Die Haredim. Geschichte und Erfolg des ultraorthodoxen Judentums (sciebook)

Was macht ein Vater, wenn ihn die unbarmherzigen Kleinen am ersten Weihnachtstag um kurz vor sieben aus dem Bett holen, um mit ihren Geschenken spielen zu können? Er schreibt einen Gute-Morgen-Blogpost! 🙂

Also: Wer sind diese jĂŒdischen, nach osteuropĂ€ischen Moden vergangener Jahrhunderte gekleideten Leute? Woher stammt ihre wachsende Zahl, ihre massive Kritik an Israel und ihre Kleidung? Nach den sciebooks ĂŒber die kinderreichen Old Order Amish und die Mormonen sowie ĂŒber die kinderĂ€rmeren QuĂ€ker und Unitarier wagte ich mich zum Jahresende an die Ă€lteste, kinderreiche Tradition der Menschheit: Das “gottesfĂŒrchtige” (hebr. Charada) Judentum, die Haredim.

Die Wurzeln dieser Glaubensbewegung reichen bis ins erste Jahrtausend vor Christus zurĂŒck, als PharisĂ€er (hebr. Peruschim, die Abgesonderten) treten sie auch im Umfeld Jesu auf, der ihnen in vielem nahesteht, sie aber in manchem auch scharf kritisiert.

Nach der Zerstörung des zweiten Tempels in Jerusalem um 70 n. Christus setzte sich das schriftzentrierte, “rabbinische” Judentum endgĂŒltig als “die” Form jener bedeutenden Weltreligion durch. Durch seine biblische Gelehrsamkeit und seinen Kinderreichtum konnte es als oft bedrĂ€ngte und manchmal verfolgte Minderheit sowohl in der christlichen wie islamischen Welt und bis nach Indien und China hinein ĂŒberleben, ja wachsen.

Und als die jĂŒdische Version der AufklĂ€rung (die Haskalah) sowie verstĂ€rkte Assimilationsbestrebungen durch die europĂ€ischen Staaten auftraten, spaltete sich vor allem das aschkenasische (hebr. “deutschlĂ€ndische”) Judentum in liberale, konservative und orthodoxe Strömungen. In Osteuropa verfestigten sich dann einige orthodoxe zu haredischen Strömungen des mystisch orientierten Chassidismus und der in der Öffentlichkeit weniger bekannten Mitnagdim.

Nach den verheerenden Verfolgungen der Kommunisten bis Stalin sowie den Massenmorden der Nationalsozialisten hatten nur wenige tausend Haredim im Gebiet des heutigen Israel sowie in kleineren Gemeinden der USA, der Schweiz und Großbritanniens ĂŒberlebt. Gemeinhin ging man vom Untergang dieser alten Tradition aus; nicht zuletzt aus Mitleid stellte Ben Gurion “bis zu 400” haredische Studierende vom Wehrdienst frei.

Doch aus einem Prozent der israelischen Staatsbevölkerung wurden inzwischen knapp 14 Prozent – und wenn die Entwicklung so weiter geht, werden sie zur Mitte dieses Jahrhunderts die Mehrheit der israelischen Bevölkerung stellen. Denn die Haredim konnten ihre Geburtenraten zuletzt auf bis zu acht Kindern pro Frau steigern und verdoppeln ihre Anzahl alle zehn bis fĂŒnfzehn Jahre! Alleine im Großraum Jerusalem leben mit inzwischen ĂŒber 250.000 etwa so viele haredische JĂŒdinnen und Juden wie es Old Order Amish in den USA und Kanada gibt!

Wie erreichen die Haredim dieses enorme Wachstum? Was bedeutet es fĂŒr das Judentum, fĂŒr Israel und die Welt? Warum lehnen viele von ihnen den Staat Israel und z.B. auch den Wehrdienst ab? Stimmt es, dass sie “nur von Sozialhilfe” leben?

