Fake Science? Die Sache mit den Raubverlagen

Über gute Wissenschaft und die Privatisierung öffentlicher Mittel

Publizieren, von lateinisch publicare = veröffentlichen, ist ein Wesensmerkmal der Wissenschaft. Neue wissenschaftliche Kenntnisse sollen nicht nur den Fachkollegen und potenziell für den Fortschritt der ganzen Menschheit zur Verfügung stehen, sondern durch die Veröffentlichung auch überprüfbar werden. So würden langfristig Fehler aufgespürt, entfernt und dann gesicherte Erkenntnis übrig bleiben.

So weit die Theorie. In der Praxis haben große Verlagshäuser wie Elsevier (laut Wikipedia rund 2,5 Milliarden Pfund Jahresumsatz), Springer Nature (rund 1,6 Milliarden Euro), Taylor and Francis (rund 530 Millionen Pfund) oder Wiley (rund 1,7 Milliarden Dollar), die die Veröffentlichungen traditionell organisieren, große Umsätze und damit auch große Profitinteressen.

In Zeiten des Internets und des e-Publishings wird deren Rolle zunehmend in Frage gestellt. Immer mehr Zeitschriften erscheinen nur noch online. Und selbst bei denjenigen, die noch als Papierversion zirkulieren, spielt sich für die Wissenschaftler das Wesentliche in den Vorab-Veröffentlichungen online ab. Bis die Druckausgabe erscheint, sind die Studien mitunter schon längst Schnee von gestern.

Das Renommee zählt

Das wirft natürlich die Frage auf, wofür Wissenschaftler die Verlage überhaupt noch brauchen. Können sie das nicht selbst viel günstiger und effizienter organisieren? Das Hauptargument für den Status quo ist das Renommee, das die Zeitschriften über die Jahrzehnte, teilweise seit über hundert Jahren aufgebaut haben. Nature feiert beispielsweise nächstes Jahr ihr 150-jähriges Jubiläum. Und für die wissenschaftliche Karriere ist es wichtig, in den renommierten Medien zu publizieren.

Für dieses Stückchen Renommee bezahlen die Forscher einen hohen Preis: Nicht unbedingt monetär, denn die Zeitschriften kaufen üblicherweise die Bibliotheken der Forschungseinrichtungen, sondern rechtlich. Die Verlage verlangen nämlich in der Regel die Exklusivrechte für die Verwendung der Artikel. Streng genommen dürften die Autoren mitunter ihre eigenen Arbeiten nicht einmal in der eigenen Lehre verwenden, ohne dafür Lizenzgebühren zu bezahlen.

Zwar haben sich inzwischen vielerorts auch Fair Use-Prinzipien durchgesetzt, dass die Wissenschaftler beispielsweise die letzte Fassung ihres eingereichten Manuskripts online hochladen und so mit anderen teilen dürfen. Die sieht dann aber nicht so schön aus wie die Veröffentlichung in der Fachzeitschrift.

Privatisierung des Öffentlichen

Das ändert auch nichts an der absurden Situation, dass die Manuskripte in der Regel durch öffentliche Mittel finanziert wurden, dass öffentliche Einrichtungen für die Abonnements bezahlen müssen, dabei die Profite aber zu hundert Prozent in private Hände fließen, eben die der Eigentümer der Verlagshäuser.

Wer also den Content wesentlich produziert, der bekommt bestenfalls ein Stückchen Renommee, doch keinen Krümel vom finanziellen Kuchen. Und trotz alledem kann die Öffentlichkeit nicht immer problemlos auf die Früchte der Wissenschaft zugreifen und werden selbst die Angehörigen der Forschungseinrichtungen regelmäßig durch Paywalls genervt.

Jeder kennt das, dass man bei Kollegen inoffiziell per E-Mail um eine Kopie des Artikels fragt oder selbst gefragt wird, weil sich die eigene Institution den Zugang nicht leisten kann.

