Deutsche wollen weniger Stress – doch wie?

Besinnliches zum Jahresbeginn aus östlicher und westlicher Philosophie

Stress, Stress, Stress! Seit Jahren lässt die DAK in einer repräsentativen Umfrage die guten Vorsätze fürs neue Jahr erheben. Und seit 2015 – ältere Daten sind mir nicht bekannt – steht ununterbrochen auf Platz 1: Stress vermeiden oder abbauen. 2015 nannten 60% diesen Wunsch, 2016 und 2017 jeweils 62%, 2018 mit 59% etwas weniger und dann 2019 wieder 62%.

Darauf folgt der Vorsatz, mehr Zeit mit Freunden und Familie zu verbringen. Und seit einigen Jahren spielt auch der Wunsch eine große Rolle, weniger Zeit online zu sein beziehungsweise das Smartphone weniger zu nutzen.

Geht es Ihnen manchmal so? Vielleicht haben Sie dann zu viel stress. Lizenz: CC0.

Letzteres ist insbesondere für die jüngere Bevölkerung ein wichtiges Thema – vielleicht, weil diese Mediennutzung die Menschen stresst? Dann überrascht es auch nicht, dass der Krankenstand unter der arbeitenden Bevölkerung höher ist denn je (Die Deutschen sind kränker denn je).

Wenn weniger Stress so kontinuierlich und so hoch auf der Wunschliste der Deutschen steht – und damit sind sie sicher nicht allein auf der Welt –, dann zeigt das aber auch, dass sich das Problem nicht nur mit einem guten Vorsatz lösen lässt. Denn sonst würde es ja im Folgejahr nicht wieder auf Platz 1 stehen. Und im Jahr danach auch. Und so weiter.

Vom Stress zur Stressbewältigung

Was tun also die Menschen? Viele besuchen Stressbewältigungskurse, die bisweilen auch vom Arbeitgeber oder der Krankenkasse finanziert werden. In den Niederlanden gibt es seit 2014 sogar eine offizielle Woche des Arbeitsstresses (“week van de werkstress”). Mindfulness und Meditation sind ebenfalls in aller Munde.

Dass östliche Weisheit beliebt ist und sich auch ökonomisch ausschlachten lässt, sieht man an den vielen Buddhas in den Schaufenstern, Bars, Cafés oder Hotels. Und natürlich ist da noch der Yoga. Auch der Autor dieses Textes hat schon eine Yogalehrerausbildung in Indien abgeschlossen.

Yoga kann aber viel bedeuten: Von beinahe militärischem Drill und Selbstoptimierung in Power-, Vinyasa- oder Ashtanga-Yoga-Kursen für die Fitnessbegeisterten über den eher gymnastischen Hatha-Yoga oder Yin-Yoga in Slow Motion bis hin zum Tanzen, Singen, Malen oder Meditieren. Für jeden Geschmack ist etwas dabei.

Preisfrage: Macht diese Frau Yoga oder eine schöne Pose für ein Foto? Lizenz: CC0.

Auch geschichtlich sieht man, dass Yoga sich immer wieder an Zeit und Umgebung anpasste, seit er im 19. Jahrhundert im Westen Verbreitung erfuhr. In Indien, seinem facettenreichen Ursprungsland, gibt es sowieso nichts, was es nicht gibt.

Dabei sind sowohl Fitness als auch Entspannung Mittel zur Stressbewältigung. Bewegung, ohne gleich in Extreme zu verfallen, ist sowieso gut für Körper und Geist. Allein schon die Tatsache, einmal unerreichbar für Anrufe, Textnachrichten und E-Mails zu sein, dürfte für viele einen entspannenden Effekt haben.

Erst durch bewusste Entspannung, Mindfulness, Meditation oder Atemübungen nehmen wir vielleicht wahr, was in uns vorgeht. Erst dadurch nehmen wir wahr, zu welchen Spannungen Stress in Körper und Geist führt und wie wir diese wieder loslassen können.

Reine Symptombehandlungen

Solche Bewältigungsmethoden haben aber insofern etwas Tragisches, als sie meistens reine Symptombehandlungen sind. An den Gründen, aus denen so viele Menschen gestresst sind, ändert sich damit erst einmal nichts. Mit Ausnahme vielleicht des Stresses, den wir durch unser Denken selbst verursachen, weil wir beispielsweise immer wieder denken, wie gestresst und in Eile oder unzufrieden wir sind und auch diese Gedanken neuen Stress verursachen.

Dadurch, dass das Grundproblem nicht gelöst wird, haben die professionellen Stressbewältigungstrainer in unserer Gesellschaft aber natürlich eine treue Kundschaft. Diesen Interessenkonflikt gibt es auf dem gesamten Gesundheitsmarkt: Wären die Menschen auf einmal alle gesund, dann könnten die meisten Ärzte, Apotheker, Pharmabetriebe und Krankenhäuser ihre Pforten schließen.

Wo man nur Symptome behandelt, also insbesondere bei den chronischen Erkrankungen, fließen aber kontinuierlich Gelder. Das sind die besten Kunden! Dann überrascht es auch nicht, dass seit Einführung des Marktdenkens im Gesundheitssystem immer mehr solcher Erkrankungen diagnostiziert werden und auch Schwellenwerte mancher Diagnosen abgesenkt werden.

In vergleichbarer Weise hat sich eine Gesundheitspsychologie als eigene Disziplin zur Bedienung dieser Nachfrage gebildet. Ein beliebtes Narrativ, eine beliebte Erzählung dieser “Wissenschaft” zum Thema Stress ist, dass nicht so sehr der Stress selbst, sondern vielmehr unser Denken über Stress – oder unsere Bewertung – das Problem ist.

Die Gesundheitspsychologin und Bestsellerautorin Kelly McGonnigal ist ein Beispiel für die Verbreitung dieser Erzählung. Ihr TED-Talk “Wie man Stress zu seinem Freund machen kann” wurde bereits millionenfach abgerufen. Einige deutsche Autoren versuchten in den letzten Jahren, ihren Erfolg zu kopieren.

Stress besser vermeiden als schöndenken

Das Tückische an dieser Botschaft ist allerdings, dass das nur für einen Teil des Stresses gilt: Eben den Teil, der entweder von vorübergehender Art ist oder den wir mit unserem Denken selbst erzeugen. Wer aber dauerhaftem Stress etwa am Arbeitsplatz oder durch Lärm zuhause ausgesetzt ist, der fühlt sich kurzfristig vielleicht besser, bleibt aber langfristig gestresst.

Das kann nicht nur psychische Probleme, sondern auch körperliche Erkrankungen, etwa des Herz-Kreislaufsystems verursachen. Dabei ist klar, dass wer viel chronischen Stress hat und dann auch noch denkt, wie schlimm, das alles sei, am schlechtesten dran ist.

Man sollte sich Stress also nicht nur schön denken, als “Freund”, sondern auch etwas dagegen unternehmen. Das ist in vielen Fällen natürlich leichter gesagt als getan. Wer etwa im Umfeld eines Flughafens wohnt und durch eine Änderung der Flugpläne plötzlich im Fünfminutentakt Turbinenlärm in seiner Wohnung hört, dessen Möglichkeiten sind begrenzt.

Der Gesetzgeber räumt nämlich den wirtschaftlichen Interessen am Flugverkehr und den damit einhergehenden Steuereinnahmen hohe Priorität ein. Im Zweifelsfalle bleibt dann vielleicht nur ein Umzug, womit nicht gesagt wäre, dass Bürgerinitiativen nicht auch erfolgreich sein können.

Aber es ist eben schwer. Und verursacht zumindest vorübergehend viel neuen Stress. Es gilt noch immer die alte Weisheit: Ändere, was sich ändern lässt – und akzeptiere den Rest.

Ein nicht repräsentatives aber doch sehr interessantes Beispiel erfuhr ich einmal in einem Kunstprojekt bei der Zusammenarbeit mit ehemaligen Gefangenen: Ein Mann erzählte mir, dass er sich im Gefängnis zum ersten Mal in seinem Leben frei gefühlt habe. Wie konnte das sein?

Als ältester Bruder in einer Familie mit mehr als zehn Kindern habe er sich für alle verantwortlich gefühlt. Vor allem hätten ihn viele immer um Geld gefragt, weswegen er dann immer mehr davon mit Betrug und Drogenhandel verdient habe, bis er erwischt wurde und hinter Gitter kam. Überraschend, wie jemand erst durch Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht aus so einem stressigen Kreislauf von überzogenem Verantwortungsgefühl, wahrscheinlich auch dem Wunsch nach Anerkennung und damit einhergehender Kriminalität geholt wird.

Der Stress, an dem wir am meisten tun können, ist der, den wir durch unser Denken selbst verursachen. Dabei überrascht mich, dass wir beispielsweise zwar unsere Autos regelmäßig beim TÜV prüfen lassen müssen oder auch einfachen Produkten wie Zahnstochern oder Kondomen eine Bedienungsanleitung beiliegen kann.

Eine Bedienungsanleitung für uns selbst

Wie Körper und Geist funktionieren, das verrät uns aber niemand so richtig. Bei der Geburt eines Menschen wird kein Handbuch mitgeliefert. Und zum Arzt oder Psychologen gehen wir meist erst dann, wenn es schon ein ernsthaftes Problem gibt.

Das ist natürlich die Marktlücke für die Fülle an Selbsthilfeliteratur und -Kursen. Oder eben für den Hype um Meditation, Mindfulness und Yoga. Wo es aber so viel gibt, da kann die Auswahl schwerfallen.

Es gibt auch keine unabhängigen Qualitätskriterien: Jeder kann sich Coach, Lebensphilosoph oder Yogalehrer nennen, anders etwa als bei psychologischen Psychotherapeuten oder Ärzten.

Ein Wegweiser könnte dann vielleicht die Tradition sein, nämlich in dem Sinne, dass sich wahrscheinlich bewährt hat, was es schon lange gibt. Und dabei ist nicht nur an einige Jahre oder Jahrzehnte zu denken, sondern womöglich an Jahrhunderte oder Jahrtausende.

