Ostern, seine Symbole und Rituale – Nürtinger Interview zur kulturellen Evolution des Glaubens

BLOG: Natur des Glaubens

Evolutionsgeschichte der Religion(en)
Natur des Glaubens

Ostern ist das eigentliche Hochfest des christlichen Glaubens: Hier feiern Christinnen und Christen die Auferstehung und also den Sieg Jesu über den Tod. Die religionsgeschichtlichen Wurzeln sind dabei aber noch viel älter und weisen sogar über das direkt verbundene, jüdische Pessach auf mindestens bronzezeitliche Frühlingsfeste zurück: Seit vielen Jahrzehntausenden erkunden wir Menschen das Geheimnis, wie Tod und Leben notwendig zusammen hängen – sei es das zur Jagd und später Schlachtung bestimmte Tier, das Nachkommen hervorbringt, das Weizenkorn, das durch sein Sterben neues Getreide und also Brot hervorbringt, das Huhn, das uns Eier schenkt usw.

Während aber das zur Wintersonnenwende auf der irdischen Nordhalbkugel genial platzierte Weihnachtsfest mit seinen Symbolen von Licht und Dunkelheit, Armut und Hoffnung – verkörpert in der Geburt des Kindes – auch Nichtchristen intuitiv zugänglich geblieben ist und heute vielfach für “das” christliche Fest gehalten wird, hat es das Osterfest schwerer: Die meisten von uns leben nicht mehr als Ackerbauern oder Viehzüchter, sondern beziehen unsere Lebensmittel aus Supermärkten. Die Symbole des Leben aufbrechenden Frühlingsfestes, in dessen Traditionen sich Ostern entfaltet, scheinen uns daher fremd, unverständlich oder doch harmlos zu sein.

Aber muss das so bleiben? Oder gibt es Ansätze, Chancen, Ostern wieder gesellschaftlich verstehbar und im Leben von mehr Menschen relevant zu machen? Kann Ostern wiederauferstehen?

Dazu gab ich Pfarrerin Birgit Mattausch ein Interview, das sie und ihr Team für das Gemeindeblatt der Gesamtkirchengemeinde Nürtingen auch liebevoll layoutet haben.

Hier erhalten Sie es per Klick als natürlich kostenfreier pdf-Download.

OsterInterviewBlume2014

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) & "Verschwörungsmythen". Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren wöchentlich, um Religionswissenschaft zugänglich und diskutierbar zu machen.

20 Kommentare

        • Agnostisch & konfessionslos; aber es geht in diesem Inhaltszusammenhang schon eher um den werten Publizisten und woher er die Kraft schöpft als erklärter Agnostiker oder agnostisch Gläubiger derart zum “Hasenfest” anzufragen.
          MFG
          Dr. W

          • Also, bei mir bedeutet “agnostisch Theistisch” einfach, dass mir völlig klar ist, dass sich auf wissenschaftlich-empirischem Wege kein sicheres Wissen über Gottes (Nicht-)Existenz erringen lässt, dass ich in einem existentiellen Sinn aber dennoch gerne und freudig glaube. Daraus beziehe ich einerseits Kraft und kann andererseits mit Nicht-Fundamentalisten wissenschaftlich wunderbar zusammen arbeiten und auch gerne diskutieren.

            Hier zu einem eigenen Blogpost zu Wissen, Glauben & Gesinnung.

            Dass Sie das gewachsene Osterfest permanent als “Hasenfest” herabsetzen, finde ich bedauerlich. Wenn Sie z.B. obiges Interview gelesen hätten, so würden Sie verstanden haben, dass auch der Hase nur eine regionale Angelegenheit ist, in anderen Regionen stehen Storch, Bilby usw. als Symbole für den Frühling und das Wunder des immer wiederkehrenden Lebens.

          • Sr, das ‘Hasenfest’ war jetzt vom Artikel inspiriert, es handelt sich nicht um den üblichen Duktus Ihres Kommentatorenfreundes, natürlich haben weder E noch Hase etwas mit dem religiös gemeinten Osterfest zu tun.
            Angeleitet hier Feedback zu geben, wurde Ihr Kommentatorenfreund eigentlich nur durch diese Fragestellung :
            ‘Kann Ostern wiederauferstehen?’

            Zu deren Intention & Idee Sie gerne Nachricht geben dürfen, aber natürlich nicht müssen.

            MFG
            Dr. W

  1. Ja, kann dieses so bedeutende Fest auch wieder in neuen Formen entdeckt werden, wieder mehr Menschen als freudevoll und relevant erkennbar werden, werden mehr Menschen begreifen, dass es auch, aber niemals nur ein “Hasenfest” war?

