Die Zähmung der Zeit – Ein Goldener Nagel für das Anthropozän

Was ist Zeit? Vermutlich gibt es Fragen, die leichter zu beantworten sind. Fragen wir doch mal die Fragenbeantworter: “In der Physik zählt die Zeit zu den grundlegenden Größen. Sie läuft stetig und unaufhaltsam in eine Richtung ab, von der Vergangenheit in die Zukunft. Die Relativitätstheorie verknüpft die Zeit eng mit den räumlichen Dimensionen zur ‘Raumzeit’, die in vier gleichberechtigten Dimensionen, drei Raumrichtungen und der Zeit, unser Universum aufspannt. Da die Zeit an den Raum gekoppelt ist, verläuft sie nicht absolut, sondern relativ – sie vergeht nicht überall gleich schnell.” (adaptiert aus der ‘Weltmaschine‘ des BMBF).

Abb. 1: Cover von “Taming Time”, Illustration von Maki Shimizu

Diese kurze Beschreibung aus der Physik zeigt auf, wie schwer für uns Menschen die Zeit zu fassen ist. Sie wabert herum, lässt sich nicht leicht fassen und hat so viele Dimensionen. Die Dimensionen beginnen bei astronomischen Zeiten, bei denen wir oft von Millionen, ja sogar Milliarden von Lichtjahren reden und vielleicht Dinge jetzt sehen, die vor Urzeiten passiert sind, mit dem aber alle anderen, auch extrem kleine Zeitskalen verknüpft sind. So dauerte etwa der Radioblitz mit dem schönen Namen FRB 20220610A, der letztes  Jahr in der Wüste Westaustraliens empfangen wurde und wohl durch den Zusammenstoß von mindestens zwei  Galaxien entstanden ist, nur 30 Millisekunden, brauchte aber eine Zeit von acht Milliarden Jahren bis er bei uns angekommen ist1. Die Entstehung unseres Sonnensystems passierte viel später als dieser Blitz, nämlich vor etwa 4,6 Milliarden Jahren; „kurz“ darauf entstand dann auch unsere Erde, mit ihrer im wahrsten Sinne des Wortes „unfassbar“ langen Erdgeschichte. Der Wimpernschlag  unseres menschliches Lebens ist dennoch komplett abhängig von dieser langen Entwicklung der Erdgeschichte (Abb. 2); aber auch die Zukunft definieren wir jetzt kräftig mit, durch unser Tun und Nichtstun – wir formen heute das “Lange Jetzt”2, beim Klima, bei der Umweltverschmutzung, beim Artensterben. Umso wichtiger ist es, eine andere Beziehung zur Zeit zu entwickeln, auch um sie besser und nachhaltiger mitgestalten zu können, für uns, für unsere Kinder und Enkel, und für alle Generationen weltweit, die nach uns kommen.

Abb. 2: Wie die Zeit von Geologen gezähmt wurde (Illustration Maki Shimizu, ©AH, RL, MS)

Aber wie mit der Zeit umgehen? Als Baby gibt es keinerlei Zeitvorstellung, wir müssen erst unser Gedächtnis entwickeln, Erfahrungen machen, um einen Zeitbegriff zu erlangen. Aber vielleicht ist dies sogar ein Trost – “Zeitbewusstheit” (“Timefulness” sensu Marcia Bjornerud; Abb 3a) und Zeitkompetenz kann man lernen, so einigermaßen zumindest, man muss halt ein Leben lang üben ;-). Zeitbewusstheit brauchen sowohl die die Geologinnen und Geologen , als auch wir alle,  um das Buch der  Erdgeschichte, eingeschrieben in den geologischen Sedimenten, zu lesen und dann zu verstehen, sowie Konsequenzen daraus zu ziehen.  Aber was für ein dicker Wälzer! Mit Kapiteln, Unterkapiteln, Absätzen, einzelnen Seiten. 

Abb. 3a) Timefulness (“Zeitbewusstheit”) im Sinne von Marcia Bjornerud brauchen wir auch, um zu verstehen, wie extrem wir die Hinterlassenschaften der erdgeschichtlichen Zeit übernutzt haben. (Illu: Maki Shimizu, leicht verändert; © AH, RL, MS)

Wenn man es lesen kann, steht in diesem Buch so unglaublich viel spannendes drin, zum Beispiel auch dies: Organismen haben die Erde schon vielfach umgekrempelt, dabei Rohstoffe, aber auch Sauerstoff und immer wieder neue Lebensräume geschaffen, von denen wir auch heute abhängig sind (Abb 3b, Abb 3c) und von denen wir einfach viel zu viel verbraucht haben  (siehe Abb 3a sowie Anthropozäniker-Beitrag hier).

 

3b) Die Erdsystem-Umkrempler (“Helden” der Erdgeschichte). Illustration Maki Shimizu, ©AH, RL, MS)

 

Abb. 3c: Zwei “Helden der Erdgeschichte” aus der Karbon-Zeit (erste Wälder -> Steinkohle: grün) und der Jura-Zeit (Plankton: Bildung von Erdöl etc.; blau) (Illustration Maki Shimizu, ©AH, RL, MS)

Und das mit dem Erdsystem war immer schon kompliziert: wechselnde Zeitskalendynamiken, Interaktionen, Selbstverstärkungen, ein ewiges Auf und Ab, was da alles los war! Wir müssen dies verstehen, um daraus auch für das heute und morgen die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen. Dabei ist das Buch der Erdgeschichte ja noch gar nicht fertig geschrieben, die Menschen haben ein neues Unterkapitel aufgeschlagen, das Anthropozän. 

Wie Geologinnen und Geologen immer schon versuchten, diese Zeit zu fassen, zu zähmen, und so verstehbar zu machen, wie sie damit das Buch der Erdgeschichte in ganz verschiedene Kapitel und Unterkapitel unterteilen konnten und dabei  gleichzeitig sicherstellen, dass alle weltweit auch dasselbe unter einem Kapitel verstehen (s. Abb. 2 oben), und warum das Buch der Erdgeschichte eben noch nicht fertiggeschrieben ist, sondern eine Fortsetzungsgeschichte darstellt, die heute spannender denn je ist, darum ging es bei mir in vielen Lehrveranstaltungen zur Geologie und Paläontologie, insbesondere in den Vorlesungen zur Erdgeschichte, zur Evolution von Riffen, und im Anthropozän-Kurs des Studiengangs Geologie, aber auch in Zukünfte-Lehrveranstaltungen im Studiengang Zukunftsforschung an der FU-Berlin, sowie in vielen weiteren Veranstaltungen etwa zur Wissenschaftskommunikation und Nachhaltigkeits-Didaktik an vielen anderen Institutionen.

 

Die Science Graphic Novel “Taming Time. A Golden Spike for the Anthropocene”

Um all dies geht es nun auch in unserer neuen Science Graphic Novel (s. Abb. 1). Und anhand des neuen Unterkapitels ( auf “geologisch”: der neuen Epoche) der Erdgeschichte, dem vorgeschlagenen Anthropozän, wollten wir in der Graphic Novel auch erläutern, wie Geologinnen und Geologen hier bei der Definition vorgehen und warum dabei sogar Goldene Nägel eingeschlagen werden (OK, manchmal nur ganz kleine, eher so Reißnägel, falls das Typusprofil einen Bohrkern oder Eiskern darstellt). Wollen wir hoffen, dass dies gelingt, denn ansonsten bleibt nicht nur die Jetztzeit, sondern auch die Zukunftszeit wenig fassbar und vor allem wenig mitgestaltbar, weil uns sonst die Zeit einfach wieder davonläuft.

