Fundamentalismus & Extremismus – Die gefährlichen Seiten des Glaubens

Schon vor über 5 Jahren schrieb ich im Fazit meiner ersten Titelgeschichte „Homo religiosus“, dass das enorme Potential von Religiosität auch gefährliche Seiten habe. Zu beobachten sei eben auch, „dass in besonders engen Gemeinschaften nicht nur Vertrauen und Kooperation zunehmen, son­dern genauso die Abgrenzung gegenüber An­dersgläubigen und Atheisten, die Ablehnung von Toleranz und Humor und teilweise sogar die Bereitschaft, eigene Interessen gewaltsam durchzusetzen. Auch extremistische und kriminelle Gemein­schaften nutzen religiöse Lehren und Rituale, um den inneren Zusammenhalt gegen die Au­ßenwelt zu stärken. Bisweilen werden die Un­gleichbehandlung von Frauen und Kindern so­ wie Freiheitsberaubung, Gewalt, Genitalverstüm­melungen und sogar Mord mit dem Hinweis auf religiöse Gebote gerechtfertigt. Und der Repro­duktionserfolg religiöser Gemeinschaften kann in Regionen, die unter Überbevölkerung leiden, die Lebensbedingungen noch verschlimmern. Statt erbitterte, letztlich fruchtlose Diskus­sionen darüber zu führen, ob religiöser Glaube insgesamt eher »gut« oder »schlecht« für die Menschheit ist, sollten wir besser nach den rich­tigen Weichenstellungen fragen, die die posi­tiven Wirkungen von Religionen entfalten und negative Entwicklungen zu überwinden helfen.“

Nachdem die jahrelangen Arbeiten zu Religion & Demografie abgeschlossen waren, hatte ich nun über den Sommer endlich Zeit, dazu das nächste sciebook zu schreiben. Es ist zum üblich günstigen Preis bereits für Kindle erhältlich, seit dem 25.8. auch bei ciando für alle eBook-Formate und wird, so die Planung, bis Oktober als Taschenbuch verfügbar sein.

ExtremismusFundamentalismussciebookBlume

Inhaltlich gehe ich auf sonst gerne verdrängte Aspekte der Religionsgeschichte wie die „Völkermordbefehle“ im 5. Buch Mose der Bibel, buddhistische Rechtfertigungen von Gewalt oder auch die schnelle Ausbreitung der erst fundamentalistischen, bald aber auch in Flügeln und Abspaltungen extremistischen „Muslimbruderschaft“ ein. Warum und wie entwickeln sich abschottende, schließlich gar gewalttätige Traditionen? Was kann man (nicht) dagegen tun? Wie beklemmend eng die Parallelen zwischen dem kurzlebigen, christlich-extremistischen „Täuferstaat von Münster“ mit einem selbsternannten, gewalttätigen „König von Zion“ an der Spitze zum gerade entstandenen „Islamischen Staat“ in Syrien und Irak mit einem selbsternannten, gewalttätigen „Kalifen Ibrahim“ an der Spitze sein würden, war zu Beginn des Buchprojektes noch gar nicht zu erwarten!

Gerade auch die vielen Rückmeldungen und Wünsche hier auf Natur des Glaubens haben mich dieses Buchprojekt angehen lassen. Auch weiterhin freue ich mich sehr über Rezensionen, ermutigende wie auch kritische Anregungen und Ihr Interesse. Denn für die kommenden Monate wird mich zwar ein Buchauftrag eines Fachbuchverlages binden – doch geht nichts über den Dialog mit Ihnen, meinen Leserinnen und Lesern.

Ich bin also sehr gespannt, wie Sie „Religiöser Fundamentalismus & Extremismus. Die gefährlichen Seiten des Glaubens“ finden – und ob es wieder gelungen sei, eine Brücke zwischen den abstrakten Befunden der Wissenschaft und einem verständlichen, spannenden Lesefluss zu bauen…

Michael Blume

Dr. Michael Blume, Jahrgang 1976, studierte nach Wehrdienst & Ausbildung zum Bank-Finanzassistenten Religions- und Politikwissenschaft in Tübingen. Neben seinem Hauptberuf beim Land Baden-Württemberg lehrte er an verschiedenen Universitäten, derzeit in Köln. Blume promovierte über die Thesen von Hirnforschern zur Religion ("Neurotheologie") und forscht über die Evolution von Religiosität und Religionen. Als erster Deutscher wurde Blume in das internationale Forschernetzwerk der Evolutionary Religious Studies berufen, aus dem er seit März 2008 auch im Scilog "Natur des Glaubens" berichtet. Für diesen erhielt er 2009 den Scilogs-Preis und wurde 2010 mit dem Preis "Vermittlungen" der Evangelischen Akademie Villigst für Nachwuchswissenschaftler ausgezeichnet. Der Hohe Rat der Yeziden in Lalish verlieh ihm 2015 eine Auszeichnung für den Einsatz für schutzbedürftige Frauen und Kinder aus Kurdistan-Irak. Der evangelische Christ ist mit einer Muslimin verheiratet, die beiden haben drei Kinder. Zehra Blume gründete auch den sciebooks-Verlag, in dem einführende eBooks und Taschenbücher zu wissenschaftlichen Themen erscheinen.

65 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Es kann positiv sein, wenn die Kirche weiter existiert. Es ist z. B. gut, dass es die Caritas gibt. Es ist gut, dass es eine Priesterseelsorge gibt. Und es ist gut, dass Kirchenvertreter gegen den Wertezerfall kämpfen. Aber man sollte ein bestimmtes Ritual (die Messe) nicht dauernd wiederholen. Es ist sinnvoll, die Messe nur selten (bei besonderen Anlässen) durchzuführen. Es ist sinnvoll, wenn Priester religiöse Kurse in relativ kleinen Räumen (nicht in großen Kirchen) durchführen. Zudem ist es für die meisten Menschen nicht nötig, Mitglied in einer Religionsgemeinschaft (z. B. Kirche) zu sein. Sondern für die meisten Menschen genügt es, gelegentlich religiöse Kurse (z. B. Geistheiler-Seminare) zu besuchen. Das Beten zu einem „Vater im Himmel“ ist sinnlos. Wir brauchen Geistheilung gemäß C. G. Jung.

