Mystik & Spiritualität in interdisziplinärer Perspektive – Ein neues Buch, eine neue Kategorie

Als Wolfgang Achtner (Gießen) zur Eröffnung des “Reformationsjahres” 2017 zu einer Tagung mit dem wunderbar provokanten Thema “Mystik als Kern der Weltreligionen?” einlud, sagte ich sofort zu! Und tatsächlich war die interdisziplinäre Fachtagung dann auch so fruchtbar, dass ein lesenswerter Tagungsband gleichen Titels bei Kohlhammer daraus entstand.

Im ersten Teil werden interdisziplinäre Beiträge zur Mystik aus Philosophie, Psychologie, Neurowissenschaft und Mathematik vorgestellt. Der zweite Teil legt den Fokus auf die Phänomenologie der mystischer Erfahrung in allen fünf Weltreligionen, und zwar im Kontext der Diskussion über interreligiösen Hermeneutik, sowie den beiden Hauptströmungen der Diskussion über die Natur der Mystik, nämlich des Essentialismus und Kulturalismus. Der abschließende dritte Teil bündelt verschiedene dogmatische Ansätze, die Mystik im Protestantismus wieder heimisch zu machen.

Mein eigener Beitrag “Spiritualität neben Religiosität in der interdisziplinären Evolutionsforschung” (S. 76 – 82) knüpft an frühere Arbeiten und die Gehirn & Geist-Titelgeschichte von Anton A. Bucher (Salzburg) an: Ich gehe davon aus, dass Religiosität und Spiritualiät auf verschiedenen Gehirnmodulen aufbauen und entsprechend “getrennt” auftreten können – so etwa bei spirituellen Humanisten -, sich aber in der individuellen und kulturellen Realität von Menschen auch regelmäßig “bündeln”. Während ich Religiosität bereits für eine beobachtbar wirkmächtige Exaptation halte, scheint mir Spiritualität (noch) ein kognitives Nebenprodukt zu sein, das aber bereits auf kultureller Ebene vielfach funktional gemacht wird und unter anderem religiöse Traditionen wandelbar und “flüssig” hält. Dabei leitete ich Vortrag und auch den Artikel mit Zitaten des Religionskritikers Michael Schmidt-Salomon ein. Genaueres und mehr dazu im verlinkten Artikel.

Auf jeden Fall nehme ich den starken Tagungsband als Gelegenheit, “Spiritualität & Mystik” als neue und eigene Kategorie auf “Natur des Glaubens” zu etablieren und in den kommenden Monaten weitere Beiträge, Doktorarbeiten usw. aus diesem Forschungsbereich vorzustellen.

Neues von “Islam in der Krise”:

Nachdem die erste Auflage schon nach wenigen Tagen leider vergriffen war – was uns u.a. die Platzierung in der SPIEGEL-Bestsellerliste gekostet hat -, freue ich mich, dass seit Mitte dieser Woche die zweite Auflage im Handel und die dritte bereits wiederum im Druck ist.

Zur ersten Lesung aus “Islam in der Krise” im Hospitalhof Stuttgart entsandte das ZDF-Forum am Freitag ein Kamerateam und aus den Aufnahmen sowie einem TV-Interview mit Abdul-Ahmad Rashid sowie einem Webinterview mit Marcel Burkhardt von heute.de entstand der hier verlinkte, multimediale Bericht.

Kamera gar nicht bemerkt – Aufnahme von der ersten Lesung aus “Islam in der Krise” im Stuttgarter Hospitalhof. Screenshot (mit freundlicher Genehmigung): Michael Blume

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft und spezialisierte sich auf die Hirn- und Evolutionsforschung. Buchautor, Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger und christlich-islamischer Familienvater. Hat auch manches erlebt und überlebt...

