Wer entscheidet über Sprache?

Wenn ich am Ende dieses Jahres an die Diskussionen zur deutschen Sprache zurückdenke, die ich bei Medienauftritten und in Veranstaltungen geführt habe, dann ist dabei immer wieder eine ganz bestimmte Frage gestellt worden: Wer entscheidet eigentlich darüber, wie wir sprechen und schreiben, was wir sagen dürfen und was nicht? Wer hat die Entscheidungsbefugnis über die Aufnahme neuer Wörter ins Deutsche, über gendergerechte Sprache oder über Rechtschreibregeln?

Wenn man eine Antwort auf diese Frage erhalten will, muss man differenzieren: Geht es um den Wortschatz oder die Grammatik, um mündliches oder schriftliches Deutsch, um die Orthografie? Für letztere kann man eine klare Antwort geben: Der Rat für deutsche Rechtschreibung berät über Änderungen bei den Rechtschreibregeln, über die Schreibung einzelner Wörter und über die Regeln der Zeichensetzung. Der Rechtschreibrat ist 2004 auf der Grundlage eines Staatsvertrags von den sieben deutschsprachigen Ländern gegründet worden. Die Änderungsvorschläge gehen an die „staatlichen Stellen“, die in den sieben Ländern dafür zuständig sind. In Deutschland sind es die Kulturministerkonferenz für die Bundesländer und die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien, die über die Annahme der Änderungsvorschläge entscheiden.

Grenzen der Regelung

Wer meint, dass damit die Rechtschreibung für jeden, der schreibt, verbindlich festgelegt ist, hat sich getäuscht. Bund und Länder können sie nur in ihrem jeweiligen Einflussbereich bestimmen, also im Wesentlichen für Behörden und Schulen. Ob die Regelungen verbindlich beispielsweise auch für Universitäten gelten, ist schon umstritten. Obwohl sie von den Ländern finanziert werden, sind sie keine Landesbehörden, und zum staatlichen Schulsystem gehören sie auch nicht. Bislang hat sich aber kein Wissenschaftsminister und keine Wissenschaftsministerin getraut, den Hochschulen Vorgaben zur Rechtschreibung zu machen. Diese würden es sich unter Verweis auf die Freiheit von Forschung und Lehre vermutlich auch verbitten. Und bei dem durch das amtliche Regelwerk zur deutschen Rechtschreibung nicht abgedeckten Genderstern wäre diese Frage sogar ein handfestes Politikum.

Alle anderen Menschen können so schreiben, wie sie es wollen oder wie es ihnen im beruflichen Kontext von einer Organisation, in der sie tätig sind, vorgegeben wird (zum Beispiel von einer Zeitungsredaktion). Trotzdem orientieren sich sehr viele am Duden und halten diesen für maßgeblich. Ist er es denn nicht? Er war es, bis zum Beginn der Rechtschreibreform 1996. Seitdem handelt es sich beim Duden um ein „normales“ Rechtschreibwörterbuch eines privaten Verlags, der noch immer sehr von seiner quasi amtlichen Bedeutung zehrt, die er in den Jahrzehnten vor der Reform auch tatsächlich hatte.

Für das Deutsche gibt es kein “amtliches” Wörterbuch, keine “amtliche” Grammatik

Andere Bereiche der deutschen Sprache sind nicht normiert. Es gibt kein „amtliches“ Wörterbuch und keine „amtliche“ Grammatik, in denen das „offizielle“ Deutsch beschrieben wird. Wörterbücher und Grammatiken, die heute auf dem Buchmarkt und online zu finden sind, orientieren sich am Gebrauch, ohne diesen mit dessen Beschreibung auch festlegen zu wollen. Besonders anerkannte Werke werden von der Öffentlichkeit allerdings auch als normsetzend empfunden, ohne dass diese so angelegt sind. 

Nur im fachsprachlichen Bereich sieht es etwas anders aus. Technische Terminologie wird oft offiziell normiert, wofür es den DIN e.V. gibt. Auch wissenschaftliche Verbände und Vereinigungen sorgen dafür, dass bestimmte Wörter oder auch ganze Formulierungen in der fachsprachlichen Verwendung in ihrer Bedeutung eindeutig bestimmt sind. Bei der Formulierung von Gesetzen und Verordnungen orientiert man sich am „Handbuch der Rechtsförmlichkeit“, das vom Bundesjustizministerium herausgegeben wird. 

Auch wenn es um den Status der deutsche Sprache als Ganzes geht, ist zumindest in Deutschland recht wenig geregelt. Im Grundgesetz kommt das Wort „Sprache“ überhaupt nur an einer einzigen Stelle vor: In Artikel 3 wird im dritten Absatz festgelegt, dass niemand benachteiligt oder bevorzugt werden darf, auch nicht „wegen seiner Sprache“. Dass das Deutsche in Deutschland Amtssprache ist, ist jedoch in verschiedenen Bundes- und Landesgesetzen festgelegt, etwa im Gerichtsverfassungsgesetz oder in den Verwaltungsverfahrensgesetzen von Bund und Ländern.

Grauzonen

Besonders aber wirken sich Satzungen, Verordnungen, Leitfäden und Regelungen aller Art, die in staatlichen Einrichtungen und Organisationen erstellt werden, auf den Sprachgebrauch aus, und dieser Bereich ist es, der gerade im Zusammenhang mit der Kontroverse um gendergerechte Sprache so kritisch betrachtet wird. In der Tat gibt es keine eindeutige Rechtsauffassung dazu, ob und wie weitgehend etwa eine Universität für das wissenschaftliche Personal oder eine Stadtverwaltung für ihre Belegschaft verbindliche Regelungen zum Gendern erlassen darf. Solange diese Fragen aber rechtlich nicht klar beantwortet sind, spielen hier reale Machtverhältnisse eine entscheidende Rolle.

Auch im privatwirtschaftlichen Bereich wird zuweilen gefragt, ob Regelungen zur Sprachverwendung in einem Unternehmen nicht zu weitgehend in die Persönlichkeitsrechte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingreifen, wenn sie etwa Vorgaben zum Gendern enthalten. Hier würde ich mir ebenfalls in den nächsten Jahren das eine oder andere Grundsatzurteil erhoffen, um aus dem Kreislauf der ewig gleichen Diskussionen, die dazu geführt werden, endlich herauszukommen.

Das Beispiel des Dudens zeigt aber auch, dass es bei der Frage nach der Einflussnahme auf die Sprache keineswegs nur um die offizielle Seite gehen darf. Der private Dudenverlag hatte und hat in Deutschland ganz unstrittig einen enormen Einfluss auf die Sprache. In vergleichbarer Weise gilt das auch für andere Medien: Die Art und Weise, wie das Deutsche in der Tagesschau gesprochen wird, bildet nicht nur die Standardsprache ab, sondern prägt sie zugleich mit. Redaktionelle Entscheidungen zur sprachlichen Gestaltung der Berichterstattung haben also einen Einfluss auf die Entwicklung der deutschen Sprache. Das Deutsch, das in Tageszeitungen und auf Nachrichtenportalen verwendet wird, selbst die Sprache der Werbung und die Sprachverwendung weiterer reichweitenstarker Medienanbieter dürfte heute die wahre Triebkraft der Sprachentwicklung sein, auch wenn damit meistens kein bestimmtes sprachpolitisches Interesse verbunden ist.


Wer entscheidet nun also über Sprache? In bestimmten Bereichen sind es Regierungen, Verwaltungen und Unternehmen, die Regelungen zum Sprachgebrauch in ihrem jeweiligen Einflussbereich erlassen. Die grundlegenden Eigenschaften des Deutschen – vor allem Aussprache, Wortschatz und Grammatik – sind nirgends verbindlich geregelt, allenfalls in ihrem gegenwärtigen Zustand beschrieben. Hier ist die Sprache ein Abbild der Gesellschaft, in der sie sich wie diese selbst entwickelt.  

Beitragsbild: Pixabay

Veröffentlicht von

www.lobin.de

Henning Lobin ist seit 2018 Direktor des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache in Mannheim (Mitglied der gemeinsam vom Bund und allen 16 Bundesländern finanzierten Leibniz-Gemeinschaft) und Professor für Germanistische Linguistik an der dortigen Universität. Zuvor war er ab 1999 Professor für Angewandte Sprachwissenschaft und Computerlinguistik an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Seine Forschungsschwerpunkte bilden die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Sprache, Texttechnologie, Grammatik, Wissenschaftskommunikation und Politolinguistik. Er ist Sprecher der Sektion "Geisteswissenschaften und Bildungsforschung" und Präsidiumsmitglied der Leibniz-Gemeinschaft, Mitglied germanistischer Fachbeiräte von DAAD und Goethe-Institut und des Forschungsbeirats der Stiftung Wissenschaft und Politik. Lobin ist Autor von neun Monografien und hat zahlreiche Sammelbände herausgegeben. Zuletzt erschienen sind Engelbarts Traum (Campus, 2014, polnische Übersetzung 2017, chinesische Übersetzung 2018), Digital und vernetzt. Das neue Bild der Sprache (Metzler, 2018) und Sprachkampf (Duden, 2021). Bei den SciLogs ist Henning Lobin seit 2014 Autor des Blogs "Die Engelbart-Galaxis", nachdem er dort bereits ab 2008 am Gruppenblog "Interactive Science" beteiligt war.

46 Kommentare

  1. Der Deutschlehrer muss jeden Tag entscheiden, ist das noch Deutsch oder nicht, ist diese Schreibweise erlaubt oder nicht. Ganz konkret, die Unart der Deutschen, fremde Städte einzudeutschen. Und das auch noch in Landkarten. Machen die Franzosen allerdings auch. Da stand auf dem Straßenschild “Aix la chapelle” mit etwas Phantasie habe ich daraus geschlossen, dass damit Aachen gemeint ist.
    Bei Milano immer noch Mailand zu verwenden, das sollte man ändern.

