Warum Ludwig Marum (SPD) landes- und bundesweit bekannt sein sollte

Am Mittwoch fuhr ich als Landes-Beauftragter gegen Antisemitismus nach Kislau (Baden), um mich dort – diesmal gemeinsam mit einer Delegation der Grünen – über den Stand der geplanten KZ-Gedenkstätte zu informieren. Am einstigen Bischofssitz hatten die Nationalsozialisten – in badischer Landesträgerschaft – schon ab 1933 ein auch öffentlich so genanntes “Konzentrationslager” betrieben, in dem vor allem politische Gefangene als so genannte “Schutzhäftlinge” interniert wurden. Zu diesen gehörte auch der Landespolitiker und Reichstagsabgeordnete Ludwig Marum (SPD), der sich als engagierter Demokrat sowie als Jude den besonderen Hass der Antisemiten zuzog. Marums sephardische Vorfahren waren einst aus Spanien vertrieben worden und hatten über die Niederlande Deutschland erreicht.

Ludwig Marum, Rechtsanwalt, SPD, Mitglied des Badischen Landtags, MdR, Bad. Staatsrat * Frankenthal 5.11.1882 + Kislau 20.3.1934

Foto: Ludwig Marum 1933, Stadtarchiv Karlsruhe

Unmittelbar nach der Machtergreifung ließen die NS-Schergen Marum und andere badische Demokraten 1933 auf einem offenen Wagen durch eine höhnende Menge in Karlsruhe fahren. Ein knappes Jahr später ermordeten sie Marum in Kislau und versuchten, seinen Tod als Suizid hinzustellen. Doch mit über 3.000 Teilnehmenden wurde seine Beisetzung eine der letzten Demonstrationen gegen das NS-Regime. Auch Marums Tochter Eva Brigitte wurde 1943 im KZ Sobibor ermordet, seine Schwester Anna 1944 in Auschwitz.

Vor Ort nicht vergessen

Bei aller Trauer war ich doch froh zu sehen und zu hören, dass lokale Gedenkinitiativen, sogar nach ihm benannte Schulen, ein Ludwig-Marum-Forum in Karlsruhe und die regionale SPD die Erinnerung an diesen Zeugen der Demokratie wachhielten. Auch am Denkmal für die 96 von der NSDAP ermordeten Reichstagsabgeordneten in Berlin wird ihm gedacht. Leider gibt es jedoch – meines Wissens – noch keinen Gedenkort für den Landespolitiker Marum im Stuttgarter Landtag, obwohl er aus meiner Sicht gerade auch für die badische und damit baden-württembergische Landesgeschichte steht. Ich sagte zu, eine Ehrung Marums auch in Stuttgart sowie den Aufbau des Lernortes “Landes KZ-Kislau” in die Empfehlungen des Antisemitismusberichtes aufzunehmen, den der Landtag von mir für den Juli 2019 angefordert hat.

Mit dem Beauftragten des Landes BW gegen Antisemitismus, Dr. Michael Blume

Foto: Delegationsbesuch an der Gedenkstele Ludwig Marum, Simone Helmschrott

Neben den vielen bereits lokal Aktiven möchte ich gerne auch der grünen Landesvorsitzenden Sandra Detzer, dem Bundestagsabgeordneten Danyal Bayaz und dem – schon länger pro Marum aktiven – Landtagsabgeordneten Manfred Kern für das Interesse und die guten Gespräche danken. Gerade jetzt, da die Hetze nicht zuletzt über das Internet wieder befeuert wird und auf Demonstrationen wieder ungestraft Galgen mit den Namen demokratischer Politikerinnen und Politiker vorgeführt und verkauft werden dürfen, möchte ich eine starke und überparteiliche Initiative zur Erinnerung an das KZ Kislau und an Ludwig Marum schmieden. Unser Rechtsstaat ist es wert, entschlossener gegen diejenigen verteidigt zu werden, die erneut von einem tyrannischen Regime träumen.

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft und spezialisierte sich auf die Hirn- und Evolutionsforschung. Buchautor, Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger und christlich-islamischer Familienvater. Hat auch manches erlebt und überlebt...

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Sie träumen nicht von einem tyrannischen Regime.
    Sie wollen nur die Massenzuwanderung und die damit einhergehende drastische Überfremdung nicht. Und das ist auch ihr gutes Recht.
    Das einige Radikale dabei sind mag sein.
    Aber ein Extremismus in die eine Richtung (von einer gezielten Auslöschungspolitik zu sprechen ist schon lange keine Übertreibung mehr) fördert eben auch Extremismus in die Gegenrichtung.
    Extremismus in die eine Richtung bewirkt eben meist auch Extremismus in die Gegenrichtung.

  2. Da braucht man nur durch manche Bereiche der Städte zu gehen um zu sehen wie drastisch die Überfremdung bereits ist.
    Die Autorin hat offensichtlich auf die Linksradikalen (sogenannte Antifa, etc.) vergessen. Die sind aggressiver als die Rechten.

    • @Markweger

      Wie ja bereits mehrfach geschrieben und erklärt: Sowohl rechter, linker wie auch religiöser Extremismus gehen auf Verschwörungsglauben zurück. Und da gibt es längst eine kulturelle #Querfront, wie sie Tobias Ginsburg in seinem genialischen „Die Reise ins Reich. Unter Reichsbürgern“ eindrucksvoll erklärt.

      Und also muss ich mir als Vater von 3 Kindern von Rechtsgewendeten immer wieder das Gejammer anhören, sie würden „umgevolkt“. Auf meine Frage, warum sie sich denn nicht für eine bessere Familienpolitik einsetzen und auch selbst mehr Nachkommen in die Welt setzen würden, kommt meist nur ein Dazu-kann-ich-nichts-sagen-Gauland.

      Und wirklich auffällig ist das Fehlen von jeder Empathie. Im obigen Blogpost geht es um die Erinnerung an einen gewählten Volksvertreter, der von NS-Schergen ermordet wurde.

      Es gelingt Ihnen kein Wort der Nachdenklichkeit oder des Mitgefühls, stattdessen beschwören Sie im Sinne einer Gefühlsabwehr die #Umvolkung.

      Das ist ja eigentlich traurig, aber für wissenschaftlich interessierte Leserinnen und Leser natürlich auch wiederum sehr interessant…

  3. Es ist immer das Gleiche: Da werden die toten Juden geehrt und die Mörder der lebenden Juden werden gefeiert.

    [Rest gelöscht, M.B.]

    • @Michael Genniges

      Als Mitglied der AfD gehören Sie einer Partei an, die den Antisemiten Dr. Wolfgang Gedeon, MdL nicht ausgeschlossen und den einst wegen seiner „Juden-Tätervolk“-Rede aus der CDU ausgeschlossenen Martin Hohmann zurück in den Bundestag gebracht hat. Ginge es Ihnen wirklich um den Kampf gegen Antisemitismus, dann wäre also mehr als genug zu tun…

      Dass Sie stattdessen auch hier versuchen, Demokraten zu verhöhnen und Juden gegen Muslime auszuspielen, überrascht mich nicht. Aber ich weise Sie gerne darauf hin, dass ich es als eine meiner Aufgaben sehe, genau solche Züge aufzuklären und jeder Form von Antisemitismus und Rassismus die Stirn zu bieten.

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