Wie Sie sich sicher vorstellen können, war das sciebook ĂŒber die Haredim das bislang zeitlich umfassendste und thematisch anspruchsvollste Buchprojekt meiner religionswissenschaftlichen sciebooks-Sachbuchreihe. Ich bin froh, dass es noch gelungen ist, es vor dem Jahresende 2013 fertig zu stellen und hoffe, dass es Ihr Interesse findet.

“Die Haredim” sind erhĂ€ltlich als eBook (€ 2,99) und Taschenbuch (€ 10,99).

HaredimsciebookBlume

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft und spezialisierte sich auf die Hirn- und Evolutionsforschung. Buchautor, Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger und christlich-islamischer Familienvater. Hat auch manches erlebt und ĂŒberlebt...

32 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. “viele Haredims lehnen den Staat Israel ab” lese ich und denke, dass die politischen Ideen dieser Religiösen nicht ernst genommen werden können, denn wie fĂŒr gewisse Leute jeder Lebensaspekt politische Bedeutung hat, hat fĂŒr diese Ultrareligiösen jeder Lebensaspekt und damit auch alles Politische seine Antwort im Glauben und der Religion. Wenn solcherart religiös determinierte und motivierte Menschen unsere Zukunft sind – zuerst in Israel und dann in der ganzen Welt – dann gehen wir einer Zombiezukunft entgegen.
    TatsĂ€chlich darf man die Macht der Masse, der Vermehrung und Fortpflanzung nicht unterschĂ€tzen. Letzlich wird die Mehrheit ĂŒber kurz oder lang auch die bestimmende politische Kraft sein. Damit wird Religion zu Politik. Das ist schon viel hĂ€ufiger passiert als vielen bewusst ist. Die Aufspaltung von Indien in Pakistan, Bangladesh und das heutige (Rest-)indien hat ala Grund allein die konfessionelle Auseinandersetzung zwischen Hindus und Moslems. Und jetzt gewinnt in Indien die BJP (die Hindupartei) an Macht und mit ifr ein antimoslemischer FĂŒhrer. Weil die Hindus wiederum Angst vor dem Anwachsen des moslemischen Bevölkerungsanteils haben.

    • Wenn solcherart religiös determinierte und motivierte Menschen unsere Zukunft sind – zuerst in Israel und dann in der ganzen Welt – dann gehen wir einer Zombiezukunft entgegen.

      Das Judentum war orthodox, wobei lange Zeit nur einige weltlicher geworden sind.
      Keine Angst, ‘unsere’ Zukunft oder die Ihrige bleibt untangiert, die bĂ€rtigen Kollegen missionieren im Gegensatz zu anderen nicht, haben auch kein Gesellschafts- und Rechtssystem fĂŒr alle in petto, wie andere BĂ€rtige.
      Die Religion als Privatsache geĂŒbt ist OK, so könnte auch der Sozialismus funktionieren, wenn die Teilnahme freiwillig bliebe.
      DiversitĂ€t oder Parallelgesellschaften gehen, die PrĂ€fix ‘gegen-‘ macht hier den Unwert aus.
      Das mit dem ‘Wir’ und der ‘Zombiezukunft’ war deplatziert.

      MFG
      Dr. W (der von einem wohl geschriebenen E-Book ausgehen darf)

  2. Israel wird davor schon ein Problem bekommen zwar lehnen viele Haredim den Staat ab aber leben von Kindergeld und Sozialhilfe (was in Israel nicht so wenig ist). Viele Haredim MĂ€nner lernen nur die Thora und gehen keiner bezahlten TĂ€tigkeit nach.

    Das wird man nicht auf dauer finanzieren können.

    • Hallo Zoran Jovic

      Nur zur Ihrer Information, ich hatte hier

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/formuliert-wissenschaft-dogmen-rupert-sheldrakes/#comment-30890

      auf Ihren Kommentar geantwortet, aber Herr Blume wollte nicht, dass Sie ihn lesen und hat ihn „zensiert“, weil ich den vom ihm eigefĂŒhrten Begriff „Memetiker“ nicht ganz in seinem Sinne verwendet habe. Solche Löschungen kommen schon mal vor, wenn die Emotionen hochkochen, das muss man nicht ĂŒberbewerten.

