Geschichte wiederholt sich nicht und Verschwörungsphilosophie

Durch Begriffe erschließen wir uns die Wahrnehmung der Welt. Schon deswegen gibt es kaum etwas Wichtigeres und Mächtigeres als die immerwährende, wissenschaftlich informierte Arbeit an der Sprache. Und so war ich dankbar und bewegt, als Charlotte Knobloch in ihrer großen, biografischen Rede im Deutschen Bundestag zum Holocaust-Gedenktag 2021 bewusst von “Verschwörungsmythen” sprach. Denn die Nazis waren eben keine harmlosen “Theoretiker”, sondern Millionenfache Mörder gewesen. Und auch heutige Verschwörungsgläubige wie der inzwischen inhaftierte “QAnon-Schamane” lebte bei den #CapitolRiots keine wissenschaftlichen Theorien, sondern Mythologien aus.

Arbeit an der Sprache bedeutet aber keinesfalls nur das Überwinden falscher und überholter Begriffe. So postete ich einen m.E. wichtigen Satz, der mir einstmals als Falschzitat untergekommen war: “Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich.”

Den Satz fand ich damals brillant, weil er zwei Extreme ausschloß: Einerseits jene, die behaupten, Geschichte sei zur Wiederholung vorherbestimmt (fachdeutsch: “determiniert”) – entsprechend könne man ihren Verlauf gar nicht beeinflussen. Und andererseits jene, die behaupten, es gäbe gar keine Muster und also auch keine Vergleichsmöglichkeiten – wir könnten also aus dem bereits Geschehenen nichts lernen, was uns für die Zukunft weiterhelfe. Die Aussage von der Geschichte, die sich nicht wiederholt, aber reimt, passte dagegen genau zu dem Mittelweg, den ich darin sehe: Schon weil wir noch wesentlich die gleichen Gehirne und entsprechende Psychologie wie unsere VorfahrInnen haben, können und sollen wir aus der Geschichte – zum Beispiel über die Gefahren des Antisemitismus – lernen, ohne aber Neues – wie aktuell den Einfluss digitaler Medien – zu übersehen.

Da dieses Zitat aber im Werk von Mark Twain (1835 – 1910) aber nicht zu finden war, entschied ich schließlich, es selbst zitierfähig zu prägen. Der Arikel dazu erschien im November 2020:

Blume, M. (2020): “Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich.” Gedenkstätten Rundschau 25, November 2020, S. 1-2

Mit dieser Aussage ging ich dann auch in den bundesdeutschen Gedenktag für die Opfer des NS-Regimes.

“Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich.” Instagram-Kachel des Beauftragten der Landesregierung BW gegen Antisemitismus. Screenshot: Michael Blume

Vier Stufen der Verschwörungsphilosophie

Anläßlich einer digitalen Fachtagung der Fachstelle Extremismusdistanzierung im Demokratiezentrum Baden-Württemberg mit über 140 Teilnehmenden wagte ich zudem einen weiteren Schritt mit Karl Popper: Wenn alle Menschen nicht nur PhilosophInnen sein “sollten”, sondern unbewusst schon immer “sind” – dann würde es Sinn machen, die “Philosophie der Verschwörung” zu entschlüsseln.

Ich schlug dabei auf Basis der bisherigen Arbeiten folgende vier Stufen vor:

  1. Blunting / Abblocken. Wir alle – nicht erst Verschwörungsgläubige – blenden beängstigende Erfahrungen und Informationen (zum Beispiel zur Klimakrise) zeitweise aus, um weiterleben zu können. Bei Verschwörungsgläubigen wird dies jedoch in eine Freund-Feind-Erzählung, eine “Sündenbocksuche” transformiert. So folgt 
  2. Dualismus & Verschwörungsmythen. Anstatt die subjektiv beängstigende Erfahrung – wie etwa die Emanzipation von Frauen, stärkere Migration, die Klima-Transformation der Wirtschaft oder Pandemie – anzunehmen, wird sie als Teil einer “bösen Weltverschwörung” gedeutet, die von einer “Elite” ausgehe.
  3. Antisemitismus. Da das Judentum die erste Religion des Alphabetes und der Bildung (des Semitismus) darstellt, laufen fast alle Verschwörungsmythen auf Judenfeindlichkeit hinaus. Eine Weltverschwörung der Peruaner, Albanerinnen, Quäker oder RadfahrerInnen setzt sich mythologisch nicht durch.
  4. Tyrannophilie. Wird die (meist jüdische) Weltverschwörung lange und fest genug geglaubt, erwächst schließlich die Sehnsucht nach einem politischen Erlöser, der die eigene “Opfergruppe” durch eine gewaltsame Aktion (“Apokalypse”) erretten werde. Bei QAnon- und manchen Querdenker-Verschwörungsgruppen lief diese Tyrannophilie bspw. auf Donald Trump heraus.

Dank Nadine Behrens vom Vorstand der Landesarbeitsgemeinschaft Mobile Jugendarbeit (LAG) Baden-Württemberg e.V., Derya Sahan und Mathieu Coquelin vom Demokratiezentrum Baden-Württemberg entstand eine intensive (aus Datenschutzgründen bewusst nicht aufgezeichnete) Debatte, die sich in weiteren Diskussionen und ggf. auch Publikationen fortsetzen wird.