    • Michael Blume

      @Reli-Schamane schrieb:

      Wir brauchen Geistheilung gemäß C.G. Jung.

      Wer ist denn „wir“? Ehrlich gesagt verspüre ich persönlich keinen Bedarf an „Geistheilung“… 😉

      Sie wissen schon, dass Sie hier auf einem Blog rund um ReligionsWISSENSCHAFT gelandet sind?

      • @Michael Blume: Den Reli-Schamanen kannst du getrost ignorieren, der will nur spielen. Bei mir auf dem Blog gesperrt, da die Kommentare (wie hier offensichtlich auch) nichts mit dem Beitragsinhalt zu tun haben…

        Ansonsten werd‘ ich mir das E-Book mal zu Gemüte führen und bin gespannt! Ist ja ein schwieriges Thema, auch aus Perspektive der christlichen Theologie (da ja vor allem die Gewalt im Alten Testament). Freu mich auf eine Religionswissenschaftliche Sichtweise.

    • @ Blume
      Vielleicht finden Sie folgendes interessanter:
      Es gibt keinen jenseitigen Gott, keinen persönlichen Gott und keinen Schöpfer-Gott. Gott ist identisch mit der Natur (und dem Leben). Aber nicht nur mit der uns bekannten Natur, sondern auch mit der uns (ewig) unbekannten Natur. Der Mensch wurde nicht “erschaffen”, sondern existiert von Natur aus. Das Universum ist nicht durch einen “Urknall” entstanden, und ist zeitlich und räumlich unendlich. Das höchstentwickelte Lebewesen erscheint dort, wo die Not am größten ist. Christus ist vielleicht das höchstentwickelte Lebewesen, vielleicht aber auch nicht. In jedem Fall ist Christus nicht der “Sohn Gottes”.

      • Michael Blume

        @Reli-Schamane

        Na, dann ist ja endlich alles geklärt! Und wir Wissenschaftler können endlich mit dem Forschen, Fragen und Neugierig-bleiben aufhören! 🙂

        Wollen Sie sich noch die Mühe machen, uns Unerleuchteten die Quelle Ihres höheren Wissens zu offenbaren?

      • @ Blume
        Hahaha …….
        Da Sie sich oben für eine „Trollwarnung“ bedanken, weiß ich nicht, ob ich gesperrt werde, oder nicht. Ist mir auch egal.
        Es gibt heute Wissenschaftler, die der Meinung sind, dass der Mensch heute oder in der Zukunft alles erklären kann. Das ist die Gefahr. In Wirklichkeit ist es nicht so, dass der Mensch wesentliche Dinge über das Universum (Größe, Alter) bereits weiß. Dass das Universum unendlich groß ist, steht z. B. in der Neuoffenbarung von Jakob Lorber.

        • @Reli-Schamane

          Sie schrieben: Es gibt heute Wissenschaftler, die der Meinung sind, dass der Mensch heute oder in der Zukunft alles erklären kann.

          Mag sein, ich gehöre nicht zu ihnen. Ich denke z.B., dass schon empirische Wissenschaften und metaphysische Wissenschaften (wie Philosophien, Theologien, Rechtswissenschaften etc.) jeweils ganz unterschiedliche Fragen bearbeiten, die sich nicht ineinander auflösen und kaum „endgültig“ entscheiden lassen. Neues entdecken und verstehen wir dann, wenn wir auch die Grenzen unseres Wissens und des Wissensmöglichen anerkennen.

          Das ist die Gefahr.

          Für wen und durch wen genau?

          In Wirklichkeit ist es nicht so, dass der Mensch wesentliche Dinge über das Universum (Größe, Alter) bereits weiß.

          Nein, und jeder empirische Forscher lernt schon im Grundstudium, dass jede Theorie nur solange gilt, bis sie widerlegt oder durch eine bessere Theorie überboten worden ist. Deswegen sprechen wir von der Evolutions-, Urknall- und QuantenTHEORIE (um nur wenige zu nennen) – wissend, dass jedes Wissen immer vorläufig ist.

          Dass das Universum unendlich groß ist, steht z. B. in der Neuoffenbarung von Jakob Lorber.

          Und woher wissen Sie, dass diese Neuoffenbarung unbezweifelbar wahr sei – im Gegensatz zu den zahlreichen anderen Alt- und Neuoffenbarungen? (Das ist eine ernsthaft interessierte Frage!)

        • @ Blume
          Ich sage ja nur, dass das Universum nicht endlich ist. Ich erlaube mir keine genaue Aussage über die Beschaffenheit des Universums. Es gibt erstaunliche Parallelen in den Aussagen von Eckhart, Lorber, Steiner usw., obwohl sie voneinander unabhängig gewesen sind. Deswegen kann man davon ausgehen, dass die Offenbarungen einen großen Wert haben.

        • Du liest die Dinge, wie sie geschrieben sind, nicht wie sie gemeint waren. Das ist eine ganz schlechte Ausgansposition für Erkenntnis.

        • @ Reli-Schamane :

          Ich sage ja nur, dass das Universum nicht endlich ist.

          Nicht ganz klar, ein Problem ist hier, dass die Unendlichkeit nicht vorstellbar ist (seitens der Erkenntnissubjekts), es könnte sich insofern schon um eine Endlichkeit handeln, die erweiterbar ist, aber nicht ins Unendliche.
          >:->

          Weil ansonsten nicht vorstellbar.

          Wichtich scheint zuvörderst für Sie zu sein, das Vorstellbare zu verstehen bzw. sich vorzustellen.

          MFG + SCNR
          Dr. W (der sich sicher ist, dass Dr. B hier beizeiten abzuhelfen weiß – nichts zwingend günstig natürlich)

      • @ Reli-Schamane :

        Es gibt keinen jenseitigen Gott, keinen persönlichen Gott und keinen Schöpfer-Gott.

