Wie wir schreiben werden – eine Vision

„Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen“, hat Helmut Schmidt einmal als Antwort auf die Frage nach seiner politischen Vision gesagt. Ich begebe mich also auf dünnes Eis, wenn ich hier eine Vision des digitalen Schreibens beschreiben möchte. Allerdings handelt es sich nicht um frei zusammenfantasierte Science Fiction, sondern um technologische Entwicklungen, an denen gegenwärtig tatsächlich gearbeitet wird und mit denen in den nächsten Jahren in Gestalt von Produkten gerechnet werden kann. In meinem Buch „Engelbarts Traum“, das im September erscheinen wird, werden diese Entwicklungen ausführlich dargestellt. Wenn man sie in einen Zusammenhang zu bringen versucht, dann kann daraus das folgende Bild des zukünftigen Schreibens entstehen:

Die Schrift­eingabe per Tastatur wird nach wie vor eine effiziente Methode darstellen, Texte in den Computer zu bekommen. Doch wird das Tippen intelligenter werden, so wie es sich auf Smartphones schon heute andeutet. Das System wird verfolgen, was geschrieben wird, und Fehler und Unklarheiten von selbst korrigieren. Dabei wird die Positionierung der Schreibmarkierung per Blick gesteuert werden können, eine Maus ist nicht mehr nötig. Die akustische Eingabe gesprochener Sprache kann damit kombiniert werden, so dass ein fließender Übergang zwischen Tippen und Diktieren erreicht wird. Anweisungen zur Formatierung von Schrift können dem System gesprochen übermittelt werden, da sie ansonsten den Schreibfluss unterbrechen würden. Das Formulieren selbst wird mit Funktionen zur Wortvervollständigung und Wortvorschlägen unterstützt. Beides kann beispielsweise durch einen Druck auf die Leertaste aktiviert werden, wodurch die Schreibgeschwindigkeit erheblich erhöht werden kann. Feststehende Wendungen werden vom System als Ganzes in den Text eingefügt und bezüglich der Wortformen angepasst. Das Textverarbeitungsprogramm kann dem Schreiber außerdem Vorschläge zur Umformulierung unterbreiten, mit denen ein besserer Stil oder größere Verständlichkeit erzielt werden. Da das Textverarbeitungssystem auch die inhaltliche Seite des Textes zumindest teilweise nachvollzieht, werden inhaltliche Fehler in Argumentation und Terminologie des Textes angemerkt.

Eine weitergehende Funktion der Textverarbeitung stellt die automatische Übersetzung dar, die auch in Gestalt eines unterstützten Schreibens in der Fremdsprache zur Verfügung steht. Das Schreiben in einer Fremdsprache wird dadurch so gut unterstützt, dass damit ein publizierbarer Text erstellt werden kann – die maschinelle Übersetzung allein wird das auch in der Zukunft nicht leisten können. Die aktive Schreibunterstützung bezieht sich allerdings nicht nur auf fremdsprachige Texte, sondern auch auf unterschiedliche Stil- und Verständnisebenen. Das Programm kann etwa einen wissenschaftlichen Text stilistisch vereinfachen.[i] Für die größeren Textstrukturen werden durch das System Vorgaben gemacht, so dass sämtliche inhaltlichen und formalen Aspekte einer bestimmten Textsorte vom Schreiber berücksichtigt werden können. Dabei werden formularartige Eingabeverfahren gewählt, was im endgültigen Text nicht mehr sichtbar ist. Auch in diesem Bereich wird der Übergang zur automatischen Textgenerierung fließend sein: Wenn sich ein Schreiber mit den Vorschlägen des Systems zufrieden gibt, genügen wenige Angaben in Listenform, um einen passablen Text, etwa einen Bericht oder ein Protokoll, zu erstellen. Ist der Autor ambitionierter, entwickelt er den Text in einem Dialog mit dem System und kann dabei seine eigenen Vorstellungen von Inhalt und Form besser umsetzen.

Layout und Textdesign übernimmt der Computer bei Bedarf komplett. Lediglich kleinere Anweisungen, im Text enthalten oder vom Schreiber gesprochen eingegeben, benötigt das System, um eine perfekte Textgestalt herzustellen. Wenn der Schreibende eigene Gestaltungsvorstellungen umsetzen möchte, kann er diese mit Unterstützung des Systems entwickeln. Bei der automatischen Formatierung werden jedoch nicht mehr nur – wie heute – lediglich Vorlagen zur Verfügung gestellt, es werden vom System vielmehr intelligente, am Textinhalt orientierte Gestaltungsentscheidungen getroffen. Falls dabei etwas unklar bleibt, wird der Autor gezielt um Entscheidung gebeten. Dieser kann sich daher insgesamt sehr viel mehr auf die konzeptionelle und inhaltliche Seite des Textes konzentrieren – so wie es vor dem Aufkommen der computerunterstützten Textverarbeitung gewesen ist, als der Autor die Textgestaltung komplett dem Setzer überlassen konnte. Diese Spezialisierung wird sich erneut ausprägen, da eine auf Ästhetik und Leserlichkeit ausgerichtete Textgestaltung umfangreiche Spezialkenntnisse erfordert. Der Autor kann sich stattdessen intensiver mit der Integration weiterer Medien in den Text befassen. Dies wird durch das System ebenfalls in einer Weise unterstützt, dass technische und gestalterische Fragen entfallen.

