Die Deutschen sind kränker denn je

Im 21. Jahrhundert gab es noch nie so viele Krankheitstage und Krankenhausaufnahmen wie heute

In ersten Teil haben wir die Grundlagen diagnostischer Gespräche von Psychologen und Psychiatern besprochen. Diese wurden dann mit der Arbeit von Epidemiologen verglichen. Letztere berichten, dass jährlich rund 40% der Menschen in Europa mindestens einmal an einer psychischen Störung leiden.

Der Vergleich zeigte, dass die Gültigkeit individueller Diagnosen über derjenigen der Fragebogenstudien in Massenuntersuchungen steht. Auch konnten häufige Relativierungen, mit denen der starke Anstieg psychiatrisch-psychologischer Diagnosen wegerklärt werden soll, widerlegt werden: Psychische Störungen sind weder ein Schnupfen noch eine andere Form von Rückenschmerzen.

Psychische Störungen kommen häufig vor und bedeuten für die Betroffenen meistens großes Leid. Am häufigsten sind Angststörungen, Schlafstörungen, Depressionen und Aufmerksamkeitsstörungen. Bildquelle: PDPics, Lizenz: CC0

Insbesondere verfangen die Interpretationen von Martin Dornes nicht: Der Psychologe, Psychotherapeut und Soziologe vertritt die These, dass Kapitalismus zu keiner Zunahme von Depressionen führe. Am stärksten stützt er sich dabei aber auf die epidemiologischen Studien, die, wie wir gesehen haben, seine Schlussfolgerungen gar nicht stützten können. Damit steht wieder die Frage im Raum, ob die wirtschaftlich-sozialen Verhältnisse nicht doch die psychische Gesundheit der Menschen beeinflussen.

Mit den Füßen abstimmen

Als man die Lebensqualität in Ost- und Westdeutschland miteinander verglich, sagte man, die Menschen hätten “mit den Füßen abgestimmt”: Viel mehr Menschen gingen beziehungsweise flohen von Ost nach West, zum Teil unter Einsatz ihrer Freiheit oder ihres Lebens, als in die umgekehrte Richtung. Darum war nicht alles in der DDR schlecht, doch vieles im Argen.

Wie könnte es analog auf dem Gebiet der psychischen Gesundheit aussehen, “mit den Füßen abzustimmen”? Menschen gehen eben zum Arzt oder Psychotherapeuten, weil sie ein psychisches Hilfsbedürfnis haben. Jetzt kann es durchaus so sein, dass sie dies häufiger als früher als ein psychisches Problem begreifen, weil es in den Medien mehr Aufmerksamkeit für diese Themen gibt oder weil es heute als gesellschaftlich akzeptierter gilt; und dass auch Hausärzte mehr für diese Kategorien sensibilisiert sind.

Man kann plausibelerweise also davon ausgehen, dass zumindest ein Teil des Anstiegs der Diagnosen auf diese Effekte zurückzuführen ist. Wie viel genau, das weiß aber kein Mensch. Daher steht aber auch derjenige auf spekulativem Grund, der behauptet, dass der Anstieg überhaupt nicht mit gesellschaftlichen Veränderungen zusammenhängt.

Zunehmende Arbeitsunfähigkeitstage

Nun sind die Diagnosezahlen aber nicht die einzigen Daten, die uns Aufschluss geben könnten. Die Krankenkassen erheben nämlich auch die Arbeitsunfähigkeitstage für verschiedene Störungsbilder und Krankheiten. Und diese zeigen unmissverständlich einen dramatischen Anstieg: Laut DAK Gesundheitsreport stieg der Wert für die psychischen Störungen von 0,8 pro Versichertem im Jahr 1997 auf 2,5 im Jahr 2017, also auf das mehr als Dreifache innerhalb der letzten 21 Jahre!

Wer jetzt wieder mit den Pseudo-Rückenschmerzen kommt, die man heute korrekt als psychische Störung identifiziere, der sollte wirklich noch einmal einen Blick auf die Daten werfen: Ich erwähnte im ersten Teil schon kurz Zahlen des Robert-Koch-Instituts und der Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Ein deutliches Bild zeichnet aber auch diese Grafik des BKK Gesundheitsreports 2017:

Einerseits zeigt die Anzahl der Arbeitsunfähigkeitstage pro Versichertem – ohne Rentner – steil nach oben (graue Balken, linke Skala). Diese stiegen von 2006 bis 2016 von 11,5 auf 17,4, also um über 50%. Andererseits steigen auch die Krankheitstage für die häufigen Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems (graue Linie) und der psychischen Störungen (gelbe Linie; beide rechte Skala). Quelle: BKK Gesundheitsreport 2017

Man sieht sehr deutlich, dass die Arbeitsunfähigkeitstage wegen Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems in den letzten elf Jahren nicht nur nicht abgenommen, sondern sogar sehr deutlich zugenommen haben. Das gilt in noch größerem Maße für die psychischen Störungen. Insgesamt gilt: Die deutschen Arbeitnehmer werden seit vielen Jahren kränker. Wenn bestimmte epidemiologische Studien diesen deutlichen Trend nicht abbilden können, dann liefern sie schlicht keine gesellschaftspolitisch relevanten Ergebnisse.

Steigende Krankenhausbehandlungen

Ähnlich kann man auch mit Blick auf Krankenhausdiagnosen wegen psychischer Störungen argumentieren, die von 2000 bis 2016 von rund 911.000 auf 1,2 Millionen stiegen, also um 33%. Es ist nicht anzunehmen, dass Menschen jetzt massenweise ins Krankenhaus rennen, bloß weil sie sich ein bisschen müde oder gestresst fühlen.

Dass sie dort durchschnittlich 25 Tage lang behandelt werden, spricht auch für die Ernsthaftigkeit der Probleme. Der Durchschnittswert blieb trotz des Anstiegs der Fälle von 2000 bis 2016 übrigens relativ konstant. Auch dies widerspricht der alternativen Erklärung, dass es beim Anstieg bloß um immer leichtere Fälle geht. (Für die Muskel-Skelett-Erkrankungen stieg die Zahl übrigens im selben Zeitraum von rund 1,2 auf 1,8 Millionen, also um 45%, die durchschnittlich elf Tage lang im Krankenhaus behandelt werden.)

Wirklichkeitsverleugnung fürs Establishment

Akademiker, die sich ihre Studien so zurechtlegen, dass sie diese Tatsachen gar nicht erst sehen, betreiben Wirklichkeitsverleugnung. Die dient vor allem dem Establishment. Ulrich Hegerls Standpunkt ist widerlegt; Martin Dornes’ Standpunkt ebenso. Damit ist nicht gleich die Wahrheit der gesellschaftskritischen Haltung bewiesen. Und Dornes hat sicher auch in manchen Punkten recht, wo er nachweist, dass früher nicht alles besser war.

Dennoch bleibt der starke Anstieg der Krankheit im Allgemeinen sowie der psychischen Störungen im Besonderen in einem der reichsten Länder der Welt ein Phänomen, das einer Erklärung bedarf. Dornes’ “Uns geht es so gut wie nie” ist falsch. Korrekt ist: So viele Menschen wie heute waren im 21. Jahrhundert noch nie krankgeschrieben. Oder anders formuliert: Die Deutschen sind kränker denn je!

Das gilt insbesondere auch, jedoch nicht nur für psychische Störungen. Dabei sollte man bedenken, dass auch viele andere Erkrankungen eine psychosoziale Komponente haben und nicht rein körperlich zu verstehen sind.

Stress bei der Arbeit

Wir haben also gesehen, dass die wissenschaftlich-epidemiologischen Daten für die praktischen Fragen nicht sehr aussagekräftig sind und den Krankenkassendaten widersprechen. Bleibt damit im Raum stehen, warum immer mehr Deutsche arbeitsunfähig werden oder wegen psychischer Probleme in den Vorruhestand gehen?

Der Stressreport Deutschland 2012 der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin bietet zumindest einige Indizien für eine Antwort – mit Dank an einen Leser des ersten Teils. Der Bericht ergab nämlich deutlich, dass die psychischen Anforderungen bei der Arbeit in Deutschland sehr hoch sind, insbesondere in den Bereichen “verschiedenartige Arbeiten gleichzeitig betreuen” (Multitasking), “starker Termin- und Leistungsdruck”, “bei der Arbeit gestört, unterbrochen” werden, “sehr schnell arbeiten müssen” und “ständig wiederkehrende Arbeitsvorgänge” (Monotonie).

Keine Zeit für Pausen

Der hohe Arbeitsdruck äußert sich zum Beispiel daran, dass keine Zeit mehr für Pausen bleibt. Laut dem Stressreport:

Festzuhalten bleibt zudem, dass ein Viertel der Befragten Pausen ausfallen lässt und dies in mehr als einem Drittel der Fälle damit begründet, zu viel Arbeit zu haben. Dabei geben ca. ein Fünftel an, mengenmäßig überfordert zu sein, und fast die Hälfte, dass Pausen nicht in den Arbeitsablauf passen. … Zugleich haben die im Zusammenhang mit der Arbeit häufig auftretenden gesundheitlichen Beschwerden überwiegend zugenommen. Und je mehr Beschwerden angegeben werden, desto höher fallen dabei auch die mit Arbeitsintensität assoziierten Anforderungswerte z.B. für ‘starken Termin- und Leistungsdruck’ oder Multitasking aus. … Darüber hinaus wird auch mit steigenden Beschwerden ein Mehr an Stresszunahme und an fachlicher sowie mengenmäßiger Überforderung berichtet. (Stressreport Deutschland 2012, S. 164)

Hohe psychische Anforderungen stehen also in einem messbaren Zusammenhang sowohl mit gesundheitsgefährdendem Verhalten wie dem Ausfallenlassen von – oftmals gerade zum Gesundheitsschutz gesetzlich vorgeschriebenen – Pausen als auch mit dem Erleben von Überforderung. Es wäre eine plausible Erklärung, dass der nachweisliche Anstieg von Diagnosen psychischer Störungen und der Arbeitsunfähigkeit mit solchen ungesunden Arbeitsbedingungen einhergeht; und es ist wieder so auffällig wie enttäuschend, dass epidemiologische Studien diese Trends nicht widerspiegeln.

Frauengesundheit und Frauenpolitik

Noch ein Gedanke am Rande: Wenn man über psychische Störungen spricht, dann geht es implizit immer auch um Geschlechterverhältnisse. Frauen haben nämlich allgemein sehr viel häufiger psychische Probleme als Männer: Die insgesamt sehr häufigen Depressionen, Angst- und Stressstörungen werden bei ihnen sogar zwei- bis dreimal so häufig diagnostiziert.

So entfallen auch Arbeitsunfähigkeitstage wegen aller psychischen Störungen insgesamt laut DAK Gesundheitsreport 2016 auf sie 1,7-mal so häufig wie auf Männer. Der Unterschied auf diesem Gebiet ist sogar mehr als fünfmal so groß wie bei den Schwangerschaften!

Frauen und Männer sind anders krank. Das war das Schwerpunktthema des DAK Gesundheitsreports von 2016. Die Grafik zeigt den Unterschied zwischen den Geschlechtern bei den Krankheitstagen. Frauen fehlen deutlich häufiger wegen psychischer Störungen am Arbeitsplatz als Männer. Dieser Unterschied ist auch viel größer als der bei allen anderen Kategorien. Bei Männern sind Verletzungen deutlich häufiger Gründe für Arbeitsunfähigkeit als bei Frauen. Quelle: DAK Gesundheitsreport 2016

Daraus könnte man auf die Vermutung kommen, dass die Gesellschaft Frauen die härtere Kante zeigt als Männern. In bestimmten Situationen ist das sicher auch so, wenn man etwa an alleinerziehende Eltern denkt, die zwischen Kindeserziehung und Arbeit zerrieben werden. Das sind mehrheitlich Frauen und bekannterweise eine der größten Risikogruppen für psychische Störungen.

Arbeitsmarkt- statt Frauenpolitik

Man sollte aber auch bedenken, dass wir inzwischen schon Jahrzehnte der Frauenförderung und Gleichstellungspolitik hinter uns haben. Dann sollte man doch – “Uns geht es so gut wie nie” – meinen, dass es den Frauen im Schnitt psychisch besser gehen müsste als vor zehn, zwanzig oder dreißig Jahren. Das Gegenteil ist aber der Fall: Es scheint Frauen psychologisch immer schlechter zu gehen, je mehr Gleichstellungspolitik wir haben.

