CDU Nürtingen Neujahrsrede: Antisemitismus, Deutschland-Israel und Wasserkrise

Auf die Neujahrsrede bei den Freundinnen und Freunden der CDU in Nürtingen hatte ich mich schon länger gefreut. Nachdem es eine starke Ankündigung in der Nürtinger Zeitung (“Michael Blume kommt”), viele Anmeldungen und sogar Nachfragen im Büro gegeben hatte, sagte ich zu, die Notizen nach der frei gehaltenen Rede in ein Manuskript auszuarbeiten und dieses zur Verfügung zu stellen.

Großes Rede an der CDU-Neujahrsrede “Krisen, Kriege und Antisemitismus – Wie stabil ist unsere Demokratie?” von Dr. Michael Blume am Dreikönigstag in der Kreuzkirche Nürtingen. Grafik mfG: CDU Nürtingen

Hier ist die Rede also als Fließtext und auch als pdf-Dokument für Interessierte:

Liebe Anja, lieber Michael (Hennrich, MdB),

es ist mir eine Ehre, Dich heute nach 20 Jahren im Amt als großartigen Bundestagsabgeordneten zu verabschieden; aber als Freund zu behalten.

liebe Nathalie (Pfau-Weller, MdL), wir sind froh, dass Du für uns im Landtag Baden-Württemberg bleibst – und ich möchte Dir für Deine auch wissenschaftliche Arbeit zu den Folgen der Klimakrise danken,

liebe Christa, lieber Jörg (Döpper, MdL a.D.),

lieber Elmar (Müller, MdB a.D.),

lieber Matthias (Hiller), Danke Dir stellvertretend für Dein Team, dass diesen Neujahrsempfang möglich gemacht hat,

lieber Thaddäus (Kunzmann), da Dein Geburtstag auf den heutigen Feiertag fällt, ein besonderes Happy Birthday!

Liebe Freundinnen und Freunde der demokratischen Parteien, stellvertretend Michael Jahn für den Kreisverband der Grünen,

liebe Vertreterinnen und Vertreter der Kirchen und Religionsgemeinschaften,

liebe Gäste,

vielen Dank für die große Ehre, dass ich heute zum Neujahrsempfang zu Ihnen und Euch sprechen darf! Normalerweise werden Beauftragte gegen Antisemitismus ja eher in Varianten begrüßt wie: „Dr. Blume, Ihre Arbeit ist unglaublich wichtig – aber machen Sie sie doch bitte woanders!“ Und dann habt Ihr mir auch noch ein echtes Gute-Laune-Thema gestellt: „Krisen, Kriege und Antisemitismus – Wie stabil ist unsere Demokratie?“!
Wir leben ja im Zeitalter der sogenannten Polykrise, in der sich mehrere Umwälzungen überschneiden: Die Medienkrise und der Angriff Russlands auf die Ukraine, die Covid19-Pandemie, Wirtschafts-, Energie- und Klimakrise. Einerseits strömen Geflüchtete aus dem bereits zerfallenden eurasischen Gürtel und aus Afrika zu uns, andererseits verzeichnen wir einen enormen Arbeitskräfte- und inzwischen auch Lehrkräftemangel, der von Unternehmen bis hin zu Schulen und Verwaltung immer tiefere Spuren hinterlässt.

Ich weiß nicht, ob es Ihnen auch so geht: Mir persönlich hängt das Wort „Krise“ manchmal zu den Ohren heraus. Aber wir müssen uns der Tatsache stellen, dass wir in ein heißes 21. Jahrhundert gehen.

Alle Staaten sind bereits im Stresstest und alle Diktaturen sowie auch viele Republiken scheitern daran. Ich darf daran erinnern, dass #onthisday, genau heute vor 2 Jahren ein US-Präsident gegen seine Abwahl einen Mob aus Rechtsextremisten und Antisemiten gegen das Kapitol entfesselte.

Auch beispielsweise in Brasilien geriet die Demokratie an die Grenze und eine absolute Mehrheit von 51 Prozent der Britinnen und Briten bereut laut neuer Umfragen inzwischen den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union. Wir werden noch oft vor Wahlergebnissen zittern oder auch erschauern wie etwa in Ungarn, Italien, Polen und jetzt auch Israel, ebenso wie in knappen Wahlgängen etwa in Frankreich und Österreich.

Neujahr ist also auch die perfekte Möglichkeit, zurück und nach vorne zu schauen: Der Januar ist nach dem römischen Gott „Janus“ benannt, der Gottheit des Gestern und des Morgen. Der Gott wird auf römischen Münzen daher oft mit zwei Köpfen dargestellt und Sie kennen vielleicht noch den Ausdruck „janusköpfig“.

Und der erste Januartag, Neujahr, feiert den Tag, an dem Jehoschua – griechisch: Jesus – seinen Namen und die Beschneidung, Brit Mila, erhielt. Die drei großen Alphabet-Traditionen des Mittelmeeres – die israelitische, die griechische und die römische – vereinigen sich an Advent und Chanukka, an Weihnachten und Neujahr zum mächtigen Strom des Miteinanders unserer Kultur. Ich habe in diesem Jahr an gemeinsamen, interreligiösen Feiern in Pforzheim, Stuttgart und Tübingen mitwirken dürfen und darf Ihnen auch aus der Perspektive von Religionsgeschichte sagen: Gegen allen Hass war auch noch nie so viel Gemeinsamkeit, noch nie so viel Licht!

Moderationskarten zur interreligiösen Chanukka-Advents-Feier in Pforzheim, 18.12.2022. Foto: Michael Blume

Wir sind als Demokratinnen und Demokraten aller Religionen, Weltanschauungen und Parteien zueinander keine Feinde. Demokratie braucht Vielfalt und Wettbewerb, doch wir bleiben verbunden durch gemeinsame Überzeugungen und Suche nach Wahrheit, durch Dialog und einen reflektierten Monismus. Ein Grund, warum gerade auch Baden-Württemberg von rechten, libertären und manchmal auch linken Feinden der Republik immer wieder angegriffen wird, ist der, dass sich unsere demokratischen Parteien untereinander als koalitionsfähig und zugleich als stabil gegenüber vor allem rechten Extremisten erwiesen haben! Ich danke gerade auch der CDU Baden-Württemberg dafür, dass sie Sirenengesängen von Rechtsaußen bisher immer widerstanden hat; und wünsche mir, dass diese klare Abgrenzung auch in anderen Bundesländern ohne Wenn und Aber weiterhin gilt!