17 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Herr Prof. Dr. Stefan Rahmstorf ǁ tv ǁ 30.09.2017 19:56:42
    Sehr, sehr geehrter Herr Prof. Stephan Rahmstorf; Es macht wirklich nur sehr wenig Spaß die Dinge zu beobachten. Gerechtigkeit ist nur eine Vorstellung im Bewußtsein!? Wie viele Bücher sind schon – im besonderen von Schweizer Journalisten – als völlig unmöglich zerrissen worden; als total an den Haaren herbeigezogen worden; als frei [z]erfunden worden? Die waren alle in Auschwitz, nur nicht dort.
    Es ist eine Wahrheit die noch gefunden werden muß. Lügenpresse – Wahrheitspresse? Es ist erschreckend; wie der doofe HITLER zum Nazi wurde; zum Nazi werden konnte, zum Nazi werden mußte!? Dass man mal etwas erfährt, was geradezu mit Absicht verfälscht wurde. Aber kann uns das die Augen verdrehen über das eigene Land? Wenn alles so einfach wäre – da haben Sie unbedingt Recht. Nur, da ist noch eine Nuss zu knacken. Zur Amtseinführung von Mr. Donald Trump. Vielbeklagt von gewissen Leuten. Wie war das bei der Amtseinführung des Versagers Adolf? Ein Buch gibt darüber Auskunft: „Hitler war ein Britischer Agent!“ Das Buch wurde jetzt – man denkt es zu Recht eigenartig – zuletzt ins Deutsche übertragen. Wie kann man von einem Mann ein Wohlwollen gegenüber dem Deutschen Staat erwarten, der im Dienst einer fremden Macht stand? Um die Sache mehr zu verdeutlichen, warum sagt uns Niemand, dass der Großkopf Adolf perfekt sprach Englisch sprach und Französisch? Wo war Hitler in der Zeit zwischen 1911 und 1914? Er war in England und Irland. Eigenartig, da gibt es eine Lücke in dem Geschichtsbewußtsein gewisser Leute. Das Victorianische Zeitalter mit anderen Mitteln läßt grüßen. Da gibt es Leute, die einen perfekten Überläufer erzeugen.
    Noch etwas zur Unwahrheit. Die Deutschen hatten die Atombombe. „Und sie hatten sie doch!“ von Edgar Mayer & Thomas Mehner Koop (ISBN 978-3-86445-296-3). [Spektakuläre neue Indizien bestätigen: Hitler verfügte über die Atombombe]. Wie sich zeigt wurde das Biest Hitler gefragt‚ ob er die A-Bombe einsetzen wollte? Die Antwort war NEIN! Er wollte die Bombe nicht einsetzen. Man hatte dem Biest Hitler gesagt, daß 1oo.ooo Deutsche bei dem Abwurf sterben würden. Das ist aber nur ein Halm in der Vergangenheit. Warum dann marschierte der fiese Adolf in Polen ein? Das muß man sagen, daran ist Winston Churchill schuld. Der Mann ging in der Zeit des bestehenden Hitler-Stalin Paktes nach Moskau und gab Generallismus Stalin die Genehmigung, in Polen so viele polnische Offiziere zu töten, wie er es für richtig hielt – natürlich nach dem Einmarsch in Polen. Die polnischen Piloten kämpften in IHREN eigenen Flugzeugen gegen die Göbels-Luftwaffe und gewannen die Schlacht um England, später als die Leichen von Kathyn …
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    Die Horten Brüder hatten ein völlig neues Flugzeug entwickelt mit Genehmigung von Göring . Einen Nurflügel-Jäger. Ein Jäger der seiner Zeit um Jahrzehnte voraus war und England in einen Notstand bei Verteidigung und Radarabwehr gebracht hätte. Das sind Aussagen der Spezialisten, die die Maschine in den USA nachgebaut hat. Vor dem Einsatz verlangte Hitler; die Maschine in doppelter Größe zu erhalten, um den Kampf in die USA zu tragen. Er gab den letzten Kriegsentscheidenden Vorteil auf mit einer Ausrede – er wußte um die Kriegsentscheiden Auswahl – er wußte daß das Model aus dem Abwehrkampf genommen werden mußte – das Modell hätte im letzten Moment den Krieg gewendet. Das mit dem Krieg in die USA tragen – ein haltloser Einwand – es fehlte die Zeit. Der Krieg war in seinem Ende angekommen.
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    Bischof Galen-Predigt NS Euthanasie immerwährender protestierend gegen Nationalsozialismus und besonders gegen Hitler – was tat England? England zerstörte seinen Dom – die Kirche in der er predigte auf den Grund vollständig. Die Engländer äscherten total seine Stadt ein – obwohl sein Dom und seine Stadt keinerlei strategische Bedeutung besaßen.
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    Die beiden Bücher sind es bestimmt Wert gelesen zu werden.
    Mit herzlichem Gruß Dagobert R Forner
    Dag R Forner Dipl Ing 50169 Kerpen – forner@athenus.de
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    Greg Hallett Neuseeland. ˃ ISBN: 0-473-10453-9 “Hitler was a British Agent” ǂ 6oo Seiten
    Jetzt auch übersetzt ins Deutsche!!! → ‚Hitler war ein Britischer Agent‘ ISBN 978-0-9852278-1-4
    Edgar Mayer + Thomas Meyer ˃ „Und sie hatten sie doch“ / (die A-Bombe)
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    Viktor Suworow ˃ ISBN: 3-608-91511-7 „Der Eisbrecher – Hitler in Stalins Kalkül“ 450 Seiten
    P.S. Sir Winston Churchill bei Stalin in der Zeit ‚Hitler Stalin Paktes‘ Stalin empfing Hinweise …
    === — ===
    Edwin Black ˃ ISBN 0-02-511130-2 „Theo Transfer Agreement“ The Untold Story of …

