Verschwörungsfragen 31: Antisemitismus in der MENA-Region – Iran & Marokko

Wie sieht Antisemitismus in der MENA-Region aus und wo liegen die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in dessen Ausprägungen?
In dieser Folge haben wir die Historikerin und Islamwissenschaftlerin Carmen Shamsianpur gebeten, über Antisemitismus in der Region des Nahen und Mittleren Osten zu berichten. Sie hat sich dabei entschieden, sich insbesondere auf die beiden Länder Marokko und Iran zu konzentrieren.

Wie immer ist der Podcast zum Hören bei podigee erschienen und zudem auf Spotify, Deezer, iTunes und YouTube anhörbar.

Eine pdf-Textversion dieser Verschwörungsfragen-Folge finden Sie per Klick hier.

Schon in meinem Bericht für den Landtag von Baden-Württemberg machte ich darauf aufmerksam, dass gerade auch Antisemitismus nicht mehr nur national gedacht werden kann – und vielleicht auch nie konnte. Schon die furchtbare Verschwörungsmythologie der sogenannten „Protokolle der Weisen von Zion“ wurde ursprünglich in Russland entwickelt und wanderte von dort in die USA und auch nach Mitteleuropa, nicht zuletzt direkt in die Propaganda der deutschen Nationalsozialisten.

Das Bündnis von Adolf Hitler und des damaligen Großmuftis von Jerusalem, Mohammed Amin al-Hussaini (1895 – 1974) trug zu einer massiven Vermischung und Verbreiterung des europäischen und arabischen Antisemitismus bei. Als US-Präsident Donald Trump fälschlich behauptete, Kurden hätten im 2. Weltkrieg ja auch nicht an der Seite der Alliierten gekämpft, da war ihm eben nicht präsent, dass ein NS-verbündetes Regime in Bagdad nach der Macht gegriffen und die antijüdischen Farhud-Pogrome initiiert hatte – bevor es auch von kurdischen Truppen wieder gestürzt wurde. Wenn Sie wollen, erfahren Sie in Folge 7 dieses Podcasts mehr über das inzwischen erloschene kurdisch-irakische Judentum und das heute noch um seine Existenz kämpfende Ezidentum.

Im Jahr 1400 islamischer Zeitrechnung – dem Jahr 1979 bei uns – griffen schließlich sowohl in Saudi-Arabien wie auch im Iran antiwestliche und antisemitische Extremisten nach der Macht. Der aus Frankreich zurückkehrende Ayatollah Khomeini begründete das bis heute bestehende, hybride Regime der „Islamischen Republik Iran“, die sich – auch durch Fehler des Westens – gegen den „großen Satan USA“ und den „kleinen Satan Israel“ wandte. Nach einer Prophezeiung Khomeinis läuft bis heute eine Uhr des iranischen Regimes, die die Zerstörung des Staates Israel, der in den offiziellen Formulierungen nur als „zionistisches Gebilde“ bezeichnet wird, vorhersagt.

Die alten, jüdischen Gemeinden des Landes sind fast vollständig vertrieben worden und brutale Verfolgungen richten sich gegen die kleinere Weltreligion der Bahai, deren Hauptheiligtum in Haifa – dem heutigen Israel – zu finden ist. Aber auch innermuslimische und säkulare Oppositionelle werden vom iranischen Regime schnell als Beteiligte der angeblichen „zionistischen Weltverschwörung“ diffamiert, entrechtet und nicht selten ermordet. Gleichzeitig fördert das Öl-Rentiersregime Iran weiterhin antisemitische Terrorgruppen und Medien auf der ganzen Welt, besonders in Syrien, im Libanon und in Europa. Ein prominentes Beispiel für diesen antisemitischen Dualismus sind die maßgeblich vom Iran geprägten „Al Quds“-Demonstrationen in Berlin.

In einer späteren Folge dieses Podcasts möchte ich die Verfolgung der Bahai einmal gesondert thematisieren, die meines Erachtens eindrucksvoll zeigt, wie auch in unserer Zeit eine völlig friedliche Religionsgemeinschaft durch Verschwörungsmythen entrechtet und verfolgt wird. Zuvor habe ich aber die Islamwissenschaftlerin Carmen Shamsianpur, deren wissenschaftliche Arbeit über die Verbreitung der sogenannten „Protokolle der Weisen von Zion“ in der muslimischen Welt internationale Anerkennung gefunden hat, gebeten, uns einmal aus ihrer Sicht über den Antisemitismus in den Regionen des Nahen und Mittleren Ostens zu informieren. Für die gerne auch streitbare, aber bitte respektvolle Diskussion darüber darf ich auch auf die Kommentarfunktionen des scilogs „Natur des Glaubens“ verweisen. Denn gerade auch in Zeiten von Covid19 müssen wir digitale Räume zu Reflektion und demokratischer Debatte schaffen.“

Carmen Shamsianpur:

Antisemitismus gibt es fast überall auf der Welt. Besonders antijüdische Verschwörungstheorien sind weit verbreitet. Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob es einen realen Konflikt zwischen Ländern oder Individuen gibt oder welches Bildungsniveau jemand hat. Die Anti-Defamation League hat zwischen Juli 2013 und Februar 2014 über 53.000 Interviews in über 100 Ländern geführt. Hauptsächlich ging es dabei um die Frage, ob Juden einen „zu großen Einfluss“ in verschiedenen Bereichen hätten. Haben die Juden zu viel Macht in der Geschäftswelt oder in den internationalen Finanzmärkten? Haben sie zu viel Kontrolle über weltpolitische Angelegenheiten, über die Regierung der USA oder über die Medien weltweit? Sind die Juden für die meisten Kriege auf der Welt verantwortlich? – Wenn jemand sechs oder mehr von elf solcher Fragen mit „wahrscheinlich ja“ beantwortet hatte, wurde er als Träger antisemitischer Einstellungen eingestuft. So kamen verschiedene Prozentzahlen für die jeweiligen Länder zustande. Deutschland brachte es auf einen alarmierenden Wert von 27 Prozent. Das deckt sich mit den Ergebnissen anderer Studien, laut denen ein Fünftel bis ein Viertel der Deutschen antisemitische Einstellungen hegen. Verschwörungstheorien scheinen daran einen hohen Anteil zu haben.

Die höchsten Zustimmungswerte zu antisemitischen Aussagen finden sich in der sogenannten MENA-Region, also im Nahen und Mittleren Osten und Nordafrika. Aber auch hier sind die Ausprägungen und geschichtlichen Hintergründe des Antisemitismus sehr unterschiedlich, auch wenn es große Gemeinsamkeiten gibt. Die meisten dieser Länder spielten eine große Rolle für die jüdische Diaspora. Tausende, Zehntausende, teils Hundertausende Juden lebten viele Jahrhunderte dort und prägten das Bild in Gesellschaft und Wirtschaft. Ebenso haben die Länder dieser Region gemeinsam, dass heute nur noch Bruchteile der einstigen jüdischen Gemeinden bestehen oder sogar gar keine Juden mehr dort leben. Die meisten Länder werden zudem autoritär oder in anderer Form nicht-demokratisch regiert. Vielen gilt die islamische Scharia als teilweise oder gar einzige Quelle der Gesetzgebung und Verfassung. Alle diese Länder haben ein angespanntes bis feindliches Verhältnis zu Israel. Pogrome und Vertreibungen an der jüdischen Bevölkerung hat es aber schon vor der Staatsgründung Israels gegeben.

