Samen des Friedens – Hin zu einer Partnerschaft zwischen Juden, Christen und Muslimen

Vor einigen Jahren erhielten Stephan J. Kramer – damals Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland – und ich einen besonderen Auftrag: Wir sollten zwischen zwei Lagern in der gewählten Repräsentanz der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs (IRGW) vermitteln, die sich über den komplexen Neubau der von den Nazis zerstörten Synagoge Ulm verkracht hatten. Das Projekt war akut bedroht.
Unterstützt durch eine Schriftführerin gelang eine Einigung in langen, intensiven Stunden und die Synagoge konnte gebaut, schließlich mit dem damaligen Bundespräsidenten Gauck und Ministerpräsident Kretschmann eröffnet werden.
Gestern ergab sich endlich die Gelegenheit, die Synagoge Ulm und ihren Rabbiner Shneur Trebnik zu besuchen. Es war unglaublich schön, das Gotteshaus nun mitten im Leben zu sehen: den Betsaal, die Studienräume, den Kindergarten, die Mikve u.v.m. Die Gemeinde von ca. 500 Mitgliedern ist jung und kinderreich und gehört längst fest zum Ulmer Leben.
Die Momente und Gespräche habe ich sehr genossen und daher nur wenige Fotos gemacht. Bitte besucht die Synagoge einmal, es finden mehrmals wöchentlich Führungen statt! 🙂
Vor dem Thoraschrein mit dem Ulmer Stadtrabbiner Shneur Trebnik. Foto: privat
Vielen Dank für die Einladung, lieber Shneur, und herzliche Grüße nach Thüringen, lieber Stephan! Danke, dass ich ein Stück des Weges mit Euch gehen konnte…
“Den Willen unseres Vaters im Himmel tun…” – Eine bemerkenswerte Erklärung orthodoxer Rabbiner zu Christentum und Islam
Auf der Rückfahrt von Ulm blätterte ich versonnen in einem bemerkenswerten Band zum jüdisch-christlichen Dialog, den Rabbiner Jehoschua Ahrens (Darmstadt), Karl-Hermann Blickle (Unternehmer & Stifter), Rabbiner David Bollag (Universität Luzern) und Johannes Heil (Rektor der Hochschule für jüdische Studien Heidelberg) gemeinsam herausgegeben haben. Das überaus lesenswerte Buch befasst sich aus verschiedensten Perspektiven mit der “Erklärung orthodoxer Rabbiner zum Christentum. Den Willen unseres Vaters im Himmel tun” vom 3. Dezember 2015.
Es ist dies natürlich nicht die erste, gemeinschaftliche Antwort jüdischer Gelehrter auf den christlich-jüdischen Dialog und die tiefgreifenden Änderungen christlicher Lehren zum Judentum nach der Schoah und dem 2. Vatikanischen Konzil der römisch-katholischen Kirche. Schon in 2000 hatten liberale und konservative Gelehrte mit “Dabru Emet – Redet die Wahrheit” eine wichtige Debatte angestoßen. Doch in mancherlei Hinsicht geht “Den Willen unseres Vaters im Himmel tun” sogar noch weiter.
So eröffnen sie:
Nach fast zwei Jahrtausenden der Feindseligkeit und Entfremdung erkennen wir, orthodoxe Rabbiner, Leiter von Gemeinden, Institutionen und Seminaren in Israel, den Vereinigten Staaten und Europa, die sich uns darbietende historische Gelegenheit: Wir möchten den Willen unseres Vaters im Himmel tun, indem wir die uns angebotene Hand unserer christlichen Brüder und Schwestern ergreifen. Juden und Christen müssen als Partner zusammenarbeiten, um den moralischen Herausforderungen unserer Zeit zu begegnen.
Zumal ich ja neulich erst die antisemitischen Schriften des Landtagsabgeordneten Dr. Wolfgang Gedeon (AfD) ausgewertet hatte, in der er das “Judentum [als] genuin antichristlich” bezeichnet und von einem “fundamentalen religiösen Kampf zwischen Kreuz und Davidstern” geschrieben hatte, bewegte mich schon diese Einleitung. “Ein religiöses Miteinander ist da nicht möglich.”, hatte Gedeon gehetzt. Doch die orthodoxen Rabbiner erklären zum Christentum unter anderem (3. Abschnitt):
Wie Maimonides und Jehudah Halevi vor uns erkennen wir an, dass das Christentum weder ein Zufall noch ein Irrtum ist, sondern gö-ttlich gewollt und ein Geschenk an die Völker. Indem Er Judentum und Christenheit getrennt hat, wollte G-t eine Trennung zwischen Partnern mit erheblichen theologischen Differenzen, nicht jedoch eine Trennung zwischen Feinden. Rabbiner Jacob Emden schrieb, dass „Jesus der Welt eine doppelte Güte zuteil werden liess. Einerseits stärkte er die Torah von Moses in majestätische Art … und keiner unserer Weisen sprach jemals nachdrücklicher über die Unveränderlichkeit der Torah. Andererseits beseitigte er die Götzen der Völker und verpflichtete die Völker auf die sieben Noachidischen Gebote, so dass sie sich nicht wie wilde Tiere des Feldes aufführten, und brachte ihnen grundlegende moralische Eigenschaften bei … Christen sind Gemeinden, die zum himmlischen Wohl wirken und zu Dauerhaftigkeit bestimmt sind. Ihre Bestimmung ist zum himmlischen Wohl und die Belohnung wird ihnen nicht versagt bleiben. Rabbiner Samson Raphael Hirsch lehrt uns, Christen haben „die jüdische Bibel des Alten Testamentes als Buch gö-ttlicher Offenbarung akzeptiert. Sie bekennen ihren Glauben an den G-t von Himmel und Erde, wie ihn die Bibel verkündet, und sie anerkennen die Herrschaft der gö-ttlichen Vorsehung. Jetzt, da die katholische Kirche den ewigen Bund zwischen G-t und Israel anerkannt hat, können wir Juden die fortwährende konstruktive Gültigkeit des Christentums als unser Partner bei der Welterlösung anerkennen, ohne jede Angst, dass dies zu missionarischen Zwecken missbraucht werden könnte. Wie von der Bilateralen Kommission des israelischen Oberrabbinats mit dem Heiligen Stuhl unter Vorsitz von Rabbiner Shear Yashuv Cohen festgestellt, sind „wir nicht länger Feinde, sondern unwiderrufliche Partner bei der Artikulierung der wesentlichen moralischen Werte für das Überleben und das Wohl der Menschheit.“ Keiner von uns kann G-ttes Auftrag in dieser Welt alleine erfüllen.
Absolut lesenswert: Der Sammelband zur Erklärung “Den Willen unseres Vaters im Himmel tun” beim Metropol-Verlag, EUR 19.
Und obgleich diese Erklärung eine Frucht des christlich-jüdischen Dialoges der letzten Jahrzehnte ist, ist die Öffnung auch zum Gespräch mit dem Islam sowie zu weiteren Religionen bereits angelegt.
Wir glauben, dass G-tt viele Boten nutzt, um Seine Wahrheit zu offenbaren, während wir die fundamentalen ethischen Verpflichtungen aller Menschen vor G-tt bestätigen, die das Judentum stets durch den universellen Bund Noahs gelehrt hat.
Und so erläutert der Schriftführer der Erklärung, Rabbi Jehoschua Ahrens in seinem Beitrag auf S. 75 auch:
Obwohl unsere Erklärung speziell jüdisch-christlich war, ist die praktische Zielsetzung ein Trialog zwischen Juden, Christen und Muslimen. Vor allem in Theologie und Glaubenspraxis haben Juden und Muslime viel gemeinsam – mehr sogar als Judentum und Christentum. Aber obwohl sich keine zwei anderen Religionen so nah sind wie Judentum und Islam, gibt es ironischerweise keine zwei Religionen, die weiter auseinander sind. Das hat aber gesellschaftliche, kulturelle und politische Gründe, keine religiösen.
Dialog ist nie leicht und gegenüber dem Gebrüll und der Gewalttaten von Extremisten aller Seiten wirkt er leise und schwach. Doch auf längere Sich vermag er Menschen, ihr Verständnis von Religion(en) und damit auch das Miteinander zu vertiefen und zu verbessern. Frieden und ein respektvolles Miteinander sind möglich. Sie müssen mir das nicht unbesehen glauben. Besuchen Sie doch zum Beispiel einfach einmal eine Führung in der neuen Synagoge in Ulm!
Schabbat Schalom allen jüdischen Freundinnen & Freunden und ein gesegnetes Wochenende allen Menschen guten Willens!

