Neuer Podcast Verschwörungsfragen: Was ist das Problem mit Verschwörungsglauben?

BLOG: Natur des Glaubens

Evolutionsgeschichte der Religion(en)
Natur des Glaubens

Es war leider so klar, dass ich die Entwicklung schon im Januar vorhersagen musste: Wenn sich der Coronavirus Covid-19 ausbreitet, wird eine große Mehrheit der Menschen vernünftig, besonnen und solidarisch reagieren. Aber Verschwörungsgläubige wie der österreichische Identitäre Martin Sellner werden behaupten, die Pandemie sei das Ergebnis einer jüdischen Weltverschwörung, in deren Auftrag die demokratischen Regierungen die Meinungsfreiheit abschaffen wollten. Selbstverständlich werden dabei nur liberale Demokratien angegriffen – Russland, der Iran und China gelten Antisemiten meist als Verbündete gegen Demokratie und Zionismus. Eine erste Übersicht über die längst globale, rechtsextrem-islamistische Verbreitung der antisemitischen Verschwörungsmythen bietet die JFDA auf ihrem Blog.

Man beachte dabei auch, dass auch europäische Rechtsextremisten und generell Antisemiten damit nicht nur Vernunft und Wissenschaften angreifen, sondern vor allem jedes Miteinander verweigern – und sich selbst als die eigentlichen Opfer gerieren. Dies ist die Psychologie des Verschwörungsglaubens – immer…

Der österreichische Rechtsextremist Martin Sellner verkündet am 22.03.2020 seinen Tausenden Anhängerinnen und Anhängern die vermeintliche jüdische Coronavirus-Weltverschwörung. Screenshot: Michael Blume

Also haben mein Team und ich über das Wochenende die erste Folge des neuen Podcasts “Verschwörungsfragen” erstellt, der für Sie kostenfrei und ab heute mehrfach wöchentlich über die Gefahren des pathologischen Dualismus aufklären soll. Sie finden untenstehend die mp3-Datei und ein YouTube-Video zum Abrufen und Downloaden sowie den Text als Fließtext oder pdf.

Bitte sagen Sie es weiter und schützen Sie damit Menschen, die noch nicht antisemitisch verhetzt und vergiftet wurden. Vielen Dank!

Der neue Podcast “Verschwörungsfragen” steht ab heute zum freien Download, Teilen etc. online. Foto & Grafik: Staatsministerium Baden-Württemberg

Die MP3-Datei zum Download auch hier.

Der Text der ersten Podcast-Folge hier als pdf-Dokument.

Und hier als Blog-Fließtext:

Herzlich willkommen allen, die gerade zuhören oder mitlesen! Mein Name ist Michael Blume, ich bin Religionswissenschaftler und Beauftragter der Landesregierung Baden-Württemberg gegen Antisemitismus. In meinen beiden ersten Amtsjahren konnte ich in Hunderten Veranstaltungen mit Bürgerinnen und Bürgern über Antisemitismus und Rassismus sprechen, unserem Landtag einen Bericht mit Handlungsempfehlungen vorlegen und gemeinsam mit Parlament und Regierungsmitgliedern auch schon einige Maßnahmen umsetzen.

Das alles ist mit dem Ausbruch der Covid19-Pandemie natürlich nicht mehr möglich. Aber gleichzeitig hat sich leider wieder bestätigt, dass in Krisenzeiten gerade auch das Internet mit Verschwörungsvorwürfen geflutet wird. Und dass dies Menschen in Angst versetzt und zu falschen Entscheidungen verführt.

So hat gerade heute, am 22. März 2020, der Rechtsextremist Martin Sellner ein Video hochgeladen, in dem er unter anderem die von ihm so genannte „Theorie“ vorstellt, nach der die Open-Society-Stiftung des jüdisch-amerikanischen Holocaust-Überlebenden George Soros hinter der weltweiten Coronavirus-Pandemie stecke. In einer von ihm – von Sellner – angesetzten Online-Umfrage hätten 42% von fünfeinhalbtausend Teilnehmenden angegeben, die Maßnahmen der deutschsprachigen Regierungen seien „planmäßig totalitär“ – also Teil dieser Weltverschwörung.

Deswegen haben mein Team und ich unsere Arbeit aufs Netz umgestellt. Letzte Woche gab ich erstmals eine Rede und eine Pressekonferenz rein digital. Obwohl ich weiterhin erhebliche Kritik an den sogenannten sozialen Medien habe, habe ich meine Twitterpause unterbrochen.

Und mit dieser Folge starten wir den Podcast „Verschwörungsfragen“. Wenn Sie also eine Frage zu Verschwörungserzählungen haben, senden Sie uns diese gerne an „beauftragter minus gegen minus antisemitismus at stm.bwl.de“

Ernsthafte Fragen wollen wir im Podcast gerne aufgreifen. Trolle können sich die Offenlegung ihrer EMail-Adressen dagegen sparen. Ich hatte im Irak keine Angst vor dem sogenannten „Islamischen Staat“ und habe auch in Deutschland keine Angst vor den Verschwörungsschwurblern. Denn es ist der Hang zum Verschwörungsdenken und schließlich Verschwörungsglauben, der fast alle politischen und religiösen Extremisten dieses Planeten miteinander verbindet.

Mir ist deswegen auch aus vielfacher Erfahrung völlig klar, dass sich nur wenige bereits eingefleischte Verschwörungsgläubige noch durch Argumente erreichen lassen. Aber indem Sie sich über Psychologie und Medien des Verschwörungsdenkens informieren, werden Sie selbst immun dagegen und können auch andere Menschen noch rechtzeitig schützen.

Idealerweise stärken wir die Resilienz gegen Verschwörungserzählungen auch in unserer politischen, wissenschaftlichen und medialen Kultur, wie es zum Beispiel Martha Nussbaum seit Jahren einforderte. Wir Menschen sind eben keine rein rationalen Lebewesen, sondern stark und oft vorbewusst durch Gefühle bestimmt.

Außerdem darf ich Ihnen versprechen, dass die echte Geschichte der als Verschwörer Beschuldigten viel bunter und spannender ist als der immergleiche Verschwörungsmythos.

Warum sich besonders viel & alter Verschwörungshass gegen das Judentum richtet, was es mit den Illuminaten und den Identitären auf sich hat, was Ivo Sasek und den Papst unterscheidet, was jeweils Daniele Ganser und Xavier Naidoo, Thilo Sarrazin und Wolfgang Wodarg gemeinsam haben und woher der Glauben an außerirdische Reptiloide kommt – all das und noch viel mehr können Sie in kommenden Folgen von „Verschwörungsfragen“ erfahren!  

Aber fangen wir doch zunächst mit der einfachen Grundfrage an: Was, bitte, soll denn das Problem von Verschwörungsglauben sein? Menschen glauben schließlich an jede Menge Entitäten und Prozesse, die sich nicht wissenschaftlich beweisen lassen. In den USA glauben beispielsweise die meisten Menschen an ein Leben nach dem Tod. Dies gilt auch für eine Mehrheit der Menschen, die sich keiner Religionsgemeinschaft zurechnen. Warum sollte es da ein Problem sein, wenn eben auch sehr viele Menschen quer durch alle Kulturen an eine Weltverschwörung von Juden, Freimaurern, Reptiloiden, demokratischen Parteien oder Virologen glauben?

Das Problem ist, dass Verschwörungsglauben die Art verändert, wie wir Menschen unsere Welt erkennen und erfahren. Durch unsere Bildungstradition lernen wir eigentlich, dass es wissenschaftlich überprüfbare Theorien gibt, die sich von Erzählungen und Mythen unterscheiden. Idealerweise geben wir all diesen ihren jeweils sinnvollen Platz in unserem Leben und unserer Gesellschaft.