Möchte der Autor andere Medien in den Text integrieren, kann er dies durch einfache Anweisungen tun, der Text passt sich automatisch an die integrierten Medien an. So werden Hyperlinks erzeugt oder vorgeschlagen und die Textgliederung angepasst. Auch Formulierungen, die auf andere Medienelemente verweisen, werden eingefügt oder angeglichen. Der Autor wird außerdem dabei unterstützt, den Text auf unterschiedliche Nutzungsformen abzustimmen. Für die Verwendung auf einem Smartphone etwa sind kürzere Texteinheiten und visuellere Darstellungsweisen vorzuziehen – ein Text kann vom System entsprechend „umgearbeitet“ werden. Für ein E-Book-Lesegerät hingegen wird eine eher traditionelle Textgestaltung in Buchform gewählt. Sogar größere Textsortenanpassungen sind möglich: Das Textverarbeitungssystem der Zukunft ist in der Lage, aus einem durchgehenden Sachtext eine Präsentation zu erstellen, bei der inhaltliche Einheiten zu „Folien“ gegliedert und für die visuelle Rezeption optimiert sind. Dies schließt auch die Generierung von grafischen Varianten eines Textes ein, etwa die Visualisierung einer Argumentation oder eines zeitlichen Prozesses.

Beim Schreiben steht einem bereits heute eine riesige virtuelle Bibliothek im Internet zur Verfügung. Die Vernetzung der Inhalte wird zukünftig integraler Bestandteil von Texten sein, und die Schreibumgebungen werden dies zu berücksichtigen haben. Autoren werden nicht nur auf andere Texte verweisen können, sondern auch auf bestimmte Abschnitte oder Stellen darin, und diese können in die eigenen Texte eingebaut werden. Auf diese Weise können Informationen in digitalen Texten aktuell gehalten werden. Das System achtet darauf, die fremden Elemente hinsichtlich Sprache und Gestaltung ohne Brüche einzufügen, und es sorgt auch für die korrekte Kennzeichnung als geistiges Eigentum eines anderen Autors. Im Schreibprozess wird außerdem die soziale Dimension auf einer anderen Ebene berücksichtigt: Diskussionen oder Hinweise zu einzelnen Textstellen werden im Hintergrund verwaltet, ähnlich wie es heute schon bei Wikipedia der Fall ist. Ein Autor kann einen Text dem sich entwickelnden Diskussionsprozess anpassen und so seine Argumentation schärfen. Textverarbeitungssysteme werden um soziale Funktionen erweitert und können Varianten des Textes erstellen, in denen diese Diskussionen in unterschiedlicher Form dokumentiert sind.

Auch das vollständig kooperative Schreiben von Texten durch mehrere Autoren wird durch Schreibumgebungen unterstützt: Sie verwalten nicht nur den simultanen Zugriff auf den Text, sondern helfen den Schreibern auch bei ihrer kooperativen Tätigkeit, indem sie auf Vollständigkeit und Konsistenz des Textes achten und für kontroverse Textstellen Kompromissvorschläge anbieten. Solche Möglichkeiten werden auch beim literarischen Schreiben Einzug halten. Die Vernetzung führt dazu, dass Schreiben und Lesen immer kurztaktiger aufeinander bezogen werden können. Beim Chat wechseln Lesen und Schreiben einander in einem schriftlichen Dialog ab. Das Lesen ist dabei in den Schreibprozess integriert und das Schreiben in den Leseprozess. Eine derartig enge Verknüpfung von Lesen und Schreiben ist nur durch Vernetzung in Echtzeit möglich. Es ist denkbar, dass auch der professionelle Schreibprozess eines Autors zukünftig von interessierten „Frühlesern“ verfolgt und der Text in seiner Entstehung kommentiert wird. Der Autor wiederum kann von unmittelbar abgegebenen Kommentaren noch in seinem Schreibprozess profitieren.

 

[i] Dies geschieht beispielsweise schon auf den Seiten der deutschen Bundesregierung (www.bundesregierung.de), wo über den Link „Leichte Sprache“ eine sprachlich stark vereinfachte Variante der jeweils aktuellen Seite aufgerufen werden kann. Der Text auf diesen Seiten wird allerdings derzeit noch manuell erstellt.

Veröffentlicht von

www.lobin.de

Henning Lobin ist seit 2018 Direktor des Instituts für Deutsche Sprache in Mannheim (Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft) und Professor an der dortigen Universität. Zuvor war er ab 1999 Professor für Angewandte Sprachwissenschaft und Computerlinguistik an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Von 2007 bis 2016 leitete er dort das interdisziplinäre Zentrum für Medien und Interaktivität, in dem die Auswirkungen von neuen Kommunikationsformen auf Wissenschaft, Kultur und Bildung untersucht werden. Seine Forschungsschwerpunkte bilden die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Sprache, Texttechnologie und die multimediale Wissenschaftskommunikation. Gegenwärtig ist er u.a. Mitglied des Fachkollegiums "Sprachwissenschaft" der Deutschen Forschungsgemeinschaft, germanistischer Fachbeiräte von DAAD und Goethe-Institut und des Forschungsbeirats der Stiftung Wissenschaft und Politik. Bei den SciLogs ist Henning Lobin Autor des Blogs "Die Engelbart-Galaxis" und Gast-Autor im Blog "Wissenschaftskommunikation hoch 3" der ACATECH, für die er auch als externer Experte für Fragen der Wissenschaftskommunikation in sozialen Medien fungierte. Lobin ist Autor von sieben Monografien und hat zahlreiche Sammelbände herausgegeben (Bücher bei Amazon, bei Buch.de und im Buchhandel). Zuletzt erschienen: Engelbarts Traum (Campus, 2014, polnische Übersetzung 2017, chinesische Übersetzung 2018 [im Erscheinen]). Im August 2018 erscheint im Metzler-Verlag: Digital und vernetzt. Das neue Bild der Sprache.

33 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Die grösste Umwälzung beim Schreiben von Texten kommt, sobald der Computer Texte und Menschen versteht. Dann kann nämlich der Mensch dem Computer einen Auftrag geben wie heute der Sekretärin/dem Sekretär. Kennt der persönliche eletkronische Assistenz seinen Meister/seine Herrin gut, kann er zum Ghostwriter werden, also Texte vom Inhalt bis zum Stil im Sinne seines Besitzers komponieren.

