Verursachen psychisch Kranke finanziellen Schaden?

Letzten Mittwoch war ich auf dem Weg nach Amsterdam, um dort für das Studium Generale der Rietveld-Akademie einen Vortrag mit dem poppigen Titel “You and Your Brain – What Neuroscience Can (Not) Do” zu halten. Am kommenden Mittwoch wird dort übrigens die Feministin Victoria Pitts-Taylor vortragen, die ein Buch über das Gehirn, den Körper und unsere Politik geschrieben hat (The Brain’s Body: Neuroscience and Corporeal Politics).

Milliardenkosten durch Depressionen?

Im Zug erwies es sich einmal wieder als wichtig, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen: Kurz vorm Aussteigen fiel mein Blick nämlich auf die Zeitung einer Mitreisenden. Dort stand in großen Buchstaben (auf niederländisch): “Depressionen kosten die Gesellschaft 1,5 Milliarden Euro.” Eine Online-Suche führte mich schell auf die Seiten des Financieel Dagblad vom 10. Januar. Erst auf den zweiten Blick wurde mir klar, dass die Überschrift dort anders lautete: “Depressiver Niederländer kostet die Gesellschaft 1,5 Milliarden Euro.”

Zum Vergleich hier noch einmal die beiden Aussagen:

  1. Depressionen kosten die Gesellschaft 1,5 Milliarden Euro.
  2. Depressiver Niederländer kostet die Gesellschaft 1,5 Milliarden Euro.

Machen Sie sich vielleicht selbst erst einmal Gedanken darüber, was der Unterschied zwischen den beiden Aussagen ist, bevor Sie weiterlesen.

Ökonomische Konstrukte

Es ist verwunderlich, dass die Online-Redaktion hier wohl eigenmächtig den Titel geändert hat, ohne darüber nachzudenken. Stellen Sie sich einmal vor, Sie würden von Niedergeschlagenheit geplagt, von Verzweiflung, könnten sich über nichts mehr freuen, hätten vielleicht auch Schuldgefühle… und dann läsen Sie in Überschrift zwei, dass Sie die Gesellschaft auch noch Milliarden kosten!

Laien ist wahrscheinlich nicht klar, wie solche Schätzungen zustande kommen. In der medizinischen Fachliteratur findet man ständig derartige Berechnungen. Vor wenigen Jahren berichteten beispielsweise noch führende Epidemiologen um den Dresdner Professor Hans-Ulrich Wittchen, psychische Störungen würden in der EU jährliche Kosten in Höhe von 277 Milliarden Euro verursachen.

Gesundheitsökonomie

Wenn man seine Ziele auf die politische Agenda setzen oder beim Einwerben von Forschungsmitteln oben auf der Prioritätsliste enden will, dann sind solche Zahlen natürlich von Vorteil. Sie täuschen aber auch: Erstens sind es grobe ökonomische Konstrukte, die wenig mit der Realität der Betroffenen zu tun haben. Zweitens vernachlässigen die Schätzungen, dass mit Krankheit wiederum selbst sehr viel Geld erwirtschaftet wird.

In einem Aufsatz im British Journal of Psychiatry las ich erst heute wieder, in den USA würden jährlich im Durchschnitt pro Kopf rund 4300 US-Dollar für die Gesundheitsversorgung ausgegeben. Dennoch schneidet deren Gesundheitssystem weltweit nur mittelmäßig ab und gibt es innerhalb der Bevölkerung gravierende Unterschiede im Zugang zur Versorgung.

Zwang zur optimalen Effizienz

Drittens und am wichtigsten gehen die Berechnungen aber davon aus, dass jeder von uns die Gesellschaft Geld kostet, sobald er nicht 100% arbeitsfähig ist. Bei diesen “Kosten” geht es natürlich vor allem um Arbeitsausfall. Interessanterweise zählt etwas, das vielleicht erwirtschaftet werden könnte, schon als Verlust, wenn es nicht erwirtschaftet wird (Psychisch Kranke gelten als Kostenfaktor).

Stellen Sie sich einmal vor, Sie kauften mit einem Lotterielos eine Chance auf einen zukünftigen Gewinn von 10 Millionen. Haben Sie dann einen Millionenverlust, wenn das Los eines anderen gezogen wird? Würden Gesundheitsökonomen nicht von einem 100%-Menschen, sondern realistischerweise nur von einem 95% oder gar nur 90%-Menschen ausgehen, der eben manchmal krank ist und darum nicht arbeiten kann, dann verschwände auch ein Großteil der berechneten “Kosten”. Das wäre dann aber schlecht für die PR.

Stigmatisierend

Es ist nicht trivial, Menschen, die psychisch sowieso am Ende ihrer Kräfte sind, als Kostenfaktor zu stigmatisieren. Vor allem die zweite Formulierung ist darum sehr ungeschickt. Wie wir gesehen haben, passiert dieser Lapsus aber nicht nur Journalisten, sondern auch führenden Forscherinnen und Forschern. Diese reklamieren sonst eigentlich für sich, Patientinnen und Patienten helfen zu wollen.

Wenn ich solche Überschriften lese, dann muss ich jedenfalls an Quellen denken, auf die ich im Zusammenhang mit meinem Interesse am Nationalsozialismus gestoßen bin: Als “unnütze Esser” wurden dort diejenigen stigmatisiert, die vermeintlich nicht mehr produktiv waren. Als “Asoziale” konnten Menschen ins Konzentrationslager gesteckt werden, wenn sie nur ein paarmal zu spät zur Arbeit erschienen oder Anweisungen vom Chef verweigerten.

