Auf ins Fitness-Studio!

Labyrinth des Schreibens

Eigentlich wollte ich jetzt mit der Buchführung für das Jahr “2014” beginnen. Aber dann knurrte mein Innerer Schweinehund so unüberhörbar, dass ich doch ins Fitness-Studio ging und dort meinen wöchentlichen Workout absolvierte. Und simsalabim: Auch daraus lässt sich ja in Beitrag für diesen Blog destillieren.
Doch der Reihe nach. Dies soll ja nach den Intentionen dieses Bloggers allmählich ein Blog für das Thema “Romanschreiben” werden. Was haben Romanschreiben und Buchführung (oder gar ein Workout im Fitness-Studio) miteinander zu tun? Beide Male muss aus einer Fülle von Details eine sinnvolle geistige Struktur geschaffen werden, die andere Menschen überzeugt:
° Bei einem Roman sind das die Leser,
° bei der Buchführung mit daraus destillierter Steuererklärung sind das die Mitarbeiter der Steuerbehörde.
Auch in diesem Fall hilft das Modell vom Bauen eines Yrrinthos mit all seinen verwirrenden Details weiter, aus dem allmählich die klare (eingängige) Struktur eines Labyrinths entsteht.
Entschleunigung ist ebenfalls beide Male hilfreich. Und im Fitness-Studio sowieso: Da hilft nur langsame, konzentrierte Arbeit an den Geräten.

Das war´s schon, für heute.
Ach ja: Mein Fitness-Studio freut sich bestimmt, wenn ich ein wenig Reklame dafür mache. An den rund hundert verschiedenen Geräten (von denen ich mir inzwischen ein Dutzend erarbeitet habe) lässt sich gut trainieren, vor allem, wenn man nicht zu den Stoßzeiten kommt, sondern am besten sehr früh am Morgen (wie diesmal: 06:30 Uhr) oder noch besser: Mitten in der Nacht, wenn man nicht einschlafen kann (weil einen, beispielsweise, der neue Roman zu sehr beschäftigt). Später sieht man allerdings mehr hübsche, hochmotivierte junge Frauen (von denen freilich manche gerne nervig miteinander schwätzen, während sie schwitzen). Man sieht daran, dass die Anlage 24 Stunden und sieben Tage die Woche offen ist und das alles für 16,80 €uro im Monat. (Dieser Buchungssatz der Postbank war es übrigens, der mich am Vorabend an den heutigen Besuch des Fitness-Studios erinnert hat). Die Betreiber des FitStar waren sogar so entgegenkommend, ihr Studio gerade mal drei Fahrradminuten von meiner Wohnung in München entfernt zu installieren, an der Dachauer- Ecke Massmannstraße –
Quatsch: Dies gehört mal wieder in die Rubrik Zufälle.

 

Was den Aspekt des Labyrinthischen angeht:
Das Studio ist so groß, verteilt über drei Stockwerke, dass man sich zunächst, wie in jeder fremden Umgebung (gleich ob Stadt oder Wald) wie in einem Irrgarten vorkommt. Der wird dann von Besuch zu Besuch vertrauter, bis es, in meiner Terminologie, ein echtes Labyrinth ist, in dem man sich gar nicht mehr verlaufen kann.

 

Noch ein paar Worte zur Vorgeschichte meines Romanschreibens
Als ich dreizehn war, las ich am laufenden Meter Schundheftchen, am liebsten die damals gerade neu auf den Markt gekommene Serie über Jim Parkers Abenteuer im Weltenraum. Mehr zufällig studierte ich auch, neugierig auf alles Neue, den Anzeigenfriedhof am Schluss des Hefts. Dabei fiel mir die Werbung für einen Expander auf. Ich schaute in meinem Sparbuch nach (womit sich wieder unaufdringlich die Verbindung zur Buchführung herstellen lässt) und siehe da: das Gesparte reichte für das Gerät (ich schätze, mit Versandkosten waren das etwa 25 Mark). Eine Woche später kam per Post der Expander, mit dem ich sehr diszipliniert und regelmäßig viele Jahre trainierte.
Das damit verbundene gute Körpergefühl ist so sehr Teil meines Lebens geworden, dass ich mich beim ersten Workout im Fitness-Studio lebhaft und sehr positiv daran erinnerte und mich deshalb sehr motiviert ans Werk machte.
Beim letzten Umzug, vor vier Jahren, muss dieser Expander, wie so vieles scheinbar Überflüssige in meinem Leben, verschwunden sein. Inzwischen habe ich mir wieder ein solches Gerät gekauft (kostet jetzt 28 €uro) . Das Trainieren damit ist über eine Art Pawlowschen Reflex inzwischen gut mit der Arbeit an meinem Roman verknüpft.

