“Es gibt keine Schizophrenie”

Sinngebung und neue Ideen für die psychische Gesundheitsfürsorge

Jim van Os ist seit Juni 2017 Professor für Psychiatrische Epidemiologie an den Universitätskliniken Utrecht. Dort ist er außerdem Vorsitzender der Abteilungsleitung für unter anderem Neurologie, Neurochirurgie und Psychiatrie, wo rund 1200 Angestellte arbeiten. Vorher war er Professor und Leiter der Abteilung für Psychiatrie und Psychologie an den Universitätskliniken Maastricht. Van Os ist ebenfalls Mitglied der Königlichen Niederländischen Akademie der Wissenschaften und Fellow am King’s College in London. Thomson Reuters bezeichnet ihn seit 2014 als einen der einflussreichsten wissenschaftlichen Denker der Welt.

Seine Ausbildung zum Psychiater absolvierte Van Os in England, Frankreich, Indonesien und Marokko. Er veröffentlichte seine erneuernden Ideen über Schizophrenie und die psychische Gesundheitsfürsorge in führenden wissenschaftlichen Zeitschriften wie Lancet und Nature. Seine Forschung wurde in den letzten Jahren durch die Niederländische Forschungsorganisation mit €5 Millionen unterstützt, durch den Europäischen Forschungsrat mit €12 Millionen. Jim van Os gehört zu den Gründern des Netzwerks PsychoseNet.nl für Patientinnen und Patienten, das in Bälde auch auf deutsch angeboten wird.

Professor Jim van Os. Bild: UMC Utrecht

Keine chronische Hirnerkrankung

Frage: Professor Van Os, Sie sagen, dass es Schizophrenie nicht gibt, und wollen die Diagnose abschaffen. Würden Sie aber bitte unseren Leserinnen und Lesern erst das vorherrschende Verständnis der Störung erklären, bevor wir über Ihr Alternativmodell sprechen?

Antwort: Viele betrachten Schizophrenie als chronische Hirnerkrankung, vor allem in der wissenschaftlichen Psychiatrie. Kernsymptome sind Halluzinationen und Wahnvorstellungen, Desorganisation im Denken und Verhalten sowie ein Motivationsverlust, der sich zum Beispiel darin ausdrückt, dass jemand nicht mehr gut für sich sorgt. Dieses Bild der Störung geht oft mit einer negativen Prognose einher, das heißt, dass sich der Zustand der Patientin oder des Patienten nicht mehr verbessert.

Das bekannte Bild von Schizophrenie als einem „gespaltenen Geist“ stimmt also nicht?

Dieses Bild entstand im 19. Jahrhundert. Denken Sie etwa an die Geschichte von Dr. Jekyll und Mr. Hyde: Dr. Jekyll weiß nicht, dass es in ihm unbewusst noch den bösen Dr. Hyde gibt. Mit dieser Metapher hat man damals den Begriff „Schizophrenie“ verbunden. Die Bedeutung hat sich in der Wissenschaft längst verändert, in der Allgemeinsprache allerdings nicht.

Jeder hat Risikogene

Anstatt von Schizophrenie sprechen Sie lieber von „Psychoseanfälligkeit“. Inwieweit ist das anders?

Wissenschaftlich gesehen ist jeder mehr oder weniger psychoseanfällig. Genetische und epidemiologische Forschung hat hunderte, ja tausende Risikogene identifiziert. Sie und ich haben auch viele solcher Gene. Je mehr jemand davon hat, desto größer das Risiko für die Störung. Ausschlaggebend sind aber oft traumatische Erfahrungen oder Rückschläge im Leben. Doch auch so etwas wie die Immigration in ein anderes Land kann eine Rolle spielen.

Bei Psychosen geht es darum, wie jemand seiner Umgebung Bedeutung verleiht, wie Ereignisse interpretiert werden. Wenn Sie beispielsweise alles vom Standpunkt der Angst aus interpretieren, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Sie irgendwann paranoid werden. Manche drehen einfach durch. Die entscheidende Frage ist dann: Hat jemand ein Hilfsbedürfnis? Findet er oder sie nicht mehr aus den psychischen Problemen heraus? Kann die Person noch arbeiten und Beziehungen zu anderen aufrechterhalten?

15% der Jugendlichen betroffen

Wir haben also alle so eine Anfälligkeit – aber nicht jeder bekommt tatsächlich Probleme?

Genau. Wir wissen beispielsweise, dass rund 15% der Jugendlichen und jungen Erwachsenen irgendwann einmal Stimmen hören oder paranoid sind. Doch bei 80% von ihnen verschwinden diese Symptome wieder von selbst. Das war wahrscheinlich schon immer so, weil die Gefühle in dieser Lebensphase sehr stark und chaotisch sein können.

Wir gehen davon aus, dass bei ca. 3,5% der Menschen die Probleme mindestens einmal im Leben so stark werden, dass ein Hilfsbedürfnis entsteht.

Was ist jetzt in der Praxis der Unterschied – sowohl für die Behandlung als für das Leben von Patienten –, ob jemand eine Schizophrenie diagnostiziert bekommt oder wir von einer Psychoseanfälligkeit mit Hilfsbedürfnis sprechen?

