Es ist angerichtet – die Anthropozän-Küche

Neue interkulturelle Narrative für das Anthropozän am Beispiel der Ernährung

 

aus dem Brasilienkapitel von "Die Anthropozän-Küche"

Credit: ©BildWissenGestaltung, Grafik: José Aguiar aus dem Brasilienkapitel von “Die Anthropozän-Küche”

Essen zieht sich durch alle unsere Lebensbereiche. Es lässt uns vom Säugling zum Erwachsenen werden und versorgt unser gesamtes System, vom Gehirn, über die Muskeln und alle sonstigen Organe und Körperteile mit Energie und lebenswichtigen Bausteinen. Der gemeinsame Genuss von Speisen ist oft das zentrale Element des Familienlebens bzw. unseres kompletten sozialen Austausches: keine Party ohne Häppchen, kein Geburtstag ohne einen Kuchen oder etwas Süßes, keine Feier ohne Festtagsessen, aber auch kaum ein Treffen mit einer guten Freundin oder einem guten Freund, bei dem wir nicht irgendetwas zu uns nehmen. Wir integrieren die Ernährung in unser Arbeitsleben, etwa indem wir uns zu Geschäftsessen treffen oder uns in der Kantine mit Kolleginnen und Kollegen austauschen. Unsere Ernährung ist eng verbunden mit unserer Gesundheit und unserem Wohlbefinden, nicht umsonst heißt es ja auch: Du bist, was du isst. Viele Menschen legen großen Wert auf ihre Küchen und deren Ausstattung, andere haben nur eine Mikrowelle, aber eine Wohnung ohne Küche ist beinahe undenkbar.Egal, in welcher Form wir unsere Nahrung zu uns nehmen, irgendwoher muss sie kommen und irgendwer muss sie produzieren. Das hat große globale Auswirkungen, meist ohne dass wir uns dessen bewusst wären. Es macht einen Unterschied, ob Sie im Supermarkt einkaufen gehen oder im Kiezladen um die Ecke, ob die Waren in der Region hergestellt wurden oder von einem Weltkonzern. Die Produktion und Weiterverarbeitung benötigen viel Fläche, immense Technik, Infrastrukturen und vor allem Energie. Auch unsere Nahrungsmittel brauchen Nährstoffe, um überhaupt entstehen zu können. So fressen Kühe Gras oder auch zunehmend Soja, dies beansprucht Bodenfläche, Wasser und wiederum Nährstoffe, die wir teils durch technische Prozesse wie das Haber-Bosch-Verfahren einfach aus der Luft gewinnen, um Stickstoffdünger zu generieren, oder für die wir mineralische Ressourcen abbauen, wie Phosphat und Kalium, und zur Ertragssteigerung auf den Feldern ausbringen.

Essen ist und bleibt ein lokaler, sehr persönlicher und oftmals auch emotionaler Akt. Gleichzeitig bekommen wir dabei die Globalisierung quasi direkt auf den Teller; verzehren Obst, Schokolade, Gewürze, Fleisch, Fisch, Getreide oder Gemüse, die teilweise rund um den Globus unterwegs waren. In der Küche haben wir also nicht nur den Kochlöffel, sondern auch den Schalthebel der Globalisierung in der Hand. Wir bestimmen mit unserem Ernährungstyp (vegan, vegetarisch, etc.), unserem Ernährungsstil (saisonal, lokal, global), unserer sozialen Wohnstruktur (ein Single kauft anders ein als eine Familie oder eine WG) und nicht zuletzt unserer Kücheneinrichtung (auch Töpfe und Teller wollen hergestellt und transportiert werden, und Gas ist eine andere Energiequelle als Strom oder Holzkohle), wie das Essen die Welt gestaltet und verändert. Die Lebensmittelindustrie ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Zugang zu gesunder Ernährung für eine rasant wachsende Weltbevölkerung gehört weiterhin zu den großen globalen Herausforderungen und ist eng verknüpft mit Themen wie Gesundheit, Armut, Gerechtigkeit und Frieden, aber auch Klimawandel, Schutz der biologischen Vielfalt und Endlichkeit der Ressourcen.

