Virales Video: Wie ein Amish-Pferdegespann einen Milchlaster aus dem Schnee zog

Als Teil des beschleunigten Klimawandels im Anthropozän werden auch die USA von zunehmend extremeren Wetterereignissen heimgesucht: Beispielsweise von verheerenden Dürre in Kalifornien und massivem Schneefall in nördlicheren Bundesstaaten. Angesichts des letzten Blizzards „Jonas“, der sogar Todesopfer forderte, erlebt derzeit ein Facebook-Video von Joel Appleman (Pennsylvania) aus dem Jahr 2011 neue Aufmerksamkeit: Die 41sekündige Aufnahme zeigt, wie ein Amish-Pferdegespann einen riesigen Milchtruck aus dem Schnee zurück auf die Straße wuchtet. (Liebhaber-Detail: In Sekunde 23 zeigt sich auch noch ein flüchtendes Nagetier.)

AmishPferdeMilchlaster

Nicht nur die in den USA – und in Deutschland!wachsende Zahl der Preppers, die sich angstvoll auf kommende Katastrophen vorbereiten, sondern auch wissenschaftliche Evolutionäre wie Friedrich August von Hayek dürfen sich bei diesem Anblick also bestätigt fühlen: Religiöse und kulturelle Vielfalt mag oft anstrengend sein, könnte aber gerade in streßigen und gefährlichen Zeiten auch Überlebensvorteile mit sich bringen. Vielleicht ist es ja vorteilhaft, nicht alles Leben auf einen einzigen, technologischen Entwicklungspfad zu setzen. So kann man bedauern, dass unsere europäischen Vorfahren die Amish verfolgten und vertrieben, so dass sie – samt ihrer deutschen Sprache – nur in Nordamerika (USA und Kanada) überdauerten; dort aber aufgrund ihres Kinderreichtums inzwischen sehr schnell wachsen.

Blume, M. "Die Amish", sciebooks 2012. Erhältlich als eBook und Taschenbuch

Credit: sciebooks.de Blume, M. „Die Amish“, sciebooks 2012. Erhältlich als eBook und Taschenbuch

Dr. Michael Blume, Jahrgang 1976, studierte nach Wehrdienst & Ausbildung zum Bank-Finanzassistenten Religions- und Politikwissenschaft in Tübingen. Neben seinem Hauptberuf beim Land Baden-Württemberg lehrte er an verschiedenen Universitäten, derzeit in Köln. Blume promovierte über die Thesen von Hirnforschern zur Religion ("Neurotheologie") und forscht über die Evolution von Religiosität und Religionen. Als erster Deutscher wurde Blume in das internationale Forschernetzwerk der Evolutionary Religious Studies berufen, aus dem er seit März 2008 auch im Scilog "Natur des Glaubens" berichtet. Für diesen erhielt er 2009 den Scilogs-Preis und wurde 2010 mit dem Preis "Vermittlungen" der Evangelischen Akademie Villigst für Nachwuchswissenschaftler ausgezeichnet. Der Hohe Rat der Yeziden in Lalish verlieh ihm 2015 eine Auszeichnung für den Einsatz für schutzbedürftige Frauen und Kinder aus Kurdistan-Irak. Der evangelische Christ ist mit einer Muslimin verheiratet, die beiden haben drei Kinder. Zehra Blume gründete auch den sciebooks-Verlag, in dem einführende eBooks und Taschenbücher zu wissenschaftlichen Themen erscheinen.

28 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Die Kälte kommt von der Wärme? Ich würde Schneestürme gerade nicht als Beweis dafür ansehen, daß „die Erwärmung sich beschleunigt“, auch wenn dies zu den Doppeldenk-Dogmen der Klimakirche gehört. 🙂

    Ansonsten, völlig d’Accord: Vielfalt ist besser als Einseitigkeit. Auch wenn ich beruflich viel mit dem Auto unterwegs bin und kaum noch zu Fahrradfahren komme, habe ich immer noch Respekt vor jedem, der sich mit Muskelkraft bewegt – und wie man sieht, gibt es immer wieder Situationen, in denen Bio-Motoren überlegen sind, und sei es nur, weil man mit Beinen mehr Möglichkeiten hat, festen Tritt zu fassen als mit Rädern.