      Ich hoffe, dass Sie wenigsten diese Nachricht zu Gesicht kriegen.

      • @Balanus, einfach der Hinweis, dass ich es mir schon aus ZeitgrĂŒnden nicht mehr leisten kann und will, mich auf der persönlichen Ebene anmachen zu lassen. Kein Mensch ist unfehlbar – auch ich ganz sicher nicht – aber zumal ich meinen Kommentatoren auch gerne Zeit und AnonymitĂ€t zugestehe, erwarte ich auch umgekehrt einen fairen, wertschĂ€tzenden Umgang. Bitte beachten Sie, dass ich all das hier ehrenamtlich, in meiner knappen, freien Zeit und unter echtem Namen zur VerfĂŒgung stelle. Sie sind hier gerne kostenfrei und anonym zu Gast, aber bitte benehmen Sie sich dann auch so.

        • @Michael Blume
          === schnipp ===
          einfach der Hinweis, dass ich es mir schon aus ZeitgrĂŒnden nicht mehr leisten kann und will, mich auf der persönlichen Ebene anmachen zu lassen.
          === schnapp ===
          du musst schon wissen, warum du ausgerechnet den Thread, in dem du auf Zensur hinweist, zensierst, indem du löschst und den Thread schließt (ich habe jetzt keine Lust, eine Statistik zu erstellen, auf die Schnelle fand ich aber keinen weiteren Beitrag, in dem du die Kommentare deaktiviert hast).

          Ich habe inzwischen den Film mit Sheldrake und den mit Dawkins angeschaut und dir eine Diskussion ĂŒber den Inhalt angeboten, genauso wie auf Facebook ĂŒber den dort von dir verlinkten Biologos Artikel. Ich kann natĂŒrlich nachvollziehen, dass deine Zeit knapp ist, aber ich kann darin keine Anmache auf der persönlichen Ebene erkennen. Wie soll man von einem promovierten Religionswissenschaftler etwas lernen, wenn der nicht ĂŒber Inhalte diskutiert?

          • Lieber Thomas,

            1. wie fast alle Wissenschaftsblogger lösche ich Blogkommentare, die auf die persönliche Ebene gehen. Die Erfahrung zeigt: Bloggende, die diese Grenze zum eigenen Schutz nicht ziehen, machen sich zum Obst. Und weder Wissenschafts- noch Religionsfreiheit bedeuten einen Verzicht auf die Persönlichkeitsrechte. Mir geht es deutlich besser, seitdem ich wenige Trolle blocke und bei eigentlich seriösen, aber anonymen Diskutanten – wie bei @Balanus – auch mal meist ungewollten Entgleisungen Einhalt gebiete. Empathie-Tip: Einfach mal selbst ein paar Monate unter Klarnamen bloggen und dann schauen, was man so alles erlebt.

            2. Dank WordPress gibt es nun endlich die Möglichkeit, Kommentardiskussionen auch zu beenden, wenn sie sich nur noch wiederholen. Bei LifeType wurde dadurch alles unsichtbar; was fĂŒr die bisherigen Diskutanten natĂŒrlich unfair war – deshalb habe ich das nur sehr selten genutzt (z.B. bei einer Eskalation zwischen Kommentatoren in einer Debatte ĂŒber Anthroposophie). Die neue Kommentare-Beenden-Funktion werde ich auch in Zukunft bisweilen nutzen, da ich einen Hauptberuf, eine Familie und auch wissenschaftlich ausreichend zu tun habe. Sich ehrenamtlich zu engagieren bedeutet nicht, sich unter Druck setzen oder gar zur Belustigung ausnutzen zu lassen.