Umstrittene Geschäftspraktiken

Dabei haben sich auch einige der Verlage nicht unbedingt mit wissenschaftsfreundlichen Geschäftspraktiken hervorgetan. Allen voran geriet der niederländische Elsevier, in dessen rund 2.500 Fachzeitschriften jährlich über 400.000 Artikel erscheinen, immer wieder in die Kritik.

Zurzeit sind gar tausende deutsche und schwedische Forscher von dessen neuen Publikationen abgeschnitten, wie Nature jüngst berichtete. Grund dafür sind ins Stocken geratene Verhandlungen über das Anbieten von Open Access, also freien Zugang für alle.

Telepolis berichtete schon Ende 2016 über Kritik an dem Verlagshaus (Wissenschaftsjournale: Boykott, Verhandlungen und Vorwurf des Missbrauchs der Marktmacht), das auch schon öffentliche Repositorien für wissenschaftliche Publikationen verklagte (Sieg ohne Wert gegen die Schattenbibliotheken?).

Großer Streit, große Profite

Dabei muss man sich vor Augen führen, dass in Zeiten öffentlicher Kürzungen auch Forschungseinrichtungen und deren Bibliotheken mit immer knapperen Mitteln auskommen müssen, während der niederländische Verlag zwischen 30% und 40% Gewinne einfährt. 2015 waren das rund 760 Millionen Pfund.

So mancher Verlag hätte also sicherlich Spielraum dafür, der Forscherwelt entgegenzukommen. Stattdessen erhöhen sie lieber Jahr für Jahr die Kosten ihrer Abonnements. Im aktuellen Streit geht es darum, dass Elsevier lieber Verträge mit jeder einzelnen Forschungseinrichtung abschließt, die wissenschaftliche Seite sicher aber zum Beispiel im Projekt DEAL zusammengeschlossen hat, um bessere Konditionen für alle zu erreichen.

Als Druckmittel geloben manche Forscher sogar, nicht mehr mit Elsevier zusammenzuarbeiten. Dabei ist dem Verlagshaus bewusst, dass eine Einigung mit der deutschen Initiative auch Folgen für die Vertragsgestaltung in anderen Ländern hätte. Man fürchtet wohl einen Dammbruch. Allerdings werden in solche Verträge aber nicht selten Geheimhaltungsverpflichtungen aufgenommen.

Diskussion um “Fake Science”

So weit so schlimm. In jüngster Zeit haben sich Journalisten aber unter der Überschrift der “Fake Science” andere Praktiken vorgeknöpft. So sollen mindestens 5.000 deutsche Wissenschaftler in Online-Zeitschriften publiziert haben, die sich nicht an die Qualitätskriterien wissenschaftlicher Praxis halten.

Diese Verlage würden, kurz zusammengefasst, Veröffentlichungsplätze für Geld verkaufen, die zwar wissenschaftlich aussehen, es aber nicht sind. Die Wissenschaftler könnten so ihre Publikationslisten verlängern und mutmaßlicherweise ihren Status verbessern.

Korrekt ist, dass man als Forscher regelmäßig Mails erhält, die einen zu solchen Veröffentlichungen oder auch Konferenzvorträgen einladen. Wie bei Scam-Mails, die einem Passwörter abluchsen wollen, sehen diese Einladungen und auch die Namen der Zeitschriften mitunter täuschend echt aus.

Wer aber mitunter mehrere Tausend Euro in die Veröffentlichung steckt, ohne die Seriosität des Mediums zu kontrollieren, der ist schon sehr naiv. Dabei wissen die Forscher in aller Regel, welche Zeitschriften in ihrem kleinen Spezialgebiet die üblichen Publikationsmedien sind. Wer trotzdem so fahrlässig mit seinen Manuskripten umgeht, dessen Forschung ist wahrscheinlich auch nicht gerade sehr hochwertig.

Terra X über die “Raub-Verlage”

Diese Praxis der sogenannten “Raub-Verlage” hat kürzlich auch der Astrophysiker Harald Lesch in seiner ZDF-Sendung Terra X als “Fake News in der Wissenschaft” kritisiert. Dabei sieht er das Problem vor allem darin, dass Forscher hier für die Publikation selbst bezahlen. Über das oben beschriebene traditionelle Verlagswesen, bei dem der Eine oder Andere womöglich schon an “Raub” gedacht hat, äußert Lesch sich hingegen lobend.

