Verschwörungsfragen 13 – Tag der Befreiung und die jüdische Mystik. Zur großen Rede von Richard von Weizsäcker

Am 8. Mai 1985 hielt Bundespräsident Richard von Weizsäcker die vielleicht bedeutendste Rede der Bonner Republik. Gerade in diesen Tagen, in denen Verschwörungsmythen und Antisemitismus wieder digital eskalieren, lassen sich darin spannende Verweise auf die Kabbala, die jüdische Mystik, erkunden und bedenken. Zugleich wird auch deutlich, warum Antisemitinnen und Antisemiten sowohl die jüdische Spiritualität wie auch die Bundesrepublik Deutschland als Teil der vermeintlichen, jüdischen Weltverschwörung deuten.

Zum Podcast “Verschwörungsfragen” und der derzeitigen, digitalen Eskalation des Antisemitismus finden Sie hier ein Interview von mir mit Simon Wörz in der Stuttgarter Zeitung.

Die Podcast-Folge 13 zum “Tag der Befreiung, Bundespräsident Richard von Weizsäcker und der Kabbala” finden Sie hier auf podigee sowie wieder auf Spotify, Deezer, iTunes und YouTube.

Ein pdf-Textdokument der Folge finden Sie zum Download hier.

Und hier wieder Fließtext für Sie:

Normalerweise sollte sich ein Wissenschaftler freuen, wenn Prognosen eintreten. Bei meinem Thema ist das nicht möglich. Als ich mein Buch unter dem Titel „Warum der Antisemitismus uns alle bedroht. Wie neue Medien alte Verschwörungsmythen befeuern“ herausbrachte, gab es noch viele, die meinten, der Verschwörungsglauben richte sich doch „nur“ gegen Jüdinnen und Juden. Und das mit dem Internet werde schon nicht so heftig werden. Auch das im Video zum Buch vor Querfront-Verbindungen einheimischer und zugewanderter Antisemiten sowie vor Gewalt gewarnt wurde, hielten damals noch manche für übertrieben.

Inzwischen verkündete Xavier Naidoo per Video seinen Glauben an eine Weltverschwörung aus Juden und Demokratinnen, die in unterirdischen Verliesen aus gefolterten Kindern eine Hexensalbe – heute sagen sie „Adrenochrom“ – herausmissbrauchen würden. Nach entsprechenden Einlassungen von Donald Trump ließ Oliver Janich über 80.000 Telegram-Abonnenten „im Zusammenhang mit Covid-19“ an seinen, Zitat – „ersten positiven Erfahrungen mit intravenösem Chlordioxid (CDI)“ teilhaben; also der Infusion mit Chlorbleiche.

Der wegen antisemitischer Ausfälle vom Radio gefeuerte Ken Jebsen rief in der Geste des Freiheitsfreundes zum „Widerstand 2020“ konkret auch in Stuttgart auf. Dabei träumte er schon von der Abrechnung mit politisch Andersdenkenden, der Entlassung unliebsamer Chefredakteure und einem Amt als Kultusminister. Als die Bloggergruppe der „Volksverpetzer“ eine Satire auf seine Verschwörungsvorwürfe zeigte, wurde sie umgehend mit Beschimpfungen und Todesdrohungen geflutet. Freiheit fordern Antisemiten immer nur für sich selbst.

Der vegane Koch Attila Hildmann beschimpfte schließlich Gesundheitsminister Jens Spahn und den Leiter des Robert-Koch-Institutes, Lothar Wieler, als vermeintliche Bill-Gates-Mitverschwörer, posierte mit Waffen und kündigte an, in den „Untergrund“ zu gehen.

Und Juna Grossmann zeigte auf, dass über Google massiv nach „Drosden Jude“ recherchiert wird – weil Antisemiten nach „Belegen“ suchen, dass nicht nur Politikerinnen, sondern auch Virologen Teil der vermeintlichen, jüdisch-satanistischen Weltverschwörung sind. Auch, dass der Wissenschaftler mit Vornamen „Christian“ heißt, kann die Verschwörungsgläubigen nicht stoppen.

Ich bin also besorgt, aber nicht verzweifelt. Denn wenn wir Menschen auch ungerne auf Warnungen hören und Systeme zur Trägheit tendieren, haben wir in Baden-Württemberg doch schon einiges erreicht. So kamen das Innenministerium, die Polizei und mein Team bereits im September in der jüdischen Gemeinde Stuttgart zur Absprache eines landesweiten Sicherheitskonzeptes zusammen – Wochen „bevor“ der Attentäter von Halle zuschlug. Zur Einbringung des ersten Antisemitismusberichtes in unserem Landtag sprachen der Ministerpräsident, sein Vize und Innenminister sowie die Chefs aller – ausnahmslos aller – Landtagsfraktionen. Das parlamentarische Lob von Manuel Hagel für die jüdische Aktivistin Alexandra Poljak – die jüngste Expertin in meinem Rat aus Fachleuten – zeigte vor allem eines: Die digitale Radikalisierung des Antisemitismus wird auch in der Politik zunehmend verstanden.

Auch viele Engagierte in den Medien und Wissenschaften entdeckten das Thema und arbeiteten sich darin ein. An die Stelle weniger, oft verzweifelter Mahner trat ein europaweites Netz gegen den Hass.

Vor allem aber machen Sie mir Mut: Das zunehmende Interesse am Thema Antisemitismus schlug sich in buchstäblich Hunderten Einladungen im ganzen Land nieder. Tatsächlich wurde es so viel, dass ich zum 1. Mai die Referatsleitung im Staatsministerium abgeben durfte und nun zu 100% – eher mehr – mit meinem Team gegen den Hass einstehen darf.

Und nachdem wegen des Coronavirus keine Termine mehr möglich waren, stampften wir eben diesen schon länger angedachten Podcast aus dem Boden. Die Abrufzahlen, also Ihr Interesse, übertreffen täglich unsere Erwartungen und zeigen: Diesmal werden es die Antisemiten nicht schaffen, unsere Demokratie zu zerstören.

Die Welle rollt an und sie wird uns treffen. Aber sie wird uns diesmal nicht umwerfen. Ken Jebsen wird sich auch in Stuttgart blamieren und Xavier Naidoo mit Oliver Janich der monatelang aufgepeitschten Fanbase erklären müssen, wo denn nun die von QAnon fantasierte Massenbefreiung von Adrenochrom-Kindern bleibe.

Wie jetzt bereits diverse, rechtsdrehende Blogportale werden auch von Verschwörungen raunende B-Promis und Influencerinnen die Erfahrung machen, dass sich die Radikalisierung der eigenen Anhängerschaft zwar erst einmal gut anfühlt und auch Geld einbringt, aber kein dauerhaft nachhaltiges Geschäftsmodell ist.

Ich freue mich schon jetzt, gemeinsam mit Ihnen und vielen jüdischen und nichtjüdischen Freunden im nächsten Jahr, in 2021, 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland feiern zu können. Sicher, wir müssen schon jetzt alle Planungen umwerfen und uns komplett neue Formate überlegen. Der Coronavirus wird nicht nur unsere Gesellschaft, sondern auch uns alle verändern.

Aber wir werden das gemeinsam schaffen, den digital aufgeflammten Antisemitismus zurückgedrängt haben und als Demokratinnen und Demokraten durchschnittlich stärker und auch im umfassenden Sinn ‚gebildeter‘ sein als wir es jetzt sind.

In ihrem herausragenden Buch „Böses Denken“ hat die Philosophin Bettina Stangneth in nur einem Satz den Reiz wie auch die Schwäche des Verschwörungsglaubens zusammengefasst. Ich zitiere (S. 74), zum besseren Verständnis zwei Mal:

„Wer auf alles eine Antwort will, kann es bei der Wahrheit nicht belassen.“

„Wer auf alles eine Antwort will, kann es bei der Wahrheit nicht belassen.“

Wir Menschen können mit Unsicherheit nur sehr schwer umgehen. Wir sind leicht zu verängstigen und schnell bereit, denen Glauben zu schenken, die uns vermeintliche Sicherheit versprechen.

Schon im 16. Jahrhundert kam aus dem Niederländischen das schöne Wort des „Quacksalbers“ für Leute auf, die gegen die entstehende „Schulmedizin“ Stimmung machten, um ihre eigenen, unwirksamen oder schädlichen Produkte zu verkaufen. Tobias Ginsburg hat die heute wieder boomende Mischung aus Esoterik und Antisemitismus in „Die Reise ins Reich. Unter Reichsbürgern“ eindrucksvoll erkundet und beschrieben.

Verstärkt nach der Einführung des Euro ließ sich auch die Angst ums Geld immer wieder ausbeuten. So machten eine ganze Reihe von Autoren wie Max Otte, Oliver Janich und Markus Krall im Finanzbuch-Verlag mit Crash-Prophezeiungen und Verschwörungsgeraune so richtig Kasse.

Seit 2010 lässt uns Oliver Janich auch wissen, was das „größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte“ sei. Nein, nicht der Holocaust, auch kein Weltkrieg oder sonst ein Massenmord. In seinem Verschwörungswerk „Das Kapitalismus-Komplott. Die geheimen Zirkel der Macht und ihre Methoden“ raunt Janich auf S. 41: „Unser Zentralbankensystem ist das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte.“

Dass Janich und andere nun auf die Covid19-Pandemie wiederum mit Verschwörungsmythen und Chlorbleiche reagieren, ist also geradezu schlüssig: Antisemiten ertragen keine Unsicherheiten, sie wollen alle Antworten sofort und können es also bei der Wahrheit nicht belassen.

Ob Virus oder Klimawandel, Flüchtlingskrise oder der Brand von Notre Dame in Paris – „irgendjemand“ muss immer schuld sein und hinter „irgendjemand“ stehen immer vermeintliche jüdische Weltverschwörer. Anstatt sich der eigenen Ängste und der Realität zu stellen, wird alles Böse aus dem eigenen Ich abgespalten und den vermeintlichen Verschwörern angehängt. Dann scheint die Welt geordnet und die eigenen Ängste können als Hass gemeinsam ausgelebt werden.

Und wenn sich frühere Prophezeiungen nicht erfüllten, sind dann eben nicht mehr Zentralbanken, sondern plötzlich Impfungen „das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte“. Antisemiten sind vieles, aber sie sind nicht kreativ, sondern reagieren auf Unsicherheit immer wieder zwanghaft mit dem Hervorkramen der immergleichen Verschwörungsmythen. Xavier Naidoo dreht heute Videos, aber inhaltlich ist sein Verschwörungsgeraune kaum über den „Hexenhammer“ von 1486 hinausgekommen. Die vermeintlichen Antworten sind seit Jahrhunderten falsch.

Also, ja: Janich, Naidoo, Jebsen, Hildmann und Co. erreichen immer noch zu viele Menschen, die zu schwach für unvollständige Wahrheiten sind, sich in Verschwörungsmythen verstricken und also aus Geschichte und Wissenschaften nicht lernen wollen.