  2. Es mag verschiedene Ursachen für Spiritualität geben. Eine davon ist die Art und Weise, wie unser Gehirn Erinnerungen verarbeitet:

    Im Gedächtnis abgespeicherte Erfahrungen werden beim Erinnern ´zustandsabhängig´ verändert (neu gedeutet). Deshalb werden Eltern, die sich liebevoll um ein Baby/Kleinkind in der Erinnerung zu liebevollen sprechenden Lichtwesen – von dem wir auch die Grundlagen von Moral gelehrt bekommen. Auch die Erfahrung von ´Entgrenzung´ lässt sich als erinnerte Erfahrung aus diesem Zeitraum zuordnen: denn wir bekommen unsere ´Grenzen´ erst, wenn wir uns mit dem Erlernen von Sprache und der Entwicklung einer eigenen ICH-Identität von der Umwelt abgrenzen.

    D.h. jeder Mensch hat die Anlage zur Spiritulität, da Erinnerungsvorgänge bei allen Menschen gleich ablaufen. Religiosität dagegen wird durch kulturspezifische Erziehung erworben.

    Per Google-suche (ganzen Link suchen [www.nderf.org/German/denken_nte.pdf] finden Sie mein Erklärungsmodell (PDF) für das Phänomen ´Nahtod-Erfahrung´(NTE). Dort wird beschrieben, wie wir lebenslang Zugang zu unseren frühesten Erfahrungen bekommen. Bei NTEs kann man bewusst erleben, wie das Gehirn einen einzelnen Reiz verarbeitet – durch Struktur/Inhalte von NTEs lässt sich daher u.a. auch erklären, dass/wie Spiritualität/Moralität bei allen Menschen entsteht.

    • Lieber @KRichard,

      im oben verlinkten Artikel ist eingangs die spirituelle Erfahrung von Michael Schmidt-Salomon geschildert. Welche Bezüge zu vorgeburtlichen Erfahrungen bzw. NREs würden Sie hierbei erkennen?

      Mit freundlichen Grüßen

      • Ich möchte das von Schmidt-Solomon geschilderte spirituelle Erlebnis nicht einer NTE zuordnen, da seine Schilderungen zu ungenau sind.

        Allerdings gibt es im Rahmen von NTEs Berichte, die interessante Parallelen zu einigen Details von Schmidt-Solomon aufweisen: Zunächt aber ist es aber wichtig, darauf hinzuweisen, dass unser Gehirn immer sofort eigene vergleichbare Erfahrungen aus dem Gedächtnis RE-AKTIVIERT, wenn wir z.B. eine Sinneswahrnehmung machen. D.h. unser erstes Erleben kommt aus dem Gedächtnis. Dies ist eine Überlebensfunktion, damit wir schnellstens reagieren können.

