Liebe Putinisten, liebe Erdoganisten – hilft Humor gegen Trolle?

In China nennt man sie seit Jahren “50-Cent-Armee”, da sie für jeden – per Screenshot beglaubigten – Pro-Regime-Kommentar eine kleine Vergütung erhielten. Auch im Dienste von Wladmir Putin (Russland) und Recep Tayyip Erdogan (Türkei) fluten inzwischen Troll-“Armeen” die Kommentarspalten und sozialen Medien und spähen und schüchtern – neben der Verbreitung der Propaganda – auch Andersdenkende ein. Und neben den bezahlten Aktivisten gibt es natürlich stets auch genug mitlaufende “Freiwillige” – ich darf daran erinnern, dass auch schon Diktatoren wie Stalin oder Mao stets ihre “Fans” in Europa fanden.

Dass diktatorisch regierte Gesellschaften dabei jeweils in Gewalt- und Terrorkrisen sowie auch den wirtschaftlichen und kulturellen Niedergang steuerte, störte die selbst im vergleichsweise friedlichen und wohlhabenden Westen lebenden Sympathisanten dabei kaum.

Und schließlich gab und gibt es natürlich auch Menschen, denen ganz unabhängig von Überzeugungen das aggressive “Trollen” auch einfach Spaß macht – beispielsweise, um Frustrationen auszuleben oder Aufmerksamkeit zu erlangen. Heute ist es durch die digitalen Medien noch sehr viel einfacher geworden, Trolle zu vernetzen, anzuleiten und auch zu kontrollieren sowie ihre Attacken durch Fake-News-Seiten und Social Bots zu begleiten. Ob und wie die liberalen, rechtsstaatlichen Demokratien diese digitalen Angriffe überstehen, dürfte sich in den kommenden Jahren entscheiden.

Nachdem ich verschiedentlich über die (Religions-)Psychologie von Verschwörungsglauben geschrieben hatte, “besuchten” mich vor allem via Facebook ebenfalls mehrere Putinisten und Erdoganisten – und ich hatte die zweifelhafte Freude, an der “liberalen Gretchenfrage” teilzuhaben: Soll man mit Verschwörungsgläubigen geduldig diskutieren (obwohl sie Argumente ohnehin, gerne auch postfaktisch abweisen und sich nur noch tiefer eingraben)? Soll man sie blocken (und damit die Medienblasen und Mikroöffentlichkeiten auf allen Seiten verstärken)? Oder ihnen mit Humor begegnen (auf den sie – die selbst so gerne austeilen – aber weinerlich und beleidigt reagieren werden)?

Ein Königsweg ist m.E. nicht gefunden – möglicherweise gibt es ihn auch nicht. Immerhin aber wurde mein Humor-Beitrag auf FB sehr gut angenommen – und nachdem @Chris auch hier auf dem Blog über Russlands vermeintliche “Freiheit” und “Stabilität” schwadronierte, stelle ich ihn auch gerne hier zur Verfügung. Hier also mein Gruß:

Liebe Putinisten, liebe Erdoganisten,

ich möchte mich ganz herzlich für die interessanten Einblicke in Eure Gedankenwelt hier auf Facebook bedanken! Nun endlich weiß ich aus erster Hand, dass eigentlich stets und immer “der Westen” verschwörerisch und böse ist, wogegen in Russland, der Türkei und Syrien Freiheit, Frieden und Wohlstand gedeihen! Ich danke Euch, dass Ihr hier unter den schrecklichen Lebensbedingungen der BRD und der eisernen Raute von Angela Merkel ausharrt, anstatt zu Euren geliebten, freiheitlichen und selbstkritischen Herrschern zu ziehen. Ihr bleibt sicher nur uns zuliebe, um uns doofen Demokraten die westliche Weltverschwörung zu erklären – während sich die Krim und weitere Teile der Ukraine ja bereits ganz freiwillig auf den richtigen Weg gemacht haben! Dass weiterhin noch viel mehr Menschen aus Russland, Syrien und der Türkei nach Deutschland flieh…, ähm, auswandern als umgekehrt, muss ein Missverständnis sein! Denn jede andere Lebensweise ist dem Liberalismus überlegen, wie selbst die westdeutsche Lügenpresse in einem Film schon vor 10 Jahren einräumen musste. #Facebookblasen #Verschwörungsmythen #Gerneteilen #DankeMerkel

Verschwoerungsglaubensciebooksklein

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft und spezialisierte sich auf die Hirn- und Evolutionsforschung. Buchautor, Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger und christlich-islamischer Familienvater. Hat auch manches erlebt und überlebt...

47 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Wenn Humor mit Sachverstand und Verantwortungsbewusstsein gekoppelt ist, dann haben wir einen guten Filter.
    Man darf auch nicht vergessen, dass Trolle auch nur Menschen sind, die sich “bekehren” lassen.
    Also in der Weihnachtszeit ist Optimismus angesagt. Und wenn Sie jedem Troll freundlich begegnen, dann wird er über kurz oder lang genau so freundlich

    • Vielen Dank für Ihren weihnachtlichen Optimismus, @Laie. Davon hätte ich selbst derzeit gerne mehr.

      Allerdings bin ich eher unsicher, ob sich wirklich viele Trolle “bekehren” lassen (wollen). Jene, die von autoritären Regimen bezahlt werden, profitieren davon. Die “Freiwilligen” dagegen genießen ja selbst die Vorteile einer liberalen, demokratischen und auch vergleichsweise wohlhabenden Ordnung – sie spüren und wissen also gar nicht, was sie verlieren würden. Die “Trollerei” verschafft ihnen jedoch gleichzeitig Aufmerksamkeit, Gemeinschaftserlebnisse und Möglichkeiten, Frust und Versagensängste auszuleben.

      Deswegen fürchte ich, dass Trollerei ebenso eine Konstante der digitalen Medienlandschaft werden dürfte wie es der politische Extremismus an den Rändern demokratischer Gesellschaften geblieben ist. Vielleicht können wir lernen, damit umzugehen – ganz verschwinden wird dieses Phänomen m.E. leider nicht (mehr).

