Mehr als einfach nur Sex: Ein neurologisches Meisterwerk

Die heilige Maria in der Vulva überraschte mich zwischen Rom und München. Gerade noch hatte ich mit meiner fast 70-jährigen Nachtzug-Mitfahrerin über Kirchen auf Sizilien gesprochen, da hielt sie mir begeistert ihr Smartphone vors Gesicht: “Sehen Sie, da ist nämlich die heilige Maria in einer Vulva dargestellt. An der Kirchendecke! Und das Thema finde ich eh so spannend – die Vulva. Viele Frauen wissen ja immer noch gar nicht, was das ist!” 

Geschichten wie diese sind der Grund, warum ich lange Bahnfahrten mag. Und die gute Frau hat recht – vor allem die weibliche Anatomie wurde in der Wissenschaft lange nicht beachtet und fristet auch heute oftmals noch ein Schattendasein. 

Doch darüber hinaus wurde auch die menschliche Sexualität in der neuro-medizinischen Forschung lange etwas vernachlässigt. Dabei ist das, was häufig als primitiver Geschlechtsakt dargestellt wird, in Wahrheit ein komplexes Zusammenspiel des zentralen Nervensystems (also des Gehirns und Rückenmarks) und des peripheren Nervensystems. Der neurowissenschaftliche Blick aufs Thema Sex lohnt sich. 

Der somatosensorische Cortex

Alle sensorischen Einflüsse, etwa Berührungen oder Hitze, werden zunächst von speziellen Sinneszellen in unserer Haut erfasst. Diese schicken über Nerven und über das Rückenmark ein Signal bis hin zum somatosensorischen Cortex

Rot markiert ist die Zentralfurche im Hirn.

Der somatosensorische Cortex ist also der Teil der Hirnrinde, in dem die Empfindungen aus der Körperperipherie verarbeitet werden. Jede Region des Körpers ist in diesem Cortex in einem eigenen Areal repräsentiert. So kann das Gehirn hinterher genau unterscheiden, ob uns jemand an der Schulter oder etwa am Kopf berührt hat. 

Direkt hinter der Zentralfurche liegt der somatosensorische Cortex, hier rot markiert.

Eine Landkarte im Gehirn 

In der Mitte des 20. Jahrhunderts entwickelten Wissenschaftler ein Modell dafür, wo im somatosensorischen Cortex welche Körperregion abgebildet ist. Sie ordneten den Arealen im Cortex also die entsprechenden Körperareale zu. Körperregionen mit einer hohen Dichte an Sinneszellen, wie zum Beispiel unsere Finger oder unsere Zunge, nehmen ein größeres Cortex-Areal ein als etwa die Arme oder Beine. Malt man jetzt einen menschlichen Körper in den Proportionen, wie er im somatosensorischen Cortex abgebildet ist, entsteht ein sehr verzerrtes Bild, das in etwa so aussieht: 

Der sogenannte “Homunculus” – lateinisch für “Menschlein”

 

Bis heute hat sich diese Zuordnung von Körperregion und Hirnareal als erstaunlich genau herausgestellt. Die Zuordnung erfolgte schließlich auch nach einer simplen Regel: Benachbarte Körperregionen werden auch in benachbarten Arealen im Cortex dargestellt. Die Finger liegen also neben der Hand und die Nase neben den Augen. Genannt wird dieses Prinzip Somatotopie

Der Penis sitzt unter den Füßen?

Einzige Ausnahme für diese Regel bildet der Genitalbereich, der – ganz logisch – unter den Füßen dargestellt ist. Ein kurzer Blick in den Spiegel sollte den meisten von uns genügen, um festzustellen: Der Genitalbereich liegt nicht unter den Füßen. Warum sollte es dann im somatosensorischen Cortex so sein? 

Die Genitalien (genitals) stehen direkt unter den Füßen.

Tatsächlich gelang es in den vergangenen Jahren mittels moderner MRT-Technik, die Genitalregion im Gehirn genauer zu lokalisieren. Und es scheint, als sei die Areal-Zuordnung unter den Füßen falsch. In Wirklichkeit werden Empfindungen von den Genitalien wohl neben den Cortex-Arealen des Beckens verarbeitet. Das wiederum würde wieder dem Prinzip der Somatotopie entsprechen. 

Falls sich jemand fragt, wie solche Studien ablaufen: Männer werden in ein MRT-Gerät gelegt und ihre Penisse mit einer extra-sensitiven Dr. Best-Zahnbürste stimuliert.