Aber die allermeisten Menschen sind längst viel weiter. So kapitulierte heute vor 75 Jahren endlich das deutsche NS-Regime, das einen grauenhaften Weltkrieg entfesselt und das tatsächliche Menschheitsverbrechen der Schoah durchgeführt hatte. Und am Ende doch an der Realität scheiterte, wie es Antisemiten immer wieder tun.  

Und, ja, selbst die historische Wahrheit der Niederlage können viele bis heute nicht ertragen.

Massenmörder wie Adolf Eichmann, aber auch Philosophen wie Martin Heidegger gelang es nicht mehr, vom Antisemitismus los zu kommen.

Und solche, die zu schwach für die bittere Wahrheit sind, wachsen auch immer wieder nach: In Folge 9 habe ich Ihnen den libertären Antisemiten Tilman Knechtel vorgestellt, der über den j-k-fischer-Verlag behauptet, auch Hitler sei von den jüdischen Rothschild-Verschwörern gelenkt worden. Und in einer kommenden Folge werde ich Ihnen von den UFO-Mythenbüchern aus dem gleichen Verlag erzählen, nach denen sich die Nazis mit Reichsflugscheiben in die Arktis, auf den Mond oder neuerdings auf den Mars abgesetzt hätten.

Und doch stehen all diese nur für einen kleinen und insgesamt schrumpfenden Teil der deutschen Bevölkerung. Millionen und Generationen haben in oft schweren Konflikten bis in das eigene Innere und die Familien hinein die Niederlage des NS-Regimes nicht nur akzeptiert, sondern auch daraus gelernt.

Einer von ihnen war ein Soldat der Wehrmacht, der 40 Jahre später als Bundespräsident die vielleicht bedeutendste Rede der Bonner Republik halten würde.

Genau heute vor 35 Jahren trat Richard von Weizsäcker ans Rednerpult des Bonner Bundestages und hielt eine Rede, die so tief war, dass sie zwar sofort auch international bestaunt, aber bis heute eher gefühlt als verstanden wird.

Denn Richard von Weizsäcker war nicht weniger Philosoph und Mystiker als sein dafür gerühmter, älterer Bruder Carl Friedrich. Keiner der beiden war ein Kabbalist, aber sie waren gebildet und offen genug, um sich auch religiösen und spirituellen Einsichten über das Christentum hinaus zu öffnen.

In seiner Rede zum 40. Jahrestag der Nazi-Kapitulation tat Richard von Weizsäcker dann etwas unglaublich Mutiges: Er verknüpfte die bundesdeutsche Identitätserzählung mit der jüdischen Mystik.

So eröffnete und beendete er als Bundespräsident seine Rede mit einem Verständnis von Wahrheit, dass dem der Antisemiten punktgenau widerspricht. So sagte von Weizsäcker zu Beginn, Zitat:

„Wir brauchen und wir haben die Kraft, der Wahrheit so gut wir es können ins Auge zu sehen, ohne Beschönigung und ohne Einseitigkeit.“ (Zitat Ende)

Und seine Rede endet mit den Sätzen, Zitat: „Dienen wir unseren inneren Maßstäben der Gerechtigkeit. Schauen wir am heutigen 8. Mai, so gut wir es können, der Wahrheit ins Auge.“ (Zitat Ende)

Der Wahrheit ins Auge zu sehen, so gut wir es können. Das ist der Auftrag.

Während Antisemiten vorläufige Antworten nicht ertragen können und also für Verschwörungsmythen und Hass die Wahrheit opfern, haben wir hier also einen Bundespräsidenten, der mit der Erkenntnis begann und endete, dass wir uns der Wahrheit immer nur annähern können. Und dies dennoch nach besten Kräften versuchen sollen.

Von Weizsäcker gab den Wert der Wahrheit also gerade nicht auf, sondern verwies auf den Stand der Erkenntnistheorie nach Karl Popper und Thomas Kuhn.

Und es entspricht den Lehren der Kabbala, nach der über Da’at – Wissen, Intelligenz -, über Chochma – Weisheit, Denken – und über Binah – Verständnis, Herz – immer noch ein Bereich des nicht Begreifbaren bleibt: Die Keter Eljon, die höchste Krone.

In den Worten des international berühmten Rabbi Steinsaltz steht sie, Zitat: „jenseits jeder Erfahrung und Ergründung. Im Sohar gibt es einen Ausdruck, mit dem Keter umschrieben wird: Ein dunkles Licht.“ (Zitat Ende)

Wir sprechen hier also von Bereichen der Wahrheit, die sich dem menschlichen Auge entziehen. Und tatsächlich deutet Steinsaltz die „allererste Erzählung der Bibel“ von Adam und Eva in diesem Sinne: Der Mensch, der keine Grenzen des eigenen Wissens hinnehmen will, fällt tief.

Es klingt wirklich verblüffend nach den heutigen, digitalen Blasenbewohnern ohne seriöse Tageszeitung, wenn Steinsaltz die Not des Menschen so beschreibt, Zitat (S. 129): „…wenn er nur noch bruchstückhafte Informationen, Haufen zusammenhangloser Fakten in sich aufnimmt, die ihn, ob sie nun stimmen oder nicht, daran hindern, überhaupt noch wirkliche Erfahrungen zu machen.“ (Zitat Ende)

Entsprechend sollten auch Widersprüche zwischen verschiedenen Wissensbereichen nicht unterdrückt oder verdrängt, sondern ausgehalten werden. Rabbi Steinsaltz auf S. 100, Zitat: „Ähnlich stellt der Gegensatz zwischen Verstand und Gefühl, Wissenschaft und Glaube, verstandesmäßiger Forschung und Einfachheit der Seele keinen wesenhaften Widerspruch oder Kampf dar. Der rechte ‚Way of life‘ verlangt hier nicht Einheit. Im Gegenteil, er verpflichtet uns, in den Widerspruch zwischen diesen beiden Zugängen einzutauchen.“ (Zitat Ende)

Und diese also immer nur vorläufige Wahrheit als Basis wirklicher Erfahrungen gilt es nach der jüdischen Tradition eben nicht nur im Außen, sondern auch im Innen zu suchen. In den Worten des Holocaust-Überlebenden, Talmudgelehrten und Friedensnobelpreisträgers Elie Wiesel haben wir zwar „die dunkle Seite des Mondes erforscht, aber nicht die dunkle Seite des menschlichen Herzens.“

Genau dafür plädierte nun von Weizsäcker, Zitat: „Der 8. Mai ist für uns vor allem ein Tag der Erinnerung an das, was Menschen erleiden mußten. Er ist zugleich ein Tag des Nachdenkens über den Gang unserer Geschichte. Je ehrlicher wir ihn begehen, desto freier sind wir, uns seinen Folgen verantwortlich zu stellen. […]

Verbittert standen Deutsche vor zerrissenen Illusionen, dankbar andere Deutsche vor dem geschenkten neuen Anfang. […] Die meisten Deutschen hatten geglaubt, für die gute Sache des eigenen Landes zu kämpfen und zu leiden. Und nun sollte sich herausstellen: Das alles war nicht nur vergeblich und sinnlos, sondern es hatte den unmenschlichen Zielen einer verbrecherischen Führung gedient. Erschöpfung, Ratlosigkeit und neue Sorgen kennzeichneten die Gefühle der meisten. […]

Der Blick ging zurück in einen dunklen Abgrund der Vergangenheit und nach vorn in eine ungewisse dunkle Zukunft.

Und dennoch wurde von Tag zu Tag klarer, was es heute für uns alle gemeinsam zu sagen gilt: Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.“ (Zitat Ende)

Leicht hätte der Redner hier eine billige Ausflucht nehmen und so tun können, als sei der Nationalsozialismus gewissermaßen von außen über die Deutschen gekommen und dann endlich abgeschüttelt worden. Aber so einfach machte – und macht – es uns Richard von Weizsäcker nicht. Ausdrücklich erinnerte er an den Tag, an dem die Deutschen die Nazis selbst an die Macht gewählt hatten, Zitat: „Wir dürfen den 8. Mai 1945 nicht vom 30. Januar 1933 trennen.“

Ebenso machte er deutlich, dass der Antisemitismus kein verborgenes Randphänomen des NS-Regimes gewesen war, Zitat:

„Am Anfang der Gewaltherrschaft hatte der abgrundtiefe Haß Hitlers gegen unsere jüdischen Mitmenschen gestanden. Hitler hatte ihn nie vor der Öffentlichkeit verschwiegen, sondern das ganze Volk zum Werkzeug dieses Hasses gemacht.“ (Zitat Ende)

Schuld lag nach von Weizsäcker gerade nicht nur im Auge des Betrachters, sondern bildete eine moralische Realität, die sich immer an Einzelpersonen anhaftet und auch nur von diesen bearbeitet werden kann. Zitat:

„Schuld oder Unschuld eines ganzen Volkes gibt es nicht. Schuld ist, wie Unschuld, nicht kollektiv, sondern persönlich.

Es gibt entdeckte und verborgen gebliebene Schuld von Menschen. Es gibt Schuld, die sich Menschen eingestanden oder abgeleugnet haben. Jeder, der die Zeit mit vollem Bewußtsein erlebt hat, frage sich heute im Stillen selbst nach seiner Verstrickung.“ (Zitat Ende)

Auch damit befand sich von Weizsäcker in voller Übereinstimmung mit dem jüdischen Monismus, nachdem von Gott sowohl Gutes wie Böses ausgehe und jeden Menschen selbst vor die Wahl stelle.

In den Worten von Rabbi Steinsaltz, Zitat (S. 42): „Das heißt, die Seele wird nicht durch etwas bestraft, das von außen kommt, sondern durch jene Erscheinungen des Bösen, die sie selbst gemäß ihrer Ebene und ihrem Wesen erschaffen hat. […] Da sogar dieser Bereich der Welten des Bösen von Grund auf innerlich und geistig ist, wird er nur in der einen oder anderen Art von Schau geoffenbart.“ (Zitat Ende)

Richard von Weizsäcker gelang in seiner Rede, woran in diesen Tagen der AfD-Fraktionschef Alexander Gauland gescheitert ist. Auch dieser bezeichnete den 8. Mai als (Zitat) „ambivalenten Tag“ der „für die KZ-Insassen“ ein „Tag der Befreiung gewesen“ war. „Aber es war auch ein Tag der absoluten Niederlage, ein Tag des Verlustes von großen Teilen Deutschlands und des Verlustes von Gestaltungsmöglichkeit.“ (Zitat Ende)

Ein Tag kann aber nicht gleichzeitig und für die gleiche Gruppe „ambivalent“ – also mehrdeutig – und „absolut“ sein. Die logische Spannung lässt sich nur auflösen, wenn die Befreiung der KZ-Insassen aus der deutschen Erfahrung ausgegliedert wird – erst dann ist die deutsche Niederlage „absolut“. Deutschland wurde demnach besiegt und verkleinert, die „Gestaltungsmöglichkeit“ richtet sich nie nach innen, sondern nur nach außen.

