Die Islamische Republik Iran in der Krise?

In den letzten Tagen haben mich wieder zahlreiche Anfragen im Kontext von “Islam in der Krise” erreicht, in dem die massive Frustration und Religionskritik von Millionen iranischer Menschen bereits beschrieben und hergeleitet war. Auch die Zugriffe auf die Iran-Antisemitismus-Folge 38 von “Verschwörungsfragen” schossen in die Höhe. Harald Stutte vom Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) zitierte sogar meine Ansage über einen “Tsunami des Atheismus” gegen das wankende Mullah-Regime. Der ganze Satz lautete: 

“Sogar iranische Medien berichteten von einem Tsunami des Atheismus, weil die jungen Leute und inzwischen ja auch die ärmeren Schichten nicht nur das Mullah-Regime, sondern auch zunehmend die ganze Religion ablehnen.”

Zitat zur Krise der islamischen Religion im Iran beim RND. Screenshot: Michael Blume

Tatsächlich eskalierte der verzweifelte Widerstand gegen das Erdöl-Rentierstaats-Regime nach der Ermordung der kurdisch-iranischen Mahsa Amini (1999 – 2022) wegen eines “Verstoßes” gegen den Kopftuchzwang. Auch aufgrund der neuen, digitalen Medien fiebern Millionen Iraner:innen mit weiteren Heldinnen wie der Sportlerin Elnaz Rekabi, die in Seoul mutig ohne Kopftuch kletterte. Ein Protestsong des – mittlerweile verhafteten, derzeit wieder freien – Sängers Shervin Hajipour wurde zur Hymne des verzweifelten Aufstandes. Bezeichnenderweise zitierte Hajipour in “Bayare” vor allem Tweets, was auf die prägende Rolle digitaler Medien verweist:

Trotz zahlreicher Verhaftungen mit noch ungezählten Fällen von Folter und Mord dauern die Proteste in immer mehr iranischen Städten an, schließen sich auch immer mehr Ältere dem verzweifelten Aufstand der jungen Menschen an. Seitdem Ayatollah Khomeini 1979 die “Islamische Republik Iran” ausgerufen und schnell jede Opposition blutig erstickt hatte, war das Regime noch nicht so herausgefordert worden.

Der Ansehens- und Vertrauensverlust islamisch-politischer Bewegungen war Hauptthema in “Islam in der Krise”. Cover: Patmos-Verlag  

Besonders bewegend war für mich, gemeinsam mit der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) Stuttgart den deutsch-israelisch-iranischen Freund und Autor Arye Sharuz Shalicar zu seinem neuen, jüdisch-islamischen Buch “Schalom Habibi” und autobiografischen Film “Ein nasser Hund ist besser als ein trockener Jude” im Kino Atelier am Bollwerk begrüßen zu dürfen. Auch hierbei tauschten wir uns über seine Hoffnung aus, “der erste Botschafter Israels im Iran” zu werden.

Muslimisch-christlich-jüdische Hoffnung, v.l.n.r.: Zehra & Michael Blume, Arye Sharuz Shalicar in Stuttgart. Foto: privat

Wird das iranische Regime stürzen?

Die häufigste Nachfrage an mich lautete, ob ich angesichts der Prognosen von “Islam in der Krise” davon ausginge, dass das theokratische und antisemitische Regime des Iran “jetzt” stürzen werde. Ich gab die Frage auch an meine interessierte Twitter-Bubble weiter, die tatsächlich mehrheitlich einen Sturz “in den nächsten Monaten” erwartet.

Twitter-Umfrage zum Aufstand im Iran. Screenshot: Michael Blume

Es ist wohl klar, dass ich mit diesen Hoffnungen sehr sympathisiere und auch die große Demonstration für Demokratie im Iran in Berlin sehr begrüße:

Doch leider hat das Regime nach meiner Prognose auch in “Islam in der Krise” immer noch einen Trumpf in der Hand:

Iran ist leider immer noch ein Ressourcenfluch-Staat

So lange es Erdöl in großen Mengen verkaufen und gegen westliche Sanktionen auch schmuggeln kann, solange der Verkauf von Söldnern und Drohnen etwa an Russland und Syrien weiter funktioniert, kann sich das Regime nicht nur die Ermordung, sondern vor allem auch die Vertreibung von Hunderttausenden jungen Menschen leisten. Wir haben diesen Trick auch bereits beim Iran-verbündeten Wladimir Putin in Russland gesehen: Nach Verkündung seiner Teil-Mobilmachung ließ er die Grenzen noch mehrere Tage lang offen, um Hunderttausende kritischer Menschen ziehen zu lassen. Erdöl- und Erdgas-Rentierstaats-Regime betrachten die eigenen Bevölkerungen eher als Gefahr denn als Reichtum. Tatsächlich sind wohlhabende Gesellschaften und werden auch geflohene Russen und Iranerinnen im Westen sogar fossile Rohstoffe verbrauchende “Kund:innen” der Regime, die ihnen Heimat und Angehörige geraubt haben. Unsere noch immer karbonisiertes Wirtschaftssystem trägt leider noch immer dazu bei, dass es die Idee einer “Republik Iran” gegen die sog. “Islamische Republik Iran” – die letztlich keine wirkliche Republik, sondern eine Ressourcenfluch-Oligarchie ist – schwer hat.

Warne seit Jahren auch in Online-Kolumnen vor dem Ressourcenfluch-Bündis Russland-Iran. Hier bei den Salonkolumnisten in 2019 in “Ölfluch und Antisemitismus”. Screenshot: Michael Blume

Um sowohl das iranische wie auch das russische Regime entscheidend zu schwächen, reicht es also nicht, empört zu demonstrieren. Vielmehr müssen wir so schnell wie möglich unsere Importe fossiler Rohstoffe und damit die direkte und indirekte Finanzierung dieser autoritären Ressourcenfluch-Regime reduzieren. Sonst laufen wir Gefahr, dass diese längst korrupten und gewalttätigen Regime ihre jungen Generationen eher ermorden und vertreiben, als ihre durch uns gefüllten Fleischtöpfe zu verlassen.

Wer also einen direkten Beitrag gegen die diktatorischen Gewaltherrscher leisten möchte, sollte umgehend Tempolimit und Fleischverzicht (wie die USA bereits 1943!) praktizieren. Jede Einsparung von Rohstoffen, Energie, Wasser und Arbeitskräften, jeder Schritt zur schnelleren Dekarbonisierung bremst Klimakrise & Hitzemorde und schwächt auch fossile Oligarchen und Diktatoren. 

Zudem sollten wir militärisch die Ukraine gegen Russland und Israel gegen den Iran stärker unterstützen. Die russische Invasion und das iranische Atomwaffenprogramm lassen sich nicht durch Appeasement abwehren, sondern bedrohen den gesamten, eurasischen Gürtel. Und damit auch Europa.

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Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) u.v.m. Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren als „teilnehmender Beobachter“, um Digitalisierung zu erforschen, Religionswissenschaft leichter zugänglich und niedrigschwelliger diskutierbar zu machen.

29 Kommentare

  1. Es besteht gerade in Persien, pardon, islamisch und politisch korrekt heißt es wohl seit ca. vier Jahrzehnten [1] Iran (sog, Arier sind inbegriffen – vgl. auch mit ‘Pakistan’) :

    Hoffnung.

    Einige erinnern sich gerne an die Zeit in Persien, mit dem sog. Schah und so, es sah dort anders aus.
    Wer möchte, kann sich diesbezügliche audiovisuelle von “Youtube” einspielen lassen, der sog. Islamismus dort ist vglw. neu.

    Opa erinnert sich gerne an die Zeit, als ein von Frankreich unterstützender geifernder Iman von einem Balkon in Paris aus islamistische Nachricht zu verkünden wusste, der bundesdeutsche Rundfunk berichtetet “neutral” über von Frankreich ausgehende wohl gegen die US gerichtete Unterstützung.

    Ja, so war dies damals.

    Dr. W fand’s nie gut, die politische Linke, die dort angeblich ebenfalls, wie von den bundesdeutschen “Öffies” kolportiert, an einem Strang ziehen wollte, sollte, ist dann vom Ober-Mullah zeitnah ausgemerzt worden, dem vom von Balkon in Paris, dann Ayatollah genannt, zeitnah,
    war nicht schön.

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Webbaet

    • Übrigens war dies der Zeitpunkt, an dem Dr, Webbaer (vs. ‘Dr. Webbaet’, ein Schreibfehlerchen lag weiter oben vor) am Verstand unserer politisch linken Freunde zu zweifeln begann, als Jungbär sozusagen.

      Wer seinerzeit den Nachrichten vom weiter oben bezeichneten Balkon in Paris folgen konnte, wusste sozusagen alles bzw. hätte so wissen können.
      Oriana Fallaci hatte frühzeitig, wie übrigens auch Dr. W, passend erkannt.

      MFG
      Wb

  2. Polarisierung trifft Terminator: Einerseits führt Kommunikation zu verstärktem Synkretismus. Meinungen durchdringen sich, die Vorurteile fallen, werden durch neue, gemeinsame ersetzt. Dies gilt nicht nur für Antisemitismus oder Verschwörungsmythen, sondern auch für die liberale Welt. Andererseits führt das zur Gegenreaktion, diverse Gruppen, Ethnien, Kulturen verlieren die gemäßigten Mitglieder an die gemeinsame Mischkultur, der harte Kern radikalisiert sich und zieht sich in sektenhafte Trutzburgen zurück, von denen aus er durchaus Offensiven starten kann, wenn die Mischkultur gerade wirtschaftlich schwächelt, aber das kennen Sie ja schon alles.