Denn wir sehen es doch gerade in den USA, liebe Freundinnen und Freunde: Wo Republikaner aufhören, echte Republikaner zu sein, sondern sich in feind-seligen Dualismus und Verschwörungsmythen verlieren, da gerät das Ganze der Demokratie ins Wanken!

Und wir sehen es am grausamen und blutigen Scheitern der Diktaturen in Russland, im Iran und in China, dass uns nur die Staatsform der Republik durch das 21. Jahrhundert der Klima- und vor allem Wasserkrisen bringen kann. Doch wir sehen gleichzeitig auch, dass es keine Demokratie gibt, die nicht immer und immer wieder von außen – wie die Ukraine – oder von innen – wie die Europäische Union – angegriffen wird.

Auch in Deutschland wird unsere Staatsform von einer breiten Querfront verachtet und angegriffen, die von rechtsextremen Reichsbürgern über egoistische Marktlibertäre bis hin zu schlecht integrierten Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund reicht. Ich muss es Ihnen leider in aller Deutlichkeit sagen: Wenn wir weiterhin zulassen, dass demokratische Gewählte von Kommunen bis zu den Parlamenten, dass Rettungsdienste, Feuerwehr und Polizei verhöhnt und angegriffen werden, dann geben wir die Republik ihren Feinden preis! Karl Popper hat uns mit dem Toleranzparadox daran erinnert, was passiert, wenn sich die Demokratien ihrer Feinde nicht früh genug erwehren.

Ich erkenne an, dass unser Rechtsstaat langsam wehrhafter wird und die falsche Toleranz gegenüber pseudo-bürgerlichen Extremisten einerseits und Integrationsverweigerern andererseits langsam ablegt. Aber ich wünsche mir, dass wir dies beschleunigen und gemeinsam bekennen: Wir wissen, dass keine Republik jemals perfekt sein kann. Doch wer Trolling und Gewalt einsetzt, um das zu zerstören, was wir gemeinsam erreicht haben, hat keine falsche Toleranz verdient.

Reichsbürger sind nicht niedlich und gerade auch Baden-Württemberg zeigt, dass Integration auch gegen Rassismus durchgesetzt werden kann und durchgesetzt werden muss. In einer gemeinsamen Kinovorführung mit Arye Shalicar haben wir uns mit der Jugend eines Juden in sogenannten „Problembezirken“ Berlins befasst. Und ich möchte unserem Landesvorsitzenden und Innenminister Thomas Strobl ausdrücklich beipflichten, wenn er betont, dass wir in Baden-Württemberg bisher solche Verhältnisse nicht haben – und auch in Zukunft nicht haben wollen!

Wir haben eine gemeinsame Zukunft – und müssen gerade deswegen mehr für Bildung und Integration tun und all jenen entgegentreten, die diese Gemeinsamkeit zerstören wollen!

Deswegen wurde mein Amt auch durch einen Beschluss unseres Parlamentes angelegt, dem alle Fraktionen des Landtags zustimmten – bis auf eine. Und deswegen stehe ich auch gerne allen Parteien unseres Landtags zur Verfügung – bis auf eine.

Mehr noch: Ich danke Ihnen allen, dass Sie sich – wie ich es auch tue – durch Mitgliedschaft und Engagement in einer demokratischen Partei für unsere immer wieder bedrohte Republik einsetzen! Doch mir stehen Engagierte in anderen Parteien, in anderen Kirchen und Religionsgemeinschaften, in Vereinen und föderalen Internet-Medien wie Wikipedia und Mastodon näher als all jene, die die Demokratie nur wie Kunden betrachten – das ist Relativismus – oder gar feind-selig bekämpfen, das ist Dualismus. Wer sich zu schade für die Wahl demokratischer Kandidierender, für die Achtung der Gesetze und auch für eigenes Engagement ist, zeigt einen Mangel an Einsicht und Charakter.

Der 6. Januar – Heilige Dreikönige – ist dabei das perfekte Datum, diese Frage aufzurufen. Denn dieses Fest erinnert an die Legende, dass Gelehrte aus dem Osten einen kleinen Juden – Jehoschua, griechisch Jesus – besuchten, beschenkten und vor Verfolgung warnten.

Warum aber gedenken wir heute eines jüdischen Arbeiterkindes, nach dem sogar unsere Zeitrechnung gestaltet ist – wogegen den römischen Kaisern Cäsar und Augustus gerade noch zwei Sommermonate geblieben sind?

Nun, das Judentum bildete die erste Religion der Alphabetisierung und damit das erste Volk der Schrift. Seitdem die ersten Alphabetzeichen im 18. Jahrhundert vor Christus auf dem Sinai – ja, auf dem Sinai – entstanden, entfaltet sich gegen erbitterte und oft mörderische Widerstände eine mediale Demokratisierung. Auch das Christentum, auch der Islam, auch die Bahai und alle großen nichtreligiösen Weltanschauungen der Menschheit begründeten sich auf Alphabetschriften. Nicht Genetik oder Weltverschwörungen, sondern unser Grund-Medium der Alphabetschrift ist der Grund dafür, dass Papier und Buchdruck zwar in China entstanden, aber in Europa „zündeten“.

In Europa war Gelehrsamkeit bis zu Buchdruck und Reformation das Vorrecht weniger geblieben, weswegen die drei Gelehrten und Sterndeuter zu „drei Königen“ umgedeutet wurden. Der im späteren Leben zunehmend papst- und judenfeindliche Martin Luther wollte diese „Heiligenverehrung“ sogar ganz verbieten. Die römisch-katholische Theologie reagierte jedoch darauf klug: Sie änderte das regionale K – M – B für Kaspar, Melchior und Balthasar in C – M – B, so dass es weiterhin als Nennung der Namen, aber auch als christlicher Segen gelesen werden konnte: Christum Mansionem Benedicat – Christus segne dieses Haus. Und sie entzog den umherziehenden, „wilden“ Dreikönigen gewissermaßen die Lizenz, die nicht selten im Wirtshaus geendet hatte, und setzte an ihre Stelle Kinder, die als kirchlich beauftragte Sternsinger Geld für gute Zwecke sammeln; Jahr für Jahr auch in Baden-Württemberg.

Obwohl ich einigem in seiner Amtsführung wenig abgewinnen konnte und mir insgesamt viel mehr Mut zu Reformen wünsche, möchte ich mit diesem kleinen Lob katholischer Weisheit doch auch den gerade verstorbenen Papst Benedikt XVI. würdigen – den ersten deutschen Papst seit Jahrhunderten.

