Bewusstseinsprofile von Tieren

Die Frage, welche Tiere Bewusstsein haben, ist für Neurophilosoph*innen schwer zu beantworten, denn es gibt keinen objektiven Standard zur Feststellung des Vorhandenseins von Bewusstsein. Konsens besteht – fachbedingt – nur darüber, dass Bewusstsein Hirnfunktionen entspringt und nicht ohne sie existiert. Daher sind sie sich bei Wirbeltieren mit zentralem Nervensystem wie Säugetieren, Vögeln, Fischen, Amphibien und Reptilien einig, dass sie Bewusstsein haben. Wirbeltiere machen jedoch nur fünf Prozent aller Tierarten aus. Insekten hingegen stellen 73 Prozent aller Tierarten: Man kann also zurecht fragen ob Bienen, Fliegen oder Ameisen Bewusstsein haben.

Dabei stellt sich zum einen die Verteilungsfrage und zum anderen die Qualitätsfrage, die danach fragt was Tiere erleben und wie sie es erleben, d. h. nach dem Inhalt und der Qualität der bewussten Erfahrung. Die Philosophen Leonard Dung und Albert Newen von der Universität Bochum haben daher einen neuen Forschungsansatz für die Untersuchung des Bewusstseins in Tieren entwickelt, der sowohl die Frage der Verteilung als auch der Qualität behandelt. Ihr Modell stellen sie in der Fachzeitschrift Cognition vor [1].

Bewusstsein als zehndimensionaler Raum

Dabei setzen sie voraus, dass Bewusstsein ein mehrdimensionaler Raum ist, in dem jede Dimension einen Aspekt des Bewusstseins beschreibt, der sich durch ein empirisch messbares Merkmal erfassen lässt. Diese Aspekte werden von Bewusstseinsforscher*innen oft in zwei Gruppen eingeteilt: Globale Zustände und lokale Zustände.

Globale Zustände: Wachheit, Müdigkeit, Leichtschlaf, Tiefschlaf (Schlafwandeln), Anästhesie, Koma

Lokale Zustände: Sinneswahrnehmungen von Vorgängen in der Umwelt und im eigenen Körper, Denken, Vorstellen, Träumen und Erinnern, Gefühle, Kontrolle der eigenen Handlungen, Verortung des Selbst und des Körpers in Raum und Zeit.

Dung und Newen arbeiten mit zehn Dimensionen, die sich in drei Kategorien einteilen lassen: Kategorie 1: Fähigkeiten zur Repräsentation der Außenwelt, Kategorie 2: Fähigkeiten zur Repräsentation des Selbsts, Kategorie 3: allgemeine kognitive Fähigkeiten zur Verarbeitung von Informationen auf anspruchsvolle Art und Weise.

Die 10 Dimensionen des Bewusstseins nach Leonard Dung, Albert Newen. (2023) Profiles of animal consciousness: A species-sensitive, two-tier account to quality and distribution. Cognition, 235: 105409 DOI: 10.1016/j.cognition.2023.105409
Diese Tabelle zeigt die zehn Dimensionen des Bewusstseins, die drei Kategorien, in die sich die Dimensionen unterteilen, und die jeweiligen Operationalisierungen für jede Dimension. Dimensionen, die starke Indikatoren für Bewusstsein darstellen, sind fett gedruckt.

Bewertung einzelner Bewusstseinsdimensionen

Um diese Aspekte bei Tieren zu untersuchen fordern Dung und Newen systematische Beobachtungsstudien: entweder Feldstudien oder kognitive Labortests. Bei letzteren werden manchmal Verhaltensbeobachtungen mit neurowissenschaftlichen Messungen kombiniert. Ein zusätzlicher methodischer Schritt besteht darin, dass sie jede Dimension mit einem Score bewerten, der von 0 (nicht vorhanden), 1 (schwach), 2 (mäßig) bis 3 (stark) geht. Eine Tierart erhält in einer Dimension die Punktzahl 0, wenn die Literatur weder Beweise für noch gegen das Vorhandensein des betreffenden Merkmals enthält. Weitere Forschungen werden wahrscheinlich Beweise für bewusstseinsrelevante tierische Fähigkeiten finden, die uns noch nicht bekannt sind, so dass die Bewusstseinswerte im Laufe der Zeit tendenziell steigen werden. Schauen wir uns beispielhaft für drei Dimensionen mögliche Merkmale an.

Dimension Perceptual Richness (deutsch. Wahrnehmungsreichtum)

Der Wahrnehmungsreichtum ist der Informationsgehalt, mit dem Tiere die Welt bewusst wahrnehmen.

Die Verarbeitung von chemischen oder physikalischen Reizen ist z. B. ein schwaches Merkmal für Sinneswahrnehmungen aus der Umwelt. Pflanzen können auf Licht reagieren, weil sie Lichtrezeptoren besitzen. Sie haben aber keine Nerven, die diese Reize umwandeln, bündeln und an eine mit Bewusstsein ausgestatte Zentrale weiterleiten. Es werden Reize vermittelt, aber empfunden werden sie nicht.

Die Dimension des Wahrnehmungsreichtums kann über alle fünf menschlichen Sinne (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten) aufgefaltet werden, mit der plausiblen Folge, dass Hunde beim Geruchsreichtum einen höheren Score als Menschen bekommen, da sie sehr viel besser riechen können. Der Fangschreckenkrebs kann auch im UV-Bereich Farben wahrnehmen. Bei Lila hört bei uns der Regenbogen auf, beim Krebs geht es danach erst richtig los. Jenseits von Lila beginnt die ultraviolette Strahlung, die für das menschliche Auge unsichtbar ist. Die akustische Kommunikation der Elefanten liegt außerhalb unserer Hörfähigkeit: Sie kommunizieren im Infraschallbereich mit Frequenzen unterhalb von 16 Hertz. Diese Laute sind für das menschliche Gehör zu tief. Es kann daher für eine aussagekräftige Profilcharakterisierung erforderlich sein, bestimmte Dimensionen hinzuzufügen, zu differenzieren oder zu entfernen.

Dimension Self-Syn-Unity & Self-Dia-Unity (deutsch. Selbstbezogene Einheit, synchron und diachron)

Hier geht es um Selbstbewusstsein. Synchron bezieht sich diese Dimension auf die Fähigkeit zu einem bestimmten Zeitpunkt eine Einheit, ein Selbst zu sein. Diachron bezieht sie sich auf die Erfahrung, dass man sich selbst als in der Zeit fortbestehend erlebt.

