Openreli-Vortrag zu den Islamisierungs-, Säkularisierungs- und Pluralisierungsthesen. Und Trauer um Hans Rosling

Am Mittwochabend hatte ich die Freude, meinen zweiten OpenReli-Vortrag bei der KPH Wien und rpi virtuell halten zu können. Im Gegensatz zur Aufzeichnung vor einem Jahr zu Religion & Hirnforschung ist es dem Team um Reinhard Weber und Jörg Lohrer dabei gelungen, die Aufzeichnungsqualität noch einmal deutlich zu verbessern. Zudem haben wir erprobt, Fragen und Diskussionen zwischen den (diesmal 14) direkten Seminar-Teilnehmenden über die Chatfunktion und Zwischenfragen zu ermöglichen. So entwickelt sich das Format Schritt für Schritt und Erfahrung für Erfahrung weiter.

Inhaltlich ging es diesmal über die datengestützte Überprüfung drei gängiger Religionserzählungen:

  1. Findet eine Islamisierung statt, oder übersehen wir die fortschreitende Glaubenskrise auch unter Muslimen, den millionenfachen stillen Rückzug aus dem Islam?
  2. Setzt sich die Säkularisierung durch, oder verläuft sie sich doch immer wieder in demografischen Sackgassen?
  3. Signalisiert der Aufstieg weniger gemeinschaftlicher Formen von Religion wie dem Engel- oder gar Einhornglauben nur für eine fortschreitende Pluralisierung der religiösen Landschaft, oder droht gar eine Polarisierung zwischen säkular-kinderarmen und fundamentalistisch-kinderreichen Milieus?

Vortrag und Fazit gaben mir dabei die Gelegenheit, viele Befunde der letzten Jahre zusammen zu fassen und auch durch einige neuere Datensätze zu ergänzen.

Im Folgenden finden Sie den OpenReli-Vortrag als YouTube-Clip – der hier selbstverständlich auch gerne weiterdiskutiert werden kann. Auch Hinweise und Ideen sind dabei herzlich willkommen – denn womöglich gibt es ja ein Wiedersehen beim OpenReli 2018!? Von mir her, gerne! 🙂

Trauer um Hans Rosling (1948 – 2017)

Normalerweise würde ich es an dieser Stelle einfach bei einem fröhlichen Gruß für den morgigen Sonntag belassen. Doch diesmal möchte ich einem begnadeten Wissenschaftler, Wissenskommunikator und auch innovativen Unternehmer gedenken, dessen Werk mir eine große Inspiration gewesen ist: Hans Rosling, der so lebensfrohe Professor für internationale Gesundheit am Karolinska Institut in Stockholm und zuhause auf den realen und digitalen Bühnen dieser Welt, verstarb am 7. Februar 2017 an Krebs…

Ha

Hans Rosling, fotografiert 2010 durch Tobias Andersson Åkerblom (Schwarzweiss: Blume)

Hans Rosling trat den marktschreierischen Schwarzsehern aller Lager munter entgegen, indem er in eindrucksvollen Präsentationen positive Entwicklungen wie die Steigerung von Einkommen oder Lebenserwartungen und die Rückgänge von Geburtenraten und Kindersterblichkeit sichtbar machte. Dazu nutzte er auch die von ihm selbst mitentwickelte, in vieler Hinsicht bahnbrechende Software „Gapminder“. In seinem vielleicht berühmtesten TED-Vortrag „Religion and Babies“ konnte Rosling auf der Makroebene von Nationalstaaten zeigen, dass sich die Geburtenraten nicht einfach nach der Religionszugehörigkeit richten – dass also nicht zum Beispiel „die“ Muslime mehr Kinder als „die“ Christen oder Hindus bekämen.

Jedes weitere Jahr mit und jeder weitere Vortrag von Hans Rosling wären gut für die Menschheit – oder mindestens den wissenschaftlich interessierten Teil davon – gewesen. Aber offensichtlich wollte man ihn auch zeitnah „da oben“ hören. Hans Rosling- einfach: Danke…

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft und spezialisierte sich auf die Hirn- und Evolutionsforschung. Buchautor, Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger und christlich-islamischer Familienvater. Hat auch manches erlebt und überlebt...