      Aber letztlich hoffe ich doch, dass Sie mit Ihrem Optimismus irgendwie Recht behalten würden! 🙂

  2. Herr Blume,
    ein wirksamer Schutz gegen jede Art von Radikalismus ist eine gute Bildung. Die wird in einer Mediengesellschaft immer wichtiger.
    Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass junge Menschen sehr empfänglich sind für “einfache” Lösungen. Andererseits ist gerade die Vielfalt an Meinungen die einzige Möglichkeit sich selbst eine Meinung zu bilden.
    Meine Lehrer in dieser Reihenfolge: Überzeugter Nazi , SS, der sich gerühmt hat , wie er ohne Munition Russen getötet hat, überzeugte Marxisten, überzeugte Katholiken und letztendlich ein Atheist.
    Wenn Sie diese Schule durchgemacht haben, dann kann Ihnen niemand mehr etwas vormachen, was Weltanschauung angeht.
    Durch das Internet haben heute alle Zugang zu solchen Anschauungen. Der Effekt wird sein, dass viele erkennen, dass die Wahrheit irgendwo dazwischen angesiedelt ist, und dass Toleranz gepaart mit Verantwortung hilft.
    Lassen Sie sich nicht entmutigen. Unsere Kultur hat schon viel größere Belastungsproben durchlebt.
    freuen Sie sich auf Weihnachten
    ein optimistischer Laie

    • Zu Aufklärungszwecken! 🙂

      Wobei sich “Goodbye Lenin” tatsächlich als ein Film verstehen lässt, in dem ein liebender Sohn der sozialistischen Mutter das Erwachen aus ihrer postfaktischen Weltsicht ersparen möchte…

  3. Zitat:
    “Liebe Putinisten, liebe Erdoganisten – hilft Humor gegen Trolle?”

    -> Ach, sie wissen doch, Herr Blume, Humor diskreditiert (frei nach Tucholski). Und auch Luther war wahrscheinlichst nur so erfolgreich, weil es auch um den Ablasshandel, also um Geld, ging. Da ist dann selbst ein Jesus machtlos gegen solche Anziehungskraft vom Geld.

    In diesem Sinne hilft Humor natürlich. Nur, dass es sie als Autorität beschädigt. Sie sind doch ein “Dr.”? Das wäre der Handel. Wie einverstanden sind sie damit?

    Sie sehen schon, das die Sache verzwickt ist. Ohne Autorität können sie auch nicht mehr so erfolgreich und überzeugend für ihre liberaldemokratische Welt werben.

    Und das mit den “Trollen” findet sicher kaum jemand, der angesprochen werden soll, so toll, wie sie.

    Ach echt man, ich komm ja in ihrem Beitrag vor! Danke für die Erwähnung. Aber weil ich ja auch Paranoia (bestimmt falsch geschrieben) habe, wittere ich auch gleich wieder Verrat und Hinterlist dabei. Mit der Öffentlichkeit habe ich so meine Erfahrungen gemacht. Als ich etwa das “Schrei nach Liebe” – Mem aus dem Ärzte-Song anstatt auf Nazis eben mal auf Feministinnen angewendet habe, sprang der Song wohl gleich wieder in die charts und ich bekam heftige Kopfschmerzen.

    Und warum ich denn etwa als so “unzufriedener” in Deutschland bleibe?

    Ich kann halt nur Deutsch sprechen und verstehen. Und ich hab halt ne Menge nachzuholen, weil ich so spät angefangen habe zu sprechen. Da geh ich doch nich weg hier und muß erstmal ne neue Sprache lernen. Denn Österreich ist mir da kaum eine Alternative. Und die Schweiz lässt mich wohl nich rein.
    Aber ich werd mal in der russischen Botschaft anfragen, ob es eine deutsche Kommunity auf der Krim gibt. Und Sozialhilfe (für mich). Und ob sie mich, da ich so “russisch” denke, auch dahaben wollen. Schwarzmeer? Prima Idee, oder?
    Die Amis haben übrigens schon abgelehnt. Die wollten letztlich nur von mir wissen, ob Gefahr für die USA, ihre Landsmänner oder eines ihrer Institutionen oder Organisationen bestehe – also ob ich was weiß. Wie “scheisse” es mir hier geht, interessierte sie nicht.

    Eine Alternative Lösung wäre ein Kloster irgendwo am Rande der Zivilisation. Wo man wahrscheinlich nichts mehr mit weltlichem Wahn und Ideologie zu tun bekommt. Eigendlich ein Idealfall…das hat man wohl auch immer schon so gemacht, wenn einem das Leben irgendwie entglitten oder in der Welt zu sehr störend aufgefallen ist. Ora et labora….und so.

    Und ich schrieb auch nicht von Unterlegenheit der liberalistischen Lebensweise, sondern von eigenen Schwächen und Ungerechtigkeiten (und von intrinsischer Gewalt – aber es ist natürlich schwer zu verstehen, was ich damit meine – selbst oder auch für einen Religionswissenschaftler, der ja kein Theologe sei oder gar Brückenbauer (Pontifex), dem das geläufig sein dürfte, was ich meine).

    So, genug augenzwinkernd geantwortet.

    • Ein interessanter Gedanke, @Chris – ich würde durch Humor meine “Autorität” als “Dr” riskieren.

      Das ist vielfach spannend! Mal haben “die Eliten” zu wenig Leichtigkeit, Humor dürfen sie aber auch nicht (oder nur gegen Andere, Fremde?).

      Und wie nur kommen Sie dazu, ich würde eine besondere Form der “Autorität” anstreben? Das tue ich nicht, denn mir ist völlig bewusst, dass ich in manchem Spezialist bin, im Meisten nicht. In der Autowerkstatt, beim Zahnarzt oder in der Bäckerei haben andere Menschen mit ihren Spezialisierungen das Sagen, hilft mir mein hart erarbeiteter Dr. gar nichts. Nein, gerade auch als Wissenschaftler strebe ich keine höhere Autorität an, sondern die Bereitstellung von Wissen und die konstruktive Debatte darüber.

      Entsprechend vertrete ich auch keine nur subjektive, liberaldemokratische Überzeugung, sondern verweise auf objektiv überprüfbare Befunde:

      1. In liberalen Demokratien haben Menschen mehr Freiheiten.

      2. In lib. Dem. erreichen die Menschen – gerade auch die Armen – durchschnittlich mehr Wohlstand und höhere Lebenserwartungen als in Diktaturen.

      3. Menschen ziehen in weit größerer Zahl aus Diktaturen in liberale Demokratien als umgekehrt. Dies gilt auch dann, wenn sie – wie Sie beklagen – dafür neue Sprachen gelernt werden müssen.