Sozialdemokratie hilft nicht

Dementsprechend war es mehr als nur ungeschickt, als der frühere Arbeitsminister Franz Müntefering noch 2010 die Hartz IV-Gesetze mit der Aussage verteidigte, “nur wer arbeitet, soll auch essen.” Gut, dass man dafür die deutsche Arbeiterpartei hat! Die politisch korrekte “Lösung” in Form von Euthanasie steht hier in den Niederlanden auch psychisch Kranken zur Verfügung (Euthanasie in den Niederlanden).

Das ist alles leider kein zynischer Scherz, sondern die bittere Realität: eine Realität, in der Menschen durch die Ökonomisierung von Gesellschaft und Gesundheitswesen eben zu Kostenfaktoren reduziert werden. Doppelt bitter ist, dass viele durch eben diese Ökonomisierung überhaupt erst an den Rand gedrängt werden. Das heißt, das vorherrschende System macht manche Menschen krank – und die Schuld dafür bekommen dann die Kranken.

Ent-schuldigende Praxis

Die Medizin (inklusive der klinischen Psychologie), die sich hier vielleicht als ent-schuldigende und damit helfende Praxis anbietet, wird das Problem nur kurzfristig lösen. Jedenfalls die chronisch Kranken und Erwerbsunfähigen werden nämlich irgendwann aus ihrem Schutz herausfallen, wenn man nur lange genug an der Kostenschraube dreht. Solche Tendenzen sieht man schon in Großbritannien, wo bestimmte Leistungen nicht mehr vergütet werden, wenn das Kosten-Nutzen-Verhältnis ungünstig berechnet wird.

Klinische Psychologinnen und Psychologen sollten sich daher gemeinsam gegen die Ökonomisierung stellen, anstatt ihre Klienten versicherungskonform abzufertigen; sie hängen aber selbst am Tropf der Krankenkassen und sind von bürgerlich-individualistischen Vorstellungen von Schuld und Verantwortung geprägt (Wie viel Schlechtes können wir der Seele zumuten?). Von der Neuro-Psychiatrie ist hier auch keine Hilfe zu erwarten, da sie das Problem prinzipiell im Einzelnen lokalisiert (Wenn Psychologie politisch wird: Milliarden zur Erforschung des Gehirns).

Prinzipien und Empowerment

Anstatt immer neue Berechnungen über Gesundheitskosten anzustellen, sollten wir uns lieber auf einige Prinzipien besinnen: Erstens sind wir alle in diese Welt geworfen. Niemand entscheidet sich dafür, geboren zu werden, in einen Körper, der der Nahrung und des Schutzes bedarf. Zweitens sind die Chancen auf Güter ungleich verteilt. Es ist niemandes Verdienst, in eine wohlhabende Umgebung geboren zu werden; ebenso wenig ist es jemandes Schuld, in eine arme Umgebung geboren zu werden. Ein sozialer Rechtsstaat muss dieser Chancenungleichheit entgegenwirken.

Drittens sollten Hilfsmaßnahmen die Menschen nicht in Abhängigkeit halten – man denke nur an die Tafeln (Die Würde des Menschen ist unauffindbar) –, sondern in ihren Möglichkeiten zur Selbstständigkeit unterstützen, Stichwort: Empowerment. Alles andere ist schließlich politische Unterdrückung. Viertens gehört Krankheit ebenso wie der Tod zum Leben und sollten wir dort, wo eine Heilung unwahrscheinlich ist, dies akzeptieren; damit vermeiden wir zusätzliches Leiden.

Sozialwissenschaften sind wichtig

Fünftens sollten wir nicht vergessen, dass Gesundheit allgemein und psychische Gesundheit im Besonderen von sozialen Faktoren abhängt, wie dem Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen, dem sozioökonomischen Status, dem Partnerschaftsstatus, dem Vorhandensein von Kindern, dem Geschlecht, ernsthaften Lebensereignissen und dem Alter. Viele dieser wissenschaftlich gut belegten Befunde geraten im Zeitalter der Biomedizin in Vergessenheit, wo viele Forscherinnen und Forscher nur in Genen und Gehirnen nach Krankheitsursachen suchen.

Den in mehreren Ländern seit der Finanzkrise steigenden Selbstmordraten kann die Biomedizin aber mit nichts begegnen. Viele dieser Menschen werden durch individuelle Verarmung und die Zerstörung sozialer Strukturen in den Tod getrieben – und können dabei noch nicht einmal etwas für die Krise. Vielversprechende Ansätze gibt es zur Genüge, werden aber oft nicht finanziert; stattdessen wirft man riskanter Grundlagenforschung die Milliarden hinterher, die bestenfalls in der fernen Zukunft einen Nutzen erzielt.

Menschenwürde

Sechstens und vor allem darf aber niemandem der Zugang zum Lebensnotwendigen verwehrt werden. Das ist in einem Staat, in dem die Unantastbarkeit der Menschenwürde an oberster Stelle steht, schlicht nicht möglich. Politische Konstrukte der Verpflichtung und Verantwortung unterlaufen diese Grenze allmählich aber stetig und sind darum bedingungslos abzulehnen.

Diese Gesellschaft ist gemacht; darum kann man sie auch anders machen.

P.S. Die Fortsetzung über Gehirn und Kunst verzögert sich leider noch um ein paar Tage.

Hinweis: Dieser Beitrag erscheint parallel auf Telepolis – Magazin für Netzkultur.