40 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. ‚Islamisierung‘ findet offensichtlich statt, nicht nur bundesdeutsch.
    Sie werden hier, falls anhaltend leugnend, hier nicht herum kommen, der I, der theozentrische Kolllektivismus wird es in den nächsten Jahren / Jahrzehnten bereiten, wie alt sind Sie, 42 Jahre?, es wird auch Sie erwischen,
    MFG
    Dr. Webbaer (der Ihre pers. Bezüge zK genommen hat, auch Ihre anscheinend vorliegende Aufrichtigkeit, bpsw. die Verfolgung der Yeziden meinend)

    • Wenn Sie sich melden, freut mich das immer, @Webbaer! 🙂

      Wie erklären Sie sich den Unterschied zwischen den empirischen Daten und dem, was Ihnen „offensichtlich“ erscheint? Ist die Angstlust im Bezug auf die „Islamisierung“ ein gutes Gefühl, in das sich Wissenschaft und Medien gefälligst nicht hinterfragend einmischen sollen?

      Herzliche Grüße – von der Einweihung der Synagoge (!) Rottweil! 🙂

      • Lieber Herr Dr. Blume,
        sicherlich kam Ihr Langzeit-Kommentatorenfreund ein wenig angepoltert hinein, entschuldigen Sie bitte diese (web-übliche Direktheit, diese web-übliche Härte), Islamisierung findet halt statt und dies ist ungut.
        Dass es auch zunehmend kritische Muslime gibt, dass es diese, wie Sie schreiben, ‚demographischen Sackgassen‘ gibt und dass Hans Rosling ein Großer war, stehen außer Frage.
        Ihnen alles Gute, auch in Rottweil bei einer Einweihung,
        Dr. Webbaer

        PS:
        Ob Ihnen die Tragweite dieser I. bewusst ist, weiß Ihr Langzeit-Kommentatorenfreund nicht. Vielleicht sind Sie hier „eine Spur“, ein Spürchen sozusagen zu locker.
        Selbstverständlich bleibt Ihre gute Arbeit, Jesiden und so, bemerkt.

      • Dr. Blume,

        was stattfindet ist offensichtlich nicht ein „Volksaustausch“ hin zu einer islamischen Mehrheit. Was aber zu denken gibt, ist die zunehmende Rücksichtnahme deutscher Gerichte auf Scharia-konforme Rechtsauffassungen und Sitten. Was hat sich denn groß geändert, seit vor fast 10 Jahren der Spiegel folgende Titelstory brachte:
        http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-50990541.html
        …?

        Ist eine Rückkehr zum Prinzip der „Gleichheit vor dem Gesetz“ erkennbar?

        Oder nimmt die „Rücksichtnahme auf kulturelle Besonderheiten“ eher zu? (Leute mit „Hintergrund“ nicht für voll zu nehmen und extra nur mit Samthandschuhen anzufassen ist auch eine Form des Rassismus…)

        Oder geht es sogar mancherorten in Richtung „Unterwerfung“? Mit #aufschrei, wenn ein „Biodeutscher“ eine dumme Bemerkung macht und ängstlichem Stillhalten, wenn weit invasivere Übergriffe von … einer bestimmten anderen Seite kommen?

        Dschihadistische Eroberer mußten nie ein komplettes Land missionieren. Es reichte immer, wenn die Dhimmis brav Tribut zahlten und auf jegliche Gegenwehr verzichteten. Dann kann auch ein Land mit christlicher oder hinduistischer Mehrheit zum Dar-al-Islam gehören.

        • @ Störk :

          Dschihadistische Eroberer mußten nie ein komplettes Land missionieren. Es reichte immer, wenn die Dhimmis brav Tribut zahlten und auf jegliche Gegenwehr verzichteten. Dann kann auch ein Land mit christlicher oder hinduistischer Mehrheit zum Dar-al-Islam gehören.

          Was stattfinden wird, ist absehbarerweise Segregation und Sezession, Michel Houellebecq hat’s ja eher auch literarisch-humoristisch gemeint, seine Gesamtidee kann nicht funktionieren.
          Zudem steht dem Dschihadismus auch strenge sozusagen israelische Sicherheits-technologie und kulturelle Gegeneinstellung, eben: gegenüber.
          Schön wird’s nicht werden.
          KA, warum hier anthropologisch und die Zukunft meinend nicht klar gesehen werden kann.

          MFG
          Dr. Webbaer

          • @Webbaer

            Na, eben drum: Schon das kleine Israel hat die angeblich so geschlossene „islamische Welt“ immer wieder bezwungen und breitet sich seit Jahrzehnten Siedlung um Siedlung aus. Und da wollen Sie glauben machen, es drohe ein Weltkrieg mit „dem Islam“?

