“Unsere heutige Gesellschaftsform produziert sehr viele Störungen”

Der Psychologieprofessor und Bestsellerautor Paul Verhaeghe erklärt, dass Umwelt, psychische und körperliche Gesundheit stärker zusammenhängen, als wir das bisher dachten

Paul Verhaeghe ist Professor für Psychodiagnostik an der Universität Gent in Belgien. Im ersten Teil des Gespräches ging es darum, wie Psychologie und Psychiatrie auf soziale Anpassung abzielen. Jetzt fahren wir mit dem Nutzen pharmakologischer Behandlungen fort.

Frage: Sie sprachen gerade Freuds neurologischen Hintergrund an und erwähnen selbst immer wieder, dass wir (auch) Körperwesen sind. Was halten Sie denn dann von psychopharmakologischen Behandlungen, die ja direkt auf den Körper einwirken?

Verhaeghe: Körper und Geist – das sind für mich keine getrennten Welten. Mit einem Dualismus wie bei Platon oder Descartes kann ich nicht viel anfangen. Wir sind eine Ganzheit. Wahrscheinlich renne ich mit meiner Aussage offene Türen ein, dass der wichtigste Ansatz bei der Behandlung psychischer Störungen das biopsychosoziale Modell ist. Mit diesen drei Aspekten – Körper, Psyche und Umwelt – müssen wir arbeiten.

Wir sehen aber heute in der Psychiatrie – auch durch den Einfluss der pharmazeutischen Industrie –, dass vor allem biologisch auf den Menschen geschaut wird. Und das Biologische wird dann wiederum auf das Pharmakologische reduziert. Dabei ist “biologisch” eigentlich nicht ganz treffend, denn die Biologie ist auch eine ökologische, also eine Umweltwissenschaft, während der pharmakologische Ansatz den Menschen auf Moleküle reduziert. Natürlich wirken solche Mittel irgendwie. Die Erfolgsgeschichten, die darüber erzählt werden, dass damit nämlich alle Probleme gelöst werden, stimmen aber nicht. Dazu kommen noch zahlreiche Nebenwirkungen.

Um etwas Konkreter zu werden: Wenn sich jemand in einem akuten psychotischen Zustand befindet (also z.B. unter starken Wahnvorstellungen, Halluzinationen o.ä. leidet, Anm. S. Schleim), dann muss man Neuroleptika verschreiben. Anders wird der oder die Betroffene von Angst verzehrt und begeht am Ende womöglich einen Suizid. Danach muss man im Einzelfall entscheiden: Was kann jemand mit, was ohne Medikamente, wie hoch muss die Dosis sein? Alle Patienten mit solchen psychotischen Problemen, die ich kenne, haben hiermit zu schaffen. Einerseits würden sie gerne ohne die Medikamente leben; andererseits wissen sie, dass sie sie brauchen.

Wenn wir uns aber die angstlösenden Mittel anschauen, dann sehen wir zwar, dass der angstreduzierende Effekt sehr gut funktioniert. Jedoch vor allem kurzfristig. Schon nach ein paar Wochen nimmt die Wirkung wahrscheinlich ab…

…und muss man die Dosis erhöhen?

Ja – und dann steigt wiederum das Risiko von sehr unangenehmen Nebenwirkungen. Oft bekomme ich nach Vorlesungen auch die Frage, ob ich meinen Kindern – oder inzwischen schon Enkelkindern – Medikamente geben würde, wenn sie eine ADHS-Diagnose (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, Anm. S. Schleim) bekämen. Das würde ich aber niemals tun. Das sind doch Amphetamine! So etwas gibt man doch keinem Kind, das vielleicht gerade einmal fünf Jahre alt ist.

Bei der richtigen Abwägung lässt sich meiner Meinung nach nichts gegen eine medikamentöse Behandlung sagen. So, wie das heutzutage aber sehr oft passiert, bin ich jedoch strikt dagegen. Und wenn ich dann auf das biopsychosoziale Modell zurückkomme, dann muss man leider feststellen, dass heute sehr wenig auf dem sozialen Niveau gearbeitet wird. Dabei hilft es einem Betroffenen mitunter schon sehr, wenn nur einmal jemand für eine Stunde pro Woche zu einem Gespräch vorbeikommt. Das verbindet, dann fühlt sich jemand wertgeschätzt. Genau das fehlt vielen Patienten, die den Eindruck haben, nur noch auf ihre diagnostizierte Störung reduziert zu werden. Das ist doch furchtbar.

Diesen und viele weitere Texte zum Thema finden Sie in meinem neuen eBook: Psyche & psychische Gesundheit. Heise Verlag, 2020.

Gegen Ende würde ich gerne noch darauf hinaus, wie wir Ihrer Meinung nach den bisher besprochenen Herausforderungen der psychischen Gesundheit begegnen sollten. Welche Lösungsansätze schlagen Sie vor?

Wir dürfen sicher nicht die Fehler der Anti-Psychiatrie aus den 1960er Jahren wiederholen. Damals wurden alle Menschen mit Problemen als Opfer einer schlechten Gesellschaft dargestellt. Die Vertreter dieser kritischen Strömungen stellten sich sozusagen zusammen mit den Patienten vor die Klagemauer. So hilft man aber niemandem.

Ich denke, dass wir zwei Dinge tun müssen: Einerseits dem individuellen Patienten helfen – dann aber bitte anders, als es heute so oft geschieht. Heute wird zu viel auf die Symptome geschaut und zu wenig nach den Ursachen gesucht. Und diese gehen immer über das Individuum hinaus und haben auch mit der Umgebung zu tun. Dann stellt sich die Frage, wie man dem oder der Betroffenen dabei helfen kann, etwas an dieser Umgebung zu verändern. In der Praxis funktioniert das auch. Ich arbeite schon lange nicht mehr nur individuell, sondern kontextuell, aber immer noch aus meiner psychoanalytischen Perspektive heraus.

Wie sieht das aus? Denn Sie haben doch immer noch Einzelgespräche mit den Menschen, oder nicht?

Ja. Aber anstatt nur in der individuellen Geschichte von jemandem zu suchen, wie es in der klassischen Psychoanalyse getan wird, untersuche ich das Folgende: Wie und unter welchen Umständen wiederholt sich die Geschichte dieses Menschen immer wieder? Und zwar in Situationen, auf die er oder sie selbst Einfluss hat. Denken Sie an das Bonmot, dass man seine Geschichte wiederholt, wenn man sie nicht kennt; und dass man sie mit Sicherheit wiederholt, wenn man sie verdrängt. Das ist also nichts, was einem nur widerfährt, sondern worauf man auch aktiv Einfluss hat.

Wenn man beispielsweise immer wieder dieselbe Art von problematischem Partner sucht, wenn man immer wieder in derselben problematischen Arbeitssituation landet, dann ist das nicht gesund. Und für diesen Partner oder diese Arbeitssituation hat man sich oft selbst entschieden.

Vielleicht auch unbewusst?

Ja, das stimmt, das geschieht nicht immer bewusst. Es führt aber oft zu einer Kettenreaktion von Problemen, die Stress verursachen.

Sie sind bekannt dafür, die gesellschaftlichen Umstände zu kritisieren. Jetzt haben wir aber doch vor allem über das Individuum gesprochen.