Auch wenn sich unsere Gesellschaften in diesem Zeitraum dramatisch verändert haben – die eingangs erwähnten neuen Technologien sind hierfür das beste Beispiel, wobei ich mich schon gar nicht mehr daran erinnern kann, wie wir in den Zeiten vor E-Mails und Handys Verabredungen getätigt haben – so sind unsere Körper wegen der nur langsam voranschreitenden biologischen Evolution doch relativ gleich geblieben. Und vielleicht ist dieses Auseinanderklaffen von Kultur und Natur in unserem Leben schon eine der Ursachen für unsere Stressprobleme.

“Du bist nicht deine Gedanken.”

Eine zentrale Botschaft, die uns östliche Meditation und auch der eher philosophisch-besinnliche Yoga mitteilen, könnte man wie folgt auf den Punkt bringen: “Du bist nicht deine Gedanken.”

Damit ist gemeint, dass sich für uns ununterbrochen Gedanken und Gefühle manifestieren, wir uns mit diesen aber nicht identifizieren müssen. Dabei geht es jedoch nicht darum, etwas zu unterdrücken, sondern schlicht urteillos wahrzunehmen. Das meint man mit Mindfulness, zu deutsch auch Achtsamkeit.

Zum Verständnis dieser Idee kann man sich einen Kinobesuch vorstellen. Vielleicht ist es ein Horrorfilm oder ein Thriller oder ein Liebesfilm, der uns bewegt. Wenn die Story packend ist, wenn niemand neben uns quasselt oder zu laut mit dem Popcorn raschelt und uns somit an die Umgebung erinnert, dann fällt unsere Wahrnehmung vielleicht mit dem Film zusammen, dann fühlen wir uns als einer der Charaktere und dann erleben wir Freude, Überraschung, Angst oder Schrecken der Handlung vielleicht sogar am eigenen Leib. Wahrnehmender und Wahrgenommenes fallen dann in eins.

Dabei kann dieses Ineinanderfallen gerade das Besondere am Kinobesuch sein und als lustvoll und intensiv erfahren werden: Einmal aus dem Alltagstrott heraustreten und sich für zwei Stunden in ein anderes Leben, in eine andere Welt begeben und treiben lassen.

Das mag beim Kinobesuch noch unproblematisch sein. Wenn Menschen aber vielleicht zehn, fünfzehn oder gar zwanzig Stunden am Stück in ein Computerspiel eintauchen, am nächsten Tag wieder und wieder, und gar nicht mehr in ihr körperlich-gesellschaftliches Leben zurückfinden, dann kann das problematisch werden (ICD-11 erschienen: Computerspielen kann als psychische Störung diagnostiziert werden).

Leben auf Autopilot

Wenn nun im Leben alles mehr oder weniger rund läuft, wenn alles “funktioniert”, dann kann das Zusammenfallen von Wahrnehmendem und Wahrgenommenem problemfrei sein. Vielleicht stellt sich noch die Frage, wie bewusst jemand sein eigenes Leben lebt, oder ob derjenige nicht vielmehr im Modus des Autopiloten vorbeizieht. Aber diese Frage muss jeder für sich selbst beantworten. Und warum fühlen sich dann trotzdem so viele gestresst?

Problematischer ist es aber, wenn jemand Denk- und Verhaltensmuster hat, die zu permanentem Stress führen: Nie zufrieden sein können; immer mehr, immer besser sein wollen; die kleinsten Makel als Scheitern werten; sich keine Pausen gönnen; sich selbst ablehnen; sich einreden, etwas nicht gut zu können oder gar ein Versager zu sein; denken, dass einem alles zu viel ist; sich unattraktiv fühlen, hässlich, zu dick, zu dünn.

Die Ursachen dieser Muster liegen meistens in der Vergangenheit, mitunter schon in der frühesten Kindheit. Ihre Folgen realisieren sich aber in unserer Gegenwart. Immer und immer wieder.

Durch die Trennung von Wahrnehmendem und Wahrgenommenem, also durch das Durchbrechen der Identifikation mit Gedanken und Gefühlen, kann man sich überhaupt erst einmal der Tatsache bewusst werden, dass man diese Denk- und dazugehörige Verhaltensmuster (sich etwa immer zu viel vorzunehmen) hat. Und dass sie Probleme verursachen.

Durch die anschließende Erfahrung, dass diese Gedanken und Gefühle eben nur das sind: Gedanken und Gefühle, die kommen und gehen und mit denen wir nicht unbedingt etwas anfangen müssen, können sie abklingen und an Macht über uns verlieren. Dieses Wissen über Achtsamkeit haben sich auch die neueren Mindfulness-basierten Ansätze in der Psychotherapie zunutze gemacht und inzwischen seit vielen Jahren angewandt.

Die antike Stoa

Wem diese Gedanken komisch vorkommen oder wer Schwierigkeiten mit “östlichen Weisheiten” hat, dem sei gesagt, dass sie genausogut unserem eigenen Kulturkreis entstammen. So finden sich in der antiken Schule der Stoa und dann vor allem beim römisch-griechischen Sklavenphilosophen Epiktet (ca. 50 bis 138 n. Chr.), von dem es heißt, er sei selbst gelassen geblieben, als sein Herr ihm das Bein verstümmelte, eindrucksvolle Passagen: “Nicht die Dinge selbst beunruhigen die Menschen, sondern ihre Meinungen und Urteile über die Dinge.” Du bist nicht deine Gedanken. Und Epiktet fährt fort:

So ist zum Beispiel der Tod nichts Furchtbares – sonst hätte er auch dem Sokrates so erscheinen müssen –, sondern nur die Meinung, er sei etwas Furchtbares, das ist das Furchtbare. (Handbüchlein der Moral, 5)

Phantasieporträt Epiktets mit Krückstock einer griechisch/lateinischen Ausgabe seines beliebten Handbüchleins – “Enchiridion” im Original – aus dem Jahr 1715. Rechts sieht man das Sheldonian Theater in Oxford, noch heute eines der Wahrzeichen der Universitätsstadt.

Oder am Beispiel von Beleidigungen:

Bedenke: Nicht wer dich beschimpft oder dich schlägt, verletzt dich, sondern nur deine Meinung, daß diese Leute dich verletzen. Wenn dich also jemand reizt, so wisse, daß es deine eigene Vorstellung ist, die dich gereizt hat. (ebenda, 20)

Wenn wir dazu jetzt noch die Überzeugung nehmen, dass man im Falle einer Provokation “seinen Mann stehen” muss, dass es die Ehre zu verteidigen gilt, weil man sonst eine “Memme” (veraltend für Feigling; ursprünglich war es ein Wort für die Mutter bzw. Mutterbrust) ist, dann versteht man vielleicht, warum sowohl die meisten Täter als auch die meisten Opfer von Gewaltverbrechen Männer sind.

Dabei sagen Beleidigungen viel mehr über den Geisteszustand des Beleidigers als des Beleidigten aus. Das sieht man auch sehr deutlich hier im Diskussionsforum. Wer sich aber beleidigen lässt, der räumt dem anderen Macht über die eigenen Gedanken und Gefühle ein. Das formulierte Epiktet sehr deutlich an der folgenden Stelle:

Wenn jemand deinen Körper dem ersten besten, der dir begegnet, ausliefern würde, dann wärest du entrüstet. Daß du aber dein Denken jedem Beliebigen auslieferst, so daß es beunruhigt und verstört wird, wenn er dich beleidigt – dessen schämst du dich nicht? (ebenda, 28)

Zu den Lebensphilosophen und Weisen oder Ethikern in diesem Sinne zählten unter den Stoikern auch der Anwalt und Konsul Cicero, der Kaiser Mark Aurel, Musonius und Seneca (der Jüngere). Ihre Lehre verspricht bis heute apatheia, autarkia und ataraxia: Freiheit von Affekten, Selbstgenügsamkeit und Unerschütterlichkeit, im Endergebnis Seelenruhe.

In den vorherigen Absätzen sahen wir, dass psychisches Leiden oft mit dem Denken begann, konkreter mit Überzeugungen und Meinungen, altgriechisch dogmata. Dass dogmata die Seelenruhe stören, wussten aber schon Jahrhunderte vor den Stoikern die Skeptiker, allen voran Pyrrhon von Elis (ca. 360 bis 270 v. Chr.).

Daher wollten die Radikalen unter ihnen völlig adogmatisch, also ohne jegliche Meinung leben. Die weniger Radikalen – sogenannten akademischen Skeptiker – dachten, man müsse nur falsche Meinungen aufgeben und könne die Richtigen bewahren. Pyrrhon erreichte jedenfalls ein außergewöhnlich hohes Alter.

Ost und West ist einerlei

Der Kreis zwischen West und Ost schließt sich jetzt, wenn man weiß, dass Pyrrhon Alexander den Großen (365-323 v. Chr.) auf dessen Indienfeldzug (326 v. Chr.) begleitete – und dort Kontakt mit indischen Weisen hatte, den sogenannten Gymnosophisten (wer mehr darüber lesen möchte).

Diese bekamen ihren Namen daher, dass sie nackt (altgriechisch gymnos) waren, weil sie Kleidung für unnötig hielten. Es waren Asketen, die indische Philosophen oder Yogis gewesen sein könnten, vielleicht auch Jains oder frühe Buddhisten.

Ob wir es östlich oder westlich nennen – das spielt letztlich keine Rolle. Und schon Jahrhunderte vor Alexanders Feldzug gab es lebhaften Handel zwischen den Völkern. Die aus jener fernen Zeit erhaltenen Quellen stoßen hier aber an ihre Grenzen.

Der springende Punkt ist, dass sowohl der Buddhismus mit seiner Meditation, der philosophisch angehauchte Yoga, insbesondere mit Ideen des Advaita Vedanta, die antiken Skeptiker, die Stoiker oder eben auch die genannten neuen Ansätze in der Psychotherapie auf das Ergebnis hinauslaufen, dass wir uns nicht mit unseren Gedanken und Gefühlen zu identifizieren brauchen.