  2. Zwar werden Sonnenwendfeiern häufig als historische Fakten für die vorchristlichen Religionen angenommen. Aber bei genauerem hinsehen bleibt da nur wenig übrig. Ob das Pesah wirklich ein Frühlingsfest ist (im Sinne Feier von dem Frühling) kann ich nicht beurteilen.

    Von den Thesen der vorchristlichen Wurzeln von Ostern und seinem Brauchtum ist am Ende des 20. Jahrhunderts kaum etwas übrig geblieben. Weder Ostara noch der Osterhase als heidnisches Symbol sind belegt.

  3. Ja, @Zoran Jovic, da hast Du
    m.E. völlig Recht! Der damals populäre und bis heute nachwirkende Versuch, (auch) das Osterfest zu “germanisieren” und damit auch zu “entjuden” darf wissenschaftlich als gescheitert betrachtet werden. Einzelne Traditionen und Begriffe mögen lokal gewachsen und angesprochene Bedürfnisse anthropologischer Natur sein, doch das Fest insgesamt steht in einer klaren, biblischen Traditionslinie.

  4. “Was zum Geier haben eigentlich Hasen und Eier mit der Auferstehung Christi zu tun?”

    Dieselbe Frage hat auch der kleine Stan seinem Vater in Southpark gestellt.

    Wer wissen will, wie die Geschichte weiter geht, kann auch hier klicken.

    http://www.southpark.de/alle-episoden/s11e05-der-osterhasen-code

    http://www.southpark.de/alleEpisoden/

    Da erfährt man unter Anderem, dass der erste Papst Petrus gar kein Mensch war, sondern ein Hase! Und überhaupt, welche Sinn hätte denn sonst der hohe Papsthut, wenn nicht die riesigen Hasenohren darin Platz finden müsste. Und die Kirche versucht seit 2000 Jahren uns zu verheimlichen, dass das Amt des Papstes nicht für Menschen, sondern für Hasen geschaffen wurde..

    Aber ich will nicht mehr verraten. Wer also mehr über die dunklen Machenschaften der katholischen Kirche erfahren möchte, der schaue mal in Southpark vorbei.

    • Die Folge ist witzig. Aber Osterhasen kommen erst im 17. Jahrhundert auf.

      Bei den Eiern sieht es anders aus da gibt es schon seit Ewigkeiten auch in anderen Kulturen als Symbol.

      Übrigens teilweise die schönsten Eier findet man bei Kopten und anderen Altorientalischen Christen, also genau denen die mit dem Papst eh wenig in ihrer Geschichte zu schaffen hatten. Auch bei den orhtodoxen Christen ist das so.

      Ich weis zwar das ihr Kommentar sehr ironisch gemeint war aber wir können es trotzdem für ein paar Infos nutzen.

  5. Die Tradition des Osterfestes ist schön, ebenso wie die Tradition anderer kirchlicher Feste. Viele Menschen brauchen Traditionen und pflegen sie ganz bewusst. Die Familie kommt zusammen, Freunde “feiern” miteinander (und damit meine ich keine Alkoholfeste bis zum “Umfallen”). Es wird geredet, Neues ausgetauscht, zusammen gegessen und vielleicht auch Geschenke übergeben, die zur Achtung des Menschen gegeben werden, wie die überlieferten “heiligen drei Könige” sie überreicht haben. Das muss kein Kommerz bedeuten, das kann ja jeder nach Belieben machen.
    So sehe ich auch das Osterfest. Als Frühlingsfest, auch gern für Kinder mit versteckten, bunten “Eiern” und “Osterhasen”, warum nicht? Als Erwachsener erinnert man sich gern zurück an die Suche und den Spaß, den man dabei hatte. Möchten Eltern christlich erziehen, können sie ihren Kindern den christlichen Hintergrund erzählen.
    Jede Religion hat ihre Riten zu den jeweiligen Festen. Ich glaube, sie sind wichtig, wenn auch nicht immer mit tiefen Glauben verbunden, um gesellschaftlich zusammen zu leben.

    MFG
    Vinur

    • @Vinur

      Für Ihre Beobachtungen spricht, dass tatsächlich alle menschlichen Kulturen wiederkehrende Jahresfeste mit religiösen Bezügen entwickelt haben. Ebenso stimme ich Ihrer Beobachtung zu, wonach solche Feste Erfahrungstraditionen zwischen den Generationen stiften – wir erleben Feste als Kinder und geben diese wiederum an unsere Nachkommen weiter. Dass sich Traditionen verändern, gehört m.E. zu ihrer Lebendigkeit – wo sie aber erstarren oder ganz zerfallen ist dies m.E. ein Indiz für die Auflösung des gesellschaftlichen Zusammenhalts.

