Verschwörungsfragen 16 – Alexa Waschkau aus der Erzählforschung von Verschwörungsmythen

Das weiter steigende Interesse an „Verschwörungsfragen“ ehrt und freut uns immer noch sehr. Inzwischen gibt es aber auch eine wachsende Zahl an Podcasts, in denen sich Männer über 40 äußern. Auch die Erforschung, Aufklärung und Bekämpfung von Verschwörungsmythen ist aber kein Einzel-, sondern ein Gemeinschaftsunternehmen. Deswegen haben mein Team und ich entschieden, dass wir diesen Podcast bewusst auch für „freshe Stimmen“ von Kolleginnen und Kollegen öffnen und sie mit ihrer jeweiligen Expertise zu Wort kommen lassen.

Den Anfang für diese Kategorie macht Alexa Waschkau, bekannt als Autorin und Podcasterin Hoaxmistress. Mich begeisterte ihr Buch zur Erzählforschung „Psycho im Märchenwald“ zu den Sammlungen der Gebrüder Grimm, das sie gemeinsam mit dem Psychologen Sebastian Bartoschek veröffentlicht hat. Dort stellten die beiden genau die Fragen, die für das Thema Verschwörungs-mythen so wichtig sind: Warum springen Menschen auf bestimmte Erzählungen stärker an als auf andere? Und was macht das wiederum mit ihnen?

Rauf aufs Sofa mit den menschlichen Erzählungen – in jedweder Hinsicht! Schreibtisch-Foto: Michael Blume

In der Hoaxilla-Folge 227 diskutierten wir über Antisemitismus und Verschwörungsmythen.

Nun also haben wir Alexa Waschkau in „Verschwörungsfragen“ eingeladen und sie gebeten, uns über das Verhältnis von „Märchen und Verschwörungsmythen“ zu erzählen.

Die Podcast-Folge gibt es selbstverständlich wieder auf podigee sowie auf Spotify, Deezer, iTunes und auf YouTube.

Den Text der Folge gibt es wie immer hier als pdf-Dokument.

Und hier als Fließtext:

Wenn man derzeit die Nachrichten hört, liest oder anschaut, die sozialen Medien durchscrollt oder sich auch nur mit Freunden und Familienmitgliedern in WhatsApp-Gruppen oder Telegramchannels austauscht, könnte man das Gefühl bekommen, wir würden von einer Welle aus Falschmeldungen und Verschwörungsmythen überrollt.

Die Sars-CoV-2-Pandemie sei nur eine Erfindung, heißt es, um wahlweise ein „5G-Syndrom“, Donald Trumps „Kampf gegen den Deep State“ oder eine gezielte Kampagne der „Zwangsimpfungen“ zu vertuschen. Vielen von uns kommt es so vor, als bräche diese Welle aus dem Nichts über uns herein, als seien diese Gerüchte und Verschwörungsmythen ein neues Phänomen.

Tatsächlich stecken hinter diesen Erzählungen aber Motive, die zum Teil recht alt sind und sich lediglich in neue Gewänder gehüllt haben.

Die Erzählungen sind im Laufe der Zeit mutiert, um in einem veränderten gesellschaftlichen Umfeld an unsere Ängste und Vorurteile andocken zu können.

Wie kommt es, dass diese Erzählmotive uns immer wieder kalt erwischen, uns bei den Emotionen packen und dazu verleiten, sie zu verinnerlichen, weiterzugeben und dabei auf der Basis unserer eigenen vorgefassten Ansichten anzureichern? Warum glauben wir bestimmte Gerüchte, während uns andere nur gleichgültig mit den Schultern zucken lassen oder wir sie verärgert ablehnen, ohne uns genauer mit ihnen auseinanderzusetzen?

Fake News, Verschwörungsmythen und esoterische Glaubenskonzepte sind zutiefst menschliche Phänomene. Trotzdem müssen wir lernen, die Mechanismen und Motive dahinter zu verstehen, damit wir uns und andere davor schützen können. Denn diese Erzählungen, das stellen wir in den letzten Monaten verstärkt fest, können Familien, Freundeskreise und sogar die Gesellschaft als Ganzes spalten und das Vertrauen in unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung untergraben.

Bevor wir zu der Frage kommen, warum wir manches unbesehen glauben und anderes ungeprüft ablehnen, wollen wir ein paar unterschiedliche Arten von Erzählungen näher beleuchten.

Fangen wir an mit modernen Sagen, einer Erzählgattung, die in unserer menschlichen Kultur tief verwurzelt ist und auch im derzeitigen gesellschaftlichen Klima keine geringe Rolle spielt.

Im Gegensatz zu Märchen (wie Dornröschen oder Aschenputtel) werden Sagen so erzählt, als seien sie wahr. Ein Märchen spielt in einer ganz eigenen Welt, die eigenen Gesetzen folgt, wo Tiere, Pflanzen oder auch Gegenstände sprechen können, ohne dass es den menschlichen Protagonisten seltsam vorkommt.

Eine Sage dagegen spielt in unserer normalen Alltagswelt. In diese ganz normale Alltagswelt bricht das Unheimliche, Unvorhergesehene und Gefährliche ein (der Anhalter, der sich in Luft auflöst, wenn der Autofahrer sein Hauserreicht, der kleine Hund, den eine Familie aus dem Urlaub mitbringt und der sich bei einer Untersuchung durch einen Tierarzt als riesige Ratte erweist) und löst bei den Protagonisten die entsprechenden Gefühle aus, also meistens Angst und Unsicherheit.

Die modernen Sagen haben zwar alte Motive, wie die Angst vor dem Fremden oder vor Krankheiten (man denke nur an die „Spinnen, die beim Aufstechen aus einer entzündeten Wunde hervorkrabbeln“), aber sie haben sich, was ihren Schauplatz und die handelnden Figuren betrifft, an unseren modernen Alltag angepasst.

Das Unheimliche und Fremde begegnet uns im Urlaub, auf einsamen Landstraßen oder in der Tiefgarage unter dem Shoppingcenter.

Und weil diese Geschichten oft so klingen, als könnten sie (der Bekannten eines Freundes der Cousine) wirklich so passiert sein, an Gefühle appellieren, die wir alle kennen und nachvollziehen können und außerdem noch interessant klingen, werden sie weitererzählt. Die nächste Gattung von Erzählungen, die wir uns vorknöpfen, sind die Verschwörungsmythen.

Das sind zunächst einmal alternative Erklärungen für Phänomene oder Ereignisse, die uns im Alltag begegnen und uns Angst machen. Wir befürchten hinter diesen angsteinflößenden Ereignissen das Wirken finsterer Mächte, die sich verschworen haben, um unseren Untergang herbeizuführen oder schuld daran sind, dass unser Leben nicht den Verlauf nimmt, den wir uns erhoffen.

Manche Verschwörungsgläubige haben Angst davor, dass uns diese unheimlichen Strippenzieher durch die Kondensstreifen von Verkehrsflugzeugen vergiften oder das Wetter manipulieren wollen oder dass die Regierung der USA die Anschläge des 11.September 2001 selbst „inszeniert“ hat. Verschwörungsmythen sind kein neues Phänomen und leider sind es vor allem die antijüdischen unter diesen erfundenen Geschichten, die sich durch weite Teile unserer Geschichte bis in die heutige Zeitziehen.

Ein trauriges Beispiel für diese Kontinuität ist der Verschwörungsmythos der Brunnenvergifter. In dieser erfundenen Erklärung für die Pestepidemie des 14.Jahrhunderts werden Juden beschuldigt, das Wasser in Städten vergiftet und die Krankheitswelle ausgelöst zu haben.

