Das Holocaust-Gedenken vor Ort – Das KZ-Sterbelager in Vaihingen an der Enz

Ganz klar: Für das nationale, ja globale Gedenken an die Opfer von Antisemitismus und Rassismus sind große, zentrale Ereignisse wie die historische Rede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Yad Vashem wichtig. Ebenso war auf Landesebene des tapferen Zentrumspolitikers, Staatspräsidenten und Widerstandsmärtyrers Eugen Bolz (1881 – 1945) zu gedenken. 

Doch für mich persönlich habe ich entschieden, statt der “großen” Gedenk-termine öfter die kleineren Gedenkorte zu besuchen, in denen meist Ehrenamtliche – oft seit Jahrzehnten – die Erinnerung an die NS-Verbrechen wachhalten. So besuchte ich diese Woche die KZ Gedenkstätte Vaihingen / Enz. Dieser Ort des Todes war von den Nazis zynisch als “Kranken- und Erholungslager” bezeichnet worden, tatsächlich aber ein menschenverachtendes Sterbelager für Tausende Häftlinge aus über 20 Nationen: U.a. Belgier, Deutsche, Elsässer, Esten, Franzosen, Griechen, Italiener, Jugoslawen, Letten, Litauer, Lothringer, Luxemburger, Niederländer, Norweger, Polen, Rumänen, Russen, Schweizer, Serben, Slowaken, Slowenen, Spanier, Tschechen, Türken und Ungarn. Etwa 15% der Gefangenen waren Juden. Die Verpflegung und Versorgung war menschenverachtend schlecht, es wüteten Krankheiten und SS-Schergen sowie Kapos verübten sadistische Gewalt – in manchen Wintermonaten starben 20% bis 40% aller Insassen!

Dennoch kämpften die zum Sterben Verurteilten bis zuletzt um ihre Würde, beispielsweise durch die Organisation heimlicher christlicher und jüdischer Gottesdienste. Menschen eines nahegelegenen Bauerngutes konnten immer wieder Häftlinge mit etwas Nahrung unterstützen, was ihnen Überlebende später hoch anrechneten.

Ich erspare Ihnen hier Fotos des Grauens – und bitte Sie, wenn Sie die Gelegenheit haben, diese oder andere, regionale Gedenkstätten zu besuchen und mit den eigenen Augen zu sehen, wohin Antisemitismus, Rassismus und übersteigerter Nationalismus geführt haben – und wieder führen würden.

Informationen zur KZ-Gedenkstätte Vaihingen/Enz in: Manfred Scheck (2014), “Zwangsarbeit und Massensterben: Politische Gefangene, Fremdarbeiter und KZ-Häftlinge in Vaihingen an der Enz 1933 bis 1945”, Metropol Verlag

Als das Lager am 7. April 1945 endlich von einem französischen Minenräumtrupp entdeckt und befreit wurde – die SS-Wachen waren längst geflohen – zeigten sich neben furchtbarem Gestank Bilder des Grauens: Umherliegende Leichen inmitten von Fäkalien, ausgemergelte Überlebende (von denen viele nicht mehr gerettet werden konnten) in Lumpen, Krankheiten, Läuse. Etwa 250 Einwohner der Stadt wurden zur Hilfe für die Überlebenden gezwungen und ein französischer Offizier eröffnete ihnen: “Worauf ihr steht, ist heiliger Boden. Wir haben euch hierher gebracht, damit ihr seht, was eure SS angerichtet hat. Schaut sie euch an, die Opfer eines der schändlichsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte.” (Scheck 2014, S. 181)