Veröffentlicht von

www.schleim.info

Menschen-Bilder: Mensch, Gesellschaft und Wissenschaft Stephan Schleim blickt über den Tellerrand von Psychologie sowie Hirnforschung und diskutiert, was die Forschungsergebnisse eigentlich bedeuten. Besondere Aufmerksamkeit erhält dabei die Frage, wie sich Gesellschaft und Wissenschaft zueinander verhalten. Stephan Schleim hat an den Universitäten Mainz und Frankfurt u.a. Philosophie, Informatik und Psychologie studiert (Magister Artium, 2005). Nach einem Praktikum am Max Planck-Institut für Hirnforschung und einem Forschungsbesuch am California Institute of Technology ging er an die Universitätskliniken Frankfurt und Bonn, wo er mit der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) moralische und juristische Entscheidungen untersuchte. Sein ausgeprägtes theoretisches und ethisches Interesse führte zu mehreren Publikationen im Bereich der Neurophilosophie und Neuroethik. Am Institut für Kognitionswissenschaft in Osnabrück wurde er 2009 mit seiner Doktorarbeit "Norms and the Brain" promoviert. Seit Oktober 2009 war er Forscher in der Abteilung für Theorie und Geschichte der Psychologie an der Universität Groningen, seit 2010 als Assistant Professor für Theorie und Geschichte der Psychologie. Vom Oktober 2012 bis März 2013 war er Professor für Neurophilosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seit 2015 ist Stephan Schleim Associate Professor in Groningen. Der Forscher und Autor ist auch als Wissenschaftsjournalist aktiv, veröffentlicht in verschiedenen deutschsprachigen Medien mit Übersetzungen ins Italienische, Niederländische und Portugiesische. 2008 erschien sein erstes Buch "Gedankenlesen – Pionierarbeit der Hirnforschung", 2011 sein Buch "Die Neurogesellschaft – Wie die Hirnforschung Recht und Moral herausfordert." Ausgewählte Beiträge erscheinen auch auf Telepolis – Magazin für Netzkultur, für das Stephan Schleim seit vielen Jahren schreibt.

34 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Viele vorgeblich wohlüberlegte Aussagen über Verhältnisse in unserer Gesellschaft, über Krankheiten und Kosten sind letzlich nichts anderes als Ausdruck von falschen oder fragwürdigen Attributierungen, und sind Ausdruck von Unwissenheit. Wer Depressionen ein Preisschild anhängt ähnlich wie den Gesundheitskosten verursacht durch Rauchen oder Alkohol geht möglicherweise von der Vermeidbarkeit von Depressionen ähnlich wie der Vermeidbarkeit von Alkoholschäden aus. Dahinter steckt ein mechanistisches Weltverständnis. Letzlich geht es aber beim Anhängen eines Preisschildes an einen Kostenfaktor um die Vergleichbarkeit. Depressionen werden durch Anhängen eines Preisschildes plötzlich mit Autos, Weltraummissionen und Entwicklungshilfeausgaben vergleichbar. Was dann zu Überlegungen führt wie: Letztes Jahr haben wir Geld bei den Entwicklungshilfeausgaben gespart, dieses Jahr könnten wir doch bei den Ausgaben für Depressionen sparen.

    • Da ist was dran. Gerade Depressionen haben dummerweise obendrein den Ruf, vermeidbar bzw. gar selbstverschuldet zu sein. Der Depressive als das leistungsunwillige Weichei, das sich nur mal ordentlich zusammenreißen müsste. Da fällt es direkt noch mal ‘nen Tacken leichter, dem ein Preisschild aufzukleben und sogar Schlagzeilen wie die im Artikel zitierte zu verfassen.

  2. re.: Müntefering-Bashing

    Der “Sinngehalt” des Spruches reicht extrem weit zurück (Stichwort: “Urchristen” – und damit noch weitaus tiefer in der Zeit). Er (der Spruch) hat eine innere Tiefe, die weit über die oberflächliche Wörterbedeutung hinausgeht. Ganz unter anderem zielt er ganz genau auf einen der Punkte, die hier sehr korrekt angesprochen werden – also etwa: “wer einmal gearbeitet hat oder mal arbeiten wird, soll auch essen”. In vielerlei Hinsicht drückt dieser banale Spruch etwas aus, was die gesamte “klassische” Sozialdemokratie (zu deren modernen Vertretern Herr Müntefering gehört) als Basis und Wesenskern ausmacht: die “Solidargemeinschaft” des Animal/Homo laborans. Die (klassische) Sozialdemokratie (inklusive übrigens der “christlich” organisierten Arbeiterverbände) ging und geht nach wie vor von einem “realistischen” Menschenbild aus, in dem es so etwas wie einen angesprochenen “100%-produktiven” Menschen nicht gibt/geben kann, in dem es Kindheit, Jugend, (schwere) Krankheit, Alter und Siechtum unabänderlich gibt und es zusätzlich (schwere) Einschränkungen der individuellen Entfaltungsmöglichkeiten aufgrund gesellschaftlicher Strukturen gibt. Die Sozialdemokratie (ich will nicht schon wieder “klassisch” dazusetzen, weil vermutlich zwischenzeitlich klar ist, dass es “modernere” Formen einer sogenannten “Sozialdemokratie” gibt, für die das hier beschriebene nicht zwangsläufig gilt) sah aufgrund der faktischen Unmöglichkeit der vollkommenen Leistungsfähigkeit (eines beliebigen Einzelnen) immer eine zentrale Notwendigkeit, stabilisierte und organisierte Sozialgemeinschaften zu bilden und zu erhalten, weil nur “funktionierende” Gemeinschaften Ressourcen und Lasten wirksam verteilen können. Zu dieser Vorstellung einer funktionierenden Gemeinschaft gehört *auch* die Erkenntnis, dass es auf beiden Seiten der Normalverteilungskurve der “Normalarbeitenden” eine kleine Zahl an parasitär lebenden Menschen gibt – klassisch natürlich auf der einen Seite der Akkumulationsgewinnler, der nicht von ihm erbrachte Leistungen in ungerechter Höhe für sich und seine eigenen Zwecke verwertet. Aber es gibt auch das andere Kurvenextrem und gab es buchstäblich schon immer, ein Sachverhalt, der jedem ohne weiteres bekanntwerden kann, der in Arbeitsgemeinschaften befindlich feststellt, dass keineswegs “alle” sich in gleicher Weise einbringen – auch das ist deshalb ein klarer Gegner der arbeitenden Gemeinschaft (das “90%”-Intervall der Normalverteilungskurve).