Was Erwartungen mit uns machen

Andernfalls kann psychisches – und in letzter Konsequenz auch physisches – Leid entstehen. Drei niederländische Yogalehrer haben das anhand eines Alltagsbeispiels in einem schon lange vergriffenen Buch wie folgt erklärt. Es geht schlicht darum, dass man Freunde besuchen will:

So schöpfen wir Bilder, Erwartungen, und nachdem du die Wohnungstür hinter dir zugezogen hast, bist du nicht wirklich auf dem Weg zu deinen Freunden, sondern bist du unterwegs zu deinen eigenen projizierten Erwartungen. Wenn sich die Tür bei deinen Freunden öffnet, dann betrittst du nicht wirklich ihre Wohnung… sondern deine eigene projizierte Situation: Du betrittst etwas, von dem du ein vollständiges Bild in dir hast, dass es so-und-so sein wird – kurzum, du betrittst eigentlich eine Art Traum. Es ist aber nicht unwahrscheinlich, dass die Situation, so wie du sie antriffst, etwas anders aussieht als das, was deine Erwartungen projiziert haben. Und das Ergebnis könnte sein, dass du dich nicht gänzlich wohl fühlst und dir eine Ausrede ausdenkst, um so schnell wie möglich wieder zu gehen. Oder, noch schlimmer, du setzt deine Freunde unter Druck, vielleicht auf eine sehr subtile Art und Weise, damit sie sich so verhalten, wie du es geträumt hast, dass sie sich zu verhalten haben, wenn du bei ihnen bist! (Keers/Lewensztain/Malavika, 1977, S. 41; Übersetzung S. Schleim)

Dem möchte ich die Beschreibung der Gedanken- und Gefühlswelt eines Pariser Fußballfans und Hooligans in Philippe Claudels Roman “An meine Tochter” entgegenstellen, der später im Roman auch noch jemanden brutal zusammenschlagen wird:

Sie beschimpfen die elf Spieler der gegnerischen Mannschaft als ‘Kinderficker’ und ‘Arschlöcher’ und den Schiedsrichter als ‘Neger’, ‘Kanaken’ oder ‘Kameltreiber’, falls er ein wenig braun aussieht und ein Foul pfeift, wo sie keines bemerkt haben. […] So geht er in das Café im Erdgeschoss des Krankenhauses [wo er arbeitet] und trinkt dort zehn Bier, ‘um mich aufzuheizen’, bevor er das Stadion betritt, wo Alkohol verboten ist. Die Bereitschaftspolizei pfercht ihn und die anderen auf vergitterten Tribünen gruppenweise wie in Hundezwingern zusammen, als wären sie gefährliche Viehherden, die unter verschärfte Bewachung gestellt werden, und [er] stößt Kriegsgeheul aus, macht den Nazigruß, zeigt den Stinkefinger, schreit obszöne Beleidigungen, entfaltet mehrere Meter lange, bemalte Spruchbänder, auf denen in riesigen Buchstaben geschrieben steht: ‘Marseille! Die Pariser Ultras ficken euch!’, wenn die Pariser Mannschaft Marseille zu Gast hat, oder: ‘Lens! Die Pariser Ultras ficken euch!’, wenn sie Lens zu Gast hat, oder auch: ‘Straßburg! Die Pariser Ultras ficken euch durch!’, wenn sie Straßburg zu Gast hat, und ein bisschen Abwechslung muss sein, und so weiter für jede eingeladene Mannschaft, die meistens unter einem Hagel von Schrauben, Muttern, Nägeln, Flaschenscherben und mit Urin und Exkrementen gefüllten Präservativen vom Platz geht. Das tut er ‘aus Liebe zum Sport’, denn wie sagt er so oft zu mir: ‘In unserer verrückten Welt ist und bleibt der Sport das einzig Wahre.’ (Philippe Claudel, Position 481 im eBook)

Alles beginnt im Denken

“Du bist nicht deine Gedanken!”, möchte ich da erwidern, und würde wahrscheinlich doch nicht verstanden. Es ist aber so, dass kein Krieg, keine Körperverletzung, kein Betrug, kein Streit und auch kein psychischer Stress entstehen würde, wenn da nicht erst ein Gedanke oder ein Gefühl, wahrscheinlich beides wäre.

Da scheint es mir die Mühe wert, sich einmal damit auseinanderzusetzen. Nicht indem man es unterdrückt, denn wie ein Ball, den man unter Wasser drückt, kommt es dann doch hochgeschossen. Sondern indem man es sich schlicht: anschaut.

Quellen:

  • Epiktet zitierte ich in der Übersetzung von Kurt Steinmann: Handbüchlein der Moral. Stuttgart: Reclam.
  • Philippe Claudel: An meine Tochter. Deutsch von Christiane Seiler. Rowohlt digitalbuch.
  • Wolter A. Keers, Jacques Lewensztain und Kumari Malavika (1977). Yoga als Kunst van het ontspannen. Utrecht: Het Spectrum.

Hinweis: Dieser Beitrag erscheint parallel auf Telepolis – Magazin für Netzkultur.

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  1. hmmm…

    Am Anfang schreiben Sie, Herr Schleim: “Stress besser vermeiden als schöndenken”,

    und am Ende: “Alles beginnt im Denken”.

    So richtig bringt mich das jetzt nicht weiter.
    Wahrscheinlich liegt, auch für mich, das Problem in der nicht klaren Grenze zwischen Aushalten und Ändern oder Weglaufen.

  2. @Holger: Alles beginnt im Denken

    Aber auch Stress vermeiden beginnt im Denken. Nur eben nicht in dem Gedanken, dass Stress ihr “Freund” ist, sondern in der Frage, was die Ursachen des Stresses sind, wie sie diesem vorbeugen können und wie Sie verhindern können, durch Gedanken den Stress noch größer zu machen, als er schon ist.

    Wahrscheinlich liegt, auch für mich, das Problem in der nicht klaren Grenze zwischen Aushalten und Ändern oder Weglaufen.

    Zu welcher Schlussfolgerung man kommt, hängt sehr von der Persönlichkeit ab und auch von der individuellen Situation, um die es geht. Da lässt sich leider so abstrakt keine Empfehlung geben.

    Lässt es sich denn ändern? Wenn ja, wie? Und wie groß ist der Auwand? Rechtfertigt dieser Aufwand das zu erwartende Ergebnis? Oder kann man es doch akzeptieren? Oder zwar nicht die Situation/die Umstände verändern, selbst aber dafür sorgen, dass man nicht mehr in diese Situation/Umstände gerät?

    Das ist, denke ich, die Kette von Fragen, die man sich dann stellen kann, um zu einer informierten Entscheidung zu kommen. Dabei sind Fälle aus dem echten Leben natürlich oft komplexer, als es hier auf dem Papier aussieht.

  3. Wie ich hier schon mal schrieb: Nichts gehört dem “Einzelnen” allein, sogar / besonders die Gedanken nicht, weil wir alle im selben Maße von Geist und Gemeinschaft geprägt wachsen.

    Dein Stress zu glauben ich würde Dich beleidigen wollen, der lässt auch tief blicken, wenn man genug Menschenverstand entwickelt hat. 😉

  4. “Alles beginnt im Denken…”
    Ich glaube es ist nicht nur das Denken, sondern es sind auch die Programme (GlaubensMuster) ,die dem Denken Nahrung geben. Diese Gesellschaft hat und erzieht uns immer noch nach den sogenannten “Deutschen Tugenden” demnach man mit viel Fleiß/Leistung auch einen gewissen Wohlstand erreichen kann.Also können sich die Gedanken irgendwann permanent um die Realisierung dieser Vorstellungen und Wünsche wie Haus,Auto,Reisen,mehr Geld etc…drehen. Wenn nun die Realität immer weiter von diesen Wünschen abrückt,durch welchen Gründen auch immer, können wir im Denken Stress ,Frust ,Ärger,Depression und so weiter entwickeln und letztlich auch darunter psychisch “leiden”.Mit Meditation und anderen mentalen Ruhestellungen kann man sicher punktuell etwas erreichen,aber die im Hintergrund weiterhin bestehenden Probleme werden weiter im Unterbewusstsein Stress und Druck erzeugen. Will man also echt eine Änderung erzeugen,so muss man alte Glaubensmuster überdenken und sein Leben bzw. seine bisherigen Wünsche und Vorstellungen neu bewerten, so dass diese stressauslösenden Widersprüche nicht mehr die Kraft entwickeln können.

  5. @Golzower: Glaubensmuster

    Ja – doch ich sehe jetzt nicht wirklich den Widerspruch zwischen Ihren “Glaubensmunstern” und meinen “Denkmustern”.

    Und Sie scheinen mir ferner einen Spezialfall dafür zu schildern, wie ein erlebter Unterschied zwischen Sein und Sollen Stress und Leid verursacht.

    Die Literatur über Lebensphilosophie, das gute Leben usw. weist ja schon bis in die Antike zurück immer wieder auf, dass das Erreichen der “materiellen Werte”, mal grob gesagt, die Menschen nicht wirklich glücklich macht.

    Es ist schon spät. Ich geh’ dann mal meditieren. 😉

  6. “doch wie” – ganz einfach:
    😁
    Wenn GRUNDSÄTZLICH alles allen gehören darf, so dass die wettbewerbsbedingte Symptomatik / der imperialistisch-faschistische Kreislauf / die Profitler in “Wer soll das bezahlen?” und “Arbeit macht frei” keine Macht mehr haben, kann PRINZIPIELL alles wirklich-wahrhaftig / alles gerecht / alles menschenwürdig und erstmals demokratisch OHNE … organisiert werden.
    Das setzt selbstverständlich voraus, Mensch will “Individualbewusstsein” / Egoismus und die Bildung / Hirnwäsche / Vergwaltigung zu systemrationaler Suppenkaspermentalität als Problem für unser “Zusammenleben” zugeben und Global / geistig-heilend überwinden!