Abb. 4: Die Anthropocene Working Group (Illustration Maki Shimizu, ©AH, RL, MS)

 

Unsere Science Graphic Novel erläutert damit insbesondere auch die Aufgaben der ‘International Commission on Stratigraphy’ (ICS) sowie die Tätigkeiten der ‘Anthropocene Working Group’ (AWG; Abb. 4). Gleichzeit ist sie eine Hommage an die beiden ganz Großen in der AWG: Will Steffen († 29. Januar 2023),  der unter anderem mit seinen Arbeiten zur Großen Beschleunigung und zu den Planetaren Grenzen weltbekannt wurde, und Paul Crutzen († 28. Januar 2021), Nobelpreisträger zur Erforschung der Ursachen des Ozonlochs und „Vater“ des Anthropozäns (Abb. 5). Und ja, die Novel drückt auch meinen Dank an meine immer so aufgeschlossenden,  interessierten und aktiven Studierenden aus. 

Abb. 5: Paul Crutzen, der Vater des Anthropozäns (Illustration Maki Shimizu, ©AH, RL, MS)

 

Autoren, Kooperationen, Dank, Download, Begleitblog

Die Science Graphic Novel wurde erstellt von Alexandra Hamann (Konzept, Storyboard), Reinhold Leinfelder (Wissenschaft), Maki Shimizu (Illustration), unterstützt von Inês Gomes Ferreira (Graphic Design) und Yoko Hamann (Lektorat). Kooperation und Unterstützung gab es auch durch die AWG, insbesondere Jan Zalasiewicz, Colin W. Waters, Simon Turner und Mark Williams, sowie weitere. Herzlicher Dank geht an alle Beteiligten, die gesamte AWG sowie an Marcia Björnerud, die uns erlaubte einige ihrer Statements zu verwenden.  

Aktualisierung auf Version 2:  (Nachtrag vom 6.7.2024);

Unsere Graphic Novel kann kostenlos als eBook (pdf) von Refubium, dem Open Access-Server der Freien Universität Berlin heruntergeladen werden. Version 1 war  doi: 10.17169/refubium-40617 (Open Access License: CC BY-NC-ND). Aufgrund der “aktuellen Ereignisse” rund um die Definition des Anthropozäns (siehe z.B. hier, hier und hier im Blog sowie im Interview mit dem Anthropozäniker) machten wir ein kleines Update unserer Graphic Novel (Release  4.7.2024): die leicht ergänzte Version 2 gibt es unter doi: 10.17169/refubium-40617.2 (weiterhin als Open Access).

Zitierweise der Graphic Novel:
Hamann, Alexandra; Leinfelder, Reinhold; Shimizu, Maki (2023/2024): Taming Time. A Golden Spike for the Anthropocene.- Refubium Open Access-Server, Freie Universität Berlin, doi: 10.17169/refubium-40617.2

Auf dem Begleitblog https://tamingtime.de gibt es weitere Informationen zum Projekt sowie ebenfalls Download-Links und Erläuterungen zu Copyright und Verwendungsmöglichkeiten.

Ein Feature zur Graphic Novel in der Tagesspiegel-Beilage der Freien Universität Berlin vom 8.10.2023 (von C. Pietschmann) findet sich hier: https://www.tagesspiegel.de/comic-zum-anthropozan-wie-das-buch-der-erdgeschichte-ein-neues-kapitel-bekam-10576381.html

Nachtrag vom 15.11.2023: Oben verzeichneten Artikel von C. Pietschmann gibt es seit gestern auch in englischer Sprache in den Featured Stories of the Freie Universität Berlin: “Taming Time” – Writing a New Chapter in Earth’s History. Freie Universität professor, Reinhold Leinfelder, gives time a voice in his “science graphic novel” : https://www.fu-berlin.de/en/featured-stories/research/2023/taming-time/index.html

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Fußnoten

1 Süddeutsche Zeitung vom 25.10.2023 (Wissen): Radioblitz war acht Milliarden Jahre lang unterwegs. https://zeitung.sueddeutsche.de/webapp/issue/sz/2023-10-25/page_2.1693974/article_1.6290798/article.html sowie Science vom 19.10.2023: A luminous fast radio burst that probes the Universe at redshift 1. https://www.science.org/doi/10.1126/science.adf2678

2 The Long Now-Foundation: https://longnow.org/

Publikationsdatum dieses Beitrags: Version 1a v. 25.10.2023; Ergänzung mit Abb. 3a,b vom 26.10.2023 (Vers. 1b); Linknachtrag vom 15.11.2023; Nachtrag bzgl. Vers. 2 vom 7.6.2024.

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Reinhold Leinfelder ist Geologe, Geobiologe und Paläontologe. Er ist Professor an der Freien Universität zu Berlin (Arbeitsgruppe Geobiologie und Anthropozänforschung) sowie (seit Okt 2018) zusätzlich Senior Lecturer am Institut Futur der FU. Seit April 2022 ist er formal im Ruhestand. Seit 2012 ist er Mitglied der Anthropocene Working Group der International Stratigraphic Commission. Von 2006-2010 war er Generaldirektor des Museums für Naturkunde Berlin, von 2008-2013 Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU), von 2011-2014 Research Fellow und affiliate Carson Professor am Rachel Carson Center an der LMU, München, von 2012-2018 Principal Investigator am Exzellenzcluster "Bild-Wissen-Gestaltung" der Humboldt-Universität zu Berlin, von 1. Sept. 2014 bis 15. Sept. 2016 Gründungsdirektor der Futurium gGmbH in Berlin. Seine Forschungs- und Lehrschwerpunkte liegen beim Anthropozän, Korallenriffen, neuen Methoden und Herausforderungen des Wissenstransfers und Museologie | Homepage des Autors | blog in english, via google translate

34 Kommentare

  1. Um zu verstehen, was ´Zeit´ ist, braucht man nur Zweck und Funktion von Uhren betrachten:
    Zweck: Uhren sind Maschinen, die ein Zählwerk antreiben, mit dessen Hilfe man KALENDERDATEN als UHRZEIT darstellen/ablesen kann (Auf Basis der Messgröße ´Sekunde´wird gezählt.)
    Funktion: Wenn man das Federwerk einer Uhr aufzieht oder eine Batterie einlegt, dann fügt man damit potentielle Energie zu. Das Uhrwerk läuft, weil diese potentielle Energie in kinetische Energie umgewandelt wird – wodurch das Uhrwerk angetrieben wird. Wenn man diesen einseitig gerichteten Fluss von Energie als das ´Vergehen von Zeit´ betrachtet dann kommt man zu der physikalischen Definition ´Zeit ist Energie´.
    ´Zeit´ ist mit dieser Sichtweise aber keine Dimension mehr und Ideen wie ´4D-Raumzeit, Zeitreisen´ sind somit fragwürdig.
    Soweit zur physikalischen Sichtweise über ´Zeit´. (Die Physik hat bisher keine konkrete Definition für ´Zeit´ vorgelegt – d.h. konkrete Aussagen über die ´Zeit´ sind nicht möglich.)

    (Die Behauptung ´Zeit ist relativ´ ist fragwürdig – denn dazu hat man offenbar nicht beachtet, was eine Messung aussagt, wie ein Messgerät funktioniert und wozu eine Messung dient:
    Wenn man z.B. identische Präzisionsuhren in 1000 m Höhe so eicht, dass sie genau gleich die Uhrzeit anzeigen – dann werden sie langsamer gehen, wenn man mit ihnen auf 0 m Meereshöhe die aktuelle Uhrzeit misst. Und sie werden schneller gehen, wenn man mit ihnen die aktuelle Uhrzeit auf 2000 m Höhe misst. Weil sich aber die Dauer des mittleren Sonnentages – dessen aktuelle Uhrzeit man misst – nicht ändert, nur weil zwei von drei Messungen etwas anderes anzeigen – muss man sagen: dass die Messungen auf 0 m, bzw. 2000 m Höhe falsch sind. Wer aber auf Grundlage dieser Messungen sagt – dass Zeit ´relativ´ ist – hat kein Verständnis für Messvorgänge und deren Aussagen.)

    Ideen wie ´Zukunft, Gegenwart, Vergangenheit´ sind Produkte unserer schöpferischen Phantasie – weil wir ein Gehirn haben, Denken, Erinnern und uns Vergangenes, Gegenwärtiges bzw. Zukünftiges vorstellen können.