So gelingt es sehr vielen Menschen, wissenschaftliche Erklärungen für Geschehnisse in der Welt als wahr zu betrachten und gleichzeitig zum Beispiel juristische oder religiöse Vorstellungen zu akzeptieren. Doch wenn Menschen ihr Vertrauen ineinander und in fair diskutierbare Konzepte verlieren, dann lösen sich auch die Unterscheidungen auf. Dann glauben Menschen zum Beispiel, dass die Wissenschaften im Dienst böser Mächte stehen, dass die Bundesrepublik juristisch gar nicht existiert oder dass Andersglaubende ihre Vernichtung planen. Damit wird es unmöglich, Wissenschaft als Wissenschaft, Religion als Religion und Recht als Recht anzuerkennen und miteinander auch kritisch-konstruktiv zu diskutieren. Wir leben dann zwar noch auf dem gleichen Planeten, aber nicht mehr in derselben, sozial-kulturellen Welt.

Wenn ich zum Beispiel dem Schweizer Sektengründer Ivo Sasek auch nur einen Moment glaube, dass der Coronavirus eine jüdisch-amerikanische Biowaffe im Rahmen einer großen Weltverschwörung um George Soros sei, um die Weltbevölkerung auf nur noch 500 Millionen Menschen zu reduzieren; dann werde ich bald keinen Medien, keinen demokratischen Politikerinnen, keinen Juristen und auch keinen Wissenschaftlerinnen mehr vertrauen können, die mir versichern, dass dies nicht der Fall ist.

Im Gegenteil: Ich würde dann sehr schnell glauben, dass all die Leute, die mir da widersprechen, selbst Teil der Weltverschwörung sind, die mich und meine Liebsten bedrohen! Und umso länger ich in diesem Verschwörungsglauben verharre, umso größer erscheint mir die Verschwörung, bis ich schließlich sogar Bekannte, Freunde und Familienmitglieder als vermeintliche Mitverschwörer wahrnehme.

Sie merken schon: Verschwörungsdenken macht nur am Anfang Spaß – und dann Angst. Zunächst winken süße Einstiegsdrogen: Mit den Verschwörungsmythen scheint plötzlich alles erklärbar! Betroffene gehören nun scheinbar zur kleinen, tapferen Gruppe der sogenannten „Erwachten“, die das böse, kosmische Drama durchschaut haben! Schnell stellen sich die entsprechenden Gefühle ein: Maximale Liebe und gegenseitige Anerkennung nach innen; Hass und Misstrauen gegen alle Außenstehenden; es entsteht das mediale Lebensgefühl einer sich radikalisierenden Sekte. Und all das geht heute komplett online!

Freunde der Religionsgeschichte werden viele entsprechende Bewegungen unter dem Begriff der „Gnosis“ kennen. Heute sprechen wir stärker von „Esoterik“, mit dem vermeintlich unterdrücktes Wissen etwa im Bereich der Gesundheit vermarktet und verkauft wird.

So haben wir auch in den deutschsprachigen Ländern viele Anhängerinnen und Anhänger der so genannten „Neuen Germanischen Medizin“, die allen Ernstes glauben, die gesamte „Schulmedizin“ werde von einer jüdischen Weltverschwörung kontrolliert – und alle Ärzte wollten uns und unsere Kinder also gar nicht schützen, sondern vergiften.

Chemtrailer behaupten das gleiche von Piloten, die weltweit Gift versprühen würden. Und wieder andere werfen Technikern einen geplanten Genozid – Massen- und Völkermord – durch Handystrahlen vor.

Rabbi Lord Jonathan Sacks bezeichnet in seinem großartigen Buch „Not in God’s Name“ das Welt- und Menschenbild dieses gefährlichen Verschwörungsdenkens als „pathologischen Dualismus“: Die gesamte Welt wird gespalten in die vermeintlich absolut gute Eigengruppe, eine absolut böse Superverschwörergruppe und dazwischen der vermeintlich naive Rest.

Im Zustand des pathologischen Dualismus kann keine Demokratie mehr gelingen und kein Dialog, keine ergebnisoffene Forschung und auch keine seriöse Medizin.

Antisemiten und Hexengläubige – die beiden ältesten Varianten des Verschwörungsglaubens – fühlen sich daher auch dann bedroht, wenn sie überhaupt nie mit Juden oder „Hexen“ zu tun hatten. Denn sie können natürlich einfach jedem Menschen vorwerfen, heimlich jüdisch oder heimlich Hexe zu sein! Da sie sich ja selbst eingeredet haben, die Superverschwörer würden mit Lüge, Betrug und sogar Gewalt und Terror arbeiten, werden sie solche eigene Taten auch vor sich selbst als vermeintliche Notwehr rechtfertigen.

Noch in seinem „Testament“ kurz vor dem Suizid beklagte Adolf Hitler, die jüdischen Weltverschwörer hätten ihm (!) den Weltkrieg aufgezwungen.

Aus der Sicht des Verschwörungsgläubigen sind immer, immer die vermeintlichen Verschwörer Schuld. Sie selbst übernehmen dann für ihre Taten keine Verantwortung mehr, sondern werfen sich in die Opferrolle. Man nennt diesen gefährlich enthemmenden, psychologischen Mechanismus die „Selbstviktimisierung“.

Aber wie kann es nur sein, dass selbst Menschen mit Doktortiteln in solches Verschwörungsdenken abgleiten; und dann umso größere Anhängerschaften finden?

Die heutige Forschung etwa von Herbert Renz-Polster bestätigt hier wesentlich Beobachtungen zur sogenannten „autoritären Persönlichkeit“, die direkt nach dem Untergang des NS-Regimes schon einmal formuliert wurden. Demnach wirkt die Erziehung, die wir als Kinder erfahren haben, bis ins hohe Alter auch auf unsere Gesinnung. Sie prägt unsere Grundstimmung, unsere Grundbeziehung, unser Vertrauen zur Welt und zu den Mitmenschen.

Wachsen wir mit vertrauensvollen Beziehungen, gut gefördert und möglichst gewaltfrei auf, so werden wir später stärker zum Glauben an eine gute, trotz aller Herausforderungen verstehbare und gestaltbare Welt neigen.

Wachsen wir jedoch mit unsicheren Beziehungen, Erfahrungen der Ablehnung und autoritärer Gewalt auf, dann werden wir später leichter davon zu überzeugen sein, dass die gesamte Welt von bösen, verschwörerischen Mächten bestimmt ist.

Leicht übersetzt sich dann „Dein Vater schlägt Dich ja nur, um Dich vor dem Bösen zu beschützen!“ in das Gefühl, ewiges Opfer zu sein und in die Sehnsucht nach einem starken Führer, der alle vermeintlichen Weltverschwörer vernichten soll. Die Psychologin Else Frenkel-Brunswik zeigte auf, dass sich autoritäre Persönlichkeiten bald von jeder Art von Ambiguität – von Mehrdeutigkeit und Vielfalt – bedroht fühlen.

Bei Antisemiten wie Ivo Sasek ist der Zusammenhang offenkundig: Er empfiehlt ausdrücklich das Verprügeln von Kindern, ebenso wie Rechtsextreme generell von „Härte“ und „Zucht“ schwärmen. Die Individualität und Vielfalt schon von Kindern soll mit Gewalt gebrochen werden; für Jungen und Mädchen soll es bis in die Kleidung, die Freizeit und Sprache hinein nur noch jeweils eine Schablone geben.