Der Mensch im Neolithikum, Essen war die treibende Kraft für die weitere gesellschaftliche und industrielle Entwicklung

Credit: ©BildWissenGestaltung, Grafik Sylvain Mazas. Der Mensch im Neolithikum, Essen war die treibende Kraft für die weitere gesellschaftliche und industrielle Entwicklung. Aus “Die Anthropozän-Küche”

Mit diesen Themen befinden wir uns mitten im Anthropozän. Werfen wir einen ernährungstechnischen Blick zurück: Unsere Menschenart, den Homo sapiens, gibt es seit etwa 200.000 Jahren – das Thema Ernährung hat uns dabei sprichwörtlich herumgetrieben. Die meiste Zeit waren wir Jäger und Sammler, bis wir uns vor mehr als 10.000 Jahren zunehmend niederließen und begannen, das Land zu bestellen. Seitdem greifen wir kräftig in die Natur ein. Frühe Bauern schufen Acker- und Weideflächen, indem sie Wälder abholzten, damit einen natürlichen Kohlenstoffspeicher plünderten und so das Treibhausgas CO2 freisetzten. Sie fluteten Felder zum Reisanbau und produzierten im modderigen Schlamm ein weiteres Treibhausgas, das Methan. Durch gezielte Zuchtverfahren und Eliminierung aller Feinde schränkte der Mensch die natürliche Tier- und Pflanzenwelt ein, zusätzlich verfrachtete er seit den Entdeckungsreisen der frühen Neuzeit ihm nützlich erscheinende Arten, welche lokale Ökosysteme zu einem großen Teil umgestalteten.

Mit dem Beginn der Industrialisierung nahm auch die Emanzipation des Menschen von seiner eigenen Muskelkraft immer weiter zu: Unsere Vorfahren konnten sich nur mit ihren eigenen Muskeln fortbewegen. Auch Tiere müssen mit ihren Kiefer-, Zungen- oder Lippenmuskeln Pflanzen abreißen und zerkauen oder Beute fangen und diese zerkleinern. Sie graben, bauen Nester oder fällen sogar ganze Bäume. Die dafür notwendige Kraft müssen sie sich förmlich „anfressen“. Ganz anders der moderne Mensch: Er ließ sich zuerst durch Ochs, Esel und Pferd, dann durch Wasser- und Windräder und noch später durch Dampfmaschinen und andere Motoren die eigene Muskelarbeit abnehmen. Diese neuen Maschinen mussten aber wiederum selbst mit Energie gefüttert werden, zuerst mit Holz, dann mit Kohle, Erdgas und Erdöl. In der Industrialisierung begann eine wahre Kettenreaktion von sich gegen- seitig verstärkenden Entwicklungen: Durch die Förderung von fossilen Brennstoffen konnten mehr Bodenschätze abgebaut werden, mit denen man mehr Maschinen bauen konnte, die wiederum mehr Energie benötigten. Produktionsmaschinen und Transportmittel wie Eisenbahn, Autos, Schiffe und Flugzeuge eroberten die Welt. Nun müssen wir nicht mehr essen, um uns fortzubewegen oder Dinge zu produzieren. Wie wir wohl aussähen, wenn wir uns aus Muskelkraft wie in einem PKW mit 100 PS fortbewegen wollten? Mit Muskelpakete von 100 Pferden bepackt? Nicht auszudenken! Dank der fossilen Energien, die wiederum nichts anderes sind als die konservierte Energie von Lebewesen, wie Bäumen, Sträuchern oder Meeresplankton, die nicht von anderen gefressen, sondern über teilweise Hunderte von Millionen Jahren akkumulierten und durch geologische Prozesse zu Kohle, Öl und Gas umgewandelt wurden, können wir still am Schreibtisch sitzen und Tasten drücken oder eben im 100 PS-Auto durch die Gegend flitzen. Alles dank der fossilen Organismen. Selbst Bodenschätze wie der größte Teil der Eisenerzlagerstätten oder die für unsere Ernährung so notwendigen Phosphate gehen auf Organismenprozesse zurück.

Themen Grüne Revolution, Überdüngung etc. aus dem China-Kapitel. Aus "Die Anthropozän-Küche"

Credit: ©BildWissenGestaltung. Grafik Ruohan Wang Themen Grüne Revolution, Überdüngung etc. aus dem China-Kapitel. Aus “Die Anthropozän-Küche”