    Deswegen halte ich auch überhaupt nichts davon, marktfähige Energiequellen per Ordre de Mutti aus dem hiesigen Energiemix auszuschließen…

    • @Störk

      Da es sich beim Wetter um ein hochkomplexes, teilweise fast chaotisches System aus Wechselwirkungen handelt, scheint es mir völlig nachvollziehbar zu sein, dass Verzerrungen vor allem auch zu massiven Schwankungen und Extremen beitragen. Vgl. Finanzmärkte!

      Das macht mich nicht zum Anhänger einer „Klimakirche“, auf mich wirken die wissenschaftlichen Befunde vielmehr insgesamt glaubwürdig. (Ist eigentlich auch mal ein spannendes Blogthema, fällt mir dazu ein…)

      • Dr. Blume,

        gerade weil das Wetter ein chaotisches System ist, kann man zwar durchaus sagen, daß eine Verdopplung des CO2-Gehaltes ceteris paribus einen Temperaturanstieg um 1° verursachen würde, aber kein existierendes Modell kann entscheiden, welche Rückkopplungen die ceteris-paribus-Regel verletzen, und ob die Klimasensitivität dadurch größer oder kleiner wird. Ich könnte ebensogut die These aufstellen, daß es von 1971 bis 1999 wärmer geworden ist, weil ich in dieser Zeit quasi zölibatär lebte, und daß die Erwärmung abgeflacht ist, seit ich eine feste Freundin bzw. Ehefrau habe – das Modell taugt ebenfalls nur zur Erklärung der Vergangenheit und nicht für Vorhersagen. Der ganze Klimazirkus basiert doch auf dem, was Hayek „Anmaßung von Wissen“ genannt hätte.

        Vielfalt und evolutionäre Anpassung erreicht man eben nicht dadurch, daß eine selbsternannte Weltregierung allen Menschen in allen Klimazonen vorschreibt, welche Energieträger sie nutzen dürfen und welche nicht.

        Wenn man sich die Zeitreihen der Klimaentwicklung über etwas größere Zeiträume als nur ein paar tausend Jahre anschaut, dann ist offensichtlich, daß Interglaziale wie das jetzige generell recht instabil sind – der Versuch, das Klima durch kontrollierte Emission von Spurengasen zu stabilisieren, ist also von vornherein zum scheitern verurteilt.Um sich gegen Kälte und Hitze gleichermaßen wappnen zu können, sind marktwirtschaftliche Vielfalt und billige Energie wesentlich hilfreicher als die planwirtschaftlichen Festpreise und Abnahmegarantien des EEG. Mein persönliches Fazit: lieber Anpassung als Ökodiktatur, lieber Deiche an die Küste und Klimaanlagen in die Autos als Windräder im Vogelschutzgebiet und Energiepflanzen auf dem Acker, lieber rund um die Uhr Atomstrom als abends garkeine Elektrizität.

    • „Die Kälte kommt von der Wärme? Ich würde Schneestürme gerade nicht als Beweis dafür ansehen, daß „die Erwärmung sich beschleunigt“, auch wenn dies zu den Doppeldenk-Dogmen der Klimakirche gehört.“

      Die doppeldenkenden Klimaskpetiker vergessen gerne, dass die globale, mittlere Temperatur wegen solcher regionalen Kälteeinbrüche für den gegebenen Zeitraum ja nicht sinkt: woanders ist es eben dementsprechend wärmer. Im Schnitt steigt der Trend. 2015 war mit Abstand das wärmste Jahr seit Beginn der Messungen.
      Solche Kälteeinbrüche werden häufiger (wie Hitzewellen), weil u.a. die Arktis sich überdurchschnittlich erwärmt. Dadurch sinkt der Temperaturgradient zu den mittleren Breiten und der Jetstream schlingert mehr. Hoch- und Tiefdruck Gebiete werden größer und bilden manchmal eine stehende Welle oder ein Blockade. Sie bleiben stehen, anstatt zu wandern, und schaufeln unter Umständen wochenlang in ein Gebiet Kälte vom Norden und Wärme vom Süden.