    Über die Rechtschreibreform zu lästern, das lasse ich jetzt mal bleiben. Gut ist, dass mehrere Schreibmöglichkeiten erlaubt bleiben, die beste wird sich durchsetzen.

    tipp: Unterschätzt die Jugendsprache nicht.
    Beispiel: “Gehn wir Aldi”. Es geht auch ohne Präposition.

    • Was ist das Problem mit deutschen Städtenamen? Es sind meist Städte die mal in deutschem Herrschaftsbereich lagen. Schwieriger finde ich die Inkonsequenz dabei, entweder immer den Deutschen Namen verwenden wie Breslau, Stettin, Mailand, Florenz, Danzig, Posen, Brüssel, Lüttich, Straßburg u.s.w. oder eben die Landessprache. Aber Städtenamen sind in vielen Sprachen “angepasst”, auch die Engländer sagen nicht München oder Köln.

    • “Ganz konkret, die Unart der Deutschen, fremde Städte einzudeutschen.”

      Das ist bei großen bzw. berühmten Städten international üblich.

      München: Mnichov, Munich, Monaco
      Köln: Keulen, Cologne, Kolín nad Rýnem, Colonia
      Aachen: Aix-la-Chapelle, Aken, Cáchy

      Bei östlichen Nachbarn stößt das bisweilen auf, weil es sehr viele deutsche Namen gibt, weil dort einst Deutsche lebten. Ich habe trotzdem keine Lust zu sagen, dass Wallenstein in Cheb ermordet wurde.

  2. Rechtschreibung, Stil und Inhalt sind drei Dimensionen der Sprache, die geregelt werden können. Die relevanteste ist wohl die semantische Ebene während formale Aspekte die wenigsten wirklich kümmern.

    Rechtschreibung kann man ruhig einer Normierungsbehörde oder einem Gremium von Experten überlassen. Die Schreibung entspringt letztlich Konventionen und Abweichungen entspringen entweder Unwissen, Schludrigkeit oder dem Willen aufzufallen.

    Der Stil dagegen vermittelt eine (geistige) Atmosphäre, er ordnet das jeweilige Elaborat in einen Erlebnis- und Reflexionsraum ein und kennzeichnet das Arbeitsumfeld. Beispiele dafür sind Behörden- und Juristensprache bei denen sich die Schreibenden typischerweise durch bestimmte Formulierungen absichern wollen. Der Jurist weiss darum, dass die Leser seiner Sätze nur so nach Interpretationsspielraum suchen, weshalb er diesen Spielraum durch Formulierungen, Nebensätze und Verweise einengen will. Aber auch die meisten Zeitungen und Zeitschriften haben ihren eigenen Hausstil. Bekannt ist etwa der Spiegel-Stil, der von Hans Magnus Enzensberger folgendermassen beschrieben wurde:(Zitat)

    Die Koketterie mit der eigenen Gewitztheit, die rasch applizierte Terminologie, die eingestreuten Modewörter, der Slang der Saison, die hurtige Appretur aus rhetorischen Beifügungen, dazu eine kleine Zahl syntaktischer Gags, die sich meist von angelsächsischen Mustern herschreiben: das sind einige der auffälligsten Spezialitäten der SPIEGEL-Sprache.

    Dieser Stil, diese Atmosphäre, die mit dem Spiegel-Stil vermittelt wird, lässt sich erklären mit der Art wie der Spiegel an seine Leser herantreten will, nämlich gemäss SPIEGEL-Statut: “Die Form, in der der SPIEGEL seinen Nachrichtengehalt an den Leser heranträgt, ist die Story.”

    Mit dem Stil sind wir schon näher an der semantischen Ebene, also im Bereich dessen, was wirklich haften bleibt, was eine Weltsicht vermittelt. Definitiv im semantischen Bereich sind wir aber angelangt, wenn bestimmte Formulierungen, Worte, Anspielungen und Assoziationen verboten werden oder umgekehrt wenn bestimmte Sichten erwartet und gar vorgeschrieben werden. In diesen Bereich gehört für mich die Gendersprache. Hinter der Gendersprache steckt ja die Beobachtung/Vermutung/Behauptung die deutsche Sprache sei sexistisch, sie bevorzuge das männliche Geschlecht. In der allerletzten Wendung und Steigerung, die sich durch die Diskussion um das dritte Geschlecht ergibt, kann dann der deutschen Sprache gar vorgeworfen werden, sie kenne nur weiblich und männlich und mache alles andere zu Sachen. Aus diesen Betrachtungen heraus entsteht dann das Bedürfnis, die deutsche Sprache zu flicken, das Bedürfnis, sie gendergerecht zu machen indem neue Sprachelemente eingeführt werden. Die gibt es nun, man kann sie überall in diversen Varianten lesen. Nur sprechen lassen sie sich nicht besonders gut. Selber bin ich nicht besonders davon überzeugt, dass sich die deutsche Sprache flicken lässt. Wer gendergerecht formulieren will, sollte vielleicht eher auf die deutsche und die lateinischen Sprachen verzichten. Es gibt schliesslich Sprachen ohne dieses Problem.

    • Martin Holzherr schrieb (13.12.2021, 10:32 Uhr):
      > Rechtschreibung, Stil und Inhalt sind drei Dimensionen der Sprache, die geregelt werden können.

      Auch der Umfang sprachlicher Äußerung, pro regelbarem Medium, kann geregelt (i.A. eingeschränkt) sein.

      > [F]ormale Aspekte […] kümmern […] die wenigsten wirklich[.]

      Jedenfalls lassen sich formale Aspekte (Schrift-)sprachlichen Ausdrucks u.a. danach unterscheiden und (halb-)ordnen, wie sehr sie das jeweils lesende Individuum bekümmern würden;
      was jedoch mit ungleichen individuellen (Halb-)Ordnungen verbunden sein kann.

      (Ich bin z.B. insbesondere für Schriftsätze dankbar, in denen verschiedene Instanzen des selben Buchstabens weitgehend mit dem selben Font-Symbol dargestellt sind. Ähnliche Vorlieben habe ich auch hinsichtlich der formal-klanglichen Konsistenz von Laut-sprachliche Äußerungen …)

      Deshalb sollten sich (auch) die formale Aspekte jeder Wiedergabe Schrift-sprachlichen Ausdrucks durch [[User:Option]]en jeweils so individualisieren lassen, dass sie alle Lesenden (einschl. jener, die beim Schreiben mit- oder nachlesen) einzeln (wahlweise) am wenigsten (be)kümmert.

      > Rechtschreibung kann man ruhig einer Normierungsbehörde oder einem Gremium von Experten überlassen. Die Schreibung entspringt letztlich Konventionen und Abweichungen entspringen entweder Unwissen, Schludrigkeit oder dem Willen aufzufallen.

      Das lässt sich auch auf Gremien beziehen, die sich das Ungetüm “mithilfe” aus den Fingern gesogen haben, und die womöglich nur darauf warten, auch “unternutzung”, “imsinne”, “durchvermeidung” und Ähnliches … zu konventionalisieren.

      • Frank Wappler schrieb (13.12.2021, 14:25 Uhr):
        > […] Deshalb sollten sich (auch) die

        Korrektur (unter demütiger Inkaufnahme des Eingestehens vormals begangener, vermittels Nachlesens gefundener Fehler):

        … formalen Aspekte jeder Wiedergabe Schrift-sprachlichen Ausdrucks durch [[User:Option]]en jeweils so individualisieren lassen, dass sie alle Lesenden (einschl. jener, die beim Schreiben mit- oder nachlesen) (wahlweise) am wenigsten (be)kümmern.

    • Frank Wappler schrieb (13.12.2021, 14:25 Uhr):
      > [… »Abweichungen entspringen entweder Unwissen, Schludrigkeit oder dem Willen aufzufallen.« …]

      > Das lässt sich auch auf Gremien beziehen, die sich

      Nachtrag “der” URL:

      das Ungetüm “mithilfe” aus den Fingern gesogen haben, und …

    • Howdy, “Herr Holzherr” (die doppelten Anführungszeichen nur deswegen, weil Sie nicht so heißen und ein als solche unerkennbares Pseudonym verwenden, nichts für ungut!), hierzu kurz :

      Mit dem Stil sind wir schon näher an der semantischen Ebene, also im Bereich dessen, was wirklich haften bleibt, was eine Weltsicht vermittelt. Definitiv im semantischen Bereich sind wir aber angelangt, wenn bestimmte Formulierungen, Worte, Anspielungen und Assoziationen verboten werden oder umgekehrt wenn bestimmte Sichten erwartet und gar vorgeschrieben werden. In diesen Bereich gehört für mich die Gendersprache. [Ihre Nachricht]

      Es gibt Formalität der Sprache, Stil der Sprache, dann gesellschaftliche Wirkung meinend, Dr. Webbaer hat bspw. einen gewissen eigenen Stil, und Inhalt (“Semantik”).

      Es ist idT so, dass Neulinke an die Formalität der Sprache, den den Stil der Sprache und an den Inhalt “ranwollen”.

      Was aus diesseitiger Sicht sehr unschön ist, denn die Formalität muss schon jedem Einzelnen überlassen bleiben, der “Duden” ist hier nur Ratgeber, der Schreiber dieser Zeilen könnte es formal sozusagen unendlich versauen, und zwar ohne dass dadurch Inhalt verloren geht, bei der Rezipienz unverstanden bliebe, er hat auch einen – zugegebenermaßen – fkn schlechten Stil.

      Doch im neulinken Sinne an die Semantik heranzugehen, wir erinnern uns, die sog. Gender Studies folgen Judith Butler (Dr. W hat dort stets gerne gelesen und jeweils (neu) Scharlatanerie festgestellt, im Philosophischen), die wiederum Simone de Beauvoir mit dieser Setzung ‘Man wird nicht als Frau geboren, man wird dazu gemacht.’ folgen, die antibiologisch ist und sich dem Wesen der Naturwissenschaft direkt entgegen stellt, ist etwas ganz Besonderes.