Die vielen Unterschiede und Gemeinsamkeiten und die heutigen Ausprägungen des Antisemitismus sollen an zwei Beispielen verdeutlicht werden: Iran und Marokko. Iran ist ein persischsprachiges Land im Mittleren Osten mit mehrheitlich schiitisch-muslimischer Bevölkerung, und Marokko liegt in Nordafrika, hat die Amtssprachen Arabisch, Berberisch und Französisch und eine mehrheitlich sunnitische Bevölkerung. Beide Länder schauen auf eine lange und blühende Geschichte jüdischen Lebens zurück. Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten in Iran noch rund 200.000 Juden. Ihre Ursprünge gehen auf die babylonische Gefangenschaft im 6. Jahrhundert v. Chr. zurück. Marokko beheimatete mit über 250.000 Juden die größte jüdische Gemeinschaft der islamischen Welt. Sie ist inzwischen auf etwa ein Prozent ihrer damaligen Größe zusammengeschrumpft.

Schaut man sich die Ergebnisse der erwähnten ADL-Studie an, ergaben die Umfragen in Iran 56 Prozent und damit – für viele wahrscheinlich überraschend – den niedrigsten Wert in der MENA-Region. Marokko hingegen kam auf 80 Prozent mit antisemitischen Einstellungen. Dabei ist das iranische Regime nicht zuletzt für seinen vernichtenden Hass auf Israel und seine Holocaustleugnung bekannt, während die marokkanische Regierung eher dem Antisemitismus im Land entgegensteuert.

Schauen wir die Geschichte und Gegenwart der beiden Länder genauer an und beginnen wir mit dem Iran. Schätzungen zufolge leben dort heute noch bis zu 20.000 Juden. Das ist die derzeit größte Anzahl in den Ländern der MENA-Region. Etwa genauso viele Juden hatten den Iran nach der Staatsgründung in Richtung Israel verlassen. Die meisten aber blieben, weil sie den Iran liebten und es ihnen gut ging. Der Iran war nach der Türkei das zweite muslimische Land gewesen, das Israel offiziell anerkannt hatte. Es gab gute diplomatische und wirtschaftliche Beziehungen. Das änderte sich schlagartig mit der islamischen Revolution, als 1979 das Mullahregime an die Macht kam.

Eine der ersten Amtshandlungen von Ruhollah Musawi Khomeini nach der Revolution war es, alle Verträge mit Israel aufzukündigen, egal, ob sie die politische oder die wirtschaftliche Zusammenarbeit betrafen. Von Anfang an installierte er den Al-Quds Tag, der im Iran gesetzlicher Feiertag ist. Unter den ersten Zivilisten, die noch im Jahr der Revolution hingerichtet wurden, war auch der Vorsitzende der Jüdischen Gesellschaft Teherans, Habib Elghanian. Zehntausende Juden verließen das Land in den darauffolgenden Jahren. Heute gehören in Jerusalem fast alle Souvenirgeschäfte in der Ben Yehuda Street und fast alle Schuhgeschäfte in der Jaffa Street Juden aus Isfahan, Teheran oder Shiraz.

Seither droht die iranische Führung Israel fortlaufend mit Vernichtung und macht – entgegen anderslautender Berichte – auch den Juden im Land das Leben schwer. Holocaustleugnung und -relativierung gehören zur Staatsdoktrin. Juden haben keinen unbeschränkten Zutritt zu Bildung und höheren Ämtern. Die Männer, die als Vertreter der jüdischen Minderheit im iranischen Parlament sitzen dürfen, sind linientreue, israelfeindliche Gallionsfiguren, die von der Regierung ausgewählt wurden, um Toleranz vorzutäuschen. Sie sind die einzigen Juden, die politische Ämter bekleiden dürfen. Fernsehen, Printmedien, Internet und öffentliche Veranstaltungen, egal ob politischer oder kultureller Art, sind unübersehbar voll von Antisemitismus.

So stellt sich die Frage, warum ausgerechnet die befragten Iraner die niedrigsten Zustimmungswerte zu den antisemitischen Aussagen in der Studie hatten. Wahrscheinlich gibt es dafür zwei Hauptgründe. Erstens stehen die Iraner ihrer Regierung mehrheitlich kritisch bis feindlich gegenüber. Bei den vergangenen Unruhen waren immer wieder Sprechchöre zu hören, mit denen sich die Menschen darüber empörten, wieviel Geld ihre Regierung in den Kampf gegen Israel investiert, während sie das eigene Volk verarmen lässt. – Zweitens unterscheidet der Iran streng und auch per Gesetz zwischen Juden und Zionisten, Antisemitismus und Antizionismus.

Das ist nicht viel mehr als ein Wortspiel, wird aber ziemlich konsequent durchgezogen. Alle Fragen der Studie bezogen sich explizit auf „Juden“. Nie wurde von „Israelis“ oder gar „Zionisten“ gesprochen. Mag sein, dass sich diese sprachliche Vorprägung der Iraner in den Antworten niedergeschlagen hat. Nichtsdestotrotz ist „Jude“ in der iranischen Gesellschaft ein gängiges Schimpfwort und ein negativer Bestandteil zahlreicher Redewendungen. Außerdem fördert der Iran nicht nur innerhalb der eigenen Bevölkerung, sondern auch in seinen internationalen Einflusssphären den Glauben an eine jüdische Weltverschwörung. Zum Beispiel verbreitet er auf verschiedenen Sprachen das antisemitische Machwerk „die Protokolle der Weisen von Zion“ und finanziert antisemitische Propaganda bis nach Lateinamerika hinein.

In den iranischen Medien wird Israel häufig mit den USA in einem Atemzug verteufelt. Die USA und Israel werden auch gerne als der „große und der kleine Satan“ bezeichnet. Dabei beziehen sich die Größenangaben eher auf die Fläche als auf die Bedeutsamkeit. Israel wird als derjenige dargestellt, der die USA dirigiert, nicht umgekehrt. Der Hass auf Israel ist grenzenlos.

2015 sagte Ayatollah Khamenei die Zerstörung Israels innerhalb der nächsten 25 Jahre voraus. Daraufhin wurden in Teheran und andernorts große Digitaluhren aufgestellt, die öffentlich den Countdown bis zum Jahr 2040 zählen.

Der Konflikt zwischen Israel und dem Iran ist nicht größer als derjenige zwischen den beiden großen Hegemonialmächten Iran und Saudi-Arabien. Hierbei tritt Iran als die Schutzmacht der schiitischen und Saudi-Arabien als diejenige der sunnitischen Muslime auf. Iran nutzt den Nahostkonflikt, um sich gegen Israel als Spitze der islamischen Welt darzustellen. In diesem Kampf seien andere „Meinungsverschiedenheiten“ nebensächlich. Besonders in den englischsprachigen iranischen Medien wird immer wieder darauf angespielt. Der Kampf gegen Israel (das hier immer nur als „zionistisches Regime“ bezeichnet wird) sei ein religiöser, gottgewollter Kampf um „von Gott verheißenes Land“.