Diese Vorstellungswelt erinnert an das Brettspiel „Risiko“, in dem die Armeen in wilden Würfelschlachten Gebiete auf der Weltkarte voneinander „befreien“, ohne dass eine innere Entwicklung stattfinden könnte. Die Bedeutung des 8. Mai bliebe so auf ewig als „absolute Niederlage“ fixiert.

Bei von Weizsäcker wird dagegen die Erfahrung der Befreiten und der Besiegten in der Zeit „von Tag zu Tag klarer“ verbunden: Was getrennt war, muss nicht getrennt bleiben.

Der Historiker Michael Wolffsohn bemerkte dazu gestern, dass die Deutung des 8. Mai 1945 als „Befreiung… aus heutiger Sicht ethisch überzeugend“ sei, doch gleichzeitig „völlig ahistorisch, ja sogar antihistorisch.“

Ich stimme ihm zu: Nicht die historische Vergangenheit, aber ihre ethische Deutung verändert sich.

In diesen Prozess hatte der Bundespräsident eingegriffen, indem er mahnte, des (Zitat) „Geschehens so ehrlich und rein zu gedenken, daß es zu einem Teil des eigenen Innern wird. Das stellt große Anforderungen an unsere Wahrhaftigkeit.“ (Zitat Ende)

Die Erinnerung an die Opfer – an alle Opfer – der NS-Gewaltherrschaft bleibe also Verpflichtung.

Am Ende seiner Aufzählung und Ausführungen dazu überraschte der Bundespräsident mit der Benennung einer großen Opfergruppe auch von Deutschen, denen er sogar eine bleibend positive Wirkung zusprach, Zitat:

„Den vielleicht größten Teil dessen, was den Menschen aufgeladen war, haben die Frauen der Völker getragen.

Ihr Leiden, ihre Entsagung und ihre stille Kraft vergißt die Weltgeschichte nur allzu leicht. Sie haben gebangt und gearbeitet, menschliches Leben getragen und beschützt. Sie haben getrauert um gefallene Väter und Söhne, Männer, Brüder und Freunde.

Sie haben in den dunkelsten Jahren das Licht der Humanität vor dem Erlöschen bewahrt.

Am Ende des Krieges haben sie als erste und ohne Aussicht auf eine gesicherte Zukunft Hand angelegt, um wieder einen Stein auf den anderen zu setzen, die Trümmerfrauen in Berlin und überall.

Als die überlebenden Männer heimkehrten, mußten Frauen oft wieder zurückstehen. Viele Frauen blieben aufgrund des Krieges allein und verbrachten ihr Leben in Einsamkeit.

Wenn aber die Völker an den Zerstörungen, den Verwüstungen, den Grausamkeiten und Unmenschlichkeiten innerlich nicht zerbrachen, wenn sie nach dem Krieg langsam wieder zu sich selbst kamen, dann verdanken wir es zuerst unseren Frauen.“ (Zitat Ende)

Über die oft vergessene Anerkennung hinaus ist diese Perspektive neuartig und bemerkenswert gewesen: Nicht die Kirchen, nicht die Widerstandskämpfer und auch nicht die siegreichen Truppen der Alliierten haben laut von Weizsäcker inmitten des realen Bösen das „Licht der Humanität vor dem Erlöschen bewahrt“ und dafür gesorgt, dass zumindest viele Deutsche „wieder zu sich selbst kamen.“ Es waren – und sind – die Frauen.

Auch dies entspricht der jüdisch-mystischen Tradition, nach der die Frau die Einwohnung des Heiligen in die Welt, die Schechina, verkörpere und durch das ihr vorbehaltene Entzünden von Licht immer wieder in die Welt bringe.

Rabbi Steinsaltz, Zitat (S. 183):

„Die von der Hausfrau angezündeten Kerzen betonen das Licht des Schabbats, die heilige Besonderheit des Tages, und die besondere Aufgabe der Frau als der bevollmächtigten Stellvertreterin der Schechina von Malchut. […] Die Anwesenden singen oder sprechen das Loblied auf die ‚tüchtige Frau‘ (Sprüche Kapitel 31, Verse 10 – 31); dies ist ein Teil der Vorbereitungen für den Kiddusch („Weihe“).“ (Zitat Ende)

Und diese Aufgabe verweist auf nicht weniger als das Ziel der Geschichte, Zitat (S. 186): „Schabbat ist auch der Vorentwurf der Errettung, die das Letzte sein wird, was in der Zeit geschehen wird: Der Rettung, durch die die Welt ihren Schabbat erhalten wird.“ (Zitat Ende)

Damit nähern wir uns dem am meisten diskutierten Kern- und Herzstück von Weizsäckers Befreiungs-Rede; dem Zitat, das dem prominenten Kabbalisten und Chassiden Baal Schem Tow seit dem 18. Jahrhundert zugeschrieben wird. Im Zitat von der Seite des Bundespräsidialamtes:

„Das Vergessenwollen verlängert das Exil,
und das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung.“ (Zitat Ende)

Und weil diese mystische Aussage sehr hoch und komplex erscheint, deutete der Bundespräsident sie gleich selbst, Zitat:

„Diese oft zitierte jüdische Weisheit will wohl besagen, daß der Glaube an Gott ein Glaube an sein Wirken in der Geschichte ist. Die Erinnerung ist die Erfahrung vom Wirken Gottes in der Geschichte. Sie ist die Quelle des Glaubens an die Erlösung. Diese Erfahrung schafft Hoffnung, sie schafft Glauben an Erlösung, an Wiedervereinigung des Getrennten, an Versöhnung.“ (Zitat Ende)

Das ist, genau betrachtet, schon eine überaus mutige Ansage, die vor allem von Nichtjuden auch durchaus heftig kritisiert wurde. Die Nachfahren von Tätern und Opfern sollen durch „Erinnerung“ in gleicher Weise „Erlösung“ erfahren? Auch die Weltkriege und der Holocaust sollen als „Erfahrung vom Wirken Gottes in der Geschichte“ gedeutet werden? Und aus all dem soll ein Anspruch auf „Wiedervereinigung des Getrennten“ und auf „Versöhnung“ entstehen?

Kritiker wandten zudem ein, dass das Zitat in dieser Form schwach belegt sei und sich außerdem auf die jüdische Sehnsucht nach Jerusalem bezogen habe.

Aber in den jüdischen Gemeinden und in Israel fand die Aussage starken Widerhall – und dies wiederum nicht ohne Grund. Denn nach jüdisch-kabbalistischer Lehre geht tatsächlich die gesamte Schöpfung auf Ejn Soph, Gottes absolute Transzendenz zurück – und strebt auch wieder zu ihm hin.

Die Erinnerung an Jerusalem verwies in diesem Sinne auf die Ursprünge allen Lebens; umso mehr, als die Neugründung des Staates Israel ja bereits erfolgt war. Und das Böse, die Schuld, waren real und folgenreich, hatten aber gerade nicht zum Erlöschen der Hoffnung auf Verbesserung und schließlich Erlösung der gesamten Welt geführt.

Entsprechend erklärte auch Rabbi Steinsaltz, der dem interreligiösen Gespräch durchaus reserviert gegenüberstand, dass das „jüdische Verständnis der Erwählung Israels“ als „Priesterschaft der Welt“ anzusehen sei, Zitat (S. 92): „Ich will damit nicht sagen, Heiligkeit sei in irgendeiner Weise auf ein Volk beschränkt oder der Zugang zum Göttlichen stehe nicht der ganzen Menschheit in gleicher Weise offen. Die Juden nehmen lediglich eine größere Last auf sich.“ (Zitat Ende)

Und so wagte Richard von Weizsäcker schließlich noch einen mutigen Schritt. Mit Berufung auf die Bibel verglich er die 40 Jahre Bundesrepublik seit der Kapitulation mit der 40jährigen Wüstenwanderung der Hebräer unter Moses aus Ägypten ins gelobte Land.

Als Kenner der jüdischen Tradition war dem Bundespräsidenten sicher bewusst, dass ein Erlerner der Kabbala ursprünglich mindestens 40 Jahre alt und bereits verheiratet sein musste. Ebenso wusste der gebürtige Stuttgarter, dass auch der Schwabe erst mit 40 gescheit wird, wenn bis dahin ein Baum gepflanzt, ein Haus gebaut und ein Kind geboren wurde.

Und, ja, es hatte gerade in Württemberg und Baden christliche Kabbalisten wie den großen Johannes Reuchlin gegeben, der sich unter Lebensgefahr für die Bewahrung jüdischer Schriften und jüdischen Lebens einsetzte.

Doch es gab eben auch den noch sehr viel einflussreicheren Martin Luther, der zur antisemitischen Darstellung einer sogenannten „Judensau“ an einer Kirche in Wittenberg eine antijüdische und antikabbalistische Schrift verfasste, deren Niedertracht und Hass bis heute nachwirkt.

Nach der langen Tradition auch des deutschsprachigen Antisemitismus und nach dem Menschheitsverbrechen des Holocaust hätten jüdische Gemeinden weltweit und auch der Staat Israel also jedes moralische Recht gehabt, eine Identifizierung der deutschen Nachkriegsordnung mit der Rückkehr der Hebräer ins gelobte Land zurück zu weisen.

Aber das Gegenteil geschah. Von Weizsäckers Rede wurde auch von den jüdischen Gemeinden weltweit gewürdigt, er selbst als erstes Staatsoberhaupt der Bundesrepublik zum Staatsbesuch nach Israel eingeladen.

Die Rede des Bundespräsidenten zum Tag der Befreiung am 8. Mai 1985 war politisch, religiös und spirituell unglaublich mutig und im besten Sinne semitisch und monistisch. In den Nachfahren von Opfern und Tätern des NS-Regimes erblickte von Weizsäcker wieder eine gemeinsam zu Gott wandernde Menschheit.

In Folge 11 dieses Podcasts habe ich versucht aufzuzeigen, warum keine vernünftige Person den Staat Israel schlechter behandeln sollte als zum Beispiel das fast gleichzeitig gegründete Pakistan. Das ist gewissermaßen die Untergrenze, die die Fairness gegenüber jedem Nationalstaat verlangt.

Doch Richard von Weizsäcker und später auch Angela Merkel sowie im ganzen Bundesgebiet aktive, deutsch-israelische Gesellschaften haben das deutsch-jüdische und auch das deutsch-israelische Verhältnis weit darüber hinaus als Weggemeinschaft entworfen. Ich habe dem Landtag von Baden-Württemberg Vorschläge für ein Begegnungswerk gemacht, damit noch mehr Deutsche und Israelis daran teilhaben können.