        Hängt davon ab, wie Sie den mit ‚Es gibt‘ angedeuteten Existenzbegriff verstehen. Es gibt zumindest Konzepte von jenseitigen Göttern, überhaupt scheint der Existenzbegriff deutlich von den Feststellenden abhängig.
        Ansonsten würde womöglich nichts existieren („aus sich heraus sein (oder stehen)“), wenn keiner hinschaut.

        Gott ist identisch mit der Natur (und dem Leben).

        Der Pantheismus grüßt an dieser Stelle.

        Aber nicht nur mit der uns bekannten Natur, sondern auch mit der uns (ewig) unbekannten Natur.

        Hier ist diese dem Erkenntnissubjekt mögliche Unterscheidung vielleicht für Sie von Interesse:
        -> http://de.wikipedia.org/wiki/There_are_known_knowns

        Der Mensch wurde nicht “erschaffen”, sondern existiert von Natur aus.

        Und hier der Satz Fichtes: ‚Etwas ist, es ist, weil es ist, und es ist so wie es ist, weil es so ist, wie es ist.‘

        Das Universum ist nicht durch einen “Urknall” entstanden, und ist zeitlich und räumlich unendlich.

        Hier müsste die Naturlehre, insbesondere in Gestalt der Physik(lehre) zu befragen sein, also wenn es konkret wird für das Erkenntnissubjekt, finden Sie nicht, derartige (a-religilöse und naturwissenschaftliche) Sichtenbildung betreffend?

        Das höchstentwickelte Lebewesen erscheint dort, wo die Not am größten ist. Christus ist vielleicht das höchstentwickelte Lebewesen, vielleicht aber auch nicht. In jedem Fall ist Christus nicht der “Sohn Gottes”.

        Die ‚Not‘ könnte zum Glauben allgemein, nicht nur der religiöse ist gemeint, angeleitet haben.
        Hier dürfen auch Sie mitmachen, am besten substantiiert.

        MFG + noch einen schönen Tag des Herrn!
        Dr. W

        • Und hier der Satz Fichtes: ‚Etwas ist, es ist, weil es ist, und es ist so wie es ist, weil es so ist, wie es ist.‘

          -> Das würde auch jeder Fundamentalist unterschreiben!

          • @ ‚chris‘ :
            Ischt die Grundlage jedweden Verstehens im Rahmen moderner Wissenschaftlichkeit, sofern sie sich auf die Datenlage und die zeitgenössische skeptizistische Sachbeschreibung bezieht,

            MFG
            Dr. W

            PS: Es geht auch anders.

  2. „…sollten wir besser nach den rich­tigen Weichenstellungen fragen, die die posi­tiven Wirkungen von Religionen entfalten?„
    was eigentlich auch nur religiös denkende sich fragen können und in der vielheit des glaubens letztlich auch religiöse extremisten denken sie haben eine posive wirkung auf ihre religion.
    oder glauben sie herr blume nur ihr glaube wäre der gute, richtige ,wahre…
    ich denke, auch herr blume wird sich „erbitterte, letztlich fruchtlose Diskus­sionen darüber zu führen, ob religiöser Glaube insgesamt eher »gut« oder »schlecht« für die Menschheit ist.„

    grüße

    • @fuchsimschnee

      Also, eigentlich mache ich die Erfahrung, dass auch Agnostikerinnen und Atheisten über die Auswirkungen von Religiosität und Religionen forschen, nachdenken und diskutieren können. Viele tun das auch, bisweilen sehr engagiert – zum Beispiel in der Humanistischen Akademie.
      http://www.humanistische-akademie-deutschland.de/wozu-religion-atheisten

      letztlich auch religiöse extremisten denken sie haben eine posive wirkung auf ihre religion.

      Das genau ist das Problem, von dem das o.g. Buch handelt. Ich denke zum Beispiel, dass es zu einfach ist, Extremisten vorzuhalten, sie würden ihren Glauben „missbrauchen“. Aus ihrer Innensicht glauben sie bisweilen aufrichtig, für das Gute zu stehen! Entsprechende Zitate z.B. aus Buddhismus, Islam und Bibel finden Sie schon in der (frei verfügbaren) Einleitung.

      oder glauben sie herr blume nur ihr glaube wäre der gute, richtige ,wahre…

      Nein, das tue ich nicht.

      ich denke, auch herr blume wird sich „erbitterte, letztlich fruchtlose Diskus­sionen darüber zu führen, ob religiöser Glaube insgesamt eher »gut« oder »schlecht« für die Menschheit ist.„

      Ja, ich diskutiere gerne (sonst gäbe es auch diesen Blog nicht). Aber tatsächlich wünsche ich mir, dass diese Diskussionen zumindest bei vielen Menschen eben nicht „fruchtlos“ bleiben, sondern konkret, erkenntnisfördernd und hilfreich werden. Das ist zumindest der Versuch, den ich hier seit Jahren unternehme – mit doch erfreulicher Resonanz von ganz unterschiedlichen Menschen.

      grüße

      Ihnen auch alles Gute und noch einen schönen Sonntag! 🙂

      • So einfach ist es mit der „Frucht“ eben nicht. Die derzeitige Demokratie in D ist auch erst hinreichend funktionierend entstanden, weil vorher ein gewisser Anteil der Population in Europa (und anderswo) dahingemetzelt wurde. Ich will hier festhalten: Ohne dem wäre es nicht möglich gewesen. So brachial das auch klingt. Und … in aller Welt scheint gerade das Gleiche zu passieren: Es gibt Tote, damit es wieder Ruhe und „Ordnung“ geben kann.

        Es kann also die akademische Welt noch viel schwurbeln und Philosophieren vom Frieden; die vermeindlichen Hindernisse werden immer noch durch Massenmord, Angst und Knappheit an Nahrung und anderen Lebensnotwendigkeiten „überwunden“.