Wir berücksichtigten vierzig Jahre Erfahrungsliteratur von Patientinnen und Patienten. Darin können wir sehen, was ihnen am meisten geholfen hat. Diese Literatur zeigt uns, dass es um einen persönlichen Genesungsprozess geht: Jemand muss neue Ziele finden, sich selbst neu erfinden, eine neue Geschichte von sich selbst schreiben. Die eigene Kraft ist dafür von zentraler Bedeutung, wie kann er oder sie das Leben trotz der vielleicht bleibenden Anfälligkeit und Einschränkungen als sinnvoll erfahren? Das nennen wir „Sinngebung“.

Sinngebung statt vernichtende Diagnose

Was heißt das konkret?

Patientinnen und Patienten geben an, dass hierfür Verbundenheit, Hoffnung, Optimismus, die Identität als Person – und nicht als Diagnosekategorie –, Kontrolle über das eigene Leben, Empowerment und Sinnhaftigkeit die notwendigen Zutaten sind. Komischerweise wird so etwas zurzeit vor allem denjenigen angeboten, die sterbenskrank sind, nämlich durch die Seelsorge in Krankenhäusern. Wir wollen dies auch in der Psychiatrie möglich machen.

Dieser Ansatz ist etwas völlig anderes, als bei jemandem eine chronische Hirnerkrankung zu diagnostizieren und dabei die Botschaft zu vermitteln, dass es nie wieder besser wird. Manchmal bekommt jemand schon so ein Etikett aufgedrückt, bloß weil er oder sie Stimmen hört. Schizophrenie ist aber eine vernichtende Diagnose, die zu einem „ausgebrannten Schizophrenen“ führen kann, einem Patienten, der keine Hoffnung mehr hat und sich selbst aufgibt.

Optimismus ist gerechtfertigt

Ihr Ansatz wurde von Kolleginnen und Kollegen kritisiert, weil Sie vor allem leichte Formen der Störung ins Blickfeld nehmen würden, dabei jedoch schwere Fälle mit starken kognitiven, sozialen und emotionalen Einschränkungen übersähen.

Ja, man wirft uns „Krankheitsverleugnung“ vor. Schizophrenie, so wie die Anderen das nennen, ist aber nur das äußerste Ende eines ganzen Kontinuums der Psychoseanfälligkeit. Wir bestreiten natürlich nicht, dass es solche schweren Fälle gibt. Es gibt aber keine wissenschaftliche Grundlage dafür, darum von einer eigenen Entität „Schizophrenie“ zu sprechen.

Die Anderen sagen: Ihr dürft den Patienten keine falsche Hoffnung machen! Aber wir erwidern: Ihr dürft die Patienten nicht mit so einer schlimmen Diagnose kaputtmachen! Ihr Standpunkt widerspricht allen Evidenzen. Hoffnung und Optimismus sind gerechtfertigt. Der Ausweg aus einer Psychose kann sehr unterschiedlich verlaufen, aber selbst mit einer sehr schweren Form kann man lernen zu leben.

Ich habe schon auf Kongressen Psychiaterinnen und Psychiater befragt, ob wir die Diagnose abschaffen müssen. Interessanterweise ist das Ergebnis in Europa, auch in den Niederlanden und in Deutschland, 50:50. In den USA halten demgegenüber 95% daran fest.

Gehirn gut fürs Prestige

Aber warum ist für viele in der Psychiatrie die Diagnose so wichtig?

Das Problem ist, dass die Sinngebung vor langer Zeit aus der Psychiatrie verdrängt wurde. In Deutschland geschah das schon um 1900: Wer sagte, dass er die Gehirne psychiatrischer Patienten untersuchten wollte, bekam Aufmerksamkeit, Prestige und viel Geld. Psychiaterinnen und Psychiater wollen ernst genommen werden, auch durch die anderen medizinischen Wissenschaften.

Wenn das Gehirn erkrankt ist, dann klingt das enorm wichtig. Es gibt aber einen grundlegenden Unterschied zwischen der Psychiatrie und der Neurologie. Bei einer neurologischen Störung, etwa der Lähmung eines Körperteils, lassen sich die Symptome kausal aus dem Nervensystem herleiten. In der Psychiatrie funktioniert das hingegen nicht.

Natürlich ist das Gehirn für unser Denken, Fühlen und Handeln notwendig. Aber so eine kausale Herleitung für so etwas als Angst, Traurigkeit oder eine Wahnvorstellung, so wie das bei der Lähmung in der Neurologie funktioniert, geht einfach nicht.

Hilfe für Betroffene

Wir haben bisher vor allem über die Wissenschaftswelt gesprochen. Eben praktisch: Wenn jemand solche Probleme bekommt, was sollte er oder sie dann tun?

Erstens Informationen darüber bekommen, was mit ihm/ihr und in der Familie passiert. Lassen Sie sich nicht vorschnell durch eine Psychiaterin oder einen Psychiater ein Etikett aufdrücken, sondern suchen Sie Kontakt mit jemandem, der solche Probleme bereits durchgemacht und überstanden hat. Dafür gibt es auch online Netzwerke.

Suchen Sie sich zweitens Hilfe eines Netzwerks für psychische Gesundheitssorge in Ihrer Umgebung, bei dem die persönliche Genesung und die psychische Widerstandskraft im Zentrum steht.

Beziehen sie drittens Ihre Eltern, Familie und Freunde mit ein. Sie brauchen sich nicht zu schämen oder zu verstecken. Früher versuchte man, alles geheim zu halten, doch das ist schlecht für die Betroffenen.

Viertens, schalten Sie bei Bedarf die medizinische Welt ein. Organisieren Sie das aber so viel wie möglich selbst, einschließlich sozialer Hilfsdienste für Wohnen und Ausbildung.