Antisemiten hassen die jüdische Mystik mit besonderer Inbrunst. Der bereits erwähnte Libertäre Tilman Knechtel wirft Kabbalisten und Chassiden vor, Teufelsanbeter zu sein. Auf meinem Blog postete der christliche Antisemit @Benya am 1. Mai, Zitat: „Bei Kabbala Anhängern steht Jude nur drauf, ist aber nicht im Herzen.“ Und erst am Montag hatte ich auch selbst wieder die Ehre, durch einen antisemitischen Twitter-Account zum „Kabalisten“ ernannt zu werden.

Twitter "Rückmeldung" samt Benennung als "Kab(b)alist"

Öffentliche Twitter-Nachricht vom 04.05.2020. Screenshot: Michael Blume

Das hat mich natürlich nur noch mehr zur heutigen Podcast-Folge motiviert.

Denn weltweit steigt das Interesse am Dialog der Religionen und gerade auch an der jeweiligen Spiritualität. Auch orthodoxe Rabbiner unterweisen inzwischen auch Nichtjuden in der Kabbala.

Das Musikvideo zum James-Bond-Song „Die Another Day“ gestaltete Madonna sogar komplett als kabbalistische Darbietung samt dem Kampf gegen das eigene Böse und dem Ausbruch aus Zwängen. Und dass es keine zwei Mächte, sondern eine helle und dunkle Seite der Einen Macht gäbe, konnten wir in Folge 12 ja auch am Star Wars Day erkunden.

Ja, die Antisemiten werden noch einige Zeit gefährlich bleiben, doch sie sind buchstäblich „Ewiggestrige“, gefangen in absurden Verschwörungsmythen vergangener Jahrhunderte. Die Zukunft gehört immer mehr Menschen, die begriffen haben und erkunden, wie aufgeklärt religiöse, spirituelle, künstlerische und wissenschaftliche Traditionen Annäherungen an eine unglaublich komplexe, aber monistische Realität bieten. Sie haben begriffen, dass aus ehrlicher und richtig verstandener Erinnerung die Einsichten und Hoffnungen erwachsen, die wir für eine gemeinsame Zukunft der Menschheit in Freiheit, Vielfalt und Frieden dringend brauchen.

Für Ihr Interesse an diesem doch schwereren Thema danke ich Ihnen sehr! Eine wunderbare Einführung in die vielen Varianten jüdischer Mystik bietet Karl Grözinger im „Handbuch Jüdische Studien“.

Mit „Die dreizehnblättrige Rose“ von Rabbi Adin Steinsaltz habe ich bewusst das Werk eines Nationalreligiösen und Dialogskeptikers gewählt, so dass niemand behaupten kann, nur Liberale und Dialogaktive deuteten sich eine „freundliche“ Kabbala.

Das Scheiden der Geister zwischen dem semitisch gebildeten Reuchlin und dem zunehmend antisemitischen Martin Luther schildert der wunderschöne Band „Ein Vater neuer Zeit“ des Stadtmuseums Tübingen. Einen gut verständlichen Einblick in die „Jüdische Spiritualität in der Tora und den jüdischen Feiertagen“ bietet Gabriel Strenger.

Und das derzeit wohl tiefste, philosophische Werk zum bösen und insbesondere antisemitischen Denken bietet Bettina Stangneth, die sich in „Böses Denken“ mit Immanuel Kant, Hannah Arendt, Adolf Eichmann und Martin Heidegger auseinandersetzte.

Vielen Dank für Ihr Interesse.

Bitte bleiben Sie gesund!

Quellen:

Grözinger, Karl (2018): Jüdische Mystik. In: Von Braun, Christina & Brumlik, Micha (Hrsg.): Handbuch Jüdische Studien. utb-Verlag, S. 191 – 210

Ginsburg, Tobias (2018): Die Reise ins Reich. Unter Reichsbürgern. Verlag Das neue Berlin

Steinsaltz, Adin (2011): Die dreizehnblättrige Rose. Von den Geheimnissen der Kabbala und ihrer Bedeutung für unser Leben. rotona

Tübingen, Stadtmuseum (2017): Ein Vater neuer Zeit. Reuchlin, die Juden und die Reformation. Tübingen

Strenger, Gabriel (2016): Jüdische Spiritualität in der Tora und den jüdischen Feiertagen. Verlag Morascha

Stangneth, Bettina (2016): Böses Denken. rowohlt

Michael Blume

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) & "Verschwörungsmythen". Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren wöchentlich, um Religionswissenschaft zugänglich und diskutierbar zu machen.

46 Kommentare

  1. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, die Literaturhinweise zu ergänzen um eine weitere wichtige Rede, eigentlich eine Vorlesungsreihe, die damals merkwürdig unbeachtet geblieben ist und inzwischen aber zu einem Gründungstext geworden ist der Bundesrepublik Deutschland, nicht zuletzt, weil auch Richard von Weizsäcker sie als wichtige Quelle nutzt:

    Karl Jaspers Die Schuldfrage

    Man kann zwar bestimmt hier noch alle mögliche Literatur heranführen und den geneigten Leser in Verweisen ertränken, und Jaspers’ Vorträge haben nicht im engerem Sinne zu tun mit deutscher Selbstreflexion aus jüdischen Weisheitstraditionen. (Obwohl Jaspers mit einer Jüdin verheiratet war, die eigentlich als Co-Autorik stets mitgedacht gehört.) Dennoch meine ich, daß Jaspers hier eine Ausnahmestellung hat.

  2. “In Folge 9 habe ich Ihnen den libertären Antisemiten Thilo Knechtel vorgestellt…”

    Heisst der nicht Tilman Knechtel? Vielleicht haben sie an Thilo Sarrazin gedacht, als sie das geschrieben haben (der aber kein Antisemit ist)?

  3. Lieber Michael Blume,

    ich empfand Richard von Weizsäckers Rede damals zwar als Exkulpationsversuch, indes nicht als Erklärungsansatz.

    • Tatsächlich entfaltet die Rede von Bundespräsident Richard von Weizsäcker auch heute noch (v.a. bei Deutschen) eine emotionale Wirkung, @donald mueller. M.E. liegt dies maßgeblich auch an ihrer mythologischen Grundstruktur um den komplexen Begriff des „Tages der Befreiung“ und das jüdisch-mystische Erinnerung-Erlösung-Zitat.

      Wenn man sich auf sie einlässt, arbeitet diese Rede. Von Weizsäcker adressierte sie bewusst nur an die Deutschen und lehnte Planungen für einen internationalen Event ab.

      • Lieber Michael Blume,

        herzlichen Dank für Ihren Erklärungsansatz.
        Wer je auf der Rampe gestanden haben sollte…
        Umsomehr freut mich Ihre Begegnung mit einem Überlebenden dieses Massakers

      • wir hatten damals ausgiebig darüber „konferiert“ „weiszäcker“ und ich – er mit seinem lederkoffer und ich mit nichts.
        mit seinen „durchstechenden“ Augen sagte er mir auf der Brücke des Congresscentrums Hamburg damals ungefragt „wenden Sie sich an mein Büro“…
        ich hatte ihn danals garnicht angesprochen

      • vlt mach ich grad mehr als mir geziemt: aber mir von Nazikindern Demokratie erklären zu lassen, die mich als stinkende judensau benannt hatten:
        schon iwie spannend wie die sich das iwie weiter vorzustellen scheinen.

  4. Ich habe nie wirklich verstanden, wieso es diesen Hass auf die Kabbala gibt. Die Kabbala überschneidet sich sehr stark mit ostasiatischen Lehren. Es gibt aber keine große Bewegung, die Buddhisten, Taoisten, Hinduisten etc. verteufelt. Aber die Kabbala wird komischerweise immer im wörtlichen Sinn “verteufelt”.

    Ich persönlich mag die Kabbala sehr. Und ganz ehrlich. Dies ist in meiner Sicht eigentlich die einzige Möglichkeit die Theodizee Frage gescheit aufzulösen.

    Zum Thema Xavier Naidoo: Schauen Sie sich den Telegram Kanal von dem an. Zuerst fand ich es ja interessant, dass er sich kritisch zum Mainstream gesetzt hat. Der Kerl hat aber jetzt komplett den Bezug zur Realität verloren. Vor Wochen hat der ja sogar ein Video geteilt, wo es darum ginge, dass die Ninja Turtles der Beweis seien, dass Reptilionide in geheimen Tunneln unter New York leben. (Ich hab ironischerweise scherzhaft das ein paar Tage zuvor gesagt, um mich über den lustig zu machen. Dann postet der das aber tatsächlich.)

    Naidoo wird langsam echt seine eigene Karikatur.

    Oliver Janich macht leider wie immer, dass er sich den Leuten anschließt, die ihm die meiste Aufmerksamkeit geben. Egal, was sie verzapfen. (Außer bei den Eurasiern. Die identifiziert Oliver Janich scheinbar meist mit Kommunisten. Obwohl im weitesten Sinne auch der Sekretär von Joseph McCarthy Anhänger dieser Strategie war.)

    Lustig ist ja, Oliver Janich hat sich wegen seinen Corona Verschwörungstheorien mit dem “Oberlibertären” Charles Krüger zerstritten, weil Krüger gesagt hat, dass es sich Oliver Janich zu leicht machen würde und mit seinen Verschwörungsthesen (zu Corona und vorher zum Klimawandel) einen einfachen Ausweg suchen würde.

    Da hat Charles Krüger auch völlig recht. Rein rational würde es, selbst wenn die Verschwörungstheorien stimmen, nicht viel bringen, die “Wahrheit” zu kennen. Die Deutschen sind momentan zu großen Teilen Hysteriker die Klopapier bunkern. Die kriegt man nicht so schnell auf “Ist alles nur ein Komplott der Regierung” umgepolt.

    Stattdessen wird man dann wie der aus Platos Höhlengleichnis, der der Höhle entkam, und der von den anderen Gefangenen am Ende umgebracht wurde.

    Man muss deshalb, selbst wenn da “keine Gefahr” wäre, etwas tun. Allein schon um die Leute zu beruhigen, die vorher in Corona Panik lebten. Die Leute würden wahrscheinlich viel eher ein “Es gab eine Gefahr, aber die haben wir jetzt unter Kontrolle” glauben, als ein “Es gab niemals eine Corona Gefahr”.

    • Ja, @Michael Kumpmann – die vielen Varianten der Kabbala und ihrer Spiritualität sind längst allen zugänglich – und werden nur noch von antisemitischen Verschwörungsschwurblern als “satanistische Geheimlehre” gehandelt. Auch die Geschichte, die Lehren und Rituale der Kabbalah Centres – die inzwischen in einer veritablen Krise stecken – für Nichtjüdinnen und Nichtjuden wurden längst wissenschaftlich aufgearbeitet, z.B. von Nicole Maria Bauer in “Kabbala und religiöse Identität”, transcript Religionswissenschaft. Jede bedeutende Religion bringt auch spirituell orientierte Strömungen – samt Erfolgen und Skandalen – hervor.