      • Das ist nicht nur ein Gedanke, sondern von Tucholski ausgesagt, der damals wohl unter verschiedenen Namen Veröffentlichte und darunter einen, der für den Humor da war. Eben weil er die anderen sozusagen “seriös” erhalten wollte. Wer zu oft Witze reisst, wird irgendwann nur noch für die Witze ernst genommen.
        Psychologisch ist das auf der Seite des Lachenden so, dass im Witz in der Regel unerwartete Zusammenhänge geschildert sind, die im Rezipienten intrinsischen Druck erzeugen, der abgebaut werden muß. Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten: entweder er lacht, er rastet aus und wird agressiv, oder er kann den Druck aushalten, unterdrückt seine Affekte und hat somit seine Souveränität bewahrt.

        Aber natürlich: Humor an der richtigen Stelle ist immer gerne gesehen. Und wenn ihre Rezipienten darüber lachen, wissen sie, dass sie ihnen ergeben sind – ihre Autorität ist intakt. An dieser Stelle habe ich meinen Machiavelli gelesen…verstanden.

        Und zur freiheitlichen Liberalen Welt kann ich nur noch sagen, dass sie zwar “schön” ist, aber sie tut vielen Menschen nicht so gut, wie sie meinen. Die Menschen sind in ihrer orientierungslosen Freiheit schwer anfällig für diverse Versuchungen und Missbrauch durch dritte. Die jüngere Vergangenheit hat es gezeigt: Auch diese Welt ist nicht bereit dazu. Es fehlt ihr an …was auch immer: Bildung, Selbstständigkeit, Souveränität…all solche Dinge, die wichtig sind, um Freiheit überhaupt verantwortungsvoll zu leben.
        Und für mich galt diese Freiheit auch nur arg begrenzt, weshalb ich sie als Lüge empfand – eigendlich immer schon, nur früher ohne den kognitiven Kontext, der mir die Sachlage erklären hätte können.

        Und den Armen mit Freiheit zu kommen, ist der absolute Hohn für sie. Sie haben nämlich keine, die kostet nämlich viel Geld – diese Freiheit, die uns “gegönnt” ist.

      • Ihr drittes Argument ist ein extrem selbstgerechtes und überhebliches Argument – es ist gar keines, weil es aus Sicht des Flüchtenden im Ursprung eine ganz andere Entscheidungskaskade gibt, die nicht so aussieht, wie sie sich aus der Luxusperspektive denken können.

        Die Flüchtenden werden wie Odysseus von den Sirenen gerufen. Sie bekommen dann als Entscheidungshilfe noch die Auskunft, dass sie in Europa alles bekommen, was sie brauchen – Geld also. Danach gibt es kein Halten mehr – nichts und niemand band sie noch an ihre Heimat, weil die Verlockung zu hoch war. Sie müssen bedenken: Die haben ihre Heimat verlassen, nicht nur irgendeinen Ort. Das tut man nicht so einfach – auch nicht für Geld. Und auch nicht, weil gerade Krieg ist.
        Erklären sie bitte auch, warum die Flüchtenden erst im vierten Jahr des Krieges kamen, anstatt sofort? Ich weiß es. Und es ist extrem unangenehm für Europa und sein Volk.

        • Lieber @Chris,

          nun, ich war u.a. im Irak und habe mich intensiv mit Flucht- und Auswanderungswünschen auseinandergesetzt. Und zu den Konfliktursachen in der Region sogar ein Buch geschrieben (“Öl- und Glaubenskriege”).

          Aber hier ging es ja gar nicht nur um Kriegsflüchtlinge, sondern gerade auch um Migranten z.B. aus Russland und der Türkei. Diese “Abstimmungen mit den Füßen” findet Monat für Monat statt…

          Sie haben an einer Stelle m.E. völlig Recht, lieber @Chris: Auch liberale Demokratien sind nie perfekt und Freiheit ist gerade kein Garant für Glück. Nur halte ich dagegen: Jede Staatsform, die verspricht, Sie glücklich zu machen – lügt und macht unfrei, spätestens dann auch unglücklich.

          • Na, wie ist denn das mit Buthan? Dem Land in Asien, dass das Glück als höchstes Staatsziel gesetzt hat. Betrügt es denn seine Bürger? Tut es sie unterdrücken. Werden die unglücklicher?

            Ich weiß es nicht, ich habe mich nie mit den verhältnissen dort beschäftigt. Ausserdem muß man ihnen Zeit geben, das geht nicht mal ebenso, schätze ich, weswegen ich mich nicht mit beschäftigt habe.

            Man kann nicht jeden glücklich machen. Das ist meine Erfahrung. Und weil ich nicht glücklich wurde, habe ich mit dem Kiffen angefangen. Doch das war dann auch nicht recht. An allem war dann plötzlich das Kiffen schuld. Was ja kaum sein kann, aber niemandem interessiert. Vorgefertigte Meinungen sind eben einfach zu übernehmen. Schlichte Schuldzuweisung tut auch so gut. Auch, wenn sie von fast allen absolut nie überprüft wurde. Es ist halt schön, eine schlichte Meinung zu haben … etwa auch wie sie.

            Interessanterweise gibt es in den USA jetzt eine Opiat-, Drogen- und Alkoholmissbrauchsdebatte. Mal sehen, was bei rauskommt.

          • Das Trollen und persönliche Beleidigen scheint Sie auch nicht wirklich glücklich zu machen, @Chris (von wegen “schlichte Meinung”).

            Daher ziehe ich hiermit einen klaren Schlussstrich und sperre Sie (samt IP-Adresse). Vielleicht nutzen Sie ja die Zeit, mal darüber nachzudenken, ob wirklich immer nur Andere an Ihrem Zustand schuld seien.

            Soweit meine “schlichte Meinung”, Ihnen eine gute Nacht!

  4. Chris,
    Ihre Meinung geht schon über die Tagespolitik hinaus und beschreibt das große Welttheater.
    Humor und Trolle sind ja nur Aufhänger um den Wettstreit der Anschauungen zu charakterisieren. Das dabei nicht sauber gekämpft wird, liegt auf der Hand. Aber es besteht Waffengleichheit und somit besteht auch Grund zum Optimismus, dass sich im Wettstreit der Anschaungen tragfähige Kompromisse zwischen den verschiedenen Lagern herausbilden.
    Genießen wir die Vorweihnachtszeit , Hoffnung ist angesagt, und die Bibel ist da noch optimistischer: “Diese Welt wird nicht vergehen, solange dieses Volk auf der Erde lebt.” Gemeint sind damit die Juden.
    Ihr
    Laie

    • Zitat:
      „Diese Welt wird nicht vergehen, solange dieses Volk auf der Erde lebt.“

      Ich würde hier gerne was dazu sagen – aber das geht nicht so einfach. Ein Problem an der Aussage ist, das es mir nichts nutzt. Hat nie und wird auch nicht mehr. Es ist der reine “Hoffnungsschimmer” aus der Sicht der Christen. Mehr nicht. Diese beschworene “Symbiose” hilft nur einem der beiden Beteiligten. Oder sehe ich da was falsch?