Und wir sehen: Selbst ewig wirkende Institutionen wie Neujahr und Dreikönigstag sind immer wieder Veränderungen und Krisen unterworfen. Die Frage ist nicht, ob menschliche Gesellschaften von Umwälzungen und Katastrophen wie Pandemien betroffen sind; sondern wie und in welcher Staatsform sie darauf reagieren!

Republik und Krisen

Krisen und auch Angriffe von innen und außen gehören leider zum Normalzustand jeder Republik. Der erste, mutige Versuch dazu in Deutschland fand schon 1793 in der Stadt des Buchdrucks, in Mainz, statt – und wurde brutal niedergeschlagen.

Ein zweiter Versuch ab 1848 hatte tiefe Wurzeln im Badischen, so mit dem Aufstand um Friedrich Hecker und der Ausrufung der Republik durch Gustav und Amalie Struve in Lörrach.

Und vor genau einhundert Jahren, 1923, putschte Hitler mit NS-Verbündeten gegen die dritte, die Weimarer Republik. Der Putsch wurde niedergeschlagen, aber die Justiz erwies sich damals als allzu nachgiebig gegenüber den rechtsextremen Feinden der Republik. Es war ein Fehler, aus dem wir lernen sollten.

Die Opfer des Zweiten Weltkrieges und der Schoah mahnen uns, aus der Geschichte zu lernen. Und ich möchte die Gelegenheit nutzen, Ihnen, der Stadt Nürtingen dafür zu danken, dass Sie mit einer Skulptur für Anton Köhler bewusst auch einem Sinti-Waisenjungen gedenken, den die Nationalsozialisten im Alter von gerade einmal 12 Jahren im Konzentrationslager ermordeten. Denn auch hier wird deutlich: der Glaube daran, dass alle Republiken von einer angeblichen jüdischen Weltverschwörung beherrscht würden, bedroht immer auch, aber niemals nur jüdisches Leben. Antisemitismus ist in den Worten des großen Rabbiners Jonathan Sacks, seligen Angedenkens, jener Hass, der immer bei den Juden beginnt, aber nie bei ihnen endet.

Mein Team und ich erleben es täglich: Wo Judenfeindlichkeit wütet, sind Frauenhass, Rassismus und Antiziganismus nicht weit. Ich bitte Sie daher, mit mir den Antisemitismus auch, aber nicht nur „den jüdischen Gemeinden zuliebe“ zu bekämpfen. Wer einheimische oder auch zugewanderte Antisemiten gewähren lässt, schadet und bedroht letztlich unser aller Zusammenleben, sogar die Zukunft der Antisemiten selbst!

Heute müssen wir uns der bitteren Tatsache stellen, dass sogar eine ehemalige AfD-Bundestagsabgeordnete und amtierende Berliner Richterin an einem mutmaßlichen Putschversuch gegen die vierte Republik, unsere Bundesrepublik, beteiligt war!

Durch das Aufkommen neuer Medien – damals elektronisch, heute digital – entstehen eben nicht nur unfassbar große und wundervolle Möglichkeiten für Bildung und Wissen; sondern auch neue Einfallstore für Radikalisierung, Hass und Hetze.

Und nun wissen Sie, warum ich als braver schwäbischer Beamte in „Blume versus Twitter international“ gegen im letzten Jahr noch reichsten Mann der Erde, Elon Musk, vor ein Gericht zog. Ich kann und will auch als Betroffener gemeinsam mit meinem Anwalt Chan-jo Jun und HateAid durchsetzen, was eigentlich selbstverständlich sein sollte – dass sich auch russische, chinesische, US-rechtslibertäre, dass sich auch internationale Konzerne an deutsches und europäisches Recht zu halten haben!

Mit Anwalt Chan-jo Jun und HateAid gegen digitalen Hass. Foto: Michael Blume

Ich stelle mich Hohn und Hetze, Trolling und Verleumdung auch aktiv, wenn dadurch deutlich wird: Hass darf kein Geschäftsmodell sein! Denn: Wenn ein Mediensystem kaputt ist, stürzt die Demokratie ab.

Ich unterstütze unsere lokalen und regionalen Zeitungen nicht nur, weil mein Vater und ich selbst solche ausgetragen haben. Mir ist auch keine einzige Demokratie bekannt, die jemals ohne starke, kommunale Medien funktioniert hätte. Deswegen ist die erste Pflicht und Freude jeder Demokratin und jedes Demokraten das Lesen – und zwar das Lesen von Inhalten.

Daher begrüße ich es sehr, dass wir alle inzwischen auch Internetmedien nutzen und uns darin etwa zu Büchern wie Winnetou Junior äußern. Aber ich bitte Sie und uns mit ganzem Ernst: Lassen wir nicht zu, dass der Eindruck entsteht, dass Winnetou das letzte Buch gewesen wäre, dass wir gelesen haben. Ich wünsche mir, dass auf jedem Social-Media-Account jedes demokratischen Hauptamtlichen mindestens einmal im Halbjahr eine Zeitung und ein Sachbuch erscheinen! Lassen wir nicht zu, dass Menschen glauben, Bildung ende mit der Ausbildung und die Republik beschränke sich auf bunte Bilder. Es ist anders: Demokratien entwickeln sich auch mit ihren Wissenschaften und Technologien – oder sie gehen unter.

Antideutscher Dualismus & Antisemitismus

Liebe Freundinnen und Freunde: Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich.

Der antideutsche, feind-selige Dualismus gegen die Staatsform einer demokratischen Republik des deutschen Volkes formierte sich im 19. Jahrhundert vor allem im rechtsextremen Gewand, aber auch von damals Anarchisten genannten Libertären, die jede Staatlichkeit ablehnten und von Linksextremisten, die die Republik bestenfalls als Vorform zum Kommunismus betrachteten.

Und dieser antideutsche Dualismus war von Ernest Renan über Wilhelm Marr bis Michail Bakunin von Anfang an mit antisemitischen Verschwörungsmythen durchzogen – und ist es auch heute noch. Auch die Idee der Republik Israel – formuliert und ausgerufen in unserem direkten Nachbarkanton Basel-Stadt – traf auf den Widerstand antizionistischer und also antirepublikanischer Dualisten. Bis heute sind sich Rechtsextreme, religiöse und libertäre Fanatiker wie auch linke BDS-Apologeten darin einig, dass das Judentum keine Republik hätte begründen dürfen.