John Candy Ok GIF

Die Rolle des Rückenmarks

Der somatosensorische Cortex ist zwar eine tolle Sache, viele Nervenimpulse werden aber schon weit vor dem Gehirn “abgefangen” und verschaltet, nämlich im Rückenmark. Solche schnellen Umschaltungen auf Rückenmarksebene kennen wir vor allem als Reflexe. Reflexreaktionen laufen ab, ohne dass wir sie willentlich initiieren. Auch für den Geschlechtsverkehr spielt das Rückenmark eine ganz entscheidende Rolle. Um diese zu verstehen, lohnt es sich, den sexuellen Reaktionszyklus genauer anzuschauen.   

Den sexuellen Reaktionszyklus haben der Gynäkologe William Masters und die Wissenschaftlerin Virginia Johnson in den 1960er Jahren erstmals beschrieben. Er besteht aus insgesamt vier Phasen: der Erregungsphase, der Plateauphase, dem Orgasmus und schließlich der Rückbildungsphase.

Vor allem Berührungen erogener Zonen lösen den Eintritt in die Erregungsphase und die folgende Plateauphase aus. Erogene Zonen variieren individuell von Mensch zu Mensch. Grundsätzlich können jeder Part der Körperoberfläche und natürlich die Körperöffnungen als erogene Zonen empfunden werden. Die spezifischen erogenen Zonen, etwa die Eichel und der Penisschaft beim Mann oder die Klitorisspitze bei der Frau, haben eine besonders hohe Dichte an Nervenendigungen. Die Klitorisspitze soll bis zu 8000 solcher Nervenendigungen haben – damit wäre sie das am besten innervierte Hautareal des Körpers. 

Vom Erektionszentrum…

Berührungen der erogenen Zonen werden über Nerven bis ins Erektionszentrum im unteren Rückenmark weitergeleitet. Dort werden die ankommenden (afferenten) Signale auf vom zentralen Nervensystem ausgehende (efferente) Signale umgeschaltet. Diese ausgehenden Signale führen zum Beispiel zu einer Ausschüttung von Stickstoffmonoxid (NO) in den Genitalorganen. Stickstoffmonoxid führt zu einer Erweiterung von Gefäßen. Dadurch fließt mehr Blut in die Organe hinein und der Penis, die Klitoris und die Schwellkörper an der Vulva schwellen an – es kommt also zur Erektion. Ein weiterer Botenstoff ist das vasoaktive intestinale Peptid (VIP). Dieses regt bei Frauen unter anderem die Geschlechtsdrüsen zur Sekretproduktion an. Das wiederum führt zur Lubrikation, also zur Befeuchtung von Vulva und Vagina.    

…zum Ejakulationszentrum 

Hält die Reizung der erogenen Zonen an, zum Beispiel durch Einführen des Penis in die Scheide, steigen die Nervenerregungen im Rückenmark bis ins etwas höher gelegene Ejakulationszentrum auf. Auch hier erfolgt eine Umschaltung auf Nerven, die zurück in die Genitalregion führen. Wie der Name Ejakulationszentrum vermuten lässt, führt diese Nerven-Aktivierung dazu, dass sich Muskeln zusammenziehen und so dafür sorgen, dass das Ejakulat heraus befördert wird. Beim Mann geht dieser Vorgang häufig mit einem Orgasmus einher, bei Frauen hingegen deutlich seltener. 
Zeitgleich kommt es zu rhythmischen Muskelkontraktionen der Beckenmuskulatur und manchmal auch der Skelettmuskulatur. Der Orgasmus hält individuell unterschiedlich meist nur einige Sekunden an. Daran schließt sich die Rückbildungsphase an. Ein spannender Unterschied ist, dass Männer nach einem Orgasmus häufig in eine Refraktärphase rutschen. Während dieser Zeit können sie nicht oder nur erschwert eine erneute sexuelle Erregung erlangen. Die Refraktärphase hält, ebenfalls individuell unterschiedlich, Minuten bis Stunden an. Frauen hingegen kennen solch eine Hemmphase meist nicht und können auch mehrmals direkt hintereinander Orgasmen erleben.

Sympathikus und Parasympathikus – in diesem Fall keine Gegenspieler 

Sowohl das Erektionszentrum als auch das Ejakulationszentrum gehören zu dem Teil des Nervensystems, den wir größtenteils nicht mit unserem eigenen Willen beeinflussen können. Es wird deshalb als autonomes oder vegetatives Nervensystem bezeichnet. Innerhalb dieses autonomen Nervensystems gibt es zwei Systeme: den Sympathikus und den Parasympathikus. Der Sympathikus wirkt eher aktivierend auf den Körper. Er beschleunigt zum Beispiel den Herzschlag und weitet die Pupillen. Damit bereitet er uns auf “fight-or-flight”-Reaktionen vor. 

