, das sich Männer mutmaßlich solcher taktik bedienen? Wo doch die ganze Virtualität im Internet grundsätzlich keine Sicherheit über die Identitäten ermöglicht.
        Was übrigens auch die ganze Öffentlichkeit betrifft. Sie glauben an diese Incels-Trolle und versager, die plötzlich in der Weltgeschichte aufzutauchen scheinen… wie uns die Medien das so aufzeigen (anhand der unprüfbaren Quellen und so – doppelte Virtualitäten und so – simmulierung auf mehreren ebenen).

        Journalisten glauben auch daran. Unverkenbar. Und wenn die Deutungshoheit erst errungen ist, weiß niemand mehr, wer überhaupt irgendwas weiß und wissen kann (ausser jene, die die die Deutungshoheit über Wahrheit haben). Alles ist Glaube.

        Es ist fantastisch, das so erleben zu können. Wenn es nicht auch so traurig und erbärmlich wäre…

        “Witzig” ist da gar nichts dran. Würden sie mir doch zustimmen, oder?

        • Sorry, @Andromed, dass ich den “Kern” Ihrer Aussagen “nicht getroffen” habe. Aber den Kern Ihrer Aussagen kann ich nich (er)kennen, denn der Kern Ihrer Aussagen sind Sie selbst. Drum herum ist viel für mich rational nicht nachvollziehbares, hier zur Abwechslung mal frauenfeindliches Mimimi.

        • Übrigens, @Andromed”, dass “Incels”, und Frauenhasser nicht nur “blöken”, sondern handeln, zeigen die Terroristen von Utøya (2011), Christchurch, Halle (2019) und Hanau (2020). Alle hatten ein Manifest, dass nicht nur vor rechtem Gedankengut und Ausländerfeindlichkeit, sondern insbesondere auch vor einer schmierigen Frauenverachtung nur so triefte. Der Täter von Halle streamte seinen Anschlag sogar life ins Netz. Begleitet wurde der Prolog zu seinen Morden, in dem er seinen Hass auf Juden und Frauen freien Lauf ließ, von einem Song mit folgenden “lyrics”: “Hoes suck my dick while I run over pedestrians.” Die Übersetzung erspare ich meinem durch die Lektüre frauenverachtender Beiträge wie der Ihren ohnehin schon einsetzenden Würgereiz. Dass also diese Täter nicht bloßer “Glaube” sind, wie Sie behaupten, dürfte die Blutspur, die sie hinterlassen haben, hinlänglich beweisen.
          Ihnen alles Gute und für die Zukunft ein glücklicheres Händchen bei der Unterscheidung von Fakten und Fiktionen. Zudem verbitte ich mir, dass Sie mich duzen.

          • Wenn ich ihnen so folge, dann haben diese Manifeste dieser Ausnahmeerscheinungen offenbar bei ihnen ihre Wirkung erfolgreich bewirkt.

            Fühlen sie sich nicht manipuliert?

            Denn sie radikalisieren sich ähnlich konsequent, wie es die Verfasser offenbar taten (oder ihnen geschah).

            Ich habe mich aus eigener Perspektive mit Radikalisierungsprozessen befasst. Beispiele dafür gibt es ja zuhauf – nicht nur, was sie so vorweisen.

            Es gibt einen fundamentalen Prozess, der Radikalisierung praktisch erzwingt. Es ist nur die Frage, wie er dann tatsächlich (aus)gelebt wird.
            Und es fallen fast alle Menschen irgendwann diesem Prozess zum Opfer – wie einem Naturgesetz.

            Bei den meisten Menschen aber geschieht ein Anpassungsprozess auf die Belastung, der sie zu “Durchschnittsmenschen” werden lässt, die dann an diese massenmediale Furore so “extrem” glauben, dass für sie keine gute Welt mehr existiert.

            Sie werden dann Fundamentalisten, wie Islamisten auch. Sie wären da praktisch ein Beweis. Den sie allerdings wahrscheinlich nicht akzeptieren wollen.

  11. @Andromed

    Zitat: “Wenn ich ihnen [sic!] so folge…”

    Lassen Sie es, @Andromed, Sie können mir nicht folgen.

    Ich weiß nicht, von welchem Licht Sie “erleuchet”, “erweckt” wurden, ein erhellendes war es jedenfalls nicht.

    Den Begriff “radikal” gibt es übrigens auch in einer positiven Konnotation im Sinne von “gründlich” oder “entschieden”.
    Und in diesem Sinne können Sie mich gerne radikal nennen, denn tatsächlich bin ich ein entschiedener Verfechter des Rechts- und Sozialstaates, der Gleichberechtigung und der Gewaltenteilung – von Institutionen, mit denen Sie, wie auch auf anderen Seiten bewiesen, offenbar massive Probleme haben.
    Ihnen gute Besserung zu wünschen, halte ich inzwischen für vergeblich. Bemitleiden Sie sich und Ihre “Incels” und die Ihrer Meinung nach rechtsradikalen “Ausnahmerscheinungen” nur weiter – es sind ja nur “Gescheiterte”, an deren Scheitern alle anderen Schuld sind, nur nicht sie selbst.
    Die Opfer haben nach Lesart Ihrer Texte halt Pech gehabt.
    Wie schon auf anderer Seite festgestellt: Empathie mit Menschen, die eine solche wirklich verdient haben, ist Ihnen fremd.

    • Den Begriff “radikal” gibt es übrigens auch in einer positiven Konnotation im Sinne von “gründlich” oder “entschieden”.

      -> Ja genau, schön das sie mir doch folgen können.

      Man nennt es auch “konsequent”. Allerdings hat es immer etwas Radikales und auch wahnhaftes.
      Aber diese Welt will es scheinbar genau so haben: Menschen sollen sich auf etwas reduzieren, damit man “Gesellschaften” komplex organisieren kann (was praktisch eine Art Zynismus ist, weil es heisst, das Menschen in dieser “Konditionierung” zu zweckorientierten Werkzeugen gemacht werden).

      Ich “verbitte” mir übrigens ihre hetzerische Polemik und Verachtung. Sie sind Teil der Radikalisierung

      Aber ich ahne, das ihnen das egal ist…

Schreibe einen Kommentar