      Derartige Esoterik (das, was nur Eingeweihten, die bestimmten Setzungen folgen einleuchtet) kann nicht allgemein, “semantisch” anleitend sein; Dr. Webbaer stellt in diesem antiwissenschaftlichen Versuch insofern gerne eine Art Wahnsystem (Kollektivpsychose?) fest, das sich – LOL – zumindest bundesdeutsch und die Sprachlichkeit meinend durchzusetzen scheint.

      KA, wie Herr Lobin dazu steht, er laviert hier wohl a bisserl.

      Mit freundlichen Grüßen
      Dr. Webbaer

  3. danke. informativ und klar. Man hätte allerdings zwei Dinge durchaus erwähnen können: 1. dass andere Länder wie zb Frankreich sehr wohl amtliche Regelungen dazu haben und 2. dass bundesweite Regeln zu einer einheitlichen Sprachausübung sinnvoll sind wenn man verständlich sein will. letzteres ist natürlich selbstverständlich, fast schon banal.

    • Vielen Dank! Zu 1: Das ist in der Tat so, und ich wollte das keineswegs unterschlagen. Weil die deutsche Standardsprache sich auch ohne eine staatliche Einheit “von selbst” (natürlich waren es Menschen, aber tatsächlich keine Institutionen) geformt hat, wurde nach der Reichsgründung 1871 kein Bedarf gesehen, eine gesamtdeutsche Sprachakademie o.Ä. zu gründen. Das wirkt bis heute nach.

  4. @ Henning Lobin

    Alle anderen Menschen können so schreiben, wie sie es wollen oder wie es ihnen im beruflichen Kontext von einer Organisation, in der sie tätig sind, vorgegeben wird (zum Beispiel von einer Zeitungsredaktion).

    Das ist nicht ganz richtig. Unternehmen und Vereine müssen Texte in bestimmten Bereichen gemäß den Vorgaben des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) formulieren, da sie sonst ggf. schadenersatz- bzw. entschädigungspflichtig werden. Das Paradebeispiel sind Stellenanzeigen.

    Ein gefährlicher Ansatz, da hier Sprache staatlich vorgegeben wird.

    • Sie haben recht: Es gibt verschiedene Gesetze, die sich auf den individuellen Sprachgebrauch auswirken. Neben dem von Ihnen erwähnten AGG könnte man dazu auch die Regelungen aus dem Strafgesetzbuch zählen: Beleidigung, üble Nachrede, Verleumdung, Verunglimpfung Verstorbener, Verhetzende Beleidigung. Grundsatzurteile, was zu diesen Straftagbeständen zu zählen ist, kann man als gerichtliche Regelung des Sprachgebrauchs ansehen.

  5. Martin Holzherr,
    in der öffentlichen Verwaltung ist die Gendersprache verpflichtend, unzählige Formulare mussten der gendergerechten Schreibung angepasst werden.
    Was nicht angesprochen wurde, das sind die Schimpfworte die im öffentlich rechtlichen Rundfunk und Fernsehen gebraucht werden und die Fäkalsprache und die Gossensprache, die sich immer mehr breit macht.
    Da könnten wir uns an den Franzosen ein Beispiel nehmen und stattdessen weniger an den Engländern orientieren.

    • @hwied (Zitat): „ in der öffentlichen Verwaltung ist die Gendersprache verpflichtend, unzählige Formulare mussten der gendergerechten Schreibung angepasst werden.“
      Ja und wenn etwas für ein breiteres Publikum bestimmt ist, dann muss es oft auch in mehreren Sprachen vorliegen. Doch wozu der Aufwand, wenn es doch heute automatische Übersetzer gibt. Vorschlag: die Behörden publizieren primär nur noch Englisch und lassen den Text anschliessen von google translate oder einem professionelleren Äquivalent übersetzen.
      Beispiel eines Originals:

      The Bundestag and Bundesrat have decided to expand the Infection Protection Act. This means that medical staff (nurses and doctors) must now be vaccinated against the coronavirus.

      übersetzt von google translate:

      Bundestag und Bundesrat haben beschlossen, das Infektionsschutzgesetz zu erweitern. Das bedeutet, dass medizinisches Personal (Krankenschwestern und Ärzte) ab sofort gegen das Coronavirus geimpft werden muss.

      Dumm nur, dass google translate nurses mit Krankenschwestern übersetzt, wo doch „nurses“ sowohl Krankenpfleger als auch Krankenschwestern umfasst. Nun, die Behörden müssten wohl an ein behördlich erlaubtes Übersetzungsprogramm die Anforderung stellen, dass es nurses mit Pfleger*innen übersetzt.
      Dasselbe wohl für doctors, welches von Neu-google-translate mit Ärzt*innen übersetzt werden müsste.

  6. Martin Holzherr,
    Wenn wir das Übersetzen der KI überlassen, dann bekommen wir Gebrauchsanleitungen à la China. Haben Sie schon mal eine derartige Gebrauchsanleitung gelesen.

    In großen Konzernen gibt es eigens Übersetzerinnen für fremde Sprachen.
    Wenn die nicht verstehen worüber sie schreiben, dann wird es lustig.

    Leider habe ich gerade kein Beispiel parat.
    Mittlerweile bevorzuge ich die Original Gebrauchsanleitungen in Englisch. Zum Verständnis technisch-physikalischer Zusammenhänge ist Englisch gut geeignet, besser als Deutsch.

    • @hwied (Zitat): Wenn wir das Übersetzen der KI überlassen, dann bekommen wir Gebrauchsanleitungen à la China.
      Die automatischen Übersetzer werden immer besser. Irgendwann wird man das Übersetzen schon aus prinzipiellen Gründen nicht mehr Menschen überlassen. Warum? Weil es unter Menschen sehr viele Querdenker und andersweitige Individualisten gibt die dann das übersetzen, was ihnen selber am besten passt. Maschinen sind da neutraler und mit den heutigen Trainingsverfahren in der künstlichen Intelligenz lernen Maschinen so zu übersetzen wie es statistisch gesehen richtig ist, das heisst so wie es ein grosses Kollektiv von professionellen Dolmetschern im Mittel übersetzen würde. Vorausgesetzt natürlich man verwendet als Trainingsmaterial professionelle Übersetzungen.

      • Martin Holzherr schrieb (13.12.2021, 14:14 Uhr):
        > […] so zu übersetzen wie es statistisch gesehen richtig ist, das heisst so wie es ein grosses Kollektiv von professionellen Dolmetschern im Mittel übersetzen würde. Vorausgesetzt natürlich man verwendet als Trainingsmaterial professionelle Übersetzungen.

        Bullshivism! Sheer bullshivism!

        Lies: Unter besonderer Berücksichtigung der Fähigkeit (Unart?) professionell Dolmetschender, gewisse besonders originelle Sprachbilder in bester Absicht unübersetzt zu lassen.

        • Ja, google translate ist da schon besser geworden: Es verzichtet neuerdings an vielen Stellen bereits bewusst auf Übersetzung.

          So wird Bundestag und Bundesrat haben beschlossen, das Infektionsschutzgesetz zu erweitern. übersetzt zu: The Bundestag and Bundesrat have decided to expand the Infection Protection Act.
          Frühere Versionen von google translate hätten die Wörter Bundestag und Bundesrat übersetzt, die neueste Version macht das nicht mehr.

          Richtiges Übersetzen unter allen denkbaren Umständen setzt überhaupt ein grosses Wissen voraus. Und oft auch ein Wissen um das, was man nicht weiss.

          Klar, google translate ist in seinen Leistungen noch meilenweit von einem professionellen Übersetzer entfernt. Meilenweit kann aber in der heutigen Zeit bedeuten, dass es noch 5 Jahre bis zur Meisterübersetzung dauert.

  7. Wie kommt es eigentlich, das eine kleine aber laute Minderheit die “genergrechte” Sprache gegen den Willen der großen Mehrheit durchsetzen kann?
    In anderen Bereichen wie z.B. den Protesten gegen die Corona-Politik spricht man ja auch immer von einer kleinen aber lauten Minderheit.
    Wie kommt es nun, das man der einen kleinen Minderheit jeden Wunsch von den Lippen abliest aber die andere kleine Minderheit mit aller staatlicher Gewalt unterdrückt und in die Nähe von Extremisten und Terroristen rückt?

    • @Peter Müller zu warum ein Laisser Faire für gendergerechte Sprache
      Hier geht es um den Konflikt von zwei ganz unterschiedlichen Bereichen, nämlich 1. Die Idee der Geschlechtergerechtigkeit (ein Menschenrecht) 2. Die inneren Gesetze einer Sprache (hier Deutsch).
      Und das passiert: 1. gewinnt über 2.
      Und warum? Weil die meisten Ideen wichtiger finden als das Medium (die Sprache).
      Konsequenz: selbst Schriftstellerinnen äussern sich nicht negativ über gendergerechte Sprache, doch kaum eine verwendet sie selbst in ihren Büchern, denn sie will ja nicht ihr eigenes Werk ruinieren.

  8. Martin Holzherr,
    Übersetzungen……..
    Es bestehen riesige Unterschiede bei den Anforderungen.
    Wie soll denn eine künstliche Intelligenz ein Gedicht in einer anderen Sprache wiedergeben. Bei einem Gedicht kommt zum Inhalt auch die Stimmung.
    Wenn eine KI das schafft, dann verdient sie das Wort “intelligent”.
    Wie soll eine KI ein philosophisches Werk wiedergeben, wenn nur ein Begriff falsch gebraucht wird und die gesamte Aussage auf den Kopf stellt.
    Bei Bauanleitungen mit Bildern, da sind die KIs schon gut.
    Bei Romanen, die nachträglich von Menschen überarbeitet werden, das geht.

    • @hwied (Zitat): Wenn eine KI das schafft [ein Gedicht übersetzen], dann verdient sie das Wort “intelligent”.
      Nicht unbedingt. Die heutige KI kompensiert ihre mangelnde Intelligenz damit, dass sie Unmengen an Daten verschluckt und verdaut. Im Falle des Gedichts würde eine erfolgreich übersetzende KI in ihrem Fundus nach ähnlichen Gedichten und schon vorhandenen Übersetzungen suchen und dann quasi „interpolieren“ und raten, was am besten passt. Zudem: Ein allgemeiner Übersetzer wie google translate wäre wohl nicht in der Lage ein Gedicht zu übersetzen. Es bräuchte ein speziell für diese Aufgabe trainiertes Programm.

