Hass macht hässlich – Wie Wutbürger nicht nur die Demokratie, sondern auch den Humanismus in Frage stellen

“Michael, eigentlich ist doch der säkulare Humanismus nicht nur eine Weltanschauung, sondern auch eine Religion! Humanisten schreiben doch Menschen übermenschliche Fähigkeiten wie Freiheit und Verantwortung zu, erklären sie zu übernatürlichen Akteuren!”, hinterfragte mich neulich ein kluger, gerne auch mal spitzfindiger Freund.

Ich reagierte skeptisch, erschien mir dieses Argument doch allzu nah an den uralten Warnungen religilöser Fundamentalisten: In Humanismus und Demokratie würden sich die Menschen “selbst vergotten” und darüber ihre Pflichten vergessen. Sie hätten dafür einfach undefinierte, empirisch nicht beweisbare Entitäten wie “Verstand” und “Vernunft” an die Stelle bewährter, älterer Entitäten wie “Gott” und “Gerechtigkeit” gesetzt. Dagegen setzten säkulare wie auch religiöse Humanisten (zu denen ich mich zählen würde) den Optimismus, dass durch “Freiheit” erst die Übernahme von persönlicher Verantwortung und mehr Erfolg der Menschheit möglich werde.

Verstand statt Kirche – eine klassische Definition des säkularen Humanismus bei musstewissen (YouTube). Screenshot: Michael Blume

Hass und Verschwörungsglauben (gerade) auch unter Säkularen

Leider muss ich zugeben, dass gerade auch in den letzten Jahren und Monaten humanistische Annahmen unter Druck geraten sind: Vielerorts haben Menschen ihre hart erkämpften Freiheiten eben nicht genutzt, um Verantwortung für sich und andere zu übernehmen. In den USA, der Türkei, in Ungarn, Polen, Griechenland, Großbritannien und den Phillipinen siegten Rechtspopulisten – obwohl selbst vielen ihrer Anhängerinnen und Anhänger von vornherein klar war, dass dies auch negative Folgen haben würde. Statt einer inhaltlichen Begründung setzten sie auf den “Hass auf die Eliten” bzw. den “Hass aus das System”. Und wir alle haben uns schon an den Gedanken gewöhnt, dass ab Sonntag wieder kaum getarnte Rechtsextremisten in den deutschen Reichstag einziehen werden.

Als besonders erfolgreich erweisen sich Verschwörungsglauben und Rechtspopulismus dabei ausgerechnet in jenen Regionen, die unter jahrzehntelangem DDR-Regime “zwangssäkularisiert” und “zwangshumanisiert” wurden – wie hier zum Beispiel in Bitterfeld, Sachsen-Anhalt.

Sind das nur kleine Holperer, verzögerte Nachwirkungen eines autoritären Systems auf dem letztlich doch erfolgreichen Weg in eine hellere Zukunft? Oder müssten gerade auch die (wir!) Vertreterinnen und Vertreter einer humanistischen Hoffnung unser Menschen- und Weltbild hinterfragen? Zumindest einige Befragungsdaten scheinen mir geeignet zu sein, jeden humanistischen Optimismus auf eine harte Probe zu stellen…

Credit: Michael Blume, Daten aus: “Die enthemmte Mitte”, Universität Leipzig 2016

Der Musiker Adel Tawil singt genau darüber – und kommt vom Status eines bekennend Nichtreligiösen zum erneuten Hilferuf an Gott (“Und ich dachte eigentlich, wir wären schon viel weiter… Gott steh mir bei, Gott steh uns bei!”).

Nun, ich bleibe optimistisch – aber eben auch bereit, als Wissenschaftler auch die eigenen Annahmen über den Menschen und die Welt immer wieder zu hinterfragen und zu überprüfen. Am Sonntag werde ich mit meiner Familie wählen gehen. Wir wollen dabei klar für die Demokratie und gegen den Hass stimmen. Ich bitte alle wahlberechtigten Leserinnen und Leser, dies ebenfalls zu tun! Denn diesmal geht es um mehr als nur “irgendeine” Wahl…

Herzliche Einladung:

Montag, 25.09.2017, die erste Lesung aus “Islam in der Krise”
um 19 Uhr im Hospitalhof Stuttgart

Lobende Twitter-Rezension eines bekennenden Humanisten. Screenshot: Michael Blume

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft und spezialisierte sich auf die Hirn- und Evolutionsforschung. Buchautor, Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger und christlich-islamischer Familienvater. Hat auch manches erlebt und überlebt...

40 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Schlimme Bilder aus Bitterfeld! Dieser Hass ist schwer begreifbar.