Der bereits erwähnte Stressreport fügt auch zu dieser Frage eine interessante Ergänzung zu. Demnach sind es nämlich vor allem die Frauen in Führungspositionen, also Frauen, die den Idealen der Gleichstellungspolitik folgen, die unter Überforderung und Stress im Zusammenhang mit der Arbeit leiden: “Am meisten geben vollzeitbeschäftigte Frauen – insbesondere diejenigen mit Führungsverantwortung – Pausenausfall, Stresszunahme und Überforderung an” (S. 166).

Ich vertrat vor Jahren schon einmal die These, dass das, was uns heute als Frauenpolitik verkauft wird, vielmehr eine verdeckte Arbeitsmarktpolitik ist (Wem nutzt die Frauenquote?). Warum machen wir die Güte der Politik eigentlich nicht an der psychischen Gesundheit der Bevölkerung fest, und insbesondere die Güte der Frauenpolitik an der psychischen Gesundheit von Frauen? Das Ergebnis für die Politiker wäre in jedem Fall: mangelhaft.

In eigener Sache

Es finden sich deutlich mehr Ungereimtheiten und Fehler in Dornes’ Buch. Es wäre aber nicht sehr lesenswert, diese hier noch weiter auszuführen. Da der Autor darin jedoch auf meinen Telepolis-Artikel aus dem Jahr 2015 reagiert (Kapitalismus und psychische Gesundheit), möchte ich kurz vor dem Schluss noch ein paar Punkte besprechen. So schreibt Dornes:

Schleim (2015) etwa meint, die Befunde zur Konstanz von Depression seien deshalb nicht aussagefähig, weil es verschiedene Arten von Depressionen gäbe. … Ich habe mich andernorts damit ausführlicher auseinandergesetzt … und stelle hier nur fest, dass es sich dabei um eine bloße Behauptung handelt. Schon das flüchtige Durchblättern der beiden führenden Diagnosemanuale (DSM und ICD) lässt den Einwand, hier würde der Vielfalt depressiver Erkrankungen nicht hinreichend Rechnung getragen, abwegig erscheinen. (Position 1067 im eBook)

Dem Autor fällt leider nicht auf, dass er meinen Kritikpunkt sogar noch untermauert, anstatt ihn zu entkräften. Mein Standpunkt war, dass man die Zahlen der epidemiologischen Studien nicht verabsolutieren darf, da sich die Definitionen psychischer Störungen im Laufe der Zeit verändern. Dornes selbst verweist in seinem Buch mehrmals darauf, dass für die Diagnose von Depressionen das Vorliegen bestimmter Symptome mal für zwei Wochen, mal für ein Jahr erfordert wurde.

Vergleich der Jahrzehnte

Ich behaupte, dass dann die beiden Phänomene, die man untersucht, nicht dasselbe sind. Es ist gefährlich, diese beide schlicht als “Depressionen” zu bezeichnen und so die Bedeutungsunterschiede zu verwischen. Wenn ich mal das Atom mit 26 Protonen, mal das mit 27 Protonen im Kern untersuche, dann bleiben das zwei unterschiedliche Gegenstände, selbst wenn ich beide “Eisen” nenne.

Mir geht es schlicht darum, dass man diese Bedeutungsunterschiede berücksichtigen muss, wenn man epidemiologische Daten über die Jahrzehnte hinweg miteinander vergleicht. Darauf ist Dornes angewiesen, wenn er zeigen will, dass der Kapitalismus nicht depressiv macht. “Depressionen” bedeutete in den 1950er Jahren nun einmal etwas anderes als heutzutage.

Das Problem versuche ich hier zu vermeiden, indem ich mich vor allem auf die Zahlen der letzten zehn bis zwanzig Jahre konzentriere. Außerdem geht es mir weniger um spezifische Störungsbilder, als um psychische Störungen insgesamt und die damit einhergehenden Krankheits- und Krankenhaustage.

Subjektive Komponente

Dornes kritisiert meinen Artikel danach wie folgt:

Schleim geht indes noch weiter und möchte psychische Diagnosen völlig subjektivieren nach dem Motto: Depressiv ist, wer die Diagnose Depression erhält. Die Begründung für dieses Verfahren lautet, dass nur so die subjektive Leidensdimension der Depression erfasst werde. Wieso das? … Wie sollte ein Hausarzt in den paar Minuten Gespräch, die ihm pro Patient zur Verfügung stehen, eine bessere Diagnose stellen als ein epidemiologisch arbeitender Psychiater oder Psychologe, der ein einstündiges Gespräch mit dem Probanden führt? (Position 1077 im eBook)

Wie ich bereits schon vorher aufzeigte, verdreht Dornes die Bedeutung des individuellen diagnostischen Gesprächs und der massenweisen epidemiologischen Befragung. Erstens ist es gar nicht verkehrt, psychische Probleme mit dem Hausarzt zu besprechen: Dieser kann nämlich überprüfen, ob beispielsweise Stimmungsschwankungen eine organische Ursache haben, etwa eine Schilddrüsenfehlfunktion. Ein guter Psychotherapeut wird in einem Aufnahmegespräch wahrscheinlich fragen, ob die körperliche Gesundheit bereits untersucht wurde.

Hausärzte oder Epidemiologen?

Zweitens steht der Hausarzt vielleicht unter Zeitdruck – er kennt den Patienten aber in der Regel schon länger, vielleicht sogar schon seit Jahrzehnten. Das sind wichtige Zusatzinformationen, die im standardisierten epidemiologischen Interview fehlen. Außerdem sollte Dornes sich dieses nicht zu rosig vorstellen. Hier von einem einstündigen “Gespräch” zu reden, ist schon recht euphemistisch.

Bei den Verfahren der führenden Epidemiologen werden schlicht der Reihe nach Fragen vorgelesen, auf die mit standardisierten Antworten wie “ja”, “nein”, “weiß ich nicht” oder Zahlen wie “fünfmal innerhalb des letzten Monats” geantwortet wird. Der “epidemiologisch arbeitende Psychiater oder Psychologe” ist in der Regel der Studienleiter und hat gar keine Zeit, die hunderte bis tausende Befragungen selbst durchzuführen. Er schickt darum seine Hilfskräfte.

Fachliche Qualifikation

Die erwerben beispielsweise bei dem verbreiteten und auch von der WHO eingesetzten Verfahren des erwähnten Harvard-Professors Ronald Kessler ihre Kompetenzen erst in einem vierzigstündigen, computergestützten Selbsttraining. Danach nehmen sie an einem drei- bis fünftägigen Kurs teil.

Dornes’ Behauptung, diese Hilfskräfte würde dann die Diagnose stellen, ist irreführend. Es ist der Algorithmus der Experten wie Kessler oder Wittchen, der mit den Interviewdaten gefüttert wird, und die Befragten dann in verschiedene Kategorien einordnet. Diagnosen im eigentlichen Sinne stellt allein ein Arzt oder Psychotherapeut; dafür ist er auch jahrelang theoretisch wie praktisch ausgebildet.

Beispiel aus Deutschland

Die von Dornes hochgelobte Untersuchung “Psychische Störungen in der Allgemeinbevölkerung” von Frank Jacobi, Hans-Ulrich Wittchen und Kollegen, die im Jahr 2014 erschien und in die offizielle “Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland” einfloss, verwendet eine Variante von Kesslers WHO-Fragebogen.

In der Publikation heißt es, die Interviews seien durch “klinisch geschulte Interviewer geführt” (S. 78) worden, zum Teil auch nur telefonisch. Das kann natürlich viel bedeuten. Die Professoren Jacobi und Wittchen werden aber wohl nur wenige der über 7000 Befragten selbst besucht haben, wenn überhaupt.

Martin Dornes erweckt jedenfalls mit seinen Behauptungen nicht gerade den Eindruck, die Methodologie der von ihm verabsolutierten epidemiologischen Studien gut durchdrungen zu haben. Wie bereits aufgezeigt, fällt mit der Belastbarkeit dieser Befunde auch sein Argument in sich zusammen wie ein Kartenhaus.

Steigender Medikamentenkonsum

Der Autor diskutiert auch die drastisch angestiegenen Verschreibungszahlen etwa von Antidepressiva oder Psychostimulanzien wie Amphetamin und Methylphenidat, die häufig bei Aufmerksamkeitsstörungen verschrieben werden. “Die Wirksamkeit bei mittelschweren und schweren Depressionen steht” für Dornes dabei “außer Frage” (Position 1099 im eBook). Da hat er aber die kritische Literatur der letzten 15 Jahre nicht zur Kenntnis genommen (“Größtenteils nutzlos und potenziell schädlich”).

Dass Antidepressiva gar nicht spezifisch antidepressiv wirken, sieht man schon daran, dass diese Mittel auch häufig bei Angst-, Ess- oder Zwangsstörungen verschrieben werden. Trotz größter Bemühungen kommt der psychiatrische Mainstream nur mit durch finanzielle Verstrickungen verzerrten Studien auf einen mäßig statistisch signifikanten Effekt bei der Behandlung von Depressionen, der unterhalb der klinischen Relevanz liegt. Auch wenn die Mittel im Einzelfall helfen können, dürften sie für die meisten Patienten Placebo-Pillen sein (“Bei rund 90% wirken Antidepressiva nicht besser als Placebo”).

Durchhaltepillen

Und wenn wir schon bei Gesellschaftskritik und Depressionen sind, dann sollte man sich vor Augen führen, wie standardisierte Tests für die Wirksamkeit von Antidepressiva funktionieren: Im Tierversuch werden gerne der Forced-Swimming- oder der Tail-Suspension-Test verwendet. Beim ersten misst ein Computer, wie lange eine Maus schwimmt, wenn man sie in einen Behälter wirft, aus dem sie nicht herauskommt; beim zweiten wird sie schlicht am Schwanz aufgehängt und gemessen, wie lange sie zappelt.

Was für eine Metapher wäre das, wenn man das auf den Menschen der heutigen Zeit überträgt! Antidepressiva ermöglichten es ihm dann, in einer aussichtslosen Lage länger durchzuhalten. In einer Konkurrenzsituation, in der man etwa wegen einer schlechten Ausgangslage wie einer unvorteilhaften Geburt oder dem falschen Äußeren von vorneherein benachteiligt ist, könnten solche Mittel durchaus helfen.

Jedenfalls gilt das dann, wenn man “Hilfe” hier rein utilitaristisch versteht. Denn wie der Reichtumsforscher Rainer Zitelmann hier schon einmal im Interview formulierte, hat im Wettkampf schon verloren, wer aufgibt (“Für mich ist ‘neoliberal’ ein Ehrentitel”).

Beispiel Psychostimulanzien

Dass auch Psychostimulanzien unter Leistungsdruck helfen können, hat sich seit fast 100 Jahren herumgesprochen. Wie zurzeit Studierende in den USA die stressigen College-Jahre damit bewältigen wollen oder Leistungssportler mit einer ADHS-Diagnose das Doping-Verbot für Amphetamin (“Speed”) umgehen, ist in der Netflix-Dokumentation “Take Your Pills” gut dargestellt.

In den USA ist die Produktion der Psychostimulanzien in den jüngsten Jahren nach jahrzehntelangem Anstieg erstmals zurückgegangen. Wer will, kann darin einen Zusammenhang mit der Finanzkrise sehen. In jedem Fall ist hinreichend belegt, wie Psychopharmaka in verschiedenen Zeiten bestimmte psychosoziale Bedürfnisse befriedigen.

Der unstrittige Befund, dass man etwa in den USA in den frühen 1990ern noch mit jährlich 140 Tonnen(!) weniger Amphetamin und Methylphenidat (“Ritalin”) auskam als etwa 2014, ist eine Anomalie, die man erst einmal erklären muss. Der Hinweis auf epidemiologische Studien, die keine Veränderung feststellen, macht diese nur unglaubwürdiger. Beim Anstieg der Antidepressiva handelt es sich um ein ähnliches Muster.