  5. Zugleich wird auch deutlich, warum Antisemitinnen und Antisemiten sowohl die jüdische Spiritualität wie auch die Bundesrepublik Deutschland als Teil der vermeintlichen, jüdischen Weltverschwörung.

    Ich vermute, da fehlt ein Verb.

  6. @Michael Blume

    Das war jetzt wirklich ein erhellender Podcast.

    Eine Wiederentdeckung der jüdischen Traditionen im Sinne modernen Fortschritts halte ich in der Tat für gewagt. Manch einer kommt auch nicht aus dem Lager der Weltreligionen, und sieht die Dinge aus atheistischem oder auch naturreligiösem Hintergrund ganz anders. Diese Auseinandersetzung mit Gewalt zu führen zu versuchen, wie radikale Dualisten es teilweise vorhaben, ist aber in der Tat grotesk.

    Geheimes Wissen wie die Kabbala schützt sich in der Geheimhaltung auch vor Kritik. Und neben dem wohl unvermeidlichem Gekungel innerhalb der Geheimgesellschaften können wir auch mythisch unterstützten Ingroup-Effekt erwarten, der zugleich immer den Outgroup-Effekt nach sich zieht. Die jüdischen Geschäfte gehen vermutlich vor, das Leben der Nichtjuden kommt erst an 2. Stelle, so das, was man zumindest realistischerweise von Geheimgesellschaften erwarten würde.

    Nun gut, die Kaballa als geheime mündliche Überlieferung soll ja inzwischen kaum noch geheim sein.

    Ich glaube jetzt aber nicht, dass die Juden seit 3000 Jahren wissen, wie die Welt funktioniert. Wer das vorgibt, macht sich womöglich selbst zur Zielscheibe von Idioten – und tut sich damit keinen Gefallen, und der Welt auch nicht so viel. Der Semitismus ist letztlich noch älter als der Antisemitismus.

    Kann ja sein, dass man mehr von sich hält als man ist, und dann sogar Ärger dafür bekommt, dass einem das vorgeworfen wird, was man am Ende gar nicht kann. Keine Entschuldigung für Gewalttätigkeiten, aber als Kritik dann dennoch zu bedenken.

    Die wesentliche Frage ist die Überwindung des religiösen Dualismus würde ich sagen. Und hier scheint von Weizsäcker und Rabbi Steinsaltz doch ganz gut vorangekommen zu sein. Keine zwei Mächte, sondern eine helle und dunkle Seite der einen Macht eben.

    Und wer hat hier jetzt die Macht? Gottes dunkle Seite, die Menschen benutzend, die eine Neigung zur dunklen Seite haben? So kann dann auch Hitler von Gott benutzt worden sein, gemäß seiner eigenen geschädigten Psychologie allerdings. Also doch die Kabbalisten-Weltregierung, und auch eine gleichzeitig dunkle? Nein, Hitler wurde nicht von geheimen Kabbalisten, sondern von der dunklen Seite der Macht selbst benutzt. Das ist der entscheidende Unterschied. Und nicht nur Hitler, sondern seine Gefolgsleute genauso. So, wie es dann ihrer eigenen Psychologie ganz gut entsprach, das waren harte Zeiten, auch für NS-Anhänger. Man hat sich da einfach immer mehr reingesteigert. Und den Untergang gab es dann planmäßig inclusive.

    Die Kabbalisten konzentrieren sich wohl eher auf die bessere Hälfte. Und haben wohl eher nur ihre eigenen Vereine im Sinn, mutmaßlich. Keine Weltregierung. Vielleicht ein paar Beiträge zur Weltkultur, das schon. Warum auch nicht.

    Der Eindruck, dass die Kabbalisten schon alles wissen, was man wissen muss, ist sicher nicht ganz richtig. Und dass die nur auf die Erlösung warten brauchen, genauso wenig. Die schriftliche Festlegung von Glaubensinhalten, das Kerngeschäft des Semitismus, ermöglicht aber nicht nur die präzise Tradition, sondern kann wohl auch Innovationen erschweren. Mutmaßlich zumindest.

    Ich bin beileibe kein Antisemit, aber bei der Suche nach Erkenntnis suche ich nur am Rande in uralten Schriften wie auch nicht in ebenso alten mündlichen Lehren. Wissenschaft, Demokratie und Freiheit sind sehr moderne Errungenschaften, auf dessen Basis die Dinge so sehr anders und neu aussehen, dass die alten Traditionen wirklich in den Hintergrund getreten sind.

    Gerade die moderne Umweltproblematik und die immer sinnloser werdende Leistungsorientierung unserer aktuellen Kultur ist eine Situation, die ziemlich neu ist, und die ihre eigenen Lösungen braucht. Auch die Erkenntnisse von Physik und Astronomie verändern unsere Perspektive auf die Welt wesentlich. Und die Psychologie und Hirnforschung ändert die Sicht auf uns selbst. Mythen und Fiktionen brauchen wir aber immer noch – vielleicht aber besser Neue?

    Die Zitate von von Weizsäcker und von Rabbi Steinsaltz bezüglich der Geschichte, dass die Nachfahren der Beteiligten aus dem ganzen fast unendlichem Schmerz der Gewalttätigkeiten am Ende doch zu Verständnis und Versöhnung finden können und sollen, fand ich jedenfalls beeindruckend.

    • Vielen Dank für Ihre Überlegungen, @Tobias Jeckenburger!

      Ich denke, ein Faktor könnte für Sie bei der Beurteilung nicht nur religiöser Bücher sehr hilfreich sein: Das Verständnis von Auslegung.

      Philosophische und insbesondere religiöse Texte werden immer wieder neu gelesen und interpretiert. Entsprechend entstehen ständig neue, vielfältige und auch miteinander wetteifernde Lesarten der Bibel und auch der Kabbala (hier vor allem des „Sohar“, Glanz). Von Weizsäcker und Steinsaltz lasen also nicht nur aus alten Texten, sondern interpretierten wiederum auch in diese hinein. Auf diesem Wege werden alte Texte immer wieder neu aktualisiert.

      • Gerade diese Kunst des Herauslesens (Hermeneutik), oder hineindichtens, macht die religiösen Texte doch so beliebig und geradezu lächerlich.

        Wichtig ist, denke ich, nur was die Menschen damals mit den Texten gemeint haben. Alles andere ist quasi ein Missbrauch dieser Text, um seine eigenen Ideen “historisch” untermauern zu können.

        Sicherlich kann man eine Text so uminterpretieren, dass das sogar das Gegenteil herauskommt und das wird auch gerade von Kirchen durchaus gerne gemacht. Aber sollte man gerade als Gläubiger den angeblich göttlich inspirierten Texten nicht mit viel mehr Demut begegnen? Die Autoren damals (und ER ganz sicher) haben genau das geschrieben was sie gemeint haben und nicht das was man heute z.B. nach dem Holocaust gerne in der Bibel stehen hätte.
        Man denke z.B. an die judenfeindlichen Texte im Neuen Testament, die ja neuerdings völlig anderes gemeint gewesen sein sollen – das ist in dem historischen Kontext der Texte allerdings völlig abwegig.

        • Das sehe ich tatsächlich anders, @einer. Texte, die nicht mehr neu ausgelegt werden können, erstarren. Ohne Texte können aber Weltreligionen nicht bestehen. Das Miteinander von schriftlicher und „mündlicher“ Thora schon im Judentum ist eine starke Kombination. Jede Predigt in einer semitischen Religion lebt von der Textauslegung. Und natürlich haben die Generationen an alphabetisierter Schriftgelehrsamkeit die gesamte Bildung und Kulturen durchdrungen. Selbst die lateinischen Buchstaben, die wir beide gerade benutzen, verdanken ihr Überleben und ihre dann folgende Blüte zu einem erheblichen Teil christlichen Schriftgelehrten, oft Mönchen und Nonnen.

          • Das die Auslegung für die Weltreligionen notwendig ist, mag sein, allerdings ist das kein Grund warum es auch richtig sein sollte.
            Ich würde die Religionen ja nicht vermissen – und der Zweck heiligt eben nicht die Mittel.

            Das die Mönche etc. im Mittelalter viel für Kultur gemacht haben, kann sein, allerdings hat die Kirche auch viel an Kultur vernichtet / verdrängt etc.

            Erst nachdem die Kirchen deutlich weniger Macht hatten, ging es auf einmal wieder sehr viel schneller voran – als man das mehr oder weniger dunkle von der Kirche dominierte Mittelalter überwunden hatte.

  7. @Off topic: der Titel „ Verschwörungsfragen 13 “ mit der Zahl 13 deutet auf einen grossen Fundus an Dingen, die mit Verschwörungsmythen und Verschwörungserzählungen zu tun haben. Es scheint endlos und fast jeden zu betreffen.
    Und in der Tat berichtet SPON unter dem Titel Corona-Verschwörungstheorien in der katholischen Kirche “Das macht mich fassungslos”, dass auch katholische Kardinäle und andere Teile der hohen Geistlichkeit einen Text verfasst haben, in dem Verschwörungserzählungen Raum gegeben wird.

    Hin und wieder frage ich mich, ob schon vor dem Coronavirus irgend ein schlimmes Virus die Hirne Unzähliger befallen hat, so dass nun alle, mindestens aber viele wildes Zeug daher fantasieren (diese These hätte vielleicht das Zeug für eine neue Verschwörungstheorie).

    • Tatsächlich erzeugen Krisen einen Deutungsbedarf, @Martin Holzherr – und für das bloße Auge unsichtbare Faktoren wie Strahlen und Viren können zudem nur über ExpertInnen erschlossen werden. Da kicken Verschwörungsmythen noch stärker rein.

      Beachten Sie zur 13 bitte auch den von mir zitierten Buchtitel von Rabbi Steinsaltz… 😏📖

    • katholische Kardinäle und andere Teile der hohen Geistlichkeit

      Anderthalb Kardinäle, um genau zu sein. Allerdings Gerhard Müller, und dann noch Kardinal Sarah, der im Nachhinein davon nichts mehr gewußt haben will. Also schon nicht irgendwer. Aber Müller hat seine große Zeiten als Großinquisitor schon hinter sich, und Sarah die als Papst mit spätestens dieser Aktion wohl nicht mehr vor sich. Ansonsten aber über Regionalszenen hinaus nicht bekannte Bischöfe.

  8. Auch das[s] im Video zum Buch vor Querfront-Verbindungen einheimischer und zugewanderter Antisemiten sowie vor Gewalt gewarnt wurde, hielten damals noch manche für übertrieben.