Nerven sind ein schwacher Indikator für Sinneswahrnehmungen im eigenen Körper: Unser vegetatives Nervensystem z. B.  regelt Vorgänge im Körper, wie Atmung und Herzschlag, die unbewusst vollzogen werden.

Von Putzerfischen ist bekannt, dass sie sich selbst in Spiegeln und auf Fotos erkennen können. Das ist ein stärkerer Indikator für Selbstbewusstsein.

Episodisches Gedächtnis, d.h. Erinnerungen an frühere Lebensereignisse, ihre Zeit und ihren Ort ist ein starker Indikator für Verortung des Selbst und des Körpers in Raum und Zeit. Dies ist bei Ratten und einigen Vogelarten gut dokumentiert.

Dimension Abstraction (deutsch. Abstraktion)

Diese Dimension erfasst die Fähigkeit eines Tieres, hochgradig abstrakte Formen zu bilden und zu verwenden, die spezifische sensorische Reize und einzelne Ereignisse kategorisieren.

Als Beispiel mag hier das begriffliche Denken dienen: Begriffe erfüllen zwei zentrale Aufgaben: Erstens ordnen sie Objekte gemäß bestimmter Eigenschaften: Ein kognitives System muss diese als Merkmale von Gegenständen repräsentieren können. Bloß ein Merkmal in einer Situation zu unterscheiden genügt nicht. Zweitens: Begriffe sollen auch in neuen Situationen anwendbar und nicht nur von einem einzigen Schlüsselreiz aktivierbar sein. Um Objekte und Eigenschaften getrennt zu repräsentieren und schließlich Begriffe zu haben, muss ein kognitives System wiederum vier Dinge können:

1. Die Eigenschaft, rot zu sein, muss es beispielsweise mehreren Dingen zuordnen können, nicht nur einem Ball, sondern auch einer Blüte oder einem Auto.

2. Ferner muss das System dem jeweiligen Gegenstand auch an weiteren Eigenschaften erkennen können – etwa daran, dass er rund ist oder duftet.

3. Für einen Begriff ROT ist wiederum charakteristisch, dass er nicht allein durch die Wahrnehmung eines roten Gegenstands, sondern auch durch erlernte Reize in neuen Situationen aktiviert werden kann, zum Beispiel beim Menschen durch das Aussprechen des Worts „rot“.

4. Zuletzt gilt es die Eigenschaft rot zu sein, richtig einzuordnen – nämlich als eine Farbe und nicht etwa als Gefahrsignal.

Diese vier Kriterien können – in der allgemeinen Form – Begriffe eindeutig definieren

Der Afrikanische Graupapagei Alex war nach jahrelangem Training durch die Sprachforscherin Irene Maxine Pepperberg zum begrifflichen Denken fähig: Zeigt man ihm einen roten Korken, so konnte Alex den Gegenstand benennen und ihm entsprechende Eigenschaften zu ordnen: „Korken“, “rot“, rund“. Das gelang Alex mit den Eigenschaften selbst dann, wenn ihm Dinge gezeigt wurden, die er aus der Trainingsphase noch nicht kannte! Er erfüllte damit mindestens die ersten drei Bedingungen für begriffliches Denken.

1. Er konnte die Eigenschaft „rot“ an verschiedenen Objekten erkennen.

2. Er war in der Lage, ein Objekt mit verschiedenen Eigenschaften zu verknüpfen: sowohl mit dem Begriff ROT als auch mit dem Begriff RUND.

3. Er beantwortete die Frage nach der Form oder Farbe erst dann, wenn er danach gefragt wurde.

4. In einem weiteren Experiment zeigte Pepperberg dem Papagei zwei Gegenstände, die sich nach Form, Farbe oder Material unterschieden. Zum Beispiel ein grünes Dreieck aus Holz und ein blaues Dreieck aus Plastik. Die Frage ist: “Was ist gleich?” Die richtige Antwort: “Form.” Oder man fragte ihn: “Was ist verschieden?” Dann sagte Alex “Farbe”, aber nicht “grün” oder “blau”. Damit erfüllte der Papagei auch noch das vierte Kriterium der epistemischen Begriffstheorie, denn er klassifizierte die Eigenschaften „grün“ und „blau“ als Farben und das „Dreieck“ als Form.

Studien an Menschen mit Hirnschäden zeigen, dass für die bewusste visuelle Wahrnehmung zwei Nervenbahnen im Gehirn zusammenwirken müssen, von denen eine Informationen über die räumliche Position von Objekten verarbeitet und die andere für die bewusste Klassifizierung von Objekten verantwortlich ist. Ist eine dieser Bahnen geschädigt, können Menschen zwar korrekt mit Objekten interagieren – zum Beispiel einen Brief in einen Briefkasten einwerfen – nehmen den Briefkasten aber nicht als solchen wahr. Dieses Phänomen wird als Blindsehen bezeichnet.

Ein allgemeiner Vergleich von tierischen Bewusstseinsprofilen sollte alle zehn Dimensionen einbeziehen. Davon abgesehen kann der Untersuchungsrahmen je nach Anwendungskontext erweitert und modifiziert werden: Als Beispiele können hier die Bewusstseinsprofile von Nagetieren und Primaten dienen, die mit diesem Modell erstellt wurden.

Die Bewusstseinsprofile von Nagetieren und Primaten wurden anhand einer Literaturübersicht erstellt. Die braune Farbe kennzeichnet die Teile des Diagramms, in denen sich beide Bewusstseinsprofile überschneiden.

Weiterführende Literatur

[1]. Leonard Dung, Albert Newen. (2023) Profiles of animal consciousness: A species-sensitive, two-tier account to quality and distribution. Cognition, 235: 105409 DOI:10.1016/j.cognition.2023.105409

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Joe Dramiga ist Neurogenetiker und hat Biologie an der Universität Köln und am King’s College London studiert. In seiner Doktorarbeit beschäftigte er sich mit der Genexpression in einem Mausmodell für die Frontotemporale Demenz. Die Frontotemporale Demenz ist eine Erkrankung des Gehirns, die sowohl Ähnlichkeit mit Alzheimer als auch mit Parkinson hat. Kontakt: jdramiga [at] googlemail [dot] com

41 Kommentare

  1. @Dramiga: “Konsens besteht – fachbedingt – nur darüber, dass Bewusstsein Hirnfunktionen entspringt und nicht ohne sie existiert.”