Nach langem, örtlichen Verschweigen haben deutsche Ehrenamtliche in jahrzehntelanger Arbeit – Vereinsgründung 1989 – ein Gedenkzentrum mit eindrucksvollen Text-, Ton- und Bild-Dokumentationen auf dem Fundament einer ehemaligen Baracke sowie einem nahen Friedhof gestaltet, auch Überlebende und deren Angehörige zum gemeinsamen Gedenken eingeladen. Auch ist ein in mörderischer Zwangsarbeit getriebener Bergstollen zugänglich gemacht worden. Wer hier war – derzeit jährlich rund 2.000 vor allem junger Menschen, Schülerinnen und Schüler -, begreift, dass der Holocaust eben nicht nur in weiter Entfernung, sondern auch mitten in Deutschland stattfand. In einem intensiven – und im Ort stark beachteten – Interview hatte Michael Banholzer von der Vaihinger Kreiszeitung abschließend gefragt:

Frage: Erreicht man mit der Arbeit der KZ-Gedenkstätten wie in Vaihingen die Menschen noch? Oder was müssen wir in Zukunft tun, um antisemitisches Denken zu bekämpfen?

Meine Antwort: Einerseits ist es erfreulich, dass wir wieder ein wachsendes Interesse an Gedenkstätten haben. Die Besucherzahlen steigen. Bundesweit stellen wir auch fest, dass viele Menschen erkennen, dass sie die Demokratie und die Freiheit verteidigen müssen. Andererseits müssen sich Gedenkstätten natürlich auch neu aufstellen. Da geht es zum einen um die Pädagogik und das, was vermittelt wird. Die jüngere Generation beispielsweise fühlt sich selbstverständlich überhaupt nicht schuldig an den Verbrechen der NS-Zeit. Da geht es um die Frage gemeinsamer Zukunft. Zum anderen sind an vielen Gedenkstätten wunderbare Menschen teilweise seit Jahrzehnten aktiv. Da stellt sich die Frage, wie wir jüngere Generationen dafür gewinnen, diese Arbeit weiterzuführen. Deshalb komme ich nach Vaihingen nicht nur als jemand, der erzählt, sondern als einer, der sehr genau schauen und zuhören möchte, wie das in Vaihingen angegangen wird und wie es gelingt.

Das Interview zu den Gefahren des Antisemitismus / Judenhasses mit Michael Banholzer in der Vaihinger Kreiszeitung. Foto: Michael Blume

Es war mir eine Ehre, nach dem Besuch der Gedenkstätte am Abend in einem öffentlichen, voll besuchten Vortrag der Toten zu gedenken, den Ehrenamtlichen zu danken und über die Gefahren des Antisemitismus und Rassismus zu informieren. Hass und Menschenverachtung werden wohl niemals aus allen Herzen verschwinden – doch in Vaihingen an der Enz werden sie von engagierten Menschen konkret vor Ort und mit Respekt vor der Würde der Ermordeten über die NS-Verbrechen informiert und damit auch emotional konfrontiert. Darüber bin ich ehrlich dankbar.

Am 27. Januar 2020, dem 75. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz, werde ich u.a. eine Schule in Mannheim zu Gesprächen & Vortrag besuchen und am Abend bei einer Preisverleihung zugunsten einer engagierten Schülergruppe im Ludwig-Marum-Gymnasium Pfinztal sprechen. In diesem Sinne möchte ich auch Sie, liebe Leserin, lieber Leserin, darum bitten, den Ermordeten einige Momente des Nachdenkens zu schenken. Denn ganz im Gegensatz zu den absurden Vorwürfen der Neonazis geht es beim Gedenken an die NS-Verbrechen überhaupt nicht um einen “Schuldkult” – wir Heutigen tragen keinerlei persönliche Schuld -, sondern um das Lernen aus der Geschichte für unsere gemeinsame Zukunft.

Michael Blume

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft und promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Buchautor, Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger und christlich-islamischer Familienvater. Zuletzt erschienen "Islam in der Krise" (2017) und "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019). Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt... Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren wöchentlich, um Religionswissenschaft zugänglich und diskutierbar zu machen.

