Überstehen die liberalen Demokratien die Paranoia aus dem Netz? Ein Artikel zu Wahn und Wirklichkeit in der österreichischen Furche

Nachdem Donald Trump die Mehrheit der „US-Wahlmänner“ errungen hatte – die relative Mehrheit der US-Wählerinnen und Wähler errang trotz aller Fehler Hillary Clinton -, postete eine Facebook-Freundin wortlos meinen fünf Jahren alten scilogs-Blogpost zum webgrown Extremismus und Hass im Netz. Und tatsächlich haben sich viele der schon damals geäußerten Befürchtungen bestätigt, teilweise wurden sie übertroffen. Längst lassen Neo-Autoritäre wie Putin (Russland), Erdogan (Türkei), Assad (Syrien), Orban (Ungarn), Kazcynski (Polen), Beppe Grillo (Italien) und eben Trump (USA) über das Internet Heerscharen bezahlter Trolle, verzerrender Social Bots und Fake-News-Webseiten auf die Institutionen der liberalen Demokratien wie Parteien, Medien, Gerichte und Wissenschaften los – die sich erst langsam auf diese neuen Bedrohungen von Freiheit und Rechtsstaatlichkeit einstellen. Auch für die kommende Bundestagswahl 2017 ist mit massiven Cyber-Angriffen und Propagandaaktionen zu rechnen. Immerhin sieht es nach den ersten Hochrechnungen so aus, als ob sich Österreich heute gegen den neo-autoritären Kandidaten Norbert Hofer (FPÖ) entschieden habe.

Als eine Anfrage der österreichischen Wochenzeitschrift „Die Furche“ bei mir ankam, über den sich ausbreitenden Verschwörungsglauben zu schreiben, hatte ich mich sehr gefreut. Der Artikel war noch vor dem Wahlsieg Trumps fertig geschrieben und erschien am 17.11.2016. Nun hoffe ich nur noch, dass nicht in ein paar Jahren wieder jemand wortlos den Artikel teilt, weil sich die Befürchtungen erneut bewahrheitet haben. Ja, vielerorts „schläft die Vernunft“, doch vielleicht gelingt es uns ja, sie bei mehr Menschen wieder aufzuwecken…

schlafdervernunftverschwoerungsideologienblumefurche2016Den ganzen Artikel als pdf einfach per Klick

Mit herzlichen Glückwünschen an Alexander van der Bellen und das österreichische Volk – besonders an „Gertrude“ -, das den Strategen der Paranoia widerstanden hat!

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft und spezialisierte sich auf die Hirn- und Evolutionsforschung. Buchautor, Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger und christlich-islamischer Familienvater. Hat auch manches erlebt und überlebt...

25 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich glaube nicht dass die Vernunft schläft. Sie kommt einfach den technischen Möglichkeiten nicht hinterher. Das Anwendungsdenken hat einen Riesenvorsprung vor Orientierungsdenken. Beispiel: https://www.youtube.com/watch?v=n8Dd5aVXLCc (Tips: Video gelegentlich anhalten und den Hintergrund lesen. Auf die letzten Sätze achten.)
    Ich werde in den Feiertagen nochmal die Matrix-Trilogie gucken und v.a. Sekundärliteratur dazu ergoogeln.

    • Dem stimme ich zu, @Ohje – und Danke auch für den Link! Die neuen Medien überwältigen zunächst unsere biologisch und kulturell gewachsenen Verarbeitungs- und Diskussionsprozesse. Einerseits habe ich die Hoffnung, dass wir die neue Technologie schneller in den Griff bekommen als damals beim Buchdruck – andererseits schießen derzeit ja auch jährlich neue Anwendungen in die Kultur. Kampagnen und Wahlkampf per Big Data, kombiniert noch mit Trollfabriken, Social Bots und Fake-News-Seiten stellen ein neues Arsenal für Populisten bereit, auf das unsere Parteien, Medien und Staaten nicht vorbereitet waren und sind.

