Religion und Demografie – Schluss-Bilanz nach einem Jahrzehnt Forschung

Es fühlt sich an, als hätte ich ein Schiff mit den Ergebnissen vieler Jahre harter Arbeit beladen und stünde nun am Hafen, als es ablegt und sich entfernt. Und so ähnlich ist es ja auch gelaufen: Vor über zehn Jahren stieß ich durch ein Argument des damaligen Ministerpräsidenten Erwin Teufel (CDU) auf die Frage, ob und wenn ja wie „Religiosität“ mit Kinderreichtum zusammen hängt. Die Forschungsfrage faszinierte mich, wenn ich auch anfangs noch überhaupt nicht überblicken konnte, wie komplex sie sein würde. Es folgten mehrere Tausend Arbeitsstunden, erhebliche, auch finanzielle Kosten, Dutzende von verschiedenen Veröffentlichungen, Vorträgen und Diskussionen im In- und Ausland sowie auch zahlreiche Blogposts mit oft intensiven Debatten über manchmal Hunderte von Kommentare hinweg.

Strecken voller aufregenden Entdeckungen wechselten mit Durststrecken – hinter jeder empirisch gesicherten Antwort tauchten immer wieder neue Fragen auf: Wurden Religiöse eher kinderreich; oder Kinderreiche eher religiös? Wiesen alle Religionsgemeinschaften vergleichbar erhöhte Geburtenraten auf, oder waren manche kinderreicher als andere? Welche Rolle spielten Bildung, Einkommen, Sozialstaat? Warum hatten traditionell religiös geprägte Staaten wie Italien oder Griechenland deutlich niedrigere Geburtenraten als stärker „progressive“ Gesellschaften wie Frankreich oder Schweden? Vertraten nicht verschiedene Statistiker wie Hans Rosling oder Herwig Birg je widersprüchliche Befunde? Welche Rolle spielte das Verbot von Verhütungsmitteln? Und warum verzichtete in einigen religiösen Traditionen ausgerechnet das Führungspersonal per Zölibat auf eigene Familien?

Es ist wohl gut, dass ich am Anfang der Forschungen nicht wusste, welche Berge mich erwarten würden, sonst hätte ich es vielleicht kaum gewagt…

Nun also bin ich fertig geworden und habe die Antworten, die ich finden konnte, in einem letzten Buch zusammen gefasst, das in diesen Tagen gewohnt günstig als eBook (€2,99) und Taschenbuch (€10,99) bei sciebooks erscheint. Selbstverständlich hoffe ich, dass diese Ladung in vielen Häfen ankommt und vielen Empfängerinnen und Empfängern neue Erkenntnisse und Anregungen bringt. Es wäre mir eine Ehre und Freude, wenn das Buch Ihr Interesse fände bzw. wenn Sie es an möglicherweise Interessierte weiter empfehlen könnten.

ReligionundDemografie2014

„Religion und Demografie“ ab sofort als eBook (€2,99) und Taschenbuch (€11,29) erhältlich

Ich denke, mit der Auswertung sowohl von statistischen Daten wie auch von Fallstudien nun eindeutig belegen zu können, dass Religiosität ein demografisches Potential eröffnet. Entgegen meinen anfänglichen Vermutungen geht es dabei nicht darum, dass Religion „nach Abzug aller anderen Faktoren“ (wie Bildung, Einkommen etc.) noch einen geringen „Reproduktionsvorteil“ mit sich bringt. Die Befunde sind sehr viel deutlicher, haben auch mich durchaus zeitweise schockiert und sind in ihrer Tragweite noch kaum diskutiert und verstanden:

Religionen – und nur Religionen! – vermögen Menschen in ausreichender Zahl zu dem Verzicht zu bewegen, den Familien mit mehr als zwei Kindern bedeuten. Wir kennen heute Dutzende religiöse Traditionen wie  die orthodoxen Juden, Amish, Hutterer, Mormonen usw., die über Generationen hinweg kinderreich geblieben sind; aber keine einzige nichtreligiöse Population, Gruppe oder Gemeinschaft, die auch nur ein Jahrhundert lang die Bestandserhaltungsgrenze von wenigstens zwei Kindern pro Frau hätte halten können. Religiöse Traditionen können demografisch scheitern (z.B. auch durch allzu starren Familien-Traditionalismus); aber nichtreligiöse Populationen scheiterten bislang demografisch immer.

Trotz des schwierigen Themas habe ich mich bemüht, das Buch verständlich und lebensnah zu formulieren. Und während ich mich bis zum Abschluss der Forschungen mit persönlichen Bewertungen immer sehr zurück gehalten habe (nicht zuletzt, weil sich diese mit neuen Entdeckungen natürlich auch immer wieder verändern mussten), stelle ich hier nun auch erstmals dar, was ich selbst von diesen Ergebnissen halte und wie ich sie vor dem Hintergrund derzeitiger Entwicklungen einschätze. Ich bin gespannt, ob andere Leserinnen und Leser meinen demografischen Trotz-Allem-Optimismus teilen können, zumal ich auch die absehbaren Schwierigkeiten und Konflikte nicht verschweige. Wie immer interessiert mich Ihre Einschätzung dazu wirklich; vor allem deswegen bin ich ja als Blogger präsent.