    Die oben vorgestellte direkte Interaktion beim Schreiben – der Computer ändert jeden Satz während dem Schreiben oder schlägt Wendungen vor – empfinden dagegen heute schon viele als Störung. Zudem muss ein System, das das überzeugend kann den Text ebenfalls verstehen. Wenn ein Computer Texte aber einmal verstehen kann, gibt es für einen Menschen nur noch selten einen Grund einen Text von Grund auf selber zu formulieren. Selbst ein Liebesbrief kann dann vom “System” besser komponiert werden, weil das “System” auf viel mehr vorhandene Daten und Beispiele zurückgreifen kann.

    • Übrigens ist der Text dieses Kommentars von mir selbst ohne Computerhilfe – ausser der Tastur – direkt durch Eingabe in die Kommentarbox erstellt worden. Ich würde nie wollen, dass sich das ändert. Allenfalls eine orthographische Korrektur würde ich willkommen heissen.
      Für mich gibt es zwei Alternativen: Entweder man schreibt den Text selber oder man gibt jemandem, dem man vertraut den Auftrag einen Text zu schreiben, den man dann nur noch gegenliest, ihn gegegebenenfalls mit Anmerkungen versieht, ihn selber aber nicht weiter bearbeitet.
      Praktisch wäre auch ein Assistent, der einem einen Text zusammenfassen kann. Anstatt einen 15 seitigen Text zu lesen oder gar eine der berüchtigt ausufernden Reden etwa eines Fidel Castro, ist es äusserst angenehm eine Zusammenfassung zu erhalten, die genau das enthält was einem selber wichtig ist.

    • Die grösste Umwälzung beim Schreiben von Texten kommt, sobald der Computer Texte und Menschen versteht.

      ‘Texte und Menschen’ zu ‘verstehen’, heißt die Welt zu verstehen, inklusive Erkenntnissubjekt, also auch der Erkenntniswelten.

      MFG
      Dr. W

      • Ja. Tiefes Verständnis bedeutet wohl starke künstliche Intelligenz (Zitat: “eine Intelligenz, die wie der Mensch kreativ nachdenken sowie Probleme lösen kann und die sich durch eine Form von Bewusstsein beziehungsweise Selbstbewusstsein sowie Emotionen auszeichnet.”)

        Sicher kann man sich aber nicht sein, denn es ist schwierig Sein von Schein zu unterscheiden.

      • PS:
        Es gibt Nachrichten wie diese, die vor ca. zwei Jahren die Fantasie von einigen angeregt zu haben scheint:
        ‘Eine kleine Handvoll Startups – am bekanntesten ist die Firma Narrative Sciences – hat eine Marktlücke erkannt, die durch Fortschritte bei der algorithmischen Textverarbeitung in Kombination mit der immer weitergehenden Verfügbarkeit von digitalen Rohdaten entstand. Sportreportagen etwa lassen sich aus den von spezialisierten Dienstleistern bereitgestellten, in standardisierten Formaten verfügbaren Daten über Spielverlauf, beteiligte Spieler, Statistiken, Schiedsrichterentscheidungen bestens durch schöne neue Verfahren generieren.’ (Quelle)

        Tatsächlich wird hier aber auf einer relationalen Datenhaltung sitzend Sportberichterstattung emuliert, wie sie übrigens auch manch ‘durchschnittlicher menschlicher Sportredakteur’ (selbe Quelle) generiert oder emuliert, der nicht dabei gewesen ist und nicht über weitergehende sportliche Kenntnis verfügt.
        Taktisches oder gar strategisches Verhalten des Trainers und der Spieler zu erahnen oder festzustellen, bleibt auf Grund dieser Datenbasis schwierig bis unmöglich.

        D.h. die automatisierte Sportberichterstattung profitiert hier vom allgemeinen Unverständnis des Konsumenten zur Sache.

        • Nein, das sehe ich anders. Eine automatische Sportberichterstattung kann “gut” sein und bei den Leuten ankommen, wenn sie den engen Rahmen, der dazu gehört perfekt ausfüllt und dabei auch ihr überlegenes Wissen ausspielt, also beispielsweise weiss, dass Spieler X im gestrigen Baseballspiel seine eigenen Bestleistungen übertroffen hat oder gar einen nationalen Rekord aufgestellt hat. Auch Taktik und Strategie kann ein automatisches Programm beurteilen, wenn es dazu statistische Daten gibt – was bei vielen Sportarten heute der Fall ist.
          Dass eine automatische Berichterstattung dumm ist würde man erst merken, wenn sie den engen Rahmen der Sportberichterstattung verlässt – etwas was sie gar nicht kann.
          Hier ein Ausschnitt aus solch einer automatisch generierten Sportreportage:

          “WISCONSIN appears to be in the driver’s seat en route to a win, as it leads 51-10 after the third quarter. Wisconsin added to its lead when Russell Wilson found Jacob Pedersen for an eight-yard touchdown to make the score 44-3 … . ”

          Der Text stammt übrigens aus dem “Labor” von Narrative Sciences

          • Dass eine automatische Berichterstattung dumm ist würde man erst merken, wenn sie den engen Rahmen der Sportberichterstattung verlässt – etwas was sie gar nicht kann.

            ‘Dumm’ stand ja weiter oben gerade nicht geschrieben, es ging Ihrem Kommentatorenfreund darum die Grenzen automatisierter Sportberichterstattung, die auf relationalen Datenbanken sitzt, aufzuzeigen.

            Hier dürfen Sie auch gerne zustimmen.