    Aber bitte, “zwangshumanisiert” wurde in der DDR nun wirklich gar nichts! Die Menschen wurden zwangsideologisiert mit der Folge, dass sie nun in nichts mehr Vertrauen haben. Und wie in Nazi-Deutschland gab es in der DDR eine Art säkulare Staatsreligion, die sogar analoge Vorstellungen von Himmel und Hölle mitbrachte, nämlich den Kommunismus (als paradiesischen Endzustand) und den Imperialismus (als bösen Feind, der überall lauert).

    • Lieber @Tim,

      vielen Dank!

      Die These vom Vertrauensverlust teile ich – auch aus den Erfahrungen meiner eigenen Familie her!

      Im Bereich des Linksextremismus sehe ich außerdem, ähnlich wie Sie, tatsächlich auch mythisch-dualistische Elemente (und auch heute demonstrieren welche in Ellwangen wieder unter dem Motto “Willkommen in der Hölle!”):
      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/kleinbuerger-und-bullen-die-hoelle-von-hamburg-vom-verschwoerungsglauben-der-nog20-linksextremisten/

      Aber würden Sie wirklich so weit gehen, den staatsoffiziellen “Humanismus” der DDR als “säkulare Staatsreligion” zu verstehen? Was wären dann – über den Dualismus hinaus – Ihres Erachtens nach die religiösen Elemente?

      Mit Dank und interessierten Grüßen!

    • Und wie in Nazi-Deutschland gab es in der DDR eine Art säkulare Staatsreligion, die sogar analoge Vorstellungen von Himmel und Hölle mitbrachte, nämlich den Kommunismus (als paradiesischen Endzustand) und den Imperialismus (als bösen Feind, der überall lauert).

      Allerdings sollen diese die Menschen lebend erfahren. Dazu noch ein kleiner Witz:

      Frage an Radio Eriwan: Warum werden die Verbrecher in das Sozialistische Paradies Sibirien und nicht in die kapitalistische Hölle USA geschickt?

      Antwort: Dann würde die Kriminalität stark ansteigen.

  2. “Wutbürger” stellen nur jene in Frage die Demokratie und Humanismus in Frage stellen.
    Ja der Ärger, wenn Sie so wollen die Wut ist berechtigt.

    • Das denke ich nicht, @gla! Und soweit ich auch in die Geschichte zurückschaue: Wer seine politischen Bewegungen auf Wut und Hass begründete, machte gar nichts besser, aber vieles schlechter. Auch in den heutigen, rechtspopulistisch regierten Ländern sehe ich keine bessere oder gar erfolgreichere Politik, eher das Gegenteil.

      Klar, über Gefühle – und konkret: Ressentiments – kann man schlecht streiten. Aber es ist eben schon die (zutiefst humanistische) Frage, ob wir Menschen aus der Geschichte lernen oder die gleichen Fehler immer wieder wiederholen…

  3. Die “Wut” oder wie immer man es nennt ist ja nicht im Vakuum enstanden. Es ist eine Reaktion auf politischen Entwicklungen die beim besten Willen nicht mehr nachvollziehbar ist.
    Und ja inzwischen ist mir ein Orban ungleich lieber als die die Moslems hier bei uns.
    Orban hat ganz einfach recht. Und ob man dafür das Schlagwort “Rechtspopulismus” verwendet interessiert mich inzwischen auch nicht mehr.

    • In den 1930er Jahren die Juden (samt Zugewanderten aus Osteuropa), heute die Muslime (samt den Geflüchteten) – rechtspopulistische Strategen wussten schon früher, wie man Menschen durch Feindbilder und Verschwörungsmythen von ihren eigentlichen Interessen ablenkt.

      Und selbst der von Ihnen offensichtlich geschätzte Orban hat gerade erklärt, für einen Wahlsieg von Angela Merkel zu “beten”… http://m.spiegel.de/politik/deutschland/ungarn-viktor-orban-betet-fuer-wahlsieg-von-angela-merkel-a-1169287.html

      • Erstens sind die die Muslime keine “Geflüchteten”, sie könnten ja in jedes andere islamische Land flüchten. Sie kommen hier her weil sie hier großzügigst versorgt werden. Und es sind jede Menge radikale Muslime dabei. Die Moslems sind daher eine extreme Gefahr für uns und überhaupt für die ganze europäische Zvililsation.
        Das ist mit der Situation in den 30er Jahren überhaupt nicht vergleichbar.
        Die AfD ist in der Hinsicht übrigens dort wo früher CDU/CSU war.