Die Produktionszahlen der Psychostimulanzien Amphetamin (rot) und Methylphenidat (“Ritalin”, blau) zeigen in den USA bis ins Jahr 2014 einen drastischen Anstieg. Dort werden mehr dieser Mittel verbraucht als im ganzen Rest der Welt zusammen. In den jüngsten Jahren fiel die Produktion aber auch wieder stark. Quelle: Zahlen der US-Regierung

Schlussfolgerung

Die von Martin Dornes formuliert Frage, ob der Kapitalismus Menschen psychisch krank beziehungsweise depressiv macht, ist viel zu vage formuliert. Wie will man Kapitalismus überhaupt messen? Aus jahrzehntelanger wissenschaftlicher Forschung ist aber gut belegt, dass persönliche Erfahrungen und schwere Lebensereignisse die psychische Gesundheit beeinflussen. Dazu kommt ein kleiner Beitrag der genetischen Anfälligkeit.

Korrekt ist aber auch, dass es immer gesellschaftliche Änderungen gab – und immer auch Widerstand dagegen. Dennoch ist es erst einmal eine ernst zu nehmende Hypothese, dass Entwicklungen wie der globale Wettbewerb, die Deregulierung von Märkten einschließlich des Arbeitsmarkts, steigende Mietpreise und Gentrifizierung, die Digitalisierung des Lebens, schwere Krisen, die sich verschlechternde Sicherheitslage und der internationale Terrorismus die Menschen nicht kalt lassen. Wenn wissenschaftliche Studien keinen Effekt dieser Entwicklungen auf die Psyche feststellen können, dann stellt das deren Gültigkeit in Frage.

Wer nicht nur behauptet, dass es den Menschen gut, sondern sogar besser den je geht, der muss dafür jedenfalls gute Belege anführen; und auch erst einmal erklären, warum die deutsche Bevölkerung, insbesondere ihr arbeitender Teil, kränker denn je ist. Die Menschen scheinen mit den Füßen abzustimmen – und dabei von Ärzten, Psychotherapeuten, Fachgutachtern und im Krankenhaus Recht zu bekommen. Ich habe auch keine endgültige Erklärung für alles, aber in diesem Artikel einige wesentliche Aspekte der Diskussion über psychische Gesundheit und Gesellschaftskritik erörtert:

  • Die Anzahl psychiatrisch-psychologischer Diagnosen nimmt seit Jahren kontinuierlich zu.
  • Epidemiologische Untersuchungen versuchen, die individuelle diagnostische Situation zwischen Patient und Arzt oder Psychotherapeut so gut wie möglich abzubilden, können sich ihr aber nur annähern.
  • Insbesondere verraten die so und ausschließlich aufgrund der Erinnerungen der Befragten erhobenen Störungsbilder wenig über das tatsächliche Behandlungsbedürfnis. Darum sind die epidemiologischen Erhebungen gesellschaftspolitisch von geringem Wert.
  • Demgegenüber stimmen die Betroffenen, die wegen psychischer Probleme Hilfe suchen, mit den Füßen ab. Dies zeigt sich nicht nur in den Diagnosedaten, sondern auch in den Arbeitsunfähigkeitszahlen.
  • Auch die steigenden Daten aus den Krankenhäusern und der Frühberentungen unterstützen den Befund, dass die Zunahme nicht nur an immer mehr leichten Fällen liegt, die psychologisch-psychiatrische Diagnosen bekommen. Hier geht es um ernstzunehmendes Leid.
  • Studien zur Arbeitswelt legen den Verdacht nahe, dass steigende psychische Anforderungen zu größeren Belastungen führen. Konkrete Faktoren sind das zunehmende Multitasking, steigender Termin- und Leistungsdruck, Unterbrechungen bei der Arbeit und Monotonie.
  • Schon heute ist es so, dass ein erheblicher Teil der arbeitenden Bevölkerung wegen der hohen Anforderungen Pausen überspringt.

Hinweis: Dieser Beitrag erscheint parallel auf Telepolis – Magazin für Netzkultur.

Aus aktuellem Anlass: Seit einigen Wochen stören einige Vandalen die freie Diskussion hier bei MENSCHEN-BILDER. Bitte äußern Sie sich nur zum Thema, reagieren Sie nicht auf diese Personen und berücksichtigen Sie die Diskussionsregeln im folgenden Absatz:

Veröffentlicht von

www.schleim.info

Stephan Schleim ist studierter Philosoph, Psychologe und promovierter Kognitionswissenschaftler. Seit 2009 ist er an der Universität Groningen in den Niederlanden, zurzeit als Assoziierter Professor für Theorie und Geschichte der Psychologie. Der Autor schreibt auch für zahlreiche andere Medien. Die Diskussionen hier sind frei und werden nicht moderiert. Gehen Sie respektvoll miteinander um, orientieren Sie sich am Thema der Blogbeiträge und vermeiden Sie Wiederholungen. Beim Gedankenaustausch darf es auch mal heiß hergehen, jedoch nicht beleidigend werden, vor allem nie unter die Gürtellinie gehen.

39 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. “Psychostimulanzien in den USA”
    Eine fast umwerfende Statistik, die sich quasi exakt deckt mit dem Durchmarsch des neoliberalen Kapitalismus in den 90ern, und seinen späteren Eskalationsstufen.
    Und das nicht nur im “kapitalistischen” Bereich, zeitgleich gab es ähnliche Eskalationen im Bereich des US-Strafvollzugs und, wenn man will, auch in der amerikanischen Filmkultur, wo partieller Irrsinn im gleichen Maß anstieg und auf das heutige Niveau eskalierte.
    Im Umkehrschluß könnte man sagen, daß sich aus der jüngsten Entwicklung ableiten läßt, daß es besonders in den USA eine stark zunehmende Distanzierung vom ausufernden Kapitalismus geben könnte, was sich auch mit gelegentlichen Medienberichten deckt, aus denen man so etwas erahnen kann (mehr jedoch bislang nicht).

  2. Stress gibt es heute nicht nur bei der Arbeit sondern zunehmend auch im Privatleben (Beziehungsprobleme und Scheidungen nehmen zu, Kombination von Arbeit, Haushaltsführung und Kinderbetreung von der vor allem Frauen betroffen sind, Stress durch soziale Medien, die immer nach Antwort und Profilierung verlangen).
    Um es modern auszudrücken: die Work-Life Balance ist heute bei sehr viel mehr Leuten gestört als vor 20 Jahren. Und das nicht etwa weil heute mehr gearbeitet wird, sondern weil die Fähigkeit verloren gegangen ist, in der Freizeit zu entspannen und einfach die Seele baumeln zu lassen. Wer aber überhaupt keine echte Freizeit mehr hat, also keine freie Zeit, der ist entweder Manager/Managerin oder er ist/wird krank oder es trifft sogar beides zu.

  3. Zunehmender Stress im Privatleben ist auch das Thema von Juli Zehs Roman Neujahr, der in der Süddeutschen unter dem Titel Ist Gleichberechtigung nicht wahnsinnig anstrengend? rezensiert wird (Zitat): Der Roman zeigt der emanzipierten Gesellschaft, was sie lieber nicht sehen möchte: dass auch die, die an der Spitze der Emanzipation stehen, sich damit selbst überfordern können, wenn sie versuchen, mehrere Leben gleichzeitig zu leben. Die Identitätskrise, ausgelöst durch den Verlust alter Gewissheiten, bekommt Juli Zeh literarisch zu fassen, indem sie Henning in ein erzählerisches Konstrukt hineinsetzt wie einen Hamster ins Rad.

  4. Für mich ist immer wieder interessant, was für einen Stellenwert die ESOTERIK hier in diesem Land einnimmt(Über 20 Milliarden EUR Umsatz/Buchhandel 9 Mill.).Diese Flucht der Menschen in diese spirituelle Szene zeigt meiner Ansicht nach ein großes Defizit in dieser Gesellschaft: Materielle Werte können letztlich kein Kriterium für die Definition von LEBENSQUALITÄT sein. Wahrscheinlich “hungern” diese Menschen nach Erfüllung einfacher zwischenmenschlicher Werte die die Kälte einer solchen Hochleistungs- und Ellenbogengesellschaft außen vor läßt. Esoteriker haben dieses Defizit dieser Gesellschaft erkannt und bieten sich als “Seelenheiliger” mit ErsatzReligionen erfolgreich an.Wer Lebensqualität , so wie es in dieser Gesellschaft praktiziert wird, über den Besitz materieller Werte interpretiert, vergißt, dass der Mensch auch andere “seelische” Werte benötigt. Ansonsten führt es in Konsquenz zu einmer weiteren Verrohung der Gesellschaft bzw. zu psychischen Erkrankungen.

  5. “… schwere Lebensereignisse die psychische Gesundheit beeinflussen …”

    Der Kapitalismus ist ein schweres Lebensereignis für die Mehrheit: Minijob, Mindestlohn (um den man betrogen wird), Überstunden (die der Ausbeuter nicht bezahlt), Hartz IV (wenn das Kapital einen nicht mehr verwerten kann), …, akademisches Prekariat (hangelt sich durch befriste Arbeitsverträge), …

    “Wie will man Kapitalismus überhaupt messen?”

    Am Grad der inhumanen Ausbeutung:

    0 % -> humanes Wirtschaftssystem, kein Kapitalismus, keine Ausbeutung

    100 % Kapitalismus

  6. @Golzower: Alternativen

    Nunja, ich kann es den Menschen, die sich in unserer Gesellschaft für Esoterik oder Spiritualität interessieren, nicht verübeln. Was sollten den alternative, vor allem: sinnvollere Lebensziele sein?

    Man kann Karriere in der Wirtschaft, im Beamtentum, in der Wissenschaft machen… und dann? Geht man irgendwann in den Ruhestand, wenn alles gut läuft, und ersetzen einen andere.

    Man kann sich für Menschenrechte einsetzen oder für Umweltschutz und sieht, dass im Interesse der Ökonomie Menschen trotzdem ausgebeutet werden und die Natur zerstört wird. Es ist meiner Meinung nach schwierig, die Welt zu verbessern; vielleicht kann man aber dafür sorgen, dass sie etwas weniger schlimm wird.

    Ein Zwischenschritt wäre für mich, dass man mit Philosophie (im weiteren Sinne) und Selbstreflexion mehr über sich selbst und seine Umgebung herausfindet und dann bewusster lebt, weil man vielleicht auf höhere Ziele gekommen ist, um die es einem geht.

    Diese Suche und ihr Ergebnis sind meiner Meinung nach aber ein sehr persönlicher Prozess.

  7. “Menschen gehen eben zum Arzt oder Psychotherapeuten, weil sie ein psychisches Hilfsbedürfnis haben.”

    Falsch, denn das muss lauten: …, weil sie ein systembedingtes Hilfsbedürfnis haben.

    Dann kommen sie, durch einen systembedingt kranken Therapeuten, in ein anderes Netz materialistischer “Absicherung”.

  8. Womöglich hat auch schlicht die Resilienz der Bevölkerung in aufklärerischen Staaten abgenommen, der geht es womöglich (relativ, historisch gesehen – in anderen (auch europäischen) Ländern ist dies anders) zu gut, so dass sie weinerlich wird und allerlei Leidempfinden entwickelt wie ausbaut, zu einer “Störung” gar.

    Aufklärerische Gesellschaftssysteme sind ja auch grausam, so grausam, dass sie am besten nicht aufklärerisch, sondern “westlich” oder im Marxistischen Sinne “kapitalistisch” zu nennen sind, aus Sicht einiger.
    Vgl. mit dem Zitat ‘die These, dass Kapitalismus zu keiner Zunahme von Depressionen führe […]’ aus dem dankenswerterweise bereit gestellten Artikeltext.

    MFG + schöne KW 41 noch!
    Dr. Webbaer (eher Sanguiniker, als Schmerzpatient, der sich an (nicht allzu starken) Schmerz gewöhnen konnte, auch hart im Nehmen, insgesamt also noch old-school, sozusagen)

  9. Bonuskommentar hierzu :

    Wer nicht nur behauptet, dass es den Menschen gut, sondern sogar besser den je geht, der muss dafür jedenfalls gute Belege anführen; und auch erst einmal erklären, warum die deutsche Bevölkerung, insbesondere ihr arbeitender Teil, kränker denn je ist.

    Es könnte so sein, dass unzureichend fertile Gesellschaften sozusagen allgemein Depressionen entwickeln, die dann auch Arztbesuche einschließen, sozusagen mit den Füßen abstimmen, wenn es mit den Fortpflanzungsorganen nur für den Bestand unzureichend gelangt hat, so dass immerhin die Füße noch funktionieren, sozusagen.