  9. Sprache und das Geschriebene ist erst einmal ein Hilfsmittel, so etwas wie die menschliche Gesellschaft überhaupt entstehen und existieren zu lassen, auch die geistige Durchdringung von Sachverhalten jedweder Art zu ermöglichen.
    Wie es in ganz frühen Zeiten der menschlichen Gesellschaft war, weiß ich nicht, aber ein Oberaffe braucht keine Sprache, um seine “bessere” Position zu erlangen bzw zu behalten – er setzt auf das Vorzeigen der Körperkraft und im Ernstfall auf den Einsatz derselben. In früheren Zeiten war es auch völlig klar, dass der Herrscher gegenüber dem Bauern herausgehoben war, was man durch Erzwingen der Einhaltung von Vorschriften festigte und durch Äußerlichkeiten ( Krone, Purpur ) zur Schau trug.
    Die Vorstellung, dass alle Menschen “gleich” ( vor Gott, vor dem Gesetz, in der Gesellschaft ) seien, ist relativ neu und damit ungewohnt. So unterscheiden sich die Menschen äußerlich durch das Aussehen ( jung, alt, klein, groß, dünn, dick, muskulös, schwach ) und Hautfarbe und innerlich-äußerlich durch die Gene ( XX oder XY ) und dem, was wir “IQ” nennen. Dazu setzen wir weitere Schranken, es kann nicht jeder jeden beliebigen Beruf ausüben, man braucht dazu einen Nachweis der Befähigung dazu, auch einen Führerschein für Fahrzeuge aller Art, einen Nachweis der Befähigung, ein Flugzeug fliegen zu dürfen und einen Waffenschein kriegt ( bei uns ) noch lange nicht jeder und was dergleichen mehr ist.
    Damit beginnt das intellektuelle Dilemma, wir sind alle “gleich” und sind es doch nicht. Schon bei Kindern kann man beobachten, wie in der Verzweiflung, ein für sich positives Unterscheidungsmerkmal gegenüber einem “Konkurrenten” zu finden, die abstrusesten Merkmale zur Unterscheidung herangezogen werden. Warum sollte das bei adulten Menschen denn prinzipiell anders sein, wenn gefühlt die Existenz und das Selbstwertgefühl auf dem Spiel stehen?
    Dazu kommt unser Affenerbe, wir neigen dazu, uns in “gleichartigen” ( was auch immer das sei ) Gruppen zu organisieren … und natürlich sind “wir” gefühlt immer irgendwie besser als die anderen.
    Ich nehme an, dass uns auf Grund der Genetik und der unterschiedlichen Aufgaben ( in der frühen Menschheit ) gewisse kleine unterschiedliche Präferenzen “in die Wiege” gelegt werden, aber schon bei Affen kann man sehen, wie Männchen ( sie können natürlich nicht gebären und säugen ) verwaiste ( entwöhnte ) Jungtiere adoptieren und diese groß ziehen, enbenso beteiligen sich Affenweibchen an der Jagd auf Frischfleisch ( was sich in dem Fall aber selten nachhaltig wehren kann ), aber ich denke, dass es eines gewissen Teilschwachsinns bedarf ( dass ein gewisser Teilschwachsinn hilfreich ist ), sich trotz/mit knurrendem Magen auf ein Mammut, ein Bison oder einen Höhlenbären zu stürzen.
    Wie dem auch sei, in Zeiten der Servolenkung, des Automatikgetriebes und der Bremskraftverstärkung braucht man keinen Herkules, um einen A 380 zu fliegen.
    Da wir aber solche ( inneren ) Fähigkeiten nicht direkt erschließen können, sondern immer noch dem Vorurteil der Äußerlichkeit vertrauen und damit zu weit extrapolieren, haben wir ein Problem.
    Und um nun den Bogen zu heute und dem Thema kriegen:
    Wir versuchen über geschlechtsspezifische Ansprache, über pc-korrekte Sprechweise, über Gendern bis hin zum Verbiegen der Sprache jedem/jeder/jedem in seinem Anderssein:In gerecht zu werden, um damit ( vorgeblich? ) die Gleichheit zu erreichen.
    Es wäre vielleicht besser, wir setzten uns nochmal zusammen, definierten das Problem und mögliche Lösungen, als irgendwelche unterschiedliche Etiketten auf die Kisten zu kleben, in denen doch nur immer ein Mensch ist – oder ist es dann doch eine Mensch:In?
    Schrödinger lässt grüßen …

  10. Martin Holzherr,
    vor kurzer Zeit hat man die 10. unvollständige Sinfonie von Beethoven fertig gestellt. Ich habe einen Teil dieses “Machwerks” gehört, es ist eines Beethovens nicht würdig. Es ist so, als ob man kalten Kaffee wieder aufwärmt.

    Und das zeigt die Grenzen menschlicher Fähigkeiten auf, einen Beethoven kann man nicht kopieren es fehlt das “Künstlerische” es fehlt das Schöpferische, das es vorher nicht gab.

    Und noch krasser wird es bei der KI, die interpoliert, wie sie so treffend bemerkt haben.

    Karl Maier,
    Sprache war früher aufgeteilt , der Adel sprach sogar französisch, weil ihm deutsch zu vulgär erschien. Der Pöbel sprach deutsch aber leider wurde das nicht aufgeschrieben.
    Goethe und Schiller, die wurden der Sprache der Straße gerecht und gleichzeitig setzten sie Maßstäbe für das Bildungsbürgertum.
    Meine Meinung zum Gendern, ein Pseudohype, der in 50 Jahren in Vergessenheit geraten sein wird.

    • hwied
      13.12.2021, 20:35 Uhr

      Heute bauen die sich für besser haltenden Menschen denglische Sprachbrocken in ihr Gesülze ein, Martin Luther hat seinerzeit “dem Volk aufs Maul geschaut”, weil es zu seiner Zeit für die “besseren” Menschen üblich war, auf Latein zu parlieren. Ich meine gelesen zu haben, dass es bei vornehmen ollen Römern Sitte war, mit der Kenntnis über Griechenland zu prahlen.

      Ich kann nun aber nicht erschließen, was das mit der heutigen Sitte, pc-gerecht auf deutsch zu Gendern, zu tun hätte.

  11. Unlösbare Widersprüche halten die Welt am Laufen, und auch die Sprache existiert im Spannungsfeld zwischen zwei Polen: Auf der einen Seite die Puristen, die auf dem Grabstein hocken, mit Argusaugen in das Grab starren, in das sie die Sprache gestoßen haben und wie wild mit der Schaufel drauf prügeln, sobald sich darin was regt. Auf der anderen Seite die Clowns, die in ihr ein wunderbares Spielzeug sehen, das sie jeden Tag neu verknoten und remixen müssen, damit es nicht langweilig wird, oder sie zu einem Geheimcode für sich und ihre Kumpels verwursten – weil es da so viele Möglichkeiten gibt, nimmt dieser Pol die Form eines Rings um den Grabstein-Kern an. Wenn die Ersteren gewinnen, wird die Sprache einfach nur öde und die Menschen verlieren das Interesse an ihr. Wenn die Letzteren gewinnen, zerfällt sie in Dialekte, die sich untereinander nicht mehr verstehen. Doch, solange Kern und Ring im Gleichgewicht bleiben, kann sich jeder seine persönliche linguistische Umlaufbahn darin suchen.

    Genormte Sprache bewegt sich recht eng um den Grabstein herum – streng genommen, ist sie für uns alle eine Fremdsprache, kaum einer macht sich die Mühe, die Regeln auswendig zu lernen und konsequent anzuwenden. Doch bei Verständigungsschwierigkeiten stellt sie den Konsens bereit, der es allen ermöglicht, sich trotz aller Eigenarten erfolgreich zu bequatschen, zu belügen und zu übervorteilen. Im Grunde kann es wirklich eine Fremdsprache sein, in einem Vielvölkerreich macht es Sinn, sich eine gemeinsame Sprache auszusuchen, die alle mehr oder weniger lernen müssen, und im Alltag bei den Volkssprachen zu bleiben – die Beziehung ähnelt der zwischen Hochdeutsch und Dialekten. Wir können also vermuten, dass die linguistische Verwandtschaft keine so große Rolle spielen muss, wie wir ihr andichten. Ein Land kann Latein als gemeinsame Sprache haben und Chinesisch, Kisuaheli und Deutsch als Dialekte, oder Hochdeutsch als gemeinsame Sprache und Bayrisch, Platt, Sächsisch als Dialekte, ob sich die Bevölkerung als ein Volk empfindet oder als viele, hängt von anderen Umständen ab. Vor nicht allzu langer Zeit sprachen sehr viele Deutsche Slawisch, aber kaum einer ein Deutsch, das zwei Städte weiter noch verstanden würde. Erst als die Nation das Christentum als Staatsreligion ersetzte und alle zum Dschihad gegen alle dressiert wurden, mussten selbst die Kommas im Gleichschritt marschieren und irgendwelche Kommissionen machten sich daran, allen Muttersprachlern vorzulügen, dass sie ihre Muttersprache nicht beherrschten, weil sie den aktuellen Stand des Irrtums der linguistischen Wissenschaft nicht zwölf Semester lang studiert haben, sondern lediglich ihr Leben lang das erfolgreich praktiziert haben, worüber sich die linguistische Wissenschaft irrt. Da nach modernen Maßstäben alle Staaten Europas winzige Zwergstaaten sind, würde ich dringend empfehlen, zu einem weiter gefassten, zwangloseren, weniger analen Konzept von Nationalität oder Volkszugehörigkeit zu konvertieren.