            MFG
            Dr. W

          • @Dr. Webbaer 15. August 2014 18:28
            Narrative Sciences Sportberichterstattung ist weit mer als die Auswertung einer relationalen Datenbank, denn der zweite Schritt des Narrative Sciences-Prozesses Analyze => Reason => Generate, also der Schritt Reason basiert selber wieder auf einer Datenbank, in der der Anwender (Kunde) folgendes hinterlegt hat: thresholds, drivers, trends and relationships to determine what really matters to your business was zu folgenden Resultaten führt:

            By applying these metrics to the results of its data analysis, Quill chooses exactly what should be surfaced as part of the narrative, and what should be disregarded. Because Quill [Quill is a patented Artificial Intelligence platform ] reasons just like you, Quill communicates exactly like you and reflects what’s most important to you and your business.

          • @ Herr Holzherr :
            Hier sieht es halt anzunehmenderweise mau aus:

            (…) der zweite Schritt des Narrative Sciences-Prozesses ‘Analyze => Reason => Generate’, also der Schritt Reason basiert selber wieder auf einer Datenbank, in der der Anwender (Kunde) folgendes hinterlegt hat: ‘thresholds, drivers, trends and relationships to determine what really matters to your business (…)’

            Zumindest dann, wenn es der Kunde hinterlegt hat bzw. hinterlegen musste, stand ja schon hier.

            MFG + einen schönen Tag des Herrn noch!
            Dr. W

          • Narrative Science ist aus computerlinguistischer Sicht tatsächlich keineswegs uninteressant. Natürlich haben sie nicht alle ihre Verfahren offengelegt, die Firma ist aber aus einem Forschungsprojekt zur Textgenerierung an der Northwestern University hervorgegangen, und anerkannte Wissenschaftler in diesem Bereich stehen dahinter. Narrative Science betreibt übrigens bei Forbes.com auch einen Blog, in dem die Postings komplett computergeneriert sind.

  2. Ich frage mich bei alledem, wozu? Werden die Texte dadurch besser, oder bliebiger, wenn immer die Cloud das letzte Wort hat? Was bedeutet ‘besser’ im Zusammenhang mit Texten eigentlich? Schneller geschrieben? ‘Besserer’ Stil? Geht es hier um rein ökonomische Aspekte? Ich verstehe das so, dass große Anteile des Textherstellungsprozesses künstlicher Intelligenz überlassen wird. Was ist dann der Sinn, Texte auf diese Art zu verfassen? Was ist das Ziel?

    • Gute Fragen. Für mich kann eine künstliche Intelligenz sprachlich nicht besser sein als ein professioneller menschlicher Texter. Sie kann allenfalls mehr wissen. Wenn allerdings jeder einen Schreibprofi zur Seite hat, dann ändert das schon etwas. Von solch einer Technologie sind wir aber noch so weit entfernt wie von der künstlichen Intelligenz Her entfernt sind.

    • Die Entwicklung derartiger Systeme zur Schreibunterstützung richtet sich nicht an uns, die wir mit dem nicht-unterstützten Schreiben aufgewachsen sind. Aber schon bei der Smartphone-Generation, die Jugendlichen, die nie etwas anders gekannt haben als Wortergänzungs- und Wortvorschlagsfunktionen auf ihrem Handy, sieht das anders aus. Und die im Beitrag geschilderten Funktionen werden sich an Personen richten, die auch heute noch Schwierigkeiten mit dem Abfassen von Texten haben – von denen gibt es gar nicht so wenige. Ob das gut ist und was dabei herauskommt, ist eine andere Frage, die ich nicht zu beantworten wage.

  3. Nur hierzu etwas:

    Dabei wird die Positionierung der Schreibmarkierung per Blick gesteuert werden können, eine Maus ist nicht mehr nötig.

    Die Maus ist sehr effizient, man wird sich ihrer Ergonomie zu stellen haben, hier haben schon andere Eingabegeräte schwerst zu kämpfen gehabt. Die Abtastung der Pupillen und generell der Sehrichtung ist zwar spektakulär, aber …

  4. Ich kann ja nur für mich reden, bzw. schreiben, aber ich bin beispielsweise einer von jenen, die jegliche Form von automatischer Textergänzung nur auf Sparflamme betreiben oder gleich ganz abstellen, weil sie mich in den meissten Fällen einfach nur stören. Auch die automatische Rechtschreibkorrektur hab ich aus diesem Grund während der Eingabe deaktiviert und einen Thesaurus sowieso.
    Bliebe für meinen Bedarf also nur die weiter entwickelte Spracheingabe als nützliche Entwicklung der Zukunft. Damit meine ich eine Form der Spracheingabe, die nicht mehr explizit auf den Sprecher trainiert werden muss und auch sonst unempfindlich gegen Nebengeräusche ist. Wenn da also im Hintergrund der Fernseher oder das Radio dudelt, dann ist das der Spracheingabe egal; sie trainiert sich selbst auf den Sprecher, dessen Rede sie gerade annimmt.

    Dieses ganze Gedöns von wegen Präsentation mag für’s wissenschaftliche Schreiben nützlich sein, ansonsten halte ich davon nicht sehr viel, wie ich Präsentationen im allgemeinen überbewertet empfinde. Aber das ist nur so ein Gefühl, weil ich in dem Bereich keine praktischen Erfahrungen habe.
    Einbindung zusätzlicher Medien… – ja gut. Sofern es dabei um Tondokumente geht, aber bitte nur, wenn die Leser diese auch explizit abrufen. Denn nichts nervt mich beispielsweise mehr als irgendein Gedudel, das beim Umblättern auf eine neue Seite auf einmal los geht, obwohl ich noch gar nicht bis zu der Textstelle gelesen habe, die den näheren Sinn des Gedudels erläutert. Ebenso finde ich es beispielsweise auch heute, bzw. fand es immer schon nervig, wenn in (Fach-)Büchern irgendwelche Abbildungen vor dem Text erscheinen, den sie veranschaulichen sollen. – Vor allem dann, wenn der erläuternde Text auf der Rückseite des Blattes steht, so dass man zum ansehen der Abbildung wieder zurück blättern muss.