      Vielen Dank für Ihre Gedanken!

  6. Leider kann ich mich nicht auf das Interview beziehen, denn der Link ist “tot” . . . .. Irgendwo wird er sicher sein, so wie Christus nach seinem körperlichen Tod irgendwo ein Leben in einer unbewussten, nichtkörperlichen Welt gefunden hat . . . ..
    Teil Eins

    Wie passen Hase und Osterei in die Kultur von der Auferstehung Christi? Hase und Ostern und Ei sind Symbole, die jeder für sich einen Sinn, eine Information verkörpern. Vergleichbar mit der körperlichen Form von Buchstaben, die als Symbol einen Ton darstellen und in zusammengesetzter Form Laute verkörpern, die Sinn und Information übermitteln.
    Hase, Ostern, Ei sind archaische Symbole. Archaische Symbole sind Buchstaben für eine Sprache die unser Unterbewusstsein empfängt und weiterleitet . . . ..
    Was können Hase, Ostern, Ei im Sinne der Auferstehung Christi unserem Unbewussten mitteilen?
    Leben und Tod sind sehr nahe beieinander . . . .. der Hase steht für die Formen des Lebens mit der Natur. Er ist sehr fruchtbar, baut sich kein Haus, sondern sucht Schutz in den Formen, die ihm die Natur bietet. Er ist scheu und sehr achtsam und verteidigt sich durch schnelles, hakenschlagendes Weglaufen. Er ist ein gewaltfreies Wesen und richtet seine biologische Uhr nach den Mondzyklen aus. Wie es unsere Frauen auch tun . . . ..
    Mondzyklus heisst: der Mond kreist um die Erde, wie die Erde um die Sonne Kreise oder Ellipsen zieht. Zusammen bestimmen sie, wann es Frühling auf der Erde gibt und wann der Zeitpunkt des Osterfestes bestimmt wird. Ostern wird nach den 13 Mondumläufen im Jahr bestimmt.
    Im Leben erwarten Menschen im Frühling Licht und Wärme und Lebensfreude. Dies passiert in der Natur auf der Erde, sowie in der Natur des eigenen Körpers. Lebenssäfte und Lebensfreude erwachen wie von selbst, nur dem Lauf von Zeit verpflichtet . . . ..
    So ungezwungen wie der Hase möchte auch der Mensch leben . . . .. aber dies gelingt ihm nicht. Er ersucht Schutz und Sicherheit, Ordnung im Leben von einer Macht, die all diese Natur erschaffen hat . . . ..eine Führung im eigenen Unbewussten, die einem sagt, welche Entscheidung die richtige ist, entsprechend dem Willen des Schöpfers . . . ..
    Entscheidungen treffen, um dem Tod zu entrinnen . . . .. das Ei ist der Anfang von Leben und steht zu Ostern für die Nähe zum Tod . . . .. wir essen das Ei, um uns in der symbolischen Handlung die Nähe des Todes zu vergewissern. Einmal heisst Nähe zum Tod mit Jesus Christus zu sein, der durch sein Sterben die Sünde des vorzeitigen Todes abgenommen hat. Wenn du im Leben in die Nähe des Vorzeitigen Todes gerätst, dann entscheide dich für Gewaltlosigkeit, so wie es der Hase tut. Alles andere lass Christus entscheiden, denn er war bei dir, als du in der Nähe des Todes warst.