      https://www.pik-potsdam.de/aktuelles/pressemitteilungen/archiv/2014/mehr-wetterextreme-durch-aufschaukeln-riesiger-wellen-in-der-atmosphaere

      Bilden Sie sich weiter,

      rät die Klimakirche

      • „Bilden Sie sich weiter“ – aber doch nicht auf den Propagandaseiten des PIK, ich bitte Sie. Tuet Buße, sonst geht die Welt unter, diese Masche hat einen Bart wie Methusalem persönlich.

        • Sie haben keine Ahnung und wollen sich keine verschaffen und plappern lieber die von interessierten Kreise der Carbon-Industrie gestreuten Verschwörungstheorien nach. Aber dann bitte nicht reumütig anklopfen, wenn Ihnen das Schmelzwasser bis zum Halse steht.

          Haben Sie eigentlich auch ein richtiges Argument? Ich habe eine Erklärung gebracht, von Ihnen kam nichts als ein Ressentiment.

          • ich finde es allerdings auch kontraproduktive Panikmache, wenn bei Prozessen, die Jahrhunderte benötigen, so tut als wäre es Übermorgen so weit („Schmelzwasser bis zum Halse“) .

          • „Sie haben keine Ahnung und wollen sich keine verschaffen und plappern lieber die von interessierten Kreise der Öko-Industrie gestreuten Erwärmungstheorien nach.“ Das Argument zieht umgekehrt noch besser, weil die Windrad- und Sonnensegel-Industrie tatsächlich über Medienmacht und politischen Einfluss verfügt. 🙂

            Mein „Ahnung“ konstituiert sich daraus, daß ich mich bereits seit meinem Physikstudium Anfang der 90er mit dem Thema beschäftige, und zwischenzeitlich durchaus Hoffnungen in eine Wiederbegrünung Grönlands gesetzt hatte (nur nicht die Mittel, dort ein Vermögen in den Sand bzw. in’s eis zu setzen)

            Meine Ressentiments gegen das PIK sind keine Vor- sondern Nach-Urteile. Daß Herr Schellnhuber und Herr Rahmsdorf für das Verbreiten von Angst bezahlt werden, ist Fakt. Würde man die realistischerweise zu erwartende Erwärmung nicht als „Katastrophe“ vermarkten, sondern so nüchtern betrachten wie z.B. Hans von Storch oder Bjørn Lomborg, bekäme das PIK doch kein Geld mehr von der Politik und könnte seinerseits keine Handlungsempfehlung bezüglich De-Industrialisierung und Abschaffung des Kapitalismus auf die politische Agenda drücken.

            BTW, nach den Dogmen der Klimakirche hatten wir vor 15 Jahren noch 10 Jahre Zeit, die CO2-Emissionen zu stoppen. Dies ist nicht passiert, im Gegenteil haben Indien und China in genau diesem Zeitraum erst so richtig mit den Emissionen angefangen. Es ist also eh zu spät, an der CO2-Schraube zu drehen – wir sollten anfangen, die Deiche zu erhöhen und keine Ressourcen mehr in eine Energiewende stecken, die eh jetzt nichts mehr bringt (völlig egal, ob sie vor 20 Jahren etwas hätte bringen können). Deichbau ist eine echt nützliche Sache, Holland liegt heute schon bei Flut unter dem Meeresspiegel und wird dennoch nicht täglich überschwemmt. 🙂 Und wenn die Globalisierung so weitergeht, dann ist Bangladesh in 50 Jahren so reich wie Holland heute und kann sich ebenfalls solide Deiche leisten.

            Wenn dagegen Bürgerwissenschaftler eine klimageschichtliche Gesamtschau wie die folgende zusammenstellen
            http://www.science-skeptical.de/klimawandel/co2-angst-eine-angst-fuer-dummies/0014317/
            dann stecken da mehr Fakten drin, als die Simulationen auf den Spielecomputern des PIK jemals liefern können. Nur so als Beispiel.