Und genau so widersprüchlich und gebrochen erlebe ich sie auch: Den Reichsbürger mit Ingenieurstitel, der alles von Technik, aber nichts von seinen eigenen Gefühlen versteht. Den Antisemiten mit Doktortitel, der die gesamte Geschichte des Holocaust kennt, aber doch nur sich selbst bemitleiden kann und also alles in eine angebliche, zionistische Weltverschwörung umdeutet. Die mehrfach geschiedene Nachrichtensprecherin, die nun vermeintliche Pläne zur Zerstörung von Familien verkündet. Den deutsch-islamischen Rapper, der von einer Endschlacht um Jerusalem und einer Welt ohne Juden träumt – und sein entsprechendes Video mit einer Bücherverbrennung enden lässt. Den Geschichtslehrer aus Hessen, der in Sachsen-Anhalt vor einer aufgepeitschten Anhängerschaft über das „Ausschwitzen“ von Parteigenossen schwadroniert.

Wir müssen uns klar machen: Noch jedes neue Medium hat Verschwörungsgläubigen als ein Resonanzboden gedient, um ihren Hass auf die bestehende Ordnung auszudrücken. Mit dem Buchdruck begann ein Zeitalter der Alphabetisierung, aber auch des Hexenwahns und Antisemitismus. Mit den elektronischen Medien Radio und Film begann ein Zeitalter der Unterhaltung, aber auch des Rassismus und des Massenmordes. Und mit dem Internet begann ein Zeitalter der Wissensexplosion, aber gleichzeitig auch der Rechtsesoterik und Verschwörungsmythen.

Verschwörungsglauben ist eben kein “Glauben wie jeder andere”. Verschwörungsglauben wirkt wie ein Gift, das die emotionale Entwicklung von Menschen durch Angst einfriert und sie in einem stahldunklen Weltbild als vermeintlich ewige Opfer gefangen hält.

Verschwörungsgläubige vergiften sich selbst – und sie gefährden andere. Das wurde in Deutschland zuletzt in Halle deutlich, dann in Hanau. Und jetzt, während der Krise um das Virus Covid-19, bäumen sich Verschwörungsgläubige auch direkt gegen die Maßgaben von Wissenschaft und Politik auf.


Wir sollten also miteinander reden – über Wissen und Wahrheit, über Vernunft und Gefühle, über Medien und Recht. Und da ich es derzeit nicht mehr in persönlichen Veranstaltungen tun kann, lade ich Sie zum Podcast „Verschwörungsfragen“ und zum Diskutieren auf meinem Wissensblog bei Spektrum der Wissenschaft ein. Vor allem aber freuen mein Team und ich uns auf Ihre Beobachtungen und weitergehenden Fragen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Michael Blume

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft und promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Buchautor, Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger und christlich-islamischer Familienvater. Zuletzt erschienen "Islam in der Krise" (2017) und "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019). Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt... Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren wöchentlich, um Religionswissenschaft zugänglich und diskutierbar zu machen.

51 Kommentare

  1. Hallo Herr Blume,

    schöner Beitrag, da möchte ich doch gleich mal ‘ne Frage los werden:
    Die hängt mit dem seit einiger Zeit ständig mehr oder weniger ausverkauftem Klopapier zusammen. Da soll auch eine Verschwörungstheorie dahinter stecken, die besagt, das man sich nach dem Bad oder der Dusche darin einwickeln soll, weil normale Handtücher gerade nicht gesund sein sollen, oder so ähnlich. Können Sie mehr dazu sagen?

    • Lieber @Hans,

      lieben Dank. Das Krasse an Verschwörungsmythen ist ja, dass sich Ernsthaftigkeit und Satire nicht mehr unterscheiden lassen.

      Tatsächlich gibt es Infektionsschützer, die vor dem Gebrauch von Handtüchern durch mehrere Personen warnen, vgl.
      https://www.infektionsschutz.de/fileadmin/infektionsschutz.de/Downloads/Merkblatt-Bildungseinrichtungen-Coronavirus.pdf

      Dass dies in einigen Kreisen scherz- oder ernsthaft als Absage an Handtücher generell wahrgenommen wird, halte ich nicht für überraschend.

      Hinzu kommt der psychologische Effekt, dass ein Gut, über dessen Knappheit berichtet wird (Bilder von leeren Regalen, Toilettenpapier-Prügeleien etc.), sofort als wertvoller erscheint. Berichte über Hamsterkäufe begünstigen also… Hamsterkäufe.

      Ihnen herzliche Grüße, bleiben Sie gesund!

      • Gestern redeten alle noch vom Klimaschutz, aber heute wird Klopapier in rauen Mengen gehortet. Laut einer Statistik sterben täglich 270.000 Bäume für Hygienepapiere. Ich möchte nicht wissen, was der Hype auf das Toilettenpapier für einen Schaden anrichtet. Man möchte am liebsten rufen: Leute schaltet doch mal euer Hirn ein und denkt auch an Morgen!

        • Die Leute verbrauchen ja nicht mehr Klopapier, sie horten es nur. Demnächst wird das bis Weihnachten wie Blei in den Regalen liegen.

      • Das habe ich auch im Radio gehört: Jedem sein eigenes Handtuch (aber als Anhalter durch die Galaxis weiß man das ohnehin). Finde ich eigentlich auch plausibel.

        Aber wer trocknet sich dann mit Klopapier ab? Mit Papierküchentüchern fka Zewa könnte ich noch nachvollziehen.

        Wobei ich als ein-Personen-Haushalt das Problem tatsächlich habe. Mir im, keine Ahnung, Januar das letzte 8er-Pack Klopapier gekauft, oder früher, und das Problem nur belächelt. Jetzt habe ich die letzte Rolle angebrochen und frage mich, ob die nicht endlich mal aufhören können mit dem Quatsch, oder ob ich mich allen Ernstes morgens 10 vor Sieben vor meinen Supermarkt begeben soll, um mich in die Schlacht zu werfen …

    • Wenn Sellner das – wie von Ihnen oben behauptet – jemals gesagt hat, fress ich nen Besen. Könnten Sie mal die genaue Quelle dafür angeben? Falls nicht: ich meine, Verleumdung ist immer noch ein Straftatbestand.

      • Netter Trolling-Versuch: Leugnen, Beschuldigen, Bedrohen.

        Nein, ich falle nicht darauf rein und werde auch ganz sicher nicht auf rechtsextreme Videos verlinken.

        Richten Sie es in den einschlägigen Hass-Foren gerne aus: Ich habe mich weder von den „Nürnberg 2.0“-Kaspern, noch vom sog. „Islamischen Staat“ der der Partei „Die Rechte“ einschüchtern und trollen lassen. Die „Identitären“ erweisen sich als peinliche Digitalnotiz der Geschichte.

        Ihnen und Ihren GesinnungsgenossInnen von Herzen gute Besserung! 😏✊✅

  2. Das Problem des Verschwörungsglaubens liegt im Menschen selbst.
    Als soziales Lebewesen sind wir auf die Zusammenarbeit angewiesen.
    Und wir müssen den anderen vertrauen können, wenn die Zusammenarbeit gut werden soll.
    Menschen die ihr Vertrauen verloren haben, zuerst zu den anderen, dann als Folge, das Vertrauen zu sich selbst, die sind orientierungslos.
    Und die suchen nach Orientierung. Die suchen nach einer Bestätigung, nach einer Begründung, warum die Welt so schlecht ist. Und dabei wird jeder verdächtig, der sich von anderen unterscheidet, sei es in der Religion, sei es in der Kleidung, sei es im Verhalten. Und solche Menschen werden dann zu Sündenböcken, wenn etwas geschieht, für das man keine Erklärung findet.

    Der älteste Sündenbock ist der Jude. Der musste herhalten für die vielen Pesttoten des Mittelalters. Der musste für die finanziellen Katastrophen herhalten, und der muss jetzt sogar für den Corona-Virus herhalten.

    Wie geht man mit so einer komplizierten Problematik um Herr Blume? Wenn Sie meinen Beitrag für nützlich halten, dann veröffentlichen sie ihn, wenn er nicht in ihr Konzept passt, dann nicht veröffentlichen. Das Thema ist viel zu heikel, als dass man da experimentieren darf.