Wissenschaft und Sprache – machen Sie an dieser Arbeit doch gerne mit! Jede/r kann etwas ändern, beginnend mit sich selbst.

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) & "Verschwörungsmythen". Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren wöchentlich, um Religionswissenschaft zugänglich und diskutierbar zu machen.

48 Kommentare

  1. 1. Eine Überlegung- die falsch sein kann:
    haben nicht möglicherweise schon die Römer eine Verschwörungstheorie gegen die Karthager (auch Semiten) aufgebaut? Die Behauptung des Molochopfers?
    2. Jesaja 8 könnte darauf hin deuten, dass es in Juda schon vor der babylonischen Gefangenschaft Verschwörungsmythologien gab.
    3. Die Wiederholung der Geschichte wurde übrigens von Arabern entwickelt. Ibn Chaldun Muqaddima

    • Danke, @Joseph Kuhn – den Band kannte ich tatsächlich noch nicht! ☺️📚🖖

      Der Versuch in „Verschwörungsphilosophie“ besteht darin, die vier je für sich bereits gut etablierten Bausteine in eine Stufenfolge zu bringen. Habe das inzwischen auch im Rathaus Fellbach mit 300 stabilen Live-Streams + Tausend YT-Zugriffen über Nacht präsentiert, bislang mit guter Resonanz. Bin mal gespannt… 🤔💁‍♂️✅

  2. Wie finden Sie das?

    „Hegel bemerkte irgendwo, daß alle großen weltgeschichtlichen Tatsachen und Personen sich sozusagen zweimal ereignen. Er hat vergessen, hinzuzufügen: das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce.”

    Unabhängig von Marx finde ich diesen Satz sehr gelungen. Sind die Rechten unserer Tage nicht die Farce früherer Tatsachen, wo sie einst Tragödie waren? Oder ist es ganz anders: wiederholt sich die Geschichte solange, bis ein Lernprozeß abgeschlossen wurde? Zum Beispiel: was wollen uns die Rechten eigentlich sagen? Daß man die Wurzel ins Dunkle, ja ins Böse treiben muß, um Licht über die Krone empfangen, als Baum bestehen zu können? Oder etwas weniger blumig: muß man zur Wehrmacht stehen (als Geschichte, Wurzel), um ein guter Bundeswehrsoldat sein zu können? Ist die Geschichtsvergessenheit heute, nicht Teil der politischen Korrektheit? Kann ein Baum (um im Bild zu bleiben) ohne Wurzel bestehen?

    P.S.: Das Bild vom Baume hab’ ich, wie Sie zurecht bemerken, von Nietzsche geklaut.

    • Unter anaerobischen Bedingungen im Boden enstehen üble Faulgase als Ausscheidungen der anaeroben und fakultativ anaeroben Mikroorganismen, dann stinkt es toxisch nach Schwefelwasserstoff, wird entzündlich und explosiv mit Methan und giftet mit Monophosphan, und der Alkohol der Hefepilze, verwandelt dann die Pflanzenwurzel zu Schleim.
      Mit Sicherheit ist das Böse für die deutsche Eiche keine gute Lebensgrundlage, um die Photosyntheseleistung zu erhalten, geschweige denn zu erhöhen.

      Da muß möglichst überall ordentlich viel frische Luft an die Wuzel kommen.

    • @ Dietmar Hilsebein
      30.01.2021, 23:13 Uhr

      …das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce.”

      -> Ich glaube, das trifft es ganz gut. Jedenfalls, wenn eine hinreichend effizient organisierte Struktur dafür sorgt, das die Wiederhohlung in Punkt und Komma gerade nicht eintritt. Sondern organisiert dafür sorgt, das eine Farce daraus wird, die sich als Bewegung und Entwicklung selbst diskreditiert.

      Insofern ist das mit der AFD ja auch geschehen. Wobei man annehmen muß, das die AFD im Anfang gerade keine NSDAP gewesen war, sodsass man die Entwicklung hätte durch Dramatisierung und Überspitzung zur Farce verkommen lassen müssen.
      Jedenfalls gabs ja den “Lautsprecher” Höcke, der wie Trump fast jederzeit alles übertöhnte, was mit der ganzen Szenerie so verknüpft schien. Die Diskreditierung aus “Krisenschauspiel”, welches eben diskreditieren soll, damit sich eine massenmediale Öffentlichkeit darauf stürzt und eine emergente “Wahrheit” erzeugt, die automatisch zur Farce wird.

      Insofern widerholt sich Geschichte eben dann nicht, wenn man sie beachtet und studiert, um daraus Auswege zu finden.
      Und das geht halt nur dann, wenn man aktiv und taktisch gegen die Entwicklungen aggiert.

      Und nochmal darauf hingewisen: Die AFD in der Anfangsphase wäre gerade nicht Anlass dazu gewesen, das “schlimmste” im Sinne der Geschichte zu erwarten. Aber das ist der Konservativen natürlich egal, weil sie eben “rechts von ihnen” ninichts existieren lassen will. Und die sind natürlich strukturel die einflussreichsten Akteure in der Gesellhschaft, sodass sie durch diesen Einfluß strukturelle Politik betreiben können.
      Und so wurde die AFD halt doch zum Pendant der NSDAP…in der “geleiteten Geschichtsschreibung”, die vom Sieger erzählt wird.

