20.000 Kommentare unter dem Blog! Ge-Danken zum Miteinander auf Natur des Glaubens

Es muss geschehen sein, als ich darüber staunte, wie weit der Himmel an einem Nordseestrand sein kann. Es gab keine Benachrichtigung, keine Fanfare, ich hatte wohl nicht einmal Netz. Doch ich hatte Blogposts voreingestellt und Kommentatorinnen und Kommentatoren überschritten die Schwelle.

NordseestrandNiederlande2015

Spuren im Sand und darüber ein Regenbogen. Die Nordsee, wo der Wind weht und auch die Gedanken Auslauf bekommen. Foto: Michael Blume

Natur des Glaubens weist nun über 20.000 Kommentare in über 500 Blogposts auf. Hunderte von Stunden von Austausch, Diskussion, Dialog, verteilt über nun siebeneinhalb Jahre. Und wenn es mir wohl auch nicht immer gelungen ist, so habe ich doch versucht, auf jeden konstruktiven Kommentar auch persönlich zu antworten. Ein ewiges Seminar, mit Höhen und Tiefen, mit Einsichten und Erfahrungen zwischen “teilnehmender Beobachtung” und vielen Überraschungen. Viele kamen, einige blieben, wenigen musste (und muss) ich die digitale Tür weisen.

Denn, ja, es gab und gibt sie, die Hater, Trolle und Cranks. Vor allem die Studien zu Religion & Demografie fanden auch international & interdisziplinär reges Interesse – und lösten (lösen) vor allem bei Rechtsextremen und Antitheisten oft Wut und persönliche Angriffe aus. Nach Medienberichten (z.B. bei n-tv.de oder bei Quarks & Co.) rollte jedesmal eine kleine Wutwelle durchs Netz und schwappte auch in den Blog. Zur Moderation führten schließlich die ermüdenden Hassposts fremdenfeindlicher Kreise, die jeden Blogpost dazu missbrauchen wollten, Beschimpfungen und Links gegen Muslime, Juden, Frauen und Demokrat(i)en unterzubringen. Es hat halt auch Nachteile, wenn ein Blog stark etabliert und frequentiert ist – manche betrachten ihn dann als “Werbefläche” für ihre meist menschenfeindlichen Botschaften. Ja, auch über soziale Gefühle & Hass im Netz habe ich hier vieles gelernt und geschrieben – und zwar bereits vor Breivik, NSU, Pegida & Co…

Und doch überwogen die positiven Erfahrungen bei Weitem! So macht es mir weiterhin große Freude, nicht nur eigene Arbeiten, sondern auch die von Kolleginnen und Kollegen aus dem In- und Ausland vorzustellen und damit bekannter zu machen. Viele Kommentatorinnen und Kommentatoren schenkten zudem Ermutigungen, auch mal ein Danke, konstruktive Kritik, Hinweise und interessante Links. Und ich darf für mich in Anspruch nehmen, jeden einzelnen Kommentar gelesen (und sehr viele beantwortet) zu haben. Letztes Jahr habe ich zum ersten Mal einen “Kommentar des Jahres” vorgestellt und freue mich auch schon auf den Dezember diesen Jahres (so Gott will). Tatsächlich betrachte ich “Natur des Glaubens” längst als “Gesamtkunstwerk”, das im Miteinander gewachsen ist und ohne Sie deutlich anders ausgesehen hätte. Dutzende Blogposts und auch einige Bücher (wie z.B. jenes zu Baptisten, Quäkern und Unitariern in den USA) entstanden direkt aus Anregungen und Fragen von Kommentierenden – und in praktisch allen meiner Bücher finden sich Gedanken und auch Zitate aus den hiesigen Kommentardebatten.

ShelfieMichaelBlume

Nicht nur der Blog, auch die Taschenbücher und eBooks wurden durch Kommentierende mitgestaltet. Shelfie: Michael Blume

Wie soll es weitergehen?

Gerne möchte ich den Blog-Weg mit Ihnen fortsetzen – selbst nicht wissend, wohin er führen wird. Aber ich denke, dass mehrere Tausend Stunden Blog-Engagement, die inzwischen zu Zugriffen im Millionenbereich geführt haben, nicht umsonst waren, sondern vielen vieles gegeben haben. Mein Jugendtraum, Wissenschaft aus den Elfenbeintürmen in die Öffentlichkeit und an die Küchentische zu bringen, hat sich auf diesem Wege erfüllt und es ist etwas Großes entstanden, das ggf. noch Jahrzehnte “leben” und auch über meinen Tod hinaus Bestand haben kann. Was soll man(n) denn mehr wollen?

Immer weiterwachsen, nicht stehenbleiben, natürlich. Beispielsweise mit neuen Formaten wie dem (arbeitsintensiven!) Audioblog. Und mit einem immer wieder offenen Mix aus klassischen und “neuen” Themen.

Und hiermit käme meine Bitte an Sie: Bitte helfen Sie mir zu verstehen, wie ich “Natur des Glaubens” für Sie noch interessanter und anregender gestalten könnte. Konkret würde ich mir wünschen, dass Sie mir via Kommentar unter diesen Blogpost 🙂 mitteilen, welche drei Blogposts (gerne mit Link) für Sie am Wertvollsten waren. Gibt es Baustellen, an denen Sie sich Weiterbohren wünschen würden?