    Sprache hat die verwirrende Eigenschaft, unsere Verwirrtheit zu reflektieren: Sie hat eine enorme Macht über uns und keine über alles andere, und weil wir außer uns selbst die Welt nicht sehen, gibt’s immer wieder Whorfsche Pannen – so sehr wir unsere gemeinsame Fantasiewelt auch umzuprogrammieren versuchen, die Realität programmiert eifrig mit. Geld ist eine Ressource, wie jede andere auch, und alle anderen Ressourcen sind Währungen – wenn ich kein Geld ausgebe, kann ich mir einbilden, keine Schulden zu machen, doch dann frisst die Inflation halt Straßen, Schulbildung, Krankenhäuser, ich verschulde mich auf andere Weise, und werde den Deckel auch begleichen müssen, ob mit Geld oder Lebensqualität oder Blut: In meiner Wahrnehmung wirtschafte ich super, während mich die Wirklichkeit genüsslich verspeist, alles, was Sprache geschafft hat, ist, mich für mein Versagen blind zu machen. An Wörter sind Welten gekoppelt, ganze Assoziationsnetzwerke voller Hyperlinks und Wikipedia-Artikel, und das falsche Wort zu verwenden, das doch irgendwie passt, irgendwie dem richtigen ähnelt, kann völlig neue Zusammenhänge sichtbar machen und ein völlig neues Verständnis der Dinge ermöglichen.

    Solche Assoziationen dürften auch mit ein Grund sein, warum mir Gendersprech sauer aufstößt – ich bin für Gleichberechtigung, doch die wirkt hier nur wie ein Vorwand, damit eine neopuritanische Religion namens politische Korrektheit an jedem Text ihr Beinchen heben und die Sprache als ihr Revier markieren kann. Ich bin ja auch für Nächstenliebe, ohne dass ich deswegen beim katholischen Kalifat in Polen den Brechreiz unterdrücken würde. Im Leben bekommen wir meist Autobahn und Adolf in selber Verkaufsverpackung. Wir kaufen wegen der Autobahn, dann ärgern wir uns, weil in jeder neuen Packung im Supermarkt weniger Autobahn und mehr Adolf drin ist. Ist ja auch logisch – wenn ich Verkäufer bin, verkaufe ich eine Autobahn, auf der ich bloß gleichberechtigt mit allen anderen fahren kann, nicht ganz so gern, wie einen Adolf, der ich ganz allein sein darf. Und wenn mir einer die Sprache mit ellenlangen Wörtern und auffällig ungelenken, ungewohnten, Aufmerksamkeit erregenden Albert-Speer-Monumentalbauten zubetoniert, habe ich den Eindruck, dem bin ich scheißegal. Für ihn sind alle Menschen nur ein Werbeplakat, eine Bühne, auf der er sich wichtig machen kann. Und ich will, dass Männlein, Weiblein und die ganze Regenbogen-Buchstabensuppe fair miteinander auskommen, nicht der nächsten Truppe bigotter relideologischer Fanatiker zur Macht verhelfen. Die sollen sich die Macht hübsch mit all den anderen bigotten relideologischen Fanatikern teilen müssen, solange sich ihre Machtgeilheit gegenseitig aufhebt, haben wir so etwas wie Freiheit.

    (In der Praxis muss man zwischen Religion und Ideologie selten unterscheiden, und mir ist kein besseres Wort eingefallen, das sie zusammenfasst.)

    Vielleicht ist das auf ihrer Seite nur Überschwang, zu viel Enthusiasmus, ein Free-at-last-Feeling, das sich mit naiver Begeisterung Bahn zu brechen sucht, alles über Nacht erreichen will – wohl bekommt’s. In dem Falle wäre es nur eine allzu aufdringliche Verkaufsmasche, ein Formfehler, den ich in den falschen Hals bekommen habe. Doch wann ist so eine Stimmung schon mal nicht von irgendwelchen größenwahnsinnigen Kontrollfreaks instrumentalisiert worden? Revolutionen fressen ihre Kinder, ein Running Gag der Weltgeschichte. Ich kann durchaus mit Unterdrückten sympathisieren und trotzdem erkennen, dass sie der gleichen Spezies angehören, die sie so lange so erfolgreich so brutal unterdrückt hat. Doch am Ende reden wir hier nur über heiße Luft – ich lasse mich zu dem Thema aus, weil ich nichts Sinnvolleres zu tun habe, ein Indiz, dass mein Dafürhalten es nicht wert ist, beachtet zu werden.

    Kurz gesagt, wie sie war, darf die Welt nicht werden, wie sie ist, darf sie nicht bleiben, deswegen suchen wir eine Autobahn in eine bessere Zukunft. Und je dringender wir eine brauchen, desto weniger Autobahn muss jeder Adolf in die Verpackung stecken, damit wir das Produkt kaufen. Dafür wird die Werbung auf der Verpackung immer greller, um die anderen Adolfs zu überschreien. Doch die Verpackung zählt nicht viel, wichtig ist der Inhalt.

  12. Paul Stefan
    die Angabe Eger bezieht sich auf eine geschichtliche Gegebenheit und dabei ist das korrekt.
    Bei Straßenkarten ist das nicht mehr korrekt, 76 Jahre nach Kriegsende sollte man die Kartenwerke angepasst haben.

    Karl Maier
    Entscheidend bleibt der Empfänger einer Nachricht. Ist das eine Frau, dann kann man sich die Mühe machen Berufsbezeichnungen in weiblicher Form zu benutzen.
    Bei Schreiben an Ämter nehme ich die Form : Sehr geehrte Sachbearbeiterin, sehr geehrter Sachbearbeiter,
    Wer es romantischer mag: Liebe Frau Maier, (damit ist der Tag für Frau Maier schon gerettet )

    ….

    • hwied
      14.12.2021, 08:51 Uhr

      Wir sollten zwischen Funktion und Person unterscheiden, wenn ich gesund werden will, erwarte ich von dem “Funktionär Arzt” eine Hilfe, unabhängig davon, ob der nun XX oder XY ist. Erwarte ich von einer Person etwas, so spreche ich sie individuell als “Herr” oder “Frau” an. Wir können zugegebenermaßen manchmal nur schwer zwischen Person und Funktion ( = Amt ) trennen – und manch ein Angesprochener will eine solche Trennung auch nicht, weil er aus der Funktion ( = Amt ) eine Autorität beansprucht, die ihm als Person so nie zuerkannt würde.
      Davon abgesehen gehen wir aus meiner Sicht viel zu selbstverständlich von “deutscher” Sprache aus, die mit den drei ( generischen ) Geschlechtern. In der türkischen ( habe ich gelesen ) gibt es nur eins und man kann daraus nicht auf eine absolute Gleichbehandlung von XX und XY schließen. Im Englischen gibt es “the”, im Französischen gibt es “le” und “la” und die Mehrzahl ist “les”, im Deutschen eben “der”, “die” und “das” und die Mehrzahl ist “die”.
      Wir ( deutsch Sprechende ) könnten uns auch für die Bezeichnung der Funktion an sich auf ein “das” einigen und wenn wir die Person-Funktion ansprechen wollen, eben auf “der” oder “die”, aber ohne zu gendern, zB “das Arzt” soll bitte kommen, “der Arzt” soll untersuchen und “die Arzt” soll behandeln.
      Wie gesagt, unabhängig vom Chromosomensatz sollten für die Gesellschaft Können und Fähigkeiten im Vordergrund stehen, die biologischen Unterschiede sollten nur da wichtig werden, wo sie wichtig sind.

    • “die Angabe Eger bezieht sich auf eine geschichtliche Gegebenheit und dabei ist das korrekt.
      Bei Straßenkarten ist das nicht mehr korrekt, 76 Jahre nach Kriegsende sollte man die Kartenwerke angepasst haben.”

      Es gibt noch ganz viel mehr Gedrucktes als Straßenkarten, Reiseführer z.B., wo sich historisches und aktuelles munter mischt.
      Ich arbeite übrigens als Übersetzer und habe ständig damit zu tun, weil ich Fachliteratur übersetze, wo ständig Orts- und Personennamen in historischen Kontexten vorkommen.

  13. Karl Maier,
    Zustimmung. Wenn ich gut gelaunt bin , fange ich auch mit Amtspersonen und auch Ärzten ein persönliches Gespräch an. Die meisten gehen darauf ein und wenn sie nach einem Witz auch noch lachen, dann ist das für alle Beteiligten gut.

    Franzosen legen Wert auf gepflegte Konversation und auf korrekte Anrede.
    Lesen Sie mal einen Roman in französisch, der Satzbau ist sehr korrekt und die Sprache ist blumig.

    Bei den Engländern ist das einfacher. Die sind direkt wie die Deutschen, sogar noch etwas kürzer.

    Bei den Südländern ist wieder alles viel persönlicher, die erzählen gleich Familiengeschichten. Großmutter, Mutter und die Kinder aus Brasilien sind mir einmal auf einer Fähre begegnet und wir haben uns unterhalten in einer Mischung aus Französisch, Portugiesisch, Englisch. Der persönliche Kontakt ist wichtig.

  14. Wer entscheidet eigentlich darüber, wie wir sprechen und schreiben, was wir sagen dürfen und was nicht? [Artikeltext]

    Diese Frage ist eigentlich, ihrem Wesen nach, leicht zu beantworten :
    Niemand!

    Wenn, nur wenn zwischen der Sprache und dem Inhalt unterschieden wird, bestimmter Inhalt kann und muss strafbar sein, es kann auch in Liberaler Demokratie nicht erlaubt sein zur Gewalt aufzurufen und gar Todesdrohungen auszustoßen.
    (Begründung : Wenn Ihnen der Nachbar regelmäßig (eben sprachlich) mit Gewalt droht, in ihrer Nähe mit Waffen hin und her geht, se-ehr deutlich in seiner Absicht geworden ist, muss es Ihnen erlaubt sein präventiv Gewalt anzuwenden.
    Um derart abzubeugen, hat die Liberale Demokratie wie oben beschrieben gewisse Grenzen der individuellen Sprachlichkeit, den Inhalt meinend, zu setzen.)