Und am 18. März diesen Jahres jährt sich die knappe Annahme des Luxemburger Abkommens zwischen den jungen Republiken Israel und Deutschland durch den deutschen Bundestag zum 70. Mal.

Hier wurden die demokratischen Gemeinsamkeiten konkrete: Bundeskanzler Konrad Adenauer erreichte gegen Rechte und Antisemiten auch in den damaligen Unionsfraktionen nur eine knappe Mehrheit für das Luxemburger Abkommen, weil ihn die SPD aus der Opposition heraus unterstützte!

Und der von den Nazis Verfolgte wurde auch Ziel eines Bombenattentates von israelischen Antideutschen, die nach den Menschheitsverbrechen des Holocaust auch die Bundesrepublik nur als Fortsetzung des Faschismus und Nationalsozialismus wahrnahmen. Entsprechend gab und gibt es auch heute noch sogenannte, rechte, libertäre und linke Antideutsche in Deutschland wie in Israel, die unsere beide Republiken dualistisch gegeneinander ausspielen und letztlich „überwinden“ wollen.

Ich habe daher vorgeschlagen, diesem bedeutenden Luxemburger Abkommen in diesem Jahr zu gedenken, an dem gebürtige Baden-Württemberger auf deutscher wie auch israelischer Seite federführend beteiligt waren: Otto Küster, Franz Böhm, Felix Shinnar verdienen es, ins historische Bewusstsein gerückt zu werden!

Und ich möchte deutlich machen, was es bedeutet, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Knesset – dem Parlament unseres Verbündeten Israel – in deutscher Sprache sprechen durfte. Die deutsch-israelischen Beziehungen berühren den Kern unserer Selbstverständnisse als verbündeter, ja befreundeter Republiken. Gerade auch angesichts des Rechtsrucks im israelischen Parlament brauchen wir ein freundschaftliches Miteinander auf Augenhöhe, das auch die Bereitschaft zur ehrlichen Kritik einschließt.

Es gibt so viel zu tun! In ihrer neuen, repräsentativen Befragung „Deutschland und Israel heute“ fand die Bertelsmann-Stiftung, dass Deutsche Israel weiterhin am meisten mit dem Wort „Krieg“ verbinden, Israelis wiederum Deutschland vor allem mit „Holocaust“. Eine Mehrheit von 58 Prozent der Israelis war noch nie in Deutschland – und unfassbare 93 Prozent der Deutschen noch nie in Israel; immerhin auch dem Geburts- und Wirkungsort Jesu.

Laut der bereits erwähnten Bertelsmann-Studie haben 71% der befragten Israelis, die sich als „säkular“ einstuften, eine „sehr gute“ oder „ziemlich gute“ Meinung vom heutigen Deutschland. Unter den sich „traditionell“ verstehenden Jüdinnen und Juden sind es noch immer 58 Prozent; doch unter jenen, die sich als „religiös“, ja „haredisch“ / ultraorthodox einstuften, ist es nur noch eine Minderheit von 40 Prozent. Wenn wir nicht dialogisch aktiver werden, könnten wir einander verlieren.

So setze ich mich für den Ausbau des SCORA-Schüleraustausches zwischen baden-württembergischen und israelischen Schulen einerseits ein, um möglichst viele unserer Kinder und Lehrkräfte gegen Antisemitismus zu wappnen; aber ebenso, damit israelische Kinder und Lehrende positive Erfahrungen mit unserer Republik im Herzen der Europäischen Union machen können. Ich meine, das ist die beste Friedens- und Demokratiearbeit, die wir leisten können!

Es wäre auch für Deutschland und die EU ein schwerer Verlust, wenn Israel als derzeit einzige funktionierende Demokratie des Nahen Ostens in rechtsextremes und religiös-dualistisches Fahrwasser abdriften sollte! Ich bitte Sie, dass wir gemeinsam als Juden, Christinnen und Muslime, als Anders- und Nichtglaubende das unsere tun, um die kostbare Freundschaft der deutschen und der israelischen Republik gegen alle antizionistischen wie auch antideutschen Feinde zu wahren und zu mehren!

Was wird die nächste und größte Krise unserer Republik?

Und so möchte ich vom Rückblick in den Zukunftsmodus schalten und mit Ihnen in die große, kommende Krise schauen – die Klimakrise löst eine eskalierende Wasserkrise aus. Mein erster Termin des Jahres 2023 war eine Vertretung unseres Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann bei den Makkabi Winter Games in Ruhpolding in den bayerischen Alpen – die ersten Makkabi-Winterspiele seit 1936!

Es war ein unglaublich bewegendes Ereignis, bei dem ich Freunde wie den Makkabi-Vizepräsidenten Alfi Goldenberg, langjähriges Mitglied meines Expertenkreises, treffen konnte. Alfi feierte mit uns nicht nur dieses besondere Ereignis, sondern auch die Geburt von Zwillingen, die seiner Frau und ihm vor wenigen Wochen geschenkt worden sind.

Ich schoss entsprechend einige Fotos und eines von der deutschen Makkabi-Mannschaft wurde sogar zum Artikelfoto der Jüdischen Allgemeinen!

Das Foto aus diesem Tweet machte in der JA “Karriere”. Foto & Screenshot: Michael Blume

Bei aller Freude fiel uns mit allen Gästen aus dem In- und Ausland jedoch auch schmerzlich auf: Zu den Winter Games gab es keinen Winter mehr.

Bei Rekordtemperaturen bis zu 20 Grad über Neujahr hatte sich gar keine feste Schneedecke mehr bilden können. Schon die Sommermonate des Jahres 2022 waren in den Alpen so heiß gewesen, dass Deutschland mit dem Südlichen Schneeferner einen seiner fünf Gletscher wohl für immer verlor. Und beim Anblick des niedrigen Wasserstandes der Weißen Traun wurde mir schwer ums Herz…

Liebe Freundinnen und Freunde, einige von Euch wissen, dass ich 2015/16 ein humanitäres Sonderkontingent im Irak leiten durfte. Schon damals war die Klimakrise in ein Verglühen der Berge, Vertrocknen der Flüsse und Dürren übergegangen, die quer durch den eurasischen Gürtel Hitzemord-Gewalt hervorruft. Jahr für Jahr werden größere Regionen von Mesopotamien, wörtlich des Landes „zwischen den Flüssen“ unbewohnbar, in denen mit dem fruchtbaren Halbmond, Uruk und Babylon einige der ältesten Siedlungs- und Stadtgebiete der Menschheit umfasst sind. Die Auslandsjournal-Sendung „Klimakrise im Irak – Menschen flüchten vor der Dürre“ schafft es in kaum mehr als 6 Minuten, das Kippen ganzer Landstriche darzustellen – eine Empfehlung für Mutige.