Der Parasympathikus hingegen trägt zur Erholung des Körpers bei. Er regt zum Beispiel den Speichelfluss und die Verdauung an, damit wir Energie aufnehmen können. Sein typisches Aufgabengebiet ist also “rest and digest”. 

Harmonie statt Gegensatz

Sympathikus und Parasympathikus bewirken an Organen häufig genau das Gegenteil (z.B. Puls beschleunigen vs Puls senken). Aus diesen Gründen werden sie oft als Gegenspieler angesehen. Das mag in vielen Fällen auch stimmen, doch für die Sexualfunktion ist es wichtig, dass beide Systeme gut zusammen harmonieren. 

Das Erektionszentrum nutzt nämlich parasympathische Nervenstränge und das Ejakulationszentrum sympathische Nervenstränge. Für die erste Hälfte des sexuellen Zyklus ist demnach der Parasympathikus zuständig. Wenn es Richtung Orgasmus und Ejakulation geht, übernimmt der Sympathikus. Das zeigt sich unter anderem daran, dass beim Orgasmus nochmal stark Puls und Blutdruck hochgehen, Muskeln anspannen, die Atmung noch schneller und flacher wird und viele Menschen anfangen zu schwitzen. 

Nur wenn beide Systeme im Gleichgewicht sind, ist Sex möglich. Im REM-Schlaf hingegen sind Teile des Sympathikus abgeschaltet. Das Gleichgewicht gerät ins Wanken, der Parasympathikus überwiegt. Das ist vermutlich die Ursache, warum es im Schlaf zu ungewollten nächtlichen Erektionen kommt (übrigens sowohl bei Männern als auch bei Frauen).

Das Gehirn will auch noch etwas sagen

Das Rückenmark ist also zweifellos der Antreiber, wenn es um Erektion und Ejakulation geht. Dennoch darf man die Rolle des Gehirns nicht vernachlässigen. Die sexuelle Erregung ist nämlich ein Zusammenspiel aus den bereits beschriebenen autonomen, aber auch aus emotionalen und kognitiven Faktoren. Das Ansehen oder Riechen des Partners/der Partnerin, aber auch die eigene Vorstellungskraft im Sinne sexueller Fantasien kann ebenfalls zu einer Aktivierung des Erektionszentrums führen. Dies kann in Kombination mit der oben beschriebenen Reizung erogener Zonen oder auch ganz unabhängig davon ablaufen. Absteigende Bahnen aus dem Gehirn können aber auch einen hemmenden Einfluss auf die sexuelle Erregung ausüben. Gründe dafür können soziale Normen, Ängste oder Stress sein.

Während des Geschlechtsverkehrs sind gleich mehrere Zentren im Gehirn aktiv. Im Belohnungszentrum etwa wird Dopamin ausgeschüttet, was zu einem positiven Gefühl führt. Die Hirnanhangdrüse bildet Prolaktin, was ebenfalls ein positives Gefühl auslöst, aber vor allem bei Männern auch für die Hemmphase nach dem Orgasmus verantwortlich zu sein scheint. Gleich mehrere Zentren im Gehirn hemmen sexuelle Erregungen, um unter anderem sozialen Normen zu entsprechen (diese Hemmung entfällt bei einigen neurologischen Erkrankungen). Der Hypothalamus bildet außerdem das als Kuschelhormon bekannte Oxytocin. Dieses wirkt aktivierend auf das Erektionszentrum und unterstützt bei Frauen wohl die rhythmischen Muskelkontraktionen der Gebärmutter (ähnlich wie unter Geburt).

Sex als Einschlafhilfe

Ein erhöhtes Oxytocin in Kombination mit einem erniedrigten Stresshormon Cortisol hat übrigens noch einen weiteren Nebeneffekt. Laut eines Reviews aus dem Jahr 2016 führt Geschlechtsverkehr vor dem Schlafengehen bei Frauen mit Schlafproblemen zu einer Stressreduktion und zu einem besseren Ein- und Durchschlafen. Damit ist Sex nicht nur neurowissenschaftlich sehr faszinierend, sondern für viele Menschen vielleicht auch Therapie.

Weitere spannende Fakten rund um den Zusammenhang zwischen Hirn und Genitalregion hat Friedrich für euch parat: Denken Männer doch mit dem Hoden? und Erektionen gegen Alzheimer?!