In seiner Sendung schüttet er aber das Kind mit dem Bade aus: Ob nun Forscher selbst bezahlen, ihre Arbeiten dann in aller Regel aber für die ganze Welt frei verfügbar sind (Open Access), oder Bibliotheken für Zeitschriften saftige Abonnementpreise bezahlen – stets werden hierfür öffentliche Gelder aufgebracht. Nach dem traditionellen Modell stecken die Artikel dann aber doch hinter einer Paywall, die nur einen Bruchteil der Menschheit durchlässt.

Unabhängige Qualitätskontrolle

Die zentrale inhaltliche Frage, an der sich der Astrophysiker ebenso wie andere Kommentatoren zu der “Fake Science” vorbeilavieren, ist aber doch die nach einer zuverlässigen und unabhängigen wissenschaftlichen Qualitätskontrolle. Diese liefert das traditionelle System aus strukturellen Gründen aber gerade nicht.

Mit ordentlich Pathos schließt Lesch seinen Beitrag, in unserer Gesellschaft sei es Aufgabe der Wissenschaftler, “der Wahrheit und nichts als der Wahrheit sich verpflichtet zu fühlen: Wahrheit ist das einzige Kapital der Wissenschaft. Und nicht das Geld.” Dieser Standpunkt ist aber mindestens seit Thomas Kuhns “Structure of Scientific Revolutions” überholt, also seit mehr als 50 Jahren. Damit wurde nämlich gezeigt, dass auch Forscher in Gemeinschaften funktionieren, die psychosozialen Gesetzmäßigkeiten unterliegen.

Um das Thema hier nicht ausufern zu lassen, halte ich es konkret: Die angeblich nur der Wahrheit verpflichteten Wissenschaftler befinden sich inzwischen oft genug in einem Hyperwettbewerb um Stellen und Forschungsmittel, mit dem korrumpierende Einflüsse einhergehen. Die Publikation in renommierten Fachzeitschriften ist dabei die “harte Währung”, mit der man seinen Status ausweist.

Verantwortung gegenüber der Privatwirtschaft

Wir wir gesehen haben, sind diese Zeitschriften aber oftmals Eigentum profitorientierter Unternehmen. Deren Angestellte treffen die endgültigen Entscheidungen über die Veröffentlichung oder Nicht-Veröffentlichung; Entscheidungen, die im Zweifelsfalle nicht gegenüber der Wissenschaft, sondern gegenüber den Eigentümern verantwortet werden müssen.

Die Kriterien der Unabhängigkeit, Transparenz und Öffentlichkeit, wie wir sie aus dem Gerichtswesen kennen, erfüllt das wissenschaftliche Gutachtersystem nicht. Bildquelle: Thorben Wengert / pixelio.de

Dabei werden zwar Fachgutachten anderer Wissenschaftler eingeholt. Diese operieren aber anonym und sind ebenfalls nur der Kontrolle des Herausgebers unterstellt, keiner unabhängigen wissenschaftlichen Instanz. Hinzu kommt, dass die Gutachter regelmäßig Konkurrenten und/oder Freunde derjenigen sind, deren Arbeiten sie neutral kontrollieren sollen. So ergeben sich zahlreiche Möglichkeiten für Interessenkonflikte, die in der öffentlichen Debatte aber so gut wie keine Rolle spielen (Warum die Wissenschaft nicht frei ist).

Machtmissbrauch durch Gutachter

Dabei sind ans Tageslicht gekommene Fälle, in denen ein Gutachter die Wissenschaftler dazu zwingt, zur Steigerung des Renommees noch ein paar eigene Arbeiten zu zitieren, noch eher harmlos (Zitier mich oder vergiss es!). Früher witzelte man über Doktor- oder Habilitationsväter, die der Meinung waren, in der Arbeit des Nachwuchses noch nicht hinreichend zitiert worden zu sein. Hier ist das Machtgefälle ähnlich, das Gegenüber aber immerhin bekannt.