Auch in den heutigen Verschwörungsmythen schreiben die Anhänger der Familie Rothschild oder George Soros die Rolle des Feindbildes und die Schuld am Bösen in der Welt zu und zeigen damit, dass die antijüdischen Tendenzen unserer Zivilisation, die zu so unendlichem Leid geführt haben, noch immer existieren.

Allein schon dieser Umstand muss dazu führen, dass wir uns kritisch mit Verschwörungsmythen auseinandersetzen und ihnen, wo auch immer es möglich ist, Paroli bieten.

Der erste Teil des Begriffes, die Verschwörung, hat zunächst einmal eine recht solide Basis. Denn Verschwörung gab es in der Weltgeschichte (die Attentate auf Caesar oder Abraham Lincoln) und auch in jüngster Zeit wirklich. Auch die Anschläge des 11. September 2001 sind durch eine Verschwörung zustande gekommen. Die Terroristen haben sich im Geheimen abgesprochen und zusammengefunden, um diese Anschläge zu planen durchzuführen. Eine Verschwörung im klassischen Sinne also.

Der zweite Teil des Begriffes, der „Mythos“, weist in eine andere Richtung. Er bezeichnet dabei per se eine Erzählung, die in der Götterwelt spielt. Wir alle haben schon einmal von Schöpfungsmythen verschiedener Kulturen gehört, die sich in diesen Geschichten die Entstehung der Welt und das Wirken ihrer Götter erklären.

Auch die Nähe zur Religion wird hier deutlich. Und das kommt nicht von ungefähr, denn Verschwörungsmythen werden von ihren Anhängern geglaubt, egal welche Fakten dagegensprechen. Verschwörungsgläubige wählen sich aus den verfügbaren Informationen stets nur die aus, die ihre Auffassungen bestätigen. Was ihnen widerspricht, wird ignoriert, als Fälschung bezeichnet oder der Verwirrungstaktik der vermuteten finsteren Mächte zugeschrieben. Der Glaube an diese Erzählungen lässt sich, wenn er sich einmal verfestigt hat, oft nicht mehr mit Argumenten und stichhaltigen Belegen entkräften.

Und dann sind da noch die Fake News, die uns dieser Tage besonders auf Facebook so oft in unsere Timeline gespült werden. Grundsätzlich bezeichnet der Begriff Nachrichtenschnipsel, Artikel oder Bilder mit kurzen Texten, die so aussehen wie Meldungen über das Tagesgeschehen, die von seriösen Medien stammen. In Wirklichkeit sind viele dieser vorgetäuschten Nachrichten aus dem Kontext gerissene Informationen, Fotos oder Videos, die uns emotional ansprechen, wütend oder ängstlich machen.

Durch einen näheren Blick auf die Quelle, die Google-Bildersuche oder eine Suche nach Nachrichten anderer Medien zum jeweiligen Thema, kann man mit ein wenig detektivischem Spürsinn dahinterkommen, ob die Nachricht echt ist oder nur Clickbait von Personen, die mitunter sogar damit Geldverdienen. Eine solche Recherche ist aufwendig.

Es gibt aber Vereine, wie zum Beispiel Mimikama, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, über Falschmeldungen im Internet aufzuklären. Auf der Seite dieses Vereins kann man sich über aktuell kursierende Falschmeldungen informieren. Generell sollte man bei reißerischen Schlagzeilen, vereinfachenden und einseitigen Darstellungen und klar umrissenen Feindbildern misstrauisch werden.

Unsere Welt ist viel zu komplex, um sich ganz simpel in Gut und Böse unterteilen zu lassen. Aber nicht nur das Erkennen von Fake News ist manchmal schwierig. Es kommt auch noch die Strategie mancher Menschen dazu, den Begriff als Schutzmauer gegen unliebsame Kritik zu verwenden. Alle Nachrichten (auch Ergebnisse sorgfältiger journalistischer Arbeit, die gut belegt sind), die ihnen nicht ins Konzept passen, werden als Fake News bezeichnet.

Spätestens wenn diese Strategie der Kritikimmunisierung sogar von hochrangigen Politikern genutzt wird, wird es gefährlich. Ähnlich wie der unsägliche Begriff der „Lügenpresse“ ist auch die Bezeichnung „Fake News“ inzwischen zu einem Schlagwort zur Abwehr von Kritik an unbelegten, reißerischen Behauptungen geworden.

Die Frage ist immer, ob sich die Meldungen, die wir gerade konsumieren, auch belegen lassen. Und zu Belegen zählen keine YouTube-Videos von Köchen oder Sängern, die meinen, die ultimative Wahrheit als Geistesblitz empfangen oder sich mit Hilfe ihres „gesunden Menschenverstandes“ gedacht zu haben.

Die Arbeit echter professioneller Journalisten ist wesentlich aufwendiger und komplizierter. Und auch sie können Fehler machen, so wie wir alle manchmal Fehler machen. Der Begriff der „Zeitungsente“ ist in diesem Zusammenhang bestimmt den meisten von uns schon einmal untergekommen. Diese Falschmeldungen können harmlos erscheinende kuriose Berichte sein, in denen Kühe aus einem Flugzeug fallen und ein japanisches Fischerboot versenken oder aber diplomatische Verwicklungen auslösen, wie die falsche Todesmeldung des sowjetischen Ministerpräsidenten Chruschtschow, die am 13. April 1964 von der dpa verbreitet wurde.

Journalisten oder Medien, die etwas auf sich halten, werden Fehler jedoch offenlegen und richtigstellen. Nur Schwurbler machen (ihrer Ansicht nach) niemals Fehler. Und wenn doch, sind immer die anderen schuld. Gerade in unsicheren Zeiten, in denen wir tiefgreifende Einschränkungen unserer persönlichen Freiheit erleben, weil wir unser Gesundheitssystem soweit stützen müssen, dass es nicht unter den Folgen der Sars-CoV-2-Pandemie zusammenbricht, hat das Erzählen, Glauben und Verbreiten solcher Geschichten Hochkonjunktur.

Die Informationslage wird immer unübersichtlicher, der Ton, den wir anschlagen immer rauer und es wird zunehmend schwieriger, den Wahrheitsgehalt der Informationen zu beurteilen. Fake News und Verschwörungsmythen sind die Krux unserer modernen Internetgesellschaft, die Straßensperren auf der Informationsautobahn, die einen, selbst wenn man sie umfahren kann, doch sehr leicht vom Weg abbringen können.

Die Verunsicherung, die wir dieser Tage empfinden und die Anfälligkeit dafür, zu glauben, was mit unserem eigenen Weltbild im Einklang zu stehen scheint, sind zunächst einmal zutiefst menschliche Erscheinungen. Wir alle sind in unserem Alltag mit einem Koffer voller vorgefasster Ansichten, Hoffnungen und Ängste unterwegs und betrachten alles, was uns im Internet und auch anderswo begegnet durch diesen emotionalen Filter.

Was ins Bild passt, nehmen wir für bare Münze und was aus dem Rahmen fällt, verunsichert uns und wird uns schnell zu anstrengend, weil es uns vielleicht zum Umdenken bringen müsste, zumindest aber dazu, uns selbst zu hinterfragen. Wir sind, bewusst oder unbewusst, immer auf der Suche nach Bestätigung.

Die Informationsautobahn führt in zwei Richtungen. Wir konsumieren nicht nur das, was uns in den Nachrichten und den sozialen Medien begegnet, sondern wir verbreiten es auch weiter. Wir lesen oder hören nicht nur zu, sondern wir erzählen auch selbst.