    Zusammenleben OHNE Steuern zahlen usw., auf der Basis eines somit UNKORRUMPIERBAREN Menschenrechts auf KOSTENLOSE Nahrung, MIETFREIEM Wohnen und KASSEN-/KLASSENLOSER Gesundheit, ist nicht nur machbar!!! 😎

  7. “Am Anfang war das Wort” – Alles beginnt mit der Kommunikation, auch / besonders das Denken!? 😎

  8. Viele Strategien für mehr Erfolg im Leben oder der Arbeit sind in meinen Augen zweischneidig. Sie können zu Erfolg und Zufriedenheit führen aber auch zu Stress. Ein gutes Beispiel dafür sind Motivationsstrategien wie sie in der positiven Psychologie entwickelt werden und hier beispielsweise im Beitrag iGrow – die Motivationsstrategie dargelegt werden, wo man liest: Erfolgreich sein meint, es soll das „er-folgen“, was wir uns für unser Leben vorstellen. Manchmal klappt das, ein anderes Mal setzen wir uns immer wieder die gleichen Ziele und scheitern. Der folgende Beitrag skizziert die Motivationsstrategie iGrow, die zyklisch, als aufschwingende Erfolgsspirale gedacht werden kann.

    Problematisch ist eine solche Strategie wie iGrow (Identity,Go for it!,Reward,Open mindedness,
    Wellbeing
    ), wenn man an sie glaubt und sie umsetzen will, weil man weiterkommen will – beispielsweise im Beruf. Mit anderen Worten: Wenn man sich selber mit einer “Erfolgsstrategie” unter Druck setzt.

    Im Alltag scheint mir allerdings nicht diese Form von Sich-mit-Zielen-unter-Druck setzen der häufigste Fall, sondern vielmehr die zunehmende Unfähigkeit von Menschen, einfach abzuschalten. Wer ausserhalb der Arbeit nicht abschaltet, sondern einfach auf etwas anderes aufschaltet, der stresst sich selbst – oft ohne es zu realisieren.

  9. @hto: apropos Denk- und Verhaltensmuster

    Dafür sind Ihre Kommentare ein anschauliches Beispiel, denn manchmal (oft?) habe ich den Eindruck, was ich auch schreibe, Ihre Kommentare ähneln sich doch immer sehr auffällig.

  10. @Holger: Sie sind hier ja anonym bzw. pseudonym… Wenn Sie wollen, können Sie ihr Problem hier aufschreiben – und vielleicht fällt jemandem oder mir etwas dazu ein.

  11. @Holzherr: Erfolgsprediger…

    …gab es immer. Man denke etwa an den ursprünglich armen Bauernsohn Dale Carnegie (1888-1955), dessen Bücher und Trainings über Erfolg millionenfach verkauft wurden – und werden. Ich sah gerade, dass seine Erfolgstrainings immer noch angeboten werden, mehr als 60 Jahre nach seinem Tod. Das ist schon sehr erfolgreich! Für ihn und seine Erben.

    Ich denke, die triviale Message von solchen Trainings ist doch mehr oder wengier: Glaube an dich selbst! Und halte durch! Trivial, denn wenn ich nicht an mich selbst glaube und nicht durchhalte, dann tendiert die Wahrscheinlichkeit für einen Erfolg natürlich gegen null. Insofern ist bei der positiven Alternative die Erfolgswahrscheinlichkeit trivialerweise höher.

    Dazu kommt eine auch schon von Moralphilosophen beschriebene Verzerrung in der Selbst-/Fremdzuschreibung von Verantwortlichkeit: Nehmen wir an, ich informiere mich heute über Wirtschaft und kaufe dann ein paar Aktien. Wenn die Kurse steigen, dann werde ich wahrscheinlich sagen, ich habe mich gut informiert und eine richtige Entscheidung getroffen (Selbstzuschreibung). Wenn sie aber fallen, dann werde ich wahrscheinlich sagen, dass es eben (unvorhersehbare) Umstände waren (Fremdzuschreibung). Dabei wurden in beiden Fällen die Kurse durch Prozesse beeinflusst, auf die ich gar keinen Einfluss habe.

    Und “Karriere machen” heißt in den meisten Kontexten doch schlicht, das zu tun, was von einem verlangt wird. Das ist in der Wissenschaft nicht anders, auch wenn man dafür bisweilen einen langen Atem braucht.

    Aber warum Karriere machen wollen, warum Erfolgreich sein wollen? Das impliziert immer, dass der heutige Zustand nicht gut oder zumindest nicht gut genug ist.

    Ich denke, dass das etwas tief in unserem gesellschaftlichen DNA-Pool Verwurzeltes ist, dass es nie gut genug ist, dass es immer besser sein muss (siehe dazu auch Max Webers klassische Schrift über den Zusammenhang zwischen protestantischer und kapitalistischer Ethik).

  12. @Schleim

    Passgenaue Wiederholungen – Ist Deine Mitteilung darüber nicht ein “schlichtes” Ablenkungsmanöver?
    Ist es nicht so, dass hier mit zu vielen Worten zu oft ein “neues Fass” aufgemacht wird und der selbe Effekt zum Tanz um den heißen Brei / zum stumpf-, blöd-, wahn- und schwachsinnigen Surfen auf dem Zeitgeist …???

    Ich weiß das ich auch nur Kommunikationsmüll produziere, jedenfalls solange hier keine wirklich-wahrhaftige / konkret-konsequente / kompromisslos-uneigennützige (im Sinne von Mensch / Global) Kommunikation stattfindet!!!

    Ich bin nicht scharf drauf derjenige zu sein der solch Kommunikation angestoßen hat – wenn es denn weiterhin um Ruhm und Ehre gehen soll, dann kann dies bitteschön wer will für sich beanspruchen, Hauptsache es passiert etwas in die richtige Richtung.

  13. Weniger ist hier mehr

    Weniger arbeiten macht Luft. Wenn der Arbeitgeber weniger Arbeitsstunden nicht mitmacht, dann vielleicht doch eine Putzhilfe einstellen, wenn man eh genug Geld hat?
    Abwechslungsreiche Arbeit stresst generell weniger, wenn etwas Sport und ein paar soziale Kontakte mit im Programm sind umso besser. Wenn man nicht zu schnell machen muss, das macht ganz viel aus. Nicht über 30 Stunden die Woche Vollgas geben, das geht echt nicht lange gut.

    Was die Arbeitgeber mit uns machen, ist teilweise kriminell. Auf einem Wohlstandsniveau, dass immer weniger Sinn macht, sollen wir immer mehr leisten. Wofür, weis schon lange keiner mehr.

    Weniger private Projekte können auch sinnvoll sein, zusätzlich zu zuviel Arbeit noch die Musikband am Wochenende und das Fitnesscenter können in der Summe dann zu viel werden. Dann lieber mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren, das spart Geld und auch die Zeit im Fitnesscenter.

    Auch weniger Sachen kaufen macht Luft. Das Aussuchen macht Arbeit, das Kaufen, das Ausprobieren und am Ende in den Haushalt einsortieren auch. Dann muss man sich auch all das Merken, das man in seinen Schränken und im Keller hat. Und man braucht eine größere Wohnung und dafür mehr Geld und dafür mehr Zeit zum Geld verdienen. Und auch beim Renovieren mehr umräumen, mehr Farbe, mehr Anstreichen.

    Deshalb finde ich auch Urlaub so erholsam, vor allem Campingurlaub nur mit dem Fahrrad, am besten wild in freier Natur Zelten. Die wenigen Sachen, die man dabei hat, die reduzierte Campingküche und damit auch mit reduzierten Möglichkeiten einfachere Gerichte zubereiten, all das macht Platz, die Natur zu beobachten und zu genießen.

    Wenn man das denn kann. Beobachten und Genießen, miteinander Teilen, für einander Dasein, sich selbst sein lassen und die Natur und das Leben einfach aufnehmen.

    “Du bist nicht deine Gedanken!”, würde ich auch sagen. Gedanken sind Werkzeuge, die gute Pläne machen können, mit denen man dann die Anforderungen abarbeitet, bis das Projekt dann fertig ist. Aber wenn man ständig neue Projekte anfängt, bevor die alten fertig sind, dann drängeln die Gedanken sich auch schneller ins Bewusstsein, und es wird schwieriger, gute Pausen zu machen.

    Für mich nehme ich den Grundsatz, dass bei aller Begeisterung für meine Herzensprojekte doch täglich eine halbe Stunde Langeweile gesund ist. Mehr Langeweile nicht, aber keine auch nicht. Das ist für mich das Zeichen, dass hier ein Projekt zu viel ist, wenn sich gar keine Langeweile mehr am Tag einstellt.

    So habe ich auch die Basis, dass in mir Platz für neue Gedanken ist, und nicht meine alten Gedanken mich selber zum Sklaven machen, mit Projekten, die zu Groß für mich sind, oder eben auch in der Summe ein Projekt zu viel sind.

    Aber in der Summe das zu tun, was mir am Herzen liegt, und das mich begeistert, und womit ich gut zurechtkomme, das ist echt gut. Aber auch hier muss ich mich öfter selber bremsen, und alles schön in Ruhe machen, zumindest wenn es keinen akuten Grund zur Eile gibt.

    Ein gutes Miteinander mit guten Freunden tut gut im Leben, und wenn man dafür reichlich Zeit hat, hat man da auch mehr. Was zusammen unternehmen, auch wie hier in Scilogs diskutieren, dafür sollt Zeit sein.

  14. Stress als Folge des Denkens anzusehen, trifft nur einen Teil der Ursachen.
    Stress ist auch die Folge einer falschen Ernährung. Wer viel Fleisch isst , zusätzlich noch mit Phosphaten , der bekommt Buthochdruck und wird nervös.
    Die Phosphate und Farbstoffe in den Lebensmitteln machen nervös.

    Die zweite Ursache für Stress ist eine falsche Lebensführung. Unser Körper ist für Bewegung gemacht, wer den ganzen Tag auf dem Stuhl sitzt wird krank.

    Die dritte Ursache für Stress sind die zu hohen Erwartungen. Wer sich neben seiner Ehefrau noch zwei Geliebte hält, der ist im Dauerstress. (Ich habe dieses krasse Beispiel gewählt um die Unsinnigkeit von zu hohen Erwartungen klar zu machen )

    Die vierte Ursache ist mangelnde Durchsetzungskraft. Wer sich nur anderen unterordnet, der kommt schnell unter Druck.

    Nur soviel mal als Zusatz.

  15. @Schleim

    “Aber warum Karriere machen wollen, warum erfolgreich …”

    Die Antwort ist auch einfach: Weil es um ein Minimum an MÜSSEN in dieser Welt- und “Werteordnung” gezwungenermaßen geht!