    Wer den gesamten und hier nur auf gröbstmögliche Weise verkürzt angesprochenen Sinngehalt des asbachuralten ethischen Prinzips nicht kennt oder nicht erkennen will, sollte meiner rein persönlichen Meinung nach darauf verzichten, Person, Partei oder politische Zielsetzung zu diffamieren.

  3. Stefan Schleim,
    im grunde haben Sie mit Ihrem Aufsatz schon alles gesagt.
    Dabei liegt das Hauptproblem nicht bei den Depressiven, sondern bei den Alten.
    Wieviel Altersversorung muss sich eine überalterte Gesellschaft leisten , wieviel kann sie sich leisten.
    Wir haben in der Nachbarschaft einen Fall, bei dem das Pflegeheim etwa 3400 € verlangt, die Pflege aber katastrophal ist . In Stuttgart hat ein Angehöriger die Stadt auf Offenlegung der Einnahmen und Ausgaben verklagt.
    Das Verwaltungsgericht hat die Klage abgewiesen. Meiner Meinung nach sind die Pflegeheime die stillen Einnahmequellen der Gemeinden.

  4. Ute Gerhardt,
    sehr gut, dabei sollten doch die Depressionen ein ernsthafter Indikator für den sozialen Frieden in einer Gesellschaft sein. Wir haben in unserem Bekanntenkreis Fälle, wo Menschen schon mit 45 “ausgebrannt” sind.
    Ob das dem Machtverlust der Gewerkschaften geschuldet ist, oder dem mörderischen Konkurrenzkampf der Firmen, wahrscheinlich beidem. Wenn dann noch die Parlamentarier den Kontakt zur zu den Arbeitenden verloren haben, sieht es schlecht aus mit dem Sozialstaat.

  5. @Holzherr: Preisschilder

    Da stimme ich Ihnen zu. Sinn und Zweck solcher Berechnungen ist erst die Herstellung einer Vergleichbarkeit und anschließend die Begründung regulatorischer Maßnahmen aufgrund der Berechnung.

    Dann wird nach dem Gießkannenprinzip von oben hier und dort gekürzt, an anderer Stelle vielleicht etwas ergänzt, und wie die Behandelnden und Patientinnen und Patienten damit im Einzelfall zurechtkommen, das ist deren Problem.

    In jedem Fall werden so aber Sachzwänge von oben erzeugt; das ist auch die Logik der Austeritätspolitik. Es wird dann so getan, als könne man nicht anders, dabei war es eine rein ökonomische Entscheidung, die man auch anders treffen könnte.

    • also wie ich es verstanden habe, hat ein depressiver niederländer 1,5 mrd. € schaden verursacht, und es wurde so dargestellt, als würden alle depressiven niederländer 1,5 Mrd. € kosten;
      wo ich da aber finde, dass das, wenn man bedenkt wieviele depressive niederländer es vermutlich gibt, 1,5mrd nun auch nicht eine gerade herausragend hohe summe sind, kommt natürlich auch auf den zeitraum an…

  6. @ajki: sozialdemokratische Weisheiten

    Danke erst einmal für Ihren kritischen Kommentar, durch den ich etwas Neues gelernt habe.

    Ihr Satz “wer einmal gearbeitet hat oder mal arbeiten wird, soll auch essen”, ist nach meinem Verständnis aber etwas völlig anderes, als die Äußerung Münteferings, “nur wer arbeitet, soll auch essen” (meine Hervorhebung).

    Ich habe in Reaktion auf Ihren Kommentar die Quelle noch einmal überprüft, den ZEIT Online-Artikel Arbeiten fürs Essen (vom 10. Mai 2006). Der fragliche Absatz lautet:

    Damit hatte er [d.i. Ottmar Schreiner] die Nerven von Franz Müntefering jedoch offenbar überstrapaziert. Schreiner sei ein „Obermoralisierer“, bolzte der Arbeitsminister zurück. Um dann einen Satz zu zitieren, der die Gemüter nicht beruhigte. „Nur wer arbeitet, soll auch essen“, sagte der Arbeitsminister. Eine Erläuterung, die in der Fraktion nicht besonders gut ankam.

    Es mag schon sein, dass Müntefering das anders gemeint hat. Den von Ihnen angesprochenen Sinn kann ich im Kontext einer kritischen Diskussion zu den auch in der SPD umstrittenen Hartz IV-Reformen leider nicht entdecken. Ich muss vom Text ausgehen, so wie er vorliegt.

    Sollte ich etwas übersehen haben, dann überdenke ich meine Meinung gerne noch einmal.

  7. Eire: die “Alten”

    Danke, dass Sie auf diesen Punkt aufmerksam machen.

    Wie mir erst gestern auffiel, hat Herr Holzherr in Reaktion auf meinen älteren Euthanasie-Artikel vergangenen Oktober auf eine Gesetzesinitiative in den Niederlanden hingewiesen. Euthanasie soll demnach nicht nur unheilbar Kranken (einschließlich psychisch Kranker), sondern auch “lebensmüden” Alten zugänglich gemacht werden.

    Gleichzeitig gibt es Bestrebungen in der Biomedizin, Aspekte des Alterns (man denke etwa an: Mild Cognitive Impairment) und schließlich das Altern selbst als Krankheit zu definieren. Das erschließt wohl einen der größten Gesundheitsmärkte der Zukunft.

    Die Implikation, wenn Altern nicht heilbar ist, liegt auf der Hand.

    Das grundlegende Problem ist, dass es überall ums Geld geht. Solange sich das nicht ändert, wird sich auch an den hier beschriebenen Problemen nichts Prinzipielles ändern. Über den Kopf von Menschen wird dann auch hinweg gerechnet, ihr Leben wird dem Nutzen- und Effizienzdenken unterworfen.