        Farbwahrnehmung: Erinnerungen aus der frühen Kindheit enthalten z.B. intensive Farben und/oder Blumen, Landschaften, Gebäude in irrealen Farben. Dafür gibt es zwei Gründe: A) Flüssigkeit/Linse unseres Auge sind bis etwa zum 20. Lebensjahr vollkommen klar. D.h. Farben werden unverändert wahrgenommen und auch genau so intensiv erinnert – womit intensive Farbwahrnehmung beim Erinnern erklärbar ist. (Denn wenn wir älter sind, ist unser optisches System zunehmend durch Eiweißeinlagerungen/Verfärbung beeinträchtigt. Wir merken diese Veränderung unseres Sehsystems selbst nicht, aber wenn Farberlebnisse aus der frühen Kindheit reaktiviert werden, erscheinen uns diese Farben sehr intensiv.)
        B) Kinder machen bis zum 4. Lebensjahr Fehler beim Abspeichern von Farb- und Objekt-Zuordnungen (dies wurde schon im Experiment bestätigt). Werden diese Erlebnisse später wieder re-aktiviert, dann erinnert man sich an Objekte in irrealen Farben.

        Bei Erlebnissen aus der frühen Kindheit wird im Rahmen von NTEs immer wieder berichtet, dass man sich nicht von der Umwelt entgrenzt fühlte, Ein universelles Einheitsgefühl oder der Eindruck dass man mit allem verbunden ist und alles versteht, sind ähnliche Eindrücke. Ein Grund für diese Erfahrung ist, dass ein Baby/Kleinkind noch nicht weiß, dass es ein eigenständiges Wesen ist. Erst ab dem 2. Lebensjahr lernt ein Kind zusammen mit dem Lernen der Sprache, sich als Individuum von der Umwelt abzugrenzen.

        Ähnliche universelle Einheitsgefühle/-erlebnisse werden auch im Rahmen von Meditationen erlebt, wenn die meditierende Person alle Gedanken und Sorgen aus der Wahrnehmung ausblendet. Dies könnte auch bei Schmidt-Solomon eine Ursache für sein spirituelles Erleben gewesen sein: Indem er sich so intensiv auf ein bestimmtes Erlebnis konzentriert – werden andere Sinneseindrücke ausgeblendet. Dadurch ändert sich der Fokus der Aufmerksamkeit (= Regel 3B in meinem Text) und das aktuelle Erlebnis wird intensiver wahrgenommen, weil sich die Wahrnehmung darauf fokussiert.

        NTEs werden deshalb so intensiv wahrgenommen, weil sich das Gehirn so intensiv auf die Verarbeitung eines einzelnen Reizes konzentriert – dass diese Reizverarbeitung der bewussten Wahrnehmung zugänglich wird. (Parallel zu einer NTE können wir allerdings auch noch unsere Umgebung deutlich wahrnehmen. Dies ist bereits im Klassiker der NTE-Literatur – ´Life after Life/Leben nach dem Tod´, seit 1975, von Dr. Moody – beschrieben worden. )

        • @KRichard

          Lieben Dank! Ihre Argumentationsfigur sagt mir zu, da sie klassische Annahmen der Psychoanalyse (Freuds ozeanisches Gefühl, Jungs Archetypen etc.) gewissermaßen neurokonstruktivistisch aktualisiert. Mir liegt ja auch ein Buch von Ihnen dazu vor.

          Allerdings werden die derzeit vorherrschenden Modulmodelle (die Ihren Erinnerungsansatz aber gar nicht ausschließen müssen, komplementär sein könnten) eben auch empirisch getestet und ggf. falsifiziert, also überprüft.

          Gerade der klassischen Psychoanalyse hat man ja zirkuläre Argumentationen vorgeworfen, in vergleichenden Studien schneidet sie oft mager ab und wurde und wird inzwischen vielfach verworfen oder weiterentwickelt.

          Wie ist das bei Ihrem Ansatz? Woran könnte dieser überprüft und ggf. auch falsifiziert werden?

          Mit interessierten Grüßen

  3. KRichard,
    …..Religiosität dagegen wird durch kulturspezifische Erziehung erworben.
    Man kann sie auch in das Gehirn verlagern und dort suchen.
    Aber immer bleibt die Frage unbeantwortet. Wer hat die Welt erschaffen? Man kann die Wissenschaft noch so sehr bemühen, die Tatsache, das es einen Gott gibt und dass sich dieser Gott uns offenbart hat, und sich noch jeden Tag und jede Stunde irgendeinem Menschen auf dieser Erde offenbart, die kann man nicht übergehen.