        • Lieber @gla,

          deswegen hatte ich klar zwischen der Gesamtheit der Muslime und den Geflüchteten darunter unterschieden. Haben Sie das nicht gemerkt, oder wollten Sie das nicht merken? 😉

          Und, nein, die AfD ist keineswegs die “alte CDU”. Diese stand für unser Grundgesetz statt völkischer Fantasien, für die Westbindung statt die Unterwerfung unter Putin, für ein vereintes Europa und die Aussöhnung mit dem Judentum und Israel statt einer “erinnerungspolitischen Wende um 180 Grad” und der Abrechnung mit dem “Schuldkult” usw. Auch gefälschte Zitate und Bilder gehörten nicht zum Standardwerkzeug der CDU, aber eben der AfD.

          Es ist traurig genug, wenn Sie sich selbst belügen. Aber andere Menschen auch noch manipulativ täuschen zu wollen – das zeigt die geistige Verwandschaft zum Extremismus und Verschwörungsglauben, dem “alles recht(s)” ist…

          Ihnen ein nachdenkliches Wochenende – sagen Sie später nicht, Sie hätten ja nicht wissen können…

          • Herr Blume,
            die AfD mit den N. zu vergleichen ist wirklich sehr weit her geholt.
            Und wenn niemand sagen soll dass er nichts gewußt hat, so kann das nur die Islamisierung Europas betreffen.
            Putin kann man nicht über den Weg trauen, aber Obama hat eher mehr zu verantworten, nicht weniger.
            Und ja, ich denke durchaus, also bin ich.

          • Ach, @gla – die Bezüge zum Nationalsozialismus stellen die AfD-Spitzen ja immer deutlicher selbst her. Niemand zwingt sie, ewig über die “Leistungen” der deutschen Soldaten in beiden Weltkriegen, den vermeintlichen “Schuldkult” und den Verschwörungsmythos der “Islamisierung” anstelle des NS-Topos der “Verjudung” zu sprechen.

            Sie wissen und spüren dies natürlich ganz genau, es erregt Sie auch. Und dass Sie einen russischen Diktator einem dunkelhäutigen US-Präsidenten vorziehen, war ja nun auch nicht überraschend!

            Nun ja, nochmal kriegt Ihr dieses wunderbare Land und seine vielfältigen Menschen nicht, überwältigende Mehrheiten vernünftiger Menschen werden gegen Euch stimmen. 🙂

          • Wenn man einmal alle Weihnachtsmärkte mit Betonklötzen sichern muß und dann die Gefahr durch die Islamisierung noch immer nicht sehen will, da muß man sich schon beide Augen zu halten.
            Und Herr Blume Sie wissen ganz genau dass Obama eine Reihe von Kriegen betrieben hat, die einer riesigen Zahl von Menschen das Leben gekostet hat.

          • Ach, @gla – wenn Sie vom Buch mal wenigstens den Titel gelesen hätten, dann hätten Sie gesehen, dass die Gefahren der Radikalisierung (als Krisensymptom!) dort gleich an erster Stelle thematisiert wird. Dass dem islamistischen Terrorismus zu über 90% andersdenkende Muslime zum Opfer fallen, kann übrigens wissen, wessen Horizont ein bisschen über den eigenen Tellerrand reicht…

            Und noch einmal bestätigen Sie die Stereotype: Wann immer ich nach der AfD-Haltung gegenüber dem Diktator, Tschetschenien-Zerstörer und Krimbesetzer Putin frage, teilen Sie gegen den ersten, demokratischen, aber eben dunkelhäutigen US-Präsidenten aus.

            Mit Rassismus hat das natürlich nichts zu tun, ist klar – Sie können nur einfach nicht anders… 😉

            Danke, dass Sie das Gedankengut der AfD nochmal sichtbar gemacht haben. Wer diese heute wählt, kann später wirklich nicht mehr behaupten, nichts gewusst zu haben…

            Ihnen einen guten und angstfreien Start in die Woche! 🙂

          • Wenn Sie Herr Blume einmal versuchen würden das Thema von einem neutralen Standpunkt aus zu betrachten dann würden Sie erkennen dass Ihre Sichtweise mindestens ebenso einseitig ist als wie Sie es mir unterstellen.
            So gut damit.
            Ich wünsche Ihnen alles Gute und dass Sie nicht Opfer einer Gefahr werden die Sie nicht erkennen (wollen).

          • Lieber @gla,

            nun, ich schaue auf die realen Probleme mit den Werkzeugen der Wissenschaft, der persönlichen Erfahrung und öffentlichen Debatte. Sie dagegen lesen nichts außerhalb Ihrer Filterblase, urteilen dennoch und halten das auch noch für “neutral”.

