Was mich hier (auf Facebook & im Netz allgemein) nervt

Wie wohl die meisten Menschen mit Herz gehen auch mir die Nachrichten aus Gaza und Israel, aus Syrien, dem Irak sowie der Ukraine emotional nahe. Die neuen Medien, die uns mit immer neuen Meldungen und Bildern zuschütten, tun ihr übriges. TRAURIG finde ich es jedoch, wie viele Freundinnen und Freunde nur noch für eine Seite Partei ergreifen und oft völlig einseitige, verletzende und wiederum aufpeitschende Nachrichten weiterverbreiten – manchmal sogar Falschnachrichten und übelste Verschwörungstheorien. Und klar ist doch: Der Nachrichtenstrom ist breit und vielfältig genug, dass sich jede(r) auf die Brocken konzentieren kann, die die eigene Weltsicht bestärken und das Mitgefühl und Verständnis für “die anderen” verringern. So versacken immer mehr eigentlich kluge und mitfühlende Menschen in ihrer jeweiligen Filterblase.

Wenn dann noch verletzende und beleidigende Kommentarschlachten hinzukommen its das Maß wirklich voll und auch wir werden Teil der Konflikte, statt Teil der Lösungen. Daher bitte ich alle beteiligten Freundinnen und Freunde, einen Moment über die Polarisierung und Radikalisierungspotentiale des Internets nachzudenken und mit der Vernunft & De-Eskalation bei sich selbst anzufangen. Ob wir die Technologien zum Guten oder Bösen verwenden ist unsere Verantwortung – also kommt bitte endlich runter vom “Nur “die anderen” sind Schuld – nur “wir” sind die Guten!”-Trip!!!

Kaffeefrosch

Appell: Sei kein Frosch – denk über spontane Wahrnehmungen & Gefühle auch mal nach, sogar online!

Kurze Erläuterung: Diesen spontanen Ausbruch nach mehreren Tagen hilflosen Frustes habe ich vor einer Viertelstunde auf meinem Facebook-Profil geteilt – und er wurde bereits von vielen, u.a. jüdischen, christlichen, muslimischen und nichtreligiösen Freundinnen und Freunden geteilt. Es gibt auch im Netz sehr viel mehr nicht-polarisierte Menschen, als man glaubt. Und vielleicht wird es Zeit, dass wir endlich auch mal unsere Stimmen erheben und für Vernunft und Empathie einstehen…Technologie ist, was wir daraus machen! (Und ja, wenn Sie diesen Text oder Teile davon verwenden möchten, bedienen Sie sich einfach!)

 

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft und spezialisierte sich auf die Hirn- und Evolutionsforschung. Buchautor, Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger und christlich-islamischer Familienvater. Hat auch manches erlebt und überlebt...

36 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Israel, und unsbesondere Jerusalem ist wohl ein eindrucksvolles Beispiel dafür, in welcher Form religöse Gesellschaften viel “haltbarer” sind als atheistische. Scheinbar können nur religös motivierte Menschen die nötige selbstlose Aggessivität aufbringen, um als Gruppe in solch einer Umgebung über Generationen zu bestehen.

    • @hahoyer

      Ja, da ist (leider) etwas dran. Der starke Zusammenhalt und auch die höheren Geburtenraten von Religionsgemeinschaften (verschiedenster Art!) können die Konfliktlagen über Jahrzehnte, sogar Generationen hinweg verschärfen. Und wenn – wie z.B. in Afghanisten, im Irak, in Birma etc. – die staatlichen Instanzen zusammenbrechen, werden über kurz oder lang religiös-radikale Bewegungen aufsteigen und die schwächer organisierten Gruppen verdrängen…

      M.E. wäre es SEHR wünschenswert, wenn auch Politik und Religionsgemeinschaften stärker wissenschaftliche Befunde berücksichtigen würden, statt sich immer wieder kurzfristig durchzuwursteln – und dann überrascht zu sein, wenn der Laden mal wieder um die Ohren fliegt.

      So ist auch z.B. Israel keinesfalls nur durch den Konflikt mit den arabischen Nachbarn bedroht, sondern auch durch den religionsdemografischen Aufstieg der Nationalreligiösen und Haredim im Inland.
      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-haredim-geschichte-erfolg-judentums/

      Und in ein paar Jahren sind dann wieder alle überrascht… #Frust

  2. Wie wohl die meisten Menschen mit Herz gehen auch mir die Nachrichten aus Gaza und Israel, aus Syrien, dem Irak sowie der Ukraine emotional nahe.

    Es hat sich in den letzten drei Monaten einiges getan, den Irak und Syrien betreffend oder bestimmte Kundgebung oder bestimmte Maßnahme.