    • @R: Die Arbeitsweise unseres Gehirns ist bei allen Menschen gleich. Weil frühe Erlebnisse beim Erinnern verändert und neu bewertet werden – sind daher bei Menschen aller Kulturen solche Erinnerungen möglich, die wir dann als spirituelle Erlebnisse deuten.

      Bereits die Bezeichnung ´spirituell´ ist aber eine Bewertung solcher Erinnerungen.

      Religiosität setzt voraus, dass man mit Begriffen der religiösen Thematik vertraut ist (Geist, Gott, Teufel, Engel, Zauberei, Himmel, Jenseits, usw.). Das Verständnis derartiger Begriffe ist aber erst ab einem Zeitpunkt möglich, wo man den Gebrauch der Sprache erlernt hat – ab dem 2. Lebensjahr. Dies ist ein Grund, wieso Religiosität kulturspezifisch ist – und warum es unterschiedliche Religionsformen/Kulte gibt.

  4. @Blume: Mein Erklärungsmodell für NTEs habe ich ausschließlich auf Grundlage bekannten Wissens der Psychologie/Gehirnforschung entwickelt.

    Z.B. werden Erinnerungsvorgänge der Gedächtnisforschung meßtechnisch erfasst, indem man Aktivitäten beim Lernen von neuen Reizen misst – und wenn man beim Erinnern die gleichen Aktivitäten messen kann, dann weiß man, dass dieser Reiz reaktiviert/erinnert wurde.
    http://www.sciencedaily.com/releases/2017/06/170626105758.htm ´Beyond bananas ´Mind reading´ technology decodes complex thoughts´: Bei diesem Experiment lernten die Versuchspersonen 42 Begriffe deren Aktivitätsmuster per fMRT messtechnisch erfasst wurden. Dann mussten sie aus diesen Begriffen komplexe Sätze bilden und daran denken. Diese Aktivitätsmuster wurden ebenfalls messtechnisch erfasst. Die Muster der Sätze konnte man in die Einzelmuster der verwendeten Begriffe zerlegen – und damit erkennen, was die Versuchsperson gedacht hatte.

    Ein anderes Beispiel haben Sie vermutlich schon selbst gesehen: Ein Zauberer wirft einen Ball mehrmals hoch und fängt ihn wieder auf. Plötzlich ist der Ball verschwunden und der Zauberer zeigt seine leeren Hände. Hier ist der Mechanismus sehr einfach: Wenn wir den Ballflug sehen, dann speichert das Gehirn dieses Erlebnis ab, wenn sich die Aktion mehrmals wiederholt, dann ´sehen´ wir nicht mehr den wirklichen Ballflug – sondern unser Gehirn reaktiviert lediglich die bereits abgespeicherte Prozedur. Wir ´sehen´ also nicht die Realität, sondern nur reaktiviertes Wissen. Der Zauberer nutzt dies und lässt den Ball verschwinden.

    Noch ein Nachtrag zu Schmidt-Salomon: Wenn wir eine bestimmte Situation ereben, reaktiviert das Gehirn sofort eine vergleichbare/identische Erfahrung aus dem Gedächtnis – dies kann z.B. ein Grund gewesen sein, warum er dieses intensive Erlebnis hatte. Schauen Sie bei Wikipedia unter [Nachtod-kontakt] nach. Wenn bei langjährigen Paaren ein Partner stirbt, dann erleben ihn bis zu 60 % in Form von ´Nachtod-kontakten´ in ihrer Wohnung. Der Grund dafür ist sehr einfach. Wenn man lange gemeinsam zusammengelebt hat, dann wird die Erfahrung vom Partner zusammen mit der Wohnungseinrichtung/Gerüchen im Gedächtnis abgespeichert. Stirbt der Partner, dann werden diese Reize beim Betreten der Wohnung sofort reaktiviert – und damit auch der/die Verstorbene. diese Reaktivierung von Erfahrungen kann so intensiv sein, dass man regelrechte ´Unterhaltungen´ führen kann. (Für Ihr Blogthema ´Mystik´ ist von Interesse: was man heute als ´Nachtod-Kontakt´ bezeichnet – dafür gab es früher die Begriffe ´Wiedergänger´, ´Untote´, ´Strigoi´.
    Suchen Sie per Google [Königin Silvia Gespenster]: sie berichtete Anfang dieses Jahres, dass Sie auf Schloss Drottningholm – öfter kleine Gespenster trifft. Unter dem Fachbegriff ´Charles Bonnett Syndrom´ wird dieses Phänomen erklärt: wenn gesunde ältere Menschen die z.B. müde sind, schlecht sehen oder sich in Räumen mit schlechter Beleuchtung aufhalten – dann erhält das Gehirn zu wenig optische Reize von Außen und reaktiviert daher eigene Erfahrungen; die lebensecht erlebt werden )