Fünftens können Sie auch Moleküle ausprobieren. Es ist jedoch irreführend, solche Medikamente „Antipsychotika“ (wörtlich: Mittel gegen Psychosen, Anm. d. A.) zu nennen. Die Wirkungen können nämlich bei jedem anders sein, bei machen können die Mittel sogar zu einer Verschlechterung führen. Vielleicht müssen Sie verschiedene davon ausprobieren, aber vielleicht brauchen Sie auch überhaupt keines. Eine Psychotherapie kann ebenfalls helfen.

Das Wichtigste ist aber die persönliche Widerstandsfähigkeit: Lernen Sie Ihr Problem kennen, verdrängen Sie es nicht, umarmen Sie es, akzeptieren Sie es, fragen Sie sich, was Sie damit anfangen. Wenn das Problem etwa aus einem Trauma entstanden ist, so wie bei rund einem Drittel aller Patientinnen und Patienten, dann können Sie daran mit einer Psychotherapie arbeiten. Passen Sie auf, dass Sie in keine Depression verfallen, dass Sie Ihr persönliches und soziales Netzwerk nicht verlieren.

Möglichkeiten der Vorsorge

Sie sagten bereits, dass traumatische Erfahrungen, Rückschläge im Leben oder auch eine Immigration das Risiko für psychotische Erfahrungen erhöhen. Gibt es dann keine Möglichkeiten zur Prävention?

Das ist ein wichtiger Punkt. Die psychische Gesundheitsfürsorge kann in den meisten Ländern rund vier bis fünf Prozent der Bevölkerung behandeln. In der Bevölkerung leidet aber jährlich rund ein Viertel an einer psychischen Störung. Das Problem ist zurzeit vor allem, dass die Dienstleister im medizinischen Bereich Gewinne erzielen wollen und alles messbar sein muss.

Das heißt in der Praxis, dass diese Dienstleister sich die Personen mit einer leichten Störung herauspicken, weil deren Symptome gut behandelt werden können. Deren Besserung lässt sich auch gut messen. Bei solchen Patientinnen und Patienten haben wir daher eine Überbehandlung. Gerade bei denjenigen, die aber am dringendsten Hilfe nötig haben, kommt es zu einer Unterbehandlung. Diese sind als „Kunden“ für die Dienstleister nämlich am wenigsten attraktiv.

Wir fordern und entwickeln daher eine öffentliche psychische Gesundheitsfürsorge für die leichten Probleme, mit Informationen und Hilfe online: eHealth, mHealth, sogar ein paar Termine bei einem Experten oder einer Expertin, die gratis angeboten werden. Wir wollen die Menschen besser über psychische Gesundheit aufklären, also nicht nur ein Krankheits-, sondern auch ein Gesundheitsmodell. So ist die Prävention in einem frühen Stadium möglich und bleibt mehr Kapazität für Menschen mit schweren Problemen übrig.

Das klingt überzeugend, doch nach meiner Vermutung wird sich die Wissenschaft nicht so schnell verändern und die neurobiologische Psychiatrie das vorherrschende Paradigma bleiben. Wie sehen Sie das?

Die angesehenen wissenschaftlichen Zeitschriften belohnen biologische Forschung. Diese Zeitschriften haben Einfluss und Einfluss bringt Geld. Einfluss kriegt man vor allem durch harte Biologie.

Auch die Industrie will biologische Behandlungen, mit denen sie viel Geld verdienen kann. Inzwischen erscheint das in der Psychiatrie aber nicht mehr möglich. Deshalb zieht sich die Industrie daraus zurück und investiert lieber in andere Gebiete, so wie die Onkologie. Das ist ein großes Problem für die biologische Psychiatrie.

Patienten wollen wegen schlechter Behandlung sterben

Noch einmal zurück in die klinische Welt: Inwiefern steht Ihrer Meinung nach das Wohlsein der Patienten zentral oder geht es vor allem um Effizienz und das Marktprinzip? Vor Kurzem warnten Sie sogar davor, dass durch eine Verwahrlosung von Patienten die Nachfrage nach Euthanasie (die in den Niederlanden unter bestimmten Umständen legal ist, Anm. d. A.) in der Psychiatrie zunimmt. Patientinnen und Patienten würden es nicht länger aushalten und daher sterben wollen. Was ist da los?

Es gibt keinen Mangel an Geld, doch die vorhandenen Mittel werden vor allem in kurze Therapien investiert. Mehr passt nicht in das bestehende Marktdenken und zur Idee, dass alles messbar sein muss. Komplexe Modelle fallen damit außer Betracht. Was wir sehr ernst nehmen müssen ist die Anzahl der Selbstmorde, die gerade in den Niederlanden vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zunimmt.

Ein großer Teil der Wissenschaft und der klinischen Welt geht an den Bedürfnissen der Patientinnen, Patienten und ihrer Familien vorbei. Wir brauchen eine neue psychische Gesundheitsfürsorge, doch wir haben damit schon angefangen. Zurzeit haben wir eine Reihe von Pilotstudien in einigen Stadtteilen mit 20.000 Menschen. Das ist die Größenordnung, die wir brauchen, um unsere Ideen in die Praxis umzusetzen.