            Angstlust a la Bannon in allen Ehren, aber tatsächlich zerfällt die islamische Welt vor unseren Augen und auch immer mehr Muslime wenden sich von ihrer Religion ab. „Die Islamisierung“ ist keine haltbare These, sondern ein Verschwörungsmythos.

          • Mengenangaben wären in diesem Zusammenhang halt zentral, sicherlich liebt der Webbaer, Ihr Langzeit-Kommentatorenfreund wendet hier diesen Slang an, diejenigen, die noch nicht so-o lange in der BRD verfügbar sind, Namen sollen hier nicht genannt werden, hier sind mittlerweile Hardliner verfügbar, wie sie sich Dr. W wünscht; Sie selbst werden ja ebenfalls (mittlerweile) hier gut gesehen, aber ansonsten: Wollen Sie da mal nicht der Dame beizeiten gegensprechen, fachlich sozusagen höchst basiert, die zwar sprechen, aber nicht reden kann, jedenfalls nicht so wie sie bestimmte ganz anscheinend vorliegende Vorhaben meint, auch in ihrer Zeitlichkeit oder Frequenz?!

            MFG
            Dr. Webbaer

          • Webbaer:
            „Zudem steht dem Dschihadismus auch strenge sozusagen israelische Sicherheits-technologie und kulturelle Gegeneinstellung, eben: gegenüber.“

            Zu diesem Thema kam gestern was im Deutschlandfunk, den sie ja so schätzen:

            http://www.deutschlandfunk.de/mit-den-augen-eines-scharfschutzen-die-geschichte-des.media.dfcffc8b0ddb6d61cb3e7ef7ef474fd2.pdf

            „Solche Einsatzregeln bringen sie dir in der israelischen Armee bei: Es gibt zwei Arten von Menschen: Die einen darf man erschießen, die anderen niemals. Und das erzeugt dieses Schwarz-Weiß-Denken: Alle Palästinenser sind schlecht, alle Siedler, alle Israelis sind gut. „

          • Dr. Webbaer schätzt den bundesdeutschen Deutschlandfunk nicht und auch nicht „Schwarz-Weiß-Malerei“, kA, wie Sie derart ergänzen konnten, Herr Dr. Stefan.
            Ansonsten: Fehlt Ihnen die Phantasie gegenüber dem, was kommen wird?

            Gut und Böse gibt es aber (näherungsweise >:-> ).

            MFG
            Dr. Webbaer (der dem hiesigen werten Inhaltegeber wieder für seine Toleranz dankt)

          • @ Paul Stefan: Wenn Sie mir relevante Fälle geben, in denen ein „Siedler“ israelische Soldaten getötet hat (um diesen Sonderfall ging es in Ihrem Zitat), dann wäre ich geneigt, mich mit Ihrem Argument zu beschäftigen.

        • Erschreckend, Herr Störk. Wenn man bedenkt, dass solche Artikel heute zumindest beim Spiegel kaum noch geschrieben werden dürfen (zumindest tauchen sie nicht mehr auf), dann sieht man, dass sich sehr viel extrem schnell verschiebt.

  2. Ihr Thema wird wichtig für Europa. Steuern wir auf Religionskriege zu oder gelingt eine Kultur von multireligiösen Volksgruppen.
    Und , was genauso wichtig ist, was können wir tun, dass diese Synthese gelingt.

    • Vielen Dank für das Interesse und die Rückmeldung, @Bote17! Ich stimme Ihnen ausdrücklich zu: Gute Entwicklungen sind möglich, aber dafür gilt es auch einiges zu tun! (Inklusive wissenschaftlicher Aufklärung!) 🙂

  3. Blume,
    ob eine Säkulariesierung europaweit eine Entspannung bewirkt, weiß ich nicht.
    Die negativen Seiten der Säkularisierung werden langfristig noch schwerer wiegen als religiöse Gegensätze. Ich denke, dass sich Religiosität segensreich für alle segensreich auswirkt, wenn sie nicht nur kulturell aufgesetzt ist.