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft und spezialisierte sich auf die Hirn- und Evolutionsforschung. Buchautor, Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger und christlich-islamischer Familienvater. Hat auch manches erlebt und überlebt…

43 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Sehr geehrter Herr Blume,
    Ihre Bemühungen um einen Dialog zwischen den genannten
    3 Religionen sind bemerkenswert. Auf politischer Ebene sollte
    das auch möglich sein. Tatsache ist aber:
    1. Das Volk Israel wartet immer noch auf ihren Messias, glauben
    aber nicht – abgesehen von Ausnahmen – dass es Jesus Christus
    (gekreuzigt vor ca. 2 000 Jahren) sein könnte.
    2. Der Islam ist gespalten in Schiiten und Sunniten und kämpfen
    um die Vormachtstellung, teilweise weltweit.
    Beide bekämpfen aber den Staat Israel.
    3. Die sogenannte Christenheit hat kaum noch Ähnlichkeit mit
    der ursprünglich in Jerusalem entstandenen 1. charismatischen
    Gemeinde, beruft sich aber auf diese und ist außerdem zersplittert.
    In Anbetracht der allgemein ernsten Weltlage, habe ich einen Artikel
    ins Internet gestellt:
    http://www.4-e-inigkeit.info/Bruderkrieg.htm
    Werde Ihnen wahrscheinlich eine zeitlang auf Twitter folgen.
    M. f. G.
    @wi_bue2

    • @wi_bue2

      Lieben Dank – leider führt der Link bislang ins Off.

      Ihren Punkten will ich nur teilweise widersprechen.

      1. Juden, Christen und Muslime warten jeweils auf den Messias. Christen und Muslime glauben, dass es Jesus sein wird, die jüdische Tradition legt sich nicht fest (erwartet aber einen Juden). Ich sehe hier viele gute Argumente für einen Trialog über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Hoffnung.

      2. Auch das Christentum hatte eine Zeit schmerzhafter Spaltungen und Konfessionskriege, u.a. den 30jährigen Krieg in Europa. Die jüdische Tradition lehrt, dass der Untergang Jerusalems und des Zweiten Tempels durch interne Konflikte ausgelöst worden sei.

      3. Ja, jede lebendige Religion entwickelt sich und fächert sich auf. Das Christentum ist die bislang größte Weltreligion der Geschichte…

      Ende des Monats erscheint mein Buch “Islam in der Krise” bei Patmos. Es würde mich freuen, wenn es Ihr Interesse fände und bin meinerseits auf Ihren Text gespannt. 🙂

      • 10.08.2017
        Michael Blume
        Zitat 05.08.2017:
        Ende des Monats erscheint mein Buch “Islam in der Krise” bei Patmos. Es würde mich freuen, wenn es Ihr Interesse fände und bin meinerseits auf Ihren Text gespannt.
        >
        Vorspann:
        Buch: Islam in der Krise (06.08.2017 – Homepage Blume

        »Nein, der Islam ist noch nicht tot, doch er gleicht einem Schwerkranken, der vor Verzweiflung und Schmerz um sich schlägt. Und erst, wenn wir – Nichtmuslime und Muslime gleichermaßen – dies realistisch wahrnehmen und verstehen, besteht die Chance auf eine bessere, gemeinsame Zukunft.«

        Dr. Michael Blume
        =
        Sehr geehrter Herr Blume,
        den o. g. Vorspann habe ich mir inzwischen zu Gemüte geführt.
        So wie es aussieht, wird es vorerst noch keine bessere Zukunft geben.
        Nicht nur die Religionen bekämpfen sich gegenseitig, außer wenn es um Geschäfte
        geht. Selbst in den Medien beschimpft ein Esel den anderen als Langohr.
        Und was die sogenannte christliche Religion – deren Grundlage doch die Bibel
        sein sollte – mittlerweile hervorzaubert, kann man unter:
        > http://www.n-tv.de/19941653 (s. Anlage)
        bewundern.
        Aus Sicht der Bibel ist jedoch mit einer weiteren, allen Weltanschauungen
        überragende geistige und geistliche Evolution zu rechnen.
        Darunter fallen sämtliche Religionen (einschließlich Atheismus, Okkultismus usw.).
        In dieser Richtung gibt es mehrere, aufschlussreiche Artikel unter:
        > http://www.4-e-inigkeit.info/4-einigkeit/4-e-ues-.htm
        allerdings in E-book – Format
        und zwar deswegen, weil parallel dazu im Internet so ein Exemplar mit den gleichen
        Artikeln zur Verfügung steht.
        Es reicht, wenn man bei Google > 379414 Wilh < eingibt = mehrere Verkäufer.
        Vom Verlag wurde diese Kombination (Bestellnummer) irrtümlich als Suchbegriff
        nebst ISBN-Nr. vermarktet.
        M. f. G.
        W. B.
        =
        Anlage:
        Dienstag, 18. Juli 2017
        Einsatz im Persischen GolfUS-Marine zeigt Wirkung von Laserwaffe
        Die erste Laserwaffe der Welt erweist sich laut US-Marine als äußerst effektiv. Aufnahmen zeigen den Einsatz der Waffe gegen Flugkörper und Boote. Ein Nachfolgemodell ist bereits in Planung – es soll noch ganz andere Bedrohungen abwehren können.
        Drei Jahre nach Beginn der Tests ist die erste Laserwaffe der Welt bereit für den Ernstfall. Sie ist mittlerweile fest auf dem für amphibische Operationen ausgerüsteten Schiff "USS Ponce" installiert, welches im Persischen Golf stationiert ist. Der US-Sender CNN zeigt nun Aufnahmen, welche die Wirksamkeit der Laserwaffe mit dem Namen LaWS (Laser Weapons System) unter Beweis stellen: Zuvor gestartete Drohnen werden von dem Laser "augenblicklich" außer Gefecht gesetzt.
        Das Video aus dem Bedienraum des Schiffs zeigt dabei, wie ein Drohne nach Beschuss zu Boden trudelt. Dabei erzeugt der Laser am Flügel Temperaturen von mehreren tausend Grad, setzt die Konstruktion in Brand und bringt das Flugobjekt dadurch zum Absturz. Auch kleinere Boote kann die Waffe ausschalten, indem sie gezielt den Motor zerstört.
        Ein großer Vorteil der Waffe sei ihre leichte Bedienbarkeit, schwärmt der zuständige Offizier Cale Hughes: "Wir müssen uns nicht um Winde, die Entfernung oder irgendetwas anderes Gedanken machen. Wir sind in der Lage, ein Ziel mit Lichtgeschwindigkeit anzugreifen." Auch müsse bei der Waffe nicht vorgehalten – also Abweichung der Waffe mit einkalkuliert – werden, um ein Ziel zu treffen.
        Nur ein Dollar pro Schuss
        09.04.13 Warnung an den IranUSA testen Laser-Kanone am Golf

