Das Forum Deutsche Sprache in Mannheim: der Stand der Dinge

Bis 2027 wird in Mannheim das Forum Deutsche Sprache entstehen. Dort soll das Deutsche in einer Ausstellung in seinen vielen Facetten dargestellt, aber auch Sprachforschung ermöglicht werden. Dazu sollen die Besucherinnen und Besucher durch “Sprachspenden” die Erhebung von Sprachdaten unterstützen. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache, der Klaus Tschira Stiftung, der Stadt Mannheim, des Landes Baden-Württemberg und über die Leibniz-Gemeinschaft des Bundes und aller weiterer Bundesländer. 

In einem Online-Vortrag am Mannheimer Stadtarchiv Marchivum habe ich am 19.5.2021 den aktuellen Stand des Vorhabens und die weitere Planung vorgestellt. 

Veröffentlicht von

www.lobin.de

Henning Lobin ist seit 2018 Direktor des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache in Mannheim (Mitglied der gemeinsam vom Bund und allen 16 Bundesländern finanzierten Leibniz-Gemeinschaft) und Professor für Germanistische Linguistik an der dortigen Universität. Zuvor war er ab 1999 Professor für Angewandte Sprachwissenschaft und Computerlinguistik an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Seine Forschungsschwerpunkte bilden die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Sprache, Texttechnologie, Grammatik, Wissenschaftskommunikation und Politolinguistik. Er ist Sprecher der Sektion "Geisteswissenschaften und Bildungsforschung" und Präsidiumsmitglied der Leibniz-Gemeinschaft, Mitglied germanistischer Fachbeiräte von DAAD und Goethe-Institut und des Forschungsbeirats der Stiftung Wissenschaft und Politik. Lobin ist Autor von neun Monografien und hat zahlreiche Sammelbände herausgegeben. Zuletzt erschienen sind Engelbarts Traum (Campus, 2014, polnische Übersetzung 2017, chinesische Übersetzung 2018), Digital und vernetzt. Das neue Bild der Sprache (Metzler, 2018) und Sprachkampf (Duden, 2021). Bei den SciLogs ist Henning Lobin seit 2014 Autor des Blogs "Die Engelbart-Galaxis", nachdem er dort bereits ab 2008 am Gruppenblog "Interactive Science" beteiligt war.

10 Kommentare

  1. Feedback :

    Dr. Webbaer hat die erste Hälfte des dankenswerterweise bereit gestellten audiovisuellen Dokuments zV nehmen können, dankt auch dem Vorredenden, auch die letzten fünf Minuten, die ja idR Fazitäres meinen, und wars zufrieden.

    Nett auch der Hinweis, dass außerhalb der BRD deutsch geredet wird, nett auch diese Sache mit den Sprachproben und nett auch der Gesamtvortrag, der, aus Sicht einiger, in gutem Deutsch vorgetragen werden konnte.
    Krawatten, die Äh-Vermeidung und der gelegentlich froschige Ton, der wohl nur wegen der hier vorhandenen unzureichenden Konnektivität entstanden ist, lokal, wohl nicht global, lagen nicht immer vor oder nicht vor.

    Mit freundlichen Grüßen und weiterhin viel Erfolg
    Dr. Webbaer

    • Ganz ernst gemeint,
      vielen Dank auch für Ihre Toleranz i.p. Kommentierung, Herr Dr. Lobin!
      Ist ja heutzutage nicht mehr generell Usus.

      MFG
      Wb

  2. Vielleicht wäre ein Museum der deutschen Sprache auch eine gute Idee, damit kommende Generationen wenigstens dort erfahren können, wie Deutsch einmal geklungen hat, bevor es gendergerecht verunstaltet wurde.

    • Die deutsche Sprache hat sich in den letzten Jahrzehnten “schon” sehr verändert, zu ihrem Ungunsten, wie einige finden, zudem können viele, auch Prominente (außer Herr Dr. Lobin und alle Mitlesenden >:-> ), heutzutage nicht mehr flüssig in gutem Deutsch reden, ich mache mir nicht selten -wie vor einigen Tagen- Transkripte, wenn es mal wieder verhunzt wird, auch von Prominenten, bspw. so eines, das sehr köstlich ist, oder? :

      Dame : Und Sie sind ein Philosoph, der diesem postmodernen Durcheinander, sag ich mal, das, dessen, jeder hat seine eigene Wahrheit, dem halten Sie einen anderen Satz entgegen, und dieser Satz heißt “Es liegt im Wesen der Wahrheit unangreifbar zu sein.”
      Und das sagen Sie deshalb, Sie begründen das dann, wenn jeder in seiner Welt lebt, dann hätten wir uns nichts mehr zu sagen, könnten nur noch kämpfen, wer also von der Wahrheit im Plural spricht, droht mit Gewalt, das sagen Sie.

      Markus Gabriel : Richtig, und zwar liegt die Gefahr nicht in der Wahrheit, wie man jetzt gerne sagt, ja, also in diesen Monaten ist öfter mal der Satz gefallen, der mich sehr nervös macht :
      In der Demokratie gibt es keine absoluten Wahrheiten, das hab ich sehr häufig gehört, das ist natürlich ein grober Unsinn, zum Beispiel ist Bonn leider vielleicht, aber nicht mehr die Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland, das ist eine absolute Wahrheit, der Rhein fließt durch Bonn, nicht durch Berlin, und so weiter, es gibt in der Demokratie unendlich viele absolute Wahrheiten, zum Beispiel alle Wahrheiten über mathematische Gegenstände dann, in der Demokratie ist das absolut wahr, dass 1 + 3 = 4 ist und so weiter, dass heißt der Gedanke, um es mal so zu formulieren, es gäbe keine absolute Wahrheit oder in einer Demokratie gäbe es keine absolute Wahrheit, ist ein völlig unsinniger Gedanke.

