Verschwörungstheorien – Verschwörungsglauben als religiöse Herausforderung

Das Thema „Verschwörungstheorien“ beschäftigt mich ja nun schon seit Jahren und unter anderem habe ich dazu Bücher des Mediziners Thomas Grüter und die Dissertation des Psychologen Sebastian Bartoschek rezensiert. Seit einigen Monaten bereiten letzterer, die Sozialpsychologin Pia Lamberty und ich nun auch eine Tagung zum Thema „Verschwörungstheorien“ vor, die am 11. September 2016 mit Dr. Heinz-Hermann Peitz im Tagungshaus Weingarten der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart stattfinden soll. Der „Call for Papers“ war sehr ertragreich und hat uns vor einige schwere Entscheidungen gestellt. Selbstverständlich wird es zur Tagung hier auch noch ausführlichere Informationen und dann auch einen Tagungsbericht geben!

Dies und die teilweise heftigen Erfahrungen im Irak haben mich nun dazu bewogen, das Thema endlich auch aus religions- (und politik-)wissenschaftlicher Sicht über Vorträge hinaus zu erschließen. So halte ich…

1. Verschwörungstheorien nur solange für berechtigte Theorien, solange sie überprüf- und widerlegbar sind. (Man denke an ein Gerichtsverfahren, in dem das Recht auf eine ordentliche Verteidigung gewährleistet sein muss.) Darüber hinaus werden sie dann zu sinn- und gemeinschaftsstiftende Erzählungen, zu ggf. gefährlichen Verschwörungsmythen. Entsprechende Unterscheidungen von Prof. Armin Pfahl-Traughber halte ich für überzeugend.

2. Verschwörungsmythen für die Grundlage von ganzen Systemen von Verschwörungsglauben. Dabei handelt es sich um eine spezifische Glaubensvariante des „pathologischen Dualismus„, den wir religionsgeschichtlich stark in der Gnosis verortet finden. Dieser richtet sich nicht nur an einem massiven Freund-Feind-Schema (zum Beispiel gegen Hexen, Juden, Afrikaner, US-Amerikaner, Muslime, Außerirdische o.ä.) aus, denen als geglaubten „Superverschwörern“ übermenschliche Fähigkeiten zugeschrieben werden. Er geht auch immer mit einem massiven Mißtrauen gegen alle bestehenden Autoritäten außerhalb der Gruppen (medial, staatlich, religiös, wissenschaftlich u.ä.) einher. Hier folge ich wesentlich den Arbeiten von Rabbi Jonathan Sacks zu den Gefahren religiöser (!) Gewalt.

PathologischerDualismus

3. Die zahlreichen religiösen und pseudo-säkularen Varianten bilden die Grundlagen von nicht immer, aber häufig gewaltbereiten Radikalisierungsprozessen aller Art. So können z.B. sowohl rechtsextreme wie auch religiös-extremistische Lesarten als Spielarten des pathologischen Dualismus entschlüsselt werden. Anhängerinnen und Anhänger des so genannten „Islamischen Staates“ rechtfertigen ihre Gewaltbereitschaft – und teilweise sogar ihren Glauben! – beispielsweise stets mit dem Verweis auf angebliche Superverschwörungen teuflischer Mächte und wären theologisch eher als Dualisten, denn als Monotheisten zu verstehen. Ebenso vermuten Rechtsextreme hinter Zuwanderern regelmäßig eine „Invasion“, die von finsteren Superverschwörern – einschließlich der eigenen, daher zu stürzenden Regierungen – betrieben werde.

Entsprechend schlage ich vor, den Verschwörungsglauben als religiöse (konkret: gnostisch-dualistische) Variante ernst zu nehmen, zumal Religiosität und Verschwörungsglauben laut empirischen Daten (z.B. Bartoschek) auch miteinander korrelieren. Tatsächlich überlappen sich die vorliegenden, psychologischen Modelle zur Erklärung von Verschwörungsglauben (z.B. Rob Brotherton) bereits sehr weitgehend mit denen der (kognitiven) Religionspsychologie!

Knapp zusammengefasst vertrete ich die These:

Anhänger der Weltreligionen versuchen, ihre Identität über das Vertrauen in gute Mächte und Wesen zu definieren. Verschwörungsgläubige aber versuchen, ihre Identität im Kampf gegen eine vermeintlich die Welt beherrschende, böse Superverschwörung zu sichern. In beiden Fällen erfolgt die Vermittlung der Glaubenshaltungen durch religiöse Mythen.

Eine besonders große Rolle bei der Ausprägung und Verbreitung von Verschwörungsmythen und -glauben rechne ich dabei den „alten“ und „neuen“ Medien wie der Sprache, dem Buchdruck und schließlich dem Internet zu. Medienrevolutionen gingen auch in der Vergangeheit jeweils mit einem Auf- und Ausbruch von Verschwörungsglauben einher!

Wie gehabt habe ich diese – und weitere Überlegungen – in einem sciebook zusammengefasst:

„Verschwörungsglauben. Der Reiz dunkler Mythen für Psyche und Medien“

ist ab sofort für nur €2,99 als eBook (Kindle & epub) erhältlich

und sollte in den kommenden zwei Wochen auch als Taschenbuch erscheinen.