    Hat sich in der Zwischenzeit vielleicht auch bei Ihnen ein “kleines Umdenken” ergeben, wie bereits vor ca. drei Monaten hier angefragt:
    -> https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/geht-islamkritik-ein-buch-nina/#comment-31719

    MFG
    Dr. W

    • @Webbär

      Ja – ich sehe die religiösen und säkularen Prediger gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit jetzt noch viel kritischer als zuvor schon! Antisemiten, Islamophobe und andere Verschwörungstheoretiker haben schon viel zuviel Unheil angerichtet und zündeln auch derzeit kräftig weiter…

      • Wird -unter den oben beschriebenen Bedingungen- Ihres Erachtens auf Seiten des Islams ‘gezündelt’?
        MFG
        Dr. W

        • @Webbär

          Ganz klar – Ja. Ebenso zündeln auch Juden, Christen, Konfessionslose usw. (Sie versuchen ja z.B. auch jede Gelegenheit zu nutzen, um gegen “den Islam” Stimmung zu machen…)

          Erfreulicherweise gibt es aber auch auf allen Seiten besonnene Stimmen, die es zu stärken gibt.
          http://www.tagesspiegel.de/berlin/berlin-reaktionen-auf-antisemitismus-mit-unserem-islamverstaendnis-unvereinbar/10237042.html

          Es wäre mir sehr Recht, wenn auch Sie Ihre anti-muslimischen Zündeleien (hier) einstellen würden. Ihnen macht das ja vielleicht Spaß, aber Probleme und Konflikte löst es definitiv nicht.

          • Sie könnten vielleicht bei Gelegenheit das Wesen des Islam erklären.

            MFG
            Dr. W

          • @Webbär

            Klar – nachdem Sie “das Wesen des Judentums” und “das Wesen des Christentums” erklärt haben… Als Konstruktivist müssten Sie wissen, das so etwas essentialistischer Schwachsinn ist, da jede lebendige Religion und Weltanschauung ständig neu und vielfältig ausgelegt und also immer wieder neu re-konstruiert wird. Und auch die teilweise blutigen Kämpfe unter Christen, Juden und Muslimen zeugen ja davon, dass es mit der Feststellung eines gemeinsamen “Wesenskernes” nicht so einfach bis unmöglich ist.

            Einen schon sehr ehrgeizigen, aber immerhin seriösen Versuch, so etwas wie einem “Wesen” der Religionen über Religionsgeschichte und Paradigmenanalysen auf die Spur zu kommen, unternahm ja Hans Küng. Wenn Sie also wirklich interessiert wären, so kann ich sein “Der Islam” empfehlen. Aber auch sein Entwurf konnte selbstverständlich keine allgemeine Anerkennung finden.

          • @ Herr Dr. Blume :

            Als Konstruktivist müssten Sie wissen, das so etwas essentialistischer Schwachsinn [Hervorhebung: Dr. Webbaer[ ist, da jede lebendige Religion und Weltanschauung ständig neu und vielfältig ausgelegt und also immer wieder neu re-konstruiert wird.

            Ihr Kommentatorenfreund kann hier nicht zustimmen, würde aber gerne vertagen wollen.

            MFG
            Dr. W (der sich zudem ohnehin auszuklinken hat, im Moment)

          • @Webbär

            Ja, wenn Sie nicht ständig den Eindruck eines islamophoben Provokateurs erwecken wollen, so wäre es vielleicht einfach einmal hilfreich, Sie würden formulieren, was Sie unter dem “Wesen” einer Religion verstehen – und wie diese empirisch zu fassen sein soll. Denn ich bin gegen diesen Ansatz – der in der Religionswissenschaft bislang stets scheiterte – SEHR skeptisch, aber natürlich an ernsthaften Ausführungen immer interessiert.

  3. Sie greifen bei der Radikalisierung das Verhalten des einzelnen auf, übersehen allerdings, dass die Medien schon immer so handeln. Das Radikale ist das Entscheidende. Früher gab es Krimiserien ohne Tote. Dann war immer zumindest ein Toter dabei. Heute werden Tote oft im Dutzend gehandelt. Ein Flugzeugabsturz erscheint auch umso schlimmer, je höher die Hunderterzahl der Toten ist. Sehen Sie sich die Nachrichten an: Es gibt so viel schönes Neues von der ganzen Welt zu berichten. Was geschieht? Explosionen, Tote, Wirbelstürme, Unfälle. Also: Die Nation wird von den Machern dazu erzogen, immer radikaler zu werden. Und wie das so bei Süchten ist: Man braucht immer mehr davon. Beim Wettlauf um die Gunst gewinnt immer die größte Katastrophe, die schlimmste Scheidung, der reichste Mensch. Wenn der reichste Mensch Deutschlands stirbt, wird gleich nachgelegt: Wer ist denn jetzt der Reichste? Von Aldi zu Lidl. Von Rosenkrieg zu Massenmord. Das ist der Zug der Zeit.