        Ein darauf hinweisendes Beispiel ist die iranische Fields-Medalien Trägerin – so hat es ohne den Zusamenhang ein Zeitungsartkel (FAZ oder Zeit) beschrieben: Weil zur zeit ihrer Schulpflicht die Männer im Krieg gewesen waren und reihenweise gemetzelt wurden, konnte es in einem Land in dieser Zone eine Frau schaffen, auf einer speziellen Schule für begabte (aus)gebildet zu werden. Dabei ist von mir nicht die Platzanzahl auf der Schule als logische Grenze erkannt, sondern womöglich der Raum im Schwarm dieser Nation, der sich durch die Tode dieser Menschen hat vergrößert.

        Und auch sonst ist die Kriegsführung zu aller Zeit ja eine sonderbar merkwürdige Veranstaltung der Kriegsherren gewesen. Ganz, als ob es nicht um die Expansion der Nation ginge, sondern einfach nur darum das Kruppzeugs im eigenem Lande darin zu verheizen. Danach war sicher jedes Land für eine gewisse Zeit wieder problemlos zu regieren.

        Da gabs also bis heute noch keinen wirksamen und funktionierenden Fortschritt. Alles wie gehabt. Und ihr Buch scheint da wahrscheinlich auch nichts zu ändern.

        Und ach, da las ich neulich, dass die Zeiten, da jeder es auf die akademische Laufbahn schaffen könne, nun wohl vorbei seien. Man habe damit einige Probleme für die Zukunft ausgemacht. Wir bekommen also tendenziel wieder Strukturen, die mit großer Mühe und vielen Toten erst abgeschaft wurden. D wird wieder aristokratisch. (mit Tendenz zur Blutlinie).

        • Religion ist in diesem Szenario nicht die Ursache, sondern nur der Grund, den sich die Leute dabei denken – Religion wird dabei zu oft missbraucht.

          • Dann brauch ich das Buch also nicht lesen? Weil ich etwa diesen punkt und andere schon kenne.
            Oder gibt es eine praktikable Lösung des Problems?

            Die derzeitig traditionelle Lösung … wie stehen sie dazu?… ist kaum anders zu bewerten, als Hitlers Methode.
            Davon ausgegangen, dass kriegerische Auseinandersetzungen bereitwillig hingenommen werden, weil man weiß, danach, wenn ein Teil der Population tot ist, ist wieder Ruhe, nach der brutalen Erbsenzählerei, gehörte die ganze Weltbevölkerung an die Wand gestellt.
            Bloß, wer sollte sie richten?

          • Youth-Bulge-These

            Ob die These auch auf Mitteleuropa anwendbar ist?

            Wenn ja, dann stimmt das zugrunde gelegte Verhältnis nicht.
            Wenn nein, dann fragt sich, warum dennoch getötet wird.

            Von der These habe ich neulich bezüglich der 68´ger Bewegung gelesen. Oder zumindest schien mir das dabei in den Sinn gekommen zu sein.
            Es fragt sich, wie es sein kann, dass schon so bald nach Hitlers Massenmord die Bedingungen dazu erfüllt waren. Was sagt uns das?

            Über die Umgangsform braucht sich aus Gründen niemand zu beschweren. Siehe Oben. Ich bin der Auserwählte Überschuß und daher am Arsch – eine Totgeburt – sozusagen. Neuerdings brauch ich auch nich mehr nett sein. Weil die unwichtigste Tugend. Sterben soll ich trotzdem – oder meine Pflicht erfüllen. Oder so.

            Bin offenbar selbst schuld – weil aus dem Atomblasenbewusstsein ausgebrochen (mit subtiler Hilfe). Sag mal einer, ich hätte meine Chance nicht genutzt (so von wegen: jeder ist seines eigenen Glückes Schmied!).
            Steht davon auch was in ihren Büchern? Was das dann mit „Gott“ und Religionstraditionen zu tun hat?

          • Ich brauchs wohl nicht lesen – ihr Buch. Das ist wie mit dem Buch auf dem Nachttisch. Nie aufgeschlagen und doch aufgenommen, was drin steht. Was sie denken, denke ich auch. Genauso, wie andere denken, was ich denke. Jeweils in ihrem Kontext. Da wird dann ganz deutlich klar, was Psychologen mit „Spiegeln“ meinen. Was aber in der Regel unidirektional vorgesehen ist. Top-down…

            So funktioniert die Herrschaft der Besten.

            Ist übel, wenn die Atomblase platzt – im Hirn. Dank tatkräftiger Hilfe von Esterasehemmer etwa.

          • Prima, sie haben nix mehr dazu zu sagen, Herr Blume!
            Alles Sonnenklar und eindeutig und vor allem alles, wie gewünscht? Erstaunlich. Dann kann ich mich jetzt in meiner Seligkeit zurücklehnen. Weil ich etwa Wahrheit gesagt habe – über Realität. Und endlich Klarheit zwischen uns allen herrscht!

          • Michael Blume

            Genau, @Chris! Menschen, die schon alles wissen, brauchen keine Dialoge mit Wissenschaftlern. 🙂

            Und damit Sie noch mehr Zeit haben, sich ungestört Ihrer „Seligkeit“ zu erfreuen (und auch meine Zeit anders verwendet werden kann), sind Sie hiermit gesperrt.

            Alles klar & alles Gute! 🙂

  3. Schon vor über 5 Jahren schrieb ich im Fazit (…) Statt erbitterte, letztlich fruchtlose Diskus­sionen darüber zu führen, ob religiöser Glaube insgesamt eher »gut« oder »schlecht« für die Menschheit ist, sollten wir besser nach den rich­tigen Weichenstellungen fragen, die die posi­tiven Wirkungen von Religionen entfalten und negative Entwicklungen zu überwinden helfen.

    So isses.