  5. @Blume: Falsifizierung von Behauptungen

    Für die Orientierung im Raum (Orts-/Platzzellen) gab es 2014 einen Nobelpreis. Mittlerweile kann man lebendige Versuchspersonen im Experiment dazu bringen, dass sie sich gedanklich in einer Puppe empfinden, die in einem virtuellen Raum steht. Diese Position kann man im Gehirn messen. (body swap / Körpertausch)

    Beim Luciden Traum kann man gedanklich fliegen, sich durch Wände bewegen, usw. Auch dazu werden Experimente im Versuchslabor durchgeführt – wo Meßelektroden belegen, dass die Versuchsperson die ganze Zeit lebendig ist.

    Kurz gesagt: zum Thema ´Außerkörperliche Erfahrung´(AKE) gibt es jede Menge wissenschaftlich begleitete Experimente, die zeigen, dass die AKE ein Konstrukt des Gehirns ist.

    Die menschliche Entwicklung (Embryo > Fetus > Baby > Kleinkind > …) ist relativ gut erforscht. Weil bei NTEs Erlebnisse reaktiviert werden, die mit der bereits bekannten Entwicklung korrellieren/übereinstimmen – kann man die Schlussfolgerung treffen, dass unsere Erlebnisse in hierarchischer Reihenfolge im Gedächtnis abgespeichert sind. Der Begriff ´zustandsabhängiges Erinnern´ erklärt, wie gespeicherte Erinnerungen beim RE-AKTIVIEREN verändert werden. (Den Begriff ´zustandsabhängiges Erinnern/state dependent retrieval´ habe ich von einem Psychologie-Professor. Dieser Begriff hat zwei Bedeutungen: A) wenn die Zustände beim Erinnern denen entsprechen wo eine Erfahrung gelernt wurde – kann man sich besonders gut erinnern. B) er beschreibt, wie/warum Erlebnisse beim Erinnern geändert/gefälscht werden bzw. wie ALTE Erfahrungen in NEUES Wissen umgewandelt werden)

    Ich habe seit 2006 mit meinem NTE-Erklärungsmodell darauf aufmerksam gemacht, dass wir uns bei NTEs an Erlebnisse ab dem 5. Schwangerschaftsmonat bewusst erinnern können. Warum bisher kein Wissenschaftler diesen Hinweis aufgegriffen hat, ist mir unverständlich – aber ich bin unschuldig daran. Weil die Meßmethoden der Gehirnforschung immer besser werden (PET, EEG, fMRT, Elektroden im Gehirn) wird meine Idee immer öfter bestätigt. Mittlerweile gibt es sogar erste Ansätze, dass man die Gehirnaktivität lebender Feten im Mutterbauch messen kann (die Bewegung von Mutter und Fetus wird mittels geeigneter Algorithmen herausgerechnet)

    Ich bin hier bei SciLogs vielen Bloggern mit meinen Hinweisen auf die Nerven gegangen. Mein Ziel war es a) zu dokumentieren dass NTEs komplett erklärbar sind – und b) Bloggern/Lesern eine Chance für ein Thema anzubieten, bei dem man sich noch gut profilieren kann. (Dass wir bei NTEs bewusst erleben können, wie ein einzelner Reiz verarbeitet wird, ist für die Gedächtnisforschung von vergleichbarer Bedeutung, wie es die Entdeckung der Doppelhelix für die Genetik war.) Gerade für junge Wissenschaftler wäre diese Thematk von Interesse, um sich einen guten Namen zu machen – und um beruflich Erfolg zu haben.

    • Lieber @KRichard,

      vielen Dank. Doch, das ist schon spannend – und ich verstehe Ihr Dilemma, einerseits aufgrund der Fülle an Befunden über die mangelhafte Resonanz “gefrustet” zu sein, andererseits aber auch nicht “nerven” zu wollen…

      NTEs sind ja weniger mein Thema als vielmehr Spiritualität und Religiosität. Haben Sie Ihre Thesen dazu schon einmal irgendwo veröffentlicht, oder haben Sie das noch vor?