Und so muss ich Ihnen also schon jetzt sagen, dass ich die Wasserkrise für die nächste große und grundlegende Herausforderung aller Staaten und insbesondere auch unserer Republik halte; an der sich entscheiden wird, welche menschlichen Gesellschaften überleben. Wir können die Wasserkrise noch immer abbremsen und uns für sie wappnen; verhindern können wir ihr Auftreten nicht mehr.

Die globale Erhitzung verläuft in Gebirgsregionen schneller, da sich Bergflanken erwärmen, die Eisdecke verlieren und der freigelegte, dunkle Boden wiederum Wärme aufnimmt. Im Alpenraum sind wir bereits bei über 2 Grad Erhitzung angelangt. Und das bedeutet, dass immer weniger Wasser als Eis und Schnee auf den Bergen bleibt, sondern direkt abfließt – was zu schnellen Wechseln von Hochwassern, Dürren und schließlich zu einem Verlust an Flusswasser und Grundwasser führt. Schon in diesem Jahr haben wir die Auswirkungen am Rhein, aber auch am italienischen Po-Fluss gesehen, der so trockenfiel, dass Salzwasser aus der Ägäis einströmte.

Wasserkrise & Otto Hirsch-Auszeichnung

Die Wasserkrise wird feind-seligen Dualismus, Verschwörungsmythen und Antisemitismus befeuern und zerreißt schon jetzt betroffene Regionen quer durch den eurasischen Gürtel wie etwa in Algerien, in Lybien oder im Iran.

Als ein Zeichen der Hoffnung habe ich Ihnen ein Exemplar der Otto-Hirsch-Auszeichnung mitgebracht, die ich letzten Juli im Stuttgarter Rathaus entgegennehmen durfte. Diese gemeinsame Auszeichnung durch die Stadt Stuttgart, die israelitische Religionsgemeinschaft Württembergs und die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit bedeutet mir persönlich auch deswegen sehr viel, weil sie direkt auf den großen Oberbürgermeister von Stuttgart, Manfred Rommel (CDU) zurückgeht.

Die Otto Hirsch-Auszeichnung 2022, künstlerisch in Glas & Beton gestaltet von Christine Braun. Foto: Michael Blume

Die Nazis hatten auf direkten Befehl Hitlers Rommels Vater, Generalfeldmarschall Erwin Rommel, vor die schreckliche Entscheidung gestellt, sich selbst zu suizidieren oder mitsamt seiner Familie durch einen Schauprozess mit anschließender Hinrichtung gezerrt zu werden. Der Vater hatte den Tod auf sich genommen, auch um seine Liebsten zu schützen.

Und so gehörte die Auseinandersetzung mit dem NS-Regime, dem Antisemitismus und dem verdrängten Erbe jüdischen Lebens in unserem Land zu den Schwerpunkten des großen CDU-Kommunalpolitikers. Ich habe selbst noch erlebt, wie sich die Mitglieder der jüdischen Gemeinden erhoben, wenn „ihr“ Oberbürgermeister zu einer Veranstaltung kam; und er kam mit dem Krückstock und später auch mit dem Rollstuhl bis kurz vor seinem Tod 2013.

Stuttgart eignete Otto Hirsch nicht nur mit der gemeinsamen Auszeichnung eine bleibende Erinnerung zu, sondern auch als „Vater des Neckar-Kanals“ einen Gedenkstein und gleich zwei Brücken über den Fluss.

Ich muss auch hier in Nürtingen niemandem erklären, wie zentral wichtig genau dieser Fluss war und ist, der durch Ihre, Eure wunderschöne Stadt fließt.

Die Künstlerin Christine Braun hat die Auszeichnung also einerseits in die Form eines mit rotem Kirchenglas beschrifteten Codex gebracht – eine Ehrung der Gebotstafeln Moses vom Sinai, der Bibel, der Alphabetisierung, der Bildung. Sie gestaltete die Auszeichnung aber auch in Beton, um an die Fluss-Kanalbauten Hirschs zu erinnern. Dieser Mann gestaltete Württembergs Zukunft zum Besseren mit!

Und ich möchte Ihnen sagen, dass wir genau diese Einstellung in Zukunft brauchen werden: Jeder Gemeinderat und jeder Kreistag muss den Mut finden, das Thema des Süßwassers aufzugreifen und sich wissenschaftlich kundig zu machen, wo die Gemeinden, die Kreise in fünf, in 15, in 25 Jahren stehen werden.

Wo wird die Hochwassergefahr ansteigen? Welche Gebiete verfallen der Dürre? Welche Gewässer können wir noch retten – und welche werden wir verlieren? Wieviel Wasser wird den Industriebetrieben, der Landwirtschaft und den Privathaushalten noch zur Verfügung stehen? Wo können wir sparen und wie können wir vorsorgen?

Liebe Freundinnen und Freunde, jede Antwort, die wir als demokratische Parteien nicht heute erarbeiten, wird uns morgen voller Hass und Hetze um die Ohren gehauen werden. Ich halte einige Methoden der sogenannten „Letzten Generation“ wie Angriffe auf Kunstwerke, Gottesdienste und Straßenblockaden für falsch – aber das Anliegen, die Warnung vor der Klimakatastrophe für sehr berechtigt. Sie kommt nicht erst auf uns zu – sie tritt bereits ein und wird uns alle in den nächsten Jahren erreichen.

Im 21. Jahrhundert wird sich entscheiden, welche Regionen der Erde noch für Menschen bewohnbar bleiben und welche Staaten die Klimakatastrophe überleben. Republiken sind dafür besser gerüstet als Diktaturen. Doch Verschwörungsgläubige werden sich nicht mit der Frage nach der eigenen Verantwortung aufhalten, sondern jede Demokratie und ganz besonders jüdisches Leben voller Hass attackieren. Darauf müssen wir uns vorbereiten.

Ich wünsche mir, ich bitte Euch, dass Baden-Württemberg zu den Arche-Regionen zählen wird, in denen Einheimische, Zugewanderte und Aufgenommene gemeinsam überleben werden.

Es wird keine Gesellschaft des ewigen Wachstums mehr sein; aber wenn wir uns auf den Weg machen, kann es noch immer eine gute Gesellschaft, eine Republik des Miteinanders, der Gemeinschaft und der Vielfalt sein. Dafür lohnt sich jedes Engagement.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit, für Ihr Mit-Tun und wünsche Ihnen Gottes guten Segen!