    Der Schreiber dieser Zeilen geht hier noch weiter: Es ist bezogen auf Glaubenssysteme allgemein dumm wie zitiert mit einem Insgesamt zu kommen.
    Glauben muss es schon deshalb geben, weil die aufklärerische zeitgenössische Wissenschaftlichkeit viele Fragen des Lebens (der Erkenntnissubjekte) nicht beantworten kann, teilweise wegen der weltlich gegebenen Komplexität, aber auch die Einstellung zur gewählten Wissenschaftlichkeit folgt einem Glaubensentscheid des Subjekts.

    Insofern geht es um die zitierten Weichenstellungen, für einige: um die Inhalte von Glauben.

    MFG
    Dr. W

    • Michael Blume

      @Webbär

      Und weil wir so oft, lange und oft auch gut zu diesem Themenkomplex diskutiert haben, werden Sie finden, dass dieses Buch auch Ihnen gewidmet ist! Ja, wirklich! (-> Einleitung) 🙂

      • Tatsächlich! – Wobei der hiesige Regular aber nichts dagegen gehabt hätte, wenn das Pseudonym korrekt wiedergegeben worden wäre, also ohne Umlaute.

        MFG
        Dr. W (der jetzt sogar die Hoffnung trägt, dass es im E-Book um das Wesen von Religion und auch von bestimmter Religion(sinterpretation) gegangen sein könnte, und warum genau wie interpretiert wird)

  4. Hallo, Herr Blume, Ihre Ankündigung von „buddhistische Rechtfertigungen von Gewalt“ in Ihrem neuen Buch verblüfft mich. Können Sie mir hierzu eine einzige Originalstelle im Theravada-Buddhismus (ursprünglicher Buddhismus) nennen? Derartige Hinweise aus späteren Ausformungen des Buddhismus lasse ich nicht gelten, denn diese können genauso wie etwa in der christlichen Kirche (siehe Dogmatismus, Inquisition) von dem ursprünglichen Inhalt dieser Lebensform abweichen.

    • Michael Blume

      @Peter Kosek

      Konkret schildere ich das Beispiel des singhalesischen Theravada, der sich u.a. auf das sehr frühe Mahavamsa beruft.

      Dabei stimme ich Ihnen selbstverständlich zu, dass es sich bei Fundamentalismus und Extremismus um spätere „Ausformungen“ handelt – es ist ja Ziel des Buches, die Entstehungsbedingungen solcher Varianten aufzuzeigen und davor zu warnen. Bei den Christen zeige ich z.B. entsprechend die eigentlich streng pazifistischen Täufer, unter denen sich dann leider ebenso ein radikaler „Täuferstaat“ bilden konnte.

      • Aber, Herr Blume, die ersten Zeilen des Mahavamsa wurden frühestens 700 Jahre nach Buddha geschrieben. Die Fortsetzung nochmals 800 Jahre später. Ich bitte Sie, mir konkret eine Textstelle im Mahavamsa zu nennen, in der Gewalt gerechtfertigt wird. Sicher wissen Sie, dass der Buddhismus in seinem Ursprungsland Indien durch die Ermordung Tausender Mönche durch islamische Horden zu Grunde gegangen ist. Dies in einer Zeit, als die erste Fortsetzung des Mahavamsa geschrieben wurde.

        • Michael Blume

          @Peter Kosek

          Dass die Kreuzzüge ein Jahrtausend nach Christus geschahen, enthebt Christen auch nicht der Verantwortung, sich mit der Frage auseinander zu setzen, wie dies geschehen konnte. Und der Hinweis, dass andere aber auch Schlimmes getan haben, ist da nicht wirklich hilfreich.

          Jede Wahrnehmung einer Tradition ist immer auch eine Re-Konstruktion. Ich nehme an, dass für Sie der Gedanke, dass man die Lehre des Buddha für Gewalt umdeuten kann, ehrlich anstößig ist – wie die Kreuzzüge für viele Christen. Aber es geschah nicht nur, sondern geschieht bis in unsere Zeit. Und wenn wir Entstellungen der uns wertvollen Traditionen verhindern wollen, so sollten wir uns m.E. dem auch stellen!

          • Also, ich muss feststellen, Sie nennen keine Textstelle, in der Gewalt in buddhlistischen Schriften gerechtfertigt wurde. Entweder wollen Sie nicht oder können Sie nicht.
            Ersteres: Schade, Zweites: dann sollten Sie Ihre Aussage deutlich zurücknehmen. Wenn Sie sich darauf zurückziehen, dass ich die Ermordung der buddhistischen Mönche genannt habe, so ist das eine wenig hilfreiche Methode, eine ganz andere, sehr konkrete Frage zu umgehen.

          • Michael Blume

            @Peter Kosek

            Tut mir Leid, ich verstehe nicht, was Sie wollen… Dass im Namen auch des Buddha Gewalt gerechtfertigt und Kriege geführt wurden, ist traurig, aber nun einmal historische Realität. Ich werfe das doch weder dem Buddha noch Ihnen vor – aber werbe dafür, dass sich jede religiöse bzw. spirituelle Tradition auch ihren unrühmlichen Aspekten stellt – auch, damit sie sich nicht wiederholen…

            Im Buch stelle ich übrigens auch dar, dass ein amerikanisch-tamilischer Anthropologe die gewaltaffinen Auslegungen des Buddhismus für einen „Verrat“ an der Botschaft des Buddha hält. U.a. wurde ja auch ein singhalesischer Ministerpräsident durch einen Mönch erschossen. (Und wir sind uns wohl einig, dass der historische Buddha dies abgelehnt hätte.)

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  6. Hallo Michael Blume,

    der Mensch ist von Natur aus ein Raubtier. Aber er hat sich ein kulturelles Mäntelchen umgehängt, der ihn allen natürlichen Fressfeinden überlegen macht. Dieser Vorteil gegenüber anderen Lebewesen hat dazu geführt, dass sich diese seltsame Spezies erheblich vermehrt hat. Aber die Vermehrung erfolgte zu Lasten der natürlichen Ressourcen, und der kulturelle Mantel ist sehr dünn und nicht in der Lage, alle Mitglieder dieser Spezies in gleicher Weise zu wärmen. Daher bringen die einen die anderen um, entweder wegen der Ressourcen, oder wegen kultureller Differenzen.