  5. Was einigen halt fehlt, ist die politologische Grundierung, wozu Religionswissenschaftler aber wohl auch nicht berufen sind:

    A) Wladimir Wladimirowitsch Putin ist eine Art Meritokrat, der als Pseudo-Demokrat auftritt, das bundesdeutsche Schrödersche Diktum und womöglich nicht unvergoltene Diktum ist (einigen) unvergessen:
    -> http://www.abendblatt.de/politik/deutschland/article106930893/Schroeder-Putin-ist-lupenreiner-Demokrat.html (2004, Anno Domini)

    B) Recep Tayyip Erdoğan ein Vertreter türkisch-religionistischer, manche meinen auch: islamistischer Statur.
    Vgl. u.a. auch mit:
    -> http://www.huffingtonpost.de/2014/05/22/erdogan-deutschland_n_5369901.html (K-Probe: ‘Denn die AKP und die UETD – Union Europäischer-Türkischer Demokraten – als Gastgeberin in Köln dementieren fleißig, dass es sich um einen Wahlkampfauftritt handelt.’)

    Feine, abär womöglich zu bearbeitende Unterschiede, auch bestimmte bundesdeutsche Interessen meinend, nicht notwendigerweise von Religionswissenschaftlern.

    MFG + schöne Weihnachtstage schon einmal,
    Dr. Webbaer

    • Lieber @Webbaer,

      keine Sorge wegen der “politologischen Grundbildung”: Politikwissenschaft war mein zweites Hauptfach und ich blieb stets am Fach und auch in der Praxis. Und Sie so?

      Hand aufs Herz: Sie hätten gerne zwischen einem “guten Putin” (da Christ und national) und einem “bösen Erdogan” (da Muslim und national) unterschieden. Blöd, dass beide völlig vergleichbar agieren, wie ja auch weitere Rechtspopulisten a la Duterte, Orban etc…

      • @ Herr Dr. Blume :

        Hand aufs Herz: Sie hätten gerne zwischen einem „guten Putin“ (da Christ und national) und einem „bösen Erdogan“ (da Muslim und national) unterschieden. Blöd, dass beide völlig vergleichbar agieren, wie ja auch weitere Rechtspopulisten a la Duterte, Orban etc…

        Grundsätzlich haben Sie recht, natürlich spielen aus Sicht des Schreibers dieser Zeilen Putin und Erdogan in anderen Ligen wobei auch die Religion eine Rolle spielt.
        (Wobei das mit dem Gut-Schlecht Ihre Projektion bleibt.)

        Allerdings gilt es hier zu differenzieren, für einen Topf sind die beiden (leicht erkennbar) ungeeignet.

        Und bei diesen angeforderten Differenzierungen scheint es bei Ihnen, durchaus auch qua Ausbildung, ein wenig zu mangeln.
        Duterte und Orban in einen Topf zu werfen, Sie tendierten ja an anderer Stelle ebenfalls dazu Donald J. Trump gleich mit einzutopfen, ist ja so etwas von Gaaa!, gröblichst vereinfachend und polit(olog)isch unzureichend…

        Dies ahnen Sie womöglich auch, gerade in der Weihnachtszeit womöglich,
        MFG
        Dr. Webbaer

        • Lieber @Webbaer,

          nun, selbstverständlich bedeutet ein vergleichendes Einordnen nie ein Gleichsetzen.

          Aber, ja, ich vertrete ganz klar die politikwissenschaftliche These, dass die genannten Politiker je nationale Spezifika eines globalen, autoritären Rechtspopulismus verkörpern, der v.a. durch die digitalen Medien und durch sie verstärkten Verschwörungsglauben befeuert wird.

          U.a. habe ich in einem österreichischen Magazin darüber ausführlicher geschrieben:
          https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/ueberstehen-die-liberalen-demokratien-die-paranoia-aus-dem-netz-ein-artikel-zwischen-wahn-und-wirklichkeit-in-der-oesterreichischen-furche/

          Ihnen frohe und besinnliche Weihnachtstage!

          • @ Herr Dr. Blume :

            Ihr Langzeit-Kommentatorenfreund liest hier nicht mehr regelmäßig, auch weil sie sich i.p. Kommentar-Akzeptanz ein wenig “eingebunkert” haben.
            Vielen Dank für diesen Webverweis, der vielleicht für die Zwecke der Erläuterung genutzt werden darf:
            -> ‘Längst lassen Neo-Autoritäre wie Putin (Russland), Erdogan (Türkei), Assad (Syrien), Orban (Ungarn), Kazcynski (Polen), Beppe Grillo (Italien) und eben Trump (USA) über das Internet Heerscharen bezahlter Trolle, verzerrender Social Bots und Fake-News-Webseiten auf die Institutionen der liberalen Demokratien wie Parteien, Medien, Gerichte und Wissenschaften los […]’ (Quelle)

            Da sind ja alle dabei, ein moderater US-Republikaner, der vollmundig austeilt, blöderweise für einige aber gewählt worden ist, als Staatspräsident, Konservativ-Liberale, die sich nicht mit der antiselektiven und mengenmäßigen Einwanderung anfreunden können, ansonsten sozusagen “völlig normal” sind, eine vom Ansatz her islamistisch-nationalistische Kraft, ein “Meritokrat” oder “Patriarch”, ein offener Diktator, Assad jr. sein Name, und mit Grillo ein nonkonformer politisch Linker, der vielleicht “Alt-Left” ist, ein Modewort einmal umformulierend, und zweifelsfrei ökologistisch.


            Dass die Genannten allerlei Müll bis Unwahrheiten verbreiten, liegt in der Natur der Sache, den Öffis, den regierungstreuen bundesdeutschen Öffies nicht unähnlich.

            Der Grund, warum dies so ist, liegt darin, dass angemessene politische Meinung in Gesellschaftssystemen erst zusammen erarbeitet werden, wobei diese nicht einmal ‘wahr’ genannt werden muss.
            In aufklärerischen Gesellschaftssystemen gelingt dies vglw. gut, bei Meritokraten und Diktatoren weniger gut bis gar nicht.

            BTW: Fehlte in der zitierten Auflistung nicht Duterte, der wie Sie meinen ‘Rechtspopulist’, ansonsten aber auch als stolzer Mörder durchgehen könnte?