Das war das Eine. Ich war noch nicht fertig. Das Andere hat mit der Psychologie, der Psychiatrie und auch dem allgemeinen Fortschritt in der Medizin zu tun. Denken Sie an die enorme Verbesserung der Lebenserwartung. Diese hängt damit zusammen, dass Ärzte in der Vergangenheit Regierungen dazu gedrängt haben, in die Verbesserung der Lebensumstände zu investieren. Denken Sie an die Wasserversorgung, die Versorgung von Kindern oder auch die Organisation von Arbeit. Solche Maßnahmen haben dazu geführt, dass viele von uns jetzt älter als 80 werden und länger gesund bleiben. Das hat aber nur wenig mit der Behandlung individueller Patienten zu tun, sondern mit gesellschaftlichen Veränderungen.

Als Experten für psychische Gesundheit sollten wir dasselbe tun, was diese Ärzte früher getan haben: Darauf hinweisen, welche Umstände gut sind und was wir eher vermeiden sollten. Wir brauchen beispielsweise dringend mehr Investitionen in Kindergärten. Natürlich wollen wir die Möglichkeit erhalten, dass beide Elternteile arbeiten – dann muss für die Kinder aber auch eine hochwertige Betreuung angeboten werden. Wir brauchen uns also nicht zu wundern, wenn heute 20% der Zehnjährigen Probleme haben.

Das ist unsere doppelte Rolle als Psychologen und Psychiater: Erstens mit den Patienten zu arbeiten. Das ist individuell und dabei hilft es nicht, sie als Opfer hinzustellen. Und zweitens auf organisatorischem Niveau aktiv zu sein, in Ämtern, als Berater, auf der politischen Ebene, um die Lebens- und Arbeitsumstände zu verbessern. So ging das auch vor 150 Jahren. Und auch damals mussten erst Widerstände überwunden werden.

Sie nennen jetzt vor allem Erziehung und das Bildungssystem. Haben diese Ihrer Meinung nach die höchste Priorität?

Diese Beispiele nenne ich, weil sie bei uns in Flandern nicht gut funktionieren. Die anderen Systeme, etwa in den Niederlanden oder in Deutschland, kenne ich zu wenig. Allerdings sind sich alle psychologischen Schulen darüber einig, dass Erfahrungen in der Kindheit für die – körperliche wie psychische – Gesundheit im ganzen Leben von großer Bedeutung sind.

In einer zunehmend globalisierten Welt sollte man aber auch davon ausgehen, dass es hier strukturelle Ähnlichkeiten zwischen den Ländern gibt. Und was Sie über Traumata und Stress erzählten, scheint mir auch allgemeiner zu gelten.

Das ist auch so. Dann ist mir nur wichtig, das Wort “Stress” in einem breiten Sinne zu verstehen. Man denkt dabei oft an Probleme am Arbeitsplatz oder Ähnliches. Dabei ist die Bedeutung viel breiter: Ich war zum Beispiel gerade drei Wochen lang im Urlaub auf den Kapverdischen Inseln. Da ist es einfach still. Sie können sich nicht vorstellen, was für einen beruhigenden Effekt das hat. Nach nur zwei Tagen kamen meine Frau und ich zur Ruhe. Dann ist man gerade einmal eine Nacht zurück und alles ist wieder anders.

Wir können natürlich nicht jeglichen Lärm vermeiden aber doch das Eine oder Andere versuchen. Natürlich würden nicht alle psychischen Probleme verschwinden, nur wenn unsere Umgebung ruhiger würde. Es geht aber um solche grundlegenden Dinge. Man kann auch den schon häufig gezogenen Vergleich mit den skandinavischen Ländern bemühen. Dort gibt es viel weniger solcher Probleme und haben sie einen anderen Lebensstil.

Mich überrascht, dass Sie bisher noch gar nicht die ökonomischen Verhältnisse angesprochen haben. Auch in Ihren Büchern setzen Sie sich damit immer wieder auseinander.

Das Problem ist, dass sich der Neoliberalismus weit über das ökonomische System hinaus ausgebreitet hat. Das Gesundheits- oder das Bildungssystem, um nur zwei Beispiele zu nennen, ist heute nach ökonomischen Prinzipien organisiert. Das lässt sich nicht auf einen Schlag wieder verändern. Aber wenn ich einen Zauberstab hätte, dann würde ich in jedem Fall dafür sorgen, dass das ökonomische Modell auch auf die Ökonomie beschränkt bleibt, denn nur da gehört es hin. Im Gesundheits- oder Bildungssystem hat es aber vor allem negative Auswirkungen.

Wenn ich etwa an unsere Universitäten denke, dann drückt sich das in dem alles bestimmenden Wettbewerb und im Wachstumsgedanken aus: Man muss immer mehr forschen, immer mehr publizieren, immer mehr Gelder einwerben. Dabei ist die Idee, dass ein Mehr automatisch mehr Qualität enthält, natürlich Unsinn. Und die Reduktion von allem auf Konkurrenz und Wachstum tut den Menschen nicht gut. Ich bin aber nicht grundsätzlich gegen Wettbewerb, damit wir uns nicht falsch verstehen. Wir sind soziale Wesen und als solche haben wir sowohl eine kompetitive als auch eine altruistische Seite. Das sind zwei Pole in uns. Wir müssen beiden Raum geben.

Echte Zusammenarbeit, wenn wir uns nicht vom Anderen bedroht fühlen, ist für uns oft nicht nur angenehmer, sondern führt auch zu besseren Resultaten. Eine Zeit lang war das bei uns an der Universität aber vollständig verschwunden. Nur wer die meisten Publikationen und so weiter hatte, konnte auf eine Professur kommen. Doch so schaffen es nur die “Alphatiere” nach oben – und mit denen ist die Zusammenarbeit nicht sehr angenehm.

Da gibt es noch etwas in Ihrem neuen Buch (“Over normaliteit en andere afwijkingen”, noch nicht übersetzt, Anm. S. Schleim), das ich nicht verstehe: Sie schreiben, die wichtigste psychische Störung, nämlich die uns gesellschaftlich auferlegte Normalität, stünde nicht in den Diagnosehandbüchern. Wie meinen Sie das?

Sie ist erstens die Wichtigste, weil sie am häufigsten vorkommt. Zweitens geht es um das Normale, wie es gesellschaftlich konstruiert und dann beispielsweise über die Erziehung vermittelt wird. Damit identifizieren sich viele Menschen. Das Bild, das man uns heute vorhält, ist eigentlich das eines Donald Trump: das hyperkompetitive, narzisstische, das “The winner takes it all”-Modell. Man sieht, wie sich immer mehr junge Menschen in diese Richtung entwickeln und das halte ich für sehr ungesund.

Dabei muss ich an das Beispiel denken, das mir meine Studierenden erzählt haben. In meiner Studienzeit war es noch normal, dass man nicht immer zur Vorlesung ging. Das schien uns nicht immer die Mühe wert. Wir verabredeten dann miteinander, die Mitschriften zu teilen. Jetzt hörte ich aber, dass man das heute nicht mehr macht. Den Vorteil, den man durch die Informationen für sich selbst hat, gibt man nicht mehr an den Anderen weiter. Das finde ich schrecklich.

Oder denken Sie an die Burn-outs bei den Studierenden. Die feilen jetzt schon an ihren Lebensläufen. Dabei denke ich: Ihr seid doch gerade mal 18, 19 Jahre alt. Ihr seid auf der Universität. Genießt das! Das ist so eine schöne Zeit – und ihr sorgt euch um eure Lebensläufe. Das scheint aber die neue Normalität zu sein und das finde ich wirklich nicht gut.

Halten Sie eine Gesellschaft für möglich, deren Vorstellung von Normalität – wie in unserer das ökonomische und kompetitive Denken – in Ihrem Sinne nicht als Störung angesehen werden müsste?