Orientierungspause nach „Religion und Demografie“

Für mich bedeutet die Veröffentlichung dieser Forschungsbilanz nach über zehn Jahren Arbeit aber auch eine persönliche Zäsur. Ich habe gegeben, was ich konnte und blicke mit einer Mischung aus Entdeckerstolz und Melancholie auf Jahre zurück, die neben aller unglaublichen Freude auch manche Härten für mich selbst, Familie und Freunde mit sich gebracht haben.

Daher möchte ich mir nun einige Monate Zeit nehmen, um auch selbst nachzudenken, ob ich mir noch einmal „ein großes Thema“ suche oder die Evolutionsforschung zu Religiosität und Religionen eher nur noch mit kleineren Lehr- und Publikationsprojekten weiter betreiben und in die interdisziplinäre Öffentlichkeit vermitteln möchte. Ziemlich sicher möchte ich mich wieder etwas mehr ehrenamtlich engagieren. Einige Leserinnen und Leser haben mich auch aufgefordert, nach einer ganzen Reihe von Sachbüchern auch mal endlich den einen oder anderen religionswissenschaftlich informierten Roman zu wagen – auch über diese Möglichkeit will ich nachdenken. Mal schauen.

Jetzt im Sommersemester stehen Blockseminare an den Universitäten Köln und Jena an, auf die ich mich schon sehr freue. Eine Biologin und Journalisten hat mich für die Osterausgabe der taz etwas ausführlicher gesprochen, ebenso ein Kamerateam für die Wissenschaftssendung Quarks & Co. am 22.4.2014. Auch hier auf dem Blog werde ich mich selbstverständlich weiterhin einbringen, wenn auch etwas lockerer. In Zukunft möchte ich mir gerne auch mehr leichtere Themen gönnen wie die (mormonische) Twilight-Vampirsaga oder die Mythen von Star Wars. Religionswissenschaft darf ja auch (mal) Freude machen. 🙂

Das Schiff hat den Hafen verlassen und ist hinter dem Horizont verschwunden. Ob „Religion und Demografie“ bei Ihnen ankommt, Menschen erreicht, zum Weiterdenken und -forschen anregt? Das liegt nun nicht mehr in meiner Macht. Ich wende mich um, ein insgesamt glückliches Lächeln auf den Lippen, und kehre heim…

Cappucinolaechelt

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft und spezialisierte sich auf die Hirn- und Evolutionsforschung. Buchautor, Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger und christlich-islamischer Familienvater. Hat auch manches erlebt und überlebt...

38 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Das ist ein ganz wichtiges Thema, vielen Dank für Ihre Arbeit.
    Hierzu vielleicht noch kurz:

    Strecken voller aufregenden Entdeckungen wechselten mit Durststrecken – hinter jeder empirisch gesicherten Antwort tauchten immer wieder neue Fragen auf: Wurden Religiöse eher kinderreich; oder Kinderreiche eher religiös?

    Die Datenlage (‚empirisch‘, Zitat) areligiöse Gesellschaften betreffend ist noch dürr, was einfach daran liegt, dass es noch zu wenige umfänglich areligiöse Gesellschaften dieses Typs gibt, streng genommen: keine. [1]
    Vom oben geschilderten Henne-Ei-Problem einmal abgesehen, wird es absehbarerweise für diejenigen Gesellschaftssysteme, die den Ideen und Werten der Aufklärung folgen, politisch dementsprechend implementiert haben, zur Existenzfrage werden, den biologischen Bestandserhalt zu sichern.
    Hier dürfen Sie gerne mal wieder, gewohnt wissenschaftlich, in zwei bis drei Jahrzehnten zum Thema auftauchen, die Zeit vergeht ja schnell.

    MFG
    Dr. W (der immer auch Blumologe war, jedenfalls auf den Scilogs)

    [1] auch Nord-Korea (aktuelle Fertilitätsrate: um 2,0) ist nicht areligiös

  2. Vielen Dank für die Rückmeldung, lieber @Webbär.

    Und ich darf Ihnen mitteilen, dass die empirische Vergleichs-Datenlage erfreulicherweise so dünn gar nicht ist: Entschieden atheistische Gruppen sind schon in der indischen und griechisch-römischen Antike belegt, ebenso z.B. reichliche nichtreligiöse Gründungen in den USA, Teilen Europas und Israels (Kibbutzim) seit dem 19. Jahrhundert.

    Die Datenlage mit Bezug auf Nordkorea ist leider nicht unabhängig verifizierbar, die offiziellen Angaben etwa zur Wirtschaftsleistung sind erkennbar verfälscht. Von einer stabilen Demografie ist eher nicht auszugehen…

    Die Zukunft auch nichtreligiöser Entwürfe bleibt selbstverständlich offen – aber für die Vergangenheit sind die Daten sehr eindeutig…

  3. Glückwunsch und herzlichen Dank für die Arbeit. Wünsche eine kreative Auszeit an deren Ende sich eine weitere „Entfaltung“ einer bisher ungeöffneten „Blume“ steht. 🙂

  4. „Religionen – und nur Religionen! – vermögen Menschen in ausreichender Zahl zu dem Verzicht zu bewegen, den Familien mit mehr als zwei Kindern bedeuten.“

    wenn ich das lese, dann denke ich, ob es in unserem dichbesidelten Deutschland nicht doch einmal gut wäre wenn wir die Religion abschaffen und uns nach ein paar Generationen wieder neu aufstellen und finden …

  5. @Holger

    Beim Selbstabschaffen sind wir doch schon voll dabei – seit 1971 sterben – trotz aller Zuwanderung – in Deutschland mehr Menschen als noch geboren werden. Hier in der Region Stuttgart haben bereits ca. 60 Prozent der Unter-25-Jährigen einen sog. Migrationshintergrund. Das kann man „neu aufstellen“ nennen, ja…

    • Beim Selbstabschaffen sind wir doch schon voll dabei – seit 1971 sterben – trotz aller Zuwanderung – in Deutschland mehr Menschen als noch geboren werden.