      Quelle :

      -> https://www.youtube.com/watch?v=zJ15z_JdM9g


      Markus Gabriel ist nicht irgendwer, die “Tante”, die gleich mit ‘Gewalt’ kam, kenne ich nicht.

      Mit freundlichen Grüßen
      Dr. Webbaer

  3. Die Deutsche Sprache, das ist eine Abstraktion. Tatsächlich sprechen die LEUTE auf der Straße nicht Hochdeutsch, sondern einen Dialekt. Monnemerisch ist so ein Dialekt, verwand dem Pfälzerdialekt auch dem Hessischen. Ganz bekannt sind auch Berlinerisch, Bayrisch, Sächsisch, Kolnerisch, oder die norddeutschen Dialekte.

    Wenn man also so ein Forum aufbaut, dann sollten die Dialekte einen breiten Raum darin einnehmen.
    Die Rechtschreibung, also das normgerechte Schreiben ist dabei gar nicht so wichtig.
    Als Anregung, eine Datenbank mit Reden von bekannten Leuten, Schauspielern, Politiker, Sängern von Karl Valentin bis Nina Hagen.

    • Die meisten Leute sprechen heute einen Regiolekt und nicht einen Dialekt. Ein Regiolekt ist die gesprochene deutsche Standardsprache mit einem dialektalem Einschlag. Auch im Süden Deutschlands ist der “echte” Dialekt in den letzten Jahrzehnten sehr zurückgegangen, insbesondere in den Städten. Besonders deutlich ist dies in Norddeutschland zu sehen: Die Nutzung des Niederdeutschen geht in vielen Regionen gegen Null, das, was man als eine norddeutsche Färbung in der Sprache wahrnimmt, ist tatsächlich größtenteils die deutsche Standardsprache mit gewissen norddeutschen Elementen in der Lautung und dem Vokabular. Sie haben aber insofern recht, als das eine Entwicklung darstellt, die erst im 20. Jahrhundert durch die Mobilität und Migration innerhalb des deutschen Sprachraums und vor allem durch audiovisuelle Medien stark zugenommen hat. Im 19. Jahrhundert wurde die neuhochdeutsche Standardsprache nur in sehr kleinen Teilbereichen der Gesellschaft auch gesprochensprachlich verwendet, sonst überwiegend (echter) Dialekt. Die Vorstellung dessen, was das Deutsche eigentlich ist und dass es vor allem durch die Werke der großen Schriftsteller und Dichter repräsentiert wird, was sehr zu diesem Wandel beigetragen, wurde im 19. Jahrhundert übrigens sehr durch den Schulunterricht, vor allem dem des Gymnasiums, gefördert.

  4. Herr Lobin,
    ich muss Ihnen widersprechen, in Mannheim sprechen die Monnemer auf dem Marktplatz Monnemerisch.
    In einer Bank natürlich nicht, die wollen als vornehm gelten. Die Leute, die mit Ihnen sprechen, reden wahrscheinlich auch Hochdeutsch, das klingt gebildeter. Monnemerisch mit Fremdworten, das geht schlecht, die Leute auf dem Markt sprechen nicht mit Fremdworten. Begeben Sie sich mal in die Niederungen der Kultur. Nachts, im Rotlichtviertel, da wird auch nicht Hochdeutsch gesprochen.
    Wir sind Monnemer und leben jetzt unter den Schwaben in Bad Cannstatt. Und auch hier auf dem Marktplatz wird Schwäbisch geschwätzt. Sie dürfen natürlich nicht mit Anzug und Krawatte auftreten, dann hält man Sie für intellektuell und bemüht sich hochdeutsch zu sprechen.

  5. Zu H. Lobin
    “Regiolekt”
    Ich würde es als “Soziolekt” bezeichnen. Hochdeutsch wird wahrscheinlich die Beamten-und Verwaltungssprache bleiben aber darunter wird sich eine Vielzahl von SprachFormen die sich aus dem Zuzug von Migranten und Einwanderern ergeben, bilden (Parallelgesellschaften). Die Deutsche Sprache war im 18/19. Jahrhundert ein Identifikationsfaktor bei unzähligen Kleinstaaten. Die Wirtschaft brauchte auch den neuen größeren Markt um zu expandieren und konnte das nur in Form einer Nation. Heute ist der globale Markt wichtig um größtmögliche Gewinne zu machen und die
    Sprache dafür muss global verständlich sein (Englisch/Chinesisch). Sprachen als kulturelle oder nationale Identität könnten dann ihre Bedeutung verlieren.

  6. Golzower,
    Ich würde es Schriftsprache nennen. Das ist die Sprache, die die Kinder in der Schule sprechen. Außerhalb der Schule wird etwas ganz Schreckliches gesprochen. Da werden schon die Präpositionen weggelassen.
    Die ältere Generation hält an ihrer “Mundart” fest. Und wenn man ein Forum für die Deutsche Sprache aufbaut, dann sollte sie die Mundarten schützen, unterstützen und bewahren.
    Was viele nicht wissen, Mannheim ist eine Sprachinsel, genauso wie Köln.
    Es hat einen Grund, warum das Forum in Mannheim entsteht.

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