Verschwoerungsglaubensciebooksklein

Selbstverständlich würde ich mich über Ihr Interesse sehr freuen und will hoffen, dass in der wichtigen Debatte zur „Natur von Verschwörungstheorien“ auch Perspektiven der Religionswissenschaft Gehör und Berücksichtigung finden. Nimmt man eskalierende  „Verschwörungstheorien“ als „Verschwörungsmythen“ und „Verschwörungsglauben“ ernst, werden sowohl die Faszination wie auch die Gefahren und Schwierigkeiten der „Widerlegung“ leichter nachvollziehbar.

Michael Blume

Dr. Michael Blume, Jahrgang 1976, studierte nach Wehrdienst & Ausbildung zum Bank-Finanzassistenten Religions- und Politikwissenschaft in Tübingen. Neben seinem Hauptberuf beim Land Baden-Württemberg lehrte er an verschiedenen Universitäten, derzeit in Köln. Blume promovierte über die Thesen von Hirnforschern zur Religion ("Neurotheologie") und forscht über die Evolution von Religiosität und Religionen. Als erster Deutscher wurde Blume in das internationale Forschernetzwerk der Evolutionary Religious Studies berufen, aus dem er seit März 2008 auch im Scilog "Natur des Glaubens" berichtet. Für diesen erhielt er 2009 den Scilogs-Preis und wurde 2010 mit dem Preis "Vermittlungen" der Evangelischen Akademie Villigst für Nachwuchswissenschaftler ausgezeichnet. Der Hohe Rat der Yeziden in Lalish verlieh ihm 2015 eine Auszeichnung für den Einsatz für schutzbedürftige Frauen und Kinder aus Kurdistan-Irak. Der evangelische Christ ist mit einer Muslimin verheiratet, die beiden haben drei Kinder. Zehra Blume gründete auch den sciebooks-Verlag, in dem einführende eBooks und Taschenbücher zu wissenschaftlichen Themen erscheinen.

30 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Verschwörungstheorien – hä? Um uns herum baut die Welt (oder wer auch immer glaubt, für sie zu ’sprechen‘) an das allzeit definierbare ‚Individuum‘ – mit unserem eigenen Einverständnis!!! Glaubt heute wirklich noch jemand daran, das dazu irgendwelche ‚Verschwörungen‘ herhalten müssen?

    • Michael Blume

      Leider ja, @Paulus. Alleine in Deutschland glauben Abertausende, dass sich Regierung & Medien mit „den Muslimen“ gegen sie verschworen hätten, andere glauben an Superverschwörungen etwa durch Juden oder Illuminaten und die Vorträge und YouTube-Clips z.B. von David Icke – der eine Superverschwörung durch reptiloide Aliens verkündet – finden international zehntausendfach Zuspruch. Und das sind nur einige Beispiele…

      • Deine dir gegebene Aufgabe, ob dir das (über die Maßen dankbar?) bewußt ist oder nicht, ist OFFENSICHTLICH die KONFUSIONIERENDE Ablenkung in herkömmlich-gewohnter Schuld- und Sündenbocksuche – Die Überproduktion an systemrationalem KOMMUNIKATIONSMÜLL, durch Regierung, Medien und Institutionen wie Kirchen und Schulen, dient ausschließlich dem Wirtschaftssystem des nun „freiheitlichen“ Wettbewerbs um …, egal welche Wahrheit dahinter steht, es ist extreme DUMMHEIT! 😉

        • Michael Blume

          Danke für die freundliche Bestätigung, @Horst! War doch längst klar, dass auch ich Teil einer Superverschwörung aus Kirchen, Regierungen, Medien, Wissenschaften und überhaupt ALLEN Andersdenkenden bin – das haben Sie durch persönliches Beschimpfen und Großbuchstaben ja bereits vielfach und eindrucksvoll „bewiesen“… 😉

          Kriege ich von Ihnen dann auch mal so einen schicken „Steckbrief“, wie ihn mir die Rechtsextremen von Nürnberg 2.0 bereits gewidmet haben? Dort wirft man mir „Leugnung des Geburtendschihad“ vor… 🙂
          http://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/jetzt-erst-recht-mein-antwort-auf-n-rnberg-2-0/

  2. Zu diesem Thema gehört eigentlich auch der Begriff ´Leitkultur´ in unterschiedlichen Formen (christlich, europäisch, deutsch, usw.) – denn dies ist oft der ´Brennstoff´ für Hass gegen andere Menschen; indem damit Angst geschürt wird.

    • Der Term Leitkultur kann sowohl eine monokulturelle als auch eine multikulturelle Bedeutung haben. In ihrem Kommentar interpretieren sie Leitkultur im monokulturellen Sinne, also als Aufforderung an Andere ihre Kultur zugunsten der (meist einheimischen) Leitkultur aufzugeben. Doch Leitkultur kann auch multikulturell interpretiert werden, wobei es dann die Bedeutung einer gemeinsamen Kultur, einer Kulturbasis für alle in einem Land oder einer Region zusammenlebenden Menschen annimmt. Die französische Auffassung des laizistischen Staates ist eine solche Kulturen integrierende Leitkultur. Die laizistische Gesellschaft glaubt an eine gemeinsame Staatskultur, die bewusst neutral in religiösen Fragen ist. Moslems; Christen und Juden sind in einer laizistischen Gesellschaft alle gleichberechtigt, wobei sie im öffentlichen Raum tendenziell auf religiöse Zeichen (Kreuz,Kippa,Schleier) verzichten müssen, denn solche Zeichen wirken oft nicht nur identifizierend sondern auch ausgrenzend.
      Mich verwundert es deshalb, dass man den Begriff Leitkultur oft als deutsche Erfindung und als Propagierung eines Germanentum sehen will, denn am besten passt der Begriff Leitkultur zum laizistischen Staats- und Gesellschaftsmodell Frankreichs, wobei diesee Form der Leitkultur von Begin weg als integratives Element konzipiert wurde.