    Klar, Antisemiten könnten auch einwandern.
    Zu Richard von Weizsäcker mit seiner 85-er Rede ergänzt der Schreiber dieser Zeilen, dass sie teils auch im Marxismus/Leninismus – Bolschewismus gelandet sind, was der Befreiungsthese womöglich wenig widerspricht.
    Ist die Tschechoslowakei seinerzeit befreit worden? – Oder hat sie einen anderen Kollektivismus angenommen, der auch mit der Abkehr von einem Dreivölkerstaat verbunden war, weil die “nicht antifaschistischen” Deutschen seinerzeit raus mussten, vertrieben oder “befreit” worden sind?
    Andere Vertriebene dürfen in diesem Zusammenhang berücksichtigt werden.

    MFG – WB (der also eher nicht dazu neigt derartige Niederlage zu Feiertagen zu erklären, datums-gemäß und -in diesem Fall- bolschewistischer Tradition folgend)

    • Tatsächlich sprach Bundespräsident Richard von Weizsäcker doch ausdrücklich zu Deutschland, @Webbaer – und wurde dennoch von Links dafür kritisiert, dass er in der Rede auch die Hoffnung auf Wiedervereinigung mit der noch sowjetisch beherrschten DDR thematisierte.

      Spuren von „Bolschewismus“ kann ich in seiner Rede nicht erkennen.

      Oder sehen Sie (auch) hier etwa einen verborgenen „Kulturmarxismus“ am Werk? 🤔

  9. @Michael Blume 12.05. 07:18 Auslegungen

    Offenbar sind hier die Auslegungen von von Weizsäcker und Steinsaltz auch von hoher Qualität. Neben der Inspiration der alten Texte bietet die Orientierung an den Schriften auch eine gewisse Basis für ein Miteinander. Anderseits kann genau dies dann auch wieder die Menschen trennen.

    Neben den verschiedenen Auslegungen der abrahamitischen Schriften gibt es ja noch Laotse, Buddha und Konfuzius, wenn man sich diese auch noch zu Rate zieht, wird es immer schwieriger, hier noch zu einer gemeinsamen Linie zu kommen.

    Von daher suche ich am liebsten in der eigenen Erfahrung und in der eigenen Inspiration. Und die Auseinandersetzung mit allen aktuellen Positionen.

    So war der Erfinder des Urknalls, ein gewisser Lemaitre, auch wohl nicht ganz zufällig ein Mann der katholischen Kirche. „Und Gott sprach, es werde Licht. Und es ward Licht.“ passt genau zum Urknall. Aber für die Ausarbeitung der ganzen doch recht komplexen Urknalltheorie konnte man dann doch die Bibel weglegen.

    Und das mit dem Licht passt auch zur Entstehung des Sonnensystems. Zufällig, wahrscheinlich.

    • Ja, @Tobias Jeckenburger. Ich denke, Sie haben gemerkt, dass ich Sie nicht von der Überlegenheit dieser oder jener Schrift überzeugen möchte. Mir scheint es aber wichtig zu sein, dass Sie einen Blick auf die lebendigen Auslegungstraditionen zu allen religiösen Texten entwickeln konnten.

      Ihnen alles Gute! 🍀

  10. @einer 12.05. 11:56

    „Wichtig ist, denke ich, nur was die Menschen damals mit den Texten gemeint haben.“
    Ich muss hier einerseits @einer zustimmen, dass es schon öfter wesentlich ist, was die Autoren wirklich gemeint haben.

    Manche Bibelstellen sind aber auch eher wie Gedichte, die mehr inspiriert als konstruiert sind, und die dann tatsächlich von der Auslegung leben. So wie es z.B. auch in der Malerei darauf ankommen kann, wie man die Bilder sieht.

    Bevor man allerdings eine Heilige Schrift zurecht biegt, sollte man vielleicht konsequenter weise sich von dem Text gleich ganz distanzieren. Gruppierungen, die dies aber nicht gerne zulassen, müssen dann wohl oder übel öfter biegen, wenn sie auf der Höhe der Zeit bleiben wollen. Immer noch besser, als ganz zu erstarren, wie bei den Amish People.

    Insgesamt fördern wohl gerade sehr alte Schriften die Auslegbarkeit, weil eben kein Zeitgosse mehr da ist, und protestieren kann, wenn hier was ganz anderes hereingelesen wird, als das was der Autor mitteilen wollte.

    Dann haben wir gerade in der Bibel eine bunte Sammlung von verschiedenen Autoren aus verschiedenen Jahrhunderten. Das führt dann dazu, dass man ziemlich viele Positionen dort vorfindet. Und weil die Bibel so viele Seiten voll davon hat, braucht man reichlich Expertise, wenn man richtig eloquent mit der Bibel argumentieren möchte.

    Die Menge ist hier glaube ich Teil des Problems. Das wird mir einfach zuviel. Da ziehe ich es vor, weder die Bibel noch die östlichen Weltreligionsschriften komplett zu lesen. Argumentieren muss ich dann eben rein inhaltlich, aber das ist sowieso mein bevorzugter Argumentationsstil.

    @Michael Blume „Mir scheint es aber wichtig zu sein, dass Sie einen Blick auf die lebendigen Auslegungstraditionen zu allen religiösen Texten entwickeln konnten.“

    Insgesamt freue ich mich über Menschen wie von Weizsäcker und Steinsaltz, die einen Teil ihrer Weisheit auch aus den religiösen Schriften entwickelt haben. Ein Überblick über das ganze Fachgebiet ist jetzt aber auch zu umfangreich für einen Menschen, wie auch in allen anderen Wissenschaften im 21. Jahrhundert.

    Angesichts dessen wäre eine weltweite Glaubensdiskussion wohl praktikabler, wenn man eben möglichst wenig über die Schriften und die vielen möglichen Auslegungen arbeitet und argumentiert. Weil das die Sache immer komplizierter macht, so dass da hinterher kaum noch jemand mehr so richtig durchblickt.

    Ich wünsch mir eine religionsübergreifende Glaubensdiskussion mal überwiegend auf Basis der menschlichen Selbsterfahrung und mehr auf Basis der Psychologie und den anderen Wissenschaften. So kann man dann auch Atheisten besser mitnehmen, auf der Suche nach lebbaren Konzepten. Und auf der Suche nach vielleicht auch ganz neuen Mythen, die auch als Fiktionen taugen, die irgendwann in der Zukunft wenigstens die Chance haben, sich sogar in Wissen zu verwandeln.

  11. @ Michael Blume

    ….”Einer von ihnen war ein Soldat der Wehrmacht, der 40 Jahre später als Bundespräsident die vielleicht bedeutendste Rede der Bonner Republik halten würde.”
    ——

    Na ja, bei soviel Lobhudelei muss ich, so leid es mir tut, einige Wermutstropfen ins Glas schütten. Man möge es mir verzeihen!

    Am 8. Mai 1945, wurden wir ‘demokratisch’ befreit, wie uns der Lautsprecher einer fremden Macht, der heuchlerische Ex-Bundespräsident, Richard von Weizäcker, im Jahre 1985 ins Stammbuch schrieb:

    Weizsäcker-Rede 1985: “8. Mai war ein Tag der Befreiung” – titelt der anti-deutsche, kulturmarxistische Spiegel!

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/weizsaecker-rede-1985-8-mai-war-ein-tag-der-befreiung-a-354568.html

    „Vor 20 Jahren hielt der damalige Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker am 8. Mai im Bundestag eine Rede anlässlich des 40. Jahrestages der Befreiung vom Nationalsozialismus. Vielleicht war es die …ähäm…wichtigste Rede, die je in Deutschland zu diesem Thema gehalten wurde.“

    Weizäcker nennt den Tag der bedingungslosen Kapitulation (unconditional surrender’), an dem Deutschland und das Deutsche Volk entmündigt und erniedrigt wurden »Tag der Befreiung«, obwohl er nur allzu gut weiß, dass danach noch mehr als 12 Millionen Deutsche (Vermutlich sogar 13,5 Mio Deutsche), durch Vertreibung, brutale Vergwaltigung mit Todesfolge, Todeslagern (Rheinwiesenlager/Gulag), durch völkererrechtswidrige Verschleppung von mehr als 8 Mio. Deutsche als Arbeitssklaven und durch Hunger und Kälte (u.a. Hungerwinter 1946/1947) etc. umkamen!

    Hier die gesamte Rede als Video:
    Weizsacker Rede zum 8. Mai 1985 (Video)

    https://www.youtube.com/watch?v=vg8cV90Z6nY

    Was der anti-deutsche, kulturmarxistische ‚Spiegel‘ als die ‚wichtigste Rede, die je zu diesem Thema gehalten wurde‘ hochjazzt ist in Wahrheit die unglaubliche Schuldzuweisung (Alleinschuld) eines Staatsoberhauptes an sein Volk, das er offensichtlich hasst.

    Nur zu Erinnerung:
    Er, Weizäcker, selbst ist 1946 Hilfsverteidiger beim Nürnberger Kriegsverbrecherprozess für seinen Vater Ernst von Weizsäcker, der als früherer Staatssekretär im Reichsaußenministerium auf der Anklagebank sitzt.

    Unter den Nazis steigt E.v.W. im Außenministerium auf bis zum Ersten Staatssekretär. Ab 1938 bekleidet er in der Allgemeinen SS den Rang eines Brigadeführers. Wegen den Deportationen französischer Juden nach Auschwitz wird Ernst von Weizsäcker bei den Nürnberger Prozessen als Kriegsverbrecher zu fünf Jahren Haft verurteilt. Er kommt 1950 im Rahmen einer allgemeinen Amnestie vorzeitig frei.
    Ein junger Rechtsanwalt hat ihn während der Nürnberger Prozesse verteidigt. Es ist sein Sohn Richard von Weizsäcker (1920-2015), der spätere Bundespräsident. Er bezeichnete seinerzeit das Urteil gegen seinen Vater als “historisch und moralisch ungerecht”!.

    Diese bigotten und heuchlerischen Herrschaften bewältigen bis heute ihre eigene unfeine Familien-Vergangenheit auf dem Rücken aller Deutschen und sahnen dabei auch noch kräftig ab.

    Über den Großvater des bigotten Freiherrn schrieb der von mir geschätzte Publizist und Schriftsteller Ralph Giordano 1989 im “Spiegel”:

    “Als Karl Hugo von Weizsäcker, hochgeehrt, im Februar 1926 stirbt, ist das politische Familienterrain abgesteckt: Demokratiefremdheit, ja -feindschaft, Befangenheit im obrigkeitsstaatlichen Denken monarchischer Prägung.”

    Und da ist noch etwas:

    Bevor R.v.W. beschloss ‚Politiker zu werden‘ war er hochdotiertes Vorstandmitglied im Chemie-Konzern Boehringer (Ingelheim)
    Und der war zumindest indirekt in die „Operation Ranch Hand“ (im schmutzigen Vietnam –Krieg) verwickelt, wodurch der „amerikanische Krieg“, wie ihn die Vietnamesen heute nennen, ein bisschen auch zu einem deutschen Krieg wurde. Die Frage, was Boehringer-Vorstandsmitglied Richard von Weizsäcker damals davon wusste, dass sein Unternehmen einen Teil des Giftes lieferte, das dann über dem vietnamesischen Dschungel versprüht wurde, ist bis heute nicht geklärt, bzw. wird vertuscht und totgeschwiegen.