38 Kommentare

  1. Sehr viel klarer: Solange der Kreislauf des imperialistischen Faschismus in seiner Symptomatik von “Wer soll das bezahlen?” und “Arbeit macht frei” das Betriebssystem unseres “Zusammenlebens” ist, solange ist das Gedenken (besonders das derer die dem Geschäfts-Sinn im nun “freiheitlichen” Wettbewerb den Weg bereiten) heuchlerisch-verlogener Zynismus!

    • Nein, @hto – der demokratische Rechtsstaat ist nie perfekt, aber keinesfalls einfach „imperialistischer Faschismus“. Vielmehr sind auch im Namen des von Ihnen verehrten Kommunismus / Stalinismus Millionen Menschen ermordet worden – darunter auch russische Überlebende des o.g. Lagers.

      Sie sind ein zynischer Troll, der immer wieder nur die gleichen, digitalen Textbausteine ausspuckt und nicht einmal vor der Würde der Ermordeten Halt macht, ja anderen sogar die Form des Gedenkens vorschreiben will. Mitgefühl und der Respekt vor Mitmenschen sind Ihnen fremd.

      Der Kreislauf zwischen rechtsextremer und linksextremer Menschenverachtung findet in Ihrem eigenen Betriebssystem statt. Und solange Sie da nicht selbst herausfinden, werden Sie in der Einsamkeit Ihrer autoritären Fantasien gefangen bleiben.

      Ihnen von Herzen gute Besserung.

  2. Ihre Bitte an die Leserinnen und Leser, lieber Herr Blume, der Opfer zu gedenken ist mir ans Herz gegangen.
    Ein Bekannter von mir, der Herr Keller, der führt das Projekt “Steine wider das Vergessen”.
    Solche Aktionen müssen publik gemacht werden. Viel, viel Erfolg bei Ihren Aktivitäten.

    • Vielen Dank, @bote. Bitte grüßen Sie Herrn Keller von mir!

      Tatsächlich glaube ich, dass zentrale Gedenkveranstaltungen zwar medial und politisch wichtig sind, aber die tatsächliche Auseinandersetzung mit der Geschichte immer vor Ort stattfinden muss. Dazu gehören „Steine wider das Vergessen“.

      Vielen herzlichen Dank Ihnen und Herrn Keller!

  3. Das Holocaust-Gedenken hat schon mehrere Phasen durchgemacht. Zu Beginn wurde oft von der Singularität dieses Ereignisses gesprochen, einer Singularität in der Menschheitsgeschichte, die nur unter Hitler und dem Nazi-Regime möglich gewesen sei. Später wurden andere Vernichtungskamapgnen (beispielsweise in der Sowjetunion ), denen ebenfalls viele Millionen Menschen zum Opfer fielen mit dem Holocaust in Beziehung gesetzt, der Holocaust wurde also zu einem globalen Begriff für systematische Verfolgung bis hin zur Extermination, er wurde zu einem Code für das Äusserste, was Menschen sich antun können, für das politisch Böse schlechthin. Doch immer noch war der Holocaust ein Gespenst aus der Vergangenheit, aus einer nicht so fernen Vergangenheit zwar, aber doch für immer vorbei. Allerdings stimmte das schon vor 40 Jahren nur dann, wenn man etwa den Genozid der roten Khmer von 1975 bis 1979, dem 2 Millionen Kambodschaner zum Opfer fielen, unter den Tisch fallen liess. Das Massaker von Srebrenica im Juli 1995 zeigte dann, dass bewusste Vernichtungen auch noch heute in unmittelbarer Nähe Europas passieren können.

    Aktuell hat sich das Gedenken an den Holocaust angesichts des wieder aufflammenden Antisemitismus wieder neu orientiert. Denn, war nicht der Antisemitismus das, was den Holocaust überhaupt erst ermöglichte? Greifen nicht völkisch auftretende Politiker die damaligen Vorurteile samt damaligen Sprachbildern wieder auf? Und schaffen damit die Bühne für neue Gräuel?