      • Die Extremform einer monokulturellen Leitkultur ist die Kultur für das Haus des Islams (Haus des Friedens), wo als Hausordnung gilt, dass alle Nichtmuslime einen geringeren Rechtstatus haben – also Dhimmis sind.. Dahinter steckt die Sicht einer zweigeteilten Welt bestehend aus einem Haus des Islams (Haus des Friedens) und einem Haus des Krieges. Das langfristige Ziel ist es die ganze Welt in ein Haus des Islams zu überführen. Eine solche Sicht schliesst das friediche und gleichberechtigte Zusammenleben verschiedener Religionen/Kuluren aus.

  3. Hallo Herr Blume,

    danke für den Artikel. Grundsätzlich würde ich Ihnen zustimmen, allerdings hätte ich noch eine Anmerkung. In meinen Augen muss man die Masse der Anhänger von Verschwörungstheorien nochmal unterteilen. Nicht auf alle diese Teile treffen ihre Beobachtungen zu, und eine ungerechtfertigte Vermischung verschärft das Problem. Unbegründet Ausgegrenzt oder mit „Spinnern“ einen Topf geworfenen entfernen sich leichter noch weiter vom gesellschaftlichen Konsens und radikalisieren sich.

    Neben den quasi-religiösen Anhängern von Illuminaten-theorien (ich bleibe jetzt mal der Einfachheit halber bei dem Begriff) gibt es ja noch solche, die eine Verselbstständigung von Geheimdiensten befürchten. In Deutschland diskutieren wir dies immer wieder in verschiedenen Situationen. Aktuell besonders in zwei Fällen (in Bezug auf den Verfassungsschutz und die NSU, sowie die Kooperationen des BND mit der NSA). Sicherlich mag hier ein qualitativer Unterschied zu einer Beteiligung von amerikanischen Geheimdiensten an den Ereignissen des 11.September vorliegen – jemand der diesen letzten Gedanken nicht ausschließt, muss meiner Erfahrung nach nicht gleich geschlossenen Weltbildern und einem klaren Dualismus anhängen. Vielmehr sehen wir hier einen der zahlreichen Punkte an denen der Vertrauensverlust in jedwede Institutionen beobachtet werden kann. Dieser ergibt sich unter anderem aus den weitreichenden technologischen (und damit sozialen, politischen, ..) Umbrüchen die wir gerade erleben.

    Einen lieben Gruß,
    Mike Karst

    • Michael Blume

      Lieber Herr Karst,

      lieben Dank für Ihren Kommentar – dem ich ausdrücklich zustimme!

      Zunächst vorab: Ich leugne ausdrücklich nicht die Existenz von Verschwörungen und auch nicht die Notwendigkeit von Verschwörungstheorien – sie liegen u.a. jeder Anklage von Staatsanwälten wegen illegaler Absprachen, Mitgliedschaft in Terrororganisationen o.ä. ebenso zugrunde wie beispielsweise auch den Ermittlungen aufklärender Journalisten oder parlamentarischer Untersuchungsausschüße. Und wie Sie vielleicht wissen, hatte ich schon selbst meine Erfahrungen mit realen Grenzüberschreitungen von Geheimdiensten, u.a. SPIEGEL ONLINE berichtete darüber: http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/wie-michael-blume-zum-islamistenfreund-gestempelt-wurde-a-913972.html

      Wenn eine Verschwörungstheorie jedoch so abgeschottet wird, dass sie überhaupt nicht mehr überprüft und widerlegt werden kann, dann haben wir es mit einem Verschwörungsmythos zu tun. (Und genau deswegen gewähren alle rechtsstaatlichen Verfahren ja auch eine faire Verteidigung.) Und schließlich werden solche Verschwörungsmythen zu gnostisch-dualistischen Glaubenssystemen gegen „die Illuminaten“, „die Juden“, „die Demokröten“ o.ä. systematisiert, die sich gerne als „Notwehr“ verstehen und damit immer weiter radikalisieren.

      Daher rate ich auch hier ganz bewusst, zwischen überprüfbaren Verschwörungstheorien und geglaubten Verschwörungsmythologien zu unterscheiden.

      Liebe Grüße auch Ihnen, danke für den konstruktiven Kommentar!