            Ihren Wunsch zu den Gefahren will ich mal nicht als Drohung auffassen – obwohl dies ja gängige Methoden extremistischer Bewegungen sind. Lassen Sie mich stattdessen klarstellen: Das wahre Leben enthält auch Gefahren und ich habe mich solchen auch bewusst gestellt, um Menschen zu helfen. Umso mehr bedauere ich kleine Geister, die der Angststrategie von Terroristen tatsächlich auf den Leim gehen, diese sogar befeuern.

            Das ist der Kern unserer unterschiedlichen Weltanschauungen: Demokraten sind trotz aller Herausforderungen zuversichtlich. Extremisten leben und verbreiten Angst.

            Beste Grüße!

  4. In früheren Diskussionen habe ich die Meinung geäußert, dass die Evolutionsvorgänge eine automatische Begrenzung der Kritikfähigkeit bewirken.
    Damals bezog ich das vorwiegend auf die Begrenzung der Kritik an der eigenen Vermehrung.
    Jetzt weise ich darauf hin, dass es auch eine Begrenzung der Kritik an der Aggression zu geben scheint.
    Gruppen, die ihre eigene Vermehrung und ihre Aggression gegenüber anderen Gruppen nicht in Frage stellen, werden von den Evolutionsvorgängen bevorzugt.
    Das geschieht teilweise durch die kulturelle Evolution, und teilweise durch die genetische Evolution.

    • Vielleicht sollte man zu dem Thema der Aggressions-Demografie Forschung betreiben.
      Sanftmütige Gemeinschaften werden kulturell und genetisch ausgedünnt.
      Das Naturvolk auf North Sentinel Island scheint auch dieser Meinung zu sein.

  5. Der Humanismus kann als Religion, als besondere “Rückbindung” verstanden werden, der säkulare Humanist verzichtet allerdings auf diese Einordnung, auch weil sonst missverständlicherweise auch die Aufklärung als Religion verstanden werden könnte, so dass die Begrifflichkeiten litten.
    Q :Kann es religiöse Humanisten geben?
    A :Eigentlich nicht, denn der Humanist stellt den Mensch in den Mittelpunkt, die Religion dagegen erhebt in der Regel den wichtigen Anspruch selbst im Mittelpunkt des Menschen zu stehen, zumindest ansatzweise; ansonsten, wenn jemand aus Humanismus und Religion zusammen das Beste herausholen will, soll er sich gerne auch religiöser Humanist nennen…


    Was hier nicht so gut ankommt, ist der (nicht sonderlich präzise) Begriff Rechtspopulismus, der von einigen geradezu zwanghaft genutzt wird, um politisch rechte Parteien herabzusetzen, so wie politisch linke Parteien durch den (nicht sonderlich präzisen) Begriff Linksliberalismus irgendwie aufgewertet werden wollen.

    Zudem ist die AKP neoosmanistisch und islamisch konservativ oder islamistisch, um präzise zu sein, kann nicht bspw. mit den US-Republikanern zusammen in einem Topf landen, wenn fair geblieben werden soll.


    Was Donald J. Trump mit seiner Systemkritik übrigens meint, dass globalistische Spezialinteressen großer Wirtschaftsunternehmen nationalstaatliche Interessen zunehmend angreifen, dass es Nationalstaaten geben darf & dass Nationalstaaten, die die Interessen ihrer Bürger an erste Stelle setzen, am besten geeignet sind, gerade auch im internationalen Verbund, auch Bündnisse meinend, den Frieden zu wahren.
    Beispielsweise indem sie ihre Außengrenzen zuverlässig bewachen, der Steuerflucht, pardon, den Steuervermeidungsstrategien großer global tätiger Wirtschaftsunternehmen Einhalt gebieten und internationale Handelsverträge schließen, die zwar der Wirtschaft dienen, aber an erster Stelle dem Bürger, wenn bspw. Zölle erhoben werden, wie dies andere Staaten ebenfalls tun.

    MFG + schönes Wahlwochenende, ihnen, Herr Dr. Blume weiterhin alles Gute, Ihr letztes Buch hatte wohl einen gewissen “Impact,
    Dr. Webbaer

    • Schön, mal wieder von Ihnen zu lesen, @Webbaer!

      Und, danke, ja, “Islam in der Krise” war leider kurzfristig vergriffen – Montag erreicht die zweite Auflage den Handel. Ich denke, es könnte Sie interessieren.