      Womit der Vorwurf der organisierten Verschwöhrung bewiesen wäre.

      Ausserdem wurde die AFD zu einem Sammelbecken für alle, die aus einem Oppositionsaffekt gegen Merkel, und eh Deutschland wie es ist, sind.
      Was leicht zu erreichen ist. Taktische Steuerung der “Meinungsbildung” an den richtigen Faktoren der anthropolischen Konstanten der Menschen und der Massen-/Tiefenpsychologie entlang führt immer zu einem Erfolg in theologisch relevanten Mechanismen (die man natürlich auch kennen und beachten muß, um das zu verstehen).

      Was aber keine Furcht vor Lügen und Betrügen und Falschdarstelleung vorraussetzt, denn mit Wahrheit über Wirklichkeit scheint man… frei nach einem Bundesdeutschen Innenminister der jüngeren Zeit…. nur zu verunsichern und also letztlich zivilisatorisches Chaos zu erzeugen.
      Da ist es doch besser, man erzeugt Chaos und Irregeleitetheit in den Reihen des ideellen Gegners, den man an seinen Affekten an der Nase herumführt?

      Womit allerdings auch die Aussage “Geschichte Wiederholt sich” bestätigt wäre. Denn “Geschichte” ist für die Beschreibung komplexer Zusammenhänge und Faktoren ein zu unpräziser Begriff, sodass man praktisch beides mit gewisser Rechtfertigung sagen kann. Und wenn gewisse “Konstanten” existieren, an denen man wirksam Politik machen kann, dann ist geschichtliche Wiederholung vorprogrammiert.

      Kurze Phrasen haben leider noch nie aufklärend zur aufklärerischen Erkenntnisbildung beigetragen, es sei denn, das man sich tiefere Gedanken darüber machte.
      Aber weil das nur wenige Menschen wirklich tun und weil ihnen dazu kein gesitiger Raum gelassen wird (weil man die Meinungsbildung eben aktiv steuert), kann man Geschichte zur Wiederholung zwingen. Als es in den 1990´gern einen Rechtruck gab, geschah ja das Gleiche, wie heute. Nur, das es damals nicht sooo deutlich sichtbar war. Was nicht nur am (damals nicht wirklich existierendem) Internet lag.

      Das “Verbrechen”, das begangen wurde, ist, das man die freiheitliche Meinungsbildung zum eigenem Nutzen und vor allem zum Schaden der “Meinungs-Gebildeten” manipuliert und fourciert hat.
      Was antidemokratisch ist, weil diese Demokratie ja eigendlich mit allen Beteiligten (insofern allen Menschen/Bürgern des Verwaltungsraumes) redlich zu einem akzeptablen Kompromiss finden will/soll, anstatt durch miese Tricks und Manipulationen kriegerische Feldzüge gegen Opposition zu führen, die zur Auflösung der Opposition führen und zur …. was der eigendlich schlimme Faktor darin ist… zur identitären Auflösung der Menschen führt.

      Insofern ein Gotteskrieg, der ohne Kalaschnikow, aber mit dem Zorn Gottes gefochten wird.

      Wer die Opferdarstellung der Oppositionellen anklagt, der hat nicht verstanden, das sie Opfer sind. Und er verhöhnt Opfer und deren Schicksale, die erst durch subtilen und taktischen Zwängen dazu gemacht wurden.

      • Wobei man annehmen muß, das die AFD im Anfang gerade keine NSDAP gewesen war, sodsass man die Entwicklung hätte durch Dramatisierung und Überspitzung zur Farce verkommen lassen müssen.

        Die AfD von Bernd Lucke und co. war sicherlich keine NSDAP. Deren Thema war die “Euro-Rettung”, die nach deren Ansicht falsch war. Allerdings wurde sie schon damals mit der NSDAP “verglichen”. Dies begann 2013 mit den “Entartungen der Demokratie” von Bernd Lucke. Im Internet wurde sogar eine Forderung nach mehr Sportunterricht mit der NS-Ideologie verglichen. Nur gabe es früher auch eine ähnliche Forderung von Boris Becker, den man wohl kaum als Nazi bezeichnen kann. Übrigens kann der Nazivorwurf sogar Sarah Wagenknecht treffen, was sie in einem Interview in der WELT (leider jetzt kostenpflichtig). erwähnt hat.

        Gruß
        Rudi Knoth

  3. Danke!
    Ich nehme mir nicht oft die Zeit so lange dem Bundestag zuzuhören.

    Ich wünschte ich hätte mit meinen Großeltern drüber sprechen können.
    Ich weiß nur von meiner Mutter das meine Oma mütterlicherseits es nie verstanden hat, weil sie hat wohl immer gerne bei den Juden gekauft, weil die so nett waren. Daran zu denken macht mich sehr traurig.