  4. Bezüglich dem Zusammenhang zwischen Religiosität und Demographie ist mir neulich etwas in den Sinn gekommen. Da Sie das vielleicht interessant finden könnten, kommentier ich es mal hier:
    Oft hört man Beispiele für die fortschreitende Säkularisierung aus dem familiären Umfeld: „Meine Großmutter ging jeden Tag zur Kirche, meine Eltern zu Weihnachten und Ostern und ich gar nicht mehr“. Dementsprechend wird es als Indiz für die weitere Abnahme der Religiosität interpretiert.
    Andererseits kann man das ganze aber auch umdrehen: Gerade weil die Großeltern und Eltern religiös waren, waren die Chancen höher, dass überhaupt Kinder geboren werden, die diese Beobachtung dann machen können. Entsprechend ist die Chance viel kleiner, eine religiöse Person zu treffen, dessen Großeltern und Eltern unreligiös waren, einfach weil bei diesem Fall weniger Kinder geboren werden. (Das alles gilt natürlich immer nur im statistischen Sinne.)
    Naja, nicht wichtig, ich fand es nur faszinierend diese typische Konstellation vor dem Hintergrund Ihrer Arbeit zu verstehen.

  5. Pingback: Psiram » Psirama – Der Psiram-Wochenrückblick (KW07, 2017)

  6. Dr. Webbaer,
    Islamisierung findet statt.
    Das hat schon wieder ein „Geschmäckle“, wie die Schwaben sagen. Das ist ja keine Welle von Übertritten, sondern der Tatsache geschuldet, dass türkische Familien mehr Kinder haben und die automatisch Moslem sind, ob sie wollen oder nicht.
    In Stuttgart werden in 30 Jahren (hat man hochgerechnet) etwa 50 % der Innerstädtler moslemischen Glaubens sein. Das ist ein Faktum, mit dem man verantwortungsbewusst umgehen muss.

    • @bote17

      Nun sind mir gerade die Stuttgarter Daten sehr geläufig – und diese zeigen klar an, dass „Muslime“ in der Stadt eine Minderheit sind und bleiben. Könnten Sie mir bitte eine Quelle für die „Hochrechnung“ einer muslimischen Mehrheit in der Innenstadt in den kommenden 30 Jahren nennen? Ich bezweifle die Seriösität eines solchen Szenarios (wenn es denn überhaupt existiert) sehr…

  7. Blume,
    die Quelle weiß ich nicht mehr, nur die Tatsache, dass ich so etwas gelesen habe. Mir geht es nicht um Prozentpunkte, sondern um die Tatsache, dass die demografischen Veränderungen in einer Großstadt nicht ausgeblendet werden dürfen. Im Stadteil Münster hatten sie eine Moschee geplant, sie auch gebaut, kurz vor der Eröffnung die Zustimmung dazu wieder zurückgezogen. Jetzt befindet sich in diesem Gebäude eine Bäckerei.
    Was ich sagen will, in 30 Jahren wird es nicht mehr möglich sein, solche Zusagen wieder zurückzunehmen. Und es war meiner Meinung nach auch nicht richtig, die Zustimmung zur Nutzung als Moschee zu widerrufen. Die Entscheidung das dennoch zu tun, dürfte bei der mitregierenden Partei zu finden sein, die sich um ihre Wähler sorgte.

    • Lieber @Bote17,

      ja, dieses Problem der „gefühlten Wahrheiten“ tritt insbesondere mit Bezug auf den Islam und die Muslime zunehmend häufig auf – nicht nur, aber eben besonders stark in Deutschland:
      http://www.spiegel.de/politik/deutschland/gefuehlte-wahrheit-deutsche-schaetzen-anteil-der-muslime-viel-zu-hoch-a-1125901.html

      Sie – und @Webbaer – werden sicher verstehen, dass es eine meiner Aufgaben als Wissenschaftler ist, auch „gefühlte Wahrheiten“ zu hinterfragen und wo immer möglich auf den realen, wissenschaftlichen Erkenntnisstand hinzuweisen. Zumal die Gefahr besteht, dass sich „gefühlte Wahrheiten“ und entsprechende Medienberichte gegenseitig immer weiter aufschaukeln und dadurch am Ende aus Fehlwahrnehmungen auch Fehlentscheidungen werden:
      https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2016/01/07/medien-nehmen-islam-ueber-terror-wahr/

      Mir ist dabei klar, dass es in „postfaktischen Zeiten“ alles andere als leicht ist, mit Fakten gegen Wahrnehmungen und Angstlust zu argumentieren – und dass man dafür auch zunehmend schnell und gerne der Verschwörung bezichtigt wird. Aber da kann und will ich eben nicht aus meiner Religionswissenschaftler-Haut und werde weiterhin stur auf die – meines Erachtens sehr viel spannendere! – Realität hinweisen… „Die Islamisierung“ ist als wissenschaftliche These nicht haltbar und als Mythos nicht empfehlenswert. 🙂

  8. Blume,
    ich stimme Ihnen zu , Begriffe wie „Islamisierung“ assoziieren Ängste wie Überfremdung und Terrorgefahr. Deswegen werde ich diesen Begriff auch nicht mehr verwenden.
    Ich bin sogar der Meinung, dass türkische Familien ein besseres Sozialverhalten zeigen als deutsche. Was ein ungelöstes Problem bleibt, dass eine ethnische Durchmischung kaum stattfindet. Und die wäre ein Garant für gelungene Integration.