            3. Es ist schön, dass Du mir eine Diskussion “anbietest”, sicher haben wir hin und wieder mal die Gelegenheit dazu. Aber wie schon an anderer Stelle geschrieben solltest Du nach stundenlangem Austausch auch mal ein freundliches “Nein, danke.” akzeptieren können. Ich schĂ€tze Dich und lese auch gerne von Dir, nehme aber wahr, dass sich unsere Diskussionsstile und Erkenntnisinteressen teilweise erheblich unterscheiden. Also: Bitte alles in Maßen und mit RĂŒcksicht auf verschiedene Stile und Lebenssituationen.

            Dir von Herzen eine schöne und erfĂŒllte Woche!

          • Dr. W an Dr. B:

            wie fast alle Wissenschaftsblogger lösche ich Blogkommentare, die auf die persönliche Ebene gehen

            Es sei denn, sie sind von Ihnen.

            Haha. – Nein, nicht ganz ernst gemeint, Sie halten ja schon einiges aus. Wie es sich auch gehört, wenn selbst ausgeteilt wird.

            Zum leider geschlossenen Artikel, also fĂŒr Feedback geschlossenen Artikel, hĂ€tte Ihr Kommentatorenfreund aber noch etwas (Unkonfrontatives) nachzutragen.

            MFG
            Dr. W

          • Hi Michael,

            === schnipp ===
            wie fast alle Wissenschaftsblogger lösche ich Blogkommentare, die auf die persönliche Ebene gehen.
            === schnapp ===
            kann man machen. Nur, und das ist mein Punkt, ich konnte nicht nachvollziehen, wo im konkreten Fall die ‘persönliche Ebene’ lag.

            === schnipp ===
            Empathie-Tip: Einfach mal selbst ein paar Monate unter Klarnamen bloggen und dann schauen, was man so alles erlebt.
            === schnapp ===
            Ich habe das viele Jahre im UseNet (okay, das ist kein Blog, aber was ist ein Blog mit Kommentaren anderes als ein Thread, den man mit einem Posting begonnen hat?) und auf meiner HomePage als Forum gemacht. In den meisten FĂ€llen (bis auf die, in denen es juristische Probleme hĂ€tte geben können) habe ich mich auf die ‘Schere im Kopf’ beschrĂ€nkt.

            === schnipp ===
            2. Dank WordPress gibt es nun endlich die Möglichkeit,
            === schnapp ===
            Hmmmm, ich kenne das schon seit vielen Jahren. Ein Musterbeispiel ist Michael Behe. Der hat anlĂ€sslich seiner beiden BĂŒcher versucht, Blogs zu betreiben. Der wurde aber nach kĂŒrzester Zeit so zugeballert, dass er die Kommentare blockierte und schließlich zum DI umzog. Bradley Monton hielt es auch schon immer so.

            === schnipp ===
            Die neue Kommentare-Beenden-Funktion werde ich auch in Zukunft bisweilen nutzen, da ich einen Hauptberuf, eine Familie und auch wissenschaftlich ausreichend zu tun habe. Sich ehrenamtlich zu engagieren bedeutet nicht, sich unter Druck setzen oder gar zur Belustigung ausnutzen zu lassen.
            === schnapp ===
            Das macht Sinn und das war weniger mein Problem. Ich habe den einen oder anderen Thread gelesen, in dem du durchaus auch sehr heftig persönlich angegangen wurdest. Dort hÀtte ich Löschen verstanden.

            Aus an die 20 Jahren Erfahrung in diversen Foren kann ich dir nur sagen, dass das absolut zuverlĂ€ssigste Mittel darin besteht, einfach nicht zu antworten. Ähnlich wirksam sind Antworten im Stil von ‘gelesen, gelacht’ oder auch ‘nicht satisfaktionsfĂ€hig’.

            === schnipp ===
            3. Es ist schön, dass Du mir eine Diskussion “anbietest”, sicher haben wir hin und wieder mal die Gelegenheit dazu. Aber wie schon an anderer Stelle geschrieben solltest Du nach stundenlangem Austausch auch mal ein freundliches “Nein, danke.” akzeptieren können.
            === schnapp ===
            SelbstverstĂ€ndlich akzeptiere ich das. Aber, ganz ehrlich, ‘stundenlang’ haben wir uns noch nie ausgetauscht.