            Dieses Zusammenrühren kreidet Ihnen Ihr Langzeit-Kommentatorenkollege an.
            Es ginge besser, Sie könnten besser, dezent formuliert und nicht Ihren fachlichen Background besonders hervorhebend.

            Jeder ist ja fast überall bestenfalls nur interessierter Laie, wie er fast überall Ausländer ist,
            MFG
            Dr. Webbaer

          • Lieber @Webbaer,

            ja, Ihre Kommentare könnten häufiger erscheinen, wenn Sie es sich angewöhnen würden, auf persönliche Anwürfe zu verzichten. Es fühlt sich doch etwas seltsam an, gegenüber einem Anonymus mit angedichtetem Doktortitel in eigenwilligem Satz- und Wortbau (“Öffies”?) immer wieder die eigene Fachkompetenz “verteidigen” zu sollen. Dafür ist mir ehrlich gesagt die Zeit zu schade! 🙂

            Auch hier wieder nur der Hinweis, dass Grillo die Kategorisierung als “links oder rechts” ablehnt, im EU-Parlament mit der UKIP anbandelte und sich für seine Fake-News-Seiten auch gerne aus russischen Quellen zuliefern lässt…
            http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-12/italien-referendum-verfassungsreform-populismus-fuenf-sterne-bewegung/komplettansicht

            Gerade auch, weil mich als Religionswissenschaftler die Fragen nach der Aushandlung von “Wahrem, Guten und Schönen” natürlich immer besonders interessieren, darf ich einfach empfehlen, auch die größeren Bögen in den Blick zu nehmen.

            Frohe Weihnachten!

  6. Chris,
    doch es hilft.
    Damals gab es nur Juden und wenn Sie das Wort Jude durch Mensch ersetzen, dann hat jeder Mensch Hoffnung.
    Das Christentum kann man auch universal sehen. Als Heilsversprechen für jeden Menschen auf dieser Erde.
    Matthäus 15 spricht davon (Anleihe bei Herrn Blume)

    • Ich weiß jetzt nicht, ob ihre Dialektik auf fundierter Kenntnis der Beziehungsbedingungen beruht oder nur der Theologie folgt.

      Aus der Antwort zu dieser Frage ergäbe sich die Glaubwürdigkeit ihrer Aussagen. Denn zu überspringenden Glauben lasse ich mich nicht hinreissen – trotzdem es mir schlecht geht.

  7. Das Schlimme an Personen wie Putin und Erdogan ist, dass sie sich anmassen im Namen ihres Volkes zu sprechen und zu handeln. Selbst ihre Säuberungen und Gewaltakte rechtfertigen sie mit dem angeblichen Volkswillen. Und besonders schlimm: Nicht nur “patriotische” Russen unterstützen Putin in seiner Anmassung im Willen des russischen Volkes zu sprechen, sondern auch viele Westler. Wie etwa Chris, der schreibt:

    Und daher hat Putin sozusagen jedes Recht auf seiner Seite, Russlands Interessen auch mit Gewalt durchzusetzen.

    Woher weiss denn Chris, dass Russland im Interesse Russlands handelt und dass Putin als Vollstrecker des Volkswillens auch Gewalt anwenden darf!

    • @ Herr Holzherr :

      Das Schlimme an Personen wie Putin und Erdogan ist, dass sie sich anmassen im Namen ihres Volkes zu sprechen und zu handeln. Selbst ihre Säuberungen und Gewaltakte rechtfertigen sie mit dem angeblichen Volkswillen.

      Beide Genannten sind mit deutlichen Mehrheiten gewählt worden, auch der “Führer” konnte 1933 zusammen mit der von der NSDAP unterstützen “Kampffront Schwarz-Weiß-Rot” die Mehrheit an Stimmen gewinnen.

      Insofern muss es etwas anderes sein, das zu ‘Säuberungen und Gewaltakten’ geführt hat und kritisiert werden muss.

      Hint:
      Es hat etwas mit dem im Staatsvolk (vs. Bevölkerung) verbreiteten Kollektivismus zu tun.

      MFG
      Dr. Webbaer

      • Erdogan – aber auch Putin -, nützen Krisen aus, um sich zusätzliche Unterstützung zu sichern, ja beide kreiren sogar bewusst Krisen. So hat Erdogan die Gespräche mit den Kurden eingestellt nachdem seine Partei bei den Wahlen die absolute Mehrheit verloren hat, weil unter anderem viele Kurden für die Kurdenpartei HDP gestimmt hatten. Später begann er sogar einen eigentlichen Krieg gegen die Kurden (der immer noch anhält). Solche kriegsähnliche Konfrontationen werden von diktatorischen Führern gerne herbeigeführt, weil in der Konfrontation die eigenen Reihen geschlossen werden, die Justiz sich einfacher gleichschalten lässt und Racheaktionen an den behaupteten Feinden – oft auch von Anhängern des Diktators ausgeführt – , als gerechtfertigt erscheinen.

  8. Sehr geehrter Herr Blume,
    sehr faszinierend ähnlich wie bei refefe haben sie den Honeypot geöffnet
    und die Trolle verfangen.
    Ich lache grade tränen.

    Ihnen noch ein schönes Weihnachtsfest
    Herzlichen Gruß
    Al

  9. Wie sollten demokratische Regierungen mit Autokraten und Diktatoren umgehen? Hier Regeln anzugebehn ist gar nicht einfach, zumal es schon immer Autokratien gab, gibt und sie heute wieder zunehmen.
    Wichtig scheint mir aber, dass Autokraten mit Methoden wie Einschüchterung, Gewaltandrohung und Gewaltanwendung keine Erfolge erzielen und man diesen Autokraten für unverforene Gewaltanwendung keinen Respekt entgegenbringt. Denn Erfolg, gar Bewunderung für ihre Unverforenheit bestärkt diese Autokraten im gleichen Stil weiterzufahren.
    Ich bin überzeugt, wenn es gegenüber Hitler kein Appeasement gegeben hätte und Hitler keine aussenpolitischen Erfolge hätte erzielen können (z.B. Münchner Abbkommen 1938 in dem Hitler das Sudetenland annektierte oder die für Hitler erfolgreichen Rheinlandbesetzung) hätte Hitler nicht den Mut gehabt den zweiten Weltkrieg zu beginnen. Doch Hitler fühlte sich durch die vorausgegangenen Erfolge in seinem Kurs bestätigt.
    Heute stellt sich das gleiche Problem in der Haltung des Westens gegenüber Putin. Solange Putin die Destabilisierung der Ukraine und seine militärische Unterstützung für die prorussischen Rebellen als Erfolg verbuchen kann, solange wird er keinen Grund sehen, damit aufzuhören. Fühlt er sich in seinem Kurs bestätigt, könnte er sogar bereit sein, weiter zu gehen. Es genügt meist schon jemanden wie Putin oder Erdogan deutlich zu machen, dass es für sie teuer wird, wenn sie ihren gewaltsamen Kurs fortsetzen, um diese Autokraten von einer weiteren Eskalation abzuhalten. Denn diese Autokraten/Diktatoren sind vom Persönlichkeitsprofil her “Siegertypen”. Sie wollen siegen, nicht verlieren (auch nicht tapfer verlieren) und sie sind bereit für einen Sieg auch Gewalt einzusetzen. Wenn Gewalt sich aber lohnt und die eigene Gewaltanwendung mit Erfolg in Form von Machtzuwachs und Eliminierung des Gegners belohnt wird, dann wird Gewalt für skrupellose Gestalten wie Putin und Erdogan zu einem durchaus rationalen Mittel ihre Ziele und Interessen durchzusetzen.