Quellen

  • Calabrò RS, Cacciola A, Bruschetta D, et al. Neuroanatomy and function of human sexual behavior: A neglected or unknown issue?. Brain Behav. 2019;9(12):e01389. doi:10.1002/brb3.1389
  • Cazala F, Vienney N, Stoléru S. The cortical sensory representation of genitalia in women and men: a systematic review. Socioaffect Neurosci Psychol. 2015;5:26428. Published 2015 Mar 10. doi:10.3402/snp.v5.26428
  • Luijten SPR, Groenendijk IM, Holstege JC, De Zeeuw CI, van der Zwaag W, Blok BFM. Single subject and group whole-brain fMRI mapping of male genital sensation at 7 Tesla. Sci Rep. 2020;10(1):2487. Published 2020 Feb 12. doi:10.1038/s41598-020-58966-9
  • Drgarden, CC BY 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by/3.0>, via Wikimedia Commons
  • OpenStax CollegeDerivative work: Ederporto, CC BY 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by/3.0>, via Wikimedia Commons
  • Polygon data were generated by Database Center for Life Science(DBCLS)[2]., CC BY-SA 2.1 JP <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.1/jp/deed.en>, via Wikimedia Commons
  • OpenStax College, CC BY 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by/3.0>, via Wikimedia Commons

Veröffentlicht von

Martje Sältz studiert seit 2016 Humanmedizin am UKE in Hamburg und promoviert zum Einfluss der Ernährung auf die Halsgefäße. Medizin auf Italienisch lernte sie in ihrem Auslandssemester in Palermo kennen. Sie möchte wissenschaftliche Themen verständlich und spannend beschreiben und damit mehr Menschen für Gesundheit und ihren Körper begeistern.

12 Kommentare

  1. “Sehen Sie, da ist nämlich die heilige Maria in einer Vulva dargestellt. An der Kirchendecke!”

    Das möchte ich sehen!

    Ich vermute mal stark, dass es eine Maria in einer Mandorla war, vielleicht Unsere Liebe Frau von Guadalupe, die in Mexiko sehr verehrt ist. Von ihr gibt es viele Darstellungen in einer Wolken-Mandorla.

    https://en.wikipedia.org/wiki/Our_Lady_of_Guadalupe

  2. Browsen hilft …

    Es gibt ein Plakat zum Thema, augehängt am Freiburger Münster, ist aber modern.

    “Im Mittelalter kommen Madonnen-Darstellungen auf, die von einem mandelförmigen Strahlenkranz, einer Mandorla, umgeben sind. Die deutsche Kulturwissenschaftlerin Mithu Melanie Sanyal erklärt in ihrem Sachbuch «Vulva. Die Enthüllung des unsichtbaren Geschlechts», dass diese Mandelform auf die Vulva Mariens anspiele. Die Vulva sei in der Urkirche durchaus als Symbol präsent gewesen.”

    https://www.kath.ch/newsd/die-vagina-dentata-beisst-zurueck/

    Die Mandorla wird viel häufiger für Christus verwendet. Dass damit die Vulva Mariens gemeint ist, dürfte schwierig mit Quellen zu belegen sein. Jedenfalls hat es noch keiner getan. Auch wenn es eine originelle Idee ist, die ikonographische Tradition und Verwandtschaft mit anderen Formen von Gloriolen spricht eher dagegen.

    Siehe Lexikon der christlichen Ikonographie, Bd. 3, Sp. 147-149.

    • Danke für den Zusatz mit der Mandorla, sehr spannend! Ich bin beim Suchen auch nur auf die zitierte Quelle und das Sachbuch von Melanie Sanyal gestoßen, mich würde aber auch interessieren, ob es für die Vulva-Theorie weitere Hinweise gibt. So oder so stellt meine Einleitung ja eher eine kleine Anekdote dar, der wissenschaftliche Teil folgt danach. 😉

  3. Etwa 50 % der Weltbevölkerung sind Frauen. Jeder Mensch, der auf dieser Welt lebt ist von einer Frau geboren worden.
    Und trotzdem wird die Sexualität tabuisiert . Es gibt mehrere Gründe. Die röm.kath. Kirche ist eine Männergesellschaft in der Frauen unerwünscht sind.
    Und da sie dem Thema “Frau” nicht entwischen konnte hat man Maria verklärt dargestellt und unschuldig.
    Ein weiterer Grund die Sexualität zu verheimlichen ist die unerwünschte Schwangerschaft ohne Mann, denn eine Frau ohne Mann fällt der Gemeinschaft zur Last.
    Der dritte Grund ist eine Beibehaltung der Ungleichbehandlung von Mann und Frau aus wirtschaftlichen Gründen, etwa bei der Erbschaft. Früher konnten Frauen nicht erben.
    Ob jetzt die Darstellung von Maria in der Vulva so gesehen werden kann, wahrscheinlich war sie so gemeint, ist heutzutage nur noch für strenge Christinnen provokativ. Dabei ist doch die Vulva der Eingang zu Leben.