      • Vieles kann man mit der Klimaerwärmung erklären, sogar Kälteeinbrüche. Doch nicht alles was man zur Klimaerwärmung meint zu wissen ist gleich gut abgesichert. Wetterextreme, weil der Klimawandel die circumpolaren atmosphäischen Wellen beeinflusst, würde ich eher in den Bereich der begründeten Spekulation einordnen. Dass sich die Erde im 20. Jarhhundert erwärmt hat ist dagegen gut abgesichert und die Annnahme, dass die Ursache dafür steigende Treibhausgasmengen sind passt zu den physikalischen Kenntnissen und den physikalischen Erdsystemmodellen.

  2. @zabki

    Meine Güte, eine kleine rhetorische Übertreibung, dass nehmen Sie wörtlich? Störk hat bei völligem Fehlen von Argumenten einen sehr polemischen Ton angeschlagen: Doppel-Denkdogmen der Klimakirche, Propagandaseiten des PIK, Ökodiktatur.
    Ich kann diesen blöden „Skeptiker“-Quark nicht mehr hören. Man lässt sich indoktrinieren und hält sich dann für „aufgeklärt“.
    Jaja, Panikmache ist nicht nötig, in Mitteleuropa wird es nicht so schlimm werden und wenn doch, sind wir schon alle tot. So könnte man es zynisch sehen.

    Zum Thema:
    http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/44120/Die-Wahrheit-bekommt-uns-nicht-gut

    • das ist keine „kleine“ rhetorische Übertreibung, sondern endlos im Netz zu finden de, kontraproduktive Irreführung.

      Direkt in dem von ihnen verlinkten Text findet sich:

      „Die polaren Eisschilde werden auch bei unserem gegenwärtigen Klima, also wenn es alles so bliebe wie jetzt, auf jeden Fall langsam verschwinden. Wenn es wärmer wird, und das wird es, entsprechend schneller. Sie sind schon knapp jenseits ihrer Schwelle.“

      Ist das überhaupt richtig ? Sind Grönland und die Antarktis „schon knapp jenseits ihrer Schwelle“? Und falls ja, wie sieht es mit der Zeitperspektive des Abschmelzens aus (gern mit pessimistischem Szenario, aber bitte nicht „kann man nicht genau sagen“, So ungefähr wie‘ eben geht).

    • Zitat aus »Die Wahrheit bekommt uns nicht gut«:unser Fach [ist] plötzlich relevant für den Fortbestand der Zivilisation [geworden]

      Gefährdet der Klimawandel die Zivilisation wie das Professor Hans Joachim Schellenhubr suggeriert? Ist der Klimawandel die grösste Herausforderung für die Menschheit, grösser als alle anderen Gefahren, die beispielsweise von der Doomsday-Clock gemonitored werden?

      Ich sehe das so: Von allen zukünftigen globalen Gefahren wissen wir über die Gefahr des Klimawandels am meisten und es gilt: Falls die Menschheit noch in diesem Jahrhundert ( 85 Jahre bleiben) seine technisch bedingten CO2-Emissionen einstellt, dann ist trotzdem mit vielfältigen Klimaänderungen zu rechnen wobei das Klima gegen den Norden zu insgesamt „menschenfreundlicher“, gegen den Süden „menschenfabweisender“ wird (Es gibt ein Buch mit dem Titel „The new North our Word in 2050). Doch ist damit die Zivilisation gefährdet? Nein, mit Sicherheit nicht. Nur wenn die Menschheit alle fossilen Rohstoffe die es überhaupt gibt, verbrennt, dann wird es echt gefährlich. Doch eine Menschheit die so etwas tut und die somit weitere 100 bis 200 Jahre Kohle+Erdgas verbrennt, wäre wohl sowieso nicht sehr zivliisiert – und letztlich selber schuld.
      Massnahmen gegen den Klimawandel sehe ich selbst als Lackmustest für die Menscheit. Kann sie einen allzu starken Klimawandel durch gemeinsames Handeln abwenden, dann hat die Menschheit so etwas wie globale Handlungsfähigkeit bewiesen. Falls nicht, dann wird sie auch andere globale Probleme nicht meistern und damit für einen Aussenbetrachter ähnlich einzustufen sein wie wir hier im „friedlichen, geordneten Westen“ Länder einstufen die von einem (Kriegs-)Chaos zum nächsten wanken.