      Seit mehr als 40 Jahren in D liegt die Fertilitätsrate bei ca. 1,4 -wobei die höhere Fertilitätsrate von Immigranten noch ein wenig begünstigend wirkt-, was aber einer Zweidrittelung der Population je Generation bedeutet.
      Vor diesem Hintergrund ist auch die zunehmende Abneigung bundesdeutscher Bevölkerung gegen Religionen und gegen das Christentum im Speziellen zu verstehen, als Kompensationshandlung und Mentalreservation.

      MFG
      Dr. W (der sich hier aber nicht gegen die Religionskritik ausgesprochen hat)

    • Meine Eltern haben beide einen deutschen und nur einen deutschen Pass. Ich habe einen deutschen und nur einen deutschen Pass. Dennoch habe ich einen Migrationshintergrund.

      Nun Herr Blume, überlegen Sie doch einmal, was „Migrationshintergrund“ eigentlich bedeutet. Da Sie offensichtlich der Meinung sind, dass ein „Migrationshintergrund“ Menschen weniger lebenswert macht…. Sollte dies in der offensichtlichen Ansicht begründet liegen, dass für Sie „Alis“ Menschen zweiter Klasse sind?

      • @Statistiker

        Wie kommen Sie darauf, dass ich Menschen mit Migrationshintergrund für weniger wertvoll hielte???

        Nur mal zur Information: Ich lebe selbst in einer deutsch-türkischen Ehe, meine Kinder haben selbst „Migrationshintergrund“ und wachsen im übrigen auch zweisprachig auf. Ihren Witz über die „Alis“ kann ich daher nur als rassistisch empfinden und fordere Sie auf, so etwas zukünftig auf diesem Blog zu unterlassen.

        Um es ganz klar zu schreiben: Ein Migrationshintergrund macht Menschen meines Erachtens weder besser noch schlechter! Meine Antwort bezog sich sachlich auf die Frage von @Holger, ob es „in unserem dichbesidelten Deutschland nicht doch einmal gut wäre wenn wir die Religion abschaffen und uns nach ein paar Generationen wieder neu aufstellen und finden“.

  6. Vielleicht noch zum einleitenden Satz dieses Artikels eine kleine Erklärung:

    Es fühlt sich an, als hätte ich ein Schiff mit den Ergebnissen vieler Jahre harter Abend beladen und stünde nun am Hafen, als es ablegt und sich entfernt.

    ‚Abend‘ ist hier durch ‚Arbeit‘ zu ersetzen, d.h. es gab harte Arbeit seitens des werten hiesigen Inhaltegebers zum Thema „Religion und Fertilität“.

    Arbeit, die aber anscheinend abendlich durchgeführt worden ist, ‚Abend‘, wenn es kein Freud’scher Fehler gewesen ist, als Code dafür, dass die Leistung außerdienstlich erfolgt ist, zumindest nicht primär vom Arbeitgeber angefordert war. War es ein Freud’scher Fehler, wäre die Aussage ähnlich, wenn auch nicht als Code daherkommend.

    Denn nach Ursachen für die mangelnde Bevölkerungsfertilität zu suchen war nie politisch richtig und ist es auch heute nicht.

    MFG
    Dr. W

  7. @Michael Blume

    Die Sie die Kommentarfunktion zu “Die Anthropodizee-Frage. Wer den Himmel leerräumt, schafft die Menschheit ab” abgewürgt haben, erlaube ich mir mit Ihrer freundlichen Erlaubnis, hierher auszuweichen.
    Am 21.04.2014 um 11:43 schrieben Sie dort:
    „Es verebbt nicht „die Menschheit“, nur die Konfessionslosen und demografisch schwache Religionsgemeinschaften.“
    Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, dass meine liebe Frau (Atheistin), mit der ich seit 49 Jahren glücklich (und dankbar!) verheiratet bin und ich (70 Jahre alt, davon 52 Jahre Atheist) uns sehr darum bemüht haben, das tragische „Verebben“ der Konfessionslosen noch ein wenig hinauszuzögern: Wir haben (mit nur einem bescheidenen Gehalt) und ohne die geringste moralische, geschweige denn materielle Unterstützung durch unsere (streng katholischen) Vorfahren („Diese Heiden kriegen nichts, – aber schon gar nichts!“) fünf Kinder (= fünf Atheisten) groß ge- und erzogen, die natürlich alle längst selbstständig sind und mittlerweile neun Enkel in diese verebbende Welt gesetzt haben. Fünf davon wurden nicht getauft. Sowohl den getauften als auch ungetauften blieb und bleibt es nach Erreichen ihrer Religionsmündgkeit überlassen, wofür sie sich entscheiden wollen.
    Natürlich bemühe ich mich schon vorher sehr darum, dass deren Entscheidung in Richtung Atheismus geht, denn ich bin stolz auf Kinder und Enkel, die selbst denken – und nicht auswärts denken lassen, und die selbst wissen – und nicht bloß glauben, und zwar an die allergrößten nur denkbaren Wahnideen wie jungfräuliche Geburt, Auferstehung vom Tod, Einteilung des nicht existenten „Jenseits“ in Himmel und Hölle und nicht zuletzt an ein ewiges Leben, – sei es „oben“ oder „unten“. Nein. In meiner Familie gibt es keine Schafe und wir brauchen daher auch keine guten Hirten.
    Klar „verebben“ wir Konfessionslosen eines Tages. Ihr Konfessionellen übrigens auch. Vielleich ein kleines bisschen später, – was soll’s. Und wenn der letzte „Sapiens sapiens“ endlich „verebbt“ ist, dann folgt das große Götter (besser Götzen) -sterben, weil dann kein Gehirn mehr da ist, das einen „Gott“ denken kann. (Oder ist dann vielleicht das Gehirn der Hominiden schon so weit?)
    🙂
    Danke, dass Sie mir auf dieser Seite Asyl gewährt haben.