Ich muss erst einmal klarstellen, dass jede Gesellschaft psychische Störungen produzieren wird. Das ist unvermeidlich. Wichtig hierfür ist, dass man mit seiner Identität nicht schon geboren wird. Genügend Forschungsergebnisse zeigen, dass wir unsere Identität erwerben – natürlich neben ein paar biologischen Veranlagungen.

Jede Gesellschaft hat ein Bild davon, was eine ideale Frau, ein idealer Mann oder was die idealen Beziehungen zwischen den Geschlechtern sind. Das bedeutet aber, dass mit jeder Definition dessen, was eine Gesellschaft als normal ansieht, gleichzeitig auch Abweichungen festgelegt werden. Darum wird es nie eine Gesellschaft ohne Abweichungen geben, das ist unmöglich. Die idealste Gesellschaft ist diejenige, die am wenigsten Störungen produziert – unsere heutige produziert aber wirklich sehr viele!

Hinweis: Dieser Beitrag erscheint auch auf Telepolis – Magazin für Netzkultur. Titelgrafik: Image by Hans Braxmeier from Pixabay

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36 Kommentare

  1. Tatsächlich erfasst das ökonomische Denken zunehmend alle weiteren Bereiche, auch den Privatbereich und sogar ganz Junge denken in Kategorien von Erfolg und Lebensplanung. Damit wird ein neues Normal definiert und die Unbeschwertheit des Seins im Hier und Jetzt verschwindet.

  2. “und ihr sorgt euch um eure Lebensläufe.”
    Das fällt selbst im Sport auf, es gibt immer mehr große Talente, die nicht mal mehr versuchen, als Vollprofi in die Spitze vorzudringen, aus Angst, sie könnten Nachteile in einem mittelmäßigen Karriereweg haben, wenn sie “Zeit verschwenden”. Das war mal anders.
    Könnte auch zu tun haben damit, daß immer weniger echte Knappheit oder Krisen kennen, die einem auch mal den Blick schärfen für echte Probleme.

  3. Verhaeghe: Körper und Geist – das sind für mich keine getrennten Welten. Mit einem Dualismus wie bei Platon oder Descartes kann ich nicht viel anfangen. Wir sind eine Ganzheit.

    Klingt gut, steht nach meiner Lesart ein wenig im Widerspruch zu der im vorigen Teil des Interview getätigten Beobachtung einer “inneren Verteiltheit” des Menschen; das hilft den Patienten in der Ausdrucksweise mutmaßlich nicht weiter, obwohl auf den Körper verweisend beinhaltet diese Sichtweise die Teilung; mutmaßlich mit der Beziehung zu ihrem Körper hadernde Patienten finden vielleicht in der Grundkategorie der Philosophischen Anthropologie eine Erklärung für die menschliche Position.

  4. @Der Druck, der drückt

    Interessant, hier die Normaleinstellung auch als Störung zu begreifen. Auch wenn man Glück hat, und keine leistungseinschränkenden Zusatzstörungen auftreten, führt das dann doch tendenziell zu einem Scheißleben.

    Es fehlt eine gewisse Unbeschwertheit, sich Zeit nehmen für das, was einen wirklich interessiert. Einfach mal der eigenen Neugier folgen. Sich nicht nur über die eigene Leistung und das damit erzielbare Einkommen zu definieren, und letztlich Mut zur Armut zu haben. Ist das denn wirklich ein Problem, keinen SUV vor der Tür stehen zu haben?

    Klar, das Prekariat ist real, davon will man gerne etwas Abstand haben. Aber es lohnt sich wirklich, zu gucken, wie man glücklich werden kann. Da sollte man auch Risiken eingehen, und sich eben nicht in eine Leistung drängen lassen, die einen auf keinen Fall glücklich machen kann. Notfalls den Arbeitgeber wechseln, und vielleicht auch noch einen neuen Beruf anfangen, wenn man echt keine Lust mehr hat.

    Die Bereiche Bildung und Gesundheit werden gnadenlos ökonomisiert. Zusammen mit Harz4 zieht das eine menschliche Katastrophe nach sich, und das wird immer schlimmer. Die Panik vor dem Niedriglohnsektor treibt die jungen Menschen in immer mehr Konkurrenz und Leistungsbereitschaft. Die Karriere geht vor alles, was rechts und links auf dem Weg an Interessanten zu entdecken wäre, das wird gar nicht mehr wahrgenommen. Zu Schulzeiten einfach noch das Leben zu entdecken, und zu gucken, wie man den glücklich werden könnte, dafür ist hier schon keine Zeit mehr. An der Uni ist der Stoff so dicht, hier kommt man nur noch mit richtig pauken durch.

    Und wenn es dann noch dicker kommt, dann kann man irgendwann nicht mehr, und mit einer handfesten psychischen Störung wird man dann gleich ganz aussortiert. Kann man da sogar froh drüber sein? Wenigstens hat man dann endlich mal wieder Zeit, obwohl man dann gerade doch im Prekariat gelandet ist, was man ja die ganze Zeit vermeiden wollte. Es ist dann in der Tat nicht einfach, mit wenig Geld, kaum vorgegebener Beschäftigung und einem geringen Ansehen auszukommen.

    Nach wie vor ist die Leistungsgesellschaft dabei, sich mangels Nachwuchs selber abzuschaffen, ein Ende ist nicht in Sicht. Zuwanderung füllt den Mangel wieder auf, dass die Wirtschaft weiter Arbeitskräfte hat, und die Häuser nicht leerstehen. Macht sich da echt Keiner Gedanken, wo das hinführen soll, und wie wir stattdessen vernünftig leben könnten?

    Man muss doch auch Freude an der Arbeit haben können, und dann noch in einer Dosis, dass man noch ein Leben nach Feierabend hat. Und auch mit Nachwuchs, ohne den dann mit Extrastress noch irgendwie dazwischen quetschen zu müssen.

    Wenn der Drill schon in der Grundschule anfängt, und oft erst ein Ende nimmt, wenn man mit 55 wirklich nicht mehr kann, so läuft das nicht. Wenn schon die Leistung so wichtig ist, dann sollte man dann auch schon in der Schule möglichst früh wissen, was man mal werden will, und dann gezielt nur das Lernen müssen, was man dafür braucht. Und auch an der Uni gezielter, aber dafür in Ruhe lernen können. Dann ist ja auch eher noch Platz für Inhalte, die einen als Menschen wirklich interessieren.

    Ich denke, eine Berufsfindung sollte in der Schule schon so früh wie möglich stattfinden können, damit hier nicht auch noch Unnützes gepaukt werden muss. Also Berufsfindungsseminare und auch längere Praktika, gerne mit etwas Zuverdienst gleich mit dabei.

  5. @ArneK: innere Verteiltheit

    Die bezieht sich wohl auf innere Konflikte, inbesondere auch deren Unterdrückung.

    Dadurch, dass man Körper und “Geist” als Einheit sieht, hebt man ja nicht z.B. die Unterscheidung von bewusst und unbewusst auf.

  6. @Stephan Schleim: innere Konflikte

    Es geht also vor allem um Konflikte?

    Prof. Verhaeghe: Ja. Und dann geht es darum, jemandem zu helfen, mit seiner inneren Verteiltheit umzugehen. Ein sehr klassisches Verständnis ist übrigens die Unterscheidung zwischen Körper und Geist und den Konflikt zwischen beiden – wie geht man damit um? Das ist insbesondere bei jungen Menschen ein Problem, mit dem sie zum Psychologen kommen, auch wenn sie das nicht immer so ausdrücken können.