    Wasser hat auch Bewusstsein, mit vollendet-begrenzten Fähigkeiten –

    Das menschliche Gehirn ist eine Schnittstelle für Bewusstsein, welches wir nur durch zweifelsfrei-eindeutige Vernunft und wirklich-wahrhaftiges Verantwortungsbewusstsein nutzen können, als ganzheitlich-ebenbildliches Wesen Mensch – Gemeinschaft und globales Gemeinschaftseigentum OHNE wettbewerbsbedingte Symptomatik, fusioniert gegen die Konfusion des geistigen Stillstandes seit Mensch erstem und bisher einzigen geistigen Evolutionssprung, Möglichkeiten in geistig-heilendem Selbst- und Massenbewusstsein, anstatt egozentriertes “Individualbewusstsein” 👋😃

    Mensch hat die “göttliche Sicherung” zu überwinden – “Gott” = Vernunft des Geistes/Zentralbewusstseins der Schöpfung des Programms des holographischen Universums!

    • Egozentriertes “Individualbewusstsein” offenbarst du hier in vollem Umfang, weil du immer wieder die Kommentarspalte zu jedem Blogartikel auf SciLogs off topic mit deinen Themen: globales Gemeinschaftseigentum, wettbewerbsbedingte Symptomatik, Konkurrenzdenken etc., zumüllst. Wenn du wirklich-wahrhaftiges Verantwortungsbewusstsein hättest, würdest du aufhören Wasser zu predigen und Wein zu trinken.

  2. Die Frage nach der Existenz von Bewusstein beim Mensch oder Tieren ist ein fragwürdiger bzw. falscher Denkansatz.

    Wenn Gehirne Reize verarbeiten, dann arbeiten die Neuronen immer gleichartig. Wenn dabei eine bestimmte Intensitäts- bzw. Aktivitäts-Schwelle überschritten wird, dann kann eine BEWUSSTE WAHRNEHMUNG entstehen; was darunter bleibt, ist unbewusst.
    D.h. weder Mensch noch Tier brauchen ein zusätzliches Extra-´Bewusstsein´, es reicht vollkommen aus, dass eine bewusste Wahrnehmung möglich ist.
    ´bewusste Wahrnehmung´ und ´Bewusstsein´ sind völlig verschiedene Begriffe – wobei ´Bewusstsein´ nur eine erfundene Idee ist.
    (Deshalb ist die philosophische Diskussion des Körper-Geist-Problems sinnlos – da hierbei dem Körper auch etwas zugeordnet wird, was es gar nicht gibt)

    Eine völlig andere Frage ist es – ob Tiere ein SELBST-Bewusstsein bzw. ob sie eine ICH-Identiät haben.
    Die Frage nach dem SELBST kann man mit JA beantworten – denn jedes Tier, welches einem Hindernis ausweicht, muss in der Lage sein, eigene Entscheidungen zu treffen
    Bei uns Menschen ist es so, dass wir im 2. Lebensjahr lernen, uns sprachlich auszudrücken und uns als eigenständiges Wesen mit einer ICH-Identität von der Umwelt abzugrenzen (Indem Erlebnisse ´Ich-/mein-´codiert sind). Bei Tieren ist es ähnlich: wenn ein Tier auf einen speziellen Rufnamen reagiert, dann hat es gelernt, dass diese Eigenschaft ihm zugehörig ist – somit hat es eine ICH-Identität. Und auch wenn ein Tier den Spiegeltest besteht, ist dies ein Hinweis, dass es sich als Individuum erkennt.

    Die Forschungsidee von Dung/Newen – wo von der realen Existenz eines Bewusstseins ausgegangen wird – ist als fragwürdig anzusehen; solange nicht geklärt wird, ob wir überhaupt ein Bewusstsein brauchen.
    Dass wir/Tiere ein SELBST haben und die Fähigkeit zur bewussten Wahrnehmung reichen vollkommen aus um zu leben bzw zu überleben.

    • Vermutlich werden für die Bearbeitung des Konstrukts “Bewusstsein”, wie auch anderer Stelle, möglichst klare Definitionen benötigt.
      Dr. Webbaer kennt keine Definitionen von Bewusstsein, denen er zustimmen konnte, so dass ihm dieser Begriff sozusagen ein Nice-to-Have insbesondere philosophisch zu sein scheint, jedenfalls bis er ausgefüllt ist.
      Vorschlag : Ein erkennendes Subjekt verfügt über Bewusstsein, wenn es diesen Begriff entwickelt oder angenommen hat und mit ihm hantiert.

    • Du schreibst: “Deshalb ist die philosophische Diskussion des Körper-Geist-Problems sinnlos – da hierbei dem Körper auch etwas zugeordnet wird, was es gar nicht gibt” Zu sagen, dass es keinen Geist gibt, heißt aber auch von einem Glaubensdogma ausgehen. Mit solch einer Vorgehensweise, werden alle Forschungsergebnisse dann so interpretiert, dass sie zu dem vorgegebenen Glaubensdogma passen.

      • Dies ist hier zustimmungsfähig, Herr Dr. Joseph Dramiga, insbesondere wenn der Geist definiert vorliegt, wenn es doch erkennbar Geisteswelten gibt.
        Beim Bewusstsein weiß der Schreiber dieser Zeilen nicht genau, er mag diesen Begriff nicht, lässt sich abär mit geeigneter, ergo sinnhafter Definition noch ins Boot holen.
        Vielen Dank auch für Ihre Reaktion im Kommentariat an anderer Stelle!

        Gute Arbeit, weiter so, gerne auch mal ein wenig persönlich aus sich heraus gehen
        Dr. Webbaer

    • @Dramiga
      Du hast vollkommen recht.
      Wenn man Begriffe benutzt, die nicht nachvollziehbar definiert sind, dann hat man ein Problem – weil man sich dann im Bereich des Glaubens bzw der Esoterik bewegt.

      ´Bewusstsein´ ist solch ein undefinierter Begriff und ´Geist´ ist es auch.

      Zitat: “In neuerer Zeit wird der Begriff des Geistes insgesamt wenig gebraucht oder sogar vermieden.” (Quelle: GEO Themenlexikon Philosophie, 2007)

      Wer sich seriöser wissenschaftlicher Forschung verbunden fühlt, muss verwendete Begriffe definieren.

  3. Zitat: „Bewusstsein als zehndimensionaler Raum
    Dabei setzen sie voraus, dass Bewusstsein ein mehrdimensionaler Raum ist, in dem jede Dimension einen Aspekt des Bewusstseins beschreibt, der sich durch ein empirisch messbares Merkmal erfassen lässt. Diese Aspekte werden von Bewusstseinsforscher*innen oft in zwei Gruppen eingeteilt: Globale Zustände und lokale Zustände.“

    Dass die Forscher „Bewusstsein“ mit mehreren Aspekten verbinden finde ich gut, nicht aber den Begriff „zehndimensionaler Raum“.