Grundsätzlich ist das Erzählen für unseren sozialen Zusammenhalt unerlässlich, wir können unser Gegenüber besser kennenlernen und uns selbst als Person – als Erzähler – interessant machen und aufwerten.

Diese Abläufe sind Teil unseres täglichen Lebens, ob wir wollen oder nicht. Wir können gar nicht anders, als bewusst oder unbewusst durch das Erzählen unser eigenes Weltbild mit dem anderer Menschen abzugleichen. Das Erzählen hat stets eine emotionale Komponente, die über die reinen Informationen hinausgeht.

Wir alle sind keine Vulkanier, die ausschließlich nach logischen Prinzipien Informationen weitergeben, ohne dabei sowohl unsere eigene gefühlsabhängige Interpretation mitzuliefern und eine ähnlich emotionale Reaktion unseres Zuhörers einzukalkulieren.

Wenn wir erzählen, so umfasst dieser Vorgang also etwas wie eine Wirkerwartung. Wir möchten, dass die News, das Gerücht, der Facebookpost oder was auch immer wir mit anderen teilen, bei ihnen dieselben Gefühle auslösen, wie bei uns, weil wir uns dadurch bestätigt und verstanden fühlen.

Auch beim Erzählen kommt unser eingebauter persönlicher Filter zum Einsatz, der dafür sorgt, dass wir die uns passenden Informationsschnipsel weiterteilen und die unpassenden ignorieren oder uns darüber ärgern. Die Geschichten, die wir erzählen und an die wir glauben, spiegeln unsere Ängste, Vorurteile und Hoffnungen wider.

Wenn wir schon immer das Gefühl gehabt haben, dass die Regierungen der Welt den Menschen Böses wollen und wir dann auf die Meldung stoßen, dass diese bösen Eliten uns die Pandemie nur vorgaukeln, um uns zuhause einsperren und ihre üblen Machenschaften durchführen zu können, rennt der Erzähler bei uns offene Türen ein und wir glauben ihm. Wir fühlen uns in unserem Misstrauen bestätigt.

Teilt uns ein paar Clicks weiter oder ein paar Minuten später eine andere Person mit, dass es für diese Behauptungen keine Belege gibt, dafür handfeste Informationen, die dagegensprechen, fühlen wir uns angegriffen und unverstanden. Diese Reaktion ist nachvollziehbar, aber gefährlich.

Immer wieder hören wir von den Vertretern „alternativer Fakten“ den Vorwurf, wir seien ja „gar nicht offen für neue Informationen“, sie dagegen schon. Diese angebliche Offenheit der Verschwörungs- und Fake-News-Gläubigen ist aber nur eine Illusion. Sie sind offen für alle Belege, die für ihre Ansichten sprechen und verschließen sich gegen alles, was ihnen widerspricht.

Das ist sehr bedauerlich, denn eigentlich liegt der Trick im Umgang mit diesen Arten von Erzählungen tatsächlich in der Offenheit für neue Informationen. Nur eben nicht ausschließlich für die bestätigenden Informationen, sondern auch für jene, die unseren vorgefassten Überzeugungen widersprechen.

Wenn wir es schaffen, beim Kontakt mit Verschwörungsmythen und Fake News einen Schritt von unseren eigenen Gefühlen zurückzutreten, uns selbst gegenüber ehrlich zu sein und die Frage zu beantworten, ob wir die entsprechende Erzählung vielleicht nur gerne glauben wollen, weil sie uns das zu bestätigen scheint, was wir ohnehin dachten, dann ist schon viel gewonnen. Das ist anstrengend und unangenehm, weil es uns die eigenen menschlichen Schwächen vor Augen führen kann. Aber es lohnt sich, weil wir es auf diese Weiseschaffen können, auf der modernen Informationsautobahn ein bisschen sicherer unterwegs zu sein. Damit erwerben wir uns nicht nur einen höheren Grad an Mündigkeit als Bürger, sondern stärken zugleich auch unsere freiheitlich-demokratischen Grundordnung.

Quellen:

Waschkau, Alexa; Waschkau Alexander: Podcast Hoaxilla. Der skeptische Podcast aus Hamburg, online abrufbar unter: https://www.hoaxilla.com/

Bartoschek, Sebastian; Waschkau, Alexa (2014): Psycho im Märchenwald: Ein Spaziergang durch 24 Märchen der Gebrüder Grimm, Edition Roter Drache

Mimikama, Verein zur Aufklärung über Internetmissbrauch, online abrufbar unter: https://www.mimikama.at/

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) & "Verschwörungsmythen". Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren wöchentlich, um Religionswissenschaft zugänglich und diskutierbar zu machen.

32 Kommentare

  1. Ein sehr guter Text.

    … denn eigentlich liegt der Trick im Umgang mit diesen Arten von Erzählungen tatsächlich in der Offenheit für neue Informationen. Nur eben nicht ausschließlich für die bestätigenden Informationen, sondern auch für jene, die unseren vorgefassten Überzeugungen widersprechen.

    Ist das nicht typisch für eine wissenschaftliche Art zu denken?

    • Doch, @einer. Hat jemand denn behauptet, es sei “nicht typisch” für “eine wissenschaftliche Art zu denken”? Freilich würden Künstlerinnen und am religiösen Dialog Interessierte ebenfalls diese Offenheit für sich reklamieren (können).

      • Nein das hat niemand behauptet und nicht-Wissenschaftler können das selbstverständlich auch tun.
        Ich fand es nur bemerkenswert, dass aus einer völlig anderen Ecke genau das kommt, was u.a. Wissenschaft ausmacht.

        Nicht das Belegen einer Aussage allein ist wichtig, sondern gerade auch das Untersuchen der Dinge, die dagegen sprechen.

  2. Danke für den Text. Leider muß ich eine kleine Anmerkung machen. Der Begriff “Sage” hat bei mir eine andere Bedeutung als in dem Text beschrieben. Ich verstehe darunter Erzählungen wie die “Artus-Sage” oder die von Laurin (Rosengarten). Was die Autorin schreibt, kenne ich unter dem Begriff “Urban Legend”. Ich benutze diesen englischen Begriff, weil diese Geschichten wohl zuerst in den USA entstanden sind.

    Gruß
    Rudi Knoth

  3. ..Auch die Nähe zur Religion wird hier deutlich. Und das kommt nicht von ungefähr, denn Regierungspropaganda wird von den Schlafschafen geglaubt, egal welche Fakten dagegensprechen.
    Schlafschafe wählen sich aus den verfügbaren Informationen stets nur die aus,
    die die Aussagen der Regierung bestätigen. Was ihnen widerspricht, wird ignoriert, als Verschwörungstheorie bezeichnet oder der Trollerei von Russen-Bots zugeschrieben.
    Der Glaube an diese Erzählungen lässt sich, wenn er sich einmal verfestigt hat, oft nicht mehr mit Argumenten und stichhaltigen Belegen entkräften…

  4. Sehr schöner Einführungstext! 🙂

    Dennoch zwei Anmerkungen:

    Im Gegensatz zu Märchen (wie Dornröschen oder Aschenputtel) werden Sagen so erzählt, als seien sie wahr. Ein Märchen spielt in einer ganz eigenen Welt, die eigenen Gesetzen folgt, wo Tiere, Pflanzen oder auch Gegenstände sprechen können, ohne dass es den menschlichen Protagonisten seltsam vorkommt.

