Freiheit für den Profit oder Liberalismus für das Leben? Ein Nachruf auf Friedrich August von Hayek

In einer Blogdiskussion zur so genannten “Islamisierung” rückte der Kommentator @Werner die Erfindung und Zulassung der “Anti-Baby-Pille” in die Nähe einer “Verschwörung”.

Warum hat das Bundesministerium für Familie, warum hat der wissenschaftliche Dienst des Ministeriums nicht frühzeitig gewarnt?, warum hat die Politik nicht aufgeklärt und gegen gesteuert?

War das eine Verschwörung gegen unseren Bestand?

Gibt es andere Erklärungen?

Nun habe ich die schnelle Ausbreitung von Verschwörungsmythen durch die digitalen Medien bereits an anderer Blog-Stelle thematisiert – darum geht es mir hier also nicht. Der Kommentar von @Werner rief mir jedoch einmal wieder in Erinnerung, dass die liberale Position gar nicht selbstverständlich ist, dass die Menschen selbst darüber entscheiden sollen, ob und mit wem sie schlafen und ggf. eine Familie gründen wollen. Tatsächlich hatte ja in den 60er und 70er mit Rumänien und dessen “Dekret 770” ein europäisch-sozialistischer Staat versucht, auch das Geburtenverhalten zentraler, staatlicher Planung zu unterwerfen. Das Ergebnis war ein familien- und sozialpolitisches Desaster mit Hunderttausenden ungewollter und häufig ausgesetzter Kinder sowie einer verwundeten Gesellschaft, die schließlich auch das Regime hinwegfegte.

Für mich war – auch nach den DDR-Erfahrungen meiner Eltern – von Jugend auf klar, dass Entscheidungen im Bereich von Familie, Sexualität und Glauben zur innersten Freiheit von Bürgerinnen und Bürgern gehören sollten. Der Staat dürfte demnach allenfalls durch gute Rahmenbedingungen (etwa ein steuerliches Familien- statt Ehengattensplitting, gute und kostenfreie Bildungs- und Betreuungseinrichtungen etc.) Einfluss zu nehmen versuchen, nicht aber durch Zwang oder gar Verbote von “Anti-Baby-Pillen” & Co.

Andererseits muss ich aber @Werner durchaus zugestehen, dass sich Ansätze einer liberalen (freiheitlichen) Familienpolitik in den deutschsprachigen Ländern kaum entwickelt haben: “Die Liberalen” standen und stehen meist dominant für einen reinen “Wirtschaftsliberalismus” ein, der tendenziell Reiche noch reicher macht und bestenfalls versprach, davon würde auch Ärmere profitieren. Kinder, Familien und Religionsgemeinschaften kommen in diesen (m.E. tödlich verkürzten) Formen des Liberalismus kaum vor – und vielen Menschen scheint es, als wäre Freiheit nur für den Profit, nicht aber für das Leben da. Dabei war gerade dies der Clou der evolutionären Perspektive von Friedrich August von Hayek (1899 – 1992): Nur durch Freiheit, Vielfalt und Wettbewerb würden sich dauerhaft lebensbejahende und lebensdienliche Traditionen und Gemeinschaften entwickeln können, die Idee der Freiheit stünde im Dienst des sich entfaltenden Lebens. Entsprechend sagte Hayek auch den positiven Religion-Demografie-Zusammenhang empirisch zutreffend voraus.

Vor zwei Jahren sprach ich über dieses Thema bereits beim “Forum der Freiheit” in Potsdam und plädierte auch persönlich stark für einen Liberalismus jenseits von Egoismus und Profitmaximierung. Um dann zu erleben, dass sich nach dem freundlichen Applaus die Diskussion doch gleich wieder auf “wirtschaftsliberale” Begrifflichkeiten rund um Steuern verengte…

Naja, den Versuch war es wohl wert. Schauen (und schmunzeln) Sie selbst. Und mich interessiert Ihre Meinung: Ob ich mit dem Vertrauen auf “die (auch demografische) Kraft der Freiheit” vielleicht wirklich zu optimistisch war und bin?

MichaelBlumeForumFreiheit2014

Vortrag bei “Forum Freiheit 2014” in Potsdam. Aufnahme: Zeitzer Lupe Dreslow

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft und spezialisierte sich auf die Hirn- und Evolutionsforschung. Buchautor, Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger und christlich-islamischer Familienvater. Hat auch manches erlebt und überlebt...