    Wie schon mal geschrieben, manchmal denke ich der Schleim denkt schon in die richtige / kommunistische Richtung ohne Wettbewerb, aber dann …
    Glaubst Du wirklich eine Version / die “Treuhänder” von Kapitalismus-light würde(n) das menschenwürdige Maß / Optimum an Ethik, Moral / zweifelsfrei-eindeutiger Wahrheit aus unserer Vernunftbegabung kreieren?

  16. @Jeckenburger: Putzen und Langeweile

    Danke für Ihre sinnvolle Ergänzung.

    Wobei ich finde, dass einen gerade das Putzen/Aufräumen/Saubermachen “erden” beziehungsweise zur Ruhe bringen kann. Das würde ich also eher nicht aussourcen wollen. Mal davon abgesehen, dass dann ein*e Fremde*r hier regelmäßig durch die Wohnung laufen würde, wenn man erst einmal eine vertrauenswürdige Person gefunden hat.

    Daher finde ich es auch nicht schlimm, dass sich die Spülmaschine meiner neuen Wohnung als etwas betagt und damit schwach herausstellte (leider war das nicht das Einzige). Aber ich muss auch zugeben, dass ich nicht immer die Ruhe zum Bügeln habe. Da wird dann entweder der Wäschehaufen mal größer oder bleiben eben ein paar Falten. Das Ende der Welt hat darum noch nicht angefangen.

    Und eine halbe Stunde Langeweile am Tag. Das wäre doch mal ein guter Vorsatz fürs neue Jahr! Aber dann bitte ohne Computer bzw. SmartPhone.

  17. @bote: Ursachen von Stress

    An den entscheidenden Textstellen schrieb ich, glaube ich, bewusst von “psychischem Stress”.

    Man sollte aber aufpassen, was man mit “Stress” alles meint. Stress durch Sitzen kann ich mir nicht so wirklich vorstellen, auch wenn man natürlich sitzend Tätigkeiten durchführen kann, die einen stressen (etwa Börsenhandel oder Diskussionen mit manchen “Freunden der Meinungsfreiheit” hier, um sie mal so zu nennen).

    Die unterschiedlichen Bedeutungen von “Stress”, den es als Wort übrigens noch gar nicht so lange in unseren Sprachen gibt, herauszuarbeiten, war bzw. ist ein Forschungsprojekt mit einem ehemaligen Praktikanten, das aber leider nicht weit gediegen ist.

  18. @Jeckenburger

    Mehr ist weniger und besser, wenn der Arbeitgeber die ausschließlich die Gemeinschaft ist, bzw. wenn alle Arbeit ausschließlich für und von der Gemeinschaft be-/entlohnt wird – denk mal in diese Richtung, damit Deine Gedanken unsere werden und somit geistig-heilend …!?

  19. “Evolution der Zivilisation” – gerade der bewusstseinsbetäubende Effekt des Putzens, hat sich zunehmend zu einem problematischen tic entwickelt, für Psychologen verständlich eine existenzerhaltende “Herausforderung” / Einladung 😎

  20. Stephan Schleim
    Danke für die Bemerkung zu psychischem Stress.
    Woran lässt sich der Stress erkennen, am hohen Blutdruck oder zu hohem Puls.
    Der Auslöser muss erkannt werden, der kann psychisch sein, z.B. Todesangst, der kann physisch sein, z.B. zu viel Arbeit, zu wenig Schlaf.
    Meistens gehen doch beide Arten Hand in Hand. Wer zu viel arbeitet und es nicht schafft, der bekommt Versagensängste, was den körperlichen Stress durch Rückoppelung noch verstärkt.
    Wenn ich Sie richtig verstehe, dann wollen sie diese Rückkoppelung unterdrücken. Ein städtischer Busfahrer, der muss seine 8 Stunden im Straßenverkehr verbringen. Der (Dauer)Stress ist vorhanden und lässt sich auch nicht abstellen. Der Busfahrer kann höchstens sagen “take it easy” aber damit lügt er sich nur in die Tasche. Auf die Dauer lässt sich sein Körper nicht betrügen und er wird krank. Busfahrer und Elektroniker haben übrigens die niedrigste Lebenserwartung !

  21. @Bote: Vermeidung & Akzeptanz

    Mein Vorchlag ist, Stress zu vermeiden, wo er sich vermeiden lässt, vor allem dauerhaften Stress; und ihn dort zu akzeptieren, wo er sich vermeiden lässt, also nicht durch Denken noch schlimmer zu machen.

  22. Habe den Artikel mit Interesse gelesen, er behandelt ein Thema, mit dem ich mich gerade als Lehrer und somit Beobachter der schulisch-gesellschaftlichen Entwicklung vielfältig auseinandersetze.
    Dass die sog. alten hellenistischen Lebensweiheiten im Grunde zeitlos sind und sich, abgesehen vom exotischen Kolorit – im Wesentlichen auch nicht von östlichen Weisheiten unterscheiden (und warum sollten sie dies auch?) kann gar nicht oft genug gesagt werden.
    Eine Klärung bedarf jedoch noch der Punkt, an dem Du – m.E völlig zu Recht –
    die “Gesundheitspsychologin und Bestsellerautorin Kelly McGonnigal” kritisierst, die die Auffassung vetritt, dass “nicht der Stress selbst, sondern vielmehr unser Denken über Stress – oder unsere Bewertung – das Problem [sei]”, woraus sie dann offenbar die Folgerung zieht, das man den Stress zu seinem Freund machen solle. Die Klärung betrifft den Umstand, das der erste Teil dieser Auffassung deskriptiv ist und sich sehr wohl mit Epiktets “es sind nicht die Dinge, es sind die Meinungen über die Dinge, die die Menschen verstören” zusammenpasst; das Problem liegt bereits logisch in einer unzulässigen, da normativen Schlussfolgerung aus einer deskripiven Prämisse;.
    ein ernsteres und grundsätzliches Problem sehe ich aber in dem gegenwärtig überall boomenden Resilienzdiskurs, der, obwohl ebenfalls zunächst lediglich eine Beschreibung der Bedingungen der Möglichkeit psychischer Widerstandsfähigkeit, alsbald ins normativ und sozial-politische abgebogen wird und so auf eine individualisierung von Stress das Wort redet: nicht äußere Ursachen erzeugen deinen Stress, deine mangelnde Resilienz ist es, also: arbeite daran (oder hör auf zu jammern). Das liegt auf der Linie einer Gesellschaft, die sich als ontologisch-existenzielles Grunddogma einen Arbeits- und Optimierungsbegriff verschrieben hat, der eine systemische Entstressung per se nur als systemgefährdend verstehen kann. Die Folgelasten trägt das Individuum, mitsamt der Verantwortung, die ihm von “Therapeuten”, “Coaches” und whatever zwecks ökonomischen Überlebens und Optimierens aufgebürdet werden. Aus diesen Gründen übrigens werd ich, je älter ich werde, immer noch radikaler Links und habe neben Nietzsche (der diese Dinge aber schon sehr hellsichtig wahrgenommen hat) in Marx meinen zweiten Heroen des Denkens… 🙂 Kein Stress dem Stress! 🙂

    ist ein Beispiel für die Verbreitung dieser Erzählung. Ihr TED-Talk “Wie man Stress zu seinem Freund machen kann” wurde bereits millionenfach abgerufen. Einige deutsche Autoren versuchten in den letzten Jahren, ihren Erfolg zu kopieren.

  23. @hto Kapitalismus-light

    Es sieht in der Tat überhaupt nicht danach aus, als würde sich ein Kapitalismus ohne Wachstumszwang aus dem derzeitigen System entwickeln können. Ich mag es gar nicht, hier auf hohem Niveau zu jammern und finstere Zeiten zu prophezeien, aber eine Lösung gegen die Geldgier der Shareholder sehe ich keine.

    Politik macht, was die Wirtschaft verlangt, das ist derzeit nicht abwählbar. Das Geld ist einfach mehr, was da hinter steckt. Die gesamte Finanzierung der Politbagage ist ein Fliegenschiss gegen die Gelder, die hinter den Investoren der Wirtschaft stecken.

    So interessiert die Politik wohl nicht die Bohne, was wir hier diskutieren. Erkrankungen wegen jahrelanger Überarbeitung als Körperverletzung von Seiten der verantwortlichen Arbeitgeber zu verfolgen, wird es nicht geben.

    Aber Wege zu finden, doch das Problem mit den Möglichkeiten, die man selbst hat, zu entschärfen, machen Sinn. Weniger Konsum schafft persönlich Möglichkeiten sich andere, und vor allem weniger Arbeit zu suchen, und wenig Geld zu brauchen heißt auch, Arbeitslosigkeit riskieren zu können. Sich selbstständig in gutem Sinne beschäftigen zu können, nimmt dem System einen Teil seiner Macht.

  24. Tobias Jeckenburger,
    Menschen sind im Kapitalismus austauschbar. Deswegen werden sie über ihre Leistungsgrenze hinaus gefordert.
    Ohne staatlichen Eingriff werden die Sozialausgaben das Bruttoinlandsprodukt auffressen.

  25. @Dottore: Individualisierung

    Ja, stimmt, und willkommen hier im Blog.

    Ich habe das mit der “Gesundheitspsychologie” im Text nicht weiter ausgeführt bzw. nur angedeutet. Aber die ist eben auch erst in den letzten Jahrzehnten entstanden. Die Message, dass alles gut ist, wenn man nur richtig darüber denkt, passt natürlich hervorragend ins neoliberale Paradigma. Wem es dann nicht gut geht, der denkt eben nicht richtig. (“Wie, du hast Stress noch nicht zu deinem Freund gemacht?”) Und gerade so eine junge Disziplin, die ernst genommen werden will, hat besonders viele Forschungsgelder nötig.

    Die vom Arbeitgeber finanzierten Stress-Management- und Coaching-Programme laufen meines Erachtens auch nur darauf hinaus, dass das Individuum noch härter nicht an sich selbst arbeitet, nicht dass die Arbeitsprozesse verbessert werden.