    Nehmen wir das Nibelungenlied: Feuerspeiende schatzhütende Drachen, wie ihn Siegfried einer erschlägt, um in dessen Blut zu baden und so eine gepanzerte, unverwundbare Haut zu bekommen, kommen in meiner Alltagswelt dann doch eher selten vor 🤔

    Wenn ich mal ausgehe vom griechischen Altertum: Da gibt es die Welt der Mythen in Hesiods Theogonie. Und die Welt unseres Alltags in seinen Tagen und Werken. Homers Sagen spielen im Dazwischen. Hier greifen die Götter ein in die Menschendinge, erscheinen in verschiedener Gestalt, verleihen Wunderwaffen, verwandeln auch schon mal Menschen (Odysseus in einen alten Bettler, der so unerkannt und unbeachtet auf seine Heimatburg zurückkommt).

    Der zweite Teil des Begriffes, der „Mythos“, weist in eine andere Richtung. Er bezeichnet dabei per se eine Erzählung, die in der Götterwelt spielt. Wir alle haben schon einmal von Schöpfungsmythen verschiedener Kulturen gehört, die sich in diesen Geschichten die Entstehung der Welt und das Wirken ihrer Götter erklären.

    So lese ich die Schöpfungsberichte genau nicht. Dann wären sie auf einer Ebene mit heutigen Kosmologien, wären bloße, primitive vorwissenschaftliche Erzählungen aus dem selben Bedürfnis, zu erfahren, „wie es eigentlich gewesen“, wie es zuging bei der Entstehung der Welt. Meines Erachtens geht es nicht um die Entstehung der Welt in den Schöpfungsmythen, sondern um ihre Beschaffenheit, ihre Bedeutung und ihren Sinn. Sterne etwa sind den Babyloniern göttliche Mächte, aus deren Konstellationen sie Rückschlüsse ziehen auf das Tagesgeschehen. In der Bibel sind sie völlig ungöttlich, in die Himmelskuppel hineingeschraubte Leuchtkörper, die der Navigation des Menschen zur Nacht dienen, und nichts weiter. Dem Schöpfungsbericht geht es um ganz anderes, hat ein ganz anderes Thema als die Urknalltheorie.

    Sehr deutlich wird das beim indischen Schöpfungshymnus des Rigveda. Hier handelt es sich tatsächlich um Philosophie, um Wissenschaft, um insbesondere erkenntnistheoretisches Vorgehen: Der Anfang der Welt – Wie will man das wissen? Wer könnte uns das sagen? Die Götter nicht, denn als Geschaffene waren auch sie noch nicht beim Uranfang dabei. Das unterscheidet sich fundamental von biblischen, babylonischen oder auch germanischen Schöpfungsmythen.

  5. Zu den Folgende Zitaten aus dem Artikel:

    “….Immer wieder hören wir von den Vertretern „alternativer Fakten“ den Vorwurf, wir seien ja „gar nicht offen für neue Informationen“, sie dagegen schon. Diese angebliche Offenheit der Verschwörungs- und Fake-News-Gläubigen ist aber nur eine Illusion. Sie sind offen für alle Belege, die für ihre Ansichten sprechen und verschließen sich gegen alles, was ihnen widerspricht.
    Das ist sehr bedauerlich, denn eigentlich liegt der Trick im Umgang mit diesen Arten von Erzählungen tatsächlich in der Offenheit für neue Informationen. Nur eben nicht ausschließlich für die bestätigenden Informationen, sondern auch für jene, die unseren vorgefassten Überzeugungen widersprechen..”
    (Ende Zitat 1)

    Mein Kommentar:

    Das ist selbst eine typischer Verschwörungsmythos, der mit reinen Unterstellungen bezüglich Meinungsgegnern arbeitet , die durch rein gar nichts belegt werden. Dadurch soll ein manipulativer Vorurteils- Frame beim Leser erzeugt werden.

    Das nächste Zitat aus dem Artikel (letzter Absatz) muss ich nur (quasi spiegelbildlich) ein wenig umformulieren, damit ein richtiger Schuh draus wird:
    _____________
    “….Wenn wir es schaffen, beim Kontakt mit ANGEBLICHEN Verschwörungsmythen und ANGEBLICHEN Fake News einen Schritt von unseren eigenen ..durch anerzogene Vorurteile erzeugten...Gefühlen zurückzutreten, uns selbst gegenüber ehrlich zu sein und die Frage zu beantworten, ob wir die entsprechende Erzählung vielleicht nur gerne ABLEHNEN wollen, weil sie uns das zu WIDERLEGEN scheint, was wir “Mainstream- vorurteilsbedingt” ohnehin dachten, dann ist schon viel gewonnen. Das ist anstrengend und unangenehm, weil es uns die eigenen Illusionen über… unsere angebliche wissenschaftliche Neutralität und Vorurteilfreiheit…vor Augen führen kann. Aber es lohnt sich, weil wir es auf diese Weiseschaffen können, auf der modernen Informationsautobahn ein bisschen… unvoreingenommener …unterwegs zu sein. Damit erwerben wir uns nicht nur einen höheren Grad an Mündigkeit als ..wissenschaftlich orientierter Bürger, Journalist oder Politiker …., sondern stärken zugleich auch unsere freiheitlich-demokratischen Grundordnung.
    __________________

    Nur mit einem solchen spiegelbildlich korrigierenden Zusatz könnte man obigen Artikel halbwegs Ernst nehmen.

    • Letztlich sind wir da wieder bei der von Ihnen so geschätzten Anti-Einstein-“Relativitätskritik”, @little Louis: Stehen wissenschaftlich überprüfte Theorien und Verschwörungsmythen erkenntnistheoretisch auf einer Ebene?

      Nein, tun sie nicht. Alexa Waschkau hat auch hier m.E. schlicht und ergreifend Recht.

  6. @ M.B
    …Nein, tun sie nicht. Alexa Waschkau hat auch hier m.E. schlicht und ergreifend Recht….” (Zitatende)

    Wie dem auch sei.
    Skepsis ist allerdings auch gegnüber den selbsternannten “Faktencheckern” (weltweit ) angebracht. Der “Infosperber” (Schweiz) hat mal etwas detaillierter zusammengestellt, wer all diese “völlig unabhängigen” Organisationen so finanziert und wer sie zu angeblichen (alleinigen) “Göttern der Wahrheit” macht. Von wegen “politisch unabhängig”:

    https://www.infosperber.ch/Artikel/Politik/Bekampfung-von-Fake-News-im-Interesse-der-Machtigen

    • Oder einfach in der Kurzfassung, @little Louis: Wer den von Ihnen geglaubten Verschwörungsmythen widerspricht, den oder die halten Sie für einen Teil der Verschwörung. Selbst dann, wenn es um Physik geht. Ihr im Kern antisemitisches Weltbild ist hermetisch abgedichtet. Sie haben sich selbst in Platons Höhle angekettet. Und solange Sie selbst nicht den Mut finden, sie wieder zu verlassen, können wir Anderen Ihnen leider auch nicht helfen.

      Ihnen von Herzen alles Gute – und vor allem Mut.

    • Von wegen “politisch unabhängig”

      Das ist doch völlig egal, wer sie warum finanziert. Alle Faktenchecks belegen sie mit Links, die ich mir selber anklicken kann, um selber zu beurteilen, was da dran ist. Wenn mir deren Orientierung nicht paßt, dann sehe ich vielleicht genauer und kritischer hin, aber es geht immer um Aufklärung, um selber-informieren, selber-denken.