Auch im kulturellen Leben spielt der Antisemitismus eine zentrale Rolle. Seit 2013 wird im Iran jährlich ein Grand Prix Song Contest „Tod Amerika“ veranstaltet (auf Persisch: Jayezeh-e bozorg marg bar Amrika). Da Amerika als große Marionette des sogenannten Weltjudentums gilt, ist die Veranstaltung antisemitisch durchsetzt. 2019 gewann Hamed Zamani, einer der berühmtesten Sänger Irans, mit dem Lied „Tod = Amerika“. Die stilisierte amerikanische Flagge, die als Bühnenbild diente, war von Davidsternen geziert. Im offiziellen Musikvideo auf YouTube erscheint das Skelett einer Freiheitsstatue, die in der ausgestreckten Hand eine Menorah hält, den biblischen sechsarmigen Leuchter.

Zweimal veranstaltete der Iran Holocaustkarikaturenwettbewerbe, jeweils als Antwort auf Mohammed-Karikaturen in der westlichen Welt. Das war 2006, nachdem die dänischen Mohammed-Karikaturen erschienen waren, und 2016 im Jahr nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo. Ziel sei es gewesen herauszufinden, wie weit die Meinungsfreiheit der westlichen Welt tatsächlich gehe und ob man neben dem Propheten auch den Holocaust verspotten dürfe. Es wurden über tausend Karikaturen aus rund 60 Ländern eingesandt.

Betrachtet man die großangelegten und kostspieligen Bemühungen der Regierung, Antisemitismus zu verbreiten, ist es nur noch mit dem Misstrauen und der Ablehnung der Leute gegenüber dem Regime und seiner Propaganda zu erklären, dass so viele Iraner den Juden und auch Israel gegenüber positiv eingestellt sind.

In Marokko dagegen verhält es sich genau umgekehrt. Die Regierung hat viele Versuche unternommen, dem Antisemitismus im eigenen Land entgegenzusteuern. Trotzdem hält sich die Feindschaft gegenüber Juden- und Israel hartnäckig in den Köpfen.

Viele Juden waren im Zuge der Reconquista aus Spanien nach Marokko geflohen und hatten sich dort angesiedelt. Unter dem Stichwort „Goldenes Zeitalter“ oder „Blütezeit“ des Islam wird an das friedliche und fruchtbare Zusammenleben von Juden und Muslimen in Al-Andalus, im Emirat beziehungsweise Kalifat von Córdoba und dem Emirat von Granada erinnert. In dieser Zeit entwickelte sich sogar eine besondere jüdisch-marokkanische Literatur – in arabischer Sprache, aber mit hebräischer Schrift. Bis zum Zweiten Weltkrieg beheimatete Marokko die größte jüdische Gemeinde im Maghreb. Im ganzen Land findet man teils noch erhaltene Synagogen, jüdische Schulen und Friedhöfe.

Aber der Krieg war noch nicht die Zeit großer Fluchtbewegungen aus Marokko. Im Gegenteil. Sultan Mohammed V. hat damals die von Vichy-Frankreich aus verordneten antijüdischen Bestimmungen in Marokko nicht umgesetzt und die Juden des Landes vor Verfolgung geschützt. Die meisten Juden verließen Marokko, nachdem das Land 1956 seine Unabhängigkeit von Frankreich und Spanien erlangt hatte. Um eine Einheit herzustellen, betonte die marokkanische Regierung danach die arabische und islamische Identität Marokkos. Andere Facetten wie das Berberische oder Jüdische wurden systematisch ausgeblendet.

Heute ist das marokkanische Königshaus verhältnismäßig pro-jüdisch und auch pro-israelisch eingestellt, was aber nicht die Mehrheitsmeinung der Bevölkerung wiederspiegelt. Offizielle diplomatische Beziehungen zwischen den beiden Ländern gibt es nicht, was auf ein eher schlechtes Verhältnis schließen ließe. Trotzdem sind die innen- und außenpolitischen Bemühungen nicht zu übersehen, jedenfalls im Vergleich zu anderen arabischen Ländern.

Es gibt in Marokko keine gegen Juden oder andere religiöse oder ethnische Minderheiten gerichteten Gesetze. Die Religionszugehörigkeit ist nicht im Pass vermerkt. Es steht Juden frei, sich politisch zu betätigen.

Bereits 1997 wurde in Casablanca unter dem Namen „Museum des marokkanischen Judentums“ ein jüdisches Museum errichtet. Es ist das einzige seiner Art in der gesamten arabischen Welt.

Seit 2011 schützt Marokko offiziell in seiner Verfassung (Artikel 5) die kulturelle Vielfalt des Landes. Das Berberische wurde als Amtssprache anerkannt und das Hebräische als Teil der nationalen Identität.

2011 fand an der Universität in Ifrane eine dreitägige Konferenz zum Thema Holocaust statt. Es war die erste Konferenz dieser Art in der arabischen Welt. Sie wurde auch von Regierungsvertretern und internationalen Diplomaten besucht.

Jährlich bereisen Tausende jüdische Touristen Marokko ohne Gefahr. Mohammed VI. von Marokko lässt ehemals jüdische Straßen und Plätze wieder in ihre alten Namen umbenennen. Verfallene jüdische Friedhöfe, Synagogen und Schulen wurden in den letzten Jahren restauriert, was durch die Regierung gefördert und bezuschusst wurde.

Rundfunk und Fernsehen in Marokko unterliegen staatlicher Kontrolle. Die Einschränkung der Pressefreiheit führt in diesem Fall dazu, dass es kaum antisemitische Beiträge gibt. Im Printbereich verhält es sich anders. Die Zeitungen unterliegen keiner staatlichen Zensur. Hier wird besonders in Hinblick auf den Nahostkonflikt eine einseitig pro-palästinensische Sicht vermittelt. Auch antisemitische Verschwörungstheorien und Holocaustleugnung können hier geäußert werden. Im öffentlichen Raum drohen keine Konsequenzen, wenn beispielsweise Politiker antisemitische Verschwörungstheorien verbreiten. Trotzdem gibt es aktiven Widerstand gegen die moderate Haltung der Regierung. Proteste regen sich vor allem gegen eine Normalisierung der Beziehungen zu Israel. Entsprechende Organisationen sind mit ihren Anliegen auch in den Medien präsent. Nicht zuletzt die BDS-Bewegung, die international zu einseitigen Boykotten und Sanktionen gegen Israel aufruft, spielt dabei eine große Rolle. 2017 versuchten BDS-Aktivisten, den Auftritt einer israelischen Sängerin in Marokko zu verhindern, indem sie mit Beschimpfungen vor ihrem Hotel demonstrierten und eine israelische Flagge verbrannten. Die Veranstaltung konnte jedoch wie geplant stattfinden.

Zusammenfassend lassen sich einige Punkte als Beobachtungen und Schlussfolgerungen herausstellen:

•       In beiden Ländern fällt auf, wie wenig Einfluss die offizielle Linie der Regierung allein auf die öffentliche Meinungsbildung hat.

•       In Iran dient der Antisemitismus innen- und außenpolitischen Zwecken, während er sich in Marokko eher störend darauf auswirkt.

•       Auffällig ist auch, dass israelbezogener Antisemitismus und Verschwörungstheorien vorherrschen gegenüber einem religiös-islamisch begründeten Antisemitismus, obwohl dieser besonders in der iranischen Propaganda eine große Rolle spielt.