      Doch, der Humanismus hat klar erkennbare, religiöse Wurzeln: Schon die Bibel bezeichnet den Menschen als Ab- oder gar Ebenbild Gottes und gerade auch Jesus identifiziert (z.B. in seiner Schilderung des Weltgerichts) den Dienst am Menschen mit dem Dienst am Gott. Die säkularen Humanisten kappten schließlich die transzendentale Verankerung des Menschen – weswegen das “Humanum” des Menschen samt der Menschenrechte im ontologischen Limbo hängt. Hier konnten – und können – dann auch Kollektivisten, Sozialdarwinisten etc. ihre Dekonstruktion des säkularen Humanismus ansetzen.

      Ihnen ebenfalls ein schönes Wochenende und alles Gute!

  6. Brexit-,Duarte- und Trump-Wähler kann man vielleicht nicht ohne weiteres mit ostdeutschen AfD-Wählern vergleichen, denn die AfD und vor allem der ostdeutsche Nationalismus und Autoritarismus ist nicht (allein) Ausdruck eines aktuellen Problems (wie beim Brexit oder bei Duarte), sondern er lässt sich aus der jahrzehntelangen Erziehung dieser Menschen zu angepassten, Autoritäten und nicht ihrem eigenen Verstand vertrauenden Menschen erklären, deren Lebensentwurf und -orientierung nun aber nicht erfüllt, sondern wiederholt enttäuscht wird. Ostdeutsche Rechtsnationale haben wohl vieles gemeinsam mit russischen Nationalisten. Rassismus, Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit lässt sich beiden Gruppen als Konstante ausmachen, die auch bereits vor 15 Jahren existierte und sich etwa darin zeigte, dass Ostdeutsche schon vor 15 Jahren Fremde und Ausländer abfackelten obwohl es in keinem Teil Deutschlands weniger Fremde gab und gibt. Die Verehrung von Putin bei Ostdeutschen und die Wut auf Merkel (“Merkel muss weg”) wiederum demonstrieren den Autoritarismus und den Glauben an Führer, denn wer Merkel zum Feind macht anstatt etwa die CDU glaubt daran, dass Deutschland von einer einzigen Person regiert werde – hier eben Merkel – und dass an ihre Stelle nun eine andere Führungspersönlichkeit gesetzt werden müsse – etwa Gauland. Viele Ostdeutsche wurden zudem nach der Wiedervereinigung desillusioniert und erleben sich nun als Zweitklassbürger.
    Im Huffpost-Artikel DDR-Bürgerrechtler erklärt, warum viele Menschen in Ostdeutschland Angela Merkel hassen wird die Wut der Ossis mit dem Gefühl der Ohnmacht erklärt, einer Ohnmacht, die sich aus der Tatsache nährt, dass in Ostdeutschland nur 23% derPositionen in Staat, Wirtschaft und Medien von Ostdeutschen eingenommen werden. Dazu kommt die fehlende Erfahrung mit Demokratie und einer offenen Gesellschaft, denn in Ostdeutschland folgte auf das Kaiserreich und die Weimarer Republik, die NS-Zeit und der Kommunismus. Die Wiedervereinigung hat nun für einen wichtigen Teil der Ostdeutschen viele Gewissheiten zerstört aber zugleich für die ältere Generation nur wenige neue Chancen und wenig Orientierungsmöglichkeiten geschaffen. Immerhin kann man hoffen, dass in Ostdeutschland eine neue Generation ohne diese Altlasten folgt, während man das in Russland nicht kann.

  7. … “Wer seine politischen Bewegungen auf Wut und Hass begründete, machte gar nichts besser” …

    – Bitte den Dokumentarfilm “Operation Zucker – Jagdgesellschaft” – erstmals ausgestrahlt im Ersten Deutschen Fernsehen im Januar 2016 – ansehen und zugehörige Presseartikel – zum Beispiel in der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” –
    lesen und DANN die Frage beantworten, WER seine politische Bewegung auf “Wut und Hass” gründet oder Mitwisser und Schützer von Handlungen ist, deren Beweggrund “Wut und Hass” zu sein scheinen.

    – Die eingestellte Grafik zum “Verschwörungsglauben unter deutschen Staatsbürgern +14” zeugt von sehr viel Realismus, ein Realismus, der von den Machern und Ermöglichern des genannten Dokumentarfilmes und von der begleitenden Presseberichterstattung geteilt wurde.

    Ich habe mich sehr über den in dieser Grafik zum Ausdruck kommenden Realismus gefreut.

    • Lieber @Ingo Bading,

      mal wieder “schön”, von Dir zu lesen. In Deinem Blog kann sich ja jede/r davon überzeugen, wie so ein Verschwörungsglauben auch ganz individuell konstruiert werden kann.