  4. Verschwörungstheorien als (Zitat) religiöse Variante zu sehen, berücksichtigt nicht die Wandelbarkeit, Vielfalt, Neugenerierung von konkreten Verschwörungstheorien.
    Evangelikale oder Moslems glauben ihr Leben lang an ihre Form des Christentums oder des Islam, diese religiös Verwurzelten können aber über die Jahre vielen verschiedenen Verschwörungstheorien anhangen. Verschwörungstheorien sind also wandelbar. Wenn schon sind die angenommenne Verschwörer, die heimlichen Feinde (die Bösen also), immer wieder die Gleichen ( beispielsweise die Juden).
    Ich tendiere eher dazu, Verschwörungstheorien als eine Form der Kommunikation zwischen Gruppenmitgliedern zu betrachten. Wer Verschwörungstheorien sät, konstruiert damit einen Fend und erzeugt kurzfristig eine Gemeinschaft von Gläubigen, von Menschen derselben Überzeugung. Eine konkrete Verschwörungstheorie nimmt damit eher die Rolle einer Story, einer gemeinschaftsstiftenden Erzählung (eines Narrativs) ein, wenn man sie mit religiösen Phänomenen vergleichen will (wo es Erzählungen wie die Genesis oder die Offenbarung gibt).
    Solche Erzählungen können immer wieder neu ausgemückt oder auch komplett neu erfunden werden. Die Akteure aber, die in diesen Erzählungen/Verschwörungen eine Rolle spielen sind meist immer wieder die Gleichen.

    • Michael Blume

      Lieber @Martin Holzherr,

      Sie schrieben: Verschwörungstheorien als (Zitat) religiöse Variante zu sehen, berücksichtigt nicht die Wandelbarkeit, Vielfalt, Neugenerierung von konkreten Verschwörungstheorien.

      Doch, genau das wird geleistet: Wie ja auch die religiöse Grundstruktur des Theismus durch ganz unterschiedliche Gottheiten „gefüllt“ werden kann, so eben der gnostische Dualismus durch ganz unterschiedliche (und miteinander kombinierbare) Superverschwörer. Genau das gilt es aufzuzeigen.

      Ich tendiere eher dazu, Verschwörungstheorien als eine Form der Kommunikation zwischen Gruppenmitgliedern zu betrachten. Wer Verschwörungstheorien sät, konstruiert damit einen Fend und erzeugt kurzfristig eine Gemeinschaft von Gläubigen, von Menschen derselben Überzeugung. Eine konkrete Verschwörungstheorie nimmt damit eher die Rolle einer Story, einer gemeinschaftsstiftenden Erzählung (eines Narrativs) ein, wenn man sie mit religiösen Phänomenen vergleichen will (wo es Erzählungen wie die Genesis oder die Offenbarung gibt).

      Nicht nur in der Religionswissenschaft nennt man eine „Story, eine gemeinschaftsstiftende Erzählung (ein Narrativ)“ kürzer und prägnanter: Mythos. Und genau dies wird sichtbar, wenn wir beginnen, überprüfbare Verschwörungstheorien von geglaubt-unwiderlegbaren Verschwörungsmythen zu unterscheiden.

      Solche Erzählungen können immer wieder neu ausgemückt oder auch komplett neu erfunden werden. Die Akteure aber, die in diesen Erzählungen/Verschwörungen eine Rolle spielen sind meist immer wieder die Gleichen.

      So ist es. Auffällig ist dabei, dass solchen Superverschwörern stets unterstellt wird, mit übermenschlichen Kräften im Bunde zu sein. Spätestens hier wird also das religiös-mythologische Element auch in vermeintlich säkularen Gewändern (z.B. säkularer Antisemitismus, Alien-Verschwörungsglaube o.ä.) erkennbar.

  5. Thomas Grüter

    Hallo Michael, grundsätzlich könnte man sicher den Glauben an Verschwörungstheorien und dass Gut/Böse-Schema von Religionen als verwandte Phänomene auffassen. Ich wäre allerdings nicht so sicher, das Misstrauen gegen Autoritäten ein definierendes Element des Verschwörungsglaubens ist. Zum einen setzen Autoritäten selbst gerne Verschwörungstheorien in die Welt (aktuelles Beispiel ist Ungarn) und zum Zweiten geht der Glaube an Verschwörungen fast immer mit einem geradezu naiven Glauben an Autoritäten einher, die sich den Bösen entgegenstellen. Wenn man sich Verschwörungsforen im Internet ansieht, dann stellt man fest, dass immer bestimmte Autoren, Anführer oder Politiker ehrfurchtsvoll zitiert werden, und als absolute Autorität gelten. Hitler und Stalin konnten sich auf den Verschwörungsglauben ihrer Anhänger fest verlassen. Sie ließen sich erfolgreich als geradezu mythisches Bollwerk gegen das Böse feiern, und verlangten nicht zuletzt aufgrund dieses Mythos absoluten Gehorsam.

    • Michael Blume

      Ja, Thomas, das sehe – und schreibe – ich auch so. Verschwörungsgläubige Gemeinschaften kehren das Misstrauen nach außen, verlangen aber nach innen absoluten Gehorsam (sonst gilt man schnell selbst als Teil der Verschwörung!).