  3. Lieber Michael Blume,

    vielen Dank für die erste Folge. Ich bin gespannt auf die weiteren.

    Gibt es auch einen Feed zum Abonnieren des Podcasts? Also nicht der YouTube-Kanal, sondern direkt ein Feed für die verschiedenen Podcatcher?

    Falls das noch nicht besteht, kann es mit dem Podlove Publisher recht einfach hier in WordPress eingebunden werden (vgl. das Fünf-Minuten-Video hier)

  4. Mona,
    eine brauchbare und dazu noch sehr wirksame Methode auf Toilettenpapier zu verzeichten ist die Toilettenschüssel mit Analdusche. Sollte eigentlich jeder haben.

  5. @Psychologie des Verschwörungsglaubens

    Der Hinweis auf die Kindheitsgeschichte und erlittenem Erziehungstil bezüglich der Anfälligkeit gegenüber Verschwörungsmythen nützt insofern wenig, da man ja nun seine Vergangenheit nicht ändern kann. Das mag jetzt ein guter Tipp sein, bei der Frage wie man seine Kinder erziehen sollte. Beim konkreten Umgang mit Verschwörungsgläubigen hilft das kein Stück weiter.

    Auffällig finde ich, dass die meisten paranoiden Psychosen auch mit ganz persönlichen Verschwörungsmythen einhergehen. Die sind allerdings selten chronisch, bei den meisten gehen sie recht schnell wieder weg, kommen aber in der nächsten Krise auch öfter wieder. Aber dann auch gerne immer wieder mit neuen Varianten. Bei uns in der Selbsthilfe erleben wir immer wieder, wie einer wieder abdreht und sich was neues zusammen spinnt. Das führt erst zur Isolation und meist nachfolgend zum Klinikaufenthalt, aber ein paar Monate später sind die Chancen ganz gut, dass die Leute auf den Teppich zurückkommen und ihre sozialen Kontakte wieder aufnehmen.

    Es ist interessant zu beobachten, wie die Betroffenen oft relativ schnell wieder zu Vernunft kommen, und sich über ihre persönlichen Verschwörungsmythen im Nachhinein sogar amüsieren können. Das kann durch entsprechende Medikamente gefördert werden, es kommt aber auch öfter von selber zu einer Besserung. So ganz alleine im eigenen Wahnsinn macht einfach zu einsam, so attraktiv der Mythos auch war, alleine macht das dauerhaft einfach keinen sonderlichen Spaß.

    Bei organisierten Verschwörungsmythen und psychisch gesunden Betroffenen sind die „Heilungschancen“ wohl wesentlich schlechter. Aber die Ähnlichkeit der Symptomatik ist groß. Wenn ich mir den normalen Verschwörungsgläubigen ansehe, z.B. ein Mitglied bei den Zeugen Jehovas, und mir vorstelle, dass der komplett von seinen Glaubensbrüdern getrennt wird und jahrelang nur mit vernünftigen Menschen zu tun hat, kann ich mir sehr gut vorstellen, dass der von seinem Jehovas-Trip wieder runterkommt. Eben weil die ganze Aktion allein keinen Spaß macht.

    Sinn machen die Verschwörungsmythen sowieso nicht, aber dass der Mensch viel Unsinn macht, ist jetzt auch wieder nichts Neues. Vielleicht sollte man zunächst einmal dafür werben, einerseits absichtlich viel schönen Unsinn zu machen, z.B. jede Wochen zum BVB ins Stadion zu marschieren, um dann aber in konkreten wichtigen Fragen sich echt um Sinn und Verstand zu bemühen.

    • Meinen Sie, @Tobias Jeckenburger? Ich denke schon, dass das Wissen um die Wirkung früher Prägungen gesellschaftlich, sozial und auch individuell nützlich ist.

      Gesellschaftlich wird so besser verständlich, warum auch formal gebildete Menschen im Verschwörungswahn versinken können. Sozial wird damit verständlicher, was eigentlich in den Opa gefahren sei, mit dem man Dich vor ein paar Jahren noch ordentlich reden konnte. Und individuell können die Erkenntnisse ein Anreiz sein, nicht nur künftige Generationen besser zu behandeln, sondern auch Gespräche und Hilfsangebote für Erwachsene zu schaffen. Denn Kindheit prägt uns zwar, sie muss uns aber nicht determinieren. Wir haben doch immer wieder neu die Wahl, uns zu unserer Kindheit zu verhalten.

      Mit Ihren Beobachtungen dazu, dass Verschwörungsmythen es schwer haben, zu überleben, wenn sie nicht in Gruppen gestützt werden, liegen Sie m.E. ganz richtig. Die Gefahr sehe ich dann wachsen, wenn – ggf. digitale – Gruppen ihre Wut auf Menschengruppen externalisieren, statt die eigenen, emotionalen Probleme zu erkennen. Dagegen finde ich es klasse und anerkennenswert, dass Sie sich im Kontext von Selbsthilfegruppen engagieren. 👍✅

  6. @Michael Blume 25.03. 08:35

    „Die Gefahr sehe ich dann wachsen, wenn – ggf. digitale – Gruppen ihre Wut auf Menschengruppen externalisieren, statt die eigenen, emotionalen Probleme zu erkennen.“

    Ja das ist doch gerade die Funktion von Verschwörungsmythen im Kontext von organisierten Gruppen, die sonst wenig anzubieten haben. Sowohl kann man damit Sekten zusammenhalten als auch Versuche unternehmen, rechtsradikale Politik zu machen. Auch die kommunistischen Diktaturen haben versucht, sich das zunutze zu machen. Hier war der internationale Großkapitalist der Superverschwörer und die Spitze des angeblichen Verfalls in den Demokratien.

    Adolf Hitler hat sich sein ganzes Propagandakunstwerk ganz gezielt so zurecht gezimmert, dass er möglichst fast die gesamte Bevölkerung hinter sich bringen kann. Das war wohl auch mehr rationale Überlegung, als dass er seinen Blödsinn selber geglaubt hätte, vermute ich mal.

    Auch generell nutzen Diktatoren auf absteigendem Ast gerne neue ausländische Bedrohungen, um sich wieder mehr Zustimmung zu besorgen. Ich denke da z.B. an den doch recht sinnfreien Falklandkrieg. Argentinien brauchte einen äußeren Feind, und Mrs Thatcher nahm das Angebot dankbar an.

    Das kommt zuweilen auch in unseren Demokratien vor, dass hier z.B. ein Saddam Hussein zum potentiellen Beherrscher des ganzen nahen Ostens hochstilisiert wurde, der unbedingt gestoppt werden muss, um mal wieder einen US-Übungskrieg zu rechtfertigen.

    Das man sich Angesichts eines äußeren Feindes besser zusammentun kann, ist generell eine menschliche Eigenschaft, und hat zunächst mal nichts psychologisch Pathologisches, finde ich. Wenn der Feind natürlich komplett fantasiert ist, dann schon.

    Ich finde hier mangelnde Kompetenzen im Umgang mit fragwürdigen Theorien als maßgeblicher an als eine eventuell autoritäre Erziehung. Der Umgang mit der Komplexität des konkreten Lebens wie auch die persönliche Kultur von konsequenter Realitätsprüfung spielt hier, meine ich, die Hauptrolle. Wenn ein Mangel auf diesem Gebiet auf einen geschickten Verführer trifft, haben wir hier die konkrete Möglichkeit, dass der Mensch auf Verschwörungsmythen hereinfällt. Insbesondere, wenn dann auch noch ein Medium zur Verfügung steht, das den Kontaktraum herstellen kann und die Kommunikation in Richtung Verschwörungsmythen mit dem gesammelten Wissen über den Internetnutzer fördert.

