FÜNF KREISE VON FIGUREN bilden das Personal der Labyrinthiade

BLOG: Labyrinth des Schreibens

Die Suche nach dem roten Faden
Labyrinth des Schreibens

Theseus – Ariadne – Minotauros – Minos – Daidalos – Ikaros – eine Fülle von Figuren bevölkern die Geschichte(n) um das kretische Labyrinth (vergl. 16.06.2007). Genau genommen sind es fünf Kreise von Figuren:

Das Insgesamt dieser Geschichten bezeichne ich als LABYRINTHIADE

1. Den Ersten (Innersten) Kreis bildet die klassische HELDENREISE des athenischen Prinzen Theseus, der im Labyrinth mit dem Minotauros kämpft, wobei ihn die Prinzessin Ariadne unterstützt.

2. Im Zweiten Kreis finden wir Daidalos, den Erbauer und bald auch Gefangenen des Labyrinths, der mit seinem Sohn Ikaros (den er mit der Sklavin Naukrate zeugte) mit Hilfe künstlicher Flügel aus dem Labyrinth flieht. Je nach Variante stürzt Ikaros ab und ertrinkt – oder wird gerettet. (Die erste, tragische Variante ist eindeutig die beliebtere.)

In diesen Zweiten Kreis gehören aber auch König Minos, als Auftraggeber für den Bau des Labyrinths, und seine Gattin Pasiphaë sowie Minotauros, der gefräßige Bankert, für den das Labyrinth als Aufenthaltsort bzw. Gefängnis durch Daidalos erbaut wird.

Auch in die Zeugung des Minotauros ist Daidalos direkt verwickelt: Weil Minos den schönsten Stier, den er aus seiner Herde dem Poseidon opfern wollte, lieber doch für sich behielt, schlägt der erzürnte Meeresgott die Gattin Pasiphaë mit Wahnsinn. In diesem Wahn verliebt sie sich in diesen Stier. Daidalos muß ihr eine künstliche Kuh bauen, in der sie der Stier begattet. Resultat: der Minotauros (= Stier des Minos). Der König sperrt deshalb beide in das Labyrinth: das stierhäuptige Ungeheuer und dessen Geburtshelfer Daidalos. 

3. Den Dritten Kreis bevölkern Figuren, die in der kretischen Phase der Labyrinth-Erzählung direkt nicht auftauchen, aber wichtig für den Fortgang der ganzen Geschichte sind:

Theseus´ Vater Aigeus (auch Ägäos – nach ihm ist das Ägäische Meer benannt), König von Athen, der sich vor Gram in den Tod stürzt, als der heimkehrende Sohn das Segel mit der falschen Farbe setzt (statt rot für Leben schwarz für Tod – was dem Sohn praktischerweise den Thron freimacht). Dann Medea, die Stiefmutter des Theseus, die ihm mit Gift nach dem Leben trachtet; sowie Phädra, Schwester der Ariadne, die Theseus später heiratet.

4. In einem noch weiter vom Kern entfernten Vierten Kreis finden wir schließlich Figuren, die nur noch sehr indirekt mit dem eigentlichen Geschehen verbunden sind: Zeus und die von ihm entführte Europa (Eltern des Minos), Odysseus, Ödipus und seine Tochter Antigone, Jason (von den Argonauten, Geliebter der Medea), Hippolytos (Sohn des Theseus mit der Amazonenkönigin Hippolyte – in den sich tragischerweise Theseus´ zweite Frau Phädra verliebt)e. Dazu die Götter Helios (Vater von Pasiphaë), Dionysos (dem Ariadne als Priesterin versprochen war), Poseidon (angeblich der wahre Vater des Theseus). Und noch einige andere mehr.

5. Schließlich gibt es weit draußen an der Peripherie noch einige Gestalten, die man einem Fünften Kreis zuordnen könnte. Das sind Menschen unserer Tage – oder auch Objekte – die Namen aus der Labyrinth-Geschichte tragen.
Allen voran ist da Ariane – sowohl als Frauenname absolut modern (s. den Fim Good Bye, Lenin! ) wie auch als Name der wichtigsten Rakete der Europäischen Raumfahrt Agentur (ESA). Aber auch Ikarus und Dedalos sind als Raumschiffe im Angebot, Theseus ist der Name eines Verlages, Minotaurus Titel eines Films und das Labyrinth selbst geistert unaufhörlich durch die Medien, auch als Buchtitel (z.B. Das verlorene Labyrinth von Kate Moss) und als Filmtitel (Pans Labyrinth – räumte 2007 sieben Oscars ab)

S. auch 16. Juni: Die acht Labyrinth-Erzählungen: Vielschichtiger Mythos (Labyrinthiade) 

Avatar-Foto

"Zwei Seelen wohnen a(u)ch in meiner Brust." Das Schreiben hat es mir schon in der Jugend angetan und ist seitdem Kern all meiner Tätigkeiten. Die andere „zweite Seele“ ist die praktische psychologische Arbeit plus wissenschaftlicher Verarbeitung. Nach dem Psychologiestudium seit 1971 eigene Praxis als Klinischer Psychologe. Zunächst waren es die Rauschdrogen, die mich als Wissenschaftler interessierten (Promotion 1976 mit der Dissertation "Der falsche Weg zum Selbst: Studien zur Drogenkarriere"). Seit den 1990er Jahren ist es das Thema „Hochbegabung“. Mein drittes Forschungsgebiet: Labyrinthe in allen Varianten. In der Themenzentrierten Interaktion (TZI) nach Ruth C. Cohn fand ich ein effektives Werkzeug, um mit Gruppen zu arbeiten und dort Schreiben und (Kreativitäts-)Psychologie in einer für mich akzeptablen Form zusammenzuführen. Ab 1978 Seminare zu Selbsterfahrung, Persönlichkeitsentwicklung und Creative Writing, gemeinsam mit meiner Frau Ruth Zenhäusern im von uns gegründeten "Institut für Angewandte Kreativitätspsychologie" (IAK). Als "dritte Seele" könnte ich das Thema "Entschleunigung" nennen: Es ist fundamentaler Bestandteil jeden Schreibens und jedes Ganges durch ein Labyrinth. Lieferbare Veröffentlichungen: "Kreatives schreiben - HyperWriting", "Kurzgeschichten schreiben", "Das Drama der Hochbegabten", "Zeittafel zur Psychologie von Intelligenz, Kreativität und Hochbegabung", "Blues für Fagott und zersägte Jungfrau" (eigene Kurzgeschichten), "Geheimnis der Träume" (Neuausgabe in Vorbereitung). Dr. Jürgen vom Scheidt

3 Kommentare

  1. Pingback:Yrrinthos oder Yrrinth? › Labyrinth des Schreibens › SciLogs - Wissenschaftsblogs

  2. Pingback:Gewaltige Saga von Krieg, Flucht und Vertreibung › Labyrinth des Schreibens › SciLogs - Wissenschaftsblogs

  3. Pingback:Willkommen im Labyrinth des Schreibens! › Labyrinth des Schreibens › SciLogs - Wissenschaftsblogs

Schreibe einen Kommentar