    Mir ist dabei auch bewusst geworden:
    Seit 76 Jahren erlauben wir uns alle gegenseitig wieder jede Musik zu hören und zu feiern, die wir wollen.
    Und wir können auch in Israel Urlaub machen, und da auch jede Musik hören und feiern, wenn wir wollen.
    Und wir, die den Krieg und den Traum vom 1000 Jährigen Reich verloren haben, können auch langsam mal der Bundesrepublik Deutschland erhobenen Hauptes danken, dafür dass wir nicht so behandelt werden. Dass alleine sollte doch einleuchtend klarmachen dass die Juden gute Menschen sind. Sharing is caring. Sie teilen sogar ihr heiligstes, ihr Schriftgut mit uns allen, und wir sind so undankbar. Das können wir besser. Der Davidstern schenkt uns allen die heilige Geometrie der Blume des Lebens, ausnahmslos. Wie oben so unten.
    So wie die Erde alle in gleicher Weise stütz, und der Himmel alle in gleicher Weise bedeckt.

    Yamma Ensemble – King David – biblical Hebrew translated and pronunciation subtitles https://www.youtube.com/watch?v=zOo2HbNESNo

  4. Zitat:

    1. Blunting / Abblocken. Wir alle – nicht erst Verschwörungsgläubige – blenden […] zeitweise aus […].
    Bei Verschwörungsgläubigen wird dies jedoch in eine Freund-Feind-Erzählung, eine “Sündenbocksuche” transformiert.

    Blunting ist nicht ganz klar – bedeutet das nicht auch Abstumpfung, Dämpfung, Entschärfung?
    (probably of Scandinavian origin; compare Old Norse blundr dozing, blunda to close one’s eyes;
    see blunder, blind)

    Zitat:

    2. Dualismus & Verschwörungsmythen.
    Anstatt die subjektiv beängstigende Erfahrung – […] – anzunehmen, wird sie als Teil einer “bösen Weltverschwörung” gedeutet […].

    Interessant sind auch die “VTn” der Gegner von “VTn” (im älteren, verschwommenen Sprachgebrauch)
    Aus heuristischen Gründen könnte durch eine advocata diabola mal alles umgedreht werden.

    Alle kennen zB das Argument, der oder die sei “durch Argumente nicht mehr erreichbar”
    Das liegt zu gefühlten 90% (!) an denen, die so vermeinen.
    Sie weben eine Freund-Feind-Erzählung (nahe Hofstadters “paranoid”-Framing);

    [man lese als atmosphärisches zeitgeschichtliches Dokument nur mal die ersten 50 Kommentare zum Zeit-Interview mit Michael Butter vom 23jan.
    Alle sagen annähernd dasselbe, warum?]

    Dualismus liegt vor {Othering}.

    Die “VTn” der Gegner von “VTn” verdichten sich zwar nicht so pyramidal, aber
    Lagerdenken ist nicht weit von Verschwörungsdenken, oder?
    Gelegentlich sogar mit einem Hauch von Gnosis?

    Da denken viele viel zu negativ. Polarisierung in der Gesellschaft kommt von beiden jeweils beteiligten Seiten.

  5. Zur internationalen Forschungslage:

    (Abteilung psychology)
    Um zB Conspiracy mentality zu messen, braucht es Kriterien.
    zB wird als charakteristisches Merkmal vorgebracht: “Immunisierung gegen Kritik”.

    Stimmt schon. Und Confirmation bias…& & &

    Nun sind das freilich weit verbreitete Phänomene,
    jeder und jede darf gern den ersten Stein…mal ins Auge fassen.

    • Dazu Zustimmung, @Sokrates. Entsprechend weise ich auch in obigem Vortrag darauf hin, dass die psychologischen Grundfunktionen bei fast allen auftreten und Verschwörungsgläubige keine „anderen Menschen“ sind.

  6. Zum Thema Antisemitismus und Verschwörungsmythen hat Frau Anetta Kahane aber eine andere Meinung. Dort heisst es:

    Dieses Jahr der klare Schwerpunkt: Verschwörungsideologien, gerade angesichts der Coronavirus-Proteste. „Verschwörungsideologien haben Antisemitismus als Betriebssystem“, erklärt Anetta Kahane, „wenn Einzelpersonen oder Gruppen als Schuldige an der Misere benannt werden, ist das in Form und Struktur antisemitisch, auch wenn der Beschuldigte Bill Gates ist.“

    Also ist damit jede Verschörungstheorie antisemitisch auch wenn der Verschwörer wie Bill Gates kein Jude ist.

    Ich behaupte mal, daß sie damit klar auf der Linie der Definition des Antisemitismus liegt.

    Gruß
    Rudi Knoth

    • Lieber @Rudi Knoth,

      nur kurz der Hinweis, dass auch Anetta Kahane in obigem Zitat nicht von „Verschwörungstheorien“ schreibt. Und ich verstehe sie so, dass sie ein Verschmelzen jeder Verschwörungsmythologie über eine angebliche Weltverschwörung auch mit antisemitischen Vorwürfen (also einer auch jüdischen Beteiligung) sieht. Entsprechend verweist ja auch die IHRA-Definition auf Verschwörungsvorwürfe gegen Juden und Nichtjuden (z.B. Freimaurer, Linke, Muslime, „Hexen“ usw.).

      Mit freundlichen Grüßen!

      • Entsprechend verweist ja auch die IHRA-Definition auf Verschwörungsvorwürfe gegen Juden und Nichtjuden (z.B. Freimaurer, Linke, Muslime, „Hexen“ usw.).