    • @M. Steirer

      Es ist nun eigentlich nicht die feine Art, auf die Bitte einer Pause mit Ausweichen zu reagieren.

      Aber Ihr Kommentar war wirklich unterhaltsam, wertvoll und spannend, weswegen ich nur hoffen kann, dass mir andere Lesende die Ausnahme nachsehen. 😉

      Wenn ich es richtig sehe, gehören Sie also zu den statistisch seltenen (aber durchaus existenten) Fällen konfessionslos und dennoch kinderreicher Paare. Herzlichen Glückwunsch, das finde ich wunderbar!

      Wenn ich Ihre Angaben weiter sehe, dann ist die Geburtenrate binnen nur einer Generation bereits unter Ihren Kindern unter die Bestandserhaltungsgrenze gefallen (9 von 5, aber vielleicht kommt ja noch das eine oder andere?) – und einige Kinder haben religiöse Partner geheiratet und die Enkel taufen lassen. Das ist alles sehr spannend, vielen Dank! 🙂

      Vielleicht haben Sie ja auch – zum Vergleich – Freude an dieser Familiengeschichte einer jüdisch-religiösen Zeitgenossin?
      http://www.nytimes.com/2010/02/21/nyregion/21yitta.html?_r=0

      Hilfreich finde ich auch Ihren Hinweis auf das letztliche „Verebben“ der ganzen Menschheit. Denn, ja, wenn man davon ausgeht, dass irgendwann ohnehin nichts mehr kommt, keine Transzendenz wartet, dann stellt sich die Sinnfrage der Anthropodizee schon heute. Warum sich dann überhaupt noch anstrengen oder diskutieren – am Ende wird es doch einerlei sein. Danke, dass Sie auch das aufgezeigt haben.

      Ihnen und Ihrer Familie auf jeden Fall alles Gute und danke für den konstruktiven und weise-humorvollen Kommentar! 🙂

    • Hallo Herr @M. Steirer

      mal im Ernst, hätte ich diese Klischeevorstellung vom christlichen Glauben gehabt, wie Sie sie im Zitat beschreiben, dann wäre ich wahrscheinlich auch, so wie Sie, schon mit 18 abgesprungen:

      „… denn ich bin stolz auf Kinder und Enkel, die selbst denken – und nicht auswärts denken lassen, und die selbst wissen – und nicht bloß glauben, und zwar an die allergrößten nur denkbaren Wahnideen wie jungfräuliche Geburt, Auferstehung vom Tod, Einteilung des nicht existenten „Jenseits“ in Himmel und Hölle und nicht zuletzt an ein ewiges Leben, – sei es „oben“ oder „unten“. Nein. In meiner Familie gibt es keine Schafe und wir brauchen daher auch keine guten Hirten.“

      Vermutlich können Sie selber nicht allzuviel dazu (…ist zwar dennoch möglich ), dass Sie ein so realitätsfernes Bild vom christlichen Leben haben, denn wenn sie dem schon mit 18 den Rücken gekehrt haben, dann haben Erziehung und Umwelt sicher den größeren Anteil an dem falschen Bild. Zumal, wenn Sie in Ihrem Umfeld keine Hilfe hatten, durch wahre christliche Glaubenspraxis sich von diesem falschen Bild zu befreien, außer eben dadurch, sich von dem falschen zu verabschieden.

      Das verlangte zu Ihrer Zeit sicher mehr Mut, als treu zu bleiben. Und wenn ich mir Ihr freudig vorgetragenes Ergebnis dieser Entscheidung ansehe, bin ich geneigt zu sagen, in Ihrem Fall war Ihre Hinwendung zum Atheismus im Grunde eine Hinwendung zu echterem Christentum. Denn so, wie Sie Ihre familiäre Situation schildern, war sie wohl nur mit einem guten Maß an gegenseitiger Liebe möglich, wie sie Jesus in seinem Testament (Joh 13,34) den Jüngern nahelegt.

      Das ist übrigens der alles entscheidende Kern der Botschaft Jesu und nicht, wie man gestern verkürzt in der WDR Sendung Quarks & Co von einem christlichen Geistlichen zu hören bekam, die Aussicht auf ein Leben nach dem Tod. Wie man in der Sendung auch sah, ist die ja in allen anderen großen Religionen auch gegeben. Dieser Kern des Testaments Jesu, die existentielle, gegenseitige Liebe ist eben auch noch nicht bis zu allen Christen vorgedrungen. Das hat plausible evolutionäre Gründe, die zu erläutern, hier jetzt zu weit führen würde.