    • Den „Tonfall“ hatte ich nur, weil ich manchen „Quark“ auch nicht mehr lesen mag:
      – der Winter ist ungewöhnlich mild? KLIMAWANDEL!
      – der Wnter ist ungewöhnlich kalt? KLIMAWANDEL!
      – der Sommer ist zu nass? KLIMAWANDEL!
      – der Sommer ist heiß und trocken? KLIMAWANDEL!

      Nur zum Vergleich: hier in Wuppertal haben wir seit gestern Dauerregen bei 5-10°, das gibt es hier schon immer zu jeder Jahreszeit, von „Wandel“ keine Spur. Ja, sicher, eine Erwärmung um 1-2° merkt man nicht am Wetter. Aber da die Infrarot-Emission vom Boden mit T^4 skaliert, wird dieselbe zusätzliche Strahlung bei hohen Temperaturen wesentlich schneller kompensiert als bei niedrigen – d.h., in den Tropen wird die Erwärmung weiterhin kaum meßbar sein, und an dem Polen kann es sein, daß der Permafrost statt bei -20° bei -10° stattfindet. Beides keine Katastrophen. Und die Verringerung der Temperaturdifferenz bedeutet weniger Stürme, nicht mehr.

    • Zitat: „Und der Klimawandel als Symptom belegt empirisch, dass der Neoliberalismus fundamental versagt hat.“ Wenn Klimwawissenschaftler so etwas sagen (und das Zitat ist von einem Klimawissenschaftler aus »Die Wahrheit bekommt uns nicht gut« und damit ähnlich denken wie Naomi Klein, die die „Klimakrise“ als einmalige Chance sieht, unser „kapitalistisches “ Gesellschaftssystem zu schleifen, dann verlassen sie nicht nur die Wissenschaft, sondern sie eröffnen einen meiner Ansicht nach sinnlosen Systemkampf, der polarisiert und bestehende Polarisationen (wie die zwischen US-Demokraten und Republikanern) verstärkt und auf die ganze Welt ausweitet.

      Dabei wandelt sich das Erd-Klima für US-Demokraten genauso wie für US-Republikaner und die etwas weniger „kapitalisitische“, neoliberale Politik der US-Demokraten bedeutet nicht etwa die Rettung der Menschheit vor der Klimakatastrophe.

      Fazit: In solche Untiefen wie sich im SZ-Interview ein Klimawissenschaftler begibt, sollte man sich nie begeben – vor allem nicht als Wissenschaftler.

      • @Martin Holzherr,

        genau das ist der Grund, warum ich nicht mehr von „Klimaforschung“ und „Klimawissenschaft“ schreibe, sondern von „Klimakirche“ und „Klimapropaganda“: Forschung und Wissenschaft versuchen Zusammenhänge aufzuklären, nicht Handlungsanweisungen an Politik und Wirtschaft durchzuprügeln.

        • @Störk
          Sie sind doch wohl klug genug, zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen und politischen Forderungen zu unterscheiden? Oder nicht? Weil die politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Konsequenzen Ihnen nicht passen, lehnen Sie die Wissenschaft ab und reden die menschliche Verantwortlichkeit für die globale Erwärmung klein.
          Ich halte das nicht für redlich.

          Übrigens teile ich nicht ganz die Aussage des Klimatologen, die hier kritisiert wird. Man kann das nicht allein auf den Neoliberalismus schieben, das ist zu einfach.

          Meiner Ansicht nach darf aber auch ein Wissenschaftler/Klimatologe in der politischen Diskussion das Wort ergreifen, er ist genauso Bürger wie wir und sie sind von den Folgen der globalen Erwärmung ebenfalls betroffen. Da werden keine Handlungsanweisungen durchgeprügelt, bislang ist fast nichts passiert, bis auf das Hyperventilieren der Klimaleugner. Bislang saß die Karbon-Lobby noch immer am längeren Hebel.

