ESEO-Start am Montag, 19.11, 19:31 MEZ

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Raumfahrt aus der Froschperspektive
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Der von europäischen Studenten entwickelte, 45 kg schwere Mikrosatellit ESEO (European Student Earth Orbiter) wird, wie ich gerade erfahren habe, gemeinsam mit einer Anzahl ähnlicher  Satelliten am Montag, den 19.11.2018 um 19:31 MEZ an Bord einer SpaceX-Falcon 9-Rakete von der US-Startbasis in Vandenberg, Kalifornien in eine 575 km hohe sonnensychrone Bahn gestartet werden.

Credit: ALMASPACE / ESEO-Nutzlastkonfigurationen: CAD-Modell des ESEO_Satelliten, das die Position der von Studenten beigesteuerten Nutzlasten zeigt
Credit: ALMASPACE / ESEO-Nutzlastkonfigurationen: CAD-Modell des ESEO-Satelliten, das die Position der von Studenten beigesteuerten Nutzlasten zeigt

ESEO wurde unter der Ägide der europäischen Weltraumbehörde ESA im Rahmen der “Hands-On”-Programme entwickelt. Ziel ist, europäischen Studenten die Chance zum Erwerb praktischer Erfahrungen zu geben. Vorlesungen zu hören und Studienarbeiten zu schreiben ist ja schön und gut und auch wichtig, aber die Erfahrungen, die man beim Bau, beim Test und beim Betrieb eines richtigen Satelliten erwirbt, sind noch einmal ganz etwas anderes.

Der Satellit trägt eine kleine Kamera, die in Estland entwickelt wude, dazu ungarische Instrumente, um ionisierende Strahlung im niedrigen Erdorbit zu messen. Mindestens ebenso wichtig ist aber seine Funktion als Testträger für Techniken, die auch folgenden Kleinsatellitenmissionen zugute kommen werden. ESEO kann seine Bahn und seine Ausrichtung autonom bestimmen und soll am Ende seiner Lebensdauer ein Segel ausfahren, das den Satelliten in der Restatmosphäre abbremst und seine Verweildauer im Orbit erheblich reduziert.

Die Bodenstationen, über die die Daten von ESEO herunter geladen und Steuerkommandos hinauf geschickt werden, befinden sich in Forlí (Italien), Vigo (Spanien) und München und werden von Universitäten betrieben. Die Amateurfunkerorganisation AMSAT hat eine Nutzlast beigesteuert, die zusätzlich den Empfang der Telemetrie und der wissenschaftlichen Daten über Hunderte von Amateurfunkstationen von AMSAT-Mitgliedern ermöglichen wird.

Der Satellit wird am Tag des Starts um 21:30 MEZ über der Bodenstation in Forlí erwartet. Dann wird sich herausstellen, ob er nach dem Start wie erhofft seine Arbeit aufgenommen hat.

Eine coole Sache, das Ganze. Ich bin hin und weg. Da stellt sich eigentlich nur noch die Frage, wieso die Sache nicht medial höher aufgehängt worden ist. Auf der Webseite der ESA finde ich keine Ankündigung des Starts. Mir ist auch nicht bekannt, dass es offizielle Ereignisse gibt, auf denen beispielsweise das Abheben der Falcon 9 von Journalisten und begeisterten Studenten auf einer Videowand verfolgt werden kann. Im Gegentei – ich erfuhr nur durch Zufall über eine private E-Mail von diesem Start und hatte erhebliche Schwierigkeiten, Informationen dazu zu finden.

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Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten Meinungen sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

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