    Da der kulturelle Mantel nicht wärmer gestrickt werden kann (jeder hat seine eigene Wahrheit) bleibt nur noch eine einzige letzte Möglichkeit, damit das Umbringen aufhört: das Raubtier in uns abzuschaffen, sprich eine behördlich verordnete Genmanpulation, die alle Menschen friedlich macht. Das verändert den Menschen ein bisschen, aber immerhin zum Guten.

    Ja, zu welchem Guten ? Wollen wir das überhaupt ? Das Raubtier hat vielleicht auch was Gutes. Hat die Natur, die das Raubtier erfunden hat, nicht vielleicht Recht damit.

    Also es sieht schlecht aus für die Religionswissenschaftler: jeder kulturelle neue Flicken schafft ein neues Loch im Mantel. Wo soll das nur alles hinführen ?

    Grüsse Fossilium

    • Michael Blume

      @Fossilium

      Tatsächlich behandelt gleich Kapitel 1.0 die Frage, ob der Mensch nun “gut“ oder “böse“ sei. 🙂 Die Antwort fällt jedoch etwas weniger hobbesianisch aus, zumal es ja empirisch beobachtbar gelungen ist, in vielen Regionen ein hohes Maß an Frieden zu schaffen.

      • Lieber Herr Blume,
        sind Sie der Meinung, man könne durch Rationalität und Bildung, oder Austarieren von Interessen, dauerhaft friedliches Miteinander unter den Menschen herstellen ?

        Ich bezweifle das, denn einheitliche Grundüberzeugungen, einen Konsens über allgemein gültige Werte, kann rational nicht hergeleitet werden. Deshalb fussen Religionen, und überhaupt alles, was die Menschen zusammenhält, nicht auf der Ratio allein.

        Durch den Einsatz seiner Rationalität kann der Mensch Gewalt nicht verhindern. Denn da es die absolute Wahrheit nicht gibt, hat jeder seine eigene, und damit verbunden das Recht, diese mit Gewalt zu verteidigen. Bei der Anwendung von Gewalt hilft ihm die Ratio geradezu, sich im Recht zu sehen und die Rolle des Verteidigers innezuhaben.

        Wenn die Rationalität nicht hilft, was dann ? Auf lange Sicht wird dann nur der Stärkere überleben, also der, der erfolgreicher Gewalt anwendet. Das ist der Gang in der Natur.
        Oder sehen Sie das anders ?
        Grüsse
        Fossilium

        • Michael Blume

          Lieber @fossilium,

          Ja, da bin ich in der Tat etwas optimistischer. Zunächst ganz empirisch: Wie auch in o.g. Buch beschrieben weisen ethnologisch-empirische Studien darauf hin, dass in (heutigen) Wildbeuterkulturen 13 bis 15 Prozent der Erwachsenen der Gewalt zwischen Menschen zum Opfer fallen. Das ist ein enorm hoher Wert, den Industrie- oder gar Wissensgesellschaften nur in extrem Kriegszeiten erreicht haben. Und mit dem Abklingen der Youth Bulges sind auch diese faktisch verschwunden.

          Ich stimme Ihnen zu, dass Rationalität „alleine“ Gewalt nicht verhindern kann. Aber das überrascht oder schockiert mich jetzt auch nicht besonders – auf alleine rationaler Grundlage finden Menschen nicht einmal mehr ausreichend Gründe, sich fortzupflanzen:
          http://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-anthropodizee-frage-wer-himmel/

          Damit ist aber im Übrigen auch schon der sozialdarwinistische Klassiker widerlegt,wonach auf lange Sicht dann nur der Stärkere überleben werde, also der, der erfolgreicher Gewalt anwendet. Diese Annahme setzt ja bereits den Malthusianismus voraus, nachdem es immer „überzählige“ Menschen geben würde, die dann ums „Überleben“ gegeneinander kämpfen müssten. Der Malthusianismus ist aber empirisch falsch und wird gerade auch (aber nicht nur) in Deutschland Tag für Tag widerlegt: Menschen vermehren sich keineswegs exponentiell, vielmehr schrumpft ihre Zahl mangels Geburten, sobald auch religiöse (d.h. nicht-rationale!) Begründungen für große Familien wegfallen!

          Daher bin ich also zweifach optimistisch(er): 1. Die malthusianische Überbevölkerung fällt längst aus, in immer mehr Regionen der Erde tritt stattdessen Nachwuchsmangel auf. Und 2. Ausser der Rationalität haben wir Menschen erfreulicherweise weitere Fähigkeiten, um eine friedliche und auch gerechte Welt anzustreben.

          • „2. Ausser der Rationalität haben wir Menschen erfreulicherweise weitere Fähigkeiten, um eine friedliche und auch gerechte Welt anzustreben.“

            um mit @Webbaer zu sprechen: „so isses“ und gut gesagt!

            „1. Die malthusianische Überbevölkerung fällt längst aus, in immer mehr Regionen der Erde tritt stattdessen Nachwuchsmangel auf.“  

            Und die geschilderte Empirie in Punkt 1) bestätigt sehr schön einen der vielen Aspekte, die zeigen, wie genial unsere Welt und das menschliche Leben konzipiert ist, damit am Ende die gegenseitige Liebe, wie sie in Gott ist, sich endlich ohne Krieg etc. und in Freiheit durchsetzen kann. Es kann mit vielen regionalen und globalen, gesamtzivilisatorischen Rückschlägen (derer es laut Archäologie/Paläonthologie ja schon gegeben haben soll) ewig lange dauern, aber es kann auch schnell gehen. Hängt ganz von uns ab.
            Tatsache ist jedenfalls, dass die Menschheit als ganze dahin finden muss.
            Und da gilt, wie ein schlauer Grundsatz in der Chemie, den mir mal jemand genannt hat, sinngemäß: der Gesamtprozess einer chemischen Reaktion hat die Geschwindigkeit seines langsamsten Teilschritts.
            …also, mehr Liebe zu den Langsamen! 😉