    Wichtich (mittelniederdeutsch) also die Trennung von Sprache und Inhalt.
    Wie gesprochen werden darf, hat den Staat und auch andere nichts anzugehen, Dr. Webbaer könnte auch ganz dull mal so und mal so nur für einige ganz böse Wörter verwenden, wie bspw. “Neger” oder “Zigeuner”, niemand hat hier etwas hineinzureden, nichts anderweitig ableitend zu bestimmen.


    Interessant ist die Frage, wie Wörter negativ konnotiert werden können und wer die Herrschaft über an sich (erst einmal) unkonnotierte Wörter hat.
    Dr. Webbaer meint, dass hier (in Liberaler Demokratie) niemand sich anmaßen darf zu bestimmen welches Wort und welche Grammatik zu nutzen ist.

    Es bleibt insofern jeder selbst der Mann oder die Frau – andere zu konsultieren, ob die Wortwahl OK ist und ihnen dann zu folgen, bedeutet :
    persönliche Macht, bspw. an den “Duden” oder an den dort Nähe gefunden habenden Anatol Stefanowitsch abzugeben, persönliche Macht.
    So funktioniert Liberale Demokratie abär nicht.
    Wer Sprachempfehlungen (die der “Duden” mittlerweile undankenswerterweise bereit stellt) folgt, gibt persönliche Macht ab.

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Webbaer

  15. Hierzu kurz :

    Auch im privatwirtschaftlichen Bereich wird zuweilen gefragt, ob Regelungen zur Sprachverwendung in einem Unternehmen nicht zu weitgehend in die Persönlichkeitsrechte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingreifen, wenn sie etwa Vorgaben zum Gendern enthalten. Hier würde ich mir ebenfalls in den nächsten Jahren das eine oder andere Grundsatzurteil erhoffen, um aus dem Kreislauf der ewig gleichen Diskussionen, die dazu geführt werden, endlich herauszukommen. [Artikeltext]

    Der Arbeitgeber darf bestimmen, wie gesprochen werden muss (vs. soll), die Werktätigkeit meinend, bspw. könnte so auch angewiesen werden, dass auf persönliche Angriffe zu verzichten ist und dass der (unternehmenseigenen) Terminologie zu folgen ist, no problemo hier, aus liberaler Sicht und die Werktätigkeit meinend.

    Was halt nicht geht, ist, dass der Arbeitgeber sich anmaßt auch über den privaten sprachlichen Gebrauch des Arbeitnehmers zu verfügen und ihn bei unpassender privater Sprache entlässt.
    Hier dürfen gerne sog. Antidiskriminierungsparagraphen greifen, der Arbeitnehmer hat Weltanschauung seiner Angestellten zu tolerieren.

    Dies ist aktuell nicht so und Dr. Webbaer ist sich sicher, dass bundesdeutsch diese Richtlinie :

    -> https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_3.html

    … Dr. Webbaer hat dieses Gesetz einmal “Richtlinie” genannt, weil so in praxi nicht gefolgt wird und von den Mandatierten (den Gesetzgebern, den Parlamentarieren) anscheinend auch nicht so gewollt ist, punktuell angewendet wird, was se-ehr schlecht ist.

    Auch ausbaufähig, es ist vorstellbar, eigentlich sicher, dass über Arbeitgeber sprachliche Regelung auch privatim durchgesetzt wird.
    (Es darf an dieser Stelle auch mit der Kontrolle sog. Chatnachrichten verglichen werden, die privatim sind, die dennoch nicht selten zu sog. Disziplinarverfahren bei staatlich Bediensteten führen, wegen “falscher” Ausdrucksweise oder wegen “falscher” Meinung – privatwirtschaftlich wird oft auf diese Verfahren verzichtet und stante pede rausgeschmissen.)

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Webbaer

  16. Bonuskommentar hierzu :

    Das Deutsch, das in Tageszeitungen und auf Nachrichtenportalen verwendet wird, selbst die Sprache der Werbung und die Sprachverwendung weiterer reichweitenstarker Medienanbieter dürfte heute die wahre [Hervorhebung : Dr. Webbaer] Triebkraft der Sprachentwicklung sein, auch wenn damit meistens kein bestimmtes sprachpolitisches Interesse verbunden ist. [Artikeltext]

    Es ist schon so, dass sich Sprache auch fernab sog. Standardmedien entwickelt, es insofern eine Zusammenführung nicht entstehen muss, wenn abär doch so entsteht, medial so angeleitet, schon, ein kleines lol an dieser Stelle, schon politisches, ‘sprachpolitisches’ Interesse angeregt bis durchgesetzt sein könnte, politisches Interesse.

    Die Menge, die ja politisch oft wenig interessiert ist, lässt sich, jeder “Sozialingenieur” wird hier bestätigen können, aus diesseitiger Sicht : ca. 80-prozentig, wie aggregiert, wie aggraviert anleiten, sofern nur hinreichend oft wiederholt wird, diesbezüglicher Nachrichtenversand.

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Webbaer (der sich ebenfalls so agitieren lässt, wenn ihn besondere Sache nicht sehr interessiert)

  17. Martin Holzherr schrieb (13.12.2021, 17:13 Uhr):
    > Ja, google translate ist da schon besser geworden […]

    Schön: Eigennamen eher nicht zu übersetzen, ist an sich auch schon anerkenneswert …

    Mein Kommentar (13.12.2021, 15:19 Uhr) in Reaktion auf das Lob der schieren Menge (13.12.2021, 14:14 Uhr) war aber darauf gerichtet, dass dann der von engagierten Crowds wiedergekäute Blödsinn, das Kollektivversagen, der Bullshivism nicht weit ist; dass die Korrektur von Fehlern um so schwerer und träger wird.

    Zwei Beispiele (mit denen ich mich beinahe täglich herumschlage):

    (1)
    Koinzidenz sei »ein zeitliches und/oder räumliches Zusammenfallen von Ereignissen«.

    Nein; jedenfalls nicht, sofern es um den Ereignis-Begriff der Relativitätstheorie geht:

    Wenn Mehreres zeitlich und räumlich zusammentraf, dann ist das Betreffende insgesamt Bestandteil jeweils eines Ereignisses, eines Koinzidenz-Ereignisses, gewesen.
    (Z.B. die Anzeigen mehrerer verschiedener Beteiligter bei ihrem Zusammentreffen.)

    Und mit “»mehreren Ereignissen, die zwar räumlich, aber nicht zeitlich zusammenfallen«” wären vermutlich Ereignisse gemeint, die (paarweise) zeitartig voneinander getrennt sind; in Unterscheidung zu Koinzidenz.

    Und mit “»mehreren Ereignissen, die zwar zeitlich, aber nicht räumlich zusammenfallen«” wäre womöglich die hinreichend dauernde Koexistenz mehrerer voneinander getrennter Geschehens-Stränge, mit jeweils verschiedenen Beteiligten zu verstehen; in Unterscheidung zu Koinzidenz.

    (2)
    Die impropere Zuschreibung von Gangraten, die Verwechslung der Senderate eines Senders mit entsprechenden Empfangsraten von dessen Empfängern, und überhaupt die Verwechslung von Dauer mit Rate; etwa:

    »dass alle inneren Prozesse eines physikalischen Systems relativ zum Beobachter langsamer ablaufen, wenn sich dieses System relativ zum Beobachter bewegt [oder] in einem stärkeren Gravitationsfeld [gehalten wird].«

    Kompletter Bullshit!
    Richtig ist stattdessen, dass zum Vergleich der Raten verschiedener Geschehnisse (wie z.B. die Darstellung bestimmer Signalanzeigen durch einen Sender mit den Wahrnehmumg genau dieser Signale durch einen bestimmten Empfänger) auch die jeweilige Dauer der betreffenden Geschehnisse miteinander verglichen werden muss;
    und dass das Verhältnis bestimmter Dauern von Beteiligten, die insbesondere so gut wie immer voneinander getrennt sind, eng mit der Bestimmung ihrer gegenseitigen geometrischen bzw. kinematischen Beziehungen zusammenhängt.

    Wer entscheidet über Sprache? — Jeder einzelne Sprechende!

    • Frank Wappler schrieb (16.12.2021, 10:41 Uhr):
      > […] Richtig ist stattdessen, dass zum Vergleich der Raten verschiedener Geschehnisse […] auch die jeweilige Dauer der betreffenden Geschehnisse miteinander verglichen werden muss; […]

      Diese Formulierung möchte ich noch dahingehend verbessern:
      … dass der Vergleich der Raten verschiedener Geschehnisse insbesondere auf dem Vergleich der Dauern der betreffenden Geschehnisse beruht.

      Das schließt auch ganz konkret ein, dass, wenn Raten z.B. jeweils als eine bestimmte “Anzahl von Hertz” gegeben wären, so dass sich der Vergleich dieser Werte im bloßen Vergleich der jeweiligen Maßzahlen zu erschöpfen schiene, dennoch auch nachzuweisen (bzw. im Prinzip zu messen) ist, ob die in den betreffenden Versuchen jeweils als “1 Hz” bezeichneten (Nominal-)Frequenzen tatsächlich gleich waren, oder welches Verhältnis diese gegenüber einander hatten.

      > und dass das Verhältnis bestimmter Dauern von Beteiligten, die insbesondere so gut wie immer voneinander getrennt sind, eng mit der Bestimmung ihrer gegenseitigen geometrischen bzw. kinematischen Beziehungen zusammenhängt.

      p.s.
      Thematisches Memo nachgereicht.

    • Wenn Sie physikalisch kommen möchten, Herr Dr. Frank Wappler – die Physik stößt an ihre Grenzen, wenn der Geist gemeint ist -, ist womöglich nur dem “Shannon-Weaver-Modell” zu folgen, das in etwa meint, dass bei der Nachrichtenübertragung bestimmten (letztlich den Inhalt meinend : immer a bisserl vagen, aber zuvor ausgetauschten) Kodierungsvorschriften gefolgt wird, in der (a bisserl vagen) Hoffnung, dass der Sender Inhalt in etwa so kodiert hat, so dass dieser Inhalt näherungsweise vom Empfänger, der zu dekodieren und zu abstrahieren hat, verstanden werden kann oder, LOL, könnte, wie gemeint.