      „Matrix“ schaue ich mir morgen Abend nochmal mit den Studierenden eines Seminars und einem befreundeten Psychologie-Professor an. Auf die Diskussionen freue ich mich schon jetzt! 🙂

      • Der Buchdruck hat den gemeinen Pöbel die Möglichkeit gegeben, auch zu lesen. Und was hatte er zu lesen? Zunächst Werke, die irgendwie von der Obrigkeit für ihn bestimmt wurden. Richtig ist, der klassische Bildungskanon widersprach der Obrigkeit hier und dort, aber generell nicht.
        Neben der offiziellen geschichte der Bücher gibt es eine inoffizielle, die aus verbotenen Schriften und anonymen Werken besteht und die die geistesgeschichte unmerklich beeinflusst haben. Man sieht nur die Wirkung, nicht aber die Ursache.
        https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=De_tribus_impostoribus&oldid=158446013

        Wenn das Internet etwas zutage fördert, dann die Leichtgläubigkeit der Leute. Die gab es schon vor dem Internet. Und es wäre seltsam, wenn sie damals nicht genutzt worden wäre.

    • Die Matrix-Filme erklären uns weiter nix, als die Existenz der Idee, die Welt retten zu können/ und den Glauben daran, es tun zu müssen und uns deshalb gemäß Platons „Höhlengleichnis“ entweder weiterhin die Schatten an der Wand anzusehen, oder die Pille zu schlucken, die uns die Wahrheit über die Schatten an der Höhlenwand verfügbar machen können soll.

      Das Problem hast du zumindest im Ansatz ja schon erkannt, weshalb du dir die Matrix-Filme ersparen könntest.

      Oder hab ich was in den Filmen übersehen? Sags mir.

  2. @ M.Blume und sein Text (Zitat):

    „……Längst lassen Neo-Autoritäre wie Putin (Russland), Erdogan (Türkei), Assad (Syrien), Orban (Ungarn), Kazcynski (Polen), Beppe Grillo (Italien) und eben Trump (USA) über das Internet Heerscharen bezahlter Trolle, verzerrender Social Bots und Fake-News-Webseiten auf die Institutionen der liberalen Demokratien wie Parteien, Medien, Gerichte und Wissenschaften los – die sich erst langsam auf diese neuen Bedrohungen von Freiheit und Rechtsstaatlichkeit einstellen….“
    (Zitatende)

    Erregt es nicht auch Ihre wissenschaftliche Neugier, welchem Zufall es zu verdanken ist, dass all diese Internet- Verschwörungen (fast) ausschließlich vom Lager Ihrer (vermutlichen) politischen „Gegner“ auszugehen scheinen?

    • Das ist nun wahrlich nicht schwer zu entschlüsseln, @L.Schaber! Diese Methode der „hybriden Kriegsführung“ wurde vom Ex-Geheimdienstler Putin in Auftrag gegeben und zunehmend erfolgreich angewandt, schließlich immer mehr verbündeten Rechtspopulisten angeboten. Bekannt ist das alles schon länger…
      https://www.welt.de/politik/ausland/article155772105/Hip-jung-und-gewissenlos-das-sind-Putins-Trolle.html

      …und jede(r) kann sich auch denken, woher etwa der Front National und die AfD ihre Wahlkampfunterstützungen erhalten – und sich jeweils mit Pro-Putin-Positionen „bedanken“.

      Die spannende Frage ist nun, ob die liberalen Demokratien diese hybride Kriegsführung nur aufklären und abwehren, oder mit ähnlichen Arsenalen zurückschlagen sollen. Meines Erachtens haben wir in der Vergangenheit den Feinden der Freiheit viel zu viel Raum und Toleranz gelassen. Andererseits sind rechtspopulistische Systeme in sich instabil und fahren vor allem die Wirtschaften ihrer Länder mit Karacho gegen die Wand (vgl. Russland und Türkei, bald ggf. USA). Insofern setze ich auf entschlossene, aber auch besonnene Reaktionen. Unsere rechtsstaatlichen Demokratien sind es (bei all ihren Schwächen und allem Reformbedarf) wert!