Ein paradoxes Bild sehen wir auch in den Vereinigten Staaten: Die Erfahrungsliteratur, die ich eingangs erwähnte, kommt vor allem von dort; gleichzeitig ist aber deren akademische Psychiatrie außerordentlich biologisch. Tatsächlich existieren dort zwei Systeme nebeneinander: Die klinische Psychiatrie des Gesundheitssystems, die im Wesentlichen den wohlhabenderen Menschen offen steht. Daneben existiert ein System mit freiwilligen Helferinnen und Helfern sowie Spenden reicher Personen, das an der Psychiatrie vorbei Menschen mit Problemen hilft, so wie ich es hier dargestellt habe.

Wie viele Störungen brauchen wir?

Zum Schluss: Ihr Modell geht gegen den Mainstream. Vor Kurzem interviewte ich hier Peter de Jonge, der behauptet, dass drei Störungen – internalisierende, externalisierende und psychotische Störungen – ausreichen würden, um so gut wie alle Patientinnen und Patienten gut zu behandeln (“Es gibt keine Depressionen”). Dies statt der mehreren Hundert Störungen, die die offiziellen Diagnosehandbücher unterscheiden. Wie realistisch finden Sie diese Perspektive?

Ich selbst unterscheide zehn Hauptgruppen, die mit den zehn Hauptgruppen der Diagnosehandbücher übereinstimmen. Ich nenne sie jedoch „Syndrome“. Das ist das medizinische Wort für: „Ich weiß es nicht genau.“

Ich spreche dann beispielsweise von einem „psychotischen Syndrom“. Wichtig ist dabei aber, das mit einer persönlichen Diagnose zu ergänzen, wie der Zustand von jemandem genau ist, und ihn oder sie nicht in eine Schublade zu stecken. Welche Anfälligkeit hat er oder sie – aber auch welche Widerstandskraft und welche Möglichkeiten?

Hinweis: Dieser Beitrag erscheint parallel auf Telepolis – Magazin für Netzkultur und wurde aus dem Niederländischen übersetzt.

Veröffentlicht von

www.schleim.info

Menschen-Bilder: Mensch, Gesellschaft und Wissenschaft Stephan Schleim blickt über den Tellerrand von Psychologie sowie Hirnforschung und diskutiert, was die Forschungsergebnisse eigentlich bedeuten. Besondere Aufmerksamkeit erhält dabei die Frage, wie sich Gesellschaft und Wissenschaft zueinander verhalten. Stephan Schleim hat an den Universitäten Mainz und Frankfurt u.a. Philosophie, Informatik und Psychologie studiert (Magister Artium, 2005). Nach einem Praktikum am Max Planck-Institut für Hirnforschung und einem Forschungsbesuch am California Institute of Technology ging er an die Universitätskliniken Frankfurt und Bonn, wo er mit der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) moralische und juristische Entscheidungen untersuchte. Sein ausgeprägtes theoretisches und ethisches Interesse führte zu mehreren Publikationen im Bereich der Neurophilosophie und Neuroethik. Am Institut für Kognitionswissenschaft in Osnabrück wurde er 2009 mit seiner Doktorarbeit "Norms and the Brain" promoviert. Seit Oktober 2009 war er Forscher in der Abteilung für Theorie und Geschichte der Psychologie an der Universität Groningen, seit 2010 als Assistant Professor für Theorie und Geschichte der Psychologie. Vom Oktober 2012 bis März 2013 war er Professor für Neurophilosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seit 2015 ist Stephan Schleim Associate Professor in Groningen. Der Forscher und Autor ist auch als Wissenschaftsjournalist aktiv, veröffentlicht in verschiedenen deutschsprachigen Medien mit Übersetzungen ins Italienische, Niederländische und Portugiesische. 2008 erschien sein erstes Buch "Gedankenlesen – Pionierarbeit der Hirnforschung", 2011 sein Buch "Die Neurogesellschaft – Wie die Hirnforschung Recht und Moral herausfordert." Ausgewählte Beiträge erscheinen auch auf Telepolis – Magazin für Netzkultur, für das Stephan Schleim seit vielen Jahren schreibt.

20 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Letztlich zählt, ob sich das Schicksal von Menschen mit psychotischen Schüben verbessert. Gegenüber dem 19. Jahrhundert, als viele für immer weggeschlossen wurden, gibt es heute schon deutlich weniger chronisch Schizophrene.
    Professor Jim van Os setzt vor allem auf der analytischen, deskriptiven Seite an. Eine andere Sicht auf psychiatrische Erkrankungen ist zwar auch schon etwas. Ob es aber grundlegende Änderungen und vor allem Verbesserungen in der Therapie und im Langzeitverlauf bringt, das möchte ich bezweifeln.
    Im Unterkapitel Hilfe für Betroffene gibt Professor Jim van Os Ratschläge, doch diese richten sich an Betroffene/Patienten, die sogar noch im psychotischen Schub (oder kurz danach) rationale Entscheidungen treffen können (wie etwa Info holen, Bekannte, Freund miteinbeziehen etc). Per definitionem sind das nur sehr wenige von den Betroffenen, denn wer all das tun kann, was Professor Jim van Os rät, hat gar keinen psychotischen Schub.
    Insgesamt glaube ich nicht, dass man allein mit Nachdenken, Analysieren, neu Kategorisieren und mit Ratschlägen das Schicksal von Betroffenen wesentlich bessern kann. Dazu braucht es neue Einsichten auf allen Ebenen. Schizophrene Erkrankungen sind ziemlich sicher polyfaktoriell verursacht und sind in einer mathematisch/pyhsikalischen Betrachtung ein chaotisches Geschehen, ein Geschehen also, in dem es Phänomene wie Phasenübergänge/Bifurkationen (Weggabelungen) gibt, wo das noch knapp Normale plötzlich ins Krankhafte umschlägt, weil ein kritischer Punkt überschritten wurde. Mehrere psychiatrische Krankheiten zeigen diese Komplexität, diese Wegabhängigkeit und einfache Rezepte für die Therapie gibt es in solchen Fällen nicht.