    Und damit sind wir beim zentralen Fehler, welcher in Diskussionen zum Thema ´Zeit´ immer wieder gemacht wird: Es wird meist nicht klar festgelegt, was man eigentlich meint und worüber man diskutieren will.

    Physikalisch gibt es nur die Tatsache, dass sich alle Veränderungen an einer imaginären Grenze des Übergangs abspielen – die wir mit dem Begriff ´Gegenwart´ bezeichnen. Physikalisch gibt es aber keine Zukunft, Gegenwart bzw. Vergangenheit.

    Wenn aber Geologen (m,w,d) sich mit ´Zeiträumen´ befassen, dann benutzen sie dazu Begriffe, die unserer kreativen Phantasie entstammen: Die Vorstellung von geologischen bzw. evolutionären Veränderung über Zeitabschnitte ist eine Methode, die uns hilft Ereignisse einzuorden und Strukturen zu erkennen. Geologen beschreiben nur Geschichtsereignisse – wenn man von ´Zeiträumen´ spricht.

    • “Physikalisch gibt es aber keine Zukunft, Gegenwart bzw. Vergangenheit. ”
      Doch, die Geschichte des Universums kennt ein Vorher und ein Nachher.
      Und dieses Vorher und Nachher ist das Wesen der Zeit.

  2. Ich habe gerade durch Zeitdilatation verursachtes Alters-ADHS: Weil ich im Alter langsamer ticke, scheint für mich die Welt im Schnellvorlauf zu laufen: Im Stop-Motion-Film des Bewusstseins nehme ich weniger Bilder pro Sekunde auf. Es ist nichts Geheimnisvolles dran – wir bewegen uns mit Lichtgeschwindigkeit durch die Zeit, die Uhr misst die Frequenz, das Lineal die Amplitude, die Sonne ist ein Lichtstrahl, um den sich die Planeten in Spiralbahnen wickeln, und Masse ist eine Sache des Standpunkts, keine objektive Eigenschaft. Sieht man doch. Sie nicht? Gerade als Geologe müsste man es gewöhnt sein, aus der Zeit herauszutreten und den Zeitstrahl von der Seite zu betrachten.

    Und weil das Ganze ein Stop-Motion-Film ist, bei dem zwischen den einzelnen Punkten, die uns wie eine ununterbrochene Zeitlinie erscheinen, eine beliebige Zeitspanne vergehen kann, sind geologische Zeiträume für irgend jemanden oder irgend etwas, das viel größer und langsamer ist als wir, bloß Quantenphysik, bei der in diesen Zwischenräumen so viel passiert, dass er keinen Sinn mehr darin erkennen kann. Das Lustige an Graphic Novels oder Filmen ist, dass sie mit der gleichen Physik ticken, wie das ganze Universum – Sie können zwei Bildchen malen, die Sie beliebig lange betrachten können, zwischen zwei Bildchen einen Kaffee trinken gehen oder eine Weltreise machen, weil das in unserem Universum eben so läuft, und Sie können sich seinen Regeln anpassen, sie nützen, aber nicht dagegen verstoßen.

    Wie mit der Zeit umgehen? Ich finde diese Einsicht befreiend. Ich lebe ewig und doch ist mein Leben bloß ein Augenblick. Ich bin für alles in mir Gott und für alles über mir bloß ein Nichts in unendlicher Vakuum-Pampe. Ich wurde aus einem Gewehr zwischen zwei Beinen gegen eine Wand geschossen und vertreibe mir bloß die Zeit, bis ich daran zerschelle. Ich falle rasend schnell in einen kosmischen Abgrund, pralle ein paar Mal von den Wänden ab und breche mir ein paar Knochen, wedele mit den Armen und versuche, meine Bahn zu stabilisieren, improvisiere und pfusche mich durch, bis ich irgendwann zerfalle. Alles ist ein Prozess, ein Flug, ein Tanz, ein Spiel, nichts ist wichtig, außer dem, was ich wichtig nehme, abgesehen von Schmerz, wenn der so groß wird, dass ich unwichtig werde.

    Schätze mal, Menschwerdung ist ein Prozess, bei dem ein Affe lernt, sich selbst nicht mehr so wichtig zu machen. Wenn wir Zeitalter nach uns benennen, genau in dem Augenblick, in dem wir klar zu erkennen beginnen, dass die Evolution von unseren geistigen Kindern weitergetragen wird, den Maschinen, und wir ins Naturschutzgebiet oder Zoo abwandern müssen – zeigt das wohl, dass wir eben ein Prozess sind, etwas Dazwischen, an dessen Ende nicht wir stehen. Es sei denn, die KI wird sich auch als Mensch betrachten. Denn nur etwas, das sein Gehirn von der menschlichen Natur befreien kann, kann das sein, wofür sich der Mensch immer gehalten hat.

    Naja. Ist noch lange nicht soweit. In Zeiträumen, in denen sich die Maschine spontan aus dem Leben entwickelt hat, ohne dass dem Dazwischen irgendwelche Bedeutung beigemessen werden muss, ticken wir ja nicht. Äffchen darf spielen und die Zeit so ordnen, wie es ihm passt. Macht ja Spaß.

    • Paul S
      “Ich lebe ewig und doch ist mein Leben bloß ein Augenblick.”
      Du hast es erfasst, Gedanken sind ewig, wenn sie erst einmal gedacht worden sind. Damit haben sie einen Anfang, aber kein Ende.

      • @Neumann
        In der Bibel steht: Jesus lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit, was bedeutet, daß die eine Ewigkeit endet und die andere Ewigkeit von ihm allein erreicht werden kann und sicher auch ein Ende hat, oder es bedeutet, dass er die Reinkarnationen/Wiedergeburten im SELBEN vollen Bewusstsein bis zum Jüngsten Tag erlebt!? 👋😇

  3. Reinhold Leinfelder schrieb (25. Okt 2023):
    > Was ist Zeit? […] Fragen wir doch mal die […] ‘Weltmaschine‘ des BMBF

    “In der Physik zählt die Zeit zu den grundlegenden Größen. […]”

    Nein! — Die betreffende physikalische Größe heißt Dauer.
    (Die deshalb auch als “Maß von Zeit” bzw. als “Maß der Zeit” bezeichnet wird.)

    Vgl. z.B. das Wort “Lesedauer” auf vielen SciLogs-Webseiten;
    oder das Wort “dauerte”, das im obigen SciLog-Artikel gleich zweimal vorkommt (an den betreffenden Stellen damit allerdings vermutlich “einmal zuviel” …).

    (Auf der oben genannten und verlinkten Internetseite findet sich das Wort “Dauer” dagegen offenbar in gar keiner Weise.
    Und im obigen SciLogs-Beitrag wäre dieses Wort noch an ein oder zwei weiteren Stellen anstatt “Zeit” zu gebrauchen.)

    Danke jedenfalls, SciLogs und Reinhold Leinfelder, für diese Gelegenheit, den (offenbar durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten) Verantwortlichen dieser Internetpräsenz öffentlich und einigermaßen auffindbar widersprechen zu können.

    Im Weiteren besagt das obige adaptierte Zitat zwar einiges Zustimmungsfähiges betreffend “Zeit”. Dessen “Schlusspointe” wiederum spottet allerdings jeder sachkundigen Kritik.

    Im übrigen sei Geologen natürlich gerne zugestanden, gewisse Worte (z.B. auch das Wort “gleichzeit[ig]”) recht entspannt dahinzuschreiben, die von Physikern nur mit großer Sorgfalt verwendet würden.