17 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Diese Verschwörungstheorien werden halt auch begünstigt durch die “tödliche Verkürzung” des Liberalismus.
    Verkürzung und V-Theorie , letztlich ist das ja das gleiche Prinzip , irgendeinen Teilaspekt rausnehmen , ihn wahrheitswidrig verzerren und zur alleinigen Maxime machen.

    “und vielen Menschen scheint es, als wäre Freiheit nur für den Profit, und nicht für das Leben da”

    So ist es , allerdings wird niemand mit der Pistole davon abgehalten , weiter zu denken und beides zu trennen , liberal und neoliberal. Da ist schon auch ein Stück Denkfaulheit mit bei.

    • Zustimmung, @DH. Freilich halte ich die – völlig verdrehende – Begriffsverschiebung von “Neoliberalismus” bereits für einen Teil des Problems. Denn ursprünglich bezeichnete der Neoliberalismus gerade den Abschied von einem reinen Marktradikalismus, weswegen auch F.A. von Hayek von beinharten Marktradikalen als “Sozialdemokrat” verspottet wird. Hier als Beispiel Hans-Hermann Hoppe zum “Mythos Friedrich August von Hayek”, den er als “Linken” deutet:
      http://www.misesde.org/?p=5014

      Gleichzeitig wird “neoliberal” im Mitte-Links-Spektrum jedoch als Synonym für “marktradikal” verwendet und öffentlich meist auch so verstanden. Ein “Liberalismus der Mitte” hat es zwischen diesen Begriffsverschiebungen außerordentlich schwer, sich überhaupt verständlich machen zu können.
      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/wie-saehe-eine-freiheitliche-neo-liberale-familienpolitik-aus/

      Aber ich will nicht klagen – es hat ja nie jemand versprochen, dass es leicht sein würde, für die Ideen der Freiheit einzustehen… 🙂

      • @Michael Blume

        Offen gesagt , bei Hoppes Einlassungen habe ich deutlich das Gefühl , daß da irgendeine persönliche Projektion die Hauptrolle spielt , das geht schon fast ins Verwirrte hinein. Spontan muß ich da sogar an die Zuführung von Fremdstoffen denken , nicht zum ersten Mal , wenn Neoliberale ihre Theorien vortragen.

        Mit den Begriffen ist halt so eine Sache , neoliberal ist heute was völlig anderes als der ursprüngliche Begriff es meinte , und wird nicht nur von links so verwendet , das ist jetzt allgemein so eingeführt.
        Ist eben manchmal so , daß sich der Sprachgebrauch verändert ,es dürfte wenig praktikabel sein , dem auszuweichen , die heutige Deutung hat sich etabliert , und es bleibt ja noch der Begriff “ordoliberal” .
        Auch sind die Begriffe nicht der Grund für die liberale Krise, die ist hausgemacht und auch ein Zeichen der Zeit. Wie in den 30er – Jahren ist der Liberalismus heute geschwächt , zum Glück bei weitem nicht so krass wie seinerzeit , wo er praktisch zum Erliegen gekommen war .

  2. Dass der Wirtschaftsliberalismus innerhalb der liberalen Bewegung so dominant ist, hat seine Ursache darin, dass er das einigende Band des Liberalismus ist und alle liberale Gruppierungen hier ihren Ursprung haben.
    Werfen wir einen Blick auf die französische Revolution, die ja eine Revolution der liberalen Bourgeosie war: das Eigentumsrecht sowie die uneingeschränkte Verfügbarkeit über das Eigentum war und blieb die zentrale Position aller liberalen Fraktionen, der Girondisten wie der Jakobiner und der Feuillants. In allen anderen Punkten wie Religionsfreiheit (Jakobiner pro, Feuillants contra), Meinungsfreiheit, etc. gab es Dissens, doch hier war man sich einig.
    Auch im kaiserlichen Deutschland stimmten Nationalliberale wie Fortschrittliche in diesem einen Punkt überein, ansonsten war man heillos zerstritten. So erscheint es logisch, dass sich der Liberalismus in einer Zeit, da er sich sowieso in Schwierigkeiten befindet, eher auf das Einigende als auf das Trennende konzetriert.