        Also ist dann “Hänsel und Gretel” dann auch antisemitisch? Denn das Handeln der Hexe in diesem Märchen entspricht ja der Ritualmordlegende die besagt, daß Juden das Blut von christlichen Jungen für ihr Matze benutzen. Dann könnte man soweit gehen, daß die Redensart “frisst kleine Kinder” auch antisemitisch ist. Das Problem, was ich sehe ist, daß man dann auch Juden angedichtete schlechte Charaktereigenschaften oder Handlungsweisen nicht mehr als schlecht bezeichnen darf, weil dies ja antisemitisch sein. Oder lieg ich da falsch?

        Gruß
        Rudi Knoth

        • Nein, @Rudi Knoth, Sie sind nicht auf dem Holzweg. Ich denke, Sie erfassen die Gefahren und Vernetzungen verschiedenster Verschwörungsmythen immer besser. Und sobald wer zu seinen menschenfeindlichen Traditionen dann noch Mythen über eine angebliche, jüdische Weltverschwörung mit hineinpackt (wie es früher oder später leider bei fast allen Verschwörungsgläubigen geschieht) landet er oder sie im Antisemitismus. Habe das im Antisemitismus-Buch auch mit dem Bild eines Canyons beschrieben.

        • Wo ist dass Problem gesehen, wenn man Hexen nicht mehr diskriminieren darf?

          Die Frage ist doch stets; wer benutzt die Hexen als Sündenbock?
          Und warum? Wer darauf reinfällt ist nur Blendwerk; wer hat es mit welcher Absicht in die Welt gesetzt?

          Da immer kritisch bleiben, auch sich selber gegenüber bedeuten muß, denn beim selber denken werden auch Fehler gemacht, aus denen man lernen kann, und nur mit Offenheit gerät die Antwort nicht aus dem Blick, weil die größte Intelligenz zieht mit den falschen Informationen die falschen Schlüsse; oder?

          Grüezi

          • Wo ist dass Problem gesehen, wenn man Hexen nicht mehr diskriminieren darf?

            Es ist genauso wenig ein Problem, wie der Verbot des Jagens von Einhörnern und dem Zubereiten deren Fleisches

            Die Frage ist doch stets; wer benutzt die Hexen als Sündenbock?
            Und warum? Wer darauf reinfällt ist nur Blendwerk; wer hat es mit welcher Absicht in die Welt gesetzt?

            Ende des Mittelalters und in der frühen Neuzeit galten Hexen asl Verursacherinnen für Hage und andere Wetterphänomene.

            Nun noch einmal zum meinem Punkt. Es gab im Mittelalter auch die Ritualmordlegende, in der das Blut von christlichen Jungen für das Matze-Brot verarbeitet von Juden benutzt wurde. Die Hexe in dem Märchen soll ja den Jungen gemästet haben, um ih dann zu verspeisen. Dies erinnert an die Ritualmordlegende. Ist dann damit dieses Märchen antisemitisch?

            Und was würden nach Ihrer Meinung mit jemanden geschehen, der Kinder zu sich lockt, um sie dann zu töten und verspeisen. Sicher wäre die entsprechende Gefängnisstrafe keine Diskriminierung sondern gerecht oder?

            Gruß
            Rudi Knoth

  7. @ Blunting

    Im dortigen Pandemie-Bezug wird Blunting (nach Taylor) verständlich.
    Ein interessanter Artikel.

    Zitat aus der Studie zur Sozialpsychologie von Pandemien

    Deutlich wird also, dass es „die“ perfekte Kommunikationsstragie gar nicht geben kann:
    Wer mit Angstbildern arbeitet, erreicht die Monitoring-Geneigten
    und verärgert die Blunting-Geneigten.

    Wer mehrere wissenschaftliche Stimmen zu Wort kommen lässt, verwirrt Unsicherheitsintolerante und verstärkt ihre Sehnsucht nach klaren Antworten.

    Wer dagegen nur eine wissenschaftliche Position zu Wort kommen lässt, löst Reaktanz aus.

    • Ah, “Reaktanz”. In der Scientology-Theologie nennen sie das “reaktiver Verstand”. Man könnte auch Oppositionsaffekt sagen.
      Im Grunde lösen bei vielen Menschen alle Szenarien diesen Impuls aus.

      Das ist dann auch der Ursprung dieses bipolaren Denkens. Abgesehen davon, das im “crsis-acting” solche Polarisierungen aktiv befördert werden, weil sie Vorteile für bestimmte Gruppen in Gesellschaft hat (meist die Etablierten, die oft davon leben, das sie in der Institutionalisierung ihr Auskommen fanden und darin ihre Netzwerke vorfinden, die sich allesamt gegenseitig absichern).

  8. Solange Rassismus in der Mitte der Gesellschaft ist, braucht man sich über Antisemitismus nicht wundern. Warum gibt es keinen Beauftragten gegen Rassismus?
    Den Xavier Naidoo kenne ich eigendlich als Hip Hop -Beauftragten gegen Antisemitismus, als Brothers Keepers*;
    Der sagt er glaubt an Jah. Doch wer an Jah glaubt, glaubt doch an die Thora, also an die Bibel.
    Ps 68,5 ELB-BK
    “Singt Gott, besingt seinen Namen! Macht Bahn dem, der einherfährt durch die Wüsteneien, Jah ist sein Name, und frohlockt vor ihm!”
    Es gibt Menschen die glauben an Jah Rastafari, das bedeutet wohl sie sehen in Kaiser Haile Selassi einen Messias im Sinne der Bibel.
    Nun weiß ich von einem Zeitzeugen, – der mich darauf aufmerksam machte – dass der erste Staatsgast der Bundesrepublik Deutschland kein geringerer war als seine Majestät
    Haile Selassie der Erste, Macht der Dreifaltigkeit, Negus Negesti, König der Könige, Siegreicher Löwe aus dem Stamme Juda, Herrscher auf dem salomonischen Thron; Tafari Makonnen mit bürgerlichem Namen.