        09.04.13 Navy zeigt AnimationsvideoWie die Laser-Kanone funktioniert
        "Es ist nur zielen und schießen", so Hughes. "Wir sehen ein Ziel wir fokussieren und wir zerstören es." Die Waffe ist dabei so präzise, dass sie laut US-Marine im Kriegseinsatz Kollateralschäden vermeiden helfen könnte. Zugleich ist das System vergleichsweise kostengünstig. Der 40-Million-Dollar Laser benötigt nur Strom für den Betrieb. Ein einziger Schuss soll lediglich einen Dollar kosten.
        Die Laserwaffe habe sich in den vergangenen drei Jahren als sehr effektiv erwiesen, so Hughes. Mittlerweile baut die US-Marine bereits an der zweiten Generation von Laserwaffen. Diese sollen dann in der Lage sein, auch Raketen abzuwehren und zu zerstören. Allerdings ist bislang die vieldiskutierte Frage noch offen, ob nicht eine simple Verspiegelung von Objekten diese vor dem Laser schützen könnte.
        Quelle: n-tv.de , kst

  2. Zitat:“Aber obwohl sich keine zwei anderen Religionen so nah sind wie Judentum und Islam, gibt es ironischerweise keine zwei Religionen, die weiter auseinander sind. Das hat aber gesellschaftliche, kulturelle und politische Gründe, keine religiösen.”</em

    Das säkulare Umfeld scheint mir ein wichtiger Grund, warum Christentum und Judentum heute besser miteinander umgehen können. Christen und Juden müssen sich nicht mehr gegeneinander positionieren, sondern allenfalls gegenüber einer einem wenig religiösen Umfeld. Auch das Missionarische ist bei den Christen zurückgegangen und bei den Juden nie besonders gross gewesen.
    Beim Islam als Religion kann ich mir eine Akzeptanz, ein Nebeneinaderleben von Säkularen und Religiösen weniger gut vorstellen, zumal der Islam sowohl Religion als auch Gesellschafts- und Staatsform prägen will. Dass Islam und Judentum besonders weit auseinanderliegen, verwundert zudem auch historisch nicht, denn schon Mohamed ging gegen die Juden vor und entsprechende Stellen finden sich im Koran.

    Der Islam ist noch eine klassische monotheistische Religion – so wie es das Judentum und das Christentum früher auch einmal waren. Viele Entwicklungen und Erfahrungen, die Judentum und Christentum gemacht haben, fanden im Islam nicht statt oder haben keine dauernde Spuren hinterlassen.

  3. Dialog […]
    Doch auf längere Sich[t] vermag er Menschen, ihr Verständnis von Religion(en) und damit auch das Miteinander zu vertiefen und zu verbessern.

    Religion ist privat, das Private darf zu Hause bleiben.
    Der Humanist bedarf ihr nicht. – Zudem ist auch die jüdische Religion nicht OK, vgl. auch hiermit :
    -> https://de.wikipedia.org/wiki/Goi_(Nichtjude)

    Religion unterscheidet, diversifiziert und diskriminiert, sie darf gerne zu Hause bleiben.

    Auch das Judentum, im religiösen Sinne, ist nicht OK; bei besonderem Bedarf wird der Schreiber dieser Zeilen den Talmud zitieren.

    MFG
    Dr. Webbaer

    • @Webbaer

      Haben Sie die verlinkte Erklärung denn tatsächlich gelesen? Hier werden Nichtjuden und andere Religionen sehr respektvoll, u.a. als Kinder Noahs, angesprochen…

      Gerne interessiert mich auch Ihr Eindruck vom Talmud.

      • Micahel Blume,
        …….Hin zu einer Partnerschaft…..
        Ist das auch die offiziele Meinung der Juden in Israel?
        Das wär ja sehr erfreulich, wenn es zwischen Juden und Christen keine unüberwindlichen Hindernisse mehr gäbe.

      • Ist hier gelesen worden, lieber Herr Dr. Blume, der Humanist kann allerdings bei Aussagen der Art ‘Vor allem in Theologie und Glaubenspraxis haben Juden und Muslime viel gemeinsam – mehr sogar als Judentum und Christentum.’ nicht zustimmen, Sie womöglich ebenfalls nicht.
        Und zudem ist der Goy, Heide oder Kaffer nicht so-o “amused”, wenn er derart adressiert wird, Trennendes betonend; der Schreiber dieser Zeilen ist auch vom immer häufiger, auch von bundesdeutsch staatlichen Stellen, gebrauchten Begriff des Nicht-Muslims wenig erfreut.

        Das Judentum ist u.a. auch deswegen cool, weil es das Verhältnismäßigkeitsprinzip eingeführt hat, was natürlich zu Zeiten des Faustrechts revolutionär war, zudem gelten oder sind (gerade auch : orthodoxe) Juden recht freundlich und gebildet. [1]
        Jesus (Christus) war womöglich nur im Judentum möglich, das den Dialog sozusagen erfunden hat.
        Im Negativen und insbesondere aus humanistischer Sicht ließe sich hier aber auch etwas finden, der Schreiber dieser Zeilen ist bspw. recht erfreut, dass es nicht Milliarden (orthodoxe) Juden gibt, vielleicht mögen Sie hier zustimmen.
        Mit einschlägigen Talmud-Zitaten, Nicht-Juden meinend, möchte der Schreiber dieser Zeilen das hiesige Kommentariat nicht belasten, Sie kennen ja das Gemeinte.