  8. P.S. Zur Euthanasie bei Älteren

    Ich habe das eben noch einmal nachgelesen.

    Die im Oktober diskutierte Gesetzesänderung (für Lebensmüdigkeit) wurde nicht verabschiedet. Da im März Neuwahlen anstehen, ist das wohl auch nicht mehr wahrscheinlich.

    Experten weisen daraufhin, dass auch heute schon in den Niederlanden Euthanasie bei einer Aufstapelung von Altertumsproblemen möglich ist. Es müssen sich nur zwei Ärzte finden, die die Schwere der Problematik bestätigen.

    Das mag im Einzelfall schwierig sein – gesetzlich ist es aber möglich.

  9. @Eire: über Burnout

    45 ist dafür doch schon ein hohes Alter.

    Ich selbst war von 33-35 ziemlich ausgebrannt.

    Soziologische Studien weisen auch darauf hin, dass 20er in der “Kreativbranche” ausbrennen können, wenn sie von Projekt zu Projekt hecheln… und wenn die Kräfte dann einmal nachlassen, wird das Problem dem Sozialstaat aufgebürdet (sie waren ja nur “freie” Mitarbeiter).

    Im Übrigen nehmen die Burnout-Probleme – Übermüdung, Stress, Schlafprobleme, Panikattacken – schon bei Jugendlichen zu.

    Wenn Sie mich fragen, sind die Ursachen auch hierfür von oben vorgegebene Effizienzmaßstäbe, immer mehr Leistungskontrollen, Kürzungen und so weiter…

    Literaturtipp: Leistung und Erschöpfung, Suhrkamp, 2013, herausgegeben von Sighard Neckel und Greta Wagner.

  10. Stephan Schleim,
    …………..Nutzen-Effezienz Denken. Volle Zustimmung.
    Vor etwa 20 Jahren hat die staatliche Lotterie Gesellschaft mit dem Slogan geworben: “Geld, Gold, ein sorgenfreies Leben”. Dieser Slogan ist recht bald verschwunden, wahrscheinlich haben sie von den Kirchen Druck bekommen.
    Apropos Kirchen, ich denke, die Kirchen müssten dem Nutzen-Effezienz Denken vielmehr entgegensteuern.
    Ich erinnere mich an Pater Leppich, der wurde das “Maschinengewehr Gottes” genannt. Solche Leute braucht es wieder. Die den Mund aufmachen und “Ross und Reiter” nennen.

  11. „Stellen Sie sich einmal vor, Sie kauften mit einem Lotterielos eine Chance auf einen zukünftigen Gewinn von 10 Millionen. Haben Sie dann einen Millionenverlust, wenn das Los eines anderen gezogen wird?“

    Nur, um zu zeigen, wie absurd der Gedanke ist, dass aus dem Nicht-Gewinn ein Verlust entstehen könnte. Neulich habe ich den Spruch gehört, den eine Bekannte wohl zu sagen pflegte: „Gestern habe ich ein wunderschönes Kleid im Schaufester gesehen. Ich habe es nicht gekauft. Und schon 500 Mark gespart.“

    @ Nationalsozialismus und „unnütze Esser“: Ich habe mich jüngst mit Behinderung im Nationalsozialismus auseinandergesetzt und bin dabei, neben allerhand unfassbaren Details, wieder auf Progpaganda Plakate derart gestoßen: „Hier trägst Du mit. Ein Erbkranker kostet bis zur Erreichung des 60. Lebensjahres im Durchschnitt 50.000 RM.“ Traurig.

    Danke für den spannenden Artikel!

    • Huch, das ist doch ein abschreckendes Beispiel aus der Geschichte und als solches heute natürlich gerade nicht mehr aktuell. (Ich bin mir nicht sicher, ob ich Ihre Aussage verstanden habe.)

  12. Aus dem Beitrag:
    »Stellen Sie sich einmal vor, Sie kauften mit einem Lotterielos eine Chance auf einen zukünftigen Gewinn von 10 Millionen. Haben Sie dann einen Millionenverlust, wenn das Los eines anderen gezogen wird?«

    Kommt vielleicht auf die versprochene Gewinnchance an und die vorab eingegangenen Verpflichtungen, die mit dem Gewinn beglichen werden sollten.

    Jeder Euro, den ich nicht ausgebe, bleibt als Vermögenswert erhalten. Wenn @Leonie Sengs Bekannte das Kleid für 500 € nicht kauft, dann hat sie anschließend 500 € mehr auf dem Konto, als wenn sie es gekauft hätte. Nicht getätigte Ausgaben sind natürlich nicht als „Gewinn“ zu verbuchen, aber das behauptet ja auch keiner.

    Umgekehrt entstehen selbstverständlich Kosten, wenn ein Erwerbstätiger durch Krankheit ausfällt und nicht mehr für sich selbst sorgen kann. Dem Arbeitgeber und der Gesellschaft. Und zwar auch dann, wenn man von vorneherein gewisse Ausfallzeiten einkalkuliert. Da braucht man kein Ökonom zu sein, um das zu verstehen.

    Aber schlimm ist das nur für die Betroffenen (Kranken). Die Gesellschaft kann das locker stemmen. Sie muss nur dafür sorgen; dass das umlaufende Geld nicht an falscher Stelle akkumuliert und so der Allgemeinheit nicht mehr zur Verfügung steht.

    Aus dem Beitrag:
    » Sechstens und vor allem darf aber niemandem der Zugang zum Lebensnotwendigen verwehrt werden. «

    Volle Zustimmung!

  13. @Balanus: Kosten

    Die Kosten in diesem Sinne wären aber eher die Kosten für den/die Psychotherapeuten/in.

    Darum geht es aber nicht, jedenfalls nicht primär, bei den berechneten Krankheitskosten.