      • Hat Putin auch die kuwaitischen Brutkästen erfunden? 😉

        Propaganda und PR werden doch schon lange wissenschaftlich betrieben, man sollte sich also hüten sich in diesem Bereich polarisieren zu lassen.

        en.wikipedia.org/wiki/Edward_Bernays

        Fragen Sie sich doch mal, als jemand der noch im kalten Krieg gedient hat, inwiefern die damalige Indoktrinierung da heute noch in Ihnen nachwirkt.

        „Die Bundeswehr kennt kein Feindbild, graben Sie sich nach Osten ein!“ 🙂

        • Oh ja, @Oliver Dietzel – Propaganda gab es schon immer und früher sprach man z.B. von der „Soft Power“ westlicher Kulturprodukte, während sich der Ostblock umgekehrt seine Gläubigen auch im Westen pflegte.

          Allerdings ist es m.E. unzulässig, aus der Beobachtung, dass es das auch früher gab, zu schließen, dass 1. autoritäre Diktaturen genau so gut wie rechtsstaatliche Demokratien seien und 2. aktive Ein- und Angriffe etwa in Wahlen einfach hinzunehmen seien.

          Ich überlege schon seit einer Weile, ob ich mal über die Relativismus-Warnungen der Päpste bloggen sollte… 😉

          • Ich komme selbst aus der liberal-konservativen Ecke (ex FDPler), habe selbst noch 1986-88 im kalten Krieg in der BW gedient und habe mich auch nur langsam von alten Konditionierungen emanzipiert. 🙂

            Versuchen Sie es einfach mal:

            http://www.nationmaster.com/country-info/compare/Russia/United-States/Government

            Und jetzt stellen wir uns mal kurz vor die Russen hätten in Mexico einem Aufstand der „Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung“ zum Sieg verholfen, der nach Californien und Texas hätte überschwappen können…

            Hätten wir dann für ein Eingreifen der USA in Mexico Verständnis gezeigt? 😉

          • Lieber @Oliver Dietzel,

            tja, dann sind Sie also nun in den Dunstkreis autoritärer Politikmodelle geraten – und haben „vergleichend“ festgestellt, dass Demokratie und Diktatur doch irgendwie dasselbe wären. Wie ja auch Maus und Elefant gemeinsam Säugetiere sind…

            Darf ich Sie – aus ehrlichem Interesse – bei der Gelegenheit fragen, was genau Sie an Putin so fasziniert?

      • @ Michael Blume
        4. Dezember 2016 @ 20:04

        -> Man kann Putin kaum dafür verurteilen, dass er das gleiche macht, wie der Westen. Also Medienpropaganda. Welcher Propaganda man nun glaubt, ist eine andere Sache. Und sie, Herr Blume, sind da eindeutigst zu verorten, obwohl das nur für sie und ihres Gleichen gilt. Gemeint seien Menschen, die hochintegriert und erfolgreich sind. Was aber ist mit denen, die von der Gesellschaft ausgestoßen wurden? Und je mehr ausgestoßene eine Gesellschaft produziert, desto mehr werden die Anhänger autoritärer Ideologien. Und damit steigt auch die Anzahl derer, die an der Wahlurne eben „oppositionel“ wählen – hier eben Rechts und so.