        MFG + schöne Woche noch,
        Dr. Webbaer

        [1]
        Sicherlich nicht gänzlich “politisch korrekt” angemerkt, aber Juden, gerne auch säkulare, sind mit die Hochleister der hier gemeinten Zivilisation, ihr Humor ist bspw. großartig und ihre Leistungen können kaum bestritten werden, sie sind sicherlich in gewissem Sinne ein auserwähltes Volk.
        (Ganz ernst gemeint, großartige Leutz, Sie legen ja immer auch ein wenig Wert auf die Wahrhaftigkeit der Nachricht im Feedback, also bspw. Woody Allen ist auch allgemein politisch, ob liberal, links oder rechts, sicherlich ein Ausnahme-Talent, viele Wissenschaftler ebenfalls, no problem here!
        Privatim angemerkt : womöglich wird Dr. W noch jüdischer Großvater, äh, also Großvater von Juden.)

        • Lieber @Webbaer,

          vielen Dank für Ihren wieder mal anregenden Kommentar – mit der wie bei einem Kippbild verblüffend neuen Argumentationsstruktur gegenüber dem Letzten…

          Mir scheint, dass Sie an einem Punkt mit sich und anderen ringen, den auch @Bernd Ehlert und @Martin Holzherr miteinander debattieren: Die evolvierte Neigung des Menschen, sich in Gruppen zu organisieren, seine “Groupishness”.

          Dies eröffnet einerseits Identifikations- und Kooperationschancen mit anderen Gruppenmitgliedern, schafft aber auch eine Abgrenzung zu den Nicht-Gruppenmitgliedern. Dem Humanisten stehen die Nichthumanisten gegenüber, der Jüdin die Nichtjuden, dem Christen die Nichtchristen, dem Deutschen die Nichtdeutschen usw.

          Erfreulicherweise ist aber die Art, wie Gruppen Nichtmitglieder betrachten, nicht auf schroffe Exklusivität einerseits oder – Gruppengrenzen auflösenden – Relativismus andererseits beschränkt. Juden, Christen und Muslime müssen Nichtjuden, Nichtchristen und Nichtmuslime nicht als – wie Sie es aufreihen – Goy, Heide oder Kaffer (gemeint war: Kuffar?) abwerten. Möglich sind auch “inklusive” Theologien, die den Nichtmitgliedern ihre je eigene Identität zugestehen und dennoch den Blick auf Gemeinsames und Wertschätzendes richten. Ob Kind Noahs (Judentum), “Strahlen der Wahrheit” (2. Vatikanisches Konzil, v.a. Nostra Aetate und Lumen Gentium) oder “islamischer Humanismus” (Prof. Khorchide, Islam) – vieles bleibt möglich, um Differenz und damit Freiheit zu ermöglichen und gleichzeitig fried- und respektvoll zusammenzuleben. Auch in Familien! 😉

          Wie Sie ggf. wissen, halte ich Lord Rabbi Jonathan Sacks für einen der bedeutendsten europäischen Intellektuellen unserer Zeit. Sein Vortrag “To heal a fractured world” richtet sich an die jüdische In-Group und hat doch eine enorme Wirkung weit darüber hinaus. Er ist in Englisch, aber m.E. jede Mühe wert:
          https://www.youtube.com/watch?v=seiAyrDXKkg

          Ihnen weiterhin alles Gute – und Danke nicht nur für Ihr Interesse, sondern auch Ihr transparent gemachtes “Ringen”! (Ihre Kommentare sind zuletzt auch lesbarer und damit verständlicher geworden.)

  4. Zitat: „Wie Maimonides und Jehudah Halevi vor uns erkennen wir an, dass das Christentum weder ein Zufall noch ein Irrtum ist, sondern gö-ttlich gewollt und ein Geschenk an die Völker. Indem Er Judentum und Christenheit getrennt hat, wollte G-t eine Trennung zwischen Partnern mit erheblichen theologischen Differenzen, nicht jedoch eine Trennung zwischen Feinden.“

    Wie sieht dieses „Geschenk“ von der Evolution her aus? Um dieses „Geschenk“ evolutionär zu verstehen, bietet sich zunächst das Gottesverständnis von Kant an. Demnach erlässt nicht ein Gott als „weiser Weltregierer“ moralische Gesetze, sondern bestimmte Lebensumstände erfordern ein bestimmtes (neues) Verhalten, das nur deswegen als göttlich verursacht angesehen wird, „um jenen Gesetzen Effekt zu geben“. So sagt Kant:

    „Wenn aber praktische Vernunft nun diesen hohen Punkt erreicht hat, nämlich den Begriff eines einigen Urwesens, als des höchsten Guts, so darf sie sich gar nicht unterwinden, gleich als hätte sie sich über alle empirischen Bedingungen seiner Anwendung erhoben, und zur unmittelbaren Kenntnis neuer Gegenstände emporgeschwungen, um von diesem Begriffe auszugehen, und die moralischen Gesetze selbst von ihm abzuleiten. Denn diese waren es eben, deren innere praktische Notwendigkeit uns zu der Voraussetzung einer selbständigen Ursache, oder eines weisen Weltregierers führte, um jenen Gesetzen Effekt zu geben, und daher können wir sie nicht nach diesem wiederum als zufällig und vom bloßen Willen abgeleitet ansehen, insonderheit von einem solchen Willen, von dem wir gar keinen Begriff haben würden, wenn wir ihn nicht jenen Gesetzen gemäß gebildet hätten. Wir werden, soweit praktische Vernunft uns zu führen das Recht hat, Handlungen nicht darum für verbindlich halten, weil sie Gebote Gottes sind, sondern sie darum als göttliche Gebote ansehen, weil wir dazu innerlich verbindlich sind“ (Kant KRV, B8460-847).

    Angewendet auf die Entstehung des Christentums mit seinem „Geschenk“ eines neuen Gottesbildes heißt das, dass das jüdische, alttestamentliche Gottesverständnis noch auf die alten Lebensweise ausgerichtet war, in der es ein göttliches Gebot war, die direkten Nachbarvölkern zu vernichten (um selbst bessere Überlebenschancen zu besitzen). So heißt es im fünften Buch Mose/Deuteronomium, Kapitel 20, Vers 13-17 (Einheitsübersetzung):„darfst du nichts, was Atem hat, am Leben lassen. Vielmehr sollst du die Hetiter und Amoriter, [..] der Vernichtung weihen.“

    Ganz im Gegensatz zu diesem alttestamentlichen Verhalten besteht das zentrale Thema im neutestamentlichen Christentum in der völkerübergreifenden Nächstenliebe. Im Verständnis von Kant und der Evolution gibt es darin keine Widersprüche, d.h. aufgrund der evolutionären Entwicklung der Entstehung immer größerer Reiche ist ein neues Verhalten der Völker untereinander nötig, dem schließlich durch ein neues Gottesbild „Effekt“ verliehen wird.
    Im religiösen Verständnis ist der Vorgang dagegen nicht nachvollziehbar, denn warum sollte der Gott plötzlich sein Wesen ändern und völlig gegensätzliche Gebote vorgeben, statt Völkermord plötzlich völkerübergreifende Nächstenliebe? Sieht man diese theologischen Differenzen als „Geschenk“ an, müsste man konsequenterweise die Schoah sowie die jahrtausendealte Gewalt im sogenannten „Heiligen Land“ auch als dieses ansehen.