    Den Propagandaopfern hier noch eine kaputte Kindheit zuzuschreiben, nützt jetzt erst mal nichts.

    „Denn Kindheit prägt uns zwar, sie muss uns aber nicht determinieren. Wir haben doch immer wieder neu die Wahl, uns zu unserer Kindheit zu verhalten.“

    Eben. Wie wollen Sie denn die Rolle der Kindheit im Kampf gegen Verschwörungsglauben dazu nutzen, das Problem zu reduzieren? Ich wüsste jetzt nicht wie.

    Beim Umgang mit Psychotikern mache ich immer Werbung für eine konzentrierte Realitätsprüfung, und versuche an Zeiten zu erinnern, in denen es den Betroffenen noch selbstverständlich war, genau zu prüfen, bevor man etwas glaubt. Man kann hier erfolgreich ansetzen, weil hier eine Krankheit zu Gange ist, die nur zeitweilig die Kritikfähigkeit ruiniert. Wenn es dem Patienten wieder besser geht, kann man Erfolg damit haben, die wiederhergestellte Urteilsfähigkeit zum erneuten Prüfen der Verschwörungstheorie zu nutzen. Das funktioniert dann tatsächlich.

    • Danke, dass Sie sich so intensiv und kundig mit dem Thema befassen, @Tobias Jeckenburger. Daher möchte ich mir gerne eine fachliche Nachfrage erlauben.

      Mir liegen – allerdings bislang wenige – Befunde vor, wonach auch Langeweile die Neigung zu extremen Meinungen und Verschwörungsmythen befördern kann.

      Ist das aus Ihrer Sicht / Beobachtung Quatsch oder eine Spur, der wissenschaftlich weiter (bzw. tiefer) nachzugehen wäre?

      Über Ihre Gedanken dazu würde ich mich freuen! 😏🙏🤔

  7. ich bin ungemein dankbar für all die Zusammenhänge zu Verschwörungsmythen, die ich durch Ihre Arbeit besser erkennen und benennen kann.

    Was mir aber gerade in diesen Zeiten auffällt, dass z.B. einige Leute aus der Integralen Philosophie (hauptsächlich durch Ken Wilber geprägt) sich oft nicht eindeutig gegen Verschwörungsmythen abgrenzen können oder wollen. Viele fühlen sich “spirituell, nicht religiös” und identifizieren sich durch Ablehnung, ein erhabenes Wissen oder durch höheres Bewusstsein.

    Mir fällt außerdem auf, wie anfällig wir sind, wenn wir rhetorische Kniffe und logische Fehler (oft aus Begeisterung oder Ängsten, also emotionale Trigger) nicht erkennen oder gar benennen können. Ich denke, dass da auch unser Schulsystem einen großen Anteil daran hatte, wurden wir doch meistens auf Eindeutigkeit und Richtigkeit geprüft, sodass selbst eine Textinterpretation im Fach Deutsch richtig oder falsch war, aber selten geholfen wurde mit Unbestimmtheit so umzugehen, dass wir entspannt in einer komplexen, uneindeutigen Situation stehen bleiben konnten. Auch dort wurde mit viel Autorität gearbeitet, ganz ohne körperliche Schläge, aber ich erinnere mich, dass manche Worte der Lehrer sich trotzdem so anfühlten.

    Mir ist auch aufgestoßen, dass Anhänger von Verschwörungsmythen in Ihrem Text stark auf Kindheitserfahrungen als ursächlich dargestellt wurden.
    Ich kenne einige, die nicht mit Schlägen aufgewachsen sind und wir wissen heute, dass entwertende Worte im menschlichen System die gleiche Wirkung entfalten können.
    Ich sehe auch, wie viele sich den Verschwörungsmythen zuwenden, die sich stark nach Harmonie sehnen und nicht konstruktiv streiten können, die eine Ablehnung ihrer Meinung, gleich als Ablehnung ihrer Person gleichsetzen. Die aber gleichzeitig ihre Haltung “gegen den Mainstream” als Beweis sehen, wie mutig oder streitbar sie angeblich wären. Oder die allein bei den Begriffen Autorität oder Hierarchie schon Zustände bekommen.
    Auf was ich hinweisen möchte, dass auch ganz ohne Schläge in der Kindheit, auch z.B. eine antiautoritäre Erziehung oder andere gesellschaftlichen Entwicklungen Anhänger von Verschwörungsmythen hervor bringen.

    • Vielen Dank, @Monika Kienle. In der Beobachtung, dass auch nicht-autoritär erfahrene Kindheiten zu Verschwörungsglauben führen können, teile ich. Die obigen Ausführungen bezogen sich ganz konkret auf Antisemitismus und Führerkult. Dass es darüber hinaus verschiedene, manchmal auch ärgerliche aber weniger gewaltaffine Subkulturen von Verschwörungsmythen gibt, stimmt.

      M.E. kommt es dagegen generell nicht nur auf mehr kognitive, sondern auch kulturelle und emotionale Bildung an. Wie Sie richtig schreiben kann auch Vereinnahmung ein letztlich intoleranter Zug sein, um Vielfalt nicht mehr ertragen zu müssen.

    • Persönlich finde ich ja jene Ideologen immer besonders unsympathisch, die sich über Leid und Tod anderer auch noch freuen, @hto.

      Aber da Sie hier schon gerade wieder trollen, will ich Ihnen nicht den Hinweis ersparen: Auch der neueste Coronavirus Covid19 trat in einem Land auf, das seit Jahrzehnten von einer kommunistischen Partei diktatorisch regiert wird.

      Und dessen marxistische Führung über den Virus wie auch das Schicksal von Tibetern und Uiguren ungern bzw. falsch informiert.

      Es wird nix mit Ihrer Weltrevolution, @hto. Sie werden unsere Demokratie weiter ertragen müssen… 😏✊🌷🌍

      • … wo der erste Covid19 aufgetreten ist, ist unbekannt, der erste “bemerkte” Ausbruch war in China.
        Soviel epidemiologische Genauigkeit sollte bei den vielen Fakenews sein 😉

        • Wobei wir hier wieder bei der bekannten Widersprüchlichkeit von Verschwörungsgläubigen sind, @Herr Senf: Einerseits wird auf Biolabore in Wuhan verwiesen, in denen das Virus 🦠 von George Soros & Co. „gezüchtet“ worden wäre – andererseits wird insinuiert, es sei von US-amerikanischen Soldaten gezielt nach Wuhan eingeschleppt worden.

          Beobachtet worden und in diesem Sinne aufgetreten ist das Virus erstmals auf einem Fleisch- und Fischmarkt in Wuhan. Und alle wissenschaftlichen Befunde deuten auf eine natürliche Mutation und eine Übertragung von Tieren auf Menschen hin, wie es ja auch bisher schon geschah.

        • Übrigens nicht auf meinem „Mist“ gewachsen: das war Gerhard Merz mit seinem für mich jdnfls eindrücklicher wirkenden Satz: …“möge die Welt vor Klarheit erzittern“…
          sowas von komplett nebenbei gesagt damals, dass es hier doch tatsächlich für repetierenswert immer noch gehalten wird.

  8. Sehr gut, was bisher zu Verschwörung und Glauben gesagt wurde.
    Meiner Meinung nach beginnt der Verschwörungsglauben in jedem einzelnen Menschen.
    Bei Matthäus 7,3 steht :Was siehst du aber einen Splitter in deines Bruders Auge, und des Balkens in deinem Auge wirst du nicht gewahr?… Lukas 18:11 Der Pharisäer stand und betete bei sich selbst also: Ich danke dir, Gott, daß ich nicht bin wie die anderen Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner.
    Es geht darum, dass sich ein Einzelner vom Anderen abheben will und dass er sogar alle Anderen als gefährlich betrachtet.
    Oder umgekehrt, dass sich ein Einzelner oder eine Gruppe als privilegiert betrachtet, wie die Zeugen Jehovas.
    Der Andere ist dann der Verschwörer.
    Und wenn man diese Einstellung in einer Partei pflegt, dann bekommt man Parteien wie die AfD, die Kommunisten, die den anderen Parteien die Schuld zuschieben.
    Eine Folge des Verschwörungsglaubens ist die Schuldzuweisung.