    • Lieber @Bote17,

      lieben Dank! Auch was die „ethnische Durchmischung“ angeht, bin ich aufgrund konkreter Erfahrungen deutlich optimistischer. Als meine Frau (türkischer Herkunft) und ich (sächsisch-schwäbischer Herkunft) vor 20 Jahren heirateten, war das noch eine bestaunte Ausnahme – inzwischen breitet sich das längst aus (vgl. auch einen Kohl-Sohn oder den ehemaligen Vize-MP Nils Schmid):
      http://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/interreligioese-ehe-theorie-praxis-zehra/

      Klar könnte alles noch immer schneller gehen, aber auch „Durchmischung“ findet statt (und wird von den Rassisten aller Seiten ja auch wiederum beklagt)… 😉

      • Hallo, –
        das Wissenschaftliche ist aber nicht nur Zahlenwerk, da spielen weitere Tatsachen mit.
        Es geht also nicht um eine Islamisierung nach Zahl und Mathematik.
        Wir Kinder, gerade eingeschult, oder in der 2 Klasse, wir haben die ersten türkischen Einwanderkinder auf dem Spielplatz bestaunt und hofiert (ca1963/64). Und diese ersten Einwandererkinder brauchten eben keinen Sprachkurs. Sprachkurs war das Leben selbst.
        Jeder Lehrer weiß, dass ein paar Kinder aus fremden Kulturen für einen gute Unterrichtlage segensreich sind.
        Es kommt eben auf das richtige Maß an.

        Und genau deshalb, lieber Dr. Blume, ist es eben doch dann die gefühlte Wahrheit, die neben der statistischen einen gleichwertigen Platz beanspruchen darf.

        So haben wir in Westdeutschland und Westberlin tatsächlich schwerwiegende Tendezen der Befremdung und Islamisierung. Das ist Folge einer verfehlten Einwanderungspolitik par excellence.

        Natürlich wird das auf dem Campus, in Kreisen der hohen Ämter und Behörden nicht gesehen. Diese Bevölkerungsgruppe wird von Zuwanderung immer profitieren.

        Manchmal haben sogar alle etwas davon 🙂
        http://www.daserste.de/information/nachrichten-wetter/brennpunkt/vw-skandal-pinar-atalay-100~_v-varxl.jpg

        Viele Grüße
        Werner Hellwich

        • Da kann ich in weiten Teilen zustimmen, @Werner Hellwich – mit einem entscheidenden Unterschied: Es ist eben nicht die Schuld der Zuwanderer oder Muslime, dass es in unserem Land an Kindern mangelt. Seit 1972 sterben bei uns mehr Menschen, als noch geboren werden. „Deutschland schafft sich ab“ – ja, aber warum sollte das die Schuld anderer sein? „Wir“ selbst sind es, die eine wenig familienfreundliche Gesellschaft aufgebaut haben, nicht einmal in der ehemaligen DDR konnte die Bestandserhaltungsgrenze von 2,1 Kindern pro Frau auf Dauer gehalten werden:
          http://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/wie-ddr-familienpolitik-informationen-honecker/

          Und gerade auch als Vater von drei Kindern akzeptiere ich auch die Ausreden nicht, „die da oben“ wären Schuld. Nein, wir selbst entscheiden über unser kirchliches und familiäres Engagement – und auch darüber, welche Rahmenbedingungen wir von der Politik einfordern.

          Wer also etwas für Deutschland, das christliche Abendland o.ä. tun will, hätte endlose Möglichkeiten, dafür mehr zu tun. Stattdessen beim eigenen Verebben jammernd zuzuschauen und Zuwanderer sowie religiöse Minderheiten zu beschuldigen ist meines Erachtens nicht logisch und auch kein Ausdruck von Stärke. Deutschland – und insbesondere Westdeutschland – ginge es ohne Zuwanderer deutlich schlechter (vgl. Japan) und wir haben hier in Süddeutschland auch stark von der Zuwanderung aus den neuen Bundesländern profitiert. Der bleibende Kindermangel ist und bleibt aber unser eigenes Problem.