    Kann das heutige religiöse Verständnis den beabsichtigten „Frieden“ jemals erreichen? Wohl ebensowenig wie mit dem Verständnis, dass Seuchen die Strafen Gottes sind, die Seuchen auszurotten sind. Für die moderne Naturwissenschaft als Folge der Aufklärung ist es heute selbstverständlich, Seuchen wie Ebola in den Griff zu bekommen und auszurotten. Genauso könnte ein aufgeklärtes Verständnis auch die jahrtausendealte Gewalt im „Heiligen Land“ endlich beenden und überwinden. Im Grunde müssten die Menschen dazu nur wieder ihre (nicht mehr passenden) Gottesbilder aufgeben. Von der evolutionären Entwicklung her wäre es in der heutigen globalisierten Welt Zeit dazu.

  5. @Bernd Ehlert: Glaubensgemeinschaften sind zuerst einmal Gemeinschaften. Viele Phänomene in solchen menschlichen Gemeinschaften tauchen sowohl in religiösen wie in säkularen Gemeinschaften auf. Das Verschwinden der Religion wird deshalb die Feindschaft zwischen Juden und Muslimen nicht von sich aus beenden – zumal das sowieso nicht passieren wir. Das haben sie allerdings auch nicht vorgeschlagen, sondern nur, es müssten (Zitat)“die Menschen dazu nur wieder ihre (nicht mehr passenden) Gottesbilder aufgeben” Zustimmung: Etwas andere Gottesbilder könnten eine Annäherung zwischen Juden und Muslimen erleichtern, vor allem könnten sie die religiöse Komponente, die religiöse Rechtfertigung für Hass und Gewalt, beseitigen. Das wäre schon viel – auch wenn es nicht genügen würde um die Auseinandersetzung zu beenden. Das “nur” in ihrem Satz (Zitat)“die Menschen dazu nur wieder ihre (nicht mehr passenden) Gottesbilder aufgeben” zeugt in jedem Fall von zuviel Optimismus und zu einfachen Vorszellungen. Praktikabel ist ihr Vorschlag zudem kaum, ausser es gäbe eine Art ökumenische Treffen zwischen Juden und Muslimen und dies würde in der Folge die Predigten von Rabbinern und Imamen entsprechend ändern.

  6. @Martin Holzherr: Zitat: „Glaubensgemeinschaften sind zuerst einmal Gemeinschaften“.

    Ja, ich geben Ihnen recht, dass es „nur“ mit der Aufgabe der Gottesbilder nicht getan ist, einen wirklichen Frieden zu erreichen. Denn das hat auch etwas mit der Natur des Menschen zu tun. Der Mensch besitzt eine gespaltene Natur, was einerseits schon bei Kant auftaucht, wenn dieser sagt, „daß es zwei Stämme der menschlichen Erkenntnis gebe, die vielleicht aus einer gemeinschaftlichen, aber uns unbekannten Wurzel entspringen, nämlich Sinnlichkeit und Verstand, durch deren ersteren uns Gegenstände gegeben, durch den zweiten aber gedacht werden“ (Kant KRV, B29). Ganz konkret ist das dann bei dem Biologen Edward O. Wilson in seinem Buch „Die soziale Eroberung der Erde“ (2013) zu finden, wenn er das u.a. im folgenden Zusammenhang feststellt: „Wir sind ein evolutionäres Mischwesen, eine Chimärennatur, wir leben dank unserer Intelligenz, die von den Bedürfnissen des tierischen Instinkts gesteuert wird. Deswegen zerstören wir gedankenlos die Biosphäre und damit unsere eigenen Aussichten auf dauerhafte Existenz“ (Wilson 2013, S. 23).

    Im Kapitel „Stammessysteme als grundlegendes menschliches Merkmal“ beschreibt Wilson in dem erwähnten Buch einen der wichtigsten Instinkte des Menschen. Das genannte grundlegende menschliche Merkmal ist bei Wilson die Gruppenbildung des Menschen un d die damit einhergehende Gruppenselektion. Der Mensch ist von Natur aus kein Einzelwesen, sondern er braucht gemäß Wilson eine Gruppe oder einen Stamm, der ihm einen Namen, eine Identität und soziale Bedeutung verleiht, woraus der Mensch, wie es Wilson ausdrückt, tiefste Zufriedenheit und Stolz aus familiärer Verbundenheit schöpft (vgl. Wilson 2013, S. 75). Die andere Seite dieser Medaille ist die Bereitschaft, sich gegen rivalisierende Gruppen engagiert zu verteidigen, bzw. umgekehrt im Angriff auf rivalisierende Gruppen entscheidende Vorteile für das eigene Überleben zu erlangen. Die Erhöhung der eigenen Gruppe ist dabei gleichbedeutend mit der Diskriminierung rivalisierender Gruppen, was bis zu dem hin geht, was wir Rassismus und Völkermord nennen.
    Dieser Instinkt macht sich auch in der Organisation moderner Gesellschaften bemerkbar. Die »Stämme« in den modernen Gesellschaften sind gemäß Wilson etwa ein Sportverein, eine religiöse, politische oder wissenschaftliche Gemeinschaft, ein Gartenverein usw. Ein Mensch kann, wie Wilson es ausdrückt, heute in der modernen Gesellschaft verschiedenen, sich überlappenden »Stämmen« angehören. Gerade beim Sport und hier besonders in den Derbys benachbarter Vereine oder »Stämme« treten die Emotionen offen zutage, mit denen dieser Instinkt gesteuert wird, bzw. das Verhalten, zu dem diese Emotionen den Menschen (besonders im Kriegsfall) treiben können.

    Eine besondere Ausdrucksform dieses Instinktes ist die Religion. „Wir sind das auserwählte Volk“, „unser Gott ist der alleinige und wahre Gott“. Solche religiösen Vorstellungen schweißen einen Stamm zusammen, zumal der mit übernatürlicher Macht ausgestattete Gott auch noch den Individuen ein ewiges und gottgleiches Leben verspricht. In diesen Aussagen und Vorstellungen ist jedoch gleichzeitig die Diskriminierung aller anderen Götter als minderwertig und falsch enthalten – und damit das Motiv für religiöse Auseinandersetzungen und Kriege, wie sie im sogenannten „Heiligen Land“ seit Jahrhunderten herrschen.
    Ich gebe Ihnen nun recht, dass allein die Aufgabe der Gottesbilder die Konflikte nicht sofort entschärfen würden, denn für den zugrundeliegenden Instinkt der Gruppenselektion ist das nur ein Unterscheidungsmerkmal (wenn auch ein gewichtiges). Ein anderes Unterscheidungsmerkmal kann eine dunklere Hautfarbe sein (wobei gleichzeitig ein dunklerer Hautton in der eigenen Gruppe ein Schönheitsideal sein kann) oder irgendein anderes Merkmal.

    Wie Wilson weiter schreibt, haben jahrelange Versuche in der Sozialpsychologie gezeigt, wie schnell und entschieden sich Menschen in Gruppen aufteilen und dann zugunsten der einen Gruppe, der sie angehören, diskriminieren (vgl. Wilson 2013, S. 77). Auch wenn in diesen Versuchen die Gruppen willkürlich zusammengestellt wurden, kam es in den vorgegebenen Interaktionen immer zu der Bevorzugung der jeweiligen Eigengruppe. Das Unterscheidungsmerkmal der Gruppen ist dabei völlig willkürlich, entscheidend ist, dass sich Gruppen irgendwie unterscheiden lassen.