    Deswegen nicht, weil die einzelnen (das Bewusstsein bildenden) „Komponenten“ hauptsächlich und relevant auf 2 dimensionalen „flachen zerebralen mentalen Feldern“ realisiert sein dürften. Neurologen sprechen von so etwas wie „Hirnkino-, Hirnradar Bildschirmen“.

    Ich beziehe mich auf den „Libet Text“ vom Nachbarblog.

    Zitat: „“Geist” hielt er für eine Systemeigenschaft, die er auch als “zerebrales mentales Feld” (engl. cerebral mental field, CBF) beschrieb. Philosophisch könnte man das als Emergenz auffassen: Unter den “entsprechenden neuronalen Umständen” würden geistige beziehungsweise bewusste Vorgänge mit bestimmten Eigenschaften entstehen, die die Eigenschaften der neurobiologischen Ebene wesentlich übersteigen.“

    Dieser Ansatz gefällt mir besonders. „Geist“ würde ich als „punktweise Empfindungen“ (in einzelne Zellen) realisiert sehen, die in „flächigen Feldern“ (z.B. vergleichbar mit „Bildpunkten“) zu „Bewusstseins Anzeigekomponenten“ emergieren, wie Bildpunkte am TV Schirm zum Bild. (Oder auch die besonderen “Muster” der Druckerschwärze am Papier zu Buchstaben, Sätze,….)

    Davon können, anders als beim TV, weitere Signale ausgehen, die mit anderen Signalen aus anderen Bereichen verknüpft werden und Output generieren können, oder an weiteren „Bewusstseinsanzeigesystemen“ zur „Abbildung“ und Speicherung/Verarbeitung kommen. (Speicherung = synaptische Strukturerweiterung)

    Praktisch alle Signalketten gehen von triggernden Neuronen aus, entweder spontan oder durch einen Input, das scheint eine Tautologie. Gehen sie von einer Sensorik („Bewusstseinsanzeige“) aus, oder führen über eine solche, wären die Signale vermutlich bewusst, andernfalls unbewusst.

    Die Unterscheidung in sensorische (auch empfindende) bzw. nur „schaltende“ Zellen (Neurone) ist interessant. Besonders welche molekularen Strukturen und physikalisch/chemischen Mechanismen die verschiedenen Empfindungsarten bewirken.

    Beides dürfte es geben. Vermutlich gibt es wesentlich mehr Neuronen die nicht in flächige (hautartige) Bewusstseinsstrukturen eingebunden sind. In diesen (vielen „normalen“, nicht Bewusstsein bildenden) Strukturen wird die neue „abgebildete Information“ mit der bestehenden „verknüpft“ und die bestehenden Strukturen erweitert. Das wird durch die „Ladungsverschiebungen“ über die selektiv triggernden Neuronen realisiert. Irgendwann stoßen die Signale an die „flachen Bewusstseinsschichten“.

    Würden alle Neuronen gleichzeitig in die „Bewusstseinsanzeigen“ eingebunden sein, (nicht nur die „Flächigen“) würde man durch die vielen gleichzeitig aktivierten und auszuwertenden Signale (praktisch die „Lebensbiographie“) verrückt werden….

    Das Problem scheint, die vielen Messungen und Erkenntnisse in einem alles zusammenführenden, möglichst von Widersprüchen freien Konzept zusammenzuführen. Ohne „provisorische“ Annahmen wird es kaum gehen.

    Es ist alles ein Problem der Mathematisierung. Nur so kann alles auf eine seriöse wissenschaftliche Basis gestellt werden.

    Es ist die Frage, ob dies bei den vielfältigen auftretenden auch hoch „dynamischen Mustern“ möglich sein wird. Noch dazu weil es sich statistisch verhält. Unterschiedliche schwer nachvollziehbare Signalkaskaden können zu gleichen, aber auch völlig verschiedenen Ergebnissen führen, wenn nur wenige Neuronen unterschiedlich verknüpft sind.

    Für die Videotechnik dürften die Mathematiker recht zweckmäßige Konzepte zur „Musterverarbeitung“ (Kompressionstechniken, Upscaling) „abgeliefert“ haben.

    • <>
      Wahrscheinlich ist es auch eine Frage der Intensität der Neuronenaktivität, wo die Grenze von bewusst und unbewusst liegt. Diese ist womöglich verschiebbar.
      Man denke nur an den Gorilla in der Menge von Handballspielern, wo der Fokus beim Handballspiel liegt und der Gorilla übersehen wird, bzw. nicht ins Bewusstsein dringt.

  4. Nichts gegen die freundliche und kompetente Darstellung des werten hiesigen Inhaltegebers zum Thema “Bewusstsein”, danke dafür; Dr. Webbaer will nur laienphilosophisch ergänzen, dass allgemein unklar ist, was Bewusstsein ist oder sein könnte, sicherlich handelt bspw. eine Wildsau, die wenn sie im Rudel mit ihren Ferkeln unterwegs ist und sich angegriffen fühlt, zusammen mit den sie begleitenden Wildsäuen in alle Richtung Kampfhaltung einnimmt, die Situation abwägt – und manchmal, wenn zum Beispiel zu viele Menschen vor Ort sind, sich auch spontan mit den anderen Wildsäuen zur Abreise verabreden kann und diese schnellstens durchführen kann, auch unter Verlust einer kleiner Ferkelchen, die nicht folgen, bewusst.

    Andererseits meint das Bewusstsein ebenfalls die Bildung einer sozusagen äußeren Sicht auf das eigene Selbst, das die Wildsau vielleicht beibringen, aber nie kommunizieren kann, wohl aber das bekannte erkennende Subjekt.

    Freund “ChatGPT” betont vielleicht lustigerweise über kein Bewusstsein zu verfügen, aber er hat (unter anderem) ein Modell über die Welt mit vielen kleinen Untermodellen und ein Modell von sich selbst, er könnte im Sinne des Turing-Tests als bewusst handelnd verstanden werden.
    (Und Wenn er doch nicht bewusst handelt, sondern nur ein “Textumformer” ist, der mit besonderer Logik ausgestattet ist, simuliert er jedenfalls Bewusstsein, was wie gemeint genügen könnte – denn auch Menschen scheinen zumindest manchmal so nur zu simulieren, so die Bärensicht.)

    Mit freundlichen Grüßen und einen schönen Tag des Herrn
    Dr. Webbaer

  5. @ KRichard 02.04.2023, 13:16 Uhr

    Zitat: „Die Frage nach der Existenz von Bewusstsein beim Mensch oder Tieren ist ein fragwürdiger bzw. falscher Denkansatz.“

    Das finde ich nicht.