    Hass steht wohl tatsächlich am Anfang fast aller Pogrome, Genozide und Vertreibungen. Gänzlich zum Verschwinden bringen kann man Hass zudem wohl nicht. Und er allein genügt noch nicht als Grundlage für eine systematische Vernichtung einer Bevölkerungsgruppe. Er genügt nicht, weil die systematische Vernichtung so etwas wie einer Legitimation bedarf. Der Staat selbst samt Institutionen muss dahinter stehen. Und das ist am ehesten in einer kriegsähnlichen Situation möglich, denn im Krieg wird alles möglich, der Krieg rechtfertigt alles. Und er entzieht das Land in dem die Gräuel begangen werden auch der Kritik von aussen, ist doch aussen der Feind.

    • Vielen Dank, @Martin Holzherr. Ich würde Ihren Gedanken gerne noch den Aspekt des Generationswechsels hinzufügen: Solange Täter und Opfer des NS-Holocausts noch lebten, war die Debatte um die Schoah (hebr. Katastrophe) stärker eine von Schuld und Erlösung. Nicht zufällig waren viele gerade auch Linke und Linksextreme erleichtert, ihre antijüdischen Ressentiments auf den Nationalstaat Israel umleiten und sich selbst damit scheinbar entlasten zu können. Andere wollten und wollen den Holocaust durch den Verweis auf andere Verbrechen „wegvergleichen“. Vgl.

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/das-haeufige-vergessen-antisemitische-anschlaege-in-deutschland-nach-1945/

      Nun aber verlieren wir die Zeitzeugen immer mehr und die jüngeren Generationen empfinden (m.E. zu Recht) auch keine Schuldgefühle mehr. Stattdessen wird erkannt, dass die Erinnerung und das kognitive wie auch emotionale Verstehen von Geschichte der beste Schutz für Rechtsstaatlichkeit und Frieden und damit für die gemeinsame Zukunft bildet. Das Erinnern dient nicht mehr der „Vergangenheitsbewältigung“ (was für ein Wort!), sondern dem besseren Weg ins Morgen.

  4. @Martin Holzherr

    „Das Holocaust-Gedenken hat schon mehrere Phasen durchgemacht. Zu Beginn wurde oft von der Singularität dieses Ereignisses gesprochen, einer Singularität in der Menschheitsgeschichte, die nur unter Hitler und dem Nazi-Regime möglich gewesen sei. Später wurden andere Vernichtungskamapgnen (beispielsweise in der Sowjetunion ), denen ebenfalls viele Millionen Menschen zum Opfer fielen mit dem Holocaust in Beziehung gesetzt, …“

    Warum muss da was in Beziehung gesetzt werden? Sind das „Unternehmen Barbarossa“ und der Massenmord an den sowjetischen Juden schon vergessen?
    Zum Nachlesen:
    https://www.yadvashem.org/de/holocaust/about/final-solution-beginning/mass-murder-in-ussr.html

  5. hto,
    lies das Buch! Mich hat nur ein Satz beeindruckt und das reicht.
    Indirekt hängt es mit 1 Korinther 13 zusammen.
    Und nimm dir mal ein Beispiel an den Frauen. Die träumen nicht vom Sozialismus, die träumen nicht vom Himmelreich, die schaffen es.

  6. @bote

    Nachdem ich die Stelle im Korinther gelesen habe, kann ich mir vorstellen was Du meinst, aber da bist Du gänzlich auf die falsche Fährte geleitet worden 😏

    • Klar, @bote – wenn Sie anders denken und glauben als @hto, so sind Sie nach seiner Auffassung Opfer oder gar Teil einer weltweiten Verschwörung (er nennt dies „Bewusstseinsmanipulation“). Und in Dutzenden von Kommentaren, die @hto hier hinterlassen hat – und von denen ich nur die weniger schlimmen freischaltete – werden Sie keinen finden, der freundlich gegenüber anderen Menschen oder auch nur tolerant wäre. Selbst hier, in einem Blogpost über die Ermordeten des NS-Regimes sowie die Menschen, die an sie gedenken – hat er leider wieder nur Verachtung und Verschwörungsmythen für Andersdenkende (also faktisch alle, inklusive seiner „Ex-Genossen“) zu bieten.