    Die Aufgabe des Gottesbildes würde daher zwar nicht automatisch mit einer Lösung der Konflikte einhergehen, trotzdem halte ich daran fest, dass das ein wichtiger Schritt in der weiteren Evolution des Menschen ist. Denn dadurch würde der Weg frei dahin, die Herkunft des Menschen nicht als göttlich und übernatürlich zu verstehen, sondern als rein natürlich und darin versehen mit einem animalischen Erbe (der Instinkte), das bis in die höchste Geistigkeit des Menschen hinein wirkt.

    In der Steinzeit war es eine gute Überlebensstrategie, rivalisierende Nachbarvölker auszulöschen. Dieses Verhalten ist im Alten Testament noch ein göttliches Gebot. Zu den heutigen Zeiten von großen Reichen und Staaten, die viele Stämme umfassen und die zudem nicht mehr vom Jagen und Sammeln, sondern von Güterproduktion und Handel leben, ist es kein angepasstes Verhalten mehr, erst recht nicht, wenn Massenvernichtungswaffen zur Verfügung stehen.
    Das Problem ist allerdings, dass dieses heute unangepasste Verhalten der Gruppenselektion in unseren Genen als Instinkt fest verankert ist. Bloße moralische Gebote (des neutestamentlichen Gottes) stoßen hier an Grenzen. Um etwa die Konflikte im Heiligen Land zu lösen, bedarf es einer Aufklärung im Sinne der Evolutionstheorie, in der der Mensch aus dem Tier entstanden ist, ein animalisches Erbe weiterhin in seinen Genen trägt und die Vorstellung von übernatürlichen Kräften und Wesen zwar der emotionalen Gemütslage des Menschen dient, diese Vorstellungen aber objektiv allesamt nicht wahr sind.

    Das einzige mit dieser Aufklärung kompatible „Gottesbild“ ist das der griechischen Philosophie bzw. der daraus entstandenen „negativen Theologie“. Das Absolute oder G-ttliche darf man darin nicht nur nicht aussprechen und sich davon kein Bild machen, sondern es entzieht sich jeder menschlichen Vorstellung und Verehrung, d.h. es ist keine Person, ist nicht gut, besitzt kein Sein, rettet nicht unser Sein usw. Doch wie das mit unseren genetisch fest verankerten Emotionen und Instinkten in Einklang bringen?

  7. Einige “unheilige” Bemerkungen:

    Hier wird über den Frieden gesprochen, als sei er das höchste Ziel. Aber vielleicht ist “Frieden” nur eine Sekundärtugend. Etwas, was wichtig ist, aber nicht unter allen Umständen zu verfolgen ist.

    Mittlerweile werden in den Geschichtswissenschaften faszinierende Fragen gestellt, etwa “Wie Europa die Welt eroberte”, und man stellt sich vor, was denn wäre, wenn die Menschen pazifistisch gewesen wären. Meine These: Dies hätte zu einer gelebten “Nachhaltigkeit” geführt bis zum Verlöschen der Sonne oder dem nächsten Meteoriteneinschlag.

    Ich drücke es einmal provokativ aus: Ewiger Friede hätte in die ewige Sackgasse geführt.

    Und heute? Solange wir noch auf einem Planeten zusammenrücken müssen, ist Frieden ohne Zweifel wichtig. Nach dem Sprung in den Orbit und darüber hinaus, verflüchtigt sich die Frage nach dem Frieden. “Eroberungen” und Imperien sind dann keine lohnenden und den Ehrgeiz befriedigenden Ziele mehr.

    Das hat einige nichttriviale Konsequenzen: Der Mensch hat es nicht nötig, moralisch “getuned” zu werden. Er ist o.k. Er hätte, wenn wir also dem Leben insgesamt eine Perspektive über den Planeten hinaus geben wollen, gar nicht anders sein dürfen.

    Kommen wir zur Rolle der (Buch-) Religionen. Spielten sie in der Enwicklung überhaupt eine Rolle. Ganz sicher. Eine der subtilsten war die Verankerung der Vorstellung “nach oben in den Himmel zu kommen” (Die Idee der Raumfahrt z.B. hätte bei asiatischen Religionen viel schlechtere Wachstumsbedingungen vorgefunden.)

    Und jetzt? Sehen wir die Religion (und denken da wieder die Offenbarungsreligionen) als “Booster”, die nach dem Brennschluss “abgeworfen” werden können. Sie haben ihren Sinn erfüllt und werden in der alten Form immer mehr zu einer Belastung.

    Sie haben ihre Schuldigkeit getan, sie können gehen.

    MfG H.-J. S.

  8. “Ewiger Friede hätte in die ewige Sackgasse geführt.”

    So spricht vor allem ein Jünger des Wachstumwahns, der glaubt keine Zeit zu haben, der von Nachhaltigkeit spricht, aber tatsächlich vor nichts wirklichen Respekt hat, so das Zukunft eben auch nur ein hohles Wort bleibt!?

    Religion ist nur deshalb ein belastendes Problem, weil sie eben AUCH nur mit systemrationaler Unwahrheit betrieben wird!!!

    • “So spricht vor allem ein Jünger des Wachstumwahns”

      Ja. Auf den Punkt gebracht.

      Allerdings würde ich es nicht “Wahn” nennen. Sie wissen doch: Dem einen sin Uhl ist dem andern sin Nachtigall. Und so ist dem einen sin Wahn dem andern sin Erleuchtung.

      Also: nach welchen Kriterien entscheiden Sie, ob “Wahn oder Erleuchtung”?

      MfG H.-J. S.

      • @Hans-Jürgen Steffens: Ihrem Grundgedanken, Frieden und Religion hätten zu verschiedenen Zeiten verschiedene Bedeutungen stimme ich zu.
        Anthropologisch könnte man das so formulieren: Der Mensch ist zwar immer der Gleiche, aber unter verschiedenen Umständen kann sich das anders manifestieren. Sein Bedürfnis sich selbst zu verwirklichen durch Einnehmen einer Rolle in der Familie, Gruppe, Gesellschaft hat zusammen mit dem Streben nach Besitz, Sicherheit und Gleichheit oder gar Überlegenheit gegenüber den Konkurrenten hat während des Zeitalters des Nationalismus, Imperialismus und der Industrialisierung zur räumlichen und wirtschaftlichen Expansion der europäischen Staaten, zu einer Reihe von Kriegen und zur Ausbreitung der Industriegesellschaft geführt. Letztlich wurde damit die heutige Globalisierung und Säkularisierung eingeleitet, ein Zeitalter in dem andere Regeln gelten, in dem beispielsweise grössere Kriege kaum noch einer der Kriegsparteien Vorteile bringen und wo in den fortgeschrittenen Teilen der Welt Sicherheit und Vertrauen in der Gesellschaft so gross sind, dass religiöse Gemeinschaften an Bedeutung verlieren.
        Für mich ist allerdings die Zukunft offen (noch offener und unbestimmter als wohl bei Ihnen). Der Glaube, es gebe immer nur Fortschritt, sowohl technischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Fortschritt, der hat sich zwar in den letzten Jahrhunderten bestätigt, aber es könnte auch wieder eine ganz andere Zeit anbrechen, in der ganz andere Gesetze gelten. Die Globalisierung kann also auch scheitern oder die Macht von der Demokratie an andere Regierungsformen übergehen, Religion und Spiritualität könnten neue Formen annehmen (im Science Fiction “Planet Magnon” beispielsweise geben sich die Menschen durch religiös/spirituell angehauchte Kollektive einen Sinn). Wir kennen also das Ziel der Reise nicht.