    Als Krankheitskosten wird von Gesundheitsökonomen die Differenz zwischen dem verstanden, was man erwirtschaften könnte, wäre man gesund, und dem, was man wegen Krankheit weniger erwirtschaftet hat.

    Die Idee ist, wenn man Depressionen (u.a.) heilen könnte, dann würden diese Kosten gegen null tendieren.

    Ähnlich könnte man argumentieren, welche immensen Kosten Rentnerinnen und Rentner verursachen, nicht wegen des Bezugs von Rente, sondern wegen all der Stunden, die sie noch arbeiten könnten, aber nicht mehr arbeiten.

  14. @Stephan Schleim // Krankheitskosten

    Ich habe schon verstanden, dass es nicht primär um Behandlungskosten geht.

    Und es trifft zu, auch Rentner und nicht arbeitende Kinder sind aus sozialökonomischer Sicht Kostenfaktoren (Kinder aber auch eine Investition in die Zukunft).

    Man stelle sich z. B. ein autarkes Völkchen von 1000 Personen vor. Damit alle ein Dach über dem Kopf haben und nicht verhungern müssen, müssen die, die es können, für das Wohlergehen aller arbeiten. Werte müssen geschaffen werden, die fallen nicht vom Himmel. Das war schon bei den Jägern und Sammlern so.

    Wenn die (monetäre) Ernährerin der Familie arbeitstechnisch ausfällt und niemand einspringen kann, kostet das der Familie am Ende das Leben.

    Andernorts werden Alte und Kranke notgedrungen zurückgelassen oder ausgesetzt, weil sie keinen Beitrag zum Wohle des Stammes mehr leisten und nur noch Kost verzehren können. Insofern leben wir hier im Paradies.

  15. @Stephan Schleim // Krankheitskosten

    Ich habe schon verstanden, dass es nicht primär um Behandlungskosten geht.

    Und es trifft zu, auch Rentner und nicht arbeitende Kinder sind aus sozialökonomischer Sicht Kostenfaktoren (Kinder aber auch eine Investition in die Zukunft).

    Man stelle sich z. B. ein autarkes Völkchen von 1000 Personen vor. Damit alle ein Dach über dem Kopf haben und nicht verhungern müssen, müssen die, die es können, für das Wohlergehen aller arbeiten. Werte müssen geschaffen werden, die fallen nicht vom Himmel. Das war schon bei den Jägern und Sammlern so.

    Wenn die (monetäre) Ernährerin der Familie arbeitstechnisch ausfällt und niemand einspringen kann, kostet das der Familie am Ende womöglich das Leben. Ein Arbeitgeber hat womöglich dadurch weniger Einnahmen und kann seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen.

  16. @klaus-dieter wackwitz: Depressiver Niederlander

    Bei dieser Formulierung handelt es sich um eine Verallgemeinerung, so wie z.B. in “Borkenkäfer bedroht Waldbestand”. Natürlich könnte ein einzelner Borkenkäfer nicht den ganzen Wald bedrohen.

    Ebenso wenig kostet ein Niederlander 1,5 Milliarden Euro im Jahr, sondern alle depressiven Niederländer zusammengenommen. Das ist es jedenfalls, was die Überschrift ausdrückt.

    Falls Sie das genauer nachlesen möchten, wir haben es schon im Telepolis-Forum diskutiert.

  17. @Balanus

    Die Kommentare funktionieren leider nicht sehr zuverlässig. Man muss immer wieder erst einmal die Seite neu laden, damit sie überhaupt angezeigt werden.

    Deinen Beitrag und den von @Wackwitz habe ich am Donnerstag noch gelesen; am Freitag waren sie weg; jetzt sind sie wieder da.

    Zur Sache:

    Mir ist nicht ganz klar, in welchem Punkt du mir jetzt widersprichst; und kommt es denn gelegentlich vor, dass Unternehmen wegen Lohnfortzahlung an kranke Mitarbeiter pleite gehen?

    Landen nicht nach einer Weile die Kosten bei der Krankenkasse?

    Und bei uns in den Niederlanden an den Unis ist es so, dass man bis zu zwei Jahre krank sein kann (der Lohn reduziert sich in diesem Zeitraum schrittweise) und wenn es danach nicht mit der Wiedereingliederung klappt, dann muss man wohl gehen, selbst als Beamter.

    Allerdings kommt es (in der Wirtschaft) doch häufiger vor, dass Manager mit Fehlentscheidungen Millionenkosten verursachen.

  18. @Stephan,

    Du schreibst.

    »Interessanterweise zählt etwas, das vielleicht erwirtschaftet werden könnte, schon als Verlust, wenn es nicht erwirtschaftet wird…«,

    …und bringst dann das Beispiel mit dem ausgebliebenen Lotteriegewinn, den man ja auch nicht als einen finanziellen Verlust ansehen würde.

    Ich denke, diese beiden Dinge, Geldverdienen durch Arbeit und Geldgewinne durch Losglück, haben wenig miteinander zu tun.

    Stell Dir einmal vor, eine Bäckerei betreibt neben dem Hauptgeschäft genau eine (profitable) Filiale mit einem Fachverkäufer. Wenn dieser Verkäufer durch Krankheit ausfällt und kein Ersatz vorhanden ist, dann bleibt die Filiale geschlossen und die Bäckerin verkauft weniger Brötchen. Für die Bäckerei bedeutet das ganz klar einen Verlust. Womöglich müssen wegen der ausbleibenden Einnahmen sogar die Rücklagen angezapft werden.

    Eine Firma, die ohnehin zu kämpfen hat, könnte durchaus wegen Krankheitsausfälle pleitegehen. Etwa wenn Lieferverträge nicht eingehalten werden können und dadurch hohe Strafzahlungen fällig werden. Und für kleine Handwerksbetriebe sind Lohnfortzahlungen u. U. schon eine schwierige Sache.