    Im Rahmen des Vietnamkrieges „Operation Ranch Hand“ versprühten US-Flugzeuge und Hubschrauber in mehr als 6000 Einsätzen rund 35 Millionen Tonnen Entlaubungsgift über dem asiatischen Land. Angebliches ‘humanes’ Ziel war es, den dichten und undurchdringlichen Dschungel zu entlauben, um so den kommunistischen Vietcong-Kämpfern die guten Versteckmöglichkeiten, die sich ihnen dort boten, zu nehmen. Das Mittel, das damals zum großen Teil versprüht wurde, hieß „Agent Orange“, ein Herbizid mit einem sehr hohen Gehalt des Dioxins TCDD, das hochgiftig für Menschen ist. Tatsächlich wurde der Urwald flächendeckend in einer Größe, die etwa der Israels entspricht, entlaubt. Ebenso wurden Felder verseucht, damit sie keine Nahrungsmittel mehr liefern konnten.
    Nach Angaben des amerikanischen Aspen-Instituts war die Dosis des versprühten Giftes 50 mal so hoch als für die Vernichtung von Pflanzen nötig gewesen wäre. Und das gefährliche Gift wurde auch auf die Menschen gesprüht. Mit verheerenden Folgen bis in die unmittelbare Gegenwart.
    Missbildungen bei Neugeborenen gibt es bis heute
    Denn rund 20 Krankheiten gelten heute als unmittelbare Folge des Einsatzes von „Agent Orange“, darunter Leukämie, Wirbelsäulenspalt, Prostatakrebs, Nervenleiden, Parkinson und Diabetes.
    Insgesamt sollen drei Millionen Vietnamesen an Folgeschäden erkrankt und zum Teil qualvoll gestorben sein, darunter mindestens 150.000 Kinder. Da TCDD fetotoxisch wirkt, schädigt es auch das ungeborene Kind im Mutterleib, das daher mit schweren Missbildungen zur Welt kommt. Und schließlich ist TCDD auch äußerst persistent, so dass solche Missbildungen bei Neugeborenen auch noch nach mehreren Generationen bis heute auftreten. Neben den Millionen von Vietnamesen wurden auch 200.000 US-Soldaten Opfer. Im Gegensatz zu den Vietnamesen wurden sie von der US-Regierung später finanziell entschädigt.

    Später erklärte Boehringer, das Unternehmen haben mit der Entlaubungsaktion in Vietnam nichts zu tun gehabt, schließlich sei die Entscheidung dazu ja in Washington gefallen. Damit machte es sich die Geschäftsführung sehr einfach. Auch der Mann, der 1962 bis 1966 im Vorstand für die Bereiche Personal und Steuern zuständig gewesen war, war nach eigenen Angaben völlig ahnungslos gewesen: Richard von Weizsäcker.
    1991 antwortete der damalige Bundespräsident auf eine Presseanfrage, er habe mit großer Betroffenheit erst nach seiner Tätigkeit bei Boehringer von „Agent Orange“ erfahren. „Inwieweit und wann anderen in der Firma die Tragweite eigener Produktionsvorgänge bekannt wurde, die erst bei anderen Firmen zur Herstellung der einschlägigen Mittel dienten und deren Folgen durch den Einsatz der sogenannten Entlaubungsmittel erst allmählich offenbar wurden“, darüber wisse er schlicht nichts zu sagen.

    Also, halten wir fest: Für sich, als Boehringer Vorstand, reklamiert der feine Herr die Unschuldsvermutung, während er als Bundespräsident sein ganzes Volk in Pfanne haut!

    • Schon die Unterstellung, unser Bundespräsident Richard von Weizsäcker hätte sein „ganzes Volk in die Pfanne gehauen“, zeigt Ihre Bosheit und Ihren Hang zur offensichtlichen Lüge, @Dietrich von Bern. Kein demokratischer Bundespräsident, sondern Ihr Mit-Antisemit Adolf Hitler hat die Schande und auch Niederlage des Weltkrieges und Holocausts zu verantworten. Dass Sie den Juden das Überleben und den schon damals demokratischen West-Alliierten den damaligen Sieg kaum gönnen, zeigt nur: Sie selbst sind es, der sich von Schuld- und Hasskomplexen nicht befreien konnte.

      Das ist schade – vor allem aber für Sie selbst. Sie machen sich durch Ihren Antisemitismus selbst klein und böse. Scha(n)de… 🤷‍♂️😥

      • @ Michael Blume

        …..Ihr Mit-Antisemit Adolf Hitler hat die Schande und auch Niederlage des Weltkrieges und Holocausts zu verantworten…….

        Ich will ja hier gar nicht in Abrede stellen, dass der Diktator Hitler und seine Entourage den Holocaust zu verantworten haben, den 2. Weltkrieg jedoch nicht, denn der hatte viele Väter (wie auch WK 1).

        Vielleicht beschäftigen Sie sich mal hierzu mit den Äußerungen des israelischen Militärhistorikers Uri Milstein oder beschäftigen sich mal mit dem aufklärerischen Sachbuch,des renommierten US-Publizisten, Journalisten und ehem. Präsdientschaftskandidaten, Pat Buchanan:

        “Churchill, Hitler and the Unnecessary War: How Britain Lost Its Empire and the West Lost the World”

        Und es befremdet mich mal wieder, dass Sie eine solch zwielichtige Persönlichkeit, wie den heuchlerischen Ex-Präsidenten, Richard v. Weizsäcker, vehement verteidigen.

        • Tja, @Dietrich von Bern – da ist von einem vermeintlich heldenhaften Weltbild ja wirklich nicht mehr viel übrig: Ja, Hitler habe den Holocaust verursacht. Aber am Weltkrieg sei er nicht alleine Schuld gewesen.

          Und dann lieber wieder über den Demokraten Richard von Weizsäcker hergezogen, weil auch dieser ja nicht unfehlbar gewesen ist.

          Nicht mehr als ein trauriger, trostloser Blick auf die Geschichte und das, was Sie treibt…

          • @ Michael Blume

            …”Und dann lieber wieder über den Demokraten Richard von Weizsäcker hergezogen, weil auch dieser ja nicht unfehlbar gewesen ist.”
            ——–

            Welcher ‘Demokrat’ R.v.W.? Lesen Sie dazu die Aussage des leider viel zu früh verstorbenen Ralph Giordano, für mich einer der moralischen Autoritäten der untergegangenen Bonner Republik.

            Da lob’ ich mir seinen Bruder, Carl Friedrich von Weizsäcker, den Physiker, Friedensforscher und Philosophen. Der hatte ‘guts’, wie man in der amerikanischen Sprache sagt und war nicht so ein bigotter Opportunist, wie der ehemalige Bundespräsident.

            Es ist schon bemerkenswert, was Carl Friedrich von Weizsäcker, der ältere Bruder unseres ehemaligen Bundespräsidenten, 1983 in seinem letzten Buch “Der bedrohte Frieden”schrieb.

            Es ist höchste Zeit, Carl-Friedrich von Weizsäcker zu glauben und endlich die große Gefahr zu begreifen, die vom entfesselten Kapitalismus für die Menschheit ausgeht und gemeinsam entschlossen dagegen zu handeln.

            In den Zeiten des kalten Krieges wurde die Kriegsverhütung zu seinem zentralen Engagement: Der Physiker und Philosoph – er gilt als der letzte universal gebildete Gelehrte im deutschen Sprachraum – war Hauptinitiator der „Göttinger Erklärung“, mit der sich 18 Kernforscher am 12. April 1957 gegen eine Aufrüstung der Bundeswehr mit Atomwaffen aussprachen. Fünf Jahre später wandte sich von Weizsäcker mit dem „Tübinger Memorandum“ gegen Pläne des damaligen Bundesverteidigungsministers Franz-Josef Strauß (CSU), die Bundeswehr mit atomaren Waffensystemen auszurüsten.

            Ihm, seiner wissenschaftlichen Verantwortung und seinem Mut, sich den abenteuerlichen Plänen der kalten Krieger in der damaligen Adenauer-Regierung entgegenzustellen, haben wir Deutschen viel zu verdanken. Grund genug also, seinen Warnungen in seinem letzten großen Werk „Der bedrohte Frieden“ (1983) sehr ernst zu nehmen.

          • @ Michael Blume

            Nicht mehr als ein trauriger, trostloser Blick auf die Geschichte und das, was Sie treibt…
            —–

            Lieber Herr Blume,
            glauben Sie allen Ernstes, die 12 dunklen Jahre von 33 bis 45 seien die ‘trostlose Geschichte Deutschland’?

            Mann oh Mann, ich stamme aus dem Rheinland und ich kann meine Vorfahren väterlicherseits bis ins 12. Jhd. zurück verfolgen!

            Wir sind die Nachkommen der Kelten, der germanischen Bataver und der Römer , die uns jene mediterrane Lebensart und Hochzivilisation (mit den besten Ingenieuren der damals bekannten Welt) mitbrachten, auf die wir Rheinländer bis heute so stolz sind.

            Ich bin stolz auf den Kölner Dom, Johannes Gutenberg, Kardinal Frings, Konrad Adenauer und unseren großartigen Mundart- und Heimatdichter, Willi Ostermann, nur um mal einige Beispiele zu nennen.

            Glauben Sie allen Ernstes, ich könne auf einen gescheiterten Kunstmaler und Gefreiten der WK 1 – der dazu noch Österrreicher war (nix gegen die Österreicher) stolz sein? Oder der ‘Herr Hitler’ verkörpere die deutsche Geschichte?

          • Schön, wenn Sie auf Ihre Vorfahren stolz sind, @Dietrich von Bern. Richtig toll wäre es, wenn Sie sich 1. auch den Schattenseiten unserer Geschichte stellten und 2. aufhören würden, auch deutsche Jüdinnen und Juden rassistisch und antisemitisch auszugrenzen. Das wäre was! 😏👍

            (Mehr als zwei Kommentare/Tag sind nicht mehr zu schaffen und ich bin nicht Ihr persönlicher Therapeut. Ich erlaube mir, hier entsprechend strenger zu moderieren.)

    • Das Maerchen vom angeblichen Massenmord in den Rheinwiesenlagern unter Eisenhower ist doch laengst widerlegt. Das wurde von nem kanadischen Neonazi in den 80ern in die Welt gesetzt.

      Trotzdem gibt es einige Punkte, bei denen ich Ihnen zustimmen muss. Je mehr eine Person zum Moralapostel – in diesem Fall Weizsaecker – ernannt wird, desto skeptischer sollte man sein. Wir kennen dies von anderen “moralischen Instanzen” wie dem ehemaligen SS-Mann Guenther Grass.