Ich hatte gerade gestern einen Fall, in der ich die inhaltlich sehr ähnliche Forschung eines Kollegen für eine gar nicht mal schlechte Zeitschrift begutachten sollte. Durch die Publikation so einer konkurrierenden Studie wird die Wahrscheinlichkeit, dass es die eigene Arbeit in dieselbe Zeitschrift schafft, geringer. Denn dann stellen sich die Herausgeber womöglich auf den Standpunkt, die sie nicht mehr so originell sei oder etwas Ähnliches bereits erschienen ist.

Steine in den Weg

Wer dem Konkurrenten Steine in den Weg legen will, der hat in so einer Situation zahlreiche Optionen: Vom dreisten Ideenklau abgesehen, könnte man die Arbeit mit immer neuen Verbesserungswünschen in der Warteschleife halten. Dabei können mitunter Jahre ins Land ziehen, in denen man versuchen kann, die eigene Studie zu publizieren. Dann gilt man vielleicht als Erster für eine bestimmte Entdeckung. Zur Information: Mein dreiseitiges Gutachten im genannten Fall habe ich innerhalb von dreieinhalb Wochen geliefert. Die Herausgeberin fand es “terrific review work.”

Man könnte auch einfach die Arbeit des anderen schlecht dastehen lassen. Die Herausgeber der Zeitschrift richten sich bei ihren Entscheidungen nach den Gutachten. Wenn man nicht will, dass der Kollege dort publiziert, weil man vielleicht selbst ein ähnliches Manuskript in Vorbereitung hat oder um dieselben Forschungsmittel konkurriert, dann kann man leicht die negativen Seiten der Arbeit hervorkehren.

Da es in aller Regel mindestens zwei Gutachten gibt, kann man hier allerdings nur Wahrscheinlichkeiten beeinflussen und keine bestimmte Entscheidung zwingend herbeiführen. Herausgeber, denen eine Reaktion spanisch vorkommt, können natürlich andere Gutachten einholen.

Alles basiert auf Vertrauen

Wie man es aber dreht und wendet: Das traditionelle System basiert wesentlich auf Vertrauen. Wenn man aber die Zutaten des harten Konkurrenzkampfs mit der fehlenden Transparenz und Kontrolle kombiniert, vielleicht auch nur Schlampigkeit aufgrund von Zeitdruck, dann lassen sich zahlreiche Fehlerkonstellationen bedenken. Und wie viele Doping- oder Korruptionsskandale brauchen wir noch aus anderen Bereichen, damit wir Leschs Idealbild als unrealistische Utopie erkennen?

Die Darstellung des Astrophysikers ist aber nicht nur ärgerlich, weil sie das traditionelle Publikationswesen übertrieben verherrlicht. Weit übers Ziel hinaus schießt Lesch nämlich mit seiner Pauschalkritik an dem Finanzierungsmodell: Wie wir gesehen haben, macht es unterm Strich für die öffentliche Hand keinen Unterschied, ob ein Forscher selbst für eine Publikation bezahlt oder die Bibliothek seiner Forschungseinrichtung.

Neue Initiativen

Mit dem neuen und von Lesch und anderen so kritisierten Bezahlmodell arbeiten aber auch Open-Access-Zeitschriften namhafter Wissenschaftler, die sich gerade für mehr Transparenz, Effizienz und Freiheit im wissenschaftlichen Publikationswesen einsetzen. Nur einzelne Beispiele hierfür sind etwa die 2007 von einigen Neurowissenschaftlern gegründeten Frontiers-Journals mit inzwischen rund 60 Zeitschriften unterschiedlicher Fachrichtungen von A wie Aging Neuroscience bis V wie Veterinary Science.