•       Der Antisemitismus in der MENA-Region, der mit einem Mittelwert von 74 Prozent beziffert werden kann, kann nicht als eine Einheit betrachtet werden. Untersuchungen zur Geschichte, Gegenwart und Wirkmechanismen des Antisemitismus können in jedem Land zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen und Einschätzungen führen.

 

 

 

 

Quellen:

Matussek, C. (2012). Der Glaube an eine „jüdische Weltverschwörung“’: die Rezeption der „Protokolle der Weisen von Zion“ in der arabischen Welt (2. Aufl., Bd. 188). Berlin ; Münster: Lit.

https://global100.adl.org/map

https://carmenmatussek.wordpress.com/

 

 

 

 

 

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) & "Verschwörungsmythen". Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren wöchentlich, um Religionswissenschaft zugänglich und diskutierbar zu machen.

32 Kommentare

  1. Es gibt (vermutlich schon seit jeher) auch eine Art von “innerjüdischem “Dualismus” –

    – nämlich wie schon immer bezüglich der äthiopischen oder asiatischen Juden –

    auch einen einen (vorwiegend) in USA:

    Dort sind offenbar viele Juden der Meinung (und äußern das auch mehr oder weniger aggressiv) dass die dortigen JÜDISCHEN “People of Colour”
    “nicht jüdisch” genug seien.

    Aktueller Bezug: swr- Rundfunkbeitrag in der Reihe “swr Glauben” :

    https://www.swr.de/swr2/leben-und-gesellschaft/juden-und-schwarze-in-den-usa-swr2-glauben-2020-10-25-100.html

  2. @Religionsfreiheit

    Natürlich meinen die meisten Konfessionen, das sie die Besten sind, oft sogar die einzig Wahren, im Extremfall meinen sie, das es keine Alternative gibt. Das ist alleine schon Marketing, aber auch eine gewisse Selbstwirksamkeit. Die Alternativlosigkeit ist attraktiv, und hält den Verein zusammen.

    Aber der Pragmatismus der Religionsfreiheit ist einfach grundlegend. Jahrhunderte von Religionskriegen haben in der westlichen Kultur einfach ein Lernen aus Leiden erzeugt, dass den Spagat der Toleranz von Intoleranz ermöglicht.

    Aber auf dieser Grundlage, die auch die Konfessionen in einen offenen Wettbewerb geschickt hat, hat sich wohl eine verbreitete Weltoffenheit eingestellt. Und der Freiheit der Konfessionen folgte dann auch die generelle Gedanken- und Meinungsfreiheit. Was dann wiederum nachfolgend erst Demokratie, und dann Gleichberechtigung zur Folge hatte.

    Aus einem zerstrittenem Europa ist so eine europäische Union geworden, die sich nicht mehr ständig bekriegt, sondern auf Augenhöhe zusammenarbeitet.

    Die muslimische Welt sieht hier anders aus. Religionsfreiheit hat es dort noch schwer, und wo die fehlt, geht es eben nicht. Im wesentlichen ist das Einzige, was da funktioniert, sind Rentiersregime, die die Öleinnahmen verjubeln. Wenn jetzt die Opfer der Kriege und Bürgerkriege versuchen, nach Europa zu flüchten, dann bringen diese teilweise ihre Nicht-Religionsfreiheit mit.

    Das ist für uns nicht immer einfach. Wenn ich merke, dass ich von Anhängern der radikaleren Gruppierungen hier im sozialen Brennpunkt, wo ich wohne, als ein ungläubiges Arschloch angesehen werde, vergeht mir hier partiell die Gastfreundschaft. Gleichzeitig freue ich mich natürlich über weltoffene Muslime, wenn die hier einen Lebensraum finden, in Freiheit zu leben.

    Anderseits finde ich, dass 25% Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund sowieso genug sind. Natürlich braucht die Wirtschaft Migration, wenn die Geburtenzahlen so niedrig sind. Aber die Gleichberechtigung der Frau ist meiner Ansicht nach erst vollzogen, wenn Frauen nicht mehr vor die Alternative Karriere oder Kinder gestellt werden. Wir brauchen hier Kitas möglichst schon am Arbeitsplatz und an den Universitäten und ein Kindergeld von mindestens 500 € pro Kind.

    Es gibt auch in Europa immer noch jede Menge Gruppierungen, die zwar ihre eigene Freiheit einfordern, aber von der Freiheit anderer nicht so viel halten. Dazu gehört, meine ich, auch der immer noch grassierende Antisemitismus. Der dann aber doch weitgehend in der Minderheit ist. Das ist wichtig, weil antidemokratische Mehrheiten nicht mehr so einfach zu verarbeiten sind.

    • Lieben Dank, @Tobias Jeckenburger. Bin in ganz vielem bei Ihnen. Auch als Vater von drei Kindern frage ich jedoch, warum die Frage niedriger Geburtenraten & der Vereinbarkeit von Kindern und Karriere nur ein Frauenthema sein sollte. Sowohl Umfragen wie auch Erfahrungen im Umfeld belegen, dass viele Frauen gerne Kinder hätten – wenn sich ein Partner fände, der auch verlässlich Mitverantwortung übernähme. Es fehlt m.E. häufiger eben auch an Männern, die Väter werden wollen. Oder wie sehen Sie das? 🤔

      • Es fehlt m.E. häufiger eben auch an Männern, die Väter werden wollen. Oder wie sehen Sie das? 🤔

        Das kann ich aus meinem Umfeld nicht bestätigen. Angeregt durch Ihren Beitrag habe ich mal einen “Kassensturz” in meinem näheren Umfeld (Verwandte, Freunde, Bekannte, Kollegen) gemacht. Die Ergebnisse haben mich teils selbst überrascht, in dieser Deutlichkeit war mir das manchmal gar nicht bewusst gewesen.

        Ich habe 30 Personen “ausgewertet”, 16 Männer und 14 Frauen, alle sind zw. 35 und 65 Jahre alt und in Deutschland geboren und aufgewachsen, sie stellen also eine recht homogene und vergleichbare Gruppe dar. Überrascht hat mich, wie viele davon Akademiker sind (von 22 weiß ich es, bei 6 weiß ich es nicht, und nur bei 2 weiß ich, dass sie nicht studiert haben). Ebenfalls hat mich der Beamtenanteil überrascht (von 16 weiß ich es, bei 7 weiß ich es nicht, und nur bei 7 weiß ich, dass sie keine Beamten sind – aber von denen arbeiten mindestens 3 trotzdem im Öffentlichen Dienst). Es heißt ja, dass der Öffentliche Dienst besonders familienfreundlich sei wg. Teilzeitregelungen usw. Selbstständig ist soweit ich weiß nur 1 Person (ein Mann) von den 30.

        Von den 30 Leuten sind nur 4 Singles, die anderen bilden 13 Paare, von denen 8 miteinander verheiratet sind (die übrigen 5 Paare sind nicht mal eingetragen, sie leben, teils seit mehr als 20 Jahren, einfach zusammen, ohne das irgendwie “offiziell” zu machen). Also auch ein guter Hintergrund für Kinder – feste Beziehungen, sichere Arbeitsplätze, hoher Bildungsgrad und entsprechender Lebensstandard. Eigentlich.