    Noch ein Beispiel: Ein Freiberufler macht am Ende des Jahres eine Gewinn-Verlust-Rechnung, Einnahmen minus Ausgaben ergibt den Gewinn. Wenn ein solcher Freiberufler nun ein Dreivierteljahr wegen Depressionen nicht arbeiten kann und darum die Ausgaben die Einnahmen übersteigen, dann hat er am Ende einen Verlust „erwirtschaftet“.

    Dieser Freiberufler kann dann mit allem Recht sagen, meine Depression hat mich fast ein Jahreseinkommen gekostet.

    (Jetzt habe ich schon wieder mehr geschrieben als ich eigentlich wollte…)

  19. @Balanus: noch einmal zu den Kosten

    Es geht im Artikel um makroskopische Kosten, die Kranke (angeblich) für die Gesellschaft verursachen.

    Würde man bei der Personalplanung einkalkulieren, dass Menschen krank werden (zweifellos machen zumindest größere Unternehmen das auch), dann verursacht es aber keine Kosten mehr, wenn jemand (im Rahmen des Geplanten) tatsächlich krank wird.

    Wenn du also von 90% Effizienz ausgehst, anstatt von 100%, dann sind deine Personalkosten zwar höher (nämlich inklusive Krankheitsausfällen), verursachen die tatsächlichen Ausfälle (im Rahmen des Geplanten) aber keine Kosten mehr. Wer mit einem 100%-Menschen plant, plant schlicht an der Realität vorbei.

    (So muss auch der Bäcker in deinem Beispiel mit einem Plan B kalkulieren. Es nicht zu tun, ist grob fahrlässig. Und Selbstständige können tatsächlich eine Versicherung für krankheitsbedingten Verdienstausfall abschließen.)

    Jetzt könnte jemand sagen: Na, da stehen die Kosten doch!

    Dann würde ich erwidern: Ja, das Gleiche gilt aber auch für Urlaub, Elternzeiten, Altersruhestand. Warum lesen wir dann nicht in der Zeitung: Urlauber kosten Gesellschaft 200 Milliarden, Eltern 100 Milliarden und Rentner 1 Billion im Jahr (um mal einfach ein paar Zahlen in den Raum zu stellen)? Und vergessen wir nicht die Freizeit! Die kostet wahrscheinlich so viel wie das gesamte Bruttoinlandsprodukt, sagen wir 3 Billionen! Was für eine Verschwendung überall!!

    Und wenn wir solche Berichte tatsächlich läsen, kritisierten wir sie automatisch – und zu recht!

    Wieso also bei Kranken anders denken?

    Es ist eine Frage des Standpunkts, was wir wie als Kosten identifizieren und wie wir das kommunizieren. Das ist mein Argument.

    (Du brauchst dich übrigens hier nicht fürs Vielschreiben zu entschuldigen; der Online-Speicher ist ja beinahe gratis, kostet so gut wie nichts.)

  20. @Stephan,

    die makroskopischen Kosten (für die Gesellschaft) resultieren doch aber aus der Summe der „mikroskopischen“ Kosten für die einzelnen Unternehmer. Und klar, jeder weitsichtige Unternehmer plant die Kosten für Krankheitsausfälle und Urlaubstage ein, ebenso die Zeiten, in denen die Arbeit ruhen muss, damit die Arbeitskräfte mal regenerieren können.

    Das ist das eine.

    Das andere ist die Frage nach der Art der Berichterstattung in den Medien, wenn Ausfälle durch Krankheit als (vermeidbare?) Kosten dargestellt werden.

    Oder ob es überhaupt eine wichtige Nachricht ist, dass eine bestimmte, womöglich vermeidbare Erkrankung durch Arbeitsausfälle den Betrieben und damit auch der Gesellschaft Kosten in einer bestimmten Höhe verursachen.

    Den Nutzen solcher gesundheitsökonomischer Betrachtungen könnte vielleicht darin liegen, dass die Aufmerksamkeit auf bestimmte Missstände im Gesundheitswesen oder in der Gesundheitsvorsorge gelenkt wird.

    Wenn bestimmte chronische Erkrankungen effektiv bekämpft oder vermieden werden könnten, wäre das nicht nur gesamtökonomisch von Vorteil, sondern auch für das Individuum von großem Nutzen.

    Summa summarum denke ich nicht, dass es eine Frage des Standpunktes ist, was wir als Kosten und was als Einnahmen oder Gewinne ansehen wollen, weder für den Einzelnen, noch für den Betrieb oder für die gesamte Gesellschaft bzw. Volkswirtschaft.

    Wie wir die krankheitsbedingte Kosten bewerten wollen oder sollten, individuell oder gesamtwirtschaftlich, steht allerdings auf einem anderen Blatt.

    (Schön wär’s, wenn der Online-Speicher „so gut wie nichts“ kosten würde, aber ich dachte ohnehin mehr an Deine kostbare Zeit.)

  21. Geistig-heilendes Selbst- und Massenbewußtsein, also die wirklich-wahrhaftige / sinnhaftigste Überwindung der gleichermaßen unverarbeiteten / manipulierbaren Bewußtseinsschwäche in Angst, Gewalt und logisch teils brutal-egoisierende “Individualbewußtsein” (und somit auch die Überwindung der Vorsehung / “göttlichen” Sicherung”) nur wenn Mensch endlich anfängt OHNE die illusionäre Symptomatik des geistigen Stillstandes seit der “Vertreibung aus dem Paradies” zu …, eine Welt OHNE das “gesunde” Konkurrenzdenken des nun “freiheitlichen” Wettbewerbs um Kommunikationsmüll – Wenn GRUNDSÄTZLICH alles Allen gehört/gehören darf, so daß “Wer soll das bezahlen?” und “Arbeit macht frei” keine Macht mehr hat über unsere Vernunftbegabung, kann alles …!!!

