Bei den Ökofritzen zu Hause – Wasser, Gas und das andere…

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Forschung lecker zubereitet
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Wer grün sein will muss dämmen. Das scheint eine der goldenen Regeln für Häuslebauer zu sein.

Hätten wir lieber nicht unser ganzes Brennholz im Zaun verbaut? (Foto: Magnus Wendeberg)

Wenn ich mir das ganze Styropor und Mineralwollzeugs im Baumark anschaue wird mir mulmig. Wieviel CO2 verpulvert man, wenn man Mineralwolle herstellt? Und liegt Styropor nicht in der Landschaft herum bis zum Sankt Nimmerleins Tag?

Als Info-Junkie habe ich alles über Wärmedämmung gelesen, was ich finden konnte. Und ach! Es gibt zahlreiche Gruppierungen selbsternannter Wärmedämmspezialisten, die sich gegenseitig die Köpfe einschlagen (virtuell, auf Internetforen). Oft beruhten diese Expertenmeinungen nicht auf Messdaten, sondern auf Hörensagen. Und natürlich war nur das teuerste Material auch das Beste.

Wir wollten erstmal messen. Sprich, zuerst die Heizung einbauen; einen Winter lang den Wärmeverlust über Außenwände, Fenster, Türen und Dach quantifizieren und erst dann die Dämmung konzipieren. Das Resultat war überraschend.

Für die Heizungsinstallation wurde das Haus unterteilt in warme (z.B. Wohnzimmer/Küche/Bad) und weniger warme Bereiche (z.B. Schlafzimmer, Flur).

Um nahe an der CO2 Neutralität zu heizen, läuft ein Heizsystem per Luftwärmepumpe, die mit Ökostrom getrieben wird. Doch die Hauptlast im wärmsten Bereich des Hauses wird durch einen holzgefeuerten Lehmgrundofen getragen. Ein wunderschönes, altmodisches Teil. Sein kleiner Brennraum funktioniert so effizient wie ein Holzvergaser und die heißen Rauchgase mäandern durch mehrere Tonnen Lehm, die die Wärme speichern und über die nächsten 24-48 Stunden in den Raum abgeben.

Lehmgrundofen (Foto: Magnus Wendeberg)

Bei Einzug im Dezember 2011 stehen wir vor einem worst-case Szenario was den Wärmeverlust durch die Außenhülle betrifft. Circa 35 Tonnen frischer Lehmputz (etwa 15 Tonnen davon Wasser) befeuchten alle Wände im Haus. Darin eingebettet sind die Heizschleifen der Luftwärmepumpe. Sämtliche Außenwände werden auf der Innenseite beheizt.

Styroporlos glücklich: Luftkalkputz, Bruchsteine und Fenster (Foto: Magnus Wendeberg)

Es war saukalt. Mehrere Tage sind wir bei -15°C Außentemperatur mit der Wärmekamera ums Haus gelaufen und haben jeden Winkel fotografiert und nochmal fotografiert. Doch die dicken Bruchsteinwände dämmten unerwartet gut. Trotz der Nässe. Nur die Decke zum Dachboden war ein Problem. Nachdem diese mit 20cm Weichholzdämmplatten nach außen gedämmt wurde und noch mal 10cm Hanf nach innen, gehorcht unser Haus auch der EnEV. Obwohl historische Gebäude das gar nicht müssen.

Aber wer ist denn so blöd, Außenwände zu beheizen? Na wir.

Das Haus hat 60-80cm mächtige Bruchsteinwände. Die sind im Sommer schön kühl und können im Winter ungemütlich kalt sein. Beheizt man solche Wände mit einer eingebauten Niedrigtemperaturheizung, wird es nicht nur energiesparend kuschelig, man kann auch der Gefahr der Schimmelbildung entgegenwirken. Die Zimmerluft kann sich nicht auf der Wand niederschlagen, denn die Wand ist wärmer als die Umgebungsluft. Und wenn’s trocken ist, wächst auch der Schimmel nicht. Hier kommt einem der Lehm auch zugute, denn der hält Luftfeuchte recht konstant bei ca. 50%. Das ist für Schimmel schlecht und für’s Energiebudget gut. Denn je trockener die Raumluft ist, desto weniger Energie muss aufgebracht werden, um diese zu erwärmen.

Unsere letzte Stromrechnung hat uns trotzdem überrascht: Obwohl die Wärmepumpe mit Strom getrieben wird und sich unsere Wohnfläche verdreifacht hat, hat sich unser Stromverbrauch halbiert (verglichen mit der Mietwohnung in der wir vorher gewohnt haben). Ja, da spielen noch andere Faktoren mit, z.B. die Beleuchtung nur mit LEDs, die Erzeugung des Warmwassers als Abfallprodukt der Wärmepumpe usw.

Wärme ist nicht die einzige Energie, die ein Haus verlässt. Strom, Gas und Wasser werden ebenfalls verbraucht und tragen zur Ökobilanz eines Haushaltes bei. Strom beziehen wir von Greenpeace, das Gas zum kochen demnächst auch.

Trinkwasser kann man immer nur vom Versorgungsverband beziehen und muss es dort auch wieder in Form von Abwasser abgeben. Aber wenn man den Wasserkreislauf genauer unter die Lupe nimmt, ergeben sich enorme Einsparungspotentiale.