Für die darin veröffentlichten Artikel zeichnen die Peer Reviewer mit ihrem Namen, sodass es persönlich zurechenbar wird, wenn ein Gutachter eine schlechte Arbeit passieren lässt. Auch PLOS ONE muss man hier erwähnen, dass bereits 2006 an den Start ging und inzwischen 20.000-30.000 Artikel jährlich unter einer Creative-Commons-Lizenz verfügbar macht. Die “Public Library of Science” (PLOS) geht dabei auf eine Initiative namhafter Forscher und Nobelpreisträger aus dem Jahr 2000 zurück.

Entlarvten Gutachter die Skandale?

Man muss auch einmal die Gegenfrage stellen, welchen Forschungsskandal, welches Plagiat, welche fehlende Replizierbarkeit ganzer Forschungszweige hätte denn das oft so hoch gelobte klassische Gutachtersystem in den letzten Jahren aufgedeckt? In aller Regel waren es junge Wissenschaftler oder gar Studenten, die mitunter ihre Karriere aufs Spiel setzten, die solche Probleme ans Tageslicht brachten (Unmoralischer Moralforscher?). Den Gutachtern waren jahrelange Täuschung und Betrug nicht aufgefallen.

Kurzum, eine unabhängige Qualitätskontrolle ist in der Wissenschaft natürlich unerlässlich. Das klassische Modell ist aber systematisch fehleranfällig. Selbst wenn man mit Lesch von der Wahrheit schwärmt, haben die Gutachter begrenzte Zeit und oft nicht einmal Zugang zu den Originaldaten.

Darum können sie gar nicht alles kontrollieren. Dazu kommen zweifelhafte Anreize für diejenigen, die es mit der Wahrheit nicht zu genau nehmen, und die durch Anonymität und Profitinteressen verborgen werden.

Wir brauchen einen Bewusstseinswandel

Wer sich jetzt die Spam-Verlage vorknöpft, und deren unmoralische Geschäftspraxis mit viel Medientamtam als “Raub” oder “Fake Science” verurteilt, der macht es sich zu einfach. Es gibt viel mehr und drängendere systematische Probleme im Wissenschaftsbetrieb, als es das Abfackeln des Strohmanns einiger gekaufter Publikationen ohne Qualitätskontrolle suggeriert.

Um an den allgemeineren Ursachen etwas zu ändern, braucht es einen Bewusstseinswandel, mehr Transparenz und andere Anreize. Ob die alten Verlage dabei mitziehen oder sich hinter ihrem Renommee und Copyright verschanzen und so andere Initiativen auf den Plan rufen, wird die Zukunft zeigen.

Dabei ist das wahnwitzige Bewertungssystem noch gar nicht thematisiert, das heute so gut wie allen aufgedrückt wird: Gute Wissenschaft erkenne man an der Anzahl der Zitationen. Der polnische Biochemiker Grzegorz Kreiner von der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Krakau wies nach, dass der Zitationserfolg kein guter Indikator für spätere Nobelpreise ist. Dabei zieht er einen interessanten Vergleich zwischen der heutigen “Sklaverei” der Zitationszahlen und dem früheren Kommunismus in seinem Land:

Wir hatten in Polen eine einzigartige Erfahrung, die aus der kommunistischen Periode unserer Geschichte stammt. Damals mussten alle Arbeitsbestrebungen in Zahlen quantifiziert werden. Diese Zahlen waren das allerwichtigste, obwohl die Ergebnisse der Arbeit alles andere als erwartungsgemäß waren. Das war eine Zeit, in der zum Beispiel eine Autofabrik stolz verkünden würde, das Millionste Fahrzeug produziert zu haben. Dabei wurde aber komplett vernachlässigt, dass man bei diesen Autos aufgrund einer Vielzahl mechanischer Fehler kaum den Motor starten oder den Parkplatz verlassen konnte. (Grzegorz Kreiner, 2016; dt. Übers. d. A.)