  7. Ich tippe mal, das „gefährlich“ hier nicht die richtige Wortwahl ist. Bei der Bewertung einer bei einer Spiel- oder Überlebensstrategie ist es objektiver, ein Verhalten als vorteilhaft oder unvorteilhaft zu aus Sicht des Protagonisten zu bezeichnen. Eine vorteilhafte Strategie eines Kombattanten wird in der Regel unvorteilhaft und damit gefährlich für den Gegenpart sein. Eine gefährliche Strategie aus Sicht eines Protagonisten wäre eher eine riskante Strategie, dass heißt, eine Strategie deren Wirksamkeit ist aufgrund fehlender Information unsicher. Eine Stärke der Religion ist nun mal ihre Motivationsfähigkeit und die Fähigkeit einen Konsens zu produzieren, der organisiertes, entschlossenes und nicht von Zweifeln behindertes Handeln ermöglicht, und damit fundamental, extrem und ohne falsche Rücksichtnahme zu handeln. Kein rein ethisches oder philosophisches Konzept kann seinen Gläubigen so überzeugend klar machen wie eine Religion, dass es verboten ist Mitgläubige zu dezimieren aber Ungläubige die volle Behandlung verdienen

    • Michael Blume

      @adenosine

      Danke für die Überlegungen, an denen m.E. schon einiges dran ist. Der Begriff der „Gefahr“ bzw. des „gefährlich“ war aber schon bewusst gewählt, wird doch Gefahr definiert als „eine Situation oder ein Sachverhalt, der zu einer negativen Auswirkung führen kann.“ Und dass dies auch in religiösen Kontexten – und dort besonders in fundamentalistischen und extremistischen Ausprägungen – geschieht und gar bewusst herbeigeführt wird, lässt sich ja leider m.E. kaum leugnen…

    • Wie weit kommt die Spieltheorie denn an das Phänomen Religion heran? Ich kenne mich da nicht aus, habe nur ab und zu von solchen Versuchen gelesen, wo die Teilnehmer in den Spielabläufen für erfolgreiches Handel Geld als Motivation bekommen bekommen. Wie soll man nun das Paradies als Belohnung für Märtyrer in solche Konzepte einpreisen?
      Der Märtyrertod im Kampf ist auch ein absurdes Konzept, während die Spieltheorie meistens davon ausgeht, dass die Teilnehmer relativ rational agieren, jedenfalls nicht selbstmörderisch. Wird der Märtyrertod zu intensiv eingesetzt, gehen den Gotteskriegern ja die Leute aus. Der Effekt ist nicht theoretisch. Deswegen, eine zynische Folgerung, haben diverse Gruppen ja auch Kinder oder Jugendlich und geistig Behinderte eingesetzt.
      Können spieltheoretische Simulationen eigentlich schon das Verhalten von großen Gruppen simulieren?

      • Michael Blume

        @Paul Stefan

        Ja, damit arbeiten bereits Kollegen wie Berman in „Radical, Religious & Violent“. Auch für die Evolutionsforschung werden Spieltheorie und entsprechende Experimente immer wichtiger, vgl. Norenzayan „Big Gods“.

      • „Wie weit kommt die Spieltheorie denn an das Phänomen Religion heran?“
         
        Überhaupt nicht!

        Trotz Zeitknappheit, dazu muss ich mich jetzt doch noch mal einklinken….

        Wer glaubt, dass das geht, glaubt nicht, hat keine (..oder noch wenig reflektierte) Glaubenserfahrung. Man kann das Leben, wenn es auf der Basis des Glaubens frei ist, nicht simulieren. Es ist immer aus dem Augenblick heraus schöpferisch vom „anderen Ufer“ her. „Und dieser Augenblick ist in der Simulation nie original gegeben.“

        Was man simulieren kann, ist all das, was notwendige alltägliche Gewohnheit ist und eben Aktivitäten, die von diesen Gewohnheiten gesteuert werden, also quasi das Tier im Menschen, sozusagen den Unglauben. Und klar, wer wirklich aus dem Glauben heraus lebt, (..ich meine damit übrigens immer den der „gegenseitigen Liebe“ im Sinne des Testamentes Jesu ) legt sich andere Gewohnheiten zu. Die kann man vielleicht feststellen. Aber das ist nichts Aktives. Es ist nicht das, was das aktuelle augenblickliche Schöpferische der Religion ausmacht. Es sind die Hilfsmittel, die wir uns durch das beständige, aktuelle Tun zulegen, sozusagen für „rainy days“. Oder, um Jesu Beispiel zu nehmen: das Reserveöl in den Lampen der „klugen Jungfrauen“.

        Ich weiß nicht mehr, wo ich das hier neulich las oder auf Facebook:
        diese spieltheoretischen Simulationen haben bezüglich eines Erkenntnisgewinns m.E. die gleiche negative Wirkung, wie besagtes Vorgehen auf Facebook oder überhaupt im IT, etwa Amazon etc, wo man in der Werbung und gerade auch in Bezug auf die geistigen Interessen alles auf die momentanen Bedürfnisse eines Menschen zuschneidet, – weshalb man ja überall schnüffelt – sodass immer nur die eigenen Interessen und Sichtweisen festgezurrt werden, der Horizont eben nicht erweitert wird, wenn‘ s schlimm kommt, werden negative Haltungen festgezurrt oder gar auf Massen ausgedehnt.
        Klar man kann das selber anders steuern, und viele tun es glücklicherweise, aber der Mensch ist bequem……….

        Die Ergebnisse der spieltheoretischen Simulationen geben schon erst recht nicht die Realität wieder. Das Internet schnüffelt ja ein kleines Bisschen an der Realität. Beide reduzieren diese aber gewaltig.
        Wenn man das in den Schlussfolgerungen nicht berücksichtigt, sind die Ergebnisse verfremdend, irreführend und gefährlich.