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Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) u.v.m. Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren als „teilnehmender Beobachter“, um Digitalisierung zu erforschen, Religionswissenschaft leichter zugänglich und niedrigschwelliger diskutierbar zu machen.

15 Kommentare

  1. Eine sehr gute Neujahrsrede.
    Zu ergänzen wäre, ein guter Schutz gegen Extreme ist eine intakte Infrastruktur und eine gerechte Verteilung des Eigentums.
    Auf diesem Gebiet sind wir vor eine noch größere Herausforderung gestellt, wie wird die schleichende Inflation bekämpft, wie verhindert man die steigenden Mietpreise, wie beherrscht man die explodierenden Energiepreise.

    Ein Gutes Neues Jahr mit Guten Neuen Gedanken !

  2. Bayern sind Juden. Republiken entstehen meist dort, wo man sich nicht um einen Führer scharen muss, um in den Krieg zu ziehen – nicht, weil es keine Feinde oder keine Kriege gibt, sondern weil man mächtig genug ist, nicht den ganzen Staat zur Kaserne zu machen, sondern Kasernen in Staaten zu errichten und die Führer zu Generälen in Dienste einer Zivilgesellschaft zu – befördern, denn immerhin hat ein General Wertvolleres zu verteidigen als ein Führer, der nur das nackte Überleben um jeden, selbst den grausamsten Preis im Blick hat. Ihre Führung managt öfter friedliche Beutezüge gegen die Natur, das braucht etwas andere Kompetenzen, als blutige Raubzüge. Eine solche Republik hat nicht nur genug Überschuss, um sich eine gut bewaffnete, schlagkräftige Armee zu leisten, sondern auch einen gewissen Lebensstandard.

    Das macht aber jeden zum Führer, dem lohnende Beute um ihn herum das Wasser im Maul zusammenlaufen lässt. Die große Politik zerfällt in unzählige kleine Feldzüge und Diplomatien, die schneller ticken und weniger Gewalt erfordern, jeder schafft den Hundertjährigen Krieg in zwei Wochen, statt Toter gibt’s höchstens schlechte Laune. Unzählige Weltgeschichten laufen in Kleinem um Sie herum ab, jeden Tag. Und zu solchen Alltagskriegen gehören halt Banking und Handel, die klassischen jüdischen Domänen. Statt Massaker gibt’s Klüngel und Beschiss. Jeder Staat, der das Zeug zur Republik hat, wird „jüdisch“, auch wenn es nie Juden auf der Welt gegeben hätte. Jew me, sue me, everybody do me…

    Ein solches System muss aber nicht unbedingt eine Republik werden. Reicht schon, wenn es von Bergen und kleineren, ungefährlichen Pufferstaaten geschützt wird, sodass die Wirren der Zeit daran vorbeigehen, und es sich ganz der Pflege einer Kultur widmen kann, die sich ums gegenseitige Bescheißen und Abzocken dreht. Was funktioniert, solange Max Moritz den Sieg im Wettbewerb um den Bau eines Marktplatzbrunnens in München zuschanzt, aber gründlich in die Hose geht, wenn ganz Deutschland wie Bayern wird, und der Einsatz die Energieversorgung eines Kontinents ist und das Überleben von Hunderten Millionen Menschen. Max und Moritz bleiben Provinzpolitiker, kleingeistige Hinterwäldler, Trickbetrüger und Krämerseelen, die nie in die Rolle von Staatsmännern hineinwachsen – halten sich aber für welche, bis das ganze System, das sie korrumpieren, kollabiert. Und wenn es kurz davor steht, rufen Max und Moritz nach Papi – dem großen Messias, dem Führer, der die Größe hat, die ihre Kleinheit, ihre Erbärmlichkeit schützt.

    Passen Sie auf, Sie tanzen mit dem Teufel. Die Juden zerstören die Gesellschaft nicht, zumindest nicht mehr, als alle anderen auch. Die Probleme, die die Gesellschaft zerstören, werden aber gern den Juden zugeschrieben, meist von den Leuten, die sie selbst verursachen, weil die von sich selbst ablenken und weiter ungestört Probleme schaffen wollen. Trotzdem sind die Probleme echt, und diejenigen, die sich dagegen auflehnen, schlachten vielleicht den falschen Gaul, doch der Hufeisenabdruck in ihren Visagen ist echt. Monismus gegen Dualismus ist Dualismus – wir gegen sie. Und das Hinterhältige darin ist, dass Sie in so vielen Punkten damit Recht haben, und dass uns die Tatsachen gar nicht die Wahl lassen, als die Monisten-Gang auch mit Gegengewalt zu verteidigen.

    Doch sobald es um Macht und Gewalt geht, sind Richtig und Falsch scheißegal, der Stärkere gewinnt. Ein Trick des Teufels ist, alle Beteiligten auf sein Niveau herabzuziehen. Wenn Sie alle Ressourcen für den Kampf brauchen, bleibt Ihre moralische Überlegenheit genauso hypothetisch, wie die des Gegners, Sie haben weder Zeit noch Gelegenheit, sie zu beweisen. Es gibt kein Gut und Böse mehr. Es gibt keine Schuld mehr, keine Ursachen, keine Fehlerkorrektur, keine Umkehr. Es gibt nur noch Krieg.

    Noch haben wir genug Bauchspeck. Wir können die Ukraine mit Waffen zukleistern, uns selbst bis auf die Zähne bewaffnen, um eine Welt abzuwehren, die wir genauso begeistert mit Waffen zugekleistert haben, die staatlichen Umverteilungssysteme funktionieren gut genug, um die Leute, trotz aller erbarmungslosen Fressorgien von Max und Moritz, durch den Winter zu bringen: Sie haben mehr davon, dem Staat zu vertrauen, als ihn kurz und klein zu schlagen. Aber jede Krise kostet uns Reserven, die wir nicht schnell genug auffüllen können, auch wegen Max und Moritz, aber nicht nur, denn die sind ja so erbarmungslos, weil auch sie nicht mehr so schnell fressen können, wie sie kacken können. Irgendwann bleibt uns nur der Führer, der uns in den Raubzug führt. Wir gehen mit Siebenmeilenstiefeln auf eine Welt zu, in der Hitler mit seinen Taten Recht hatte, wirklich und wahrhaftig. Und wenn die Wahrheit erst mal da ist, werden auch die Monisten vor ihr niederknien müssen.