        Es ist also nicht ausreichend, im Glauben an die freiheitliche, liberale Gesellschaft dieselbe als Alternativlos darzustellen, wenn nicht gleichzeitig etwas gegen die Spaltung der Gesellschaften getan wird – etwas, dass auch erfolg hat. Und die Spaltung betreiben auch sie, wenn sie eben „nur“ das Ideal beschwören und aufgrund eigener Ausgrenzungsefahrungen zu „Andersdenkenden“ gewordene damit ausgrenzen und marginalisieren, weil sie eben Dunkeldeutsche sind und ihre geliebte Freiheit schlecht machen, weil für diese Leute diese Freiheit gar nicht gilt – auf so vielen Ebenen nicht – und sie können sich das gar nicht vorstellen, wie das von diesen Leuten gesehen wird, weil sie priviligiert sind und ein Gewinner in diesen „Freiheiten“ sind.

        Sie müssen sich (und alle anderen auch) mehr dazu einfallen lassen.

        Ich schätze Russland übrigens als ein freies Land ein. Jeder kann gehen (ins Ausland oder wo immer er hin will). Zu erkennen daran, dass wir hier auch viele Russen zu Mitmenschen haben in Deutschland. Ansonsten mag man zuweilen an dieser Freiheit zweifeln. Das tu ich auch an so manchen Verhältnissen hier im „Westen“. Und nicht zu unrecht. Während in Russland derzeit eine Leitkultur erzwungen wird (zugegeben), wird sie hier, weil sie hier über lange Zeit entstanden ist, als ein Ideal angesehen und deren verteidigung „mit allen Mitteln“ betrieben. Das aber eine etablierte Leitkultur letztlich auch ein enrom mächtiger Zwang und Gewalt sei, müssen sie sich auch mal vergegenwärtigen.

        Aber letztlich geht es in beiden Hemisphären nur um die intrinsische Stabilität. Denn was jüngst in der Ukraione gelaufen ist, war eben ein imperialistischer „Übernahmeversuch“ und der ist erwartbar nicht gerne gesehen gewesen – etwa von Russland oder auch der damals amtierenden Regierung der Ukraine. Der „Westen“ glaubt, er täte sich in der Sache in Unschuld sulen können, weil ja die Ukrainer selbst zur Revolution angetreten seien. Aber so einfach ist es nicht. Es geht hier um eine Deutungshoheit, die auf globaler Ebene wirksam ist und die absolut keine Rücksicht nimmt auf Staaten und Kulturen und Nationale Eigenarten und interessen. Das muß man sich wirklich vorwerfen lassen und darüber nachdenken.
        Wenn man das Problem nämlich auf neurologischer Ebene betrachtet, dann besteht diese „Freiheit“ nämlich nicht. Und daher hat Putin sozusagen jedes Recht auf seiner Seite, Russlands Interessen auch mit Gewalt durchzusetzen.

        In diesem Sinne stimmt auch ihre Erklärung nicht, dass freiheitliche, liberale Gesellschaften stabiler sind, als autoritäre. Das ist eine extrem naive Sichtweise. Es gibt tausend andere Vorteile und gute Eigenschaften solcher GEsellschaften, aber „Stabilität“ gehört nur dazu, wenn sie gleichzeitig bereit sind, ein extrem wirksames aber/weil unsichtbares Unterdrückungssystem in Kauf zu nehmen, was aber allen guten Vorsätzen und Zielsetzungen widerspricht. So gesehen genügt der „Gutmensch“ seinen eigenen Anforderungen nicht. Er tut es subjektiv aber, weil er es nicht besser weiß. Die Wahrheit ist nämlich, dass „Unterdrückung“ entweder extrinsisch oder intrinsisch geschehen „muß“. Ohne geht es nicht. Und wir im Westen werden hauptsächlich intrinsisch unterdrückt. In Russland extrinsisch – wie man derzeit hört, weil man nachhaltig und mit physischer Gewalt gegen „Landesverräter“ vorgeht.

        Was meinen sie, warum die Gesellschaften in Nordafrika und Vorderasien nur durch latenter extrinsischer Gewalt stabil zu erhalten sind? Ja, weil sie patriachal organisiert sind. Daraus zu schliessen, matriachal organisierte Gesellschaften besser organisierte Gesellschaften seien, weil sie gewaltfreier sind, ist eben naiv und …. entspringt allein einer ästhetischen Erwägung (weil Gewalt eben so hässlich aussieht und wehtut). Ich plädiere nicht für Gewaltherrschaft. Aber ich sehe viele Probleme, die andere nicht in der westlichen Leitkultur erkennen können. Und die Probleme entkräften und unterwandern das Gewaltfreiheitsideal erheblich.