    Dieser Konflikt zwischen internationalem Einheitsbrei und dem Multikulti der Extremisten trifft auf eine Welt, in der Menschen zunehmend die Bedeutung gegenüber Maschinen verlieren. Im Prinzip nichts Neues, schon in Rom gab es das Phänomen, dass die ganze Arbeit an die Sklaven outgesourct wurde, sodass vielen Römern nur ihr Bürgerrecht als Kapital diente, weil sie ausschließlich dafür bezahlt wurden, den Kaiser toll zu finden. Heute neigen Pass und Wahlrecht dazu, einem zum Staats-Rentier zu machen, wir reden über Bürgergeld für alle, übernehmen die Sahnehäubchen der Wirtschaft, wie Finanzwesen, Verwaltung und Autos bauen, während die harte Arbeit ins Ausland wandert oder an rechtlich minderbemittelte Nafris abgewälzt wird. Kennt man auch schon vom Adel, der von Sklaven lebte: In der Demokratie sind halt alle Adelige, wie es im römischen Reich die Bürger waren; die Sklaven machten auch die Demokratien des Westens möglich, dort konnten die Gemeinen geadelt werden, während in Osteuropa der Adel allein sich als Nation sah, denn Zugang zu Afrika hatte er nicht, und der ihm auch nichts genützt hätte, denn das Land musste viel zu teuer erkämpft und verteidigt werden, da investierte Europas Kapital lieber in kurze Genozide in den Amerikas. Der Nationalstaat ist auch nur eine Adelsrepublik, der Rassismus ist bloß eine Fortsetzung der Verachtung für die leibeigenen Cyborg-Sklaven mit Pflug und Sense, mehr schlecht als recht zusammengepfuscht durch Entmenschlichung und Reduktion auf die Funktion. Die ersten Bioingenieure benutzten halt noch Peitsche statt Reagenzglas.

    Wir sehen hier, dass sich die Sklaven nach und nach erheben: Um ihre Länder auszubeuten, mussten wir sie aufbauen, später haben wir auch die Aufseher-Jobs an Einheimische dirigiert, um uns jegliche Verantwortung und Verwaltungskosten für die Imperien zu sparen. Der Kaiser von China reist ja nicht in der Welt umher, wenn er nicht muss, er zieht sich in seinen Palast zurück und lässt Reichtümer importieren, so haben es auch die Weißen bei der ersten Gelegenheit getan. Heute brauchen die Aufseher uns nicht mehr, die Sheriffs von Nottingham vertreiben King John und übernehmen den Ausbeuterbetrieb, wie einst der Zar, der groß geworden ist, indem er für Allah und Khan Mütterchen Russland ausweidete, das Tatarenjoch kaperte und bis heute erfolgreich am Laufen hält. Der Weiße Mann hat seine Bürde getragen, der Weiße Mann kann gehen. Wir sehen auch, wie sich die westliche Wirtschaft als Krone ohne Hintern schwebend überm Thron zu halten versucht. Und langsam auf die Idee kommt, sich eine Hightech-Hinternprothese zu bauen, also Handwerk und Industrie heim ins Reich zu holen. Ist ja nicht so, dass die neuesten Kriege nicht um überfüllte Märkte gehen würden, auf die immer mehr Länder drängen, sodass sie zunehmend parzelliert werden.

    Die Globalisierung wurde zur wichtigsten Einnahmequelle des Westens, das schuf eine Art Ressourcenfluch, dem die Demokratie entgegenwirkt: Denn die Wahlberechtigung wird zu einer Art Aktie im Staatsbetrieb, die Regierung nuckelt an der Ölquelle Wirtschaft, wir alle an der Regierung. Jetzt versiegt die Ölquelle, der Futtertrog wird leer, die schöne, heile Welt des delegierten Imperialismus ist nicht mehr. Und wir kloppen uns um die letzten Tropfen. Das schafft den gleichen Konflikt wie in Russland: Die Mächtigen wollen nicht teilen, die Schwachen fordern ihr demokratisches Recht, die Mächtigen, die Schwächeren und sich gegenseitig umzubringen, weil sie im Weg zum Futtertrog stehen. Wir behelfen uns mit Sozialstaat und Almosen, die Russen entsorgen den Menschenüberschuss im Krieg, die Polen, Ungarn und Iraner vergraulen ihn durch erzkonservative Politik, bei der nur die treuesten Sklaven des Führers zuhause bleiben dürfen. Der Chef bleibt mit den besten Maschinen zurück.

    Der Adel wird zum Rentier der Maschine, der Arbeiter wird überflüssig. Wir haben über Jahrzehnte gesehen, wie sich die Drecksarbeiterschaft der Welt in Entrechtung und Lohndumping überbieten musste. Heute werden die Menschen einfach nur weggeworfen. Der Kapitalismus gerät in die Krise, weil er die Konsumenten, die er braucht, entsorgt, weil sie als Produzenten Konkurrenten sind und Märkte mehr stehlen als schaffen. Wer keinen Slum, kein Flüchtlingslager findet, wo er als Kleinstadeliger von Krümeln vom Herrentisch leben kann, greift nach der Waffe und hilft kräftig beim Entsorgen von Seinesgleichen mit.

    Die Mischkultur gerät unter Druck, weil sie tolerant und friedlich ist und keinen Grund bietet, einander umzubringen. Die Menschen scharen sich zunehmend um Zombie Kings, jeder, der Bock auf Warlord hat, kann zum Boss eines radikalen harten Kerns werden. Er kann aus der Krise einen doppelten Nutzen ziehen: Wenn er die Menschen in den Krieg schickt, wird er sie zumindest los, doch sie können auch Beute nach Hause bringen und seine Macht mehren. Diejenigen, die ihm nicht in den Kram passen, werden nicht mehr zu Auswanderern, die Macht und Wohlstand seiner Gegner dienen, sondern zu menschlichen Bomben, nutzlosen Fressern, mit denen er sie bewerfen kann. Humanismus und Menschenrechte werden zur Achillesferse, Rassismus und Nationalismus zum Iron Dome. Das fördert die Bildung neuer harter Kerne, die Mischkultur, Toleranz, Menschenrechte höchstens innerhalb der eigenen Mauern dulden – eine neue europäische Adelsdemokratie, nur für Träger des Ariernachweises namens EU-Pass. Intoleranz und Fremdenhass sind nicht mehr soziale Krankheitssymptome, sondern sinnvoller Bestandteil des Immunsystems.

    Natürlich gibt’s das Gleiche wie im Iran auch in Europa, nur hier sitzt der Adel in der Wirtschaft. Wer eine einträgliche Fabrik hat oder eine Bank, versucht, die Menschen, die er nicht braucht, abzustoßen und durch Roboter und Computer zu ersetzen, sich zu einem Maschinen-Lord zu wandeln, der sich um sein Geschäft nicht mehr kümmern muss, so wie einst ein Plantagenbesitzer nur die Sklaven in den Wald setzen musste, wonach sie selbständig Hütten bauten, die Bäume rodeten und das Zuckerrohr pflanzten, bei einem Minimum an Kosten und Verwaltungsaufwand. Er wird zum Möchtegern-Rentier einer automatisierten, entmenschlichten Wirtschaft, deren Erträge er nicht teilen muss. Die Querdenker im Iran wenden sich gegen eine unsympathischere Relideologie als die unseren, doch am Ende geht’s überall nur darum, dem lieben Nächsten seine Aktienanteile am gemeinsamen Futtertrog abzuzwacken.

    Am Ende haben wir ein doppeltes Problem: Einerseits konsumiert ein Diktator allein weniger als ein Diktator mit Volk, also kriegen wir auch weniger verkauft. Andererseits wird die Arbeit als indirekte Futterquelle, der Schlüssel zum Futtertrog, zum knappen Gut, das sich in wenigen Händen konzentriert. Wir wetteifern um die Gunst der Zaren und Ayatollahs des Kapitals, und werden dabei zunehmend überflüssig. Wenn ich nicht arbeite, kann ich nix kaufen, also bin ich kein Konsument, also wird auch keine Fabrik gebaut, die mich versorgt, also verliere nicht nur ich meinen Job, sondern auch die Maschinen. Nach den Gesetzen der Marktwirtschaft bleiben nur Diktatoren mit knappem Personal auf der Welt übrig: Die Maschinen-Lords unter sich.

    Ich hab nix dagegen, eine faule Rentier-Adelssau zu sein. Die ganze Menschheit könnte zu Dorian Greys und verwahrlosten Oligarchen-Kids werden, die nie einen Finger krumm gemacht haben und ihr Selbstwertgefühl aus betuchter Nutzlosigkeit beziehen. Die Geburtenzahlen gehen zurück, die Ressourcen reichen aus, um eine Weltbevölkerung durchzufüttern, die nur aus Maschinen-Lords besteht. Noch können Maschinen nicht alles alleine, doch Arbeit adelt ja schon länger, man könnte sie mit Zusatzleistungen und Privilegien belohnen, um die Menschen dazu zu ermutigen. Aber der Titel des Harz-Herzogs, der nur von der Rente lebt, darf keine Ausnahme und kein Stigma mehr sein, sondern das neue Normal. Ein Wirtschaftssystem, das die Leute zur Arbeit prügelt, wo keine Arbeit da ist, macht keinen Sinn mehr. Bis wir ein neues haben, ist halt Faschisierung und Zombie-Apokalypse.