 

Wenn ich nun schon bei der erinnernden Selbsterfahrung bin:
Damals, 1953, fuhr ich im Juli einen Monat lang mit dem Fahrrad von meinem Heimatort Rehau nach Selb in die Oberrealschule. Wenn ich diese Route heute mit Google Earth recherchiere, empfiehlt mir die Software eine recht umständliche Tour mit dem Auto über die Umgehungsstraße A93: 16,8 km in 16 Minuten. Mit dem Rad ging das damals, 1953, viel gemütlicher und etwas kürzer (rund 14 km) und dauerte eine gefühlte halbe Stunde. Weil das nicht nur anstrengend war (hinzu den Schönwalder Berg hinauf, zurück die Anhöhe hinter Selb, oft mit Gegenwind) und zudem von Mal zu Mal langweiliger wurde, dachte ich mir Geschichten aus, kleine Exposees für neue Jim Parker-Abenteuer. Die tippte ich zuhause auf der Reiseschreibmaschine meines Vaters ab…
Langer Rede kurzer Sinn: So begann mein Abenteuer mit dem Schreiben, das 1957 im Verfassen eines ersten eigenen Romans mündete. Doch davon ein andermal mehr.

 

Und nun hinein in die Buchführung!

 

Post 289 / JvS #1041 / SciLogs #1195 / Aktualisiert: 25. Aug 2015/12:00 [23. Aug 2015/09:51]
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"Zwei Seelen wohnen a(u)ch in meiner Brust." Das Schreiben hat es mir schon in der Jugend angetan und ist seitdem Kern all meiner Tätigkeiten. Die andere „zweite Seele“ ist die praktische psychologische Arbeit plus wissenschaftlicher Verarbeitung. Nach dem Psychologiestudium seit 1971 eigene Praxis als Klinischer Psychologe. Zunächst waren es die Rauschdrogen, die mich als Wissenschaftler interessierten (Promotion 1976 mit der Dissertation "Der falsche Weg zum Selbst: Studien zur Drogenkarriere"). Seit den 1990er Jahren ist es das Thema „Hochbegabung“. Mein drittes Forschungsgebiet: Labyrinthe in allen Varianten. In der Themenzentrierten Interaktion (TZI) nach Ruth C. Cohn fand ich ein effektives Werkzeug, um mit Gruppen zu arbeiten und dort Schreiben und (Kreativitäts-)Psychologie in einer für mich akzeptablen Form zusammenzuführen. Ab 1978 Seminare zu Selbsterfahrung, Persönlichkeitsentwicklung und Creative Writing, gemeinsam mit meiner Frau Ruth Zenhäusern im von uns gegründeten "Institut für Angewandte Kreativitätspsychologie" (IAK). Als "dritte Seele" könnte ich das Thema "Entschleunigung" nennen: Es ist fundamentaler Bestandteil jeden Schreibens und jedes Ganges durch ein Labyrinth. Lieferbare Veröffentlichungen: "Kreatives schreiben - HyperWriting", "Kurzgeschichten schreiben", "Das Drama der Hochbegabten", "Zeittafel zur Psychologie von Intelligenz, Kreativität und Hochbegabung", "Blues für Fagott und zersägte Jungfrau" (eigene Kurzgeschichten), "Geheimnis der Träume" (Neuausgabe in Vorbereitung). Dr. Jürgen vom Scheidt

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