Möge die Macht mit Euch sein! Kostenfreier Artikel zu den Heldenmythen in Star Wars

Meine Tochter und ich zählen die Tage, bis “Rogue One” in die Kinos kommt. Und auch die beiden Buben, laut FSK noch zu jung für den Film, erfreuen sich mit mir eifrig an Büchern, Comics, Musik und Videos aus dem fantastischen und immer weiter wachsenden Star Wars-Universum. Und selbstverständlich wird dabei auch eifrig nachgefragt und diskutiert. Mit einigem Schmunzeln erlebe ich die Aufgabe als Vater, nicht nur die religiöse Mythologie des christlichen Glaubens an die “next Generation” weiterzureichen, sondern die Space Opera-Mythenwelt. Auch wenn es manche Hardcore-Reduktionisten noch immer nicht wahrhaben wollen: Wir Menschen sind nun einmal nicht nur rationale Wesen, sondern stets auch nach Mythen hungernde Homo religiosus.

Umso froher war ich, dass nach meinem letzten scilogs-Blogpost zu Star Wars eine Anfrage von “Baugerüst”, einer Zeitschrift der evangelischen Jugend- und Bildungsarbeit, bei mir einging. Nun endlich konnte ich also auch mal einen Artikel zu einem populärkulturellen Thema, komplett mit coolen Grafiken, verfassen! Hier ist er also, den Leserinnen und Lesern dieses Blogs wie stets gerne zum Download (Klick!):

starwarsmythenblumebaugeruest1116Inhaltlich gehörte der Beitrag zum aktuellen Heft über die Sehnsucht von Menschen nach Heldinnen und Helden (und also auch Heldenmythen).

baugeruest4-16_heldenMein persönlicher “Lieblingsheld” in der Star Wars-Saga war Han Solo gewesen, in dessen rostenden “Falcon” ich ebenso grenzgängerische wie gute Geschichten eingewoben fühlte. Dass Helden als persönliche Identifikationsfiguren aber nicht zwingend “gut” sein müssen, demonstrierte der neue, rechtsautoritäre Chefberater des kommenden US-Präsidenten Donald Trump. “Darkness is good – Finsternis ist gut”, proklamierte Stephen Bannon im November und benannte als seine Helden je einen aus Religion, Star Wars und Politik: “Dick Cheney. Darth Vader. Satan. Das ist Macht.” – Ob er Trump bereits “Imperator” nennt?

Sage also niemand, er oder sie habe von nichts gewusst…

Ein Nerd-Fun Fact zum Schluss: Der republikanische US-Politiker Newt Gingrich, den Donald Trump in der engeren Wahl als Vizepräsidenten hatte, diente als Vorlage für den fiesen (Star Wars-)Vizekönig der Handelsföderation, Nute Gunray.

Möge die Macht mit uns sein…

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft und spezialisierte sich auf die Hirn- und Evolutionsforschung. Buchautor, Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger und christlich-islamischer Familienvater. Hat auch manches erlebt und überlebt...

18 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Kinder brauchen Märchen, Jugendliche brauchen Star Wars.

    Wir Menschen sind mit Phatasie ausgestattet. Das erlaubt uns, die Realität zu verlassen und uns in die Phantasiewelt zu flüchten. Wer Kinder beim Spielen zuschaut, der sieht wie sie “selbstvergessen” sind.
    Ohne es zu bewerten ist das Spiel genauso wichtig wie die Arbeit.
    Was spielen Kinder gern?
    Bei einer Umfrage in Spanien antworteten 70% der Mädchen auf die Frage, was sie gerne werden wollen, mit Prinzessin.
    90 % der Jungen antworteten mit Torrero.
    Star Wars ist die moderne Form eines Märchens.

    • Danke, @Laie! Und, ja, das deutsche Wort “Märchen” verweist noch auf die große Mär, den Mythos. Wie in: “Vom Himmel hoch, da komm ich her, ich bringe Euch gute, neue Mär…” 🙂

      Einen schönen Advent wünsche ich Ihnen!

  2. Schon der Titel “Star Wars” genügt mir, dieses Konstrukt in den Mülleimer zu werfen. Genauso wie jeglicher Glaube an religiöse Konstrukte.