    Was ich von der “aktualisierungsBibliothek” im Hintergrund halten soll, weis ich noch nicht, aber ich sehe viele Texte auch als Zeitdokumente an. Das bedeutet, dass die zu einem bestimmten Zeitpunkt als fertig deklariert werden und danach keine Änderungen mehr zulässig sind. Wenn es dabei um wissenschaftliche Arbeiten geht, die sich gerade in den Natur- und Ingenieurwissenschaften sowieso ständig ändern, muss ein Dokument also neu verfasst werden. (Und sei es in der Form, dass die Neufassung erst mal nur aus einer Kopie der alten Fassung entsteht.) Ansonsten wird aus der Textverarbeitung noch sowas wie ein Versionskontrollsystem, wie man sie in der Softwareentwicklung einsetzt. Ich bin mir aber nicht sicher, ob sich sowas durchsetzen wird. In Naturwissenschaft und Technik wahrscheinlich schon, aber bei den Geisteswissenschaftlern? – Zumal die auch weniger häufig Texte schreiben, die in irgendeiner Art aktuell bleiben müssen.

    Schliesslich noch zum literarischen Schreiben: Das sind doch in der Regel Werke von Einzelpersonen, was sollen die mit Systemen für kooperatives Schreiben? – Selbst wenn sie für Serien wie Perry Rhodan, Star Wars oder ähnliches schreiben, dann brauchen sie eher ein System im Hintergrund, das ihre Geschichten konsistent zu dem Universum hält, in dem sie sich abspielen. Da sehe ich im Moment jedoch keinen Zusammenhang zum kooperativen schreiben in dem Sinne, dass zwei oder mehr Personen an ein und demselben Text arbeiten.

  5. Inwieweit könnte der Beitrag Wie wir schreiben werden – eine Vision von den in der Vision erdachten Helferlein profitieren?
    Konkret: ist der Text orthographisch, grammatikalisch und stilistisch verbesserbar?
    Ich hab mal versucht diese Frage mit heute allgemein zugänglichen Mitteln zu beantworten:

    1) Rechtschreibprüfung Word 2010:
    – keine Fehler

    2) Stilanalyse mit stilversprechend.de:
    – Flesch-Wert: 53 (durchschnittliche Verständlichkeit gemessen an der Satz- und Wortlänge)
    – Farbliche Markierung mehrerer Stilprobleme (Wortverdoppelungen, Nominalstil, Füllwörter, lange Sätze, Floskeln etc.)

    3) Stilanalyse mit Presse-Anzeiger.de/service/textanalyse
    – Lesbarkeit: eher anspruchsvoll
    – Sachlichkeit: normal (“Aktuell werden im Text 37 SR-Wort(e) (gelb markiert) verwendet. Ein sachlicher Text weist in der Regel einen geringen SR-Worte Anteil auf, wohingegen ein werblicher Text einen höheren Anteil beinhaltet. “)
    – Persönliche Ansprache: “Den Leser idealerweise nicht direkt ansprechen. Aktuell wurde(n) 1 pers. Anrede im Text gefunden.”
    – Informationsgehalt: eher gering
    – Lange Sätze & lange Worte: “Lange und komplexe Sätze sowie lange Worte verhindern einen schnellen und einfachen Lesefluß. In diesem Text werden 22 lange Worte (mehr als 16 Zeichen je Wort) und 20 lange Sätze (mehr als 20 Worte je Satz) verwendet.”

    4) Google translate: Deutsch => Englisch => Deutsch.
    Damit teste ich die Übersetzbarkeit, für mich auch ein Beurteilungskriterium.
    Hier ein hin- und her übersetztes Textfragment:

    Ein weiteres Merkmal der Textverarbeitung ist die automatische Übersetzung, die auch in Form eines Schreibens in der Fremdsprache unterstützt. Schreiben in einer Fremdsprache wird so gut unterstützt, so dass eine Veröffentlichung geeigneten Text erstellt werden können – die maschinelle Übersetzung allein nicht in der Zukunft leisten können. Der aktive Schreibunterstützung bezieht sich jedoch nicht nur auf Fremdsprachentexte, sondern auch auf verschiedene Arten und Ebenen des Verstehens. Das Programm kann als wissenschaftlicher Text stilistisch zu vereinfachen. [I] Für die größeren Textstrukturen sind die Systemanforderungen, so dass alle Inhalte und formalen Aspekte einer bestimmten Art von Text von dem Schriftsteller können berücksichtigt werden.

    Eindruck: Insgesamt gut übersetzbar, wenn auch mit subtilen Unterbedeutungen, die Google nicht rüberbringt. So wird aus “Eine weitergehende Funktion der Textverarbeitung stellt die automatische Übersetzung dar” folgendes: “Ein weiteres Merkmal der Textverarbeitung ist die automatische Übersetzung,” was zwar stilistisch eher besser als das Original ist, aber das entscheidende Wort “weitergehend” unterschlägt.

    5) Persönliche Stil-Analyse (durch mich):
    – etwas viel Passivsätze und -Konstrukte mit entsprechenden blassen Verben (erstellt, geschieht, erfordert, erzielt) und stellenweise unnötiger Nominalstil

    Schliesslich die Kernfrage:
    Würde der Artikel “Wie wir schreiben werden – eine Vision” von Schreibhilfen profitieren?
    Ich meine nein. Gemessen an allgemein verbreiteten Stilgrundsätzen wäre der Artikel verbesserbar – das zeigt auch meine Analyse. Doch durch die automatische Verbesserung würde auch der persönliche Stil des Autors “abgeschliffen” womit dem Leser etwas vorenthalten würde. Allerdings könnte der Autor ja auch von einer Stilanalyse lernen und später selber besser formulieren. Das wäre aus meiner Sicht ein positiver Effekt. Doch nur wenige lernen von automatischen Verbesserungen. Sollten sich Schreibhelferlein wie eine eingebaute automatische Stilretusche durchsetzen, erwarte ich sogar, dass die Qualität der meisten publizierten Texte abnimmt, austauschbarer wird und die Leute weniger nachdenken beim Schreiben. Das würde nicht nur den privaten Schriftverkehr betreffen, sondern sogar Zeitungsartikel. Zeitungsschreiber würden nämlch weniger Zeit für das Komponieren und Redigieren ihrer Texte erhalten, denn das ginge ja nun – vermeintlich – schneller.