      Hitler, Stalin, Mao etc. haben dies als Machtmittel angewendet, ebenso auch die Anführer von Kleingruppen wie z.B. Heaven’s Gate, die dann in den kollektiven Suizid gingen. Darüber schrieb ich im sciebook ausführlich (Fallstudien). Und klar bist auch Du dort anerkennend erwähnt! 🙂

  6. Verschwoerungstheorien sind sehr gefaehrlich

    Ich halte Verschwoerungstheorien fuer sehr gefaehrlich.
    Aus mehreren Gruenden:
    1) In den 40er Jahren glaubte ein wesentlicher Teil der Deutschen an eine juedische Weltverschwoerung. Die Folge war der groesste Massenmord in der Geschichte der Menschheit
    2) In meiner politisch aktiveren Zeit habe ich mehrfach erleben duerfen wie Anhaenger der verschiedensten Verschwoerungstheorien bei unseren Verein anriefen oder auftauchten, weil sie uns fuer „die Guten“ hielten und Hilfe von uns erhofften.
    Diese Leute brauchen eindeutig professionelle Hilfe,- die ist aber gar nicht so einfach zu bekommen, vor allen wenn man „die Hilfesuchenden“ gar nicht kennt. Ein falscher Satz wie „wir rufen jetzt die Maenner mit den weissen Kitteln“ kann in solchen Situationen zu fatalen Konsequenzen fuehren.
    Verschwoerungstheorien koennen zu Psychosen fuehren.

    Trotzdem sollte man bei aller Verteufelung von Verschwoerungstheorien sollte man genauer hinschauen was eigentlich damit gemeint ist.

    Ich denke man sollte unterscheiden:

    1) “tatsaechlich vorhandene Verschwoerung:”
    eine Gruppe handelt Zielgerichtet, laesst Aussenstehende aber ueber ihre Ziele im Unklaren.
    Unter diese Gruppe wuerde ich beispielsweise Geheimdienste oder den „Großen amerikanischer Straßenbahnskandal“ fassen.

    2) “Zielgerichtetes Handeln ohne Verschwoerung”:
    Eine Gruppe hat ein Ziel, und versucht dieses zu erreichen. Allerdings tun sie das nicht im Verborgenen, sondern machen ihr Ziel oeffentlich.
    Unter diese Gruppe wuerde ich zum Beispiel Lobbyisten oder die Pharmaindustrie fassen.
    Oft werden solche Gruppen mit Verschwoeren in einen Topf geworfen,- trotzdem finde ich die Unterscheidung wichtig.

    3) “teilweise Scherzhaft gemeinte Verschwoerungstheorie”
    Eine Verschwoerungstheorie die von vielen Anhaengern teilweise im Scherz verbreitet wird.
    Grade im Internetkommentaren ist das Ironie-Problem bekannt. Ein Leser eines Kommentares weiss nicht ob der Schreiber eines Kommentares etwas ernsthaft oder ironisch beschreibt. Missverstaendnisse koennen sehr schnell folgen.
    Klassisches Beispiel ist die Bielefeld-Verschwoerung,- jedoch wuerde ich in grossen Teilen auch die Chemtrail-Verschwoerung darunter fassen. In vielen Kommentare auf Foren die darauf Bezug nehmen bin ich mir (als Leser) nicht sicher, ob ich es hier mit einem Verrueckten oder einen Scherzkeks zu tun habe. Ich habe aber noch keinen Artikel gelesen, wo ich anschliessend davon ueberzeugt war, es wirklich mit einem verrueckten Author (und keiner Ironie) zu tun zu haben. (Eventuell truebt hierbei aber auch mein unbedingter Glaube an die menschliche Vernunft mein Urteilsvermoegen).
    UFOs fallen hier ebenfalls oft drunter. UFOs sind (s. Roswell) eine Touristenattraktion die viele Urlauber auf Durchreise anzieht, die meisten davon setzen sich dann bunte Huete auf und “machen mit” fuer ein schoenes Foto.
    Generell wuerde ich „wirklich abgefahrende Theorien“ in den Verdacht stellen urspruenglich nicht ernst gemeint zu sein. (Dies bedeutet aber nicht, dass auch diese Theorien auf „anfaellige Leser“ einen fatalen Effekt haben koennen. s. naechster Punkt)

    4) “paranoider Verschwoerungstheorie”
    Dies gefaehrliche Sorte von Verschwoerungstheoriene.
    Der Rezipient glaubt sich einer Uebermacht ausgesetzt. Die Wahrheit wird angeblich unterdrueckt.
    Alle Fakten die gegen die Theorie sprechen sind angeblich „denen“ manipuliert.
    Manche Menschen schreien “Luegenpresse” und sind durch nichts zu ueberzeugen (Taubenschach-Phenomen),- manche Leute sind tatsaechlich so paranoid, dass sie sich einen Aluminium-Hut basteln. (Solche Leute habe ich tatsaechlich einmal im echten Leben (ohne Internet) erlebt). Diese Leute brauchen einfach nur medizinische Hilfe.
    In den Verschwoerungstheorien existiert fast immer “eine Gruppe” welche “beliebig maechtig” ist, welche “ein Ziel zu verfolgt”.
    Intersannterweise ist dieses “Ziel” oft schwammig formuliert. Beispielsweise ist in der Theorie Unklar warum die “Luegenpresse” luegt. Welches Ziel hat denn die “Luegenpresse”?
    Interessannt finde ich auch, dass in solchen Theorien immer eine perfekte Oganisation existiert, wo die linke Hand weiss was die rechte tut. Jeder der schoneinmal in einer Organisation > 50 Leute gearbeitet hat weiss, dass es soeine Organisation nicht gibt.