  2. Die richtige Behandlung des Erstschubs einer Schizophrenie kann zu einem besseren Gesamtverlauf führen. Falls sogar die präpsychotische Phase erkannt wird oder falls die Jugendlichen identifiziert werden, welche ein erhöhtes Schizophrenierisiko haben, scheint es möglich, einen Schub überhaupt zu verhindern. Einen Einblick gibt die Kurzzusammenfassung Altering the course of schizophrenia: progress and perspectives.
    Der Erkennung von Prodromi einer schizophrenen Erkrankung und der präpsychotischen Therapie widmet sich ein Artikel des britischen Journal of Psychiatry, nämlich Prepsychotic phase of schizophrenia and related disorders: recent progress and future opportunities.

    Dort liest man: Eine Periode von unspezifischen Symptomen und eine zunehmende Funktionsstörung tritt oft vor dem vollständigen Auftauchen der diagnostischeren positiven psychotischen Symptome auf. Diese Phase wird als “Prodrom” bezeichnet

    .
    Eine Intervention zu diesem Zeitpunkt [subjektiv oft durch erhöhte Irritabilität, selbst erlebte leichte Paranoidität beschrieben] kann einen Schizophrenieschub verhindern. Allerdings ist es heute sehr schwierig, Hochrisiko-Jugendliche eindeutig zu identifizieren, zumal während oder kurz nach der Pubertät [wo auch oft die ersten Schizophrenischübe zu verzeichnen sind] viele Jugendliche aus Erwachsenensicht psychisch auffällig sind. Es gibt aber bereits mehrere Kliniken, die Hochrisikoindividuen identifizieren und einer Behandlung zuführen. In der Regel werden allerdings nur Personen behandelt, die in dieser Phase selber Hilfe suchen. Es werden also keine Screenings an Schulen etc. durchgeführt.

  3. @ Martin Holzherr #1
    11. September 2017 @ 17:03

    Zitat:
    Letztlich zählt, ob sich das Schicksal von Menschen mit psychotischen Schüben verbessert.

    und:

    Schizophrene Erkrankungen sind ziemlich sicher polyfaktoriell verursacht …

    -> Letztlich zählt und ist Ursache meiner diagnostizierten “Schizophrenie”, dass ich mehrfach vergiftet wurde. Die irgendwann auch noch diagnostizierten “Psychosen” ergaben sich aus der Ignoranz der Ärzte und allen anderen mir gegenüber. Man ist dann irgendwie etwas erregt, wenn man wichtige Inhalte klären will, die Gegenüber aber nur meinen, es sei alles aufgrund der “Krankheit” im Geist so seltsam. Das ist die reine Wahrheit, aber nirgends und nie irgendwo amtlich festgesstellt worden. Was ein Skandal sei.

    Und ich gehe davon aus, das jeder, der psychische Probleme hat (sogenannte Positiv-Symptome vor allem), vorher neuronal wirksam (Chemisch oder Substanziel/Metalle) Manipuliert wurde.

    Diese “Notwendigkeit” ergäbe sich aus der These, dass man in diesen modernen Zeiten (und nach dem Tschernobyl-Fallout) den Geist versucht aktiv zu kontrollieren und zu formen.

    Die andere Problematik besteht darin, dass man mit den besagten Substanziellen Neuromanipulationen Macht über unseren Geist ausübt. Das ist subtile Machtausübung, weil wir uns dagegen nicht wehren können, denn der Machthebel setzt nicht erst extrinsisch an, sondern in unserem Gehirn, also unserem Bewusstsein. Unsere Denke ist schon manipuliert. Was jedoch davon abhängt (die Auswirkungen) welche Gehirnbereiche durch die Manipulation “enhanced” wurden und welche Art invasive Manipulation angewendet wurde.

    Herr Holzherr, was sind sie eigentlich von Beruf?
    So aus meiner Beobachtung von hier aus (über den 19 Zoll Monitor) sind sie für mich ein Spezialist für eh alles. Und gerne als erster Kommentator oben an. Sie reden ständig über alles, aber eben nicht ganz Ahnung-/Kenntnislos.
    Allerdings trotzdem deutlich erkennbar aus der Perspektive des “Dritten”, was sie ein bischen suspekt vorkommen lässt.
    Ausserdem sind sie “immer da” – haben sie nichts (anderes) zu tun?

    Interessant finde ich, dass sie erwähnen, dass man in psychotischen Schüben eigentlich nichts mehr auf die Reihe bekommt. Was dann auch auf mich angewendet ergibt, dass ich nie solche Psychosen hatte und daraus auch fraglich sei, ob ich überhaupt an “Schizophrenie” erkrankt bin. Das ja sowieso nicht, denn meine Symptome sind Ursache einer Transmitterübersättigung, die psychoseartige Symptome hervorbringen kann (also Erregung, die von anderen …vor allem Psychiatern, gerne als Psychose dargestellt wird). Aber sicher wird das Nervengift allerhand Schaden angerichtet haben.