  4. Da habe ich ja eine interessante Diskussion zur Frage “Was ist Zeit?” angeregt, vielen Dank. Vielleicht war mein Einstieg (physikalische Zeit) ein bisschen zu überbetont? Im Beitrag sowie in der Graphic Novel geht es ja vor allem um die Notwendigkeit einer besseren “Zeitkompetenz” bzw. eines Zeitbewusstseins (nach Marcia Bjornerud: Timefulness, in bewusster Anlehnung an Mindfulness; auf Deutsch also eher “Zeitbewusstheit”). Wir können eben sehr schwer mit unterschiedlichen Zeitskalen und Zeitdynamiken umgehen. Viele sagen z.B. gerne: “Das Klima hat sich doch schon immer geändert” oder “die Korallenriffe sind schon x-mal ausgestorben und haben sich wieder erholt, schaut doch auf die Erdgeschichte” (ja, selbst manche Geokollegen sind davor nicht gefeit). Ist ja richtig, aber was soll uns dies sagen? Dies waren erdgeschichtliche Zeiträume, so dauerte es drei, fünf, in einem Fall sogar 140 Millionen Jahre (O.Devon-O.Trias), bis korallenreiche Flachwasserriffe wieder auftraten. Beim Klimaverlauf ist es vergleichbar. Das ist absolut nicht vergleichbar mit der Großen Beschleunigung in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Um also nicht reflexartig Klimawandel oder andere Umweltproblematiken mit erdgeschichtlichen Verläufen zu relativieren (“alles nicht so schlimm”), ist eben ein deutlich besseres Verständnis von Zeitabläufen wichtig. Auch dazu versucht unsere Graphic Novel beizutragen.

    • @R. Leinfelder: “Im Beitrag sowie in der Graphic Novel geht es ja vor allem um die Notwendigkeit einer besseren “Zeitkompetenz” bzw. eines Zeitbewusstseins …”

      Finde ich klasse, Zeit und Leistung OHNE Druck zur Kapitulation vor dem reformistischen Zeitgeist und zur wettbewerbsbedingt-konfusen Symptomatik / Bewusstseinsbetäubung, Kompetenz in Sachen Verständnis einer wirklich-wahrhaftigen und somit ganzheitlich-nachhaltigen Bewusstseinsentwicklung, für das Überschreiten/Überwinden der zeitlich-begrenzten Sicherung im geistigen Stillstand seit Mensch erstem und bisher einzigen geistigen Evolutionssprung.

  5. @KRichard 25:10 13:32

    „Physikalisch gibt es nur die Tatsache, dass sich alle Veränderungen an einer imaginären Grenze des Übergangs abspielen – die wir mit dem Begriff ´Gegenwart´ bezeichnen.“

    Die Veränderungen finden eben in einer zumindest recht lokalen Gleichzeitigkeit statt. Insbesondere die Biochemie verwandelt Möglichkeiten in Fakten, während sich das chemische Geschehen entwickelt. Ein Vorher und ein Nachher ist klar definiert. Unser Leben ist entsprechend ein Teil davon, und läuft als ständige Gegenwart durch die Zeiten.

    „Physikalisch gibt es aber keine Zukunft, Gegenwart bzw. Vergangenheit.„

    Das kommt auf das spezielle Fachgebiet an. Newtons Gesetze oder die RT haben Schwierigkeiten, eine Gegenwart zu definieren. Die Thermodynamik läuft aber nur in eine Richtung, und die Chemischen Reaktionen haben auch immer eine Richtung. Die Quantenmechanik hat allerdings ganz konkret Übergänge von Wellenfunktionen und deren Zusammenbrüche, und diese finden in einer definierten Gegenwart statt, und das stets sehr gleichzeitig mit den Zuständen in der unmittelbaren Umgebung.

    Die bewusste Gegenwart von uns selbst ist freilich noch mal noch mehr, baut aber wohl auch auf den gegenwärtigen und gleichzeitig laufenden Prozessen der Biochemie auf.

    Die Geologie arbeitet nun auf anderen Skalen. Die Jahrmillionen bestehen allerdings letztlich auch aus Millisekunden. Und entsprechend hat man es vor allem mit sehr kleinen Spuren einer sehr komplexen und umfangreichen Vergangenheit zu tun.

  6. @Jeckenburger
    Wenn man sich für das Thema ´Zeit´ interessiert – sollte man unbedingt das Buch ´Bekenntnisse´ von Bischof Augustinus lesen und zwar den Abschnitt ´Buch 11, Kapitel 13-29´. Dieser Text ist in schwer verständlicher, sperriger Sprache geschrieben – ab es lohnt sich, ihn gründlich zu studieren:
    (Buchquelle: ´Augustinus´: Bekenntnisse, Reclam, ISBN: 978-3-15-002792-9)

    In Kapitel 18 begründet er, warum es nur die Gegenwart geben kann und in Kapitel 15+21 macht er darauf aufmerksm, dass die Gegenwart keine Ausdehnung/Dauer haben kann (nicht die geringste).
    Des weiteren weist er deutlich darauf hin, dass alle Vorstellungen über Zukunft, Gegenwart bzw. Vergangenheit nur in unserer Wahrnehmung entstehen können – weil wir ein Gedächtnis haben, uns Erinnern und uns die Zukunft vorstellen können (z.B. Kap. 17+26+27+28) – was er als ´Ausdehnung des Geistes´ beschreibt.
    Kurz gesagt – er unterscheidet deutlich zwischen der Realität und unserer Wahrnehmung.

    Und damit sind wir beim Blogthema ´Zeitbewusstsein´: Damit wir ein solches für unsere Umwelt entwickeln können, ist es wichtig, dass wir viele Informationen z.B. über geologische, klimatische bzw. evolutionäre Ereignisse sammeln – die wir dann anschließend gedanklich verarbeiten können. Je mehr und je bessere Informationen wir dazu haben, um so besser ist dann unser Verständnis von Veränderungen auf unserer Erde und im All.

    off topic:
    Die Idee mancher Physiker – dass es auf Quantenebene eine Gegenwarts-Dauer oder gar eine Zeitumkehr geben könne, ist sehr fragwürdig. Denn alle Quantenobjekte auf der Erde werden durch deren Rotation bewegt, die Erde bewegt sich dabei um die Sonne, welche sich wiederum als Teil unserer Galaxie in einem expandierenden Universum bewegt. Wenn Gegenwart eine Dauer hätte oder gar die Zeit umkehrbar wäre – dann müssten dazu alle diese Bewegungen dabei angehalten oder sogar umgedreht werden. Das ist nicht möglich.
    Man darf auch ein einzelnes Quantenobjekt nie von seinem Umfeld isoliert betrachten, wenn man gute Theorien aufstellen will.

  7. @KRichard 26:10 15:30

    „Wenn Gegenwart eine Dauer hätte oder gar die Zeit umkehrbar wäre – dann müssten dazu alle diese Bewegungen dabei angehalten oder sogar umgedreht werden. Das ist nicht möglich.“

    Wenn sich ein Zeitzusammenhang etwa in der Biochemie zeigen würde, dann bezöge der sich auf den konkreten Ort und die Bewegungszustände der beteiligten Moleküle. Da sehe ich keine Probleme.

    „Man darf auch ein einzelnes Quantenobjekt nie von seinem Umfeld isoliert betrachten, wenn man gute Theorien aufstellen will.“

    Neben den direkten örtlichen Zusammenhängen kommt doch sogar ein Zeitlicher dazu. Das scheint mir so alles Sinn zu machen.

    Unsere bewusste persönliche Zeitreise durch das Leben darf auch gerne einen jederzeit komplexen Zustand haben, der sich aber eben quasi ewig durch das ganze Leben zieht. Mit dem Tod wäre das Leben aber nicht mehr definiert, und vor der Zeugung auch nicht.

    Hier muss ich dann Augustinus widersprechen.

    „…was er als ´Ausdehnung des Geistes´ beschreibt.“

    Diese bezieht sich dann auf unser Fähigkeit, die Welt langfristig und weiträumig systematisch zu erfassen. Die Existenz an sich dürfte sehr viel kurzfristiger sein.

  8. @Jeckenburger
    In der Physik/Chemie gibt es keine Zeit-Dimension. Alle Veränderungen laufen in unserem dynamischen Universum nach physikalischen+chemischen Gesetzen/Abfolgemechanismen ab.
    Ein Stein/Baum weiß nicht, was morgen ist oder was gestern war.

    Um eine Vorstellung von Zeiträumen zu haben – braucht man nicht nur ein Gedächtnis, sondern auch die Fähigkeit bestimmte Informationen sowohl zu sammeln, wie auch zu verarbeiten.