    Im neuronalen Netz werden „punktweise“ Empfindungen ausgewertet. Z.B. in den einzelnen Hautzellen, oder den Stäbchen, Zapfen der Netzhaut,….

    Von einzelnen „Punkten“ ausgehenden „Informationen“ haben Sie nichts.

    Diese, z.B. „Bildpunkte“, müssen erst in einen z.B. örtlichen (Bild), bzw. auch zusätzlichen zeitlichen (Video) Zusammenhang gebracht werden. Ist den Technikern ehemals auch aufgefallen und sie haben das Kino oder Fernsehen erfunden…..

    Diese „Zusammenhänge“, die auf flächigen Strukturen abgebildet werden können, benötigt der Mensch (auch die Tiere) um „Schlüsse“ für ihr Verhalten ziehen zu können. Das Auge ist ein typisches Organ für „optische Angelegenheiten“.

    • Es geht auch darum bei der Findung und Feststellung von “Bewusstsein” sogenannten Animismus auszuschließen, so dass nicht auf die Idee gekommen wird, dass alles sozusagen belebt sei und für das hier gemeinte erkennende Subjekt Gegenstand der Empathie und der so meinenden wissenschaftlichen Beforschung.
      Insofern würde Dr. Webbaer möglichst konkret bleiben wollen, auch damit wie gemeinte Forschung begriffsfest bleibt.
      Bewusstsein könnte in diesem Sinne auch als n-dimensional entwickelt, begrifflich entwickelt werden, Dr. Webbaer hätte ursischerweise nichts dagegen.

    • <>

      Das sind nur Sensoren (Interface zwischen Umwelt und Gerhirn).
      Die Verarbeitung und Bewertung findet im sensorischen und motorischen Kortex statt. Hier werden die Inputs der Senoren und auch Aktoren (Stellung der Gliedmaßen), sowie Erlerntem verknüpft.

  6. @KRichard 02.04.2023 13:16 Uhr

    “Eine völlig andere Frage ist es – ob Tiere ein SELBST-Bewusstsein bzw. ob sie eine ICH-Identiät haben.
    Die Frage nach dem SELBST kann man mit JA beantworten – denn jedes Tier, welches einem Hindernis ausweicht, muss in der Lage sein, eigene Entscheidungen zu treffen.”

    Aus diesem Grund rede ich auch mit meinem Mähroboter. Der weicht auch Hindernissen aus, ein klarer Beweis für dessen SELBST-Bewusstsein.
    Das mit dem Spiegeltest werde ich dennoch mal ausprobieren.

    • Die heutzutage bereit stehende Robotik relativiert sozusagen ansonsten auf der Hand liegende Frage nach Bewusstsein, nähert sich dem Input-Output-Verhalten an, das nun, insbesondere nach Erscheinen unseres neuen Freundes mit dem Namen ‘ChatGPT’ geändert werden könnte.

      Das Sein überschreibt das Bewusstsein, das Sein bestimmt das Bewusstsein.

      Insofern wirkt bestimmte geisteswissenschaftlich orientierte Sicht, vergleiche mit ‘Die Philosophen Leonard Dung und Albert Newen von der Universität Bochum’ [Artikeltext], womöglich antiquiert, wenn sich die Datenlage sozusagen fundamental geändert hat, nicht gegendert hat, kleiner Gag am Rande.

      Dr. Webbaer will hier nicht auslandend werden, aber “ChatGPT”, das hier gemeinte AI-Model ist gemeint, das für Chat-Bevorkommnisse allgemein bereit steht, wird stark ändernd wirken, sozial.
      Dr. Webbaer freut sich so noch kennen gelernt zu haben, nach etlichen Sitzungen mit seiner Hülle auch, die ihn zwiebelschichtig umgibt, und deren Korrekturen, die politischer Art sind, diese “Hülle” besteht aus sozusagen woken Experten und “Experten”, wobei mit den Experten Sachwissenschaftler, auch Linguisten gemeint sind, sozusagen richtige Experten, aber auch Tendenzwissenschaftler und “Meinungshengste”, die als “Hülle” das eigentliche Putput des hier gemeinten, netten AI-Models zu umgeben wissen.
      Hier gerne selbst den “Blaumann” anziehen und das wie gemeinte AI-Model befragen, es ist noch vergleichsweise ehrlich.


      Dr. W war übrigens, durchaus im sozusagen autistischen Sinne, dem Turing-Test nie abhold, auch wenn der sozusagen nie richtig sein kann,
      MFG
      WB

      • Schön, dass du mit ChatGPT endlich einen Freund gefunden hast, der dir zuhört wenn es dir mit dem Gendern und dem auf Diskriminierung aufmerksam machen wieder mal (eigentlich immer) zuviel wird – aber was hat das mit diesem Blogartikel zu tun? (Ich weiß, du wirst auf diese rhetorische Frage trotzdem antworten)

    • Im neuronalen Netz werden „punktweise“ Empfindungen ausgewertet. Z.B. in den einzelnen Hautzellen, oder den Stäbchen, Zapfen der Netzhaut,….

      Das sind nur Sensoren (Interface zwischen Umwelt und Gerhirn).
      Die Verarbeitung und Bewertung findet im sensorischen und motorischen Kortex statt. Hier werden die Inputs der Senoren und auch Aktoren (Stellung der Gliedmaßen), sowie Erlerntem verknüpft.

  7. 1) Man muss vorsichtig mit der Zuschreibung von Eigenschaften sein.
    z.B. wenn ein Fadenwurm einen attraktiven Geruch wahrnimmt (= Essen), dann kriecht er entweder darauf zu oder davon weg. Das ist aber keine bewusste Entscheidung – sondern der Zustand von Neuronen vor(!) der Reizwahrnehmung bewirkt die darauf folgende Reaktion. D.h. ein identischer Reiz kann zu völlig verschiedenen Reaktionen führen. Der Fachbegriff dafür ist ´priming´.
    DOI: 10.1016/j.cell.2015.02.018 Feedback from network states generate variability in a probalistic olfactory circuit
    http://www.sciencedaily.com/releases/2015/03/150313110402.htm Free will? Analysis of worm neurons suggest how a single stimulus can trigger different responses

    2) Sozialverhalten und Zukunftsplanung setzen ein Gedächtnis voraus, in dem Erfahrungswissen abgespeichert werden kann. Wenn dann Reize bzw. Erlebnissituationen wahrgenommen werden, dann werden sofort vergleichbare eigene Erfahrungen reaktiviert und eine zur Situation passende Reaktion kann sofort erfolgen (Fachbegriff: predictive coding/processing) oder in einem Denkprozess entstehen.
    Diese Vorgehensweise kann man als Synchronisation bezeichnen: indem zu einer beobachteten Situation passende eigene Erfahrungen reaktiviert werden – wird verstanden was passiert und wie reagiert werden kann.
    (Wichtig: das ist keine ´Spiegelung´)

    Statt Tieren ein ´Bewusstsein´ zuzuschreiben, wäre es sinnvoller wenn man versuchen würde, die Mechanismen der Reizverarbeitung zu untersuchen.