    • @demolog: Ganz ohne Ahnung schreibe ich nicht. Als Unterassistent war ich in einer Psychiatrie. Im übrigen verbringe ich wenig Zeit zum Schreiben von scilogs-Kommentaren, denn meine Kommentare sind nichts anderes als Reaktionen auf das was geschrieben steht in Kombination mit meinem Wissen aus der täglichen Lektüre von NZZ, Tagesanzeiger, New York Times, der wöchentlichen Lektüre von Spiegel etc., der monatlichen Lektüre von Spektrum der Wissenschaft und dem täglichen Besuch mehrerer Wissenschaftsportale.
      Mit anderen Worten, ich wende hier an und erzeuge Gedanken über das, was ich andernorts bereits an geistigem Material konsumiert habe. (Für den Text hier habe ich 90 Sekunden verwendet)

  4. @demolog: Solche Fallgeschichten sind aus der Außenseiterperspektive immer schwer zu beurteilen.

    Was ich jedoch immer wieder gehört habe, sind diese beiden Tendenzen im klinischen Alltag:

    Erstens, alles, was eine Patientin/ein Patient an komischem Verhalten an den Tag legt, als Symptom der Krankheit zu deuten, obwohl es auch eine Reaktion auf die Behandlung sein kann.

    Zweitens, bei psychischen Nebenwirkungen auf Psychopharmaka schlicht die Dosis zu erhöhen, teilweise auf ein Vielfaches der üblichen Tagesdosis.

    Ersteres ist theoretisch falsch; letzteres halte ich für fahrlässig.

  5. @demolog: Was wollen Sie denn damit?

    Ersteres ist offensichtlich: Menschen reagieren auf ihre Umwelt, also auch auf die Therapie, die ihnen angeboten wird. Dass man Reaktionen darauf als Symtpome der Störung deutet, hängt mit dem reifizierenden (verdinglichenden) Denken über pschiatrische Störungsbilder zusammen: Ich kann mich nicht konzentrieren, denn ich habe ADHS. Korrekt ist: Weil ich u.a. Konzentrationsschwierigkeiten habe, gibt man mir die Diagnose ADHS.

    Störungsbilder in der Psychiatrie sind normative Konstrukte und wirken nicht direkt im Gehirn, wohl aber können sie die diagnostizierten Menschen beeinflussen (was etwa Ian Hacking den “looping effect” nannte). Jemand, der so eine Diagnose bekommt, wird sich wahrscheinlich anders verhalten, selbst wenn die Diagnose gar nicht stimmt.

    Letzteres (es ging hier um den Umgang mit Nebenwirkungen von Psychopharmaka) beruht auf Hörensagen; ich bin weder Psychiater, noch Gerichtsgutachter. Zufällig traf ich heute einen beim Mittagessen, der beides ist.

    • Na schön, das wir drüber gesprochen haben.

      Normativ also, woraus dann sowas, wie eine selbsterfüllende Prophezeiung wird, was?

      Dann dürfte man sowas nicht diagnostizieren. Das wäre ja fast Totschlag.

      Ausserdem ist es eine politische Sanktionierung – wegen der Normabweichung.

      Was im Gehirn wirkte, war ja auch das Nervengift. Plus Prophezeiung der Normabweichung.

      Im Zustand der übersättigten Transmitter ist man eh recht empfänglich für Suggestionen aller Art.

      Verstehen sie, worauf ich hinaus will?

      Hier besteht ein verdecktes System der Konditionierung. Woraufhin die üblichen Menschenrechte eingeschränkt sind.

      Formung des Geistes. Ohne Einverständnis. (oder subtil erschlichenes Einverständnis über die Verabredung der Supervision bei Psychotherapie).

  6. Zitat:
    Keine chronische Hirnerkrankung

    -> Beweise bitte. Ich bin nicht sicher, ob das so klar sei.

    Da es sich bei der normativen Diagnose um eine Prophezeiung handelt, liegt bei Diagnose freilich keine Erkrankung vor. Nur die Überaktivität wegen Transmitterübersättigung durch Vergiftung.
    Falls der Patient sich der Prophezeiung aber nicht “fügt”, mag sich das auch ändern können. Später wird plötzlich doch eine Ventrikelasymetrie entdeckt und dann heisst es eben Paraphrenie.

    Prophezeiung nachträglich erfüllt.

  7. @demolog: Formung & Normung

    Formung des Geistes. Ohne Einverständnis.

    Haben Sie sich schon einmal überlegt, was Erziehung eigentlich ist?

    Für “Bildung” gibt es auch im Niederländischen kein eigenes Wort; man übersetzt es mit “vorming”, also Formung (etwa: academische vorming).

    Das ist wie ein Stück Ton, dem man durch Bearbeitung eine Form gibt; allerdings reagiert der geformte Mensch mitunter in unerwarteter, vielleicht gar chaotischer Weise, und kann sich der Formung widersetzen.

    Schauen Sie, wir leben in einer Gesellschaft mit allerlei Normen, das heißt von Menschen gemachten Regeln, die historisch-kulturellen Einflüssen unterliegen. Vor nicht allzu langer Zeit war es noch strafbar, wenn Männer Sex mit Männern hatten (Sex von Frauen mit Frauen hielt man hingegen für kein so großes Problem, dass man die Polizei darauf losließ); oder wenn man einem unverheirateten Paar ein Zimmer überließ, in dem es Sex haben konnte.