  9. “Kriterium”:
    Und so ist dem Einen seine Unwahrheit dem Anderen seine Wahrheit?, wo Erleuchtung, entsprechend dem Ursprung (ohne Wettbewerb und ohne Hierarchie!), nur im Ganzen / von Allen machbar / sinnvoll wird!?

    • hto,
      ……Und so ist dem Einen seine Unwahrheit dem Anderen seine Wahrheit?
      das kann so sein, muss es aber nicht zwangsläufig. Wir wissen nicht , wer im Besitz der Wahrheit ist vgl. auch Lessings Ringparabel.
      Deswegen sind ihre Gedanken nur Wortspiele. Nennen sie doch einmal ein konkretes Beispiel, wo Fehler gemacht werden und wie man sie vermeiden kann.

  10. @bote 17

    Na das habe ich hier doch schon einige Male und mit konkreten Umsetzungsvorschlägen gemacht: Die Bibel ist dabei vergleichsweise eine ziemlich offensichtliche SOZIALISTISCHE Anleitung für geistig-heilendes Selbst- und Massenbewusstsein, vom ersten bis zum nächsten geistigen Evolutionssprung friedlich fusionierend!!!

    WIR WISSEN was die Wahrheit ist, wollen sie aber meist aus Gründen unserer systemrational-gepflegten Bewusstseinsschwäche nicht umsetzen – Angst, Gewalt und “Individualbewusstsein”!

    • Lieber @hto,

      nun sind aber doch “alle” bisherigen sozialistischen Systeme gescheitert und haben Hekatomben von Toten und zerbrochene sowie verarmte Gesellschaften hinterlassen. Meine Familie hat beispielsweise die DDR durchlitten und wünscht keine weiteren, sozialistischen Experimente mehr. Auch aktuell Venezuela und Nordkorea können nicht als leuchtende Beispiele dienen…

      Können Sie nachvollziehen, dass Andersdenkende daher mit “Sozialismus” keine positiven Hoffnungen (mehr) verbinden?

  11. @ Herr Steffens :

    Sie haben ihre Schuldigkeit getan, sie können gehen.

    In etwa so.

    Beim fünften Absatz Ihrer Nachricht weiß der Schreiber dieser Zeilen nicht so recht, denn Kompetitivität wird allzeit stattfinden, und beim sechsten Absatz, ist die Moral schon “OK”, weil es der Mensch selbst nicht sein muss.

    Ein ‘Miteinander’ zwischen dem, was untereinander nicht kompatibel (“mitleidend”) ist, ist unmöglich. Insofern gehören Kriege zum Portfolio.
    Es war womöglich Hegel, der derart festgestellt hat.

    So wie sich insbesondere die BRD zurzeit entwickelt, sieht der Schreiber dieser Zeilen schwarz, zur Kompetitivität, die auch Kriege meint, ist anzumerken, dass der andere, der Aggressive, in der Regel auch : der Minderbemittelte, wegen seiner Aggressivität, durchaus auch maßvoll zu bearbeiten ist.
    Das ‘Miteinander’ mit nicht Kompatiblem ist so aber nicht gemeint, das Ducken, das Sich-Auf-Den-Rücken-Legen, wie es bspw. von Säugetieren bekannt ist, wenn sie auf Stärkere treffen.

    MFG
    Dr. Webbaer

    • @Webbaer

      Ihre ersten Sätze richten sich hoffentlich nicht mehrdeutig gegen Herrn @Steffens?

      Bitte bedenken Sie, dass reale Menschen versuchen, Ihren Satzkonstruktionen Sinn abzugewinnen! Verständlichkeit ist eine Tugend… 😉 🙂

  12. @Blume

    Und warum sind sie gescheitert, bzw. scheitern sie immernoch – weil der imperiale Faschismus den “freiheitlichen” Wettbewerb mit Intrigen beherrscht, so also auch Wahrheit nach seinem egozentrierten Gusto spaltet, konfusioniert und menschenUNwürdig gestaltet.

    Der Großteil meiner Familie hat auch den “Sozialismus” in der DDR erlebt und weiß was Mensch nun besser machen könnte, leider sind da IMMERNOCH ÜBERWIEGEND diese “Andersdenkenden”!

    • Lieber @hto,

      aha, Sie deuten also das Scheitern bislang aller sozialistischen Systeme nicht als Widerlegung, sondern als Ergebnis kapitalistischer Verschwörungen… Sehr interessant!

      Wie ist es mit den Friedens- und Wohlstandsgewinnen in so vielen Gesellschaften mit sozialen Marktwirtschaften, beispielsweise Deutschland, Südkorea oder Schweden? Wie erklären Sie sich diese?

  13. Diese “Gewinne” sind OFENSICHTLICH mit Zynismus, ignoranter Arroganz, leichtfertiger Kapitulation, Bewusstseinsbetaeubung zu erklären – “soziale” Marktwirtschaften, wo mit “Entwicklungshilfe” auch immer das Geschäft mit den Waffen läuft, wo die Toten des “Friedens” (als Kollateralschäden!) über die Jahrzehnte sehr wahrscheinlich zahlreicher sind.

  14. Und die Verschwörung, die von Liebe zur / im Glauben an UNWAHRHEIT inspiriert ist, die ist EINFACH Dummheit im geistigen Stillstand auf Sündenbocksuche, seit der “Vertreibung aus dem Paradies” (Mutation/Evolutionssprung!).

    • Verstehe ich dass also richtig, lieber @hto: Die “Kapitalisten” (von libertären Marktradikalen bis zu Akteuren der sozialen Marktwirtschaften) sind nach Ihrer Weltanschauung einerseits so klug, dass sie alle Sozialismen durch Verschwörungen zum Scheitern bringen können – und andererseits so “dumm”, dass sie “im geistigen Stillstand auf Sündenbocksuche” feststecken?

  15. Irgendwann wird diese Dummheit (auch Hierarchie der Verkommenheit) überwunden, für wirkliche Wahrhaftigkeit, vielleicht in dieser Welt!?

    • @hto – Okay, dies ist eine apokalpytische Hoffnung. Oder sollte dies auch eine Antwort auf meine Frage gewesen sein?