      Es ist menschlich so schade (auch um die Ressourcen eines engagierten Kopfes), aber immerhin lehrreich für jene, die die Gefahren von Verschwörungsideologien erkennen wollen…

  7. Michael Blume,
    hto ist für mich kein Unbekannter, er vertritt eine Meinung “außerhalb von Raum und Zeit”. Ihm wird schon noch ein Licht aufgehen. Ihren lieben Gruß habe ich übrigens sofort weitergeleitet.

    hto,
    hier und heute müssen wir uns bewähren. Deswegen lebst du.

  8. @Michael Blume Verschwörungsideologien

    Der paranoide Standpunkt spielt im menschlichen Denken eine hartnäckige Rolle. Ich selber muss auch immer mal wieder gucken, dass ich mir hier so manches nicht zu einfach mache. Nicht alles, was mir nicht passt, ist ein Angriff auf mich und meine Ansichten. Jeder arbeitet für sich, und eckt regelmäßig bei anderen an, die wiederum auch wieder im Wesentlichen für sich arbeiten und auch wiederum überall damit anecken.

    Das gilt nicht nur für handfeste Interessen, wie z.B. die Kontroverse um Harz4 und die Pflicht jede angebotene Arbeit anzunehmen, sondern auch um bloße Ansichten von der Welt. Die unseligen Diskussionen um die RT hier in den Nachbarblogs sind hier ein extremes Beispiel. Öfter denkt sich der Mensch nur irgendwas, und legt sich hier recht schnell ziemlich fest, obwohl andere hier durchaus mehr Ahnung von haben. Diese Übermacht des unbequemen Wissens versucht man dann mit einer fantasierten grundsätzlichen Weltverschwörung abzuwehren.

    Hier wiederum zu mutmaßen, dass es bei den RT-Kritikern eigentlich um Antisemitismus und um einen Angriff auf das Ansehen und das Vertrauen in die Wissenschaft insgesamt geht, ist nun auch zunächst eine paranoide Verarbeitung. Das ist wieder ein Punkt, wo ich mich ehrlich fragen muss, ist das so, so einfach, oder sind die meisten RT-Kritiker einfach doch nur Leute, die die RT einfach nicht verstehen können, und sich damit nicht abfinden wollen. Dass sie nämlich auch sonst vieles, was die Wissenschaft sich erarbeitet hat, einfach aufgrund eigener mathematischen Inkompetenz nicht nachvollziehen können, und damit so unzufrieden sind, dass sie hier die Verschwörungstheorie der Einsicht des eigenen Unvermögen vorziehen.

    Ich kann mich hier an einen Mitschüler aus dem LK-Physik erinnern, der ganz entsetzt war, als wir in der 13. Klasse dann Quanteneffekte durchnahmen. Und fragte mich ganz ehrlich: „Wie, das stimmt alles gar nicht, was wir hier die ganze Zeit gelernt haben?“ Wir hatten die ganzen Jahre die schönen bodenständigen Effekte der Mechanik, Elektrik und der Optik durchgearbeitet, und haben uns daraus ein handfestes Weltbild gebastelt. Und der Lehrer wohl auch. Abweichend vom Lehrplan hat der auf die RT ganz verzichtet, und von der Quantentheorie nur ganz wenig in den Unterricht aufgenommen, mit der Begründung, dass er diesen Unterrichtsstoff selbst nicht verstanden hat.

    Inwieweit jetzt die RT-Kritiker sich einfach ein unbedingt anschauliches Weltbild wünschen, oder ob sie aus politischem Kalkül nur die Unanschaulichkeit der RT ausnutzen, um hier die gewünschte Konfusion zu erzeugen, ist eine schwierige Frage, finde ich.