    • @Peter Kosek

      Ich fürchte, da ist etwas dran: Schon als sich Nachrichten nur mündlich verbreiteten waren die spektakulären, extremen und blutigen Erzählungen kulturell erfolgreicher als die freundlicheren. Grimm’s Märchen bekommen die Kinder heute gar nicht mehr im Original zu hören, da diese überlieferten Versionen viel zu grausam waren!

      Mein persönlicher Tiefpunkt war ein geraunter “Hinweis” eines Journalisten nach dem Amoklauf in Winnenden: “Blut und Tote steigern die Quote.” )-:

      Im Internet sind wir an all dem auch mehr denn je aktiv Beteiligte: Wir entscheiden, welche Berichte, Schlagzeilen, Videos etc. wir abrufen, empfehlen, weitergeben. Ich hoffe, dass dies auf Dauer auch zu Reflektionen führt; wir selber merken, was wir (mit uns und anderen) machen. So schrieb gerade ein Kommentator auf FB: “Bin auch ein paar mal in diese falle getappt )-: und erst später gemerkt wie emotional man reagiert.”

      Jedes neue Medium – Sprache, Bild, Schrift, Buchdruck, Zeitungen, Radio, Fernsehen, jetzt eben Internet – hat die gesellschaftlichen Verhältnisse verändert. Jetzt kommt es wohl darauf an, ob wir selbst merken, was mit uns geschieht und woran wir teilnehmen. Wir können ja bemerken, dass hier etwas aus dem Ruder läuft – und uns dagegen stellen. Im Gegensatz zu anderen Medien sind wir im Netz ja nicht nur passive Konsumenten (wie auch Ihr Kommentar bewies).

      • “Dagegen stemmen”, könnte so aussehen: Gehen Sie spazieren und genießen Sie die Schönheit der Natur. Schauen Sie nicht RTL sondern Arte. Klicken Sie nicht bei online-Medien Videos an, vor denen Sie aberwitzige Werbung ertragen müssen. Erfreuen Sie sich an der Kindlichkeit der Kinder und nicht am Tunnelblick der Wissenschaftler Alles hängt mit allem zusammen. Wer viele Katastrophen per Internet konsumert, speichert genauso viele Katastrophen in seinem Gehirn ab. Na denn viel Spaß.

    • Mord, Terror, Naturkatastrophen und Krieg werden die Leute immer stärker bewegen und vor allem zu mehr Stellungsnahmen bewegen als schöne Sonnenuntergänge.
      Das Problem potenziert sich aber, wenn die ganze Welt zur Dorfgemeinschaft wird, wie das mit dem Internet möglich wird. Besonders problematisch ist die Parteinahme in einem Konflikt,der sich an einem weit entfernten Ort abspielt und wo die meisten Nachrichtenquelllen selbst parteiisch sind. Wenn man Partei ergreift, wird man selbst zum Betroffenen, fühlt auch stärker mit, man wird aber auch selbst zum Teilnehmer, was im Krisen- und Kriegsfall bedeuten kann, dass man im kleinen selbst zum Krisen- und Kriegsteilnehmer wird. Plötzlich findet der Meinungs- und Glaubenskrieg und vielleicht sogar noch mehr in den sozialen Netzwerken statt. Es scheint mir dann doch gescheiter, sich zuerst einmal um die Menschen in der Nachbarschaft zu kümmern und das was weiter weg geschieht mit einem gewissen Abstand und mit Vorsicht zur Kenntnis zu nehmen.

      • @Martin Holzherr & @Peter Kosek

        Die Hoffnung, durch den Rückzug ins beschauliche Private den Weltproblemen aus dem Weg zu gehen, ist ja nicht zufällig als deutsches “Biedermeier” in die Geistesgeschichte eingegangen. Ein aktiv gestaltendes Bürgertum war in den deutschen Obrigkeitsstaaten lange nicht gewünscht, vermeintlich “kluger” Rückzug gehört zu unseren kulturellen Traditionen. Mir scheint es aber eher angeraten zu sein, im Rahmen der realistischen, persönlichen Möglichkeiten für Verbesserungen einzutreten. Und jede(r) kann dazu etwas tun, vgl. zum Beispiel hier:
        https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/kcid-festrede-rueckblick-jahrzehnte-dialog/