      Und da finde ich schon eigenartig, daß es rechte/neurechte Faktenchecks nicht gibt, die Regierungs- oder ÖRR-Meldungen hinterfragen. Finanziers gäbe es auch auf deren Seite genug. Aber denen ist wohl auch klar, daß sie da nicht genügend fündig würden, und ein Relotius doch eher die schmähliche Ausnahme ist, die die Regel bestätigt. Sieht man sich einen „Enthüllungsjournalisten“ an wie Udo Ulfkotte, der kann einen Stefan Niggemeier nicht einmal die Schnürriemen binden. Und produziert selber Fakenews und Halbwahrheiten am laufenden Meter.

      Ein Argument von der falschen Seite macht das Argument noch nicht falsch, höchstens verdächtig.

    • Ja, @little Louis – das ist das Elend des Relativismus. Solange wir uns nicht darauf einigen können, dass es eine Realität gibt, in der Menschen unabhängig von Geschlecht und Hautfarbe gleichwertig sind, in dem die Relativitätstheorien von Albert Einstein valide sind und es – auch hinter Covid19 – keine jüdisch bestimmte Weltverschwörung gibt, kann ich für Sie kein echter Diskussionspartner, sondern nur naiv oder Teil der Weltverschwörung sein. Mehr Optionen bietet Ihr dualistisches Weltbild leider nicht. Und ich hoffe eher für Sie als für mich, dass Sie da irgendwann noch herausfinden.

  7. Bei den vielen unterschiedlichen Informationen, die heutzutage auf die Menschen einstürmen, hat kaum mehr jemand die Zeit alles auf Herz und Nieren zu prüfen. Zudem fehlt es auch oft an der historisch-politischen Bildung, um zu entscheiden, welche Meldung falsch oder richtig ist. Also werden die Lücken mit Fantasie bzw. Verschwörungsmythen gefüllt. Besonders krass scheinen mir die Defizite in Bezug auf die Geschichte zu sein, da wirken sich wohl die Kürzungen des Schulunterrichts in diesem Fach besonders aus. Ich bin mir fast sicher, dass viele der Kommentierenden auf Deinem Blog oft gar nicht nachvollziehen können, warum sie gerügt werden, wenn sie rechtes Gedankengut usw. nachplappern. Hinzu kommt, dass es beispielsweise in der ehemaligen DDR einen völlig anderen Geschichtsunterricht als in der BRD gab*. Es ist wohl wie bei den angesprochenen Märchen und Sagen, wer mit bestimmten Bildern aufgewachsen ist, die durch die Familie, die Schule oder die Medien vermittelt wurden, dem fällt es schwer sich mit den aktuellen Gegebenheiten auseinanderzusetzen und sie richtig einzuschätzen. Aus diesem Grund wäre es meines Erachtens sinnvoll bestimmte Äußerungen stärker aufzudröseln, damit man sieht, warum sie im Sinne einer modernen Demokratie als fremdenfeindlich, populistisch oder antisemitisch einzuordnen sind. Allerdings hege auch ich ein gewisses Misstrauen gegenüber den vielen selbsternannten “Faktencheckern”, weil ich es für falsch halte, die Deutungshoheit über die Meinungsfreiheit einigen privaten Unternehmen zu überlassen.

    *In seinem Buch „DDR-Geschichtsbilder. Zur Interpretation des Nationalsozialismus, der jüdischen Geschichte und des Holocaust im Geschichtsunterricht der DDR“ skizziert der Autor, Stefan Küchler, den politischen und pädagogischen Hintergrund des Geschichtsunterrichts in der ehemaligen DDR. Der zuallererst einem politischen Zweck galt, nämlich den “Antifaschismus” als vorherrschendes Model in den Vordergrund zu rücken und dabei den heldenhaften Kampf der Kommunistischen Partei, mit Ernst Thälmann an der Spitze, aufzuzeigen. Die jüdischen Opfer des Faschismus wurden nur am Rande erwähnt und die Zeit vor dem Holocaust lange Zeit überhaupt nicht unterrichtet. Der Autor vertritt deshalb die Ansicht, dass das rechtsextremistische Verhalten bestimmter Personen durch ein intensiveres und besseres Verständnis der jüdischen Geschichte verhindert werden könnte.

    • Vielen Dank für die konstruktive Rückmeldung, @Mona.

      Und bei der Bedeutung regionaler und familiärer Geschichtsbilder und Verschwörungsmythen bin ich ganz bei Dir. Hatte gerade ein sehr intensives Podcast-Interview mit Jenny Günther aus Chemnitz bei “Einmischen” genau auch zu dem Themenkreis. Denke, es sollte in den nächsten Tagen online gehen:
      https://podcaste97de5.podigee.io/

    • Der zuallererst einem politischen Zweck galt, nämlich den “Antifaschismus” als vorherrschendes Model in den Vordergrund zu rücken und dabei den heldenhaften Kampf der Kommunistischen Partei, mit Ernst Thälmann an der Spitze, aufzuzeigen. Die jüdischen Opfer des Faschismus wurden nur am Rande erwähnt und die Zeit vor dem Holocaust lange Zeit überhaupt nicht unterrichtet.

      Den Verdacht habe ich schon länger. Im Osten assoziiert man mit dem Nationalsozialismus Buchenwald, und das war staatlich von oben verordneter Antifaschismus. Im Westen assoziiert man Auschwitz, und diese Erinnerungskultur wurde von unten durchgesetzt gegen ein Establishment, das am liebsten alles vergessen hätte. Faschismus ist schlimm und darf nie wieder sein. Aber mit einem Mussolini, Hitler, Pinochet als Teil der Vergangenheit könnte man leben. Mit Auschwitz nicht. Das hätte niemals passieren dürfen.

  8. Zu Mona:
    Dass es in der DDR einen völlig anderen Geschichtsunterricht gab, na das dürfte wohl den Westbürgern , die sich für den Osten interessieren, bekannt sein und keine neue Erkenntnis sein. Als ich neulich im Schwarzwald war traf ich Menschen, die noch nie im Osten waren, aber manipulierte Meinungen über die dort Lebenden hatten was ich auch als Fake News bezeichnen würde. Soll ich nun diesen Geschichtsbildern westlicher Prägung glauben oder meinen eigenen Erfahrungen , also paranoid werden ? ” Die jüdischen Opfer wurden nur am Rande erwähnt” halte ich für Fake da sie diesen “Rand” ideologisch definieren müssten. Dass der “Antifaschismus” vorherrschendes Modell war, finde ich sehr gut, da es wohl nichts schlimmeres gibt als diese Massenmorde. Solche Erkenntnisse wurden uns im übrigen nicht nur im Geschichtsunterricht gelernt sondern auch von solchen Agitatoren aus der FDJ- wie zum Beispiel Frau Merkel einstmals eine war. Es macht also keinen Sinn jedwedes rechtsextreme Verhalten in diesem Land der Erziehung in dieser DDR in die Schuhe zu schieben. Schauen sie sich den Film “Rosen für den Staatsanwalt” (BRD 1958) an und sie erkennen in welchem deutschen Landesteil Altnazis wieder in Amt und Würden gekommen sind und es bis in höchste Postengebracht haben (Globke, Kiesinger, Filbinger etc.) Und was den Holocaust anbetrifft, so wurden wir als Kinder im Rahmen unseres Geschichtsunterrichtes in mehrere KZs geführt, wo uns Häftlinge-auch jüdische- diesen erklärten. Diese Besuche in Konzentrationslagern gehörten für alle Schüler zur Pflicht . Wie also bitte wollen sie den Holocaust noch unterrichten, wenn nicht am praktischen Erleben ? !