      Dazu hätte ich eine Frage. Du schriebst zuletzt:

      “Die “alternative Öffentlichkeit” erhielt ab 2010 so große Öffentlichkeitswirkung, weil sie zu 80 bis 90 Prozent als Astroturfing inszeniert worden war, um von authentischen Blogs wie dem vorliegenden abzulenken.”
      http://studgenpol.blogspot.de/2017/09/von-blogs-wie-diesem-ablenken-wie-geht.html

      Verstehe ich Dich also richtig: Du gehst davon aus, dass nicht nur die sog. “Mainstream-Presse”, sondern auch der größte Teil der rechts”alternativen”, neuen Medien Bestandteil einer Verschwörung ist?

      Mit interessierten Grüßen

      • Lieber Michael, das kenne ich ja gar nicht von Dir, daß Du auf eine Feststellung einfach gar nicht eingehst, sie also praktisch ignorierst und mit einer Gegenfrage antwortest.

        Im übrigen: Du verstehst mich vollkommen richtig, lieber Michael. Und das sagte ich auch schon als ich mich das letzte mal hier bei Dir auf dem Blog zu Wort meldete, als Du mich aber nicht ausreden lassen wolltest. (Das hast Du davon, wenn Du mich nicht ausreden läßt. Dann mußt Du nachfragen, ob Du mich richtig verstehst. Ja, Du tust es.)

        Es ist ja wohl nicht schwer zu begreifen, daß ein intelligentes gesellschaftliches Herrschafts-System, wenn es sich als solches erhalten will und nicht vollkommen transparent, sondern aus dem Hintergrund heraus arbeitet, sich nicht nur selbst argumentativ vertreten muß, sondern sich sinnvollerweise auch an die Spitze der Systemkritiker setzen muß. Hat – zum Beispiel – die DDR so arg anders gehandelt?

        Sollte Dir diese These aber so neu sein wie Du tust, kann ich gerne weiteren Nachhilfe-Unterricht geben.

        Dieses Vorgehen ist schon daran erkennbar, daß in den meist gelesenen Verlagen und Blogs der alternativen Öffentlichkeit seriöse Hintergrundpolitikkritik (wie sie meines Wissens auch von Seiten der so kritischen “Skeptiker” nie infrage gestellt oder widerlegt worden ist, auch nicht von Leuten wie Dir) vermischt wird mit einer Fülle von Pseudowissenschaft, Pseudomedizin, Esoterik aller Art.

        Das wird dann von den Verschwörungsglauben-Kritikern aufgegriffen und man delektiert sich herrlich daran (und natürlich auch mit allem Recht – die “Aluhut-Fraktion” halt mit ihren Chemtrails etc. pp.).

        Man sehe sich doch nur das Verlagsprogramm des Kopp-Verlages daraufhin an. Aber dieser Wust findet sich ja auch sonst bei etwa 80 bis 90 % der häufiger gelesenen Hintergrundpolitik-Kritiker. (Hm. Wahrscheinlich habe ich schon wieder zu viel gesagt.)

        • Lieber Ingo,

          oh ja – ich habe tatsächlich schlechte Erfahrungen damit gemacht, allzu… eigenen Verkündern Platz und Aufmerksamkeit auf meinem Blog zu schenken. Damit scheinen Hoffnungen verbunden zu sein, die dann früher oder später in Niedertracht umschlagen (so zuletzt bei Bernd Ehlert). Und wenn Du jetzt schon andere, neurechte Blogs und Verlage als Teil der von Dir geglaubten Superverschwörung bezeichnest, muss ich damit rechnen, dass Du auch mich früher oder später als Mitverschwörer beschimpfen wirst. Mit auch selbstkritischer Vernunft hat das alles ja nichts mehr zu tun.

          Daher muss ich Dich um Dein Verstädnis bitten, dass ich Dir und diversen Trollen hier keine Plattform mehr geben und entsprechende Kommentare nicht mehr freischalten möchte. Umso prominenter “Natur des Glaubens” geworden ist, umso mehr hat er auch Leute angezogen, die gar nicht im Dialog dazulernen, sondern nur ihre je eigenen Privatbotschaften (meist auf Basis von Verschwörungsmythen) verkünden wollen. Dafür möchte ich diesen Blog und meine Zeit nicht hergeben.

          Dir persönlich weiterhin alles erdenklich Gute, mögest Du glücklich sein und werden.

  8. Dr. Webbaer,
    …..kann es religiöse Humanisten geben?
    Diese Frage impliziert, dass es da einen Widerspruch geben soll.