  7. @ArneK: innere Verteiltheit#2

    Ich erinnere mich, dass das eine für mich schwierige Stelle bei der Übersetzung war, wegen der ich noch einmal bei Verhaeghe nachgefragt habe.

    Was ich in meiner vorherigen Antwort hierzu schrieb, hatte ich auch vor dem Freud’schen Hintergrund Verhaeghes geschrieben. Bei ihrer Textstelle muss ich eigentlich raten: Man ist mit irgendetwas an seinem Körper unzufrieden, findet sich nicht schön genug, zu dick usw. – wie geht man damit um?

    Ansonsten kann ich nur empfehlen, sich Verhaeghes Bücher durchzulesen; ein paar sind ja ins Deutsche übersetzt.

  8. Zu ADHS/ Dopamin:
    Unser Bewusstsein wird meiner Ansicht nach von Dopamin beeinflußt, steuert es doch den Grad der Wachheit. So befindet sich jeder mal im Stadium des “ADHS”, sei es nun ob er sich mit Kaffee/Alkohol/ Sex/ Stress/Sport aufputscht. Anders scheint es bei Traumatisierten. Hier wird Dopamin/Noradrenalin dauerhaft ausgeschüttet, was wohl genetisch vererbar ist, da ein Trauma über Generationen weitergegeben werden kann (Siehe die Kriegstraumas von Soldaten). Der also heute unter ADHS leidende muss so gesehen gar nicht mal ein Ursache dafür in seinem Leben haben. ADHS ist dann wohl auch nur ein Überbau für andere psychische Erkrankungen wie Schizophrenie, Psychosen, Wahn, Legasthenie etc. da diese Überproduktion von Dopamin das Bewusstsein in dem Sinne erweitert, dass Fiktion/Phantasie und Realität nicht mehr getrennt werden können. Unsere Gesellschaft produziert- wie jede Gesellschaft – viele psychische Störungen , da
    immer Menschen unter irgendetwas leiden werden und es nie den “gesunden “Menschen geben wird. Der Kapitalismus hat nur die Angewohnheit, dass er die Menschen als Ware betrachtet und jeder jeden manipulieren will, um im harten Existenzkampf zu bestehen, auch auf Kosten anderer bzw. der Gesundheit anderer. In der DDR hatte man sich da gemütlich zurückgelehnt, da Arbeitsplatz und Existenz sicher waren und an anderen Dingen gelitten. Heute, um mit Jeckenburger zu sprechen, bezeichnet man dieses Leben als “Scheißleben”, da
    man wahrscheinlich ein Egomane in einer Welt voller Egomanen ist, wo jeder nur für sich kämpft ,ohne gemeinsam gegen dieses System von Ungerechtigkeit vorzugehen.

  9. @Jeckenburger, Querdenker: System

    Und doch wählen Jahr für Jahr große Gruppen der Bevölkerung immer wieder dieselben Parteien, die sie tendenziell ins Abseits führen; vielleicht aus Angst, dass es ansonsten noch schlechter würde.

    Rainer Mausfeld erklärt das mit dem “status quo bias”.

  10. Das scheinbar Rationale in Wirtschaft, Politik und auch im Privatleben sind Zielsetzungen und Bestrebungen wie die der konstanten, permanenten Verbesserung. Denn nur mit permanenter Verbesserung erreicht man von Monat zu Monat, von Jahr zu Jahr mehr. Mehr Gewinn, mehr Befriedigung sowohl in der Arbeit als auch in der Beziehung und im Leben.
    Leider kann es ein immer mehr, immer besser aber gar nicht geben. Mit zunehmendem Einsatz zum wiederholten Mal wird die Verbesserung zwangsläufig immer kleiner. Irgendwann kann man nicht mehr viel mehr herausholen.
    Das bedeutet letztlich, dass man solche Zielsetzungen wie die der permanenten Verbesserung hinterfragen sollte, denn es könnte sein, dass man irgendwann etwas Falschem hinterherläuft – etwas was sich als Ziel gar nicht mehr lohnt.

  11. @Martin Holzherr
    “dass man irgendwann etwas Falschem hinterherläuft ”
    So isses. In der Festlegung, was als Verbesserung gilt und was nicht, steckt ein großes Stück Machtausübung.

  12. @Martin Holzherr Ende der Verbesserungen

    Genau, z.B. sind Autos sogar schon längst übers Ziel hinaus gewachsen. Die dicken SUVs werden immer breiter und immer zahlreicher, und nehmen den Radfahrern ganz allmählich, aber spürbar Platz weg. Sowohl rechts als parkender Verkehr wie links beim Überholen, da sind jeweils 10 cm eine ganze Menge. Hier ergäbe sich ein anderer Fortschritt: Nach und nach die Städte richtig fahrradfreundlich zu machen. Da ist noch Platz für echte Verbesserung. Das wäre ein hervorragendes Angebot an alle, die gerne Fahrrad fahren, denen aber der derzeitige Stadtverkehr zu schwierig und zu gefährlich ist.

    Auch sonst kann man sich ja neue Ziele suchen, z.B. konsequenten und wirksamen Klimaschutz. Oder die gesamte Landwirtschaft auf Bio umstellen. Oder den Menschen in Afrika wirklich helfen, wirtschaftlich auf die Beine zu kommen, und möglichst Vieles selbst produzieren zu lernen.

    Aber auch hiermit werden wir irgendwann fertig sein. Dann bleibt aber noch so manche Herausforderung übrig. So ist z.B. die Wissenschaft immer noch spannend, und ich habe sogar den Eindruck, dass sie immer spannender wird. Es sieht so aus, dass das auch noch Jahrtausende so weitergeht, das Forschung und Wissenschaft spannend bleibt. Den Kosmos erkunden, fremde Welten entdecken, da ist ein buchstäblicher ganzer Kosmos, der auf uns wartet.

    Oder die Jüngeren von uns könnten gucken, wie sie wieder auf eine bestandserhaltende Zahl von Kindern kommen können. Auch das ist eine Aufgabe, die uns vorerst nicht ausgehen wird. Hier hat der Mensch schon immer viel Arbeit mit, und auch könnten wir überhaupt mehr Miteinander praktizieren, in der Familie, in der weiteren Verwandtschaft und darüber hinaus.

  13. @ Stephan Schleim 24.07.2020, 15:16 Uhr

    Zitat: „Und doch wählen Jahr für Jahr große Gruppen der Bevölkerung immer wieder dieselben Parteien, die sie tendenziell ins Abseits führen; vielleicht aus Angst, dass es ansonsten noch schlechter würde.“

    Dies wäre naheliegend.

    Auch frühere Gesellschaftsformen haben sehr viele Störungen „produziert“, ich vermute weitaus mehr als heutzutage. Wir sind einfach zu anspruchsvoll geworden. Der Druck auf den Einzelnen war viel höher. Es gab Kriege und eine „Not“ hat die nächste „Not“ abgelöst.

    Man lebte auf engem Raum zusammen und es gab die Persönlichkeit massiv einengende Abhängigkeiten, wenn z.B. dominante Väter, Onkel, Tanten über alles bestimmt haben. Man war gezwungen mehr zu arbeiten als heute, Sozialleistungen gab es nicht und „Luxusgüter“ wie z.B. Fleisch, Zucker, Kaffee konnten sich viele kaum leisten. Es gab häufig einfache Mahlzeiten aus Kartoffeln oder Mais und Kraut.

    Die Wohnungen mussten mühsam geheizt werden, es gab keinen elektrischen Strom, keine Waschmaschinen, kein Fließwasser, nur ein Gemeinschaftsbad und WC.