    • Schauen sie sich den Film “Rosen für den Staatsanwalt” (BRD 1958) an und sie erkennen in welchem deutschen Landesteil Altnazis wieder in Amt und Würden gekommen sind und es bis in höchste Postengebracht haben (Globke, Kiesinger, Filbinger etc.)

      Aber war das in der DDR wirklich anders? Da kenne ich andere Geschichten, daß wohl alte Nazis auch dort “weiter beschäftigt” wurden.

      Gruß
      Rudi Knoth

    • @Querdenker

      „Die jüdischen Opfer wurden nur am Rande erwähnt” halte ich für Fake da sie diesen “Rand” ideologisch definieren müssten.“

      Ich habe ja das Buch über die Schulbuchforschung dazu als Quelle verlinkt. Mit Rand ist gemeint, dass die Zeit zwischen den Jahren 1914 und 1945 und somit auch die Judenverfolgungen nicht angemessen thematisiert wurden. Aus Sicht der DDR war das vielleicht nicht notwendig, da sie sich ja vom Nationalsozialismus gründlich zu distanzieren meinte. Nichtsdestotrotz waren sowohl in der DDR als auch in der BBR nach 1945 immer noch Altnazis in relevanten Stellen tätig. Die meisten davon in Westdeutschland, was u.a. dazu führte, dass 1968 Studenten gegen die Autoritäten an Universitäten und in Betrieben, gegen Nazis in Führungsetagen und gegen die ältere Generation im Ganzen protestierten. Wodurch es, bei allen Verwerfungen, auch zu einem geschärften Geschichtsverständnis kam.
      Und wie bereits erwähnt gab es auch in der DDR noch ehemalige Nazis, die dort Karriere machten:
      https://www.saechsische.de/wie-ehemalige-nazis-in-der-sed-karriere-machten-95706.html
      und https://www.mdr.de/zeitreise/nazis-in-der-ddr-100.html
      Im Übrigen will ich hier keinem was „in die Schuhe schieben“, aber gewisse Versäumnisse sollten hüben wie drüben thematisiert und aufgearbeitet werden.

  9. Hallo Michael,
    die derzeitigen Verschwörungstheorien sind natürlich absurd und irrational. Echte Verschwörungen sind selten, weil sie kompliziert sind und in der Regel verraten werden. Um sich „die Erde untertan zu machen“ brauchte es keine Verschwörungen, ein gemeinsames Ziel genügt. Z.B. bei den Industriemanagern: den Profit zu maximieren und sich selbst möglichst umfassend zu bereichern. Dann ziehen alle am gleichen Strang und unterstützen sich deshalb. Das reicht in der Regel.
    Dass absurde Verschwörungstheorien so gerne geglaubt werden, hängt aber vor allem damit zusammen, dass die Kinder in der Schule (und später als Student*inn*en auf der Universität) unlogische und unrealistische Konzepte als heilige Wissenschaft vorgesetzt bekommen, die sie auswendig lernen und wiedergeben müssen, anstatt sie zu hinterfragen. So werden sie nicht auf kritisches Denken trainiert, sondern auf das kritiklose Akzeptieren von Aussagen, sofern sie nur von „Experten“ geäußert werden. Ich spreche hier von Inhalten des Physik-, Biologie- und Religionsunterrichts.
    Ich habe das in meinem E-Book „Als das Nichts den Urknall zündete, badete Gott seine Füße in Quantenschaum“ ausführlich behandelt:
    https://www.amazon.de/Nichts-Urknall-z%C3%BCndete-badete-Quantenschaum-ebook/dp/B01M12YFOT/ref=sr_1_3?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&dchild=1&keywords=eichelbeck&qid=1590869750&s=books&sr=1-3
    Es enthält eine kritische Betrachtung der drei zentralen Paradigmen unserer Zeit: des physikalischen Denkmodells vom Urknall und der gekrümmten Raumzeit, der theologischen Vorstellung der großen Konfessionen von einem männlichen Vatergott, und des biologischen Dogmas einer Evolution nach darwinistischen Kriterien. Sie sind allesamt unlogisch und unrealistisch, widersprechen teilweise beobachtbaren Tatsachen und haben in ihrer Wirkung eher Schaden gebracht, als Nutzen.
    Nur kurz als Beispiel: Es gibt kein „Nichts“, weil es als etwas definiert ist, das nicht existiert und somit kann in einem „Nichts“ auch kein „Urknall“ stattfinden der aus nichts heraus die gesamte Energie und Materie des Universums hervorzaubern. Und ebenso wenig gibt es einen Raum und eine Zeit an sich. Beides sind Eigenschaften einer nichtmateriellen Raumsubstanz, die durch ihre Ausdehnung den Raum erschafft, durch ihre Schwingungen Materie und Energie und dabei auch die Zeit – als Dauer ihrer Bewegungen.
    Wir nennen unsere Uhren „Chronometer“ – Zeitmesser. Aber dieser Ausdruck ist unzutreffend. Sie messen keineswegs die Zeit. Sie setzen lediglich Energie in Bewegung um, die mit der Umdrehung der Erde synchronisiert ist. Wenn der kleine Zeiger sich zweimal dreht, dreht die Erde sich einmal. Mit einer Zeit an sich hat das nichts zu tun – nur mit der Dauer von Bewegung. Deshalb hatte Einstein Recht, als er sagte: „Zeit ist das, was man an der Uhr abliest“ – nämlich die Dauer der Erdrotation.
    Was immer die Uhren zeigen, ob sie unter bestimmten Umständen schneller oder langsamer gehen, hat nichts mit einer Zeit an sich zu tun, sondern nur mit der Bewegung der Uhrbestandteile – und deshalb gibt es auch keine Zeitdilatation keine Zeitreisen, und keine „gekrümmte Raumzeit“. Und der sogenannte „Urknall“ wird üblicherweise in einer Form beschrieben, die völlig unlogisch und unrealistisch ist. Was immer am Anfang des Universums geschah – dieses mit Sicherheit nicht.
    Was den Religionsunterricht betrifft, so ist der persönliche, männliche Vatergott ein Phantom das von Menschen erfunden wurde und der Biologieunterricht präsentiert mit dem „Darwinismus“ ein völlig unzureichendes und auf den Kopf gestelltes Konzept der Evolution. Tatsächlich ist Kooperation der wichtigste Evolutionsfaktor und nicht Darwins „war of nature“ und „survival of the fittest“.
    Die erste und wichtigste Aktion gegen den heurigen Tsunami von Fake News und Verschwörungstheorien besteht also darin, den pseudowissenschaftlichen Unfug aus den Klassenzimmern zu vertreiben und die Schulkinder in kritischem und hinterfragendem Denken zu trainieren – wie schon Paulus sagte: „Omnia probate, solum bonum (verum) tenete.“
    Beste Grüße
    Reinhard Eichelbeck

  10. Kinder, die in einer Familie aufwachsen, die lernen die reale Welt kennen, aber auch die Vorstellungswelt der Erwachsenen kennen. Die Geschichte, dass der Klapperstorch die Kinder bringt, dass der Osterhase die Eier versteckt, dass der Weihnachtsmann die Geschenke bringt.

    Diese Form von Kultur ist notwendig, weil die Kinder dabei lernen, dass die Erwachsenen so „Tun als ob“. Und das Kind erkennt, dass die Erwachsenen ein Spiel mit ihnen spielen. Und irgendwann sind sie über den Punkt hinaus, wo sie das Spiel erkennen und trotzdem mitspielen.