      • Natürlich, gern !
        Ganz kurz auf den Punkt gebracht: Wissenschaft, Kunst (zum Lesen, Hören, Ansehen) , Natur, sogar (immer noch) Sport. Logisches Denken, Fakten.
        Kein Krieg, Gewalt, Aggression oder Phantasien in diese Richtung.

        • Vielen lieben Dank, das ist eindrucksvoll!

          Darf ich noch einmal ehrlich interessiert nachfragen? Reichte diese emotionale Grundmöblierung Ihres Lebens auch – falls vorhanden – Ihrer Partnerin und Ihren Kindern? Oder gab bzw. gibt es da verschiedene Bedürfnisse?

          • Ja, diese Grundmöbilierung ohne Kriegs- und Gewaltphantasien, dafür aber Kunst und Natur einschließlich “Alle Menschen werden Brüder” sowie Wissenschaft “reicht” meiner Familie vollkommen aus, von den Großeltern bis zu den Enkeln.
            Wir sind eben etwas einfach gestrickt.
            Ich könnte Ihnen auch erzählen, was die Großeltern von 1925 bis 33 gewählt haben und warum. Sie waren eben einfache Leute.

          • Warum denn “einfacher”, @Andreas Neuthe? Es ist doch klasse (gerade auch aus evolutionärer Sicht), dass es Vielfalt gibt und mich interessiert neben den individuellen Präferenzen natürlich auch stets die gemeinschaftliche Kultur.

            Bei uns gibt es da große Unterschiede – meine Frau kann z.B. mit Star Wars wenig anfangen, meine Kinder – vor allem meine Tochter – umso mehr. Und weil wir einander da nicht bevormunden, bleiben uns solche “Schocks” erspart… 😉
            https://m.youtube.com/watch?v=yU_HhvbA8lQ&sns=fb

            Ihnen und Ihrer Familie schöne Weihnachstage und einen guden Rosch in 2017!

        • “Kein Krieg, Gewalt, Aggression oder Phantasien in diese Richtung.”

          Die Realität sieht anders aus. Aggressionen gehören zur menschlichen Natur
          Viele Menschen, eher jüngere, haben Spaß an fiktionaler Gewalt, ebenso wie an Horror oder Zerstörung. Im Alter nimmt das in der Regel ab. Aggressionen bleiben trotzdem. Gestern Abend gab es im Deutschlandfunk einen Beitrag zu Streichquartette (Lange Nacht) und ihrer psychosozialen Problematik. Eine der Geschichten: Als ein Quartett die Bühne verließ, sagte einer der Musiker zum Kollegen, “Ich zerdrück dir das Herz dafür, dass Du so laut gespielt hast”. Quartette können dann auseinandergehen, andere sozialen Verbände nicht unbedingt.

          Der Umgang mit Gewalt und Aggressionen muss schon etwas durchdachter sein, als sie nur zu Tabuisieren. Sie muss kanalisiert, eventuell sublimiert werden. Und der immer größer werdende Fanclub um die starken Männer wie Trump oder Putin zeigt auch, dass Aggressivität attraktiv auf das Rudel, pardon, die Wähler wirkt.

          Kunst ist übrigens auch voll von Gewalt, sie rührt uns im Vergleich mit filmischer Gewalt heute nur nicht mehr so unmittelbar. Star Wars gehört als Produkt Popkultur in diesen Umkreis. Früher schauten sich die Menschen auf den Kunstausstellungen zu tausenden so etwas an:

          https://de.wikipedia.org/wiki/Jean-L%C3%A9on_G%C3%A9r%C3%B4me#/media/File:Jean-Leon_Gerome_Pollice_Verso.jpg

  3. Star Wars ist genau das, was Kinder heute brauchen: eine komplett verkommerzialisierte Phantasie-Geschichte. WTF!
    Aber eigentlich wundert mich ihr Enthusiasmus dafür nicht wirklich, Herr Blume.