    Frau Sältz, da haben Sie sich ein tolles Thema ausgesucht. Wir waren auch schon in Palermo und haben uns die vielen Mariendarstellungen angeschaut leider nicht darauf geachtet.
    Übrigens findet man in Spanien und auch Italien viele Altäre wo nicht Jesus am Kreuz im Mittelpunkt steht, sondern Maria mit dem Kinde.

  4. Wenn Empfindungen im den Cortex-Arealen des Beckenbereiches verarbeitet werden sollten, heißt das meiner Ansicht nach noch lange nicht das sie dort auch bewertet werden. Betrachtet man Erregung als Ausdruck einer Bewertung dann sucht der Trieb (das ES) sich anscheinend die Befriedigung in den von ihm konstruierten Phantasiewelten die durch entsprechende Assoziationen ( Zahnbürste) auch stimuliert werden können. Der “Antreiber” scheint also die Höhe des Dopaminspiegels zu sein , was aus einer vorherigen angenehmen Bewertung (Erfahrung) erfolgt. Die Dichte der Nervenendigungen scheint evolutionär sinnvoll da die Erhaltung der Art, die ja nun einmal mit starker Lust verbunden ist, absolute Priorität hat. Ansonsten haben bereits Naturvölker der Steinzeit vor ca. 30 000 Jahren sich mit der Darstellung dieser Vulva Allegorie befasst- Siehe Venus von Willendorf und als Zeichen von Fruchtbarkeit und Lebenskraft dargestellt. Das Christentum hat auch hier viele “heidnische” Ansichten und Rituale übernommen bzw. ist eigentlich Erbe von diesem. So wird das Osterfest auch mit dem heidnischen Ei – dem Zeichen der Entstehung von Leben verbunden.

  5. Hallo Frau Sältz,

    mich würde mal interessieren wie “die Medizin” bzw. Sie das mit dem (Sexual-) Trieb (gehobenere Sprache Libido) sieht/sehen. Der, will es mir scheinen, bei Männern stärker ausgeprägt ist als bei Frauen.

    Danke.

    • Die Antwort kommt leider etwas spät, aber tatsächlich kommen auch die meisten Studien zu dem Schluss, dass der Sexualtrieb bei Männern etwas stärker ausgeprägt ist. Sie haben zum Beispiel häufiger ein spontanes sexuelles Verlangen oder sexuelle Fantasien und masturbieren auch häufiger als Frauen. Ursachen sind vermutlich teils hormonell (höhere Testosteron-Spiegel), teils gesellschaftlich “anerzogen”. Insgesamt ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern aber wohl geringer als die Bandbreite innerhalb einer Geschlechtergruppe – letztlich lässt sich also mal wieder nur bedingt verallgemeinern.

  6. Angesichts dessen, dass nach der “Erfindung” der Zweigeschlechtlichkeit durch die biologische Evolution der Sex zwischen den beiden Geschlechtern über Hunderte von Millionen Jahren im Gegensatz zu mancher heutigen gesellschaftlichen Einschätzung essentiell für die Erhaltung der jeweiligen Art war und ist, ist es einfach zu verstehen, dass die biologische Evolution besonders gründlich in das erfolgreiche Gelingen des Vorgangs investiert hat.

  7. Nice. Ich war mit dem Zahnbürstenmann übrigens in den Nullerjahren mal auf einer großen Neuro-Tagung in Florenz (Human Brain Mapping); da war die Studie aber schon publiziert, sonst hätte er mich vielleicht auch im MRI gekitzelt.

    Aber irgendwie bin ich auch froh, dass die neurowissenschaftliche Perspektive nicht die einzige – und meinem Verständnis nach auch nicht die wesentliche – ist, wenn es um Sexualität geht.

    • Ach, spannender Zufall!
      Und zum zweiten Punkt – auf jeden Fall, so spannend die Wissenschaft dahinter auch ist.

  8. Dass mit dem “Trieb” Herr Krüger könnten sie selbst beantworten wenn sie sehen was das älteste Gewerbe der Welt ist. Auch schreibt “Die Welt” in einem Artikel vom 14.11.2017 über Deutschland als das größte Bordell Europas. Der Sexual-Trieb war und ist also immer ein guter Trieb zur Gewinnbefriedigung ,woran der Staat dann auch noch über die Finanzämter daran verdient und die Kirche bekämpft ja diesen Trieb mit ihrer weihrauchgeschwängerten Doppelmoral .

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