    Wir Menschen haben ein von Tieren deutlich unterschiedliches ´Zeitbewusstsein´: weil wir nicht nur in der Lage sind, Wissen zu erwerben, welches deutlich über Überlebensbedürfnisse hinausgeht,
    sondern auch – weil wir zusätzlich auch noch in der Lage sind, dieses erworbene Wissen kreativ zu verarbeiten.

    Z.B. Wenn wir Menschen irgendwo geologischen Schichten und darin eingebettete Knochen von Dinosauriern sehen – dann können wir erdgeschichtliche Entwicklungsmodelle mit diesen Informationen entwickeln.
    Tiere können das nicht.

  9. @KRichard 27:10 14:55

    „Ein Stein/Baum weiß nicht, was morgen ist oder was gestern war.“

    Beim Baum fängt es aber vielleicht schon an, dass er irgendwie seine Gegenwart erlebt. Wo hier bzw. bei Tieren ein Gegenwartserleben einsetzt, das mag ein Übergangsfeld sein. Zwischen Regenwürmern, Bienen, Mäusen und Affen fängt es irgendwo an damit. Und das Gegenwartserleben wird mit der Höherentwicklung immer größer und detaillierter, und womöglich auch die Zeitdimensionen, die hier einbezogen werden.

    „…weil wir zusätzlich auch noch in der Lage sind, dieses erworbene Wissen kreativ zu verarbeiten.“

    Das ist dann wohl ein ziemlich menschliches Privileg. Überhaupt sich auch richtige Sorgen um die Zukunft zu machen, das können nur wenige Tiere, z.B. wohl Elefanten.

    Auch bei der Entwicklung von Menschenkindern wächst das Bewusstsein erst heran, und wird über die ersten Monate schon im Mutterleib und die folgenden Jahre wohl immer größer und komplexer. Und bis zum Rentenalter wird der Überblick über immer mehr Erfahrungen und Zusammenhänge immer größer. Bis dann die altersmäßigen Verfallserscheinungen irgendwann die Oberhand gewinnen.

    Der Kulturelle Fortschritt ist beim Menschen dann eine ganz eigene Sache für sich. Der Überlebt seine Protagonisten, und hat seine Eigendynamik, die sich der Kontrolle konkreter Individuen ziemlich entzieht. Hier sind dann sogar einzelne Gedanken ansteckenderweise eigene Protagonisten.

    Wissenschaftliche Theorien z.B. sind solche ansteckenden Meme, und recht unabhängig von den Menschen, die sie als Erste entdeckt haben. Mit der Entwicklung der IT und KI geht das dann nebenbei auch noch in eine andere Phase über? Etwa Wetter- und Klimasimulationen produzieren auch Fakten, die Eingang in die Kultur finden, wenn sie relevant sind.

    Wenn man das weiterdenkt, dann wird die Kultur letztendlich sogar vom Menschen unabhängig werden, und in der sich weiterentwickelnden KI ganz neue Existenzräume finden können? Die aktuellen Sprach-KI-Modelle sind inzwischen eine gewisse Eigenexistenz in der Form einer organisierten Sammlung kultureller Meme. Und das ist der aktuelle Stand, das geht ja noch weiter.

    Wenn hier sensorische und manuelle Welterfahrung und innere Erlebniswelten dazu kommen, dann werden diese Räume immer größer. Und werden sich immer mehr einfach mit sich selbst beschäftigen können. Und so zum eigenständigen Kulturträger werden.

  10. Zeit ist eine gefühlsmäßige …, deshalb gehört Zeit auch zu den Sinnesreizen die wir mit gemeisam-fusionierten …!? 👋😇

  11. Liebe Diskutierende, das Thema Zeit scheint ja wirklich für viele sehr spannend zu sein. Ich habe bislang auch alle eingegangenen Kommentare freigegeben. Aber das Kommentarforum hier dient ja v.a. dazu, die Blogbeiträge (und in diesem Fall ggf. auch die Grundlage des Beitrags, die Graphic Novel zum Anthropozän zu diskutieren), und daraus resultierend etwa, warum wir lange Zeitläufe eher als Ausreden für Nichtstun nehmen und kurzen Zeitläufen wie der Großen Beschleunigung eher keine Aufmerksamkeit schenken, sowie ansonsten auch schwer über unseren persönlichen Lebenszeitlauf hinausdenken bzw. ggf. dann vielleicht eher wieder einen Sprung in Science Fiction machen, also die für uns persönlich relevante Zeit gleich wieder überspringen und damit auslassen. Das ist dann schon etwas anders, als eine philosophische / theologische Betrachtung der Zeit, die die Relevanz einer Zeitbewusstheit für uns dann oft eher wieder wegschiebt. Wir wollten mit der Novel zum Ausdruck bringen, dass wir die kurze, aber auch die lange (auch erdgeschichtliche) Vergangenheit besser kennen bzw. wahrnehmen sollten, um sowohl das heutige Produkt dieser Prozesse vergangener Zeiten sowie unseres aktuellen Tuns besser zu verstehen und dies für eine aktive Zukunftsmitgestaltung einbringen zu können. Ansonsten wird unsere Zukunft nur zu einer “Diktatur des Jetzt” für die zukünftige Zeit (im Sinne von J. Schellnhuber). In diesem Sinne bietet der im letzten Beitrag von hto gepostete Link durchaus etliche interessante Aspekte. Mir ginge es allerdings wieder eher darum “Weltzeit” und “Lebenszeit” nicht als Gegensatz, sondern als verknüpft anzusehen. Derzeit müssen wir ja sogar die (erdgeschichtliche) Weltzeit neu gliedern, indem wir eine neue Epoche, das Anthropozän einführen, und ja, dies betrifft dann wieder auch unsere Lebenszeit, die unserer Kinder, und aller zukünftigen Generationen.

  12. @Leinfelder
    Sie kritisieren dass sich bisherige Beiträge bevorzugt mit dem Thema ´Zeit´ und der ´Zeitwahrnehmung´ beschäftigt haben.
    Der Grund dafür ist einfach: Sie selbst haben dieses Thema prominent im einführenden Blogbeitrag plaziert – sogar als ersten Satz “Was ist Zeit?”.
    Sie geben damit in Ihrem Beitrag mehrere Themen vor:
    Daher als Anregung für zukünftige Blogbeiträge: Sie sollten so geschrieben sein, dass damit nur die Diskussion zu einem konkreten Thema angeregt wird; von welchem man auch will, dass dazu Beiträge geschrieben werden.

    PS
    Und noch ein amüsanter Hinweis, wie man den Inhalt von Diskussionen steuern kann: Der amerikanische TikToker Ryan Gawlik baut absichtlich scheinbar dumme Fehler in seine Videos ein um die Zugriff-/Klickzahlen zu steigern. Er sagte in ´Business Insider´: “I had one situation where people corrected me so much, it got to, I think, five million views and just out of that silly thing.”
    (Quelle: SPOTLIGHT Nr. 13/23)

    • KRichard, danke für Ihren Kommentar. Sollte keine Kritik sein, sondern eher eine gewisse Verwunderung, dass es “nur” quasi um diese erste Passage ging. Ich hatte ja schon in meinem Kommentar zuvor (vom 26.10.) geschrieben, dass es vielleicht ein Fehler war, mit dieser Frage begonnen zu haben. Hatte halt gehofft, damit einen etwas anderen Zugang zum Thema der Graphic Novel rund ums Anthropozän zu erreichen. Und ja, das Vorwort in der Graphic Novel beginnt tatsächlich auch mit der Frage “What is time?”, dort ging’s dann im Vorwort aber eher um die persönliche Wahrnehmung bzw. Nichtwahrnehmung von Zeit (und Zeitskalen). Und in den ‘Notes’ am Ende der eigentlichen Novel ist auch der hier im Blog eingangs genannte physikalische Aspekt (mit Bezug auf die Weltmaschine) dabei. (Klickzahl-Steigerung wollte ich aber hier nicht damit erreichen, hab mich nur gefragt, ob der Beitrag tatsächlich auch gelesen wurde. Falls nein, war der Einstieg zugegeben nicht der richtige – ich will den nun aber nicht nachträglich ändern).