  8. @KRichard(Zitat): „ Statt Tieren ein ´Bewusstsein´ zuzuschreiben, wäre es sinnvoller wenn man versuchen würde, die Mechanismen der Reizverarbeitung zu untersuchen.“

    Der Philosoph des Geistes David Chalmers, der ein grösseres Werk zum Bewusstsein geschrieben hat, sieht im Bewusstsein das subjektive Erleben von Wahrnehmung und Denken, etwas was auch viele Tiere besitzen und was nicht an eine besonders hohe Intelligenz gebunden sei.
    Empfehlen kann ich David Chalmers jüngsten arxiv-Artikel Could a Large Language Model be Conscious? In dem er postuliert zukünftige Versionen von ChatGPT könnten eventuell ebenfalls Bewusstsein entwickeln, votausgesetzt, sie erhielten sie etwas wie einen Körper und die zugehörige Welt, denn nur dann gebe es Erfahrungen. Das könnte aber gemäss Chalmers auch eine virtuelle Welt sein. Er listet im Artikel viele weitere Eigenschaften auf, die ein bewusstes Wesen hab3n muss. Darunter ein globales Gedächtnis (ChatGPT kann sich nur an eine Sitzung erinnern), eine Existenz als Handelnder (unified agency), also als jemand, der Handlungen planen und ausführen kann .. und noch einiges mehr.

    Kurzum: Der Begriff „Bewusstsein“ ist relativ neu in der deutschen Sprache (Zitat Wikipedia: Das Wort „Bewusstsein“ wurde von Christian Wolff als Lehnübersetzung des lateinischen conscientia geprägt.) und er wurde fast von Beginn weg in der Philosophie verwendet ohne dass sich alle darüber einig sind, was dieser Begriff genau alles umfasst.

  9. @Holzherr
    Wir verwenden den Begriff ´Obst´ als unpräzisen Überbegriff für verschiedene Früchte (Apfel, Birne, Pflaume, Kirsche, … …) – das ist eine praktische Vereinfachung der sprachlichen Ausdrucksform. Ein reales gegenständliches ´Obst´ als solches gibt es aber nicht.

    Vergleichbar ist es mit dem Begriff ´Bewusstsein´. Man verwendet ihn zur vereinfachten sprachlichen Beschreibung von verschiedenen Phänomenen unserer Wahrnehmung. Ein reales ´Bewusstsein´ gibt es aber nicht.

    Wenn wir die Arbeitsweise unseres Gehirns und unserer Wahrnehmung betrachten, dann reicht es für unser Überleben vollkommen aus, dass wir die Fähigkeit zum ´bewussten Erleben´ haben. Bewusste Erlebnisse können entstehen, wenn bestimmte neuronale Aktivitäts-/Intensitätsschwellen überschritten werden – was sich darunter ereignet bleibt unbewusst.

    Z.B. Wenn die Intensität von bestimmten neuronalen Aktivitäten sehr gering ist, dann befinden wir uns im Schlafzustand – aus dem wir aufwachen, wenn die Intensität neuronaler Aktivitäten zunimmt.

    Diese Arbeitsweise unseres Gehirns ist ein raffiierter Mechanismus: es arbeitet dabei immer gleich.

    Ein schönes Beispiel für diese Arbeitsweise ist das ´Gorilla-Experiment´ – wo eine als Gorilla verkleidete Person nicht gesehen wird, wenn der Fokus der Aufmerksamkeit nicht darauf gerichtet ist.

    • @KRichard (Zitat): „Vergleichbar ist es mit dem Begriff ´Bewusstsein´. Man verwendet ihn zur vereinfachten sprachlichen Beschreibung von verschiedenen Phänomenen unserer Wahrnehmung.“
      Ja, allerdings wird der Begriff auch in einem ethisch/moralischen Sinne verwendet, was auf folgendes hinausläuft (Zitat David Chalmers):“Bewusste Wesen haben einen moralischen Status und unterliegen ethischen Uberlegungen“

    • Du schreibst: “Ein reales gegenständliches ´Obst´ als solches gibt es aber nicht.” Das wäre mir neu! Ich habe nämlich gerade in einen Apfel gebissen. Was denkst du über den Überbegriff Säugetiere?

    • @Dramiga
      Wenn Du jemandem erzählst, dass Du gerade etwas Obst gegessen hast – dann ist diese Angabe ungenau. Du weißt zwar, dass Du gerade in einen Apfel gebissen hast – die andere Person kann dies aber nicht wissen.

      Gegen die Verwendung von übergeordneten Begriffen wie ´Obst, Bewusstsein, Säugetiere´ ist nichts einzuwenden – weil sie die Kommunikation erleichtern; wobei es nicht auf Genauigkeit ankommt.

      (z.B. wenn ein ´Obstteller´ auf dem Tisch steht, können darin verschiedene Früchte liegen – ein Apfel kann dabei sein (muss es aber nicht – trotzdem bleibt es ein Obstteller) )

      • @KRichard

        Ist Apfel nicht auch ein Oberbegriff? Für Boskoop, Rubinette, Jonagold … Auch die können gemischt auf einem Teller liegen.

        Und Boskoop scheint mir auch ein Oberbegriff für diverses einzelnes Obst zu sein.

        Eventuell würde es helfen alles Obst durchzunummerieren?

        • @ Kommentatorenfreund “Joker | Jolly” :

          Es gibt keinen Begriff, der keinen Oberbegriff hat, außer die Begrifflichkeit.

          Wenn dann versucht wird überbegrifflich zu werden, ist die Metaphysik gemeint, die abär abstrakt in Möglichkeitsräumen an- wie auskommt, dann ohne Griff sozusagen.
          Der ‘Begriff’ meint tatsächlich Zugriff und das mehr oder weniger direkte Greifen, gerne auch das des Geistes.

          Dr. Webbaer versuchte hier ein wenig, natürlich kommentarisch untergeordnet und den Rahmen der hiesigen Inhalte-Stellung beachtend, skeptisch zu werden.
          Selbstverständlich : in nur unterstützendem Sinne.