    Die Lebenserwartung und Krankenfürsorge war weitaus schlechter als heute. Es wurde einem aufgezwungen wie man zu leben hatte.

    Heute leben wir fast im „Paradies“, obwohl viel mehr Menschen als früher ernährt und versorgt werden müssen, sind viele Menschen dennoch unzufrieden. Vermutlich genau deswegen, weil es uns „zu gut“ geht. Psychische Krankheiten und eine Behandlung vom „Dr. Freud“ konnten sich früher nur die „Reichen“ leisten. Heute gibt es eine Therapie auf Krankenschein vom „Streichelpsychologen“.

    Ich finde, das ganze politische System, aber ganz besonders die derzeitige Kanzlerin hat hervorragende Arbeit geleistet. Objektiv ist alles besser geworden und besonders auch die Krisen wurden bei uns bestens bewältigt. 75 Jahre, eine „Generation“ ohne Krieg, hat es kaum je gegeben.

    Toll fände ich es, könnte man auch noch das grundsätzliche Konjunkturproblem, aber auch die Umwelt- und Pandemieprobleme, einerseits durch optimale „Steuerungsimpulse“ für die Wirtschaft, andererseits durch beste Umsetzung durch kreative leistungsstarke Unternehmer beheben.

  14. @Tobias Jeckenburger (Zitat):

    Genau, z.B. sind Autos sogar schon längst übers Ziel hinaus gewachsen. Die dicken SUVs werden immer breiter und immer zahlreicher, und nehmen den Radfahrern ganz allmählich, aber spürbar Platz weg.

    Als Stadtfahrzeuge, ja überhaupt als Strassenfahrzeuge sind SUV‘s grotesk überdimensioniert. Doch SUV‘s machen jetzt vielerorts mehr als 40% aller verkauften Fahrzeuge aus. Und Frauen sind die grössten Fans von SUV‘s (Warum fahren Frauen auf SUV ab?). Kürzlich sah ich ein Video, in der eine Frau, die ein SUV fuhr, anschliessend einen Tesla Model 3 (der Tesla vermittelt eher Rennfahrfeeling) probefuhr. Sie fand ihren SUV viel besser, wegen der höheren Sitzposition, die sie über den Verkehr hinaus hob und bewirkte, dass sie sich sicherer fühlte. Im verlinkten Artikel wird ein SUV deshalb zurecht als Frauenpanzer bezeichnet.
    Man sieht am Beispiel des SUV: Vieles aus unserem Alltag hat psychologische und letztlich irrationale Gründe. Geld und Erfolg erlaubt uns den Luxus sich unseren irrationalen Wünschen hinzugeben. Das gilt für Leute wie Jeffrey Eppstein ebenso wie für die Frau mit dem SUV, den sich die Frau bei der ersten Gehaltserhöhung gekauft hat.

  15. @Elektroniker (Zitat):

    Auch frühere Gesellschaftsformen haben sehr viele Störungen „produziert“, ich vermute weitaus mehr als heutzutage.

    So ist es. Eine „Störung“ wird erst sichtbar oder manifestiert sich oft erst dann , wenn man engere Maßstäbe anlegt und den Druck erhöht. Das ist heute so. Früher reichte es den Job zu erfüllen. Heute reicht das lange nicht mehr, heute muss man sich entwickeln und verbessern, man muss jährliche Qualifikationsgespräche „bestehen“, man muss lernen sich zu verkaufen. Einige wenige (vor allem Narzissten) blühen dabei auf, die meisten aber erleben das nur als ständig steigenden Druck – und werden krank dabei.

  16. @Elektroniker (Zitat):

    Auch frühere Gesellschaftsformen haben sehr viele Störungen „produziert“, ich vermute weitaus mehr als heutzutage.

    Heute leben wir fast im „Paradies“, obwohl viel mehr Menschen als früher ernährt und versorgt werden müssen, sind viele Menschen dennoch unzufrieden. Vermutlich genau deswegen, weil es uns „zu gut“ geht.

    Ja. Heute vergleichen sich die Leute untereinander noch weit mehr als früher und es ist quasi Pflicht geworden, ein tolles Leben zu führen und sich toll zu fühlen.
    Heute fehlt vielen, ja fast allen die Lockerheit (trotz Coolheit) mit Unebenheiten und auch Negativem umzugehen. Heute kann kaum jemand noch den Blues fühlen und etwas daraus machen, denn heute ist selbst nur vorübergehende Schwermut bereits eine medikamentös behandlungswürdige Depression.

  17. @Schleim: Komprimiert, Verhaeghe “geht es darum, jemandem zu helfen, mit (der) Unterscheidung zwischen Körper und Geist” umzugehen, für den es schwierig ist adäquaten sprachlichen Ausdruck zu finden, insbesondere dann, wenn dem Ausdruck der phänomenologischen Erfahrungen die Augenhöhe sowohl a) in der Gesellschaftsform, als auch b) in der (bewussten) Innenwelt des Individuum abhanden gekommen ist.

    In Ihrem “Einmaleins des Leib-Seele-Problems” halten Sie es “für problematisch, dass mit der Psychologie und der Hirnforschung führende Wissenschaftszweige im Laufe des 20. Jahrhunderts die Phänomenologie und Introspektion als “unwissenschaftlich” aus ihrem Reich verbannt haben“, als beklagten Sie die Vernachlässigung einer Anthropologie, die mehr Aufschluss über das (in Ihrer Absage eines Widerspruches zwischen Kulturwesen und Natur”gegenstand” übrig gebliebene) Faszinosum Mensch geben könnte. So gesehen darf man das als Anregung an Wissenschaftler aus Richtung der Hintertür lesen. (Heiterkeit!) Wünsche ein schönes Sommerwochenende!

  18. “Forschungsergebnisse zeigen, dass wir unsere Identität erst erwerben…”
    Und große Philosophen wie K. Marx zeigen, dass dem immer so war. Motto: Das SEIN bestimmt des Bewusstsein. Letzteres auch von Erich Fromm im “Haben und Sein” bestätigt. Die Psychologie sollte sich hier wahrscheinlich auch etwas an der Philosophie orientieren denn die Gesellschaft (der Zeitgeist) bestimmt unsere Identität, also unsere Prägungen , unsere Wertvorstellungen die unser EGO ausmachen. Wenn zum Bsp. Geld, Besitz und Reichtum bestimmende Werte einer Gesellschaft sind, wenn das Glück oder der Mensch an solchen Werten gemessen wird, dann wirkt das auch auf die Identität ,also auf die Gedanken-und Gefühlwelt und auf das Handeln der Menschen. Diese heutige Psychologie scheint mir in dieser Beziehung ziemlich naiv . Unsere Identität, also unser ICH, wird durch eigenes Erleben und eigene Erfahrungen geprägt. Letztere kann man nur in der Realität des Lebens machen. Dieses Leben hat aber Normen und Gesetze (Das Über-Ich) die im heutiger Zeit von den Werten einer kapitalistischen Gesellschaft dominiert werden.

  19. @Querdenker 26.07 11:31

    Wir sind keine Affenhorde, auch wenn wir uns manchmal so benehmen.

    „Unsere Identität, also unser ICH, wird durch eigenes Erleben und eigene Erfahrungen geprägt. Letztere kann man nur in der Realität des Lebens machen. Dieses Leben hat aber Normen und Gesetze (Das Über-Ich) die im heutiger Zeit von den Werten einer kapitalistischen Gesellschaft dominiert werden.“

    Ja, sehr wohl. Aber wir denken auch mit. Gerade das macht uns als Menschen erst richtig stark. Die aktuell geltenden Gesetze sind sicher Realität, letztlich weil die Polizei sie durchsetzt. Aber die wirklich geltenden Werte sind immer auch individuell, wie z.B. der Sozialismus gezeigt hat: Auch mit voller Macht über die Medien und mit der ganzen Stasi-Armee ist es nicht gelungen, die Menschen dauerhaft vom Sozialismus zu überzeugen. Die Menschen merken eben doch, wenn sie langfristig getäuscht werden.