    Dann kommt die Zeit, wo sie Märchen lesen. Obwohl die Kinder wissen, dass es den bösen Wolf nicht gibt, so freuen sie sich trotzdem, wenn dem Wolf nachher der Bauch aufgeschnitten wird , Wackersteine hineingegeben werden und der Wolf anschließend im Brunnen ertrinkt.

    Dann kommt die Zeit der Sagen, wo der blonde strahlende Siegfried dem dunkelhaarigen Hagen zum Opfer fällt. Und ab hier wird es rassistisch, weil beim Leser die Kombination von dunkelhaarig und hinterhältig im Gedächtnis bleibt.

    So entsteht ein Mythos. Und er ist Teil unserer Kultur.

    Wie kann man sich aus diesem Wust von Gefühlen befreien ?
    Indem man in der Realität lebt und nicht in einer Vorstellungswelt verhaftet bleibt.
    Der reale Umgang mit Menschen aus anderen Kulturkreisen lässt uns erkennen, dass die Sagen und Mythen irreal sind, genauso wie das Kind erkennt, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt.

  11. Reinhard Eichelbeck
    30.05.2020, 22:47 Uhr
    Sehr geehrter Herr Eichelbeck,
    Ihren Beitrag haben Sie direkt an Herrn Blume gerichtet.
    Erlauben Sie mir bitte eine Frage zu
    Zitat:
    Die erste und wichtigste Aktion gegen den heurigen Tsunami von Fake News und
    Verschwörungstheorien besteht also darin, den pseudowissenschaftlichen Unfug aus den
    Klassenzimmern zu vertreiben und die Schulkinder in kritischem und hinterfragendem
    Denken zu trainieren – wie schon Paulus sagte: „Omnia probate, solum bonum (verum)
    tenete.“
    = = =
    Warum Latein und nicht Klartext?
    Die deutsche Version findet man in der Bibel unter 1.Thessalonicher 5, Vers 21 und lautet:
    “Prüft aber alles, und das Gute behaltet.“
    Im vorherigen Vers 20 heißt es:
    Prophetische Rede verachtet nicht. (Übernatürliche Informationen vom Schöpfer-Gott)
    Vers 22 lautet:
    Meidet das Böse in jeder Gestalt.
    Dazu gehören m. E. sowohl Verschwörungen, Antisemitismus, jeglicher Hass, aber
    auch die Umwidmung erlebter und bezeugter Überlieferungen der Bibel in Mythen,
    bzw. Erzählungen und sogar Märchen.
    Manche Schüler wären dankbar, wenn ihnen das in aller Deutlichkeit erklärt würde.

    Bezüglich Ihres Beispiels von
    Zitat:
    Um sich „die Erde untertan zu machen“ brauchte es keine Verschwörungen, ein
    gemeinsames Ziel genügt. Z.B. bei den Industriemanagern: den Profit zu maximieren und
    sich selbst möglichst umfassend zu bereichern. Dann ziehen alle am gleichen Strang und
    unterstützen sich deshalb. Das reicht in der Regel.
    = = =
    Genau das sehen die dadurch Benachteiligten als eine Verschwörung!

    Jemand hat es mal sinngemäß so formuliert:
    Aus Gedanken werden Worte, daraus entstehen Taten, die wiederum zur Gewohnheit
    werden können und letztendlich den Charakter formen.
    Je nach persönlicher Gesinnung kommen dabei gute (uneigennützige) oder aber
    böse (selbstsüchtige) Werke zustande.

    Als Letztes noch ein kleiner Hinweis zum Begriff Raum-Zeit:
    > > http://www.4-e-inigkeit.info/Raum-Zeit.htm
    M. f. G.
    W. Bülten

  12. Ich habe echt das Gefühl, dass den meisten Mitbürgern das Daheimbleiben schlicht nicht gut tut.
    Also dass so viele Verschwörungstheorien auf einmal wieder hochkochen, wie zuletzt der “Deep State”, die “neue Weltordnung” und der “allesbeherrschende und allmächtige Bill Gates” ist total erschreckend. Dass sie alle durch die Pandemie zusammenführen und versuchen das gleiche zu erklären, weil es das eigene Leben so vereinfacht kann nicht alleine am fehlenden Verstand liegen, das kann und will ich mir nicht vorstellen.
    Die Leute langweilen sich zuhause und brauchen jemanden, der es Schuld ist. Je konfuser die Theorie, desto einfacher die Schuldzuweisung.

    • Ja, @Marijke Schulte – heute ist ja nicht mal mehr der Besuch eines “echten” Stammtisches notwendig, um sich in eine Parallelwelt hinein zu reden. Heute geht das alles vom heimischen Computer & Smartphone aus. Und einiges deutet tatsächlich darauf hin, dass Gelangweilte und Sinnsuchende (zum Beispiel nach dem Ende der Berufstätigkeit) dabei besonders “leichte Beute” sein können… :-/

      #Verschwörungsmythen

  13. Zum Folgendenvon Reinhard Eichelbeck ( 30.05.2020, 22:47 Uhr):

    “…..die derzeitigen Verschwörungstheorien sind natürlich absurd und irrational. Echte Verschwörungen sind selten, weil sie kompliziert sind und in der Regel verraten werden…….”
    (Zitatende)

    Hier (im Zitat) wird versucht, reine Behauptungen als “natürliche Wahrheiten” zu präsentieren:
    Man stellt einfach mal zu Beginn seiner Argumentation zwei dogmatisch gesetzte durch keinrlei Belege gestützte gegenwärtig “populistische” Pauschal- Behauptungen auf und daraus soll sich sich dann völlig rational und zweifelsfrei die Richtigkeit alles Weiteren ergeben. Und das Ganze ist dann nicht nur so, sondern es ist sogar “natürlich” so. Also fast schon wie ein Naturgesetz, das zu hinterfragen fast schon sowas wie einem “Sakrileg” gleichkäme.
    Wenn (hier) Ironie nicht verpönt wäre, würde ich formulieren:
    Ein wahrhaft “wissenschaftlicher” Ansatz. Und deswegen an Überzeugungskraft kaum mehr zu übertreffen.

  14. @ Reinhard Eichelbeck und zum Folgenden von ihm:

    “...Und ebenso wenig gibt es einen Raum und eine Zeit an sich. Beides sind Eigenschaften einer nichtmateriellen Raumsubstanz, die durch ihre Ausdehnung den Raum erschafft, durch ihre Schwingungen Materie und Energie und dabei auch die Zeit – als Dauer ihrer Bewegungen.” (Zitatende)

    1.
    Da man im (primitiveren?) “Materialismus” annahm, dass nach Wegnahme alles “Materiellem” buchstäblich (gar-) “nichts” mehr übrigbleibt gibt es dort das generelle ” Nichts” tatsächlich.
    Und rhetorisch- spitzfindig kann man selbstverständlich sagen, dass bei Abwesenheit von “Allem” nur noch ” nichts” übrigbleibt. Eine andere Frage ist allerdings , ob physikalisch gesehen tatsächlich “alles” aus “der Welt” verschwinden kann bzw. entfernt werden kann. Was dann zum nächsten Punkt führt:
    2.
    Warum soll es unbedingt etwas Nichtmaterielles” (eine “Nichtmaterielle Raumsubstanz) geben? Besonders dann, wenn sie sich doch wieder nur durch materielle Eigenschaften wie “Ausdehnung” (in Raum und Zeit) manifestiert.
    Das ist dann doch nur eine etwas “flexieblere” Grund- “Substanz”. Wobei “Substanz” dann ja doch wieder auf etwas Materielles hindeutet.