  3. Es sollte uns mehr Sorgen bereiten, dass der Iran mittlerweile Drohnen bauen kann, die sogar der russischen Armee weiter helfen. Das bischen Öl, dass wir in D. noch von dort kaufen können sie vergessen

    Die Exporte von Rohöl- und Gaskondensat aus Iran nach Deutschland waren bereits seit der Verhängung von Sanktionen gegen Iran unter Barak Obama fast auf null gesunken. Das hat das Land auch nicht zu Boden gebracht.

    Exportiert hat Iran während der Sanktionen seine Öl- und Gasausfuhren ausschließlich nach Asien, Nicht-Ölexporte gehen ebenfalls zu 87% nach Asien. Deutschland kauft in Iran kein Öl ein … wir haben als nichts in der Hand …

    • Ja, @Graf Cagliostro – doch selbstverständlich werden die Preise für Erdöl und Erdgas am Weltmarkt gebildet. Zudem profitieren korrupte Akteure etwa durch Schmuggel. Deswegen werden westliche Sanktionen alleine den Ressourcenfluch nicht beenden.

  4. Ohne Rohstoffimporte funktioniert kein moderner Industriestaat!

    Alle Industriestaaten brauchen Rohstoffe, sowohl fossile Brennstoffe wie Kohle, Erdöl und Erdgas, aber auch viele metallische Rohstoffe wie Uran für klimafreundliche Kernkraftwerke, Lithium, Kupfer, Kobalt, Neodym und mindestens 50 andere chemische Elemente. Beispielsweise stecken in einem Mobiltelefon 60 verschiedene chemische Elemente, das sind zwei Drittel aller bekannten stabilen chemischen Elemente! (Quelle: „Rohstoffe im Handy – die inneren Werte zählen. Informationszentrum Mobilfunk). Unglücklicherweise befinden sich die entsprechenden Rohstoffe nicht alle in demokratisch regierten Staaten, sondern oft in autokratisch regierten Ländern und eben auch in brutalen Diktaturen. Ich denke, das wird sich auch in den nächsten Jahrzehnten nur wenig ändern, „Ressourcenfluch“ und „Rentierstaaten- Theorie“ hin oder her. Ein Verzicht auf den Import solcher für das Überleben jeder modernen Volkswirtschaft notwenigen Rohstoffe führt zu einem dramatischen Wirtschaftseinbruch und Wohlstandsverlust– so wie wir es gerade in Deutschland im Ansatz erleben. Viele Industriestaaten sind relativ arm an Rohstoff-Vorkommen; das gilt besonders für Deutschland, Japan und Korea. Große Flächenstaaten wie die USA sind besser aufgestellt, aber eine Rohstoff-Autarkie ist selbst dort nicht möglich. Und so sind sogar die mächtigen USA auf Länder wie Saudi-Arabien angewiesen.

    Die Hoffnung, dass Deutschland mit mehr Wind, Sonne und Bioenergie aus seiner Energienot herauskommt, ist eine falsche Hoffnung. Selbst bei der Stromversorgung reicht es nicht, auch wenn gegenwärtig schon mindestens 30.000 bis über 200 m hohe Windmühlen unsere Landschaften verschandeln. Ein kurzer Blick auf die deutsche Stromerzeugung zeigt deutlich die mangelhafte Versorgungssicherheit der sogenannten erneuerbaren Energien: die Stromerzeugung aus Windkraft ist in 2021 gegenüber 2020 wetterbedingt um 13,3 % zurückgegangen(!), obwohl zahlreiche neue Windräder und Solarmodule gebaut worden sind. Kohle war 2021 der wichtigste Energieträger in der Stromerzeugung.
    In 2021 stammten insgesamt 57,6 % des Stroms aus konventionellen und 42,4 % aus erneuerbaren Energieträgern. Das sind allerdings Jahresdurchschnittswerte. An manchen Tagen wurde deutlich mehr Strom als nötig erzeugt, aber es auch an manchen Tagen fast keinen Windstrom. Und wenn in der Nacht auch noch Flaute herrscht, nützen die vielen Solarmodule gar nichts! Strom kann nicht in großen Mengen gespeichert werden; er muss genau zu dem Zeitpunkt erzeugt werden, wenn er gebraucht wird. Also müssen Kohle-, Gas- und Kernkraftwerke ran!

    Ein Grundpfeiler der deutschen Energiewende ist übrigens, dass nach der irrsinigen Abschaltung von Kern- und Kohlekraftwerken immer dann schnell regelbare Erdgas-Kraftwerke eingeschaltet werden müssen, wenn Wind- und Solarkraftwerke nicht liefern können – und das ist oft der Fall. Und die Leistung, die solche Erdgas-Reservekraftwerke erbringen müssen, kann an manchen Tagen 80-90% der gesamten Stromerzeugung ausmachen! Daher ist ein Ausstieg aus fossilen Energien selbst bei der Stromerzeugung für viele Länder auf absehbare Zeit nicht machbar; es sei denn, es erfolgt ein massiver Ausbau der Kernenergie.
    Und noch ein paar Sätze zur totalen Ernüchterung der Energiewender: wir brauchen Energie bzw. fossile Rohstoffe ja nicht nur zur Stromerzeugung, sondern auch für Mobilität, Heizwärme, Prozesswärme bis ca. 1000°C und auch zur stofflichen Verwertung, also zur Erzeugung von vielen tausend Chemieprodukten bis hin zu Düngemitteln. Allein der gesamte Energieverbrauch für alle diese Anwendungen, also der Primärenergie-Bedarf, wird gegenwärtig zu 82 % aus Erdöl, Erdgas, Stein- und Braunkohle sowie Kernenergie gedeckt. Nur 16 % des deutschen Primärenergie-Bedarfs wird durch die erneuerbaren Energien gedeckt, und das trotz über 20 Jahren massiver Förderung mit mindestens 250 Milliarden Euro Subventionen über das Erneuerbare-Energien-Gesetz. (Die zu 100 % fehlenden 2 % des Primärenergiebedarfs kommen aus anderen Quellen).
    Lange Rede, kurzer Sinn: eine Decarbonisierung unserer Wirtschaft wird auf Jahrzehnte ein ebenso teurer wie unerfüllbarer Traum bleiben – und wir bleiben auf die „Rentierstaaten“ angewiesen, sei es Saudi-Arabien, Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate, Venezuela und womöglich auch Iran (aus dem Deutschland gegenwärtig gar kein Öl und Gas bezieht). Und auch Russland ist vielleicht für Europa kurzfristig aus dem Spiel, aber Sie können sehen, wie schnell ein Paria-Staat wieder gebraucht wird. Wenige Jahre nach dem Kashogghi-Mord sind die westlichen Staatschefs wieder in Saudi-Arabien und schütteln Mohammed bin Salman die Hand; auch unser Bundeskanzler. Und Herr Habeck macht einen tiefen Bückling vor dem Emir von Katar.

    Eine allerletzte Anmerkung: die G7-Staaten und die EU stehen in Treue fest zur Ukraine; zusammen ca. 900 Millionen Einwohner. Nicht an den Sanktionen beteiligt sind China, Indien, Brasilien und etliche andere Staaten, zusammen drei Milliarden Menschen – und diese lechzen geradezu nach billiger fossiler Energie. Und diese Länder interessieren kluge politische Theorien ganz und gar nicht. „Grau, teurer Freund ist alle Theorie… – aber wir brauchen Erdöl, Erdgas und Kohle“!

    • Selbst im Angesicht des Leidens der Menschen im Iran sowie der Klimakrise und Flüchtlingsströme nur davon zu schreiben, dass wir weiterhin fossile Rohstoffe „brauchen“, ist schon eine Ansage. Und was spräche selbst dann gegen konsequente Einsparungen von Rohstoffen und Energie, lieber Herr Quentmeier? Wäre das nicht die logische Folgerung aus der von Ihnen konstatierten Abhängigkeit?