    Die „Kapitalisten“ haben in unserer Lobbydemokratie einiges mehr zu sagen, als es gut ist. So wie die Lage ist, ist der Druck der Arbeitsämter auf die Menschen erheblich, und so weitet sich der Druck auf den Niedriglohnsektor auch immer mehr aus. Und die meisten jungen Menschen sehen das natürlich, und gucken entsprechend, dass sie daran vorbei kommen.

    Aber damit übernehmen sie noch lange nicht die „Werte“ des Kapitalismus. Insbesondere werden sie sich nicht unbedingt ein Leben suchen, in dem sie so viel Geld wie möglich verdienen können. Z.B. zeigt die Fridays-for-Future-Bewegung, dass hier richtig effektiv mitgedacht wird, das zumindest die jungen Menschen sich ganz realistische, eigene Gedanken machen, und ihre Zukunft nach eigener Maßgabe zu gestalten versuchen.

    Geld, Besitz und Reichtum sind nebenbei immer etwas mehr als nur Konventionen, es ist ein ganz wirksamer Faktor für die eigene Autonomie. In allen Kulturen, auch im ehemaligem Sozialismus, und voraussichtlich wird es dabei bleiben. Aber hier gibt es eben ein Genug der Geldes, und es gibt noch andere Herausforderungen, wie soziale und ökologische Verhältnisse, die einen immer auch was angehen. Und jeder weiß auch, dass er nur ein Leben hat, und dass er auch Zeit und Muße haben muss, um sein Geld auszugeben und für die eigenen Interessen einzusetzen. Und jeder weiß auch, dass er sein Geld nicht über den Tod hinaus behalten kann.

    Die Psychologie übersieht neben den Prägungen durch das „Sein“ auch gerne die Macht der eigenen Gedanken, des eigenen Verstandes auf die Konzepte, die sich der Mensch letztlich immer selber macht. Man gräbt im ganzen Fundus der zur Verfügung stehenden Kulturen, und baut sich da was draus. So ist es am Ende doch sehr schwierig, den konkreten Menschen wirklich zu verstehen, geschweige denn zu kontrollieren.

  20. Zu Th. Jeckenburger:

    Haben sie denn den “Sozialismus” erlebt ? Es geht um das ERLEBEN und nicht Nachlesen in einer Zeitung. Das SEIN war eine Ideologie, eine theoretische Vorgabe die auf ein sich daraus verändertes Bewusstsein ergeben sollte. Ein Beispiel: Martin Luther ist damals nach Rom gepilgert, da diese Stadt für ihn als Christen das wahre Sein verkörperte. Dort angekommen, musste er feststellen, dass Rom die größte Hure der Welt war, dass also sein idealisiertes Christen-und Menschenbild einer falschen Predigt( falschen Bewusstsein) enstammten, dass im Christentum Wasser gepredigt wurde und Wein gesoffen wurde. Sie können davon ausgehen, dass im “Sozialismus” Menschen diesen Widerspruch zwischen Realität und Wunschdenken auch immer wieder empfunden haben. Das SEIN bestimmt hier also das Bewusstsein in dem Sinne, dass man diesen Widerspruch erkennt/erlebt.” Pilgern” sie heute mal in eine Bank oder eine Börse und erleben sie die Machenschaften des Finanzkapitals mit all seinen Verknüpfungen zur Wirtschaft etc… Ansonsten ist die Macht ihrer eigenen Gedanken auch eine Illusion, da GEDANKEN das Ergebnis von Lernmustern sind, also von Erkenntnissen des Seins. Und wenn sie diese Gedanken mal in der Meditation beobachten, ist da sehr viel Unsinn und Schrott darunter, da der Geist laufend etwas assoziieren muss ,was er für wichtig hält. Sie folgen also, wenn sie ihre Gedanken für wichtig halten, teilweise sehr viel Unsinn -wie einstmals Martin Luther, der erst die Hure Rom erleben musste, um die Menschen zu erkennen….

  21. Die idealste Gesellschaft ist diejenige, die am wenigsten Störungen produziert – unsere heutige produziert aber wirklich sehr viele! [Artikeltext, letzter Absatz, letzte Absätze haben oft etwas Fazitäres]

    Eine Gesellschaft ist nicht an der (möglichst geringen) Menge des Vorhandenseins von psychischen Störungen als ‘ideal ‘festzumachen, derart zu idealisieren ist höchst problematisch, wie der Schreiber dieser Zeilen findet.

    Die Liberale Demokratie als Herrschafts- oder Gesellschaftsform widmet sich stark den psychischen Störungen einiger, vermutlich weil’s den Leutz zu gut geht, sie kaum andere Probleme haben; die individuelle Biochemie generiert halt mal eben dies oder das, weitgehend unabhängig von der Datenlage, so kann bspw. auch eine gesellschaftlich höchst erfolgreiche Person an depressiven Stimmungen leiden und sich (teils durchaus berechtigterweise) fragen :
    Warum mache ich all dies? Warum tue ich, was ich tue?

    Und die Antworten fallen dann nicht sonderlich leicht, sie können aus philosophischen Gründen bereits nicht leicht fallen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Webbaer (der im Interview vor allem den Kampf um Wichtigkeit von Püschologischem erkennt, der gerne auch mal den gesellschaftlichen Vergleich mit anderen Herrschaftssystemen ausgearbeitet sehen möchte)

  22. Und wenn sie diese Gedanken mal in der Meditation beobachten, ist da sehr viel Unsinn und Schrott darunter, da der Geist laufend etwas assoziieren muss ,was er für wichtig hält. [Kommentatorenfreund ‘Querdenker’]

    Janz jenau, Hut ab, Kollego.
    Idealtypisierungen im Gesellschaftlichen sind zurzeit große Mode, sie dienen wohl dem Kampf um politische Macht, sie sind relativ, sie vergleichen ehemalige und zeitgenössische Zustände, wie ehemalig und zeitgenössisch vorkommende Herrschaftssysteme unzureichend, sie bzw. ihre Träger wollen wohl auch gar nicht Sinn suchend vergleichen, sondern setzen (definieren).

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Webbaer (der noch das Glück hatte auf viele Zeitzeugen aus der Zeit des Nationalsozialismus, auf noch mehr aus der Zeit des seinerzeit sozusagen real existiert habenden Sozialismus und auf Bekannte und Freunde zurückgreifen zu können, die auch den neu erstarkenden dritten und alten theozentrischen Kollektivismus mit seinen Gesellschaftssystemen aus eigener Erfahrung kannten, Dr. W kennt sogar Chinesen, die “modern maoistisch” gebildet sind – ja, all dies spielt bei der heutigen Betrachtung des “Püschologischen” eine Rolle)

  23. Bonuskommentar hierzu, @ Kommentatorenfreund ‘Querdenker’ :

    “Forschungsergebnisse zeigen, dass wir unsere Identität erst erwerben…” [Zitiertes]

    Und große Philosophen wie K. Marx zeigen, dass dem immer so war. Motto: Das SEIN bestimmt des Bewusstsein. Letzteres auch von Erich Fromm im “Haben und Sein” bestätigt. Die Psychologie sollte sich hier wahrscheinlich auch etwas an der Philosophie orientieren denn die Gesellschaft (der Zeitgeist) bestimmt unsere Identität, also unsere Prägungen , unsere Wertvorstellungen die unser EGO ausmachen.
    […]
    Diese heutige Psychologie scheint mir in dieser Beziehung ziemlich naiv .