    • Interessante Experimente. Wenn Sie hinter die Kulissen von Style Checkern schauen, dann würden Sie allerdings sehen, dass diese System auch heute noch mit beklagenswert primitiven Algorithmen arbeiten. Die große Herausforderung ist die, derartige Funktion auf der Grundlage von einem inhaltlichen Textverständnis zu ermöglichen, und das ganze in einem unaufdringlichen Assistenz-Modus während der Eingabe. Im Grund genommen haben wir eine ähnliche Entwicklung beim Übergang von der Rede zur Präsentation gesehen: Eine nach allen Regeln der Rhetorik gestaltete Rede ist natürlich etwas viel Wirkungsvolleres als eine Präsentation – nur beherrschen diese Regeln eben nicht alle Menschen, die heute reden müssen. Powerpoint ist so etwas wie ein Krückstock. Darüber hinaus müssen heute viel mehr Menschen anderen etwas vermitteln als früher, selbst der Vorarbeiter einer Arbeitsgruppe am Fließband muss heute Präsentationen halten. Mit dem Schreiben ist das nicht anders – wenn heute viel mehr geschrieben wird und geschrieben werden muss, ist Komplexitätsreduktion umso willkommener. Besser werden die Texte dadurch allerdings bestimmt nicht.

      • Wenn Sie in der Rhetorik entsprechendes Potential sehen, dann halte ich es ehrlich gesagt für sinnvoller, wenn schon in der Grundschule, etwa ab der 3. Klasse damit angefangen wird, diese zu unterrichten. In den unteren Jahrgangsstufen entsprechend Kindgerecht, und dann mit zunehmendem Alter anspruchsvoller. Alle Schüler sollten dann auch lernen, sich vor eine Gruppe zu stellen und einen Vortrag zu halten. Anfangs vor der eigenen Klasse, später vor der ganzen Schule oder zumindest vor dem eigenen Jahrgang, auch in Kooperation mit anderen Schulen.
        Und da Rhetorik ja auch Stilmittel zum führen von Diskussionen anbietet, sollte auch das sachliche Diskutieren schon früh gelernt werden, so dass man nicht mehr so leicht auf Strohmänner und andere Ablenkungsmanöver herein fällt oder diese schneller erkennt. Das sollte auch die Fähigkeiten zum logischen denken fördern so dass die Menschen sich nicht mehr ganz so leicht für Dumm verkaufen lassen…

  6. Neu ist das Ganze nicht – ich habe im August 1991 auf der Heureka in Zürich den ersten Computer gesehen, der deutsche Sprache in Text umgesetzt hat.
    Für Krimiautoren vielleicht zeitsparend.

    Ich muss nachdenken können, innehalten, umstellen- wobei ich zugeben muss, immer nur technische oder wissenschaftliche Texte zu schreiben. Ich habe alle Automatismen abgedreht, da ich oft deutsch und französisch mische, manchmal auch Anglizismen verwende, da ich oft auch Chemische Formeln dabei habe, die jedes System zum Absturz bringen.

    Ich bin auch beim Schreiben für Entschleunigung. Und wenn ich etwas suche, beispielsweise ein Zitat, möchte ich ein wenig schmökern, mich vielleicht inspirieren lassen.

    Und technisch-wissenschaftliche Ausdrücke kennt kein Rechtschreibsystem- immer nur das Küchendeutsch aus den 5000 häufigsten Vokabeln.

    Besser werden die Texte sicher nicht, wenn man Zeitdruck macht. Mein Hirn braucht jedenfalls Zeit, nachzudenken.

  7. Ich finde die “Vision” insgesamt sehr schlüssig, auch weil hier verschiedene Entwicklungsrichtungen betrachtet werden. Der Grundsatz wird sein, dass es zu KI-basierten Assistenzfunktionen und Automatisierungen kommt. Ansätze sind ja schon hier und da zu sehen und spannend ist eigentlich nur noch die Frage, wie weit die “Künstliche Intelligenz” an Kompatbilität zu den komplexen Gedankenwegen gewinnen kann, die beim Schreiben üblicherweise involviert sind.
    Man kann da aus guten Gründen skeptisch sein, zum Beispiel auch wenn man sich fragt, ob ein Autr eines Tages selbst nicht mehr weiß, was er da gerade schreibet (heute aber auch oft zu beobachten 😉 ), das ändert aber nichts daran, dass es zum klassischen, stark introvertierten Schreibprozess künftig Alternativen geben wird, vielleicht einen ganzen Fächer davon für verschiedene Zwecke, der von Schreibroboter-Lösungen für einfache Standard-Nachrichten bis hin zu diversen Uuterstützungen reicht, die dem einsamen Schreiber einfach die Arbeit erleichtern.
    (Ich selbst bin in ein Software-Projekt involviert, das einige Berührungspunkte mit der hier geschilderten Vision hat, mit einem Schwerpunkt im kontextbezogenen Zugänglichmachen von vorhandenem Wissen für den/die Autoren direkt innerhalb der Schreibanwendung. Abgesehen, davon, wenn man sich etwas umschaut, sieht man, dass sich bei den “Schreibprogrammen” hier und da etwas tut, das heißt, die Entwicklung bleibt nicht bei Office 365 stehen.)