    Die Menschen werden, auch in der BRD, deutlich älter als noch vor wenigen Jahrzehnten, eine Zeit, die Dr. Webbaer noch kennengelernt hat und in der hart gearbeitet habende Menschen oft früh verstarben.
    Nun währt auch die beschwerdefreie Zeit länger, vielleicht ist Krankheit und so, vgl. mit Krankheiten oder “Krankheiten”, die es früher nicht gab, jedenfalls nicht medizinisch bearbeitet worden sind, nun auch eine Art Hobby.
    Manchmal hat Dr. Webbaer, zu Zeiten des gnadenlosen “Kapitalismus” sozusagen, diesen Eindruck.
    Glücklicher sind die Menschen, insbesondere die der BRD in den letzten 50 Jahren, wohl nicht geworden.

  10. @Webbär: Das ist natürlich ein (Weg-)Erklärungsversucht, dass die Menschen heute nur eher jammern – aber bei psychischen Störungen geht es eben nicht nur ums Jammern, sondern um wesentliche funktionale Einschränkungen (siehe Teil 1) und hier insbesondere auch noch um ärztlich attestierte Arbeitsunfähigkeit.

  11. Es stand ja weiter oben (‘ vgl. mit Krankheiten oder “Krankheiten”, die es früher nicht gab, jedenfalls nicht medizinisch bearbeitet worden sind’), dass die hier von uns gemeinte Art von Leid wohl auch unerkannt früher gegeben war, nur nicht als krankhaft (oder als Störung oder “Störung”) erkannt und behandelt worden ist: aus diesseitiger Sicht macht es oft Sinn bestimmtem Leid gesellschaftlich keine besondere, gar medizinische Beachtung zu schenken, auch die Leidenden dürfen es mit Duldsamkeit und Anpassung versuchen.

    Bspw. sind ADHS und der Burnout-Komplex sozusagen, aus toleranter Sicht, übliche Leidensformen, sofern der Betroffene überhaupt leidet, “Wally” von “Dilbert” (von Scott Adams) leidet jedenfalls für die Öffentlichkeit unerkannt.

    Es ist möglich sich auf individuelles, auch auf eigenes Leid, zu konzentrieren, was aber dem Leid keine Abfuhr tun muss, sondern es verstärken, auch institutionalisieren kann.
    Es geht da schon um das gute alte Jammern und Jaulen.

    Was glauben Sie, werter Herr Dr. Schleim, was mittelalterliches Personal so ausgehalten hat, amerikanische “Indianer” haben daraus gar eine Stärke bezogen, so wird gesagt, wie geschrieben.
    Leid ist vor allem individuell überwindbar, wird es herausgetragen, wird es womöglich nicht mehr überwindbar.

    Dr. W bezog sich weiter oben nicht auf das Befinden stark einwirkende Krankheit oder Störung, sondern auf tolerierbare, die auch lange Zeit, vgl. bspw. mit PTBS, schlicht persönliche Sache war.

    MFG
    Dr. Webbaer (der mal davon ausgeht, dass Sie, Herr Dr. Schleim, aufklärerische Gesellschaftssysteme zuvörderst als aufklärerisch oder als liberale Demokratien verstehen, nicht etwa als “Leidkäfig” im “Kapitalismus” – ansonsten gerne einen Wink geben!)

  12. Resilienz – Krank, im zunehmenden Maße der spalterisch-reformistischen Bewusstseinsbetäubung, ist Mensch schon seit der “Vertreibung aus dem Paradies”.
    Wohlstands- und Gewohnheitsmensch ist genau in diesem Maße dabei sich anzupassen 🙂 Das dies offensichtlich besonders die konfusionellen Ränkespiele steigert, tja, das muss wohl so sein 🙂 ?

  13. Also, diese ganze Diskussion auf der Ebene ist anmaßend, weil sie nicht wirklich an den Kern des Problems herangeht.

    In meinem Falle ist sicher, das ich damals, vor der ersten Diagnose, mit irgendeiner Substanz vergiftet wurde, weil ich deviant und subtil desintegriert war.

    Ich bin (war) also ein politisch verfolgter, dem die Verfolgung als als Ausdruck der psychischen Störung vorgemacht wird. Dabei war der Auslöser der jetzigen Störung eben das Nervengift, wie es seit etwa 1850, seitdem man erstmals Nervengifte synthetisch herstellen kann, die übliche Strategie ist.

    Dieser Tatbestand, der konsequent geleugnet und unbeachtet bleibt, ist die Ursache der üblichen Störungsbilder, die man deswegen so treffend beschreiben kann, weil aufgrund der Vergiftung mit entsprechenden Substanzen eben genau solche Symptomatiken entstehen.

    Die Dramatik, die es gegenwärtig zu geben scheint, aufgrund derer – weil man wusste, dass sie sich entwickeln wird, die Gesundheitsreform getätigt wurde – die Diagnosen der psychischen Störungen ansteigt, geht zu einem wesendlichen Teil vom Tschernobyl-Fallout aus, der als neurologisch manipulierender Faktor gewisse “Störungen” …Veränderungen der Gehirnfunktion, und in der Folge eben auch in den Bewusstseinen, auslösst.

    Solche neurologisch wirksamen Einflüsse, wie atomarer Fallout nach einen SuperGAU, oder in Metallsalzen, sind der Schlüssel zu dem, was die Leute meinen, wenn sie von “Gott” sprechen. Oder in anderen Worten (Kanoniker George Ripley): “Der Stein des Weisen” als eine Substanz, die ehemals aus Erzgestein gewonnen und in Säuren gelösst, zu einer Art “Neuroenhancemend” wurde, bei George Ripley aber als eine “Rezeptur” vorgestellt wird, die sich sehr wahrscheinlich auf Blei(II)azetat bezieht – ein Metallsalz, in dem eben einzelne Bleiatome/ionen im Salzkristallgitter eingeschlossen sind.

    Die Auswirkungen in den Statistiken sind also Folgen eines ständigen, und im heutigen Fall vor allem wegen dem Tschernobyl-Fallout, “Gotteskrieges”, in welchem unsere Gehirne zum Weichziel werden, was aber nie und nirgends erwähnt wird.

    Oder auch: Man will individuel desintegrierte Menschen mit der gesteigerten Sensibilität (durch diese neuronal wirksamen Substanzen) dazu bringen, sich aktiv um Hilfe, und also an die Gesellschaft zu wenden. Mehr emphatische Signale, mehr Mitgefühl, mehr “Gefühl” im globalen Maßstab, wenn das Gehirn derart manipuliert wird (etwa Transmitterhaushalt übersättigt, sodass ständig signalisierungen stattfinden können, obwohl das vorher in den selben Situationen nicht so aufdringlich gefühlt werden konnte, da ja die vorherige Transmittersättigung viel geringer war).

    Die extra dafür eingerichtete psychiatrische Institution ist also ein politisches Ersatzwerkzeug und System, um dem Einzelnen, der als desintegriert angesehen wird, in die Abhängigkeit zu zwingen, sodass die person also immer in einer Kontrollsituation eingebunden ist.
    Die Konditionierungen sind dabei auf der ebene des Behaviorismus, wenn man durch die neuronale Manipulation die Gefühlsebene verstärkt sensibilisiert.

    Wer mit diesem Psychiatrisystem in kontakt kommt (als Patient) der kommt schnell darauf, das es der Institution vor allem darauf ankommt, Medikamentiert zu werden und auch, das man in jedem Fall in aller Regelmäßigkeit bei einem Arzt vorspricht.

    Das erfüllt faktisch ein klassisches kontrollsystem, das sich allerdings nur im Anschein nach auf der medizinischen Ebene begründet.

    Leider ist es so, das, wer sich selbst dann nicht, wenn er einmal “sensibilisiert” wurde und sich noch immer nicht dem “System” anvertraut, dann im wahrscheinlichen Zweifel erneut solange weiter vergiftet wird, bisdessen gehirn dann endgültig an der Grenze des Verkraftbaren gelangt, sodass ab dann nun eben nicht meh rnur eine psychische erkrankung / Störung vorliegt, sondern, weil es durchaus Folgen hat, mit regelmässiger Überdosis von solchen Giften für das Gehirn, inzwischen ein neurologischer Schaden dabei auftritt.

    Das erkennt man etwa daran, das einem aus dem Anus eine milchig bis transparente Flüssigkeit rausläuft. Was erste Anzeichen einer neurodegenerativen Erkrankung sind, die sich nach Jahren dann irgendwann auch deutlich in den Symptomen zeigt.

    Wir leben also alles andere, als in einer freien Welt, wenn wir aufgrund einer besonderen “Desintegriertheit” (oder anderen Faktoren) eben neuronal manipuliert werden. Und uns das als schicksalshafte Krankheit, womöglich, wenn man sonst nichts findet, läge es ja dann eben an der Genetik.

    Und an der Stelle, wo man letzten endes die Genetik verantwortlich macht, steht dann einmal mehr wieder der Rassismus als Faktor der politischen Wirkung auf die Bevölkerung m Zentrum dessen, was man ansonsten immer weit von sich weisst: Rassimus gibt es in der modernen, freiheitlichen, demokratischen Politik nicht!

    Wie anhand der Erklärungsmodelle der psychischen Störungen sieht man, dass dies eben leider nicht korrekt ist.

    Wir haben also mit den etablierten Gesundheitsstrukturen und Diagnosestrategien durchaus einen mindestens strukturellen Rassismus. Davon abgesehen, dass die eigentlichen psychischen Störungen faktisch durch Vergiftungen in die späteren Patienten kommen.

    Und sie, Herr Schleim, sie sind seit Jahren dabei, statistische Nörgeleien und die ewig selben Fragen in immer neuen Wortansammlungen neu durchzukauen. Und ich habe sie regelmäßig auf das Kernproblem hingewiesen.

    Mich drängt sich die Frage auf, wieso sie das machen, was sie machen?

    Womöglich sind sie dazu engagiert worden? Oder lassen sich für solchen Ablenkungs-Kontent missbrauchern?

  14. Bonuskommentar zu Arbeitssituation :
    Die Arbeitssituation hat sich in aufklärerischen Gesellschaften auf Grund der neu angefallener Technologien und auf Grund von Schutzregelungen in den letzten Jahrzehnten deutlich gebessert.
    Weil die Gesetzeslage aber mittlerweile Arbeitnehmern erlaubt, insbesondere, wenn sie sich benachteiligt fühlen, innerlich gekündigt haben, oder schlicht in eine pers. Übergangsphase gehen wollen, die Medizin zur Hilfe zu rufen, verschlechtert sich so scheinbar der gesamte Gesundheitszustand des Arbeitnehmertums, das sicherlich zu taktieren weiß. – Auch gegenüber dem Staat, wenn der benevolenter wird.
    In einer “Hire & Fire”-Arbeitskultur wäre dies nicht der Fall, auch wenn sog. Arbeitslosenversicherungen und andere Ausfallversicherungen nicht bereit stehen.
    Dr. Webbaer wäre insofern an Daten von Staaten mit noch schwacher “Sozialbindung” interessiert, ob die, ganz ähnlich, mit zunehmenden hier geschilderten Problemen der Arbeit nehmenden Bevölkerung zu kämpfen haben, im Gesundheitlichen.
    Vermutlich weniger, vermutlich im Proporz.
    PTSB wird bspw. heutzutage von ehemals gekämpft habenden Truppen oft sozusagen erwartet, eben auch mit Vergünstigungen ausgestattet.
    Hier sind auch viele Konservative schwach geworden und wurden gefühlig.
    Besser wird die Welt so nicht, wenn pers. (an sich : tolerables) Leid derart hervorgehoben bis honoriert wird. Die allgemeine Stimmungslage drückt’s auch.

  15. Oben sprach ich ja nur über akute Vergiftungen als Ursache von psychischen Störungen.

    Aber angesichts der guten Tradition, die seit der Erfindung von Nervengiften aufkam, die auf dem Feld wachsende Nahrung mit Pestiziden steril zu halten, muß man annehmen, dass mit diesen Feldfrüchten mit den Pestizidrückständen darin in den Bevölkerungen eine schleichende Vergiftung bewirkt wird, die vor jeder akuten Vergiftung schon dafür sorgt, dass das gehirninterne Stresslevel durch eine unnatürliche Neurotransmittersättigung ansteigt. Was bei dieser schleichenden vergiftung für den Einzelnen noch zu bewältigen ist, weil man durchaus mit etwas mehr Gehirnaktivität und Sensibilität umgehen und dies auch nutzen und im Alltag sich unbemerkt positiv darstellen kann, hat aber trotzdem eine populationsweite Wirkung zur Folge, die man kaum als wünschenswert einschätzen darf.