            === schnipp ===
            Also: Bitte alles in Maßen und mit RĂŒcksicht auf verschiedene Stile und Lebenssituationen.
            === schnapp ===
            ACK

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            Dir von Herzen eine schöne und erfĂŒllte Woche!
            === schnapp ===
            Danke, das wĂŒnsche ich dir auch.

          • @ Waschke

            Aus an die 20 Jahren Erfahrung in diversen Foren kann ich dir nur sagen, dass das absolut zuverlĂ€ssigste Mittel darin besteht, einfach nicht zu antworten. Ähnlich wirksam sind Antworten im Stil von ‘gelesen, gelacht’ oder auch ‘nicht satisfaktionsfĂ€hig’.

            Nicht antworten ist gut, wesentlich besser als zu zensurieren, denn andere wollen’s ja vielleicht lesen.
            Aus bald 35jĂ€hriger Erfahrung im Bereich der netzwerkbasierten Kommunikation heraus erlaubt es sich der Schreiber dieser Zeilen aber noch zu ergĂ€nzen, dass “Antworten im Stil von ‘gelesen, gelacht’ oder auch ‘nicht satisfaktionsfĂ€hig'” mies bleiben.

            MFG
            Dr. W

          • @Dr. Webbaer
            === schnipp ===
            Aus bald 35jĂ€hriger Erfahrung im Bereich der netzwerkbasierten Kommunikation heraus erlaubt es sich der Schreiber dieser Zeilen aber noch zu ergĂ€nzen, dass “Antworten im Stil von ‘gelesen, gelacht’ oder auch ‘nicht satisfaktionsfĂ€hig'” mies bleiben.
            === schnapp ===
            ich wĂŒrde ‘fies’ bevorzugen und rĂ€ume ein, dass diese beiden Alternativen noch im unteren Level meiner eristischen Kompetenz anzusiedeln sind.

            Wir sind uns aber vermutlich einig, dass wir anbetrachts des Thread-Titels weeeeeeit OffTopic sind und ich möchte noch sagen, dass ich volles VerstĂ€ndnis dafĂŒr hĂ€tte, falls Michael hier einfach aufrĂ€umen wĂŒrde.

          • @ Waschke:

            Wir sind uns aber vermutlich einig, dass wir anbetrachts des Thread-Titels weeeeeeit OffTopic sind und ich möchte noch sagen, dass ich volles VerstĂ€ndnis dafĂŒr hĂ€tte, falls Michael hier einfach aufrĂ€umen wĂŒrde.

            Begriffe wie ‘AufrĂ€umen’ fĂŒr die Zensurierung kennt das Web eigentlich nicht, das mĂŒssten Sie doch in den letzten 20 Jahren gelernt haben.

            Der Web-Nutzer konsumiert selektiv und auch bspw. per Feedreader, d.h. auch eine Zensurierung erreicht ihn nicht, wenn sie nicht vorab und umfĂ€nglich erfolgt (auf Grund bestimmter Maßgaben, die die KonnektivitĂ€t, oder andere Spezifika der Nachricht betreffen).

            MFG
            Dr. W (der sich nun ausklinkt)

      • „Persönliche Ebene“

        Nur eine kurze Anmerkung dazu: FĂŒr mich ist „Memetiker“ nicht per se ein abwertender Begriff, auch wenn er von Herrn Blume in Bezug auf Dawkins so gebraucht wurde. Ein „Memetiker“ ist, wer Dawkins Mem-Theorie zur ErklĂ€rung einer kulturellen Evolution—in Anlehnung an die biologische Evolution—vertritt.

        Ich verstehe nicht, wie man einerseits sagen kann, dass „Dawkins Memetik empirisch krachend gescheitert ist“ (MB), andererseits aber selbst der Idee einer kulturellen Evolution anhĂ€ngt. Vielleicht ist es ja nur ein scheinbarer Widerspruch, aber das kriegt man nicht raus, wenn man die Diskussion darĂŒber verweigert.