    • die Entwicklung bleibt nicht bei Office 365 stehen.

      Naja, aber Office 365 und dieser ganze andere zu 100% cloudabhängige Kram ist das allerletzte, was ich auf meinem Rechner haben will. – Mit anderen Worten: Office 365 oder ähnliches kommt mir nicht auf dem Rechner! Genauso wie meine persönlichen Daten nichts in irgendeiner Cloud verloren haben. Einzige Ausnahme: der Server steht in meinem Keller und ich bin der Admin.

  8. Die SwiftKey-App als Eingabehilfe für Mobiltelephone bietet jetzt schon bei Sätzen wie “ich besuche meine Mutter in _” eine Auswahlliste an basierend auf Facebook-Einträgen, anderen ihr zugänglichen Texten des Autors und aufgrund früher vom Autor gestarteten Google-Suchen und Webseitenbesuchen ( der Kunde/Autor muss Swiftkeys Spy-Aktivität autorisieren).

    Der erste Abschnitt der obigen “Visionen” hat ja die Eingabe per Tastaur und Mikro zum Thema. Er konzentriert sich aber vor allem auf stilistische und Formulierungshilfen, nicht auf inhaltliche Hilfestellung. Wie ich im ersten Kommentar schon schrieb ist ein Textassistent aber dann am hilfreichsten, wenn er sowohl den Text als auch den Autor kennt und versteht. Genau in diese Richtung geht die SwiftKey-App. Allerdings zeigt sich gerade bei dieser App die Janusgesichtigkeit solcher Assistenten mit intimen Kenntnissen. SwiftKey nutzt sein Wissen nämlich auch für personalisiere Werbung und wird wohl den Haupteil seiner Einnahmen über die Werbung und nicht über den Verkaufspreis generieren

  9. Diesen Text habe ich per Mikrofon eingegeben. Obwohl es diese Funktion schon seit Jahren gibt ist dies hier der erste Versuch einen größeren Text einzugeben. Die Technologie wurde zwar schon vor zehn Jahren als ausgereift verkauft Erfahrung war aber eine ganz andere dazu mal vor zehn Jahren waren die Ergebnisse katastrophal. Textart Eingabe per Mikrofon ist recht praktisch und schnell kann aber leider nur selten verwendet werden dann nämlich wenn man allein im Raum ist. Damit bändige ich dieses Diktat und betone nocheinmal ich habe kein einziges Wort und kein einziges Satzzeichen selbst eingefügt

    • @ Herr Holzherr :
      Sie können sich vielleicht nun vorstellen, dass zeitgenössische “westliche” Politiker ein ähnliches Problem haben. Die mediale Anforderung, nicht missverständlich vorzutragen, betreffend, dem Medium gegenüber subordinativ sozusagen.

      MFG
      Dr. W (der Ähnliches vor vielleicht zehn Jahren versucht hat, man landet hier schnell beim Dumm-Sprech)

  10. Ted Nelsons Projekt Xanadu aus den 1960er Jahren forderte bereits das, was hier als Vision verkauft wird: “Autoren werden nicht nur auf andere Texte verweisen können, sondern auch auf bestimmte Abschnitte oder Stellen darin, und diese können in die eigenen Texte eingebaut werden. Auf diese Weise können Informationen in digitalen Texten aktuell gehalten werden. Das System achtet darauf, die fremden Elemente hinsichtlich Sprache und Gestaltung ohne Brüche einzufügen, und es sorgt auch für die korrekte Kennzeichnung als geistiges Eigentum eines anderen Autors.
    Auf Abschnitte oder Stellen in einer Website kann man übrigens heute schon verweisen. Dazu muss die Stelle lediglich einen “Anker” besitzen.

  11. Der ideale Textassistent hat eine ähnliche Orientierung und Persönlichkeit wie Siri, er weiss also was der “betreute” Autor will und kennt viele seiner persönlichen Daten (auch den Aufenthaltsort). Ein nützlicher Textassistent ist nur viel verständiger und mächtiger als Siri. Zudem hat er seine Hauptkompetenz im sprachlichen Bereich. Damit er diese ausspielen kann, muss er aber auch vieles über die Intentionen des Autors wissen – und zwar ohne dass er ihn viel frägt, einfach dadurch, dass er viel über den Autor weiss.

    • Apple files patent for Siri-like desktop digital assistant

      Apple has filed a patent in the United States for a Siri-like digital assistant interface for a desktop environment.

      The patent outlines a digital assistant interface that is able to accept natural voice speech and text input to perform tasks such as conducting searches, inputting and compiling data, retrieving data, and dictation.

      Although the patent is for a desktop environment, the input gesture methods outlined in the claims also call for contact using touch-sensitive surface on which, using a circular movement in the proximity of an iconic representation, a user can activate the digital assistant.

      Anstupser: Denken sie einfach an Her (Zitat Wikipedia)

      Eines Tages holt er sich zur Erbauung in schweren Zeiten für seinen Rechner ein neues Betriebssystem. Theodore Twombly richtet sich, wie für einen heterosexuellen Mann zu erwarten, eine weibliche Identität auf seinem Rechner ein. Eine hübsche Stimme soll ihn von nun an begleiten. Er kann über Headset und Videocamera mit der künstlich erschaffenen Frau interagieren. Das so erschaffene Wesen selbst nennt sich Samantha und reagiert auf Zuruf. Das System, das sich in der sozialen Interaktion mit seinem Nutzer kontinuierlich weiterentwickelt, gebärdet sich wie ein Mensch. Twombly ist ebenso fasziniert von Samanthas Fähigkeiten wie sie von den seinen. Die beiden bauen während ihrer von da an häufig geführten, langen und intensiven Gespräche eine innige Beziehung zueinander auf.

  12. Google table kann Wikipedia- und andere Daten in Tabellenform darstellen. So ergibt die Anfrage Mega Cities in Google Table das hier.