    Auf die Frage, welches das höchste Gebot sei, antwortete Jesus, “du sollst deinen Gott lieben und ein zweites Gesetz ist diesem gleichgestellt, du sollst deinen Nächsten lieben. ”

    Jesus selbst stellt den Dienst am Menschen mit dem Dienst an Gott auf die gleiche Stufe. !
    Man kann, wie Sie es gerne tun, aus zwei Begriffen einen Gegensatz konstatieren, mit allen fatalen Folgen.

    • A: Kann es religiöse Humanisten geben? [Dr. Webbaer]
      Diese Frage impliziert, dass es da einen Widerspruch geben soll. [Kommentatorenfreund ‘R’]

      ‘Diese Frage’ fragt, ob es da einen Widerspruch gibt.
      In der Antwort weiter oben, findet sich dann die Einschätzung, dass es einen Widerspruch gibt, vs. ‘geben soll’.
      Es stand allerdings auch dort, dass sich im übertragenden Sinne einige auch ‘religiöse Humanisten’ “nennen dürfen sollten”…

      Keine Ahnung, wie es geschafft wird zwischen Humanismus und traditioneller Religion keinen Widerspruch zu sehen.

      MFG
      Dr. Webbaer

    • Version 2, so schaut’s besser aus…

      A: Kann es religiöse Humanisten geben? [Dr. Webbaer]
      Diese Frage impliziert, dass es da einen Widerspruch geben soll. [Kommentatorenfreund ‘R’]

      ‘Diese Frage’ fragt, ob es da einen Widerspruch gibt.
      In der Antwort weiter oben, findet sich dann die Einschätzung, dass es einen Widerspruch gibt, vs. ‘geben soll’.
      Es stand allerdings auch dort, dass sich im übertragenden Sinne einige auch ‘religiöse Humanisten’ “nennen dürfen sollten”…

      Keine Ahnung, wie es geschafft wird zwischen Humanismus und traditioneller Religion keinen Widerspruch zu sehen.

      MFG
      Dr. Webbaer

  9. Wenn ich mir ansehe, wie hierzulande der Dieselabgasskandal gehandhabt wird, dann kommt es mir so vor, als sei die Regierung eine Marionette des Kapitals in Gestalt der deutschen Automobilindustrie. Cum grano salis, versteht sich 🙂

  10. Warum gibt es gerade jetzt (Zitat):

    “Hass auf die Eliten” bzw. den “Hass aus das System”

    . Eine Erklärung: Für Deutschland ist der Zeitpunkt dafür – Hass auf die Eliten/das System – heute so gut wie seit 50 Jahren nicht mehr, denn erst seit kurzem (seit Angela Merkels Regierungszeit) gibt es überhaupt so etwas wie eine gleichdenkende Elite und ein überall gleich funktionierendes System, ist doch unter ihr der politische Gegensatz zwischen CDU und SPD, zwischen klassisch Rechts und klassisch Links auf fast Null geschrumpft. Diese “Harmonisierung” der Gesellschaft zwischen Rechts und Links war die Grundlage für sowohl die Gründung der Linken (als Partei) wie auch der AfD, die sich den Namen Alternative für Deutschland sehr gut ausgesucht hat, denn diese Alternative findet man nicht mehr, wenn man entweder CDU/CSU oder SPD wählt. Interessanterweise kommt der Hauptharst der Wähler sowohl der Linken wie der Rechten aus Ostdeutschland und dort gibt es ja auch das meiste Protestpotenzial, wenn auch das Hauptproblem von Ostdeutschland wohl gar nicht die Westdeutschen und ihr politisches System ist, sondern wo das Problem in den Biographien und Persönlichsstrukturen der Ostdeutschen selber liegt. Die Aussagen ostdeutscher Linker und Rechter immer 1:1 zu nehmen und sie als politische Anliegen mit konkreten Zielen zu sehen, ist deswegen wahrscheinlich falsch. Hass und Wut zielen zwar vordergründig auf die Eliten, auf Merkel und auf Flüchtlinge und Ausländer, dahinter aber kann sich auch Selbsthass verbergen. In Wirklichkeit ist das politische System Deutschlands durch die Linke, die AfD und Hass und Wut gewisser Kreise nicht herausgefordert, denn das sind nur Randerscheinungen. Wenn schon liegt die Herausforderung der Etablierten und der Eliten darin , nicht überzureagieren und in der Auseinandersetzung mit Wütenden und AfD-Exponenten nicht zuviel Arroganz und Segregationswillen aufkommen zu lassen.