    • Vielen Dank, @H.Wied!

      Tatsächlich sehe auch ich hier den Bruchpunkt zwischen demokratischem und totalitärem Diskurs: Im demokratischen Diskurs ist es alltäglich, sogar notwendig, dass Menschen verschiedene Interessen vertreten und verschiedene Meinungen vertreten. Entsprechend debattieren und konkurrieren demokratische Kandidatinnen und Parteien miteinander – aber sie sind keine Feinde, können sogar auf persönlicher Ebene befreundet sein.

      Für einen Verschwörungsgläubigen sind dagegen Andersdenkende tatsächlich Feinde – die aus Bequemlichkeit oder sogar Bosheit der Weltverschwörung der Juden, Illuminaten, Kapitalisten, Genderisten, Globalisten o.ä. dienen. Hier geht es also nicht mehr um eine streitbare Debatte und Dialog, sondern um einen vermeintlichen Krieg zwischen “Gut” (die eigene Gruppe) und “Böse” (die vermeintlichen “Systemlinge”, d.h. Weltverschwörer). Entsprechend wünschen Verschwörungsgläubige ihren Feinden nicht einfach nur Wahlniederlagen, sondern wollen sie vertreiben, einsperren, “in Anatolien entsorgen”, sterben sehen, “ausschwitzen” (Björn Höcke) usw.

      Vor sich selbst können Verschwörungsgläubige diesen extremen Hass dadurch rechtfertigen, dass sie sich ja “nur verteidigen” würden – in ihrer Wahnwelt sind es ja die “Feinde”, die angeblich Vernichtunsgpläne hegen und durchführen würden.

      Es freut mich, wenn deutlich geworden ist, wie gefährlich und “giftig” Verschwörungsdenken ist – und warum es in digitalen Zeiten wieder eskaliert.

  9. Ich hätte da mal eine Verschwörungsfrage an den Experten. Wo sind denn nun eigentlich Saddams Massenvernichtungswaffen abgeblieben? Im Irak wurde sie nicht gefunden aber irgendwo müssen sie ja sein, denn der Kriegsgrund der “Koalition der Willigen” kann ja unmöglich eine Verschwörungstheorie gewesen sein.

    • Doch, lieber @Peter Müller – selbstverständlich konnte man die Theorie vertreten, dass es die behaupteten Massenvernichtungswaffen Saddam Husseins nie gegeben hat. Und die von Ihnen so beschimpften “Mainstream”-Medien, Oppositionspolitiker u.v.m. haben diese Theorie überprüft und bestätigt: Es gab die behaupteten Waffen in dieser Form nicht.

      Sie sehen also: Demokratie und freie Medien funktionieren und decken auch Falschbehauptungen auf. In China kann dagegen z.B. das Massaker vom Platz des Himmlischen Friedens nach wie vor vedrängt, ja geleugnet werden. Genau DAS ist ja der erkenntnistheoretische Unterschied: Theorien lassen sich empirisch überprüfen, Mythen nicht.

      Wenn es bald eine Podcast-Folge zur Unterscheidung von Verschwörungstheorien und Verschwörungsmythen gibt, greife ich das von Ihnen hier angeführte Beispiel gerne auf – vielen Dank! 🙂

      • Sie geben also zu, dass die amerikanische Regierung Verschwörungstheorien über Saddam Hussein verbreitet hat? Ist es dann so abwegig anderen Aussagen der amerikanischen Regierung ebenfalls zu misstrauen?

        • Oh nein, @Peter Müller, wir hatten das Thema ja schon viele Male miteinander diskutiert.

          Gerne nochmal erläutert: Das ganze demokratische System basiert ja auf “konstruktivem Misstrauen”, nämlich auf einer Gewaltenteilung zwischen Exekutive (Regierung), Legislative (Parlament), Judikative (Justiz) und Publikative (Medien). Dadurch soll Machtmissbrauch erschwert und – wo geschehen – aufgeklärt werden. Gerade auch am Beispiel der vermeintlichen, iranischen Massenvernichtungswaffen können Sie ersehen, dass genau dies auch geschehen ist. Keine heimliche Weltverschwörung vermochte Presse und Opposition daran zu hindern, auf das Fehlen der behaupteten Waffen hinzuweisen.

          Das Problem ist also nicht, dass Sie amerikanischen, deutschen und israelischen Regierungen misstrauen – sondern dass Sie umgekehrt zu wenig Skepsis vor allem gegenüber russischen und generell antisemitischen, tatsächlich autoritären Verlautbarungen aufbringen.

          Sie glauben – trotz der erfolgreichen Aufdeckung auch o.g. Vorgänge – an Weltverschwörungen zur Kontrolle der Demokratien und sehnen sich nach einem starken Führer und Beschützer.

          Seien Sie also gerne misstrauisch – aber eben nicht nur gegenüber Liberalen und Juden, sondern erst Recht gegenüber Autoritären sowie den von ihnen tradierten Verschwörungsmythen.

          That‘s it. 🤗🌍✅

  10. Zum Folgenden:

    “Wobei wir hier wieder bei der bekannten Widersprüchlichkeit von Verschwörungsgläubigen sind, …….. “
    (Zitatende)

    Ich wusste noch gar nicht , dass alle Verschwörungsgläubigen in einer weltweit einheitlich organisierten Partei mit absolutem Fraktionszwang organisiert sind.

    Man lernt auch bei Anti – Verschwörungskämpfern immer wieder etwas über neue weltweite Verschwörungen. (-:

    • Nein, keine Sorge, @little Louis. Sie und andere Verschwörunsgläubige sind nicht “in einer weltweit einheitlich organisierten Partei mit absolutem Fraktionszwang organisiert”. Sie betrachten und deuten die Welt nur mit eng vergleichbaren, psychologischen Prozessen. Und das Internet erlaubt Ihnen und anderen leichter denn je, sich in digitalen Foren und Gruppen abgeschottet von anderen Auffassungen gegenseitig zu bestärken.

      Wir hatten es ja darüber schon ausführlicher bei den antisemitischen Mythen über eine weltweite Albert-Einstein-Physiker-Verschwörung…
      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/der-alte-antisemitismus-in-der-digital-befeuerten-einstein-relativitaetskritik/

      Und auch wenn ich weiß, dass meine Chancen eng beschränkt sind, Ihnen aus dem Verschwörungsdenken heraus zu helfen, so finde ich es doch gut und auch für Dritte hilfreich, dass wir im Dialog bleiben.

    • Wenn die Gewaltenteilung so toll funktionert, wer wurde jetzt noch einmal für die Lügen, die zu einem völkerrechtswidrigen Krieg gegen den Irak geführt haben, verurteilt?

      Lesen Sie auch mal hier einen Artikel aus dem ehemaligen Nachrichtenmagazin Spiegel:
      https://www.spiegel.de/politik/ausland/uno-sicherheitsrat-powell-hat-mit-seinem-plaedoyer-begonnen-a-233811.html
      Komischerweise fordert da die EU vom Irak, die nicht vorhandenen Waffen abzurüsten. Von Forderungen an die USA, keine Lügen über nicht vorhandenen Waffen zu verbreiten, steht dort nichts.

      • Wer behauptet denn, dass die Gewaltenteilung bereits international funktioniert, @Peter Müller? Sie werden als erklärter Orban- und Putin-Fanboy doch recht genau wissen, wie es die dortigen Autokraten mit Gewaltenteilung halten. Auch in Israel und den USA ist das Prinzip unter Druck – und zwar insbesondere von rechts.