  8. Lieber Herr Blume,
    behaupten Sie (auf der Basis ethnologisch-empirischen Studien), dass die Gewalt in zivilisierten Gesellschaften geringer sei als in „Wildbeuterkulturen“ ? Das sehe ich nicht so. Gewalt bleibt Gewalt, auch wenn sie nicht zum Tod führt. Und ein Nuklearkrieg, selbst ein begrenzter, dürfte mehr als 15 % der betroffenen Bevölkerung dahinraffen, trotz zivilisatorischer Errungenschaften. Es geht mir auch nicht um Statistik, wieviel Menschen vorhanden sind, die sich umbringen können, sondern um die grundlegende Frage, auf welche Weise die unter den Menschen ausgeübte Gewalt verringert oder beseitigt werden kann.

    Wenn wir uns einig sind, dass der Mensch dies mit der Ratio allein nicht schafft, ja wie denn dann ? Der Hang zur Gewalt ist im Menschen biologisch angelegt. Wenn Gewalt durch die rationalen Fähigkeiten des Menschen nicht in Zaum genommen werden kann, welche Optionen hat der Mensch dann noch ? Seine emotionalen Fähigkeiten sind sicher ungeeignet, die enthalten Aggressivität und Empathie mindestens in gleichem Masse.

    Ich stelle mir die Frage, ob der Glaube an eine transzendente Gewalt, auf die die Religionen verweisen, hierbei nicht hilfreich sein kann. Religion wäre eine intuitiv verspürte Möglichkeit, Gewalt zu überwinden.

    Das Recht des Stärkeren wird sich aus biologischen Gründen Geltung verschaffen, nicht weil zufällig genügen Gewaltbereite vorhanden sind, sondern weil Gewalt einen Überlebensvorteil bietet, und dies natürlich nur auf lange Sicht. Da kann es auch schon mal ruhige Phasen geben, wo man meint, die biologischen Regeln seien ausser Kraft gesetzt.

    Ich bin da gar nicht optimistisch. Die Natur zwingt uns ihre Regeln auf, früher oder später, und die lauten: wer keine Gewalt anwendet stirbt eher.

    Grüsse Fossilium

    • Michael Blume

      Lieber @fossilium,

      ja, religiöse und spirituelle („transzendente“) Überzeugungen können ebenso für friedliche wie für kriegerische Zwecke eingesetzt werden. Entsprechendes gilt für Sport, Musik, Wirtschaft, Literatur, Film etc. – letztlich die gesamte menschliche Natur & Kultur. Entscheidend sind m.E. die Rahmenbedingungen – neben den erwähnten ethnologischen Daten verweise ich auch auf das politikwissenschaftliche Phänomen des „demokratischen Friedens“.

      Interessant finde ich Ihre These, dass Gewaltbereitschaft das „Überleben“ fördere. Bislang ging ich immer vom Gegenteil aus – dass höhere Gewaltbereitschaft mit einem höheren Verletzungs- und Sterberisiko einher ginge. (vgl. „Wer das Schwert zieht, wird durch das Schwert sterben.“)

      Könnten Sie ggf. empirische Daten, eine Studie o.ä. anführen, die einen positiven Zusammenhang zwischen Gewaltbereitschaft und Überleben beim Menschen belegen?

    • Noch im Mittelalter starben bis 15% der Männer in gewaltsamen Auseinandersetzungen – und das auch wenn es gerade keinen Krieg gab.
      Die Gewaltbereitschaft des „Bürgers“ ist in heutigen Gesellschaften, selbst in solchen mit youth bulge deutlich geringer. Zufälligerweise (?) leben wir heute nicht nur gesünder, werden nur noch selten von heimtückischen Krankheiten dahingerafft, sondern es gibt auch viel weniger, die ihr Leben aufs Spiel setzen. Und von denen die es tun, tun es nur wenige indem sie Gewalt gegenüber Mitmenschen anwenden.
      Der Hang zur Gewalt, den gibt es beim Menschen sicher, doch es hängt stark von der gesellschaftlichen Atmosphäre ab, ob er sich realisiert.
      Es stimmt (Zitat):„Die Natur zwingt uns ihre Regeln auf“, doch die Natur heute ist nicht die Natur von gestern, denn Natur ist nicht allein durch die Biologie gegeben sondern auch durch die aktuelle Umwelt.
      Sie sprechen oben auch von einem möglichen Nuklearkrieg. Heute wäre das wohl nur als Unfall vorzustellen, kaum als etwas was geplant und beabsichtigt ist.

  9. Wer nach dem Koran Buchstabe für Buchstabe, Wort für Wort lebt ist genau so im Irrtum und auf dem Holzeweg wie der, der Buchstabe für Buchstabe, Wort für Wort nach der Bibel lebt.

    Das haben allerdings viele noch nicht begriffen. Weder Muslime noch Christen.

    • Michael Blume

      @Martin Holzherr

      Bitte nicht auf die braunen Trolle antworten. Früher brüllten sie „Der Jude ist unser Unglück!“, jetzt versuchen sie die gleiche Stimmung gegen Muslime zu machen. An wirklichen Argumenten sind sie nicht interessiert – denn ohne ihr jeweiliges Feindbild hätten sie selbst kaum Identität…

  10. Angesichts des Fanatismus der IS-Terroristen sollte man auch nicht vergessen, dass es muslimische Kurden waren und sind, die Christen und Jesiden soweit es in ihrer Macht steht schützen.
    In den großen christlichen Konfessionen hat sich eine kritisch-historische Lesart der Bibel durchgesetzt. In der islamischen Welt scheint sich solche ein Verständnis noch nicht durchgesetzt zu haben. Übrigens verstehen viele Moslems auch viele Sprüche des Korans nicht, weil sie das klassische Arabisch nicht mehr verstehen. Zudem müsste man Philologe sein.

    Aber was soll das, „vor dem Islam warnen“? Man kann eine Religion nicht abschaffen. Erst ein gesellschaftlicher Reformprozess kann das religiöse Gewaltpotential in den islamischen Ländern entschärfen.

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