        • Nicht der Rückug ins Beschauliche ist die Lösung, vielmehr sollte man sich nur dort einmischen wo man wirklich involviert ist, was ein Bewusstsein für die Einflusskreise bedingt, in denen man sich befindet. Deutschland beispielsweise befindet sich in der EU und kann nicht ignorieren, was in der EU passiert. Auch der deutsche Bürger kann das nicht ignorieren, denn es betrifft auch ihn. Die Krise in der Ukraine ist deshalb für Deutschland und seine Bürger weit wichtiger als das was in Syrien passiert. Nicht nur in Deutschland sondern in den meisten europäischen Ländern fehlt aber eine realistische Einschätzung der Rolle ihres Landes in der EU und der EU in der Welt. Viele Einstellungen stammen noch aus der frühen Nachkriegszeit und wurden kaum revidiert, was zu einer verzerrten Wahrnehmung führt. So sehe ich es als Notwendigkeit, dass die europäischen Länder und die EU ihre Aussenbeziehungen zunehmend selbst gestalten und die Hand nehmen. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus, was sich gerade im Ukraine-Konflikt wieder feststellen liess, wo die USA vorgab, wie man sich Russland gegenüber zu verhalten habe, und die europäischen Länder und die EU keine überzeugende eigene Position vertraten und vertreten. Solch eine Haltung ist mit Widersprüchen verbunden. So gibt es in Deutschland und anderen europäischen Ländern viel Antiamerikanismus und trotzdem vertraut man seine Sicherheit letztlich der Nato an und diese wiederum wird von den USA geführt. Die EU, aber auch Deutschland wird längerfristig nicht um eine aktivere Rolle herumkommen. Eine Meinung zu allen möglichen Fragen ist kein Ersatz für eine Haltung gegenüber dem, was einem wirklich betrifft.

          • Der Punkt scheint mir zu sein, @Martin Holzherr, dass – wie @Peter Kosek m.E. zu Recht feststellte – die Frage der “Betroffenheit” eine emotionale ist: Menschen fühlen sich entlang von Geschichte, Ethnie, Kultur und Religion von ganz unterschiedlichen Vorgängen “betroffen” und können entlang solcher Gefühle natürlich auch manipuliert werden. Ich plädiere ja in obigem Text auch dafür, dass wir uns dessen stärker bewusst werden und uns nicht länger unreflektiert “emotional vereinnahmen” lassen. Aber solange Menschen Menschen sind werden sie die Ereignisse verbundener Weltregionen (wo sie Verwandte oder Wurzeln haben, ihre heiligen Stätten sich befinden, sie Urlaub gemacht haben usw.) auch immer als Mit-Betroffene erleben. Das müssen wir nicht gut finden, aber wir müssen damit umgehen.

      • Das räumlich Nächstliegende ist am wenigsten Gefiltert. Im eigenen Bereich gibt es viel zu tun, das man auch selbst bewegen kann. Kommentare zu fernen Geschehnissen mögen zwar interessant sein, doch was bewegt man damit effektiv? Und es ist kein “Deutsches Biedermeier” (Michael Blume), wenn man am geistigen Katastrophentourismus so wenig wie möglich teilnimmt. Es ist der eigene Schutz vor Wahnsinn und Verblödung.

        • @Peter Kosek

          Ich würde meinen: Wenn die “Klugen” schweigen brauchen wir uns über die Dominanz der “Wahnsinnigen” nicht zu wundern. Beispielsweise haben islamische Radikale das Internet (YouTube etc.) als Rekrutierungsmaschine benutzt und waren geradezu wütend, als ihnen vernünftige(re) Muslime wie Mouhanad Khorchide usw. in die Online-Parade gefahren sind.
          https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/wie-salafisten-und-extremisten-das-internet-benutzen/

          Mein Plädoyer wäre also, dem “Wahnsinn” (in dessen Analyse ich Ihnen zustimme) bessere, konstruktive Angebote gegenüber zu setzen. So wie wir in Deutschland ja auch vergleichsweise hochwertige Zeitungen im Vergleich zu einigen anderen Ländern haben – weil es erfreulicherweise noch Menschen gibt, die für Qualität Geld und Zeit verausgaben.

          • Volle Zustimmung. Allerdings sollten sich die Klugen genauso zusammentun, wie sich die Wahnsinnigen zusammenrotten um den Katastrophen volle Fahrt zu verpassen. Kluges Zusammentun ist es beispielsweise, auf Entscheidungsträger mit Fakten einzuwirken, etwa so: Was nützen uns hohe Umsätze bei Waffenexporten, wenn wir damit gleichzeitig die Welt verwüsten. Was nützt es, immer mehr Wälder abzuholzen, um etwa Fleisch zu produzieren, statt dem bis zu 50%igen Verlust der Nahrungsmittel vom Hersteller zum Verbraucher Wirksames entgegenzusetzen. Was nützen Abhängigkeiten etwa bei Ölimporten, wenn diese als Druckmittel verwendet werden. Hier könnten die Klugen den Wahnsinnigen Wirksames entgegensetzen.