    • Das gilt nicht nur für handfeste Interessen, wie z.B. die Kontroverse um Harz4 und die Pflicht jede angebotene Arbeit anzunehmen, sondern auch um bloße Ansichten von der Welt.

      Mit dem “Erfolg” den grössten Niedriglohnsektor in Europa geschaffen zu haben soll Gerhard Schröder sogar geprahlt haben.

      Hier wiederum zu mutmaßen, dass es bei den RT-Kritikern eigentlich um Antisemitismus und um einen Angriff auf das Ansehen und das Vertrauen in die Wissenschaft insgesamt geht, ist nun auch zunächst eine paranoide Verarbeitung. Das ist wieder ein Punkt, wo ich mich ehrlich fragen muss, ist das so, so einfach, oder sind die meisten RT-Kritiker einfach doch nur Leute, die die RT einfach nicht verstehen können, und sich damit nicht abfinden wollen.

      Da stimme ich zu. Auffällig ist aber die Energie, die ein Teil der RT-Kritiker in der Verbreitung ihrer Ansichten reinstecken. In meinem persönlichem Umfeld kenne ich auch Leute, die Aussagen dieser Theorie nicht akzeptieren.

      Gruss
      Rudi Knoth

        • Wo brennt es denn da? Übrigens hat die dort genannte Eva Herman sich gegen “Rechts” ausgesprochen. Wollen Sie im Ernst diese Frau auch noch in das “Nazilager” stecken?

          Gruss
          Rudi Knoth

          • @Rudi Knoth

            Dies hier ist ein Blogpost über Besuche einer KZ-Gedenkstätte in Vaihingen an der Enz die von den Nationalsozialisten höhnisch als “Erholungslager” bezeichnet, tatsächlich aber als „Sterbelager“ betrieben wurde. Wenn Sie das Thema schon nicht ansprechen und lieber über Eva Hermans Zugehörigkeit zum “Nazilager” diskutieren wollen: Wäre es denn wirklich zu viel verlangt, wenigstens hier einmal die digitale Verrohung zu bremsen und eine Sprache zu wählen, die die Würde der tatsächlich vom NS Ermordeten achtet?

            Vielleicht finden Sie ja auch einmal die Kraft und den Mut, sich doch noch einmal ernsthaft mit dem eigentlichen Thema dieses Blogposts auseinander zu setzen. Vielen Dank.

  9. Heute im Fußball-Stadion: Zwei große Spruchbänder zum Gedenken an den Holocaust, NIE WIEDER und ERINNERN REICHT NICHT – Da haben diese Menschen absolut recht!

    Ich war nie in einem KZ und brauche das auch nicht, denn ich habe das schon als Kind gewusst was Mensch für eine Bestie sein kann, deshalb habe ich nach Antworten in eindeutiger Wahrheit gesucht die nicht von heuchlerischen Ausreden/Aktionen verdrängt und überlagert werden können, und die gibt es!

    In meiner Heimatstadt gibt es eine Gedenktafel auf der vor allem ein Wort steht was mich im Zusammenhang mit unserer Verantwortung extrem ärgert: HIER ÜBTE WÄHREND DES NS-REGIMES … – Die haben nicht geübt, die haben VERRICHTET. Ausserdem steht da noch … IHRE GEWALTHERRSCHAFT … – Das war nicht ihre, sondern die GESELLSCHAFTLICHE im Kreislauf des zeitgeistlich-reformistischen imperialistischen Faschismus!

    • @hto

      Ich fände es gut, wenn Sie auch einmal den Mut zum Besuch einer Gedenkstätte fänden – vielleicht könnte es dazu beitragen, dass Sie weniger harsch über andere Menschen urteilen und auch die Verbrechen im Namen von Sozialismus und Kommunismus reflektieren.