          • Ja Herr Dr.
            aber „Schuld“ ist keine wissenschaftliches Nomen, außer vielleicht im Strafrecht.
            Gehen wir den Dingen auf den Grund.
            Wir und unsere türkischen Mitbürger haben eine gemeinsame Geschichte. Diese Geschichte hat Ursachen, diese Ursachen sind mächtig, wir müssen sie nicht verantworten, aber kennen:

            1) kalter Krieg 2) Bindung der Türkei an die westliche Verteidigungsallianz 3) Die Bundesregierungen der Bonner Republik hatten nicht das letzte Wort
            ->https://www.derwesten.de/politik/als-die-gastarbeiter-aus-der-tuerkei-kamen-id5140180.html

            Und wir sind verantwortlich füreinander. Wir müssen den Grund dieser Problemlagen gemeinsam studieren. Wir werden dabei auch auf Verschwörungen treffen, da bin ich sicher. Und wir müssen einen vernünftigen gemeinsamen Weg für Morgen ermitteln.

            Keinesfalls ist es ratsam, einfach die Begriffe unseres Grundgesetzes umzudeuten.
            Es geht in GG Art 2 um die deutschen Sitten.
            zB.: Wir Deutschen unterrichten unsere Kinder mit offenem Haar. Wer das nicht mag, und mit seinem Gott einen Vertrag hat, sein Haar zu verbergen, dem steht es frei in einer Religionsschule zu unterrichten. Allein die Waldorfbewegung betreibt in Deutschland über 200 Komplettschulen, von Kita bis Abitur.
            http://waldorfschule-balingen.de/media/IMG_0042_gross.JPG

            Und wer aus der Fremde kommt, und fremde Bräuche mitbringt, der muß sich den Respekt zunächst erwerben. Zuerst kommt die Integration und dann das repräsentative Gebäude einer fremden Religion.

            Ich postete bereits: Staatsvolk ist nicht dasselbe, wie Volk.
            Nach klassischer Sicht gehört zum eigentlichen deutschen Volk jeder Mensch, der eine deutsche Mutter oder einen deutschen Vater hat.

            Man muß diese klassische Sicht nicht mögen. Aber, wer mitreden will, sollte dann eine wirklich bessere Sicht entwickeln,…und sie sollte ebenfalls bindend (!) sein, also nicht interpretierbar, sondern unangreifbar.

            (Über die demographische Sorgen haben wir uns schon ausgetauscht. Auch ein großes Thema)

          • Lieber Herr Hellwich,

            vielleicht haben Sie sich einmal eine Kinderbibel angeschaut? „Unsere“ Maria trägt dort selbstverständlich ein Kopftuch, wie auch deutsche Frauen jahrhundertelang „unter die Haube“ kamen.

            Unsere Buchstaben sind lateinisch, unsere Zahlen arabisch und unser Facebook ist amerikanisch-jüdisch. Unser Grundgesetz kam maßgeblich aufgrund der militärischen und moralischen Niederlage unserer Vorfahren zustande. Unser Wohlstand basiert auf dem Handel mit der ganzen Welt und die DDR-Bürgerinnen und -Bürger kämpften zu Recht auch für eine international tauschfähige Währung und die Reisefreiheit.

            Deutschland und die Deutschen haben schon immer Fremde und Fremdes in sich aufgenommen. Dass es an eigenem Nachwuchs mangelt, ist keine Schuld anderer…

          • (das Nachwuchsproblem hatte ich abgespalten, mir geht es um Grundsätzliches. Tatsächlich ist das bedeckte Haupt in unseren deutschen Sitten ethabliert. Kirchlich, während des Gottesdienstes, in einer Gemeinde mit strenger paulinischer Theologie, zudem im Protestantischen und im Katholischen als Zeichen
            „eine(r) Frau, die ihr ganzes Leben Gott widmet, nicht heiratet und sehr oft in einem Kloster lebt. -> Diakonisse und Nonne (Google, Nonne).
            Ich erinnere noch die Berufe; Krankenschwester, Köchin…

            Persönlich habe ich nichts gegen fremde Religion. Aber Respekt wird nun mal erworben.

            Und das nicht zu fordern Wir leben unter Gesetzen, die wir uns selbst geben<
            Wir wählen also die Besten in das Parlament, tragen dort alles Wissen zusammen,
            was (!) menschenmöglich (!) ist, und finden dann unsere Gesetze.
            Es darf nicht sein, dass eine göttliche Offenbarung, ein Glaube, die Grundlage unserer Gesetzes ist, an die sich dann alle halten müssen. (Säkularität in der Staatslehre)

            Wenn Fremde kommen, dann müssen sie das zunächst verstehen, wenn sie Stiftungen oder Vereine etc gründen wollen.