          • VÖLLIG einverstanden, @Peter Kosek! Und dies ist auch einer der Gründe, warum ich aus meinem Fachbereich (Religionswissenschaft) heraus blogge – und mich freue zu erleben, dass mindestens einige Menschen dadurch zum Nachdenken, Weiterforschen etc. angeregt werden. Menschen, die sich informieren, Gedanken machen, respektvoll austauschen etc. sind die natürlichen Gegner des “Wahnsinns”. 😉 #Hoffnung

      • @ Herr Holzherr :

        Es scheint mir dann doch gescheiter, sich zuerst einmal um die Menschen in der Nachbarschaft zu kümmern und das was weiter weg geschieht mit einem gewissen Abstand und mit Vorsicht zur Kenntnis zu nehmen.

        “Trocken” festgestellt werden darf vielleicht, dass diese Zeit zu einem Ende gelangt ist, es spielt hier die Generalüberwachung der Telekommunikation hinein, die Internetkommunikation und zunehmend auch das Visuelle oder Audiovisuelle betreffend einschließt oder einschließen wird, was nicht jedem so richtig schön erscheinen muss, allerdings kann die Aufnahme und anschließende Veröffentlichung im audiovisuellen Bereich auch schlecht verboten werden.

        Insofern gilt es sich für altere Häuser, Ihr Kommentatorenfreund schließt sich hier ein, umzustellen.

        Inwieweit dies zivilisationsunterstützend sein wird, ist eine spannende Frage; von bestimmten Umsetzungen im islami(sti)schen Umkreis, nur beispielhaft genannt und im Kontext dieses Artikel, kann aber schon jetzt oft weitgehend frei berichtet werden, was nicht schlecht sein muss. Es gibt in den Video- und Audio-Benachrichtigungssystemen des Internets hier einiges abzugreifen, viele rennen ja mit Aufnahmeapparaten herum heutzutage .

        MFG
        Dr. W

        • Das Internet ist vor allem ein Nachrichtenkanal, und chatten ist das was dort am häufigsten gemacht wird – etwas was man schon immer gemacht hat, nur nicht so globalisiert.
          Über alles mögliche eine Meinung vertreten und informiert oder desinfomiert sein, genügt aber nicht und schafft nicht wirklich eine völlig neue Welt.
          Das Internet hat zudem nicht die eine Welt geschaffen. Es gibt weiterhin ganz unterschiedliche Lebensbedingungen, ganz unterschiedliche politische Systeme und ganz unterschiedliche Glaubenshaltungen. Wäre es anders, dann würde beispielsweise die Reislamisierung an Wirkmacht verlieren, ist doch das Internet ein säkulares Instrument. Man sollte eigentlich erwarten, dass der Austausch über alle Grenzen hinweg, der mit dem Internet möglich ist, rationale und aufklärerische Haltungen begünstigt. Doch das scheint nicht zuzutreffen: Für Islamisten und Ihre Sache ist das Internet genauso nützlich wie für Säkulare und Liberale.

          Das ist übrigens auch eine alte, aber weit verbreitete Fehleinschätzung, dass, wenn jeder mit jedem kommuniziert, sich am Schluss alle besser verstehen. Dieses Fehlurteil ist ein viel allgemeineres eingebettet: Der Glaube mehr Reisen, mehr Wissen über die Anderen und mehr globales Bewusstsein ändere alles zum Guten. Schon die ersten Raumfahrer, die den Globus umkreisten, meinten, wer den Globus mehrmals im Tag umkreise, werde automatisch zum Weltbürger und könne keine Krieg mehr gutheissen.Dabei folgte die militärische Nutzung des Weltraums auf dem Fuss. Genauso verhält es sich auch mit dem Internet. Der Krieg und das Miltiär bleibt auch da nicht draussen und die Menschen ändern sich durch die neuen Kommunikationsmöglichkeiten im Kern nicht.