    5) “Falscher Verdacht der Verschwoerungstheorie.”
    Eine undrueckliche Ausdrucksweise laesst ein zunaechst sachliches Argument wie eine Verschwoerungstheorie erscheinen.
    Beispiel: Jemand schreit “Luegenpresse” und meint damit, dass viele Journalisten ein aehnliches Mindset haben. Sei es dadurch dass nur bestimmte Menschen diesen Beruf ergreifen, sei es weil sie nicht in die political-uncorecness-Falle tappen wollen, oder sei es einfach nur weil sie Auflage machen wollen.
    In diesen Fall stimme ich der Argumentation zwar nicht zu,- trotzdem wuerde ich die Argumentation nicht zum Bereich der Verschwoerungstherorie hinzuziehen wollen.

    • Michael Blume

      Vielen Dank für die intensiven Gedanken, @Ingo!

      4. würde ich eben nicht mehr als überprüfbare Theorie, sondern als Mythos charakterisieren.

      Und bei 5.) haben wir es mit sog. „Superverschwörern“ zu tun, deren letztlich übermenschliche Fähigkeiten (und ggf. überweltliche Bündnispartner wie Teufel oder Aliens) ebenfalls klar auf die verborgen-religiöse Dimension verweisen.

  7. > 4. würde ich eben nicht mehr als überprüfbare Theorie,
    > sondern als Mythos charakterisieren.

    Natuerlich ist sie nicht ueberpruefbar
    Allerdings finde ich das Wort „Mythos“ zu harmlos, angesichts der Gefaehrlichkeit solcher Theorien. Daher nenne ich solcherlei Dinge gerne „paranoide Verschwoerungstheorie“.
    Die Gefahr besteht hierbei vorallen fuer den Anhaenger der Theorie selber,- aber auch fuer die Allgemeinheit.
    Ich moechte sogar soweit gehen, dass gewisse paranoide Verschwoerungstheorien „ansteckend“ sind. (Vergleich zur Mem-Theorie)

    > Und bei 5.) haben wir es mit sog. „Superverschwörern“ zu tun, deren letztlich
    > übermenschliche Fähigkeiten (und ggf. überweltliche Bündnispartner wie
    > Teufel oder Aliens) ebenfalls klar auf die verborgen-religiöse Dimension verweisen.

    Das habe ich nicht verstanden.
    5=“Falscher Verdacht der Verschwoerungstheorie.” (Unglueckliche Ausdrucksweise laesst ein zunaechst sachliches Argument bei einem zuhoerer wie eine Verschwoerungstheorie erscheinen)
    Was hat das mit Teufel und Aliens zu tun?

    • Michael Blume

      Stimmt, @Ingo – die Aussage bezog sich nicht auf 5., sondern auf den zweiten Teil von 4.

      Dass Verschwörungsmythen auch sehr gefährlich sein können, setze ich tatsächlich voraus und denke, das wirdvauch verstanden.

      Der Begriff der „Paranoia“ wurde an der Wende zum 19. Jahrhundert erstmals auf Verschwörungsgläubige angewandt. Allerdings besteht dabei die Gefahr, große Teile der Bevölkerungen vorschnell als „geisteskrank“ abzutun, ohne zu reflektieren, dass auch geistig gesunde Menschen dahin abgleiten können. Das Thema betrifft eben nicht nur „die“, sondern kann grundsätzlich jede(n) treffen.

      • Ok – ueberzeugt – einverstanden.

        Natuerlich ist nicht jeder Mensch der „Luegenpresse“ schreit ein Fall fuer die Geschlossene.
        Man sollte tatsaechlich eine abgeschwaechte Version von vom Punkt 4 abgrenzen.

        Trotzdem ist auch der Punkt „paranoid“ berechtigt. Ich habe leider erlebt wie solche Menschen mit solchen Theorien wirklich „dem Wahn verfallen“ (im ganz altmodischen Sinne). Solche Menschen sind bewiesenermassen in der Lage bis hin zum Suizid zu gehen.
        Das ist wirklich keine einfache Situation. Nicht fuer die Betroffenden, aber auch nicht fuer diejenigen die von Betroffenen kontaktiert werden.
        Es gibt es leider sehr viele Faelle wo wirklich professionelle Hilfe noetig ist.
        Geisteskrankheiten sind Gottseidank oft heilbar,- allerdings ist dort Hilfe noetig.

        Es stellen sich eigentlich zwei Fragen

        1) Wie gehe ich „mit Verrueckten um“ (hierbei meine ich wirklich Menschen die Hilfe brauchen). Wie bringe ich sie dazu sich Hilfe zu suchen. Rufe ich 112? Wie erklaert man jemanden das er Verrueckt ist?

        2) Wie gehe ich mit der Verschwoerungstheorie um?
        Argumentiere ich dagegen an?

        • Michael Blume

          Ja, das sind die Knackpunkte, @Ingo.

          Letztlich braucht es m.E. beides:

          1. Eine allgemeine Aufklärung über die Faszination wie auch die Gefahren von Verschwörungserzählungen, damit weniger Menschen dort hineingeraten und einige vielleicht auch wieder herausfinden. Dies ist ein wichtiger Teil von Radikalismusprävention!