    Welch kaiserliche Bestätigung für die noch junge BRD und ihre Verfassung.
    https://www.deutschlandfunk.de/kaiser-haile-selassie-besucht-die-bundesrepublik.871.de.html?dram:article_id=124966

    *09. August 2018
    I AM MY BROTHER`S KEEPER!
    Ihr erinnert euch – Brothers Keepers, das ist unser NEIN, unsere Stimme gegen Ausländerfeindlichkeit, Rassismus, Rechtsextremismus, Antisemitismus und jegliche Art von Intoleranz!
    https://www.xaviernaidoo.de/news/i-am-my-brothers-keeper
    Adriano – Letzte Warnung
    https://www.youtube.com/watch?v=xXawL-LFgi8

    Psalm 87:7 KJV
    Singers also as players on instruments, All my fountains are in Thee!

    • Verzeihung, so läuft dass, wenn man nicht im Kaiserreich zur Gottesfurcht durch seinen weltlichen Vertreter konditioniert wurde.
      Ich meine selbstverständlich Seine kaiserliche Majestät
      Haile Selassie der Erste, Macht der Dreifaltigkeit, Negus Negesti, König der Könige, Siegreicher Löwe aus dem Stamme Juda, Herrscher auf dem salomonischen Thron; Tafari Makonnen mit bürgerlichem Namen.

  9. Adriano letzte Warnung” reimt sich auf Black Lives Matter!
    Deutscher Hip Hop fing nicht nur mit “Die da” an die Fernseher zu erobern, sondern auch mit Advanced Chemistry – Fremd im eigenen Land!

    Aus dem Rap weiß ich, dass Reime knallhart sein können, wenn sie die Wirklichkeit beschreiben.

    Mein Gitarrenlehrer übrigends wollte mir einst kein Iron Maiden beibringen, deren Musik sei Teufelsmusik, er spiele nur Klassik und Blues.
    Jahre später erfuhr ich, er ist in einer Evangelischen Freikirche, die nicht an die Evolution glaubt; und ich fand heraus, dass Blues auch als Teufelsmusik bezeichnet wurde/wird.

  10. 1.
    Blunting / Abblocken. Wir alle – nicht erst Verschwörungsgläubige – blenden beängstigende Erfahrungen und Informationen (zum Beispiel zur Klimakrise) zeitweise aus, um weiterleben zu können. Bei Verschwörungsgläubigen wird dies jedoch in eine Freund-Feind-Erzählung, eine “Sündenbocksuche” transformiert.

    Meine KritiK:
    Hier werden keine nachvollziehbaren Argumente gegen “Verschwörungserzählungen” angeführt, sondern es werden lediglich unbelegte Psychospekulationen über das Denken der Meinungsgegner präsentiert

    2.
    Dualismus & Verschwörungsmythen.
    Anstatt die subjektiv beängstigende Erfahrung – wie etwa die Emanzipation von Frauen, stärkere Migration, die Klima-Transformation der Wirtschaft oder Pandemie – anzunehmen, wird sie als Teil einer “bösen Weltverschwörung” gedeutet, die von einer “Elite” ausgehe.

    Meine Kritik:
    Es werden keinerlei Gegen-Argumente gegen die These, alles sei “..Teil einer “bösen Weltverschwörung” gedeutet, die von einer “Elite”…….” vorgelegt.

    3.
    Antisemitismus.
    Da das Judentum die erste Religion des Alphabetes und der Bildung (des Semitismus) darstellt, laufen fast alle Verschwörungsmythen auf Judenfeindlichkeit hinaus. Eine Weltverschwörung der Peruaner, Albanerinnen, Quäker oder RadfahrerInnen setzt sich mythologisch nicht durch.

    Meine Kritik:
    Diese These versucht zu vertuschen, dass der Antisemimus und vor allem die Bekanntheit antisemitischer Verschwörungsmythen (vor allem in der “westlich” geprägten Welt) überwiegend eine Folge des jahrtausendelangen christlich- theologischen Antijudaismus ist.

    4.
    Tyrannophilie.
    Wird die (meist jüdische) Weltverschwörung lange und fest genug geglaubt, erwächst schließlich die Sehnsucht nach einem politischen Erlöser, der die eigene “Opfergruppe” durch eine gewaltsame Aktion (“Apokalypse”) erretten werde. Bei QAnon- und manchen Querdenker-Verschwörungsgruppen lief diese Tyrannophilie bspw. auf Donald Trump heraus.

    Meine Kritik:

    Das kann so (gewesen) sein. Muss aber nicht. Es handelt sich hierwiederum um reine Psycho-Spekulationen, die durch keinerlei gehärtete wissenschaftliche Daten belegt werden. Und als Psycho-Verschwörungstheorie eventuell auch kaum verifiziert bzw. falsifiziert werden können.