        Würden Sie jedoch tatsächlich in einem autoritären Staat wie z.B. China leben, dann würden Sie schon für den Versuch in den Knast wandern, beispielsweise über das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens zu diskutieren.

        Was wir gemeinsam beobachten: Dass auch Demokratien ihre Ideale selten erreichen und selbst Erreichtes immer wieder verlieren können. Was uns unterscheidet: Ich teile Ihre Bereitschaft nicht, das demokratisch Erreichte zugunsten eines antisemitischen Verschwörungsglaubens wegzuwerfen. Antisemitismus bietet keinerlei Lösungen, sondern er verschärft die Krisen.

        Und wohin Sie selbst sich dabei stellen, das ist alleine Ihre Wahl und Verantwortung.

  11. @Michael Blume 25.03. 19:48 :

    „Mir liegen – allerdings bislang wenige – Befunde vor, wonach auch Langeweile die Neigung zu extremen Meinungen und Verschwörungsmythen befördern kann.“

    Wenn unfreiwillige Langeweile wegen einem Ausschluss aus der Gesellschaft – aus welchem Grund auch immer – im Spiel ist, fördert das vielleicht auch die Zuneigung zu Verschwörungsmythen. Wobei die Menschen durch Langeweile eher immer inaktiver werden, und sich eher keine Verschwörungsmythen selber ausdenken. Wenn man von der Gesellschaft recht unfreundlich behandelt wird, führt das aber in jedem Fall zu Reaktionen. Und nicht unbedingt nur zu unsinnigen Reaktionen. Wenn man lange Jahre von Harz4 verfolgt wird, oder in prekäre Beschäftigungen gedrängt wurde, ist das kein Mythos, sondern Wirklichkeit. Und eine Wirklichkeit, die einen vielleicht noch nicht betrifft, vor der man aber reichlich Angst haben kann. Was hier die Anti-Corona-Maßnahmen noch mit der Wirtschaft insbesondere in Südeuropa machen werden, mag ich mir noch gar nicht vorstellen.

    Die ganz persönlichen Verschwörungsmythen, die viele akute Psychosen begleiten, sind nicht dasselbe, wie wenn sich jemand einer Gruppe anschießt, die mittels Verschwörungsmythen zusammen gehalten wird. Und doch trifft es tatsächlich auch manche psychisch Kranke, dass die sich zumindest vorübergehend auch solchen Gruppen anschließen. Ich kenne Fälle, die sich radikalen Islamisten, Reichsbürgern, Zeugen Jehovas, Jesusfreaks oder Baptisten offensichtlich aus Langeweile zugesellt haben. Erfreulich ist hier, dass einige nur für eine Episode dabei waren. Mit der nächsten akuten psychotischen Krise sind sie da dann wieder abtrünnig geworden.

    Bei psychisch Kranken muss man bedenken, dass diese aufgrund der Krankheit keinen Zugang zum ersten Arbeitsmarkt mehr haben, und deswegen meistens sehr unter Langeweile leiden. Die Krankheit selbst ist allerdings standardmäßig durch eine extreme Überlastungssituation entstanden. Dennoch ist die Langweile oft das den Alltag über Jahrzehnte bestimmende Element. Nach langjähriger Unterbelastung gehen dann auch eine Menge Kompetenzen verloren, wenn es dann zu eigentlich mäßigen Belastungen kommt, kann das für die nächste Krise reichen. Inwieweit das dann in den Krisen zu psychotischen privaten Verschwörungsmythen führt, ist schwer zu sagen. In einem Klima von stark reduzierter Urteilsfähigkeit wird vieles möglich, auch haarsträubender Unsinn.

    Es gibt aber auch einige psychisch Kranke, die ihr Beschäftigungsproblem auch jenseits des ersten Arbeitsmarktes gut gelöst haben. In diesem Fall sorgt die gute Beschäftigungslage für einen passablen Trainingszustand und damit für eine Stabilisierung, dass Psychotiker dann gar nicht mehr in Krisen kommen. Und somit auch mit Verschwörungsmythen dauerhaft nichts mehr zu tun haben.

  12. Wenn Langeweile und Ziellosigkeit Verschwörungsglauben fördern, dann wohl darum weil mit dem Verschwörungsglauben wieder ein Zentrum des Denkens, ein neuer Fokus entsteht. Womit dann alles wieder einen Sinn erhält – einen neuen Sinn.
    Doch worin ist dieses Denken, dieses Ausspinnen von Verschwörungsmythen begründet? Was sind die tieferen Kräfte? Nun, es sind wohl die Grundkräfte, die in jedem wirken, der in einer unsicheren Welt lebt (und leben wir nicht alle in einer unsicheren Welt?). Unbestimmte oder auch an einer unangenehmen persönlichen Situation festgemachte Ängste lassen uns nach einer Ursache, vor allem aber nach einem Verursacher suchen. Wenn es keinen konkreten Verursacher gibt, dann muss der Verursacher das System, die Welt selbst sein, in der man lebt. Und wer beherrscht und lenkt diese Welt, dieses System? Nun, es können nicht die gewöhnlichen Leute von nebenan oder die gewählten Repräsentanten sein, denn diese leben ja in derselben Welt und sind recht zugänglich und treten verständig und mitfühlend auf. Nein auch diese Leute, die ich gewählt habe, wissen nicht was wirklich abläuft, wissen nicht um die geheime Agenda, die selbst in scheinbar alltäglichen und unauffälligen Dingen zum Zuge kommt und die gegen mich und für die Verschwörer arbeitet, für die Verschwörer, welche alle unsere eigenen Anstrengungen zunichte machen, indem sie die wirklich wichtigen Dinge kontrollieren und gleich auch in ihrem Sinne kommunizieren, so dass wir in einer Scheinwelt zu leben verdammt sind.
    So oder ähnlich stelle ich mir das vor. Wer sich vorher gelangweilt hat, ist nun gepackt von den Enthüllungen, die er selber gemacht oder mindestens nachvollzogen hat. Er ist nun in der Wahrheit und hat Lüge und Täuschung hinter sich gelassen.
    Leider ist es aber gerade umgekehrt: die Wahrheit war und ist die langweilige Welt und die Täuschung ist die vermeintliche Erklärung der Welt als gelenkt von Verschwörern mit einer geheimen Agenda.
    Wer die Welt nicht im Griff hat, der rettet sein Selbstbild also dadurch, dass er glaubt, Verschwörer hätten die Welt im Griff und machten alle eigenen Anstrengungen zunichte.

    • Danke, @Martin Holzherr – für gruppendynamische Verschwörungsmythen, wie sie sich derzeit auch digital verbreiten, wäre ich da sehr bei Ihnen!

      Bei individuellen Wahnvorstellungen bin ich bezüglich der Langeweile-These aber (noch) skeptisch. Und selbstverständlich am Dazulernen interessiert. 👍

  13. @Monika Kienle 25.03. 18:09

    „Ich denke, dass da auch unser Schulsystem einen großen Anteil daran hatte, wurden wir doch meistens auf Eindeutigkeit und Richtigkeit geprüft, sodass selbst eine Textinterpretation im Fach Deutsch richtig oder falsch war, aber selten geholfen wurde mit Unbestimmtheit so umzugehen, dass wir entspannt in einer komplexen, uneindeutigen Situation stehen bleiben konnten.“

    @Martin Holzherr 27.03. 11:24

    „Nun, es sind wohl die Grundkräfte, die in jedem wirken, der in einer unsicheren Welt lebt (und leben wir nicht alle in einer unsicheren Welt?). Unbestimmte oder auch an einer unangenehmen persönlichen Situation festgemachte Ängste lassen uns nach einer Ursache, vor allem aber nach einem Verursacher suchen.“

    Schule und auch Wissenschaft versucht uns gerne alles eindeutig zu erklären, und versucht diese Eindeutigkeit selbst zur Grundannahme für Sachverhalte zu machen, die noch gar nicht richtig erforscht und bekannt sind. Das verliert da seinen Sinn, wo hier Sachverhalte wirklich unerforscht sind. Gerade die esoterischen Aspekte von Verschwörungsmythen können mit dem Handwerkszeug von Schulbildung nicht eingeschätzt werden.

