Yrrinthos oder Labyrinth?

Labyrinth des Schreibens

Das Labyrinth müßte eigentlich korrekt (nach dem Griechischen) labyrinthos heißen – aber der kürzere Begriff hat sich seit langem so fest eingebürgert, daß ich da lieber nicht dran rütteln möchte. Neu einführen möchte ich hingegen den Terminus Yrrinthos.

Das ist ein von mir erdachtes Kunstwort – gebastelt aus Irrgarten und Labyrinthos – mit einem Y vornedran, damit es richtig exotisch aussieht. Diesen Neologismus möchte ich einführen für all jene Irrgärten, die gar keine Gärten sind – z.B. das “Labyrinth der modernen Großstadt“, das uns in jedem zweiten Krimi begegnet und nicht nur dort.

In schätzungsweise 99 Prozent der Fälle, in denen irgendwo das Wort Labyrinth vorkommt (in Zeitungen, Filmen, alltäglichen Gesprächen) ist in Wahrheit

° nicht das klassische kretische Labyrinth mit dem einen Gang gemeint, in dem man sich gerade nicht verirren kann,

° sondern ein Durcheinander von Gängen, Sackgassen, Verzweigungen, Kreuzungen – bei denen es sich aber ebenso selten um einen echten Garten handelt (wie in den Lustgärten des Rokoko oder in dem Film Shining mit Jack Nicholson), sondern mehr um einen Zustand von Verwirrung, der sich in einer komplizierten räumlichen Struktur manifestiert beispielsweise als Gewirr von Straßen einer fremden Stadt. 

Deshalb bot es sich der Klarheit halber an, ein neues Wort zu schaffen, das diesen Zustand von Verwirrung (eigentlich mehr ein psychisches und / oder soziales Phänomen als ein topologisches) präziser benennt.

Und so sieht ein Yrrinthos (Irrgarten) aus (als eine mögliche unter vielen denkbaren Varianten):

Abb.1: Irrgarten oder Yrrinthos (ein Irrgarten, der kein Garten ist)

So sieht jedoch aus, was man als Klassisches kretisches Labyrinth bezeichnen könnte, das jedoch fast nie gemeint ist, wenn von einem “Labyrinth” die Rede ist:

Abb.2: Klassisches kretisches Labyrinth

Dies schließlich ist der Ariadnefaden oder Rote Faden – also der Weg durch ein Klassisches kretisches Labyrinth:

Abb.3: Der Ariadnefaden oder Rote Faden, der den Weg durch ein Labyrinth weist

Schauen Sie bitte gelegentlich auch mal in die früheren Beiträge dieses Blogs rein! Hilfreich sein könnten vor allem die Vorbemerkung zu diesem Labyrinth-Blog und die Zeittafel des Labyrinth-Motivs. Die wichtigsten Personen und Begriffe werden erläutert in Fünf Kreise von Figuren bilden das Personal der Labyrinthiade

Post #012 / Letzte Aktualisierung: 05. Jan 2014/21:27 /v 2.5

"Zwei Seelen wohnen a(u)ch in meiner Brust." Das Schreiben hat es mir schon in der Jugend angetan und ist seitdem Kern all meiner Tätigkeiten. Die andere „zweite Seele“ ist die praktische psychologische Arbeit plus wissenschaftlicher Verarbeitung. Nach dem Psychologiestudium seit 1971 eigene Praxis als Klinischer Psychologe. Zunächst waren es die Rauschdrogen, die mich als Wissenschaftler interessierten (Promotion 1976 mit der Dissertation "Der falsche Weg zum Selbst: Studien zur Drogenkarriere"). Seit den 1990er Jahren ist es das Thema „Hochbegabung“. Mein drittes Forschungsgebiet: Labyrinthe in allen Varianten. In der Themenzentrierten Interaktion (TZI) nach Ruth C. Cohn fand ich ein effektives Werkzeug, um mit Gruppen zu arbeiten und dort Schreiben und (Kreativitäts-)Psychologie in einer für mich akzeptablen Form zusammenzuführen. Ab 1978 Seminare zu Selbsterfahrung, Persönlichkeitsentwicklung und Creative Writing, gemeinsam mit meiner Frau Ruth Zenhäusern im von uns gegründeten "Institut für Angewandte Kreativitätspsychologie" (IAK). Als "dritte Seele" könnte ich das Thema "Entschleunigung" nennen: Es ist fundamentaler Bestandteil jeden Schreibens und jedes Ganges durch ein Labyrinth. Lieferbare Veröffentlichungen: "Kreatives schreiben - HyperWriting", "Kurzgeschichten schreiben", "Das Drama der Hochbegabten", "Zeittafel zur Psychologie von Intelligenz, Kreativität und Hochbegabung", "Blues für Fagott und zersägte Jungfrau" (eigene Kurzgeschichten), "Geheimnis der Träume" (Neuausgabe in Vorbereitung). Dr. Jürgen vom Scheidt

5 Kommentare

  1. Kunstwort oder Wortkunst?

    Lieber JvS,

    das nenne ich mal eine gelungene und außerdem überfällige Wortschöpfung! Die Entstehung ist nachvollziehbar dokumentiert, somit steht einem hoffentlich baldigen Eintrag im Duden wohl nichts mehr entgegen ;o)

    Ich vermute jedoch, dass sich eher die Kurzform “Yrrinth” durchsetzen wird, so wie von “Web log(book)” lediglich der Blog geblieben ist. Ihrer kefällt mir übrigens sehr gut und ich werde gerne mit einem Link in meiner Irrgartenwelt darauf hinweisen.

    Vielleicht habe Sie ja auch Lust, einen Ihrer exquisiten Texte als Beitrag für unsere Leselaube zur Verfügung zu stellen? Das fragt sich gespannt:

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