    Fazit:

    Theoretiker wie K.R.Popper hätten wohl kaum solche Thesen veröffentlicht. (-:

    • Netter Versuch, @little louis. Letztlich behaupten Sie in allen vier Punkten einfach (und Ihrerseits wenig überraschend), dass doch AntisemitInnen Recht haben könnten, weil sie z.B. die Covid19-Impfungen für Fake hielten (Blunting), das Ganze doch tatsächlich eine Weltverschwörung sein könnte (Verschwörungsmythen / Dualismus), hinter dem doch gefühlt auch Juden stecken könnten (Antisemitismus) und es also legitim sei, Donald Trump für den Erlöser zu halten (Tyrannophilie). Empirisch überprüfbare Befunde dazu bringen Sie gar nicht vor…

      Genau wie schon seit Jahren auch bei den Einsteinschen Relativitätstheorien verweigern Sie einfach die wissenschaftliche Methoden, wollen aber Ihre gefühlten, alternativen und, ja, antisemitischen Wahrheiten als überlegen anerkannt wissen (Induktion).

      Das können Sie selbstverständlich weiter so machen und als verschwörungsgläubiger Internet-Troll erinnert werden. Für diesen Blog ist das durchaus interessant, Danke. Ich würde Ihnen nur menschlich weit mehr zutrauen (schon dieses opfer-weinerliche „little“ finde ich für einen Erwachsenen unangebracht) – aber letztlich bleibt es Ihre Entscheidung…

      Alles Gute, von Herzen!

  11. “Little BIG”- Louis erkennt sich in Michael Blumes Charakterisierung seiner persönlichen “Eigenschaften” kaum wieder.Besonders auch was Realativitätstheorien usw. betrifft. Ich denke M.B. ist besonders in letzter Zeit derart auf “Verschwörung” fixiert, dass es ihm immer schwerer fällt, sich ein halbwegs objektives Bild von einem “little- big” Kommentator zu machen. Insbesondere ein solches, das etwas weniger mit “ad hominem” – Vorurteilen gespickt ist .
    Aber wirklich. (-:

    • Super, Big Louis – wachsen Sie über sich hinaus, hören Sie auf, Verschwörungsmythen und Antisemitismus zu verbreiten, erfreuen Sie sich an Künsten, guten Büchern und Wissenschaften!

      Wenn ich zu Ihrem inneren Wachstum weiter beitragen kann, gerne! Für manche früheren Kommentare müssten Sie sich dann auch gar nicht mehr schämen. ☺️

  12. Lieber Herr Blume!

    Ich bin nun leider lange nicht mehr zum Lesen ihres Blogs gekommen. Dennoch musste ich oft an ihre Ausführungen zum Antisemitismus denken im letzten Jahr. Im Endeffekt hat es mich ganz schön überrascht in welcher Heftigkeit Antisemitismus und Verschwörungsmythen im Rahmen dieser Pandemie auf gekommen sind – teilweise bei Leuten bei denen man gar nicht damit rechnet. Ich musste mehr oder weniger meine Facebooktaktivitäten einstellen, weil ich es nicht ertragen habe was da für ein Irrsinn auf mich eingeprasselt ist – von Leuten die ich im echten Leben kenne und die ich wohl früher eher als links/alternativ eingestuft hätte. Was mich interessieren würde: Hatten sie eigentlich am Anfang der Pandemie mit dieser Entwicklung (und vor allem der Heftigkeit) gerechnet? Glauben sie dass es nach der Pandemie einfach wieder zurück zur “Normalität” geht, oder ist die Saat nun gesät und wir haben hier ein dauerhaftes Problem?

    • Und weiters: Ich werde ihre Blogbeiträge so es meine Zeit zulässt nachlesen. Im Besonderen wäre ich an Strategien interessiert wie man mit diesem Wahnsinn im persönlichen Umfeld umgehen soll – vielleicht werde ich ja fündig. Für eine Leseempfehlung zu dem ein oder anderen Blogbeitrag diesbezüglich wäre ich dankbar.

    • Vielen Dank, lieber @Cliff. Tatsächlich hatte ich die Wucht des Verschwörungsglaubens prognostiziert, aber die Gegenwehr der Vernünftigen war stärker denn je. Schon im Juni prognostizierte ich in „Verschwörungsmythen“ (Patmos) die Niederlage von Trump und QAnon, die dann ja auch – knapp – eintraten. Das könnte für Sie interessant sein.

      Mit Hoaxilla hatte ich Ende 2020 die Verbreitung des Verschwörungsmythos vom „Great Reset“ prognostiziert, also eine vom Heartland-Institut gestartete Kombination aus Covid19-Plandemie, Anti-Impfung und Leugnung der Klimakrise. Doch insgesamt sehe ich Fortschritte – bei der OB-Wahl in Stuttgart erzielte Querdenken-Gründer Michael Ballweg gerade noch 1,2 Prozent…

      • Ah das Blog gibt es mittlerweile als Buch! Das ist ja sehr praktisch für mich – so brauche ich mich nicht durch alle Blogbeiträge zu “wühlen”. Habe mir das Ebook soeben zugelegt, danke für den Tipp. Und wenn ich damit nebenbei ihre wichtige Arbeit auch ein klein wenig unterstützen kann ist mir das nur doppelt recht!