    • @ Herr Holzherr :

      Wie sollten demokratische Regierungen mit Autokraten und Diktatoren umgehen?
      […]
      Wenn Gewalt sich aber lohnt und die eigene Gewaltanwendung mit Erfolg in Form von Machtzuwachs und Eliminierung des Gegners belohnt wird, dann wird Gewalt für skrupellose Gestalten wie Putin und Erdogan zu einem durchaus rationalen Mittel ihre Ziele und Interessen durchzusetzen.

      Es gibt hier das Mittel der Realpolitik, ein Germanismus, der auch international angenommen werden konnte – womöglich auch deutschem Wesen entsprechend.
      >:->

      Helfen würde bspw. zuvörderst die Einsicht, dass bestimmte Regionen betreffend nicht so gedacht werden kann, wie zu Heim gewohnt.

      Gewalt lohnt sich sozusagen immer, in bestimmten Regionen, sofern sie bestimmend ausgeübt werden kann.
      Niccolò Machiavelli liegt hier richtig.

      Andererseits muss derartigen Potentaten die generelle Skrupellosigkeit nicht zuerkannt werden, sie handeln letztlich ihrem Fortkommen geschuldet und dem ihrer (oft: biologischen) Nachfolgern.
      “Skrupel”, wie u.a. auch bundesdeutsch oder generell im aufklärerischen Sinne gehandhabt, existieren anderswo nicht.

      Am Rande notiert:
      Dr. W war mal so blöde sich mit sogenannten Islamisten auseinanderzusetzen, mit “Khomeinisten”, die lehnten das Konzept der Privatperson ab und dachten in Mengen sozusagen.


      Ansonsten, um auf Ihre Frage zurückzukommen, sittliche Niedrigkeit, anderswo vorliegend, wird am besten eingedämmt, wobei auch taktisch (vs. strategisch) mal hier und mal dort Kooperation umgesetzt werden darf, nie aber strategisch, denn Freunde, wie im Sinne aufklärerischer Gesellschaftssysteme gemeint, gibt es dort nicht.

      Was aus Sicht der o.g. Gesellschaftssysteme bspw. nicht geht sind Aussagen der Art ‘Ja, er (der jeweilige Potentat) ist ein “Bastard”, aber er ist unser Bastard!’, dies wäre sich ungünstig gemein machend, eben im wie oben beschriebenen Sinne.

      Ansonsten könnten bis müssten Üble gegen Üblere beizeiten ausgespielt werden, utilitaristisch oder machiavellistisch, wenn Sie so wollen, aufklärerische Gesellschaftssysteme dürfen pragmatisch sein.

      MFG
      Dr. Webbaer

  10. Martin Holzherr,
    ……kein Appeasement bei Hitler, sehr gut.
    Wir haben gerade das Problem mit Erdogan. Türkei gehört zur Nato und Erdogan nutzt seine Sonderstellung aus.
    Das Weihnachtsverbot an einer deutschen Schule in Türkei bringt uns in Zugzwang oder wir sitzen die Probleme aus, wie es unsere Angie so perfekt beherrscht.
    Was ist Ihre Meinung. Flagge zeigen oder Appeasement ?

    • Klein beigeben ist falsch. Jede Antwort sollte aber der Situation angemessen sein. Im konkreten Fall geht es um eine von Deutschland finanzierte Schule, der von staatlicher, türkischer Seite jede Beschäftigung mit Advent und Weihnachten verboten wird. In so einem Fall sollte Deutschland und die betroffenen Leute zuerst einmal Stellung beziehen und versuchen die Causa in ihrem Sinne zu beeinflussen. Wenn das nichts hilft, sollte über Konsequenzen nachgedacht werden.

  11. Wenn ich an die christliche Missionierung denke, dann sehe ich durchaus Parallelen zu den beschriebenen Erscheinungen der heutigen Zeit. Selbstverständlich sind die heutigen Medien und Techniken sehr viel effektiver als die damaligen Wanderprediger. Damals wie heute verbreiten die “Follower” nicht notwendig die reinen Lehren ihrer Auftrag- oder Ideengeber. Da es immer Menschen gibt, die mit dem eigenen Zustand und mit der Gesellschaft nicht zufrieden sind, weil sie sich ungerecht behandelt fühlen, egal ob zu Recht oder nicht, wird es immer auch Kritiker und Gegner des “Establishments” geben, die nach Alternativen suchen. Heils-, Erfolgs- und Glücksversprechen, oder die angebliche Sorge eines Führers für sein Volk, sind allemal attraktiver als das Eingestehen eigener Erfolglosigkeit mit Zukunftsängsten oder als die Appelle an Leistungsbereitschaft und Leistungswille.

    In der Konkurrenz um Beachtung und Anerkennung in der Gesellschaft hilft oftmals nur die Abgrenzung zum “Mainstream” mit postfaktischer Besserwisserei und gezielter Auswahl exzentrischer Informationsquellen. Charakteristisch ist die “Schlussfolgerung auf die beste Erklärung” für Ursachen von Phänomenen und Ereignissen (z.B. Verschwörungen). Einzelereignisse oder Einzeltaten werden verallgemeinert und aufgebauscht zu Gefahren und zur Verbreitung von Ängsten. Man könnte sicher noch weitere Gründe anführen für das trollige Verhalten. Die individuelle Freiheit mit der Aufweichung traditioneller Regeln, der unlimitierte Zugang zu öffentlichen Medien sowie die Möglichkeit der Anonymität in den “sozialen Medien”, die von der Verantwortlichkeit des Tuns befreit, liefern Gründe für den mangelnden Respekt, für Hassbotschaften und für asoziale Randale.