        • @Balanus, es ist okay, etwas nicht zu verstehen. Aber es ist nicht okay, die KlĂ€rung auf der persönlichen Ebene zu suchen. Dass z.B. viele Leute den Unterschied zwischen empirischer Evolutionsforschung und Sozialdarwinismus nicht verstehen (oder nicht verstehen wollen) berechtigt sie noch lange nicht, jeden Evolutionsforschenden als Sozialdarwinisten zu bezeichnen. Klar ist das ein rhetorischer Trick, um den Diskutanten in eine Verteidigungsstellung zu zwingen. Es verzerrt und emotionalisiert aber jede sachliche Diskussion, deswegen lasse ich es nicht mehr stehen. So etwas haben Sie doch eigentlich nicht nötig – zumal ich ja auch Ihre AnonymitĂ€t respektiere.

          Sie hĂ€tten das Thema ja auch ganz ohne persönliches Anrempeln als Frage formulieren können: “Wo sehen Sie, Herr Blume, denn den Unterschied zwischen Memetik und kultureller Evolution?”

          Und dann hĂ€tte ich zum Beispiel antworten können: Weil die “Memetik” insinuiert, 1. dass sich verschiedenste Formen der Kultur in diskrete EntitĂ€ten (“Meme”) aufteilen ließe, 2. dass sich diese EntitĂ€ten analog zu Viren “verhalten” wĂŒrden und 3. beispielsweise religiöse “Memplexe” grundsĂ€tzlich als schĂ€dlich (“Wahn”) vorzuwerten seien. Keine dieser 3 Hypothesen hat sich als empirisch haltbar erwiesen und keine entspricht dem Wissensstand, deswegen gelten “Meme” in der interdisziplinĂ€ren Evolutionsforschung als ebenso gescheitert wie morphogenetische Felder in der Biologie. Kann man diskutieren, kann man als Metapher verwenden, kann man ĂŒberprĂŒfen – aber als anerkannte Wissenschaft sollte man es nicht verkaufen.

          Dabei wĂŒrde ich es aus ZeitgrĂŒnden jetzt wirklich gerne belassen – zumal dieser Thread nicht der richtige Ort dafĂŒr ist und ich Spamming nicht ermutigen möchte. Bei anderer Gelegenheit ergibt sich bestimmt einmal wieder die Gelegenheit zur Wiederaufnahme der Sachdiskussion.

      • 9 Millionen Amische gĂ€be es in 100 Jahren, wenn sich die heute 282000 Amischen weiterhin alle 20 Jahre verdoppeln wĂŒrden.
        In der Wikipedia liest man:

        Zwischen 1992 und 2013 hat die Amische Gemeinschaft sich von 128.000 Angehörigen auf 282.000 mehr als verdoppelt. … Bei der gegenwĂ€rtigen Wachtumsrate wĂŒrde sich die Amische Gemeinschaft alle 18–20 Jahre verdoppeln.

        28Milliarden Muslime gĂ€be es in 100 Jahren, wenn sich die jetzt 1.5 Milliarden wie gerade jetzt um 3% pro Jahr vermehren wĂŒrden.

        Doch die Fruchtbarkeit in den islamischen LĂ€ndern ist in den letzten Jahren deutlich zurĂŒckgegangen, nicht geĂ€ndert hat sie sich aber bei den Amischen und den Haredim. Bei diesen ultrareligiösen Gruppen gehört die grosse Kinderzahl quasi zur Religion. Deshalb könnte es gut sein, dass es in 200 Jahren mehr als 90% Ultrareligiöse gibt.

        • Herr Holzherr, negativ interpretiert sind Ihre aktuellen Nachrichten aggressive Spekulation mit antisemitischem Einschlag, positiv formuliert: Wir brauchen einen Weltraumlift.

  3. Bei den Amish kann ich mir ja noch vorstellen wie die ĂŒberleben, da die ja doch noch etwas bildungsbeflissener und ziemlich arbeitssam sind und auch normale TĂ€tigkeiten ausĂŒben.