          Exxon wusste schon 1981 von der Gefahr der globalen Erwärmung durch CO2, durch einen firmeneigenen Wissenschaftler. Und was haben sie getan? Sie haben 27 Jahre Propaganda gegen die Theorie der anthropogenen Erwärmung betrieben. Diese Saat ist bei Ihnen aufgegangen, Störk. Von wegen „Bürgerwissenschaft“.

          „ExxonMobil, the world’s biggest oil company, knew as early as 1981 of climate change – seven years before it became a public issue, according to a newly discovered email from one of the firm’s own scientists. Despite this the firm spent millions over the next 27 years to promote climate denial.“

          http://www.theguardian.com/environment/2015/jul/08/exxon-climate-change-1981-climate-denier-funding

          Es gibt noch eine ganze Reihe anderer dieser Propagandisten.

  3. Der Treibhauseffekt ist doch gar nicht so schwer zu verstehen: kleiner Treibhauseffekt von CO2, Methan, und Konsorten, mehr Wasser löst sich in der Atmosphere, noch dazu mit einer Potenz der Temperatursteigerung, das gibt dann den großen Treibhauseffekt und durch das leichtere Molgewicht von H2O wird der Auftrieb und damit die Klimamaschine verstärkt angetrieben. Solche einfachen Tatsachen sind Wirtschaftsfachleuten nicht geläufig und sie wollen es auch gar nicht so genau wissen, da es ja vermeintlich die Geschäfte stört. Erstaunlich ist nur, dass sich ein Physiker als Klimawandelleugner hergibt. Da fragt sich nur, hat er trotz Physikstudium die Thermodynamik nicht mitbekommen, was ich eigentlich nicht für sehr wahrscheinlich halte. Da bleibt dann nur die andere, sehr unangenehme Schlusssfolgerung, die ich hier nicht näher auszuführen brauche, die sich aber wohl die meisten nach kurzer Denkpause selber ausmalen können.

    • Es gibt auf allen Seiten Simplifizierer. Auch sie sind einer. Zudem geht es nicht allein darum, dass sich das Erdsystem durch steigende Treibhausgase erwärmt, sondern ob diese Erwärmung uns gefärhlich werden kann. Es gibt mindestens eine Handvoll gut bekannte und reputierte Physiker, die in der Erderwärmung kein Problem, sondern sogar Vorteile sehen: Dazu gehört Freeman Dyson

      Der Konsens unter den Klimawissenschaftlern aber ist, dass eine Erdsystemerwärmung Auswirkungen hat, von denen viele für den Menschen negativ sind. Pro Grad Erwärmung rechnet man mit 2 Meter Meeresspiegelanstieg, das allerdings über Jahrhunderte. Ferner ändern sich viele Klimata wobei sich nicht nur die Temperaturen, sondern auch die Niederschläge ändern. Ob all diese Änderungen sich aber insgesamt katatstrophal auswirken oder später einmal als marginal betrachtet werden, weil noch viel schlimmeres auf die Menschheit zukam, können wir heute nicht sagen. Sicher ist nur: Wenn es gratis wäre, die Kliamerwärmung zu stoppen, dann sollte man es tun.

    • Klimawandelleugner? Niemand leugnet, daß sich das Klima wandelt – das tut es schon länger, als es Menschen gibt. Ihr Klimamodell klingt übrigens auf dem ersten Blick durchaus plausibel, es hat nur den Nachteil, daß es nicht erklärt, wieso „die Klimamaschine“ nicht schon vor Jahrmillionen final kollabiert ist, sondern sogar Ereignisse wie das PETM langfristig verkraften konnte. Es muß noch mehr Rückkopplungen geben außer den von Ihnen erwähnten, wie z.B. Wolken…

      • „Klimawandelleugner? Niemand leugnet, daß sich das Klima wandelt – das tut es schon länger, als es Menschen gibt.“

        Der Kalauer ist uralt. Kein Klimatologe bezweifelt, dass es Klimawandel gibt, seitdem es Klima gibt.
        Warum soll das Klima kollabieren? Es ändert sich halt, unter Umständen ganz heftig. Populationen und Zivilisationen kollabieren. Die Art Mensch wird’s wohl überleben. Kommt es bei uns Menschen allein darauf an? Ich denke nicht.

