Glückwunsch und Dank zu 40 Jahre Spektrum der Wissenschaft

Nun ist es also so weit: Spektrum der Wissenschaft feiert heute seinen 40. Geburtstag!

Mit großer Vorfreude habe ich die Jubiläumsaufgabe erwartet, denn im Schwabenland gilt: “Mit 40 wird der Schwabe weise.” Wahrscheinlich geht dieser launige Spruch der bibelfesten Regionalkultur auf die 40jährige Wüstenwanderung der Israeliten mit Moses sowie auf die davon abgeleitete Lehre aus dem Talmud zurück, nach der Juden erst ab 40 Jahren die mystischen Lesarten der Thora, die Kabbala, erkunden durften. “A Moa bisch, wenn de a Haus ‘baut, a Kind ‘zeugt und a Baum ‘pflanzt hasch.”, heißt es hier im Südwesten auch heute noch.

Und kein Zweifel, die starken Teams aus Frauen und Männern bei Spektrum der Wissenschaft haben in den vergangenen vierzig Jahren weit mehr als nur ein Haus gebaut, sie haben viele Tochtermagazine “gezeugt” und jede Menge Wissensbäume gepflanzt – so auch in meinem Leben.

Die Jubiläumsausgabe zum 40. Geburtstag von Spektrum der Wissenschaft. Foto: Michael Blume

Dankbarer, persönlicher Rückblick

Als die erste Ausgabe von SdW erschien, war ich gerade einmal zwei Jahre alt. Meine wunderbaren Eltern Marlis & Falko Blume waren um der Freiheit willen aus der ehemaligen DDR entkommen. Und obwohl, vielleicht gar weil sie keine akademischen Abschlüsse hatten erwerben können, war ihnen Bildung sehr wichtig. Ich lernte während eines Krankenhausaufenthaltes vor der Einschulung das Lesen und habe seitdem einfach nicht mehr damit aufgehört. Und da mein Vater morgens auch Zeitungen austrug, herrschte nie Lesestoffmangel – und ich kann mich nicht erinnern, dass mir meine Eltern jemals einen Lesewunsch abgeschlagen hätten. An manchem musste gespart werden – an Zeitschriften und Büchern aber nie.

Und so kam ich als Jugendlicher über die bildgewaltigen GEO- und sensationsheischenden P.M.-Magazine schließlich zu “Spektrum der Wissenschaft” und “Gehirn und Geist“, die ich bis heute Ausgabe für Ausgabe verschlinge. Dass ich 2009 sogar einmal eine eigene Homo-religiosus-Titelgeschichte haben würde, konnte ich damals natürlich noch nicht einmal erträumen!

Die Lektüre trainierte – und trainiert – mein wissenschaftliches Denken und erschloss mir vor allem auch die Vielfalt der Wissenschaften. Ich begann zu entdecken, dass in den verschiedensten Wissensdisziplinen immer mehr Fachwissen generiert wurde – dass es aber auch darauf ankam, dieses Spezialwissen dann auch miteinander zu vernetzen und aus den Elfenbeintürmen in die Praxis zu holen.

Und so wagte ich nach einer Banklehre schließlich ein Studium der Religions- und Politikwissenschaft und blieb ein ewiger “Interdisziplinärer”: Meine Magisterarbeit über die Identitästbildung junger Muslime verband psychologische und religionssoziologische Theorien. In meiner Doktorarbeit über die damals so genannte “Neurotheologie” analysierte ich die Thesen verschiedener Hirnforscher*innen über Religion(en). Und mein erstes Buch “Gott, Gene und Gehirn” schrieb ich gemeinsam mit Rüdiger Vaas, einem Biologen und Wissenschaftsjournalisten. Mein aktuell letztes Buch (das nächste ist schon in der Mache) analysierte die Krise des Islams aus statistischen und demografischen, mediengeschichtlichen (Buchdruckverbot) wie auch politik- und wirtschaftswissenschaftlichen Aspekten (“Fluch des Öls”, Rentierstaaten). Auch dieser Blog hier bringt mich dazu, wöchentlich interdisziplinäre Brückenschläge zu versuchen.

Fazit

Dass ich mich zum glücklichen (Ehe-)Mann, zum Religionswissenschaftler in einer Landesregierung, zum Familienvater, Häuslebauer, Elektroautofahrer und Bäumepflanzer entwickeln konnte, hat viel damit zu tun, dass mich seit Jahrzehnten Monat für Monat “Spektrum der Wissenschaft” und später auch “Gehirn und Geist” begleiten. Dass ich als Blogger hier mitarbeiten und viele wunderbare Menschen aus den Redaktionen kennenlernen durfte, gehört zu den Glücksfällen meines Lebens.

Danke Euch allen, einfach Danke! Möget Ihr ein langes und gutes Leben haben und “Spektrum der Wissenschaft” noch in 400 Jahren – in welcher Form auch immer – erscheinen! 🙂

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft und spezialisierte sich auf die Hirn- und Evolutionsforschung. Buchautor, Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger und christlich-islamischer Familienvater. Hat auch manches erlebt und überlebt...

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Die Spektrum lese ich seit etwa 15 – 20 Jahren nicht mehr. Aufgehört mit dem Lesen habe ich, als das Niveau runtergeschraubt wurde (Ausgaben: wie funktioniert ein Mikrowellenofen, wie werden die Kugeln für den Kugelschreiber hergestellt). Von mir also keine Gratulation zum 40.

    • Hmmm… Sicherlich ist immer mal wieder mit verschiedenen Formaten, Covern etc. experimentiert worden. Aber eine allgemeine Verflachung oder belanglose Themen kann ich nicht bestätigen, schon gar nicht in der aktuellen Ausgabe…

      Vielleicht nach all den Jahren mal wieder eine Chance geben! 🙂

  2. Ich weiß dei Antwort:
    Die Naturgesetze sind so schön wie Gott. Und wie bei Gott muss man an ihre Allmacht (Universalität) und an ihre Unveränderlichkeit (Ewigkeit) glauben. Der kleine Unterschied zu Gott ist aber, dass man ihre Existenz beweisen kann. Zumindest hier und jetzt gerade. Also sind sie dann doch ein wenig schöner als Gott. Über allem aber stehen schöne Frauen. Denn an sie muss man nicht einmal glauben, denn ihre Macht über einen bedeutet tägliche Evidenz. Ist das nicht schön?
    Aber am allerschönsten wäre es, wenn es eine nur halb so teure Print- Ausgabe von “Spektrum” (meinetwegem auf billigem Normalpapier) gäbe. Oder dass ich “spektrum” , wie das noch viel ältere Konkurrenzprodukt “Bild der….” , auch in meiner kommunalen Mediathek lesen könnte. Aber daran glauben nur Träumer. Denn das wäre ja auch fast zu schön. Das sähe dann ja auch aus wie ein billiges Esoterikblättchen, das sich auch Nichtakademiker leisten können. Gott behüte.

  3. An die Anfangszeit kann ich mich auch erinnern. Da schrieb sogar ein mir bekannter Professor (Bernd Müller JWG Frankfurt) einen Artikel über seine aktuellen theoretischen Forschungen über Erzeigung von Positron-Elektron Paaren in starken elektrischen Feldern (Atomkerne).

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