  4. Mir scheinen bestimmte Formen der Internetkommunikation der bisher größte Bruch mit den „typisch menschlichen“ Kommunikationsformen zu sein. Der Mensch als über die Jahrmillionen von der Evolution geformtes soziales Wesen ist doch eigentlich überhaupt nicht auf die Anonymität des Internets vorbereitet. Im gewohnten und althergebrachten Miteinander des täglichen Lebens werden viele der „inneren“ Impulse im sozialen Kontext moderiert bzw. entschärft und häufig bekommen wir das wahrscheinlich nicht eimal mit. Im Internet fehlt diese Moderation oft völlig und so verschafft sich der Affekt vergleichsweise schnell Luft in Form von emotionalisierten Tiraden oder grotesken Verschwörungsphantasien. Treffen dann noch gleichgesinnte Affekte aufeinander kommts zur positiven Rückkopplung und da die Emotionen auch im Internet sehr ansteckend sind, werden am Ende sogar unbeteiligte Menschen in die Emotionalisierung und Polarisierung mit hineingezogen.
    Ich persönlich bin unsicher, ob man diesen Phänomenen im derzeitigen Internet beikommen kann (Auch wenn ich dem Herrn Blume größten Respekt zolle, dass er einige seiner rasenden Kommentatoren zumindest partiell gezähmt hat). Meiner Meinung nach würde sich erst etwas ändern, wenn unter jedem Kommentar ein Kopie des Personalausweises angefügt werden müsste. Aber das wird wohl aus aktuellen Gründen in naher Zukunft keine Zustimmung finden. In der jetzigen Form der Internetkommunikation können bei den „heißen, geladenen“ Themen nur zu wenige Menschen ausreichend Selbkontrolle aufbringen und ich bezweifle, dass mahnende Worte viel bewirken werden. Ich sehe ja selbst intelligente Bekannte, von denen ich das nicht erwartet hätte, in die Polarisierung abgleiten. Etwas ernüchtert hab ich für mich gegenwärtig den Schluss gezogen, dass das nötige Maß an Selbstkontrolle wohl eher eine Persönlichkeitseigenschaft einer viel zu kleinen Gruppe ist. Die Hoffnung darf man natürlich nicht aufgeben. Sonst läuft man selbst noch Gefahr die Kraft zur Distanz zu verlieren.

    • @Tom

      Stimme Ihnen da völlig zu – womit sich die Frage stellt, ob wir – d.h. unsere menschlichen Vernunft- und Kulturfähigkeiten – den Verlockungen und Beschleunigungen auch der neuen Medien gewachsen sein werden… Ich würde sagen: Aufgeben gilt nicht! 😉

    • @ Tom :

      Mir scheinen bestimmte Formen der Internetkommunikation der bisher größte Bruch mit den „typisch menschlichen“ Kommunikationsformen zu sein.

      Die Erfindung der Sprache, die der Schrift und die des Buchdrucks gingen voran und bedeuteten ähnliche Zivilisationssprünge. – Wobei es zwischendurch kleinere Sprünge gab, die ebenfalls bemerkenswert waren, hier aber nicht erklärt werden müssen.

      Ich persönlich bin unsicher, ob man diesen Phänomenen im derzeitigen Internet beikommen kann (…). Meiner Meinung nach würde sich erst etwas ändern, wenn unter jedem Kommentar ein Kopie des Personalausweises angefügt werden müsste.

      Wobei es hier nicht unbedingt zuzustimmen gilt; die in den modernen Medien, gemeint immer das Internet, meint oft auch die pseudonyme (vs. anonyme) Kommunikation, die nicht schlecht sein muss, die in den Print-Medien, in der Literatur, aber auch in Leserbriefen schon Vorgänger hatte.
      Zudem ist das Internet per se nicht auf Inhalte bezogen personalisierbar, was auch als Leistungsmerkmal verstanden werden darf, gerade auch auf unfreie Systeme (nicht-“westliche” [1]) bezogen.

      Kurzum, das Internet ‘polarisiert’ oder “nervt” grundsätzlich oder letztlich im Guten.

      HTH
      Dr. W

      [1] gemeint hier immer diejenigen Systeme, die den Ideen und Werten der Aufklärung folgend gesellschaftlich implementiert haben, die Richtungsangabe ist ein wenig in der Lage zu irritieren

  5. Hallo Herr Blume,

    „Der Punkt scheint mir zu sein … die Frage der “Betroffenheit” eine emotionale ist.“

    Ja, Herr Blume, da haben Sie irgendwie Recht. Betroffenheit ist emotionale Regung, aber wieso ? Ich habe z.B. für mich entschieden, dass jeder Mensch vor Gott und dem Gesetz gleich zu sein hat. Das ist eine Grundüberzeugung auf Grund einer rational nicht ableitbaren, emotionalen Entscheidung (emotional heisst hier: nicht-rationalen) Entscheidung. Ich kann diese Überzeugung nicht rational ableiten, sie ist aber als Überzeugung so stark, dass ich sie unter Gewaltanwendung verteidigen würde.

    Wir alle haben solche nicht rational-ableitbaren Grundüberzeugungen. Sie sind uns nur nicht immer bewusst.

    Wenn nun jemand daherkommt und behauptet, dass manche Menschen von Gott bevorzugt werden, weil sie auf Erden besser sind als andere, und mir versucht, seine Überzeugung überzustülpen, reagiere ich emotional. Weil meine Grundüberzeugung, die hier angegriffen wird, selbst emotionalen Charakter hat (ich meine damit: nicht rationaler Natur ist und nicht rational begründet werden kann).