            Wir haben also in Bundesrepublik das Pferd von hinten aufgezäumt.
            Freizügig beginnen die Fremden hier alles zu verwirklichen, was Ihnen von zuhause aus passt und gefällt.
            Und nun haben sie sich organisert, haben Moscheen gebaut,….
            und aber die Grundlage unserer Verfassung nicht erkannt.

            Die Konflikte die nun entstehen, kennen wir. Man versucht in Konferenzen einen gemeinsamen Nenner zu finden (Islamkonferenz). Diese Konferenzen kosten viel und dauern ewig. Ich sehe das, Herr Dr. Blume. Wenn ein Funktionär einer Gemeinschaft mit der Taxe zum Flughafen, mit Air Berlin nach Schönefeld,….in einem gehobenen Hotel eincheckt, abends an der Bar noch ein wenig plaudert. Morgen geht es in´s Ministerium, da gibt es Granini, Selters, Schnittchen…
            Was für eine schöne Zeit,…..das mag ewig so weitergehn
            Nicht umsonst nennt man diese Art Konferenzen im gehobenen Dienst: Leierkasten 🙂 )

          • Lieber Herr Hellwich,

            ja, „Respekt wird erworben“ – und gerade auch hier in Süddeutschland leben und arbeiten Muslime seit den 1960er Jahren. Die überwältigende Mehrheit von ihnen ist rechtstreu und die meisten haben auch die Integration geschafft (obwohl diese lange gar nicht gewünscht und gefördert war, dachte man doch im Sinne einer „Gastarbeiter-Rotation“ auch für Italiener, Portugiesen usw.). Hunderttausende oft schwer arbeitende Muslime haben alleine in Baden-Württemberg einen großen Anteil am Erfolg unserer Wirtschaft – als es nach dem Ende der Balkankriege zu einer Rückkehr auch bosnischer Arbeitnehmer kommen sollte, gab es hier einen breiten Aufstand gerade auch in mittelständischen Unternehmen. Und selbstverständlich haben auch Muslime die deutsche Wiedervereinigung mitfinanziert und zahlen bis heute – wie wir alle – auch den Solidaritätszuschlag mit. Auch im Sport, in der Kultur, Wissenschaft etc. gehören sie längst und zunehmend dazu.

            Mir ist schon klar, dass es in den neuen Bundesländern noch wenig Kontakt mit Muslimen gab – und dass es sich bei diesen dann oft um noch wenig integrierte Neuankömmlinge oder überstrenge Konvertiten handelt(e). Aber die allermeisten Menschen hier im Süden kennen Musliminnen und Muslime (sowohl religiöser wie – zunehmend! – säkularer Lebensart) als Arbeitskollegen, Nachbarn, Mitschüler, Freunde, Partner…

            Die Hinweise auf unsere Demografie platziere ich nicht, um Sie zu ärgern, sondern um auf die realen Herausforderungen hinzuweisen. Auch Oppositionsparteien und -bewegungen bekämen von mir Interesse und Wertschätzung, wenn sie sich seriös und konstruktiv mit diesem entscheidenden Zukunftsthema auseinandersetzen würden! Stattdessen ist das Programm z.B. der AfD dazu an Schwammigkeit nicht zu überbieten – und gerade ist auch wieder ein AfD-Verband krachend daran gescheitert, mal wenigstens zu erläutern, was genau er denn bitte unter einer zuschussfähigen, deutschen Familie verstünde (auch Alleinerziehende, auch Einwohner, Unionsbürger, Eingebürgerte, bis zu welcher Altersgrenze zählen Kinder usw.?):
            http://www.bento.de/politik/afd-gifhorn-peine-fordert-geld-fuer-deutsche-familien-aber-kann-das-nicht-erklaeren-1208103/

            Ich hege größte Skepsis gegenüber Bewegungen und vor allem Parteien, die nur formulieren können, „gegen wen“ sie sind – aber offensichtlich nicht in der Lage sind, programmatisch ernsthaft zu formulieren, „für was“ sie eigentlich einstehen… Und wer wie die Partei von einer vermeintlichen „Islamisierung“ schwadroniert, sollte doch wenigstens über Familienpolitik Bescheid wissen… #AfDFail

          • @ Herr Dr. Michael Blume :

            „Unsere“ Maria trägt dort selbstverständlich ein Kopftuch, wie auch deutsche Frauen jahrhundertelang „unter die Haube“ kamen.