    Max und Moritz haben den Teufel beschworen, jetzt ist er da. Kleine Kinder sollten nicht mit Mächten herumspielen, die sie nicht verstehen. Wenn sie Mist gebaut haben, muss man sie retten. Aber nicht, damit sie weiterhin fröhlich aus Grimoires rezitieren und an der Lament Configuration rumdrehen können, weil’s dann so schön rumpelt und blinkt. Eine Tracht Prügel und eine Runde Einsicht und Besserung müssen schon drin sein.

      • @anderer Michael

        „Antideutsche“ war sogar eine Selbstbezeichnung unter manchen (ehemaligen) Linken, die die Republiken von Deutschland und Israel gegeneinander ausspielten. Manche hielten an der Utopie der Überwindung von Republiken zum Sozialismus fest, andere wanderten von hier aus zum Libertarismus (jeder Staat sei schlecht) oder gar zum Ethnonationalismus nach Rechtsaußen.

        https://de.m.wikipedia.org/wiki/Antideutsche

        Hier lässt sich also m.E. sehr gut sehen, dass Freund-Feind-Dualismus auf Dauer immer in Sackgassen führt.

  3. @Hauptartikel

    „Ich wünsche mir, ich bitte Euch, dass Baden-Württemberg zu den Arche-Regionen zählen wird, in denen Einheimische, Zugewanderte und Aufgenommene gemeinsam überleben werden.“

    Ich wünsch mir, das es NRW auch gut geht. Ich kann mich schwer damit abfinden, den ganzen nahen Osten schlichtweg abzuschreiben, und die Menschen alle hier aufzunehmen. Wenn wir vor Ort demokratischere Verhältnisse, eine funktionierende erneuerbare Stromversorgung und Entsalzungsanlagen für die Wasserversorgung der Haushalte hinbekommen, dann müsste man da auch den Klimawandel vernünftig überleben können. Israel macht es wohl vor, wie man auch in der Wüste gut leben kann.

    Es ist nicht so wichtig, dass man da selber hinreichend Nahrungsmittel anbauen kann, viel wichtiger wäre es, alles andere des täglichen Bedarf selber erarbeiten zu können. Dann kann man auch problemlos Nahrungsmittel importieren. Hier zählt vor allem die Weltproduktion, und die passt sich mit steigenden Preisen auch weltweit noch um einiges an. Gerade in Afrika ist noch ganz viel Luft für sehr viel mehr landwirtschaftliche Erträge.

    Wollen wir wirklich 5, 10 oder 20 Millionen Menschen hier in Deutschland noch aufnehmen? Und was passiert dann mit den zurückbleibenden 500 Millionen Menschen?

    Auf den Arbeitskräftemangel können wir sehr gut auch mit weniger Konsum antworten, etwa wenn wir sehr viel mehr Stadtverkehr per Fahrrad erledigen oder im Gesundheitssystem mal die vielen unnötigen Medikamente und Operationen einfach weglassen würden.

    Wenn man jetzt Mietshausbesitzer ist, oder in Bauerwartungsland investiert hat, dann verdient man kräftig an Zuwanderung, hierfür gibt es kein Limit. Aber als Mieter mit geringem Einkommen gibt es Grenzen, womit man noch vernünftig leben kann. Zumal ein durch Zuwanderung ausgelöster Bauboom den Arbeitskräftezuwachs wieder auffressen kann.

    So oder so, die nun mal vorhandenen Migranten zu fördern und zu integrieren, da bin ich voll mit dabei. Das kommt unserer gesamten Gesellschaft sehr entgegen, vor allem gerade den unteren Schichten, wenn unsere Zuwanderer dann z.B. durch besserer Deutschkenntnisse nicht mehr alle im Niedriglohnsektor arbeiten müssen.

    Ich weiß aber nicht, wie groß die Not vor Ort im nahen Osten noch wird. Ist sie groß genung, dann zählt auch eine gewisse Unpässlichkeit bei uns dann weniger. Umso wichtiger wäre es aber, die Lage vor Ort zu verbessern.

    • Danke, @Tobias Jeckenburger. Das sind die realen Fragen, denen wir Deutschen und Europäerinnen uns stellen sollten. Noch könnten wir Regionen so weit stabilisieren und Bildung fördern, dass die Flüchtlingsströme beherrschbar blieben. Aber mit jedem Monat, in dem wir weder lokal noch global ausreichend auf die Wasserkrise reagieren, wird es schwerer. Ich tue wirklich dazu, was ich kann – und freue mich über jede Unterstützung. Denn auf Twitter eskaliert gerade ein Tweet des bayerischen Ministers Hubert Aiwanger (Freie Wähler), der allen Ernstes den energieteuren Einsatz von Kunstschnee empfiehlt… 🤦‍♂️💧🔥

  4. Ihr Latein braucht einen Booster 😉

    Es muss heißen Jesus mansionem benedicat, weil Jesus Subjekt ist und daher den Nominativ verlangt. Wie im Deutschen auch.

  5. Zu T. Jeckenburger
    “Arche-Regionen…”
    Ihre “Arche-Regionen” sind unrealistisch da Menschen immer zuerst dahin gehen wo es ihnen wirtschaftlich besser geht. Soviel Egoismus muss sein um das zu erkennen. Arche -Regionen sind dann sozusagen für Millionen -oder Milliarden- ein Magnet ,was zur Folge hat dass diese Regionen ,siehe die spanischen Exklaven(Melilla und Ceuta) in Afrika, sich irgendwann mit 6 Meter hohen Zäunen absichern müssten um von diesem Zustrom nicht eliminiert zu werden. Arche- Regionen hätten also Grenzen da ihre Wirtschaftskraft bzw. ihre Sozialsysteme
    irgendwann unter diesem unkontrollierten Zustrom zusammenbrechen würden und der Lebensstandart, bedingt durch einen zunehmenden Verteilungskampf ,gerade unter den Geringverdienern, sinken würde. Sie müssten “ihre Arche ” also logischer weise schützen was dann Konflikte oder Kriege zur Folge hätte denn mit Worten lassen sich Flüchtlingsströme bekanntlich nicht aufhalten. Andererseits würden diese “Arche-Regionen” wiederum, um ihre Wirtschaftskraft zu erhalten, zunehmend Bodenschätze oder billige Nahrungsgüter aus anderen Regionen benötigen was zur Folge hätte das dort die Umwelt im Sinne der Profitmaximierung weiter zerstört würde (Versteppung/Wassermangel) bzw. ein Abzug von der dortigen Intelligenz wie Ärzte oder Wissenschaftler beinhaltet die wiederum für einen wirtschaftlichen Aufbau dann fehlen. Letzteres bedingt dann eine Verarmung /Verelendung die wiederum ein en Flüchtlingsstrom in die sogenannten “Archen” auslösen würde.
    Sollten einmal mit dieser Klimaveränderung die Quellen solcher großen Ströme wie Nil, Ganges oder Indus versiegen bzw. weniger Wasser geben so können sie sich ausmalen dass hiervon wohl über eine Milliarde Menschen betroffen wären die dann, was verständlich wäre, ihren Weg in diese “Archen” suchen würden