    Bei Konflikten wie dem zwischen Israel und den Arabern geht es um solche nicht rational-ableitbaren Grundüberzeugungen (und damit auch rational nicht lösbaren Konflikten).

    Gibt es Grundkonflikte, die unlösbar sind, ausser durch emotionale (gewaltvolle) Reaktionen ? Und wenn “gelöst”, wieder den Nährboden für neue Gewalt darstellen ? Geht die Gewalt aus diesem Grund nicht aus der Welt ? Und versucht die Religion mit ihrer Methode des über-rationalen und über-emotionalen Kompromisses die Gewalt aus der Welt zu schaffen ?

    Grüsse Fossilium

    • Lieber @Fossilium,

      vielen Dank für Ihre Überlegungen, deren Ergebnisse ich im Wesentlichen teile.

      Auch ich glaube nicht, dass wir allein auf Basis individueller Vernunft zum Gleichheitsgedanken vorstoßen können: Auch die größten Philosophen der Antike protestierten nicht gegen die Sklaverei und noch Kant war der Gedanke der vollen Gleichberechtigung von Frau und Mann völlig fremd.

      Mit F.A. von Hayek nehme ich an, dass wir unsere Werte aus 3 Quellen beziehen: Unserer Biologie (Emotionen, Empathie), Kultur (inkl. Rechtssysteme, Religionen und Weltanschauungen) und zuletzt unsere individuellen Erwägungen. Ihr Begriff von den “nicht rational ableitbaren Grundüberzeugungen“ finde ich daher sehr zutreffend!

      Entsprechend hat unser Gleicheitsgedanke auch – aber nicht nur – religiöse Wurzeln (Adam und Eva!), wie sich im Vergleich z.B. mit dem hinduistischen Kastensystem erkennen lässt.
      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/das-kastensystem-nur-ein-thema-des-hinduismus/

      Beste Grüße, Michael Blume

      • Hallo Herr Blume,

        wir haben uns, so glaube ich, missverstanden.

        Ich komme nicht zum Gleichheitsgedanken (Gleichheit vor Gott und dem Gesetz) durch individuelle Vernunft, durch Kultur oder individuelle Erwägungen. Ich komme darauf nicht durch irgendeine Deduktion. Dieser Gleichheitsgedanke, und andere Werte, können nicht rational, metaphysisch oder kulturell abgeleitet werden – es sind intrinsische Werte, Bestandteile eines „ontologischen“ Wertesystems, das aus sich selbst heraus existiert – und für das ich mich bewusst entschieden habe.

        Meine Entscheidung, dieses und kein anderes Wertesystem als ontologisch für mich anzunehmen, kann kulturell, religiös oder rational begründet sein, aber die Werte selbst existieren aus sich heraus.

        Ich fürchte, ich würde sonst im wertelosen Relativismus enden, und könnte zwischen Gut und Böse nicht mehr unterscheiden, und im Überlebenskampf versagen.

        Eine solche Auswahl zu treffen ist also überlebenswichtig.
        Grüsse
        Fossilium

        • @Fossilium, dem widerspreche ich ganz und gar nicht, zumal Sie das viel tiefer reflektieren, als es gemeinhin getan wird! 🙂

          Als Religionswissenschaftler interessiert mich natürlich immer die historische (und also auch: evolutionäre) Genese – zu der dann, wie von Ihnen geschildert, die Geltung als existentielle Annahme kommen muss.

          Finde ich gut!

  6. Sehr schöne Einsicht Herr Blume. Polarisierung führt Nirgendwo hin.
    Um den Worten auch Taten folgen zu lassen und Ihre Glaubwürdigkeit bezüglich einiger Themen entscheidend zu stärken, könnten Sie ja in Zukunft differenzierte Diskussionen auch bezüglich Ihnen unangenehmer Themen zulassen, anstatt bei der ersten Gelegenheit zum ultimativen Polarisierungswerkzeug, nämlich der Rassismuskeule zu greifen. (Oder wenn das beim besten Willen nicht möglich ist, beredtes Schweigen folgen zu lassen.) Das wissen alle die hier regelmäßig vorbeikommen.

    Gerade Sie haben in zahlreichen Situationen, hier auf dem Blog, gezeigt, dass Sie ein Meister der Polarisierung sind.

    • Anhänger gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit zum Kochen (oder gar zum Nachdenken!) zu bringen wird mir immer ein Auftrag sein, @Ralph!