  6. @Blume: In Ihrem obigen Eingangbeitrag gehen Sie davon aus, dass Spiritualität eventuell ein kognitives ´Nebenprodukt´ sei. Diese Sichtweise ist falsch, da z.B. das Erinnern von ´Geistwesen´ ein Ergebnis der normalen Gehirnaktivität ist (zustandsabhängiges Erinnern).
    Aus diesem Grund habe ich mich hier noch einmal gemeldet – damit Sie nicht eine falsche Idee weiter verfolgen und sich so blamieren. Ansonsten will ich mich bei SciLogs mit weiteren Hinweisen zurückhalten.

    Mein Erklärungsmodell für NTEs habe ich in meinen Büchern veröffentlicht – aktuell: ´Near-Death Experiences completely explained´ und ´Pfusch, Betrug, Nahtod-Erfahrung´. Damit habe ich die geistige Urheberschaft dokumentiert. (Seit Juli 2014 habe ich mir eine Sammlung mit wissenschaftlichen Arbeiten angelegt, mit denen sich Details meiner Behauptung belegen lassen. Bisher habe ich über 300 Arbeiten (mit DOI-Nr.) )

    Mein Ziel ist es aber, zu erreichen, dass NTEs ein Thema für die seriöse Gehirnforschung werden. Ich möchte einem/einer Wissenschaftler/in eine Chance geben, als Erste/r eine wissenschaftliche Arbeit zu veröffentlichen. Leider ergreift bisher niemand diese Chance.

    Ein Beispiel: Im August fand in den USA eine international besetzte Konferenz ´Near-Death Experiences while drowning´ statt. Ich habe die Veranstalter im Vorfeld rechzeitig aufmerksam gemacht – dass das Phänomen NTE seit einem Jahrzehnt komplett erklärt ist: Keine Reaktion. Soweit ich weiß, ist nächstes Jahr wieder eine Konferenz zum Thema. — und damit kommen wir zum amüsanten Teil: Es ist schon lustig, dass laufend Konferenzen abgehalten und wissenschaftliche bzw. journalistische Berichte veröffentlicht werden, in denen NTEs als unerklärbares Phänomen dargestellt werden. Entweder sind diese Leute unfähig, mit der Suchmaschine GOOGLE einen aktuellen Wissensstand zu suchen – oder diese Leute betrügen vorsätzlich.

    • Lieber @KRichard,

      nun, tatsächlich ist es gerade der Clou von “Nebenprodukten”, dass sie als Begleiterscheinungen normaler Merkmale (z.B. Gehirnfunktionen) auftreten.

      Aber ich gebe Ihnen Recht, dass wir es hier vielleicht besser belassen können. Den Schreibfehler habe ich wie erbeten verbessert.

      Ihnen alles Gute!

  7. @Blume: Wenn persönliche Erlebnisse beim Erinnern zu spirituellen Erfahrungen umgedeutet werden (die wiederum eine Grundlage von Religiosität darstellen) – dann ist dies eine Form von Kreativität.

    Menschliche Kreativität nur als kognitives Nebenprodukt zu betrachten – ist zwar zulässig; aber ich stimme dieser Sichtweise nicht zu, da die menschliche Kreativität für mich eine wichtige Fähigkeit ist, mit der wir uns von vielen Tieren unterscheiden.

    • @KRichard

      Die Nebenprodukt-These bezieht sich weder auf die Kreativität noch zum Beispiel auf die Sprachfähigkeit, sondern auf die spirituellen Erfahrungen, die dann kreativ, sprachlich etc. gedeutet werden. Dies nur als Erläuterung.

  8. Ein Freund meinte neulich zu mir: “sie werden es nicht lernen”
    Meine Rückfrage: “Was?”

    Das ist natürlich ein glänzend hingelegtes Stück politischen Versagens aller politisch Beteiligter sich nun gegen jene wehren aufgerufen wähnen, die man ins Haus geholt hatte oder die sich zu Hause wähnen.

    Richtig fein, um es mal pointiert zu formulieren.

    Wir mögen ja Gastfreundschaft als freundliches Gesicht.

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