Bleiben wir bei Narrativen: Der Mensch hat einen derartigen Einfluss auf das gesamte Erdsystem gewonnen, dass die Geologen in ihm eine wesentliche geologische Kraft sehen, vergleichbar mit Erdbeben, Vulkanausbrüchen und Kontinentalbewegungen. Starke Worte, aber die Fakten sprechen für sich: Nur noch knapp ein Viertel der (nicht vom Eis bedeckten) Erdoberfläche entspricht noch einer unveränderten Natur. Wir tragen Berge ab, schneiden Täler, geben den Flüssen einen neuen Lauf, erschaffen Seen oder lassen andere austrocknen; wir können sogar den Meeresspiegel heben und das Klima verändern. Jedes Jahr produzieren wir so viel Plastik, wie es der Gesamtmasse aller heute lebenden Menschen entspricht. Unsere Nutztiere und Nutzpflanzen dominieren die Biosphäre. Wir verfrachten Sediment in einem Umfang, wie es die Natur durch Abtragung und Transportprozesse nie könnte. Wir haben sogar neue Fossilien geschaffen! Die Geologen nennen sie Technofossilien: Plastikteilchen finden sich heute im Boden von Hochgebirgsseen genauso wie in Tiefseesedimenten, elementares Aluminium, Betonfragmente oder Ascheteilchen aus industriellen Verbrennungsprozessen sind als Ablagerungen weltweit nachweisbar. Radioaktive Niederschläge aus den Atombombenversuchen der Nachkriegszeit, aber auch von Tschernobyl und Fukushima sind ebenfalls charakteristisch für das menschengemachte Neue, so hieße das Anthropozän in der wörtlichen Übersetzung. Die Nacheiszeit der letzten 12.000 Jahre, das umweltstabile Holozän, ist also offensichtlich zu Ende und wurde vom Anthropozän abgelöst.

Unser Hyperfleischkonsum in Deutschland. Aus "Die Anthropozän-Küche"

Credit: ©BildWissenGestaltung. Grafik: Ulrich Scheel Unser Hyperfleischkonsum in Deutschland. Aus “Die Anthropozän-Küche”

Wie soll dieses Anthropozän weitergehen? Ergibt sich aus der erschreckenden Erkenntnis, dass der Mensch fähig war, die Erde dermaßen umzugestalten, nicht auch gleichzeitig die Lösung? Sollten wir Menschen in einer Zeit, in der nicht nur die Umweltzerstörung, sondern auch das Wissen über die zugrundeliegenden Prozesse exponentiell gestiegen sind, nicht dazu fähig sein, wissensbasiert, wie behutsame Gärtner, das Anthropozän so zu gestalten, dass die planetaren Grenzen des Erdsystems nicht gefährdet werden, indem wir uns als Teil eines Gesamtsystems verstehen, das es zu erhalten gilt? Die Metapher des Gärtnerns stammt nicht von ungefähr aus dem Ernährungsbereich. Wer dauerhaft ernten will, hegt und pflegt seinen Garten und übernutzt ihn nicht. Wer dauerhaft auf dieser Erde leben will, beutet sie nicht aus, sondern gestaltet sie so, dass menschliches Handeln die eigenen Grundlagen nicht zerstört.

Aber wie sollten wir handeln, oder, um bei der Ernährung zu bleiben, wie sollten wir essen, ohne die Freude daran zu verlieren, und dabei nicht nur uns, sondern auch die Erde gesund erhalten? Nach wie vor haben wir, weltweit betrachtet, eine sehr vielfältige Ernährungs- und Essenskultur. Sollten in dieser Vielfalt nicht auch Lösungsansätze stecken? Dazu müssen wir genau hinsehen und uns in der Welt umschauen. In einem interkulturellen und partizipativen Projekt haben wir dies am Exzellenzcluster Bild Wissen Gestaltung im Projekt „Die Anthropozän-Küche. Das Labor der Verknüpfung von Haus und Welt“ versucht – herausgekommen ist der Wissenscomic „Die Anthropozän-Küche“, in der wir wir eine Kartographie der Ernährungsstile in globalem Maßstab – natürlich nur exemplarisch und so offen wie möglich versucht haben. Und vor allem – vom Menschen ausgehend. Wissensbasiertes Gärtnern heißt nicht nur, wissenschaftliche Erkenntnisse zu berücksichtigen. Dies ist zwar ein sehr wichtiger Schritt, aber genügt alleine nicht. Wir sollten auch Erfahrungen zusammentragen und berücksichtigen, egal, ob sie aus jahrhundertealten Traditionen stammen, aus neuen Ernährungsmoden resultieren, oder aus der Notwendigkeit heraus, Hungersnöte zu bekämpfen.