        Denn nur 6 Paare (also 12 von den 30 Leuten) haben Kinder, davon jeweils die Hälfte 1 bzw. 2 Kind(er). Die übrigen 7 Paare wollen keine Kinder, und 2 der 4 Singles wollen auch keine, also 16 von 30 Leuten (8 Männer und 8 Frauen). Ihre These ist ja jetzt, dass das (auch) an den Männern liegt, die nicht Vater werden wollen.

        Zwei der drei Single-Männer geben aber an, gerne Vater werden zu wollen, aber keine Frau zu finden. Beide sind Beamte und wollen laut eigener Angabe sehr gerne Halbzeit (also 50% Teilzeit) arbeiten. Die Single-Frau (auch Beamte) sagt hingegen, dass sie auf keinen Fall Kinder haben will, sie will nicht mal ein Haustier, denn sie will auf keinen Fall “abhängig” oder “angebunden” sein (das sagt auch der dritte Single-Mann).
        Bei den 7 kinderlosen Paaren geben die Frauen als Gründe für ihre Kinderlosigkeit an, dass sie Karriere machen wollen (1x), dass sie reisen und Spaß haben wollen (3x), dass dafür später Zeit ist (1x, Alter Ende 30) und dass Kinder “nerven” und sie ihre Ruhe haben wollen (2x). Bei mindestens einem dieser Paare weiß ich, dass der Mann sehr gerne mehrere Kinder gehabt hätte (seine Frau ist die, die lieber Karriere machen will).

        Fazit: Einem Paar könnte geholfen werden, wenn Karriere und Teilzeit endlich mal ordentlich miteinander vereinbar wären. Nicht nur, dass auch der Chef ein Recht auf Teilzeit und geregelten Feierabend haben sollte (zumal im Öffentlichen Dienst), sondern v.a. auch, dass man bislang, wenn man Teilzeit arbeitet, viel zu wenig Stunden zusammen bekommt, um in absehbarer Zeit auch mal “weit genug rauf” befördert zu werden.
        Die anderen 6 Paare wollen aber einfach nicht. Und bei den Singles sind es die Männer, denen es an Frauen fehlt, die gerne Kinder möchten. So zumindest meine Erfahrung. Jedenfalls kenne ich in meinem Umfeld keine Frau, die gerne Kinder hätte, aber keine hat – ich kenne aber 3 Männer, die gerne Kinder hätten, und 2 davon haben nicht mal überhaupt eine Frau, und der dritte hat eine, der Karriere wichtiger ist. Somit muss ich hier einen ganz klaren Frauenmangel konstatieren.

        Das Ganze ist natürlich nicht repräsentativ, klar, aber es ist ja trotzdem Lebenswirklichkeit.

        • Vielen Dank, @tranquebar – ich habe repräsentativere Ergebnisse anders in Erinnerung, möchte aber Ihre Mühen und Ihren Ausschnitt aus dem eigenen Milieu überhaupt nicht schmälern. Mit so engagiert und dennoch konstruktiv Kommentierenden macht Bloggen Freude!

          • Den Dank gebe ich zurück – aufgrund der hier erhaltenen Anregung habe ich auf diese Weise etwas Interessantes über mich und mein Umfeld erfahren, sowohl über seine Zusammensetzung als auch darüber, wie repräsentativ es denn eigentlich ist (nicht allzu sehr, da sehr homogen).

            PS: Bei gründlicherer Überlegung würde ich, wenn ich die Aufstellung nochmal machen würde, 4 weitere Personen ergänzen, die ich aus anderem Kontext kenne und deshalb nicht gleich auf der Rechnung hatte. Unter denen ist dann auch mal eine Single-Frau, die gerne eine Familie gehabt hätte, aber keinen passenden Mann fand. Allerdings kommt auch noch ein weiterer derartiger Mann hinzu (die anderen beiden sind ein verheiratetes Paar mit 2 Kindern). An den “Mehrheitsverhältnissen” ändert es also nichts. Interessant ist höchstens noch, dass von diesen Vieren niemand Beamter und nur einer Akademiker ist. Sie machen die Gruppe also ein kleines Bisschen diverser.

          • Eine von Statista für 2016 gelistete Umfrage in Deutschland gibt Ihnen tendenziell Recht, @tranquebar! Demnach würden sich nur 5% der Männer, aber 10% der Frauen bis 30 J. gar keine Kinder wünschen!
            https://de.statista.com/statistik/daten/studie/501018/umfrage/kinderwunsch-und-geplante-kinderzahl-von-maennern-und-frauen-in-deutschland/

            Selbstverständlich bleibt es denkbar, dass gerade auch Männer bei Befragungen ihr Reproduktionspotential hervorheben wollen (wie ernst oder unbestimmt “später” es auch gemeint sein mag), aber empirische Daten soll man(n) nicht umdeuten, sondern erst einmal gelten lassen. Danke für die fruchtbare Debatte! 🙂

  3. 1.
    Zum Folgenden aus dem Artikel:

    “Viele Juden waren im Zuge der Reconquista aus Spanien nach Marokko geflohen und hatten sich dort angesiedelt. Unter dem Stichwort „Goldenes Zeitalter“ oder „Blütezeit“ des Islam wird an das friedliche und fruchtbare Zusammenleben von Juden und Muslimen in Al-Andalus, im Emirat beziehungsweise Kalifat von Córdoba und dem Emirat von Granada erinnert. In dieser Zeit entwickelte sich sogar eine besondere jüdisch-marokkanische Literatur – in arabischer Sprache, aber mit hebräischer Schrift. Bis zum Zweiten Weltkrieg beheimatete Marokko die größte jüdische Gemeinde im Maghreb. Im ganzen Land findet man teils noch erhaltene Synagogen, jüdische Schulen und Friedhöfe…….” (Zitatende)

    Der israelische Historiker Schlomo Sand beschreibt(und belegt) in seinem Buch “Die Erfindung des jüdischen Volkes” recht ausführlich, dass dieses “sephardische Judentum ” größtenteils auf die vorherige “muslimische “Kolonialisierung” Spaniens zurückging. Und zwar dadurch, dass daran sehr viele jüdische “Proselyten” beteiligt waren, die oder deren Vorfahren “eigentlich” ethnische (nordwestafrikanische) Berber waren. Nur ein ganz unerheblicher Teil der “Wurzeln” des sephaddischen Judentums würde bis in die Levante zurückreichen. Mal abgesehen davon , dass auch diese nordafrikanische Küstenbevölkerung dort vermutlich etnisch auf die antike phönizische (Handels-) Kolonisation zurückgeht. (Unter denen es verutlich auch schon Proselyten gab).

    2. Zum Folgenden aus dem Artikel:

    “…Aber der Krieg war noch nicht die Zeit großer Fluchtbewegungen aus Marokko. Im Gegenteil. Sultan Mohammed V. hat damals die von Vichy-Frankreich aus verordneten antijüdischen Bestimmungen in Marokko nicht umgesetzt und die Juden des Landes vor Verfolgung geschützt. Die meisten Juden verließen Marokko, nachdem das Land 1956 seine Unabhängigkeit von Frankreich und Spanien erlangt hatte. Um eine Einheit herzustellen, betonte die marokkanische Regierung danach die arabische und islamische Identität Marokkos. Andere Facetten wie das Berberische oder Jüdische wurden systematisch ausgeblendet….” (Zitatende)

    Schlomo Sand erwähnt auch irgendwo, dass Israel nach der Staatsgründung (überwiegend insgeheim ?) einen erheblichen Druck auf die maghrebinischen bzw.(marrokkanischen) Juden ausgeübt hat, “heim nach Israel” auzuwandern.
    Und eventuell auch international diplomatisch Druck ausgeübt hat auf die marokk. Staatsführung, dies zu unterstützen.