        • Lieber @Chris,

          danke für den Einblick in Ihr Denken.

          Lassen Sie mich nur die wichtigsten Ihrer Widersprüche aufzeigen – in der vagen Hoffnung, dass Sie oder andere Mit-Lesende Argumenten Ihre Aufmerksamkeit schenken.

          1. Ich habe liberale Demokratien keineswegs als „alternativlos“ dargestellt, sondern – ganz im Gegenteil! – darauf hingewiesen, wie wertvoll und zerbrechlich diese Regierungsform ist. Sie selbst sind es, der so tut, als gebe es zwischen einer Demokratie und einer Demokratie keine „echten“ Unterschiede. Doch – es gibt Alternativen. Deutsche konnten anstatt demokratischer Parteien wie Zentrum oder SPD auch die NSDAP wählen und heute haben sie die Wahl zwischen demokratischen Parteien wie der CDU oder den Grünen einerseits und autoritären Parteien wie den Linken oder der AfD. Nur sollten sie dann auch bereit sein, die Folgen ihrer Wahlen zu tragen – wie es auch Russland, die Türkei und bald auch die USA erleben…

          2. Ja, jede menschliche Gesellschaft organisiert sich auch über Einschränkungen – wie jeder Mensch weiß, der selbst Kinder aufzuziehen hat. Wenn Sie aber über ein westliches, „unsichtbares Unterdrückungssystem“ schwadronieren, dann haben Sie den Unterschied zwischen einem rechtsstaatlichen und willkürlichen System nicht einmal im Ansatz verstanden. Wenn Sie sich z.B. daran stören, den Holocaust nicht leugnen zu dürfen, zum Impfen aufgerufen zu werden oder in politischen Diskussionen Umgangsformen zu wahren, so steht es Ihnen frei, Ihr Unbehagen darüber auszudrücken und Diskussionen darüber zu führen. Wenn Sie es dagegen wagen, die Einschränkungen beispielsweise der Pressefreiheit in der Türkei, in Russland oder China offen zu thematisieren, droht Ihnen konkrete Gewalt. (Aber das finden Sie ja nicht so schlimm, den laut Ihrem eigenen Beitrag entspringt das Gewaltmonopol des Rechtsstaates ja „allein einer ästhetischen Erwägung (weil Gewalt eben so hässlich aussieht und wehtut).“…

          3. Sind liberale Demokratien perfekt? Nein, das können sie nie sein, weil auch wir Menschen nicht perfekt sind. Aber gerade die „Armen“ und „Ausgeschlossenen“ sind es, die in autoritären Systemen und der folgenden Gewalt, den Terror- und Wirtschaftskrisen am meisten leiden! In Putins Russland und Erdogans Türkei verarmen und sterben die einfachen Menschen – während sich regimetreue Oligarchen und korrupte Funktionäre bereichern. Und glauben Sie ernsthaft, dass Trumps „Kabinett der Milliardäre“, zusammengestellt aus knallharten Wirtschaftsbossen und Wahlkampfspendern, eine bessere Politik für Amerikas „arme Leute“ bewirken wird? Populisten lieben ihre Völker nicht, sie benutzen sie.