  11. Mit Verlaub: imao sind unsere brüder und schwestern aus der DDR für die “wir“ “uns“ damals ein kerzlein für die Demokratie in die Schaufenster der Demokratie gestellt hatten und denen damals “Volxbildung“ eingebimst blieb eben jene: Rechtsextreme die schon Hr Dr Kohl für als vernachlässigenswerte Grösse eingeschätzt haben könnte ohne dass darüber auch heute weitergedacht wirken könnte. ich kann mich aber auch täuschen. daraus keltert ein gauland ggf gar seinen bitteren most auf die er seine entourage gesetzt hat und die hier demokratie erklären will die blutbäder wie in 1789 für adäquat zu halten scheint als politischen lösungsansatz. doch blicken wir weiter

  12. Kompetenter Kommentatorenfreund Dr. webbaer,
    traditionelle Religion vs. Humanismus.
    Wer die Begriffe analysiert und als Ausgangsposition nimmt, für den ist das ein Gegensatzpaar.
    Der Begriff Religion schleppt nun mal den ganzen Ballast der Geschichte mit sich herum, auch das, war gar nicht “human” war.
    Wenn man Religion aber zeitnah betrachtet und das extrahiert, was Religion ausmachen “sollte”, dann gibt es den Gegensatz nicht. Ein Sinn von Religion ist der Dienst am Menschen. Genau wie der Humanismus.
    Der andere Sinn ist die Beheimatung der Ethik. Bei der Religion ist das Gott, beim Humanismus ist das der Verstand.
    Für die Religiösen ist das kein Unterschied, weil der Verstand wiederum beim Hl. Geist beheimatet ist.
    Um jetzt wieder on topic zu sein,
    In der Religion gehört der Hass und die Rache zu den Todsünden.
    Im Humanismus ist der Hass und die Rache das Gegenteil von human.
    Ich denke , der Humanismus und die Religion sollten eine “hl. Allianz” miteinander eingehen, sonst wird unsere Menscheit das nächste Jahrhundert nicht erleben.

  13. Frage 1 – Was ist human? lat. = menschlich.
    Frage 2 – Was ist Religion? lt. Lexikon eine Weltanschauung.

    Humanität gibt es bei allen Völkern und Religionen, richtet sich aber oft nach dem
    Ansehen der Person: angenehm oder nicht, gut oder böse, reich oder arm, oben
    oder unten, etc., d. h.: Der Mensch steht zwar im Mittelpunkt, entsprechend dem Gebot 2
    des Sohnes Gottes “Jesus“: Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst.
    Die Realität (1):
    Ich will nicht, dass du mir böses tust, behalte mir aber vor, mich anders zu verhalten!
    Realität 2:
    Gebot 1: Du sollst den Herrn, deinen Gott (Schöpfer) lieben mit deinem ganzem Herzen,
    mit deiner ganzen Seele, mit deiner ganzen Denkart,
    ist vielen Völkern noch nicht gesagt worden und denen, die es wissen, passt es oft nicht.
    Dementsprechend ist der Böse immer der andere. Die Folgen sind Hass, Mord und jede
    Art von Kriminalität, Terror, Verschwörungstheorien, usw..
    Bei Letzteren handelt es sich oft nur um Theorien und nicht um Fakten.

  14. wi_bue2,
    human vs. Religion,
    hier wird auch wieder vom Begriff ausgegangen, anstatt deren innewohnenden Sinn.
    Natürlich bleiben das zwei verschiedene Begriffe mit ihrem Schwerpunkt.
    Ich versuche gerade einen Brückenschlag. Wenn man den Begriff Gott mit dem Begriff Natur/Erde/Umwelt vertauscht, bleibt der Sinn erhalten. Erst wenn der Mensch sich gegenseitig achtet und dabei auch die Natur achtet, dann hat die Menschheit eine Zukunft. (Gar nicht so weit vom NT entfernt)

    • Aber, @Dr.No – ganz im Gegenteil! Trotz aller Probleme haben 87% der deutschen Wählerinnen und Wähler der rechtspopulistischen AfD eine Abfuhr erteilt. Und selbst von jenen, die diese Partei wählten, erklärte die Mehrheit, aus Protest und nicht aus Überzeugung gehandelt zu haben. Ganz ehrlich: Ich hatte mit einem schlimmeren Ergebnis für die Demokratie unseres Landes gerechnet.

      Gestern war ja Tag der Deutschen Einheit (womöglich hat Sie das geärgert und zu Ihrem Kommentar veranlasst?). Falls Sie lesen können und wollen, so möchte ich Ihnen die grandiose Rede unseres Bundespräsidenten ans Herz legen, kostenfrei abrufbar hier:
      http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Frank-Walter-Steinmeier/Reden/2017/10/171003-TdDE-Rede-Mainz.html

      Ihnen alles Gute, mit herzlichen Grüßen!

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