      Von denen, die wie Sie damals gehandelt haben, gibt es derzeit in Ihrem Alter in Deutschland viele. Ich habe aber den Eindruck, dass nur wenige davon, quasi Ausnahmen, so wie Sie auch ohne Bindung an eine Glaubensgemeinschaft zu besseren Ufern vorgestoßen sind.

       „Wir haben (mit nur einem bescheidenen Gehalt) und ohne die geringste moralische, geschweige denn materielle Unterstützung durch unsere (streng katholischen) Vorfahren („Diese Heiden kriegen nichts, – aber schon gar nichts!“) fünf Kinder (= fünf Atheisten) groß ge- und erzogen,“

      Solche Äußerungen machen mich auch geneigt, Ihren speziellen ‚atheistischen‘ Eifer zusätzlich von einer Antireaktion aufgrund verletzender, persönlicher Erfahrungen mit Gläubigen und unterstützt durch eine persönliche Veranlagung angefeuert zu sehen und nicht so sehr nur, weil Sie bewusst bestimmte Glaubenssätze abgelehnt haben. Natürlich gab es dann solche, die Sie ablehnen konnten. Denn wenn man wegen derartiger innerer Verletzungen vor sich selber einen vernünftigen Grund sucht, findet man im christlichen Glauben ganz schnell genügend Widersprüche, an denen man das vordergründig festmachen kann.

      “ denn ich bin stolz auf Kinder und Enkel, die selbst denken (…)und nicht bloß glauben, und zwar an (…) Auferstehung vom Tod, Einteilung des nicht existenten „Jenseits“ in Himmel und Hölle und nicht zuletzt an ein ewiges Leben, – sei es „oben“ oder „unten“.

      Angesichts Ihres Alters bekommen sie die neuesten Entwicklungen wohl nicht mehr so mit. Aber mir scheint diesbezüglich gerade in Deutschland innerhalb der Naturwissenschaften eine arge Verdrängung oder gar gezielte Unterdrückung bestimmter naturwissenschaftlicher Erkenntnisse erfolgreich im Gange zu sein, denn ich wundere mich seit einiger Zeit über alle, die heute noch ein Leben nach dem Tod ausschließen, während sogar die neuesten naturwissenschaftlichen Entdeckungen das nicht mehr ausschließen können.

      In Ihrem Fall würde ich angesichts Ihres vom christlichen Kern getragenen Lebens zwar nicht ‚prophezeien‘ dass das dann wohl mal ein ‚böses‘ Erwachen geben wird, aber sicher doch ein erstauntes, freudiges Erwachen.

      Nach meiner neuen Einschätzung werden alle Religionen den Mut haben müssen, ihr Religionsein zu überwinden, wenn der „Kern der Botschaft Jesu“ für alle Menschen – auch mit Hilfe der Naturwissenschaften – als existentielle Grundlage des Lebens schlechthin erkennbar werden wird. Dann werden alle Religionen zusammen mit den religionslosen Weltanschauungen einen Schritt vorwärts tun müssen, um auf einer höheren Ebene ganz unkompliziert zueinander finden zu können, wo sie bisher notwendig und evolutionär bedingt getrennt sein mussten. Je eher sie damit beginnen umso besser.

      Wenn Sie also am ‚anderen Ufer‘ angekommen sein werden, werden sie ganz sicher auf der Ihnen dann möglichen Weise dazu beitragen, dass dies hier auf Erden möglich werden wird.

        • PS 2
          Nachtrag zu: „Nach meiner neuen Einschätzung werden alle Religionen den Mut haben müssen, ihr Religionsein zu überwinden, wenn der „Kern der Botschaft Jesu“ für alle Menschen – auch mit Hilfe der Naturwissenschaften – als existentielle Grundlage des Lebens schlechthin erkennbar werden wird.“

          Der Begriff „überwinden“ bezüglich des „Religionsein“ war nicht ganz glücklich gewählt.
          Mit dem „Religionsein“ meine ich die zeitgebundene, sichtbare Artikulation des Glaubens, also die kulturelle Seite, im Christentum die Liturgie, die im Überwinden aber nicht wegfallen müssen.

          Willk heißen: wenn alle Religionen sozusagen aus der kulturellen ‚Ummantelung‘ den Kern des Glaubens, da wo er für alle Menschen existentieller Lebensvollzug ist, extrahieren, wird man zu einer verbindlichen Einheit finden können, trotz unterschiedlicher kultureller Praktiken.

  8. Herr Dr. Blume, Ihre Position war doch recht stabil, es erklärt sich Ihrem Kommentatorenfreund nicht warum Sie die sich vielleicht noch erweiternde kleine Debatte im aktuellen Artikel-Feedback-Strang verhindert haben.

    MFG
    Dr. W (der allerdings nicht weiß, ob Sie nicht vielleicht doch unangemessen angegangen worden sind)

    • @Webbär

      Es wurde leider wieder in einigen Fällen unsachlich und „unangemessen“, mit mehrfachen Übergriffen ins Persönliche, Vorwürfen geheimer Agenden dieser oder jener Art usw. Und gleichzeitig mahnte meine Familie, dass ich nicht den ganzen (Urlaubs-)Tag am Computer oder Smartphone verbringen solle. Das Ganze Bloggen hier ist ja ehrenamtlich und unbezahlt, was einige leider nicht sehen (wollen).