    Der Rattenfänger von Hameln und der Wanderprediger Paulus hatten schon genauso ihre Follower und Trolle wie Putin, Erdogan und Trump.

    • Der Vergleich mit (christlicher) Missionierung ist treffend. Allerdings etwas seltsam, wenn sie diese auf Trolle anwenden, die es ja kaum wirklich auf einen hinreichenden Nenner in ihren Inhalten der Predigten bringen. Es gibt welche, aber das ist zuwenig.

      Der Missionierungsvergleich ist aber sehr passend auf die Leitmedien anzuwenden, die da immerzu das (gleiche) Wort predigen, damit es nicht in Vergessenheit gerät.
      Das “Wort”, sei es noch so wahr, reicht aber nicht aus, damit die Rezipienten folgen und sozusagen zu “Gläubigen” werden, indem sie dieser Konfession beitreten/ihr anhängen. Es bedarf mehr, damit einem diese Worte auch erreichen und sie glücklich machen.

      Ich erwähnte schon die Seltsamkeit mit der Bedeutung von Pontifex! Es müssen “Brücken” gebaut werden, damit diese Worte “vertraut” erscheinen und also dauerhaft wirksam sein können.

      Und die Probleme, die wir jetzt haben, haben mit diesem Brückenbau zu tun, der aber schon vor vielen Jahrzehnten getan wurde – ein Teil davon sogar noch zu Zeiten des Kalten Krieges. Und es gab zwischendurch einen “unorthodoxen” Brückenbau (Tschernobyl-Unfall), der Brücken baute, die der intendierten Strategie nach nie hätten gebaut werden dürfen. Und das wirft das System der erwünschten Brücken komplett durcheinnander und erzeugt Chaos, wie wir es jetzt haben.

      Fragen sie ihren regionalen Priester, was dieser Brückenbau ist. Und lassen sie sich nicht damit abspeisen, es handle sich dabei um die Verbreitung des Wort Gottes, das die Brücken von Mensch zu Mensch baut und sie damit irgendwie verbindet – sozusagen eine rein kognitive Angelegenheit. Denn das ist nicht die ganze Wahrheit.

      • Hinweis: Bei @Bastian handelt es sich um eine Sockenpuppe von @Chris – der Kommentar ist jedoch konstruktiv und solange sich “@Bastian” ordentlich benimmt, möchte ich ihm gerne eine Chance geben… 🙂

  12. Auch das noch, Putin sammelt Verbündete:

    “Die rechtspopulistische FPÖ in Österreich hat mit der Partei Einiges Russland des russischen Präsidenten Wladimir Putin einen Kooperationsvertrag abgeschlossen. Wie die FPÖ am Montag in Wien mitteilte, wurde der Vertrag von Parteichef Heinz-Christian Strache und dem Vize-Generalsekretär von Einiges Russland, Sergej Schelesnjak, in Moskau unterzeichnet. Die FPÖ stellt sich darin hinter das Ziel der Putin-Partei, die junge Generation “im Geiste von Patriotismus und Arbeitsfreude” zu erziehen. ”

    http://www.msn.com/de-de/nachrichten/politik/fp%C3%B6-unterzeichnet-kooperationsvertrag-mit-putin-partei-einiges-russland/ar-AAlK6Rv?li=AA5a8i&ocid=spartanntp

    http://www.deutschlandfunk.de/oesterreich-fpoe-und-einiges-russland-kooperieren.447.de.html?drn:news_id=690402

    • Klingt übel, Herr Stefan, allerdings klingt es ebenfalls übel, wenn die BRD mit einer verkommenden Türkei irgendwelche Deals abschließt.
      Die EU ist dabei (ebenfalls) zu verkommen und wird gefährlich, korrekt?

      MFG + schöne Weihnachtstage schon einmal,
      Dr. Webbaer

      • Lieber @Webbaer,

        ja, Realpolitik ist nie besonders schön und sicher oft auch zu kritisieren… Andererseits fehlt mir bisher der überzeugende Gegenentwurf zum Flüchtlingspakt mit der Türkei.

        Da Sie andere als so “verkommen” wahrnehmen: Dann dürfen wir aber wohl doch davon ausgehen, dass Sie selbst ganz konsequent z.B. auf den Verbrauch von Öl und Gas verzichten, um nicht Saudi-Arabien & Co. mit Ihren Geldern zu beglücken und keine Abhängigkeiten zu vertiefen? Oder handeln Sie selbst etwa auch auf Basis “irgendwelcher Deals”?

        • @ Herr Dr. Blume :

          Der Schreiber dieser Zeilen, der bekanntlich auch traditionell nicht sehr russland-freundlich ist, Russland ist ein Vielvölkerstaat und als Imperium ein Erbe des Imperiums der SU (lustigerweise wussten hier “Langhaarige und Schmierbärtige” zwar angeblichen Imperialismus im “Westen” zu kritisieren, nie aber den der SU), verweist nur aktuell am Rande auf diesen Jokus:
          -> https://www.welt.de/politik/ausland/article160447224/Russischer-Botschafter-von-tuerkischem-Polizisten-erschossen.html (K-Probe: ‘Bei dem Mann handelte es sich laut Ankaras Bürgermeister um einen türkischen Polizisten, der nicht im Dienst war. ‘)

          Die Türkei ist einzudämmen (“Containment” hier das Fachwort, NATO-Ausschluss etc. meinend).

          MFG
          Dr. Webbaer

          • Nun, @Webbaer – dass Erdogan auch gegenüber Europa so aggressiv auftreten kann, liegt wiederum auch an der Rückendeckung durch Putin…

            Und schon jetzt fluten Verschwörungsmythen durchs Netz, die den Attentäter mit den USA, mit GB oder auch gleich mit der Hizmet-Bewegung verknüpfen. Für manche – nicht nur weit links, sondern auch weit rechts – ist nunmal stets “der Westen” schuld… :-/

          • Nun, @Webbaer – dass Erdogan auch gegenüber Europa so aggressiv auftreten kann, liegt wiederum auch an der Rückendeckung durch Putin…

            Da ist was dran, werter Herr Dr. Blume, nichtsdestotrotz bietet es sich an hier polit(olog)isch ein wenig aufzuschlüsseln.

            Leutz wie Assad jr. und Wladimir Wladimirowitsch Putin sind womöglich streng rational denkende Realpolitiker, Leutz wie bspw. Recep Tayyip Erdoğan womöglich nicht.