          2. Regeln für den Umgang mit Menschen, die sich bis zur Gewaltbereitschaft in ihre jeweilige Paranoia hineingesteigert haben. Therapien setzen ja bereits Einsicht der Betroffenen voraus, ggf. kann aber ein konsequenteres Aufklären und Vorgehen (z.B. bei Gewaltankündigungen) vieles verhindern. Auch könnte gegen Gruppen, die gezielt Verschwörungsmythen verbreiten (z.B. salafistischer und rechtsextremer Art), früher und entschiedener vorgegangen werden.

          Recht ausführlich beschreibe ich im Buch das Beispiel der „Heaven’s Gate“-Gruppe, einer UFO-Religionsgemeinschaft, die sich in ihrem Verschwörungsglauben immer weiter selbst radikalisierte und 1997 dann zum kollektiven Suizid schritt. An solchen Fallbeispielen lässt sich m.E. vieles darstellen und lernen.

          • „Heavens Gate“ betraff 30 oder 40 Menschen.

            Noch gefaehrlicher wird es wenn Verschwoerungstheorien einen derart grossen Einfluss bekommen, dass sie sogar in der Politik einfluss nehmen koennen.
            Der fatalste Fall ist sicherlich Deutschland in den 40ern.
            Trotzdem finden sich auch in der aktuellen Politik Beispiele.
            Ich wage zu behaupten, dass auch der Erfolg von Doland Trump teilweise auf solchen Mechanismen beruht.
            Ebenfalls sehen wir in Deutschland die AfD, die teilweise wirklichen Unsinn erzaehlt.
            Die Abgrenzung „was ist Verschwoerungstheorie“ und „was ist noch rational begrundbar“ faellt natuerlich in solchen Beispielen zunehmend schwerer.

            In der aktuellen Diskussion wird oft von „Filterblasen in sozialen Medien“* gesprochen.

            * Filterblase: Menschen haben nur noch Kontakt mit Menschen die der gleichen Meinung sind wie sie selber. Auf diese Weise findet kein oeffentlicher Diskurs mehr statt und die absonderlichsten Meinungen werden gegenseitig bis ins Extreme verstaerkt

            Wie sehen Sie (@Michael Blume) das?
            Ist das wirklich ein neues Phaenomen? Gruppenbildung hat es schliesslich schon immer gegenen.
            Fehlt uns heute der Diskurs?

          • Michael Blume

            Tatsächlich sehe ich da ebenfalls klare Zusammenhänge, @Ingo: So dürfte der Verschwörungsglaube an Hexerei zu den ältesten Verschwörungsmythen zählen – und auch heute noch fallen diesem Dualismus jährlich Abertausende Menschen zum Opfer, vor allem Afrikanerinnen und Kinder! Vgl. http://www.salzburg24.at/als-hexenkind-verstossen-grausames-schicksal-eines-zweijaehrigen/4626557

            In Europa hatten wir einen neuen Ausbruch des Hexereiglaubens nicht zuletzt aufgrund der damals „neuen Medien“: Der „Hexenhammer“ erschien 1486 (also noch vor 95 Thesen, Lutherbibel & Co.) und erreichte binnen drei Jahrhunderten 29 Auflagen. Um die 60.000 der Hexerei beschuldigte Menschen sollen diesem Verschwörungsglauben zum Opfer gefallen sein – insbesondere in von Konfessionskonflikten geschwächten Gebieten, auch in evangelischen Regionen. (Auch Luther bejahte die Hexenverfolgungen.)

            Der Antisemitismus erlebte nicht zuletzt durch die gefälschten „Protokolle der Weisen“ von Zion am Beginn des 20. Jahrhunderts seinen erneuten, mörderischen Aufschwung.

            Und, nein, es ist also ganz und gar kein Zufall, dass auch die heutigen „neuen Medien“ wieder mit einem Aus- und Aufbruch von Verschwörungsmythen einhergehen.

  8. @Michael Blume und der Hexenhammer in neuen Medien

    Interessant, dass scheinbar jedes neue Medium zuerst mit positiven Erwartungen verbunden wird, danach mit dem schlimmsten Missbrauch erlebt, und letztendlich in der Alltaeglichkeit verschwindet.

    Buchdruck:
    Zunaechst die Hoffnung, dass nun Bildung fuer jeden erschwinglich wird und niemand mehr auf Interpretationen von „Vorlesern“ angewiesen ist.
    Danach: Der Hexenhammer