    • Die Analyse teile ich, @aristius fuscus. Doch vertieft die Konzentration auf den “Wirtschaftsliberalismus” m.E. die Krise der Freiheitsideen. Denn dann entsteht der grundfalsche Eindruck, liberale Ideen seien “nur für die Reichen” da und Populisten von links und rechts können entsprechende Ideen (z.B. Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung, Religionsfreiheit) noch leichter verhöhnen. Nicht wenige “Marktradikale” haben sich ja selbst in staatsfeindlichen Verschwörungsmythen verfangen – und damit AfD, Trump und Co. befeuert, die alles andere als freiheitlich und liberal sind… :-/
      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/wird-rechts-wie-kollektivisten-traditionen/

      • Wenn Sie die Zukunft des Liberalismus eher im Links(Bürgerrechts)liberalismus als im reinen Wirtschaftsliberalismus sehen, der die Rolle des Staates auf einen Nachtwächterstaat reduzieren möchte, haben Sie sicher recht. Man muss sich nur den steilen Aufstieg der Piratenpartei ansehen, bevor sie von skurrilen Sekten gekapert wurde, und das mit dem traurigen Schicksal der Lucke-Bewegung vergleichen, die man als nationalliberal verorten kann.
        Wo wir uns unterscheiden, ist die Bewertung. Als altmodischer Sozialist kann ich natürlich an einer Wiederbelebung des Liberalismus kein Interesse haben. Für mich gehört staatliche Überwachung des Eigentums untrennbar zu einer freiheitlichen Gesellschaft, wie ich sie verstehe, und eine solche Kontrolle ist natürlich mit keiner Spielart des Liberalismus zu vereinen.

        • Das stimmt, @aristius fuscus. Eine vollständige “staatliche Überwachung des Eigentums” liefe m.E. klar auf einen autoritären und freiheitsfeindlichen Staat heraus – denn welche Freiheiten blieben denn noch, wenn die Menschen über ihr Eigentum (ihre Ersparnisse, Urlaubsreisen, Familienpläne, Spenden usw.) nicht mehr ohne Überwachung verfügen dürften? Der Staat hat m.E. ein Anrecht auf (möglichst gerecht gestaltete, also progressive) Steuern und Abgaben – sollte aber darüber hinaus die Menschen und ihr Eigentum nicht “überwachen”, sondern sich in Freiheit entfalten lassen.

          Wie auch immer – bei uns in Südwestdeutschland haben es die Linken wieder nicht ins Parlament geschafft und just heute zerlegte sich auch die rechtspopulistische AfD-Fraktion.
          http://www.zeit.de/politik/deutschland/2016-07/stuttgart-landtag-afd-abspaltung-fraktion

          • Eine Übung im Strohmann-Bauen, werter Herr Blume? Natürlich heisst Kontrolle des Eigentums nicht, dass private Ausgaben vom Staat genehmigt werden sollen, wer kommt denn auf eine solche Idee. Vielmehr geht es darum, die ziemlich schrankenlose Verfügungsgewalt von Firmeneigentümern über ihre Unternehmen einzuschränken. So ist es z.B. ein Unding, dass ein Firmenbesitzer seinen Laden, von dem ja die darin Beschäftigten direkt abhängen, nicht ohne Mitbestimmung und Vetorecht derselben an einen x-beliebigen Nachfolger weitergeben oer verkaufen darf. Diese Position ist ebenso sozialistisch wie illiberal, was die grundsätzliche Inkompatibilität dieser beiden Pole des politischen Spektrums demonstriert.

          • Eine gewisse Tragik – oder Tragikomik – nehme ich hier schon wahr, @aristius fiscus. Ausgangspunkt dieses Blogposts war doch gerade, den Liberalismus nicht nur unter Aspekten der Ökonomie zu diskutieren.

            Das gelingt vielen Liberalen nicht. Aber auch Sie – als erklärter Sozialist – leiten die Diskussion umgehend zu Eigentums- und Firmenfragen um.

            Sind wir als Gesellschaft schon so durchökonomisiert, dass wir für andere Aspekte – Liebe, Familie, Glauben, Leben – nicht mal mehr eine Sprach- und Diskussionsbasis haben? Geht es wirklich immer nur um Eigentum?