            Hier gilt es womöglich fein zu unterscheiden, Recep Tayyip Erdoğan bspw. würde der Schreiber dieser Zeilen zukünftige Aktion zutrauen, die hier einmal dezent als Berliner-Weihnachtsmarkt-tauglich [1] beschrieben werden soll, den anderen nicht.
            Auch das mit den von Ihnen gerne beigefügtem Rechtspopulismus: Gaah!

            Finden Sie nicht?!

            MFG
            Dr. Webbaer

            [1]
            Netter und alternativ beschrieben könnte er schlicht per Todesstrafe pol. Gegner “abmähen” wollen.

          • Nun, @Webbaer – die Toten in der Ukraine oder in Aleppo scheint auch Putin billigend in Kauf zu nehmen, wogegen Erdogan seine sunnitischen “Geschwister” in Syrien dem Bündnis mit Russland (“christlich”) und dem Iran (schiitisch) “realpolitisch opfert”… :-/

            Auch gegen Korruption und Nepotismus scheinen je keine religiösen Skrupel zu bestehen.

            Wirkliche Unterschiede im Zynismus kann ich also zwischen den Autokraten nicht erkennen, allenfalls im Temperament.

            Und zum Terror und den Reaktionen darauf, vgl. hier: http://m.spiegel.de/politik/ausland/a-1126657.html

          • Werter Herr Dr. Blume,
            Recep Tayyip Erdoğan denkt ja in der Kategorie der Turk-Völker, Wladimir Wladimirowitsch Putin Russen meinend, wie russisch sie genau auch immer sein mögen, hier wären insofern Kleinrussland (“Ukraine”) und Weißrussland zu beachten, aber auch i.p. Schrift und Religion Serbien.

            Vgl. auch hiermit :
            -> https://de.wikipedia.org/wiki/Kyrillisches_Alphabet

            Kultur verbindet halt, wenn Sie darauf insistieren wollen, dass Erdogan und Putin in der selben oder einer vergleichbaren Liga spielen, nur zu, ganz falsch ist dieser Gedanke nicht.

            Alllerdings, allerdings wird Putin Ihnen oder anderen nicht an einem Berliner Weihnachtsmarkt in Nähe der Gedächtniskirche “um die Ecke” kommen, der andere womöglich schon.


            Vielleicht ist dies nicht ganz klar, die Türkei bestand vor ca. hundert Jahren aus ca. 15 Millionen Bürgern, wie folgt aufzuschlüsseln:
            -> https://de.wikipedia.org/wiki/Demografie_der_T%C3%BCrkei#Ethnien

            Es gab insofern ein “Groß-Reine-Machen” und dieses darf auch theoretisiert und auf ideologische Begrünung zurückgeführt werden.

            Nun sind die Kurden dran, die Aleviten werden ebenfalls “beäugt”, die Gülen-Bewegung, die ja auch nicht astrein [1] oder koscher [1] ist, steht ebenfalls auf der Speisekarte.

            Und hier, werter Herr Dr. Blume, bei derartiger Betrachtung, genügt es nicht, werter Herr Dr. Blume, Religionswissenschaftler zu sein, sondern hier müssen Sie Ihre politologische Bildung sozusagen extra herauskitzeln.

            MFG
            Dr. Webbaer

            [1]
            Vorsichtshalber angemerkt:
            Dr. W weder Deutscher, noch Jude.

  13. Die EU gibt jedes Jahr hunderte Millionen für PR aus. Da muß man dann auch nicht mehr unterprivilegierte Arbeitslose fürs Trollen engagieren, sondern kippt einfach einmal den Geldtopf über alle wohlgesonnenen Organisationen und Personen aus kann sich so jede Menge überzeugte Gesinnungskrieger ranzüchten. *DAS* halte ich für eine viel größere Gefahr für die Meinungsvielfalt.

    Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man fast lachen….

    Dieselben Typen, die uns die Brutkastenlüge, die Massenvernichtungswaffen, den Genozid in Jugoslawien etc etc etc aufgetischt haben, jammern jetzt rum, dass die bösen Diktaturtrolle unsere schöne Demokratie besudeln. Wir waren uns noch nie zu schade mit viel Geld in der Hinterhand Regierungen zu stürzen, Kriege vom Zaun zu brechen, die öffentliche Meinung zu “optimieren”, Wahlen zu manipulieren…

    Aber Fake-News und Putin-Trolle da sind dann unsere roten Linien überschritten und wir brauchen Notgesetzte und ein Wahrheitsministerium? Lächerlich!

    • @sascha

      Aha. Also sind PR und Bildungsarbeit nun das Gleiche wie das Bezahlen von Trollen und Fake-News? Und damit auch Diktaturen das Gleiche wie Demokratien? Die realen Einschränkungen der Pressefreiheit in der Türkei, in Russland und Polen das Gleiche wie Diskussionen (!) über Gesetzgebung zu gezielten Manipulationen?

      @Sascha, was sollten Demokraten denn Ihrer Meinung nach tun? Sollten wir ggf. gleich mal vor den Politikstilen a la Putin, Erdogan & Co. kapitulieren und, statt der immer mühsamen Arbeit an der rechtsstaatlichen Demokratie, eben auch einen autoritären Führerstaat einrichten? Wäre dies in Ihrem Sinne?

      Was also sollten wir Ihrer Meinung nach tun?

      • @ Blume

        Darf ich einspringen? Ruhe bewahren. Alles halb so wild. Verrückte gab es zu allen Zeiten, nur haben sie jetzt durch das Internet eine stärkere Öffentlichkeitspräsenz.
        Ja, es ist wie mit dem Dynamit -alles hat eben auch seine Kehrseite -auch das Internet. Ich liebe das Internet, aber es ist wie mit dem Fernsehen: die Dummen werden dümmer und die Gescheiten gescheiter. Wir sollten uns aber hüten, das Unkraut ausreißen zu wollen. Denn der Mann aus Nazareth hat da wohl Recht: es wird dann auch der Weizen leiden, wenn wir im blinden Aktionismus das vermeintlich Gute tun wollen.

        • Das sehe ich ganz ähnlich, @Dietmar Hilsebein. Mir geht es auch gar nicht darum, “Unkraut ausreißen” zu wollen. Doch mag ich nicht Trolle und Hater in ihren negativen Tendenzen befördern, indem ich ihnen zuviel öffentlichen Raum gebe. Was die meisten konstruktiv nutzen, zieht wenige hinab…

  14. Dr. webbaer,
    ……..Containment mit Nato Ausschluss.
    Da kommt es auf die Prioritäten an. Entscheidend wird werden, wie Trump die Verhältnissse betrachtet. Das wird ein Lehrstück an Politik.

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