  5. Wie ich schon erwähnte, importiert Deutschland gegenwärtig weder Erdöl noch Erdgas aus dem Iran, daher haben wir keinerlei Druckmittel gegen dieses Land. Zugleich zeigen zahlreiche Beispiele, dass Sanktionen gegenüber anderen Staaten ein denkbar ungeeignetes Mittel sind, ein Land von einem verhängnisvollen Weg abzubringen (s. Irak zu Zeiten von Saddam Hussein, Nordkorea, Venezuela und eben Iran).
    Klimawandel und Flüchtlingsströme: die Ursache des gegenwärtigen Migrationsdrucks ist das enorme Bevölkerungswachstum in vielen Ländern der Dritten Welt, Punkt! Hier erlaube ich mir ein Selbstzitat: „Beispiel Afrika: 1950 lebten auf den ganzen Kontinent 230 Millionen Menschen, 1980 waren es schon 480 Millionen, 2010 schon 1,022 Milliarden Menschen, gegenwärtig sind es 1,2 Milliarden und für 2050 wird sich die Zahl auf 2,5 Milliarden mehr als verdoppeln. Wenn sich die Bevölkerung in Deutschland ebenso vermehrt hätte, würden heute statt 82 Millionen über 400 Millionen Menschen in unseren Grenzen leben. Können Sie Sie sich vorstellen, wie unser Land unter solchen Bedingungen wirtschaftlich, sozial und ökologisch aussehen würde?“

    Und noch ein Wort zum Klimawandel; ich erlaube mir, den Herrn Dr. Luther ein wenig abzuwandeln:

    „Und wenn die Welt voll Klimawandel wär,
    und wollt uns gar verschlingen,
    so fürchten wir und nicht so sehr,
    es soll uns doch gelingen.“

    Oder kürzer, mit Douglas Adams, Per Anhalter durch die Galaxis: „Keine Panik!“

    „Und was spräche selbst dann gegen konsequente Einsparungen von Rohstoffen und Energie…? Alle Prozesse in einem modernen Industriestaat verbrauchen Energie. Ganz gleich, ob wir eine Tonne Stahl, Beton, Aluminium, Kupfer, Beton, Kunststoff oder Glas erzeugen – das kostet Rohstoffe und Energie. Ebenso die Produktion von Düngemitteln, Lebensmitteln oder Arzneimitteln der Bau und Betrieb von Schulen, Universitäten, Krankenhäusern, Arztpraxen… – ALLES verbraucht Energie und Rohstoffe. Da kommen wir nicht an den Naturgesetzen vorbei, an den chemischen, thermodynamischen und physikalischen Grundlagen – die gelten auch unter rot-grünen Regierungen. Ein Verzicht hieße, zurück ins Mittelalter oder besser gleich in die Steinzeit.
    Aber ein Punkt fällt bei der Diskussion um Sparsamkeit und Verzicht meist unter den Tisch: kaum ein Land geht mit Energie und Rohstoffen so sparsam um wie Deutschland! Dazu gibt es genügend belastbare Zahlen – und die zeigen uns, dass in vielen deutschen Industriebetrieben die Grenzen des wissenschaftlich-technisch Machbaren fast erreicht sind bzw. dass weitere Einsparungen unverhältnismäßig hohe Kosten verursachen würde, dass sich die Produktion in Deutschland nicht mehr lohnt; also auf nach China, Indien, Vietnam oder wohin auch immer. „Komm mit, etwas besseres als den Standort Deutschland werden wir überall finden.“

    • Aha. Ich übersetze: Wir sollen also weiter fossile Rohstoffe importieren & verfeuern, uns weder um Weltmarktpreise kümmern noch ernsthaft in Erneuerbare Energien investieren und auch nicht um deutliche Einsparungen etwa durch Tempolimits & Fleischverzicht bemühen. Bringe eh nichts gegen die globale Erhitzung & Pech für all die Menschen in Ressourcenfluch-Staaten – einschließlich jener, die aus diesen fliehen.

      Habe ich etwas in Ihren „Argumentationen“ übersehen, Herr Dr. Quentmeier? 🤔

      • BASF dieser Tage:

        BASF (BASFn.DE) said costs at its European sites must be cut to a “permanently” smaller size because of a triple burden of sluggish growth, high energy costs and over-regulation, with the German industrial giant’s boss throwing his weight behind a planned expansion in China.

        Die Produkte werden erzeugt, unter schlechteren sozialen Bedingungen und schlechteren Regularien zum Umweltschutz … Stabilität findet sich nur in einem
        sehr schmalen Band der Parameter …

        • Graf Cagliostro: da haben Sie ein exzellentes Beispiel gebracht. Und neben den schlechteren sozialen Bedingungen und den schlechteren Regularien zum Umweltschutz spielen folgende Punkte eine enorme Rolle. Die BASF braucht riesige Mengen an Erdgas für zwei Zwecke: 1. Erzeugung von Prozesswärme für zahlreiche chemische Prozesse, die bei hohen Temperaturen ablaufen müssen. 2. Stoffliche Verwertung: aus Methan (daraus besteht Erdgas zu ca. 90 -95 %) werden Abertausende Chemieprodukte hergestellt, aber auch ein ungemein wichtiger Rohstoff: Wasserstoff. Dieser wird – neben vielen anderen Einsatzmöglichkeiten – für eine der weltweit wichtigsten Chemikalien benötigt, nämlich Ammoniak, in einer Größenordnung von 150 Millionen t pro Jahr. Ca. 1,5 % der global verbrauchten fossilen Energieträger wird allein für die Produktion dieser einen Chemikalie benötigt! Ammoniak ist die Grundlage für Stickstoffdünger und ohne künstlichen Stickstoffdünger müsste vermutlich die Hälfte der Weltbevölkerung verhungern. In Deutschland dürfte dieser Prozess (Haber-Bosch-Verfahren) bis an die wissenschaftlich-technischen Grenzen ausgereizt sein. Wenn dieses Verfahren aus Deutschland nach China oder sonst wo hin verschwindet, weil es sich wegen der hohen Energiepreise nicht mehr lohnt, haben wir ein doppeltes Problem: 1. Eine der wichtigsten Chemikalien für die Sicherheit unserer Ernährung muss aus über 12.000 km Entfernung über den Seeweg transportiert werden. Wie leicht Lieferketten reißen können, haben wir in der Corona-Pandemie gesehen. 2. Nicht nur die Arbeitsplätze und damit die gesamte Wertschöpfung inkl. Steuereinnahmen verschwinden aus Deutschland, sondern auch das technische Wissen – und das ist für einen Industriestaat wie Deutschland eine Katastrophe.
          Noch ein weiterer Punkt darf nicht übersehen werden; ich hatte es schon erwähnt: Deutschland hat einen Anteil von gut 1 % an der Weltbevölkerung und ist für 2 % der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich, wobei dieser Anteil seit fast 30 (!!) Jahren immer weiter absinkt. Aber in Deutschland werden 4,3 % des globalen Bruttoinlandsproduktes erwirtschaftet! Oder in vergleichenden Zahlen: um 1000 Dollar Bruttoinlandsprodukt zu erwirtschaften, werden in Deutschland 160 kg CO2 emittiert, in China sind es dagegen 510 kg, also mehr als das Dreifache! Selbst für die USA lautet der entsprechende Wert 250 kg, also über 50 % mehr als der deutsche Wert (Quelle: Deutschlands Anteil an den globalen CO2-Emissionen. VDI-Veröffentlichung 2021). Im Klartext: nahezu jeder industrielle Prozess, der durch den Energiewende-Wahn und jetzt durch die dank der Sanktionen gegen Russlandstark gestiegenen Energiepreise aus Deutschland verlagert wird, sorgt andernorts in der Welt für deutlich höhere CO2-Emissionen und Umweltverschmutzung.
          Letzter Punkt: die deutsche Industrie verbraucht vergleichsweise wenig Rohstoffe. Für die Erwirtschaftung von 1000 Dollar Bruttoinlandsprodukt werden in Deutschland ca. 540 kg Rohstoffe verbraucht; in China sind es 2500 kg. Auch wenn die Zahlen nicht mehr brandaktuell sind (Michael Springer, Keine Zukunft ohne Kreislaufwirtschaft, Spektrum Mai 2016), zeigen auch diese Zahlen, dass wir aus Klimaschutzgründen und wegen eines sparsamen Umgangs mit Rohstoffen unsere Industriebetriebe in Deutschland hegen, pflegen und mit günstiger FOSSILER Energie versorgen müssen.

          • Kein Mensch hier bestreitet, dass wir nicht sofort von fossilen Rohstoffen wegkommen, @Armin Quentmeier. Aber so verbissen, wie Sie jede Erneuerbare Energiequelle und sogar jeden Einsparvorschlag (wie Tempolimit, Fleischverzicht usw.) bekämpfen, frage ich mich schon, was oder wer Sie motiviert? Woher nur diese gleichzeitig massiv „besorgte“, aber auch gegenüber ernsthaften Argumenten wiederum völlig abgeschottete Argumentationsstruktur? Sie werden doch dafür nicht bezahlt, oder? 🤔