  13. Lieber Michael Blume,

    man kann da entlang oder woanders entlang – oder eben garnicht.

    Eiinsichtsleitend war dabei für mich stets die von Ernst Meister aufgeworfene Frage, ob „Staub zu sein/kein Amt“ sein könnte oder nicht.

    Da Sie mit Recht mir schrieben, weniger könne mehr sein, halte ich es mit Ihnen: Diskursverlust ist kein Unfall.

  14. ..“,Immer noch sehen wir uns die schweren Beschädigungen an Geistesgegegenwart durch die damalige Adolf Hitler Admin vglsws recht geduldig an“..,.

    wir bleiben gespannt: und bemerken: Volkesmeinung gleich Richtersmeinung und erinnern Freisler: …“ja Sie, Sie Lumpenpack: man hört schon wie Sie denken“…

  15. anders formuliert im damalas herrschenden Volksgerichtshof:…
    „ah, wiedermal ein Künstler: wissense Schmierant eigtl was Kunst ist?“

    nach so einer Packung wird man stumm und sieht zu, daß man dieses Land besser verlässt

    qed

  16. @Blume
    Ich muss mal ganz plump nach einer Quelle fragen.

    Sie behaupten im frühen Judentum hätte es eine “Schulpflicht” gegeben, so dass Lesen und Schreiben weit verbreitet war – viel weiter als in allen anderen Kulturen.
    Ich konnte bisher nur Angaben finden, die einfachste Lese- / Schreibkenntnisse im alten Judentum von ca. 10% bis max. 20% belegen (einfachst wie den eigenen Namen schreiben). Bei einer breit angewendeten Schulpflicht würde man aber deutlich höhere Werte erwarten können.

    Haben Sie eine wissenschaftliche Quelle, die ihre Behauptung stützt? Ist das eine ganz neue Erkenntnis?
    Ich konnte da nichts finden JSTOR z.B. hat da nichts geliefert.

    • Klar, @einer: Neben den zahlreichen, faszinierenden Ausführungen im “Babylonischen Talmud” selbst u.a. das großartige “Juden und Worte” von Fania Oz-Salzberger und Amos Oz. Ebenso das “Handbuch für jüdische Studien”, herausgegeben von Christina Braun und Micha Brumlik, u.a. mit eigenen Kapiteln zu “Jüdische Bildung und Erziehung” (Brumlik), “Oralität und Literalität” (Stefan Schreiner) und “Literatur” (Irmela von der Lühe).

      Und, nein, kein Mensch behauptet, die religiöse Verpflichtung zum Lesen und Schreiben hätte schon den Bildungsstandards israelischer Hochschulen im 21. Jahrhundert entsprochen…

  17. Despite this schooling system, many children did not learn to read and write. It has been estimated that at least 90 percent of the Jewish population of Roman Palestine in the first centuries CE could merely write their own name or not write and read at all, or that the literacy rate was about 3 percent. Exact literacy rates among ancient Jews in Roman Palestine cannot be determined

    https://en.wikipedia.org/wiki/History_of_education_in_ancient_Israel_and_Judah

    Das klingt nicht so berauschend; auf nur 3% kam man woanders vermutlich auch.
    Das ist jetzt aber auch nur die Wiki.

    • Nun, @einer – nichts gegen Wikipedia. Aber die (im religiösen Sinne) Laienbewegungen der Pharisäer und der Rabbiner belegt doch klar, dass eben doch “ausreichend” Juden Lesen und Schreiben konnten, um Religionsgeschichte zu schreiben…

      • Ich guckte ja nicht nur in die Wiki – wie ich auch schon schrieb, sondern fand halt keine wissenschaftliche Arbeit, die die Behauptung stützt. In der Fachliteratur finde man halt nur so geringe Zahlen wie in der Wiki, daher fragte ich.

      • Ich habe was gefunden!

        “Writing about Writing: Abecedaries and Evidence for Literacy in Ancient Israel”; Richard S. Hess; Vetus Testamentum; Vol. 56, Fasc. 3 (Jul., 2006), pp. 342-346 (5 pages)
        Das soll mir reichen 😉

        Wichtig fand ich vor allem auch, dass es nicht nur die Zeit des zweiten Tempels betrifft, sondern auch die Zeit davor … sonst wäre es für die griechischen Buchstaben z.B. zu spät gewesen.

    • @einer
      die gefunden Ostraka aus vorexilischer Zeit sprechen eine andere Sprache. Auch die einfachen Soldaten konnten lesen und schreiben.
      Als kurze Einführung empfehle ich https://www.bibelwissenschaft.de/wibilex/das-bibellexikon/lexikon/sachwort/anzeigen/details/brief-briefformular-at/ch/2f4d927c5f187b81c443d2bc6c92e302/ und die dort angegebene Literatur.
      Wahr ist auch: im höheren Alter überließ man das Lesen und Schreiben gern Jüngeren wegen der Presbyopie (Altersweitsichtigkeit) den Jüngeren. Aber daraus eine wenig verbreitetete Lese- und Schreibkompetenz zu konstruieren würde bedeuten Cicero und Paulus als Analphabeten zu charakterisieren.

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