    Diese tatsache, wenn sie denn wirklich diese vermutete Wirkung hat, zeigt auf, dass wir ohne unsere zustimmung also strukturel schon einem zwangsweise Neuroenhancemend ausgesetzt sind, weil wir eben auf di eFeldfrüchte angewiesen sind.

    Ich gehe auch davon aus, dass eine spezielle Ausahl der Feldfrüchte anhand von Kategorien, wie “Bio” nicht um die manipulation herumkommen. Und dann käme ja noch im zweifel die akute, vorsätzliche vergiftung, die an uns vorgenommen wird, dazu – als “Maßnahme” gegen ein mangelndes Neuroenhancemend, was man auch als eine gesteigerte “Sensibilisierung” erkennen muß, da dies genau eine wesendlich eWirkung ist, wenn man mit solchen beervengiften kontaminiert wird.

    Mit solcher erhöhten Sensibilität ist man freilich auch “empfänglicher” für gewisse subtile Beeinflussungen, die man ansonsten so gar nicht wahrnehmen würde.

    Und sie als Forscher der “theoretischen Psychologie” sollten sich kaum rausreden können, da man auch wissen kann, wie sich solche manipulierten Transmitterhaushalte auf die Psyche auswirken würden.

    In diesem Zusammenhang (schleichende vergiftung durch Feldfrüchte) erwähne ich auch, wie das war mit dem ersten kommerziellen Anbau von diesem genmanipulierten Mais und dem Auftreten der Rinderpest (BSE) – beide Ereignisse traten ungefähr zugleich auf. Nämlich um 1998.
    BSE ist eine Erkrankung, die das Gehirn und das Nervensystem betrifft. Kein Verschwörungstheoretiker-Schelm, wenn einer annähme, beide Ereignisse stünden in einem unsäglichen, aber unmittelbaren Zusammenhang.

    mir ist vor Jahren einmal irgendwo zu Lesen vorgekommen, wie die Grenzwerte für Pestizid-Rückstände in Feldfrüchten seit Einführung des Mittels um den Faktor 10 erhöht worden sein sollen. Ich habe keinen Beleg dazu. Aber in die Systemstruktur der schleichenden vergiftung würde es gut reinpassen, Entweder man versuchte das maximalste an belastung rauszufinden, oder man hatte mit mehr Wirkung gerechnet und erhöhte deshalb die Grenzwerte, damit Wirkungen deutlich werden.

    Wie auch immer: Wenn das zutrifft, dann ist es kein Wunder, dass die psychischen Belastungen/Auswirkungen steigen und sich das in den Fallzahlen/der Statistik deutlich zeigt.

    Und damit sind eben nicht nur jene betroffen, die duch gewisse Umstände deutlicher Symptome zeigen, sondern eben alle und bei jedem tut sich das etwas anders auswirken. Was die stark erhöhte Verteilungsmenge an Psychopharmaka aufzeigt.

    Und noch was zur “Sensibilisierung” und mutmaßlichen Entstigmatisierung:

    Das ist auch ein Argument, das in die Falle lockt. Denn hier geht es ja nicht nur um jene, die von selbst meinen, die psychische belastung würde ihnen zuvbiel (un dwelche sich dann in Behandlung begeben) sondern es geht auch um jene, die von Angehörigen oder Freunden oder sonstigen Mitmenschen schneller als psychisch debil oder gestört erklärt werden, weil ihnen die Interaktion mit den Menshcen in irge nd einer Weise nicht gefällt. Etwa, dass sie sich eben nicht hinreichend “kooperativ” verhalten.
    Dabei spielt eben immer auch eine Roille, mit welchem Recht welcher Art kooperation abverlangt werden darf oder eben nicht. Aber solche Fragestellungen werden nie abgeklärt, sondern, weil die Diagnosekriterien durchaus breitbandig aufgestellt sind, kann jeder, wenn er nur ein wenig deviant auffällt, mit Leichtigkeit als psychisch Gestört diagnostiziert werden. Dazu reicht dann eben nur eine Denunziation bei den entsprechenden Stellen (Polizei, Amtsärzte, sonstige Stellen), und die Maschinerie der psychiatrischen Aburteilung beginnt und frisst sich unaufhaltbar Bahn.

    Und wie es so ist: Das System (also die Ärzte, Kliniken und sonstige institutionalisiertes Fachpersonal) steht schlicht in den Startlöchern, weil … ohne Diagnose kein Geld. Das abgesehen davon, dass die Menschen in solchen möglichkeiten leider auch ihre eigene Niedertracht und Rachsucht gerne verstecken. Da kommt es mir äußerst seltsam vor, wenn man überall mal davon lesen kann (typische berater-Literatur oder Medien-Fuore), wie man etwa “Psychophaten” erkennt.

    Wenn ein Mensch seine psychophatischen, soziophatischen Neigungen ungestraft an anderen Menschen ausleben will, dann tut er gut daran, Psychiater zu werden. Da kann er sich jeden Tag nach einer weiteren Diagnose eine Kerbe in seinen Leistungsbericht schlitzen, weil er mal wieder Eine/n mit einer Diagnose gebranntmarkt und gleichbedeuten (wegen der Stigmatisierung) unglaubwürdig gemacht hat. Dieses Gefühl, anderne Menschen wirklich nachhaltig zu schaden, ist unter Psychiatern wahrscheinlich wegen der Subtilität potenziel sehr hoch. Aber niemand zieht diese Menschen für ihre Niedertracht und psychophatische handlung zur Rechenschaft. Sie tun dies ja im Auftrag von Recht und System.

    Ich glaube, die Kröhnung eines Psychiater-Alltages ist die angeordnete Fixierung aufgrund scheinheilig erwarteter Gefahren für Patienten und Personal – noch subtiler: wegen Gefahr für den Patienten selbst – eben, weil die Zwangssituationen ja erst ausgelösst werden, weil das System erheblich stringent vorgeht und jede Diagnose schlicht nur in Medikation mündet. Inhaltliche Gesspräche finden nicht statt. Und wenn Psychologen eingebunden werden, dann nur, damit der Patient mal das Gefühl hat, frei reden zu können. Mehr ist damit nicht bezweckt. Alle Probleme, die individuel existieren können, sind für die Therapie vollkommen nebensächlich. Höchstens noch, ob im diagnostizierten Subjekt gewisse “Gefahren” schlummern, könnte man in solchen Therapie-Strategien noch herrausfinden wollen. Aber die allgemein vorliegenden Situation, in denen die potentiellen Patienten sich befinden (aufgrund neurologischer Extremsituationen wegen Vergiftungen) und die darauf folgende Zwangssituation, die auf sie in den psychiatrischen Institutionen auf sie zukommt, sind schon “störend” und belastend genug, um schnell festzustellen, wie “instabil” (im Sinne eines erwünschten Verhaltensspektrums) ein Subjekt gegenwärtig ist. Ich habe es ja selbst in den Kliniken gesehen, wie sich Menschen in solchen Ausnahmesituationen verhalten und wo ich selbst erkennen konnte, wie gespannt so mancher innerlich ist.

    Und das sich hier eine unsichtbar organisierte Struktur befindet, die genau auf solche Szenarien abgestimmt ist, habe ich selbst gemerkt, als ich einmal mit einer Frau bei mir Zuhause Probleme bekam. Diese Frau hat sich über zwei stunden geweigert meine Wohnung zu verlassen. Bis ich dann ausgerestet bin und sie schlug. Sie machte eine Anzeige bei der Polizei und ich bekam wenig später erwartete Post mit Nervengift darin enthalten.

  16. @ Dr. Webbaer
    8. Oktober 2018 @ 21:02

    Sie sind so manches Mal Fungrube für abrgundtiefes Gedankengut und faseln das dann in ihrer üblichen “Melodie” daher, das man meint, hier gäbe es nur das Normalste der Welt zu lesen.

    Aber interessant ihr Interesse für Daten aus “anderen Ländern” mit anderen Verhältnissen.

    Nun, ich redete oben ja über sogenannte “intrinsische Gewalt” zur Konditionierung desintegrierter und devianter Mitmenschen.
    Man kann sich nun leicht vorstellen, das solche Probleme in anderen Ländern mit anderer “Kultur” oder Tradition oder wie immer man das nennen wollte, eben solche Probleme mit mehr “extrinsisch” lastiger gewalt lösen oder umgangen werden – also gar nicht erst auftreten. Das meint hier nicht nur physische Gewaltanwendung, sondern kann auch bedeuten, dass es einen höheren Sozialisationsdruck gibt, der automatisch zu anderem individuellem verhalten führt.
    In diesem Sinne müsste man vielleicht in solchen Ländern eine signifikant höheren Anteil von nach hiesigen Maßstäben diagnostizierbaren “Despressionen” finden.

    Oder etwa kultivierte Depressionen, die sich dann “Melancholie” nennt. Russland ist ja für solcher Art “Stimmungskonstellation” bekannt.

    Leider kann ich das hier nur mit “sarkastischem” Zwischenton beschreiben.

    Man kann aber auch davon ausgehen, dass es in anderen ländern mit anderen Sitten eine andere “Freiheit” gibt, als bei uns offiziel präferiert oder unsichtbar und behavioristisch erzwungen…der Alltag ist.

    Mit Sicherheit geht es hiesig um Längen mehr “utilitaristische” zu. Wie ich oben schon beschrieb, sind die Ideale hier ja so gedeutet, das man alles an “Bildung” und an “Arbeit” bewertet und kategorisiert. Da fallen dann schon mal alle Hauptschüler von der “Wunschliste” und, wie ich ebenfalls oben beschrieb: werden subtil behavioristisch manipuliert, falls sie weiterhin deviant auffallen. Etwa indem sie was von Chancengleichheit faseln, die man ihnen, wenn sie denn das Problem an sich feststellen, aber ansonsten nichts von idealistischen Wert darstellen, eh nicht mehr zur Seite stellen braiucht, weil sie nicht mehr genutzt werden kann (was Hänschen nicht lernt, das lernt Hans nimmer mehr…höchstens eben mit Gehirnwäschen). Oder, leider der fast älteste Schuh: kindliche Traumata. Das ist insofern seltsam, weil jeder Lerneffekt ein Trauma ist. jedenfalls sind die Hirnfunktionen und Folgen rein neurologisch ähnlich während traumatischer Erlebnissen und in positiv freudiger Lernsituation. Beides basiert auf Emotionen, die azu dienen, dass das erlebte gut ins Bewusstsein integriert wird.

    kulturel aber unterscheiden wir fundamental zwischen den beiden sehr ähnlichen Prozessen und Zuständen im Gehirn. Und natürlich empfinden wir die Situationen völlig unterschiedlich.

    Wie wäre es denn vielleicht in traditionel strengen islamischen Gesellschaften?

    Ich würde vielleicht davon ausgehen, dass sich die Störungen dort ganz anders darstellen, und man die mit den hiesigen Diagnose-kriterien gar nicht so einfach “diagnostizieren” kann, weil dort eben eine fundamental andere Kultur herrscht. Ein fundamental unterschiedliches Kulturdetail ist: das ausgeprägte Patriarchat. Ein solche existiert hier nicht in Europa.

    Vielleicht könnte man 30 % der psychischen Störungen schlicht aus der Welt schaffen, wenn man hiesig ein solch strenges Patriarchat einführen würde?

    Ich frage ja nur. Aber nicht ganz ohne Grund.

    Fürs Erste plädiere ich auch nur dafür, das es zukünftig keine atomaren Fallouts mehr gibt. Oder auch keine extraterrestrischen, natürlichen Atombomben (wie das Tunguska-Ereignis etwa). Und auch keine Nerverngifte, mit denen man “zufällig” mal in Kontakt kommen kann.