  6. Herr Blume, ich wiederhole es gerne noch einmal, denn “Wiederholung ist die Mutter des Lernens” (das wussten schon die alten Römer): „Ohne Rohstoffimporte funktioniert kein moderner Industriestaat! Alle Industriestaaten brauchen Rohstoffe, sowohl fossile Brennstoffe wie Kohle, Erdöl und Erdgas, aber auch viele metallische Rohstoffe wie Uran für klimafreundliche Kernkraftwerke, Lithium, Kupfer, Kobalt, Neodym und mindestens 50 andere chemische Elemente.“
    Ich hatte auch darauf hingewiesen, dass kaum ein Land mit Rohstoffen und Energie so sparsam umgeht wie Deutschland. Dazu ein paar Zahlen: Deutschland hat einen Anteil von gut 1 % an der Weltbevölkerung und ist für 2 % der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich, wobei dieser Anteil seit fast 30 (!!) Jahren immer weiter absinkt. Aber in Deutschland werden 4,3 % des globalen Bruttoinlandsproduktes erwirtschaftet! Wenn der ganze große Rest der Welt ebenso effizient mit Energie und Rohstoffen umgehen würde, wären alle Probleme mit Energie- und Rohstoffversorgung sowie CO2- und andere Emissionen zwar nicht aus der Welt, aber doch deutlich kleiner und zu bewältigen. Ein weiterer Punkt kommt noch hinzu: die deutsche Bevölkerung, zumindest die „biodeutsche“ Bevölkerung, also ohne Migrationshintergrund, wächst seit 1973 nicht mehr (in diesem Jahr lag die Zahl der Sterbefälle zum ersten Mal über der Zahl der Geburten). In vielen Dritte-Welt-Ländern hat sich die Bevölkerung seitdem zumindest verdoppelt, z. T. sogar mehr als verdreifacht. Also: in punkto Ressourcen-Sparsamkeit und -effizienz ist Deutschland fast allen anderen Ländern weit voraus!
    Das darf natürlich kein Grund sein, sich auf diesen Lorbeeren auszuruhen: Wissenschaft und Technik müssen natürlich weitergehen, denn Stillstand bedeutet letztlich immer Rückschritt. Nur durch immer weitergehende Forschung UND eine produktive Industrie sind Probleme wie die Grundversorgung von Milliarden Menschen, Nahrungsmittelerzeugung, bessere Wohnungen, sauberes Trinkwasser, Abwasserentsorgung, medizinische Versorgung und eben alles bereitzustellen, was ein menschenwürdiges Leben ausmacht. In vielen Bereichen ist Deutschland aber sehr gut aufgestellt und hat eine sehr innovative Industrie.
    Allerdings macht Deutschland in einigen wichtigen Bereichen auch gefährliche Rückschritte. Z. B. hatte Deutschland im Zeitraum von ca. 1960 bis Mitte der 80er Jahre eine kerntechnische Industrie von Weltrang entwickelt. Deutsche Kernkraftwerke wie in Grohnde, Brokdorf, Lingen/Ems, Biblis, Isar und andere waren technische Wunderwerke, die über Jahrzehnte zuverlässig Strom in riesigen Mengen erzeugt hatten und einige dieser Anlagen könnten wohl noch zehn Jahre weiterlaufen. Diese weltweit führende Technologie wurde durch eine hysterische Umweltschutzbewegung in Verbindung mit einflussreichen Medien (Spiegel, Stern, Zeit, Frankfurter Rundschau als einige der schlimmsten und natürlich die öffentlich-rechtlichen Medien) über Jahrzehnte diskreditiert, angegriffen, verleumdet und schließlich zur Strecke gebracht.
    Stattdessen werden ebenfalls seit Jahrzehnten Wind- und Sonnenenergie „hochgeschrieben“, in geringerem Maße auch Bioenergie. Kaum jemand macht sich Gedanken, wie ineffizient diese sogenannten erneuerbaren Energien doch sind. Um die gleiche Strommenge wie ein Kernkraftwerk wie z. B. Isar 2 mit 1410 Megawatt (MW) installierter Leistung durch Windräder zu ersetzen, bräuchte man ca. 5000 (in Worten: fünftausend!) monströse Windmühlen von ca. 200 m Höhe, bei einer installierten Leistung von 2,5 MW pro Windrad. Und bei Windstille sind diese 5000 Windräder völlig nutzlos, so dass doch wieder Kohle-, Gas- oder Kernkraftwerke als Reserve bereitstehen müssten. Am besten Gaskraftwerke, weil diese am besten regelbar und am schnellsten hochzufahren sind. Also: es ist auf absehbare Zeit nicht möglich, einen modernen Industriestaat mit Energie aus Wind-, Sonne oder Biomasse zu versorgen, zumal das Speicherproblem für Strom bisher nicht gelöst ist. Selbst wenn wir alle Vegetarier werden und maximal Tempo 100 erlaubt sind – das wäre nur ein Tropfen auf den heißen Stein und das kann man vielleicht Kita- oder Grundschulkindern erzählen!
    Also zusammengefasst: ein Leben in Würde und Freiheit und mit etwas Komfort, der ein lebenswertes Leben erst ausmacht, ist auf Jahrzehnte ohne fossile Rohstoffe nicht möglich. Und ich möchte nicht in ein vorindustrielles Zeitalter, in eine Art grünes Feudalzeitalter, zurückkatapultiert werden.

    • Herr Quentmeier, ich habe keine weiteren Fragen mehr. Wer Ihre Haltung zur Energiewende, zu nichtdeutschen Menschen und konkret zur tapferen Demokratiebewegung der Iraner:innen nachlesen möchte, hat bereits mehr als ausreichend Gelegenheit dazu.

      Lassen Sie mich hierzu abschließend die iranische Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi, die nach London fliehen musste, aus der heutigen Süddeutschen Zeitung zitieren:

      “Das Wissen der Menschen heute ist im Vergleich zu dem vor 44 Jahren sehr viel größer. Es gibt das Internet, es gibt die sozialen Medien. Aber soziale Dynamiken lassen sich nur schwer prognostizieren, man kann nur Vermutungen anstellen. Und meine ist, dass am Ende ein säkularer demokratischer Staat stehen wird.”

      Darum geht es.

      Ihnen alles Gute.

    • @Herr Dr. Quentmeier
      zur Atomkraft kann ich Ihnen nur empfehlen, den vor einiger Zeit verstorben Robert Spaemann zu lesen. https://www.welt.de/dieweltbewegen/article13480704/Der-Atomausstieg-muss-in-die-Verfassung.html von einem ganz katholisch-konservativen Standpunkt her, vertritt er die These” Der Atomausstieg muss in die Verfassung”. Ich zitiere hier Spaemann gerne, weil er zeigt, dass man auch von einem dezidiert nicht-linken Standpunkt zu diesem Ergebnis kommen kann. (Als Protestant würde ich es allerdings anders begründen)

  7. @ Quentmeier

    Die globalen fossilen Öl- und Gasreserven gehen in ca. 50-60 bzw. in 60-70 Jahren bei heutigem Verbrauch zur neige. D.h. , es ist alles verbraucht und es ist nichts mehr da, ausser Kohle. Deren Reserve reicht nach heutigem Verbrauch ca. noch 200 Jahre, wenn Öl- und Gas ersetzt werden sollten ca. 100-120 Jahre. Die prognostizierende Demographie geht von ca. 9-12 mrd Jahren Erdenbürgern in einem Zeitraum von 2050-2100 gegenüber heute ca. 8 mrd aus. Entwicklungsländer pochen auf den gleichen Wohlstand, den die Industrienationen vorgemacht haben. Das bisherige Wachstum, vor allem kapitalistisch industriell verursacht führt dazu, dass die synthetisch hergestellte Welt der Biomasse bereits über 50 % übersteigt.
    Merken Sie was?

  8. @ Quintmeier – Ergänzung

    vergass: Aufbrauch der Fossilen wäre ca. 3-5 Grad Erwärmung und Alle westlicher Wohlstand Verdopplung des Energiebedarfs.
    Klar,worauf das hinausläuft,oder?