P.S. Während der Recherche fiel mir auf, dass die im Text genannten Frontiers-Journals zur Holtzbrinck-Verlagsgruppe gehören, die indirekt auch die SciLogs besitzt. Es gab jedoch keinerlei inhaltliche Abstimmung mit Verlagsangestellten. Hier bei den SciLogs schrieb auch Koblogger Markus Pössel in mehreren Artikeln über die “Abzock-Verlage“.

Hinweis: Dieser Beitrag erscheint parallel auf Telepolis – Magazin für Netzkultur.

Veröffentlicht von

www.schleim.info

Stephan Schleim ist studierter Philosoph, Psychologe und promovierter Kognitionswissenschaftler. Seit 2009 ist er an der Universität Groningen in den Niederlanden, zurzeit als Assoziierter Professor für Theorie und Geschichte der Psychologie. Der Autor schreibt auch für zahlreiche andere Medien. Die Diskussionen hier sind frei und werden nicht moderiert. Gehen Sie respektvoll miteinander um, orientieren Sie sich am Thema der Blogbeiträge und vermeiden Sie Wiederholungen. Beim Gedankenaustausch darf es auch mal heiß hergehen, jedoch nicht beleidigend werden, vor allem nie unter die Gürtellinie gehen.

12 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. WOW ! Ich bin beeindruckt. Bingo und weiter so. Meine Hochachtung, Herr Schleim.

    Anscheinend gibt es doch noch Wissenschaftler, die zu einer kritischeren Meta- Perspektive in der Lage sind . Und sich trauen, dem Mainstream der allgemeinen und etwas oberflächlichen (zumindest “populären”) Wisssenschafts- “Evangelisation” (siehe H. Lesch) etwas Kritischeres entgegenzusetzen.

  2. Louis: Danke, so lange es Leser gibt, die das schätzen, mache ich gerne weiter.

    Von der “alten Garde” sollte man nicht zu viel erwarten. Die wenigsten werden das System, das sie an die Spitze gebracht hat, kritisieren.

    Aber damit ist ja nicht gesagt, dass es für immer so bleiben wird.

    Und zu Lesch: Nach einer Tagung in Bonn fuhren wir mal zusammen im Bus. Ich denke, auf dem Niveau des Fernsehens, eines prinzipiell eher dummen Mediums, macht er das recht gut. Aber den hier diskutierten Beitrag halte ich für einen unnötigen Griff ins Klo.

  3. Hallo Herr Schleim,

    ich möchte mich dem Kompliment und der Ermutigung von little Louis anschließen, insbesondere im Hinblick auf Harald Lesch, der im Fernsehen und Youtube mit der „Raumzeit-Physik“ eine ausgesprochene „Fake-Wissenschaft“ in der Öffentlichkeit propagiert, wie ich es in Ihrem Blog “Zum Verhältnis von Glauben, Philosophie und Naturwissenschafthttps://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/zum-verhaeltnis-von-glauben-philosophie-und-naturwissenschaft/ es vor der Hintergrund einer umfangreichen fachlichen (jedoch leider unterdruckten Kritik dieser Physik) aktuell argumentativ begründe.

    In der Tat können wir von „der alten Garde“ der Mainstream-Physik nicht viel erwarten, insofern kann ich Sie auch nur ermutigen, weiter zu machen! 🙂

  4. @Lopez: Sie lassen auch keine Gelegenheit aus, Reklame für Ihre Ansichten zu machen.

    Dabei halte ich die Physik mit ihrem arXiv noch für ein gutes Beispiel, was das wissenschaftliche Publizieren angeht.

  5. @Stephan Schleim:

    Nur, dass “meine” Ansichten keine Reklame sind, sondern die Kommunikation von wissenschaftlichen kritischen Arbeiten und Argumenten weltweit seit 112 Jahren, die meisten davon publiziert von hochkarätigen Wissenschaftlern, die jedoch von Harald Lesch in seiner pathetischen Suche nach Wahrheit sorgfältig verschwiegen werden. Was gerade nicht im Sinne des ersehnten Fairness, der moralischen Verantwortung und der Transparenz in der Wissenschaft ist. Denn Wissenschaftskommunikation ist nicht nur eine Sache der Kommunikation zwischen Wissenschaftlern im Wissenschaftsbetrieb, sondern auch eine Sache der Kommunikation mit der Öffentlichkeit, die immerhin die Forschung finanziert, zumindest die öffentliche Grundlageforschung. Und zur Kommunikation der Forschungsergebnisse an die Öffentlichkeit spielt wohl arXiv keine große Rolle, TV dafür um so mehr.