    • Danke für Ihre Anfragen, @Golzower. Wenn sich keine Arche-Regionen entwickeln würden, in denen viele Menschen vor der Klimakatastrophe Zuflucht fänden – was wäre dann Ihr Vorschlag dazu? Die reicheren Länder – deren Emissionen das Klima weltweit aufgeheizt haben – lassen die Menschen der ärmeren Gesellschaften nun mit den Folgen davon alleine? 🤔🔥

      Würden wir dagegen schon jetzt beginnen, Arche-Regionen auch auf anderen Kontinenten in ihrer Entwicklung stärker zu fördern (v.a. durch Bildung und Erneuerbare Energien), dann würden wir nicht nur der von Ihnen befürchteten Massenflucht entgegenwirken, sondern auch zukünftige Kooperations- und Handelspartner stärken. Wir können uns natürlich auch wie in Afghanistan vor den Taliban zurückziehen – und dann über die Folgen klagen…

  6. @Michael 12.01. 22:50

    „….Arche-Regionen auch auf anderen Kontinenten in ihrer Entwicklung stärker zu fördern (v.a. durch Bildung und Erneuerbare Energien), dann würden wir nicht nur der von Ihnen befürchteten Massenflucht entgegenwirken,…“

    Die Konzentration der Weltwirtschaft auf einzelne Regionen ist Realität, aber keinesfalls optimal. Ob es jetzt halbe Kontinente sind, oder einzelne Länder. Es sollte eben nicht jeder versuchen, möglichst viel Wirtschaft und Arbeit an sich zu ziehen, während andere leer ausgehen und nur zusehen können.

    Wo es anders nicht geht, da müssen wir damit leben. Äthiopien kann nun mal keine eigene Autoindustrie organisieren. Aber das was lokal möglich ist, dass sollte gefördert werden, auch von uns.

    Bildung und Erneuerbare Energien sind auf jeden Fall schon mal die technische Grundlage dafür, hier eben alles selbst zu produzieren, was geht, und auch das eine oder andere auf dem Weltmarkt zu verkaufen.

    Die politischen und gesellschaftlichen Hindernisse sind hier durchaus erheblich. Clanmentalität oder Islamismus sind hier im Hintergrund bremsend, aber auch Einnahmen aus Rohstoffexporten. Insgesamt haben wir hier eben politische Verhältnisse, in denen die Regierenden wenig zur Lösung der Probleme beitragen, sondern sich nur um sich selbst und den eigenen Clan kümmern.

    Irgendwie müssen wir hier zu Lösungen kommen, das wäre mindestens genauso wichtig wie eine effektive Begrenzung des Klimawandels.

    Innerhalb der EU versucht man dieses ja durchaus, und man versucht wirtschaftlich schwache Regionen zu fördern. Aber auch da geht wohl mehr. Insbesondere könnte auch eine übermäßige Wirtschaftsförderung in den starken Regionen Teil des Problems sein. Die ohnehin günstigen Standorte, insbesondere zur Mitte der EU hin, die haben das meiste Geld, sich selber zu fördern und sind damit in der Lage, das Ungleichgewicht weiter zu verschärfen.

    Die aktuelle Wohnungsnot in Deutschland ist dann sogar noch eine erhebliche Nebenwirkung einer übermäßig florierenden Wirtschaft, die uns selbst schadet, zumindest Mieter und Wohnungssuchende. Vermieter und Besitzer von Bauerwartungsland verdienen freilich daran, und machen Profite ohne Ende.

  7. Ja, sehr nett, auch die Bereitstellung des Rede-Textes – der Schreiber dieser Zeilen kann deutlich schneller (und besser) lesen als hören, Dr. Webbaer ist hier :

    Gegen allen Hass war auch noch nie so viel Gemeinsamkeit, noch nie so viel Licht!

    … ganz bei Ihnen.

    Das Web mag zwar Böses herauskehren, aber es dient auch zum Austausch unter Guten (die am besten auch gut sind, die bloße diesbezügliche Angabe genügt also nicht).

    Ein ‘Zeitalter der Polykrise’ sieht Dr. Webbaer nicht, wohl aber kommunizierte terrestrische Herausforderung, die gerne auch sachnah und mit wenig Emotion versehen bearbeitet werden kann.
    Vgl. auch mit diesem Modewort : ‘Zeitenwende’

    Es wird “nur” heutzutage sozusagen lichtschnell kommuniziert, sich auch ob dieser nun möglichen Kommunikation (bei einigem – Dr. W (der sich wenig aufregt) ist seit mehr als vier Jahrzehnten im Bereich der netzwerk-IT-basierten Kommunikation unterwegs) teils fürchterlich aufgeregt.

    X-Ismen können nun besser bearbeitet werden, auch weil sie offen zitiert und sehr zeitnah kommuniziert werden können.


    Hier, i.p. terrestrisches Klima, hat Dr. W, ganz untergeordnet und im hiesigen Kommentariat sozusagen versteckt, abär schlechte Nachricht (Dr. W mag ja die friedliche Nutzung der Atomenergie, also Fossilien, die grundlastfähig ist), vergleiche :

    -> https://ourworldindata.org/co2-emissions (geschaut werden darf hier auf die Grafik, die im Absatz unter der Überschrift ‘Global CO2 emissions from fossil fuels’ bereit gestellt worden ist)

    Mit freundlichen Grüßen und weiterhin viel Erfolg
    Dr. Webbaer (der anregt auch mit der bundesdeutschen Rechten zu sprechen)

    • Danke, @Webbaer. Ich versuche, innerhalb des demokratischen Spektrums bei & mit möglichst vielen Milieus zu sprechen. Wissenschaftlich informierte Aufklärung, Bildung und kritisch-konstruktiver Dialog sind mein Auftrag.

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