      Dies ist sozusagen das Grundproblem des ursisch-menschlichen Seins, A kodiert und B dekodiert, denkbarerweise, aber nie sicher, passend.

      Tonal ist es so, dass sich sozusagen humaner- wie auch ursischerseits angegrunzt [1] wird und aus dem Rauschen, das Rauschen sozusagen eliminierend zu suchen, Wort, Worte zu extrahieren sind, auf Empfängerseite.
      Ganz unlinguistisch sozusagen.
      Die Linguistik beginnt auf einer höheren Schicht, auf der Schicht des (verstandenen) Wortes.

      Im übertragenden Sinne ist es aber auch auf der Schicht des verstandenen Wortes nicht immer klar, ob der Sender passend, die bi- oder n-laterale Kommunikation meinend, passend kodiert hat, in der (immer : vagen) Hoffnung auf der anderen Seite, dann begrifflich und die Grammatik meinend, angemessen verstanden zu werden.

      Mit freundlichen Grüßen
      Dr. Webbaer

      [1]
      Menschen grunzen sich an, es erscheint nur sozusagen klare Sprachlichkeit im Gedanken, weil sozusagen extra-gefiltert wird.
      Schriftlich ist dies gar nicht so-o viel anders, auch da gibt es viele fkn Missverständnisse.
      Dr. W erinnert sich, wie er vor langer Zeit in Unternehmen der Wirtschaft sogenannte E-Mail eingeführt hat – und sich die Leutz danach, lol, die das Telefon oder den persönlichen Umgang gewöhnt waren, gegenseitig (zeitweise!) unwirsch gegen über standen.

  18. Frank Wappler,
    “wer entscheidet über Sprache, jeder einzelne Sprechende”
    Diese Aussage ist notwendig, aber nicht hinreichend.
    Der Sprechende ist sich der Zielgruppe bewusst und neben dem Anspruch über die Richtigkeit seiner Aussage bedenkt er auch, dass diese Aussage auch verstanden wird.
    Fazit: Für Sprache braucht man mindestens zwei Menschen. Und die müssen sich einig über die Bedeutung der Worte sein, sonst reden sie aneinander vorbei.
    Und Sprache allgemein braucht einen Konsens, sonst kann sie sich nicht fortsetzen.
    Die Sprache von Kleinkindern untereinander, die nur die Kinder verstehen, endet spätestens mit dem 3. Lebensjahr.

  19. Dr. Webbaer schrieb (17.12.2021, 22:53 Uhr):
    > Wenn Sie physikalisch kommen möchten […]

    Ja, möchte ich! — weil man sich ja zweifellos fachlich festlegen muss, wie man in SciLogs (zu Gastbeiträgen, oder gar noch höheren Weihen) kommen möchte, und ansonsten womöglich gar nicht nachdrücklich kundgetan wäre, dass man derart möchte. Also: danke der Nachfrage!

    > – die Physik stößt an ihre Grenzen, wenn der Geist gemeint ist – […]

    Das hat zwar einen Hauch davon, was (die Physiker-Ikone) Bohr wohl für profound truth gehalten hätte.

    Bescheidener aber handfester drängt (uns die Problematik), ob die (sprichwörtliche?) Bärenschläue an Grenzen kommt, wenn von Theorien die Rede ist:

    Wer (z.B. per 04.05.2020, 16:00 Uhr) behauptete, »dass Theorien jeweils einen begrenzten Geltungsbereich« hätten, und wer jeweils eine bestimmte Theorie in Betracht zieht,
    muss doch ganz im Sinne (der Physiker-Ikone) Einstein dazu eine Methode festsetzen, wie Versuch für Versuch entschieden werden sollte, ob der betreffende Versuch »im Geltungsbereich« der in Betracht gezogenen Theorie läge, oder nicht.

    Gehört der Befund »Dieser Versuch lag außerhalb des Geltungsbereiches der in Betracht stehenden Theorie.« zum Ergebnis-Spektrum der entsprechend festgesetzten Methode ?

    Und ist diese festgesetzte Methode Bestandteil der in Betracht stehenden Theorie ?

    • Howdy, Herr Dr. Frank Wappler und hierzu kurz :

      Bescheidener aber handfester drängt (uns die Problematik), ob die (sprichwörtliche?) Bärenschläue an Grenzen kommt, wenn von Theorien die Rede ist: […]

      Theorien sind Sichten, Sichten auf Daten, dann idR Aufgabenbereich der Natur- und manchmal auch der empirisch forschenden Geisteswissenschaftler (dann in einer anderen Schicht sozusagen, in der Schicht des (kollektiven) Geistes), oder Theorien auf Theorien sozusagen, dann Metatheorien, dann dem formalwissenschaftlichen und philosophischen Bereich zuzuordnen.

      Es geht, aus diesseitiger Sicht, insofern meist alles an den hier gemeinten Bildungsstätten einen geordneten Weg.

      (Abgesehen von der Esoterik natürlich, hier sind u.a. der sog. Kreationismus, besonderes kollektivistisches Bemühen, auch Nationalsozialismus (wenn er sich wissenschaftlich gab), Neomarxismus, idF “Genderismus”, sozialistische Wirtschaftslehre (nie ergebnisoffen!) und so gemeint. – Ja, auch derartige Esoterik, die Wissenschaft ist ihrem Wesen nach exoterisch, gibt es (leider) an den bekannten Bildungsstätten.)


      Naturwissenschaftliche Theorien haben immer einen Scope, einen Geltungsbereich, dies leuchtet insofern direkt ein, wenn “Makro-” und “Mikrowelt” nicht i.p. Theorien zusammengeführt werden können, sondern sozusagen getrennte Biotope sind, die Erkenntnissubjekte meinend, die jeweils Beschäftigten sind (lebende) Erkenntnissubjekte.

      Meist (naturwissenschaftliche) Theorien beschreiben, erklären und erlauben die Prädiktion, es wird näherungsweise, ausschnittsartig und an Interessen (!) gebunden (Datenlage) erfasst und idF wiederum näherungsweise, ausschnittsartig und an Interessen (!) gebunden : theoretisiert.

      Es liegt insofern bei der Suche nach Erkenntnis Veranstaltung vor, niemand kommt (hoffentlich) auf die Idee, dass so “Wahrheit” über diese Welt gefunden wird.

      Eine gewisse Unschärfe ergibt sich bei derartiger Ausgangslage zwingend.

      Korrekt! – Dr. Webbaer ist Anhänger des Konstruktivismus, mag u.a. auch Bas van Fraassen, seine Freundlichkeit, seinen Humor und seine Sachbezogenheit.

      Mit freundlichen Grüßen
      Dr. Webbaer

      • Bonuskommentar hierzu :

        Es bedarf also einer solchen Definition der Gleichzeitigkeit, daß diese Definition die Methode an die Hand gibt, nach welcher im vorliegenden Falle aus Experimenten entschieden werden kann, ob beide Blitzschläge gleichzeitig erfolgt sind oder nicht. [Ihre Quelle, Herr Dr. Frank Wappler, von Albert Einstein]

        Aus (hier vertretener) konstruktivistischer Sicht ist eine diesbezügliche Methode anzustreben und dann im Experiment nachzuweisen.
        Blöderweise glaubt der Schreiber dieser Zeilen als konstruktiver Empirizist letztlich nicht an dann derartige Metaphysik, die sozusagen echte ‘Gleichzeitigkeit’ meint, sondern sieht nur behelfsmäßige Möglichkeit so zu konstruieren (und bedarfsweise so happy zu werden). [1]

        Die Naturlehre soll sich nicht um sozusagen Echtheit von Konstrukt bemühen, sondern Evidenz für ihre Theorien bereit stellen, gerne : massenhaft, vgl. mit :

        -> https://de.wikipedia.org/wiki/Six_Sigma

        Letztlich sogenannte statistische Signifikanz meinend auf besonders hohem Niveau sozusagen.

        Aus diesseitiger Sicht muss jede ‘Definition der Gleichzeitigkeit’ verkehrt sein.
        Wobei so, mit diesem Gedanken, abär sinnhaft gearbeitet werden kann, no problemo hier.
        Derartige Definition bleibt also anzustreben, sinnhafterweise und die Naturlehre meinend; denken Sie, Herr Dr. Frank Wappler, dass bisher so nicht geschah?

        Mit freundlichen Grüßen
        Dr. Webbaer

        [1]
        Dr. Webbaer ist ein großer Freund der Naturwissenschaften, weil sie ja auch Anwendungen ermöglichen, an letztliche Richtigkeit / Wahrheit wird abär nicht geglaubt.
        Denkbarerweise ist Kommentatorenfreund Dr. Frank Wappler sozusagen Der Erfinder wie gemeinter sozusagen bestmöglicher Gleichzeitigkeit ?

      • Bonuskommentar hierzu, auch weil weiter oben diesbezüglich Dr. Webbaer ein wenig sparsam geblieben ist :

        Meist (naturwissenschaftliche) Theorien beschreiben, erklären und erlauben die Prädiktion, es wird näherungsweise, ausschnittsartig und an Interessen (!) gebunden (Datenlage) erfasst und idF wiederum näherungsweise, ausschnittsartig und an Interessen (!) gebunden : theoretisiert. [Eigenzitat]

        Theorien, Sichten benötigen nicht zwingend (!) die drei aufgeführten Merkmale, sondern es ist so, dass Theorien eines (!) der drei aufgeführten Merkmale benötigen, um eine Theorie (“Sicht”) sein zu können; Dr. Webbaer wendet sich hier an den Autisten Dr. Frank Wappler und will möglichst korrekt bleiben.

        Es genügt bspw. zu sagen “Der Mond ist!” (beschreibend), es genügt zu sagen, der Mond kreist, weil “X”, das Explanatorische meinend.
        Dr. W hofft sich insgesamt nun hinreichend korrigiert zu haben, danke.