    Die Psyche des hier gemeinten erkennenden Subjekts ist sicherlich in gewissem Umfang angeboren, beim Mann und bei der Frau könnte dies in der Unterschiedlichkeit [1] direkt klar werden, bei anderer biologisch feststellbarer Unterschiedlichkeit wird es schwieriger, kann aber auch so gesehen werden, bereits Mentalitäten in nebeneinander liegenden Bauernschaften können sich stark unterscheiden.

    “Das Sein bestimmt das Bewusstsein!” ist als Aussage nicht falsch, aber nicht nur das Sein bestimmt das Bewusstsein, sondern auch angelegte Mentalität, Verständigkeit und sonstige biologisch feststellbare unterschiedliche Beschaffenheit tun dies ebenfalls.

    Das hier gemeinte Erkenntnissubjekt ist kein “weißes Papier”, das rein gesellschaftlich und durch gesellschaftliche Maßnahmen alleine beschrieben wird.

    Püschologen irren hier, sie tun dies, wie einige finden, Dr. W gehört zu diesen Einigen, deshalb, weil sie ansonsten ihren gesellschaftlichen Einfluss schlechter verteidigen können, die Püschologie leidet ja ohnehin, es fällt bspw. unglaublich schwer andere Personen, gar sich selbst, zu psychologisieren.
    Gesellschaftspsychologisch, die große Zahl meinend, so Aggregationen schaffend, ist mehr drin, da horcht Dr. W dann gerne bei bestimmten Ideen auch mal freudig auf.
    Psychologie funktioniert auf individueller Ebene am besten, wenn es einen gibt, der psychologischen Rat sucht und einen, der, am besten fachlich ausgebildet, in der Lage ist ihn zu geben.

    [1]
    Böse Zungen meinen beispielsweise, dass die Frau eher die Person und der Mann eher die Sache bearbeitet, beide Vorgehensweisen haben bei anfallenden und zu bearbeitenden Problemlagen ihre Berechtigung, Dr. W ist hier abär womöglich allgemein nachvollziehbarerweise mehr männlicher Bär.
    Diese Unterschiedlichkeit zwischen Mann und Frau ist auch in vielen psychologischen Studien bearbeitet worden.

    PS:
    Karl Marx war kein ‘großer Philosoph’, sondern Kollektivist, den Ideen des Sapere-Aude teils widersprechend, nicht individen-zentriert, sondern kollektivistisch, also widersprechend zur Aufklärung denkend wie publizierend – UND ein Bluffer, Topper und “Werbetexter” bzw. pol. Agitator, Dr. W schaut gerne mal in unbestimmten zeitlichen Abständen ins rabulistische “Das Kapital” (Dr. W “mag” insbesondere die Anglisierungen, lol) rein, weniger gerne in “Mein Kampf”, Marx war schon intellektueller, der “Führer” eher Machtmensch und talentierter Organisator, böse waren aus diesseitiger Sicht beide, auch wenn es beide gut meinten, nur nicht für alle.

  24. Wobei Dr. W diese Kommentatorik, den hiesigen Kommentarbereich nicht verlassen wird ohne bestimmte “Scans” werte ihm bekannte Mitkommentatoren meinend vorgenommen zu haben, vergleiche :

    Heute leben wir fast im „Paradies“, obwohl viel mehr Menschen als früher ernährt und versorgt werden müssen, sind viele Menschen dennoch unzufrieden. Vermutlich genau deswegen, weil es uns „zu gut“ geht. Psychische Krankheiten und eine Behandlung vom „Dr. Freud“ konnten sich früher nur die „Reichen“ leisten. Heute gibt es eine Therapie auf Krankenschein vom „Streichelpsychologen“. [Kommentatorenfreund ‘Elektroniker’]

    … und Dr. W stimmt hier nicht nur ‘streichelpsychologisch’ zu, alles richtig!, nun, ‘richtig’ im Sinne einer Gerichtetheit im Moralischen, und so ‘richtig’ aus diesseitiger Sicht, Dr. W wird nicht für die Menge reden.

    Die Beste aller möglichen Welten muss in der Liberalen Demokratie, die individuen-zentriert (vs. kollektivistisch) ist, dem Sapere-Aude folgt, noch nicht gefunden sein, abär ein kleiner Schritt für das hier gemeinte Primatentum scheint getan.
    Sportsfreund Freud hat zudem, wie einige finden, eigene psychische Probleme hübsch zusammenfassen, teils auch : delirierend theoretisieren können, dem eigenen Geldbeutel nicht unnütz, hat insofern auch neuem Forschungs- wie Unternehmerfeld dem Weg bereitet, aber er lag dann doch, auch wegen seiner Deliranz, nicht selten falsch, war nicht immer gesellschaftlich nützlich, hat auch den Laden sozusagen aufgehalten, Probleme geschaffen, die keine sind und auch nie waren, oder? Oder ist heutzutage noch jemand Freudianer?

    MFG
    Wb

  25. “dem eigenen Geldbeutel nicht unnütz”

    Na immerhin ist der Antisemitismus des wb jetzt einigermaßen abgeschwächt, und Urteile wie “Der überschätzte Jude…..” kommen inzwischen nur noch indirekt und in mehreren Sätzen formuliert. Ob das jetzt aber wirklich besser ist, wage ich zu bezweifeln.

  26. Dr. W ist doch kein Antisemit, er kennt viele Juden, hatte Zeit seines Lebens in durchaus exponiert zu nennender Position mit ihnen zu tun, als Wetbewerber (abär besser, nein!, nur ein Gag) wäre fast noch jüdischer Großvater geworden (ja das geht, wenn die Großväterschaft im halachischen Sinne, die Matrielinerarität gemeint ist), ist eher wie hier gemeint (ebenfalls : nicht günstig) benevolent “prosemitisch”, was auch nicht gut wäre, insofern möglichst indifferent, obwohl Juden hier gemocht werden, kA, warum genau, womöglich wegen Woody Allen, dessen Kunstwerke Dr. W stets mochte, Sie sind, Kommentatorenfreundin ‘Alisier’, ebenfalls Cineast, woll?
    Sie sind ein Stinker, ginge diese Auszeichnung aus dem Jiddischen für Sie, können Sie damit leben?

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Webbaer (der zentral zur angeblichen ‘heutigen Gesellschaftsform, die sehr viele Störungen produziere’, nicht in dieser flachen und wohl auch den Geldbeutel der so Konstruierenden meinenden Konstitution nicht konform geht -mehr nicht los ist)

    PS:
    Abär schön mal wieder was von Ihnen zu hören, “Alisier”, Dr. W ist ja ein wenig sparsamer geworden in der Kommentierung in wissenschaftsnaher WebLog-Einheit, Zeit nicht immer da sein, auch anderes zu tun geben tun.

  27. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass eine Psychose gefährlich suizidal sein kann. Darin unterscheidet sie sich auch von einem gewöhnlichen Traum. Wenn man die Psychose nicht verdrängt, nicht 1 zu 1 für wahr hält und somit verarbeitet (indem man viel reflektiert), dann kann man das eine oder andere aus der Psychose noch verstehen. Und zwar so, dass es für die Realität Sinn ergibt. Am Ende musste ich einfach realisieren, wie Lebenswert das Leben ist, auch wenn man nicht alle Ziele erreicht.