    Allgemeiner geht mit der Grundthese, dass psychische Störungen Gehirnstörungen sind, eine Individualisierung und damit auch Dekontextualisierung und Depolitisierung der psychischen Gesundheit einher. Ich schrieb darüber schon einmal vor einer Weile: Wenn Psychologie politisch wird: Milliarden zur Erforschung des Gehirns

  26. @Dottore: P.S. Anpassung – Buddhismus vs. Gandhi

    Schon als ich mich als junger Mann mit Buddhismus bzw. buddhistischer Psychologie beschäftigte, fiel mir auf, dass man sich so im Prinzip jeden Misstand auf der Welt zurechtmeditieren kann. Im extremsten Fall könnte man diese Meditation sogar als Technologie der Unterdrückung auffassen, nämlich dann, wenn Menschen von anderen Menschen beherrscht werden – aber nur die Beherrschten, nicht die Herrschenden, mit Meditation die Tiefen ihrer Psyche ergründen und so etwa Widerstand auflösen.

    So bringen buddhistische Mönche manchmal als Beispiel, dass wenn der A den B mit einem Stock schlägt, dann gebe es da nicht nur A und den Stock, sondern eben auch den B. So rühmlich es auch sein mag, sich nicht durch den schlagenden A aus der (buddhistische/stoischen) Gemütsruhe bringen zu lassen, so schön wäre es doch, wenn der A den B erst gar nicht schlüge!

    Der Yoga wird oft auch so verstanden, enthält der Theorie nach aber auch Karmayoga, das ist der Yoga vom richtigen Handeln (und ja, es gibt auch eine buddhistische Ethik). In diesem Sinne könnte man also politisches Handeln auch als Yoga auffassen.

    Ein Beispiel hierfür ist vielleicht Mahatma Gandhi, der eben nicht nur einsam auf einem Berg meditierte, sondern die Gesellschaft transformierte, dabei aber vom Prinzip ahimsa (Gewaltlosigkeit) der Yoga-Ethik inspiriert war.

  27. Dabei sagen Beleidigungen viel mehr über den Geisteszustand des Beleidigers als des Beleidigten aus. [Artikeltext]

    Nicht, wenn der (dann wohl) ehrlose Beleidigte dies so annimmt.

    Das Konzept der Ehre wird hier angeraten zu lernen und anzunehmen.
    Es ist gut.


    Dr. W sieht heutzutage besonders niedrige Sittlichkeit, wie in der BRD heutzutage verstärkt ankommend, auch darin sich von Barbaren beleidigen zu lassen.

  28. @Webbaer: Ehre? Welche Ehre? Welche Farbe hat Ihre Ehre? Und kann man die anfassen? Einige Forscher halten das für eine überholte Idee archaischer Kulturen.

  29. bote 19 vom 08.01. 11:51 finde ich sehr gut. Ich glaube den Kommentar drucke ich mir aus und klebe ihn in meinen Kalender.

    Körper und Geist hängen unmittelbar zusammen und die Lebensmittel, die man verspeist, wirken auf die Seele. Mineralstoffmangel durch Phosphat oder Sauerstoffmangel durch Nitrit-Pökelsalz bewirken auch seelischen Stress. Frisches Fleisch würde ich dagegen keinesfalls per se verteufeln. Die viel größere Gefahr geht von einem Mineralstoffmangel durch Fertiggerichte und Verzicht auf Obst & Gemüse aus. Magnesium hilft gegen Nervosität. Auch die Bewegung ist absolut notwendig für einen funktionierenden Körper. Nur wenn die Lymphflüssigkeit durch Bewegung im Fluss bleibt, bleiben wir gesund und somit auch unsere Seele. Das alles hängt zusammen und ist einfach erklärbar.

  30. [Webbaer, bote & Louis: Das hier ist ein ernst gemeinter Beitrag zum Thema Stress. Bitte lassen Sie jetzt diesen Quatsch über Tans-Shows. Danke. S. Schleim]

  31. Jade,
    super, nicht nur die Liebe geht durch den Magen sondern auch unser Wohlbefinden.
    Tipp: wenn du nachts 7 Stunden durchschlafen willst, dann darfst du abends keine Wurst und kein Fleisch essen.
    Dr. W.
    Sie haben wohl auch die belebende Wirkung von Frauen erlebt.
    Gerade komme ich vom Autohändler. Mit der schönen Verkäuferin hat mir das Auto gleich viel besser gefallen. (Opel Crossland)

  32. Zu:

    “.. [Webbaer, bote & Louis: Das hier ist ein ernst gemeinter Beitrag zum Thema Stress. Bitte lassen Sie jetzt diesen Quatsch über Tans-Shows. Danke. S. Schleim]..”
    (Zitatende)

    Solcherart “Tanzshows” werden schon seit Jahrtausenden von allen möglichen Kulturen für verschiedene Arten von “Stressabbau” benutzt. Und wie alle wissen, gilt das auch für alle Arten von Erotik einschließlich des banalsten “Geschlechtsverkehrs”.

    Mensch Herr Schleim, was ist nur los mit Ihnen? Provinzieller und spießiger gehts kaum mehr. Und das von einem Wahl- Niederländer.
    Die Säulen des Abend- und des Morgenlandes beben!

  33. Was mich bei diesem Thema auch immer wieder “fasziniert” ,dass sich bei diesem Thema in diesem Land eine Art “Heilungsindustrie” entwickelt hat, um gemäß dem Motto ANGEBOT regelt die NACHFRAGE gut zu verdienen. So sehe ich,wenn ich diese Überschrift lesen, im Hintergrund schon
    NLP-Strategen,Schamanen,Heiler,Hypnotiseure, Motivations -Coachs, Homöopathen,Kartenleger etc. bereit stehen, die auf die stressgeschädigten Opfer der deutschen Wohlstandsgesellschaft warten,um ihnen gegen Entgeld die imaginäre Kraft ihrer HEILUNG einzublasen.
    Diese selbsternannten Götter ,zum Teil ohne jegliche Ausbildung, Kompetenz und Fachkenntnis, machen einen riesigen Umsatz von über 20 Milliarden EUR im Jahr,was wohl auch eine legale Lizens zum Geld-Drucken ist. Der gestresste Deutsche ist also
    -marktwirtschaftlich gesehen- durchaus eine konjunkturelle Bereicherung wie auch eine sprudelnde Einnahmequelle… auch für das Finanzamt. Also willkommen in einer kranken Gesellschaft…
    -Satire aus-

  34. Auch dieses sehr schönere Beispiel aus dem wohl zitierten, aber wohl vergriffenen Yogabuch hat Parallelen bei mindestens einem frühen griechischen Philosophen, bei Heraklit. Dieser hat den Gegensatz von Schlafen und Wachen ausdrücklich beschrieben: die, die da zu wachen meinen, sind in Wahrheit Schlafende und leben wie diese in ihren eigenen Welten.

  35. @Dottore: Mich erinnert dieser Gedanke Heraklits spezifischer an die Geschichte von dem Zen-Meister(?), der träumte ein Schmetterling zu sein, und als er aufwachte, nicht wusste, ob er nicht vielmehr ein Schmetterling sei, der träumte, ein Zen-Meister zu sein.

    Und kehrt der Gedanke nicht auch in Platons Höhlengleichnis zurück, oder mit Descartes’ bösem Dämon, oder Hilary Putnams Gehirnen im Tank, oder “Matrix”?

  36. @Golzower: Alternativer Medizinmarkt

    Es ist eben ein freier Markt.

    Interessant ist doch, dass gerade auch gebildetere Menschen (und dann auch noch einmal insbesondere Frauen) zum Alternativmediziner rennen. Wenn ich mich recht entsinne, schrieb ich vor vielen Jahren in diesem Artikel schon einmal darüber: Autoritäre Wissenschaft und das Recht auf Placebo-Medizin

    Sie kritisieren die Geldmacherei. Welche Alternative schwebt Ihnen denn vor?

  37. P.S. Golzower: Nein, es war dieser: Ein Plädoyer für Pluralismus in der Medizin

    Tatsächlich folgte aus Astins Untersuchung nicht nur, dass die Vereinbarkeit mit der Weltanschauung ein häufiger Grund für die Entscheidung für Alternativmedizin ist, sondern dass diese auch mit höherer Bildung korreliert. Stefanowitschs These von der mangelnden Aufklärung lässt sich daher schon anhand seiner eigenen Belege nur schwer aufrechterhalten. Auch neueren Analysen zufolge ist der typische Anwender alternativer und komplementärer Heilverfahren mit höherer Wahrscheinlichkeit besser ausgebildet, wohlhabender und leidet an einer chronischen Erkrankung. (S. Schleim, 2011)

  38. @bote19: Danke, ich gebe Dir völlig Recht! Ich schlafe seit ein paar Jahren (seitdem ich mich mit Ernährung usw. beschäftige) wie ein Stein.

    @Schleim: habe durch meine hobbymäßige Beschäftigung mit der Philosophie zur Ernährung gefunden. Ich konnte mir durch Parallelen (aus der Philosophie!) ein Stück weit erklären wie der Körper funktioniert (funktionieren könnte). Philosophie ist eben eine wirkliche Universalwissenschaft.

  39. @Louis: Tanzen & Stressabbau…

    …funktioniert aber nur, wenn man auch selbst tanzt, nicht, wenn man anderen bloß dabei zuschaut oder dumm darüber labert.

    Ich gehe morgen wieder. Und Sie? Und der Tanzbär?

  40. “PLuralismus in der Medizin…”
    Wenn sie diesen Satz so formulieren,gehen sie davon aus, dass alle, die diese sogenannte alternative Szene bedienen, dem Eid des Hippokrates folgen wollen .
    Letzteres bezweifele ich nach meinen persönlichen Erkenntnissen sehr stark. Wir haben es hier zu einem großen Teil mit Menschen zu tun, die keine fachgerechte Ausbildung genossen haben und sich durch eine imaginäre Berufung dafür qualifizieren. Diese “Berufung” ist wiederum auch hinterfragbar und kann zwischen reiner Geldgier und paranoider Sicht schwanken.Ein Charisma aus übersteigertem Geltungsbedürfnis und Selbstüberheblichkeit ersetzt dann fehlende Fachkompetenz..
    Für mich sind das das staatlich sanktionierte Geschäftsmodelle,um den stressgeschädigten Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen.Hinter diesem Bild des schönen PLuralismus verbirgt sich oft eine Welt von Scharlatanen und Geiern.Man verspricht Heilung und will dafür viel viel Geld.Ein Spuiegelbild der Gesellschaft ?
    Einmal ist mir im Saarland ein Heiler begegnet,der gar kein Geld haben wollte weil er seine heilende Kraft von Gott hat, so er… Dass war heilsam.