  17. Bonuskommentar hierzu :

    Aus aktuellem Anlass: Seit einigen Wochen stören einige Vandalen die freie Diskussion hier bei MENSCHEN-BILDER. Bitte äußern Sie sich nur zum Thema, reagieren Sie nicht auf diese Personen und berücksichtigen Sie die Diskussionsregeln im folgenden Absatz:

    Der ‘folgende Absatz’ fehlt und ‘Vandalismus’ liegt nicht vor, sondern Störertum (das diesem Inhaltsangebot bewusst oder unbewusst schadet) einer Person, die an dieser Stelle nicht näher beschrieben werden soll, Dr. W hält hier Zensur(ierung) für angewiesen.

    MFG
    Dr. Webbaer

  18. @ Dr. W. und :
    Der ‘folgende Absatz’ fehlt und ‘Vandalismus’ liegt nicht vor, sondern Störertum (das diesem Inhaltsangebot bewusst oder unbewusst schadet) einer Person, die an dieser Stelle nicht näher beschrieben werden soll, Dr. W hält hier Zensur(ierung) für angewiesen. (Ende des Zitats)

    Und wer oder welche vorhandenen oder auch fehlenden Kompetenzen berechtigt einen Dr. (!) W. sich hier`fast noch mitten in der Nacht als relevante Instanz aufzuspielen und wieder mal anderen Teilnehmern zu dieser nachtschlafenden Zeit mit arrogant pdeudo- intellektualistischer Formatierung auf die Nerven zu gehen?
    In meinen Augen eigentlich nichts. Vor allem in Anbertacht seiner Art (hier) gewissen Personen schädliches Stör(er)tum vorzuwerfen, ohne dies auch nur mit einem einzigen Buchstaben argumentativ zu beweisen durch Zitate zu belegen.
    So etwas nennt man neuerdings ja faktenfreien (hier anpasserischen) Populismus. Also schämen Sie sich Dr. W.
    Ihre Art in diesem Kommentar andere zu behandeln beweist nicht gerade viel Gespür für intellektuelle Redlichkeit.
    Und riecht eher etwas nach altbackenem pseudointellektuellem Snobismus.Immerhin aber muss man dem Doktor doch zugute halten, dass er die ganz großen Keule (Vandalismus) kritisiert hat.

  19. Vandalen: Immobilienmakler, Aktiengesellschaften und ihre Händler, die Pharmaindustrie, Politiker, Unternehmer und alle sonstigen Profiteure des Kapitalismus – Dabei ist der geistige Vandalismus wohl das schlimmste Symptom!?

  20. @Webbär: Diskussion

    Nun, wir hatten knapp 20 Beiträge zum Thema – und jetzt haben Sie die Steilvorlage dafür geliefert, wieder über Zensur usw. zu diskutieren; und wie man sieht hat das ja sofort seine Wirkung auf bestimmte Dritte gehabt. Vielen Dank für Ihre Hilfe!

    Der fragliche “folgende Absatz” beginnt mit “Stephan Schleim…” und endet mit “…Gürtellinie gehen.” Prüfen Sie bitte Ihre Browser-Einstellungen, wenn Ihnen das nicht angezeigt wird.

  21. Ich bin selbst Psychiatrie-Erfahrener und seit vielen Jahren in der Selbsthilfe aktiv. Die Auffassung, dass psychische Krankheiten vor allem durch Überlastung entstehen, ist mir selbstverständlich. Der Stress am Arbeitsplatz nimmt offenbar stetig zu, und wenn dann noch privater Stress dazukommt, wird man dann natürlicherweise meistens irgendwann krank davon. Dass muss nicht unbedingt eine psychische Krankheit sein, auch Rückenschmerzen, Unfälle oder Anderweitiges kann man sich so einfangen.

    Was uns in der Selbsthilfe immer wieder auffällt ist, dass bei Ausbruch einer psychischen Erkrankung, hier insbesondere bei Psychosen, mehrere dicke Streßfaktoren noch hinzukommen: In psychiatrische Kliniken ist man den Ärzten und dem Personal ausgeliefert und man muss dort in beengten Verhältnissen mit teilweise ziemlich kranken Mitpatienten klarkommen. Außerdem verliert man den größten Teil seines sozialen Umfeldes, weil die meisten Leute mit psychisch Kranken dann doch nichts mehr zu tun haben wollen.

    Durch diesen Extrastress, den die psychischen Krankheiten meistens mit sich bringen, wird man dann erst recht noch kränker, was dann oft zu einer cronischen Angelegenheit führt. So kommt es schnell zur Arbeitsunfähigkeit, zumindest kann man auf dem 1. Arbeitsmarkt nicht mehr mithalten. Nach ein paar Jahren ohne fordernde Beschäftigung verliert man dann endgültig die Leistsungsfähigkeit, die heute von Arbeitnehmern erwartet wird.

    Durch die dauernde Arbeitslosigkeit ergeben sich dann weitere Schwierigkeiten. Unterforderung durch chronische Unterbeschäftigung und ein ausgedünntes soziales Umfeld, das Gefühl nutzlos zu sein und auch eine gewisse unterschwellige Ablehnung durch viele Zeitgenossen, die meinen, dass man wirklich nichts mehr wert ist.

    So erklärt sich dann auch, dass psychische Krankheiten, insbesondere Psychosen, einen oft lebenslänglich begeiten. Immerhin finden wir im Hilfesystem einiges an Unterstützung: Kontaktstellen, Tagesstätten, Behindertenwerkstätten und Betreutes Wohnen sind für uns sehr hilfreich. So geht es uns besser als normalen Langzeitarbeitslosen, die nur aufgrund von allgemeiner Leistungsschwäche keine Arbeit mehr finden, und die keine definierte Diagnose haben, sodass ihnen das Hilfesystem für psychisch Kranke nicht offensteht.

    Eigentlich kann man nur noch gut leben, wenn man den 1. Arbeitsmarkt komplett abschreibt und sich nur noch nach schöner Beschäftigung umsieht und z.B. Kunst macht oder wie wir im Verein KLuW e.V. Bücher über psychische Krankheiten schreibt. Gut ist dass, wenn man sich sein Arbeitspensum flexibel daran anpassen kann, dass man nicht Überfordert und auch nicht unterfordert ist. Sehr wertvoll ist es auch, wenn man nach einer erneuten Krise in seinem sozialem Umfeld wieder aufgenommen wird, was wahrscheinlicher ist, wenn dass soziale Umfeld auch aus psychisch Kranken besteht.

  22. @Jeckenburger: Erfahrung

    Herzlichen Dank, dass Sie dies mit uns teilen.

    Ich möchte Sie auf dieses Interview mit dem Psychiatrieprofessor Jim van Os aufmerksam machen, das hier vor ziemlich genau einem Jahr erschien. Es wurde danach auch von einem Betroffenenverband erneut abgedruckt.

    Van Os plädiert dafür, die Diagnose “Schizophrenie” abzuschaffen, eben gerade weil sie so viele negative Auswirkungen haben kann, die auch von Ihnen genannt werden (vor allem dadurch, die Menschen aus ihrem gewohnten Umfeld zu entfernen).

    Ich merkte hier, meiner Erinnerung nach, auch schon vorher an, dass Menschen mit den Problemen, die wir hier “Schizophrenie” nennen, in manchen “weniger entwickelten” Ländern eine bessere Prognose haben, wahrscheinlich weil die Menschen dort weniger ausgegrenzt werden.

    Diese Gedanken machen deutlich, dass die Diagnose und Therapie eben Teil der Erkrankung und vor allem des Genesungswegs sind.

    Die systemische Sicht auf den Menschen, die das voraussetzt, wird meiner Erfahrung nach aber in Deutschland leider viel zu wenig gelehrt. Dort lehrt man viel eher, Menschen mit psychischen Störungen hätten kaputte Gehirnschaltkreise, die man wieder reparieren müsse.

  23. Angesichts der Tatsache, dass bislang meines Wissens für keine einzige der mittlerweile in DSM-V und ICD-11 locker dreistellig gewordenen, “psychischen” Erkrankungen auch nur ein einziges reproduzierbar sensitives und spezifisches, biologisches Korrelat gefunden wurde, ist die psychiatrische Diagnostik etwa so nützlich wie Fußpilz.

    Von den “Behandlungen” mal ganz zu schweigen. Beispiel: Depression hat als vermeintliche Krankheitsentität eine Effektstärke von ca. 4,5 – 5,5, der natürliche Krankheitsverlauf + Placebo-Effekt in der für Arzneimittelstudien üblichen Zeitspanne etwa ca. 1,1 (sehr heterogen), die “Medikamente” trotz erheblichem Publikationsbias nur ca. 0,3 und diverse Psycho-“Therapien” sogar unverblindet bloß < 0,25. Kurzum: In relevantem Ausmaß wirksame Behandlungen sind zur Zeit nicht verfügbar, bloßes Abwarten + Saccharose-Kapsel/Tablette bringt mindestens 3x so viel und ist absolut nebenwirkungsfrei.

    Dass die Arbeitswelt des 21. Jahrhunderts mit der Verschiebung von Produktion zu Dienstleistung und dem Verlust von "low-effort", "low entry-level" Jobs durch chronischen, milden Stress zu Resignation und Unglückgefühlen führt, glaube ich aber aufs Wort.

  24. Schleim & Jeckenburger:

    Sagen sie, dass ich recht habe.

    Mit ihren eigenen Worten.

    Anstatt das sie alle über die “Farbe” und den Eindruck gewisser Szenerien ihre Suggestionen absondern, wäre das Reden über technische Details viel angebrachter.

    Als ob sie mir suggerieren wollten, wo mein Platz ist. Frei nach dem wohlbekanntem Wahlspruch: Jedem das Seine!

    Ist das die Weißheit? Mit Schizophrenen kommuniziert man nicht, sondern sendet ihnen indirekt suggestive Botschaften?

    Wissen sie, welch menschenverachtende Strategie dahinter steckt? Demnach gibt es keine Subjekte oder individuen, sondern nur Zombies, die man an ihrem Unbewussten handhaben müsste.

    Davon abgesehen, dass es erneut beweisst, das dieses “systemische” ebenso willkommen, wie einfach ist, sich dadurch abzuschirmen und rauszureden.

    Gibts nicht dafür irgendein System, Struktur oder Gesetz für die Problemlösung?
    ..ist die Botschaft, die aus den meisten Aussagen zu Problemen herrausbrüllt. Die verantwortung immer schon in Strukturen legen.
    Wer meint, damit sozialkompetente und integrierte Mitmenschen zu erhalten, liegt eben falsch. Aber solche Haltungen sind eben bequem, weil niemand Verantwortung trägt. Sowas nennt man Vollkaskomentalität. Oder auch nur Verantwortunglosigkeit.

    …..

    @ Norepinephrine
    9. Oktober 2018 @ 21:27

    “Nützlich” ist sie. Aber den Sinn, der eigentlich zu erwarten ist, den hat es nicht.
    Die psychiatrische Institution ist ein politisches Instrument, welches man auch sozial oder aus medizinischen Gründen anwenden kann.

    Zu den erstaunlich vielen diagnostizierbaren Störungen kommen sowieso nur erstaunlich wenig medikamentöse Strategien. Nämlich entweder Glückspillen (SSRI, Antidepressiva usw,…) und auf der anderen Seite das Spektrum der Dopaminhemmer zur Sedierung.
    Dazu kommen noch einige Therapie-unterstützende Medikamente, die etwa am Hormonhaushalt manipulieren, oder etwa beruhigend wirken sollen.

    Aber für 200 unterschiedliche Diagnosen, die auch eine Mindestgrundlage haben sollten, reicht es nie und nimmer.

    Das ist, wie für ein und das Selbe viele Wörter zu haben. Was man ja dem Eskimo-Wortschaftz für Schnee nachsagt – gerüchteweise.

    Man hat also entweder die Möglichkeit, seine Situation mit Glückspillen zu retten, oder sich eben chemsich sedieren zu lassen. Wozu man da noch viele Symptomunterscheidungen braucht, bleibt unklar.

    Und wer das Argument herranzieht, man hätte ja keine organischen Ursachen zu den politisch stigmatisierten Symptomen, der verkennt nur, dass die Standart-Gerätediagnostik in den Kliniken das Finden von organischen Ursachen gar nicht leisten soll. Das wäre ja skandalös, wenn man plötzlich von Lebensereignissen auf Folgeerscheinungen im Gehirn schliessen könnte.