 

Also befragten wir zehn Personen aus zehn Ländern in fünf Kontinenten, was und wie sie essen, wo sie einkaufen, ob sie wissen, woher ihre Nahrung kommt und welche Rolle die Küche dabei spielt. Sie verrieten uns ihre Lieblingsrezepte, die für uns Ankerpunkt der Gespräche waren und die Sie nun gerne nachkochen können. Die Ergebnisse dieses Prozesses dienten als Ausgangspunkt unserer wissenschaftlichen Recherchen. In ständigem Austausch entstanden so nach und nach Geschichten, in denen unsere Gesprächspartner nun als Protagonisten in den einzelnen Kapiteln erlebbar sind.

Der Phosphorcharakter mit seinen vier Sauerstoffatomen, die ihn zum Phosphat machen. Aus "Die Anthropozän-Küche"

Credit: ©Bild Wissen Gestaltung Der Phosphorcharakter mit seinen vier Sauerstoffatomen, die ihn zum Phosphat machen. Aus “Die Anthropozän-Küche”

Ein verbindendes Element – und in diesem Fall ist es wirklich ein Element –, das sich durch alle Kapitel durchzieht, ist der Phosphor. Phosphorverbindungen sind nicht nur essenziell für alles Leben auf der Welt, sondern als Phosphat auch einer von drei Hauptbestandteilen in allen Düngemitteln. Phosphat steigerte die weltweiten Agrarerträge um ein Vielfaches und machte die Ernährung einer schnell wachsenden Weltbevölkerung erst möglich. Seine Bedeutung als endliche und nicht erneuerbare Ressource ist vielen noch nicht bewusst. Das möchten wir gerne ändern, und so zieht sich Phosphor als roter Faden durch die Reise um die Welt und zeigt dabei seine vielseitigen Facetten.

Überhaupt geht es im Anthropozän eben nicht um einfache Lösungen sondern um Vielfalt, bei den Lösungsoptionen, die eben auch regionen- und kulturspezifisch sein können, ja vermutlich sogar sein müssen. Daher ist in diesem Buch noch einer ganz anderen Vielfalt zu begegnen, ja, sie wird sogar förmlich „ins Auge springen“. Wer könnte das Lebensgefühl, die Umgebung, die Essgewohnheiten oder den Lebensalltag der Protagonisten besser darstellen als Zeichner aus den Regionen, in denen die Geschichten spielen? So ist auch die bildliche Umsetzung von größter Diversität. Zwölf Künstler ließen sich auf dieses spannende Projekt ein und stellten sich der Aufgabe, wissenschaftliche Fakten und individuelle Erfahrungen in Bildgeschichten zu übersetzen. Die vollkommen verschiedenen Stile und Perspektiven sind eine große Bereicherung und spiegeln die kulturelle Vielfalt unserer Protagonisten, aber auch – wie wir meinen – der ganzen Welt wider.

Wie es im Anthropozän eben so ist, sind Lösungsansätze nicht unbedingt einfach, oder gar noch „sexy“, sondern bestehen aus einem möglichen Portfolio von Lösungsansätzen, die oft sogar alternativ sein können. Wir haben im Buch daher einerseits einen aus den Wissenschaften heraus entwickelten kurzen Abriss möglicher Lösungsansätze – vier Pfade in die Ernährungszukunft, mit ganz vielen Haltestellen, alternativen Ansätzen und unterschiedlichem Ethos. Sie entsprechen im Wesentlichen dem von mir auch fürs Haus der Zukunft entwickelten (und erstmalig hier auf Scilogs präsentierten) Pfadkonzept für mögliche Lösungswege. Vielleicht haben nach der Lektüre des Buches auch die Leser Ideen für sich gewonnen, wie sie selbst die Zukunft mitgestalten wollen, die vier Zukunftspfade mit ihren vielen Rastplätzen sollen dabei zusätzlich helfen, das für sich richtige zu finden.

 

Das Pfadkonzept für die Zukunft des Ernährung, mit vier sehr verschiedenen Lösungsansätzen (nach Leinfelder 2014, SciLogs)

Das Pfadkonzept für die Zukunft des Ernährung, mit vier sehr verschiedenen Lösungsansätzen (nach Leinfelder 2014, SciLogs)

Dem gegenüber setzen wir allerdings noch einen zweiten, eher künstlerischen Ansatz. Alle Künstler kamen nach Erstellung der einzelnen Länderkapitel zu einem Ernährungs- und Comicexpertensymposium [update vom April 2017: die Proceedings sind inzwischen erschienen, open access ebook-Version, siehe hier] und einem anschließenden Workshop zusammen und diskutierten zuerst gemeinsam mit den internationalen Experten, dann untereinander die Zukunft unserer Ernährung. Für die Darstellung ihrer Überlegungen und Ergebnisse fanden die Künstler eine unerwartete Form – „konkrete Utopien“: Sie ließen die Protagonisten des Buchs in die Zukunft reisen, jeweils in ein anderes Land. Von dort schicken diese Postkarten und berichten über das Leben und die Ernährung im Jahr 2050. Auch hier gibt es wieder Vielfalt, sowie eine Mischung aus Dystopien und Utopien, wiederum mit einer gehörigen Portion Augenzwinkern.