  9. Sehr geehrter Herr Blume,
    dann gestatte ich mir auch ein Schlusswort. Ich erwarte gar nicht, dass Sie es hochladen, aber vielleicht nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit, es zu lesen.
    Zuerst möchte ich mich bedanken, dass Sie meine beiden Beiträge überhaupt hochgeladen haben, da meine – durch zahlreiche Zahlen, Daten und Fakten gestützte – Meinung Ihrer Einstellung diametral entgegensteht.
    Ich möchte mich weiterhin bedanken, dass Sie dieses Mal weitestgehend auf Unterstellungen und Tatsachenverdrehungen bei den Antworten auf meine Leserbriefe verzichtet haben. Das ist ja schon mal ein echter Fortschritt!
    Ich bin aber immer wieder entsetzt, wie wenig Sie in der Lage sind, wissenschaftliche, wirtschaftliche und ökologische Fakten und Zusammenhänge zu verstehen.
    Zum Thema Iran: ich habe bereits zwei Mal erwähnt, dass Deutschland weder Erdgas noch Erdöl aus dem Iran bezieht und auch sonst die internationalen Sanktionen weitgehend mitträgt und umsetzt. Es ist eine pure Selbstverständlichkeit und für Israel eine Überlebensfrage, dass der Iran niemals in den Besitz von Atomwaffen gelangen darf.
    Wir müssen aber damit leben, dass unser Land nicht nur mit „lupenreinen“ Demokratien Handel treiben kann. Laut Demokratie-Index der britischen Zeitschrift „The Economist“, der 167 Länder umfasst, sind in 2021 nur 21 Länder vollständige Demokratien und 53 Länder unvollständige Demokratien. 34 Länder werden als Hybridregime eingestuft und 59 als autoritäre Regime. Einer unserer wichtigsten Handelspartner, die VR China, belegt Platz 148 von 167 Ländern, Saudi-Arabien Platz 152, nur zwei Plätze vor dem Iran auf Platz 154 (alle Zahlen habe ich dem Wikipedia-Artikel „Demokratieindex“ entnommen.) Wenn Deutschland die VR China und Saudi-Arabien sanktionieren würde, wäre ein wirtschaftlicher Totalabsturz vorprogrammiert, Millionen Arbeitslose und Millionen Menschen in bitterer Armut, Zustände wie 1929. Wir müssen also mit den vielen Diktaturen leben und auch Handel treiben, wenn wir keinen wirtschaftlichen Selbstmord begehen wollen. Es gibt nun mal keinen „Planet B“, wir müssen mit der gegenwärtigen Welt irgendwie klarkommen.
    Mir sind die Kämpfer für Demokratie im Iran beileibe nicht gleichgültig, aber mir stehen die Menschen im eigenen Land nun mal näher. Deutschland ist nicht für die ganze Welt zuständig und deutsche Politiker sind nun mal gewählt, „dem deutschen Volke treu zu dienen, seinen Nutzen zu mehren und Schaden von ihm zu wenden“. Für das Anprangern und die Ahndung von Menschenrechtsverstößen gibt es die UNO, den Internationalen Gerichtshof für Menschenrechte und andere Institutionen.
    In einem Punkt erkenne ich aber doch ein gerütteltes Maß an Schuld des Westens gegenüber dem Iran – und diese Schuld liegt vor allem bei der deutschen und internationalen Linken. Der Westen hat den Schah von Persien, Reza Pahlevi, in seinem Kampf gegen eine zutiefst undemokratische, reaktionäre und patriarchale islamische Geistlichkeit in Stich gelassen und verraten. Beflügelt wurde dieser Verrat durch eine jahrelange Agitation gegen den Schah und zugleich auch gegen die mit ihm verbündeten USA.
    In den 70er Jahren regierte im Iran noch der Schah – und der war in den meisten linken Gruppen einer der meistgehassten Männer. Keine Frage, der Schah war ein Autokrat, der seine Feinde in brutalen Gefängnissen verschwinden ließ. Aber er hatte auch – mit einigem Erfolg – versucht, das Entwicklungsland Iran in einen modernen Industriestaat zu verwandeln. Und wie eine Generation zuvor Kemal Atatürk die Modernisierung der Türkei nur gegen die islamische Geistlichkeit durchsetzen konnte, so hatte auch der Schah seine liebe Not mit dem schiitischen Klerus.
    Den größten Fehler hat allerdings Frankreich gemacht, weil dieses Land einen rachsüchtigen alten Mann über 16 Jahre beherbergt hat und seiner Agitation gegen einen Verbündeten des Westens einfach hat gewähren lassen.
    In zahlreichen Flugblättern, die an deutschen Universitäten verteilt wurden, wurde der Schah beleidigt und aufs Übelste verunglimpft und sein Sturz herbeigesehnt. Dass dieser Sturz dem Iran wohl kaum demokratische Verhältnisse bringen würde und der greise Ajatollah Chomeni nur die Diktatur des Schah durch eine andere, noch wesentlich brutalere religiöse Diktatur ersetzen würde, war vielen linken Eiferern natürlich nicht klar oder sie wollten es einfach nicht sehen. Dann gab es ein kurzes Jauchzen und Frohlocken, als der Schah gestürzt worden war und ins Exil ging. „Das Licht der Arier (einer der Titel des Schas Reza Pahlevi) wurde ausgeknipst“ – so hieß es in einem Flugblatt. Trotz seiner Fehler muss die Regentschaft des Schah als für den Iran durchaus positiv angesehen werden.
    Die Linken freuten sich, denn zugleich war den in diesen Kreisen verhassten US-Amerikanern eins ausgewischt worden. Neben der islamischen Diktatur musste das iranische Volk anschließend noch einen weiteren fürchterlichen Preis für den Sturz des Schah bezahlen. Der irakische Diktator Saddam Hussein griff 1980 den Iran an und versuchte, einen Teil davon zu erobern, vor allem die ölreiche Provinz Chusistan. Saddam Hussein es nie gewagt, den Iran unter der Herrschaft des Schahs anzugreifen, zumal der Iran mit den USA verbündet war. So aber glaubte der irakische Diktator, leichtes Spiel zu haben. Es folgte ein acht Jahre dauernder Krieg mit über einer Million Gefallenen. Aber die deutsche und europäische Linke konnte jubeln, dass ein Vasall der USA abtreten musste. Das ist die eigentliche Schuld des Westens und vor allem der linken und selbsternannten progressiven Kräfte!
    Auch Ihnen alles Gute, bleiben Sie gesund!

    • Sehr geehrter Herr Quentmeier,

      es liegt an mir, Ihnen zu danken. Denn selten hat jemand das Abstreiten jeder Eigenverantwortung für das Klima, die Energiewende und auch die mutigen Menschen im Iran so ausdauernd formuliert wie Sie. Ob es um Erneuerbare Energien, Tempolimit oder Fleischverzehr, Geburtenraten oder das politische System im Iran geht – mit meist verkürzten, wissenschaftlichen Argumenten weisen Sie empört jede Verantwortung von sich selbst auf andere. Und glauben von sich selbst, sich doch nur mannhaft gegen überzogene, ideologische Ansprüche zu verteidigen.

      Da ich Ihnen wohl nicht mehr aus der argumentativen Sackgasse helfen kann, beschränke ich mich auf einen Hinweis: Einerseits beschwören Sie technologische Innovationen für die Zukunft, gleichzeitig aber verhöhnen Sie Vegetarismus – ohne das schnell wachsende Angebot an innovativen Fleischersatzprodukten auch nur zu erwähnen. Ein massiver Widerspruch, um sich selbst nicht hinterfragen zu müssen.

      Ihnen von Herzen alles Gute – vor allem einen Ausweg. Beste Grüße!

  10. Auch wenn ich mir einen demokratischen Iran wünschen würde, klingt für mich eher nach westlichen Wunschdenken.

    Es gibt eine konservative ältere religöse Schicht und es gibt eine jüngere Schicht die lieber mehr Freiheiten hätte. Dazu kam grad eine Doku auf ZDFInfo, in der sie glaub ich auch drin vorkamen. Das es da grössere Bewegung aus der religösen Schicht heraus gibt ist mir nicht bekannt. Das Land ist ideologisch gespalten, aber anscheinend reicht der Anteil nicht aus eine Umwälzung herbeizuführen.

    Übrigens der Iran war mal westlich, ohne Kopftuch usw. Die USA hat damals die demokratisch gewählte Regierung gestürzt (die hatte dummerweise gedacht die könnten die westlichen Anteile an den Erdöleinkünften mal eben verringern) und den Schah wieder eingesetzt. Da die Leute aber weiter unzufrieden mit dem Schah Regime waren, kam dann irgendwann Chomeni als “Retter”. Da kann man durchaus mal nach der Verantwortung des Westens für die heutige Situation fragen.

  11. @Quentmeier 26.10. 22:44

    „Wenn Deutschland die VR China und Saudi-Arabien sanktionieren würde, wäre ein wirtschaftlicher Totalabsturz vorprogrammiert, Millionen Arbeitslose und Millionen Menschen in bitterer Armut, Zustände wie 1929. Wir müssen also mit den vielen Diktaturen leben und auch Handel treiben, wenn wir keinen wirtschaftlichen Selbstmord begehen wollen.“

    Dem muss ich wohl zustimmen. Es hilft nicht weiter, das Zweite vor dem Ersten zu machen. Wir müssen erstmal die Energiewende vollziehen, und können danach erst wirklich damit anfangen, auch Demokratie in die derzeitigen Autokratien zu bringen. Solange wir fossile Rohstoffe brauchen, finanzieren wir die Autokraten eben automatisch mit.

    Wir können auch nicht jeden Autokraten zum Freiwild erklären, ohne dass die wirklich Angst vor uns bekommen, und sich dann womöglich gegen uns verbünden. Gerade angesichts des technischen Fortschritts in China haben wir im Westen kein Monopol mehr auf fortschrittliche Technik.

    Ich denke, wir sollten viel mehr gucken, wie wir den globalen gemeinsamen Kampf gegen den Klimawandel auch zu mehr internationalem Miteinander nutzen können.

    Der Ukrainekrieg ist insofern speziell, dass sich hier eine angehende Demokratie selbst verteidigen will. Hier Waffen zu liefern, erscheint mir schon als vernünftig. Aber die gegenseitigen Sanktionen halte ich für eigentlich unnötig, das schadet uns selbst, und hilft der Ukraine kaum was. Wenn Russland freilich sowieso kein Gas mehr liefert, nur weil wir der Ukraine Waffen liefern, dann müssen wir eben damit leben. Sollte es aber möglich sein, unabhängig von den militärischen Aktivitäten über die gegenseitigen Sanktionen zu verhandeln, dann wäre ich dafür.