    Aber bei den Haredim frage ich mich wie das gehen soll. Eric Kaufmann hat zwar gemeint, dass die in den USA auch ohne staatliche UnterstĂŒtzung auskommen, aber welche Jobs bekommt man mit dem Bildungsniveau eines FĂŒnftklĂ€sslers? Wie kann man von dem Gehalt eines Hilfsarbeiters eine sechs- bis zehn-köpfige Familie ernĂ€hren?

    Mich wĂŒrde interessieren, ob das Buch versucht darauf eine Antwort zu geben. Wird etwa ökonomisch untersucht, in wie weit diese Gruppe ihre geringe ProduktivitĂ€t durch das hohe Bevölkerungswachstum ausgleicht?

    Ich hĂ€tte jetzt naiverweise gedacht, man mĂŒsste den Haredim nur die staatliche UnterstĂŒtzung streichen, dann verhungern die zu grĂ¶ĂŸeren Teilen, und das Problem hĂ€tte sich erledigt.

  4. Wie Sie sich sicher vorstellen können, war das sciebook ĂŒber die Haredim das bislang zeitlich umfassendste und thematisch anspruchsvollste Buchprojekt meiner religionswissenschaftlichen sciebooks-Sachbuchreihe.

    Das kann sich Ihr Frenemy mittlerweile, nach einer vglw. langen Recherche zu diesem Thema, vorstellen.
    Zweifellos ein sehr interessanter Topic, historisch und auch die Ideen betreffend, so scheint es nicht typisch zu sein, dass fortlaufend die Thora studiert wird vom mĂ€nnlichen Personal, interessant deshalb u.a. auch die Versorgungslage – und die Thora.

    MFG
    Dr. W

    • Theologisch stellen sich bspw. Fragen nach dem Arbeiten an sich, denn die Zehn Gebote (die im Judentum nicht zentral sind) regen an an nur einem Tag nicht zu arbeiten, oder nach dem Urbach-Machen der Erde, die per Arbeit erfolgt oder die Versorgungsfrage, die nicht dadurch erledigt werden kann, dass andere (GlaubensbrĂŒder) zahlen, denn wie sollen die sich finanzieren?

  5. @Anonymer Atheist

    Bei den Haredim gibt es kein Verbot wirtschaftlicher Arbeit – das Thorastudium gilt nur als segensreicher. Frauen arbeiten sogar sehr hĂ€ufig. ZuschĂŒsse wie Spenden und Sozialleistungen können also in zusĂ€tzliche Lehrjahre und (noch) grĂ¶ĂŸere Familien umgesetzt werden, sind aber fĂŒr den Bestand der haredischen Gemeinschaften nicht zwingend notwendig. Man beachte auch ihre Entstehung in Osteuropa, wo ihnen die Staaten vor allem Feindschaft entgegen brachten.

    @WebbÀr

    Ja, fast dreitausend Jahre Religionsgeschichte waren schon ein anderes Kaliber als die jĂŒngeren Traditionen. Wobei auch auffĂ€llig war, dass die Regelungsdichte viel höher und entwickelter war, so dass zu ĂŒberlegen wĂ€re, ob Religionen evolutionĂ€r “reifen”…

    • Wie hoch ist den das Durchschnittseinkommen der Haredim ohne Sozialleistungen und welchen Anteil machen Sozialleistungen am Einkommen aus?

    • Sie sagen es.
      Der Schreiber dieser Zeilen hat hier aber keine besonderen Kenntnis, auch deshalb nicht, weil sie bisher nicht notwendig schien. [1] Das Thema an sich ist aber hochinteressant, danke fĂŒr Ihre Arbeit.