    Der gut ausgebildete Mensch trifft dann im späteren Leben auf eine Praxis, die an vielen Stellen nicht mehr so eindeutig ist, wie die gut strukturierten Lehrpläne. Das kann schwer irritieren. Das Leben erfordert es, auch im Unklaren weiter zu arbeiten. Ein Management, eine Strategie, angesichts von Unklarheit sich seinen Weg zu suchen, ist hilfreich. Mehrere Optionen, einen Plan B und auch noch einen Plan C braucht man öfter.

    Die Bildungskonstruktionen sind so unvollständig, dass da ganz viel Platz ist auch für Verschwörungsmythen, die eben auch den schulgebildeten Menschen infizieren können. Spätestens wenn hier Geisteswelten ins Spiel kommen, versagt die Schulbildung vollständig. Die simple Theorie, dass es eben keinerlei Geisteswelten gibt, die von fast allen Schulfächern bevorzugt vertreten wird, ist spätestens dann am Ende, wenn der Mensch in der wilden Lebenspraxis auf eben diese Geisteswelten trifft.

    Wie wäre es, wenn Religionsunterricht nicht mehr konfessionell angeboten wird, sondern aus der Perspektive der Religionswissenschaft? Mit dem Schwerpunkt auf einen Überblick über religiöse Praxis, über die Geschichte und die aktuellen Entwicklungen, die der lebende Mensch mit seinem Blick auf Geist und Kosmos selbst gestaltet.

    Sollen die Konfessionen doch ihren eigenen Unterricht außerhalb der Schulen selber organisieren.

    Die offenen Fragen zu identifizieren, und zu respektieren, und gerade diese Offenheit als entscheidendes Kulturgut zu behandeln, macht Sinn meine ich. So wäre es recht eindeutig und jedem so Gebildetem klar, wenn Verschwörungsmythen die großen offenen Fragen in ihrer eigenen Weise eben gröbstens voreilig zu beantworten versuchen.

  14. Hallo. Vielen Dank für diesen informativen Podcast!
    Wie wäre es mit der Idee mal die gängigen Multiplikatoren von V-Mythen einzuordnen?
    Komme darauf, weil ein gewisser Ken gerade mal wieder den Holocaust für seine Zwecke mißbraucht und damit relativiert.
    Freue mich auf mehr Folgen!
    VG BL

    • Vielen Dank, @Be – das hatten wir überlegt und nehmen es gerne für die Zukunft auf. Mehr Folgen kommen, obwohl es viel Arbeit ist! Aber für Interessierte wie Sie sehr gerne! 🙂

      • Vielen Dank! Man müsste sicherlich eine Task-Force bilden, um die Arbeit zu verteilen. “Ein Verschwörungstheoretiker kann in einem Satz mehr Behauptungen aufstellen, als man in einem Wissenschaftlerleben widerlegen könnte.” (Quelle unbekannt, sicherlich von einer der GWUP nahestehenden Person). LG

        • Oh ja, @Be. Diesen Prozess vom Produzieren von immer mehr Behauptungen, um von Fehlern und Widerlegungen abzulenken, nenne ich daher auch “Schwurbeln”. Das Internet hat zur Entstehung digitaler Blasen beigetragen, in denen sich Verschwörungsschwurbler gegenseitig anfeuern, scheinbar bestärken und schließlich radikalisieren können. Und von dort aus ziehen sie dann mit Copy & Paste hinaus in die digitale Welt – auch hier auf dem Blog waren sie ja schon rege präsent. 🙂

          Und immerhin: Die Aufklärungsarbeit dieses Podcasts ist selbstverständlich arbeitsteilig. Nicht zufällig werden zu jeder Podcast-Folge mehrere Autorinnen und Autoren seriöser Bücher, aber auch z.B. aufklärende Twitter-Aktivisten, der brillante Hoaxilla-Vortrag bei der GWUP in Köln u.v.m. genannt. Für die Zukunft kann ich mir auch vorstellen, klue Gäste wie z.B. Juna Grossmann oder Sebastian Barthoschek in den Podcast einzuladen. Gegen die Wahnwelten des Verschwörungsglaubens kommen nur Teams an. 🙂

          Ihnen Dank für Interesse und Ermutigung – und alles, alles Gute!

  15. Lieber Michael Blume,

    sehr spannend und sehr lehrreich! Auch wenn eine Geisteswissenschaft nicht so exakt sein kann wie eine Naturwissenschaft, eine Frage habe ich doch noch, nämlich nach einer Quellenangabe für Ihre Aussage, Zitat: “In den USA glauben beispielsweise die meisten Menschen an ein Leben nach dem Tod. Dies gilt auch für eine Mehrheit der Menschen, die sich keiner Religionsgemeinschaft zurechnen.”

    Damit ließen sich evtl. die Fragen beantworten ob sich der zweite Satz auch nur auf die USA bezieht und ob das so zu interpretieren ist, dass diese Menschen nicht automatisch religionsfrei sind sondern eben nur keiner Gemeinschaft angehören? Beim ersten Hören entstand für mich der Eindruck, dass hier die Atheisten gemeint seien.

    • Vielen Dank für die Rückmeldung, @Odysseus Chatzidis.

      Die angesprochenen Daten-Auswertungen finden Sie bei Ryan Burge, auch auf Twitter: @ryanburge

      Wenn Sie darüber noch ein wenig vertiefter diskutieren möchten, dann gerne mit Link (damit es auch andere finden).

      Herzliche Grüße und schöne Feiertage!

  16. Hier kurz paar Fakten die euch Schafe ins wanken bringen:

    Ein Weltraumteleskop wird Luzifer genannt.

    Shiva der Gott der Zerstörung vor dem Teilchenbeschleuniger in Cern.

    Bitte selbst keine Nachforschungen anstellen, Schafe haben zu konsumieren und zu sterben. Unterhaltet euch einfach weiter über Klopapier und kommt euch dabei lustig und weise vor.

      • Gern geschehen Herr Blume,

        ich habe selbstverständlich, argumentativ erstmal nur einen 2 Zeiler verfasst der leicht selbst zu recherchieren ist, bevor ich mir die Mühe mache und zahlreiche Fakten hier hinschreibe, da ich sofort gesehen habe, dass hier die Kommentare nicht sofort frei veröffentlicht werden.

        Nein ganz im Gegenteil, restlos jedes Kommentar wird vorab von einem Moderator gelesen der überprüft ob der Verfasser des Kommentars schön auf Linie ist.

        Erklären sie doch mal den Menschen warum sie keine Kommentare auf YouTube zulassen, bei exakt den selben Potcasts.

        Haben sie sich selbst von meinen beiden Beispielen im Internet überzeugt?

        Sprachen Sie nicht in ihrem Potcast davon frei und offen über alles reden zu dürfen? Warum muss ein Moderator dann die Kommentare vorab lesen? Was hat das noch mit frei zutun?

        • Nun, @MasterHaze1 – leider haben sowohl private Trolle wie auch halbstaatliche Trollfabriken Kommentarfunktionen immer wieder missbraucht, um Diskussionen zu stören, Menschen herabzusetzen usw.

          Ist Ihnen das etwa noch nie aufgefallen? Ich hielt Sie doch für einen ganz besonders kritischen Zeitgenossen! 🙂

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