    Es ist also auch heute immer noch völlig unklar, ob es ein physikalisches (!) Nichts geben kann oder ob es nur “etwas” geben kann das “ohne Ende ” in der Zeit und im Raum existiert.
    Manche behaupten (deshalb) ja auch, dass jegliches Denken über “Allesfragen” (oder Überhauptnichtsfragen) “physikalisch” oder auch generell sinnlos sei.

    3.
    Es müsste also zumindest dargelegt werden, welchen Erkenntnisfortschritt oder “Erklärungsfortschritt” die Annahme einer “Nichtmateriellen Substanz” bringen soll. Besonders dann wenn diese “Substanz” nicht völlig “unscharf” bleiben soll und man sie jeweils freihand jeweils so definieren kann, wie man es gerade zur Erklärung eines Problems braucht. (Sie “Schwarze” Materie und “Schwarze Energie”)

    4.
    Deswegen sagen manche ja auch, dass gewisse mathematisch- physikalische Großtheorien strukturell vieles mit “Verschwörungstheorien” gemeinsam hätten.

    5. Macht doch Spaß, so über “Alles und Nichts” herumzuschwadronieren, oder nicht? Leider versuchen manche , den Spaß zu verderben, indem sie manchen Schwaroneuren deswegen Antisemitismus unterstellen. Aus welchen Motiven heraus auch immer.

    • little Louis
      06.06.2020, 12:14 Uhr
      Guten Abend little Louis!
      Worüber ich mir Gedanken gemacht habe:

      zu Ziffer 5:
      Leider versuchen manche, den Spaß zu verderben, indem sie manchen Schwaroneuren deswegen
      Antisemitismus unterstellen. Aus welchen Motiven heraus auch immer.

      Wer unterstellt Ihnen denn unberechtigt Antisemitismus? Nur weil man eine Institution ablehnt,
      die glauben macht, dass sich eine Hostie (tote Materie) wandelt?
      Antisemitismus richtet sich gegen a l l e Nachkommen S e m s (ältester Sohn von Noah).
      Eigentlich müsste es Antijudaismus heißen, denn in Wirklichkeit richtet sich der Hass gegen
      n u r einen der Nachfahren, nämlich den Nachkommen Abrahams, den Israelis.

      zu Ziffer 4:
      Deswegen sagen manche ja auch, dass gewisse mathematisch- physikalische Großtheorien strukturell
      vieles mit “Verschwörungstheorien” gemeinsam hätten.

      In der Wissenschaft wird das Wort “Theorien“ auch mit“ Gedankenexperiment“ bezeichnet.
      Ob eine wissenschaftliche Theorie oder eine theoretische Verschwörung, alles fängt sozusagen im
      Oberstübchen an. Mythen gehören m. E. ins Fantasia-Land.

      zu Ziffer 2:
      Warum soll es unbedingt etwas Nichtmaterielles” (eine “Nichtmaterielle Raumsubstanz) geben? Besonders
      dann, wenn sie sich doch wieder nur durch materielle Eigenschaften wie “Ausdehnung” (in Raum und Zeit)
      manifestiert.
      Das ist dann doch nur eine etwas “flexieblere” Grund- “Substanz”. Wobei “Substanz” dann ja doch wieder
      auf etwas Materielles hindeutet.

      Sie sind ein netter Mensch, little Louis, haben Humor und wie ich vermute, den Zusammenhang fast gerafft.
      Ein Gedankenexperiment:
      Aus einem vermeintlichen “Nichts“ (Energie-Teilchen-welle) entsteht “Dunkle Energie“, daraus
      die “Dunkle Materie“ und zuletzt die sichtbare Materie.
      Bei der “Dunklen Materie handelt es sich offensichtlich um das kleinste Materieteilchen, nämlich das
      Lichtquant. Durch schleifenförmige Eigendrehung besitzt es die kleinste Masse, eine Voraussetzung
      für die Bezeichnung Materie.
      Dunkel deswegen, weil man es nicht fassen und es sich selbst nicht fotografieren kann.
      Übrigens:
      Humor erhält das seelische Gleichgewicht.
      Um den Verdacht des Antisemitismus den Boden zu entziehen, sagen Sie doch einfach, wozu Sie stehen.
      M. f. M.

  15. @Little Louis 06.06. 12:14

    Es gibt hier durchaus verschiedene Vorstellung vom Raum, der die Weltbühne ist. Aber irgendwas muss ja der Platz von jedem sein, das irgendwie passiert.

    Auch unsere Gedanken, unser Fühlen und unsere Wahrnehmungen der Außenwelt haben ja sozusagen ein Substrat, auf dem sie sich abspielen. Aus der Sicht des engagierten Hirnforschers muss es irgendeine Art von Arbeitsspeicher sein, so wie auch ein Computerprogramm mit samt seiner grafischen Ausgabe in den internen Speicherorten des Computers lokalisiert werden kann.

    Wenn man jetzt noch meint, das man auch ein Geisteswesen ist, kann man aber auch als lebendes Bewusstsein sich zusätzlich direkt tatsächlich in der Außenwelt lokalisieren. Das Prinzip ist dasselbe: Das, was geschieht, braucht auch seinen Raum und seine Zeit, selbst wenn es ein Arbeitsspeicher, die Gehirnfunktionalität oder eben ein physikalischer Raum mit geistesartiger Zusatzfunktion ist.

    Soweit die denkbaren Bewusstseins bzw. Geistesräume.

    In der rein physikalischen Welt, wenn man sie nur von außen aus betrachtet, braucht es auch einen Raum, einen Platz, indem die Dinge stattfinden können. Ob das jetzt wirklich die relativistische Raumzeit ist, oder ob diese doch nur Teilaspekte beschreibt, und noch ganz woanders drin aufgehen kann, das wird die Zukunft zeigen. Die Unumkehrbarkeit der Zeit in der Thermodynamik, die Vereinbarkeit mit der Quantentheorie des ganz Kleinen ist schwierig, und dunkle Materie und Dunkle Energie sind auch noch offene Fragen, die hier noch Möglichkeiten für ganz neue Entdeckungen offen lassen.

    Die Vorstellung vom euklidischem Flachen Raum jedenfalls ist wohl die Vorstellung, die die Natur uns Menschen in die Wiege gelegt hat, und wir haben ganz ernste Schwierigkeiten, uns was anderes vorzustellen. Soweit ich weiß, kann sich auch ein Diplommathematiker keinen vierdimensionalen Würfel vorstellen, weil das ein Mensch grundsätzlich nicht kann, obwohl der Mathematiker formelmäßig sinnvoll damit umgehen kann. Genauso streikt unser eingebautes System, wenn es um eine Begrenzung des Raumes oder auch um einen Anfang der Zeit oder dessen Ende geht. Irgendwas muss ja immer dahinter sein, das ist bei uns so eingebaut.

    Im praktischen Leben, auf das uns die Evolution vorbereitet hat, gibt es tatsächlich eben nur diesen euklidisch Flachen Raum, ohne Grenzen und ohne Anfang und Ende. Die tatsächlichen Abweichungen z.B. durch die Schwerkraft des eigenen Planeten, sind absolut minimal. Und die Milliarden Jahre Weltgeschichte sind für uns menschliche Akteure in der Tat einfach praktisch unendlich.

    Und doch kann es gerade den meisten Spaß machen, genau darüber hinaus zu denken.

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