          Und damit kommen wir zum letzten Punkt:

          4. Gerade auch aus wissenschaftlicher Sicht entscheidend ist am Ende stets das beobachtbare Verhalten. Und dieses war und ist eindeutig: Wenn Menschen können, ziehen und fliehen sie in großer Zahl aus den autoritären Regimen in die auch wirtschaftlich aufstrebenden, liberalen Demokratien. Sicher gab und gibt es auch Deutsche, die ihr Glück in der ehemaligen DDR oder heute in Russland oder der Türkei such(t)en. Doch viel, viel mehr Menschen wählten und wählen den anderen Weg – den in die freiheitlichen, liberalen Gesellschaften. (Und diese Angst vor Zuwandernden machen sich dann wiederum einheimische Rechtspopulisten zunutze…)

          Ihr trolliger Kommentar hat mich dazu motiviert, einen Facebook-Post für diesen Blog fruchtbar zu machen:
          http://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/liebe-putinisten-liebe-erdoganisten-hilft-euch-humor/

          Ihnen von Herzen alles Gute – vielleicht nutzen Sie ja die Chance, in ein autoritäres Land Ihrer Wahl auszuwandern und die von Ihnen vertretene „Gleichwertigkeit“ der Lebenswelten auszuprobieren? Oder aber, Sie denken einfach noch mal ein wenig nach…

          • Ich habe versucht auf ihren neuesten Beitrag zu antworten. Aber das ging nicht – der Kommentar wurde nicht online gestellt.

            Dann macht es auch keinen Sinn, sich hier gütlich zu bemühen. Zudem mir gerade wieder der Antworttext gelöscht wurde – von Extern wahrscheinlich. Wo sie doch so viel von Willkür faselten, die es hier nicht gäbe! Selbstverständlich gibt es die hier. Nur eben nicht so ehrlich offensichtlich, sondern immer schön unsichtbar.

            Ihr ganzer Text oben ist eine Ansammlung ihrer Ideologiekunst und Glaubensbekenntnis. Das können sie natürlich machen, sie sind hier ja so frei. Ich nur nicht. Weil ich eine Art Störfaktor bin, den man nicht erlauben kann, Einfluß auszuüben. Man lernt eben doch aus der Misere, wenn es wegen erheblicher Verwerfungen in der Bevölkerung (durch Naturkatastrophen oder Atom-Unfälle) dazu kommt, dass eine ganze Bevölkerung wie 1933 die Diktatur wählt. Das darf nie wieder passieren, weswegen man dazu auch alle Mittel verwendet – genau wie in Russland oder China oder auch Syrien und sonstwo.

          • Oh Mann, @Chris – seit einigen Jahren moderiere ich diesen Blog, schalte also Kommentare frei. Dass Sie das nicht durchhalten, ohne emotional und ausfallend zu werden… 🙂

            Lassen Sie es sich erklären: Sie sind hier Gast auf meinem Blog und haben damit keinerlei Ansprüche daran, ob und wann ich Ihre Texte veröffentliche. Auch das FAZ oder die „Junge Freiheit“ müssen nicht alles publizieren, was ihnen unverlangt zugesandt wird. „Meinungsfreiheit“ bedeutet, dass Sie sich eigene Medien suchen oder aufbauen können – aber nicht, dass Sie ein Recht darauf hätten, überall unwidersprochen zu texten. Trösten Sie sich: Bei Putin und Erdogan wäre es noch deutlich restriktiver! 😉

            Ihnen alles Gute!

  3. Der Link interessierte? Dann ist hier mehr zur eingesetzten Methode:
    https://www.dasmagazin.ch/2016/12/03/ich-habe-nur-gezeigt-dass-es-die-bombe-gibt/
    Für tiefergehendes Verständnis des Datenhandels und seiner Schattenseiten siehe die entsprechenden Kapitel in „Future Crimes“ von Goodman (https://www.amazon.com/Future-Crimes-Digital-Underground-Connected/dp/0804171459; literarisch nicht sehr anspruchsvoll, aber ein technisch tiefer und breiter Überblick.)