Das Ernährungs-Fachsymposium und der Künstlerworkshop am Exzellenzcluster BildWissenGestaltung im Herbst 2015

Das Ernährungs-Fachsymposium und der Künstlerworkshop am Exzellenzcluster BildWissenGestaltung im Herbst 2015

Wir hoffen, dass wir den Lesern mit dem Buch neben den Kochrezepten also auch genügend Futter zum Reflektieren, Diskutieren und Ausprobieren mit an die Hand geben.

Post aus dem Jahr 2050, gemäß unseren Künstlern.

Post aus dem Jahr 2050, gemäß unseren Künstlern.

Dieses Buch ist das Ergebnis eines weltumspannenden Experiments mit vielen Beteiligten und der Welt als Labor. Vielleicht ist daher nicht verwunderlich, dass es in einem interdisziplinären Exzellenzcluster mit Namen Bild Wissen Gestaltung – Ein Interdisziplinäres Labor an der Humboldt-Universität zu Berlin entstanden ist, und zwar in unserem Forschungsprojekt „Die Anthropozän-Küche: Das Labor der Verknüpfung von Haus und Welt“, in dem Natur- und Kulturwissenschaftler, Designer, Architekten und Künstler eng zusammenarbeiten. Dank auch für die zusätzliche  Unterstützung durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt sowie die Freie Universität Berlin.

Die Mutter aller Labore ist natürlich die Küche, und die Ernährung im Anthropozän ist ein Großlaborversuch. Vielleicht geht ja die Liebe zu unserer Welt auch durch Ihren Magen. Dann hätten wir mit den neuen Narrativen zum Anthropozän vielleicht einen Hilfe gefunden, den Wandel einer parasitischen Lebensbeziehung zwischen Menschheit und Umwelt hin zu einer symbiontischen Beziehung zu ebnen.

Unsere Künstlerinnen und Künstler der "Anthropozän-Küche"

Credit: ©BildWissenGestaltung Unsere Künstlerinnen und Künstler der “Anthropozän-Küche”

(Dieser Beitrag basiert auf dem – für SciLogs leicht veränderten und mit Abbildungen ergänzten  –  Vorwort von Reinhold Leinfelder, Alexandra Hamann, Jens Kirstein und Marc Schleunitz zum ihrem Buch: Die Anthropozän-Küche. Matooke, Bienenstich und eine Prise Phosphor – In zehn Speisen um die Welt. 236 S., Springer Verlag, ISBN 978-3-662-49871-2. Die englische Version: Eating Anthropocene. Curd Rice, Bienenstich and a Pinch of Phosphorus – Around the World in Ten Dishes erscheint im September, ebenfalls bei Springer, ISBN 978-3-662-50402-4

Näheres siehe http://anthropocene-kitchen.com sowie http://www.springer.com/de/book/9783662498712 (auch mit Link zum Originalvorwort des Buchs)

Nachtrag vom April 2017: die Proceedings des Projekt-Symposiums “Science meets Comics” sind inzwischen erschienen. Online Access version siehe https://zenodo.org/record/556383

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Nachtrag vom 7. August 2016: “Die Anthropozän-Küche”  wurde für das Wissensbuch des Jahres, Kategorie Unterhaltung nominiert. Siehe hier: http://www.elementareslesen.de/wissensbuch-des-jahres-2016-die-nominierungen/  bzw. direkt hier: http://www.wissenschaft.de/bdw-inside/-/journal_content/56/12054/12606546/Sie-haben-die-Wahl!/

Falls Ihnen unser Buch gefällt, freuen wir uns über Ihre Stimme (bis zum 23. August). Bisherige Rezensionen zum Buch sind hier verzeichnet.