  22. @Balanus

    Aber Geld ist doch ein soziales Konstrukt! Ebenso die Berechnungen, die wir damit anstellen.

    Die direkten Kosten (z.B. für die Gesundheitsversorgung) kosten unterm Strich gar nichts, denn diese sind 1:1 der Umsatz für den Gesundheitsmarkt, der ohne “Krankheitskosten” zusammenbrechen würde.

    Die indirekten Kosten (z.B. wegen des Verdienstausfalls) sind größtenteils virtuell – so lange du mir nicht erklären kannst, warum nicht gearbeitete Zeit wegen einer Depression Geld kostet, nicht gearbeitete Zeit wegen Urlaubs oder Freizeit oder Ruhestand jedoch nicht.

    Es geht hier um Normen und Werturteile, die sich auf die Berechungen auswirken, schon bevor wir in den Medien etwas von diesen Kosten erfahren. Es geht also mitnichten um ein reines Kommunikationsproblem.

    • “Soziales Konstrukt” – Wie beschreibe ich den Tanz um den heißen Brei / das goldene Kalb, ohne das man mich und …!? 😉

      Die Basis für ein UNKORRUMPIERBARES Menschenrecht / für eine zweifelsfrei-eindeutige Menschenwürde, kann nur eine wirklich-wahrhaftige Welt- und Werteordnung von KOSTENLOSER Nahrung, MIETFREIEM Wohnen und KASSEN-/KLASSENLOSER Gesundheit sein, also konsequent keine Kompromisse mit KOMMUNIKATIONSMÜLL des “freiheitlichen” Wettbewerbs!!!

  23. @Stephan

    Die Tatsache, dass Geld ein soziales Konstrukt ist, ist für unsere Überlegungen irrelevant. Was Kosten und was Einnahmen sind, ist klar definiert.

    Zu den direkten Kosten (z.B. für die Gesundheitsversorgung): Gesamtgesellschaftlich gesehen ist die Gesundheitsvorsorge sehr wohl ein Kostenfaktor. Dein Argument scheint zu sein, dass das, was bei mir als Kosten auf der Arztrechnung erscheint, beim Arzt als Einnahme verbucht wird, wodurch sich das Ganze ausgleicht—so eine Art Nullsummenspiel. Aber ich fürchte, das ist zu kurz gedacht.

    Zu den indirekten Kosten (z.B. wegen des Verdienstausfalls): Ich habe bereits darauf hingewiesen und erklärt, dass natürlich auch Urlaub oder Freizeit oder Ruhestand für Unternehmen oder die Volkswirtschaft Kostenfaktoren sind, also dem Unternehmen oder der Gesellschaft (indirekt) Geld kostet. Wäre es anders, könnten die Angestellten unbegrenzt Pause machen. Kostet ja nichts, Deiner Meinung nach.

    Du möchtest vermutlich darauf hinaus, dass man bei Urlaub und Freizeit klaglos akzeptiert, dass diese Vergnügungen mit Kosten für Unternehmen oder die Gesellschaft verbunden sind.

    Urlaub und Freizeit brauchen wir eben alle, aber keiner braucht Depressionen. Wenn wir die vermeiden könnten, hätten Unternehmen oder die Gesellschaft weniger Kosten zu tragen.

    Würden wir ohne Urlaub und Freizeit und Altersruhestand und minimaler Nachtruhe voll durcharbeiten, so dass die Maschinen niemals stillstünden, könnten wir das Bruttosozialprodukt vervielfachen. Vornehmlich durch den Export, denn zum Konsumieren bliebe uns keine Zeit.

    • @Balanus;
      Wenn ich Geld für Essen ausgebe, dann bin ich für kurze Zeit satt, das ist ein Nutzen oder Wert für kurze Zeit, danach muss ich wieder Geld ausgeben für denselben Nutzen. Wenn ich für dasselbe Geld ein Paar Socken kaufe, dann habe ich ein Jahr oder länger Nutzen davon. Die Kosten machen deshalb nur Sinn in Relation zum Wert und zur Nutzungsdauer der Güter.

      Die Kosten für Gesundheit sind doppelt zu rechnen, einmal für die Krankenversicherung und zum andern für die ausgefallene Arbeitszeit. Was ist der Gegenwert dafür? Die Krankenversicherung zahlt Ärzte und ihre Angestellten, das ist ein Nullsummenspiel, zu dem der Bürger seine Prämie beisteuert. Der Arbeitgeber muss zwar zahlen ohne Gegenleistung, aber nur weil im Unterschied zu Urlaub und Freizeit der unvorhersehbare Krankheitsausfall nicht vorsorglich in die Kostenrechnung der Unternehmen eingeht. Der durchschnittliche Mensch ist eben nie zu 100% gesund. Durch geeignete Maßnahmen, u.a. Urlaub und Freizeit, kann man die “Ausfallzeiten” (sagt der Arbeitgeber) infolge Krankheit senken, aber auch das hat seinen Preis, und viele Krankheiten haben ihre Ursachen gerade in der Arbeit.

      Es erscheint zwar offensichtlich, dass Krankheit Kosten verursacht, das trifft auf Urlaub und Freizeit aber genauso zu. Selbstverständlich könnte das Bruttosozialprodukt vervielfacht werden, aber wozu, wer hätte davon einen Wert? Unterschiedliche Perspektiven kommen von unterschiedlichen Interessen. Ein Passagier an Deck eines Kreuzfahrtschiffes kann auf den Menschen im Ruderboot herunter schauen, trotzdem ist der Wasserspiegel für beide gleich. Gesundheit ist ein hoher Wert, besonders wenn man unfreiwillig krank ist!

Schreibe einen Kommentar




Bitte ausrechnen und die Zahl (Ziffern) eingeben