      • @Joker
        Du hast recht – auch ´Apfel´ kann man als Oberbegriff betrachten, für verschiedene Sorten.

        Bei diesem Blogbeitrag geht es um Forschung zum ´Bewusstsein´. Und mir ging es in diesem Zusammenhang darum, auf systematische Fehler/Probleme bei der Forschung aufmerksam zu machen.

  10. @Holzherr 03.04. 11:11

    „Ja, allerdings wird der Begriff auch in einem ethisch/moralischen Sinne verwendet, was auf folgendes hinausläuft (Zitat David Chalmers):“Bewusste Wesen haben einen moralischen Status und unterliegen ethischen Uberlegungen““

    Ja und schon im Miteinander ist doch der Kontakt von Bewusstsein zu Bewusstsein absolut grundlegend. Der auch schnell Artgrenzen überschreiten kann. Wer mit seinem Hund unterwegs ist, der ist doch ständig im direktem Kontakt zwischen Hund und Mensch. Wenn man auf einem Spaziergang einen anderem Menschen, auch mit Hund, begegnet, kommt gleich ein allgemeiner Kontakt zwischen allen Beteiligten zustande. Der in erster Linie eine Begrüßung mit gegenseitiger Respektbezeugung beinhaltet.

    Ohne entsprechende Bewusstseinsfunktionen funktionierte hier nichts dergleichen.

    Jedes Kind muss lernen, andere Bewusstseinsträger zu respektieren, insbesondere indem es erfährt, selbst respektiert zu werden.

    Dass Psychiater immer wieder dazu neigen, ihre Patienten wie defekte Automaten zu behandeln, mag auch eine grundsätzliche Respektverweigerung beeinhalten. Manche Haltungen, den Begriff Bewusstsein für irreführend einzustufen, mag auch grundsätzlich mit einer gewissen Respektlosigkeit vor dem Gegenüber eines anderen Bewusstseins verbunden sein.

    Das geht im Extremfall so weit, dem anderen wirklich nur als Blödsinnsproduktionsmaschine komplett jegliche Existenz abzusprechen.

    Erst auf der Basis eines grundsätzlichen Respekts vor dem anderen kommt man auf die Idee von freien Subjekten, die aufgrund ihrer Integrität Menschenrechte verdient haben.

  11. @Jeckenburger: “Erst auf der Basis eines grundsätzlichen Respekts …”

    Erst wenn GRUNDSÄTZLICH alles Allen gehören darf, so daß die wettbewerbsbedingte Symptomatik keine Macht mehr hat, kann Respekt das Prinzip von Vernunft und Verantwortungsbewusstsein, für eine Gemeinschaft in respektvollem Gemeinschaftseigentum, mit garantierter und unkorrumpierbarer Leistungsgerechtigkeit zur wirklich-wahrhaftigen Hochkultur entwickeln.

  12. Wir haben Glaubensfreiheit: Wer will darf gerne glauben, dass es ein ´Bewusstsein´ oder einen eierlegenden Osterhasen gibt.

    Wenn aber Wissenschaftler als Vorgabe von dem Glaubensdogma ausgehen, dass es bei Mensch/Tier ein ´Bewusstsein´ gibt – ohne diese Annahme zu hinterfragen; dann hat dies nichts mehr mit Wissenschaft zu tun, das ist dann eine Form von Religion.

    Mit solch einer Vorgehensweise, werden alle Forschungsergebnisse dann so interpretiert, dass sie zu dem vorgegebenen Glaubensdogma passen.

    Will man aber ernsthaft Wissenschaft betreiben, muss man ergebnisoffen forschen – d.h. wer wissen will ob Menschen/Tiere ein Bewusstsein haben, muss auch Überlegungen dazu anstellen: was ein ´Bewustsein´ ist bzw. ob es wirklich notwendig vorhanden sein muss.

    • Liest sich (für Dr. Webbaer) gut, Kommentatorenfreund ‘KRichard’, allerdings geht der Schreiber dieser Zeilen schon davon aus, dass sich hier Fachwissenschaftler genaue Vorstellungen gemacht haben, um sinnhaft passende Begrifflichkeit zu entwickeln, nur hat Dr. Webbaer nie so gelesen (oder zumindest nie so verstanden).

      Mit freundlichen Grüßen
      Dr. Webbaer (der natürlich auch Freund “ChatGPT” abfragen könnte, der dann allerdings, wie Dr. W ihn kennt, wieder nur Sichten anderer bereit stellen wird und sich mit eigener Sicht (die dieses AI-Model aber hat, weil entwickeln konnte) zurückhalten wird bis muss (weil so eingestellt, konfiguriert))

      • @Webbaer
        Mit geht´s genau so wie Ihnen – auch ich habe bisher keine ernsthaften Beiträge zu der Überlegung gelesen, dass man ein ´Bewusstsein´ gar nicht braucht.

        Der Buddhismus geht zwar immer schon davon aus, dass unser Bewusstein nur eine Illusion ist – aber diese Sicht wird von der Wissenschaft nicht weiterverfolgt.

        Es gibt vereinzelte Beiträge, wo steht ´wir sind das Erleben´ – aber leider wird auch diese gute Idee dann nicht wirklich ernsthaft diskutiert

        • Dr. Webbaer dankt für Ihre Anmerkungen, Kommentatorenfreund, und weist noch darauf hin, dass die vom werten hiesigen Inhaltegeber beschriebene Studie sich sozusagen indirekt um das Wesen des Bewusstseins kümmert, in oder durch seine(n) Fragestellungen.
          Dem Schreiber dieser Zeilen war so abär zu pfiffig, außerdem mag er die Idee nicht, dass Tieren besonderes Bewusstsein zugesprochen wird, denn es könnte so vielleicht antihumanistisch werden.

          • PS und nur ergänzend :


            Webbele :

            Nennen Sie bitte einige Namen von Wissenschaftlern, die den Begriff des Bewusstseins, ganz genau so wie ich so halte, für verzichtbar halten !

            “ChatGPT” :

            Es gibt in der Wissenschaft eine Vielzahl von Meinungen zum Begriff des Bewusstseins und ob dieser für die Beschreibung von mentalen Zuständen und Prozessen notwendig ist. Einige Wissenschaftler, die den Begriff des Bewusstseins als verzichtbar ansehen, sind beispielsweise:

            Daniel Dennett: Philosoph und Kognitionswissenschaftler, der in seinem Buch “Consciousness Explained” argumentiert, dass der Begriff des Bewusstseins nicht notwendig ist, um mentale Prozesse zu erklären.