  41. @Stephan Schleim
    Die unterschiedlichen Bedeutungen von “Stress”, den es als Wort übrigens noch gar nicht so lange in unseren Sprachen gibt (…)

    „Ich habe allen Sprachen ein neues Wort geschenkt – Stress“ so (laut Wikipedia) der ungarisch-kanadischer Mediziner, Biochemiker und Hormonforscher Hans Selye bei der Zusammenfassung seines Lebenswerkes mit Blick auf die Publikation seiner ersten wissenschaftlichen Arbeit 1936.
    Hm… “Stress”, (Ver)Spannung, Hetze … (Hatz=Jagd, gehetzt sein=Gedankenjagen).

    Als “Anregungen”: Myoreflextherapie bzw. die richtige Physiotherapeutin stellten sich für mein Wohlbefinden als sehr hilfreich heraus; durch sanften punktuellen händischem Druck auf den Körper wurde eine Muskelhypotonie der angespannten körperblinden Psyche “zugänglich gemacht”, um in einem Lernprozess langsam wieder “die richtigen Knöpfe zu drücken (press)”.

  42. Nee, dann schon effektiver den spitzkegeligen Kahlkopf, mit Schlagsahne. Der Weg ist mir aus Erfahrung inzwischen aber zu anstrengend und auch unnötig.

  43. @Golzower: Wissen Sie, viele Ärzte mit Universitätsabschluss und Promotion bieten ja selbst alternative Verfahren an, sind dem Geld auch nicht abgeneigt und was bei uns “alternativ” ist, ist woanders Schulmedizin und umgekehrt.

    Mehr möchte ich dazu jetzt nicht sagen; ist auch nicht Thema dieses Beitrags.

    Aber gerade dann, wenn wir über Stress bzw. Stressreduktion reden, das ist Thema dieses Beitrags, scheint mir viel möglich. “Massage” von der Physiotherapeutin wurde gerade erwähnt.

    Mir haben Ärzte, allesamt Dr. med., in meinem Leben jahrelang erkärt, dieses oder jenes sei wohl “stressbedingt”. Damit wurde der junge Mann dann nachhause geschickt und wusste nicht, was er damit anfangen sollte. Das halte ich weder für zweckdienlich noch für wirklich wissenschaftlich.

  44. @Arne: Ursprung des Wortes “Stress”

    Das wundert mich. Ich dachte, es käme aus der Materialwirtschaft.

    Aber es gab im Englischen schon länger distress, im Französischen estresse und im Lateinischen strictus.

  45. @Stephan Schleim, 1998 bescheinigte Thomas C. Neylan in einem ArtikelHans Selye and the Field of Stress Research” Dr. Selye’s “legacy of empiric research remains extremely influential today.” Freue mich gerade zu lesen, dass Selye‘s “greatly influenced by Walter B. Cannon” gewesen ist, “who had focused on the role of the sympathetic nervous system in adaptation and coined the terms “fight-or-flight responses” and “homeostasis.

  46. Hallo Herr Schleim,

    „… Du bist nicht Deine Gedanken.“

    Muss man hier nicht noch ergänzen: „Du bist nicht Deine Gedanken, weil Deine Gedanken nicht allein aus Dir stammen.“

    Dazu ein paar grundsätzlichen Erwägungen:

    Wir Menschen sind doch soziale Wesen (1). Wenn wir unserer sozialen Umgebung vollständig beraubt werden, sterben wir. Wir sind insofern keine Individuen, sondern immer nur der Mittelpunkt einer sozialen Umgebung, der sozialen Welt um uns herum, die uns untrennbar angeheftet ist. Unsere Gefühle und Gedanken werden nicht von unserm Bauch oder Hirn erzeugt, sondern von Bauch und Hirn in ihrer Kopplung und im Austausch mit anderen Bäuchen und Hirnen, nämlich die in unserer Umgebung.

    Ich kann also nicht sagen, ich habe „eigene“ Gedanken, oder es sind „eigene“ Gefühle. Sie stammen nicht als etwas Selbstständiges aus „meinem“ Gehirn, sondern aus einem Gehirn in mir, das sich ständig mit den Gehirnen anderer auseinandersetzt, das heißt ich habe strenggenommen gar keine allein aus mir heraus produzierten Gedanken.

    Wenn ich also Stress vermeiden will, hilft es mir dann, wenn ich nur mein eigenes Gehirn bemühe, indem ich mir sage, ich (allein) muss dies oder das machen, also Selbstreflexion betreibe, an mir „arbeite“, z.B. Kindheitstraumata aufarbeite, mich also aus meinem sozialen Umfeld gedanklich herauslöse und mich allein in den Mittelpunkt meiner eigenen Welt stelle ? Täusche ich mich da nicht über mein Vermögen dazu hinweg ?

    Muss ich nicht eher dafür sorgen, dass meine soziale Umgebung, die anderen Gehirne, mit denen ich, ohne es zu bemerken, ständig im Austausch bin, „positiv“ auf mich einwirken. Positiv einwirken heißt: dass ich Zuspruch, Anerkennung, Liebe anderer erhalte. Dadurch baue ich doch Stress wie von selbst ab und Selbstvertrauen auf.

    Das letztere ist aber viel leichter zu erreichen als mit einer die „Arbeit an sich selbst“. Denn wenn ich mich meinem sozialen Umfeld mit Interesse und Verständnis zuwende, vor allem denen, die Verständnis, Respekt, Zuneigung, Fürsorge und Sicherheit entbehren, es aber verdienen, und das sind viele, dann bekomme ich genau das in Mengen zurück: Respekt, Zuspruch, Anerkennung Liebe.

    Das muss so sein, eben weil genau dies ein Austausch ist, dem wir alle unterliegen (hat die Evolution so eingerichtet).

    Man mag dieses Konzept als naive Verhaltenstherapie bezeichnen. Das ist es aber – so glaube ich – nicht. Erstens beruht es auf Erfahrung, es funktioniert erstaunlich gut und bessert rasend schnell, und zweites baut es auf der plausiblen Annahme auf, dass unser Bewusstsein nur ein Teil eines Ganzen sein kann (2), nämlich Teil eines Kollektivs bestehend aus allen Bewusstseins. Wie könnte sich unser Bewusstsein sonst Werte wie Gut und Böse, Richtig und Falsch in sich haben, wenn nicht selbst Teil einer Menge an Bewusstseins ist, deren Teile untereinander wechselwirken ?

    Grüße Fossilium
    Fußnoten:
    1) Der Mensch soll nicht allein sein – diese Weisheit steht schon in der Bibel.

    2) Immerhin ist der Materiehaufen in meinem Kopf in der Lage, aus sich herauszutreten und sich selbst zu betrachten (und mir beim Schreiben zuzusehen). Ohne Kopplung mit anderen Haufen der gleichen Art, also ohne i n n e r e r Teil eines Ganzen zu sein, wäre diese reflexive Kopplung nicht verstehbar (nicht reduzierbar). Mindestens von Seiten der Materialisten müsste ich Zustimmung für diese These bekommen. Wie das Universum es geschafft hat, die Gesamtheit aller Bewusstseins hervorzubringen, bleibt allerdings ungeklärt, das Bewusstsein selbst kann allerdings auch nicht das Universum als Ganzes von außen betrachten (wie das mache Physiker machen, die dann im Widerspruch landen, ohne es zu merken – ist eben eine Grenze der Erkenntnis). Insofern spricht dies für meine These der untrennbaren Kopplung unseres Bewusstseins mit allen anderen, und der Unmöglichkeit, „eigene“ Gedanken (die soz. unabhängig sind von der sozialen Umgebung, aus einem selbst stammen) zu produzieren. Damit kann ich mich auch nicht durch Besinnung auf mich selbst therapieren.

    Wer nur um sich selbst kreist, kriegt nichts. Wer gibt, der kriegt (zurück), und zwar ziemlich viel. Das Geben muss allerdings ehrlich sein (nicht instrumentalisiert).

  47. Fossilium: Von Hirn zu Hirn…

    …oder wie es Thomas Fuchs so schön nennt: Das Gehirn – ein Beziehungsorgan.

    Sie fügen da ein paar interessante Gedanken hinzu. Mir erschließt sich aber nicht, was das an der Feststellung ändert, dass ich mich mit meinen Gedanken (oder Gefühlen) identifizieren kann – oder auch nicht. Das gilt doch auch für Gedanken, die ich wegen anderer Menschen habe.

  48. Hallo Herr Schleim,

    ich identifiziere mich als Ich, weil ich sehe, daß noch andere Ichs da sind. Ich sehe mich im Spiegel, aber der Spiegel das sind die anderen. “Sehen” heißt hier fühlen und denken.

    Ich zweifle sehr daran, daß ich mich über meine eigenen Gefühle irgendwie hinwegsetzen kann, daß ich sie also mit dem Verstand kontrollieren kann, daß ich es also hinkriege, mich mit ihnen nicht zu identifizieren.

    Das hieße ja, dass der Verstand die Gefühle kontrollieren könnte. Ich denke, das ist eher umgekehrt. Der Verstand tut nur so, als habe er die Oberhand. Am deutlichsten wird dies im Konflikt zwischen Gefühlen und Verstand, z.B. wenn man sich in den “falschen” Partner verliebt hat. Das Gefühl gewinnt. Das Gefühl ist der Verstand im Fall komplexer Situationen, in denen der Verstand überfordert ist, es hat mehr Macht über uns als der Verstand. Der Verstand tut nur so, als sei er unabhängig vom Gefühl, in Wirklichkeit hat ihm das Gefühl schon vorher gesagt, was er denken soll.