      • OK, OK, Sie werden Ihre Gründe gehabt haben. – Ihr Kommentatorenfreund regt ergänzend an unsachliche und provozierende Kommentare auch zumindest gelegentlich einfach stehen zu lassen; ohne Reaktion. Tut nicht sonderlich weh und wird dann vielleicht auch später von anderen „geerdet“. – So funzt die Webkultur sozusagen,
        MFG,
        Dr. W

  9. Hallo, Michael,

    möchtest Du wenigstens hier auf meine sachliche Kritik an Deiner – meiner Ansicht nach unhaltbaren – These eingehen? Ich schreibe übrigens unter meinem echten Namen, und vermeide sicher auch jegliche persönlichen Beleidigungen.

    Viele Grüsse,
    VB.

    • @Volker Birk

      Bitte unterlassen Sie zukünftig Mehrfach-Posts. Und ich habe Ihnen bisher auch kein “Du“ angeboten. Dass ich mich Online-Diskussionen stelle, bedeutet nicht, dass ich mich hier von jedermann anrempeln und “herausfordern“ lasse. Dies hier leiste ich ehrenamtlich und in meiner Freizeit.

  10. Alle modernen Gesellschaften sind von hohen Geburten- und Sterbezahlen mit relativ stabiler Bevölkerung über die Verbesserung von Hygiene, Medizin, Ernährung und Bildung zu einer kurzen Phase enormen Bevölkerungswachstums mit hohen Geburten und geringen Sterbezahlen gegangen, um zu geringen Geburten- und Sterbezahlen zu gelangen. Je rückständiger das Land, desto höher die Geburtenzahlen und desto höher die Religiosität.

    Herr Blume hält die Evolution für ein Spiel, dass sich Gott ausgedacht hat, um religiöse Gruppen zu belohnen und areligiöse zu bestrafen. Bevölkerungswachstum ist ihm unreflektiert erstrebenswert, weil er es in die Bibel hineinliest, wo es drin steht, weil expandierende, chauvinistische Stämme eine wachsende Bevölkerung brauchen, um Krieg zu führen, Gebiete zu besiedeln und Feinde zu verdrängen.

    Dass Rohstoffe begrenzt sind, und sich mit 7 Mrd. Menschen entspannter darum konkurrieren lässt als mit 12 Mrd. Menschen ist ihm wohl egal, weil ihn Millionen Tote nicht rühren – Hauptsache, wie immer bei Christen, getauft und ab in den Himmel, denn der Zweck des Menschen ist es zu sterben, um Gott zu preisen.

    Er fordert von Atheisten in typisch religiöser Symetrieerwartung ihrer Existenz eine geistige Letztbegründung zu geben, und freut sich da einen Mangel diagnostizieren zu können, statt einzusehen, dass diese Suche nach einem objektiven Zweck, dem der Mensch selbst unterworfen ist, ein Irrtum ist. Eine Frage, die man zwar stellen kann, die aber irrelevant ist.

    Fakt ist, dass die, die keinen solchen Zweck finden, sich trotzdem nicht alle das Leben nehmen, und dass die, die einen Zweck gefunden haben, vor Suizid nicht gefeit sind. Der Mensch funktioniert so nämlich nicht – nur im simplifizierenden Bewusstsein der Religion sieht es so aus als sollte es so sein.

    Dass die Zahl der Atheisten wächst und da wächst, wo die Bevölkerung schrumpft, woraus man ableiten muss, dass sie morgen auch andernorts wachsen wird, wo die Bevölkerung dann auch schrumpfen wird, weil dies ein globaler Trend ist, das hat er noch gar nicht zur Kenntnis genommen. Einen tollen Einblick in den globalen Bevölkerungstrend liefern übrigens die TED-Talks mit Hans Rosling, bei YouTube — na gut, ich such es raus, Moment ….
    So – da bin ich wieder mit meinem Link: http://www.coolinfographics.com/blog/2012/5/29/hans-rosling-tedtalk-religions-and-babies.html Was ich suchte fand ich nicht, sondern etwas noch besser passendes. Dieser Rosling gibt wohl alle 6 Monate solch einen Talk, ich weiß nicht der wievielte das jetzt ist, den ich sehe. Mit Religion war bislang noch keiner. Ich hatte mal vor 4, 5 Jahren den Vorschlag gemacht auch Religion in seine Statistik mit einzubeziehen. 🙂 Freut mich, dass es geklappt hat.

    • Dieser Rosling gibt wohl alle 6 Monate solch einen Talk, ich weiß nicht der wievielte das jetzt ist, den ich sehe. Mit Religion war bislang noch keiner.

      -> http://www.ted.com/talks/hans_rosling_religions_and_babies

      MFG
      Dr. W (der generell empfehlt mit dem Vorhalt des Confirmation Bias sparsam umzugehen und sich nicht in eigener Nachricht auzulösen; der auch auf das ignorante Gelächter im Publikum des TED-Talks hinweist)

      PS: Zudem ist die Aussage mit der bald kommender Welt-Fertilitätsrate von 2,0 nicht klar, die Säkularisierung einzelner Länder blieb unberücksichtigt & Herr Rosling redet, wie der Schreiber dieser Zeilen findet, leichtfertig von einem ‚Improvement‘, wenn die Fertilitätsrate, jetzt: 2,5 – wie beschrieben sinkt.

      • @Stefan Wagner & @Webbär

        Rosling hat sich nicht nur zu Religion und Demografie mehrfach (und zunehmend kundig!) geäußert, sondern war auch mit seinem TED-Talk schon Thema auf diesem Blog:
        https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/hans-rosling-ber-religion-und-babys-richtig-verstehen/

        Und selbstverständlich werden auch seine Ansätze und Daten intensiv in „Religion und Demografie“ diskutiert.