    In der Psychiatrie geht es nun um etwas andere Normen; sie ist aber durch und durch normativ. Darum sind die Gehirntheorien ja so gefährlich, da sie die Normabweichungen naturalisieren wollen. Das ist aber unmöglich.

    Bitte respektieren Sie, dass ich als Philosoph auch nicht viel mehr tun kann, als darauf hinzuweisen, damit sowohl Psychiaterinnen und Psychiater als auch ihre Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörige damit bewusster umgehen; und das ist doch eigentlich schon viel mehr, als andere dazu beitragen.

    • Sie reden mir um das Problem auffällig bemüht herum.

      Nehmen sie das hier:
      http://www.jahreslosung.eu/details-vab-jahreslosung-2017.php

      Und sagen sie mir, ob da was dran sein könnte.
      Dazu müssten sie sich in sich zurückziehen und sich befragen, was sich in der jüngsten Vergangenheit verändert hat. Das muß aber hochsensibel passieren, damit sie auch bemerken, das sich etwas verändert hat.

      Sie beschäftigen sich doch mit dem Bewusstsein. Dann wäre das doch mal ein Ansatz, um gewisse Bedingungen bezüglich des Bewusstseins zu focussieren.

      Es wird erklärt, da legt jemand jemandem (an der Aussage gemessen: jedem, vielleicht?) einen neuen Geist und damit auch ein neues Herz hinein.

      Dies ist, was mir seit März dieses Jahres passiert. Mir schwindet der Geist – so fühlt es sich an. Aber jeden Morgen des Tages ist es wieder weg, das schwindende Gefühl. Dafür ist etwas anderes da. Ein neuer Teil eines Geistes?

      Ich hatte ja gedacht, dieser Prozess hätte mit der Masernerkrankung 2015 stattgefunden, aber damit gab es nur eine Erweiterung meines Geistes – offenbar. Nun aber wird es seit März ernst. (Sie wissen, was in der neuen Deutschen Medizin über die Masernerkrankung erklärt wird? Es sei eine Erkrankung aufgrund einer Konfrontation…konkreter war darüber auf die Schnelle nichts herrauszufinden – deswegen von mir dazugedichtet: die in einer Assimilierung des vorherigen Geistes/Identität mündet.)

      Aber wie gesagt: wäre ich in meinem Zustand, wie er damals bestand, weitergelebt, und ich war auf dem bestem Weg dahin, meine Unmöglichkeiten und Probleme insofern zu aktzeptieren, dann würde ich noch heute so leben. Und nicht über das Schwinden des Geistes klagen. Und über so vieles Andere auch noch.
      Und ich schätze, es wäre durchaus möglich gewesen, wenn man mich nicht hätte vergiftet – mehrfach.

      Hier ist an mir (und dem Rest der Welt) ein Verbrechen begangen worden, woraufhin millionen Menschen ins verderben getrieben wurden und sie reden vom Unterschied zwischen Erziehung und Bildung – und noch nicht mal wirklich gut (sondern banal eben). Wir können nun auch über den Vorwurf der “toxischen Männlichkeit” sprechen, die durch diesen eingeleiteten Prozess sozusagen “getilgt” wurde. Ich erwähne das nur, weil dieser Kampfbegriff verdeutlicht, wie innerhalb des nach der “Norm” gebildeten Geistes sich die Eckpunkte der Strategie und Intentionen in den Gesellschaften unbewusst etabliert haben. Sie selbst sprachen im Zusammenhang mit dem Feminismus schon vom “Stellvertreterkrieg”. Was interessant ist, weil ich den selben Terminus in diesem Zusammenhang auch schon verwendete. Ich könnte nun eine “Geistesverwandtheit” zwischen uns unterstellen. Ein interessantes Indiz für die Lösung des Problems, wie entsteht unser Bewusstsein. Und daran sind sie doch auch interessiert, nicht wahr? So als Philosoph mit dem Spezialthema Gehirn und Geist.

      Aber sie reden hier wie ein Soziologe daher. “ja, Erziehung und Bildung und so…”
      Ich bin Zwangsgebildet worden. Das steht unterm Strich. Aber mit dieser Aussage kann ich vor keinem Gericht dieser Welt klagen.
      Für mich steht fest, das diese Welt ihre Probleme, trotz “Demokratie” und allen schönen Dingen der Humanität, immernoch mit Gewalt und mit maximal invasiven Eingriffen in unser aller Leben lösst, auch, wenn dazu unmittelbar kein Krieg oder Mord im Zusammenhang sichtbar wird, wie dies all die Jahrhunderte über der Fall gewesen war.
      Mit der Möglichkeit das Gehirn und somit den Geist ziemlich subtil und erfolgreich zu manipulieren, sind all diese früheren Lösungsansätze nun tendenziel überflüssig geworden. Im “Idealfall”…zumindest im eigenen “Garten”.