    Das Gefühl müßte uns eigentlich sagen, dies oder das ist nicht gut für Dich, Verstand halts Maul. Der Verstand sagt uns trotzdem, wir müssen das und das machen, obwohl das Gefühl das nicht will – da haben Sie den Streß. Kommt der aus diesem Konflikt ?

    Scheint doch alles komplizierter zu sein.

    Grüße Fossilium

  49. @Fossilium

    Da hast Du recht. Das ist aber nur solange Mensch sich nicht im Freien Willen bewegt. Der Freie Wille allerdings, funktioniert nur wenn alle wie ein Mensch …

  50. @fossilium: Identifikation, Kontrolle & Liebe

    Es ist auch die Frage, was “Kontrolle” hier heißt. Viele verstehen damit Unterdrückung: Ein Gefühl erscheint so schlimm, dass man es wegdrücken will. Das klappt vielleicht ein paarmal oder man verwendet Hilfsmittel (alle Arten von Ablenkung, Alkohol, Süßigkeiten, Sport usw.) – aber letztlich holt einen das Gefühl doch ein.

    Es ist meine Erfahrung – und die vieler anderer Meditierender auch –, dass man sich Gedanken und Gefühle “anschauen” kann, so wie man vielleicht den Blick auf den Himmel richtet und die Wolken anschaut, ohne zu sehr zu fokussieren, ohne in den Wolken aufzugehen (“Oh, wie schön! Die sieht aus wie ein Drachen.”), den Blick sozusagen “in die Ferne schweifen lassen”, gleichzeitig anwesend sein aber doch auch nicht anwesend sein, dann kommen und gehen die Wolken… dann kommen und gehen die Gedanken und Gefühle, ohne uns zu beherrschen. Aber es bedarf wohl einiger Übung.

    Am deutlichsten wird dies im Konflikt zwischen Gefühlen und Verstand, z.B. wenn man sich in den “falschen” Partner verliebt hat.

    Ich denke und erlebe seit einigen Jahren, dass gerade das, was wir “verlieben” nennen, doch eher ein Hängen an und Besitzergreifen von der anderen Person ist: Wir fühlen uns nicht vollständig, wir denken, uns fehlt etwas, und hegen dann die Hoffnung, dass der/die Andere diese Leere füllt. Das ist wie schon bei dem alten Mythos (war er bei Aristoteles?), dass wir alle einmal ein vollständiges FrauMann-Wesen waren, dann als Strafe von den Göttern geteilt wurden und heute verzweifelt nach unserer anderen Hälfte suchen.

    Ich finde überzeugend, was Erich Fromm über die Liebe geschrieben hat (deutsch vielleicht “Die Kunst zu Lieben”?): Sie ist ein aktiver Prozess. Dafür muss man aber mit sich selbst im Reinen und in einem gewissen Maß erwachsen sein. Meiner Erfahrung nach gibt es leider nicht viele Menschen, auf die das zutrifft. Aber um es mal radikal zu formulieren: Jemanden wirklich zu lieben, das ist eine Entscheidung, für die freilich auch viel getan werden muss, um sie am Leben zu halten.

    P.S. Dass seit Neujahr so viele Texte von mir kommen, ist auch die Folge eines Auseinandergehens. So ist es im Leben. Vieles ist nicht so, wie es auf den ersten Blick scheint. Bei mir spiegelte sich das in einem gewissen Maß an Enttäuschung aber auch Akzeptanz aus. Und jetzt in ein paar schönen(?) Texten. Auf der anderen Seite, wo das Hängen, Besitzen und Abhängigmachen scheinbar eine sehr große Rolle spielte, war (und ist?) es hingegen dramatisch.

  51. @ Stehan Schleim und alle und zu:
    “….oder dumm darüber labert…” (Zitatende stephan Schleim)

    Sie löschen Kommentare und Argumentationen , die sich eindeutig innerhalb ihres Themas bewegen und keine Ihrer Blogregeln verletzen, drohen mit Rausschmiss (Hausverbot) und reagieren zum Schluss mit infantilen Sprüchen ( dumm labern).

    Mein Fazit: Sie müssen gewaltig unter Druck stehen, um sich auf solche Ebenen zu begeben. Ich kann mir irgendwie nur schwer vorstellen, dass Sie Ihre Reputation so ganz freiwillig aufs Spiel setzen.

  52. Stephan Schleim.
    “Jemanden wirklich zu lieben, das ist eine Entscheidung, für die freilich auch viel getan werden muss, um sie am Leben zu halten.”

    Da fehlt mir doch jede Romantik. Ursprünglich ist Liebe ein Gefühl, das einen überfällt und in Bann hält. Dagegen kann man sich nicht wehren. Und wer es dennoch tut, der wird ein Leben lang bestraft.
    der Volksmund sagt es wie immer treffend: “Alte Liebe rostet nicht”. Das bedeutet, dass die Liebe ewig währt.

    Gut, das war jetzt eine Extremposition, die man aber niemals aufgeben darf, wenn man erst einmal von der Liebe gepackt wurde.
    Alle Zwischenstufen, mit Verliebtheit, mit eingebildeter Verliebtheit, mit Vernunftliebe sind immer noch besser als gar keine Liebe.

  53. @Louis: Bitte äußern Sie sich zum Thema. Das ist jetzt meine letzte Warnung an Sie.

    Ich habe keinen Druck, nur meine Geduld mit Leuten wie Ihnen ist jetzt am Ende. Wir hatten hier eine schöne Diskussion über Stress, bis der Tanzbär mit seinem Filmchen kam, worauf Sie und noch jemand mit themenfremden Kommentaren reagierten. Dass das gegen die Regeln ist, steht inzwischen doppelt unter jedem Beitrag. Die Kommentare liegen im Spam-Filter, falls jemand es noch lesen will. Da gehören sie auch hin.

    Fakt ist, dass hier in den letzten drei Monaten über 15.000 Benutzerinnen und Benutzer zu Gast waren – aber der Einzige, der die ganze Zeit herumnörgelt, das sind Sie. Wenn Ihnen das nicht zu Denken gibt, dann kann ich es auch nicht ändern.

    Sie kriegen aber bald technische Hilfe von uns, sich ein besseres Zuhause im Internet zu suchen.

  54. @bote: die Liebe

    Woher wissen Sie das denn, dass Liebe einen so überkommt wie eine Flut – und man nicht wenigstens unbewusst dafür offen stehen muss?

    Die Romantik ist eine Verklärung der Liebe.

    Meine Lese-Empfehlung ist dieses kurze wie zeitlose Büchlein Fromms: Die Kunst des Liebens

    Wer sich nicht einmal die Zeit für dieses Büchlein nimmt, dem kann es meines Erachtens mit der Liebe nicht sehr ernst sein.

  55. Stephan Schleim,
    Verklärung der Liebe ? Die Welt dreht sich um die Liebe.
    Tipp: Chanson d’Amour vorn Catarina Valente.

    Liebe ist keine Kopfgeburt. Das ist Wahnsinn, Leidenschaft und sogar Bestimmung.
    Nix Buch !

    Und um beim Thema zu bleiben, unglückliche Liebe ist der größte Stress dan man erleben kann. Es sind schon viele Menschen an gebrochenem Herzen gestorben.

  56. @bote: Die Identifikation mit Gefühlen und Gedanken kann großes Leid verursachen, ja.

    Wenn Sie Ihre Meinung haben, ohne das Buch zu lesen, tja, dann hört die Diskussion hier wohl auf.

  57. Stephan Schleim
    ich muss mich entschuldigen, ich hielt den blog nicht für eine Buchbesprechung.
    Ansonsten haben Sie meine Sympathie, denn das Thema Mensch gehört zu dem schönsten und spannendsten, womit sich Menschen beschäftigen können. Sie gehören zu den Privilegierten (keine Ironie !)

  58. @bote: Vorstellungen von Liebe

    Kein Problem. Aber ich halte Fromms Buch und seine Gedanken über Liebe gerade für keine Kopfgeburten. Es geht doch darum, offen zu erfahren – und also auch zu fühlen –, was da in einem ist.

    Wenn man demgegenüber schlicht aus unserer Kultur aufsaugt und glaubt, was einem über Liebe vermittelt wird, dann scheint mir das jedenfalls kein bewusster Umgang zu sein; und dann wundert es mich auch nicht, dass so viele Menschen immer wieder Liebeskummer haben.

  59. Stephan Schleim
    nachdem ich über Erich Fromm gegoogelt habe, hat dieser Mensch “vernünftige” Ansichten.
    Das will ich nicht kritisieren, weil seine Teheorie über die Liebe vernünftig ist.
    Und wer als Mensch auch vernünftig ist, für den sind die Einsichten Fromms eine Hilfe.

    Menschen, die aus dem Bauch heraus handeln, und deren Vita als eine einzige Ansammlung von Unvernunft gesehen werden können, die auch gesellschaftlich gesehen , gescheitert sind, die lassen sich zwar so erklären,aber das nützt diesen Menschen nichts. Sie bleiben unvernünftig, aus Ihrer Sicht. Und sie lassen sich in ihrer Unvernunft auch nicht korumpieren.
    Und das ist gut so. Der Wilde aus der “Schönen Neuen Welt”, das ist der Vertreter der Unvernunft, und sonderbar, mit ihm endet das Buch, als Hoffnungsschimmer.
    In 1984 werden auch die Unkorumpierbaren als Hoffnung gesehen.

    Was jetzt den Liebeskummer angeht, den kann man auch positiv sehen. Er bietet die Möglichkeit das eigene Schneckenhaus zu verlassen.

  60. @bote: Die Wilden…

    …machen die Erzählungen erst interessant.

    Ich finde zwar immer noch, dass Sie Fromm nicht gerecht werden, aber das brauchen wir hier nicht auszudiskutieren.

    Schön, bleiben Sie so, wie Sie sind!

  61. Stress was soll das sein -Kontext ? …viel angesammeltes nutzloses Wissen von einem Zeitgeistprotagonisten ….Es fängt definitiv nicht im Denken an Irrtum Herr Stefan Schleim ! …schon da steht das Weltbild Kopf….Wer was bei sich verändern will, kann mich kontaktieren…Ansonsten können Sie hier noch viele weiter theoretisieren…

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