Ohne Sie, liebe Kommentatorin, lieber Kommentator, gäbe es “Natur des Glaubens” in seiner jetzigen Form und mit seinem bisherigen Erfolg sicher nicht. Und auch seine Zukunft wird durch Sie mit-bestimmt werden.

Vielen Dank dafür, dass Sie da waren – und da sind!

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft und spezialisierte sich auf die Hirn- und Evolutionsforschung. Buchautor, Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger und christlich-islamischer Familienvater. Hat auch manches erlebt und überlebt...

9 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Nur die Besten der Besten der Besten der im Web Verlautbarenden können derart konstatieren, wobei bereits die Besten der Besten nicht zu den Besten der Besten der Besten gehören müssen.
    Hierzu vielleicht noch:

    Gibt es Baustellen, an denen Sie sich Weiterbohren wünschen würden?

    Der I, dies nur als besonderer Wunsch aus dem per se vielleicht eher niedrigen Feedback-Bereich angemerkt, also der I, der zu D gehören soll, wie viele finden, also dbzgl. könnten Sie sich vielleicht beizeiten eingeladen fühlen. also dbzgl. als Anthropologe zu erläutern, also wenn es passt, natürlich nur, als Religionswissenschaftler.

    Wäre ein spannendes und relevantes Thema.

    MFG
    Dr. W

    • PS + alternative Kommentatorenwünsche: [1]
      1.) der sogenannte heilige Franziskus, Sie kündigten an dbzgl. hier noch ergänzen zu wollen
      2.) Religions-Erfindung, wie sie sich im Rahmen des Marxismus-Leninismus (“Bolschewismus”) und im Rahmen des Nationalsozialismus angebahnt hat, wenn auch nicht zur Vollendung gelangte; der Schreiber dieser Zeilen hat selbst hierzu ein wenig “geforscht”, scheint ein potentiell interessantes Thema zu sein
      3.) die Blumsche-Hypothese von der Nichtfähigkeit von areligiösen Gesellschaften ihren biologischen Bestand zu erhalten, hier wäre unbedingt dem “Sujet” nachzuspüren, was genau religionsgebundene Gesellschaften zum biologischen Bestandserhalt anleitet bzw. was genau weitgehend areligiöse Gesellschaften dazu nicht anleitet [2]

      [1]
      Korrekt bleibt, dass der Schreiber dieser Zeilen hier ein wenig zentriert ist, auch weil er mit dem M. den “Knaller dieses Jahrhunderts” erwartet

      [2]
      Weitgehend areligiöse Gesellschaften können qua Menge kaum empirisch sinnhaft betrachtet werden, außer spekulativ, insofern wäre die erstgenannten Gesellschaften vielleicht zuvörderst zu beleuchten.
      Religionen können dbzgl. ja nicht über einen Kamm geschert werden, insofern wäre noch das Spezifische für die (mittlerweile: bekannte *) Hypothese herauszuarbeiten.

      *
      Ein Chapeau an dieser Stelle, irgendetwas ist sicherlich dran, gut auch, dass hier so möglicher öffentlicher Meinung trotzend theoretisiert werden konnte.

  2. Religion im Alltag wäre für mich ein interessantes Thema. Um ein paar Beispiele zu geben.
    – warum muss ein US- Präsident an Gott glauben (selbst wenn die meisten Amerikaner nicht (streng) gläubig sind
    – wie entwickeln sich spirituelle Haltungen in dr säkularen Gesellschaft
    – was sonndas für Menschen, die an Engel etc. glauben. Wie unterscheiden sie sich vom Rest

  3. Meinen Glückwunsch zur runden Zahl!

    Mein Wunsch:
    1 Teil tagesaktuelle Themen
    1 Teil Behandlung von Themen die tiefergehendes Wissen erfordern oder geschichtlich interessant sind
    1 Teil Überraschungsthemen: manche Themen sind anscheinend recht allgemein oder nichtssagend, bieten aber bei näherer Betrachtung interessante Ansatzpunkte für Überlegungen

  4. die geistigen Voraussetzungen der Naturwissenschaften analysieren. Da die Naturwissenschaften ein soziales Phänomen sind, d.h., durch die Zusammenarbeit Vieler entsteht, ist ein minimaler ethischer Standard notwendig: zum Beispiel ein Mindestmaß an Ehrlichkeit!

  5. Herzlichen Glückwunsch und Danke für die guten Themen.

    Hab von diesem Blog profitiert. So manches Thema hat meine Perspektive verändert und den Horizont so erweitert. Gelingt dies weiterhin, bleib ich gern mit dabei.

    Mich interessieren ja die Rand- und Graubereiche des vermeintlichen “Wissens” über Religionen. D.h. die Färbung des Wissens durch die Brille, mit der etwas betrachtet, erforscht wird.

    Religionswissenschaft hat Schnittmengen mit anderen Wissenschaftsbereichen. Da wäre die “Kommunikation von dem worauf Menschen ihr Vertrauen setzen und somit ihr ‘Gott’ wird”; und die “Erforschung der eigenen Blindheit” als vermeintlich gesichertes Wissen “außerhalb des Menschen”. Sowie deren Verhältnisse zueinander.

    Und natürlich gibt es da, das Thema der Zukunft: Künstliche Intelligenz und die technologische Singularität. D.h. Maschinen mit Bewusstsein, welche sich selbst weiter entwickeln. Was macht das mit dem Menschen und seiner Religiösität, bzw. Spiritualität. Wie verändert sich dadurch das künftige Menschenbild, Weltbild, Gottesbild und somit auch Religion?

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