Der normale Deutsche spült seine/ihre Exkremente mit Trinkwasser runter. Wir machen das nicht, sondern nutzen eine Trockentrenntoilette und sparen durchs Nicht-Spülen ca. 50tausend Liter Trinkwasser pro Jahr (dazu gibt’s hier mehr in einem älteren Artikel von mir). Unser Grauwasser, also alles vom Duschen, Wäsche waschen und Geschirrspülen, fließt in eine Pflanzenkläranlage. Das Wasser, das dort heraus kommt hat Badewasserqualität und wird (sobald wir den Speicherteich gebuddelt haben) für die Bewässerung des Gartens genutzt. Im Sommer können das mehr als 500 Liter pro Tag sein.

Bald bekommst du nicht mehr Trinkwasser, du olle Tomate (Foto. Magnus Wendeberg)

Dies ist der vorletzte Artikel meiner Serie zum angewandten Umweltschutz. Nächstes Mal: Selbstversorgung (nicht-radikal)

Annelie Wendeberg

Annelie Wendeberg ist eigentlich Umweltmikrobiologin. Doch eines schönen Wintermorgens klappte sie die Augen auf und dachte sich "ich schreib mal was". Seither versucht sie ihre Leidenschaft Forschung leicht verständlich und spannend in kurzen Blogartikeln zu vermitteln. Meistens schreibt sie über alles Mögliche was irgendwie mit Forschern, Biologie, Umwelt, Ökologie und vor allem Mikrobiologie zu tun hat. Des Nachts bringt Annelie Wendeberg Leute um. Auf dem Papier. Für den KiWi Verlag.

11 Kommentare

  1. Gratulation

    Das alles sieht ja ur – gemütlich aus!
    Nach den ersten Bildern von dem Haus hätte ich mir das gar nicht vorstellen können!
    Ich finde es erfreulich, dass es euch Öko – Fritzen gibt und hoffe, es gibt bald Nachahmer!

  2. Popcorn

    Ich glaube, unsere Nachbarn würden sich über nix mehr wundern, selbst wenn wir mit Popcorn dämmen würden 🙂

    Ich würde Mais nicht zum Dämmen nehmen (und auch nicht zum Diesel-machen, wo wir schon mal dabei sind).
    Strohballen funktionieren gut und auch Zelluloseflocken werden oft genutzt. Ich finde die Verwendung solcher Materialien logischer, denn man legt CO2 schon beim Dämmen fest. Bei Mineralwolle, Styropor und Co ist das ja nicht so.

  3. Grauwasser

    Danke für den interessanten Artikel.

    Ich habe eine Frage zum Grauwasser: Was darf denn alles da drin sein (bzw. nicht)?
    Spül- und Waschwasser enthalten doch für die Pflanzen der Kläranlage giftige oder zumindestens ungeeignete Stoffe?!

  4. Grauwasser

    Seife ist ja in jedem Waschwasser drin und die Pflanzenkläranlage hat damit auch kein Problem. Das Ding läuft stabil seit Einzug. Seifenbestandteile sind OECD getestet (obwohl der Test, meiner Meinung nach, nur sehr oberflächlich ist).
    Pflanzenkläranlagen könne aber auch mit Giften umgehen. In Leuna hat vor kurzem eine Anlage ihren Betrieb aufgenommen, um Petroleumbestandteile aus dem verseuchten Grundwasser zu ziehen. Kann man hier nachlesen (die neue ist größer als die im Artikel gezeigte):
    https://www.ufz.de/index.php?de=22339

  5. Grauwasser 2

    Danke für die Antwort (-en).
    Eine Frage noch: Sie präsentieren da so ein schönes Winterfoto und schreiben von -15 °C. Da kann doch eine Pflanzenkläranlage nicht funktionieren, oder?

  6. wer gruen ist, muss glauben

    Die primäre grüne Funktion ist, wie auch bei anderen Konzepten der “Glaube”, wie z.B. der Glaube, dass man Wasser verbrauchen kann oder die EE die Welttemperatur messbar beeinflussen.
    Alles andere folgt daraus.
    Wenn man anfängt zu messen, verläßt man eigentlich schon diese Glaubensbasis.

  7. Heizen mit Holz & Kaminofen

    Zum Aspekt Heizung kann ich hinzufügen, dass das Heizen mit modernen wasserführenden Kaminöfen sehr effektiv ist. Es gilt heute: Alternative Energie ist ökonomisch und ökologisch. Wer z.B. lieber Hölzern wie Buche, Eiche, Ahorn, Fichte etc. heizt, also lieber mit nachwachsendem Holz statt mit Öl oder Gas heizt, kann hier berechnen wie viel Energie Holz, Öl und Gas im Vergleich zueinander haben und wie viel CO2 & Geld man mit Holz einspart. Das Programm ist kostenfrei und berücksichtigt verschiedene Holzarten und auch die Feuchtegehalte können vorgegeben werden.
    http://www.normatherm.com/kaminofen/kaminofen-webapp.html

  8. Mein Mann und ich haben schon länger einen Kamin für unser neues Haus gesucht , leider war es leichter gesagt als getan den passenden Kamin zu finden. Eine bekannte von mir schlug mir ( http://www.heseler-kaminstudio.com ) vor und ich bin begeistert! Wir haben endlich Unseren Kamin und sind bereit für den kalten Winter!

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