            Nachdenkliche Grüße…

  3. Zu:

    “Die Liberalen” standen und stehen meist dominant für einen reinen”Wirtschaftsliberalismus”ein, der tendenziell Reiche noch reicher macht und bestenfalls versprach, davon würde auch Ärmere profitieren.

    und:

    Vor zwei Jahren sprach ich über dieses Thema bereits beim”Forum der Freiheit” in Potsdam und plädierte auch persönlich stark für einen Liberalismus jenseits von Egoismus und Profitmaximierung.

    Der Webbaer hilft hier gern aus:
    Das Fachwort lautet:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Trickle-down-Theorie

    Es liegt auf der Hand, dass erfolgreiches unternehmerisches Handeln Angestellte wie Konsumenten bevorteilt. Sollte dies nicht geglaubt werden, darf mit anderer Maßgabe hantiert werden, bspw. mit der Verstaatlichung der Produktionsmittel, die ja nicht so gut funktioniert, weil die Anteilseigner kein direktes Interesse am Produktionserfolg haben.

    Der Webbaer ist, wie bspw. auch der sozusagen gewöhnliche Soz der Meinung, dass Staatssysteme und mit ihnen auch Wirtschaftssystene dem Allgemeinwohl nützen sollen.
    Es gibt Allgemeinwohl, auch wenn dies gelegentlich in liberalen Kreisen angezweifelt wird, und gesellschaftlich geht es „eigentlich nur“ um Allgemeinwohl, vgl. auch mit diesem Jokus:
    http://www.margaretthatcher.org/document/106689 (‘There is no such thing as society’)

    Also insofern hat der Liberalismus streng sozial zu sein, ‘Egoismus und Profitmaximierung’ leisten hier deutlich, wenn die Arbeitgeberschaft gemeint ist.
    Von nix kommt nix, Arbeitgeber müssen -böse formuliert- sozusagen anti-protestantisch sein.


    „Amüsant“ natürlich die Performance der mit fast 15% der Wählerstimmen 2009 in den Bundestag gebrachten real existierenden liberalen politischen Partei, auch FDP genannt, diese ist zu verdammen. [1]

    MFG
    Dr. Webbaer

    [1]
    einzig in Erinnerung gebliebener Erfolg: Absenkung einer Steuer, die die Hotellerie betrifft (die zuvor der FDP „gespendet“ hat)

    • Für Liberale steht Wertschätzung der Marktwirtschaft und all der damit verbundenen Freiheiten (Freiheit der Berufswahl, Freiheit zur Gründung von Unternehmen, Vertragsfreiheit usw.) außer Frage. Strittig ist freilich, ob der “freie Markt” die alleinige Antwort auf alle Probleme sein kann – und ob beispielsweise der “Trickle-Down-Effekt” nicht dadurch unterbunden werden kann, dass sich Reiche etwa durch Steuerberater, Kartelle, exklusive Bildungsinstitutionen etc. gegenüber Ärmeren abschotten und Chancengerechtigkeit wiederum unterbinden können.

      Für mich als (Religions-)Wissenschaftler sind vor allem auch empirische Beobachtungen von Bedeutung: Wo und unter welchen Umständen realisierten sich Trickle-Down-Effekte, und wo nicht? Wissenschaftliche Theorien müssen der Überprüfung und ggf. auch Falsifizierung zugänglich sein, was leider für weite Teile der Homo oeconomicus-Ökonomie nicht galt und gilt:
      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/homo-religiosus-vs-homo-oeconomicus/

      Und, ja, schade um die FDP. Obwohl ich ihr – auch aus den Ihrerseits erwähnten Gründen – nicht angehöre, hoffe ich doch, dass sie sich als wieder glaubwürdige, liberale Kraft erneuern kann. Bei aller, manchmal unfairen, Häme: Viele FDP-Politikerinnen und Politiker – von der Kommune bis rauf zum Bund – haben für unsere Gesellschaft auch viel Gutes geleistet.