    • Lieber Herr Kruse,

      freut mich, dass ich Sie bestätigen konnte! Denn Sie haben natürlich Recht: Manche leben aus Enthusiasmus, andere aus Defätismus. Letzteres muss man sich wirtschaftlich und freiheitlich leisten können, aber das können in Mitteleuropa ja erfreulicherweise viele.

      Wussten Sie, dass auch Homer, Michelangelo, Mozart, Bach und fast alle Kulturgrößen der Vergangenheit von Einnahmen aus ihren Produktionen gelebt haben, teilweise sogar reich wurden? Und dass sich andere ihr Kulturschaffen auch nur leisten konnten, weil sie reich geerbt hatten oder staatlich besoldet wurden? Würden Sie nur das als “Kultur” gelten lassen, was niemals auch Wirtschaftsgut war, so wären die Museen und Kulturtempel (ob steuer- oder privatfinanziert) weitgehend leer… Persönlich begrüße ich es sogar, wenn erfolgreiche Kulturschaffende auch Werte und Arbeitsplätze schaffen sowie Steuern zur Finanzierung der Allgemeinheit entrichten und gönne daher Lucasfilm & Co. ihren auch wirtschaftlichen Erfolg von Herzen.

      Ihnen alles Gute und schöne, also dann wohl nicht allzu enthusiastische Feiertage! 🙂

  4. Gerade im Heft entdeckt: In der aktuellen Ausgabe von Gehirn und Geist (01/2017) findet sich ein Forschungsartikel der Psychologin Dr. Deena Weisberg, der zu dem Ergebnis kommt, dass Kinder durch “Fantasiegeschichten” tatsächlich erfolgreicher lernten als durch die reine, nur trockene Vermittlung von Fakten.

    Hier der empfehlenswerte Artikel, der m.E. nach noch keinen stabilen Befund, aber doch schon eine vielversprechende Forschungsrichtung aufzeigt:
    http://www.spektrum.de/magazin/fantasie-befluegelt-das-lernen/1428412

    Allen Leserinnen und Lesern an dieser Stelle einen fantastischen 3. Advent! 😉

  5. Stefan, Neuthe,
    Krieg, Gewalt, Aggression,
    diese Begriffe werden alle in einen Topf geworfen und so entsteht ein falscher Eindruck.
    Beobachten sie mal 4 -5 jährige im Kindergarten. Die Jungen kämpfen was das Zeug hält. Das ist weder böse noch verzogen, das ist ihre Natur.
    Die Mädchen spielen mit Puppen, das ist ihre Natur.
    Aggression ist eine typisch männliche Verhaltensweise. Die muss auch nicht boshaft fundamentiert sein, das ist einfach Imponiergehabe, pure Lebensfreude, Kraftmeierei.
    Sich prügeln macht Spaß, das können nur Männer verstehen. Frauen verstehen das nicht.
    Krieg, das ist eine andere Dimension. Der ist zu tabuisieren.
    Filme einfach zu verteufeln weil es hier um Gewalt geht ist nicht besonders hilfreich. Man muss die Motive sichtbar machen, die hinter so einer Serie stecken.
    Vielleicht weiß Herr blume da besser Bescheid.

  6. Meiner Meinung nach, reichen die Star Wars Filme und die Star Trek Filme überhaupt nicht an Independence Day und Independence Day: Wiederkehr heran.
    Möglicherweise erinnern Independence Day und Independence Day: Wiederkehr an das Heldenmythos David gegen Goliath.
    Natürlich ist Independence Day: Wiederkehr dem früheren Independence Day noch weit überlegen.

    • Lieber Arvid,

      Dich brauche ich selbstverständlich nicht darüber aufzuklären, dass schon die Aussage “Ich bin ein…” dem Hardcore-Reduktionismus widerspricht, da sie eine von materiellen Kausalitäten mindestens teilweise unabhängige Ich-Entität behauptet! Ich wittere Emergentismus! 😉

      Ernsthaft, danke – und “Mars Rising” habe ich noch nicht gesehen. Deinerseits eine Empfehlung hätte großes Gewicht! 🙂

  7. Pingback:Han Solo und Franziskus, Chewbacca und Christus - Eine gemeinsame Heldenreise, ein Monomythos? » Natur des Glaubens » SciLogs - Wissenschaftsblogs

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