  7. Hase – Ostern – Osterei und die Auferstehung Christi
    Teil Zwei

    Sich zu ernähren heisst für uns, andere Lebewesen zu zerstören – sie und uns in die Nähe des Todes zu bringen . . . .. meine Tochter brachte es einmal auf den Punkt: sie köpfte ein Frühstücksei und sagte in einem bewussten Ton: “Ich esse jetzt ein Kücken!” . . . ..
    Ostereier sind an ihrer Aussenhaut verschiedenartig gestaltet. Farbige und geometrische Ornamente teilen uns durch “Töne” von “Licht” Informationen mit. Meine andere Tochter hat ein Tattoo-Studio und macht selbiges nicht mit Eiern, sondern mit Menschen . . . ..
    Ein Pastor oder Prediger tut selbiges mit den Tönen seiner Stimme, wenn er vom Licht Christi spricht, vom Licht in unserem Unterbewusstsein . . . ..
    All diese Dinge passieren auf der Erde und die hat der Schöpfer in das Universum gesetzt. Die Erde war vor langer Zeit sehr heiss und Steine gab es nur in flüssiger, zäher brennender Form. Die Bewegungen im Feuer mussten erkalten, erstarren – das Feuer der Erde musste in seiner Bewegung sterben. Es bildete sich eine tote, kalte und harte Kruste um den Feuerball Erde herum. So wie im Winter alles Leben erstarrt und der Tod uns ganz nahe ist . . . .. wir auf das Leben im Frühling warten . . . ..
    Die Erde bekam durch das Sterben des Feuers der Steine eine harte, tote Kruste – gerade so wie die Schale des Osterei`s sie auch hat. Auf der toten Schale der Erde wuchsen später Pflanzen mit bunten Blumen und Tiere mit farbiger Haut – noch später dann Menschen mit farbenfrohen Kleidern und lichtem Gemüt.

    . . . .. es folgt Teil Drei . . . ..

  8. Hase – Ostern – Osterei und die Auferstehung Christi

    Teil Drei
    Einige Menschen fragen nach dem Sinn des “Hasenfestes”? . . . .. dann nimm ein Osterei in die Hand (diese Woche sollte das vielen möglich sein) . . . .. und stelle dir die vielen bunten Lebewesen auf der Schale vor . . . .. sie sprechen mit dir in den Farbtönen des Ostereis und erzählen dir von ihrem Leben . . . .. sei dir gewiss, das du in deinen Händen den Tot eines Huhns in den Händen hältst und Christus immer in der Nähe ist, wenn Leben und Tod nahe beieinander sind . . . ..

    Wenn sie ein Osterei in den Händen halten, halten sie noch viel mehr in den Händen. . . .. das Leben der fliessenden, feurigen Steine – das Feuer hat, ohne das sie es sehen konnten, das Innen des Osterei´s erstarren, kalt und tot werden lassen. So wie der Winter es mit dem Wasser auch zu tun pflegt . . . ..ganz weiss wird das Ei-weiss und umarmt mit seinem starren Weiss eine gelbe, sonnige Kugel . . . .. vielleicht hat deshalb die Flagge des Vatikans die Farben Weiss – Gelb und der Hut des Papstes die Form des Schnabels eines Vogelkückens, welches gerade die Nahrung der Eltern einfordert . . . ..
    Ein Protestant könnte vielleicht frohlocken und mit Euphorie das “vatikanische” Ei verspeisen . . . .. es sei ihm bewusst jetzt die Anfänge des christlich-katholischen Seins in seinem Inneren zu tragen, mit sich herum zu tragen . . . .. aber auch Luther war Katholik und Veränderer . . . ..
    Schauen sie als Protestant auf ein unzerbrochenes Osterei. Schauen sie mit etwas Fantasie auf die Farben und Ornamente . . . .. sie finden dort Christen aus der Ukraine und Russland, aus den USA und der EU . . . .. alle würden sie gerne das Osterei nicht brechen, um dem Kücken sein Leben zu lassen . . . .. ihm ein frohes und gesundes Leben zu zusichern . . . ..

    Teil Vier

    Noch haben Menschen nicht gelernt, zwischen Tod und Leben einen Sicherheitsabstand zu bringen. Würden Menschen dies lernen, dann würde Glaube mit Wissen im Menschen verschmelzen. Jeder Mensch hätte das Wissen in jedem Moment mit G-tt online zu sein. Einen solchen Glauben würde ich Glaube 2.0 nennen . . . .. wir würden dann kein Ostern mehr feiern . . . ..(müssen)!

    • Lieber @Erik,

      vielen Dank für Ihre Gedanken, die ich bei Gelegenheit einmal genauer nachlesen werde.

      Ja, leider ist die Homepage seit Dienstag “tot”, laut Provider wegen eines Hackerangriffs. Ich bemühe mich um eine schnelle Wiederfreischaltung oder einen Providerwechsel. Ich hoffe, bald läuft wieder alles normal und leserfreundlich.

  9. Vielen Dank für ihre Zeit.
    Khristus woskres – sagen die Orthodoxen Christen in der Ukraine und Russland – Es antworten die, denen die Botschaft zugerufen wurde: Wo istine woskres!

    Ein Frohes Osterfest wünsche ich . . . ..

  10. Ich freue mich, mitteilen zu können, dass die Homepage wieder läuft.

    Was da genau passiert ist hoffe ich in den kommenden Tagen einmal berichten zu können…

    Vielen Dank für Ihr Interesse!

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