      Ich will (und die meisten anderen “Lebewesen” mit Sicherheit auch nicht) nicht wie ein Stück Ton behandelt werden.
      Wenn der aufgeklärte sekuläre wissenschaftsaffine Mensch davon redet, dass der religiöse Kreationismus doch deswegen absoluter Blödsinn sei, weil Darwin uns schlüssig erklärt hätte, wie das geht, dann sage ich dazu nur, dass man so viel Dummheit und Ignoranz genauso ablehnen muß, wie die religiösen Fundamentalisten, die auf den Kreationismus in ihrer in der Bibel überlieferten Form (oder was daraus über die Jahrtausende gemacht wurde) festhalten.
      Wir leben heute als “Menschen” (Lebewesen wäre ebenso gut) sicher nicht mehr so, wie Darwin es uns erklärt hat. Sondern wir leben in einem fortgeschrittenem Seletierungsdruck, der durch die vielen Möglichkeiten der modernen Technologie und des Wissens und der Erfahrungen mit dieser modernen Umgebungsbedingungen, sich quasi evolutionär entwickelt hat. Es gibt ein “Problem”, dafür findet man eine Lösung, und schon ist es kultiviertes “System” geworden. Die auf ein Detailproblem fixierten modernen Wissenschaften scheinen aber nicht mehr zu prüfen, was sie da eigentlich machen, wenn deren Anhänger und Beführtworter erklären, es gäbe keinen Kreationismus, weil Darwin und so.
      Der “Kreatinismus” als durch die Kultivierung in die Evolution des Menschen (und der Tiere und alle Lebewesen) gekommene Faktor des Veränderungsdrucks ist ein unleugbarer Fakt der heutigen Realität. Vor allem angesichts der modernen technologischen Möglichkeiten und der modernen Lebensweisen der Menschen (Urbanisierung und alle damit verbundener Folgen solcher unnatürlichen Lebensweisen von Lebewesen).

      Es scheint, das niemand mehr eine Insel bleiben darf, weil da dieses übergeordnete Ziel der Kultivierung des Geistes besteht.
      (sehr angelehnt an die theologische Deutung dieser Idee – mit den Anforderungen der modernen “Zivilisation” – banalst kondensiert in den Begriffen “Bildung” und “Arbeitsplätze”…wie erbärmlich ist doch das Bild von Wohltat und Humanität – Freilich arg beeinflusst durch ökonomische Belange; also entsprechend eindeutig, woher das ganze kommt und beeinflusst wird: aus der Idee des Profitdenkens einiger weniger, die dann als Argument auf in Afrika Hunger leidende Kinder verweisen – was ein konstruierter Zusammenhang sei, weil schon der Hunger eine Folge der Verhältnisse des Lebens in der Entwurzellung sei – und die “Kinder” sind derweil eh typische Faktoren in christlicher Theologie. Was nur keiner bemerkt. Jedenfalls ist der Verweis auf die “Kinder” immer allerübelster Populismus – auch, wenn Kinder tatsächlich leiden. Ich finde immer irgendwo irgendwen, der nach unseren “normierten” Maßstäben leidet).

      Ich verlange vor allem von einem Philosophen, dass er relevant konkret werden kann (und wird).

  8. @demolog: Missverständnis

    Sie reden mir um das Problem auffällig bemüht herum. … Ich verlange vor allem von einem Philosophen, dass er relevant konkret werden kann (und wird).

    Ich bedaure, dass es offenbar zu einem Missverständnis gekommen ist, was Sinn und Zweck dieses Blogs ist und was meine Aufgabe dabei ist.

    Ich stelle Ideen zur Diskussion, die ich selbst interessant finde. Das heißt nicht, dass es nicht auch viele andere interessante Ideen oder Fragen gäbe. Meine Zeit und Mittel sind aber nun einmal begrenzt.

    Für Ihre Frage scheint mir ein Forum einer Erfahrenengruppe ein besserer Ort zu sein.

    P.S. Das hier ist alles freiwillig; ich finde es nicht so nett, anderen vorzuschreiben, womit sie sich beschäftigen müssten.

  9. Ja, ich finde es nicht so nett, dass man mich mehrfach vergiftet und das davon dann niemand Notiz nimmt. Als ob es jenen egal sei.

    Aber das kann niemanden egal sein, wenn sowas passiert.

    Wenn ich in der Sache eine hilfreiche Reaktion der Gesellschaft erreichen will, ist die “Selbsthilfegruppe” leider nicht der richtige Ort.
    Richtige Ansprechpartner sind Menschen, wie sie, denen man seine Worte glaubt, wenn sie reden.
    Das Psychiatriesystem ist leider nämlich genau darauf zugeschnitten, das denen, die darin versacken, jegliche Lobby abhanden kommt/abgesprochen wird. Da kann man dann ewig selbstreferenziel über sich selbst und seine Peinigung rumjammern, aber sonst passiert nix. Weilo die Menschen auch nachhaltig geschwächt wurden/sind, um irgendwas nach Aussen bringen zu können. Und wenn es überall so abgeht, wie hier, dann ist doch der Tatbestand schon deutlich gemacht und als faktisch bestehend bewiesen!

    Die Pschiatrie-Industrie ist politische Konditionierungssystem – per Wohltatgesetz legalisiert und der Bevölkerung als “entgegenkommender” Fortschritt verkauft.
    Und wenns nicht funktioniert, wird man eben vergiftet – so aus dem Off.

    Wollen sie, das solche Verbrechen geschehen?

    nein?

    Dann sollten sie sich dem Annehmen.

  10. @demolog: Sie dürfen hier Ihre Meinung sagen, so wie alle anderen auch.

    Ich kann mich aber nicht mit allem Unrecht befassen, das auf der Welt passiert; ich konzentriere mich auf den Bereich, in dem ich am meisten erreichen kann – und das ist schon viel mehr, als viele andere tun. Ich bitte Sie, das jetzt zu respektieren.

    Es ist mir ein Rätsel, warum Sie so eine negativen Meinung über Selbsthilfegruppen haben. Der Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener scheint mir für solche Erfahrungen eine gute Anlaufstelle zu sein.

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