Buchcover

Credit: Deutsches Cover von Ruohan Wang

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Reinhold Leinfelder ist Geologe, Geobiologe und Paläontologe. Er ist Professor an der Freien Universität zu Berlin (Leiter der Arbeitsgruppe Geobiologie und Anthropozänforschung) sowie Principal Investigator des Basisprojekts "Die Anthropozän-Küche. Das Labor der Verknüpfung von Haus und Welt" am Exzellenzcluster "Bild-Wissen-Gestaltung" der Humboldt-Universität zu Berlin. Seit 2012 ist er Mitglied der internationalen Anthropocene Working Group der International Stratigraphic Commission. Von 2006-2010 war er Generaldirektor des Museums für Naturkunde Berlin, von 2008-2013 Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU), von 2011-2014 Research Fellow und affiliate Carson Professor am Rachel Carson Center an der LMU, München, von 1. Sept. 2014 bis 15. Sept. 2016 Gründungsdirektor der Futurium gGmbH in Berlin. Seine Forschungs- und Lehrschwerpunkte liegen beim Anthropozän, Korallenriffen, neuen Methoden und Herausforderungen des Wissenstransfers und Museologie.

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Aus dem gestern und heute kann man nicht unbedingt auf die Zukunft schliessen. Die Zukunft könnte radikal anders aussehen – auch gerade was die Ernärhung betrifft.
    Es stimmt: Die Nahrungsbedürfnisse aller Menschen haben zu einem wichtigen Teil das Anthropozän überhaupt erst geschaffen, denn der Hauptteil der von der Menschheit genutzten Erdoberfläche wird für die Ernährung genutzt. Die radikalste Änderung wäre eine Nahrungsproduktion, die ohne Land, Wasser, Dünger und so weiter und so fort auskommt. Könnte man Nahrung im Chemielabor mit minimalen Mengen von Energie und Rohstoffen erzeugen, dann würden riesige, jetzt vom Menschen bewirtschaftete Flächen wieder frei. Es wäre für die Erde unter Umständen eine riesige Entlastung. Solange das nicht möglch ist, muss man sich tatsächlich überlegen, wie man auf möglichst wenig land mit möglichst wenig Input möglichste viel Nahrung erzeugt.

    • Hallo Herr Holzherr, Ihr Kommentar entspricht meinem FutureTech (oder extremen High-Tech)-Szenario, bei dem die Natur etwa dadurch entlastet wird, dass vieles, wenn nicht alles dort produziert wird, wo es auch gebraucht wird – in den Städten. Farmscrapers auch für Getreide mit LEDs/OLED-Beleuchtung aus erneuerbaren. Soylent- und ähnliche Produkte, Kunstfleisch aus dem Labor, beyond meat aus dem 3d-Drucker etc. Gibt aber auch andere idealtypische Szenarien, wie Bioadaptive Kreislaufwirtschaft (nur mit erneuerbaren Energien, kompostierbaren oder essbaren Verpackungen, Insektenzucht etc), aber auch großmaßstäbliche,vegetarisch dominierte Suffizienzwirtschaft (allerdings Flächenverbrauch, Düngerproblematik, benign-by design-Pestizide etc) oder eben konsequent reaktiv (biotechnische Produktivitätssteigerungen, Phosphatrückgewinnung, anbei in bestmöglichst geeigneten Regionen etc). Siehe u.a. Leinfelder 2016, bzw. auch schon das oben verlinkte Leinfelder 2014 auf SciLogs. Im “labyrinthischen Wimmelpfadbild” im Artikel hier sind solche potenziellen MÖglichkeiten angelegt

  2. Pingback:» Historische Küche im Netz (Retrospektive) - KuliMa – Kulinarisches Mittelalter an der Karl-Franzens-Universität Graz: Paläo-Diät eben

    • Nö, eigentlich gar keine Paläo-Diät. Das Anthropozän beginnt ja nicht in der Jäger- und Sammlerzeit und denkt insbesondere nach vorn. Das Buch kartiert (exemplarisch) globale Ernährungsweisen und versucht die jeweiligen Zusammenhänge aufzuzeigen und mögliche, unterschiedliche Ernährungswege für die Zukunft anzureißen. Dass man sich dabei ggf. auch auf traditionelle, auch vergessene Möglichkeiten besinnen kann, ist allerdings richtig und ggf. auch wichtig.

  3. Pingback:Anthropozän: Die Wissenschaft im Dialog mit Politik und Gesellschaft? - Ein Zwischenbericht » Der Anthropozäniker » SciLogs - Wissenschaftsblogs

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