  4. „Hoffnungen in eine Wiederbegrünung Grönlands“ Sie wissen, wie dick das Eis in der Mitte ist?

    „Meine Ressentiments gegen das PIK sind keine Vor- sondern Nach-Urteile. Daß Herr Schellnhuber und Herr Rahmsdorf für das Verbreiten von Angst bezahlt werden, ist Fakt. Würde man die realistischerweise zu erwartende Erwärmung nicht als „Katastrophe“ vermarkten, sondern so nüchtern betrachten wie z.B. Hans von Storch oder Bjørn Lomborg, bekäme das PIK doch kein Geld mehr von der Politik und könnte seinerseits keine Handlungsempfehlung bezüglich De-Industrialisierung und Abschaffung des Kapitalismus auf die politische Agenda drücken.“
    Warum sollte die Politik eine Institution bezahlen, die den Kapitalismus abschaffen will? Suchen Sie sich doch eine andere Institution, die sich mit der globalen Erwärmung beschäftigt, das hören Sie mehr oder weniger dasselbe wie beim PIK.

    „Es ist also eh zu spät, an der CO2-Schraube zu drehen – wir sollten anfangen, die Deiche zu erhöhen und keine Ressourcen mehr in eine Energiewende stecken, die eh jetzt nichts mehr bringt“

    Doch, es lohnt sich um jedes Zehntelgrad zu kämpfen. Über 2°-Grad-Erwärmung, vielleicht auch schon etwas darunter, beginnt ein Weg ohne Rückkehr in eine heiße Welt.

    „Und wenn die Globalisierung so weitergeht, dann ist Bangladesh in 50 Jahren so reich wie Holland heute und kann sich ebenfalls solide Deiche leisten.“

    Wenn die Globalisierung so weiter geht, kommen wir einem globalen Kollaps nur noch schneller entgegen. Klimawandel ist ja nicht das einzige Problem.

    „Wenn dagegen Bürgerwissenschaftler eine klimageschichtliche Gesamtschau wie die folgende zusammenstellen
    http://www.science-skeptical.de/klimawandel/co2-angst-eine-angst-fuer-dummies/0014317/
    dann stecken da mehr Fakten drin, als die Simulationen auf den Spielecomputern des PIK jemals liefern können. Nur so als Beispiel.“

    War ja klar, Sie lesen eine Skeptikerseite. Nichts gegen Bürgerwissenschaft, aber mit der Klimatologie überheben sich diese Bürger gewaltig. „Spielcomputer“ des PIK: Diffamierung oder Ahnungslosigkeit?
    Sie konstatieren eine „Klimakirche“ und haben sich dabei selbst einer Sekte angeschlossen.

    Dort, wo ich lebe, ist der Klimawandel schon deutlich zu spüren. Zwei Hitzewellen habe ich erlebt, 2003 und 2015 und ich habe keine Lust, dass jeden Sommer zu haben. Vielleicht war es ja in Wuppertal erträglich. Aber das ist kein Grund, der Wissenschaft zu misstrauen.

    • Mit „Spielecomputer“ bezeichne ich extrem leistungsfähige Computer, deren Rechenleistung fast ausschließlich für Simulationen ver(sch)wendet wird. 🙂

      Es ist für Weltuntergangspropheten sehr bequem, wenn der Weltuntergang mit dem Ende der eigenen Lebenserwartung zusammenfällt. Forschen Sie ruhig mal nach, auf wie viele frühere Weltuntergangssekten das schon zutraf!