      • Das ist eine gute Gelegenheit, @Lars & @Dietrich von Bern zu fragen: Was halten Sie beide eigentlich von Martin Heidegger?

        Ich lese gerade viel von ihm – auch wegen @Alubehüteter – und mich würde interessieren, wie Sie beide ihn einschätzen.

  12. okkulte Kabbalah: Ihr Lehrmeister Gershom Sholem, der Religionshistoriker und Wiederentdecker der Kabbala für säkulare Intellektuelle.
    „Geistesverwüstend“ fand er selbst deren Praktiken, er studierte sie lieber.

  13. @Grausige Zeiten

    Also ich hätte auch ohne Holocaust und 2. Weltkrieg die Naziherrschaft als grausig empfunden. Gleichschaltung des ganzen geistigen Lebens, intellektuelle Unredlichkeit bis es kracht auf allen Nachrichtenkanälen und das Verbot praktisch in allen Bereichen eine eigene Meinung zu äußern wären schon für sich eine schreckliche Zeit gewesen.

    Jetzt muss ich aber darauf hinweisen, dass hier die Nazis wohl wirklich nicht die einzigen Kriegstreiber waren. Man weiß jetzt nicht, wer sonst einen ähnlichen Krieg vielleicht ein paar Jahre später angezettelt hätte. Die Geschichte hat ja immer nur einen Versuch, die Gelegenheiten wiederholen sich nicht direkt, und in Europa waren es eben die Nazis, die angefangen haben.

    Aber Fakt ist dennoch der Kalte Krieg, der schon ein paar Jahre später von den USA angefangen wurde. Angeblich als Widerstand gegen eine kommunistische Expansion, was aber dann eben doch andersherum war: man hat ganz gezielt versucht, den Kommunismus kaputt zu rüsten, am Ende sogar mit Erfolg. Obwohl das dann doch sehr lange gedauert hat, bis die Sowjets dann endlich in den 80er Jahren pleite gegangen sind.

    Ich bin kein Freund vom Sowjetkommunismus, aber mich hat dabei die ganze Zeit sehr gestört, dass man letztlich Milliarden von Menschenleben riskiert hat, nur weil den USA die Wirtschaftsform der Kommunisten nicht gefiel. Ich denke nicht, dass der kalte Krieg viel mit demokratischen Freiheiten zu tun hatte. Die selbe USA hat jeden Menge Demokratien z.B. in Südamerika kaputt gemacht. Und hatte selbst Pläne in der Schublade, für den Fall dass in Italien die demokratischen Kommunisten an die Regierung kommen, da militärisch einzugreifen.

    Letztlich wollten hier die US Konzerne überall in der Welt ungestört und unbehelligt von sozialistischen Wirtschaftmodellen ihr Kapital investieren und ihre Geschäfte machen. Mit Demokratie hatte das nur indirekt zu tun, mit der Freiheit der Menschen auch nicht viel.

    Das Risiko, dass nur ein versehentlich ausgelöster weltweiter Atomkrieg mit sich brachte, war meiner Ansicht nach schon viel zu hoch, und die Sache wirklich nicht wert gewesen. Insbesondere aus deutscher Sicht, zufällig waren wir geografisch bedingt das vorgesehen Hauptschlachtfeld, von dem gar nichts mehr übrig geblieben wäre.

    Und unter Trump sind die USA inzwischen wieder dabei, hier vergleichbare Risiken einzugehen. Die Vorwarnzeiten angesichts der neuen Mittelstreckenraketen, die jetzt entwickelt werden, werden wieder auf an die 5 Minuten reduziert. Das ist zu wenig Zeit, um einen Fehlalarm aufzuhalten zu können. Hier stellt sich jetzt vor allem die Frage, was das denn überhaupt soll, solche Risiken einzugehen. Das ist doch der reinste Wahnsinn.

  14. Zu einer:
    “Hermeneutik”.
    Ich kann dem nur zustimmen mit dieser Hineininterpretation von subjektiven Einsichten in eine subjektive Einsicht. Ich befasse mich gerade mit dem Hinduismus und muss feststellen, dass die eigentliche hinduistische Religion(Mystik) von hunderttausenden Gurus stets eigenmächtig interpretiert wird, also vom Standpunkt ihrer eigenen Intelligenz/Dummheit bzw. kommerziellem Interesse wie zum Bsp. die New Age Bewegung(Esoterik) im Westen wo Brahman und Atman im Rahmen der kapitalistischen Vermarktungsstrategien dem jeweiligen Zeitgeist angepasst wurden und zu Geld gemacht werden. Pfarrer handelten und handeln wohl ähnlich, da sie -vom Zeitgeist geprägt- ihre Versionen zu den Heiligen Schriften liefern ,was dann dazu führt, dass sie einstmals Menschen mit Gottes Segen in die Kriege führten bzw. Kontinente mit dem Kreuz eroberten (Amerika) ,maßlose Prachtbauten errichten ließen, weltliche Macht ausüben wollten etc…Meine Kritik gilt nicht den religiösen Werten sondern dien Menschen die diese in ihrem Machtinteresse missbrauchen und nach ihren Wunschvorstellungen interpretieren bzw. prostituieren. Zu Weizsäcker fällt mir als Ostler nicht viel ein, außer der Feststellung, dass diese bundesdeutschen Politiker ein halbes Menschenleben benötigten(40 Jahre) um die Realitäten dieser Welt zu erkennen oder zu begreifen. Und wie kann man die beiden Weltkriege als Erkenntnis vom Wirken Gottes interpretieren !? Wie kann man 70 Millionen Menschen, die in diesen beiden Kriegen abgeschlachtet wurden, mit Gott in Verbindung bringen ?
    Hier ging es-wie oben erwähnt- um Machtinteressen, um Profite , um das paranoide Handeln einiger Wahnsinniger und um Millionen Mitläufer, die die Religionen für diese Interessen missbrauchten. Aber ein Guru interpretiert seine Glaubensvorstellungen immer auf der Basis seiner eigenen ,manchmal blödsinnigen Weltsicht….

  15. @Querdenker 14.05. 15:48

    Ehrlich gesagt halte ich von der Interpretation von heiligen Schriften auch nicht so viel. Wenn es denn direkt inhaltlich überzeugt, und die Schriften gute Inspiration liefern, dann find ich es in Ordnung. Aber die Schrift allein als Autorität gelten zu lassen, und das geschickt mit viel Bibelkenntnis so hinzubiegen, wie es gerade in den Kram passt, dann führt das doch eindeutig in Richtung Manipulation derjeniger, die weniger in den heiligen Schriften bewandert sind.

    Es ist ja selbst ein Grundmythos in allen Abrahamsreligionen, dass die Bibel als Gottes eigenes Wort gilt. Und zwar ein Mythos, der in seinen Konsequenzen ein sehr unguter ist. Gerade diese Autorität der Schrift ist genau der Ansatzpunkt, mit dem sich die Schrift dann für gewiefte Schriftkundige zur Manipulation missbrauchen lässt.

    Die Bibel als interessante Fundgrube für Inspirationen zu nutzen, mag aber sinnvoll sein.

    „Und wie kann man die beiden Weltkriege als Erkenntnis vom Wirken Gottes interpretieren !? Wie kann man 70 Millionen Menschen, die in diesen beiden Kriegen abgeschlachtet wurden, mit Gott in Verbindung bringen ?“

    Nun gut, das Abschlachten fand mitten im Leben statt, und insofern der Geist Gottes oder allgemeiner formuliert kosmischer Geist zum Leben grundlegend dazugehört, insofern kann er auch mitten im Morden nicht abwesend sein. Wenn ich Gott verstehe als das absolut Gute und nichts als das Gute, dann muss ich hier wohl die Abwesenheit seines Wirkens in der Welt annehmen, zumindest lokal und zeitweise.

    Wenn uns aber Geisteswelten generell im Leben begleiten, dann auch mitten im Krieg. Was in keinster weise bedeutet, dass wir nicht selbst dafür verantwortlich sind, was wir tun. Ursache der Weltkriege war menschliche Rücksichtslosigkeit und menschliche Niedertracht, aber eben diese gehören ganz klar erfahrungsgemäß zum Menschsein dazu. Und auch die Möglichkeit, ganze Völker so zu manipulieren, dass man sie in den eigenen Wahnsinn mitreißen kann.

    Natürlich gibt es immer jede Menge Menschen, die sich nicht so einfach manipulieren und verführen lassen. Wenn die aber hinreichend in der Minderheit sind, und man erst Staat und Medien unter Kontrolle gebracht hat, nützt das zunächst nichts mehr. Dann nimmt der Wahnsinn erst ein Ende, nachdem er unübersehbar an der Wirklichkeit gescheitert ist.

    Das konnte z.B. auch beim Ende des Kommunismus 1989 gut beobachtet werden. Hier haben sogar die Parteigänger eingesehen, dass ihr System wirklich am Ende ist, und darauf verzichtet, das Elend noch mit nackter Gewalt zu verlängern.

  16. Furcht: vlt ist es ja lediglich Furcht, die die Menschen gegeneinander aufbringen soll, um davon zu profitieren…

  17. Letzter Versuch Herr Blume! SONST ERST ÜBER TRUSTPILOT (Bewertungsportal), dann über die Staatsanwaltschaft, müssen Sie wissen. Wenn Sie mich als christlicher Antisemit diffamieren, ist das strafrechtlich relevant. 1. Beleidigung 2. üble Nachrede 3. wenn nicht sogar Verleumdung, da Sie absichtlich handeln. An keinem einzigen meiner Beiträge, können Sie nachweisen, das ich Juden hasse oder ablehne. Im Gegenteil, mein Herr und Gott Jesus ist Jude, meine Frau ist jüdisch, mein Kind ist jüdisch. Hiermit gebe ich Ihnen die letzte Chance den Wortlaut “christlicher Antisemit” zu löschen.

    • Vielen Dank für Ihre Beschimpfungen und Drohungen, @Benya – die ich hiermit gerne mal öffentlich zur Kenntnis gebe.

      Selbstverständlich lasse ich mich von Ihnen ebensowenig trollen und einschüchtern wie von anderen Antisemiten. Ihre antisemitischen Äußerungen über Juden, aber auch vermeintliche Mitverschwörer kann hier ja jede/r einsehen. Und es ist auch psychologisch interessant, welche massiven Vorwürfe Sie gegen andere Menschen erheben – aber selbst bei freundlichem Widerspruch austicken. Haben Sie etwa schon auf dem Schulhof gerne gemobbt und dann geflennt? 😜🖖

      Es wird mir eine Ehre sein, Hatern und Verschwörungsschwurblern wie Ihnen weiterhin die Stirn zu bieten und die Hoffnung nicht aufzugeben, dass Sie doch noch vom antisemitischen Dualisten zum aufgeklärten Christen reifen.

      Ihnen von Herzen alles Gute!

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