    Radio:
    Um Albert Einstein am zu zitieren (22. August 1930,- Eroeffnungsrede der Funkausstellung im Radio)
    „Verehrte An- und Abwesende! […]
    Wenn Ihr den Rundfunk höret, so denkt auch daran, wie die Menschen in den Besitz dieses
    wunderbaren Werkzeuges der Mitteilung gekommen sind. […]
    Denket auch daran, dass die Techniker es sind, die erst wahre Demokratie möglich machen.
    Denn sie erleichtern nicht nur des Menschen Tagewerk, sondern machen auch die Werke der
    feinsten Denker und Künstler, deren Genuss noch vor kurzem ein Privileg bevorzugter Klassen
    war, der Gesamtheit zugänglich und erwecken so die Völker aus schläfriger Stumpfheit.
    Was speziell den Rundfunk anlangt, so hat er eine einzigartige Funktion zu erfüllen im Sinne
    der Völkerversöhnung. Bis auf unsere Tage lernten die Völker einander fast ausschließlich
    durch den verzerrenden Spiegel der eigenen Tagespresse kennen. Der Rundfunk zeigt sie
    einander in lebendigster Form und in der Hauptsache von der liebenswürdigen Seite. Er wird so
    dazu beitragen, das Gefühl gegenseitiger Fremdheit auszutilgen, das so leicht in Misstrauen
    und Feindseligkeit umschlägt.“
    Vermutlich einer von Einsteins wenigen grossen Irrtuemern. Zwei Jahre spaeter floh er aus Deutschland, und das Radio wurde in Deutschland fortan fuer genau das Gegenteil von dem benutzt was Einstein fuer das Radio im Sinn hatte. Propaganda sorgte fuer Progromstimmung und ebnete den Weg fuer merkwuerdige Ansichten in die Masse.

    Fernsehn:
    Mit Unterhaltungs- und Bildungsauftrag gestartet war es bald ein Synonym fuer Verbloedung.
    In eher autoritaer ausgerichteten Staaten ist das Fernsehn heute noch das Propagandermittel Nr.1
    Bei jeder mittleren Revolution wird nicht zufaellig immer als erstes das Fernsehn besetzt. (Neben dem Flughafen)

    Internet:
    Wir wollten eine neu eelektronische Demokratie (Jeder kann mit Jedem kommunizieren). Das haben wir tatsaechlich einmal mal geglaubt. Wir bekamen stattdessen eine elektronische Verwaltung (von der e-Demokratie zum e-Goverment).
    In sozialen Medien werden Luegen oder Uebertreibungen schnell zu gefaehrlichen Verschwoerungstheorien.
    Jeder spricht nur noch mit dem, der sowieso der gleichen Meinung ist. Ein Diskurs findet nicht statt.

    Da kann man ja gespannt auf die Zukunft sein 🙂

    • Michael Blume

      So ist es, @Ingo! Aber ein wenig Hoffnung habe ich, denn niemand hindert uns doch daran, aus der Vergangenheit zu lernen. Und genau DAS hatte ich mir auch durch diesen Blogpost und dieses sciebook erhofft! 🙂

      Danke für den munteren und ermutigenden Austausch!

      • Ich hoffe das es klappt, ich will nur sagen man sollte sich nicht wundern wenn die Kinder das Konzept der Evolution nicht begreifen. Wenn es trotzdem gelingt bin ich dann hoffentlich wiederlegt.

  9. Endlich – ein neues Sciebook von Michael Blume,

    als Mensch, Autor, Blogger und Religionswissenschaftler begleitet mich Michael Blume seit 4 Jahren. Durch seine Bücher und sein Engagement ist Michael Blume für mich ein Reisender zwischen Orient und Okzident, ein Wanderer zwischen alter und neuer Welt, ein Forscher im Dschungel der Weltreligionen geworden, der als „Welt“-Erklärer allgemein verständlich und spannend zu informieren weiß.

    Michael hat mich auch zu SciLogs gelotst und dankbar genieße ich nun die Beiträge der Blogger, die mir einen Einblick in ihr Leben und ihre Wissenschaft gewähren.

    Vielen Dank und weiter so,
    Frank

    PS. Den „Verschwörungsglauben“ habe ich gleich erbeutet – bin gespannt.

    • Michael Blume

      Vielen Dank für diese wundervolle Rückmeldung, @Frank! Nun bin ich sogar etwas sprachlos… 😉 – und sehr gespannt, ob und wie „Verschwörungsglauben“ bei Ihnen ankommt!

  10. Ich halte Ihre Unterscheidung von Verschwörungstheorie und -glauben für hochinteressant – auch deshalb, weil ich kürzlich in einem völlig anderen Zusammenhang darauf gestoßen bin. Das Brandenburger Landesamt für Verfassungsschutz hat einen Behördenleitfaden * zum Umgang mit Reichsbürgern herausgegeben.
    Und dort heißt es: Der Begriff „Verschwörungstheorien“ ist ein allgemein gebräuchlicher Begriff, aber letztendlich hier unzutreffend, denn um Theorien, die wissenschaftlichen Standards entsprechen, handelt es sich ja gerade regelmäßig nicht. Man täte den „Verschwörungsfantasten“ eigentlich zu viel Ehre an, billigte man ihren Überzeugungen den Status einer Theorie zu. Das Wesen einer Theorie ist das Bemühen um Erkenntnis, um Falsifikation oder Verifikation der Theorie, also letztendlich um gesichertes „Wissen“. Hingegen konstruiert sich der Fantast aus seiner Gedankenwelt, seinen Überzeugungen und nicht zusammenhängenden Realitätsbruchstücken eine Welt, an die er glaubt, hier geht es also um „Glauben“.

    Lann man sagen, dass die Unterscheidung Stand der Debatte ist?

    * Vorsicht, üble Verschwörung: Der Link führt zum Verfassungsschutz.

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