      Hier gerne noch einmal:
      Verstehe ich dass also richtig, lieber @hto: Die “Kapitalisten” (von libertären Marktradikalen bis zu Akteuren der sozialen Marktwirtschaften) sind nach Ihrer Weltanschauung einerseits so klug, dass sie alle Sozialismen durch Verschwörungen zum Scheitern bringen können – und andererseits so “dumm”, dass sie “im geistigen Stillstand auf Sündenbocksuche” feststecken?

  16. Was ist denn genial an einem Kapitalisten / am Kapitalismus, angesichts der Probleme wie Korruption, Betrug ohne Rücksicht auf die Verbraucher, oder Ausbeutung bis aufs Blut der Menschen???

    Es gibt keine soziale Marktwirtschaft, nur eine heuchlerisch-verlogene!!!

    • Nun ja, @hto: Wo immer möglich stimmen die Menschen an den Wahlkabinen und mit ihren Füßen mit überwältigenden Mehrheiten “gegen” den Sozialismus ab… Und tatsächlich waren und sind ganz objektiv Lebenserwartung, Wohlstand und Auswahl nirgendwo so groß wie in sozialen Marktwirtschaften…

      Zugleich behaupten Sie ja, “die Kapitalisten” hätten durch weltweite “Intrigen” nebenbei noch den Erfolg aller sozialistischen Versuche sabotiert.

      Ich stelle also fest: Sie halten “die Kapitalisten” für noch viel fähiger, als ich dies als liberaler Christdemokrat tue. 🙂

  17. Intrigen sind also genial, besonders wenn man “liberaler Christdemokrat” ist???
    Welcher Erfolg, wo doch schon Lenin wusste das das nichts wird, wenn Europa nicht mitmacht???
    Es wurde und wird vor allem verhindert, aus Angst vor dem nachahmenswerten Erfolg, den die DDR als Globalisierung produziert hätte, wenn sie nach dem Fall der Mauer nicht so schnell verhindert worden wäre.

    • Nein, @hto – “Intrigen” sind nicht “genial”, doch behaupten doch gerade Sie ernsthaft, dass (nur) Kapitalisten zu so etwas in der Lage wären. Offenbar waren KGB, Stasi und all die anderen, riesigen sozialistischen Geheimdienste völlig unfähig?

      In der DDR gab es keinen “nachahmenswerten Erfolg” – von Beginn an flohen Abertausende, nicht wenige riskierten sogar ihr Leben. Im real existierenden Sozialismus wäre es nie erlaubt gewesen, so gegen “das System” zu wettern, wie Sie es hier tun.

      Nicht nur wissenschaftliche Theorien, auch weltanschauliche Systeme können an der Wirklichkeit widerlegt werden. Der Sozialismus hatte mehr als genug Chancen – er ist wieder und wieder gescheitert und tut dies auch heute noch. Niemand verbietet Ihnen die Ausreise in eines der letzten sozialistischen Systeme. Aber Sie wollen dies genausowenig wie die meisten anderen Menschen. Auch Sie ziehen längst insgeheim das Leben in einer liberalen Demokratie und sozialen Marktwirtschaft vor – in der man Sie sogar schimpfen und Ihre “Glaubenswahrheiten” verkünden lässt… 🙂

      Ihnen einen schönen und erholsamen Sonntagabend!

  18. AUS ANGST, wurde Jesus verraten und gekreuzigt!!!
    AUS ANGST, wurde die Wahrheit der Bibel und somit das Christentum verhindert!!!
    AUS ANGST, wird stets nur Dummheit, Gewalt und egoisierendes “Individualbewusstsein”!!!

    • Zitat:
      AUS ANGST, wurde Jesus verraten und gekreuzigt!!!
      AUS ANGST, wurde die Wahrheit der Bibel und somit das Christentum verhindert!!!
      AUS ANGST, wird stets nur Dummheit, Gewalt und egoisierendes “Individualbewusstsein”!!!
      =
      Lieber h t o,
      irgendwie sehe ich mich veranlasst, auf folgendes hinzuweisen:
      1. Bei Jesus handelt es sich um den Mensch gewordenen Gottes-Sohn.
      Es war nicht die Angst irgendeiner Menschengruppe, sondern der eindeutige Plan
      der göttlichen Dreieinigkeit, dass Jesus Christus (Fleisch gewordenes Wort Gottes)
      – seine materielle Gestalt – für die Verderbtheit der Menschen (wie Sie es ja festgestellt haben) als Schuld- und Versöhnungsopfer gekreuzigt werden sollte.

      2. Nicht aus Angst wurde die Wahrheit der Bibel verhindert.
      Jesus Christus zeugte von der Wahrheit und ist selbst die Wahrheit.
      Nur der einzelne Angesprochene ist in der Regel nicht bereit, als Sünder entlarvt
      zu werden und lässt sich alles Mögliche einfallen, um mit dieser Wahrheit nicht
      belästigt zu werden.

      3. Da es ja jede Menge Entschuldigungsgründe gibt, haben sich im Laufe der Zeit
      unterschiedliche Gruppen (auch Religionen) wo sich solche Meinungen bündeln,
      zusammen geschlossen.
      Das hat viel mit Vorbildern, Erziehung und damit Charakterbildung zu tun.

      Ihre Einstellung zu Jesus kenne ich nicht, ist aber auch eine persönliche Sache.
      Wer in Wirklichkeit hinter all dem im deutlicher werdenden Unheil steht, darüber
      hat dieser Jesus tatsächlich die Menschheit informiert.
      Wenn Sie mögen, schauen Sie sich einfach mal folgenden Artikel an:
      http://www.4-e-inigkeit.info/lucifer-contra-3-e.htm
      M. f. G.
      W. B.

  19. @wi_bue2

    Jesus hat das an unserer Vernunftbegabung versucht, woran schon Mose gescheitert ist, und ist leider auch daran gescheitert.
    Wer da an der primitiven Opfergabe glaubt, für einen allzu billigen Freispruch, der macht es sich auch einfach, bzw. der hat sich mit den Metaphern der Bibel nicht beschäftigt, der hat die Vorsehung (die “göttliche Sicherung” vor dem Freien Willen) nicht annähernd verstanden.

    Der absolute Tod der Bibel (am “Jüngsten Gericht”) ist nichts anderes als die Löschung des Bewusstseins (Energie wird frei für ein neues “Programm”), was die einzige Gnadenhandlung im Rahmen der Wiedergeburten ist.

  20. @Blume

    Abgesehen von meiner persönlichen Erfahrung:
    Matthäus 16,28 – was anderes sollte das zu seiner Zeit sonst bedeuten???

  21. Wiedergeburt & Entwicklung:

    Matthäus 10,23 – man könnte darüber wie Hoppe & Co. vom “Wissen” über das Material philosophieren, aber macht das im Rahmen der Bibel wirklich Sinn? 😊

  22. “Der Tanz um das goldene Kalb” (der “freiheitliche” Wettbewerb um …), erst wenn dies im Sinne unserer Vernunftbegabung beendet wurde, wird es eine wirklich-wahrhaftige / gottge fällige Partnerschaft geben. Und mehr noch …!!!

Schreibe einen Kommentar




Bitte ausrechnen und die Zahl (Ziffern) eingeben