    Nun gut, wenn Sie der Meinung sind, dass die Öffentlichkeit sich bitte mit dem „Niveau des Fernsehens, ein prinzipiell eher dummes Medium“ begnügen sollte, dafür ist sie gerade noch gut genug mit Harald Lesch bedient, dann kann man es nur zur Kenntnis nehmen. Ihr verfolgtes Ziel scheint also die eigenen Interessen der jüngeren Forscher im Wissenschaftsbetrieb zu sein, nicht die Interessen der wissenschaftlichen Kommunikation nach außen. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg in Ihrer jungen Karriere zur Ablösung der “alten Garde”.

  6. @ stepan Schleim
    Habe Ihren Blogartikel vom 4. Oktober 2017 leider erst heute gelesen. (Heute kann ja keiner mehr (gleichzeitig) alles online verfolgen und gleichzeitig noch Printmedien und Bücher lesen.)
    Da ist ja schon alles Wesentliche gesagt. Und noch deutlich mehr.
    Besonders lustig finde ich den Kommentarbereich ab dem 20. Oktober 2017. Was ist denn da los?

  7. @Louis: Das war Spam. Früher hatten wir mal einen besseren Filter.

    Ich habe jetzt mal ein paar dieser Kommentare per Hand als Spam markiert und hoffe, dass das System es so lernt.

  8. Zitat: Gute Wissenschaft erkenne man an der Anzahl der Zitationen. Das nicht, wohl aber: Einflussreiche Artikel/Publikationen erkennt man daran, wie häufig sie von andern zitiert werden. Es gibt ja auch negative Zitate, Zitate also mit denen man auf eine falsche Ansicht verweist. Doch das ist für den Autor, auf den verwiesen wird, immer noch besser als wenn niemand seine Arbeit zitiert und sie damit nicht zur Kenntnis nimmt. Die Liste Highly Cited Researchers (h>100) according to their Google Scholar Citations public profiles wird von Sigmund Freud angeführt, hat an 6. Stelle den Soziologen Pierre Bourdieu, and 8. Michel Foucault und and 13. Stelle schon Michael Graetzel, den Erfinder der photoelktronischen Graetzelzelle, einer mit einem chemischen Prozess arbeiten Solarzelle, die aber – wie ich von anderen gehört habe – nicht wirklich mithalten kann mit normalen Solarzellen (Siliziumzellen). Dass Graetzel so häufig zitiert wird, hat wohl damit zu tun, dass seine Zelle mit seinem Namen benannt ist und er alle Patente darauf hält. Zudem ist Solartechnik gerade im Schwange und die Grätzelzelle ist halt etwas spezielles, sogar leicht exotisches an sich. Von grundlegender Bedeutung aber ist sie wohl kaum. Übrigens kann man schon bei Sgimund Freud (der Nummer 1) sagen, dass seine Arbeiten keinen wirklichen Bestand haben, also nicht von guter Wissenschaft zeugen – wohl aber von einflussreicher.

  9. Publikation nur nach eingehender Qualitätskontrolle und Entlarvung von Betrug durch den Reviewprozess sind ziemlich unrealistische Forderungen, denn der Aufwand dafür wäre zu gross.
    Es gilt aber: Wer nicht einmal die Fachsprache kennt oder wer potenzielle Kollegen in Form der Reviewer nicht davon überzeugen kann, dass seine Arbeit publikationswürdig ist, der kann nicht publizieren.