  12. Herr Blume, mit Ihrer Antwort vom 29.10.2022 haben Sie einen neuen Tiefpunkt in Ihrer Argumentation erreicht (den Sie aber sicher demnächst noch unterbieten werden): „Sie werden doch dafür nicht bezahlt, oder?“
    Ich habe in vier Beiträgen in diesem Forum zahlreiche Probleme der Energieversorgung angeschnitten und alle meine Argumente mit Zahlen, Daten und Fakten einschließlich Quellenangaben begründet. Überfordern Sie diese Zahlen, Daten und Fakten? Oder können Sie nicht analytisch denken?
    Was treibt mich also an? Auf jeden Fall nicht der schnöde Mammon (Vorsicht, Angelhaken!). Ich habe ein naturwissenschaftliches Studium absolviert (Mikrobiologie), aber schon seit meiner Schulzeit bin ich von naturwissenschaftlichen Erkenntnissen fasziniert. Hier zählen eben nur die harten Fakten, kein Geschwafel, keine pseudointellektuelle Wortklauberei und keine juristische Rabulistik. Und angesichts der für jedermann leicht zugänglichen und eigentlich auch leicht verständlichen Daten zur Energieversorgung sehe ich seit Jahrzehnten, wie viel Wunschdenken, Weltfremdheit und regelrechte Realitätsverleugnung die grünen, roten und seit 2011 auch schwarzen Energiewender in die deutsche Politik einbringen. Angefangen mit dem grünen Kampf gegen die Atomenergie seit den 70er Jahren – das ist der Gründungsmythos der Grünen – greift die damals aufkommende Irrationalität zuerst auf die SPD über und ab 2011 aus rein wahltaktischen Erwägungen von Frau Merkel auch auf die CDU. Erst der Ausstieg aus der Kernenergie und seit letztem Jahr auch der Ausstieg aus der Kohleverstromung ist energiepolitischer Irrsinn – kein Land der Welt ruiniert seine eigene Industrie und Gesellschaft mit einer solchen Energiepolitik wie aus dem Irrenhaus. Und dieser Irrsinn löst bei mir blankes Entsetzen aus, aber auch Wut – und deswegen melde ich mich hier gelegentlich zu Wort.
    Die Bedeutung einer wertschöpfenden und innovativen Industrie sollte eigentlich unmittelbar einleuchtend sein. In Deutschland leben 230 Menschen auf einem Quadratkilometer – und von diesen kann nur ein Bruchteil in der Landwirtschaft arbeiten, aber die wenigen Menschen in der Landwirtschaft müssen alle anderen ernähren. Der große Rest muss als Arbeit in Industrie und Dienstleistungsgewerbe finden – und dafür ist eine sichere und preisgünstige Energieversorgung zwingend erforderlich.
    Ein moderner Industriestaat braucht auf Jahrzehnte hinaus fossile Energien UND Kernenergie; mit Wind und Sonne klappt es nun mal nicht (es sei denn, wir wollen ins vorindustrielle Zeitalter zurück und akzeptieren, dass mindestens die Hälfte der Menschheit verhungern muss und der Rest in Primitivität und Unterentwicklung versinken wird). Pläne, Deutschland und die EU bis 2045 oder 2050 „klimaneutral“ zu machen, sind völlig absurd. In Deutschland dauert es ca. 15 Jahre, um einen einzigen – im Weltmaßstab mittelgroßen – Flughafen fertigzustellen. 10 Jahre wurden für ein Konzerthaus gebraucht; fast ebenso lange dauert die Sanierung einer einzigen Rheinbrücke – und da soll eine Jahrhundertaufgabe wie die Decarbonisierung ganzer Volkswirtschaften in 25 Jahren über die Bühne gehen? Träumen Sie weiter; da hoffe ich lieber auf die Kernfusion. Und so lange es diese noch nicht in Form einsatzbereiter Kraftwerke gibt, müssen wir weiter Kernkraftwerke, aber auch hocheffiziente Kohle- und Gaskraftwerke betreiben. Auf die hohe Energie- und Rohstoff-Effizienz der deutschen Wirtschaft hatte ich bereits mehrfach hingewiesen. Und zu glauben, mit Tempolimit und vegetarischer Ernährung oder auch kalten Wohnungen hier irgendetwas reißen zu können, ist hoffnungslos naiv.

    • Danke, Herr Quentmeier. Freund-Feind-Dualismus ist ja psychologisch recht einfach gestrickt, Sie lehnen also gleich mehrere demokratische Parteien auch emotional ab – und wer so eine geringe Meinung von Geisteswissenschaften hat…

      Darf ich Ihnen eine letzte Frage stellen? Wie lösen Sie den inneren Widerspruch, einerseits die „hohe Energie- und Rohstoff-Effizienz der deutschen Wirtschaft“ zu rühmen und andererseits über weitere Einsparungen und Weiterentwicklungen erneuerbarer Energien (v)erbittert zu höhnen? Sie haben doch selbst nicht nur bemerkt, sondern auch angeführt, dass sich Wohlstand und Energie-/Ressourcenverbrauch teilweise entkoppeln lassen. Erkennen Sie den zentralen Widerspruch in Ihrer Argumentation nicht – oder verdrängen Sie ihn aktiv? 🤭

  13. Sehr geehrter Herr Blume,
    Ihrer Bitte will ich gerne nachkommen und beantworte Ihre Frage gerne: „Wie lösen Sie den inneren Widerspruch, einerseits die „hohe Energie- und Rohstoff-Effizienz der deutschen Wirtschaft“ zu rühmen und andererseits über weitere Einsparungen und Weiterentwicklungen erneuerbarer Energien (v)erbittert zu höhnen?“ Den von Ihnen diagnostizierten Widerspruch in meiner Argumentation gibt es nicht; meine Argumente sind durch Zahlen, Daten und Fakten gestützt, die jeder leicht selbst überprüfen kann. Wie oft muss ich das noch wiederholen? Seufz! Stöhn! Ächz! Da muss ich schon auf die onomatopoetischen Lautäußerungen der Duck-Familie zurückgreifen!
    Es gibt drei Punkte, warum ich die Erneuerbaren Energien, so wie sie in Deutschland eingesetzt und subventioniert werden, vehement ablehne. In Kurzfassung:
    1. Jeder Euro kann nur einmal ausgegeben werden, also müssen Investitionen zur Energieversorgung in die effizientesten Möglichkeiten zur Energieerzeugung erfolgen.
    2. Die Erneuerbaren Energien sind unzuverlässig und teuer, während ein moderner Industriestaat eine absolut zuverlässige und günstige Energieversorgung benötigt.
    3. Der enorme Ausbau der Windenergie ist eine unbeschreibliche Landschaftsverschandelung. Es gibt kaum noch ein Fleckchen Erde in Deutschland, vielleicht vom Alpenraum abgesehen, dass nicht durch monströse Windräder verschandelt ist.
    Zur Erläuterung, wenn Sie noch genügend Power haben:
    1. Über Jahrzehnte wurde in Deutschland sehr zuverlässig mit Strom aus Kohle- und Gaskraftwerken und seit 1970 auch aus Kernkraftwerken versorgt. Die Wasserkraft spielt nur eine untergeordnete Rolle. Im Jahr 2000 wurde durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegt, dass Strom aus „Erneuerbaren Energien“, also Wind, Sonne und Biomasse bevorzugt in das Stromnetz einzuspeisen ist und die o. g. konventionellen Kraftwerke nur als Reserve dienen sollen, wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint. Zugleich wurden die „Erneuerbaren Energien“ über die EEG-Umlage mit aberwitzigen Subventionen gestützt. Auf diese Weise wurden in ca. 20 Jahren die „Erneuerbaren Energien“ mit ca. 250 Milliarden Euro subventioniert, aber die konventionellen Kraftwerke bleiben weiterhin unentbehrlich. Der Stromverbrauch in Deutschland beträgt mindestens 40 Gigawatt (GW), die sogenannte Grundlast, 365 Tage im Jahr, 24 Stunden. Dieser geringste Wert im Tagesverlauf wird zwischen zwei und drei Uhr morgens an Wochenenden benötigt; an Werktagen sind es schon 50 – 60 GW. Dann steigt der Stromverbrauch schnell an und um die Mittagszeit werden Werte bis zu 75 GW erreicht, an kalten Wintertagen manchmal bis zu 80 GW. Zum Vergleich: ein modernes großes Kohlekraftwerk wie Datteln IV am Nordrand des Ruhrgebiets leistet ein GW; ein Kernkraftwerk 1,4 GW. Das heißt; in Deutschland beträgt die Grundlast so viel wie 40 große Kohlekraftwerke oder 30 Kernkraftwerke leisten, die Spitzenlast das Doppelte. Die benötigte Leistung muss sekundengenau bereitgestellt werden; die Kraftwerke müssen also genau gesteuert und geregelt werden. Nun lassen sich Wind und Sonne aber nicht regeln – und nachts gibt es nun mal keinen Strom aus Solarmodulen. Da Strom nicht in großen Mengen gespeichert werden kann, müssen also konventionelle Kraftwerke als Reserve bereitgehalten werden, erreichen dadurch aber weniger Betriebsstunden und arbeiten daher unwirtschaftlich. Fazit: wo vorher ein System mit den genannten konventionellen Kraftwerken exzellent und wirtschaftlich erfolgreich funktioniert hatte, arbeiten nun zwei Systeme parallel: 1. die „Erneuerbaren Energien“, teuer und unzuverlässig; 2. konventionelle Kraftwerke als Reserve und dadurch unwirtschaftlich. Kosten in dreistelliger Milliardenhöhe fallen an, bei einer nur geringen Menge an CO2-Einsparung. Und diese Milliardenbeträge fehlen den Stromverbrauchern und der Energiewirtschaft.
    2. Die Unzuverlässigkeit der „Erneuerbaren Energien“ in punkto Versorgungssicherheit hatte ich schon angeschnitten. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Stabilität der Netzfrequenz von 50 Hertz, die mit den „Erneuerbaren Energien“ immer schwerer zu gewährleisten ist. Vor allem fehlen die Schwungmassen der riesigen über 100 t schweren Rotoren bei konventionellen Kraftwerken. Ein weiterer wichtiger und gegenwärtig sehr unerfreulicher Punkt ist, dass nach dem stufenweisen Abschalten von Kohle- und Kernkraftwerken zusätzliche Gaskraftwerke gebaut werden müssen, um bei Dunkelheit und Flaute die Grundlast und die Spitzenlast um die Mittagszeit abzudecken. Das heißt, dass nach dem Abschalten aller Kohle- und Kernkraftwerke 80 GW Gaskraftwerkskapazität bereitstehen müssen. Rechnen Sie pro GW ca. eine Milliarde Euro – und vergessen Sie nicht, für die Lieferung der gewaltigen Erdgasmengen zu sorgen!
    3. Gegenwärtig gibt es in Deutschland ca. 30.000 Windkraft-Anlagen mit einer installierten Leistung von ca. 60 GW. Diese Leistung steht aber nur auf dem Papier, wenn der Wind nicht weht. Bei längeren Autobahnfahrten mit meinem heißgeliebten Diesel-SUV bin ich immer wieder entsetzt über die Verschandelung unserer Landschaften. Selbst Landstriche, an denen 200 Jahre Industrialisierung fast ohne Einfluss geblieben sind, werden jetzt durch diese weithin sichtbaren Monsterbauten verschandelt. Auch liebliche Mittelgebirgslandschaften werden gnadenlos zugebaut mit diesen Monumenten der energiepolitischen Irrsinns. Den meisten Menschen ist überhaupt nicht klar, wie ineffizient und sinnlos die Windrad-Monster sind. Dazu zwei Beispiele: das schon erwähnte Kohlekraftwerk Datteln IV mit seiner Leistung von 1 GW = 1000 Megawatt (MW) mit Windmühlen zu ersetzen erfordert rechnerisch 400 Windräder á 2,5 MW (jedes einzelne fast 200 m hoch!). Da der Wind in Datteln aber nur entsprechend schwach weht und übers Jahr gerechnet nur 20 % der installierten Leistung erbringt, wären also fünf Mal so viele Windräder erforderlich, also 2000! Und auch diese sind nutzlos bei Flaute, also MUSS auf jeden Fall 1000 MW Reserve-Kapazität in Form von konventionellen Kraftwerken bereitstehen. Noch absurder wird es, wenn wir weiter ins Binnenland gehen und z. B. das Kernkraftwerk Isar 2 (1410 MW) durch Windräder ersetzen wollen. Das Kernkraftwerk hat eine (Netto)-Leistung von 1410 MW. Dafür brauchen wir schon rechnerisch 564 Windräder á 2,5 MW. Da aber in vielen Teilen Bayerns nur ca. 10 % Jahresauslastung möglich sind, brauchen wir sage und schreibe 5640 (in Worten: fünftausend sechshundert vierzig!) fast 200 m hohe Windräder! Und, Sie ahnen es schon: auch diese sind nutzlos bei Flaute, also MUSS auf jeden Fall hier 1410 MW Reserve-Kapazität in Form von konventionellen Kraftwerken bereitstehen!
    Fazit: Verstehen Sie jetzt meine Abneigung gegen die „Erneuerbaren Energien“, insbesondere Windkraft? Dazu brauchen Sie gar keine Küchenpsychologie und keinen Freund-Feind-Dualismus zu bemühen, sondern nur die Erkenntnisse der Wissenschaft zu akzeptieren! Erneuerbare Energien auf der Basis des EEG sind teuer, für den Klimaschutz fast bedeutungslos und stellen – in Form von Windmühlen – eine beispiellose Landschaftsverschandelung dar. Mit Rohstoffverbrauch will ich hier gar nicht erst anfangen. Die einzige Möglichkeit, den Stromhunger zu einem gewissen Teil „erneuerbar“ zu stillen, wäre Sonnenenergie. Aber dazu gebe ich Ihnen, falls gewünscht, ein separates Privatissimum, ebenso zur Stromspeicherung. An den fossilen Energieträgern und der Kernenergie kommen wir auf Jahrzehnte nicht vorbei. Und ich hoffe auf die Kernfusion!