        Na, wer hatte jetzt mal wieder Vorurteile? 😉

        • Herr Wagner hatte bestimme, eher ungünstige Sichten vorgetragen, es müssen keine Zwischen- oder Vorurteile vorgelegen haben, es könnten auch schlicht Fehler gewesen sein.

          Was halten Sie denn, Herr Dr. Blume, von der Sicht, dass es zum Kinderkriegen und zum Auf-Sich-Nehmen bestimmten Altruismus, sofern einer vorliegt, eben das Kinderkriegen betreffend, bestimmter Ideen und Werte bedarf, die religiös angeleitet sein können, aber keineswegs derart angeleitet sein müssen?

          Dass die von vielen nachgewiesene Korrelation zwischen der Religiösität und dem beschriebenen Fortkommen eher eine Frage der Symptomatik ist und die „Heilung“ auch anderswie [1] erfolgen könnte?

          MFG
          Dr. W

          [1] bspw. durch die Bloßstellung und politisch-sittliche Bearbeitung bestimmter Ismen

          • @Webbär

            Das ist ja die Wissenschaftlern wohl bekannte Schwarze-Schwan-Frage: Wenn auch bisher nur weiße Schwäne gesichtet worden seien, so wäre doch nicht auszuschließen, dass auch einmal ein schwarzer Schwan gefunden werde?

            Nein, lieber @Webbär – ich schließe das Auftauchen schwarzer Schwäne nicht aus. Zwar sehe ich bislang keine überzeugenden Anzeichen für eine nichtreligiöse und dennoch demografisch stabile Population, aber für die Zukunft halte ich vieles für möglich und begrüße es also auch, wenn sich auch nichtreligiöse Menschen konstruktiv mit dem Thema auseinandersetzen. Hier z.B. ein ausführliches Interview mit Arik Platzek vom humanistischen diesseits-Magazin dazu:
            http://www.diesseits.de/perspektiven/1399413600/nicht-ganz-rational-aber-evolutionaer-erfolgreich

  11. Ich finde die Idee, Kinder aus Altruismus zu bekommen, zynisch, und würde hoffen dass es keiner macht. Wer keine Freude an Kindern hat, soll es bitte lassen.

    Dass der TED-Talk hier bereits Thema war habe ich nicht gewusst, und nach dem Artikel sprach auch wenig dafür anzunehmen, dass er gesehen worden sein könnte. Dass man dennoch die zentralen Daten nicht zur Kenntnis nimmt, dass unabhängig von der vorherrschenden Religion die Geburtenzahlen global zurückgehen steht ja der These, dass religiöse Pärchen sich munter vermehren während Atheisten aussterben fast diametral entgegen, auch wenn die modernen Gesellschaften alle nicht aufgeschlüsselt werden.

    Es wird jedoch der protestantische Pfarrershaushalt an exemplarischen Beispielen wie ein Brühwürfel ins Wasser geworfen und gehofft, dass niemand an den Katholizismus mit seinem institutionalisietem Zölibat denkt, der das diametrale Gegenteil darstellt: Tiefe Religiösität gepaart mit Fortpflanzungsverbot.

    Fakt ist, dass es weltweit ein Sinken der Geburten- und Sterberate gibt, und dass dies ein junges Phänomen ist wie auch der Atheismus ein junges Phänomen ist – einzelne Gegenbeispiele will ich nciht in Abrede stellen.

    Die Evolution als eine Art Schiedsrichter oder Beweis für Richtigkeit der Religion ins Feld zu führen ist aber ein grundlegender Missgriff. Es gibt keine Ziellinie der Evolution wo sich ein Sieger zeigt, und wer gestern noch Dinosaurier war ist heute tot. Heute gibt es zwar noch viele religiöse Großfamilien, aber wir erleben gerade deren Abgesang.

    Die Größe der Familie als Erfolgskriterium zu nehmen um letztlich festzustellen, dass große Familien größer sind, das ist der typisch tautologische Fehlschluss, den der Theologe, auch wenn er sich Religionswissenschaftler nennt, immer wieder begehen muss. Größere Familien sind größer, nicht besser.

    • @Stefan Wagner

      Zunächst mal eine Zustimmung. Sie schrieben: Wer keine Freude an Kindern hat, soll es bitte lassen.

      Entsprechende Aussagen finden Sie auch von mir bei der Frage des humanistischen diesseits-Magazins:
      http://www.diesseits.de/perspektiven/1399413600/nicht-ganz-rational-aber-evolutionaer-erfolgreich

      Persönlich würde ich mich sehr freuen, wenn auch meine atheistischen und humanistischen Freunde mehr Kinder in die Welt setzen würden – schon weil viele von ihnen großartige Eltern wären. Aber ob das für sie, die Kinder und den Planeten überhaupt erstrebenswert sei, müssen sie schon selbst beantworten.

      Und noch einmal: Selbstverständlich haben die Makro-Daten von Hans Rosling eine Rolle gespielt, der ja schließlich nachweist, dass nicht z.B. „die Muslime“ mehr Kinder haben als „die Christen“, sondern dass man in die jeweilige Gesellschaft hineinschauen muss. Im verlinkten Blogpost habe ich das schon einmal erläutert und in „Religion und Demografie“ wird er – ausführlich u.a. mit Daten und seinen neuesten, bereits differenzierten Äußerungen – zitiert.