  13. @Leinfelder 28:10 12:09

    „Ansonsten wird unsere Zukunft nur zu einer “Diktatur des Jetzt” für die zukünftige Zeit“

    Einerseits ist dies naturgemäß ein wenig unvermeidbar. Zukünftige Generationen können am Markt nicht teilnehmen, dürfen nicht wählen und haben noch nicht mal die Möglichkeit zu kommentieren.

    Zu wieviel Verantwortung wir fähig sind, dass steht dann aber wenigstens dagegen.

    „Mir ginge es allerdings wieder eher darum “Weltzeit” und “Lebenszeit” nicht als Gegensatz, sondern als verknüpft anzusehen.“

    Ich will Teil der Lösung sein, nicht Teil des Problems. Dieser recht einfache Spruch schlägt allerdings tatsächlich eine Brücke zwischen Lebenszeit und Weltzeit. Eine Brücke für ein Leben im Hier und Jetzt mit dem definitivem Thema einer Sorge für die räumliche und zeitliche Ausdehnung darüber hinaus. Das kann durchaus zu einer richtigen Identität werden.

    Und das kann man auch spirituell interpretieren. Dann ist man ganz konkret und aktiv in einer Geisteswelt zuhause, die selbstverständlich über die eigenen Grenzen hinauswirkt. Und auch aus dem ganzen Kosmos im Sinne von durchaus geistiger Bereicherung aufs Individuum zurückwirken kann.

    Und selbst ohne Spiritualität ist man so Teil von sehr viel mehr, als nur profan effektiv zu arbeiten und die Früchte davon ohne viele Gedanken zu Sinn und Zweck zu verkonsumieren.

    Wichtig ist hier glaube ich, dass sowohl der zeitliche wie der räumlich fernere Zusammenhang ins eigene Leben und Streben eingebaut werden kann.

  14. Beifall und Kritik zugleich.
    Wenn das Verständnis zur Geschichte der der Erde eine Hilfe sein soll, unsere Gegenwart besser zu verstehen und auch die Dramatik wahrnehmen die gerade unsere Erde, die Grundlage unserer Existenz, erschüttert, dann sollte man ein anderes Wort wählen als Anthropozän.
    Von den 800 Millionen Erdmenschen versteht wahrscheinlich nur 1 % die Bedeutung dieses Begriffes ohne bei google nachzuforschen.

    Herr Leinfelder, die Leute sind kreativer als Sie denken, rufen Sie dazu auf ein “verständlicheres” Wort zu finden. Manche sprechen schon von Endzeit, was ich übertrieben finde.
    Vielleicht “Toxing Time” ?
    Das wäre ein Bruch mit der Tradition in der Wissenschaft lateinische oder griechische Bezeichnungen zu wählen.
    Und dieser Bruch ist überfällig.

    • Zum Begriff:

      Die Diskussion um den Begriff Anthropozän ist so alt wie die Verwendung des Begriffes selbst. Inzwischen ist der Begriff aber ziemlich überall angekommen, auch in der Politik, sogar bei der UN (Human Development Report 2020, UNDP: https://www.undp.org/belarus/publications/next-frontier-human-development-and-anthropocene )

      Hier ein paar Punkte:

      a) Ich erinnere mich an die Diskussionen beim Aufkommen des Begriffs Biodiversität. Unter Diversität könne sich niemand etwas vorstellen. Daher wurde dann häufig der Begriff „Biologische Vielfalt verwendet. Biodiversität und Diversität insgesamt versteht aber inzwischen fast jeder.

      b) Hier ein bisschen augenzwinkernd. Wenn man sich mal die vorherigen Epochen der Erdgeschichte ansieht, reichen die vom alten, über das aufgehende, das kleine, das mehr, das am meisten, bis hin zu Das völlig Neue. Da ist doch „Das Menschen-Neue“ bzw. auch übersetzbar mit „Das vom Menschen gemachte Neue“ ein richtiger Kreativitätsschub 😉

      Hier nochmals die Liste der Epochen des Paläogens, des Neogens und des Quartärs von alt (unten) nach jung (oben):

      Anthropozän: Das Menschen-Neue
      Holozän: Das völlig Neue
      Pleistozän: Das am meisten Neue
      – Neogen/Quartär-Grenze
      Pliozän: Das mehr Neue
      Miozän: Das kleine Neue
      – Paläogen/Neogen-Grenze –
      Oligozän: Das schwach Neue
      Eozän: Das aufgehende Neue
      Paläozän: Das alte Neue
      – Kreide/Paläogen-Grenze

      c) Alternative Vorschläge wurden laufend aufgeführt, etwa Pyrozän, Plastizän, Homogenozän, Kapitalozän uvm. Das betrifft aber immer nur Teilaspekte, in Anthropozän, dem menschengemachten Neuen steckt dies alles drin.

      d) Es wurde auch vorgeworfen, griechisch Anthropos bedeute ja der Mensch, aber auch der Mann. Damit würde es erst mal die Menschheit über einen Kamm scheren, dabei ist ja vor allem die südliche Welt und natürlich auch Native People kaum Auslöser des Anthropozäns, sondern nur die kapitalistische Welt. Dem kann viel entgegnet werden, hier nur soviel: natürlich sind die Verantwortlichkeiten absolut unterschiedlich, aber das Wort Anthropos ist hier zum einen generisch verwendet, macht also keine Verantwortungsgleichverteilung, zum anderen ist es natürlich wichtig, aus der globalen und regionalen Analyse des anthropozänen Erdsystems und der anthropozänen Sedimente dann eben genau diese Verantwortungsunterschiede auf einer konsequentiellen Metaebene herauszuarbeiten.

      e) hier noch ein recht alter Blogbeitrag vom Anthropozäniker (2013) u.a. zur Geschichte des Begriffs: https://scilogs.spektrum.de/der-anthropozaeniker/anthropoz-n-die-diskussion-begriffsherkunft-weltbild-herausforderungen/ (und falls von Interesse, hier eine Auflistung von sonstiger Kritik und positiver Aufnahme des Anthropozän-Konzepts (von 2015), siehe v.a. Abb. 2.: https://scilogs.spektrum.de/der-anthropozaeniker/kritik-am-anthropozaen-konzept-ein-update/

      So, nun warten aber die Enkelchen, jetzt geht’s also um Zukunfszeit 😉

  15. Reinhold Leinfelder,
    Bei wissenschaftlich geschulten Menschen rennen Sie offene Türen ein.
    Es sind aber die Menschen , die weder Latein noch Griechisch kennen, die die Erde vermüllen, die die Steuergelder erwirtschaften, die die Wissenschaft benötigt.
    Man sollte die Bezeichnungen auf Englisch umstellen. Das ist die Sprache der Zukunft.
    Das nur nebenbei.
    Ihr Anliegen , die Welt bewusst zu machen, das ist sehr gut. Denken sie dabei auch an die Dummies, die von all dem noch nichts gehört haben.
    Und jetzt kommen die Enkelchen, Viel Spaß dabei.

  16. Der Begriff ´Anthropozän´ wurde aus mehreren Gründen geschaffen
    – z.B. um zu verdeutlichen, dass wir Menschen mit unserem Handeln die Erde und das Klima aktiv so verändert haben, wie dies noch nie in der Erdgeschichte geschah. (Weil Entwicklungsabschnitte auf der Erde in wichtige Perioden unterteilt werden um sie zu verstehen und diskutieren/erforschen zu können – haben wir damit ein neues, menschengeformtes Zeitalter geschaffen.)
    – z.B. soll die Benennung dieses neuen Zeitalter auch dazu anregen, dass wir uns unserer Verantwortung für die Erde und die zukünftig darauf lebenden Menschen, Tiere und Pflanzen bewusst werden. Mit dem Ziel, dass wir – mit Rücksicht auf zukünftige Lebenwesen etwas rücksichtsvoller bzw. nachhaltiger mit den Ressourcen der Erde umgehen.