  28. Zitat: Das Sein bestimmt das Bewusstsein … Sicher – es wird erheblich von ihm geprägt/beeinflusst. Es gibt aber auch den Spruch: **It is your mind that creates your world** … Sicher natürlich: Mein mind/Bewusstsein wird (erheblich – um nicht zu sagen ausschließlich) von meinen Wahrnehmungen beeinflusst/geprägt: Kulturelles Umfeld, Eltern, Schule usw. (sowie genetisch Geerbtes). Oder auch: Je nach den (“sich ergeben habenden”) Um- und Zuständen. Letztlich aber (bei – Wiederholung – aller Abhängigkeit/Wichtigkeit von äußeren Einflüssen) entscheidet mein Bewusstsein/“Wissen“ wie ich die Welt sehe (und mich verhalte). Allerdings bestehen darüber wie man richtig zu “sehen“/sich zu verhalten hat, unterschiedliche Ansichten (“Zustände”).

    Ich erlaube mir hier Mal den Begriff *Störungen* (aktuell z.B. i.Z.m. mit Corona) mit unterschiedlichen Verhaltensweisen (die eben wiederum, wie gesagt, Folgen unterschiedlicher Auffassungen/“Interpretationen“ der Gegebenheiten sind) zu assoziieren (positives Stichwort dazu aber auch Meinungsvielfalt). Störungen insf. auch als Gewalt (egal von welcher Seite) verstanden. Wozu mir **Gefährlich ist’s, den Leu zu wecken, verderblich ist des Tigers Zahn, jedoch der schrecklichste der Schrecken, das ist der Mensch in seinem Wahn** einfällt. Schiller hat das auch unter dem Eindruck der mit der Französischen Revolution einhergekommenen Gewalt geschrieben. Was man (die Gewalt) aber “relativieren“ kann mit, dass wo gehobelt werden muss (Eliten und so) – leider auch – Späne fallen (Realismus). Außerdem hat die Franz. Rev. ja auch Positives bewirkt. Und auch sie war, nur mal so assoziiert, nur ein Vogelschiss in unserer Geschichte. Was die von der Gewalt betroffenen allerdings sicher ganz anders empfunden haben. Von wegen Empfindungen: Gefühle spielen eine große Rolle bei der Prägung des Bewusstseins durch das Sein. Nochmal aber: Ich meine, dass letztlich mein Bewusstsein meine Welt “kreiert“. Um aber nicht missverstanden zu werden: Denken allein einen 100 Euro Schein in der Tasche zu haben reicht nicht – ich muss auch etwas dafür tun. Wozu, finde ich, auch das passt: In den Nachrichten stand, dass Herr Trump auf die schweigende Mehrheit hofft/sich verlässt. OK – Demokratie. Allerdings bedeutet Quantität nun ja nicht automatisch Qualität (gilt aber auch für Minorität). Und, um nicht so pessimistisch rüberzukommen: Wir Menschen sind ja nicht nur “einem Wahn verfallen“ (gestört). Und: Gänzlich ohne Störungen bin auch ich nicht. Sowie aber (buddhistisch beeinflusst): Trotz unserer “Wahne“ (Verblendungen, Störungen) sollten/“müssen“ wir dankbar sein die menschliche Existenzform “erlangt“ zu haben. Nur in ihr besteht die Möglichkeit “die Dinge so zu sehen/erkennen wie sie wirklich sind“.

  29. @Alisier/Webbär: Freud und Judentum

    Also mir ist in meinen wildesten Träumen nicht ersichtlich, was dieser Artikel mit dem Judentum zu tun haben sollte?!

    Zufällig habe ich kürzlich einige Studien zu Freuds Kokainkonsum (um 1885) gelesen; daraus wurde ersichtlich, dass es damals in der Wiener Klinik viele junge aufstrebende Ärzte gab, die alle nach der Idee suchten, die sie weltberühmt machen würde (vlg. auch Entdeckung der Lokalanästhesie).

    Der Schuss ging für Freud aber erst einmal nach hinten los. Sein Ruhm als Urvater der Psychoanalyse ließ noch ein paar Jahre auf sich warten.

  30. Nachtrag zum Kommentar… die Psychose ist alles andere als nur ein Traum… es ist ein primitiver, all Zeit störender und nerviger Alptraum in gewissen Phasen. Wenn der Psychotiker trotz seiner Abwesenheit am Tisch, weil abgelenkt vom Traum, trotzdem noch Akzeptanz erfährt ist der Wiedereintritt in die Gesellschaft samt Medikamenten gut möglich.

  31. @Rudolf: Psychose

    Schön, dass Ihnen das gelungen ist! Ich denke, dass es auch vom Schweregrad der Wahnzustände u.ä. abhängt; aber dass man selbst ebenso wie die Umgebung, in der man lebt, darauf einen Einfluss haben kann, im Guten wie im Schlechten.

    P.S. Der Berliner Psychiatrieprofessor Andreas Heinz berichtete im Interview mal von einem seiner Patienten, der Trader an der Börse war und dann Schizophrenie-Sympome bekam. In der Behandlung habe er Heinz gebeten, nicht die Stimmen weg zu machen, da diese ihm gute Anlagetipps gäben.

  32. Nochmal aber: Ich meine, dass letztlich mein Bewusstsein meine Welt “kreiert“. Um aber nicht missverstanden zu werden: Denken allein einen 100 Euro Schein in der Tasche zu haben reicht nicht – ich muss auch etwas dafür tun. [Kommentatorenfreund Axel Krüger]

    In etwa so, Dr. W hebt (nicht nur) an dieser Stelle gerne auch das intrinsisch Definitorische empor, das immer auch gesellschaftlichen Kontext meint, zu meinen hat, ansonsten bliebe es heutzutage nicht selkten unpubliziert, wie es, wie einige meinen, sich auch gehört.
    Intrinsisch Eigenes wird heutuztage nicht selten absorbiert,

    Weil das erkennende Subjekt aber immer sozial zu sein hat – korrekt, der ideale Philosoph ist immer auch Idiot (im Sinne der Wortbedeutung – insbesondere der Fortpflanzung geschuldet, vgl. mit Ihrem :

    Wir Menschen sind ja nicht nur “einem Wahn verfallen“ (gestört). Und: Gänzlich ohne Störungen bin auch ich nicht. Sowie aber (buddhistisch beeinflusst): Trotz unserer “Wahne“ (Verblendungen, Störungen) sollten/“müssen“ wir dankbar sein die menschliche Existenzform “erlangt“ zu haben. Nur in ihr besteht die Möglichkeit “die Dinge so zu sehen/erkennen wie sie wirklich sind“.

    …ist der Veranstaltungscharakter der hier gemeinten, äh, Veranstaltung, anzuerkennen, liberal-wissenschafttlich, die szientifische Methode (aus hier unerkannten Gründen gibt es in der bekannten Online-Enzyklopädie hierzu kein sog, Lemma) bleibt gemeint, so dass sich bestimmte Extravaganzen, bestimmte Exkurse gespart können bleiben.

    Der Geist verkümmert, der Esprit findet sozusagen außergesellschaftlich Einschlag und die Debatte, die eigentlich in Liberaler Demokratie vorgesehen ist,. verkümmert ebenso.
    Sog. Cancel Culture gibt zumindest bundesdeutsch den Rest.
    Und Nagetiere sozusagen freuen sich darüber.

    MFG
    Wb

  33. *
    der ideale Philosoph ist immer auch Idiot (im Sinne der Wortbedeutung[)]


    Die schließende runde Klammer fehlte weiter oben.

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