    Würde man hinreichende Gehirndiagnostik haben, kämen auch ganz andere Geheimnisse raus, die…wiederum politisch… gar nicht erwünscht sind, das sie allgemein bekannt sind.
    Haben sie schon mal ein MRT gesehen, das kleiner, als 1 millimeter auflösst?
    Sowas gibt es, jedenfalls in der Standartdiagnostik, nicht. Da sehen wir höchstens Gehirntumore oder andere “Unregelmässigkeiten” der groben Form.

    Ein MRT-Bild ist wie ein Bild von ganz weit weg. Eigendlich zeigt es nur Umrisse des Gehirns. Aber nicht das Gehirn selbst.

  25. @Stephan Schleim // Traumata

    » Dort [in Deutschland] lehrt man viel eher, Menschen mit psychischen Störungen hätten kaputte Gehirnschaltkreise, die man wieder reparieren müsse. «

    „Kaputte Gehirnschaltkreise“ sind doch eher was für Neurologen, oder nicht?

    Das „biologische Korrelat“ signifikanter psychischen Störungen, das @Norepinephrine zu vermissen scheint, könnte vielleicht in den feinen synaptischen Verbindungen und in der Hirnchemie gefunden werden.

    Davon ab: In einem deutschen Psychotherapie-Studium geht es insbesondere um Dinge wie psychoanalytische Verfahren, Tiefenpsychologie und Verhaltenstherapie.
    (Du arbeitest schon ziemlich lange in den Niederlanden, nicht?)

  26. @Balanus: Ausbildung

    Es ging mir vor allem um die Psychiater… und die Psychologiestudierenden. Dass die Psychotherapeuten etwas Anderes lernen, ist logisch, da sie ja selbst gar nicht mit Medikamenten oder Stromstößen oder Gehirnoperationen behandeln (dürfen).

    „Kaputte Gehirnschaltkreise“ sind doch eher was für Neurologen, oder nicht?

    Und es gibt durchaus führende Psychiater, die die Meinung verbreiten, bei Psychiatrie handle es sich um nichts anderes als um Neurologie. Die sprechen selbst von “circuit psychiatry”, was ich im Deutschen als “Schaltkreisepsychiatrie” übersetze.

    Der geneigte Leser kann jetzt selbst nach diesen Schlagworten suchen.

  27. Kann man eine kultivierte Depression nicht auch “Melancholie” nennen?

    Und wäre, wenn man dazu alle Bedingungen beachtet, es nicht so, dass durch ein System, das derart streng und mit niedrigen Schwellwerten festlegt, wann etwas “krankhaft” sein soll, es also so, das wir mit solchen Richtlinien in einer faktisch politisch verordneten “guten Laune”-Pflicht lebten?

    Darf man also hiesig keine “schlechte Laune” haben, ohne Gefahr zu laufen, als gestört diagnostiziert zu werden?

    Und wenn das so sei, wäre es möglich, dass auch andere Diagnosen nach übererfüllenden Richtlinien erstellt worden sind?

    Und wäre das nicht eindeutig eine schwere Verletzung des individuellen subjekts, das sich dadurch in seiner Freiheit eingeschränkt sehen muß, weil einem das “System” eben nicht sein lässt, wie man sich entwickelt hat…und nur eine rechtfertigung sucht, um solche Menschen eben therapeutisch zu behandeln?

    Aber da es sich ja um das Gesundheitssystem handelt, steht ja vordergründig die “Hilfeleistung” als “gute Tat”, anstatt das in solchen anmassenden Strukturen eine Übergriffigkeit gesehen werden kann.

    Wenn sich die moderne “Nudging-Kultur” also so darstellt, dann ist das mit Sicherheit nicht wirklich mit der ansonsten immer hochgehaltenen freiheitlichen Deutung und Bekundung vereinbar.

    Und man muß sich das mal vorstellen, das solche tendenziel anmassenden und übergriffigen Strukturen nur deswegen entstehen, weil andere nicht sehen können/wollen, wie sie ihre Melancholie und also ihre kultivierte Niedergeschlagenheit, womit immer auch pessimismus und sozusagen “sachlechte Laune” einhergeht, ansehen und erleben müssen.
    Was meint: Die Leute halten es nicht aus, wenn andere pessimistisch/melancholisch sind.
    Und nur deswegen funktioniert das Psychiatriesystem so effizient. Weil eine subtile Lobby in der ganzen Gesellschaft existiert, die scheinbar “unvermeidbares” auch als vermeidbar, wenn man nur will, ansieht und daher es sich nicht um eine Hilfelsistung auf Abruf, sondern um Zwangsbehandlung darstellt, weil man dem System nicht entkommt, wenn das der Nachbar/Mitmensch/irgendwer nicht will.

    Aber naja, das nur als oberflächliche Rechtfertigung für den Umstand, dass nicht traurig sein muß, der nicht will. Und daraus entsteht dann eine Zwangssituation, die sich übergriffig auf das im Kehrschluß “kranke” Subjekt aufdrängt.

    Der eigentliche ursprung der ganzen Institution ist ja, das es eben spezielle Menschen gibt, die will man icht so sein lassen, wie sie nur sein können. Ein Kampf gegen Gott…oder was die Leute meinen, wenn sie Gott sagen. Gotteskrieg eben.

    Deswegen auch die Manipulationen per Nervengifte….und allerhand anderen Substanzen. Oder, was ich neulich las: “Biozide”…Stoffe und Moleküle eben, die Leben töten. Auch, wenn diese Wirkungen immer auch von der Dosis abhängen, kommt es leicht dazu, dass diese Dosen über verschlungene Wege doch immer mal wieder erreicht werden. Grenzwerte in einzelnen Produkten sind unwirksam, wenn man den Gesamtkonsum nicht kontrollieren kann.

    Und die Standartmedizin prüft ja keine Giftstoffe, sondern nur das große Blutbild. Und da kann man nur in Ausnahmefällen Unregelmäßigkeiten sehen.

  28. “Kaputte Gehirnschaltkreise…”
    Gehirn-Schalt-Kreise ,also neuronale Verbindungen, sind meiner Ansicht nach nicht die Ursache sondern nur das Ergebnis. Sie sind also sogesehen nicht kaputt, können auch nie kaputtgehen, da sie Verschaltungen von ReizMustern(Glaubensmustern) sind. Was kaputt ist, sind diese Muster . Muster, die dem jeweiligen Menschen durch Umwelt, Gesellschaft bzw. genetischen Basismaterial mitgegeben werden.Krankmachende bzw. kaputte Muster sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich,da jeder in seiner eigenen fiktiven Welt mit jeweils eigenen stressauslösenden Mustern lebt ,denkt und fühlt…

  29. Eben im Arte Journal gibts einen Bericht über Zustand und Versorgung psychisch Belasteter in Syrien.

    Laut dem Bericht gibt es im ganzen Land nur eine Klinik mit wenig Mitteln und Möglichkeiten – weil kein Geld.

    Passt ja nicht so recht zur besseren Integrierung in anderen Ländern.
    Es wird aber nur diese eine Klinik vorgestellt und auch nur darüber gesprochen.

    Anzunehmen, dass gerade in Syrien es nicht besonders läuft.

  30. Und selbstverständlich können sogenannte “Gehirnschaltkreise” kaputt gehen. Und das passiert nicht nur unter dem Eindruck und den Bedingungen des Alterns, sondern auch in anderen Zusammenhängen und Bedingungen.

    Vor allem dann, wenn Nervengifte zum Einsatz kommen. Wobei dieser Ausnahmezustand im Gehirn dann auch neue Vernetzungen erzeugen kann, so die Bedingungen dafür hinreichen.

  31. Zitat Demolog: „Eben im Arte Journal gibts einen Bericht über Zustand und Versorgung psychisch Belasteter in Syrien. Laut dem Bericht gibt es im ganzen Land nur eine Klinik mit wenig Mitteln und Möglichkeiten – weil kein Geld. Passt ja nicht so recht zur besseren Integrierung in anderen Ländern. Es wird aber nur diese eine Klinik vorgestellt und auch nur darüber gesprochen. Anzunehmen, dass gerade in Syrien es nicht besonders läuft.“
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    Diese Überlegungen finde ich einleuchtend und sie relativieren meiner Meinung nach die Anmerkungen von Stephan Schleim im ersten Teil des Artikels: „Bei vereinzelten Störungen wie etwa der Schizophrenie weiß man auch, dass Patienten in manchen “Entwicklungsländern” eine bessere Prognose haben als in der “westlichen Welt”. Die Menschen gehen schlicht anders damit um und grenzen die Betroffenen nicht so stark aus, was für deren Wohlbefinden sehr wichtig zu sein scheint. Das liegt zum Teil an anderen Familienstrukturen und religiösen Interpretationen, die Menschen nicht auf defekte (Nerven-)Schaltkreise reduzieren.

    Hier wird nicht ersichtlich, dass die erkrankten Menschen und die Familien weniger leiden, sondern kann man nur schlußfolgern, dass ihnen durch medizinische Versorgung nicht geholfen wird und sie dadurch ihrem „Schicksal“ überlassen werden.

    Der Bezug von Demolog auf Syrien ist auch für mich besonders wichtig, denn ich bin davon überzeugt, dass die Hauptursache aller psychischen Erkrankungen die Gewalt ist, sowie die Angst vor Gewalt. Und ich finde dementsprechend „normal“, dass die Anzahl der psychischen Erkrankungen zunimmt, wenn Gewalt und Angst vor Gewalt zunehmen. Nicht nur direkt in Kriegsgebieten wird die Anzahl der Erkrankungen zunehmen, sondern auch in reichen Ländern, die immer mehr durch die Medien und auch auf eigenem Boden in die Welt der Gewalt geraten. Gewalt mach krank, psychisch und physisch. Das ist für mich offensichtlich.

  32. Zitat Stephan Schleim: „Bei vereinzelten Störungen wie etwa der Schizophrenie weiß man auch, dass Patienten in manchen “Entwicklungsländern” eine bessere Prognose haben als in der “westlichen Welt”. Die Menschen gehen schlicht anders damit um und grenzen die Betroffenen nicht so stark aus, was für deren Wohlbefinden sehr wichtig zu sein scheint. Das liegt zum Teil an anderen Familienstrukturen und religiösen Interpretationen, die Menschen nicht auf defekte (Nerven-)Schaltkreise reduzieren.
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    Auch der in Frankreich in der breiten Öffentlichkeit wohl bekannteste und beliebtesten Neurologe und Psychiater Boris Cyrulnik (den Mann finde ich auch fantastisch!) hat die stabilisierende Wirkung auf der Psyche von Glauben, Religion und Spiritualität herausgearbeitet, wie zum Beispiel in seinem zuletzt auf Deutsch übersetzten populärwissenschaftlichen Buch: Glauben – Psychologie und Hirnforschung entschlüsseln, wie Spiritualität uns stärkt

    Boris Cyrulnik hat vor allem die zentrale Rolle der Gewalt und der Angst bei psychischen Belastungen und Erkrankungen hervorgehoben, sowie auch das Konzept der „Resilienz“ auch autobiographisch an sich selbst herausgearbeitet, siehe hier eine Vorstellung seines Buches Die Kraft, die im Unglück liegt (durch die Übersetzerin Elisabeth Thielicke oder Rita Kluxen-Schröder), die im Netz gestanden hat:

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    „In seinem neuen Buch belegt der Psychiater und Verhaltensforscher Boris cyrulnik, Shootingstar unter Frankreichs Psychologen, anhand prominenter Lebensläufe seine These vom Glück, das aus dem Unglück erwachsen kann.

    Alles begann mit dem Prozess gegen den französischen Kriegsverbrecher Papon. Er wurde unter anderem beschuldigt, für den Tod von Rosa und Aaron cyrulnik und die Verschleppung ihres Sohnes Boris während der deutschen Besatzung verantwortlich zu sein. Boris cyrulnik entging damals nur knapp dem Tod und schwieg fortan über die traumatischen Erlebnisse seiner Kindheit. Er wurde ein angesehener Psychiater und Verhaltensforscher. Doch mit dem Papon-Prozess wurden seine Kindheitserlebnisse publik, und cyrulnik beschloss, sein Schweigen zu brechen.