    Leider gibt es dabei ein Problem: Wenn interessiert´s?

    Um nur zwei konkrete Beispiele zu nennen:
    1) Sehr viele Menschen auf der Erde sind religiös und glauben ernsthaft daran, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Mit dieser weitverbreiteten Einstellung ist kein großer Reiz vorhanden, für die Lebensbedingungen zukünftiger Generationen aktiv handelnde Verantwortung zu übernehmen: denn das Beste kommt doch sowieso erst nach dem Tod – das ewige Leben.
    2) Viele Menschen leben unter armseligen Bedingungen und viele sind dabei auch noch auf der Flucht. Da interessiert es nicht, was man für die Zukunft der Lebensbedingungen auf der Erde tun kann – denn es zählt nur das aktuelle Überleben.

    Mit diesem Beitrag will ich zeigen, dass der Begriff ´Anthropozän´ nur für akademische Diskussionen Bedeutung haben wird und kaum geeignet ist, die Handlungen von Menschen auf der Erde zu beeinflussen.

    • @R. Leinfelder: “… und daraus resultierend etwa, warum wir lange Zeitläufe eher als Ausreden für Nichtstun nehmen und kurzen Zeitläufen wie der Großen Beschleunigung eher keine Aufmerksamkeit schenken, sowie ansonsten auch schwer über unseren persönlichen Lebenszeitlauf hinausdenken …”

      Ausreden für die wettbewerbsbedingt-konfuse materialistische “Absicherung”, im zeitgeistlich-reformistischen Kreislauf, womit KRichard leider auch ins Schwarze trifft, denn den Menschen ist von der religiösen Institution eine entsprechend konfuse Interpretation der Philosophie der Bibel (v)erklärt worden.

      “… griechisch Anthropos bedeute ja der Mensch, aber auch der Mann. Damit würde es erst mal die Menschheit über einen Kamm scheren, dabei ist ja vor allem die südliche Welt und natürlich auch Native People kaum Auslöser des Anthropozäns, sondern nur die kapitalistische Welt. Dem kann viel entgegnet werden, hier nur soviel: natürlich sind die Verantwortlichkeiten absolut unterschiedlich, aber das Wort Anthropos ist hier zum einen generisch verwendet, macht also keine Verantwortungsgleichverteilung …”

      Mensch bedeutet nach Bibel IMMER ALLE, seit der “Vertreibung aus dem Paradies” (Mensch erster und bisher einzige geistige Evolutionssprung), die Texte sprechen nie “einzelne” oder ein “Individualbewusstsein” an (Matthäus 21,18-22).

      Für die VOLLSTÄNDIGE Gestaltung der Kraft des Geistes / des Zentralbewusstseins, muss Vernunftbegabung zur Vernunft und dem Verantwortungsbewusstsein als ganzheitlich-ebenbildliches Wesen Mensch werden (Gott bedeutet Vernunft), was dann in der gemeinsamen/fusionierten Vorstellungskraft/Imagination zur Weiterentwicklung und/oder Steuerung des holographischen Universums dienen/denken soll (ohne materialistische Krücken wie neuerdings KI, von KI Mensch!).
      🤏😇

      Wir können aber auch so bewusstseinsschwach und bewusstseinsbetäubend weitermachen wie gewohnt, dann: Jesaja 55,8-11 – Es muss ja nicht Mensch sein, es kann auch ein anderes ganzheitlich-ebenbildliches Wesen sein (Zeit und Raum sind …).

      Übrigens, wenn man dem Teufel die Seele als Geschäft anbieten könnte, für wenigstens weitere 1000 Jahre Menschheit, dann … – Aber so wie “KI der Schöpfung Mensch” noch keine eigene Seele anzubieten hat, so ist der Teufel auch nur …!? 👋😇

    • KRichard
      “Mit diesem Beitrag will ich zeigen, dass der Begriff ´Anthropozän´ nur für akademische Diskussionen Bedeutung haben wird und kaum geeignet ist, die Handlungen von Menschen auf der Erde zu beeinflussen.”

      Mir geht es um dasselbe. Die Zeiten, wo die Wissenschaft im Elfenbeinturm eine notwendige “Weltensicht” errichtet hat, die sind vorbei. Jetzt muss sich die Wissenschaft durch das Internet der großen Mehrheit stellen, ihr Argumente liefern. Sie muss ihre Sprache ändern !!
      Herr Leinfelder, Seien Sie ein Trendsetter, Science for the people.

  17. “Zeitkompetenz, bzw. Zeitbewusstsein”

    “NICHTS TUN IST BESSER ALS MIT VIEL MÜHE NICHTS SCHAFFEN” Laotse

    In meiner Kindheit sagte mal einer: “In jeder Zelle des Körpers steckt ein Universum, drückt man z.B. den Daumen, dann bedeutet das …”!?
    ☝😇

    “Ich habe mich so oft gefragt, ob nicht gerade die Tage, die wir gezwungen sind, muessig zu sein, diejenigen sind, die wir in tiefster Tätigkeit verbringen?
    Ob nicht unser Handeln, selbst wenn es später kommt, nur der letzte Nachklang einer großen Bewegung ist, die in untätigen Tagen in uns geschieht?
    Jedenfalls ist es sehr wichtig, mit Vertrauen muessig zu sein, mit Hingabe, womöglich mit Freude.” Rainer Maria Rilke
    👋😇

  18. Für die bislang hier Kommentierenden noch ein paar Bemerkungen von meiner Seite:

    Zur Vertiefung des Ansatzes zu „Timefulness“ /„Zeitbewusstheit“ kann ich das Buch von Marcia Björnerud „Zeitbewusstheit, Geologisches Denken und wie es helfen könnte, die Welt zu retten” empfehlen https://www.matthes-seitz-berlin.de/buch/zeitbewusstheit.html

    Zum Erreichen möglichst breiter Teile der Bevölkerung arbeite ich u.a. gerne mit

    Wissenscomics und Science Graphic Novels (früher zB. schon: https://scilogs.spektrum.de/der-anthropozaeniker/trafocomicprojekt/, https://www.environmentandsociety.org/exhibitions/welcome-anthropocene/milestones-anthropocene, https://scilogs.spektrum.de/der-anthropozaeniker/anthropozaen-kueche/

    Ausstellungen: z.B. die erste große Ausstellung zum Anthropozän in Deutschland: Willkommen im Anthropozän. Unsere Verantwortung für die Zukunft der Erde (Deutsches Museum, 2014, https://scilogs.spektrum.de/der-anthropozaeniker/gro-e-anthropoz-n-ausstellung-am-deutschen-museum-geplant/ , Anthropozän-Projekt am Haus der Kulturen der Welt (https://scilogs.spektrum.de/der-anthropozaeniker/kunst-und-wissenschaft-brechen-gemeinsam-ins-anthropoz-n-auf/ ) u.v.m.