      • Vielen Dank für Ihre Reaktion und Einschätzung, lieber Herr Blume, diese Trickle-Down-Effekte bestehen grundsätzlich, korrekt, d.h. sie können behindert werden.
        Sicherlich sind die Wirtschaftschaftswissenschaften nicht so hart wie die Naturlehre,
        MFG
        Dr. Webbaer (der nichts gegen eine funktionierende FDP hätte, deren Performance zwischen 2009 und 2013 aber extra-grausig fand)

  4. „Kommentar von @Werner rief mir jedoch einmal wieder in Erinnerung, dass die liberale Position gar nicht selbstverständlich ist, dass die Menschen selbst darüber entscheiden sollen, ob und mit wem sie schlafen und ggf. eine Familie gründen wollen“

    Die Menschen entscheiden mE selbst, ob sie eine Familie gründen, andere Idee währen abwegig.
    Es geht also um die Voraussetzungen, die stimmen müssen.
    Diese zu schaffen, und dafür gemeinsam ein zu stehen, darauf kommt es an.
    Aufgabe des Ministerium ist es allem voran den Überblick zu haben.

    Also besinnen wir uns doch, debattieren nicht allgemein Liberalismus,…wie schön das auch sein mag, und bedenken gemeinsam die Grundvoraussetzungen für die Gründung einer kleinen Familie.

    Dann wissen wir, wie es im Land aussehen muss.
    Ob diese Aussicht von einer Sozialdemokratie, oder einer Christdemokratie, uam, eingerichtet wird,
    ist doch nebensächlich

    • Lieber @Werner,

      nun, die Empfehlungen liegen vor:

      – Ein steuerliches Familien- statt Ehegattensplitting.
      – Der Ausbau von hochwertigen und für die Familien kostenfreien Bildungs- und Betreuungsangeboten, gerne auch mit freien Trägern. (Entlastet Familien, bietet Wahlfreiheiten, fördert Chancengerechtigkeit und letztlich auch Produktivität der nachfolgenden Generationen.)
      – Die Achtung der Menschenrechte, insbesondere der Freiheiten in Werte-, Religions- und Familienfragen, so dass die freie Bürgerinnen und Bürger ihre Traditionen leben, aber auch hinterfragen, weiterentwickeln oder wechseln können.

      Damit wird es Menschen nicht nur möglich, “kleine” Familien zu gründen, sondern auch größere oder keine – je nach den persönlichen Wünschen und Entscheidungen. Und die “Ministerien” brauchen keine Verhütungsmittel verbieten und sich auch sonst nicht mit Verboten und Vorschriften ins freie und vielfältige Leben der Bürgerinnen und Bürger einmischen… 🙂

      • hm!, da können Sie mal schauen, lieber Herr Blume. Besuchen Sie eine obere Schulklasse, und referieren Sie das Ehegattensplitting 🙂
        Diese ganzen Verlautbarungen und Ankündigungen des Bundesministeriums, so etwas nennt man in der Diplomatensprache: „den Leierkasten“ (vgl ähnlich zB Islamkonferenz)

        Allem voran fehlt das Salz (vgl Matth 5; 13)

        In den 1970Jahren hatte eine evangelische Landeskirche Westdeutschlands eine Theologiestudentinne/en – Konvent auf einer kleinen Nordseeinsel. Der Pfarrer und Ausbildungsreferent der Landeskirche hatte eingeladen.
        Das Haus, eine kirchliche Einrichtung und Herberge war belegt.
        In der ersten Versammlung und in der Ansprache verkündete der Ausbildungsreferent einen Beschluss für die 90 möglichen Pfarramtsanwärter/innen: „ Die Landeskirche kann von ihren 90 Theologiestudenten mit Studienrichtung: kirchliche Abschlussprüfung/Pastor/in, Pfarramt nur 55 einstellen.
        Schreck, Staunen und aufblitzende Hysterie, verhaltenes Entsetzen erfüllte Sekunden den Saal.

        Jeder weiß, worum es geht: Der sichere Beruf, die Ehe, das Pfarrhaus, der Garten, Kinderwünsche!

        Tatsächlich sind wir dort in Deutschland angekommen, dass Lehrer/in und Pastor/in – als Berufe und Alltagsaussicht für eine glückverheißende Familiengründung fast die unterste mögliche Grenze repräsentieren.

        Alles andere ist Augenwischerei.

