Paten beim Robert-Mayer-Gymnasium Heilbronn bei Schule ohne Rassismus – Schule für Courage

Die gutgelaunte Schülergruppe des Robert-Mayer-Gymnasiums (RMG) Heilbronn strahlt mit der Sonne auf dem Stuttgarter Schlossplatz um die Wette. Es sind Aktive, die im Rahmen von “Schule als Staat” ihr zeitweises “Robimania” gegründet haben. Zudem haben sie ihr naturwissenschaftlich orientiertes Gymnasium für die Aktion “Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage” zertifiziert und ihre Lehrerin Anita Bendel – eine ehemalige Studentin von mir in Tübingen – gebeten, bei Zehra und mir wegen einer Patenschaft anzufragen. Es ist eine lebendige Truppe mit vielen interessanten Leuten und Aylin (10. Klasse) übernimmt die Sprecherinnenrolle:

“Wir haben natürlich zu Ihnen recherchiert. Uns interessiert, wie Sie beide als Christ und Muslimin das Miteinander der Kulturen und Religionen im Alltag hinkriegen. Sie sehen ja, wir haben selbst ganz unterschiedliche Hintergründe, das Thema betrifft viele von uns nicht nur theoretisch. Ach ja, und wir wollten Sie fragen, ob Sie auch eine Lesung Ihres neuen Islam-Buches an unserer Schule machen würden!?”

Die Chemie stimmt sofort, das RMG und seine Schülerschaft überzeugen, Anita kann ich ohnehin nichts abschlagen und in Heilbronn haben wir auch sehr gute Freunde. Also sagen wir zu und sind seit letzter Woche also Paten (ein SWR-Interview von Alice Robra mit uns dazu hier).

Foto (privat) zur Patenschaft, Zehra und Michael Blume.

Leider ist Zehra am Abend der Urkundenverleihung dienstlich unterwegs, so dass ich den Termin alleine wahrnehmen muss. Aber was heißt alleine – ich hatte dem RMG vorgeschlagen, die geniale, deutsch-türkisch-kurdische Band Rahi aus Heilbronn einzuladen. Und es klappt – Hiser, Rager und Don erobern die Festhalle Harmonie in Heilbronn im Sturm.

Muss man gehört und gesehen haben: Die Band “Rahi” aus Heilbronn Foto: Michael Blume

In meiner Rede an diesem Abend fasse ich mich kurz. Ich betone, dass meines Erachtens Vorurteile zu haben und Fremdenangst zu empfinden Teil der menschlichen, evolvierten Natur ist – mir ist niemand bekannt, der keine habe, mich selbst eingeschlossen. Es komme also nicht darauf an, die eigenen Gefühle zu leugnen oder zu unterdrücken – sondern den Mut zu haben, sie immer wieder in Frage zu stellen: Auf die und den Anderen zuzugehen, neugierig zu bleiben und bereit sein, Grenzen zu überwinden – aber auch, sie wo nötig zu ziehen, sich beispielsweise als Frau nicht abwerten zu lassen. Migranten, Muslime, Juden, Roma und Sinti und auch Flüchtlinge seien keine schlechteren, aber eben auch keine besseren Menschen als andere – und es gelte, immer wieder der und dem Einzelnen gerecht zu werden, statt pauschal über Menschengruppen zu urteilen. Als Heranwachsende im Deutschland des 21. Jahrhunderts hätten sie bereits den Vorteil, von klein auf mehr Vielfalt kennenzulernen als jede Generation vor ihnen. Doch neben allen Chancen – die sich bei vielen auch in der Liebe entfalten werde – wären damit auch Herausforderungen verbunden: Vorurteile, Menschenverachtung und Extremismus würden von allen Seiten und in immer wieder auch neuen Formen auftreten. Daher wollten Zehra und ich gerade auch den zweiten Aspekt von “Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage” betonen.

Als Motto für unsere Patenschaft hatten wir formuliert:

Wir unterstützen Eure Schule, weil wir Schülerinnen und Schüler ermutigen wollen, Freundschaft und Liebe zu wagen und Brücken zu bauen.

“Gleich geht es los”-Foto von Hiser Sedik. Mit freundlicher Genehmigung

Natürlich reizen mich die Fragen rund um die Patenschaft dazu, nochmal wissenschaftlich zu dem Themenkreis Rassismus und Vorurteile zu arbeiten. Die Schülerinnen und Schüler habe ich zudem gebeten, einmal mit ihnen zum Thema “Hass im Internet” tagen und ihre Erfahrungen und Einschätzungen kennenlernen zu dürfen. Und klar werden Zehra und ich einmal gerne zum Erzählen an die Schule kommen, auch auf die Buchlesung und Diskussion zu “Islam in der Krise” freue mich schon jetzt.

Mit Dank an alle, die mitgewirkt haben und weiter mitmachen! 🙂

(Und zum Abschluss ein Video aus Dresden…)

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft und spezialisierte sich auf die Hirn- und Evolutionsforschung. Buchautor, Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger und christlich-islamischer Familienvater. Hat auch manches erlebt und überlebt...

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Aus den Bahá’í-Schriften:

    Die Menschheit kann mit einem großen Garten verglichen werden, in dem Blumen aller Formen, Farben und Düfte nebeneinander wachsen. Der Reiz und die Schönheit des Gartens liegen in seiner Vielfalt. Wir sollten Unterschieden in äußeren Merkmalen, unserem Temperament, unserer Herkunft, unseren Gedanken und Meinungen nicht gestatten zu Konflikt und Auseinandersetzung zu führen.

    “Betrachtet einander nicht als Fremde. Ihr seid die Früchte eines Baumes, die Blätter eines Zweiges”.

  2. Die Banner, die auf der Bühne hingen, habe ich gestaltet! Also zumindest die Schriftzüge und Anne Frank komplett. Das hat Spaß gemacht, nur leider schade, dass die Schule mich ansonsten so komplett ausgeschlossen hat. Ich bin das Projekt bereits viel früher angegangen, wurde aber immer aufgehalten und jetzt waren plötzlich alle so begeistert davon. Naja, die Auszeichnung hat das wunderbare Elitegymnasium jetzt ja, also ist die Hauptsache eigentlich erreicht. Wenigstens konnte ich dann künstlerisch ein bisschen mitwirken haha

    • Liebe @Daria,

      von mir her kann ich sagen, dass die Banner stark und eindrucksvoll gewirkt haben und die beteiligten Schülerinnen und Schüler sich auch stark mit ihnen identifizierten.

      Ihnen herzlichen Dank und Respekt für Ihren wichtigen, künstlerischen Beitrag!

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