    In seinem Buch „Die Kraft, die im Unglück liegt“ stellt er sein persönliches Schicksal ins Zentrum seiner langjährigen Forschungsarbeit. Seine Hauptthese: Opfer von schweren seelischen und körperlichen Verletzungen insbesondere in der Kindheit sind nicht dazu verdammt, lebenslang Opfer zu bleiben. Das wäre ein später Sieg der Peiniger. Vehement wendet sich cyrulnik gegen den Determinismus, der Trauma-Opfern ewiges Leiden aufdrängt. Für Boris cyrulnik ist das Trauma eine Herausforderung, alle Überlebensenergien zu mobilisieren. Wie die Auster, die sich dem eindringenden Sandkorn widersetzt und eine wunderschöne Perle wachsen lässt, setzt beim Menschen die Erfahrung von Schmerz und Verlassenheit ein ungeheures Potenzial frei. Intellektuelle Kraft, Fantasie und Empfindsamkeit für die Möglichkeiten eines geglückten Lebens lassen eine neue Persönlichkeit wachsen. cyrulnik löste mit seinen Überlegungen eine Welle von Zustimmung aus; sein Buch eroberte die französischen Bestsellerlisten.

    In seinem neuen Buch „Mein Lebensglück bestimme ich“ untermauert er seine Idee von den verletzten Siegern, die durch eigene Kraft das Trauma besiegen und seelische Stabilität erlangen, mit zahlreichen Biografien aus Kultur und Geschichte. Sei es Charles Dickens oder Leo Tolstoi, sei es George Sand oder Maria Callas, Honoré de Balzac oder Georges Brassens – sie alle haben als Kinder schwere seelische und körperliche Ausbeutung erlebt, wurden gedemütigt und ausgestoßen. Doch sie alle haben in einem gewaltigen kreativen Akt der traumatischen Vergangenheit, die sie fast zu zerstören drohte, ein neues Leben abgerungen. Damit sind sie nicht länger Geiseln ihrer Geschichte; sie haben „die Verzweiflung in eine Hymne an die Freude“ umgewandelt.

    Es geht cyrulnik bei seiner Darstellung nicht darum, das Leiden zu glorifizieren. Doch sein eigenes Schicksal und seine langjährige Arbeit mit traumatisierten, verwaisten Kindern überall auf der Welt haben ihn gelehrt, dass der Teufelskreis von Ausbeutung und lebenslanger Opferrolle zutiefst unmenschlich ist. Jeder ist seines Glückes Schmied – und das ist mehr als ein wohlfeiles Sprichwort. Jeder Mensch strebt danach, glücklich zu sein, und sowohl seine Seele wie sein Körper bergen ein gewaltiges Potenzial, diesem ersehnten Lebensglück ein Stück näher zu kommen. Dass diese positive Botschaft nicht nur Menschen mit extremen traumatischen Erfahrungen betrifft, belegen die sensationellen Erfolge der Bücher von Boris cyrulnik. Er ermutigt jeden, in der Verzweiflung die Hoffnung zu sehen, die Freiheit, sich trotz aller Widrigkeiten des Lebens für das Glück zu entscheiden.

    Zitate

    »Wenn ich als Kind in einer intakten Familie aufgewachsen wäre und ein ausgeglichenes Wesen gehabt hätte, mein Leben hätte sich sicher anders entwickelt. Vermutlich wäre ich Bademeister geworden, oder Tango-Tänzer – Jobs, mit denen ich mein Medizin-Studium finanzierte. Nun war ich aber ein Außenseiter, gezwungen, meine Kreativität unter Beweis zu stellen. So habe ich mich für die Psychiatrie entschieden.«

    »Wie wollen Sie mit Ihren Verletzungen umgehen? – Stöhnen, leiden, selbst verletzen … oder etwa, indem Sie das eigene Leid in ein Kunstwerk verwandeln, in Engagement für eine sinnvolle Sache, in eine kämpferische Geisteshaltung? – In der Antwort liegt die wahre Herausforderung des persönlichen Glücks.«

    Boris cyrulnik wurde 1937 in Bordeaux geboren. Seine Eltern, aus Russland eingewanderte Juden, starben in Konzentrationslagern. Er selbst entging nur knapp dem Tod. Als Psychiater und Verhaltensforscher lehrt cyrulnik heute an der Universität von Toulon. Seine psychologischen Sachbücher sind in Frankreich allesamt Bestseller.”

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  33. Zitat Boris Cyrulnik: »Wie wollen Sie mit Ihren Verletzungen umgehen? – Stöhnen, leiden, selbst verletzen … oder etwa, indem Sie das eigene Leid in ein Kunstwerk verwandeln, in Engagement für eine sinnvolle Sache, in eine kämpferische Geisteshaltung? – In der Antwort liegt die wahre Herausforderung des persönlichen Glücks
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    Boris Cyrulnik hat mir durch seine Bücher sehr geholfen, eine Lebenskrise mit psychischen Störungen zu überwinden, mit seiner Ermutigung, „das eigene Leid in Engagement für eine sinnvolle Sache, in eine kämpferische Geisteshaltung“ zu verwandeln. Die psychische Erkrankung – die allererste und einzige ernsthafte Erkrankung überhaupt in meinem ganzen Leben, als ich 52 Jahre war – hat ca. 2 Jahre gedauert, es war die Hölle, die Hölle, hier eine nachträgliche Verarbeitung dieser Erfahrung in meiner privaten Homepage: Mein Flug über das Kuckucksnest

  34. Ich finde es wie gesagt „normal“, dass die psychischen Störungen in der Bevölkerung zunehmen, denn wir leben in einer kollektive Zeit der Angst, und wir leben auch in einer Zeit der medialen und politischen Manipulation mit der Kultur der Angst. Und Angst ist meiner Meinung nach Gift für das Gehirn, sie bringt die Gehirn-Chemie völlig durcheinander, vor allem wenn sie mit der individuellen Machtlosigkeit gepaart ist, wie wir sie kollektiv erleben. Die Menschen hier leben zwar in einer Wohlstandgesellchaft, jedoch sind sie von Ängsten geplagt: Angst vor Gewalt und Krieg, Angst vor Verlust des Wohlstands, Angst vor Untergang der Erde – alle Ängste, die die individuellen Gegensteuerungs- und Wirkungsmöglichkeiten von weiten übersteigen. Hier kann es nur politische Lösungen geben, jedoch ist die Politik auch völlig orientierungslos, sie tut, als ob sie wüsste, wie man die Probleme lösen kann, aber sie weiß es auch nicht, das übersteigt auch die Gegensteuererungs- und Wirkungsmöglichkeit jeder einzelnen politischen Partei.

    Die Politik macht also einzig ihr Geschäft mit der Angst. Die eine schüren die Angst von einem bevorstehendenden neuen “III. Reich” und sehen in allen Menschen, die gerade nicht die Agenda ihrer eigenen politischen Partei 100-%ig zustimmen, gefährliche Antisemiten und Rassisten (wir haben ein Beispiel hier bei SciLogs mit dem Blogger Michael Blume, der einen Blog zur wissenschaftlichen Kommunikation als Propaganda für seine politische Partei-Agenda missbraucht und alle Kommentatore unter Psycho-Terror mit Unterstellungen von Antisemitismus und Rechtsextremismus setzt). Die Andere schüren die Angst mit einer Diktatur durch Überfremdung und die Einführung der Scharia, sehen in allen religiösen Menschen gefärhliche Fanatiker und Extremisten und setzen allen damit unter Psychoterror. Andere schüren die Angst mit der Untergang der Erde durch Klimaveränderung und setzen damit allen Menschen unter Psychoterror. Das alles jeden Tag in den Medien.

    In diesem Sinne hat der Psycholog Stefan Schleim versucht, eine Teilnehmerin im ersten Teil dieser Diskussion wieder Mut zu machen, die ausgesagt hat, dass die Angst um die Zukunft ihre Enkelkinder ihr depressiv macht und sogar wortwörtlich die Luft zum Atmen nimmt:
    Zitat Stephan Schleim: „Mir kam kürzlich ein Aufsatz Karl Poppers aus den 1950er Jahren vor die Nase. Damals dachten einige, auch einige Intellektuelle, ein die Menschheit vernichtender Atomkrieg stehe bevor. Anfang der 1980er wäre es dank unserer NATO-Freunde (Stichwort: Able Archer 83) dann tatsächlich beinahe so weit gekommen. Aber die menschliche Vernunft hat es verhindert (mein Dank an die Offiziere der damaligen Sowjetunion, dass ich älter als drei Jahre werden konnte).
    Ich weiß nicht, ob die Bedrohung heute größer ist als damals. Ich will damit nur sagen, dass Sie die Vernunft und Problemlösungsfähigkeit der Menschen auch nicht unterschätzen sollten. Sie brauchen auch nicht alle Probleme der Menschheit, weder die heutigen noch zukünftigen, auf Ihr eigenes Tablett zu nehmen. Denn das macht in der Tat depressiv.“

    Das ist meiner Meinung nach das, worauf die Psychologen und Psychiater zur Stärkung der psychischen Gesundheit achten müssen: Man darf nicht alle Probleme der Menschheit auf sich selbst laden, das ist destruktiv für die Psyche, man sollte daran arbeiten, die Resilienz zu stärken.

    Das „Gelassenheitgebet“ finde ich weise: „Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

  35. Zu Stephan Schleim und:

    ……Aber die menschliche Vernunft hat es verhindert (mein Dank an die Offiziere der damaligen Sowjetunion, dass ich älter als drei Jahre werden konnte)….” (Zitatende)

    In seinem therapeutischen (Vernunft-) Optimismus hat Herr Schleim eventuell den Anteil der Vernunft etwas überschätzt und den Anteil des Zufalls unterschätzt. Welcher auch bei 50% liegen könnte. Was die Verdienste des militärischen Fachmanns natürlich keinesfalls klein reden soll.

  36. @Jocelyne Lopez
    Gewalt und Angst vor Gewalt sind starke Stressfaktoren, die psychische Krankheiten fördern können. Aber simple Arbeitsbelastungen gepaart mit privater Überaktivität, Drogen oder Alkohol können auch alleine schon krank machen.

    Übertriebene Probleme in den Medien, die Angst machen und nach Aufmerksamkeit suchen sind wirklich lästig. Klimawandel und Atomwaffenarsenale sind zwar real, und auch gibt es wohl Menschen hierzulande, die die Demokratie nicht wollen, sowohl Islamisten wie Rechtsradikale. Aber politische Probleme sind keine persönlichen Probleme. Ich bin schon recht zufrieden, wenn ich nicht Teil der Probleme bin, und hoffe, dass die Politik in der Demokratie letztlich ihre Arbeit macht.

    Restrisiken bleiben natürlich übrig. Wie schnell wie schlimm der Klimawandel wird, ist beispielsweise auch der Wissenschaft nicht recht bekannt. Große Vulkanausbrüche spielen beim Klima mit, und die sind gar nicht vorhersehbar. Und was Trump macht, ist auch schwer vorhersehbar. Soweit man die Gefahren realistisch einschätzen kann, sollte man das tun. Und sich gut überlegen, wen man an die Regierung wählt, ist auch hilfreich.

    Aber ich reduziere dennoch gezielt den Medienkonsum, weil mir die Angstmacherei auf die Nerven geht. Auch wenn einem die Angstmache nur noch wenig Angst macht, nervig bleibt sie allemal. Und von den Fake-news im Internet halte ich mich ganz fern. Geistiger Umweltverschmutzung kann man sich teilweise erfolgreich entziehen.

    Den tatsächlichen Gefahren sehe ich troztdem gerne ins Gesicht. Mit dem Risiko leben lernen ist für mich auch Resilienz. Die Vergänglichkeit des Lebens zu akzeptieren, und so auch den Wert der Gegenwart mehr zu erleben, finde ich positiv. Die Unverwundbarkeit ist nicht erforderlich, damit ich mich frei fühlen kann. Der Tod ist unausweichlich, Schäden und Katastrophen gehören zum Leben. Mit den persönlichen gesundheitlichen Risiken bin ich sowieso alleine, wenn ich damit klarkomme, müsste der Rest auch noch gehen.

    Wenn ich mir vorstelle, ich müsste als psychisch Kranker in Griechenland leben, gruselts mir aber doch. Wenig Arbeitsfähig, ohne Eigentum und finanzielle Rücklagen und dazu noch Nikotinsüchtig in solchen Verhältnissen zu leben stelle ich mir richtig schwierig vor. Aber das ist zur Zeit nicht meine Realität.

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