            Jein, vgl. :
            -> https://www.welt.de/politik/deutschland/article136799981/Nur-auf-die-Pizza-muss-Merkel-beim-Papst-verzichten.html (die Verschleierung Merkel vor dem Papst vielleicht bdfsw. erklären)

            Unsere Buchstaben sind lateinisch, unsere Zahlen arabisch

            Negativ, vgl. :
            -> https://de.wikipedia.org/wiki/Indische_Zahlschrift

            MFG
            Dr. Webbaer (der das Zweitzierte hier schon mehrfach versucht hat zu erklären, über das Erstzitierte mag sich ein langer Diskurs anbahnen, korrekt)

          • Korrekekturr :

            *
            die Verschleierung Merkel[s] vor dem Papst

            **
            das Zweitzi[tie]rte

            (insgesamt, vely steif und tolerant von Ihnen, Herr Dr. B)

          • Nun gut, @Webbaer – da mache ich gerne einen Schritt auf Sie zu: Zukünftig schreibe ich gerne von den „indisch-arabischen Zeichen“, die uns ja schließlich mitsamt mathematischer Grundlagen über den islamischen Kulturraum (genauer gesagt via den Fibbonaccis in Algerien, vgl. „Algebra“) erreichte. Und dass die islamische Welt damals noch offen und klug genug war, Anregungen aus anderen Kulturen und Religionen in sich aufzunehmen (und wiederum weiterzugeben), ist ja auch der Beachtung wert.

            Die Katastrophe, die schließlich zur völligen Lähmung und dann zum Verfall der islamisch geprägten Gelehrsamkeit führte, sehe ich übrigens beim Verbot des Buchdrucks im Osmanischen Reich ab 1485. Von dieser verhängnisvollen Entscheidung hat sich die islamische Welt m.E. bis heute nicht erholt. Beim Medienethik-Seminar in der KIT habe ich darüber gesprochen, will es aber in 2017 auch noch ausführlicher ausarbeiten:
            http://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/seminar-fuer-medien-und-berufsethik-am-kit-karlsruher-institut-fuer-technologie/

            Thematisiert hatte ich dies – in Anwesenheit auch islamischer Gelehrter – zudem auch hier:
            http://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/ringen-wir-noch-um-wahrheit-evolution-religion-debatten-in-postfaktischen-zeiten/

            Ihnen freundliche Grüße und ein erholsames, angstfreies Wochenende!

          • @ Herr Dr. Michael Blume („24. Februar 2017 @ 17:31“):

            Sie sind ja so-o klug. [1]
            MFG
            Dr. Webbaer

            [1]
            Nichts war jemals ernster gemeint als diese Einschätzung, nein, Spaß beiseite + Chapeau!

  9. @Webbaer

    „israelische Sicherheits-technologie und kulturelle Gegeneinstellung“

    Der Hinweis auf das Schwarz-Weiß-Denken bezieht sich auf den oben zitierten Satz. Die sog. „kulturelle Gegeneinstellung“ in Israel ist durch die militärische Ausbildung in Gefahr. Das Besatzungsregime schädigt nicht nur die Palästinenser, sondern auch die Israelis. Sie verstehen sich als westlich, demokratisch und aufgeklärt, aber das Militär, auch die Politik und Gesellschaft fährt immer mehr einen Kurs, der mit solchen Werten nicht übereinstimmt.

    Dafür ist der verlinkte Bericht des Soldaten ein Beispiel.

  10. @ Herr Stefan :

    Der (nie enden währende) Krieg gegen Israel („Isreal“) ist dem Dschihad geschuldet und dem Konzept des sich auszubreitenden Dār al-Islām; die Hudna ist hier vglw. lustig.


    Dr. Webbeer sieht hier gerade auch Israel in der Pflicht die Welt über die Dreckigkeit jenes Vorhabens aufzuklären.

    Der Islam muss eingehegt, eingedämmt werden, nicht nur in I, ist Ihnen dies klar, Herr Dr. Stefan?

    MFG
    Dr. Webbaer

  11. Pingback: Ob fowid den Religion-Demografie-Zusammenhang wirklich nicht versteht? Ein Blogbrief an Carsten Frerk » Natur des Glaubens » SciLogs - Wissenschaftsblogs

Schreibe einen Kommentar




Bitte ausrechnen und die Zahl (Ziffern) eingeben