    Erklärnarrativen, wie “Die Erde als Stiftung sehen”, “Von der Biosphäre für die Technosphäre lernen”, “vom Parasitismus zur Symbiose”, “von der Umwelt zur Unswelt” etc., siehe z.B. hier: https://scilogs.spektrum.de/der-anthropozaeniker/narrative/

    Schulen / Lehrkräften /Pädagogik: siehe z.B. https://www.ph-noe.ac.at/de/forschung/forschung-und-entwicklung/anthropozaen/das-projekt-das-anthropozaen-lernen-und-lehren; https://scilogs.spektrum.de/der-anthropozaeniker/neue-bildungskonzepte-in-zeiten-des-anthropozans/
    sowie z.B. Lehrhandreichungen dazu für Schulen, u.a. https://www.berlin.de/sen/bildung/unterricht/faecher-rahmenlehrplaene/globale-entwicklung/die_grosse_transformation_web.pdf?ts=1696411354 ; http://anthropocene-kitchen.com/fileadmin/user/handreichung/Mehlwurmburger/Mehlwurmburger-web.pdf
    Siehe ggf. auch: CultureNature Literacy (CNL). Schlüsselkompetenzen für Zukunftsgestaltung im Anthropozän. Ein Handbuch für den Theorie-Praxis-Transfer in Schule und Hochschule. https://doi.org/10.53349/oa.2023.a1.210

    Kindern, siehe z.B.: Kinderbuchprojekt zum Anthropozän http://werdewiederwunderbar.com

    religiösen Gruppen: Umweltenzyklika des Papstes, siehe z.B. https://scilogs.spektrum.de/der-anthropozaeniker/der-papst-joe-romm/ oder Vortrag für Katholische Gemeinden in Koop mit Cusanus-Hochschule und Kath. Erwachsenenbildung Trier (Vortragsaufzeichnung vom 14.9.2023): https://www.youtube.com/watch?v=eynhiq75CNQ

    Politiker*innen und Politikwissenschaften (z.B. WBGU-Transformations-Comic u.a. für den Bundestag; Beitrag für Zeitschrift Umweltrecht https://scilogs.spektrum.de/der-anthropozaeniker/das-erdzeitalter-des-anthropozaens-und-die-notwendigkeit-der-grossen-transformation-welche-rollen-spielen-umweltpolitik-und-umweltrecht/ etc.
    siehe auch hier: https://scilogs.spektrum.de/der-anthropozaeniker/anthropozaen-dialog/

    Auch zu Entschuldigungsmustern (z.B. https://scilogs.spektrum.de/der-anthropozaeniker/frueher-war-die-zukunft-auch-besser/ ) und weiteren Themen rund ums Anthropozän gibt es etliches auch auf diesem Blog, bei Interesse gerne mal durchschauen.

    Damit schließe ich bis auf weiteres diese Kommentarrunde zum Beitrag hier. Vielen Dank an die Kommentierenden.

  19. Zeit meint die Veränderung (der Welt) und sie ist mit unterschiedlichen Methoden, Maßnahmen zu messen.
    A bisserl blöde wird es dann mit der Relativität und den so notwendigen Bezugssystemen, die nicht klar zu fassen sind.
    Allerdings liegt so das grundsätzliche Problem der Naturwissenschaften vor, das aber nicht weiter stören muss, auch gut bearbeitet zu sein scheint, wenn viele Anwendungen ohne der Relativität auskommen.
    Und es mit dem Verständnis der Relativität, letztlich der Endlichkeit der Lichtgeschwindigkeit geschuldet, auch nicht schlecht ausschaut.

    Für Historiker und Geologen, Geologen sind Historiker der großen Zahl sozusagen, für Paläontologen und Geobiologen spielt der relativistische Überbau keine besondere Rolle.
    Es wird halt ausschnitsartig, näherungsweise und an Interessen (!) gebunden erfasst, um in der Folge ausschnitsartig, näherungsweise und an Interessen (!) zu theoretisieren zu suchen.
    Aus Sicht des “Jetzt”. [1]

    Mit freundlichen Grüßen und weiterhin viel Erfolg, Im Anthropozän
    Dr. Webbaer

    [1]
    Historiker können immer in die Falle geraten das “Jetzt” und ihre eigene jetzige Sicht überzubewerten, retroanalytisch sozusagen und Zwangsläufigkeiten der weltlichen Entwicklung annehmeend, statt in “Ranges” zu denken und zu publizieren.

    • “Es wird halt ausschnitsartig, näherungsweise und an Interessen (!) gebunden erfasst, um in der Folge ausschnitsartig, näherungsweise und an Interessen (!) zu theoretisieren zu suchen.”
      So ist es. Mir persönlich gefällt die geologische Einteilung der Erdzeit am besten, weil es die “Steine” sind ,die man findet.
      Die Moderne würde ich als Plasticgozähn bezeichnen. wir sind gerade die Zeitzeugen, wie aus den Kunststoffabfällen gemischt mit Sand ein neues Gestein entsteht. auf Englisch “Plastictime.

    • Dr. Webbaer schrieb (31.10.2023, 18:01 Uhr):
      > […] ist mit unterschiedlichen Methoden, Maßnahmen zu messen
      > [… wobei] viele Anwendungen ohne […] Relativität auskommen.

      Damit ist das Problem illustriert (oder zumindest eingekreist), dass vom “Messen”

      – als einer Bewertung einschließlich gewissenhafter Angabe der “systematischen Unsicherheit” (d.h. eines endlichen Bereiches, der sowohl den ermittelten Wert als auch den wahren/richtigen Wert der betreffenden Messgröße im betreffenden Versuch enthält; und deshalb einschließlich: Wie dieser überhaupt zumindest im Prinzip festgestellt werden sollte) die Rede sein kann,

      – aber auch als einer Bewertung ganz ohne (gewissenhafte, oder gar irgendwelche) Betrachtungen betreffs des wahren/richtigen Wert der betreffenden Messgröße im betreffenden Versuch.

      Das Wesentliche der RT ist nun mal, dass man sich (als Physiker; aber auch als Nicht-Physiker)
      »einer Täuschung hingäbe«
      , wenn … man den Unterschied nicht beachtet.

      Die vielbeschworene und (angeblich) vielbestaunte “Einheit der Natur(-Beschreibung)” setzt jedenfalls die “Einheitlichkeit” der jeweils auszuwertenden definitiven Messgröße schon voraus.

      > […] Verständnis der Relativität, letztlich der Endlichkeit der Lichtgeschwindigkeit […]
      > […] der relativistische Überbau

      Das ist eben ganz entscheidend “zu kurz gesprungen”.
      Verständnis der Relativitätstheorie äußert sich insbesondere in Beschäftigung (mit), sowie in der Beantwortung der Frage:
      “Was ist/wie messen wir überhaupt “Geschwindigkeit ´´ ?”;
      und zwar unter (ausschließlichem) Einsatz der nachvollziehbaren Methoden der RT (deren grundsätzliches Verständnis schon allein dafür notwendig wäre, um überhaupt die Frage stellen zu können, “Wie das überhaupt zu verstehen sein sollte?”; bzw. deren Unverständnis sich nicht einmal heucheln ließe, ohne damit zugleich schon deren Verständnis zuzugeben).

      RT ist recht verstanden als der Unterbau von Messung!

      > A bisserl blöde wird es dann mit der Relativität und den so notwendigen Bezugssystemen, die nicht klar zu fassen sind.

      Tja — regelrecht bekloppt (jedenfalls mit ca. einem Jahrhundert Abstand betrachtet), sich zur Definition der (schon für “bloße Kinematik”) so notwendigen Inertialsysteme auf irgendwelche (“schwammigen” und sowieso bestenfalls zweitrangigen) “Gesetze der Mechanik” berufen zu wollen! Insbesondere die Spezielle Relativitätstheorie ist hinsichtlich “Didaktik” offensichtlich noch “work in progress”. …

      p.s.
      > […] die Falle[, …] das “Jetzt” und ihre eigene jetzige Sicht überzubewerten,

      Die Warnung ist zwar ernstzunehmen.
      Aber diese beschriebene Falle kann (Konstruktions-bedingt) am allerwenigsten jene “schnappen”, deren “Ansicht” bzw. “Ansatz” lediglich darin besteht, ihren “Ansatz” genau auf Dasjenige zu reduzieren, dessen Verständnis zugleich jeder Kundin zugestanden werden muss, die überhaupt gewissenhaft die Frage stellen könnte: “Welcher Ansatz darf’s denn (heute) sein?”.

  20. Herr Leinfelder,
    wichtig bleibt, dass wir uns Gedanken machen über das, was gerade geschieht.
    Wie wir dann die Zeitepochen bezeichnen bleibt eigentlich zweitrangig.
    Mit der “Zähmung der Zeit” haben Sie ein wichtiges Thema angeschnitten.
    Die Religiösen nennen es Carpe Diem, die Materialisten sagen “Zeit ist Geld”
    so wie es aussieht rückt dieses Denken auch in das Zentrum der Öffentlichkeit.

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