      Richtig schön heiße Sommer gab es in den 80ern übrigens auch schon. Der El-Nino letztes Jahr war ganz nett, aber Sie verwechseln Wetter mit Klima. Der langjährige Trend vom Super-Hitze-Jahr 1998 zum Super-Hitze-Jahr 2015 ist zwar gespickt mit Rekorden wie „die wärmsten 10 Jahre seit der kleinen Eiszeit“, verläuft aber wesentlich flacher als die 15 Jahre davor – wenn man dem Klimasystem zutraut, irgendwo durch negative Rückkopplunmgen in Sättigungen zu laufen (wie ein Thermostat), dann sieht das verdächtig danach aus, als hätten wir eine solche vielleicht schon erreicht. Wenn man dagegen nur Modelle mit positiven Rückkopplungen berücksichtigt, bleibt die Frage, wie das Leben überhaupt so lange durchgehalten hat. Eine Eiszeit, und der ganze Planet gefriert, weil das H2O aus der Luft verschwindet. Eine Warmzeit, und die Ozeane kochen? Ist in 4 Milliarden Jahren nicht vorgekommen, warum nicht? Ich habe den Film Waterworld genossen, war ein gut erzählte Fiktion, aber „The End Of The World As We Know It“ wird so nicht kommen, auch wenn man sich als Prepper gerne einen Trimaran zulegen kann.

      • Wie meinen? Wir hatten doch die von Ihnen genannten Szenarien in der Erdgeschichte – im ersteren Fall mit ein paar, im zweiteren mit vielen Belegen – bereits, namentlich die „Snowball-Earth“-Phase sowie die „Oceanic anoxic events“, wo mehrmals gegen Ende des Mesozoikum ab 1050 ppm CO2-Gehalt den Welt-Ozeanen der Sauerstoff weitgehend ausging, Massenaussterbeereignisse stattfanden während die obersten paar Meter von biologischer Produktion überquollen und Schwefelwasserstoff auch Landlebewesen vergiftete. Nebenbei gibt es zahlreiche Marker, die beweisen, dass in Hitzephasen die Landerosion um (das ist keine Übertreibung) Größenordnungen über der heutigen lag: Dies wird interpretiert als das Auftreten von heute unbekannt heftigen Stürmen und Regenfällen. Studieren Sie einfach mal die Erdgeschichte, dann sehen Sie schon, was an „netten“ Überraschungen möglich ist! Ich gehe mit Herrn Holzherr, der Mensch als Art wird es sicher überleben, aber das gilt wohl auch für den Dritten Weltkrieg. Klug wäre weder jener noch ungebremstes Ausstoßen von CO2, solange wir keinen technologischen Plan B zur Mitigation haben.

        • Ergänzung: Sie schreiben, das ganze H20 wäre ausgefallen bzw. die Ozeane würden kochen – so weit ging es natürlich nicht. Allerdings bedeutet „Positive Rückkopplung“ keineswegs, dass ein Prozess sich beliebig weit aufschaukelt, wie Sie anscheinend meinen! Der Begriff sagt rein definitorisch nur aus, dass eine Wirkung verstärkt wird. Also z.B. statt 0.9°C Erwärmung durch A –> 3°C Erwärmung durch A mit positiver Rückkopplung B. Das ist nicht deckungsgleich mit „geht beliebig so weiter“! –> Letzteres nennt man „Runaway“-Effekt.

      • Frühere Weltuntergangssekten hatten keine wissenschaftlichen Theorien, deswegen waren es Sekten.
        Die sog. „Pause“ ist vorbei, die Temperaturen klettern wieder deutlich. Im Langzeittrend gab es keine signifikante Pause. Hitzewellen haben in Häufigkeit und Stärke ganz klar zugenommen.
        Selbstverständlich gibt es in den Modellen nicht nur positive Rückkopplungen. Man modelliert mit ihnen inzwischen auch die Eiszeitzyklen.
        Die Klimaskeptiker haben außer Meckern, Mosern und Schimpfen (sowie bei manchen auch Verleumdung und Lügen) nicht viel zusammengebracht, vor allem können sie keine überzeigende alternative Erklärung für die Erwärmung liefern.
        Wissenschaftlich ist das nicht mehr ernst zu nehmen.

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