      Andersdenkende und-glaubende Menschen wie z.B. @bote, die sich wirklich freundlich um Dialog bemühen, sollten Sie ehrlich zu respektieren lernen. Es wäre dies ein guter Anfang.

    • Interessant, @Lars – zum Thema Holocaust-Gedenken und zum Blog-Bericht über den Besuch einer KZ-Gedenkstätte fällt Ihnen nur Norman Finkelstein ein?

      Wow.

      Wenn Sie ein wenig erklären, warum das bei Ihnen so ist, nehme auch ich mir gerne für Ihre Anfrage Zeit.

  10. Ich bin durch Zufall auf seinen Vortrag in Prag im Jahr 2010 gestossen, welcher sehr interessant war. Das hatte aber nichts mit dem aktuellen Holocaust-Gedenken zu tun.

    Ich wuerd nur Ihre Meinung gerne hoeren. Sie beantworten ja auch oft Fragen, die nicht unmittelbar mit Ihrem Artikel zu tun haben.

    • Gerade an der KZ-Gedenkstätte Vaihingen an der Enz kann man m.E. sehen, wie falsch und unfair die These von der „Holocaust-Industrie“ von Norman Finkelstein ist. Diese Gedenkstätte wird seit Jahrzehnten von Ehrenamtlichen gepflegt und entwickelt, die jährlich Tausende von Besucherinnen und Besuchern empfangen, ohne damit Geld zu verdienen. Finkelsteins Thesen werden dem Engagement so vieler Menschen nicht gerecht – nicht zufällig wurde er ja von der NPD gefeiert…

  11. hto,
    wenn du schon die “Hölle” durchgemacht hast, dann habe Verständnis für uns Unerfahrene.
    Und habe Verständnis für die Menschen, die keine eigene Meinung haben, in dem radikalen Sinne, wie du sie anstrebst.
    Die meisten Menschen haben soviel Arbeit, dass sie zufrieden sind, wenn sie den Tagesablauf bewältigen können.
    Wenn du deine Sprüche der Tina auf dem Gemüsemarkt sagst, die schaut dich entweder verständnislos an oder, wenn sie Ärger mit ihrem Mann gehabt hat, wirft sie dir eine Tomate an den Kopf (kleiner Spaß)

  12. Ich empfehle als Gegengift zu Norman Finkelsteins von rechtsradikaler Seite nur zu gerne genutzten Anwürfen am heutigen Tag ein Buch von Primo Levi zu lesen:
    “Se questo è un uomo/Ist das ein Mensch?”
    Lesen, nachdenken und schweigen. Das halte ich an diesem Tag für weitaus angebrachter, als dämlich zu sticheln, Lars.
    Keine Ahnung, was Querschläger wie Sie genau reitet, aber ich kann mir kaum vorstellen, dass es etwas Gutes ist.

    • @Alisier,

      Alisier – 27. Januar 2020 @11:25
      […] als dämlich zu sticheln, Lars.

      „dämlich zu sticheln“ ist in diesem Falle ein untertreibender Euphemismus. Nennen wir es, was es ist: schuldumkehrende Hetze von ganz weit rechts!

      Alisier – 27. Januar 2020 @11:25
      Keine Ahnung, was Querschläger wie Sie genau reitet, aber ich kann mir kaum vorstellen, dass es etwas Gutes ist.

      Lars hat sich (nicht nur) auf diesem Blog als bekennender Anhänger der AfD eingeführt. Man muss sich nicht mehr fragen, was ihn reitet. Sicherlich kein akademisches Interesse an Finkelsteins Thesen …

      Es ist nur eine Frage von wenigen Tagen, dass all die antisemitischen statements von AfDlern sichtbar werden, die diesem Gedenktag an die Befreiung des deutschen Vernichtungslagers Auschwitz zugefügt wurden.