      Außerdem muss ich mich doch rechtsextremer “Auszeichnungen” wie dem Steckbrief auf Nürnberg 2.0 als würdig erweisen. 🙂

      Nein, @Ralph, ich werde auch in Zukunft weder schweigen noch meinen Blog für menschenfeindliche Parolen zur Verfügung stellen. Nicht-Polarisieren heißt doch gerade nicht, sich vor Vorurteilen und Hass wegzuducken. Davon gibt es ohnehin zuviel auf unserem kleinen Planeten…

  7. Pingback:Stoppt Gewalt im Namen der Religion – Interreligiöser Aufruf gegen die Vertreibung von Christen und gegen die Gewalt im Irak, Syrien, Israel und Gaza › Natur des Glaubens › SciLogs - Wissenschaftsblogs

  8. Wille zur Verständigung

    @Chrys

    Ich antworte Ihnen hier, noch nachträglich auf Ihre Reaktion ‘im Artikel nebenan’ weil der Punkt thematisch am ehesten hierher gehört und m.E. als sehr wichtig veranschlagt werden muss.

    Sie schreiben dort:

    “Dabei ist es nicht das Ziel, am Ende zu einer Verständigung im Sinne eines einvernehmlichen Konsensus zu kommen.”

    Damit missverstehen Sie meine Aussage im Kern…..

    ….denn wenn wir Verständigung nicht grundsätzlich anstreben, vor allem wenn wir sie auch nicht für möglich halten , dann wird sie gerade DESHALB auch nicht möglich.

    Das ist ein so ernster, grundlegender Zusammenhang, dass man ihn sich nicht oft genug vergegenwärtigen und voreinander betonen kann. Nicht zuletzt auch, weil wir für das Hier und Jetzt den einen, wenn auch nicht letztgültigen und oftmals eher klitzekleinen Konsens auf jeden Fall brauchen, um in diesem Moment für hier und jetzt gemeinsam handeln zu können. Wissenschaftstheoretiker scheinen diesen Bezug zur Realität oft außer Acht zu lassen.

    Deshalb muss im Gegenteil als Grundtenor, (möchte fast sagen: als Grundsehnsucht) als Diskussionsgrundlage, Verständigung und der Glaube an Verständigungsmöglichkeit das Ziel sein und bleiben auch wenn es:

    ” im allgemeinen schon deswegen gar nicht möglich ist [scheint!], weil man dabei typischerweise auf Fragen stösst, auf die keine einfachen Antworten praktisch zu erhalten oder auch nur theoretisch zu erhoffen sind.”

    Der Konsens kommt ja nicht von selber. Die Offenheit für neue Antworten angesichts der Vorläufigkeit scheinbar fertiger Antworten zu wahren, ist doch kein Hindernis, den Grundtenor eines Glaubens an die Möglichkeit einer Verständigung und das tatsächliche Anstreben derselben zu bewahren. Diese Grundhaltung fliegt jedenfalls niemandem zu. Wir müssen sie bewusst üben und pflegen. Und sie ist in jeder Hinsicht sehr verschieden, fühlt sich vor allem emotional völlig anders an als die Haltung, die Sie beschreiben.

    “Es kann durchaus etwas frustrierend sein, wenn man feststellen muss, dass ein vermeintlich ungemein einleuchtendes Argument auf der Gegenseite völlig wirkungslos verpufft.”

    Das z.B. ist nur dann frustrierend, wenn man spürt und dann auch bestätigt bekommt, dass der Andere Verständigung im Prinzip gar nicht sucht, wie in dem besprochenen Fall ja kundgetan wurde, eben weil es einen dann arg berührt, da sie dann ja grundsätzlich auch nicht möglich werden kann.

    “….sollte man sich bewusst machen, dass sich Aha-Momente bei anderen nicht erzwingen lassen, (…) Und je mehr sich die Beteiligten hinsichtlich ihres Ausbildungs- und Lebenshintergrundes unterscheiden, desto schwieriger wird es, sich Aha-Erlebnisse zu vermitteln.”

    Ohne Frage, das ist so, das weiß man, das ist nicht leicht. Aber ohne Zweifel wird ohne den Glauben an die Möglichkeit einer Verständigung und das tatsächliche Anstreben derselben erst recht nichts. Schon gar nicht wird globale Verständigung zwecks dringend anstehendem global gemeinsamen Handelns zustande kommen können. Ohne den gemeinsamen Glauben an die Möglichkeit der Verständigung werden immer nur einseitige, zu kurz greifende Lösungen von Einzelnen – meist veranlagungsbedingten Machtmenschen – durchgesetzt werden. Mit der Folge, dass Kriege und Gewalt für Ausgleich glauben sorgen zu müssen und zu können, was eine Illusion hoch drei ist.

    Wollte das nur schon mal anmerken. Ich werde mich dazu noch genauer äußern.

  9. Pingback:Warum werden Jesiden beschuldigt, Teufelsanbeter zu sein? › Natur des Glaubens › SciLogs - Wissenschaftsblogs

Schreibe einen Kommentar