    • Okay, sehr geehrter Herr Quentmeier – nun haben Sie wieder einen langen Text gegen eine Form Erneuerbarer Energie geschrieben, der meiner o.g. Frage einfach ausgewichen ist… 💁‍♂️

      Ich fürchte, Sie haben sich in Ihren multiplen Ablehnungen mit Endhoffnung Kernfusion abgeschottet und wir kommen hier nicht mehr weiter…

      Ihnen dennoch von Herzen alles Gute!

      • Sehr geehrter Herr Blume,
        ich habe Ihre oben genannte Frage doch beantwortet! Einmal in Kurzform; in drei Punkten habe ich Ihre Frage diskutiert und beantwortet. Und dann habe ich jeden der drei Punkte noch einmal ausführlich erläutert. Sie sehen, ich habe mir wirklich Mühe gegeben. Das muss jetzt aber reichen! Mehr als Zahlen, Daten und Fakten aus wissenschaftlich anerkannten Quellen kann ich Ihnen nicht präsentieren. Sie sollten allerdings ihre ideologische Scheuklappen ablegen und einfach mal unbefangen über diese Zahlen nachdenken. Aber ich habe das Gefühl, Sie können wirklich nicht analytisch denken und nicht mit den dargebotenen Fakten, Zahlen und Daten wissenschaftlich umgehen. Wie dem auch sei, ich bedanke mich ganz herzlich, dass Sie meine Beiträge abgedruckt und hochgeladen haben. Vielleicht kommen ja wenigstens einige Leser hier ein wenig zum Nachdenken. Alles Gute, bleiben Sie gesund, wissenschaftlich interessiert und neugierig.

        • Lieber Herr Quentmeier,

          auch mehrere andere Kommentierende haben ja zu Ihren Ausführungen nachgefragt; doch Sie wiederholen einfach nur Ihre in sich widersprüchlichen Ausführungen. Und halten uns anderen vor, dass wir Ihre Zahlen nicht verstehen würden.

          Das passiert Ihnen sicher öfter. Denn Sie haben sich in eine Sackgasse manövriert, aus der fast alle anderen seltsam wirken müssen.

          Tragisch.

          Ihnen alles Gute.

  14. @Quentmeier 29.10. 23:34

    „Erst der Ausstieg aus der Kernenergie und seit letztem Jahr auch der Ausstieg aus der Kohleverstromung ist energiepolitischer Irrsinn – kein Land der Welt ruiniert seine eigene Industrie und Gesellschaft mit einer solchen Energiepolitik wie aus dem Irrenhaus.“

    Mit immer mehr Solarpaneelen und Windrädern kommt man eben tatsächlich zur Dekarbonisierung, zunächst mit Altkraftwerken als Backup, und später dann mit immer weniger Backup und immer mehr Speichermöglichkeiten in Fahrzeugbatterien und Wasserstoff.

    Was hier aktuell ruinös ist, das ist, dass wir uns auf russisches Erdgas eingerichtet haben. Und vielleicht auch zuwenig dafür tun, die Spannungen mit Russland zu begrenzen.

    Auch machen neue Atomkraftwerke wenig Sinn, die sind teuer und kommen zunächst zu spät, und in 30 Jahren haben wir genug regenerative Energiequellen installiert, dass wir die dann nicht mehr brauchen. Dann werden die zum Milliardengrab.

    Angesichts der aktuellen Gasknappheit macht es aber Sinn, unsere alten AKWs dann doch noch ein paar Jahre länger zu betreiben. Und wir können auch froh sein, dass Frankreich noch viel Atomenergie hat, da können wir uns noch länger mit austauschen, dass unsere fossilen Backupkraftwerke weniger laufen müssen, und entsprechend weniger Treibhausgase freisetzen.

    „Und zu glauben, mit Tempolimit und vegetarischer Ernährung oder auch kalten Wohnungen hier irgendetwas reißen zu können, ist hoffnungslos naiv.“

    Das leistet schon seinen Beitrag, einige Prozent allemal. Und auch weniger Verschwendung in allen Bereichen spart nicht nur beim Konsum, es macht auch Arbeitskräfte frei, die entsprechenden Investitionen schneller umzusetzen. Und am Ende stehen wir dann überhaupt nicht mit einer kaputten Wirtschaft da, wir sind dann sogar von Autokraten unabhängig, und keiner kann uns mehr das Gas abdrehen.

    Auch eine chinesische Konkurrenz auf dem Weltmarkt macht uns immer weniger aus, je weniger wir fossile Brennstoffe einkaufen müssen, dann können wir auch weniger exportieren. Und irgendwann sogar weniger arbeiten, und die freie Zeit nutzen, wieder bestandserhaltend Kinder großzuziehen.

    Ein Irrenhaus war es möglicherweise, dass man die letzten Jahre viel zu wenig für die Energiewende getan hat. Das werden unsere Kinder und Enkel vielleicht noch böse ausbaden müssen. Wie warm es auf der Welt aber wirklich wird, ist auch den Klimaforschern immer noch nur sehr ungenau bekannt. Vielleicht haben wir Glück, und es wird so viel wärmer gar nicht. Da drauf setzen können wir aber nicht, uns bleibt nichts anderes übrig, als so schnell wie möglich mit der Energiewende vorwärts zu kommen.

    So oder so, je schneller wir mit vernünftigen Maßnahmen vorwärts kommen, desto geringer fällt dann auch der Klimawandel aus, der auf uns zu kommt.

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