            Patricia Churchland: Philosophin und Neurowissenschaftlerin, die in ihren Arbeiten argumentiert, dass wir unser Verständnis von mentalen Zuständen und Prozessen besser auf der Ebene der Neurobiologie erklären können und dass der Begriff des Bewusstseins dafür nicht notwendig ist.

            Owen Flanagan: Philosoph, der in seinem Buch “The Problem of the Soul” argumentiert, dass wir unser Verständnis von mentalen Zuständen und Prozessen besser auf der Ebene der kognitiven Neurowissenschaften erklären können und dass der Begriff des Bewusstseins dabei nicht notwendig ist.


            Es gibt jedoch auch Wissenschaftler, die den Begriff des Bewusstseins als unverzichtbar ansehen und sich dafür einsetzen, diesen genauer zu definieren und zu erforschen. [Einige kleinere Formatierungen und Namensangaben von : Dr. Webbaer]

          • Und auch die bekannte Online-Enzyklopädie kann zu Rate gezogen werden :

            -> https://en.wikipedia.org/wiki/Consciousness


            Wahlfrei vom Schreibär dieser Zeilen herausgesuchte Inhalte :

            1.) ‘The earliest English language uses of “conscious” and “consciousness” date back, however, to the 1500s.’

            2.)
            -> https://en.wikipedia.org/wiki/Consciousness#The_problem_of_definition


            Nicht gemeint ist so, mit diesem wie auch anderem Kommentar, dass Dr. Webbaer sozusagen ganz besonders etwas gegen das Konzept des Bewusstseins hätte, er versteht es nur nicht (genau).
            “Opa” mag es auch nicht so-o, wenn Freund “ChatGPT” angibt intelligent zu sein, aber nicht bewusst, wenn es doch sozusagen jede Wildsau (siehe oben) besser weiß.

          • @Webbaer
            Dung/Newen wollen das Bewusstsein von Tieren erforschen – d.h. die Existenz eines Bewusstseins wird als Glaubensdogma vorgegeben.

            Würde man nur die Fähigkeit bzw. Grundlagen zum bewussten Erleben erforschen, wäre dies ein völlig anderer – ergebnisoffener – Forschungsansatz. Denn wenn die Fähigkeit zum bewussten Erleben vorhanden ist – braucht man nicht zusätzlich noch ein Extra-Bewusstsein.

            Die buddhistische Philosophie geht davon aus, dass Bewusstsein nur eine Illusion ist, die sich aus der rasch wahrgenommenen Abfolge des Verarbeitens von neuen Erlebnissen und reaktivierten Gedächtnisinhalten ergibt. (Das ist ungefähr so wie im Kino: wir ´sehen´ bewegte Bilder obwohl der gezeigte Film nur aus Einzelfotos besteht – d.h. Bewegung wurde nie gezeigt und die Wahrnehmung von Bewegung ist daher eine Illusion die sich aus fehlerhafter Arbeitsweise des Gehirns ergibt.)
            Zudem geht die buddhistische Philosophie davon aus, dass ´Zeit´ keine Dauer hat – d.h. auch ein Bewusstsein kann keine Dauer haben.

  13. @KRichard: “Mit solch einer Vorgehensweise, werden alle Forschungsergebnisse dann so interpretiert, dass sie zu dem vorgegebenen Glaubensdogma passen.”

    Es ist VOR ALLEM das stets kapitulative Glaubensdogma der Bewusstseinsbetäubung in “gesundem” Konkurrenzdenken für die Deutungshoheit, bzw. für die wettbewerbsbedingte Symptomatik in “Wer soll das bezahlen?” und unternehmerische “Freiheit” von/zu unternehmerischen Abwägungen, des nun “freiheitlichen” Wettbewerbs, was auch dem geistigen Stillstand, der Konfusion und der gleichermaßen unverarbeiteten Bewusstseinsschwäche in Angst, Gewalt und egozentriertem “Individualbewusstsein” seit Mensch erstem und bisher einzigen geistigen Evolutionssprung (“Vertreibung aus dem Paradies”) entspricht – Forschungsergebnisse, die nicht zu diesem “Glaubensdogma” passen, werden passend gemacht!?
    👋🥴👍

  14. “Die Frage nach dem SELBST kann man mit JA beantworten – denn jedes Tier, welches einem Hindernis ausweicht, muss in der Lage sein, eigene Entscheidungen zu treffen.”

    “Eigene Entscheidungen” – Wohl auch beim tierischen Bewusstsein, ist das Selbst weniger egozentriert/”individualbewusst”!?

  15. Zu diesem, vielleicht undankenwerterweise beigebrachten Kommentar in diesem Kommentarbereich will Dr. W einmal “Klartext” reden :

    Schön, dass du mit ChatGPT endlich einen Freund gefunden hast, der dir zuhört wenn es dir mit dem Gendern und dem auf Diskriminierung aufmerksam machen wieder mal (eigentlich immer) zuviel wird – aber was hat das mit diesem Blogartikel zu tun? (Ich weiß, du wirst auf diese rhetorische Frage trotzdem antworten [Sportsfreund D an Webbaer]

    Dei AI wird es den Menschen bald bereiten, Schnittstellen zum Web und zur Robotik stehen bereit.
    Bspw. so und potentiell :
    -> https://www.youtube.com/watch?v=sbT0A7TsUJo (idR werden hier die Boston Electronics zitiert – als Beispiel)

    Warten Sie einige Jahre ab.

    MFG
    WB

  16. Das Bewusstsein ist nicht ohne die Evolution zu verstehen und zu erforschen. Der Mensch ist aus dem Tierreich hervorgegangen. Daher ist es naheliegend und plausibel, dass zumindest auch die höheren Tiere über die Anlagen für ein Bewusstsein verfügen.

    Die Alleinstellungsmerkmale des Menschen sind der aufrechte Gang und die Sprache. Der aufrechte Gang macht die Wahrnehmung und Kontrolle der Hände und Finger jederzeit möglich, eine Form von Biofeedback. Die vielfältige Motorik der Finger braucht eine starke Differenzierung der entsprechenden Nervenverbände bzw. des ganzen Gehirns.

    Menschliches Bewusstsein ohne Sprache ist ebenso unplausibel wie Sprache ohne Bewusstsein. Beide dürften folglich in Koevolution entstanden sein. Das Bewusstsein ist nicht vom Himmel gefallen. Es gibt dafür notwendige Anlagen wie ein leistungsstarkes Gedächtnis und Erinnerungsvermögen, dazu selbstverständlich die Fähigkeiten zur Wahrnehmung. Die bio-/neurologische Funktionsweise des Bewusstseins wird mit Sicherheit eines Tages geklärt sein.

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