    Leider befindet sich diese Funkiionaliät noch im Experimentierstadium, wäre aber in verschiedenen Varianten äusserst nützlich. So muss ich beim programmieren immer wieder in der Online-Hilfe bei Microsoft nachschlagen, erhalte dort aber in der Regel zuviel Information über zuviele Seiten verteilt. Die Information will vollständig sein, erwähnt also beispielsweise, dass die Funktion uner .NET Compact-Framework unterstützt wird, doch das interessiert mich gar nicht, ich würde eine kompakte tabellarische Darstellung vorziehen. Tatsächlich lässt sich diese aus der vollständigen Darstellung generieren, nur gibt es solche Generatoren heute noch nicht oder sie sind eben als “Research” gekennzeichnet.

    • Mit Google-Table kann man auch tabellarische Darstellungen von Programmsprachen-Klassen erhalten, so ergibt die Anfrage std::vector eine Tabelle der in der C++-Klasse std::vector deklarierten Typen. Das ist schon einmal gut, aber leider nur ein kleiner Teil der wichtigen Information. Es bräuchte noch Wissen um die Bedeutung der Daten, damit Google Table nicht nur bei Anfragen wie Mega cities, gute Darstellungen liefern könnte. Ja, im Prinzip sollte jeder einen Tabellenfilter selbst erstellen können.

    • Unterschiedliche Aufbereitungen der gleichen Wissensbasis wären tatsächlich unendlich wertvoll. Dies zu den obigen Aussagen:

      Sogar größere Textsortenanpassungen sind möglich: Das Textverarbeitungssystem der Zukunft ist in der Lage, aus einem durchgehenden Sachtext eine Präsentation zu erstellen, bei der inhaltliche Einheiten zu „Folien“ gegliedert und für die visuelle Rezeption optimiert sind. Dies schließt auch die Generierung von grafischen Varianten eines Textes ein, etwa die Visualisierung einer Argumentation oder eines zeitlichen Prozesses.

      Und zwar wäre das nicht nur für die selber erstellten Texte wertvoll, sondern gerade auch für Datenquellen wie Wikipedia. Aus dem was in Wikipedia an Information vorhanden ist, könnte man beispielsweise Stadtführer generieren oder vereinfachte Darstellungen zum Thema Römerzeit aufbereitet für Grundschulkinder. Die Möglichkeiten und der Nutzen solcher Aufbereitungen scheinen beinahe unbegrenzt.

  13. Ist es mehr Sprachkompetenz und Interaktivität digitaler Systeme, die uns das Schreiben erleichtern wird wie hier von Hennin Lobin vermutet?
    Ich tippe eher auf Assistenen, die mehr über mich und mein Umfeld wissen und die mir damit in jeder Situation helfen können – inklusive dem Schreiben von Texten.
    Peter Diamandis berichtet im Artikel Humin: The Next Billion-Dollar App? über ein solches System, das eben erst erschienen ist:

    It organizes your relationships (i.e. contacts) in the same way you think about them — by their context not just in alphabetical order.

    For example, Humin will know when and where you met someone.

    It will show you their picture and pull data from their social media profiles. It also organizes your contacts based on the city you are in and the strength of the relationship you have.

    My favorite part: You can search for people with phrases like: “That guy I met at TED in Vancouver,” or “the woman who I met last week who works at Google and is from New York.” Humin finds the person that matches those criteria.

    Nun, könnte man sagen, was hilft mir ein solches System beim Texte schreiben? Das hängt natürlich davon ab, was man für Texte schreibt. Wenn der Computer aber meine Kontaktpersonen immer besser kennt inklusive der Texte, die ich bereits an sie geschrieben habe, dann ist er in einer viel besseren Lage als jedes out-of-the-box-System, einen neuen Text von mir an diese Kontaktperson einzuordnen und zu beurteilen – inklusive sachlicher Richtigkeit. Tatsächlich glaube ich, dass es schon bald digitale Assistenten geben wird, die ihren Meister/ihre Meisterin so gut kennen wie früher ein Butler.

  14. In Ergänzung zur oben erwähnten Übersetzbarkeit von Texten (Zitat):“Eine weitergehende Funktion der Textverarbeitung stellt die automatische Übersetzung dar, die auch in Gestalt eines unterstützten Schreibens in der Fremdsprache zur Verfügung steht” möchte ich noch den Begriff des Übersetzungsgerechten Schreibens erwähnen, wo man im entsprechenden Wikipedia-Eintrag liest:

    Übersetzungsgerechtes Schreiben bezeichnet die Berücksichtigung einer späteren Übersetzung schon bei der Erstellung des Ausgangsdokuments, um mögliche Übersetzungsprobleme zu vermeiden.

    Zum übersetzungsgerechten Schreiben gehören neben Verständlichkeit und Konsistenz des Ausgangstextes insbesondere die Kenntnisse über die eingesetzten maschinellen Übersetzungswerkzeuge. Je besser ein Text auf eine automatisierte Verarbeitung zugeschnitten ist, desto schneller, preiswerter, besser und einheitlicher wird eine Übersetzung in eine beliebige Sprache erfolgen können.

    Verständlichkeit, Konsistenz und Einfachheit scheinen mir überhaupt wichtige Stilmerkmale zu sein an die sich ein Autor halten muss, der vom Computer Unterstützung auf der semantischen Ebene erwartet, denn nur wenn diese Stilmerkmale vorhanden sind bestehen überhaupt Aussichten darauf, dass der Computer den menschenproduzierten Text verstehen kann.

    Vielleicht tauschens sich ja intelligente digitale Schreibassistenten später einmal untereinander aus (und verwenden ähnliche Tools wie die Wikipedia for robots, Robo-Earth um voneinander zu lernen. Vielleicht beklagen sich dann sogar über ihre unverständliches Zeugs produzierenden Meister.

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