    • Selbstverständlich wissen Sie längst, dass die bizarren Thesen von Schlomo Sand etwa zu den Chasaren längst widerlegt (und schon im Ansatz rassistisch) sind:
      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsfragen-14-semiten-sklaven-chasaren-die-wurzeln-des-rassismus-im-16-jahrhundert/

      Aber irgendwie klar, dass Sie davon nicht wirklich lassen können… 🤦‍♂️ Sind Sie inzwischen wenigstens bei der Anerkennung von Einsteins Relativitätstheorien weiter? 🤔

      • Wenn ich richtig verstehe was Schlomo Sand geschrieben haben soll, dann wäre die Idee einer jüdischen Nation eine sehr späte und ggf. “zionistische” Erfindung gewesen etc.

        Es ist allerdings so, dass man das eisen- bzw. spätbronzezeitliche Nord- und Südreich durchaus auch mit archäologischen und außerbiblischen Quellen nachweisen kann. Leider erfährt man zwar sehr viel mehr über das Nordreich, trotzdem aber ist das Königreich mit Jerusalem als Zentrum deutlich erkennbar. Sicherlich war das Südreich von David & Salomon nicht so großartig wie es in der Bibel beschrieben ist. D.h. aber auch, dass es damals eine Nation von Menschen primär jüdischen Glaubens gab. Ob David und Salomon dabei eher Fiktion oder historische Figuren sind ist dabei nicht so wichtig – sicherlich ist auch einiges an Mythos in der biblischen Israelgeschichte. Für spätere Könige wie Ahab, Hezekiah, Manasseh u.a. hat man genügend Zeugnisse.

        Ergo das biblische jüdische Reich Israel gab es, wenn u.U. auch nicht ganz so wie in der Bibel geschildert. Entsprechend gab es auch die Nation Israel, nach der sich ein Jude schon aus religiösen Gründen sehnen konnte.

        Und da die Juden leider immer wieder das Ziel von Anfeindungen sind, ist es auch nur natürlich, dass Juden gerne das alte Israel als Heimat “zurück” hätten. (um endlich in Frieden leben zu können)

        Das es ein historisch begründetes Nationalgefühl der Juden gab und gibt, steht außer Frage.

  4. @Michael 26.10. 08:08

    „…wenn sich ein Partner fände, der auch verlässlich Mitverantwortung übernähme. Es fehlt m.E. häufiger eben auch an Männern, die Väter werden wollen.“

    Nun gut, als ich im entsprechenden Alter war, war ich der Meinung, dass sich die Bevölkerung angesichts der Umwelt- und Ressourcenproblematik gerne noch etwas reduzieren kann. Gleichzeitig hatte ich aber auch wenig Lust auf Kinder.

    Inzwischen meine ich, dass wir genug geschrumpft sind. Bin jetzt aber selber zu alt für Kinder.

    Klar würde es auch was bringen, wenn Männer sich mehr um Kinder und Haushalt kümmern würden. Allerdings ist es auch wichtig, dass die Beziehungen 15 oder 20 Jahre halten, und wenn hier einfach die Kompetenzen dafür fehlen, dann nützt auch der Wille dazu wenig.

    Was nützt das, wenn der Mann erst fleißig mithilft, aber nach 4 Jahren die Beziehung am Ende ist. Unter den derzeitigen Verhältnissen kann das schnell zum Ende der Karriere der Frau führen, und dann auch noch mitsamt Nachwuchs in der Armut enden. Entsprechend gehen viele Frauen dieses Risiko gar nicht erst ein. Und warten auf den passenden Mann, oder bis sie sich selbst beruflich gut etabliert haben. Derweil läuft dann aber die biologische Uhr ab, und es wird dann nur 1 Kind, oder gar keins.

    Angesichts dessen mein Vorschlag von mindestens 500 € Kindergeld pro Kind, dass man hier besser abgesichert ist, wenn die Beziehung in die Brüche geht. Ganz nebenbei ist das Großziehen von Kindern kein reines Privatvergnügen, sondern auch ein wesentlicher Dienst an der Gesellschaft, und eine entsprechende Belohnung wert.

    Mehr Kitas, vor allem direkt am Arbeitsplatz und schon an den Universitäten wären überaus praktisch. Hier hatte uns die DDR wohl etwas voraus. Angesichts der Realität der männlichen Unlust an Hausarbeit bekamen die Frauen dort auch noch einen Haushaltstag in der Woche spendiert.

  5. @Mona 25.10. 20:42

    „Ich wollte mir die Geschichte der Mizrachim näher anschauen…
    https://www.nzz.ch/international/zweierlei-vertreibungen-zweierlei-integration-ld.1471990“

    Interessanter Link. Ich wusste das gar nicht, dass die meisten Juden in der arabischen Welt im 20. Jahrhundert vertrieben worden sind. Nicht als Reaktion auf die Staatsgründung Israels, sondern aus ohnehin vorhandenem grundsätzlichem Antisemitismus. Für diese war es ziemlich erleichternd, dass sie in Israel aufgenommen werden konnten.

    Der Islam scheint doch erhebliche Probleme mit Religionsfreiheit zu haben. Hier gibt es offenbar verbreitet Mehrheiten, die mit koexistierendem Glauben nicht gut zurecht kommen. Das ist ja auch nicht einfach, auch bei uns halten sich die meisten religiösen Vereine für die einzig Wahren, und dennoch den Anderen zu respektieren ist oft ein Spagat.

    Wenn ich mir hier die Zeugen Jehovas mit ihrer grundsätzlichen Verschwörungsmythologie angucke, da bin ich froh, dass das eher wenige sind. Wenn die mal wieder vor der Tür stehen, lass ich mich auf keine Diskussion ein, das gibt sonst noch richtig Streit. Denen kann man nur aus dem Weg gehen.

    Mag sein, das die Politik mit dem Potential an Intoleranz immer wieder arbeitet, aber das hat wohl dennoch viel mit der religiösen Einstellung der Menschen selbst zu tun.

    Entsprechend sind mir muslimische Migranten, die der religiösen Enge entfliehen wollen sehr viel lieber, als welche die mit ihrer eigenen Einstellung die Kriege und Bürgerkriege mit verursacht haben, vor denen sie jetzt fliehen müssen.

  6. @ Mona und

    a) speziell zum folgenden Zitat aus dem NZZ- Artikel:

    “.. So gut wie nie versuchte Israel, ein Rückkehrrecht für die irakischen, jemenitischen, tunesischen, marokkanischen, algerischen, ägyptischen, syrischen und libyschen Juden einzufordern….” (Zitatende)

    Da steht dann wohl die Aussage eines israelischen Historikers gegen die Behauptungen in einer Schweizer Zeitung.