      Zuletzt noch der Hinweis, dass ich auch den Zölibat nicht verschweige – er war sogar gleich Thema meines ALLERERSTEN Blogposts hier auf den scilogs:
      https://scilogs.spektrum.de/fischblog/glaube-und-z-libat-bio-logisch-erfolgreich/

      Auch in einem kostenlos verfügbaren Einführungsartikel zur Evolutionsforschung von Religiosität und Religionen („Homo religiosus“) wird das Thema ausführlich behandelt – ebenso wie klargestellt wird, dass sich aus evolutionärem Erfolg nicht einfach Wert-, Güte- oder gar Wahrheitsaussagen ableiten lassen!
      http://www.gehirn-und-geist.de/alias/religiositaet/homo-religiosus/982255

      Sie sehen, ich bemühe mich wirklich, alle Befunde offen zu legen sowie Fragen und Anregungen aufzunehmen – und das Ganze für Sie und alle Interessierten auch kostenfrei und leicht findbar zugänglich zu machen.

  12. @ Michael Blume

    aus meiner Rezension zu dem Buch ein paar Gedanken:

    „Religion und Demografie“ insgesamt präsentiert überraschende – und für manch einen hardcore Atheisten schwer verdauliche – Ergebnisse einer langjährigen Forschungsarbeit.  Aus evolutionsbiologischer und religionswissenschaftlicher Perspektive beleuchtet das Buch bei unterschiedlicher Fragestellung das spannende historische Auf und Ab des demografischen Verhaltens der Menschheit, ihrer Völker, Ethnien, Kulturen und Gruppierungen. Das Ergebnis hat den Autor selber und wird zunächst sicher auch den Leser überraschen und manchen Widerstand auslösen.

    Bei näherem Hinsehen ist es aber dennoch nicht überaschend. Denn in einem geschlossenen System, wie es unser Universum mit seinen Lebenswelten, darunter unsere Erde, ist, in dem allüberall Werden und Vergehen, Leben und Sterben den Takt angeben, gleichsam das einzig Beständige, Ewige sind, kann Beständigkeit des Lebens, das eben nicht mehr stirbt, das Generationen überdauert, nicht systemintern begründet und gewährleistet sein.

    Folglich liegt nahe, dass laut empirischem Befund bislang nur die ethnischen Gruppierungen auf längere Sicht den demografischen Faktor halten konnten, die genau das, nämlich systemexterne Beziehungen, Wurzeln, in Gestalt von Religionen pflegten. Es liegt nahe, dass nur solche dann auch immanent die Kraft haben, den systeminternen, nahezu unüberwindlich dominanten Takt des Werdens und Vergehens dennoch zu überwinden und nur deshalb auch in Gestalt einer lebhaften Fortpflanzung ihre Religion/Kultur erfolgreich zu bewahren verstehen, um nicht zu sagen, ihr machtvolle Beständigkeit zu verleihen vermögen, die in der, das Leben bewirkenden systemexternen Realität wurzelt. Eine solche Beständigkeit sorgt auch intuitiv – d.h. systemextern begründet – für Ausgewogenheit in der Geburtenrate.

    Nichtreligiöse, materialistisch orientierte, säkulareGruppierungen pflegen diese systemexternen Wurzeln in der Regel nicht, sodass ihnen dadurch auch systemintern die Kraft zu wahrer Beständigkeit über Generationen hinweg fehlt. Systemintern lässt diese sich, wie auch durch die hier vorgetragene Forschung empirisch belegt ist, durch nichts künstlich erzeugen.

    Die großen Jahrhundert Dome z.B. konnten nur entstehen, weil der Einzelne, systemextern verwurzelt, generationsübergreifend denken, leben und sich einbringen konnte. Niemand stirbt freiwillig für etwas, was dann auch wieder selber stirbt. Die Aussage Jesu: „Niemand hat eine größere Liebe, als wer sein Leben hingibt für seine Freunde“ würde keinen Sinn machen, wenn das Leben nach dem Tod tatsächlich aufhören würde, wenn diese Liebe nicht über den Tod hinaus bestehen würde, weshalb auch das Leben, das so liebt, bestehen bleiben muss.
    Hört diese Liebe also systemintern auf, wird es kalt in unserer Welt und wird die Menschheit ganz von selbst ohne besondere Anstrengung verebben, lange bevor unsere Sonne stirbt.

    Etwas Entscheidendes, was speziell die Religionen aus diesen Befunden auch lernen können, ist die Tatsache, dass der Kampf gegen das Böse nicht nur völlig falsch, sondern auch unnötig ist. Ohnehin widersprechen ‚heilige‘ Kriege dem Wesen der Religionen, aber diese Forschung zeigt auch, wie fürchterlich unnötig sie sind. Die Quelle des Bösen ist zwar wie das systemexterne Leben unsichtbar, aber es existiert nur systemintern im menschheitlichen Unbewussten. Mit anderen Worten, es hat nicht aus sich die Kraft zu leben. Es lebt nur, indem wir es ins Leben heben. Seine Lebensberechtigung wird einzig dadurch verstärkt, dass wir gegen das Böse kämpfen und meinen, es nur so überwinden zu können, was wir deshalb noch ständig tun, was aber eben falsch ist. Kämpfen dürfen wir nur FÜR das Gute, wenn wir das Böse wirklich überwinden wollen.
    Wenn wir also nicht mehr gegen das Böse sondern nur noch für das Gute kämpfen, wird das Böse ganz einfach aussterben. Das ist eine der Kernsaussagen der Botschaft Jesu.

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