    Und vergessen Sie den manipulierenden Zugriff auf das Unbewußte nicht:
    https://nypost.com/2016/09/10/the-persuasion-tactics-trump-and-clinton-are-using-to-manipulate-voters/ und http://www.slate.com/articles/news_and_politics/politics/2016/09/dilbert_creator_scott_adams_gets_trump_like_no_one_else.html

  4. Zitat:
    „Nein, erklärte der früher Drogenabhängige dem Richter, den islamischen Anwerbern sei es „natürlich“ nicht gelungen, ihn von
    der Existenz Gottes zu überzeugen. Doch dann hätten sie ihm Internetvideos über eine weltweite Verschwörung der Illuminaten gezeigt. Das habe ihn von der Existenz des Teufels überzeugt. Und er habe daraus gefolgert, „dass es auch einen Gott geben muss.““

    -> So funktioniert also der Lockruf der Funamentalisten? Oder der Einstieg in den religiösen Glauben?

    Wenn ich zurückschaue, war das bei mir in der Systematik nicht ganz so, wie dort beschrieben. Nur die Idee einer Verschwörung reichte dazu nicht aus.

    Ansonsten bin ich aber der Meinung, dass die Entstehung von Verschwörungstheorien eine Art intuitive Wahrheit aufzeigt. Diese aber weder in den richtigen Kontext, noch mit den richtigen Worten beschrieben werden kann. Eben weil Geheimhaltung tatsächlich funktionieren kann und nicht, wie manche meinen, dass es heute sicher keine Geheimnisse auf Dauer geben kann, weil die Welt ja frei in ihrer Meinungsäußerung sei. Oder etwa, weil niemals immer alle „dichthalten“ würden.
    Ausserdem: Oft genug tun Menschen ihr Alltagswerk und sind dann aus anderer Perapektive schlicht schon Verschwörer. Demnach sind auch legale Tätigkeiten schon in Gefahr, als Verschwörungen zu gelten. Vielleicht, wenn Alltagstätigkeiten solcher Verschwörer etwa über alle Maßen „erfolgreich“ sind? So ist der Kapitalismus/Neoliberalismus eine Art „Verschwörung“ gegen einen Sozialismus oder Kommunismus gewesen – oder umgekehrt.

    Am originellsten finde ich die These, dass Gott selbst ja Ursache der verschwörungen sei – gar selbst die Verschwörung ist – zumindest, wenn man Eingangsbedingungen zurgunde legt. Die Feststellung, dass es Gott gäbe zumindest eine erste Einsicht sei, die dann aber noch weiterentwickelt werden muß, um die weiteren „Verschwörungen“ in dieser Welt also verstehen zu können und um sie damit auch zu unterbinden.

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  6. demolog,
    Verschwörungstheorien…., man kann es auch einfach nur dialektisches Denken nennen.
    Zu jeder Weltanschaung gibt es immer eine, die derjenigen entgegengesetzt ist.
    Wir denken nun mal in Gegensätzen. Diejenigen, die etwas besitzen sind die Kapitalisten, und die die nichts haben, die Sozialisten als Beispiel.
    Die , die wissenschaftlich denken, nennen sich rational oder Materialisten, ihre „dummen Brüder“ sind die Irrationalen oder Religiösen.
    Das ist der menschlichen Neigung geschuldet, sich selbst zu erhöhen und die anderen zu erniedrigen.
    Ich selbst bin ein Verfechter des Gleichgewichtes zwischen den Weltanschauungen. Nur in dem Spannungsfeld dazwischen kann Freiheit sich entfalten.
    Es gibt eine Diktatur der Tugend, genauso wie es eine Diktatur des Bösen gibt.
    In der Geschichte haben wir alle Facetten schon gehabt. Das Christentum hatte seine Chance im Mittelalter als die religiösen Oberhäupter auch die staatliche Macht inne hatten. Sie haben diese Chance verspielt. Der säkularisierte Staat hatte in Frankreich bei der französichen Revolution seine Chanche und hat sie verspielt.
    Nur im Zusammenwirken von gegensätzlichen Ansichten kommen vernünftige Kompromisse zustande.
    Wieder mein Aufruf zur Toleranz.

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