    Die eigentliche Qualitätskontrolle und eventuell auch die Entlarvung von Betrug, die geschieht ja dann durch die (hoffentlich) Heerschar von Lesern, worunter vielleicht einige seine Arbeit reproduzieren oder darauf aufbauen wollen. Einen geschickten, in seinem Fachgebiet bewanderten Betrüger kann man nur so entlarven, indem man nämlich durch eigene Arbeit nachweist, dass die Arbeit falsche Aussagen macht oder nicht brauchbar ist. Und bis es soweit ist, kann es – leider – Monate ode Jahre dauern.

  10. Zu:
    “..Das war Spam. Früher hatten wir mal einen besseren Filter….

    Na ja, vielleicht können Sie es auch beim jetzigen Zustand belassen, denn eventuell macht es auch etwas mehr her, wenn statt ” 17 Kommentare” jetzt “54 Kommentare ” drübersteht. Wegen des größeren “Impactfactors” (-: (-: (-:
    Sorry, ich kann das Lästern einfach nicht lassen, wenn sich günstige Gelegenheiten dazu auftun.

    (Mal nur nebenbei:)
    Übrigens sind Ihre älteren Artikel nur noch schwer (schnell) zu finden. Zumindest von der Spektrum- oder auch scilogs- Hauptseite aus.
    Mit anderer (getarnter) IP- Adresse gehts etwas einfacher, weil die Seitenstrukturen dann etwas anders sind.
    Aber vielleicht liegts auch einfach nur an meiner fehlenden Kompetenz diesbezüglich.

  11. Stephan Schleim schrieb (1. August 2018):
    > Die zentrale inhaltliche Frage […] nach einer zuverlässigen und unabhängigen wissenschaftlichen Qualitätskontrolle.

    > Publizieren, von lateinisch publicare = veröffentlichen, ist ein Wesensmerkmal der Wissenschaft. Neue wissenschaftliche Kenntnisse sollen nicht nur den Fachkollegen und potenziell für den Fortschritt der ganzen Menschheit zur Verfügung stehen, sondern durch die Veröffentlichung auch überprüfbar werden.

    Sehr richtig!: “werden“.

    Denn erst indem eine (möglicher Weise nur vorläufige) Version der betreffenden Arbeit allgemein und geeignet Barriere-frei zur Verfügung steht, um zumindest im Prinzip von jedem Interessierten begutachtet zu werden, und auch alle entsprechenden Gutachten ggf. öffentlich auffindbar sind und wiederum für weitere Stellungnahmen bzw. anschließende Qualitätssteigerungen bereitstehen, lässt sich die Zuverlässigkeit und Unabhängigkeit von eventuellen vorausgegangenen privaten oder institutionalisierten Kontrollen überhaupt beurteilen.

    (Danke, dass insbesondere durch die SciLogs-Website das Einreichen und einigermaßen auffindbare Mitteilen geeigneter Gutachten in Form von SciLogs-Kommentaren ermöglicht ist. Das verdient meiner bescheidenen Meinung nach sogar einen angemessenen Anteil unseres Beitrags für kommunikative Teilhabe.)

  12. Zu Stefan Schleim und:

    @Louis: Das war Spam. Früher hatten wir mal einen besseren Filter.

    Ich habe jetzt mal ein paar dieser Kommentare per Hand als Spam markiert und hoffe, dass das System es so lernt.
    (Zitatende)

    Die KI scheint mit dem Lernen noch so ihre Probleme zu haben. Obwohl die Quanten jetzt doch keine Konkurrenz mehr zur etablierten Technik sein sollen.
    Bin vorhin wieder auf das Folgende auf der scilogs – front-website “hereingefallen”:

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    Möchten Sie einen Liebeszauber, die Ihrem Ex zurückbringen wird Liebhaber hinzufügen dieser großen Liebe Zauberkundiger auf WhatsApp; + 234 805 46 81 416 He kann … Weiterlesen
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    @Chrys: danke 🙂 Das hätte ich gleich sagen müssen, nicht erst jetzt mit Verspätung. Ich danke Ihnen für Ihre Kommentare, ihre Erklärungen und Ihre Kritik. … Weiterlesen

    Aber keine Sorge . Kein Problem. Eher lustig.

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