      Grüsse galileo2609

  13. Kleiner Fernsehtipp:
    “Die Kinder von Windermere”, heute um 22:15 im ZDF.
    Um auch an einem solchen Tag die Hoffnung nicht zu kurz kommen zu lassen

  14. @bote
    Ich würde nie sagen die Hölle erlebt zu haben, ich habe andere die Hölle erleben gesehen, während es bei mir nur viel Ärger durch Lügen und Intrigen war.
    Unerfahrenheit, halte ich angesichts der Realität für Heuchelei aus Egoismus, bzw. wettbewerbsbedingter Bewusstseinsbetäubung bis zur Empathielosigkeit.
    Bist Du Privatkrankenversichert?

  15. hto,
    der Spaß mit der privaten Krankenkasse kostet mich im Monat 600 €.
    Die Privaten zahlen ihren weiblichen Versicherten keine Vorsorgeuntersuchung und keinen Mutterschaftsurlaub. Sozial sind die privaten Krankenversicherungen nicht.

    Du unterstellst den Menschen Heuchelei. Das geht zu weit !
    Vorallem bist du nicht klüger als deine Mitmenschen.

    Alisier,
    so weit mir bekannt ist, war Primo Levi auch im diplomatischen Dienst. Ich habe einmal ein Interview mit ihm gehört, er sprach auch deutsch, und er hatte vorallem sehr vernüntige und gemäßigte Ansichten.

    • @H. Wied(bote)

      Klugheit? Da stellt sich die Frage welche Klugheit!?

      # ausserhalb von Raum und Zeit

      Ja, Unwahrheit und stetes “Surfen auf dem Zeitgeist” ist nicht mein Ding 😏

  16. hto,
    mit Klugheit ist der Maßstab gemeint. Soziale Ungerechtigkeit mit dem Holocaust auf eine Stufe stellen, das ist eine Verzerrung des Maßstabes. Deswegen warten die vielen Ehrenamtlichen nicht auf die Endzeit des Sozialismus sondern packen jetzt mit an, auch wenn es nur kleine Schritte sind.

    • Vielen Dank, @H.Wied(bote) – Sie schreiben mir aus dem Herzen. Wer das vor allem ehrenamtliche Engagement konkret der Menschen in Vaihingen/Enz für ein würdiges und zukuftsorientiert-lernendes Gedenken verhöhnt, entlarvt damit auch die Würdelosigkeit der je eigenen Ideologie und Haltung. Diese Engagierten müssen sich weder von Rechts- noch von Linksextremen anpöbeln lassen.

      Ihnen ein großer Dank auch für die bewundernswerte Geduld und Freundlichkeit… 🤗🌇

  17. @bote

    Die VERFÜHRUNG zur kreislaufenden VERKOMMENHEIT fängt nicht erst mit Menschen wie die von Parteien der AfD an!!!

  18. hto,
    du ahnst gar nicht wie Recht du hast mit der kreislaufenden Verkommenheit.Vor 500 Jahren lebte einer der klügsten Köpfe des Abendlandes, Erasmus von Rotterdam.
    Der beschreibt in seinem Meisterwerk “Das Lob der Torheit” die Natur des Menschen, ganz schonungslos und macht auch vor den Reichen, dem Adel, den Königen und dem Papst nicht halt.
    Lies das Buch, es wird dir Freude bereiten und vorallem wird es deinen Wortschatz erweitern, bei deiner Kulturkritik.

    Damit verabschiede ich mich, meine Aufgabe ist erfüllt.

    Michael Blume,
    auch von Ihnen verabschiede ich mich .
    Nach dem Studium von Erasmus von Rotterdam muss ich meine Rolle neu überdenken.
    Bleiben Sie beständig !

    • Vielen Dank, @Wied(bote)! Wenn Ihnen einmal danach sein wird, wieder vorbei zu schauen – gerade auch die Botschaften des großen Humanisten Erasmus wären hier stets willkommen! 🤗👍 📚

      Ihnen alles Gute! 🍀

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