        Mit freundlichen Grüßen
        Dr. Webbaer (der “Theorie” also auch dann sieht, im Prädiktiven, wenn der Mond “nur” fallen wird, vgl. auch mit dem Film “Armageddon” mit Bruce Willis)

  20. hwied schrieb (17.12.2021, 20:49 Uhr):
    > […] Fazit: Für Sprache braucht man mindestens zwei […]

    Das setzt bei jedem einzelnen insbesondere die Fähigkeit voraus, “ein-und-den-Selben” von “zwei Verschiedenen” zu unterscheiden.
    Eine grundlegende Fähigkeit, die jene offenbar abzustreiten versuchen, die von einem Koinzidenz-Ereignis als “einem Zusammenfallen mehrerer Ereignisse” reden wollen.

    Ansonsten gestaltet sich gerade das Erschaffen schriftlicher Sprachäußerungen meiner bescheidenen Erfahrung nach als innerer Dialog zwischen kreativ-ungestümen Vordenken und redigierendem Nachdenken (Verstehen, i.A. Beseitigen von Missverständlichkeiten oder gelegentlichem Zulassen von sachdienlichen Mehrdeutigkeiten).

    > Der Sprechende ist sich der Zielgruppe bewusst und neben dem Anspruch über die Richtigkeit seiner Aussage bedenkt er auch, dass diese Aussage auch verstanden wird.

    Dass ggf. auch noch weitere, weitgehend unabhängige Gemüter ebenfalls zum Nachlesen und Mitdenken eingelanden sind, ist zwar typischer Weise (per Zitat) der Anlass meiner Äußerungen, erscheint mir aber eher unproblematisch; besonders weil und sofern eventuelles Nachfragen gestattet ist.

  21. Frank Wappler,
    das haben Sie sehr schön formuliert: „weitgehend unabhängige Gemüter ebenfalls zum Nachlesen und Mitdenken eingeladen sind, „
    und damit kommen wir zu einer Krux beim Thema Sprache.
    Wenn wir uns unmissverständlich und vollständig zu einem Thema äußern, dann bleibt für den Gesprächspartner/in nicht mehr viel übrig für eine Diskussion.
    Wir haben dann die Wahl, uns missverständlich zu äußern, vielleicht sogar falsch und / oder wir äußern uns unvollständig. Dann hat der Gesprächspartner die Gelegenheit noch zusätzlich etwas zu sagen.
    Und damit sind wir bei der Form von Sprache angelangt. Sprache transportiert auch Gefühle, und viele Mitleser wollen auch über ihre Gefühle reden. Und ganz konkret und aktuell fällt mir dazu das Weihnachtsfest ein. Wer entscheidet, wie das stattzufinden hat, welche Lieder sollen gesungen werden, Lieder sind neben der Melodie auch nur Sprache. ! Und um jetzt unseren Mitlesern auch die Gelegenheit zur Meinung zu geben behaupte ich bei den Liedern hat die angelsächsische Kultur unsere deutsche Weihnachtskultur verdrängt.

    • hwied schrieb (21.12.2021, 08:34 Uhr):
      > […] Wenn wir uns unmissverständlich und vollständig zu einem Thema äußern, dann bleibt [anderen] nicht mehr viel übrig für eine Diskussion.

      Dem kann ich nur zustimmend hinzufügen, dass das alles darüberhinaus Hinzufügbare womöglich als thematisch ausufernd empfunden würde.

      Vielleicht liest man sich ja trotzdem bei absehbar-jahresendlich dargereichten (SciLog-kompatiblen) Schach- oder Logik-Rätseleien,
      wo sich vielleicht doch noch gewisses (SciLog-kompatibles) Mitgefühl verspüren oder einbilden lässt, wenn man “Verschiedenes” von “ein-und-dem-Selben” unterscheidet, oder z.B.
      (Exp[ 0.38 ])^2 > 2
      von
      (1.38)^2 < 2
      .

  22. Also man versteht kaum was, was alle diese Kommentatoren schreiben, mit unnötigen Fremdwörtern um sich werfen wie z.B. ”Version” statt ”Fassung, Lesart, Ausführungen” oder techn. ”Machart, Ausführung” u.a. oder ”gender” = Gattung. Ich verwende sicher kein Gattungsdeutsch und ”Milano” ist für mich auf einer deutschen Karte ”Mailand” und Lissabon, Moskau, Warschau, Rom udgl. nur deutschsprachliche Begriffe. Betr. Englisch: Natürlich ist dies eine der kürzesten Sprachen, wenn dort die Endungen bald mal abgesägt wurden: singen = (to) sing, diese Sprache daher tendenziell einsilbig, meist auf erster Silbe betont wird. So eine Seefahrernation kann doch nur kurze Kommandi (Befehls-ausgaben) brauchen: ”Come!” = Kommen Sie! // Der Duden ist wirklich nicht mehr in allen Bereichen ernstzunehmen, wenn er die Konjugation von fremden Verben erlaubt wie ”ich downloade”, du downloadest usf. (statt ”ich lade herunter”) = Sooo ein Unding, Unsinn diese Affektiertheit fürs Fremdländisch wie die Englisch-, Welschgeilheit seit 1945….. Als ich ihm (= dem Dudenverlag) da auf die Pelle rückte, hat er mir kurzerhand einfach keinen Neuheitenbrief ehh Newsletter mehr gemailt, reagiert auch sonst selbstherrlich, überheblich, abgehoben nicht mehr. // In Frankreich gilt löblicher Sprachartenschutz, d.h. Verwendung von Fremdwörtern (meist Anglizismen) nur, wenn es kein eigenes, einheimisches, gängiges, verständliches Wort gib;, das ergäbe bei uns statt ”Airbag” = Aufprallkissen, immer noch richtiger angesichts der Tatsache, dass ”Air” eigentlich ”gas” lauten sollte, aber eben, man muss aus Absatzförder-gründen alles beschönigen. // Grundsätzlich sind alle Nomen auf …ion und Verben auf…ieren auf ihre Berechtigung zu überprüfen, denn für sehr viele davon gibts eine echte deutsche Bezeichnung aus dem praktischen Leben, etwa 500 an der Zahl gemäss meiner Aufstellung eehh ”Liste”, wie ”irrelevant” = belanglos; ”irritieren = aufregen oder beunruhigen, was gilt nun? Cousin = Vetter, denn ”Namenvetter, Vetternwirtschaft, altvetterisch” erfreuen sich sprachlich bester Gesund-, Beliebtheit, wieso bloss solls dem Grundwort ”Vetter” so dreckig gehen? Auch die verwerfliche Mode, verwelschte Verben zu verwenden, deren Anfangssilbe bei der Konjugation beibehalten wird, statt wie im Deutschen nach dem Verb anzuhängen, also ”ich antizipiere” statt ”ich nehme vorweg” zu verwenden, ist gröbster Unfug. Da zeigt es sich, ob man reichen Wortschatz besitzt oder nicht. Auch die aus der KK-Zeit stammende Begrüs-sungsformel ”Sehr geehrte…” steht in scharfem Widerspruch = Sprachgefälle zur burschikos gedankenlosen Endformel ”Freundliche Grüsse” = statt zB ”Angenehme Grüsse”, ”Aufmerkame Grüss”, denn man ist doch Unbekannten gegenüber nicht gleich dessen Freund > Da sind die Deutschsprachlichen wirk-lich zu leichtgläubig bis weltfremd halbschlau. Auch sollte es heissen : ”Frau Bundeskanzler XY” = Die Bundeskanzlerin XY” d.h. nur einmal Bezug auf das Geschlechtliche nehmen. Auch macht es einen gewaltigen Unterschied, wenn ich sage: ”Frau X ist meine Freundin” oder ”mein Freund” = platonisch ! Man (= alle) ist Träger eines Verdienstordens und nicht ”Trägerin”. Eine Arztperson ist geschlechtlich unbestimmt, hingegen ist ”eine Aerztin” stets kein Mann….Also, was solls ?, von wem man verarztet wird? ! Diese ganze Gattungsverdeutscherei ist nichts anderes als rotgrünlinke , feministische Gewaltpolitik ab den 1990ern von zu vielen Vera-kademisierten. Ich schreibe Deutsch genau so, wie ich es seit über 60 Jahren gewohnt bin: Fremdwörter nur wenn absolut notwendig, wie z.B. ”Person, Name, Interesse” udgl. leider sehr viele aus dem französischen Militärwesen, wobei ”interessieren” sehr gut mit ‘berühren’ widergegeben werden könnte. Natürlich ”spaziere ich” und ”lustwandle” nicht (” von ”andare a spasso”), fahre ich ein ”Auto” und keinen ”Kraftwagen”, hingegen kenne ich keine ”Administration”, sondern nur eine ”Verwaltung”. Stilistisch kann man ja abwechselnd statt (dem DDR-Deutsch) ”Vorsitzender” auch mal ”Präsident” schreiben, aber eine Verfügung und Erlass sind nie Ordonnanz / Edikt. Fazit: Man sollte halt schon noch einen Rest von Sprachsinn bewahrt haben und nicht einfach wild, gedankenlos drauf los reden > schreiben, aber eben, da ist in den letzten 100 Jahren viel Wortschatzsinn verloren gegangen, wie zB., dass Kinder mit Spielsachen spielen, Musikanten aber mit Spiel z e u g (in Anlehnung an ”Werk-, Schreib-, Turn-, Feuer-, Bett-, Fahr-, Flug z e u g.), dann wäre auch ”Instrument” völlig überflüssig. Wer daher so Unwörter wie ”klandestin”, preferieren, limitierte Edition, konsterniert, omnipräsent” udgl. verwendet, offenbart sein Wortschatzbanausentum aufs Schrecklichste. Das hat absolut nichts mit Deutschtümelei zu tun sondern mit…. Anstand: solche barbarischen Französismen verwendet man schlicht und einfach nicht. (12.1.22)

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