    Und

    b) zur Situation ganz allgemein:

    Ich befürchte, dass die kritiklose Übernahmen der Positionen einer religiös-nationalethnisch rechten israelischen Regierung mit ihren oft bizarr faktenverschleiernden Propagandabehauptungen dem “Jüdischen Volk” (falls es sowas überhaupt gibt) langfristig noch mehr schaden wird , als die globale judäophobe oder rassistisch – antisemitische Propagnda an sich schon.

  7. @ Michael Blume und zum Folgenden :

    “….Aber irgendwie klar, dass Sie davon nicht wirklich lassen können… 🤦‍♂️ Sind Sie inzwischen wenigstens bei der Anerkennung von Einsteins Relativitätstheorien weiter? 🤔…..” (Zitatende)

    Der Versuch, den Meinungsgegner und damit auch dessen skeptische Positionen zur israelischen Regierungsdoktrien durch Verweis auf seine kritische Einstellung zu einer physikalischen Theorie in die Spinnerecke zu schieben, ist nicht gerade eine sehr feine Diskursmethode. (-:

    • Lieber @little louis, Sie sind nicht das Opfer und haben Sich ganz von selbst in die antisemitische „Spinnerecke“ gestellt… 😏🤷‍♂️🤦‍♂️

      Faszinierend auch, wie Sie hier ganz von alleine „israelische Regierungspolitik“ mit Ihrer Ablehnung von Einsteins Relativitätstheorien verknüpfen. Ein mytho-logischer Zusammenhang besteht hier nur im antijüdischen Verschwörungsglauben. Danke, dass Sie das auch hier nochmal demonstriert haben… 🌷

  8. @Religionskriege

    Die Intoleranz geht weiter, auch wenn die Andersgläubigen vertrieben sind. Das sieht man ja auch an den aktuellen Kriegen in Syrien und Jemen, wo sich auch Sunniten und Schiiten streiten. Ich schätze mal, dass aktuell in Europa die Religionsfreiheit ausgeprägter als in den USA ist, was man auch an den beiden Golfkriegen sehen konnte. Dass die USA bei vielen Gelegenheiten muslimische Länder destabilisiert, könnte auch christlich-fundamentalistisch mitmotiviert sein.

    Unter Juden wird wohl die Weltoffenheit am ausgeprägtesten sein, noch mehr als unter uns im ehemals christlichen Europa. Ob das im unter Existenzdruck stehenden Israel weiter so weltoffen zugeht, wie unter den ehemals in Europa lebenden Juden, weiß ich jetzt gar nicht.

    Allerdings können auch Atheisten recht intolerant werden, nicht nur in der kommunistischen Variante. So versuchte z.B. die Schulmedizin mehrmals, die Homöophatie zu verbieten, und scheiterte dabei erst an deutschen Gerichten.

    Ein vernünftiges Miteinander ist ohne wirkliche Religionsfreiheit offenbar schwierig. Je mehr den Menschen bewusst ist, dass man andere Erfahrungen und andere Mythen haben kann, desto besser kann ein Miteinander gedeihen. Je weniger man den Andersgläubigen andichtet, desto eher kann hier ein Dialog fruchtbar bleiben. Einen gewissen Anteil an Radikalen kann die Demokratie verarbeiten, werden das Mehrheiten, kann das instabil werden.

    Das gilt letztlich auch für die Außenpolitik.

  9. Danke für den interessanten Artikel. Dazu möchte ich noch anmerken, daß Bassam Tibi und Karl Lagerfeld wohl aus diesen Umständen kritisch zur Migration des Jahres 2015 geäussert haben. Nur sehe ich es als nicht einfach an, bei den Flüchtlingen eine entsprechende Prüfung mit der Abweisung des Asylantrages durchzuführen.

    Gruß
    Rudi Knoth

  10. @Michael 28.10. 15:56

    Interessanter Link zum Bericht hier von MdB Markus Grübel. Ich habe schon mal etwas reingelesen. Offenbar macht die Religionsfreiheit derzeit weltweit gesehen insgesamt keine Fortschritte. Hier gibts noch eine Menge an Kulturarbeit zu leisten, fürchte ich.

    In dem Bericht habe ich bisher vermisst, dass Religionsfreiheit prinzipiell eine sensible Sache ist. Fast alle Religionen und Weltanschauungen halten sich selbst für die Beste, und Viele halten sich für Alternativlos, und Einige sehen alles andere sogar als extrem bösartig an. Auf diesem Hintergrund ist man schon bereit zur Toleranz des eigentlich Intoleranten, wenn wenigstens die Gesetze geachtet werden und keine Gewalt angewendet wird. Aber hier dürfte klar sein, dass die Demokratie in Schwierigkeiten gerät, wenn ihre Feinde Mehrheiten bekommen.

    Das konnte man im Arabischen Frühling ganz gut beobachten, außer in Tunesien ist da nichts draus geworden. Und auch die Weimarer Republik ist auf diese Weise gescheitert

    Rudi Knoth 28.10. 10:20

    „Nur sehe ich es als nicht einfach an, bei den Flüchtlingen eine entsprechende Prüfung mit der Abweisung des Asylantrages durchzuführen.“

    Wenn man Migranten auf Verfassungsfeindlichkeit prüfen würde, hätte das auch dann positive Auswirkungen, wenn die meisten dabei durchrutschen würden. Man hätte in jedem Fall dem Migranten klar gemacht, dass Religionsfreiheit, Demokratie und Gleichberechtigung in Europa gefordert sind und zum Grundgesetz und zu unserer Kultur gehören. Auch müssten sich dann entsprechende Personen weiterhin vorsichtig bewegen, und sich z.B. nicht als Stammgast in radikalen Gemeinden erwischen lassen.

    In wieweit das vom Recht her möglich ist, radikalen Personen das Asylrecht zu verwehren, kann ich nicht beurteilen. Aber klar ist, dass Personen mit inzwischen erworbener deutscher Staatsangehörigkeit nicht abgeschoben werden können, egal warum. Mit denen müssen wir dann leben.

  11. @Tobias Jeckenburger 29.10.2020, 00:36 Uhr

    Wenn man Migranten auf Verfassungsfeindlichkeit prüfen würde, hätte das auch dann positive Auswirkungen, wenn die meisten dabei durchrutschen würden.

    Migration und Asyl sind mach meinem Verständnis verschiedene Dinge, die auch verschieden behandelt werden sollte. Bei Migranten kann man auch Obergrenzen bedenkenlos einführen aber bei Asyl (politisch verfolgte) ist dies eher zweifelhaft. Genauso war es früher hier so, daß Asylanten in der BRD nicht arbeiten durften.

    Gruß
    Rudi Knoth

  12. @Rudi Knoth 30.10. 11:10

    „Migration und Asyl sind mach meinem Verständnis verschiedene Dinge, die auch verschieden behandelt werden sollte.“

    Im Prinzip ist doch beides gemeinsam zu managen. Menschen brauchen Zuflucht, die Wirtschaft braucht Arbeitskräfte und die Gesellschaft kann etwas Bereicherung gebrauchen. Die Asylbewerber, die wirklichen Asylgrund haben, und auch keine Verfassungsfeinde sind, die brauchen schnelle Hilfe, und es kommen mal mehr, mal weniger zahlreich viele zu uns. Wenn jetzt noch Wirtschaftsflüchtlinge dabei sind, die es doch irgendwie schaffen, anerkannt zu werden, dann kommen die noch dazu.