      MFG
      Dr. W

      [1] ganz anders bspw. als bei der zurzeit hochaktuellen Religion; dort wÀre Ihr Kommentatorenfreund fast schon Mullah, zumindest verglichen mit dem allgemein vorliegen zu scheinenden Kenntnisstand

  6. Sehr geehrter Herr Blume,
    ich möchte mich der Frage von “anonymer Atheist” vom 27.12., 11.51 Uhr anschließen. Ich habe natĂŒrlich VerstĂ€ndnis dafĂŒr, dass Sie Ihr Buch verkaufen und nicht im Blog dazu Stellung nehmen wollen. Deshalb wĂ€re ich Ihnen dankbar, wenn Sie zumindest sagen könnten ob entsprechende Daten in Ihrem Buch nachzulesen sind.
    WĂŒnsche einen guten Beschluß
    Dagmar

    • Sehr geehrte Frau Dagmar P…,

      vielen Dank fĂŒr Ihre Nachfrage. An sich habe ich selbstverstĂ€ndlich nichts gegen wiederholte Anfragen von Kommentatoren – allerdings sollten dann Ton und Inhalt schon angemessen sein, schließlich blogge ich rein ehrenamtlich und lasse mich entsprechend ungerne herum kommandieren. Und die o.g. Nachfrage lĂ€sst mich auch inhaltlich ratlos zurĂŒck – denn selbstverstĂ€ndlich ist es völlig unmöglich, pauschale Aussagen ĂŒber EinkommensverhĂ€ltnisse “der Haredim” von Jerusalem bis New York und von Kapstadt bis Berlin zu machen. So lehnen beispielsweise die Satmar-Haredim den Staat Israel einschließlich dessen Sozialleistungen ab, wogegen viele Chabad-Rabbinerfamilien weltweit als Gemeinderabbiner in nicht-haredischen Gemeinden arbeiten. Die Einstellungen zur Arbeit und der Anteil an WerktĂ€tigen unterscheiden sich sogar innerhalb der einzelnen Strömungen oft von Gemeinde zu Gemeinde (z.B. je nach den wirtschaftlichen Gegebenheiten und lokalen Rabbinern vor Ort)!

      Meine Aufgabe als Blogger und Buchautor sehe ich darin, diese reale und sich dynamisch entwickelnde Vielfalt fĂŒr wirklich Interessierte sichtbar zu machen – gerade auch, damit ein besseres VerstĂ€ndnis jenseits von Klischees möglich wird. Dann können auch vertiefende Nachfragen hilfreich sein. Aber mit pauschalen Aussagen ĂŒber “das Durchschnittseinkommen der Haredim” kann und will ich nicht dienen (und glaube, dass das auch kein seriöser Forscher könnte).

  7. Sehr geehrter Herr Blume,
    es tut mir leid, wenn Sie sich durch die Nachfrage belĂ€stigt gefĂŒhlt haben.
    Ich hatte ĂŒberlegt ob ich Ihr Buch kaufen soll, da ich vor vielen Jahren einmal eine ausgezeichnete Vorlesung zum Thema JĂŒdische Volkskunde gehört hatte. Mich hatte eigentlich interessiert, ob Sie nur ĂŒber Kultur und Religion berichten oder auch ökonomische und politische Aspekte untersuchen.
    Danke, dass Sie sich die Zeit genommen haben fĂŒr eine Antwort, auch wenn Sie meine Frage anscheinend als Provokation aufgefasst haben.
    Ich werde kĂŒnftig von Kommentaren hier Abstand nehmen, da ich wohl nicht in der Lage bin mich unmißverstĂ€ndlich auszudrĂŒcken.

    • Sehr geehrte Frau P…,

      danke fĂŒr Ihre RĂŒckmeldung. Der Kommunikationsfehler lag aber eindeutig bei mir; denn ich meinte selbstverstĂ€ndlich nicht Ihre Nachfrage, sondern die vom “anonymen Atheisten”. Auf Ihre hatte ich ja prompt geantwortet, weil ganz und gar nichts daran auszusetzen war und ist. 🙂

      Die TĂŒcken der Online-Kommunikation…

      Ihnen auf jeden Fall alles Gute, einen guden Rosch und ein erfreuliches 2014!

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