        Darum kommt aus dem Familienministerium hauptsächlich bedeutungslose Kampagne.
        Im Halbschatten wird man die uns fehlende Geburten suchen, durch Zuwanderung zu generieren. Aber die notwendigen Zahlen sind so immens, dass man zugleich die Bevölkerung umerziehen muss, …in der Weise, dass sie mit mehr Zuwanderung klar kommt, als eigentlich vernünftig und natürlich.
        So verdingt sich also das Ministerium in der Erwachsenenbildung und in einem präventiven Kampf und Kampagnen gegen einen möglicherweise aufkommenden „Rassismus“ und Ausländerfeindlichkeiten in Deutschland. Wer eine große Anzahl an Zuwanderung und Ausländer nicht mag, muss damit rechnen, dass man ihn in Zukunft bekämpft.

        (Meine Angaben hier sind besonders belegt durch a) die höchste Geburtenrate in D → Freistaat Sachsen b den leistungsfähigsten und preiswertesten Wohnungsmarkt in D , klar, ebenfalls Sachsen – Natürlich sind auch die Schulen in Sachsen die besten in der Republik: http://cdn3.spiegel.de/images/image-555132-panoV9free-wtpz-555132.jpg )

        • Zu dem traditionellen Kinderreichtum evangelischer Pfarrhäuser gibt es hier sogar einen eigenen Blogpost, @Werner:
          https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/bildung-religiositaet-kinderreichtum-das-beispiel/

          Und bei allem Respekt vor der sächsischen Landespolitik: Die erhöhte Geburtenrate in den neuen Ländern geht auch darauf zurück, dass überdurchschnittlich viele kinderlose Frauen in den vergangenen Jahrzehnten ausgewandert sind…

          Politik ist nicht einfach und selbst der DDR-Diktatur gelang es nicht, für dauerhaften Kinderreichtum zu sorgen. Familienpolitik braucht langen Atem und viel Unterstützung, weil schon heute Wahlen eben nicht von jungen Familien, sondern von Rentnern entschieden werden.

          Als Vater von drei Kindern freue ich mich über konstruktive Stimmen – mit Schimpfen und Verschwörungsvorwürfen alleine wird sich nichts verbessern. (Vgl. das weltweite Versagen von Rechtspopulisten, bis hin zur sich übel zerfleischenden AfD…)

          Ihnen alles Gute, danke für die tagelange Debatte! 🙂

  5. Das große Problem dieses sog. Liberalismus ist, dass er eben nicht die Form von Freiheit meint, die sich viele freiheitsliebende Menschen wünschen. Und dass er sich genau deshalb immer wieder auf einen reinen Wirtschaftsliberlismus reduziert. Wie Freiheit geht, wissen keineswegs Ökonomen am besten.
    Nehmen wir mal ganz empirisch Frau Thatcher, eine glühende Verehrerin von Herrn Hayek: “Friedrich von Hayek, der ihre Orientierung war: “Das ist es, woran wir glauben.” So sprach Thatcher.” (Spiegel)
    Bekanntlich sind es meist die jungen Generationen, die in freiheitlichen Gesellschaften für Freiheiten eintreten, Freiheit, die sie meinen!
    Und diese Generation findet oft ihre Repräsentanten innerhalb der Pop-Kultur: Ganz besonders in GB. Nirgendwo sonst ist oder war die Dichte an berühmten Popmusikern so hoch wie dort!
    Leider mochte genau diese freiheitsliebende Generation die Freiheit, die Frau Thatcher meinte, überhaupt nicht!
    Keine andere politische Figur war den Pop-Künstlern und ihren Anhänger (und das waren enorm viele) so derartig verhasst, wie diese Frau.
    Das lässt sich zeitgleich auch auf die USA übertragen, mit Reagan.: Genau dasselbe Schema! Die Freiheits-Ikone Frank Zappa (geradezu ein Synonym für Freiheit) z.B. ging massiv gegen das “Freiheits-Verständnis” dieser Regierung vor.
    Dazu könnte ich massenweise Artikel verlinken, aber ich denke, das Phänomen ist ohnehin bekannt.
    Die Frage ist immer: Freiheit für wen und welche Freiheit ist gemeint.
    Da bleibt am Ende meist die wirtschaftliche über und die führt eben nicht zu dem, was viele, vllt die meisten Menschen unter Freiheit verstehen.

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