    Hier würde ich dann vorschlagen, das man denen sofort Deutsch beibringt, und wenn möglich deren Qualifikation anerkennt, und dann auch in den Arbeitsmarkt ganz gut integrieren kann.

    Dann haben wir noch die Europäische Freizügigkeit, mit der ich auch nur teilweise einverstanden bin. Man sollte auch hierzu Sprachkenntnisse verlangen, und in Zeiten mit einem hohen Aufkommen von Asylanten diese EU-Arbeitsmigranten auch noch zusätzlich begrenzen.

    Die entsprechenden Deutschkenntnisse würden die Integration in die Gesellschaft eine Generation früher möglich machen, und auch die viel zu hohe Konkurrenz im Niedriglohnbereich reduzieren können. Ich finde auch, dass das angebracht ist, die Deutschkenntnisse auch zu prüfen, und die Einwanderung ggf. auch zu verweigern. Wenn man dann schon Deutschkurse macht, kann man auch gleich über Religionsfreiheit, Demokratie und Gleichberechtigung informieren, und vermitteln, das ohne dem eine freie Gesellschaft nicht praktikabel ist. Soviel nationaler Egoismus muss sein, meine ich.

    Solange die Geburtenraten so niedrig sind, wird die Wirtschaft offenbar auch zukünftig Migranten aller Art nachfragen. Selbst wenn die Geburtenraten wieder steigen, ist dennoch noch ein weiterer Rückgang der Stammbevölkerung zu erwarten, und damit auch eine entsprechende Nachfrage nach Ersatz. Hier könnte man aber auch einfach den Arbeitgebern nahelegen, dass sie auch zu den Menschen hinkommen können, und in Polen oder Rumänien auch neue Fabriken aufmachen können, wenn es hier zu voll geworden ist. Das würde die Nachfrage nach Migranten reduzieren können.

    Insgesamt würde ich mir wünschen, dass nur so viele Menschen ins Land kommen, dass der Wohnungsmarkt nicht überlastet wird, die Migranten auch bessere Arbeit machen können, und dass die Leute Deutsch können, dass man sich mit denen auch unterhalten kann. Wenn man dann noch radikale Islamisten und andere Verfassungsfeinde soweit möglich vermeiden könnte, wäre ich doch recht zufrieden.

    • Im Prinzip ist doch beides gemeinsam zu managen. Menschen brauchen Zuflucht, die Wirtschaft braucht Arbeitskräfte und die Gesellschaft kann etwas Bereicherung gebrauchen.

      Das sehe ich anders. “Echte Schutzsuchende” brauchen den Schutz ohne Wenn und Aber. Das ist bei Einwanderern anders. Darum unterscheiden die klassischen EInwanderungsländer daher sehr streng zwischen beiden Sorten von “Migranten”. Die beiden Länder auf den Antipoden (Australien und Neuseeland) suchen sich die Einwanderer genau aus. Dabei ist die Herkunft oder Hautfarbe nicht von Bedeutung.

      Wenn jetzt noch Wirtschaftsflüchtlinge dabei sind, die es doch irgendwie schaffen, anerkannt zu werden, dann kommen die noch dazu

      Ein Großteil sollen genau diese Wirtschaftsflüchtlinge sein. Die Anerkennungsquote soll um die 10% liegen.

      Hier könnte man aber auch einfach den Arbeitgebern nahelegen, dass sie auch zu den Menschen hinkommen können, und in Polen oder Rumänien auch neue Fabriken aufmachen können, wenn es hier zu voll geworden ist. Das würde die Nachfrage nach Migranten reduzieren können.

      Wenn die Polen und Rumänen damit einverstanden sind, mag das angehen. Eigentlich wird dies doch von manchen Firmen gemacht (NOKIA) was hier dann auf Kritik stiess.

      Gruß
      Rudi Knoth

  13. @Rudi Knoth 04.11. 14:10

    „Das sehe ich anders. “Echte Schutzsuchende” brauchen den Schutz ohne Wenn und Aber. Das ist bei Einwanderern anders. Darum unterscheiden die klassischen EInwanderungsländer daher sehr streng zwischen beiden Sorten von “Migranten”“

    Wenn ich einen Syrer aufnehme, weil der eine Zuflucht braucht, dann brauche ich doch eine Polen weniger, der hier vom Arbeitsmarkt nachgefragt wird. Voraussetzung ist, dass der Asylant schnell Deutsch lernt, recht fit ist und vielleicht sogar noch eine Qualifikation mitbringt, die man möglichst anerkennen sollte.

    Das meine ich mit einem gemeinsamen Management von Migration.

    Wenn man Verfassungsfeinden kein Asyl mehr gewähren würde, wäre das wiederum eine Maßnahme, die Gesamtzahl der Migranten zu begrenzen, genauso wäre es in diesem Sinne wirksam, wenn es möglich wäre, von EU-Arbeitsmigranten Deutschkenntnisse zu verlangen. So könnte man die Konkurrenz auf dem Niedriglohnsektor reduzieren, und auch die Wohnungsnot entschärfen.

    Die derzeitige Strategie, die Türkei und die Nordafrikanischen Staaten dafür zu bezahlen, die Asylbewerber schlicht nicht an die Strände zu lassen, funktioniert auch. Ist aber nicht nur juristisch eine ziemlich schräge Lösung.

    • Wenn ich einen Syrer aufnehme, weil der eine Zuflucht braucht, dann brauche ich doch eine Polen weniger, der hier vom Arbeitsmarkt nachgefragt wird.

      Haben wir denn momentan hier ein Mangel an Arbeitskräften? Oder wie soll ich sonst das Thema “Arbeitsmarkt” verstehen. Von der Vollbeschäftigung der 60er Jahre sind wir weit entfernt.

      Gruß
      Rudi Knoth

  14. @Rudi Knoth 10.11. 22:15

    „Haben wir denn momentan hier ein Mangel an Arbeitskräften?“

    Bei der derzeitigen Anzahl von EU-Arbeitsmigranten plus Asylanten nicht, aber wenn von denen vielleicht 2 Mio wieder abreisen würden, dann hätten wir vermutlich schon einen Mangel an Arbeitskräften.

    Insbesondere auf dem Niedriglohnsektor geht das Überangebot auf die Löhne dort, den Zuwanderern mag das immer noch viel erscheinen, für niedrig Qualifizierte in der Stammbevölkerung ist das aber bitter. Für andere, vor allem für Arbeitgeber und Vermieter, sind Migranten immer ein Gewinn.

    Von daher würde ich mir wünschen, dass erstmal etwas weniger davon hier wären, und dann mit besseren Deutschkenntnissen, dass die nicht alle in den Niedriglohnbereich strömen.

    • Selbstverständlich haben wir in Deutschland einen Mangel an Arbeitskräften. Ohne die Migration der vergangenen Jahrzehnte wären von der Pflege über die Migration bis zu Industrie längst ganze Branchen zusammengebrochen. Selbst der Biontech-Impfstoff geht maßgeblich auf Deutschtürken zurück. Lasst uns mal bitte realistischer in der Wahrnehmung von Demografie und ihrer Macht werden, Leute…

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